Morgen- Ausgabe Nr. 77 A 37 50. Jahrg. Rebattion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher 7 Amt Donhoff 292 bis 297 Telegrammadresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT MITTWOCH 15. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 Bf. Auswärts....... 15 Pf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß bes rebattionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Sonderkommissar für den Westen Polizeikommandeur wird Vorgesetzter der Oberpräsidenten Eigener Bericht des Vorwärts" Düsseldorf, 14. Februar, Der Reichskommissar Göring hat mif fofortiger Wirkung bis über die Wahlzeit hinaus den Höheren Polizeiführer West, Polizeikommandeur Stieler von Heydekamp als dem Reichskommissar unmittelbar unterstellten Sonderfommissar mit besonderen Vollmachten für die Provinzen Rheinland und Westfalen bestimmt. Sämtliche Anordnungen des Sonderkommissars ergehen im Namen des Reichstommiffars. Die einheitliche Leitung der gefamten staatlichen und fommunalen Polizei und der Landjägerei in beiden Provinzen liegt in seiner Hand. Alle Behörden haben Anforderungen von Polizeifräften unverzüglich Folge zu leisten. Der Polizeikomandeur Stieler von Hendekamp, ein rechtsstehender Polizeiofizier, der, von Bracht berufen, bisher als höherer Polizeiführer West nur mehr oder weniger die Aufgaben eines Inspekteurs der Schußpolizei im Westen wahrzunehmen gehabt hatte, ist damit zum Polizeigewaltigen für ganz Westdeutschland ernannt worden. Dadurch sind nicht nur jämtliche örtlichen zivilen Inhaber der Polizeigewalt, sondern auch die Landräte und Regierungspräsidenten diesem Polizeioffizier unterstellt, der in polizeilichen Angelegenheiten von nun an auch den beiden dem 3entrum angehörenden Oberpräsi denten in Koblenz und Münster An= ordnungen geben kann. Seine Befugnisse sind die gleichen, wie sie der Reichskommissar Göring als Leiter des preußischen Polizeiministeriums inne hat. Genauere Mitteilungen über seine„ besonderen Vollmachten" fehlen. Welche besondere Veranlassung der Reichskommiffar Göring für die Einsehung eines polizeilichen Sonderkommissars gerade für diese beiden preußischen Provinzen hatte, wird nicht mitgeteilt und ist auch nicht bekannt geworden. Falls es aber auch richtig sein sollte, daß Stieler von Heydetamp ermächtigt sei, nötigenfalls als Rückhalt für die Polizei Angehörige der S2. und SS. sowie des Stahlhelms heranzuziehen, 10 müßte gegen einen derartigen Plan schärfster Protest erhoben werden. Die Bevölkerung in diesem größten europäischen Industriegebiet unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung nicht unwesentlich von der manchen Gebieten Ostelbiens. Eine Heranziehung der rechtsgerichteten Wehrverbände zu polizeilichen Aufgaben müßte erst recht zu einer schweren Erschütterung des Vertrauens in die unparteiische Handhabung der Polizeierefutive führen und dadurch statt zur Beruhigung zur Erregung der Bevölkerung beitragen. Man hat hier den Eindruck, daß Berlin bei der Behandlung des deutschen Westens genau denselben psychologischen Fehler begeht, den es bei der Behandlung des deutschen Südens be= gangen hat. Der Kampf um die Aemter Auch der gestrige Tag brachte neue Beurlaubungen leitender preußischer Beamter. So wurde die bereits angekündigte Entfernung des Leiters der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium, Ministerialdirektor Dr. Klausener, durchgeführt. Von einer Wiederverwendung im Leiparts Warnung ,, Kampf auf Tod und Leben" Der Vorsitzende des Algemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Genosse Ceipart, beschäffigte sich gestern abend in einem Vortrag, den er in der Hochschule für Politik über die Stellung der Gewerkschaften in Staat und Wirtschaft hielt, auch mit der gegenwärtigen polifischen Lage. Er führte dabei u. a. aus: ,, Es liegt die Gefahr sehr nahe, daß die begonnene Eingliederung der Arbeiter in den Staat wieder völlig zerstört wird. Die jüngsten offiziellen Reden im Rundfunk und im Sportpalast laffen taum noch 3weifel daran, daß die Kräfte, denen heute die Macht im Staate ausgeliefert ist, diese Absicht verfolgen. Diese Reden können nicht anders als eine Kampfanfage an die organisierte Arbeiterschaft aufgefaßt werden. Es zwingt mich die Berantwortung vor der Zufunft, zu sagen, daß diefer angedrohte Kampf, wenn er mit Gewaltmaßnahmen eingeleitet wird, nicht ohne allerschwersten Schaden vom deutschen Volk wird ertragen werden können. Es mürde bei dem Freiheitswillen und der Entschlossenheit der deutschen Arbeiterschaft ein kampfauf Tod und Leben werden, dessen furchtbare Folgen die jetzigen Machthaber im voraus abschreden müßten." Limfturz im Reichsrat Die Kommissare des Reiches für Preußen" haben als neue Vertretung des preußischen Staates im Reichsrat folgende, Personen benannt: Als Bevollmächtigte des preußischen Staates: von Papen, Göring, Popig, Hugenberg, Hölscher und Rust. Als stellvertretende Bevollmäch tigte im Hauptamt: Staatssekretär Dr Nobis, die Ministerialdirektoren Dr. Landfried, Schüße, Neumann, Dr Hog( Finanzministerium) und Hauptmann a. D. Körner( Ministerium des Innern). Die Kommiffare des Reiches" haben weiter be= schlossen, die Ministerialdirektoren Dr. Badt, Brecht und Coßmann in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen. Das Urteil des Staatsgerichtshofs. vom 25. Oftober sagt: ,, Dem Reichskommissar fonnte weder diese Befugnis( nämlich das Recht, Anweisungen über die Ausübung des Stimmrechts an die Reichsratsbevollmächtigten zu geben. D. Red.) noch das Recht übertragen werden, die bisherigen Bevollmächtigten im Hauptstande in den einstweiligen Ruhestand zu setzen noch neue Bevollmächtigte zum Reichsrat zu ernennen." Die diktatorische Einsegung von Reichsrats= bevollmächtigten durch die preußische Kommis jariatsregierung stößt bei der bayerischen Regierung auf den allerschärfsten Widerstand. Ste wird deshalb in der Donnerstagsizung des Reichsrats die neuernannten preußischen Reichs ratsmitglieder nicht als wirtliche Bevoll Reichsverkehrsministerium, die für diesen dem Zentrum angehörenden Beamten, der auch Leiter der fatholischen Aktion ist, ist nicht mehr die Rede. Gleichzeitig mit ihm ist sein Stellvertreter, der rechtsgerichtete Ministerialdirigent Gräser, beurlaubt worden. Aus der Provinz kommt die Nachricht, daß der Regierungspräsident von Arns. berg, Genosse König, auf Urlaub gehen mußte. Am gestrigen Tage waren beim Reichskommissar Göring sämtliche preußischen Ober- und Regierungspräsidenten zu einer Besprechung geladen. Die schwierigste Aufgabe wird den neuen Herren am heutigen Tage erwachsen, denn von den Maßregelungen des Herrn Göring find betroffen: ein Ministerialdirektor, zwei Ministerialdirigenten, ein Oberpräsident, vier Regierungspräsidenten, drei Regierungsvizepräsidenten, dreizehn Polizeipräsi denten, ein Oberregierungsrat als Vertreter eines Polizeipräsidenten, fünf Bolizeiobersten, zwei Polizeioberstleutnants, zwei Polizeimajore... und da wird in der heutigen Sigung der Kommissariatsregierung die Einigkeit der nationalen Front bei der Neubesetzung sicherlich Triumphe feiern. Zur „ Beurlaubung" von 17 Sozialdemokraten, 7 Staatsparteilern, 4 Angehörigen des Zen trums, 3 Deutschen Wolfsparteilern und- 3 Deutsch nationalen brauchte Herr Göring die Genehmigung des Herrn v. Papen nicht. Vielleicht werden sich die preuBischen Kommissare sogar darüber einigen, sämtliche burlaubte Herren, soweit sie dazu beamtenrechtlich überhaupt imftande sind, zur Disposition zu stellen, denn dadurch werden ja Stellen frei und man braucht freie Stellen. Bloß auf die Einigung über die Neubesetzung sind wir neugierig. mächtigte anerkennen und bei der für Mittwoch im Gebäude der bayerischen Gesandtschaft in Berlin angesezten Borbesprechung der süddeutschen Regierungen einschließlich Hessens Sachsens und der Hansastädte in der gleichen Richtung ihren Einfluß geltend machen. Die bayerische Regierung begründet ihre Haltung mit folgender Rechtsauffassung: Ein Reichsrat, in dem die der preußischen Staatsregierung unmittelbar zustehenden Reichsratsstimmen von einem Reichsorgan instruiert werden, ist fein Reichsrat mehr, wie er in der Reichsverfassung vorgesehen ist. Der Reichsrat ist ausschließlich ein Organ der Länder. Polizei im Reichstag! Kommunistischer ,, Hochverrat" Gestern abend nahm die politische Polizei, wie offiziös gemeldet wird, wegen dringenden Berdachts vorbereitender Handlungen zum Hochverrat eine Durchsuchung in den Räumen des Reichstages vor, in denen eine fommunistische Bersammlung von Angestellten und Betriebsvertretern tagte. Es wurde in den durchfuchten Räumen Material beschlagnahmt. Und der Ueberwachungsausschuß? Und Frank II? Grubenunglüd! Zehn Bergleute verschüttet Hindenburg, 14. Februar Auf der Königin- Cuife- Grube, Offfeld, ging jeute abend gegen 20 Uhr auf der 340- MeterSohle ein Pfeiler zu Bruch. Dabei wurden zehn Bergleute verschüttet. Zur Zeit geben zwei der Berschüffeten Lebenszeichen. Die Rettungsarbeiten find fofort aufgenommen worden. Nein! Nein! Nein! Deutschland ist nicht Italien! Ist Deutschland Italien? Die Patentdeutschen wollen italienische Zustände in Deutschland einführen. Ihre Zeitungen schreien im Lande, daß fie nicht ,, über Zwirnsfäden stolpern" sollen. Die Zwirnsfäden, das sind die Vorschrif= ten der Verfassung, es sind die politischen Rechte des Volkes, das Recht des Reichstags. Die Gelüste zum offenen Bruch der Verfassung sind offenkundig. Der Terror soll von den Straßen in die Parlamente ge= tragen werden, bis die Volksvertretung zu einer bloßen Kulisse vor der reinen Gewaltherrschaft einer Partei geworden ist. Die Sprengung des Ueber= wachungsausschusses des Reichs= tags, die gewaltsame Verhinderung einer ordnungsgemäßen Sigung ist offenfundiger Verfassungsbruch. Eine Minderheit hat gegen den Willen der Mehrheit die parlamentarische Kontrolle der Regierungstätigkeit, wie sie in der Verfassung vorgesehen ist, verhindert. Der Preußische Landtag ist für die Dauer der Wahlzeit ausgeschaltet. Die Ueberwachungsausschuß des Reichstags ist gewaltsam zersprengt. Ueber die Vorwände ist kein Wort zu verlieren das verfassungsmäßige Recht des Parlaments follte zerfezt werden! Eine Generalprobe der Gewalt ist gemacht. Der Reichstag, der am 5. März gewählt wird, soll nach dem Willen der nationalsozialistischen Gewaltpartei eine ohnmächtige deforative Einrichtung sein, ein Sejm unter pilsudskischer Dittatur oder ein Scheinparlament nach faschistischem Muster. Die Absichten find flar. Ebenso flar ist. daß die Reste des Bürgertums diesen Abfichten fleinmütig und willenlos gegenüberstehen. Auf diese Kreise mag der Versuch des Terrors nach faschistischem Muster Eindruck machen auf sozialistisch geschulte Proletarier aber nicht! " Die Tobsucht des faschistischen Terrors schafft weder Arbeit noch Belebung der Wirtschaft. Sie ist das beste Mittel zur Verewigung der Wirtschaftskrise. Ein wunderbarer Wiederaufbau" aus der Krise müßte das werden, wenn Staat und Recht nach dem 5. März nach dem Willen der Nationalsozialisten durcheinandergebracht würden! Wir gratulieren dem Bürgertum schon im voraus zu diesen Aussichten, für die es selbst die volle Verantwortung trägt! Heute hören wir die Ankündigungen von der Ausrottung des Marrismus, von dem zehnjährigen Vernichtungskampfaber nicht wir werden auf der Strecke bleiben, sondern das Bürgertum wird die Zeche be= zahlen! Ist Deutschland Italien? Das Gefüge seiner Wirtschaft, die soziale Zusammensehung seiner Bevölkerung, die politische und soziale Tradition seiner Bevölkerung ist anders als in Italien! Anders ist Bedeutung und Schwergewicht des deutschen Proletariats, und die politischen Hasardeure, die von der Zerschlagung der Arbeiterorganisationen schwärmen, vergessen, daß das Proletariat eines modernen Industriestaates immer organisiert ist durch die Produktion selbst! Die faschistische Diktatur kann die Klassengegensätze in Deutschland nicht beseitigen, sie fann fie nur in ganz ungeheuerlicher Weise verschärfen. Ihre Anhänger berufen sich gern auf die 12 Millionen Stimmen, die am 6. November für sie abgegeben worden sind, einen zusammengelaufenen Haufen, der sich seit dem 31. Juli schon wieder um 2 Millionen verkleinert hat. Ihnen gegenüber stehen unverändert und unveränderlich minbeftens 13 bis 14 Millionen der Werkstatt, die in dem Willen, sich nicht verftlaven zu lassen, einig sind. Offen ist von der anderen Seite ausges sprochen worden, daß der 5. März feine Entscheidung bringt, sondern nur eine Voroder Zwischenentscheidung. Auch wir sind uns vollkommen dessen bewußt, daß diefer Wahltag nur den Auftakt für die bevorstehenden großen Auseinandersetzungen bildet. Aber gerade darin besteht seine unermeßliche Bedeutung, daß er in engerem Sinne als irgendeiner seiner Vorgänger eine ,, eers cha u" ist. Im Wahlkampf müssen wir die Kräfte entwickeln, die über den Wahlkampf hinaus nötig sind, um zu verhindern, daß an die Stelle deutscher Volksrechte eine italienische Sklaverei gesetzt wird! An der Schwelle großer geschichtlicher Ereignisse, in denen sich das Schicksal der deutschen Arbeiterklasse und des ganzen deutschen Volkes entscheiden wird, stehen die Wahlen am 5. März. Sie werden uns den Sieg noch nicht bringen, aber sie können ihn vorbereiten, ja gewiß machen! Darum alle Kräfte angespannt, damit dieser Wahlkampf unsere Feinde zurück- und uns vorwärtsbringt! Die Presse- Not Verbot! Verbot! Verbot! Die Gewerkschaft", das Organ des Gesamtverbandes, ist mit ihren Kopfblättern auf Grund des§ 9 Absatz 1 3iffer 1 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 4. Februar 1933 und in Verbindung mit den§§ 81 bis 86 des Strafgesetzbuches bis zum 26. März verboten worden. Das Verbot erfolgte wegen eines ,, Eingefandt" aus Kollegentreifen in Nr. 6 der Gewerkschaft" vom 11. Februar. Die badische Regierung hat auf Ersuchen des Reichsinnenministers die Volkszeitung" in Heidelberg, ein Kopfblatt der Mannheimer Volksstimme", auf die Dauer von fünf Tagen verboten. Das Blatt hatte in einem Artikel u. a. die Anfrage an die badische Regierung gerichtet, ob sie bereit sei, die Rundfunkrede Hitlers in Baden anschlagen zu lassen. Bei dieser Gelegen. heit war der Aufruf, der in ganz Deutschland einen ungeheuren Proteststurm ausgelöst hat, einer Kritik unterzogen worden. Der Reichsinnenminister erblickte darin den Tatbestand der Beschimpfung und Berächtlichmachung". " Die„ Neißer Zeitung" ist für die Zeit vom 15. bis einschließlich 17. Februar verboten worden. Die Reißer Zeitung" ist eines der ältesten und einflußreichsten Zentrums blätter des ganzen Ostens. * # Die medlenburgische Nazi- Regierung hat am Dienstag die gesamte sozialdemokratische Presse Medlenburgs auf acht Tage verboten. Angeblich sollen in verschiedenen Arfifeln Mitglieder der Reichsregierung böswillig verächtlich gemacht worden sein. Die politisch- satirische Wochenzeitung„ Die Ente" ist vom Berliner Polizeipräsidenten wegen„ böswilliger Verächtlichmachung einiger Mitglieder des Reichskabinetts" bis zum 31. März verboten worden. Erst kürzlich wurde das Redaktionsbüro des Blattes bekanntlich von SA.- Burschen überfallen. Wahlspeck im Großen Vollstreckungsschutz erweitert Um die Wahlen für ihre Interessenten aussichtsreich zu machen, arbeitet die Regierung der nationalen Erhebung unter Bolldampf. Die Tinte unter den Berordnungen zur Erhöhung der Vieh, Fleisch, Schmalz und Spedzölle und zur Kündigung der französischen Zollbindungen ist noch nicht trocken. Aber das Reichstabinett hat Dienstagnachmittag, wie gemeldet wird, bereits wieder eine neue Verordnung über die Erweiterung des landwirtschaft lichen Vollst redungsschutes fertigge stellt. Die Veröffentlichung ist für heute ange fündigt. Die letzten Lücken des bisher schon sehr meitreichenden Vollstreckungsschutzes in der Landwirtschaft dürften durch diese Verordnung ge schlossen werden, die sich auf die gesamte Landwirtschaft des ganzen Reiches und jede Art von landwirtschaftlichen Betrieben erstrect, soweit nur die landwirtschaftlichen Schuldner ohne eigenes Verschulden" in eine finanzielle Notlage gekommen find. Bisher galt schon ein Vollstreckungsschutz für Grund- und Betriebsvermögen, der sogar die Staatssekretär für Mittelstand Früchte auf dem Felde einschloß und zwar bis zum 1. Oktober d. J. Neu dürfte sein, daß nicht mehr der Schuldner den Beweis dafür zu bringen hat, daß er ohne sein Verschulden in Noflage geraten fei, sondern die Beweislast fällt dem Gläubiger zu. Daß die Gläubiger bet diefer Lage wenig Aussicht haben, zu ihrem Gelde zu tommen, ist ganz selbstverständlich. Hugenberg und sein Staatssekretär Bang haben gesagt, die Wiederherstellung von Treu und Glauben im Wirtschaftsleben sei eine der vornehmsten Aufgaben der neuen Wirtschaftspolitik. Daß dem Gläubiger die Beweislaft für die Schuld an der Notlage zugeschoben wird, ist das Gegenteil eines solchen Grundsazes, vom Prinzip des Bollstreckungsschutzes ganz zu schweigen. Das Ergebnis wird freilich für die Landwirtschaft vernichtend sein; denn der land= wirtschaftliche Kredit wird noch mehr zerstört als bisher. Brief an Göring Das Zentrum erinnert ihn an seine Pflichten Im Namen der Zentrumsmitglieder des Ueberwachungsausschusses hat Abg. We g= mann an den Reichstagspräsidenten Göring folgendes Schreiben gerichtet: ,, Nachdem am 7. d. M. die Sigung des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volks= nalsozialistischen Mitgliedern vor Beginn vertretung infolge des Verhaltens von natio der fachlichen Arbeiten gesprengt worden ist, haben sich heute diese beschämenden Vorgänge wiederholt. Da Sie vom Vorsitzenden des Ausschusses über die Vorkommnisse am 7. d. M. unterrichtet und gebeten worden sind, den ordnungsmäßigen Verlauf der heutigen Sigung zu ermöglichen, muß ich zugleich im Namen der übrigen Zentrums- Ausschußmitglieder meinem schmerzlichen Bedauern Ausdrud geben, daß Sie dem Ausschuß die Ausübung feiner verfaffungsmäßigen Rechte nicht ermöglicht haben. Ich bedaure das um so mehr als gerade in der heutigen Sigung auch Beschluß gefaßt merden sollte über Hilfsmaßnahmen des Reichs zugunsten der von dem furchtbaren Unglüd in Neunkirchen Betroffenen. 3hr Nichteingreifen berührt mich um deswillen besonders eigenartig, weil wir noch vor wenigen Monaten in dem gleichen Ausschuß gemeinsam gegen verfassungswidrige Maßnahmen der Regierung v. Papen und für die Rechte der Volksvertretung gekämpft haben. Die Mitglieder meiner Fraffion haben Ihnen bei den letzten Präsidentenwahlen einmütig die Stimme gegeben; sie haben dabei auf Ihre vor dem Reichstag und damit dem deutschen Volk feierlich abgegebene Erklärung vertraut. daß Sie die Geschäfte unparteiisch gemäß der Geschäftsordnung und der Verfassung führen würden. Nach der Verfassung und Geschäftsordnung gehört es zu den vornehmsten Pflichten des Präsidenten, die Arbeiten des Plenums GA.- Terror in Luckenwalde und seiner Ausschüsse zu gewährleisten. Eigener Bericht des Vormärts" Eudenwalde, 14. Februar. Die Eiserne Front hatte für Dienstagabend eine öffentliche Wählerversammlung einberufen. Referent sollte Genosse Dr. Löwenstein sein. Der größte Saal des Ortes war bereits um 128 Uhr voll besetzt. Während der Vorsitzende den Genoffen Löwenstein von der Bahn abholte, überfielen SA.- Leute den Saal. Die Polizei hatte am Eingang sämtliche Versammlungsbesucher nach Waffen untersucht. In der Zwischenzeit drangen durch einen Nebeneingang etwa ein ein Dugend SA.- Leute in Uniform, es waren Leute von den Stürmen 66 und 33 aus Berlin in den Saal. Der Haupteingang, der von Poli-. zisten besetzt war, war völlig versperrt. Schließlich waren die SA- Leute, die nach und nach eindrangen, in einer Anzahl von rund 150 Personen erschienen. Sie waren mit Stahlruten und sonstigen Schlaginstrumenten versehen und schlugen auf die Versammlungsbesucher am Eingang ein. Teller, Biergläser, Kaffeekannen, Tische und Stühle wurden von ihnen benutzt, um damit die Versammlungsbesucher anzugreifen. Die Polizei beschränkte sich darauf, die Frauen aus dem Eingang herauszudrängen. Der Saal ist ein wüster Trümmer. haufen, die Fensterscheiben sind zerschlagen, Tisch und Stühle völlig zerbrochen. Nach den Feststellungen sind 10 Bersammlungsbefucher verlegt, darunter 4 schwer. Die Arbeiterschaft ist außerordentlich erregt und plant für die nächsten Tage eine Demonstration.. Sie werden mit mir davon durchdrungen sein, daß Sie sich von der unparteiischen Erfüllung Ihrer präsidialen Pflichten auch nicht durch Ihre Parteifreunde im Ausschuß abhalten lassen dürfen. Ich richte daher an Sie das dringende Ersuchen, dem Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Bolksvertretung die Ausübung seiner verfassungsmäßigen Rechte unverzüglich zu ermöglichen und zu gewährleisten." Auch Abg. Pfleger hat namens der Banerischen Volkspartei an Göring ein Schreiben gerichtet, das ihn zur Ausübung seiner Präsidentenpflichten auffordert. Auch die kommunistischen Mitglieder des Ausschusses veröffentlichen eine Erklärung, in der sie gegen die Sprengung des Ausschusses protestieren. Rechtsanwalt Frank|| Die Presseleitung der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion teilt mit: ,, Abgeordneter Dr. Frant II hat bei der 3213 Bei der Erweiterung des Bollstreckungsschußes wird der gewerbliche Mittelstand auf dem Lande von neuem in Mitleidenschaft gezogen. Wie weit Steuern und Zinsen unter den neuen Schuß fallen, muß sich noch zeigen. Aber Hugenberg ist auch hier nicht in Verlegenheit Er hat sich daran erinnert, daß die Handwerkskammern und die Drganisationen des Mittelstandes seit langem eine besondere Vertretung ihrer Mittelstandsinteressen in der Reichsregierung verlangt haben. Hugenberg hat deshalb den Vertretern der mittelständlerischen Organisationen versprochen, daß er ein Staatssekretariat für den Mittelst and schaffen wolle und eine solche Stelle beim Reichswirtschaftsministerium für den neuen Etat beantragen werde. Daß die Masse der Handwerker und Kleingewerbetreibenden mit diesem Ersatz für die von ihnen erwarteten neuen Aufträge und besseren Verdienste zufrieden sei, ist allerdings kaum anzunehmen. " Staatsanwaltschaft für den Landgerichtsbezirk Berlin Strafanzeige gegen den Schriftleiter des Berliner Tageblattes", Dr. Bretholz, wegen Beleidigung erstattet, und zwar wegen der in der Abendausgabe des Blattes vom 14. d. M. unter der Ueberschrift ,, Ausschuß wieder gesprengt" enthaltenen bewußt unwahren und beleidigenden Sachdarstellung. Außerdem hat Abgeordneter Dr. Frank II den Reichstagspräsidenten in einem Schreiben ersucht, den gänzlich verlogenen und Derleumderischen Darstellungen der Sigungsvorgänge, wie sie von den Marristen gegeben werden, entgegenzutreten." Man muß gestehen, daß die körperlichen ,, Heldentate n" dieses Parteisyndikus geradezu erstickt werden durch die orientalische" Dreistigkeit, mit der er nach vollbrachter Tat sich der Deffentlichkeit vorstellt. Der Ministerkommissar und Reichstagspräsident Göring weiht inzwischen Bilderausstellungen des faschistischen Italien mit Lobreden ein. Er sollte, menn er schon nicht Ordnung im Reichstag schaffen kann, auch die Geistigkeit seiner Fraktionsfollegen ausstellen lassen... sig ige Hochschule für Faschismus? Rust hält Parteireden im Hörsaal unter Vorsitz des Prof. Kohlrausch Gestern abend hielt in der Universität der derzeitige fommissarische Kultusminister Rust einen Vortrag über den nationalsozialistischen Kulturwillen. Nach einer halbstündigen Verspätung wurde die Versammlung von dem Rektor Prof. Kohlrausch mit der Bemerkung eröffnet, es sei die Pflicht der Universität, öffentlichen Be wegungen ihre Räume zur Verfügung zu stellen. Die Versammlungsleitung habe er gerne übernommen, weil er damit betonen wolle, daß die Wissenschaft mit der Zeit gehe. Rust behauptete, die nationalsozialistische Bewegung sei ,, aus den Tiefen des Volkes auf das Kathed er gestiegen". Wir haben die Macht im Staate ergriffen. Unser Führer wurde am 30. Januar Kanzler des Deutschen Reiches. Adolf Hitler wird die Macht nie wieder aus der Hand geben. Berlin bleibt cot! Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs- Veranstaltungen: 7. Kreis Charlottenburg: Donnerstag, den 16. Februar, 20 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53. Referent: Erich Lübbe, M. d. R. 10. Abt. Tiergarten: Freitag, den 17, Februar, 19.30 Uhr, Eiserne- Front- Versammlung im Schultheiß- Patzenhofer, Turmstr. 26. Referent: Kurt Heinig, M. d. R. 22. Abt.- Wedding: Mittwoch, den 15. Februar, 19.30 Uhr, in der Hochschulbrauerei, Amrumer-, Ecke Seestr. Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 17. und 23. Abt.- Wedding: Mittwoch, den 15. Februar, 19.30 Uhr, im großen Saal der Hochschulbrauerei, See-, Ecke Amrumer Straße. Referent: Karl Litke, M. d. R. 82. Abt. Steglitz: Donnerstag, den 16. Februar, 20 Uhr, Kundgebung in der Aula des Gymnasiums, Steglitz, Heesestr. 15. Referent: Dr. Richard Lohmann. Knorrbremse: Donnerstag, den 16. Februar, 15% Uhr, Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden bei Fiedler, Lichtenberg, Sonntag- Ecke Ludwig- LehmannStraße. Referent: Max Heydemann, M. d. L. 85. Abt. Tempelhof: Sonnabend, den 18. Februar, 20 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums, Tempelhof, Kaiserin- Augusta- Straße. Referent: Dr. Richard Lohmann. 131. Abt. Niederschönhausen: Sonnabend, den 18. Februar, 18 Uhr, Kundgebung bei Dittmann, Rosenthal, Hauptstr. 106. Referent: Genosse Flücht. Außerdem Mitwirkung der Kinderfreunde, des Sprechchors und des Singekreises. Wir werden den Kampf, den wir in der Opposition aufgenommen, jetzt mit allen Mitteln der Staatsgewalt durchführen. Unsere Gegner haben uns gezeigt, wie man die Staatsgewalt nicht ge= brauchen darf. Die Sozialdemokratie war nicht aus eigener Kraft ans Ruder gekommen, sie hat sich die Macht erschlichen. Die Bolschewisten machten die Revolution und die Sozialdemokratie hat sich in den Sattel gesetzt. Diese Periode des liberalistischen Margismus ist zu Ende. Wenn wir sagen, wir sind Revolutionäre, dann verstoßen wir nicht gegen die nationalen Gegebenheiten. Wir fämpfen gegen die Entartung durch den Liberalismus und Marrismus. Diese Ungeheuer gilt es zu beseitigen. Der Nationalsozialismus ist die Regenerationslehre des nationalen Lebens. Die wissenschaftlich nicht angreifbare Lehre der Bererbung rassischer Werte löscht das Wort Gleichheit aus. Wir lehnen von unserem unferem Standpunkt die Gleichstellung aller Menschen ab. Es gibt auch keine Gleichheit innerhalb einer Rasse. Die schöpferische Persönlichkeit steht im Mittelpunkt unseres Lebens. Ihr gilt die Pflege aller Maßnahmen des Kultusministeriums. Nicht das Individuum, sondern die Nation ist das Maß aller Dinge. Wir lehnen die Freiheit als unmenschlich ab. Die Idee des Pazifismus erlischt. Ein Bolt, das nicht den Mut hat, die Kinder zu gebären, die nach der Natur geboren merden wollen, das die natürliche Auslese durch eine negative erseßen. muß zugrunde gehen. Wir werden alle Notleidenden unterstützen. Aber der Staat darf nie zu einer Versicherungsanstalt werden, weil dann die Schwachen über die Starken. siegen werden. Ich kann mir nicht denken, daß artfremde Menschen, auch wenn sie den besten Willen haben, die deutsche Kultur aufbauen können. Sie gilt es zu beseitigen. Erst wenn der nationalsozialistische Geist die Hochschule erobert hat, wenn das Dritte Reich aufgebaut ist, dann wird Deutschland befreit sein... In dem Stil redete der preußische Kultus= Rohlrausch präsidierte. kommissar des Reichs meiter und der Rektor Prof. Man kann Mitleid mit ihm und seiner Hochschule haben! ERSTE BEILAGE Vorwärts Die Lichtenberger ,, Tonne" Menschenfalle im Osten Berlins Kinder in Gefahr 3m Osten Berlins, im Berwaltungsbezirk Lichtenberg, befindet sich im Zuge der Borhagener Straße eine Bahnunterführung, die im Volksmund die„ Tonne" genannt wird. Eine im wahrsten Sinne des Wortes tonnenähnliche Deffnung führt unter dem Gleiskörper des Bollrings und der Güterbahn von der Boghagener zur Marktstraße hindurch. Dieser tonnenähnliche Durchgang ist die einzige Berbindung zwischen den Ortsteilen Bog hagen und NeuLichtenberg und ein Hauptverkehrsweg vom Osten zur Ausfallstraße nach Schöneweide. Die lichte Weite dieser., Tonne" beträgt fieben Meter. Der schmale Fahrdamm wird von zwei je einen Meter breiten Gehbahnen flankiert. Die Höhe der Unterführung ist 3,90 Meter! Die Straßenbahn kann durch diese Menschen= falle nur eingleisig fahren, und es ist ein wahres Wunder, daß hier, wo drei Straßenbahnlinien verkehren die 13, 76 und 113- nicht täglich zusammenstöße erfolgen. Verschärfend tritt hinzu, daß die Straßenführung hier feineswegs geradlinig sondern im scharfen Winkel verläuft. Die Straßenbahnführer haben an dieser Weiche absolut keine Uebersicht und können sich im gegenseitigen Verkehr nur durch scharfes Läuten bemerkbar machen. Oft kommt es daher vor, daß Fahrer, die den entgegenkommenden Wagenzug nicht rechtzeitig gehört" haben und das soll bei dem Gerassel der überfahrenden Bahn und dem an dieser Stelle starken Wagen- und Autoverkehr auch gar nicht so leicht sein ihren Wagen zurückfahren müssen, was dann Verkehrsstockungen und Verspätungen zur Folge hat. Durch diese ,, Tonne" muß aber auch der gesamte andere Auto- und Wagenverkehr nach dem vorgenannten Ortsteil, in dem sich große Betriebe befinden und zahlreiche Geschäftsleute wohnen, da es sich um einen dichtbevölkerten Bezirk handelt. Ebenfalls durchziehen diese Tonne täglich Taufende von Wohlfahrtsunterstützungsempfängern, da sich in dem dahinterliegenden Ortsteil die Türrschmidtstraße mit dem Lichtenberger Stadthaus befindet, in dem die gesamten Wohlfahtseinrichtungen des Bezirks Lichtenberg untergebracht sind. Auch muß der größte Teil der Lichtenberger Krisenunterstützungsempfänger zur Stellung von Anfrägen und Auszahlung von Unterstützungen hier hindurch. Kurz hinter der ,, Tonne" liegt auch noch eine Feuerwache, die bei Alarm ebenfalls diesen schmalen Pfad passieren muß. Das Maß des Unerträglichen läuft aber über, menn man weiß, daß unmittelbar hinter dieser standalösen Bahnunterführung eine große Doppelschule und das Jahn Realgym= nasium liegen. Auch die Schüler dieser Anstalten müssen fast durchweg auf den Wegen von und zur Schule diese Verkehrsfalle passieren. Jeder, der weiß, wie impulsiv Kinder nach Schulschluß die Straße erstürmen, wird ermessen können, welche Angst Eltern und Lehrerschaft hier täglich ausstehen. Vor einigen Tagen hat deshalb auch erneut die Elternschaft der Schule in der Marktstraße eine dringliche Resolution an das Lichtenberger Bezirksamt gerichtet. Es wird unbedingt verlangt, daß hier Abhilfe geschaffen wird. Seit Jahren bemühen sich die kommunalen Körperschaften, diesem Uebelstande abzuhelfen. Bereits 1925 wurde anläßlich der Etatberatung die erste Baurate für den Umbau dieser Bahnunterführung eingesezt und bewilligt. Bis heute 1933 konnte die ,, Tonne" nicht umgebaut werden, weil sich die Reichsbahn weigert, den Umbau vorzunehmen. Für die feinerzeit absolut furzsichtige Bauweise der Stadt- und Vorortbahngleise muß heute die Stadtgemeinde den größten Teil der Kosten tragen. Aber hier in diesem Falle leistet sich die Reichsbahnverwaltung ein übriges. Die Reichsbahn erklärt: ,, eine bauliche Veränderung dieser Bahnunterführung kommt für sie erst dann in Frage, wenn sie das große Projekt der Verlegung des Kreuzungsbahnhofs Stralau- Rummelsburg in Angriff nehmen kann". Es wäre jetzt noch einmal möglich, im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramm s an die Reichsbahn heranzutreten. Der Berliner Magistrat stellt im Rahmen dieses Programms einen Plan auf, der eine Gesamtsumme von etwa 33 Millionen Mark umfaßt. In diesem Programm sind etwa 3,4 Millionen Mart für notwendige Brückenerneuerungen und Verbesserung von Bahnunterführungen eingesetzt worden. Die Stadtverordnetenversammlung ist Reichsbahn muß handeln auf Grund der Auflösungsverordnung nicht in der Lage, an der Verabschiedung dieses Programms fo mitzuarbeiten, wie es notwendig wäre. Lediglich im Rahmen der Finanzdeputation können und werden die sozialdemokratischen Mitglieder wieder die Inangriffnahme des Umbaues der„ Tonne" fordern. Wir Sozialdemokraten halten den Standpunkt für untragbar, daß eine solche Verkehrsfalle, die täglich von Tausenden von Erwachsenen und Kindern passiert werden muß, so lange bestehen soll, bis einmal das goldene Zeitalter anbricht, in dem die Reichsbahn Mittel hat, den Bahnhof StralauRummelsburg zu verlegen. Wir fordern vielmehr, daß der Berliner Oberbürgermeister, der jetzt allein die Verantwortung trägt, den Ober= präsidenten besonders dringlich auf diesen Standal hinweist und daß gemeinsam Wege ge= funden werden müssen, um sofort im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms diesen notwendigen Umbau vorzunehmen. Frieda Rosenthal, Stadtverordnete. Grauenhaftes Familienfchicksal Frau und zwei Kinder umgebracht sich selbst erhängt In der Arosaallee 134 in Reinickendorf wurde eine grauenhafte Fa= milientragödie entdeckt. Die aus vier Personen bestehende Familie des 36 Jahre alten Büroangestellten Adolf Jaap wurde in den gestrigen Abendstunden tot in der Wohnung aufgefunden. Der Mann hatte sich erhängt, nachdem er zuvor seine Frau und seine beiden Kinder umgebracht hatte. Nach den bisherigen polizeilichen Feststellungen scheint es sich um eine Tragödie der Not zu handeln. Der Büroangestellte Jaap hatte mit seiner um zwei Jahre jüngeren Frau und seinen beiden Kindern, dem 11 Jahre alten Rolf und dem vierEintretenden auf die Leiche des 4 Jahre alten Kindes, das ebenfalls an der Türklinke erhängt war. Frau Jaap lag langausgestreckt auf ihrem Bette. Der. Unglücklichen war die kehle durchschnitten. Als letzter wurde Jaap in dem verriegelten Badezimmer gefunden. Jaap hatte sich die Pulsadern geöffnet und dann am Gasbadeofen erhängt. Die Leichen waren bereits alle start in Verwesung übergegangen. Nach dem polizeiärztlichen Befund ist die furchtbare Tat vermutlich schon am Freitag oder Sonnabend voriger Woche geschehen. Sonderbarerweise ist im Hause von den Mietern nichts bemerkt worden. Man hat weder Schreie noch andere verdächtige Geräusche gehört. jährigen Gert, im ersten Stockwerk des Hauses Beifetzung der Gemordeten Arosaallee 134, in dem Neubaublod ,, Weiße Stadt" eine Zweieinhalbzimmerwohnung inne. In den letzten Monaten ging es der Familie wirtschaftlich sehr schlecht, und alle Wertgegen stände wanderten in die Pfandleihe. Als Jaap nicht mehr ein noch aus wußte, muß er den furchtbaren Plan gefaßt haben, aus dem Leben zu scheiden und seine Frau sowie die Kinder mit in den Tod zu nehmen. In den letzten Tagen der vorigen Woche wurde Frau Jaap von Hausbewohnern das letztemal gesehen. Nachbarsleuten war es bereits am Montag aufgefallen, daß sich in der Wohnung der Jaapschen Eheleute nichts regte und daß auch von den Kindern keines zu sehen war. Als sich gestern in den Abendstunden auf dem Treppenflur ein übler Geruch bemerkbar machte, versuchten Hausbewohner Einlaß in die Wohnung zu bekommen. Als auf Klopfen niemmand öffnete, wurde das zuständige Polizeirevier benachrichtigt. Kriminalbeamte verschafften sich gewaltsam Einlaß. Den Beamten bot sich ein furchtbarer Anblick. An der halbgeöffneten Wohnzimmertür entdeckten die Polizisten an der Türklinke die Leiche des 11jährigen Rolf. Im Schlafzimmer stießen die Am Grabe der Witwe Röder Am Sonntag, dem 5. Februar, drangen etwa 20 SA.- Leute mit Pistolen, Dolchen, Messern und Knüppeln durch zertrümmerte Fenster in das Restaurant Pappschachtel" in der Rubensstraße 47 in Friedenau ein. Das Restaurant ist ein Verkehrslokal kommunistischer Arbeiter. Die Eindringlinge riefen: ,, Hände hoch, sonst wird ge= schossen." Die Wirtin, die 56 Jahre alte Witwe Anna Röder, wollte in die Küche fliehen. Ein SA.- Mann schoß, sie sant zu Boden und erlag einem schweren Bauchschuß schon auf der Fahrt zum Krankenhaus. Anna Röder war eine Berliner Wirtsfrau, wie wir sie kennen: ruhig, gemütlich, mit Mutterwiz begabt, Streitigkeiten schlichtend und jedem Lärm abhold. Sie hatte drei Kinder, eine Tochter und zwei Jungen. Der eine der beiden Söhne ist als junger Lehrer im Kriege gefallen, und auch der andere war vom Jahre 1914 ab draußen im Felde. Diese biedere Frau, die von Menschen ermordet wurde, die den Begriff deutsch und national in Erbpacht nehmen zu dürfen glauben, wurde am Montag gemeinsam von kommunistischen und sozialdemokratischen ArMITTWOCH, 15. FEBRUAR 1933 beitern, von Angehörigen des Reichsbanners und des Roten Kampfbundes auf dem Friedhof in der Eithstraße in Schöneberg zur letzten Ruhe geleitet. Ebenso wie die Trauerfeier für die drei von der braunen SA. ermordeten Jungarbeiter in Friedrichsfelde am vergangenen Freitag, war auch die letzte Ehrung für die gleichfalls von SA.Leuten ermordete proletarische Gastwirtsfrau aus Friedenau ein Gelöbnis der Arbeiterklasse zur Einigkeit im Kampf gegen den Faschismus. Sozialistische und kommunistische Jugend legte gemeinsam einen Kranz nieder, Vertreter des Roten Kampfbundes und des Reichsbanners sprachen am Sarge. Der Sarg wurde von Reichsbannerkameraden und Kampfbundangehörigen gemeinsam getragen. Eine freventlich gemordete proletarische Mutter murde begraben. Die Berliner Arbeiter haben sie geehrt.... Reichsbanner- Tagung Bundes- Generalversammlung Das Reichsbanner hat für die Zeit vom 16. bis 19. Februar feine Bundes- Generalversammlung nach Berlin einberufen. Am 16. Februar sind Sihungen des Bundesvorstandes, des Bundesrats, sodann findet eine Pressekonferenz statt, und am Abend werden die Delegierten auf einem vom Gau Berlin- Brandenburg veranstalteten Begrüßungsabend zusammentreffen. Freitag und Sonnabend finden die Arbeitstagungen statt. Der Bundesführer Hölter= mann wird den Geschäftsbericht, der auch ge= druckt vorliegt, geben. Die Konferenz wird sich dann mit der Neuwahl des Bundesvorstandes und der Vorbereitung der zukünftigen Arbeit des Reichsbanners eingehend befassen. Am Sonntag findet die Bundes- Generalversammlung mit einer großen Wehrsportübung in Tegel und einem Aufmarsch des Reichsbanners im Lustgarten, bei dem Höltermann sprechen wird, ihren Abschluß. Stromverbrauch finkt Bewag ermäßigt Mahngebühr = Im Rahmen der Berliner kommunalpolitischen Pressekonferenz referierten von der Berliner Kraft und Licht A.-G. und der Bewag Dr. Ing. Adolf über die gegenwärtige Lage der Berliner Elektrizitätsversorgung und Diplomingenieur Peters über die Bewag Tarife in der Haushaltung. Bei dieser Gelegenheit wurde bekanntgegeben, daß die Bewag mit Wirkung vom 15. Februar in Abänderung ihrer Stromlieferungsbedingungen die Beträge für jede infolge nicht rechtzeitiger Zahlung erforderlich werdende erneute Rechnungsvorlage um 50 Broz. ermäßigen werde. Während bisher bei Rechnungsbeträgen bis zu 10 Mark eine Gebühr von 50 Pfennig erhoben wurde, werden jetzt nur noch 25 Pfennig in Rechnung gesetzt. Direktor Dr. Adolf gab zunächst eine Uebersicht über die Geschichte und den Aufbau der Bewag und der Berliner Kraft und Licht A.-G. und wies darauf hin, daß der Stromverbrauch infolge der ungünstigen Wirtschaftslage seit 1929 dauernd gesunken sei, und zwar habe die Abnahme im Jahre 1932 gegenüber 1929 11 Proz. betragen. Im laufenden Jahre sei jedoch der Rücklauf der Die Stromabnahme zum Stillstand gekommen Zahl der angeschlossenen Haushaltungen steige weiter, und gegenwärtig seien 73 Proz. aller Berliner Haushaltungen bei der Bewag angeschlossen. Diplomingenieur Dr. Peters beschäftigte sich dann eingehend mit dem Grundgebührentarif der Bewag und betonte, daß der elektrische Strom im Gegensatz zu anderen Handelsgütern feine Stapelware sei, die auf Lager genommen werden könne, sondern vielmehr im Augenblick des Verbrauchs erzeugt werden müsse. Die Zeppelin- Serie von 264 gestochen scharfen Bromsilber- Fotos in Groß- Format enthält: Historische Aufnahmen der ersten Luftschiffe, nie veröffentlichte Kriegs- Bilder, Innen- Aufnahmen und herrliche Bilder der weltumspannenden Fahrten des>> LZ 127<<. CLUB Deutschlands weitaus beste 3% Pfg- Zigarette Tauschzentrale: Club Bilderdienst, Berlin, Werderscher Markt 4a, Ecke Werderstraße Ostern naht mit Schulsorgen Berufsvorbereitung- Aufstiegsmöglichkeit für Volksschüler " weltlichen Schulen dem pädagogischen Fortschritt gedient. Der Vorwärts" hat mehrfach über die Arbeit solcher Schulen berichtet und der Ruf einiger Schulen ist bis ins Ausland, bis in fremde Kontinente gedrungen. In diesem Jahre wirkt sich der Kriegs- zu erweitern. In besonderer Weise haben die geburtenrüdgang bei der Schulentlassung am stärksten aus, so daß zu Ostern die wenigsten Schüler seit Kriegsende von der Volksschule abgehen. Infolge der wirtschaftlichen Lage entstehen aber bei der Unterbringung der Jugendlichen in Lehrstellen trotzdem erhebliche Schwierigkeiten. Für diejenigen Jünglinge und Mädchen, die den faufmännischen Beruf ergreifen wollen, bietet sich da in den städtischen kaufmännischen Fachschulen Gelegenheit zu einer zweckmäßigen Berufsvorbereitung. Die städtischen Handelsschulen nehmen Schüler mit abgeschlossener Volksschulbildung oder einer ähnlichen Vorbildung auf. Für Mädchen kommen folgende Lehranstalten in Betracht: Niederwallstraße 12, Kurfürstenstraße 160, Wiclefstraße 54, Ravenéstraße 12, Pappelallee 30/31, Memeler Straße 24/25, Brandenburgstraße 37, Charlottenburg, Wormser Straße 11, Schöneberg, Mühlenstraße 15, Steglitz, Schloßstraße 43, und Neukölln, Donaustraße 120. Eine Sonderstellung nimmt die Handelsschule Hallesche Straße 24 ein, die Fachschule für zukünftige Verkäuferinnen. Für Jünglinge kommt die Handelsschule in der Mohrenstraße 41 in Frage. Die höhere Handelsschule fordert als Vorbedingung bei der Aufnahme die mittlere Reife. Für Mädchen bestehen folgende Schulen: Niederwallstraße 12, Kurfürstenstraße 160, Ravenéstraße 12, Brandenburgstraße 37, Charlottenburg, Wormser Straße 11, Wilmersdorf, Weimarische Straße 24, Steglit, Schloßstraße 43, Neukölln, Donaustraße 120. Die Jünglinge finden Aufnahme in der Höheren Handelsschule Mohrenstraße 41. Der Lehrgang an beiden Schulgattungen ist zweijährig. Neuerdings sind an den Höheren Handelsschulen Niederwallstraße 12, Wilmersdorf, Weimarische Straße 24, und Ravenéstraße 12 Sonder= flaffen für Abiturientinnen und Mohrenstraße 41 für Abiturienten mit einjährigem Lehrgang eingerichtet worden. Die Aufbauklassen Die Berliner Schulverwaltung war in den letzten Jahren stets bemüht, die Bildungsmöglichfeiten in der Reichshauptstadt auszugestalten und Als vor einigen Jahren das Problem der Verlängerung der Schulzeit im Interesse der Jugend auftauchte, löste es die Berliner Schulverwaltung in vorbildlicher Weise, indem sie die sogenannten Aufbauklassen schuf. Diese wurden an einigen Volksschulen errichtet und haben sich seitdem gut bewährt, wie die steigende Besuchsziffer beweist. In diese Klassen werden die Schüler aufgenommen, wenn sie die zweite Klasse der Volksschule besucht haben und eine Begabung besigen, die den höheren Anforderungen des Lehrgangs entspricht. Als Fächer treten Englisch, Mathematit, Stenographie und Schreibmaschine hinzu. Der Lehrgang umfaßt drei Jahre, so daß die Schüler also bis zum 16. Lebensjahre in der Schule bleiben. Sie erhalten dann das Zeugnis der mittleren Reife. Der Schüler hat also nicht nur seine Zeit nußbringend für sich verwertet, sondern auch die Möglichkeit erworben, sich Berufen zuzuwenden, die die mittlere Reife, also das Abgangszeugnis der Mittelschule oder der Untersetunda einer höheren Lehranstalt fordern. Diese Vorzüge haben namentlich in der Gegenwart Bedeutung, da viele Volksschüler keine Lehre finden infolge des Mangels an Lehrstellen. Außerdem haben die Aufbauklassen den großen Vorteil, daß sie kein Schul= geld erheben. So stellen sie eine ausgezeichnete Fortbildungsmöglichkeit des Volksschülers dar. Die Aufbautlassen sind nicht mit den Aufbauschulen zu verwechseln, über die im Stadtparlament fürzlich ein reaktionärer Antrag auf Auflösung zur Debatte stand. Die Aufbauschulen sehen einen sechsjährigen Lehrgang vor und wollen den Schüler in dieser Zeit zur Universitätsreife führen. Ein Uebergang von der Aufbautlaffe zur Aufbauschule ist bei entsprechender Begabung möglich. Die Eltern, die ihr Kind in die Aufbauklasse geben wollen, müssen sich an den Rektor der zur Zeit besuchten Schule wenden. Im Bezirk Wedding im Norden Berlins find die Höheren Schulen durch sechs Anstalten Neunkirchen in Trauer Die letzte Fahrt der Opfer Neunkirchen, 14. Februar. Neunkirchen trauert. Auf halbmast wehen die Fahnen. Kein Haus, auf dem nicht die schwarzen Flore flattern. Tiefer Ernst in allen Gesichtern. Schweigen lastet im Beisammensein der Menschen. Die letzten Vorbereitungen werden ge= troffen zu der letzten Fahrt der Toten. Tausende von Trauergästen sind aus allen Teilen des Saargebietes, des Reiches und aus Frankreich nach Neunkirchen geeilt. Um 9 Uhr vormittags fand in verschiedenen Kirchen ein Trauergottesdienst statt, an dem auch die Vertreter der Reichsregierung und der sonstigen Behörden teilnahmen. Um 1 Uhr mittags hat man die inneren Straßen um den Markt und die Hüttenbergstraße für jeglichen Verkehr gesperrt und den gesamten Durchgangsverkehr um die Stadt herumgeleitet. Nur von einer einzigen Seite her können die Autos der Teilnehmer nahen. Eiserne Front im Trauerzug Es war gegen 2½ Uhr nachmittags, als die Trauerfundgebung begann. Eingeleitet von der Musik und den Klagen Beethovens, gespielt von der Kapelle der Feuerwehr. Es folgte Trauergesang des Arbeiterfängerbundes Neunkirchen. Dann sprachen die Geistlichen und schließlich formierte sich der Zug zum Friedhof Es mögen 50 000 Menschen gewesen sein, die die Toten begleiteten. An der Spize das Reichs. banner Schwarz- Rot- Gold, die Vertreter der Eisernen Front, das Korps der Arbeitersamariter, die Delegationen der freien Gewerkschaften und freien Verbände. Delegationen aller Parteien, Stände, Berufsschichten, Vereingungen mit ihren Fahnen. In endloser Reihe folgten die Vereine, danach die lange Reihe der Leichenwagen, auf jedem Wagen vier bis fünf Särge. Davor die Kranzabordnungen mit Kranzspenden der freien Gevertreten, die dem Bildungsbedürfnis der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Das Leffing=" Gymnasium ermöglicht allen den Schülern, die die Sprachen des klassi= schen Altertums, Latein und Griechisch, als Grundlage ihres Studiums brauchen, sich hier die dafür erforderlichen Kenntnisse anzueignen. Eine Aufbauschule, die mit dieser Anstalt ver= bunden ist, gestattet auch Boltsschülern nach Absolvierung der Gemeindeschule noch die Weiterbildung bis zur Reifeprüfung. Höhere Schulen am Wedding Drei Oberrealschulen die Werner Siemens in der Badstraße, die Diesterweg- am Zeppelinplatz und die 6. Oberrealschule in der Schöningstraße alle drei gut besucht, zeugen dafür, daß das Streben in der Bewohnerschaft im allgemeinen darauf gerichtet ist, ihren Kindern eine gediegene mathematisch- naturwissenschaftliche Bildung zu vermitteln. Die Erlernung der modernen Fremdsprachen Englisch und Französisch, meist auch verbunden mit Kursen im Spanischen, befähigen die Abiturienten auch gleichzeitig zum Studium der neueren Sprachen und zum Eintritt in moderne kaufmännische Betriebe. Einer dieser Oberrealschulen, der 6. Oberrealschule in der Schöningstraße, ist seit vier Jahren auch ein Reformrealgymnasium angegliedert. Das II. Lyzeum, Müllerstraße 158, und das Schiller Oberly zeum, Pankstraße 41, sorgen dafür, daß auch der weibliche Teil unserer bildungsfreudigen Jugend zu seinem Rechte kommt und sich für höhere Berufe oder das Universitätsstudium in geeigneter Weise vorbereiten fann. Was fehlt, ist die Wirtschaftsbei hilfe, die bis zum November vorigen Jahres den begabten, aber wirtschaftlich schwachen Schülern zu ihrer Ausbildung von der Stadt Berlin in großzügiger Weise gewährt wurde. Hoffentlich wird es in absehbarer Zeit wieder möglich, diese für die Entwicklung der Höheren Schulen unbedingt erforderliche Beihilfe zu zahlen. Das Schulwesen in Berlin zu der heutigen Höhe geführt zu haben, ist in erster Linie das Werk fozialdemokratischer Männer. Auch daran wird die Bevölkerung bei den Ge= meindewahlen am 12. März denken. der ungarische Geschäftsträger, Legationsrat von Wettstein, sowie viele hohe Ministerialbeamte des Kultusministeriums. Nach einleitendem Orgel spiel hielt Generalsuperintendent D. Dibelius die Trauerrede. Als Repräsentant deutscher Bildung und deutschen Geisteslebens, selbst anerkannt meil er sich zunächst über Bestehen der angeblichen Forderung näher erkundigen wolle. Daraufhin wurde er wieder in das Untersuchungsgefängnis gebracht, während Amtsgerichtsrat Raphengſt einen neuen Termin auf den 7. März anberaumt hat. Die Untersuchung gegen Hinge, die bisher noch immer wegen Mordversuchs ge= führt wurde, ist jetzt geschlossen und es dürfte fich nunmehr bald entscheiden, ob die Staatsanwaltschaft wegen dieses Delikts oder aber wegen Mordes Anklage erheben wird. In wenig In wenig Worten In Hermsdorf bei Berlin verstarb der bekannte Napoleonforscher Friedrich M. Kircheisen. Er hat ein Alter von nur 55 Jahren erreicht. In der sozialistischen Arbeiterbewegung ist Kircheisen durch sein im Bücherkreis erschienenes, spannend geschriebenes und literarisch wertvolles Buch über die Französische Revolution: Die Bastille bekannt geworden. An der amerikanischen Atlantikküste von Neufschottland bis Florida herrscht ein außerordentlich starter Sturm. Bet Halifar überschwemmte eine Sturmflut einen Teil der Stadt und zerstörte Hunderte von Wohnhäusern. Zahlreiche Familien wurden durch die Wassermassen vertrieben oder von jeglicher Zufuhr abgeschnitten. Mehrere ausfahrende große Dampfer mußten schleunigst in die Häfen zurückkehren, um besseres Wetter abzuwarten. Die Transatlantikdampfer werden mit mehrtägiger Verspätung ankommen, da sie gegen die gewaltigen Wellen schwer anzufämpfen haben. * Der mittlere Westen Amerikas wird von einer starten Rältewelle heimgesucht. 40 Menschen sind bisher erfroren. Das Frostelend unter den Arbeitslosen ist entseglich. Furchtbarer Tod Vom Lastauto zerquetscht Auf furchtbare Weise ist gestern der 18 Jahre. alte Arbeiter Viktor Nießner aus der Höchstestraße 22 in Berlin NO. ums Leben gekommen. Auf dem Heimweg von seiner Arbeitsstelle in Hohenschönhausen wollte der junge Mann am Weißenseer Weg den Anhänger eines Lastautos besteigen, um ein Stück mitzufahren. Nießner rutschte dabei so unglücklich ab, daß er niederstürzte. Ein Rad des schweren Fahrzeugs ging über seinen Kopf hinweg. Die Leiche des Verunglückten wurde durch die freiwillige Feuerwehr von seinen Gegnern, ſei Beder einer von den Die Fleischpreise steigen Männern gewesen, wie sie die preußische Kultusverwaltung in ihrer 100jährigen Geschichte nur wenig gesehen habe. Der Sarg wurde nach dem Dahlemer Waldfriedhof überführt, wo die Beisezung erfolgte. Wie die Fleischer- Verbandszeitung" berichtet, find auf allen deutschen Schlachtviehmärkten in den letzten Tagen die Preise für Vieh erheblich in die Höhe gegangen. In Berlin und Hamburg allein find am heutigen Dienstag die Schweinepreise um 4 bis 5 Pf. pro Pfund Lebendgewicht gewerkschaften, der Arbeiterorganisationen, der Be- Bankier Hinge und der Eid ftlegen. Das bedeutet eine Fleischverteuerung von hörden, der verschiedenen Regierungen. Dann kam die Reihe der offiziellen Behördenvertreter. In Gedanken folgt das gesamte Saargebiet, indem von 3 bis 3.10 Uhr alle Räder stillstanden. Der französische Außenminister hat auch an der Trauerfeier teilgenommen. Gertrud Bindernagels Tochter muẞ klagen Für die achtjährige Tochter Erika der von ihrem Batten erschossenen Opernsängerin Ger trud Bindernagel hat der Unterhaltspfleger, Rechtsanwalt Dr. Heinrich Werthauer, Trauer um Minifter Becker gegen den Vater, Bankier Hinge, eine Im Gemeindehaus der Dahlemer Kirchengemeinde fand unter außerordentlich starker Beteiligung von Vertretern der Behörden, der Hochschulen und der Wissenschaft die Trauerfeier für den früheren preußischen Kultusminister Professor Dr. Becker statt. An der mit reichen Kranzspenden geschmückten Bahre versammelten sich die früheren Amtskollegen und Freunde des Verstorbenen, u. a. der preußische Ministerpräsident Otto Braun, die ehemaligen Minister Dr. Curtius, Groener, Koch Weser und Höpter Aschoff, Beckers Nachfolger im preußischen Kultusministerium Grimme, der offizielle Vertreter dieses Ministeriums, Staatssekretär Lammer, ferner Staatssekretär a. D. Bland, der Rektor der Universität, Prof. Kohlrausch, Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner ,, Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14, Sebastianstr. 37-88, of 2 Tr. Tiergarten( Ortsverein). Mittwoch, 15. Februar, 20 Uhr, Bollverfammlung im Pazenhofer, Turmstr. 25. Referent: Dr. Mischler. Buchkontrolle. Bankow. Donnerstag, 16. Februar, 20 Uhr, Mitgliederver sammlung der Kameradschaft Bantow- Süd im Restaurant Mühlened. Friedrichshain. Tambourkorps. Das Tambourkorps übt jeden Donnerstag bei Gaul, Boghagener Str. 114. Rameraden, die dem Rorps beitreten wollen, melden ſich bort. Steglig( Ortsverein). Donnerstag, 16. Februar, 19% Uhr, Saal. schuß Heesestraße( Gymnasium). Sturmvogel, Flugverband der Werftätigen, E. V. Fliegerfilm- Matinee am Sonntag, dem 19. Februar, 11 Uhr, im Lichtspieltheater, Die Kamera", Ber lin W. 8, Unter den Linden 14. Es laufen fünf äußerst interessante( teilweise erstmalig gezeigte) Bildstreifen, die ein umfassendes Bild vom Luftsport geben. ( Vorverkauf bei Rodenstod, Sturmvogel" und Die Kamera".) Deutscher Arbeiter- Mandoliniften- Bund, Ortsgruppe Moabit. Sonnabend, 18. Februar, 16 Uhr, neuer Mandolinisten- Unterrichtsturfus für Kinder( 10 3.) und Jugendliche im Logenheim Emdener Str. 32. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Klage auf Erfüllung seiner Unterhaltspflicht angeftrengt. Da Hinge bisher jede Zahlung mit der Erklärung verweigert hat, daß er nichts befize, hatte ihm der Anwalt den Eid darüber zuge= schoben, ob er im Besiz einer ausgeklagten Forderung in Höhe von 5000 m. sei. Der Bankier hatte sich zu der Eidesleistung bereit erklärt und wurde nun am Dienstagmittag zu dem hierfür anberaumten Termin dem Amtsgericht Charlottenburg vorgeführt. Das Erscheinen Hinges, der von zwei Gefängnisbeamten begleitet wurde, erregte im Gerichtsgebäude, wo sich die Nachricht schnell verbreitete. großes Aufsehen. Im Termin erklärte der Gatte Gertrud Bindernagels jedoch auf wiederholten Vorhalt, daß er den ihm zuge= schobenen Eid noch nicht leisten tönne, Bund Entschiebener Schulreformer. Dienstag, 21. Februar, 191 Uhr, in der Augusta- Schule, Elsholaftr. 34-87. Die Durchführung der MontessoriMethode in der Schule. Sandsmannschaft ber Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Geschäftsstelle S. 14, Bringenstr. 61. Donnerstag, 16. Februar, 20 Uhr, in der Schleswig- Holsteiner Diele, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45, Gigung. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin 1 Heute, Mittwoch, 15. Februar, 19% Uhr, tagen bie Gruppen: Südwesten: Jugendheim Vordstr. 11( Fabritgebäude). Als Maschinist nach Amerika. Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Gartenhaus). Wir fingen neue Rampf und Wanderlieder. Spanbau- Reuftabt: Jugendheim Linden. ufer 1. Heini Beich macht Spandau wild. Rorbring: Jugendheim Sonnenburger Str. 20. 10- Minuten- Referate. Weißensee: Jugendheim Weißensee, Cafeler Str. 2. Wie verhält sich der Arbeiter vor Gericht? Arnswalber Play: Jugendheim Schönlanter Str. 11( Barade 6, rechter Eingang). Unternehmungsformen der tapitalistischen Gesellschaft. Neukölln: Jugendheim Bergstr. 29 ( Sof). Tariflofer Zustand. Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 68( U. Bahn Bobbinstraße). Betriebsrätegesez( Fortsetzung). Humboldt: Jugendheim Putbusser Str. 22. Ein klassischer Abend mit Buch und Schallplatte. Schillerpart: Jugendheim, Schule Schöningstr. 17. 10 Jahre gewerkschaftliche Jugendarbeit. Baumschulenweg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. 16. rund 10 Pf. pro Pfund. Dazu wird bemerkt, daß die Steigerung der Biehpreise zweifellos auf die 3ollmaßnahmen der Reichsregierung zurückzuführen ist. Auch die Schmalzpreise find durch die Zollerhöhungen fofort nach ihrer Berfündigung in die Höhe gegangen, obwohl die Zollerhöhung erst später in Kraft tritt. Hohenschönhausen nach der Weißenfeer Halle gebracht. Am Stuttgarter Plag in Charlottenburg geriet die 70 Jahre alte Frau Therese Schütz aus der Dahlmannstraße unter die Räder eines Doppelspänners. Mit schweren Verlegungen wurde die Greisin ins Westendkrankenhaus übergeführt. * Am Nettelbedplay, an der Kreuzung Gerichtstraße und Bankstraße, stürzte gestern beim Wenden der Anhänger eines mit schweren Eisenträgern beladenen Lastzuges um. Die Feuerwehr hatte nahezu 1½ Stunden zu tun, um das Verkehrshindernis, das den ganzen Straßenbahnverkehr lahmgelegt hatte, zu be= seitigen. Die Burschen gestalten den Abend aus. Charlottenburg: Jugendheim Wallftraße 75. Was ist Sozialismus? Staaten: Jugendheim ber 17. Boltsschule, Gartenstadt, Kirchplatz, Omnibushaltestelle 81. Gewerkschaften und Streit ( BVG.). Jugendgruppe des Gesamtverbandes: Gesamtveranstaltung. Jugendheim Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Aufgang B, part. Bortrag: Umbau der Wirtschaft. Jugendgruppe bes Berbandes ber Fabritarbeiter Deutschlands: Ab 20 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Gaal 11. Aus dem Leben Der Freien Gewerkschaftsjugend Berlin( mit Lichtbildern). Jugendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Mittwoch, finden folgende Beranstaltungen statt: Schönhauser Borstadt: Jugendheim ber Schule Raftantenallee 81. Brettspielabend. Norbost I: Jugendheim Danziger Str. 62( Barade 8). Aussprache: Rameradschaft im Berufsleben. Reinidenborf: Jugendheim Lindauer Str. 2( Barade). Stegreiffpiele. Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 14, Ede Kanner Straße. Arbeitsgemeinschaft: Handelspolitit im Zeitalter des Rapitalismus. Leiter: Derkom. Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15( Sofgebäude, Sachsenzimmer). Arbeitsgemeinschaft: Die Welt der werttätigen Jugend( 3. Abend). Leiter: Huhn. Charlottenburg: Jugendheim Spielhagenſtr. 4. Das Programm wird auf der Veranstaltung bekanntgegeben. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Frig lehrt uns neue Lieber. Potsdam- Nowawes: Jugendheim Nowawes. Arbeitsabend unserer Uebungsfirma. Arbeitskreis Norbosten: Wir sind heute zu Gast bei der Jugendgruppe Nordost I. Die Versicherungsgesellschaft Sorgenfrei" A.-G. tagt heute pon 17 bis 19 Uhr im Verbandshaus, Hedemanns Straße 12. ZWE!TE B E I LAG E VomNs 3>ie des 8r%ähhing/ Ton Günther ßirkenfeld (1. Fortsetzung.) Sehr langsam verneim Elsbeth mit dem Kopf. Vor dem.Lichlersteigen" ragt massig und unwahr- scheinlich groß der Körper des Mannes. Einer Kranken ähnlich, die ihrer Fuße nicht sicher ist. geht die Frau zum Lautsprecher und... schaltet ihn aus Stille nun. alles ganz stumm. Elsbeth weiß: des Dichters Worte schwingen fort und fort im Raum und alle Ohren aller Menschen können sie vernehmen Nur sie nicht mehr. Sie ist verbannt aus der Gnade, aus der Fülle allen Lebens das draußen weiterlebt, verbannt in die Gruft dieser Stube. Und für immer muß sie auf den Rücken des Mannes dort blicken. Wie gebeugt er ist, dieser Rücken! Wie willen- los hingeneigt! Erst erschütterte die Schreckens- walze des Weltkrieges seine damals noch fugend- liche Kraft, dann folgten die Jahre der Hetze und Usberanstrengung um das tägliche Brot... und eines Tages zeigt es sich, daß alles schlaff und brüchig geworden ist, die Muskeln und Bänder, die Nerven und der Wille. Aus, erledigt! Ein jähes Erbarmen erfüllt die Frau. Wie allein er da steht! Ein verlorener Mann! Nun auch noch von der Angst um den Abbau zerfasert! Seine Augen, um wieviel hoifnungsloser noch als die ihren mögen sie auf die Blüten der Kastanie blicken! Ohne Nachtgruß will Karl an der Frau vorbei in seine Schlafkammer gehen. Sie rührt zag an seinen Arm:.Larl...!* Aus Augen, die wie versteinert wirken, blickt er über die Achsel zurück. „Karl... sieh mal... so kann das doch nicht weitergehen, nicht?" Mühsam um Aiem kämpfend fährt Elsberh in das Schweigen hinein fort:„Ich meine... wir find ja schon lange nicht mehr so, wie Mann und Frau miteiander sein sollen, nicht? Und Herbertchen, ja, der zitiert ja nur noch vor dir!" „Also gut, dann kann ich ja gehen", erwidert der Mann, jegt gar nicht mehr böse, nein, müde vielmehr, gleichgültig von innerer Uebermüdung. „Dir gehört ja sowieso alles dahier. Und meinet- wegen auch der Herbert. Mit deiner Schneiderei werdet ihr schon durchkonnnen." � Die Frau liebkost mit leisem Streicheln seinen Hondrücken.„Zlber Karl, was redest du denn da für Unsinn! So Hab ich das doch nicht gemeint! Wirklich nicht! Ich möchte nur daß es wieder io «in wenig wie früher sein soll! Sieh mal, ich habe dich doch lieb, mcht? Und ich bin deine Frau. Aber du... du läßt es ja zu gar nichts mehr kommen. Immer stößt du mich nur zurück und hast für alles schlimme Worte." Der Mann wendet sich ab und läßt seine Hand langsam über ihre tränende Wange gleiten.„Tja, Elsbeth, sagt er dann dumps", so ist das min einmal, so ist das nun alles geworden. Ich bin kaputt... ich möchte ja selbst gern anders und wie früher sein... der lustige Kerl von der Bonner Straß«... aber, stehst du, ich kam» ein- fach nicht mehr. Jeder Quark versetzt mich in Rage.— Der Unfall heut wird natürlich auch wieder auf meine Kappe geschoben. Dabei hat nur Peters, der Kontrolljührer, schuld. Und der munkelt einem dann auch noch was von Eick- lassung vor!" Ja, nun ist der Mann schon wieder in seinen Zorn verloren und herrscht die Frau an: „Und du, laß du jetzt das dumme Geflenne und geh zu Bett! Gute Nacht." Elsbeth kämpft um ihren Mann, mit dem Mut der Verzweiflung. Sie hält seine Hand sest zwischen den ihren. Sie weiß: wenn sie ihn jetzt nicht zurückgewinnt, dann ist er ihr verloren,— vielleicht für immer Sie drängt sich an ihn und bittet inständig:„Karl, willst du mich denn gar nicht mehr zu deiner Frau halxn, willst du.." Weiter kommt sie nicht. Oer Mann entzieht ihr sein« Hand und geht zur Tür„Bin totmüde. Halb sieben wecken. Gute Nacht." Verloren! Nun ist ja wohl alles verloren! Und man sollte dem Beispiel der vielen Menschen folgen,— es wird täglich durch neue Zeitungs- Meldungen vermehrt—, die sich gleichfalls eines Tages so am Ende ihres Weges sahen. Andre freilich gibt es, die dennoch einfach weitergehen, mit gleichmäßigen eingelernten Schritten. Wie sind sie dazu nur fähig?— Hm, vielleicht haben diese„andern" Kinder? Kleine Kinder bringen in den großen Kindern, die man Erwachsene nennt ja oft Unheimliches fertig... Ungeheuer- liches...! Da ist zum Beispiel mein Herbertchen. Und er schläft jetzt. Wenn ich nun die Gashähne öffnen würde so hätte des gar nicht» weiter aus sich... nein Karl und ich wir sind beide mit- einander fertig.— Wenn Herbert-H«» aber mir ein einziges Mol zu mir hericherblinzeln würde. ich glaube, da müßt« ich mir in die Hand beißen vor Scham. In diesem Sinne redet Elsbeth mit sich weiter und weiter. Dabei taumelt sie durch die Stube und muß sich immer wieder so jäh an den Möbeln festhalten, als befände sie sich m einer Koje auf arger See. Von ungefähr bleibt ihr Blick aus dem Phoio des Dichters Distel haften. Und.. merk- würdig.. seine Augen sehen jetzt nicht mehr durch sie hindurch in etne unbestimmbare Ferne. nein, sie entsenden viel« schnell« Wellen die für ein kurzes auf dem Blick der Frau verweilen und dann wieder zurückebben. Und es ist dies so wie bei einer Meereswclle: eine jede hinterläßt ein wenig Glanz, der in die Tiefe des Ufersandes sickert,— und eine jede nimmt die Haut des Sandes mit sich fort in die Meeresties«. Zuletzt ist vom Wesen des Fremden soviel in die Frau eingeströmt, daß er ihr von alther oertraut er- scheint. Und wie sehr kamen doch auch seine Worte aus der Mitte ihrer Herzensnot! Ja, hatte er nicht wie ein guter älterer Bruder alles das aus- gesprochen, was unsagbar in ihr schmerzte? Er weiß um mich, denkt Elsbeth. Er kennt meine Leiden ganz und gar. Solch einem Manne möchte ich gern einmal alles sagen!— Und weiter spricht sie zu sich: Soll ich ihm nicht danken für seine Gedichte? Ich möchte, ihm das Bild vom Herbertchen schicken. Ja, und das wexde ich auch tun. Und dazu will ich ihm sagen, wie es um Herbertchen und um mich bestellt ist und will ihn um seinen Rat bitten,— ja! Elsbeth schreibt und schreibt. Die Hand ist ungelenk und folgt auf dem harten liniierten Papier nur mühsam dem Ansturm der Gedanken. Immer hastvoller tickt die Feder in die Tinten- flasche. Die kleine Nähtischlampe spannt einen blassen Heiligenschein um die einsame Frau, die da ohne Einhallen das Martyrium ihres jungen, ihren uralten Frauengeschicks an einen Unbekannten verrät,— oerrät im Namen von vielen, wie- vielen Schickjalsschwcstern? Und wie sie endlich mit dem Gruß:„Hochachtend Frau Elsbeth Soclke" schließt und die vielen Seiten noch einmal überliest, da findet sie alles so ungelenk und gar nicht so ausgedrückt, wie sie es eigentlich hatte sagen wollen. Und sie ist traurig und oerzagt und trinkt erschöpft die Nachtlust, in der sich letzt die Blütensüße mit dem eisernen Atem des erkalteten Erztals vermischt. Nebenan schlägt Karl schlafbesangen gegen die Wand. Das Herz der Frau bleibt ohne Empfindung. So steht man neben einer Ruhestätte, die man pflichtgemäß besucht und denkt ebenso pslichi- gemäß::„Ja, das war er, das war Karl." Später jedoch, da Elsbeth auf ihrem Feldbett iwrnvoc». 15. februar 1933 in der Küche keinen Schlaf finden kann, vermemt sie, daß es heller und immer lebendiger werde in ihrem Hirn,— so als leuchte ein Stern, ein fremder hoher Stern in alle Gründe Und fein Licht ist bernsteingelb. Und man kann es richtig fühlen... wie Schleier so weich. Und schmecken kann man es auch. Es schmeckt wie ein milder Wein. Der Wecker klirrt und schnurrt ab. Halb sieben. Ein seidiger Maimorgenhiimnel spiegelt sich in der Küche. Durch das geöfsnete Obersensier klingt Gelzämmer und Sirenengeheul, vom morgend- lichen Gezwitscher der Vögel eifrig durchwirkt. Die Frau schläft mit kaum vernehmlichem Atmen, so sest. Ihr Haar über dem rotgewürsellen Kissen ist ein schwirrender Fall von Frühsonncnlichtern. Die Lippen sind gelöst. Und um die entblößte Schulter tänzelt eine Fliege. Dann spaziert sie andächtig in der glasblau schimmernden Höhlung des Halses hinan. Herbert scheucht sie davon. Im kurzen Flanell- Hemd und barfuß steht er vor der schlafenden Mutter und rüttelt sie... vergeblich... zwickt sie in den Arm und kitzelt sie hinter dem Ohr... vergeblich... Angst befällt den Jungen. Lieber Jesus und Heiland, sie ist doch nicht tot? „He, Modder! Modderke! Komm doch hoch! Der Vadder...!" (Fortsetzung folgt.) Kronen riesiger Aubäume die Straße überschatten, hört er aus dem Dunkel, das sie beide jetzt ein- hüllt: „Cr wohnt nicht allein, Herr. Er mag mich nicht." Dann wimmert sie wieder, manchmal schluchzt sie auf. späterhin wird sie still. Er denkt, sie starre jetzt blöd vor sich in die Finsternis, und sagt heftig:„Sprich doch." Er erfährt erst nachher, als sie sich aus einer flachen, von Gras bewachsenen Einbuchtung des Flußusers niedergelassen haben, was geschehen ist. Und er versteht nun, daß es im Grunde sehr natürlich und ohne Verwicklung zugegangen sei. Der Mann, den sie beweinte, hatte nach einiger Irrfahrt Arbeit in der Fabrik gefunden, war dort geblieben und hatte ein Weib zu sich genommen. Tüchtig, wie er war, hatte er sich aus seinem Platz bewährt. Und das Weib war indessen Mutter ge- worden. Daß er nun an Heimkehr nicht dachte. verstand sich leicht. Er hatte sich auch von seiner angetrauten Frau nicht rühren lassen, ja, er hatte ihr am Ende die Tür gewiesen. Sie spricht und weint. Dazwischen fragt sie wkeSer und wieder:„Ist das zu ertragen, Herr?" Daraus antwortet er jedesmal:„Schwer" Das scheint sie zu trösten, denn manchmal drückt sie ihm die Hand dazu, als wolle sie ihm danken. Ms sie nichts mehr zu sagen weiß, fragt er wieder: „Hast du ihn denn lieb?" Sie sagt:„Nur ihn. Frage nicht, Herr." Er nimmt es hin. Nach einer Welle aber meint er: „Du bist jung und schön. Es kommen andere." Sie antwortet nicht und seufzt. Da sagt er:„Das Blut. Ja, gewiß." Daraus kommt sie wieder ins Weinen und er- faßt feine Hände. Er läßt sie ihr und spürt, daß sie zittert. Erst will er es nicht beachten. Dann hat er ein Gefühl der Spannung in der Brust, weiß nicht, ob es vom Zittern ihrer Hand kommt, und zieht die feine zurück. Sie wendet sich ab und stützt den Arm auf. Ein schmales Mondlicht, das zwischen langge- zogenen Wolken auf den Fluß fällt und.zurück- geworfen wird, beleuchtet ihr Gesicht und läßt ihn sehen, daß es ruhig ist. Sie scheint nachzudenken. schüttelt hin und wieder den Kopf und zuckt die Achseln. Einmal hört er sie murmeln:„Schuft." Dann wendet sie ihm das Gesicht zu und fragt: „Wie sogst du das, Herr?" Er antwortet:„Ja, es ist schwer." Da kommt es ungeduldig zurück:„Nein. Nicht das." Und als sie weiter spricht, denkt er sie sich lächelnd. Er hört sie sagen:„Das andere. Wie sagst du das?" Er denkt nach. Dann sagt er: „Jung und schön? Gewiß. Und anders kommen." Sie bleibt still. Nach einer Weile hört er: „Sagst du jung und schön?" „Ja." Er kann nicht entscheiden, ob sie antwortet, es kann sein, daß sie jetzt leiser spricht. Nach einer Weile aber ist ihm, als höre er ein Murmeln von gegenüber, und gleich.zeitig findet ihre Hand die seine. Er folgt ihrem Zug Dann sitzt er neben ihr auf dem Rasen, fühlt ihre Wärme und bekommt einen Geruch von Heu und Mllch in die Nase. Sie schweigt. Dann fragt sie wieder: „Wie sagst du das?" Er antwortet:„Jung und schon." Dazu lacht sie Cr kann es nicht hören, aber er fühlt es. Es schüttelt sie und sie preßt seinen Arm an ihre Brust.— Als er von ihr abließ, lag sie mit weit ge- breiteten Armen auf dem Wiesengrund, ruhig atmend die Augen geschlossen als schliefe sie. Im Mond.licht A ihr Haar weist Er streicht mit der Hand darüber hin. Dann erschrickt sie, wendet sich zur Seite und bedeckt ihr Gesicht mit den Händen. Zugleich hört er sie flüstern:„Herr... das Blut, ja." S)as ffilut Srsählung von einer ffiäuerin, die ihren Wann iuehte Ton Sfans Prosper Die Frau steht in der riesigen Bahnhofshalle und weint. Menschen gehen vorüber, sehen sie an, schütteln den Kopf. Sie hält ihnen einen Zettel hin und spricht zu ihnen. Es ist eine weiche, singende Sprache, irgend etwas Slawisches, so- weit man dem Klange nach unterscheiden kann, melodische Laute, die niemand versteht. Hier spricht man eben nur deutsch. Nur einer in dem großen Gewimmel, ei» junger Mensch, der in der Nähe an einer Säule lehnt, nickt der Frau zu, lächelt und gibt ihr Zeichen, als verstünde er nicht nur von Grund auf diele Not, sondern wüßte da auch zu helfen. Doch sie sieht- von alledem nichts. Sie zupft hin und w'e- der ihr buntes Kopftuch zureckst, hantiert rn-t- ihrem Zettel, wird nicht verstanden, senkt den Blick und weint wieder. Sie trägt das Bauernkleid der wendischen Pro- vinz des Landes: ein enges, hellfarbenes Leib- chen, ein offenes Jäckchen aus blauem Tuch, viel weite Röcke, einen über dem anderen, darüb»? eine buntbestickte Schürze. Röcke und Schürze sind kurz, verhüllen kaum das Knie. Ihre nackten Beine stecken in schwarzen, knapp bis über die Waden reichenden Stiefelt Ms der junge Mensch aus sie zutritt und in ihrer Sprache sie anspricht, hat sie zunächst keine Worte. Sie wankt einen Schritt zurück, ja. fast ist es jo, als würd« sie nun auf ihre nackten Knie sinken, ihm zu danken. Dann, als sie sich gefaßt hat, reicht sie ihm den Zettel: „Hier, siehst du— sie oerstehen es nicht, mein Gott. Keiner, keiner. Und zu Haus war alles so einfach. Man schreibt es eben hin, sagen sie. Dann zeig es ihnen und sprich, sagen sie— man wird dich führen. Ja, zeigen und führen, zum Teufel.. Sie- schöpft Atem.„Und zu ihm muß ich doch, Herr. Ich muß, hörst du? Ueber ein Jahr ist er fort, ja, und jetzt haben sie ihn gefunden." Sie macht wieder eine Pause. Dann setzt sie hinzu:„Und er ist doch nicht irgendwer. Er ist mein Mann, verstehst du?" „Und jetzt hol ich ihn mir." sagt sie nach einer Weile. Dazu lacht sie in sich hinein. Es ist ein leises, bebendes Lachen, das ihre Brust hüpfen macht. Der Ort, den sie erveichen wollte, lag im Flußtal westlich der Stadt. Sie fuhren zusammen. Der jung« Mann hatte erklärt, er müsse auch da- hin, zur Arbeit nämlich. Er hatte auf ein Bünde! Geräte gewiesen, das er über den Rücken geschnürt trug, er müsse malen. Da hatte sie ungläubig gelächelt. Ein Zimmer malen? Oder ein Haus? Mit diesen paar Dingen am Rücken?— Nein, er male Bilder.— Das verstand sie nicht ganz. Im Zug schlief sie ein. Einmal stöhnte sie im Schlaf auf. streckte sich und strich mit flachen Hän- den an den Seiten ihres Leibes hin. Ms sie er- wacht«, wußte sie zunächst nicht, wo sie war Dann sah sie den Mann gegenüber Da faßte sie mit beiden Händen die seinen:„Herr... ja.. und dank dir auch schön für alles." In der kleinen halben Stunde, die sie noch zu fahren hatten, sprach sie von ihrem Mann. Cr war eines Morgens nicht mehr dagewesen, oer- schwunden einfach aus dem Dorf« entwischt, und es kam auch nachher keine Botschaft mehr, kein kleinstes Wörtchen nichts nichts. Daß ein B,,uer Hau» urd Hof verließ, geschah zwar in der slawi- scheu Provinz des Landes nicht selten, denn die Zeit war schleckt der Boden wertlos, man hatte Schulden über Schulden. Aber so ganz ohne Worte? Kein Gruß und kein Abschied? Kein Brief und kein Zeichen mehr? Es war schwer. mein Gott. Dabei war sie jung, und was galt sie schon im Dorfe, da sie kaum drei Jahre aus dem Hof verheiratet war? Dann schweigt sie und sieht zum Fenster hin- aus. Nach einer Welle jühlt sie, daß er sie an- sieht. Da wendet sie den Kops und sieht ihm in die Augen. Sie sieht ihn lächeln und sagt plötz- lich: „Und das Blut, Herr. Das Blut, ja." Sie schauert in sich zusammen und schließt die Augen. Als sie wieder aufblickt, scheint sie sich zu schämen. Sie wird rot und senkt den Kopf. Ungefähr nach einem Jahr aber hatte nun irgendwer den Geflohenen in der Fabrik im Fluß- tal entdeckt und die Kunde davon war bis in das Dorf gedrungen.- Also hakte., st*; sich ausgemacht. ihn zu holen Sie trennten sich vor dem kleinen Staiionsge- bände, nachdem er ihr den Weg nach der Fabrik gewiesen hatte. Zum Abschied sagt er ihr den Gruß ihrer Heimat, sie gibt ihn zurück:„Mit Gott" und nickt, als er ihr zuruft, es gäbe um sieben abends einen Zug nach der Stadt. Cr blickt ihr nach, sieht ihre Röcke wogen, ihre Stiesel blitzen und zwischen Rock- und Stiefelrand ihre Kniekehlen schimmern. Zlls er am Abend den Warteraum des Bahn- Hofs betritt, findet er sie aus einer der breiten hölzernen Bänke liegen. Sie greint laut wie ein Kind. Ihr Kopftuch ist nach hinten geglstten, ihr weißblondes Haar hängt ihr in langen Strähnen ins Gesicht, Tränen lausen über Wangen und Hals. Er ruft sie an, aber sie hört nichts. Dann neigt er sich über sie und schreit:„Der Zug!" Das versteht sie und springt aus. Nun faßt er sie unter. Aber plötzlich zögert sie, will nicht mit, macht sich steif, und als er von ihr abläßt und sich wieder dem Bahnsteig zuwendet, sieht er durch die Verglasung der Tür, wie der Zug davon- fährt. Niemand hat den Vorfall gesehen und niemand hört, wie sie jetzt wieder greint und lauter als vorhin. Sie hat sich wieder gesetzt, hat die Beine aus die Bank hochgezogen, die Arme um die Knie geschlungen, den Kops aus die Arme gelegt. Manchmal schreit sie auf, stößt geballte Fäuste in die Lust, dann wird sie leiser, weint still vor sich hin. Als er fragt, was geschehen sei. hört sie nicht hin. Cr wartet, fragt wieder, dann wendet er sich zum Gehen. Nun hört er sie schreien:„Ein Schuft, Herr. Ein Schuft, sag ich dir." Cr fragt:„Ein Schuft? Warum?" Sie hebt den Kopf:„Er will nicht mit. Er bleibt bei der anderen. Er mag mich nicht." Sie steht aus und kommt auf chn:„Und er wohnt nicht allein, hörst du? Nicht allein, Herr. nein, nein," Nun faßt er sie an der Hand und führt sie aus dem Raum hinaus auf die Straße. Sie folgt ihm zum Flußujer hin. Es dunkelt schon, es ist warm, vom Fluß her gibt e- ein großes, gleich- mäßiges Singen in der Luft. Sie weint und er schweigt. Noch einer Welle fragt er:„Hast du ihn denn lieb?" Sie richtet sich mit einem Ruck auf und sagt laut: „Fragst du noch? Nur ihn. Nur ihn." „Ich meinte nur.. Ass sie einige Minuten marschiert sind, will sie nach rechts hin den Fußweg einschlagen, der zur Fabrik führt. Er läßt es nicht zu, faßt sie am Arm und zwingt sie neben sich. Dabei sagt er. „Unsinn. Was nützt es?" Und sie gibt nach und nickt und flüstert:„Was nützt es?" Nachher, an einer Biegung des Weges, wo die Parteinachrichten Einsendungen für Otete Stabrik find Beelin 58 68. Sinbenitraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjefretartat 2. Sot. 2 Erevven rechts, zu richten Achtung, Abteilungsleiterinnen für Agitation! Alle in ben Abteilungen nicht abzusegenden Kosten für die WintergartenBeranstaltung am 2. Rära find möglichst umgehend an das Franensekretariat aurückzusenden, ba bei uns sehr viele Nachbestellungen eingegangen find. Das Fraueniefretariat. Dentscher Freidenkerverband. Gruppen und Wahlleiter. Infolge der politischen Mahlen findet die Urwahl am Sonntag, bem 18. März, ftaft Bezirkskonferens am Mittwoch, bem 22. März, pünktlich 19 Uhr, im Neuköllner Rathaus. Sämtliches Bahlmaterial wirb nom Sekretariat rechtzeitig zugestellt. 1. Abt. Das Mitgliedsbud des Genoffen Fris Arndt, geb. 44. 88 zu Berlin, if gestohlen worden. Sollte es irgendwo als Legitimation borgezeigt werden, fo ift as abzunehmen. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern teine besondere Zeitangabe! 3. Areis. Donnerstag, 16. Februar, Ermerbslofenzusammenfünfte: 16. Uhr Gruppe Razl Marg. Außenpolitische Probleme. Referent: Oswald Zienau. 16 Uhr Gruppe Eduart Bernstein. Snnenpolitische Information. Referent: Ifted Martwig. 20. Areis. Die öffentlichen Runbgebungen am Mittwoch in Reinidendorf- Oft und Tegel finden nicht statt 2. Abt. Heute Jüngerenzusammenfunft im neuen Sofal Sols, Michaelfire. plag Ede Michaelfirchstraße. 13. Abt. Freitag, 17. Februar, an bekannter Stelle Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieber. Referent: Dr. Dziobek. 33. Abt. Heute Partei und Agitationstruppfunktionäre bei Bertalla. Im Anschluß daran 21% Uhr gemeinsam mit den jungen Genoffen Vortrag des Genoffen Dr. Karl Schröder. 112. bt Sonnabend, 18. Februar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung an befannter Stelle. Referentin: Susanne Raber- Großmann. 124. bt. Donnerstag, 16. Februar, 15 Uhr, Erwerbslose. 1942. Abt. Freitag, 17 Februar, 20 Uhr, Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. Referent: Genosse Sanda. Frauenveranstaltungen. 12. Abt. Donnerstag, 16. Februar, 20 Uhr, an bekannter Stelle. Bebel und bie Frauen. Referentin: Dr Maria Hirsch. 110. Abt. Donnerstag, 16. Februar, 20 Uhr, an bekannter Stelle. Seiterer Abend des Genoffen Hans Fuhrmann. Arbeiterbildungsschule. 2. Areis, Der Rurfus fann megen Grtranfung des Referenten und im Sin bid auf die Bahlarbeit erst nach den Wahlen fortgeführt werden. Nähere ngaben erfolgen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. Steis Charlottenburg. Freitag, 17. Februar, 19% Uhr, tm Rathaus, immer 2, Surfus fiber: Soziale Gerichtshilfe". Referentin: Genoffin Emm Babenheimer. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Die Anmeldungen für das Pfingstzeltlager müssen bis zum 16. Fe bruar erfolgt fein( legter Termin). Mitte. Heute wieder voller Babebetrieb. Biergarten. Morgen, 19% Uhr, Elternverfammlung bei Schols, Sagom Ede Levesomstraße. Sohenschönhausen. Jungfallen im Seim Sauptstr. 44. Bunter Nachmittag. Friedrichshain. Morgen, 20 Uhr, Kreiselternversammlung im Kreisheim Mühlenstr. 50. Referent: Genosse Weinberger. Abt. Landsberger Plaz. Heute, 20 Uhr, Elternversammlung Diestelmenerstr. 5-6. Bollzähliges Er fcheinen ist erminfot. Areis Areuzberg. Seute, Wittmoch, Abteilungsleiterzusammenfunft um 20 Uhr Urbanstr. 167. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 82. bt. Unsere Genoffin Berta Mohr, ift in alter von 72 Jahren am 11. Februar verstorben. Ehre ihrem Andenten. Einäicherung hat bereits stattgefunden. Winte Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. 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Entlastung' bes Borstandes Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Sunganderung und Anträge Einsendungen für diese Rubrik nur an bas Jugendfekretariat. Berlin GB. 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. 40 Gruppen haben noch immer feine Delegierten zur Generalversammlung angemeldet. V. Sabarett- Matinee am Sonntag, dem 26. Februar, in der Boltsbühne. Rarten zu 1 M. find im Sekretariat erhältlich.. Bozanzeige Jugendtundgebung am Donnerstag, dem 23. Februar. Heute, Mittwoch, 15. Februar, 20 Uhr: Gesundbrunnen( R.-F.): Med Med. Andreasplay 1: Tagespolitik. Andreasplag II: Lassalles Leben und Wirten für bie Arbeitertiaffe Balten. plag: Bursche und Mädel in der SAJ. Frankfurter Viertel: Heimabend. Betersburger Biertel: Das neue Lied. Barschauer Viertel: Heimabend mit jüngeren Parteigenossen: Warschauer Biertel( R.-F.): Nacht über Rußland. Rottbuffer Tor: Sprechchor. Spandau: Fürsorgeerziehung Wannsee: Freundschaft- Liebe- Che. Adlershof: Kampfliederabend. Bohusdorf und Fallenberg: Was will die SPD?, II. Teil. Kaulsbori: Seruelle Not der Jugend. Lichtenberg- Mitte: Der Weg der KPD. Neu- Lichtenberg: Rosa Suremburg, Karl Biebknecht. Lichtenberg- Nord: Politische Satire. Mahlsdorf: Tagespolitik. Karow: Besuch des Zahlabends der Partet. Werbebezirk Kreuzberg: Sprechchorprobe an betannter Stelle um 19 Uhr. 1.. Helterenabend ebendort um 20 Uhr. Referent: Genosse Johannsen. Werbebezirk Lichtenberg: Note Funter". Wichtige Probe Gunterstr. 44. Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Mittwoch, den 15. Februar Staatsoper Unter den Linden 19 Uhr Eine Nacht in Venedig Staatliches Schauspielhaus 19% Uhi Faust II. Teil VOLKSBUHNE Theater am Bülowplatz Täglich 814 Uhr D1 Norden 6936 Letzte Aufführungen Schinderhannes von C. Zuckmayer. A. Hörbiger, C. Spira. Brausewetter, Greid. Halden, Kurz, Marlow SCALA Tägl.5 8.8% 0. Barb.9256 LA TERESINA FELIX BRESSART Fred. SANBORN CASS, MACK & OWEN usw. PLAZA 815, Stas. 2, 5, 81% U. Heute letzter Tag! Boccaccio Städt. Oper Charlottenbur Fraunhofer 0231 Mittwoch, 15. Febr 20 Uhr Turnus fl Die Entführung aus dem Serail iard a. G. Pfahl. Ludwig, Kandl. Herrmann a. G.. Guttmann. Theater im Admiralspalast 8Rigard Tauber tu Frühlingsstürme Operette von Weinberger und Beer Regie: Heinz Saltenburg Mary Loffeff, Arno, Elffer. HAUS VATERLAND KURFÜRST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins KEMPINSKI BETRIEB NEUE WELT Arnold Scholz- U- Bahn Hermannpi.- Hasenbeide 108/14 Gr. Bockbierfest Humor, Stimmung Einlaß 7 Uhr. Der 1000. Besucher Dirig: Breisach erhält eine 8tägige Reise nach Tirol gratis 7. Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern 8 Ausschluß von Mitgliedern nach § 11 d. G Der Borstand gea. Fr. Rösner, P. Schiefner Der Aufsichtsrat gez. E. Huhn Ladentisch gebraucht, ca. 5-6 m, zp kaufen gesucht. Preisangebot unter N. 281' an die Hauptexpedition des» Vorwärtse Gewiunauszug 5. Klasse 40. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lese gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 6. Ziehungstag 14. Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen Sewinne zu 500000 m. 367374 2 Gewinne zu 25000. 348874 6 Gewinne au 10000 m. 17552 92374 168992 2. Geivinne zu 5000 m. 347765 22 Gewinne zu 3000. 24285 51754 54907 75761 175300 190157 227172 273528 275546 294747 351503 54 Gewinne au 2000. 30290 35564 68555 90574.90762 100250 106879 111972 114727 160213 191217 216221 219964 252423 300505 301137 305110 321220 328496 336755 357433 358097 358852 370971 378518 384918 389893 114 Gewinne an 1000 QR. 4029 6064 8469 22249 44473.45833 78960 91316 98776 104450 116889 140175 148657 153717 162188 166851 170718 186489 197980 209942 211279 218846 222217 225033 230378 232677 233427 238840 240983 247796 251691 260625 262143 264959 267503 270679 277738 283329 283725 293457 294918.303236 313930 315597 324683 330824 336929 348158 352138 354822 358617 370515 370849 372696 378026 385332 391005 158 Gewinne u 500 m 2166 4761 12048 19058 19543 35085 37712 38318 42754 46089 46441 47685 54900 55722 65224 65362 66926 75589 75950 83693 85990 87063 87408 97271 98963 99646 102131 117228 124131 128881 150746 154993 156216 157935 159660 169356 175411 177808.178689 184258 192604 194926 195498 199581 202518 208995 209426 210516 214424 215611 216841 219257 220503 225119 234010 234746 235836 245354 249930 255517 255596 257607 266808 270821 271184 278385 293135 293827 318963.337515 337811 341157 341727 345288-360410 361882 371071 377489 390927 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Geminne ibex. 400 902. 2 Gemiune su 10000 16 Gewinne zu 5000 285079 316733 14 Geminne z 3000 362098 gezogen 119200 .31655 153024 184138 205924 212854 238790 4793 6328 202648 267333 347102 359070 84 Geminne zu 2000 428 25676 33275-61059 77549.81304 91230 91806 98127 100590. 128306 149652 182103 192499 203709 210684 222782 227606 264531 267129 270791 285689 302816 303783-309540 310226 311953 314372 323338 336084 340599 341661 344408 345218 354531 356748 376336 386595 390559 390764 395241 397795 112 Gewinne au 1000 m. 4993 18113 25955 43675 49732 54449 73825 81400 88652 98221 110764 114593 132193 135033 135842 145093 157209 161641 165091 190928 191662 199882 206285 216850 219281 222245 222676 237090 238359 240858 241794 242420-253446 25.7790 262499 264487 264916 267350 272715 275046 282537 296087 316771 321983 328192 328484 337039 342167 355198 358198 365947 366292 370592 377725 383813 395068 192 Gewinne au 500 R. 7406 13171 17205 21731 22124 24659 28138 29533 30295 31286 33764 36326 43543 48923 51530 53912 61018 63958 69568 84112 89898.90555 94159 94541 96297 97176 98658 99104 102212 106021 108873 116581 116946 128532 140142 147860 165957 182876 188808 189366 190678 199346 205746 207235 207502 208133 203750 209694 214497 222691 224420 225452 237732 240961 242602 257570 264135 264485 265446 277141 282169 285342 291874 304961 303683 309695 310087 310221 311532 316125 318546 321734 322795 323799 330174 336345 344060 344593 349831 353982 361669 362437 363785 365225 367821 372498 373694 373963 374438 374514 378911 383835 384778 385303 288167 392371 Jm Geminnrabe verblieben: 2 Brämien zu je 5 0000 2 Geminne zu je 200000, 4 Gewinne zu je, 100000, 6 zu je 750.0, 10 zu e 5000), 24u je 25000, 150 3 je 10000, 398 zu je 0-0, 788 zu je 8000, 2326 zu je 2000, 4701 zu je 1000, 766 zu je 500, 28208 3 je 4.0, unb 100 Schlußprämien zu 8000 Diart Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, dez Schmied Franz Exner ama 12. Februar im Alter von 65 Jahren gestorben ist. Die Einascherang findet am Donnerstag, dem 16. Februar, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ferner starb am 12: Februar, unser Kollege, der Dreher Ernst Bommer im Alter von 72 Jahren. Ebre ihrem Andenken! Die Einäscherung findet am Dounerstag, dem 16. Februar, 191 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung KLEINE ANZEIGEN Überschrif'swort 20 Pf., Textwort 10 Pt Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%. 8 mal 7%, 12. mal 10.%, oder. 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15% 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenstraße 3( 9 bis 5 Uhr) sämtliche Vorwärts- Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Annoncen- Expeditionen Verkäufe ginoleum Szillat itraße 9. Möbel MusikInstrumente Linkpianos; E Umzüge Fuhrwasen Autoumzüge, gute gebrauchte, ab Stadt, Fernirang. 150,- Reparaturen porte billigst. Aut. polieren und moder- ürft 1408. nifieren. 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Abt. der Sozialdemokratischen Partei in Mahlsdors in dem Lokal von Anders in der Bahnhosstrahc sich anschickte, ihre erste grohe ösfentliche Wahlversammlung abzuhalten, kam es. und zwar ledig- lich durch das sreche, provozierende Verhalten eines 200 Mann starken nationalsozialistischen Störungstrupps. zu einem unerhörten Tumult, vier Angehörige der Eisernen Front wurden verletzt. Mit einer Stunde Verspätung konnte dann unsere Versammlung slatlsinden. Wir erhalten über die Vorgänge solgende Darstellung: Gestern abend kam es in M a h l s d 0 r f vor Beginn einer Versammlung der Eisernen Front zu einem Sturm der Nationalsozia- listen auf die Versammlungsbesucher, der nach einer Schlägerei zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Besuchern der Versammlung einerseits und der SA. andererseits durch das Ein- greifen des Ueberfallkommandos der Polizei ab- gewehrt werden konnte. Vor Beginn der Ver- sammlung, als etwa SO Personen, meist An- Hänger der Eisernen Front, anwesend waren, marschierten geschlossen SA.- Stürme von Mahlsdors, Kaulsdors. veuenhagen- hoppegarten, Köpenick und Lichtenberg, etwa 200 Mann, herein. Demonstrativ blieben die SA.-Stürm« im Saal stehen. Erst nach dreimaliger Aufforderung des Versammlungsleiters nahmen sie Platz. Nach ein paar Minuten provozierten sie in einer Ecke des Saales mit dem Reichs b a n n e r- S a a l- schütz, der noch nicht vollzählig anwesend war, einen Zwischenfall und stürzten sich dann aus Kommando des SA.-Fllhrers auf das Reichs- banner und die Versammlungsbesucher. Stühle wurden auseinandergerissen und als Waffen gebraucht. Die zwei anwesenden Polizei? beamten gingen gegen die SA. vor, konnten jedoch gegen die Uebermacht nichts ausrichten. Erst als das Ueberfallkommando eintraf— es dauerte sage und schreibe zwanzig Minuten— wurde der Schlägerei ein Ende gemacht. Die SA.-Männer wurden festgestellt, dann jedoch nicht etwa zum Polizeipräsidium gebracht, sondern unter Polizei- deckung zum Bahnhof geleitet. Als Opfer des SA.-Ueberfalls sind von den Arbeitersamaritern vier Angehörige der Eisernen Front und ein Kriminalbeamter, der erheb- lich verletzt wurde, verbunden worden Nach der Feststellung der SA.-Leute kam es draußen auf der Straße vor dem SA.-cheim nochmals zu einem Geplänkel zwischen SA. und Polizei. Die Versammlung der Eisernen Front konnte mit einer Stunde Verspätung in Ruhe begonnen werden. Nachts bewußtlos aufgefunden In der Nacht zum Dienstag wurde in der Ber- liner Straße in Zehlendorf eine junge Frau von Passanten in bewußtlosem Zustande auf- gesunden und von Polizeibeamten ins Lichterfelder Krankenhaus gebracht Gegen Mittag kam die Unbekannte auf kurze Zeit zum Bewußtsein und konnte angeben, daß sie die 34 Jahre alte Ger- trud H. aus der Meierfeldstr. 28 in Machnow sei. Die Aerzt« vermuten, daß die Frau eine starke Dosis des Schlafmittels„Phanodorm" zu sich genommen hat. Sie verfiel bald wieder in schwer« Bewußtlosigkeit. Jede weiteren Fragen an sie waren zwecklos. Angeblich soll, wie Zeugen bekunden, die Frau in der Nacht in Begleitung eines Herrn in einem Zehlendorfer Lokal ge- wesen sein. Dies« Angaben unterliegen aber noch der Nachprüfung. Kampf der Kulturreaktion kur Freiheit, Volk und Sozialismus! Der Sozialistische Kulturbund ver- anstaltet am Sonntag, dem 19. Februar, vor- mittags UM Uhr, im Volkebühnen-Theater am Bülowplatz eine große Massenkundgebung. Thomas Mann wird diese Veranstaltung mit einer Botschaft begrüßen, in der er sich an die ungezählten Millionen wendet, die im Geist hinter den Teilnehmern und Trägern dieser-Kund- gebung stehen. Als Vertreter der größten Or- ganisation dieser Massen wird der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Peter Graßmann, sprechen, außerdem der Bor- sitzende des Kulturbundes, Kultusminister Grimme, und der Vorsitzende der Kinder- freundebewegung, Kurt L ö w e n st e i n. Der Sinn dieser Kundgebung wird Nar und eindeutig sein: Sie wird den Willen der Massen zur Neugestaltung der Wirtschost und Gesellschaft im Geist des Sozialis- m u s zum Ausdruck bringen und sich gegen die kulturellen Gefahren wenden, die das deutsche Volk bedrohen. Wahre Freiheit und Kultur können nur auf dem Boden der sozialen Demo- kratie gedeihen. Sie bietet die Möglichkeit zur Entsaltung aller schöpferischen Kräfte und Fähig- keiten. Sie gewährt dem Kamps der Geister, dem Ringen der Weltanschauungen weiten Spielrauni und verHilst damit dem menschlichen Fortschritt zum Siege._ ES fehlt an Wäsche Winterhilfe lindert Not Die Kleidersammlungen der Berliner Winter- Hilfe haben zwar einen schönen Erfolg gehabt, haben aber doch nur einen bescheidenen Teil an gebrauchsfertiger Wäsche ergeben. Der Vorstand der Berliner Winterhilfe hat daher für eine nam- hafte Summe Nesselstoffe für Bettwäsche sowie Trikotunterwäsche für Männer, Frauen und Kinder eingekauft und bereits in sämtlichen Be- zirten zur Verteilung gebracht. Die Berliner Wäscheindustrie, Fabrikanten und der Großhandel sowie Warenhäuser und Detaillisten sind der Berliner Winterhilfe in dankenswerter Weife entgegengekommen, so daß mit der ausgesetzten Summe etwa das Dreifache an Wert beschafft werden konnte.— Trotz dieses Einkaufs, der in allen Bezirken große Freude hervorgerufen hat, fehlt es angesichts der großen Not noch immer an Wäsche und Kleidung. Wir bitten die Berliner Bevölkerung, nicht müde zu werden und noch mehr zu spenden. Spenden nimmt entgegen: Die Berliner Winterhilfe, Berlin C. 2, Burgstr. 28, D. 1. Norden 1928. dichtesten Nebel seinen Weg nach der Nordsee finden. Ein großer Teil dieser Funkfeuer ist nicht am Lande, sondern auf Feuerschiffen unter- gebracht, weil diese an den Hauptansteuerpunkten der Schiffahrt in gefährlichen Gewässern liegen. Kürzlich wurde wiederum ein Funkfeuer im eng- tischen Kanal auf einem Feuerschiff dem Verkehr übergeben, das West-Hinder heißt und zwölf See- meilen von der belgischen Küste entfernt in den sogenannten Hoofden vor Anker liegt Diese von der Telefunken-Gesellschaft ausgerüstete Sta- tion besitzt einen Z0-Watt-Sender, welcher tönend moduliert seine von den Regierungen auf dem Kongreß in London festgelegten„Kennungen" automatisch aussendet, auf Sekunden genau gesteuert durch ein Chronometer, weil die Funk- feuer abwechselnd zu verschiedenen Zeiten senden müssen, um sich nicht gegenseitig zu stören. Immer mehr Funkfeuer! ' Der englische Kanal gilt als befonders gub.ch?-' -feuert"! An seinen Küsten stehen in dichter Folge die Leuchttürme, die optische und akustische Signale aussenden. In den letzten Jahren entstände» außerdem die sogenannten„F u n k f e u e r", das sind drahtlose Sender, die also mit unsichtbaren elektrischen Wellen arbeiten. Mit ihrer Hilfe kann ein Schiff mit Bordfunkpeiler, das von Amerika kommend den englischen Kanal ansteuert, selbst im An die Rundfunkhörer! Aufruf des Arheiter-Kadio-Bundes Der Vorstand des Arbeitcr-Radio- Bundes erläßt unter dem Titel„Abmelden oder nicht" einen Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: „Der schwerste Kampf des Proletariats hat be- gönnen. Am 3. März wird die nächste Schlacht geschlagen. Die neuen Machthaber Hitler-Papen- Hugenberg haben sich hierzu des Rundfunks be- mächtigt und ihn in den Dienst ihrer Propaganda gestellt. Der Rundfunk ist nicht mehr, was er sein sollte, wichtigstes Kulturinstru- ment; er wird zur politischen Sprechbllhne der neuen Machthaber Besonders wird die Bericht- erstattung so einseitig politisch werden, daß alle Meldungen mit äußerster Vorsicht ausgenoinmen werden müssen. Trotzdem fordert der Bundesvorstand des ARB alle Rundfunkhörer auf, den Rundfunk nicht ab- � zumeiden. Der Kamdpf um den Rundfunk kann heute nicht mehr nur vom Standpunkte des Hörers aus betrachtet werden, sondern er ist zu einem Teile des politischen Kampfes der Arbeiter- klaffe überhaupt geworden. Die freiheitlichen Rundfunkhörer würden der Reaktion nur einen Dienst erweisen, wenn sie ihre Opposition gegen die einseitige Politisierung des Rundfunks durch Abbestellung ausschallen würden. Wer den Rundfunk abbestellt, handelt jetzt genau so unvernünftig wie der Spießbürger, der nicht mehr zur Wahl gehen will, weil es ja doch nichts nützt. Hört euch an, in welcher Art man von der Arbeiterklasse und allen ireihe.tlich Ge- sinnten im Rundfunk spricht. Der Haß der jetzigen Machthaber gegen die sogenannten Marxisten wird in uns die Widerstandskraft und Empörung steigern. Hört euch alle die Hoßgesänge aufmerksam an und klärt die indifferente Masse von Mund zu Mund auf! Arbeitet mit uns an der Zujammenfäfsung aller freiheitlich gesinnten Rundfunkhörer! Protestiert immer und rmmer wieder in persönlichen schriftlichen Beschwerden an die Sendegesellschaften gegen jede einseitige politische Einstellung des Rundfunks. Haben die Proteste der freiheitlichen Hörer Herrn Scholz weggeschwemmt, so wird die Opposition der frei- heitlichen Rundfunkhörer auch diese neue national- sozialistische Flut zum Versiegen bringen" „Bitte um den Fahrschein" Oer lästige Kontrolleur Es gibt wohl kaum einen Menschen in Berlin, der noch nicht mit einem Verkehrsmittel der Ber- liner Verkehrs-Aktiengefellschaft, der BVG., ge- fahren ist. Ebensowenig wird es wohl kaum einen Benutzer der Verkehrsmittel geben, dem nicht der Kontrolleur mit der„Bitte um den Fahrschein" begegnet ist. Und wieviel dieser Fahrgäste mögen nicht schon gedacht haben:„Der Mann hat es aber gut. Macht den ganzen Tag weiter nichts als Striche auf die Fahrscheine, um die Fahrgäste zu schikanieren." Was hat ein solcher Kontrolleur aber wirklich zu tun? Viel«, ja wohl die meisten Fahrgäste glauben, daß die Tätigkeit des Kontrolleurs mit dem Strich auf dem Fahrschein beendet ist. Das dem aber nicht so ist, wollen wir gleich beweisen. Nehmen wir den Fall, ein Schaffner oder ein Führer wird plötzlich krank. Sofort muß der Kontrolleur, der ja auch im Fahrdienst ausgebildet ist, da die Kontrolleure au4 dem Fahrpersonal hervorgegan- gen sind, einspringen. Er muß also Fahrscheine verkaufen, oder er muß den Wagen bis zur nächsten Ablösung weiter fahren.„Dazu gehört doch nicht viel", werden manche Leser sagen. O doch, es gehört sogar sehr viel dazu. Es genügt nicht nur, daß der Wagen überhaupt dort hin- kommt, wo er hingehört, er soll auch zur bestimm- ten Zeit an Ort und Stelle eintreffen, es heißt also den Fahrplan, die Fahrzeit einhalten. Wenn er den Schaffner vertritt, dann soll und muß auch die Kasse, die er ja nur auf Treu und Glauben übernommen hat, genau stimmen. Und diese Ver- antwortung trägt der Kontrolleur neben der Ver- antwortung, daß auch alle Fahrgäste ihr Fahr- geld entrichten: er wird ja auch von seinen Konttolleur-Kollegen kontrolliert. Weiter gehört zu seiner Tätigkeit, daß der Fahrplan glatt und reibungslos abgewickelt wird. So wie es bei der Straßenbahn ist, so ist es auch bei der Hoch- und Untergrundbahn Nur daß ein Kontrolleur nicht berechtigt ist. einen Zug. zü sahren, da hierzu der Zugbegleiter maßgebend ist Auf dem Bahnhof Gleisdreieck stehen für alle vorkommenden Fälle genügende Ersatz- f a h r e r zur Verfügung. Wird am Fahrkarten- schalter eine Ausgeberin krank, dann steht.zuerst der Schaffner und dann der Zugabfertiger zur Verfügung. Jetzt bleibt nur noch der Omnibus übrio. Nachdem die Berliner Verkehrsmittel zur BVG zusammengeschlossen wurden, ging die Direktion daran, alle Kontrolleure zur Fahrschule zu schicken. um in vorkommenden Fällen gerüstet zu sein. Es genügt nun nicht, daß die Kontrolleure den Führerschein in der Tasche haben. In einem be- stimmten Turnus müssen alle einmal wieder auf einige Tage aus den Wagen klettern und zeigen, daß sie noch nichts verlernt haben. Klapperkasten" für 10 Pfennig // Kunden des Schreibmaschinen-Automaten Seit einigen Tagen sind in verschiedenen Berliner Postämtern Schreibmaschinen- Automaten eingerichtet worden, die sich in anderen Städten schon bewährt haben. Auf einem kleinen Tisch mit niedrigen Glasfenstern steht eine Schreibmaschine, deren Tasten blockiert sind, so- lange man nicht zehn Pfennig eingeworfen hat. Dafür darf man dann zehn Minuten lang den„Klapperkasten" benutzen. Für noch einen Groschen kann man in einem ebenfalls auf dem Tisch angebauten Automaten einen Bogen Schreibpapier, Durchschlagbogen, Kohlepapier und Umschlag empfangen. Für zwanzig Reichspfennige steht einem also jetzt die Welt offen, soweit sie mit maschinengeschriebenen Briefen zu erreichen und zu beeindrucken ist. Da kommt ein älterer Mann mit Zwicker, stei- fem Hut und Gummikragen. Offensichtlich kleiner Geschäftsmann oder Rentier. Mit strengem, prü- fendem Blick betrachtet er die Neuerung, zieht dann sorgfältig zwei Groschen aus seiner Geld- börse und setzt damit das Wunderwerk in Gang. Das heißt, vorläufig hatte er erst die Zutaten. Zunächst kam die Adresse auf den Umschlag, lang- sam, zögernd wird sie getippt. Dann spannt er mit zitternden Händen den Bogen ein und als er den Brief halb beendet hat, ist die Zeit um. Mißmutig opfert er noch einen Groschen____ Danach stürzte sich ein junges Mädchen an den Apparat. Voll Eifer und Geschäftigkeit hat sie im Nu die Sache in Ordnung und schreibt mit zehn Fingern noch vor Ablauf der Zeit zwei volle Seiten. Entweder hat sie einen so gestrengen Chef, daß sie keine Privatsachen im Geschäft schreiben kann oder es ist gar ein vergessenes Diktat, das sie nun schnell noch am Abend nach- holt. Aber sicher war sie eine Stenotypistin mit ihrer feschen Kappe und nervösen, langen Fingern. Nach längerer Pause, in der nur ein gleich- gültiger Mann eine simple Postkarte geschrieben hatte, nähert sich verlegen ein vielleicht fünfzehn- jähriger Schüler mit bunter Mütze dem Schreib- maschinentisch. Aus einer gewichtigen Brieftasche holt er einen schönen, blauen Bogen mit Um- schlag, aus der Hosentasche den Groschen und dann hat er wahrscheinlich seinen ersten Liebes- bries sein säuberlich mit der Maschine auf Papier gebracht. 'Füchtige Schupobeamte! Mehrere Schupobeamte sind vom Konimandeur der Berliner Schutzpolizei wegen ihres mutigen und umsichtigen Verhaltens im Dienst dieser Tage wieder belobigt worden. In mehreren Fällen haben die Beamten bei ihrem nächtlichen Dienst vorbestrafte Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Einmal wurde durch die Aufmerksamkeit eines Streifcnbeamten ein Autodieb nach heftiger Ge- genwehr festgenommen und das gestohlene Fahr- zeug sichergestellt. Weiter wurde durch zwei Schupobeamte im evangelischen Pfarrhaus in der Baumschulenstraße in Baumschulenweg ein im Entstehen begriffener Brand in der Nacht entdeckt und durch die Beamten, die in das gefährdete Gebäude eindrangen, gelöscht. Die Name» der belobigten Polizeibeamten sind: Hauptwachtmeister K i a u l e h n(Revier 213), Wachtmeister G ä h- l e r t von der 4. Bereitschaftsinspetiion West, Oberwachtmeister K l i n g b e i l und G e n g e r (Revier III), Oberwachtmeister Rum(Revier 7) und die Wachtmeister Pohl sowie Feuchter »an der 1. Inspektion Neukölln. Wie wird das Wetter? 3n Berlin: Allmähliche Beruhigung, nur ver- einzelt Schneeschauer, nachts mäßige Fröste.— Zn Deutschland: Im Westen, Süden und Muuc- deutschland allmähliche Beruhigung, stärkere Nacht- fräste, im Osten immer noch veränderlich mit Schneeschauern. Malzkaffee? Ja. aber nur IMtellil den echten, der ift besser und deshalb billiger- ein Pfimdpaket für 45 Pfg. reicht für mehr als 100 Tassen- Arbeiter und Bauern vereinigt euch! Die Agrarierpolitik schneidet aus eurer Haut gleicherweise Riemen Im ganzen protestantischen Deutschland ist das Bauertum heute die eigentliche Do= mäne der Parteien der Harzburger Front. Der politische Kampf erscheint dort in völlig sinnloser Weise immer mehr als ein Kampf zwischen Stadt und Land, zwischen Arbeiter und Bauer. Die jahrelange Agitation des Reichslandbundes hat eine Stimmung geschaffen, die in ihrem politischen Ergebnis die Voraussegung für die wirtschaftliche Zerstörung des deutschen Bauerntums bilden wird, wenn es der Harzburger Front gelingen sollte, am 5. März im Besitz der Macht zu bleiben. Die von der Reichsregierung verkündeten Vierjahrespläne versprechen zwar, auch der Verelendung des Bauern ein Ende zu setzen. Ueber die Mittel zu diesem Ziel ist aber bisher amtlich nichts verlautet. Das Geflüster der Amtsstuben dringt jedoch auch in die Oeffentlichkeit. Es dient als ein unvollkommener Ersatz der Deffentlichkeit der Gesetzgebung, die den parlamentarischen Staat auszeichnet und verhindert, daß Maßnahmen sinnloser Willkür und bürokratischer Weldfremdheit mit ihrer wirtschaftszerstörenden Kraft getroffen werden können, wie die, unter denen das Bauerntum in den letzten drei Jahren zu leiden gehabt hat. Im Mittelpunkt aller Ueberlegungen scheint wieder einmal das Verschuldungsproblem zu stehen. Das Sicherungsverfahren in Ostdeutschland hat den oftdeutschen Agrarkredit zerstört. Die Maßnahmen der zwangsweisen Zinssenkung und des Bollstreckungsschutzes haben dem Bauern auch in Westdeutschland bereits fast jeden kredit genommen. In den letzten 1½ Jahren lernte der Bauer eine Kapitalnot fennen wie noch nie, seitdem er vor fünfviertel Jahrhunderten aus der Hörigkeit und Leibeigenschaft befreit wurde. Nicht seinetwegen mußten diese Maßnahmen ergriffen werden. Die Masse des deutschen Bauerntums ist niemals überschuldet gewesen, und ein Viertel bis ein Drittel des Bauerntums ist wohl auch noch heute schuldenfrei. Aber der Großgrundbesih mußte erhalten werden, darum wurde auch dem Bauern der kredit genommen. Die Praxis des vor einem halben Jahre eingeführten Vermittlungsverfahrens hat zwar erwiesen, daß kein Bedarf nach einer Aus= dehnung des Vollstreckungsschutzes in der Landwirtschaft, abgesehen von den ofthilfegesegneten Gefilden des deutschen Ostens besteht. Aber was schiert das die Bürokratie, zu der zwar die Klagen der Bauern, die erststellige Hypotheken von ein, zwei, dreitausend Mark nicht erhalten können, nicht dringen, die aber das Gejammer der ,, entschuldeten" ostdeutschen Großbetriebe hört, die schon wieder nicht mehr imstande sind, die Zinsen ihrer ersten Hypotheken und der Osthilfedarlehen aufzubringen. Was schiert das Herrn Hugenberg, der nun einmal von seinen alten ver= staubten Entschuldungsprojekten nicht lassen mag! Zugleich bemüht sich Herr von Rohr, der neue brav ostelbische Staatssekretär, wiederum zu Lasten des Bauerntums aus der neuen Krise des ostdeutschen Getreide- und Kartoffelbaues einen Ausweg zu finden. Vor drei Jahren wurde den nordwestdeutschen Mästergebieten insbesondere in Schles: wig- Holstein, Oldenburg, Hannover und Westfalen- mit dem billigen Futtergetreide des Weltmarktes die Grundlage ihres Bestandes genommen. viele Das Ergebnis waren Hunderttausende von Nazistimmen der verelendenden Bauern. Gleichzeitig bewirkten die hohen Getreidepreise eine Ausdehnung des Ge= treidebaues wahrscheinlich in noch grö= Berem Umfange, als die Statistik erkennen läßt-, und heute ist die Getreidekrise größer als vor drei Jahren! Seit Jahrzehnten ist anerkannt, daß der deutsche Delfruchtanbau mit dem ausländischen nicht fonfurrieren kann. Das Interesse des deutschen Verbrauchers an einer billigen Speisefettversorgung und das des deutschen Bauern an einem billigen Futtermittel kamen in der Delsaateneinfuhr und-verarbeitung vorzüglich zur Deckung. Beides foll nun ein Ende nehmen. Damit der bankerotte Großagrarier in Ostdeutschland seinen Getreideanbau einschränken Taumel des Exportmordes Deutschland wird an seinen Rettern zugrunde gehen Die Regierung der nationalen Erhebung, für deren Wirtschaftspolitik ugenberg allein verantwortlich zeichnet, scheint in einer raschen Folge handelspolitischer Erperimente die extremsten Forderungen der hinter ihr stehenden Interessenten durchführen zu wollen. Den autonomen Zollerhöhungen für Vieh, Fleisch, Schmalz und Speck, die nach der von der Bapen- Regierung durchgeführten Kündigung von Handelsverträgen möglich war, ist gestern die Veröffentlichung der Kündigung von Zollbindungen des deutsch- französischen Handelsvertrags gefolgt. Für etwa 30 industrielle und landwirtschaftliche Positionen, darunter Saaten, alle frischen Gemüse, Salate, Beeren, Fische, Käse, Dele, Baumwollgarne, Baummollgewebe und andere industrielle Artikel verlangt Deutschland die Aufhebung der Zollbindungen, d. h. Freiheit in der Fest= segung der Zölle. Es ist noch unflar, ob daraufhin die autonomen, d. h. nicht vertragsmäßigen Zollsäge in Kraft treten oder höhere Zollfäße verkündet werden. Die Dinge laufen dann so, daß Frankreich von seinem Recht Gebrauch machen wird, in Verhandlungen Kompenfationen zu fordern. Führen diese Verhandlungen innerhalb zehn Tagen nicht zum Ziel, dann ist Frankreich berechtigt, im Rahmen des durch die deutschen Kündigungen bedrohten französischen Exports Gegenmaß= nahmen gegen die deutsche Einfuhr nach Frankreich zu treffen. Was bei dem Abschluß des Zusazabkommens von vornherein zu sagen war, daß nämlich die Inanspruchnahme des Kündigungsrechts zwischen Deutschland und Frankreich zu einem schleichenden 30llkriege füh ren muß, das wird jetzt eintreffen. Dabei zählt Frankreich noch heute zu den besten Käufern deutscher Waren. Die deutsche Regierung verfucht natürlich, die Bedeutung der Zollkündigungen gegenüber Frankreich zu bagatellifieren. Es wird darauf hingewiesen, daß es sich nur um französische Exporte nach Deutschland von 30 Millionen Franken Industrieartikeln und 4 Millionen Franken agrarischen Produkten handele. Diese Angaben wären noch nachzuprüfen. Aber es ist schon nicht gleichgültig, daß Deutschland als erstes Land von den Kündigungsmöglichfeiten Gebrauch gemacht hat, nachdem Frankreich es seinerzeit war, das das Recht zur Auskündigung von 36llbindungen für sich verlangt hatte und die Papen- Regierung sich viel darauf zugute tat, durch den Abschluß des Zujazabkommens schon damals die Kündigung des deutschfranzösischen Handelsvertrages verhindert zu haben. Von diesem Handelsvertrag hatte bisher Deutschland den größeren Vorteil. Deutschland liefert jetzt Frankreich den Vorwand, den deutschen Export nach Frankreich seinerseits nach allen Regeln der Kunst einzuschränken. Entscheidend aber ist, daß das Vorgehen gegenüber Frankreich die bedenklichsten Fernwirkungen hat. Schon die autonome Erhöhung der Vieh-, Fleisch, Schmalz- und Speczölle hat in Holland und den nordischen Ländern einen Sturm der Entrüstung gegen Deutschland hervorgerufen. In Dänemark ist erklärt worden, daß Deutschland immer wieder zu der Ueberlegung zwinge, noch mehr als bisher sich auf Käufe in England einzurichten. In Holland bereitet sich eine neue Boykottbewegung vor. Die Kündigung der französischen Zollbindungen aber wird sich nicht nur wieder gegen Holland und Dänemark auswirken, sondern auch gegen Jugoslawien, und statt dessen Delfrüchte anbauen kann, damit die erforderliche Teilliquidation lebensunfähiger landwirtschaftlicher Großbetriebe vermieden wird, sollen Margarine und Delkuchen zwecks Förderung des Delfruchtanbaues verteuert werden! Dieses ,, dringende Erfordernis" wird wenn ihm Rechnung getragen wird die Verelendung des Bauerntums ebenso beschleunigen wie die seit drei Jahren betriebene Verteuerung des Futtergetreides und die Maßnahmen des Vollstreckungsschutzes bzw. der Zerstörung des Agrarkredits. Der Kampf zwischen Stadt und Land hat nur Sinn für den Großgrundbesiz. Denn Brot und Kartoffeln müssen die Arbeiter essen, wollen fie nicht verhungern. Daß sie sich den Fleisch, Milch-, Eier, Obst- und Gemüseverbrauch„, abgewöhnen" können, haben die letzten Jahre der Wirtschaftsfrise gelehrt. Diese letzten Jahre haben auch zu der klaren Erkenntnis geführt, daß, je höher die Brot- und Kartoffelpreise sind, um so geringer die Kauftraft des Arbeiters für die Produkte der bäuerlichen Landwirtschaft wird. Der Großbetrieb, der Getreide und Kartoffeln teuer verkauft und dem Macht und Einfluß eingeräumt wird, um dieses Ziel zu erreichen, schädigt damit nicht nur den Arbeiter, nicht nur den Bauern in Nordwestdeutschland, der seinen Schweinebestand verkleinern muß und in Not und Verzweiflung geräter schädigt das ganze deutsche Bauerntum! Die neuen Pläne auf dem Gebiete des Vollstreckungsschutzes und der Förderung" des Anbaues von Delfrüchten in Deutschland würden nicht nur den Arbeiter schädigen, dem nach dem Schmalz auch die Margarine verteuert werden soll, sondern auch den Bauern, dem im Delkuchen das billigste Futtermittel und damit die Möglichkeit der Intensivierung seiner meist für seine und seiner Familie Arbeitskraft zu fleinen Wirtschaft genommen werden würde. Der von den Agrariern geschürte Kampf des Landes gegen die Stadt ist für den Bauern sinnlos und verderblich. Seine Interessen und die des städtischen Arbeiters und Arbeitslosen sind die gleichen. Sie sind beide denen des ostdeutschen Großagrariertums entgegengesetzt, das seit Jahren das Reich in den ausschließlichen Dienst seiner volts und wirtschaftszerstörenden Interessen zu stellen bemüht ist. Belgien und hinsichtlich der Baumwollwaren auch gegen England. Noch vor wenigen Tagen hat der Staatssekretär Dr. Bang vom Reichswirtschaftsministerium nachdrücklich alle Rücksichten auf den Industrieexport versprochen. Auch Hugenberg hat fich in der gleichen Richtung geäußert. Die Tatsachen reden eine ganz andere und für Deutschlands Gesamtwirtschaft geradezu lebensgefährliche Sprache. Diese Maßnahmen scheinen aber erst der Anfang von dem zu sein, was geplant ist. Auf einer rheinischen Bauernversammlung hat der neue Staatssekretär im Reichsernährungsministerium, Rohr- Demmin, Andeutungen darüber gemacht, daß die Reichsregierung allen Ernstes die Forderungen des Reichslandbundes erfüllen wolle, die Buttereinfuhr völlig zu sperren. Gegenwärtig bestehen mit den Buttereinfuhrländern, in der Hauptsache Holland, Dänemark und Finnland, Kontingentsvereinbarungen über 55 000 Tonnen Buttereinfuhr. Die frühere Jahreseinfuhr ist durch dieses Kontingent schon auf f a ſt die Hälfte gedrosselt worden Die Butterpreise haben davon nicht profitiert, weil sie von der Kauffähigkeit des Inlandes, nicht aber von der Einfuhr und der Höhe des Zolls abhängen. Wenn Deutschland eine Buttereinfuhrsperre durchführt, gleich viel auf welchem Wege, dann begeht es einen handelspolitischen Gemaltstreich, der den sofortigen Zollkrieg mit den beteiligten Ländern zur Folge haben muß. Die Wirkungen für den industriellen Erport ,, Das Ende Hamburgs.." Deutschlands wären un absehbar. Hanseaten zu dieser Handelspolitik Im ,, Hamburger Fremdenblatt" nehmen führende Männer der Hamburger Berwaltung und Wirtschaft zu der agrarpolitischen Handelspolitik Deutschlands in einer Form Stellung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Oberbürgermeister Petersen erklärt, die Vernichtung der Handelsbeziehungen würde das Ende Hamburgs und den Tod der deutschen Schiffahrt bedeuten. Die leitenden Direktoren der Hamburger Großbetriebe, wie W. Blohm von der Werft Blohm u. Boß, machen für die besonders drückende Arbeitslosigkeit im Schiffbau und den verwandten Maschinenbetrieben die jetzige Handelspolitik verantwortlich, während des Vorsitzende des Vereins Hamburger Exporteure feststellt, daß die Abschließung vom Auslande völligen Verzicht auf Weltgeltung und Weltpolitik bedeute. Diesen Ausführungen, denen sich in der gleichen Linie eine Anzahl weiterer führender Hamburger Beamter und Wirtschaftler anschließt, wäre noch) hinzuzufügen, daß die Abschließungspolitik nicht nur das Ende Hamburgs, sondern das Ende von Millionen erwerbstätigen Deutschen bedeuten würde. Auch die in der Versenkung verschwundene Butterbeimischung zur Margarine soll in der Form wiederbelebt werden, daß man eine Margarineverteuerung auf dem Zollwege versucht. Den an anderer Stelle besprochenen Plan zum Mehranbau von Delsaaten will man dadurch fruchtbar machen, daß man den inländischen Delmühlen Einfuhrzölle auf aus ländische Dele verspricht. Das hätte auto= matisch eine Berteuerung der zur Margarineproduktion erforderlichen ausländischen Dele und damit die durch die Butterbeimischung nicht erreichte Verteuerung der Margarine zur Folge. Auch für diesen Plan gelten selbstverständlich alle Einwände, die preispolitisch gegen die Butterbeimischung zu machen waren. Denn jede Margarineverteuerung muß bei der beschränkten inländischen Kaufkraft zur Bevorzugung der billigeren Margarine führen, kann aber niemals den Butterpreisen zugute kommen. Auf der anderen Seite aber ergeben sich auch hier die schwersten Folgen für den deutschen Industrieegport. Alle diese Maßnahmen werden getroffen, um den Taumel der ,, nationalen Erhebung" in der ländlichen Bevölkerung für die Wahlen am 5. März fruchtbar zu machen. Sie dienen letztlich dem Austrag des politischen Konkurrenzkampfes zwischen den Deutschnationalen und den Nationalsozialisten, deren Einfluß Hugenberg auf dem Lande um jeden Preis zurüddrängen möchte. Dieser Taumel neuer handelspolitischer Experimente, dieser Taumel des Exportmordes, muß zu einem furchtbaren Erwachen führen. Es ist unvermeidlich, daß im Zuge dieser Entwicklung die Arbeitslosig= teit steigt und steigt, daß die Bauern noch weniger und zu noch schlechteren Preisen verkaufen als bisher. Aber wer fümmert sich heute um derartige Folgen, wenn man den politischen Taumel der nationalen Erhebung nötig hat, um den Boden für zweifelhafte politische Experimente zu schaffen. Fords Hausbank pleite Gouverneur verhängt Zahlungssperre Der Gouverneur des Staates Michigan, eines ausgesprochenen Industriestaates in den USA. mit dem Zentrum Detroit hat für die Deffentlichkeit völlig überraschend eine allgemeine 3ahlungssperre ,, wegen außergewöhnlicher Finanzverhältnisse" verhängt. Die Zahlungssperre ist zunächst auf acht Tage befristet. Im Hintergrund dieser aufsehenerregenden Maßnahmen steht der Zusammenbruch der Union Guardian Trust Company, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist und ihre Schalter schließen mußte. Diese Bank befindet sich seit einigen Jahren im Besitz des Autokönigs Henri Ford, und die Finanzierung der Ford schen Automobilbetriebe bildete einen wesentlichen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit. Ueber die Ursachen des Zusammenbruchs ist noch nichts Näheres bekannt, ebenso wäre es verfrüht, aus der Pleite dieser Bank auf einen bevorstehenden Zusammenbruch des Ford- Konzerns zu schließen. Immerhin deuten verschiedene Meldungen der letzten Zeit darauf hin, daß die Situation bei Ford alles andere als rosig ist. Wie vor dem Zusammenbruch der Danatbank fanden seit mehreren Tagen fast ununterbrochen Konferenzen zwischen Regierungs- und Notenbankvertretern sowie Henri Ford statt, um einer Zahlungseinstellung noch zu vorzukommen. Auffallenderweise nahm an diesen Besprechungen auch der Inhaber des Automobilkonzerns Chrysler, einer der größten Konkurrenten Fords, teil. Der Erlaß der Zahlungssperre beweist, daß kein Ausweg aus der Zahlungseinstellung der Großbant mehr gefunden werden konnte, so daß der Gouverneur das Moratorium zum Schuß gegen einen allgemeinen Run auf Banken und Sparfaffen erließ. Betroffen werden hierdurch etwa 500 Banken und Sparkassen mit mehreren Miliarden. Mart Einlagen. Handel und Kaufkraft Die Hälfte des Volkseinkommens wandert zum Kaufmann Das Sonderheft 32 des Konjunkturinstituts( Berlag Reimar Hobbing) befaßt sich in sehr eingehender Weise mit„ Umsatz, Lagerhaltung und Kosten im deutschen Einzelhandel 1924 bis 1932". Wichtigste Feststellung ist, daß die Umfäße des Einzelhandels aufs engste von der Entwicklung der Massenkaufkraft, des Volkseinkommens abhängig find. Im Jahre 1928 betrug das gesamte Einkommen des deutschen Volkes 77,6 Milliarden Mark; davon wurden 36,3 Milliarden Mark, fast die Hälfte zum Kaufmann getragen. Rechnet man den Handwerkshandel( Bäcker- und Fleischerumsäge) hinzu, so wurden sogar 60 Proz des Volkseinkommens im Einzelhandelsumjazz ausgegeben. Seit 1930, als die Schrumpfung der Massenkaufkraft sich stärker durchsetzte, sind die Einzelhandelsumsätze start zurückgegangen. Sie werden für 1932 vom Konjunkturinstitut auf nur 23 Milliarden Mark geschätzt. Von dem Rückgang wurde der Handel mit Kultur- und Lurusgütern naturgemäß viel stärker als der Handel des starren Bedarfs( Lebensmittel) betroffen. Wichtig sind gegenüber der nationalsozialistischen Demagogie die Feststellungen über den Anteil der einzelnen Handelsgruppen. Vom Gesamtumjazz entfielen in den letzten Jahren stets nur 4 Proz. auf die Warenhäuser; etwa den gleichen Anteil haben die Konsumvereine. Die Einheitspreisgeschäfte setzen trotz ihres Vordringens nur ein Prozent vom Gesamthandel um. Nur eine Gruppe konnte ihren Anteil merklich erhöhen, der Markt-, Straßen- und Hausierhandel von 6,5 Proz. im Jahre 1928 auf 7,4 Proz. im Jahre 1931. Aber das ist auch nur ein leicht erflärliches Zeichen der heutigen Not. Wann aber wird der Einzelhandel einsehen, daß ihm nicht die nationalsozialistischen Phrasen, sondern nur eine Stärkung der Massenkaufkraft helfen kann? 7 Proz. Dividende der Rheinischen Hypothekenbank. Die Rheinische Hypothekenbank A.-G. in Mannheim schließt das Geschäftsjahr 1932 nachy Absetzung erheblicher Rückstellungen und Abschrei bungen mit einem erhöhten Reingewinn von 1,46 gegen 1,38 Millionen Mark ab. Die Dividende, die im Vorjahr von 10 auf 6 Proz. gesenkt wurde, wird für 1932 auf 7 Pro z. wieder heraufgesetzt. Die Bank fonnte infolge der Festigung des Rentenmarktes größere Wertpapierbestände mit erheblichem Gewinn ge= genüber der Bilanzkrise von 1931 verkaufen, wodurch das Gesamtergebnis günstig beeinflußt wurde. Na, ist das noch immer keine Arbeitsbeschaffung? SA. stürmt Jugendheim Leibst Kinder nicht mehr sicher Bas freie Wort Kongreß in Berlin Dem Bekenntnis zar Freiheit des Wortes in Rede und Schrift, zur Freiheit der Forschung, der Kunst, der Schule und der Wissenschaft dient der Kongreß, den ,johlreichc freiheitliche Organisationen, so der Deutsch« Freidenkerverbond, der Verband der Nahrung- und Genuhmittelarbeiter u. a. nu, und Persönlichkeiten am ig. d. M., nor- nrittags 10 Uhr, im großen Saal der Kroll- opsr beginnen. Führende Männer und Frauen aus all diesen Arbeitsgebieten werden als Refe- renten oder Diskussionsredner sprechen. Reben den Delogierten und sonstigen Teilnehmern er- kalten auch Gäste Zutritt gegen geringen Kosten- beitrag, der für Erwerbslose noch stark ermäßigt wird. Papen isoliert Absage im Laargebiet Saarbrücken, 14. Februar. Papen und Seldte haben am Dienstag in Saarbrücken einen deutlichen Beweis er- hallen, wie die Bevölkerung des Saargebietes über die Hitler-Regierung und den Papen-Kurs urteilt. Auf seinem Weg nach Neuntirchen war Pape» im Regierungsgebäude von Saarbrücken abgestiegen. Hierher hatte er auch die Vertreter der deutschen Press« zu einem Empfang gebeten Die Vertreter der Jen- trumspresse, der sozialdemokratischen, kommu- nistischen und demokratischen Blätter hatten es jedoch abgelehnt, dem Wunsch« des Vizekanzlers zu entsprechen. Die Re- daktionen der Zeitungen der Zentrumspartei schickten einen Brief an das saarländische Regie- rungsmitglied, daß sie angesichts der Behandlung der Zentrumspartei durch Herrn von Papen nicht imstande seien, an der Pressebesprechung teilzunehmen. Zentrum, Sozialdemokraten. Kommunisten und Staatepartei bedeuten fünf Sechstel der Bevölkerung des Saargebietes. Die D«- monstration gegen Papen findet bei ihr ungeteilten Beifall. Leichtsinn von Neunkirchen Die Sozialdemokratie hatte rechtzeitig gewarnt Reunkirchen, 14. Februar. vor drei Zähren, al» der inzwischen explodierte Gasbehälter in Reunklrchen gebaut wurde, haben die sozialistischen vertre- ter im Gemeinderat protestiert, daß dieser Gasbehälter, der zweitgrößte Europa», mitten in eine bewohnte Gegend gesetzt wurde. Reben dem Gasbehälter laust eine der belebtesten Straßen de» Saargebietes, die Straße nach Saardrücken. hundert Meter weiter besindet sich eine Schule mit 500 Kindern. Zum Glück war die Schule zur Zeit der Explosion leer, sonst wären hunderte von Kindern umgekommen. Die Frau des Schuldieners ist durch die Explosion durch das Fenster ihrer Wohnung auf die Straße geschleu- dert worden. Die zerstörten und vom Erdboden vertilgten Wohnhäuser lagen unmittelbar neben der Explosionsstätte. Die sozialdemokratischen Vertreter im Gemeinde- rat wurden damals überstimmt. Söring schafft Ardeit Leverings Name wird ausgemeißelt Bochum, 14. Februar. Die neue Regierung laßt sich mit besten Kräften angelegen sein, Arbeit für die Erwerbslosen zu beschaffen. Die Ausrottung des Marxismus bietet ihr dazu die beste Gelegenheit. Am Montagmorgen waren Bauarbeiter damit beschäftigt, die Polizei- unterkunst an der Castroper Straße in Bochum von marxistischen Merkmalen zu säubern. Die Bezeichnung an der Hauptfront des Gebäudes „Polizeiunterkunft Staatsmini st er Severins" wurde Buchstabe um Buch- stabeausderWandherauegemeißelt. Die Kosten dieser wichtigen Arbell gehen zu L a st e n d e r S t a a t s k a s s e. Mit der Beseiti- gung der Inschrift ist«in gefährliche» Stück Marxismus in Bochum ausgerottet. Magdeburg, 14. Februar. Am Sonntagvormittag hatte sich die hiesige Hitler-Garde vom Domprediger Martin im Stile der„Amen" geistlich einsegnen lassen. Am Abend des gleichen Tages verübten sie einen schamlos rohen Ueberfall auf das städtische Franke-Jugendheim. Dort veranstaltete der Ortsausschuß für Jugend- pflege einen Heiteren Abend. Es waren ölö Kar- ten an Kinder, Jugendliche und Frauen ausgegeben worden. Da zu dem Abend das Schichtl-Marionettea-Theater mitwirken wollte, war der Andrang ungemein stark. Bereits um 20 Uhr mußte der Hausverwaller den großen völlig überfüllten Vortragssgal schließen. An der Veranstaltung beteiligten sich alle I u g e n d bü n d e, die im Franke-Jugendheim Aufnahme gesunden haben. Noch nie ist es in dem Heiin zwischen den einzelnen Bünden zu politischen Auseinandersetzungen gekommen. Erst seit der Zeit, seit der die Hitler-Jugend dort ein Zimmer belegt hat, herrscht Unruhe im ganzen Hau». Bis um 21 Uhr war die Vorstellung im Heim völlig ruhig verlaufen. Nach einer kurzen Pause begann das vorgesehene Parieteprogramm. Plötz- lich wurde, wie die„Volksstimme" berichtet, die Saaltür aufgerissen und eine Meule von ungesähr 80 unisormierken SA.-Leulen stürmte m den Saal. Sie stürzten zu den Licht- schallern und schalteten das Licht im Saal ein. Dann marschierten sie mitten während der Vor- stellung durch den vollbesetzten Saal bis zur Bühne unter Führung eines SS.- Mannes. Es erschallte laut das Kommando „SA. vor!" Das war das Signal zu einer wüsten Schlägerei. Wahllos schlugen die achtzig SA.-Leute mit Stahlruten, Ofenhaken, Gummiknüppeln und Schulter- r i e m e n auf die Jugendlichen ein. Alles drängt« sofort zu dem Saalausgang. Ohne Erbarmen stürzten sich die SA.-Leute aus Frauen und Mädchen. Einer älteren Frau rief ein 20jäHriger SA.-Mann zu:„Ihr habt jetzt 14 Jahre regiert. Jetzt werden wir zeigen, wie regiert wird." Dabei schlug er unaufhörlich mit einem Gummiknüppel über den Rücken der Frau, die mit einem kleinen Jungen zu dieser Ver» anstallung erschienen war. Der a ch t j äh r i g e Fred Hermecke, Mariannenstraße, erhielt eine so schwere Kopfver- l e tz u n g, daß er in das Krankenhaus einge- liefert werden mußte. Einem anderen Jugend- lichen wurde mit einem Karabinerhaken die ganze Lippe und die Backe aufgerissen. Bei dieser wüsten Schlägerei wurden nicht nur Angehörige der Sozialistischen Arbeiterjugend, sondern auch Mitglieder bürgerlicher Jugendverbände verletzt. Bon verschiedenen Personen wurde beobachtet, daß die SA. mit geladenen Revolvern in das Haus eingedrungen war. Als besonderer Schläger wurde der SA.-Mann Ehrenberg, Oranienstr. 2, erkannt. Der Heimoerwalter war gegenüber diesen Strolchen vollkommen machtlos. Vor seinen Augen traten junge SA.-Leute zehnjährigen Mädchen von bürgerlichen vereinen vor den Leib. Ein Teil der SA.-Leute stürmte zum Heim- zimmer der Sozialistischen Arbeiterjugend. Sie fanden die Tür verschlossen. Sie erbrachen sie einfach mit Gewalt. Die I u n g s o z i a l i st e n, die sich in dem Zimmer aufhielten, wurden von den eindringenden SA.-Leuten n i e d e r g e- schlagen. Auch sie erhielten erhebliche Ver- legungen. Als der Jungsozialist Körner nach dieser Schlägerei das Heim verlassen wollte, fand er es noch immer von Nationalsozialisten um- stellt. Mit einem Ofenhaken schlug ein Nationalsoziali st ihn über den Kopf. Von hilfsbereiten Personen mußte er zu einem Arzt gebracht werden. Als das von der TAI. alarmierte Ueberfall- kommando erschien, hatte der größte Teil der bewaffneten SA.-Leute das Weite gesucht. Der von Bracht-Papen eingesetzte neue P o l i- z e i p r ä s i d e n t Freiherr von Norden- flycht läßt über den Roheitsakt der braunen Horden einen Polizeibericht herausgeben, der eine moralisch«! Verteidigung der schuldlgeu Schläger darstellt. Er behauptet, einige Jugendliche der Hitler-Partei„fühlten sich bedroht", wes- halb sie aus dem Standquartier der SA.„Unter- stützung herbeiholten". Nachdem diese SA.-Leute eingetroffen, sei es um ÜiO Uhr abends zu „einer kleinen Schlägerei" gekommen. Hoovers Abschiedsrede Bei einer hincoln-keier Eigener Bericht des„Vormärts" New Jork. 14. Februar Bei einer Lincoln-Feier hat der schei- dende Präsident H o o v e r eine Rede gehallen, die als politisches Testament gelten kann und zugleich als Richtlinie der künftigen Politik der Republikanischen Partei. Hoover erklärte, Amerika stehe an einem Kreuz- weg. Es könne zwischen drei Wegen wählen, zwischen Welttooperation, Isolierung oder Inflation. Hoover selbst ist für die Rückkehr der Staaten zum Goldstandard und für die Verwendung der Schuldenzahlungen zur Währungsstabilisierung in den Schuld- nerstaaten. Bevor dies nicht geschehen sei, dürste die USA. ihre Handelsbarriere und die Zölle nicht senken. Die Bedeutung der Schuldenzahlungen und ihre Wirkungen sei von der Propaganda der europäischen Schuldner stark übertrieben worden. Eine Streichung der Schulden sei ab- z u l e h n e n. Oesterreich zahlt nicht Einstellung der Eisenbahnpensionen Wien, 14. Februar. wie spät abends verlautet, erklärt die Generaldirektion der Oesterreichischen Bundesbahnen, daß sie am Ersten des kommenden Monats nicht mehr in der Lage ist, Gehälter an ihre Pensioniste» auszuzahlen. Da die Bundesbahnen ein halbstaatliches Unternehmen sind, für welches der Bund hastet, liegt geradezu eine Zahlungseinstellung des Bunde» vor. Die Nachricht hiervon hat größte Erregung hervorgerufen. Die sozial- demokratischen Abgeordnelen haben sich mit dem Bundeskanzler und dem Zinanzminister ins Einvernehmen gesetzt, um sie auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die diese Zahlungseinstellung nach sich ziehen müßte. Es ist allgemein bekannt, daß jenes Oesler- reich, wie man es in St. Germain 1910 mißgestaltet hat, sich aus eigener Kraft nicht erhalten kann. Es muß dauernd S a n i e- r u ngsan leihen erhalten. In der Welt- krise wäre das in dem Lande des weit- wirkenden Großbankenkrachs noch nötiger als sonst, aber selbst die Auszahlung der neuesten I9lt-Millionen-Schilling-Anleihe verzögert sich immer aufs neue, woran die große Hirten berger Waffenschi e- b u n g Italien-Ungarn nicht ohne Schuld ist. Absage in Hamburg Nicht überall sind die Trauben zu erreichen Hamburg, 14. Februar. In Hamburg wurde in den letzten Wochen über die Neubildung eines Senats verhon- delt, der unter Führung der Nazis stehen und von der Staatspartei toleriert werden sollt«. Diese Verhandlungen sind jetzt durch eine Ab» sage der Staatspartei gescheitert. Die Nationalsozialisten haben daraufhin die Auf- l ö s u n g der Bürgerschaft beantragt, über die am 24. Februar beschlossen werden soll. Listenverbindung >Vas sie kann und was sie nicht kann Aus dem Büro des Parteivorftandes wird uns geschrieben: Wie vor den letzten Wahlen wird auch jetzt wieder viel über Listenverbindung gesprochen. Für große Parteien, die ihre Stimmen voll aus- werten können, kommt sie nicht in Frage. Sie hat nur Sinn für kleine Parteien. Auf der Reichs- liste können nämlich nur so viel Mandate ausge- teilt werden, als die betreiiende Partei Mandate in den Bezirken bekommen hat. Die Staatspartei brachte am 6. November nur 1 Mandat in einem Bezirk fBaden-Württemberg) aus und erhielt daher auch nur 1 Mandat auf der Reichsliste, obgleich sie noch Stimmen für weitere 4 Mandate auf der Reichsliste befaß. Ware damals ihre Liste an die unserer Partei angeschlossen gewesen, so hätte die — Staatspartei nicht 2, sondern 6 Mandate erhalten. Die Sozialdemokratische Partei hatte am 6. No- vember in den Bezirken HZ Mandate und erhielt auf der Reichsliste noch 8 dazu, die Kommunistische Partei bekam in den Bezirken öl Mandate und noch 9 auf der Reichsliste. Bei einer Li st en- Verbindung hätten beide Parteien zusammen kein einziges Mandat mehr erhalten. Für sie hatte also eine Listen- Verbindung keinen Sinn gehabt. Da für«inen Stimmenrest von mehr als 30 000 Stimmen auf der Reichsliste noch ein Mandat auegeteilt wird, und 1030 sowohl die Sozialdemokratische wie die Kommunistische Partei je einen solchen Stimmen- rest aufwiesen, bekamen sie beide solch ein Rest- mandat. Hätten sie damals ihre Listen verbunden gehabt, so wären die beiden Reste zusammen- gezahlt worden, hätten nur noch ein Vollmandat von 60 000 Stimmen ergeben und der dann noch verbliebene Rest wäre leer ausgegangen. Sie hätten bei Listenverbindung also iogar zusammen noch ein Mandat weniger gehabt als bei ge- trennten Listen. Listenverbindung zwischen Sozialdemokratie und KPD. kann also unter Umständen noch schaden. Mit der Frage der Einheitsfront hat diese Frage, die eine rein wahltechnische ist, nichts zu tun. Aiktawr einigt- Eigener Bericht des„Vormärts" Warschau, 14. Februar. Die zusammengeschwindelte Regierungsmehrheit des Sejm nimmt den Haushaltsplan an, aber— zum erstenmal seit der Aufrichtung der Diktatur— haben alle anderen, bisher noch halbwegs regierungsfreundlichen Parteien sich zur Opposition geschlagen. Die Fraktionen der bürgerlichen Deutschen und der Juden, der christlichen Demokraten und der gemäßigten Weißrussen und Ukrainer stimmten mit der gesamten Linken(Een- trolew) und der Rechten(Rationaldemokraten) gegen die Regierung. Diese entschiedene Wendung der bisher noch schwankenden Parteien zu entschiedenster Opposition spiegelt die ungeheure Unzufriedenheit und Erregung im ganzen Lande wider. HEINRICH 3 ACOBI ORtQINftLÖ ROSSE N= iO._. 104 Arn grünen Band. wird sie erkannl-' N? 20.... 20 4* N?i5_m III OAS HOCHWERTIGE ENDPRODUKT VON FABRIKAT HElNRI':H 3AC0BI Z)6ARWEN �aHi KtN Erhältl. in ca. st-OOO öerl. Zig, Läden u.i. allen U Bahnhf etöR.i»« Hitler soll sein Wort einlösen Die Arbeitsinvaliden erinnern ihn daran Unter der Not diefer Lage haben ganz besonders die Arbeitsveteranen zu leiden. Wer weiß, was in so manchem Haushalt von den färglichen Groschen der Sozialrentner oft alles be= stritten werden muß, daß mit diesen Groschen nicht nur die alten Leute sich selbst über Wasser halten, sondern meist auch noch mithungernde Angehörige mitdurchschleifen müssen, der begreift, marum immer von neuem die Arbeitsinvaliden die Beseitigung der Rentenkürzung, die Beseitigung des Notverordnungsrechts verlangen. Biele Arbeitsinvaliden hofften auf Hitler. Sie meinten, der werde alles zum besten menden und vor allem das den alten Leuten angetane Unrecht wieder gui machen. Nun ist Hitler Reichskanzler. Der Zentralverband der Arbeitsinvaliden Deutschlands sieht sich aber genötigt, auch jetzt genau fo mie gegenüber der früheren Regierung die sofortige Aufhebung der Notverordnungen über die Rentenkürzungen zu fordern. Der Zentralverband hat eine Eingabe an den Reichskanzler Hitler gerichtet. Diese Eingabe Lautet in ihrem Kernpunkt folgendermaßen: ,, Bei den Beratungen im Reichstag hat 3 hre Partei, Herr Reichskanzler, für die Aufhebung der Notverordnungen gestimmt und ein Antrag der Nationalsozialisten gelangte zur Annahme, der eine umfassende Winterhilfe verlangt. Wir verweisen insbesondere auf die Beschlüsse des Haushaltausschusses vom 12. und 13. Dezember 1932 und auf die Beschlüsse des Sozialen Ausschusses des Reichstages vom 25. Januar 1933. Diese Beschlüsse auf Aufhebung der Notverordnungen und Schaffung einer umfassenden Winterhilfe sind un ter einstimmiger Mitwirkung Ihrer Parteianhänger zustandegekommen. Wir verweisen auch darauf, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in zahllosen Versammlungen durch ihre prominenten Vertreter und durch die Presse dieser Partei immer wieder erflärte, daß die Notverordnungen sofort be= feitigt werden müssen. Jetzt sind Sie, Herr Hitler, als Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Kanzler des Deutschen Reiches. Die Arbeitsinvaliden, Arbeitermitmen und-maisen, denen durch die Notverordnungen der früheren Regierungen schmere Not aufgebürdet wurde, Einheitsfront marschiert Zusammenschluß in den Gewerkschaften Während die fommunistischen Parteiführer und Redakteure höchst unzeitgemäße Betrachtungen darüber anstellen, auf welches Geleise die Frage der Einheitsfront geschoben werden soll, bricht in den Reihen der kommunistischen Arbeiter und Angestellten immer mehr die Erkenntnis durch, daß mit Einheitsfrontdis fussionen jetzt feine Zeit bergeudet werden darf. Die kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter und Angestellten lassen sich nicht mehr auseinanderreden, wie auch wieder die Funktionärversammlung der Berliner Ortsverwaltung des Butab am Montag im Gewertschaftshaus lehrte. Diesem Funktionärförper gehört eine verhält nismäßig große Zahl von Mitgliedern und Anhängern der KPD. an. Der Geschäftsführer des Butab, Genosse Schweizer, legte in einem instruktiven Vortrag dar, was die Arbeiterschaft von der neuen Regierung zu erwarten hat. Ihre bisherigen Taten, wie die Schmalzverteuerung, die Einschränkung der Pressefreiheit, die Ersetzung der sogenannten Parteibuchbeamten durch Mitglieder der Regierungsparteien und ähn= liche Maßnahmen lassen deutlich erkennen, welchen Kurs sie nach den Wahlen zu nehmen gedenft. Für die Arbeiter und Angestellten stehen jedenfalls noch schwere Prüfungen bevor. Die Arbeiterschaft wird diese Prüfungen nur bestehen, wenn sie sich einig ist. Diese Einigkeit wird aber Aufstieg Gesamtverband gewinnt 14000 Die Werbeaktion des Gesamtverbandes hat in den letzten Monaten überaus erfreuliche Resultate gezeitigt. Die Ortsverwaltung Berlin fonnte bis Ende Januar 4 356 Neuaufnahmen verzeichnen. Hamburg 1800, Rheinland 860( darunter Köln 533), München 675, Bremen 286. Die Ge samtzahl der Neuaufnahmen seit Beginn der Werbeperiode beträgt über 14 000! Der Gesamtverband befindet sich im Aufstieg trotz alledem und alledem. Daneben nehmen sich die Mauldrescher der NSBO. mie lächerliche Zwerge aus. Nicht im Bilde Kommandobrücken der Wirtschaft Die Essener Gauleitung der nationalsozia listischen Betriebszellenorganisa= tion erklärt zu den Forderungen der Zechenbefizer: ,, Die Zeiten sind endgültig vorüber, in denen margistische und profitgierige Atnicht gefördert durch Einheitsfrontmanöver, wie sie die Führung der KPD. nun schon seit Monaten, betreibt. Wer im Ernst die Einheitsfront will, muß den Führern der KPD. nahelegen, endlich die Einheitsfronttaftit aufzugeben und ehrliche Verhandlungen mit der Sozialdemokratie anzubahnen, mit dem Ziel der Herstellung einer aufrichtigen Ein Einheitsfront. solches Borgehen würde auch auf den gemeinsamen Gegner der kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter und Angestellten seinen Eindruck nicht verfehlen. Bon den sogenannten oppofitionellen Funktionären hatte in der Diskussion nur ein ein ziger den Mut, den Standpunkt der KPD. Führung zu verteidigen, monach ein Nichtangriffspatt zwischen der SPD. und der KPD. nicht abgeschlossen werden dürfe, meil die Kritik" an der Sozialdemokratie gerade in der jezigen Zeit notwendig fei. Alle anderen Redner, auch die übrigen kommunistischen, gaben ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß in diesen Stunden der höchsten Gefahr für die gesamte deutsche Arbeiterbewegung der Bruder streit begraben und alles, was die fommu nistische und sozialdemokratische Arbeiterschaft sonst trennt, zurüd gestellt werden müsse. Die erdrückende Mehrheit der Butab- Funktionäre gab durch spontane Beifallsäußerungen ihre Uebereinstimmung mit dieser vernünftigen Auffassung kund. der Wirtschaft weiter besetzt, statt des nationalsozialistischen Führers Adolf Hitler." Die Kommandobrüden der Wirtschaft? In einem Bettelbrief an die werten Gönner mit dem großen Portemonnaie schreibt die Deutschnationale Bolkspartei: „ Mit der Berufung der National- Regierung Hitler- Hugenberg- Papen- Seldte durch den Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg ist auch für die Wirtschaft ein entscheidender Wendepunkt in der nachkriegszeitlichen Entwicklung eingetreten. Der deutsch nationale Parteiführer Dr, Hugenberg ist als Führer der vereinigten wirtschaftlichen Ministerien in Reich und Preußen in diesem Kabinett der sicherste Garant dafür, daß nunmehr eine zielsichere Aufbauarbeit in allen Teilen der Wirtschaft einsetzt, die privatwirtschaft. lichen Grundlagen von neuem be. festigt und sozialistische Tendenzen aus der Führung der Wirtschaftspolitik ferngehalten werden." Außerdem ist bekanntlich der Stahlhelmführer Seldte Reichsarbeitsminister, der Deutschnationale Graf von Schwerin- Krosigk Finanzminister. Das sind die Kommandobrücken der Wirtschaft. tionäre die beutsche Bolkswirtschaft gefährde Die Gelben aufdem plan ten. 14 Jahre lang haben sie sich gegenseitig die Bälle zugespielt und nur ihre ureigensten Intereffen im Auge gehabt. Die Querschüsse, die der Bechenverband jetzt abfeuert, indem er den Rahmentarif und die Lohnordnung es Ruhrbergbaus fündigt, betrachten wir als Sabotage am nationa len und sozialen Aufbau. Scheinbar wäre es diesen Herren doch lieber gewesen, die Sozialdemokratie hätte die Kommandobrüden Die Gelben schicken sich an, jetzt auf der ganzen Linie ihre Anerkennung als wirtschaftliche Arbeitnehmervereinigung im Sinne der Sozialgefezgebung zu erzwingen. Sie wollen in den fozialen Körperschaften ihre Wühl- und Zerfegungsarbeit schärfer als bisher fortführen. Die Arbeitergruppe des Pommerschen Landbundes fragen jetzt mit Recht, ob nunmehr, nachdem der Chef der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Reichskanzler ist, das gegen sie begangene Unrecht schnellstens beseitigt wird. Die fürchterlichen Rentenkürzungen, in Tausenden von Fällen der völlige Entzug sozialer Renten, die unter der Aera Jhres Mitarbeiters, Herrn v. Papen, bis zur Unerträglichkeit gedrückten Wohlfahrtsunterstüßungen, haben die Verzweiflung in den Kreisen dieser treuen Arbeitsveteranen bis ins Uner: meßliche gesteigert. Die Zahl der Selbstmorde steigt von Tag zu Tag Sie, Herr Reichskanzler, haben immer versprochen, unter: das Unrecht, das durch die Notverordnungen geschaffen wurde, mit Ihrem Amtsantritt wieder gutzumachen. Im Auftrage der Arbeitsinvaliden und Arbeiterhinterbliebenen breiten wir Ihnen unsere Forderung, geſtüßt auf Ihre und Ihrer Parteiführer Versprechungen, die die Arbeitsinvaliden so schmer drückenden Notverordnungen außer Kraft zu setzen und das alte soziale Recht wieder herzustellen." Wir sind gespannt, welches Echo dieser Hilferuf auslösen wird. fordert eine Vertretung im Verwaltungsausschus des Landesarbeitsamts Pommern. Im Vorstand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist deshalb ein schwe= rer Konflift ausgebrochen. Arbeitgeber, Behördenvertreter und der stellver tretende Vorsitzende der Reichsanstalt stehen gegen die Gewerkschaften. Diese sind selbstverständlich gegen eine Anerkennung der Gelben und also auch gegen ihre Vertretung im Verwaltungsausschuß des Landesarbeitsamts Pommern. Eine Erfüllung der Forderung der Gelben würde die Parität zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern völlig aufheben; denn bei allen Abstimmungen würden die Arbeitgeber zusammen mit dem Vertreter der landbündlichen Arbeitergruppe" überwiegen.. Die Vertreter der Gewerkschaften im Vorstand der Reichsanstalt lehnten es ab, an einem Beschluß mitzuwirken, der den Grundgedanken des Gesezes, die Parität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, vernichtet. Dieser Vorstoß der Gelben kommt nicht von ungefähr. Sie sind überzeugt, daß jezt, mit Hitler als Reichskanzler, der Kampf gegen die Ge merfschaften beginnt. Herr Schumann, Reichs leiter der NSBO., hat diesen Kampf ausdrücklich angekündigt. Die Gewerkschaften werden ihm nicht ausweichen. Das große Maul ' Und was dahinter steckt Der Reichsleiter der nationalsozialistischen Be ein gewisser Schu triebszellenorganisation, ein mann, Mitglied des Reichstags, sprach nach der ,, Kölnischen Zeitung" in Braunschweig über Ge.mertschaften. Die NSDAP., sagte er, jei nicht gewerkschaftsfeindlich, aber sie sei gewerkschaftsführerfeindlich. Die Gewerkschaften seien an die Sozialdemokra tische Partei verkauft worden. Zu ihnen gehöre auch ein Teil der christlichen- Gewerkschaften Für diesen Verrat der Arbeiterschaft würden sich die Gewerkschaftsführer wahrscheinlich in kürzester Zeit zu verantworten haben. Die NSDAP merde mit den Parasiten aufräumen. Niemand brauche sich darüber zu wundern, wenn die NSDAP. nach den Reichstagswahlen aud) den Kampf gegen die Gewerkschafter aufnehme. Man werde nicht mehr dulden, daß die Gewerkschaften in Deutschland die Politik be= stimmten. Die NSDAP. wolle deutsche Arbeiterführer haben, die die Seele des deutschen Arbeiters kennen. Das sei die Aufgabe der nationaljozialistischen Betriebszellenorganisation. Diese Organisation werde wahrscheinlich die große Arbeiterorganisation werden, die dem Führer Ndolf Hitler vorschwebe. Aber alle Pläne feien nur zu erfüllen, wenn über dem legten Betrieb die Hafenfreuzfahne gehißt werde. Das Reichsfabinett sei nicht rein nationalsozialistisch, aber man sei davon überzeugt, daß der Tag kommen werde, wo es sich nur aus Nationalsozialisten zusammensetze. Der Kommunisten werde man sagen: Wer in Deutschland sein Brot verdient, hat das Deutschlandlied zu singen. Wie die Wahl am 5. März auch aus: fallen möge, das eine sei sicher: Diese Regierung. werde bleiben, und Hitler werde auch Reichskanzler bleiben und weiterregieren. Niemals werde man die Macht wieder preisgeben, aber auch nicht über 3mirnsfäden stolpern. Wäre nicht Hitler absoluter Chef der NSDAP. gegenwärtig Reichskanzler, wir würden über diese Auslassungen eines Pathotogen achfelzuckend hinweggehen. Daß die Nazis nur gegen die Gewerkschaftsführer sind, daß diese die Arbeiter verraten haben, daß man mit den Parasiten aufräumen" werde, diese und ähnliche Phrasen haben die Nazis von den Kommunisten gelernt. Daß die NSDAP nach den Reichstagswahlen gegen die Gewerkschaften vorgehen werde, ist ein etwas vorzeitiges, aber aufschlußreiches Geständnis. Daß„ man" nicht dulden merde, daß die Gewerkschaften die Politik bestimmen, ist ein alter Wunsch aller Scharfmacher. Und daß Hitler Reichskanzler bleiben werde, wie immer die Wahl ausfalle, ist eine Ankündigung, die weder von Siegessicherheit, noch von Intelligenz zeugt. Im Grunde aber sind wir dem Reichsleiter der NSBO. dankbar für seine Offenherzigkeit. Er enthüllt, mas Herrn Hitler vorschwebt. Wenn der Schumann aber die einschränkende Bemerkung macht, erst müßte über allen Betrieben die Hafen: freuzfahne wehen, ehe alle Pläne erfüllt werden können, dann will uns scheinen, daß er den Vierjahresplan zur Rettung der Arbeiter, den Zwölfjahresplan zur Vernichtung des Marrismus und die Verwirklichung aller anderen schwebenden" Pläne zeitlich noch weiter hinausschiebt und als Sankt Nimmerlein ge. Schutzpatron wählt hat. SPD.- Betriebs- Vertrauensleute! Am Freitag, dem 17. Februar, 19.30 Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18, Funktionärkonferenz aller SPD.- Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionäre. Tagesordnung: 1 Wahl der Vertreter für den erweiterten Bezirksvorstand. 2. Referat des Genossen Aufhäuser über das Thema: ,, Entscheidende Klassenkämpfe in Deutschland". Ohne Parteimitgliedsbuch und Funktionärausweis der Partei kein Eintritt. Das Betriebssekretariat. Aschinger wählt Gewerkschaftliche Einheitsfront. Heute beginnt im Aschinger- Konzern die Wahl zum Betriebsrat, deren Dauer auf vier Tage festgesetzt ist. Diesmal wird in allen Bierquellen, Konditoreien und sonstigen AschingerBetrieben die Abstimmung vorgenommen werden. Dadurch dürfte die Wahlbeteiligung erheblich steigen. Drei Listen stehen einander gegenüber: die freigemertschaftliche, die Liste der RGO. und eine Liste der Nazis. Bisher hatte die RGO. die absolute Mehr= heit im Betriebsrat. Sie ist durch die freige: werkschaftlichen Betriebsratsmitglieder gezwungen worden, ihre Aemter niederzulegen und sich einer Neuwahl zu unterziehen. Diese RGO.- Mehrheit des Betriebsrats hat bei der letzten Wahl ein Riesenprogramm pon Versprechungen aufgestellt. Nicht eine einzige diefer Versprechungen ist eingehalten worden. Dagegen hat die RGD.- Mehrheit des Betriebsrats mit der Firmenleitung ein Sonderabtom= men getroffen, wodurch der Tarifvertrag in Puntto Lohnzahlung und Arbeitszeit verschlechtert worden ist. Die Aschinger Belegschaft erinnert sich nicht nur dieses Berrats an ihren Interessen.. Sie erinnert sich auch, daß dieser selbe RGD.- Betriebsrat gegen den Tarifvertrag Sturm gelaufen ist, weil er ihm nicht gut genug war, und eine Abstimmung veranstaltet hat, deren Ergebnis angeblich eine übergroße Mehrheit für den Streit gewesen märe. Tatsächlich hat niemand gestreift, weder ein Mitglied des Betriebsrats noch sonst einer der großen Leuchten der RGO. Die Belegschaft von Aschinger, die heute und die folgenden drei Tage zur Wahl geht, muß ein Befenntnis ablegen: für die gewerkschaftliche Einheitsfront, gegen den Faschismus, gegen alle Spaltungsversuche, gegen den Bersuch, die Arbeiterschaft mit Hilfe der Spaltung zu fnebeln und zu entrechten. Nicht nur die Kollegen in den anderen Gastwirtsbetrieben, die gesamte Arbeiterschaft Berlins erwartet von der Belegschaft von Aschinger, daß fie der freigemertschaftlichen Einheitsliste, der Cifte 1, beginnend mit dem Namen Kalin, zum Siege verhilft. Jules Lapierre Ein Veteran der französischen Gewerkschaftsbewegung, der beigeordnete Sekretär des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, Jules Lapierre, ist im Alter von fast 60 Jahren in Versailles gestorben. Lapierre war von Beruf Bauarbeiter. Seine besondere Leistung ist nach der Schaffung des Landesausschusses der Gewerkschaften die Organisation der Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Departementsverbänden. Darüber hinaus hat Lapierre fich in den letzten Jahren besonders den Fragen der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wie der Sozialversicherung im allgemeinen gewidmet. Er war ein bescheidener und raftloser Vorfämpfer der Arbeiterschaft. Hierzu 2 Beilagen jedes weitere Der Vorwärts" etichetnt wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Slustrierte Sonntagsbetlage Bolt und Zeit" Bezugspiette: Wöchentlich 75 Bt., monatlich 3,25 M( Davon 87 B1 monatlich für guftellung ins Haus) im voraus zahlbar. Poftbezug 3.97 einschließlich 60 Pt Postzeitung und 72 Pf. Bostbestellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 M pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 46. Vei A. stall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Eríaz. anzeigenpreise: Die ein pultige Millimeterzeile 30 Bf Reflamezeile 1,50 m Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 20 Br Wort 10 Pf Rabatt laut Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Bf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Bf Anzeigenannahme im Hauptgeschä't Lindenstr 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor. Berantwortlich für Politit: Rudolf Brenbemühl; Wirtschaft: G. Alingelhöjer; Gewertschaftsbewegung 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepore; Lotales und Sonstiges: Friz Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst; fämtlich in Berlin./ Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drúd: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstr. 3.