Morgen- Ausgabe Nr. 79-91 A 38 50. Jahrg. Rebattion and Berlagi Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Sermiprecher Amr Donhoff 292 bis 29? Telegrammabreffe: Soztalbemotrat Berita Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT DONNERSTAG 23. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf. Bezuasbedingungen unb Anzeigenpreise fiehe am Schluß bes rebuktionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Wieder in Front! Der ,, Vorwärts" bleibt das Kampfblatt der Sozialdemokratie! Zum viertenmal in acht Monaten war der ,, Vorwärts" verboten. Diesmal für eine Woche. Inzwischen ist das vorletzte Verbot wegen angeblichen Hochverrats vom Reichsgericht aufgehoben worden. Auch gegen das letzte ist Beschwerde eingelegt. Der ,, Vorwärts" findet bei seiner Wiederkehr eine bürgerliche Presse, die- von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen vor Schreck die Farbe verloren hat. Der ,, Vorwärts" behält seine Farbe! Berlin bleibt rot, und der ,, Vorwärts" bleibt es auch! Der ,, Vorwärts" kämpft weiter für die Einigung der Arbeiter gegen die feudale und die faschistische Reaktion. Unermüdliche Werbearbeit für den ,, Vorwärts" ist die beste Vorbereitung für die Entscheidung am 5. März. Es lebe die Freiheit! Es lebe Es lebe die Sozialdemokratie! 2- Millionen- Schwindel geplatzt Papen und Nobis widerlegen öffentlich die Nazilügen über Braun und Severing Offiziös wird gemeldet: Am Sonnabendabend, dem 18. Februar, begab sich Ministerialdirektor Dr. Brecht zum Reichskommissar von Papen und trug ihm im Auftrage der preußischen Staatsminister Beispiele der mailojen angriffe vor, die in der Wahlpropaganda gegen fie wegen angeblicher mißbräuchlicher Berwendung von Staatsmitteln erhoben würden, und die bis zum Vorwurf des Diebstahls und der persönlichen Bereicherung gingen. Er machte dem Reichskommissar Mitteilung von der Darstellung der preußischen Staatsminister über die näheren Zusammenhänge und die Verwendung der Mittel sowie über die staats politischen Gründe, die bisher die Staatsminister veranlaßt hätten, Einzelheiten nicht öffentlich bekannt zu geben. Er ersuchte um Schutz der Minifter gegen die öffentliche Verhehung. präsidenten und seiner Amtskollegen nie angeZweifelt habe und daß er den in derOeffentlichkeit beschrittenen Weg persönlicher Ehrenkränkung bedauere. Er nahm von den weiteren Mitteilungen Kenntnis und verwies im übrigen darauf, daß die kommissare des Reichs zur Klärung der Angelegenheit das Gutachten der Oberrechnungskammer eingefordert häften, vor dessen Eingang er im übrigen in der Sache nicht Stellung nehmen und in die Wahlpropaganda nicht eingreifen fönne. Ministerialdirektor Dr. Brecht erklärte, daß die Staatsminister mit der Einforderung des Gutachtens der Oberrechnungskammer durchaus einverstanden seien, aber dagegen Vizekanzler von Papen verwahrung einlegten, daß in der wiederholte seine am 30. Oftober 1932 dem Ministerpräsidenten gegenüber abgegebene Erklärung: daß die Reichsregierung die persönliche Integrität des preußischen MinisterWahlpropaganda das Ergebnis dieses Gutachtens zu ihren Ungunsten vorweg genommen werde. Auch Nobis erklärt ,, Jhrem Wunsche entsprechend bestätige ich, daß nach meiner Ueberzeugung irgend Sieben Tage Das Dritte Reich entschleiert sich Genoffe Kurt Gottschalk, der gestern morgen vor dem Kriminalgericht niedergeschossen wurde, ist seinen Verlegungen erlegen. Ein junger Mensch, voll des heiligsten ein Borwurf gegen die persön- Idealismus, ist im Kampf um seine leberlide Integrität der an dem Beschluß vom 6. April v. 3. beteiligten Minister völlig ausfcheidet; etwas Derartiges kann auch nicht aus der Aufzeichnung vom 30. Juli entnommen werden. Ich bestätige Ihnen ferner, daß die Niederschrift über die fragliche Sihung Anfang September zu den Akten des Staatsministeriums gelangt ist. Ich stelle Ihnen anheim, von diesem Briefe den Gebrauch zu machen, den Sie für richtig halten." 3weites ,, Borwärts" Verbot rechtsungültig Es muß wegen, Fristversäumnis aufgehoben werden Auf Grund des§ 12 der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 4. Februar 1933 muß das zweite Berbot des„ Borwärts", das vom 15. bis 22. Februar befristet war, aufgehoben werden; denn es steht feft, daß die Beschwerde des „ Borwärts" entgegen den klaren Borschriften in der Berordnung des Reichspräsidenten nicht innerfolgendes Schreiben an Ministerialdirektor halb der vorgeschriebenen Frist von 5 Tagen dem Reichsministerium des Innern zugeleitet worden ist. Im Anschluß an die vorerwähnte Befprechung hat Staatssekretär Dr. Robis Dr. Brecht gerichtet: zeugung gefallen. Er hatte, ehe der tödliche Schuß ihn traf, gegen seinen Gegner nicht einmal die Hand erhoben, geschweige denn eine Waffe gegen ihn geführt. Die Tat, die er mit seinem Leben bezahlen mußte, bestand ausschließlich darin, daß er zur bevorstehenden Wahl Druckschriften verteilte, gegen deren Verbreitung die Behörden des gegenwärtigen Regiments nichts einzuwenden hatten. Kurt Gottschalt ist ein Blutzeuge des neuen Heldenzeitalters, in das die Sozialdemokratische Partei eingetreten ist, ein Soldat, gefallen im Kampfe um die Freiheit. Der Kampf geht weiter! Freiwillige Dor! * Der Vorwärts" war eine Woche lang verboten, weil er die Kommunisten von Eisleben gegen ein Unrecht, das ihnen widerfahren war, in Schutz genommen hatte. Dabei hatte er Wendungen gebraucht, die nach der Ansicht des Polizeipräsidiums gegen die Notverordnung vom 4. Februar verstießen. Bie wir erfahren, wird aber das Verbot wieder aufgehoben werden, weil unsere Beschwerde nicht, wie§ 12 vorschreibt, binnen 5 Tagen an das Reichsministerium des Innern weitergegeben worden ist. Da die Verbotszeit inzwischen abgelaufen ist, bringt die Aufhebung" des Berbots weder der Zeitung noch den Lesern, die eine Woche lang ohne Zeitung blieben, irgendwelchen Nuzen. In die Verbotswoche fiel die Nachricht, daß ein vorangegangenes Verbot des„ Bormärts das wegen angeblichen Hochverrats ergangen mar, vom Reichsgericht aufgehoben worden. ist. Der Oberreichsanwalt hat die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Hochpers rats gegen den verantinmrtlichen Redakteur des ,, Vorwärts" abgelehnt Im ganzen haben unsere Leser seit Air tritt der neuen Regierung zehn Tage lang auf den ,, Vorwärts" verzichten müssen ,, ahme daß auch nur eines der erlassenen Verbote Rechtsbeständigkeit erreicht hätte! Gewiß, man erlebt heutzutage täglich Dinge, über die man laut aufschreien möchte. Aber es genügt auch leise zu reden, wo die Tatsachen eine so laute Sprache sprechen. Es gibt heute über das, was wir in dem letzten drei Wochen erlebt haben ,, in Deutsche land eine allgemeine Meinung, die alle Barteigrenzen überspringt. Ansichten, Meinungen, Stimmungen der christlichen wie der sozialdemokratischen und der kommunistischen Arbeiter diesen Vorgängen gegen= über sind kaum noch voneinander zu unterscheiden. Durch die Reihen der Angestellten, der Beamten, der Geschäftsleute geht ein Flüstern und Raunen, und manchmal fönnte man den Eindruck gewinnen, als stünde Deutschland jetzt wirklich vor dem Ermachen... Aber wir wollen nicht in den Fehler unserer Gegner verfallen, wollen nicht Siege feiern, die noch zu erringen sind. Nur ein Narr könnte die Schwere, den tragischen Ernst der Situation verfennen, nur ein Verant wortungsloser könnte die Dinge so schildern, als wäre das, was noch vor uns liegt, harmlos und leicht. Kein Mensch kann prophezeien, mie sich der meltgeschichtliche Kampf ,, in dem wir stehen, weiter ent mickeln und wieviel Opfer er noch fordern wird. Wohl aber lehrt uns die ruhige Prüfung des Erlebten, daß diese Opfer nicht vergebens sein werden, und daß der endliche Sieg uns gewiß ist! Darüber hinaus ist es erlaubt, eine Hoff nung auszufprechen, die Hoffnung nämlich, daß das Ergebnis des 5. März den Rampf abfürzen und die Opfer verringern wird. Die Nationalsozialisten hatten vom 31. Juli bis zum 6. November vorigen Jahres amei Millionen Stimmen verloren. Sie hoffen, diefen Verlust mehr ols mettmachen zu fönnen, weil jegt der ganze Staatsapparat ihrer Propaganda zur Verfügung steht. Sie rechnen damit, daß sie, wenn nicht die Mehrheit, so doch eine machfende Minderheit des deutschen Bolles für ihre Pläne gewinnen werden. Heute aber spricht vieles, spricht geradezu alles dafür, dag fie fich täuschen. Eine gründliche Wahlniederlage am 5. März könnte zwar noch nicht die Wende selbst, wohl aber die Einleitung zu ihr bedeuten. In nationalsozialistischen Kreifen find pathetische Erklärungen gegeben worden, man werde die eroberten Boften lebend nicht wieder verlaffen. Vielleicht fann gründliches Zureden des Volkes am 5. März die Herren doch soweit bringen, daß sie ihr so laut verkündetes Vorhaben aufgeben. Hauptsache ist, daß sie wieder abtreten, wenn ihnen das Bolf die Mehrheit nicht gibt. Ob fie dann weiterHerr Reichspräsident! Ein Schreiben des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- Bundes Der Borsigende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Peter Graßmann, hat im Auftrage des Bundesvorstandes am 21. Februar folgendes Schreiben an den Reichspräsidenten gerichtet: „ Sehr geehrter Herr Reichspräsident! Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbuades lenkt Ihre ernste Aufmerksamkeit auf den Kunderlaß an alle Polizeibehörden Preußens, den der von Ihrem Bertrauen in sein Ami berufene Kommissar des Reichs für das preußische Ministerium des Innern, Reichsminister Göring, erlassen hat. Dieser Erlaß schafft seiner ganzen Tendenz nach zweierlei Recht in Deutschland. Erstens ein Vorzugsrecht für die Berbände, die nach der Meinung des Reichsministers Göring nationale Berbände sind, nämlich S., SS. und Stahlhelm. Das gleiche Borzugsrecht gilt für die nationalen Parteien; unter letzteren sind offenbar ausschließlich jene Parteien zu verstehen, auf die sich die jetzige Regierung ftützt. Zweitens ein Ausnahmerecht gegen jene Organisationen, die Herr Reichsminiffer Göring als staatsfeindliche Organisationen zu bezeichnen für gut findet, ohne daß er sich im übrigen der Mühe unterzöge, näher darzulegen, was er darunter versteht. Der Hinweis, daß der Erlaß sich offenbar insbesondere gegen kommunistische Terrorafte und Ueberfälle" richten soll, fann um so weniger als eine Erläuterung gelten, als nur jene Bevölkerungsschichten, die der SA., der SS. und dem Stahlhelm naheftehen, als„ nationale Bevölkerung" anerkannt und des besonderen Schutzes der Polizei würdig befunden werden. Der Erlaß beschwört eine Rechtsunterficherheit von unabsehbaren Folgen herauf. Wir erheben gegen diesen Erlaß, der weder mit dem Geist noch mit dem Buchstaben unserer Verfassung, noch mit den Lebensformen eines Kulturvolkes zu vereinbaren ist, den schärfsten Pro= test. Wir legen Verwahrung ein gegen eine amtliche Anweisung, deren Sinn nicht anders gedeutet werden kann, als daß sie weite Schichten des Volkes zum Freiwild politischer Willkür macht. Wir wenden uns an Sie als Präsidenten des Deutschen Reichs, der berufen und gewillt ist, die Verfassung zu schützen. An Sie wenden wir uns als die deutsche Organisation, die in ihren Reihen die größte Anzahl Frontfämpfer vereinigt. Diese Millionen, unter denen fich Anhänger der verschiedensten politischen Parteien befinden, haben nicht im Weltkrieg für Deutschland gekämpft und geblutet, um sich 15 Jahre später von verantwortlichen Reichsstellen sagen zu lassen, daß sie nicht zu den staatsaufbauenden Kräften", daß sie nicht zur ,, nafionalen Bevölkerung" gehören. Niemand in Deutschland ist so hochgestellt, daß er es wagen dürfte, die Kämpfer des Weltkrieges gleich gültig, welcher politischen Partei sie ans gehören und ihre Organisationen als Deutsche minderen Rechtes zu be zeichnen oder zu behandeln.... Wir hoffen und erwarten von Ihnen, Herr Reichspräsident, daß Sie als der militärische Führer im Weltkriege dieser Entehrung von Millionen Frontfämpfern mit allen Mitteln entgegentreten werden. Die Entrechtung der Mehrheit des deutschen Volkes, die Gegner der jetzigen Regierung ist, bedeutet die tatsächliche Aufhebung der politischen Meinungsfreiheit wie der persönlichen Sicherheit in Deutschland, deren Schuh zu Ihren vornehmsten Aufgaben gehört." Göring und Stahlhelm Ein interessanter Aufruf des Ministers Der Amtliche Preußische Pressedienstst erklärt zu den Krefelder Ereignissen, daß sie von kom munisten herbeigeführt seien, die sich als SA.Leute verkleidet hätten. Reichsminifter Göring hat im Sinn dieser Ausführungen einen Aufruf an SS., SA. und Stahlhelm gerichtet, in dem er sie auffordert, minderwertige Elemente aus ihren Reihen zu entfernen. Wie wir hören, hat dieser Aufruf in Kreisen des Stahlhelms größtes Erstaunen hervorgerufen. Man bestreitet, daß der Stahlhelm ,, minderwertigen Elementen" Zuflucht biete und versichert, daß das disziplinierte Berhalten der Stahlhelmkameraden üüber alle Kritik erhaben sei. Zentrumszeitungen sollen wegen des Aufrufs Göring an die Polizei dat her latholischen Verbände verhalen wer , Rücksichtslos von der Waffe Gebrauch machen" Der fommiffarische preußische Innenminifter Göring fordert in einem Erlaß an alle preußischen Bolizeibehörden die Förderung der 52, 55. und des Stahlhelms und die Unterstützung ihrer Propaganda mit allen Kräften". Wörtlich heißt es in dem am 17. Februar herausgegebenen und am 20. Februar veröffentlichten ..Runderlaß zur Förderung der nationglen Bemegung": ,, Ich erwarte von sämtlichen Bolizeibehörden, daß sie zu den genannten Organisationen, in deren Kreisen die michtigsten staatsaufbauenden Kräfte enthalten sind, das beste Einvernehmen herstellen und unterhalten. Darüber hinaus ist jede Betätigung für nationale Zwecke und die nationale Propaganda mit allen Kräften zu unterstützen Bon polizeilichen Beschränkungen und Auflagen darf insoweit nur in dringendsten Fällen Gebrauch gemacht werden. Dafür ist dem Treiben staatsfeind licher Organisationen mit den schärfffen Mitteln entgegenzu treten. Gegen fommunistische Terroratie und Ueberfälle ist mit aller Strenge vorzugehen und, wenn nötig, rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. Polizeibeamte, die in Ausübung dieser Pflichten von der Schußwaffe Gebrauch machen, werden ohne Büdficht auf die Folgen des Schußwaffen gebrauches von mir gededt; wer hingegen in falscher Rücksichtnahme verjagt, hat dienftstrafrechtliche Folgen zu gewärtigen. Der Schuß der immer wieder in ihrer Betäti gung eingeengten nationalen Bevölkerung erfor bert die schärfste anbhabung ber ge. seglichen Bestimmungen gegen verbotene Demonstrationen, unerlaubte Versammlungen, Plünderungen, Aufforderung zum Hoch- und Landesverrat, Massenstreit, Aufruhr, Preffedelikte und das sonstige strafbare Treiben der Ordnungsstörer. Jeder Beamte hat sich stets vor Augen zu den. Die Oberpräsidenten von Oberschlesien, Westfalen und Rheinproving erheben dagegen Bor stellungen. Das Reichsfabinett erläßt eine Verordnung über die Härten der letzten Notverordnung. Die Verordnung bleibt hinter den Beschlüssen der Reichs tagsausschüffe meit zuriid. 19. Februar. Großer Reichsbanneraufmarsch im Lustgarten. Das Verbot der Zentrumspresse wird nach einer Besprechung zwischen Marg und Göring aufge hoben. 20. Februar. 170C Reichstommiffar Böring gibt einen Boli. geierlaß heraus, ber bestes Einvernehmen zwischen Polizei, S., SS. und Stahlhelm, rücffichtslosen Waffengebrauch gegen Staatsfeinde fordert. Nach einer Brüning- Rede in Kaiserslautern überfallen Nationalsozialisten die Versammlungs. teilnehmer; mehrere schwer verletzt. aido bu halten, daß die Unterlassung einer Maßnahme Land Sachsen protestiert schwerer miegt als begangene Fehler in der Ausübung." Jetm leben wollen oder nicht, ist eine Frage zweiten Darauf ist die beste Antwort: am 5. März Liste 2! Ranges Wir haben eine Woche schweigen müssen, mir haben schweigend die Entwicklung der Dinge beobachtet. Man fann uns ftumm machen, aber nicht taub und blind. Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, der weiß, daß der überlaute Ton unferes Gegners und die Heftigkeit feiner Handlungen teine 3eichen von Stärke fin d. Die Stimmzettel vom 5. März werden nicht alles entscheiden, aber sie werden die Entscheidung vorbereiten. Das Ergebnis der Wahlen kann für den Gegner ein Schlag sein, der seine Entschlußkraft lähmt. Es fann für uns ein Auftakt zu weiteren politischen Handlungen von allergrößter Bedeutung werden. Wer den Sieg nicht verzögern, mer ihn nicht zu teuer er= faufen will, der muß jezt alles daran sezen, um die Niederlage unserer Gegner am 5. März so gründlich wie möglich zu geſtalten! Der Feldzug, der zur Bernichtung des Marrismus unternommen wird, muß am 5. März mit der moralischen Vernich tung der Margpernichter enden. Dadurch wird manches Schmere, das trotzdem noch vor uns steht, leichter werden. Denn der Faschismus ist der letzte starte Gegner, der sich der Arbeiterklasse entgegenstellt. Und dann? Ist erst dies Bollwert überstiegen, Wer will uns dann noch widerstehn? Weltliche Schule Ab Ostern 1933 abgebaut! Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Die Kommissare des Reichs für das Land Preußen stimmten in der heutigen Staatsministerialsigung einem Vorschlag des Reichskommissars für den Geschäftsbereich des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zu, einen Abbau der sogenannten weltlichen Schulen ( Sammelschulen) ab Ostern 1933 in die Wege zu leiten. Sie haben außerdem grundsätzlich ihr Einverständnis dazu erklärt, daß der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in den Berufs= schulen und Fortbildungsschulen eingeführt wird. Die näheren Durchführungsbestimmungen find in Borbereitung. Eine Woche verboten Worüber wir nicht berichten konnten 15. Februar. Hitler spricht in der Stadthalle in Stuttgart. Seine Rede sollte über die füddeutschen Rundfunksender übertragen werden. Das Zuleitungskabel zwischen Stadthalle und Sender wird jedoch von unbekannten Tätern unterbrochen. Konteradmiral a. D. v. Levezom mird Polizeipräsident für Berlin. Das Reich bittet um Fristverlänge rung beim Reichsgericht in der Sache Preußen gegen die neue Ausnahmeverordnung gegen den preußischen Staat. 16. Februar. Das Reichsgericht hebt das erste Borwärts". Verbot auf. ,, Tempo" wegen eines Börsenberichts verboten. Süddeutsche Proteste und Rechtsverwahrungen im Reichsrat, Beratung und Beschlußfassung über michtige Gegenstände verboten. Polizeipräsident von Dortmund wird ein S.Oberführer, von Hannover ein SA.- Gruppenführer. 17. Februar. Reichskommissar Göring gibt einen Erla B heraus, nach dem bei Verstößen gegen die Ausnahmeverordnung Motive und Zwecke zu berüdsichtigen sind. OF Reichsbanner Bundesgeneralversammlung Berlin. Otto Wels spricht. Massenkündigungen beim Rundfunt. 18. Februar. in Neue Zwangsbeurlaubungen im Berliner Bolizeipräsidium. ,, Germania" auf drei Tage verboten. 300 Gegen Görings Polizeierlaẞ Dresden, 22. Februar. Der Sächsische Landtag befaßte sich in seiner geftrigen Sigung, die von nachmittag 1 Uhr bis Mittwoch früh 3 Uhr dauerte, mit zahlreichen Anträgen und Anfragen über das Verhaltender Bolizei bet politischen Zusammenstößen, die sich in legter Zeit in verschiedenen Gegenden Sachsens ereignet haben. Ein deutschnationaler Antrag wurde angenommen, wonach die Regierung die Polizei an meisen soll, mit allen Mitteln und ohne Ansehen der Partei oder Person die Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten und friedliche Bürger zu schützen. Ferner soll die Polizei angewiesen werden, bei Vernachlässigung dieser Aufgaben oder Zuwiderhandlung gegen die Anweisung gegen die Schuldigen schärfstens vorzugehen. Soweit durch diesen Antrag die anderen Anträge noch nicht ihre Erledigung gefunden hatten, hatte der Abgeordnete Frißsche( Deutschsozialist) einen Ergänzungsantrag eingebracht. Die beiden ersten Punkte dieses Antrags wurden glatt angenommen. Ueber den dritten Punkt jedoch entspann sich eine lebhafte Debatte, da man im Zweifel war, ob dieser Punkt nicht eine Beleidigung des Reichs fanzlers darstelle. In diesem Bunfte wurde gefordert ,,, vom Reichskanzler zu verlangen, daß er gemäß seinem Eide die bestehenden Gesetze un parteiisch gegen alle Urheber von Terroraften anwendet" Da sich das Haus über diesen Punkt nicht einig werden konnte, wurde eine Sigung des Aeltestenrats einberufen nach deren Beendigung der umstrittene Bunft unter Streichung der Worte ..gemäß seinem Eide" angenommen wurde. Ferner fand ein fozialdemokratischer Antrag Annahme, beim Reichspräsidenten gegen den Erlaß des Reichskommissars für Preußen. der 318 parteiifcher Handhabung der Polizeigewalt auffordere, schärfftens zu protestieren. ERSTE BEILAGE Vorwärts Der Vorwärts" an seine Leser Der ,, Vorwärts" ist, wie unseren Lesern bekannt, vom 16. bis zum 22. Fe= bruar einschließlich verboten ge= wesen. Dies Verbot muß nach§ 12 der Notverordnung vom 4. Februar aufgehoben werden, da die Beschwerde des ,, Vorwärts" nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist an das Reichsinnenministerium weitergeleitet worden ist. Der„ Borwärts" wird nun von seinen Lejern mit Anfragen bestürmt, weshalb während des jezigen Verbots nicht, wie in früheren Fällen, Ein paar Worte zur Aufklärung Zeitung, sondern sogar Botenfrauen, die an der Verbreitung teilnehmen würden. Der Vorwärts" ist aus diesen Gründen leider nicht in der Lage, seine Leser durch Lieferung einer Ersatzzeitung zu entschädigen. Er wird jedoch den Ausfall durch verstärkte Leistungen bis zur Wahl wettzumachen suchen und appelliert an die Solidarität seiner Lejer. Ein ganzer oder teilweiser Erlaß des Abonnementsgeldes ist uns nicht möglich, da der„ Vorwärts" infolge Ausfall der bezahlten Anzeigen bei Weiterlaufen aller wesentlichen Unkosten durch das Verbot ohnedies aufs schwerste geschädigt ist. Wir wenden uns also an die oft bewährte Treue unserer Leser und Freunde und bitten, den ,, Vorwärts", das Kampfblatt des schaffenden Boltes vor allem durch Massenwerbung neuer Leser zu unterstützen. 68 Tageszeitungen erscheinen in Groß- Berlin, darunter nur eine einzige jozialdemokratische, der„ Vorwärts". Kampfesfroh und mutig hebt sich der„ Borwärts" mit jedem Tage schärfer von der gesamten übrigen eine Ersatzeitung geliefert wird. Das ist Für Freiheit, Volkund Sozialismus Presse ab, die zu einem großen Teil unter Mißjedoch nach der neuen Notverordnung nicht möglich. Bei früheren Verboten durften Ersatzzeitungen geliefert werden, dieje neue Notverordnung aber verbietet die Lieferung einer Ersatzzeitung ausdrücklich. Für den Fall der Zuwiderhandlung gegen die neue Notverordnung wird Geldstrafe und Gefängnis nicht unter drei Monaten angedroht. Diese Strafandrohung trifft nicht nur Druckerei und Verlag einer verbotenen Tot auf den Schienen Junger Uhrmacher erschossen aufgefunden Ein unheimlicher Fund wurde am Mittwoch früh um 7 Uhr 30 Minuten von einem Stredenläufer und einem Lokomotivführer auf dem Schienenweg der Hamburger Bahn in der Nähe von Nauen an der Bahnüberführung Bredow- Perjenih gemacht. Die beiden Eisenbahnbeamten fanden dort auf den Schienen liegend die Leiche eines jungen Mannes. Der Mann lag bäuchlings auf dem Schotter. Man zog den Toten von den Schienen herunter und benachrichtigte dann die Behörden. Allem Anschein nach ist der junge Mann, bei dem es sich um einen 20 Jahre alten Uhrmacher Franz Langer3id aus Rydultau handelt, einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Als man die Leiche untersuchte, stellte es sich heraus, daß der Tote außer der Schußverlegung noch zahlreiche Wunden aufwies, die sanscheinend von einem schweren Fall herrühren. Bei der Durchsuchung der Kleidung des Mannes fand man 130 Mart Bargeld, weiter eine größere Menge polnischen Geldes, Papiere, die auf seinen Namen lauteten und wohlgeordnet maren, so wie einen Zettel, aus dem hervorgeht, daß L. Mitglied der Volksbibliothek in Ratibor war. Franz L. stammt aus dem Kreis Rybnick. Man fand bei ihm eine Fahrkarte vom 20. d. M. von Liegnig nach Berlin. Es hat den Anschein, als ob der junge Mann im Zug überfallen, niedergeschossen und dann hinausgeworfen worden ist. Vielleicht hat er aber auch Selbstmord in der Weise begangen, daß er vor dem Schuß die Tür geöffnet hat und dann hinausgestürzt ist. 3wei Tote in Spandau In Spandau, das in den letzten Tagen wiederholt der Schauplatz schwerer politischer 3wischenfälle gewesen ist, gab es in der letzten Nacht in der Brückenstraße und in der Potsdamer Straße abermals blutige Auseinandersetzungen zwischen politischen Gegnern. In beiden Fällen soll es sich um Nationalsozialisten und Kommunisten gehandelt haben. Zwei Tote und Die vom Sozialistischen Kulturbund einberufene Kundgebung, die am 19. Februar in der Volksbühne stattfinden sollte, ist nunmehr für kommenden Sonntag, den 26. Februar, vormittags 11 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide, vorgesehen. Die ausgegebenen Karten behalten ihre Gültigkeit. mehrere Schwerverletzte blieben auf dem Blaze. Die erste Schießerei spielte sich gegen 1 Uhr vor dem KPD.- Verkehrslokal in der Brückenstr. 3 in Spandau ab. Dabei wurde ein 20jähriger Nationalsozialist durch einen Rückenschuß getötet. Etwa 1½ Stunden später kam es in der Potsdamer Straße zu einer zweiten Schießerei, bei der ein Arbeiter getötet und zwei weitere Beteiligte schwer verletzt wurden. Die Verletzten wurden ins Städtische Krankenhaus übergeführt, wo schwere Bauchschüsse festgestellt wurden. Jm Antikriegsmuseum, Parochialstr. 29, hält am: Montag, dem 27. Februar, abends 8 Uhr, Erich Knauf einen Lichtbildervortrag:" Der aftuelle Daumier", und Ernst Friedrich spricht aktuelle Dichtungen von Heine, Freiligrath u. a. achtung ihrer sonst betonten volksfreundlichen Grundsätze vorsichtig mit den herrschenden Gewalten zu paktieren sucht. Jede Ausgabe des ,, Borwärts" sollte daher von Hand zu Hand gereicht und auch denen zugänglich gemacht werden, die in der heutigen Zeit die Mittel für eine Zeitung nicht mehr aufbringen können. Freiheit! Kino ausgebrannt Großfeuer in Johannisthal Durch ein Großfeuer wurde in der Nacht zum Mittwoch das Filmtheater Kinotheater, FilmStern" am Königsheideweg 13/14 in Johannisthal völlig eingeäschert. Der Vorführraum und einige kostbare Filme konnten gerettet werDONNERSTAG, 23. FEBRUAR 1933 Beim Eintreffen der Feuerwehren brannte bereits das ganze Gebäude lichterloh. Mit einer großen Zahl von Schlauchleitungen griffen die Wehren in die Bekämpfung des Brandes ein. Die Flammen hatten jedoch so schnell um sich ge= griffen, daß von dem Gebäude menig gerettet werden konnte. Ein Teil des Baues stürzte frachend zusammen. Die Lösch- und Aufräumungsarbeiten waren erst gegen 11 Uhr vormittags beendet. Der Schaden ist sehr hoch und nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache ist noch völlig ungeklärt.. Neun Mann ertrunken Insel der gestrandeten Schiffe Reykjavik, 22. Februar. Der deutsche Fischdampfer ,, Brigitte Sturm" überrannte außerhalb des Hafens von Reykjavik ein isländisches Fischerboot, das sofort sank. Neun Mann ertranken, acht wurden gerettet. Fünf von ihnen hatten sich an dem Anker des deutschen Dampfers festgehalten, die übrigen drei wurden von einem Rettungsboot an Bord genommen. Wie weiter gemeldet wird, strandete vor fünf Tagen an der Südküste Islands der deutsche Fischdampfer ,, Gustav Meyer" aus Wesermünde. Die Besatzung fonnte erst jetzt, völlig erschöpft, den Strand erreichen. An der Nordküste von Island sind gleichfalls vor einigen Tagen zwei englische Fisch dampfer bei starfem Sturm gestrandet. Auch hier konnten die Mannschaften, insgesamt 32 Köpfe, die Küste erreichen. Englische Fischdampfer, die von Westland nach Reykjavik zurückgekehrt sind, berichten über außergewöhnlich starke Eisbildung in der Nähe der Küste. den, das Gebäude dagegen brannte bis auf die Wiederkehr des Winters Umfassungsmauern nieder. Das Lichtspieltheater ist in einem früheren Tanzsaal untergebracht. Nach der Abendvorstellung am Dienstag wurde der Zuschauerraum wie üblich kontrolliert, es zeigte sich aber nichts Verdächtiges. Gegen 3.30 Uhr früh wurde im Kino starker Feuerschein wahrgenommen. Mord in Moabit Parteigenosse als Flugblattverteiler erschossen In Moabit ist gestern ein junger Parteigenoffe, der an der Ecke der Werftstraße und Alt- Moabit am Kriminalgericht den Freiheitskampf", die Wahlzeitung der Berliner Sozialdemokratie verteilte, das Opfer eines feigen Ueberfalles geworden. Der Zeitungsverteiler, der 26 Jahre alte Kurt Gottschalt aus der Wolliner Str. 11, wurde von einem politischen Gegner vermutlich einem Nationalsozialisten brutal über den Haufen geschossen. Schwerverlegt wurde Gottschalk ins Moabiter Krankenhaus gebracht, wo er an den Folgen eines Bauchschusses nach der Operation gestorben ist. Die Kugel hatte innere zerreißungen verursacht, so daß keine Hilfe mehr möglich war. Der Schüze war nach der Tat geflüchtet. Bei seiner Verfolgung feuerte er noch mehrere Schüsse ab, ohne glücklicherweise Bassanten zu verlezen. Er wurde festgenommen. Wie uns ein Augenzeuge des Ueberfalles berichtet, trat der Pistolenschütze an den Verteiler des ,, Freiheitskampfes" heran und schlug ihn mit der Faust ins Gesicht. Dann entriß er ihm die Zeitungen. Als sich der Zeitungsverteiler zur Wehr setzte, zog der Bursche eine Pistole aus der Rocktasche und streckte den jungen Menschen durch einen Bauchschuß nieder. Nach der feigen Tat flüchtete der Bursche, dabei feuerte er noch weitere 4 bis 5 Schüsse ab. Der Täter konnte dann aber gefaßt werden. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums teilt zu dem Vorfall mit, daß an der Ede Alt- Moabit und Werftstraße zwei Personen in einen Streit ge= rieten, in dessen Verlauf einer der Männer eine Pistole zog und seinem Gegner einen Bauchschuß beibrachte". Der Verletzte heißt Kurt Gott= schalt aus der Wolliner Straße im Norden Berlins. G. wurde ins Krankenhaus Moabit ge= bracht. Der Täter gab be: seiner Flucht noch einige Schüsse ab. Der Schütze soll den Eindruck ,, eines geistig nicht normalen" Menschen machen. Der Mordschüße ist der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums übergeben worden. Es soll sich um einen 23jährigen Kurt B. aus Wilmersdorf handeln. Die ganze vergangene Woche stand im Zeichen des wiedergekehrten Winters, der nach einigen ungewöhnlich milden Wochen erneut und mit aller Schärfe seine Herrschaft antrat. In der Nacht zum Dienstag sank in den Außenbezirken das Quecksilber bis auf 18 Grad. Der außerordentlich reiche Schneefall hatte das Einsetzen eines ausgedehnten Wintersports mit Ski und Rodel zur Folge. Die U- Bahnhöfe Onkel Toms Hütte und Krumme Lante und der S Bahnhof Grunewald zeigten tagelang Bilder füddeutscher Wintersportbahnhöfe wie etwa München oder Freiburg i. B. Ganze Regimenter rodel- und skibewaffneter Männlein und Weiblein rückten an und stürmten den nahe gelegenen Grünewald. Die große neue Rodel= bahn bei Onkel Toms Hütte war am Sonntag so überfüllt, daß sich die Zugänge verstopften. Und wo sich im Grunewald ein drei Meter hoher Abhang zeigte, wurde er mit den Skiern genommen. Im Osten wurde natürlich das ,, Müggelgebirge" der Zielpunkt aller Sportler. Der Kreuzberg war gleichfalls überfüllt. Der Verkehr auf S- Bahn, U- Bahn, Autobussen und Straßenbahn war am Sonntag enorm. Weniger Freude an dem Schnee hatte die Stadt Berlin, die für seine Beseitigung bisher rund 80 000 M. ausgeben mußte. Zur Unterstützung des Stammpersonals wurden bei der Schneebeseitigung 700 Erwerbslose als Hilfsarbeiter ein gestellt. Wie wird das Wetter? In Berlin: Meist bedeckt, mit leichten Schneefällen, falt, nordöstliche Winde. In Deutschland: Im Nordwesten leichter, sonst mäßiger bis starker Frost, vor allem im Osten und Süden Schneefälle. Der neue Spezial- Betrachtungs- Apparat D.R. G. M. ist in sehr exakter Werkstattarbeit aus fräftigem Metall hergestellt und äußerst haltbar lackiert. Gegenüber älteren Modellen besitzt er den Vorteil, ganz flach zusammenklappbar zu sein, so daß er bequem in der Westentasche mitgeführt werden kann. Weiterhin ist es nicht mehr( wie bisher) erforderlich, die Bilder in den Apparat zu stecken, wodurch die Ränder verdeckt und die Bilder beschädigt werden und außerdem noch durch Wölbung verzerrt erscheinen. Der SpezialBetrachtungs- Apparat wird einfach auf flach liegende oder im Album eingeklebte Bilder aufgestellt und eignet sich für fleinste Leica- Bilder bis zum Rolleifler Format von 6 × 6 cm bikonver geschliffene Präzisions- Optik zeigt die Bilder 3% mal vergrößert, läßt also fleinste Einzelheiten erkennen und zeigt außerdem die Fotos so plastisch wie im Stereostop, wodurch die Bilder erst Leben bekommen. Man sollte deshalb alle Aufnahmen durch den Spezial- Betrachtungstrog starfer Apparat ansehen Die Optik hat Bergrößerung fast feine Randverzeichnung. Der Apparat ist unentbehrlich für Aufnahmen mit der Kleinkamera und zum Erkennen von Einzelheiten größerer Bilder. Er eignet sich Die Apparat mit Linsenschutz bei Nichtbenutzung flach zusammengeklappt Zum Aufstellen linten Steg im ¼ Bogen nach unten und rechten Steg im 12 Bogen herumklappen zum Betrachten der Zigaretten- Bilderserie„ Die schönsten Frauen der Welt" und ist unbedingt notmendig für die gegenwärtig interessanteste Zigaretten Bildersammlung Zeppelin- Weltfahrten". Wer mit Muße die Bilder dieser einzigartigen Sammlung durch den Apparat betrachtet, erlebt herrliche Feierstunden. Ein Stück deutscher Geschichte wird herbeigezaubert, vom Aufstieg des ersten Luftschiffes 1900 bis zu den Weltreisen des ,, Graf Zeppelin". Die Ausrüstung der Luftflotte im Weltkrieg wird erstmalig in allen Einzelheiten gezeigt und die technische Einrichtung moderner Luftschiffe im Bilde erklärt. Die interessanten Landschaftsaufnahmen vom Luftschiff aus regen die Phantasie an, und in Gedanken erlebt man die Reisen des stolzen Schiffes über die Sümpfe Sibiriens, die Eiswüsten der Arktis und die Palmen Südamerikas Der Apparat eignet sich nur für echte Fotos, aber nicht für Imitationen( Drucke). Allerdings sollte man auch nur wertvolle Bilder und kein Talmi sammeln. 264 echte Bromfilber- Fotos im Großformat von 42 X 60 mm Zeppelin Weltfahrten" liegen den Packungen folgender Zigarettenmarfen bei: Club 3% Pfg., flach mit und ohne Gold, Liga 3% Pfg., dick- rund, o. M., sowie Sanct Georg, natur nikotinarm, aber hoch aromatisch, fast H = träftig- mürzig und nur 5 Pfg. Der dazu gehörige Spezial- Betrachtungs- Apparat D.R.G.M. ist für 90 Pfg. vom Zigarettenhändler oder gegen Einsendung genannter Beträge in Briefmarken portofrei von Bilderstelle Lohse, Dresden- 2. 24, erhältlich. Bilanz der acht Tage! In den Tagen des„Vorwärts"-Verbots haben sich in Berlin eine Reihe von Vorfällen ereignet, von denen wir die wichtigsten nachtragen. Am I. Februar wurde, wie erinnerlich, in der Gra- »! tz st r a ß e in Pankow der 63 Jahre alte Malermeister Koch und der Kalismann Krüger von vier Banditen über den Haufen ge- schössen. Koch wurde getötet. Die Wege- lagerer erbeutete» 12 560 M. Mietgelder, die Koch in Pankow für eine große Vaugesellichast zusammen mit Krüger kassiert hatte. In einem gestohlenen Mercedeswagen brachten sie ihre Beute in Sicherheit. Bereits nach acht Tagen konnte die Kriminalpolizei zur Festnahme der Räuber schreiten. VierMänner. der 32 Jahre alte Erich K., der 30 Jahre alte Paul K., der 26sährigs Otto P. und ein noch jugendlicher Fried- rich H., wurden verhaftet. Nach anfägnlicheni Leugnen gaben sie unter der Last des gegen sie vorgetragenen Beweisniaterials die Tat zu. Später wurden auch drei Freundinnen der Banditen und ein Garagenbesitzer unter dem Verdacht der Mit- wisserschast festgenommen. Der I�Iord auf dem Wedding Der feige Mord an dem 46 Jahre alten Metall- schlcifer Richard Patting ist leider erst teil- weise aufgeklärt worden. P. wurde bekanntlich in der Nacht zum 10. Februar, als er mit einem Freunde vor feiner Haustür in der Luxem- burger Straße stand, aus einer Gruppevon vier Männern heraus beschossen. Mit einem Kopfschuß, der auf der Stelle tödlich war, brach P. zusammen. Die Töter flüchteten. Nach den Aus- sagen des Begleiters des Erschossenen war der ileberfall ohne jeden Grund erfolgt. Es bestand die Vermutung, daß die Täter politische Gegner des kommunistisch eingestellten Arbeiters waren. Bisher sind drei Männer f e st g e n o in m e n worden, die an dem ileberfall beteiligt waren. Ein vierter ist noch flüchtig. Sonderbarerweis« werden die 3t a in e n der F e st g e n o m ni e n e n nicht bekanntgegeben: sie behaupten, in Notwehr gehandelt zu haben. Pötting soll nach einem Wortstreit in die Tasche gegriffen und den Anschein erweckt haben, als ob er eine Pistole ziehen würde. Da sei ihm einer der vier zuvor- gekommen und habe einen Schuß abgefeuert. Es ist iinmerhin seltsam, daß gerade der Täter, der offenbar der Schütze ist, immer noch flüchtig ist. /üvei Landjäger niedergeschossen In Königswu st erHausen wurden zwei Landjäger von Berliner Einbrechern niederge- schössen und schwer oerletzt. Ein Täter wurde so- gleich festgenomme», sein Komplice stellte sich später ans dem 235. Polizeirevier, da man Ihm bereits dicht auf den Fersen war. Tränenhomhen bei„Epa" In dem„E p a"- G e s ch a f t in der B e r- liner Allee 46 in Weißcnsec warfen bis- her unbekannte Täter in den Abendstunden an drei Stellen Tränengasbomben. Unter den Kun- den und dem Warenhauspersonal entstand eine Panik und die Räume mußten wegen der Ver- gasung für einige Zeit geräumt werden. Das Personal hielt tapfer aus, bis die letzten Kunden den Laden verlassen hatten. Eine Verkäuferin war jedoch von dein Giftgas so benommen, daß sie zur Behandlung ins Weißenseer Krankenhaus gebracht werden mußte. 60 Arbeiter verunglückt Von einem schweren Unfall wurde ans der Buckower Chaussee ein Lastauto be- troffen, auf dem sich etwa 60 Erwerbs- lose befanden, die von Groß-Ziethen, wo sie Wegearbeiten ausgeführt hatten, gegen 17 Uhr die Heimsahrt nach Neukölln angetreten hatten. Als der Wagen von einem anderen Lastauto über- holt wurde, verlor der Führer des Arbeitertrans- ports aus noch nicht geklärter Ursache die Herrschaft über sein Fahrzeug und fuhr mit seinem Lastauto gegen einen Baum. Dabei wurde der Kastenaufsatz angerissen Drei Arbeiter ivurden schwer und 1 4 l e i ch t v e r l e tz t. Die Schwerverletzten fanden im Buckower Kranken- Haus Aufnahme. Zum Glück sind die Verwun- düngen nicht lebensgefährlich. 2�>vei Tote im Rathaus Zu einer merkwürdigen Duplizität der Ereig- nisse kam es in C h a r l o t t e n b u r g. In dem dortigen Rathaus wurden zwei Männer fast zur gleichen Zeit durch Herzschlag vom Tode er- eilt. Beim Betreten der Räume der Sladtbank sank der 72 Jahre alte Dr Adam S ch r o h e aus der Spreestraße in Charlottenburg plötzlich lautlos zusammen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Pankower Raubmord aufgeklärt Ende gemacht. Während sich noch ein Arzt um ihn bemühte, trug sich im dritten Stockwerk des Ge- bäudes ein ähnlicher Fall zu. Dort stürzte der 68jährige Apotheker Bernhard Lehmann aus der 3türnberger Straße bewußtlos zu Boden. Der Arzt mußte feststellen, daß auch der Apotheker einem Herzschlag erlegen war. Beide Leichen wurden beschlagnahmt. Flucht aus Moabit Aus dem Untersuchungsgefängnis in Moabit ist der 45 Jahre alte Seemann Karl Barth aus geradezu sensationelle Weise ge- fluchtet. Unter Aufsicht eines Strafanstaltsbeamten war B. im Keller mit Arbeiten beschäftigt. Als er angeblich noch ein Werkzeug brauchte, entfernte sich der Beamte, um das Verlangte zu holen, schloß aber die Türen, die mit guten Sicherheitsschlössern versehen sind, ordnungsgemäß ab. Als er schon nach kurzer Zeit wieder zurückkehrte, war Barth spurlos verschwunden. Vier verschiedene, sehr komplizierte Schlösser hatte B. mit Nach- schlüsseln geöffnet. Die Strafanstaltskleidung wurde später in einem Sitzungszimmer gefunden. Es besteht kein Zweifel, daß der Verbrecher nur mit Hikse der Außenwelt entweichen konnte. in Steglitz ein. Mit der Waise versuchte er die Beamte» einzuschüchtern. Ein Sparknsscnassistent warf sich dem Räuber aber entgegen, und es ge- lang ihm. dem Täter die Waffe zu entwinden. Der Räuber wurde dem Raubdezernat übergeben Bei dem Verhör stellte sich heraus, daß die Tat nicht etwa aus Not oerübt worden war. D. er- erzählte vielmehr, daß ihm bei seinen täglichen Spaziergängen der Gedanke gekommen sei, einmal den Geldtransport der Sparkasse zu berauben. Er batte den Wagen häufig beobachtet. Anscheinend ist der Täter ein scheuer Mensch, er sprach mit niemandem, teilte sich auch seinen Eltern nicht mit, die ehrbare Bürgersleute sind und über die Tat ihres Sohnes völlig konsterniert sind. Obwohl er keine Beschästigung hatte, litt er zu Hause keine 3iot. Er war immer sehr still, hatte wenig Freunde und ging selten aus. Wie er sagte, hoffte er ein paar tausend Mark zu erbeuten, um sich davon ein Geschäft einrichten zu können. .Autoschieher festgenommen Abermals ist es der Polizei gelungen, eine Autoschieberkolonne, die nach dem Vor- bild des noch immer flüchtigen Berliner Cafetiers E r b a n arbeitete, dieser Tage festzunehmen. Bis- her sind der 27 Jahre alte Monteur Kurt St. aus der Proskauer Straße und der 40 Jahre alte Schneider Fritz G. hinter Schloß und Riegel ge- setzt worden. 12 gestohlene Wagen sind von der Kolonne schon verschoben worden. Vier Autos konnten noch rechtzeitig beschlagnahmt wer- den. Di« Wagen waren bereits so umgebaut, daß sie die früheren Besitzer nicht mehr wiedererkannte». Mißglückter Raubzug Mit einer scharsgeladenen Pistole drang der Friseur Heinz D- in die Städtische Sparkasse in der M a r i e n f e l d e r S t r. 40 Ende der Karl-Marx-Gchule Dr. Barsen beurlaubt Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: In Würdigung der seit langem gegen Geist und Verfassung der K a r l- M a r x- Schule in Verlin- Neukölln er- hobcnen Veschwerden hat der Kommissar des Reiches für das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung nach Venehmen mit dem Lberburger- meister der Stadt Berlin die Umorga- nisation der Schule und die Ve- urlaubung ihres Leiters, des QberstudiendirektorS Dr. Karsen, von seinen Dienstgeschäften angeordnet. Gleich- zeitig ist die Entziehung des dem Dr. Kar- sen an der Universität Verlin erteilten Lehrauftrages für ausländisches Schul- Wesen in die Wege geleitet worden. Ter Kommissar für das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbil- dung, der diese Anordnung getroffen hat, ist der Stationalsozialist Ruft. ★ Wie wir erfahren, bestand das„Benehmen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Berlin" darin, daß R u st dem Oberbürgermeister von seiner Ab- ficht, die Karl-Marx-Schule aufzulösen, amtlich Mitteilung machte Da die Schule seinerzeit durch ministerielle Anordnung geschaffen wurde, kann heute die Auslösung gleichfalls auf ministerielle Anordnung erfolgen ohne daß die städtischen Körperschaften ein Einspruchsrecht hätten. Mit der Beurlaubung Dr. Karsens und anderer städtischer Lehrkräfte werden sich die Stellen der Stadt noch beschäftigen. Aas Verbrechen Weil Arbeiter zum Abitur kamen... Bier Spalten lang tobt sich die Hugenbergsche „Nachtausgabe" in Triumphgesängen aus, weil jetzt Berlins vorbildliche Lehranstalt, die Karl- Tamtam statt Brot Enverbslose verhöhnt Am Dienstagvormittag ereignete sich vor dem Arbeitsanit in der Sonnenallee folgendes Die Nationalsozialisten hatten vor dem Gebäude eine Musikkapelle aufgestellt, die den hun- gernden Arbeitslosen schneidige Märsche statt Brot verabreichte. Unter starker Polizeibewachung hielten dann auch einzelne Hetzredner kurze An- sprachen, in denen sich besonders der Standorten- führer Schwarz im Hetzen gegen Sozialdemo- traten gefiel.. Selbst Sprechchöre wurden gegen die Sozialdemokratie eingesetzt. Die ganze Aktion war jedoch offensichtlich von wenig Erfolg gekrönt. Außer ihren eigenen Parteianhängern, die zum Heilrufen und Parade- stehen bestellt waren, kümmerte sich kaum jemand um diese seltsame Mvrgenmusik. Begründete Er- regung rief jedoch die Tatsache hervor, daß heute die Erwerbslosen an einem neutralen Platz der- artig verhöhnt werden dürfen. Arbeitslose, zeigt der Reaktion am 5. März, daß ihr nicht Paraden und Militärmärsche haben wollt, sondern Arbeit und Brot. Sturm auf Kunstschule LA.-,.Kultur" In den Räumen der Staatlichen Kunst- schule in der Grunewaldstr. 1/5 in Schöneberg, in der 3!ähe der Potsdamer Straße, spielte sich ein roher SA.-Uebersall ab. Nach polizeilichcr Darstellung erschienen etwa 15 Personen In NSDAP.-Üniformen in dem Gebäude der Kunst- schule, wo gerade eine Fachprüfung stattfand. Die Prüfung selbst wurde durch gewaltsames Entfernen der vier Professoren verhindert. Be! den Krawallen, die das Vorgehen der Ein- dringlinge verursachten, soll auch eine Haken- kreuzfahne entfaltet worden sein. Die Störer erließen dann wieder das Gebäude und die Pro- fessoren konnte» so wieder die Prüfung auf- nehmen und fortsetze», jedoch kam es angesichts der Erregung oller Beteiligten zu keiner ab- schließenden Arbeit. Das Ueberfallkommando, dos später herbeigerufen wurde, konnte von den Tätern keine Spur mehr entdecken. Marx-Schule von der Reaktion„reorganisiert" wird. Mitten unter verlogenem Gekeife über die bisherige Leitung aber stoßen wir auf ein Sätz- che», das blitzartig den wahren Grund des bürgerlichen Hasses beleuchtet. Wörtlich so steht es da: Eine Schule sollte aufgebaut werden, die alles unter einem Dache beherbergte, von der Grund- schule bis zum Abitur. Daneben sollten söge- nannte A r b e i t e rabiturienten- k u r s e Arbeiter— natürlich nur rote—, die nur Volksschulbildung besaßen, in einer Schnellbleiche von drei Jahren zum Abitur bringen. Das ist der Grund des Hasses! Arbeiter, schon der Schulbank entwachsen, konnten ihr Abitur nachträglich machen. Selbstverständlich nicht nur„rote", wenn auch— ebenso selbstverständlich— unter den marxistisch geschulten Arbeitern der Bildungshunger sich als viel größer erwies als unter den indifferenten und reaktionären. Viele Arbeiter haben ihr Abitur auf diese Weise gemacht und leisten auf der Universität — die Prüfungen beweisen es— Vorzügliches. Daher die Konkurrenzangst aller bürgerlichen Sauf-, Pauk- und Radaustudenten, die von intelligenten und strebsamen Proletariern über- flügelt werden. Und wie sinnig, daß diese Auf- stiegsmöglichkeit aus dem Proletariat in dem Moment abgeschnitten wird, wo eine mit der Reaktion verbündete sogenannte„Arbeiterpartei" ans Ruder kommt Freiheitsappell Das Reichsbanner im Lustgarten Es waren nicht Tausende, nicht Zehn- tausende, nein. Hunderttausende, die am vergangenen Sonntag die wehrhafte SchuhtruPPe der Republik, das Berliner Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, auf fei- nem Anmarsch zum Lustgarten und dann in dichtgedrängten Massen aus dem riesi- gen Appellplatz selbst begrüßten. Wieder zeigte sich, daß die Sympathie der Ver- liner den Republikanern zugewendet ist und daß die Liebe der Massen nicht den SA.-TruPPen gilt. Nach kurzen einleitenden Worten des Berliner Gauvorfigenden N e i d h a r d t sprach, immer wieder durch Beifallsstürme und Freiheit-Ruie unterbrochen, der Bundessührer Karl Hölter- mann. Mit großer Schärfe wandte er sich gegen die durch die gegenwärtige Reich-rexierung erhobenen Vorwürfe, daß in den letzten 14 Jahren durch die Regierungen der Republik alles zerstört und nichts geleistet worden sei. Er wars der Regierung vor, daß sie die wirtschaftliche Ent- Wicklung Deutschlands nicht erkannt habe.„Mil- lionen stehen an den Stempelstellen, nicht weil wir zu arm sind, sondern weil wir an Güter- Überfluß leiden. Nichts ist. geleistet? Die ge- waltigen Wohnsiedlungen am Rande dieser Riesen- stodt Berlin zum Beispiel sind nicht von d»: gegenwärtigen Regierung errichtet worden." (Minutenlange Zustimmung.) Höttermann fuhr dann fort:„Wer am 5. März seine Stimme dieser Regierung gibt, handelt wie der Bauer in der Fabel: Wenn im Herbst die Birnen reif waren, wurden sie den Bauern immer wieder gestohlen. Der Bauer tat dies und jenes, um die Diebe zu fangen, es war alles vergebens. Schließlich kam ihm ein rettender Gedanke: Er ging hin, nahm die Axt und schlug in seinem Garten aste Bäume ab."(Beifall und Heiserkeit.) Diese Regierung behauptet von sich. sie werde das Volt wieder zu einer Nation machen. wir sind der Meinung, daß unser Volk im Feuer des Weltkrieges zur Nation geworden ist, aus dem wir nichts nach hause brachten. als Läufe und einen Entlassungsschein. Aber wir errangen das Recht, ein freier Bürger zu sein. Wir verteidigten Deutschlands Freiheit im Kriege, wir verteidigen die Freiheit auch gegen jeden innneren Gegner und schwören: wir wollen lieber tot, als Sklaven sein."(Nicht enden- wollend« Freiheit-Rufe.) Höltermann schloß:„3iach Hitler kom- wen wir! Auf diesen Tag richten wir uns ein. 3ticht aus dem Qualm von Fackelzügen wird ein neues Deutschland erstehen, die deutschen Arbeiter und die freiheitlich gesinnten Bauern und Bürger müssen es schaffen. Hinein ins Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold! Vorwärts für ein Deutschland, das auch dem Aermsten ein wahres Vaterland istl Vorwärts für ein Deutschland d'e r Freiheit!" Zur Wilhelm st raße und zum Alex- a n d e r p l a tz herüber dröhnten die Freiheit- Rufe der republikanischen Massen. Reichsbanner aktiv! Lonntag: Aufmarsch im Westen Die aktiven Formationen des Berliner Reichsbanners treten am Sonntai um 12.30 Uhr in Neukölln am öahnho. Kaiier-Friedrich-Str. zu einer Marschübung durch de» Süden der Stadt an. Die kr-'ise Osten und Norden treffen gegen 2 Uhr aus dem wiltcnbergplnß ein, die kre!si w e st e n un'' Süden zur gleichen Zeit auf dem Rudolf-Wilde-B ah A"s b id n Blähen so 1 dann ein halbstündiges B> a h- k o n z e r l veranstaltet werden. Bettstelle! 8b| Ruhebett] rr-iT01 schledene I I Muster.■• . mit Bei« rfv'-V" Coucn«Uten>' | m. Zugfeder mstr.,33 mm | Bügel, weiß. . 90x190. 11 mit wo rn, f* d«rn«ni W- 3 C*»ch- 1|# b• s u k w""" _-. JU°i» [jehratt�'»'n' i i�iV,«» 35/ M Fabri kjT Dettfederil' v Gustav iSebastianstrl IWilmersdorferzlr; lEckeBismarckst-i:| IFranKfurter- Allee 304- ZWEITE BEILAGE WlOrks DONNERSTAG, 23. FEBRUAR 1933 3)as Q>r ei sausichreihen des 207 Teilnehmer am Wettbewerb/ 3>ie Verleitung der Greife Die Snlfcheidimg der 3>reisriclüer •,3ft©ilgt eine von u n s?" wurde in der Ankündigung des Preisausschreibens gefragt, das der„Vorwärts" im Anschluß an den Roman Irmgard Keuns„Gilgi, eine von uns" veran- staltete. 2he Frage sollte indirekt beantwortet werden, indem Angestellte aus ihrem Leben er- zählten. 207 Bewerberinnen haben sich an dem Preisausschreiben beteiligt. Aus ihren Arbeiten geht hervor, daß Gilgi zwar eine aus dem Millionenheer der Angestellten ist. aber keineswegs einen Durchschnittstyp der Angestellten unserer Tage darstellt, wenn auch so manche An- gestellte, ehe sie sich kämpferisch gesunden hat. in müden Stunden von ähnlichen Schicksalen träumen mag wie dem Schicksal Gilgis. Aber diese Feststellung ist ein fast nebensächliches Resultat des Preisausschreibens. Die eingesandten Arbeiten greisen vielmehr, als Ganzes gesehen, weit über den Rahmen eines üblichen Preisaus- fchreibens hinaus. Hier zum ersten Male bei einem solchen Unternehmen erzählt der Beteiligte nicht nur von sich als Einzelerscheinung, sondern von feinem klasienmäßig bedingten Erleben. Hier zum ersten Male in einem Preisausschreiben werden die soziologischen Hintergründe unserer Zeit deut- lich. Ganz kraß erhellt, wie die Angestelltenschicht zum großen Teil aus dem Proletariat hervorgeht, wie der ehemalige Mittelstand im Proletariat ver- sinkt und wie Teile der Angestelltenschaft, die sich innerlich noch von dem Proletariat distanzieren, äußerlich bereits dem proletarischen Schicksal durch- aus oerhastet sind. Diese gemeinsame Wurzel von Proletariat und Angestelltenschaft ist das Kenn- zeichen unserer Tage. . Damit ist bereits angedeutet, daß das vom„Vor- wärts" veranstaltete Preisausschreiben anders ge- wertet werden muß als die üblichen Preisaus- schreiben. Es konnte nicht Aufgabe des Preis- richterkollegiums sein, sich mit einer einfachen literarischen Wertung zu begnügen. Bielmehr zeigte es sich, daß oft das Material, das soziologische Hintergründe beleuchtende Schicksal des Einsenders, wichtiger war als die Form, in der er es be- handelte. Arbeiten, denen ein Kunstwert nicht zu- zusprechen ist, rückten in die erste Reihe, weil sie zu den erschütterndsten Dokumentationen unserer Zeit gehören. Arbeiten, deren literarisches Niveau an sich höher zu werten ist als das Niveau dieser soziologisch aufschlußreichen Manifestationen. mußten zurückgestellt werden, weil sie über das in Frage gestellte Problem nicht genügend aussagten. Es ist mit den Arbeiten des Preisausschreibens so wie mit der modernen Literatur. Die rein literarische Manifestation um des Kunstwerks willen hat in einer Zelt, in der auf dem gesamten Erdball die bisherigen Ordnungen aus den Fugen geraten, in der ein in der Geschichte kaum da- gewesener Notstand ganzer Volksklassen das Einzel- schicksal gleichgültig werden läßt, keinen Rawn mehr. Das Kunstwerk kann nicht mehr unabhängig von deu soziologischen Hintergründen seiner Zeit gewertet werden, ein wesentlicher Maßstab für seine Bedeutung wird seine Bezogenheit auf das Heute, wird das Maß, mit dem es über dieses Heute aussagt. Nur so ist es zu verstehen, wenn Werke, die aus künstlerische Bedeutung keinen Anspruch erheben, wie Ruth Fischers„Deutsche Kinderfibel 1933" oder ein im Künstlerischen noch keineswegs vollendeter Roman, wie Albert Klaus „Die Hungernden" in die erste Reihe literarischer Beachtung rücken, weil sie über unsere Zeit mehr zu sagen haben, als eine Reihe literarisch an sich hochwertiger Werke. Von diesen unumgänglichen Gesichtspunkren aus- gehend, hat das Preisrichierkollegium beschlossen. den in der Ankündigung angezeigten ersten Preis in Höhe von 330 M. in dieser Form nicht zur Verteilung gelangen zu fassen, sondern— auch der relative künstlerische Wert der besten literarischen Arbeiten rechtfertigt dos— die 330 M. in Teil- summen von je 30 M. auf die soziologisch er- schütterndsten Dokumentationen der am Wettbewerb Beteiligten zu verteilen, so daß die vier Arbesten, die nach Ansicht des Preisrichter- kollegiums als literarische Dokumente im Rahmen des Preisausschreibens die meiste Beachtung ver- dienen, wie folgt ausgezeichnet werden: 1. prsi»: ri i> cl s Lewin(Traum Mittwoch Nacht), Original Nora-Radio-Empfangsgerät. 2. Preis: Lilly Falkensteln(An der Kinokasse), Mercedes-Klein-Schreibmaschine. S. Preis: Gerda Ziese(Das schwarze Ungeheuer), Lindcar Damenfahrrad. 4. Preis: Dore Gnauck(Großstadt- Bauern), Sparbuch der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., mit einer Einlage von 50 Mark. Als soziologisch erschütternde Dokumente unserer Zest werden mit Geldpreisen von je 30 M. die Arbeiten folgender Einsender aus- gezeichnet: 1. HertaMaschlock, 2. Else Poppe, Z. Elisabeth Bölke, 4. Margarete Liebenau, 5. Dora Guski, 6. Ella Mühle, 7. Gertrud Bodlen. Wir lassen die Arbeiten, die den ersten und zweiten Preis erhiellen, folgen. Die Arbeiten der anderen Preisträger werden nach und nach erscheinen. Wilde Jßeitin: Traum WliUwoch uaclif „Wenn ihr sehr aufmerksam wäret, würdet ihr vieles sehen und tun. so fühlt ihr es nur manch- mal", sagte das Pferd zu mir. Es sah mich dabei unter seinen langen Wimpern em wenig traurig und ein wenig verächtlich an Ich hätte gern mehr mst ihm gesprochen, doch der graue Wagen, auf dem es stand, fuhr sehr schnell vorüber. Er fuhr zur Schlachtbank. Es war nur eine.zufällige Be- gegnung. Ein Mann stand neben mir, hielt mir seinen Hut hin und wiederholte immerzu in leierndem Ton:„30 Pfennige das ganze Pfund Wurst, 30 Pfennige das ganze Pfund Wurst." Sein Magen knurrte laut. Ich bekam Angst und lief davon. Hinter mir knurrte sein Magen. Ich lief Da stand eine Kirche. Ich lies hinein. Sie war leer. Ich wollte wieder hinaus. Am Eingang wartete der Mann. Sein Magen knurrte. Die Kirchenuhr schlug sieben Schläge. Fabriksirenen gellten durch die Luft Menschen rannten hin und her. Auch ich rannte. In eine Fabrik. Wo waren die Menschen geblieben? Maschinen rasterten. Nirgends waren Menschen. Im Büro fragte ich die große Kugellampe:„Verzechung, wisien Sie, wo ich Menschen finde? Ich habe Angst." Sie hing da, spiegelte so vor sich hin und gab keine Antwort.„Verzechung", fragte ich einen Brief- ordner, der mir bekannt erschien,„wissen Sie viel- leicht, wo Menschen sind?" Er zeigte auf sein Rückenschild.„D u" stand da Ich wurde wütend. „Wir kennen uns", sagte der Ordner sachlich. Ich rannte fort. Am Torweg stand ein Mann. Sein Magen knurrte.„Wir kennen uns", sagte er. „Angenehm", erwiderte ich.„Wissen Sie vielleicht, wo die Menschen sind?" Er nahm mich bei der Hand. Sein Magen knurrte. Ich gab ihm einen Groschen. Sein Magen knurrte. Da gab ich ihm noch einen Groschen noch einen, d-s ich kein Geld mehr hatte. Sein Magen knurrte. Ich hielt mir die Ohren zu. Wir gingen m ein Haus. Es war voller Menschen. Ich war sehr froh„Was machen die vielen Menschen hier", fragte ich den Mann. „Sie knurren", sagte er. Da wurde ich so traurig, daß ich weinen mußte. Einer stand an einem Tisch und stempelte. Er tat das unaufhörlich. Mir wurde schwindlig. Ich ging hinaus. Ein Kater lief einsam und schwarz über die weiße Straße.„Warum sind die Menschen nicht in den Fabriken?" fragte ich ihn„Die Maschinen brauchen keine Menschen mehr", schnurrte der Kater.„Für wen arbeiten die Moschinen denn?" „Für die. die sie gekauft haben. Es sind schlechte Zeiten, auch für Kater" Und er strich davon. „Ich will Maschinen kaufen", rief ich ihm nach. „Ich will den Menschen helfen."„Hast du Geld?" rief er von weitem.„Nein, nur mich selbst." Ich ging in die Fabrik. Arbeiter standen an den Maschinen, Frauen und Männer. Blaß waren sie, blaß. Sie sahen mich nicht, sahen nur sich selbst an den Maschinen stehen und blaß sein. Und Kinder sahen sie, die auch blaß waren. Ich kam ins Büro. Die Briefordner'n den Regalen waren leer. Die Briefe lagen auf dem Boden. Ich begann sie einzuordnen. In der Kugellampe über mir spiegelte sich das Büro.„Das ist nun deine Beschäftigung, den ganzen Sommer lang", sagte ich wütend zu ihr„Im Winter wirst du manchmal angeknipst, was ist das schon?"„Es ist alles rund", sagte die Lampe.„Du lügst, es hat alles Ecken", antwortete ich.„Ich lasse mir nichts vorspiegeln." Ein Mann stand neben mir.„Du willst Ma- scbinen kaufen?" fragte er.„Hast du Geld?" „Nein."„Dann leg deine Briefe in die Ordner." „Und wenn ich ertig bin?"„Dann kannst du Mischine schreiben."„Und wenn ich fertig bin?" „Dann kannst du gehn."„Darf ich die Maschine nicht mitnehmen?"„Die Maschinen gehören mir." „Und meine Arbeit?"„Gehört auch mir. Ich habe alles gekauft."„Du mußt sehr reich sein", sagte ich.„Aber du lügst. So reich ist keiner. Die Maschinen gehören allen Menschen, ihre Arbeit und Ihr Ertrag. Sie selbst gehören sich." Der Mann lachte so sehr, daß ich erschrak.„Willst du auch reich sein?" fragte er mich.„Nein", schrie ich, „nein!"„Komm!" befahl er. Es war Mittag, und die Sonne schien heiß zu den Fenstern herein. Die Menschen atmeten schwer an den Maschinen. Eine Frau wurde ohnmächtig. Sie blutete. Die Menschen schrien. Auch ich schrie. ,Lomm!" sag'e der Mann neben mir ruhig. Wir gingen in einen hellen Raum. Blumen blühten an den Wänden. Benti- latoren surrten. Am Tisch saß eine blonde Frau. Ihre Haare flogen.„Eisgekühlt", sangen die Ben- ttlatoren,„eisgekühlt" Die Frau sah mich an. Sie hatte diamantene Augen. Ihr Kleid war aus Gold. Sie gab mir ihre Hand. Die war kalt und weiß.„Ist das ein Märchen?" ragte ich sie. „Nein, das ist das Leben" sagte sie und lächelte. „Ich habe chn entlasten", sagte der Mann zu ihr. Sie lächelte.„Er hat mich an die Konkurrenz verraten. Das habe ich nicht verdient. Ich bin immer ein demokratischer Chek gewesen."„Um den ist es nicht schade", sagte die Frau. Ich wußte nicht recht, was sie meinte.„Morgen fahren wir nach Paris", sagte der Mann. Sie horchte auf. „Will dort einige Modelle besorgen. Unter der Hand, du verstehst. Vielleicht durch den kleinen Zeichner. Sei bitte recht nett zu ihm." Die Frau nickte. '„Schokolade, Bonbons, kalter Kuß gefällig?" Sie ging mit einem Tablett durchs Zimmer. „Schokolade, Bonbons, Kalter Kuß gefällig?" Das klang so eintönig, daß ich erschauerte. Sie trug jetzt ein schwarzes Kleid mit einer weißen Schürze und hatte ein hübsches, weißes Gesicht mit müden Augen.„Schokolade. Bonbons?"„Hör auf", stöhnte ich.„Schokolade, Bonbons..."„Sst". sagte der Mann neben mir. tue hört Sie gar nicht, die denkt an etwas ganz anderes. Sie hat drei kleine Kinder zu Hause..." Die Frau mit dem goldenen Kleid lächelte. „Dars ich Ihnen etwas E's anbieten?"„Ja". sagte der Mann zu ihr,„geben Sie mir eine» Kalten Kuh." Die Frau lächelte.„Haben Sie Geld, mein Herr. Geld, ich brauche viel Geld." Sie hielt die Hände hin. Ihre Fingernägel blu- teten in rotem Lack. Ich ersrbrak sehr und lief davon. Durch viele Zimmer lies ich. In jedem stand ein Gummibaum mit einem einzigen jungen, grünen Blatt, das kicherte An den Fenstern blühten Eisblumen. Ich M, lief immer we ter. Endlich war ich auf der Straße. Es schneite. Ich fror. Aus einmal waren. viele Menschen da. Sie redeten laut. Sie zankten sich. Dann schlugen sie aufeinander los. Die Frau mit dem goldenen Kleid und der Mann fuhren in einem Auto vor- über. Sie lachten. Eine Frau wurde überfahren. Die Menschen schlugen sich Viele wurden zer- treten.„Warum tun sie das?" fragte ich einen alten Mann.„Sie wollen es warm haben", sagte er traurig.„Aber so hat e« doch keinen Sinn." Er schwieg. Die Menschen schlugen sich. Schüsse knallten. Ich wurde dreimal erschossen, dann wachte ich auf. Es war Donnerstag früh. Die Kirchenuhr schlug sieben Scbläge. Fabriksirenen gellten durch die Luft. Menschen rannten hin und her. Auch ich rannte. Xilly galkenflein:«/Jlt dd* SfälUOlftlifäß Ein Kino im Norden Berlins; ein Lichtspiel- theoter wie unzählige andere, mst schreienden Plakaten und lockenden Lichtern. Ich sitze an der Kasse, jeden Abend, oft auch Sonntags, manchmal einen ganzen Tag lang; denn wir spiesten schon am Vormittag. Es gibt viele, die berests am Morgen, am Mittag ins Kino gehen; denn sie haben Zeit, unsere Gäste, allzuviel Zest, kommen doch fast nur Arbestslose, so viele Arbeitslose, daß es scheint, als gäbe es gar keine Menschen mehr. die arbeiten und oerdienen dürfen, und daß man für Augenblicke die Sinnlosigkeit, das Schreckliche und Verbrecherische eines solchen Gesellschafts- zustandes vergißt. Sie alle kommen an mein Fenfterchen und kaufen für ihre letzten Groschen Träume, Träume statt Brot: wollen für ein paar Stunden dem Fluch des Nichtstuns entfliehen, ihre Not er- tränken in den bunten Bildern auf der Leinwand. „Die Arbeitslosen esten lieber nicht, als daß sie aus das Kino verzichten", Hot man mir zu Ansang gesagt, auf meine erstaunte Frage, wie denn diese Aermsten das wenn auch billige Eintrittsgeld ermöglichen. Und ich sehe es immer wieder, Tag für Tag, wie sie chre letzten Groschen, Sechser, Pfennige aus der zerschlissenen Tasche, aus Beutel oder Taschentuch hervorkramen, zusammengekratzte Pfennige— hin und wieder fehlen noch zwei oder drei am schon ermäßigten Eintrittspreis, die ich dann selbst zulege. Manchmal kann ich auch einem armen Jungen mit sehnsüchtigen Augen eine Frei- karte geben: dann ist es mir, als hätte ich ein Königreich oerschenkt. Viele, viele Menschen ziehen an n, einem Fenster vorbei im Lause der Tage: ernst und freundlich losen sie chre Karten, mit seltsamer Geschäfttgkest. als erwarte sie da drinnen lebenswichtiges Neues und doch schon Gewußtes... Viele kenne ich schon und freue mich, wenn sie kommen; manch freundliches Wort, manch Lächeln, Nicken»nd Scherzen spinnt goldene Brücken von chnen zu mir, von Mensch zu Mensch, vom einzelnen zur Gesamtheit. Nirgeitds empfindet man wie hier das tiefe Gefühl der Gemeinsamkeit, des Bruder seins, wenn man Liebe empfängt von jenen, die so empfindsam sind für jeden Blick; die jedes Lächeln, jeden freundlichen Gruß mst hundert- facher, echtester Münze belohnen. Die meisten Besucher sind junge Burschen, meist einzeln, manchmal mst ihrem Mädel oder mst Freunden: auch junge Mädchen kommen allein. Eheleute, die ihre Kinder vorher schlafen gelegt; sogar alte Mütterchen in abgeschabten Kleidern. oft noch die Hausschürze vorgebunden, die langsam und ängstlich ihr Geld auss Kastenbrett zählen: selten nur kaufen besser gekleidete Herren, geputzte Damen einen teuren Platz, oder ein feineres Pärchen oerlangt„zweimal Loge. Und sie alle, Menschen der gleichen Zest, des gleichen Schicksals, finden sich zusammen in stummer Resignation, die nur noch eine leichte Neugier aufkommen läßt, eine Sucht nach Zerstreuung, nach Betäubung: finden sich zusammen im verdunkelten Saal vor der flimmernden Leinwand, aufinerksam und still wie Kinder beim Märchenspiel. Wären es doch Märchen, die sie dort schauen! Denn Bkärchen sind schön, sind Kunst; und Märchen sind im tiefsten Grunde wahr, sind ge- boren aus der Seele des Volkes, bildgewordene. farbig gestaltete Wunschträume, bestmtmt, zu lehren, zu läutern und zu erfreuen— aber was sie hier im Film sehen, ist ihrem Leben, ihrem Empfinden srentder als Märchen, und doch nicht fremd genug, um sie nicht zu berühren, um spurlos zu verflattern, wie kaum gefühlter Sommerwind. Was sie hier sehen, ist gefährliches Rauschgift, aufgeputzter Abglanz einer sterbenden Gesellschaft, Gaukelei, unwahr und hohl im Innern. Brocken sind es. die den Armen hingeworfen werden, daß sie nicht den nagenden Hunger spüren; Blendwerk, das sie ihr unverschitldetes Los vergessen macht, lärmender Flitter, der ihr erwachendes Murren übertönen soll... So oerschwindend fetten nur klingt ein neuer Ton auf, zaghaft und schnell wieder unterdrückt; würden doch Wahrhest und freies Denken bald die unüberwindlich scheinende lingerechtigkckt dieser Weltordnung hinweggewischt haben wie Schatten, die des Morgens strahlendes Licht vertreibt! Sie gehen ins Kino, Alle und Junge, Männer und Frauen; Tag für Tag lebe ich sie dort sitzen in erschreckender Stumpfhest und Erstarrung; und Angst kommt icher mich, furchtbare Angst, und es drängt mich, sie aufzurütteln in letzter Stunde, ihnen zuzurufen mit aller Macht: löst euch aus der unwürdigen Gleichgültigkeit und Verzweiflung, Toumov-Velour-Tevpicks BeWurnrandunqen LsMMWAM qus �estem Haarcarn, moderne Musl'ör � 1S 20023 lo/i£ SpCC 300 71. aS.'booJÖ; 330'tö. 35o3D.- mfö. CO. -160' 240i Smyrna, schwere mechan.Qualifär 1 laufer co75*3SQ� a 2 Bettvorlagen 1 ca. 75*155 mFronse ______eware, Boucle, reines. Haargarn, modeforbiq.ca oBcmbrl.Ntr; Verkauf nur Berlin C2,Spandauer Strasse ZA zersplittert nicht eure Kräfte in sinnlosem Tun, hallet eure Hirne klar, eure Herzen ojfen, ihr dürft nicht untergehen, ihr müßl kämpfen, kämpfen um eure Menschenwürde, kämpfen um eure Menschenrechte, kämpfen um die Zukunft, um die Freiheit eurer Kinder Aber ihr geht ins Kino, täglich komnü ihr und laßt eure Sinne berauschen, eure Hirne umnebeln, eure Herzen mit Lügen füllen... Und nicht nur ihr kommt, jeden Sonntag nach- mittag schickt ihr eure Kinder zur Vorstellung: Kinder kommen zu nur an die Äasfe, hundert, zweihundert, dreihundert Kinder, Mädchen und Jungen, Schulkinder isden Alters und auch solche, die»och nicht zur Schule gehen, sie alle stürzen herbei, um nur nichts zu oersäumen.. Wohl macht es mir unendlichen Spaß, die kleinen Wesen zu bedienen, ihnen die Karten in die kleinen Händchen zu drücken und immer wieder zu erzählen, was heute gespielt wird. Wohl macht es mir Spaß, und ich gönne ihnen das kleine Vergnügen— aber denken darf ich nicht, nein. nachdenken darf ich nicht: sonst würde ich ihnen den Eintritt verwehren, würde sie mit all meiner Kraft hindern, ihre kindliche Phantasie sich ver- giften, ihr klares Denken sich trüben zu lassen, ehe es nock) zur vollen Reife gelangt ist: dann würde ich sie an die Hände nehmen und sie hinausführen aus den engende» Stadtmauern, aus Staub und Gewühl und stickiger Lust--- Seht, wie die Sonne sonntäglich strahlt, wie der Sommer noch einmal seine schimmernden Schätze verschwendet, er lockt uns, er rust uns, wir wollen ihn suchen im weiten freien grünen Land, das doch schon leicht gerötet ist vom Pinsel des Herb- stes: wir gehen immer der Sonne nach, und im Schreite» fällt alles Dunkle, Dumpfe, Quälende ab von unfern Seelen, und wir atmen steier. Hell klingt der Boden unter unfern Schritten und unsere Kehlen beginnen zu singen, im fröhlichen Rhythmus des Wanderns. An Seen ziehen wir vorbei, die wie im Traum verschlafen an die Ufer plätschern und den blauen Himmel köstlich wider- spiegeln, an rotbedachten Dörfern vorbei und hohen Wiesen, auf denen gutmütig blickend« Kühe weiden, an murmelnden Büchlein und oerschwiegc- nen Wäldern, in denen Rehe leben mst braunen Märchenaugen. Ein Berg liegt vor uns, laßt uns hinaufsteigen, meine kleinen Freunde, und hin- unterschauen ins weite Land zu unfern Füßen. Da werdet ihr ins reine, ewig junge Herz der Natur schauen, ich will euch die Unendlichkeit des Himmels weisen und die unerschöpfliche Frucht- barkeit der Erde, will euch lehren, daß die Erde allen Geschöpfen gehört, daß all« Menschen Anteil an ihr haben, das Recht, sie zu beackern und dafür ihre Früchte zu ernten. Ihr sollt erkennen, daß die Erde Arbeit und Brot für alle hat, daß es in euer» Händen liegt, es gerecht zu verteilen. Die Welt ist aus den Fugen, ihr Jungen müßt sie wieder einrenken: ihr, die ihr noch den Glauben in euren Herzen, die Sehnsucht in euren Blicken tragt, ihr sollt rein und stark werden im Erkennen und Wollen, gerecht und gut. Dann werdet ihr die Schatten überwinden, die euer junges Leben mnnachten: ihr werdet vollenden, was wir auf- zubauen begonnen— so ihr rein und einig seid- Dann wird nach langer Finsternis ein Morgen heraufsteigen, wie ich ihn schaue, ein Morgen, in dessen goldener Klarheit ein neues Geschlecht er- wacht: ein Geschlecht, dos die Fesieln der Knecht- schait abgestreift hat und nicht Not noch Barbarei mehr kennt, das als eine einzige große Gesellschaft den Erdball umspannt, eine heilige Gemeinschaft. die alle Menschen umfaßt und tief im Herzen jedes einzelnen wurzelt. Dann ist der.Mensch frei, gesund und stark an Lew und Seele, und frei ist die Arbeit seiner Hände. Jeder schafft an seinem Platz freudig und stolz am Werke der Gesamtheit, und seine Arbeit ist gesegnet mit reichen Früchten. Alle wirken zusammen und füreinander in sinn- voller, vernunfterfüllter Ordnung: sie schaffen Brot und Schönheit, schaisen Licht und Freude. Die Arbeit wird zum erhabenen Lied des Lebens, und die Kunst rankt sich daraus empor in blüteichafter Frische und flicht Kränze aus Schönheit und Duft um die erhobenen Stirnen der Schaffenden. Dan» werden die wahren Sonntage geboren, Sonnentage, in unendliches Leuchten getaucht: denn es werden Feiern fein für alle. Feiern in vollendeter Harmonie. Keiner ficht abseits in Not oder Schinerz: der Mensch reicht dem Menschen die Bruderhand, aller Hände finden sich, halten sich im jubelnden, krattslrömenden Tanz um rot- lodernde Feuer des Friedens und der Liebe... „Einmal auf Stempelkarte, Fräulem!"— Ich fitze an der Kasse, bin Kassiererin, nichts weiter. Einmal l. Platz, zweimal 2. Platz, eimnal Stempelkarte, Stempelkarte, Stempelkarte....... Srippe. Erkattungs-SranKtMenk Gegen Grippe und Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten ein hervorragend bewährtes Mittel. Togal ist stark harnsäurelösend und in hohem Maße bakterientötend! Im Anfangs- stadium genommen verhindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolge! Mehr als 6lMM) Aerzte-Gutachten! Ein Versuch überzeugt. In allen Apotheken. M. 1,25. 12.6 IjÜi.« 0.40 Cbin., 74.> Arid. oce(. salic, Dis ffioilchafi des linbekarniten Erzählung/ Ton Qünlher tBirkenjeld ' E ll n t h e r Birkenfeld schild-rt in seiner Erzählung„DieBotschast desUnbekann, t e n" Das Schicksal einer zerriUicten Ehe, die durch den Rundsunloortrag eines Dichters eine seltsame Wendung erfährt. Ein Miethaus in einer jener Städte des rhcinisch.weftfälilchcn Industrierenierz, die no» dem Lärm der Fabrilcn wiedertänen. Frau Elsdcth Soelle wartet mit ihrem Sähnchen Herbert auf die Riicklchr ihres Mannes ans den Iollios- werken. Gereizt und zerschlagen kehrt Herr Soelke heim. Lein Lospoltern gegen die Frau, sein barsches Auftreten gegen den Lohn lassen erkennen, in dieser Ehe ist nicht alles so, wie es sein soll. Seim Abend. essen wird kein Wort gewechselt. Nach der Mablzeit schaltet Frau Soelke das Radio ein: der Dichter Distel liest aus seinen Gedichten vor. Fron Soelke wird seltsam gebannt' durch diese Worte, diese Stimme. Herr Soelke kann das„Geiasel" nicht an. hören. Fusammenstog von Mann und Frau. Herr Soelke zieht sich ohne Gutenachtgrug zurllck. Frau Soelke grübelt über ihre Ehe nach. Plöhltch kommt ihr der Einiall, dem Dichter Distel ihr Herz auszu. schütten. Sie schreibt ihm einen Brief und sinkt tod- müde aus» Lager.— Der Wecker rasselt am nächsten Morgen. Erschrocken säbrt Herbert aus dem Schlaf. Hört die Mutter denn nickt? Die Mutter lchläft weiter!„He, Modder! Modderkc! Komm doch hoch! Der Vadder..!" ruft der Kleine. (2. Fortsetzung.) Mit einemmal und indem die Tränen über seine Wangen rolle», bemerkt Herbert unter dem Kopfkissen die Spitze eines Briefes hervorlugen. Ohne jedes Besinnen, nur beherrscht von der tief eingewöhnten Furcht vor dem Vater, tappt der Junge in die Wohnstube und verbirgt den Brief auf dem Grunde seiner Spielkiste.„Nnnä", mummelt er dabei in der Art eines alten Mannes, „bat soll der Dadder nich kriegen, woll. Dat is fo'n Jeheimnis vom Modderke. Ech fach dir, Herbert, janz jewiß is dat so!" Nachdem er all sein« Kistchen und Hölzer sorgsam über dem Brief aufgeschichtet hat, beginnt er eindringlich im rechten Ohr zu bohren. Er denkt nach. Und gelangt zu dein Ergebnis, daß die Mutter heimlich an den Herrn Kaplan oder an den Bürgermeister geschrieben hat, damit die mal kommen und dem Vadder den Kopf zurechttücken. Und von dem vielen Schreiben ist die Mutter nun sehr müde und muß sich ordentlich ausschlafen. Der kleine Ritter der vielen Spielswnden mst der Mutter droben auf der Burg weiß sofort und genau, was er nun für sein„Prinzeßken" zu tun hat. Er geht in die Kammer und weckt den Vater, indem er ihn nicht eben sanft in den breiten Rücken pufft. Und wie der Vater schimpfend in die Küche kommt, beherrscht der Kleine tapfer das Zittern an allen Gliedern und in der Stimm« und wagt die Lüge, daß die Mutter so böses Kovstveh habe uiil) einfach wieder ins Kiffen zurückgefallen fei. Und der Vater möchte sie doch nur ja schlafen lassen. Er wolle auch ganz schnell laufen und die Milch und Wecken holen. Vielleicht könnt« der Vater derweil Feuer anlegen und den Kaffee mahlen...? Was jetzt geschieht, erschreckt den Jungen last noch mehr als vorhin des Vater» Gescheite: der Vmer, schräg von oben aus die Schlafend« blickend, sagt nur kurz und sehr gedämpft:„Schon recht. Lauf nur!" Herbert eist an seiner Spielkiste vorbei, reißt den Brief hervor, steckt ihn unter die Joppe und stürmt die Treppe hinunter. Drunten, am Ende der Straße, flitzt der Brief in den Kasten. Herbert belobt sich selbst mit drolligen Redensarten. Karl wäscht sich behutsam über dem Spültisch und verweilt dann abermals lange vor der Schlummernden. Wie bloß, wie elend sie aussieht! Vielleicht wird sie., niemals wieder aufstehn? Wie roh, wie gehässig war er zu chr gewesen! War das nun zuviel geworden für chr Herz, für chr zartes und sehr empfindsames Herz?— Mein Gott..., sie wird mir doch nicht sterben?____ Ja, was soll denn dann aus Herbert werden und aus mir?... Diese letzte Angst um Elsbeth, die den Mann dem Weinen nahebringt, läßt chn immer quälender bewußt werden, wie herzlos er zu chr seit langem schon ist—, zu ihr, die immer sanft blieb und klaglos ied« Not wie all seine schlimmen Launen erduldete—, zu ihr, die sich die Finger wund nähte und unermüdlich um chn und um chren Botze besorgt war. Und da schämt man sich nicht, wie?, chr die einzige Freude nach dem harten Tagewerk zu ver- gällen? Hatten die Gedichte chn denn gestört? I wo, er hatte ja gar nicht hingehört, hatte in seiner Zeitung gelesen.— Was ist das nur für eine teuflische Lust, mit der du diese arzn« Frau zu Tode fosterst? Wie?— Ja, eine richtige teuf- lisch« Lust ist das! Es macht dir Spaß, sie zu quälen! Ueberall sonst mußt du kuschen. Und an chr, der Unschuldigen, läßt du dann deine Wut aus! Pfui! Zum erstenmal seit Jahren hat Karl nachgedacht und zu Ende gedacht. Nun steht er mit abbitten- den Händen vor der erschöpft schlummernden Frau und nennt sie„mein Mockelchen" und fleht sie an, ihm zu oergeben— er wolle auch wieder der Karl von einst, der wstige Karl von der Bonner Straße sein... und fleht sie an, bei chm und bei chrem Boge zu blechen. Wenn Karl jetzt nicht so völlig geblendet von Angst und betäubt von Reue wäre, so müßte er erkennen, daß es ein anderes, ein verwandeltes Gesicht ist, zu dem er da niederfleht—, eine fremde weiße Blüte, die dereinst neben chm rankte und chm allein gehört«, dann aber, achtlos von chm geknickt und fortzeworien, nun schon weit auf einem unbekannten Strom von donne» treibt Der Mann jedoch wähnt, seine Herzensblume wieder in seinen Händen zu hallen wie einst in glücklichen Tagen. Dem Jungen, der keuchend mst Milchkann« und Weckenbeutel eintritt, fähr» er lobend über den OpereUenfpiegel diurstberichl der leisten Woche Die bösen Rotters sind zwar fort, chr liebstes Pflegekind jedoch die Operette, blüht und gedecht. Ja, mehr als das, es hat den Anschein, als nähme diese„Kunsfform" jenen Aufschwung, der heute allem Gestrigen gesichert ist: und der ist nicht gering. Zunächst die jüngste Großtat deutscher Bühne, im Theater des Westens zu bestaunen: „D e r P a g e d e s K ö n i g s." Dem Inhalt und der Machart nach ein Gruß aus Urgroßväter- Tagen: Versailles, Rokoko, hochgeboren« Hof- gesellschaft, Berkleidungs- und Verwechjlungs- szenen, das übliche Intrigenspiel mit gutem Ausgang— die Herren Rheinberg und Felix haben sich nicht angestrengt. Ebensowenig übrigens der Komponist, ein schlichter Man» des Schlager- Handwerks, G o e tz e ist fein Name. Di« Auffüh- rung hat M o f f e e inszeniert, sauber und gut inszeniert. Karl I ö k e n fingt, Edtth Scholl- wer sieht gut aus: Olly Gebauer, der lustige Teil des lustigen Paares(ihr Partner Hallay ist ein Trauerspiel) gibt sich als hemmungslose Barsony-Perehrerin zu erkennen, fft aber nicht unbegabt-,»nd hat den vorläufig noch unbe- herrschten Theaterteufel im Leib. Der Komischen Oper wollen wir es hock) anrechnen, daß sie ein musikalisches Lustspiel zeigt, in dem nicht eine einzige Herzogin zu sehen ist, nicht eimnal«in Fürst, sondern ganz schlichte Leute, so wie du und ich...„M e i n F r i s e u r" heißt es, der Theaterzettel behauptet, es sei von Rudolf Lothar: wer kann das wissen, wer wird das aber auch alle» so genau nehmen. Es ist ganz nett, ein bißchen langwellig am Ansang, dann plätschert es munter so fort: ein Waffer- wellenspezialist(Max Schipper mimt ihn unoriginell, aber charmant) wird von einem Bühnenautor in üble Verw:cklung«n gebracht, eine Gerichtsverhandlung klärt alles auf. Liedertexte und Musik von Marbvt und Reizfeld: prima Konfektionswar«, nicht mehr, aber auch nicht weniger: von der Ausführung gill das gleiche. Im Metropol-Theater ist jetzt die Hesterberg„Eine Frau, die weiß. was sie will"— und wenn dem schwer ringenden Schauspielerkollektio das Ausl'eilen der Aufführung auch nicht ganz glückt, wenn selbst die Hesterberg die Massary nicht vergessen machen kann, es ist schon zu Lergleichszwecken sehr gut. daß diese beste, gcschmack- und gehaltvollste Ope- rette der Saison nicht in der Versenkung ver- schwindet, aus der soviel unmögliches Zeug auf- taucht. Zum Schluß ein Operettenfilm, eine Film- operette, im Marmorhaus zu sehen .L e i n en Tag o h n dich" mit Lee Parry und Oskar Karlweiß. Eine sehr moralische, schleierumwehte, myrtenumdustete Liebeegeschichte zwischen einem liebreizenden Nähmaschinen- mädchen und einem überaus wackeren Schorn- steiirfeger. Eine jener dummdreisten und verlogs- nen Apotheosen des kleinen Mannes, die die Filmproduzenten am Ende gar für sozial halten. Nicht gut gemacht: Gott sei Dank! sagt man tn solchem Fall. In allen Fällen aber ist e» gar nicht so interessant, was da auf der Bühne vorgeht: das aufregend Seltsame, das Märchenhafte ist das Publikum, das sich aufrichtig und Hinoegeben freut. Ein Publikum, das gierig nach falschen Ideologien und stolz aus seine falschen Propheten ist, nur um die Wahrheit dieser Zeit sich nicht in die Ohren gellen zu lassen. w. Scheitel:„Woll, bist mein braver Botze!" Herbert bestaunt den Vater wie«in Fabeltier Und wenn dieser sonst so böse Vadder beim Fortgehen sagt, daß man ja nicht vergessen soll, der Mutter zu bestellen, daß sie heute abend einen Bund Mai- glöckchen bekommt: nein, da kann man woh! nur noch den Kopf schütteln und greisenhast„Nänä" murmeln. Elsbeth wird vom Erschrecken wie von Fieber- schauern geschüttell, da sie am frühen Mittag er- wacht und., den Vries vergeblich sucht. Sie kann ja nichts anderes vermuten, als daß Karl ihn gesunden hat. Nun ist sie in seiner Gewalt, nun hat sie ihn ein für allemal ins Recht gesetzt, nun darf er mit ihr nach Belieben oersahren! Herbertchen kommt zu ihrem Bett und redet und lobt sich sehr. Und zuletzt muß er schreien. Dann endlich oersteht die Mutter, daß der Brief längst im Kasten liegt und nun schon auf dem Weg« zur Rundfunkgesellschasr ist. die chn wetter- leiten soll an den Dichter Distel. Die Muller streichell und küßt chren Botze. Und natürlich soll er noch heut« die längst versprochene Schreckschußpislole bekommen. Herbertchen tanzt aus der Küche wie ein triumphierender Indianer. Jetzt sollen die Trapper noch einmal wagen, chn beim„Goldsuchen" m der„Sandkaul" zu über- fallen! Die Frau setzt sich über chre Näherei und wird immer nachdenklicher. War es nun gut getan. daß der Brief wirklich an den Dichter abgeschickt wurde? Sie selbst hätte es heute, in der Nüchtern- heit des hellen Tages, nicht mehr über sich oer- macht. Geschämt hätte sie sich, arg geschämt. Und nachträglich überkommt sie jetzt ein Gefühl, als hätte sie sich nackend gezeigt vor diesem Unbekann- ten.— Aber nun ist der Brief fort. Herbertchen hat ihn einfach eingesteckt. Die Frau muß an ein alles Wort denken:„Kindeshand führt Gottes- Hand." Sie nickt und lächelt ergeben. Und geht nieder in die Stadt zu chrem geliebten Bich« „Maria hat geholfen". Die Perlen des Rosenkranzes glellen durch ihre Finger, als wären sie Blüten—, die vielen, keusch getönten und mild duftenden Maiblüten rings- umher. Elsbeth bittet um Vergebung für Karl und blltet auch darum, daß nichts unrein gewesen sein möge bei chrem Geständnis an den fremden Mann. Die Madonna scheint freundlich die Stirn zu neigen. Auf dem Heimweg« kaust Elsbeth die Pistole und Knallpsropsen. Wie sie zu Hause ankommt, ist Karl schon da. Er ist brummelig und wortkarg wie stets. Und auf Herbertchens Wang« sind schon wieder rote Streisen zu sehen. Das alles kennt man ja gm und lang«—, man muß schon dankbar sein, wenn Karl nicht losbrüllt und mit der Faust auf den Tisch schlägt. Aber das tM er heute nicht. Nein, eher schon ist chm eine Unruhe, ja, eine Verlegenheit anzumerken Immer wieder lugt er im Schutze der Zeitung in das stille Antlitz seiner Frau—, manchmal scheint es auch so. als ob er etwas sagen möchte. Dann aber verschärsen die Falten über der Nasenwurzel sich wieder und die Augen kehren zur Zeitung zurück. Herbert wird aus dem Vater schon gar nicht mehr klug Nun gewiß, er hatte zwar völlig oer- gessen. der Mutter das mll den Maiglöckchen zu bestellen. Das war dumm von ihm gewesen und' rechtfertigte vielleicht die Ohrfeig«. Aber deshalb brauchte der Vater die Blumen doch nicht gleich in die Spülung zu werfen? Die armen, schönen Maiglöckchen! Wie sehr hätten sie die Mutter erfreut! Und weshalb ist der Dater jetzt gar nicht mehr so freundlich wie am Morgen? Ja, Herbertchen ist eben doch noch ein Kind. Er weiß nicht, daß der Vater im Werk wieder Verdruß gehabt hat, daß er wieder einmal elwas stillschweigend einstecken mußte Hinzu kam der Aerger über die Vergeßlichkeit des Jungen. Man wollte so recht schnell aus Elsbeth zugehen und ihr die Blumen mit einem Kuß in die Hand drücken. Aber nun war Elsbeth nicht dagewesen. Jetzt mußte mit Geduld und in einem günstigen Augenblick versucht werden, was der Schwung der Ueberraschung sogleich und ohne jede Hemmung erreicht hätte. Dergleichen ist quälend, besonders für einen Mann, der verarbeitet aus der acht- stündigen Strapaze eines Walzwerks kommt und der weder über die taktische Findigkeit, noch über die leichte Red« und üb?r die spieierhafte Aus- dauer verfügt, die dem geistigen Menschen in der gleichen Lage so bedeutende Hilse leisten. An diesem Abend bringt Karl kein Wort mehr hervor. Der Aerger über sich selbst wie über die andern wandelt sich zum Gesühl der Beschämung, der Unterlegenheit. Zuletzt tröstet er sich mit jener trügerischen Hoffnung aus den nächsten Tag, von der man heute schon im Innern weiß, daß man auch morgen und niemals das lösend« Wort finden wird. Elsbeth nimmt es ohne Derwunderunz hin, daß Karl den Lautsprecher duldet und ihr zum AI!« Ardsi««» und Angestellte haben das Recht auf Befreiung von der Hilglledschaft bei einer Pflichtkranhenkasse(|S17RVO.) durch Übertritt zur Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich (Lichterfelder Ersatzkasse<ür sämtliche Berutszweige V. a. G.) Auskunft und Prospekte kosterlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung; Berlin N 24, Oranienburger StraQe 67 Nachtgruß die Hand auf die Schulter legt. Nach allem, was zwischen ihnen gewesen ist, fann sie feine Duldsamkeit nur dahin deuten. daß auch er Des zermürbenden Zantens müde geworden ist und seinen lieben Frieden haben will. Nun gut. Man wird nebeneinander dahinleben, frember und beziehungsloser noch als etwa zwei Bäume, zwischen denen es Verständigungen und Gemeinfamteiten geben mag, von denen nur wir stumpf: finnigen Menschen nichts ahnen. ( Fortsetzung folgt.) Krach in der Akademie Ein in der Geschichte sämtlicher Akademien der Welt unerhörter Borfall hat sich in der preußischen Akademie der Künfte am 15. Februar ereignet. Der Kommissar für das preußische Kultusministerium, Rust, hatte vom Präsidenten der Akademie, May von Schillings, den Hinaus murf von Heinrich Mann, dem Vorsitzenden der Abteilung für Dichtkunst, verlangt und mit der Aufhebung der Dichterabteilung gedroht, falls Mann nicht ginge. Heinrich Mann wurde zur Last gelegt, daß er zur Bildung einer einheitlichen Front der SPD. und KPD. aufgefordert habe, ,, Damit man nicht in Barbarei versinke", als Mitunterzeichner eines öffentlichen Aufrufes. In der Dom Präsidenten schleunigst einberufenen, aber nur von wenigen besuchten Mitgliederversammhung der Akademie, erklärte sich Heinrich Mann freiwillig bereit, sein Amt niederzulegen und auszuscheiden, um das Bestehen des Ganzen nicht zu gefährden. Räte Rollwig und Stadtrat Martin Ma agner erklärten aus Solidarität mit Heinrich Mann ihren Austritt aus der Akademie. Inzwischen hat auch die Dichterfettion der Akademie getagt. Wie verlautet, murde einstimmig eine Erklärung an den Präsidenten der Akademie angenommen, in der Heinrich Mann ein herzlicher Dant ausgesprochen wird. Da sowohl die Sigung der Gesamtakademie, wie die der Dichtersektion für vertraulich erklärt wurde, find Details bisher nicht an die Deffentlichkeit gedrungen. Die Geschichte wird eines Tages die genauen Umstände erfahren und ihr Urteil sprechen. Ein Wohltäter der Menschheit ist mit Bat Sullivan in New York gestorben. Er hat Millionen aufs glänzendſte unterhalten und viele Leute wieder das Lachen gelehrt. Er hat den Film um ein großes Gebiet bereichert: er war der Erfinder von Felig, dem Kater" Der Zeichen tridfilm ist von ihm mit ungeheuer populären neuen Inpan bedacht worden. Sullivan hat Busch fozusagen ins Filmische übersezt; aber obwohl er Don Haus aus Raritaturenzeichner war, unterscheidet er sich von Busch dadurch, daß die bei jenem vorherrschende Schadenfreude hier ins Heitere gewendet ist. Aus Felig dem Kater sind inzwischen Micky Maus und andere kurioje Gefchöpfe geworden, technische Wesen von höchster Lebendigkeit. Aber Sullivan ist noch von keinem übertroffen worden. Prof. Carl C. Correns gestorben. Am Dienstag ist Prof. Carl Correns, der bekannte Wiederentdecker der Mendelschen Regeln, in Dahlem gestorben. Correns war seit 1914 Direttor des Instituts für Biologie in Dahlem. Er hat sich vor allem um die Entwicklungsgeschichte der Bflanzen und um die Geschlechtsbestimmung der Tiere und Pflanzen wissenschaftliche Berdienste erworben. Im Jahre 1900 brachte Correns die in Bergessenheit geratenen Mendelschen Regeln“ wieder zu Ehren. Wenn man erst seit 1900 Don einer modernen Bererbungslehre sprechen fann, so ist dies nicht zuletzt der Arbeit des Verstorbenen zu danken. " Das neue Volksbühnenstück Elisabeth Castonier: ,, Die Sardinenfischer Du treuzest im Mittelmeer, und schon stehen Natur und Mensch im Zeichen des südlichen Kreuzes. Die Riesenschwärme der Delphine um springen das Schiff. Sie sind malerische Schaustücke für die Reisenden, und die Dampfermannschaften, die alle einmal auf dem Segler lernten, erzählen, wie sie sich früher ihre Delphinenbarpi. nen schmiedeten und schärften. Gludsen die Wellen nur um die Planten, dann läßt es sich bei Ortangeschichten angenehm gruseln. Und dann die Nacht auf Deck oder gar auf der Kapitänsbrücke! Sterne und Sterne. Am Firmament und auf den Streckenbojen orientiert sich das Auge und Ahschiednehmen, um in die Koje zu friechen, wird dem phantastisch aufgeregten Passagier schwer. Längs der Küste dann, sobald die Strandberge Form gewinnen. Motorfischfutter oder Barten mit bunt geflicten Segeln. Leute im Delzeuç, die arm und geduldig und mutig sind, viele Jungen und Alten, die alljährlich für die See aufgeopfert werden, suchen die„ Früchte des Meeres". Es ist ein hartes Suchen, das wenig Geld bringt und zahlreiche Gefahren. Ueberall an den Ufern wohnen die Witwen. mohnen die Fischpaderinnen, die schon von Kind. heit an ihr händeermüdendes und händezerfreffendes Handwerk beginnen. Ihnen bleibt taum Zeit, damit sie diese überschwänglich gute und ebenso überschwänglich böse Natur in Ruhe ge= nießen. So geschieht es heute immer noch, und so geschieht es auch in diesem Stück. Heute tommt, wie sie immer fam, zur schlechten Laune der Naturgewalten noch die Ausbeuterschlechtigkeit des Unternehmens. Der Mann auf der See, und das Weib in dem Strandbetriebe, sie werden bis zu.n äußersten strapeziert, damit sie die Brieftasche des Unternehmers füllen. Ob Viktor Hugo, ob Hamsun, ob Ibanez diese Meeresmelt beschreiben, sie ist stets die nämliche. und sie ist auch heute noch unverändert. Siehe dieses neueste Fischerdrama, das Wert einer jun= gen Frau, die sich mit Herz und Phantasie in ihr Thema hineinlebt, allerdings nicht mit dem durchfeelten Gemüt, sondern mit einer literarisch- spielerischen und folportagehaft angetränkelten Neue gierde. Da entsteht denn ein naturalistisches Halbgebilde, ein mehr ausgeflügeltes als gestaltetes Trauerspiel. Vorstadtdramatit angewandt auf Fischerdorf, das ist der Erfolg, also Effekt von außen her. Der Unternehmer, der Fischertyrann, der zu Spottpreisen den Fang an sich bringt, um ihn zu Haussepreisen zu verhandeln, nimmt außerdem noch allen seinen Baderinnen, sobald sie fünfzehn Jahre sind, die Unschuld. Das Kind, das er ver. schuldet, lebt oder stirbt, und die flagenden Mädchen wagen nicht, sich dem Brotgeber zu wider setzen. Auch die Fischereltern wagen es nicht. weil sie nicht verhungern wollen. Das ginge so bis in die Ewigkeit, wäre nicht die Fischpackerin Angele. Sie ist auch eine der Geschändeten. Sie schwört in der Stunde, da fie unter faltem Himmel, ohne Pflege und Schuh ihr Kind, sein Kind, gebiert und sofort sterben fieht, Rache an dem Quälgeist und Verführer. Es ist eine beispiellose Rache. Durch ihre Güte und Reinheit gewinnt Angele einen edlen und reichen Greis. Sie beerbt ihn. Mit dem Vermögen will sie die Erlöserin ihrer erniedrigten Kamera= dinnen sein. Als sie heimkehrt, muß sie erfahren, daß auch ihre Schwester von dem Herrn" Der= gemaltigt wurde. Der Racheplan verwandelt sich in Mordwut. Sie erschlägt den Herrn. Aus der Hütte des stillen und bescheidenen Jugendfreundes, der sie verhimmelt, wird Angele ins Gefängnis geholt. Es ist rührend, aber auch rührend ungeschickt und dann wieder zu grell und aufgepugt. was da an Schicksalsschreden aufgeboten wird. Trogdeni ein interessanter Anfang und ein interessanter Abend, meil Luise Rainer, ein echtes, junges Theaterblut, die große Tragödinnenrolle eines fleinen, elenden Mädchens aus dem starken Talent und inneren Beteiligtsein spielt. Sogar die Urtöne der ratlosen und gedehmütigten Kindbette= rin gelingen ihr, und sie bleibt dabei so jungfräulich und teusch, daß die Dramatiferin glauben förunte, viel mehr als eine Theaterfigur geschaffen zu haben. Das ist nun selbst der Fall, wie auch die Nebenrollen beweisen Unter der Regie Rudolf 3indlers, der bisher nur Oper infzenierte, spielen Rarchow den Bösewicht, Manfred Thau ten schlichten, im schauspieleriden Ton allerdings nicht sicheren Anbeter Angeles, Paul Bienfeld ergöglich und antlagend einen proletarischen Säufer und Humoristen, Heinrich Mar low den gutmütigen, die Tugend belohnenden Erblasser, Lotte Stein eine Stellenvermittlerin, die ein Warenlager von weiblichen Dienstsklaven feilhält. Die Dichterin war sehr froh, daß sie so talentvoll unterstützt und so freundlich ermuntert wurde. Max Hochdorf. Die Filme der Woche Bon den Filmoperetten und Filmschwänken, die in jeder Woche herauskommen, abgesehen, bot die ,, vorwärts" lose Zeit nur zwei Filme von Interesse: Die Insel der Dämonen"( Ua- Bavillon) beruht auf einer Eppedition des Herrn von Blessen, Historische Miniaturen Die vier Rüsse Goethes. Bor 100 Jahren erhielt der Komponist Feliz Mendelssohn- Bartholby, 24jährig, den Titel ,, Musikdirektor". In Weimar war ein großes Ereignis: Aus Leipzig kam ein moderner Konzertflügel an. Die ganze musikalische Gesellschaft, die sich um Goethe sammelte, geriet in Bewegung. Hofrat Rochlin, ein langbewährter Freund Goethes, hatte den Flügel in Leipzig selbst geprüft und seine neuartige Mechanit bewundernswert gefunden. Nun war er da, der ehe Streicherische Flügel. Und wie es manchmal geht, faum war das neue Instrument eingetroffen, da fand sich auch gleich eine Gelegenheit. diese Neuerung in besonderer Weise auszuwerten. Der Tondichter Zelter, der im House des großen Wortdichters von Weimar aus und einging, brachte zu einem der regelmäßigen Musilabende seinen 3ögling, den zwölfjährigen Felig Mendelssohn- Bartholdy mit und stellte ihn dem greisen Olympier vor. Nachdem Kapellmeister Hummel sich hatte hören lassen, bat Belter auch für seinen Schüler um Aufmerksamkeit. Der schmale, hochstirnige Junge, dessen Kopf Knabenloden umspielten, setzte sich unbefangen an den Flügel und entlockte dem neuartigen Instrument Wunder der Klangfülle und Tonschönheit. Er war so in sein Spiel vertieft, daß er bei dem Dr. Dalsheim die Regie besorgt hat. Die Insel Bali hat uns schon wiederholt durch die Schönheit ihrer Menschen dos Idyll ihres Lebens und die Bracht ihrer Landschaft entzückt. Diesmal ermöglicht es eine durchgeführte Handlung: die Furcht vor einer Here, die Beschwörung einer Sonnenfinsternis, die Befreiung von den Dämonen und die Dantesprozession, andere Seiten aus den Sitten und Gebräuchen der Balinesen vorzuführen. Natürlich gibt es mirber Hahnenkämpfe und eine anmutige Liebesgeschichte. Daß die Balinesen sich der folonialen Ausbeutung wie der heimischen Unterdrückung erfreuen, erfahren wir faum. Ach, Idyllen gibt es nirgends mehr in der Welt, Multatuli hat uns ganz andere Seiten der Rolonialherrschaft fennen gelehrt! Trozdem freut man sich der zierlichen, schönen Mädchen, die einen fo geschmeidigen und stolzen Gong baben, der herr. lichen Tänze und der festlichen Aufzüge, die soviel Rhythmus und soviel angeborenen Kunstsinn aufmeisen. Im Mozart Saal wurde uns der neueste amerikanische Riesenausstattungsfilm von Cecil de Mille vorgeführt. Dieser Film ist von der felben Art wie„ Die zehn Gebote" und„ Der König der Könige" desselben Regisseurs. Hollywood hat hier alle seine Künste losgelassen, ein Massenaufgebot von Menschen Tieren. eine ungeheure Arena mit Tausenden von Zuschauern soll uns altrömisches Leben vorzaubern, Kai'er Nero hat eben die Stadt Rom in Brand gestedt, er weiß die Schuld auf die Christen zu lenten, und nun wird der römischen Verderbnis und Lasterhaftigkeit die Reinheit und Opfertreue der Christen gegens übergestellt. Dort das Bad der faiserlichen Groß* hure Poppaea, hier die Andacht der Chriften, dort die schwelgerische Orgie, hier der Gesang der zum Opfertod schreitenden Christengemeinde. Die Handlung steht die Befehrung eines faiserlichen Präfetten durch eine junge Christin vor und bietet mancherlei Unwahrscheinliches und Süß iches. Ob die Autoren des Filmes der Lasterhaftigkeit der höheren Schichten in Amerika die in manchem mit der altrömischen wetteifern tann, einen Spiegel haben vorhalten wollen? Oder suchten sie gleichzeitig mit dem Laster zu reizen und der frommen Tugend zu schmeicheln? r. nicht die bewundernden Blide Adele Schopenhauers, nicht die atemlose Spannung der Gräfin Julie Egloffstein und aller der anderen bemerkte und aufs höchste erstaunt mar, als ihn plößlich in einer Spielpause ein fräftiger Arm umfaßte und ein Mund sich auf den seinen drückte. Goethe stand leuchtenden Auges vor dem Jungen. Welch unglaubliches Talent!" rief er begeistert, löfte seine Hand, umarmte auch Freund Zelter und beglüdmünschte ihn zu diesem Schüler, dessen Begabung man ohne den neuen Flügel faum genügend er fannt hätte. ,, Die neue Jugend, die noch uns fommt, wie sie das Neue meistert!" sagte Goethe finnend. Bas münscht sie noch von uns Alten?" Der junge Künstler lächelte befcheiden. Den Kuß der Begradung an jedem Tag, den Gott werden läßt, münschen wir uns von den Alten", erwiderte er. Goethe nickte ihm freundlich zu. Und der zwölfjährige Felir berichtete bald darauf an seine Eltern Jeden Morgen erhalte ich vom Autor des ,, Faust" und des Werther" einen Auß. und jeden Nachmittag vom Bater und Freund Goethe zwei Küsse." " Schon turze Reit später rückte der Schüler, der sich von den Alten den Kuß der Begnadung er* beten hatte, mit seinen Werten unter die unsterb lichen Meister auf. Meher. Oberbürgermeister Dr. Sahm sagte in seiner Eröffnungsrede zur Berliner Automobil- Ausstellung 1933: ,, In 4-5 Jahren den großstädtischen Straßenbau auf eine grundsätzlich neue Straßendecke umzustellen und diese Straßendecke dazu noch wirtschaftlich und konkurrenzfähig zu machen, das ist immerhin eine Leistung, die nicht leicht zu vollbringen ist.' Die Beseitigung des Rutschasphalts wird also noch Jahre dauern! Sofort sicheres Fahren gibt ,, Conti- T Der ,, Conti- T"( Continental- Taxireifen) hat infolge besonderer Zusammensetzung seines Laufflächen- Gummis eine bisher nicht für möglich gehaltene Standsicherheit auf dem gefürchteten Rutschasphalt unserer Großstädte. Und diese Standsicherheit behält der Conti- T" bis zum letzten Millimeter seiner Lauffläche. Continental immer und überall bewährt! Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands Sitz Berlin ist die wirtschaftliche und soziale Interessenvertretung der EisenbahnArbeiter,-Angestellten und- Beamten bei der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft und ihren Nebenbetrieben. Der Verband vertritt die Interessen der Arbeiter als Kontrahent am Lohntarifvertrag und nimmt Anteil an der Gestaltung der Dienst- und Besoldungsverhältnisse der Beamten. EINIGKEIT ist das Gebot der Stunde Arbeiterrechte sind in Gefahr Wer sie verteidigen willhinein in den Deutschen Metallarbeiter- Verband! Den Mitgliedern gewährt der Verband: O Streik- u. Gemaßregelten- Unterstützung, Erwerbslosen Unterstützung, Todesfall Unterstützung, Rechtsschutz und Vertretung vor den Arbeitsgerichten. Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands umfaßt in 21 Bezirken und 899 Ortsgruppen rund 200 000 aktive Eisenbahner( Arbeiter, Angestellte und Beamte). Er ist dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund sowie international der Internationalen Transportarbeiter- Föderation an geschlossen. BANK UND SPARKASSE EER bom Deutscher Freidenker- Verband Sitz Berlin Gegründet 1905 BANK UND SPARKASSE 199 Wer zu den Zielen des Sozialismus hinstrebt, muß Freidenker sein! 9 BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN wa UND BEAMTEN,& BERLIN SW19 MARKISCHES UFER 32 WALLSTRASSE 62, 65 DEPOSITENKASSE: BERLIN SW 68, LINDENSTRASSE 3 Wer für die Freiheit kämpft, muß unser Mitglied werden. Jede Auskunft( auch über die mit der Mitgliedschaft verbundene Bestattungsversicherung) erteilen im Freidenker- Haus Hauptverwaltung und Bezirksgeschäftsstelle Groß- Berlin Berlin SW 29, Gneisenaustr. 41 Telefon. Baerwald F 6 5311 FILIALEN U. ZAHLSTELLEN IN ALLEN STADTEN 157 landswed led bou 19mm Der unverbindliche Besuch eines Funktionärs kann jederzeit angefordert werden. Berliner Tragikomödie- ac Stadtgemeindeausschuß soll heute ,, kontrollieren"- Eine verzwickte Situation Heute nachmittag tritt der Stadtgemeindeausschuß wieder zu einer Sigung zusammen zum ersten Male seit der Auflösung der Stadtverordaetenversammlung. Die Vorgeschichte dieser Sigung ist interessant genug und zeigt die ,, Konsequenz" der neuesten Staatsführung und der sie stützenden Parteien im hellsten Licht. Die Gemeindevertretungen wurden bekanntlich aufgelöst, weil ihre Zusammensetzung ,, nicht mehr dem Willen der Wählerschaft entspräche". Und zwar so Hals über Kopf, daß sie nicht einmal auch nur noch eine einzige Sigung abhalten durften, um etwa eine besonders eilige Vorlage zu erledigen. Doch kaum war die Auflösungsorder heraus. da entdeckte man, daß ja nun der angeblich ,, rote" Magistrat in Berlin ohne jede parlamentarische Kontrolle arbeiten könne. 3mei ganze Monate lang! Ein Gedanke, gar nicht auszudenken! Doch da war ja noch der Stadtgemeindeausschuß. Der war nicht aufgelöst. Der durfte nicht aufgelöst sein. Er hatte zwar bisher immer so ein bißchen als Stieftind in der Ecke gestanden und war durchaus nicht das geworden, was sich die Schöpfer der Novelle zum Gesez Groß- Berlin unter ihm vorgestellt hatten. Aber er wurde nun auf einmal mit lärmender Begeisterung hervorgeholt und als Rettungsengel ausstaffiert. Böswillige Zungen behaupteten zwar, er sei bei der Hezjagd der Auflösungsorder einfach vergessen worden, Wohlmeinendere sahen jetzt in der Nichtnennung einen Aft besonderer ministe= rieller Weisheit. Kurzum: nach einem energischen Trommelfeuer der Regierungspresse verfündete ein Ministerialerlaß feierlich, daß der Stadtgemeindeausschuß nicht als aufgelöst zu betrachten sei. Die Komik der Situation liegt nun in folgendem. Der nach Ansicht der Regierungsparteien zur Kontrolle des roten" Magistrats notwendige und unentbehrliche Stadtgemeindeaus schuß ist natürlich parteimäßig ganz genauso zusammengesetzt wie die aufgelöste Stadtverordnetenversammlung, entspricht also dem Willen der Wählerschaft genau so wenig oder genau so gut mie sie. Man hätte also denselben Effekt erreicht, wenn man die Stadtverordnetenversammlung hätte fortbestehen lassen! Ja, man hätte ihn weit besser erreicht, weil die Stadtverordnetenversammlung die Kontrolle in voller Deffentlichkeit ausüben könnte, während der Stadtgemeindeausschuß bekanntlich hinter verschlossenen Türen tagt und die Kontrolle nur über einen kleinen Aus= schuß. Alle drei überdies Anfragen die die Regierungsparteien zu unrecht an den Magistrat richten, die sie mit viel größerem Recht und mit viel größerem Nachdruck an ihre Regierungen im Reich und in Preußen richten sollten. Gie lauten mit dieser leisen Korrektur etwa so: 1. Wie denkt die Reichsregierung dem bisher unaufgehaltenen fortgesezten Anwachsen der fehlenden Deckungsmittel und damit der schwe= benden Schulden der deutschen Städte entgegenzutreten? 2. Welche Schritte hat die Reichsregierung getan, um das soſchnitt der Verwaltung hat, zu dem gerade die Das jünge Berliner Proletariat wichtigsten Gebiete wie die Haushaltswirtschaft, die Verfügung über städtisches Vermögen u. a. nicht gehören. Aber diese Gebiete können ihm übertragen werden. Und diese Möglichkeit macht die ganze Situation noch viel wiziger als demonstriert am Donnerstag, dem 23. Februar in der öffentlichen Kundgebung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlin sie ohnedies schon ist Denn wenn die Regierungs- gegen Militarismus und parteien diese Uebertragung jetzt vom Oberpräsidenten verlangen, so vergrößern sie damit die Machtbefugnisse einer Körperschaft, deren politische Zusammensetzung nach ihrer Behauptung so falsch ist, daß sie eigentlich überhaupt nicht mehr tagen dürfte. Drastischer kann die Sinnwidrigkeit dieser Art von Politik" wirklich nicht demonstriert werden! " Daß die Regierungsparteien auch vor dieser legten Konsequenz des Widerfinns nicht zurüdschrecken, beweisen die drei deutschnationalen Anfragen, die für die heutige Sigung angekündigt sind. Sie betreffen die Haushaltswirtschaft, das Arbeitsbeschaffungsprogramm und die Bezirksamtswahlen drei Punkte also, für die die Stadtverordnetenversammlung zuständig wäre, aber nicht der StadtgemeindeausDortmunder Mordfalle Zwei Raubmorde aufgeklärt, Täter verhaftet Der Dortmunder Kriminalpolizei ist es in Jujammenarbeit mit der zentralen Mordkommission in Effen jetzt gelungen, Licht in die Ermordung dreier Personen zu bringen, die fast in gleicher Weise in eine Falle gelodt, beraubt und dann ermordet wurden. Durch die Verhaftung des Kraftwagenführers Pieper fam man auf die Spur einiger Mittäter, die bei der Ermordung des Holzgroß händlers Narowski die Hand im Spiele hatten Pieper hatte gestanden, daß er den Holzgroßhändler, nachdem dieser unter Vorspiegelung eines großen Holzkaufes in ein Auto gelockt worden war, an einer verabredeten Stelle dem ehe= maligen Kutscher Schulte aus Dortmund ausgeliefert hatte. Schulte hatte auf das Auto Piepers, das den Holzhändler mitbringen sollte, an einer bestimmten Stelle in der Umgebung von Dortmund gewartet. Als der Wagen ankam, täuschte Pieper Benzinmangel vor und hielt an. Darauf trat Schulte mit vorgehaltenem Revolver aus seinem Versted hervor, markierte einen Ueberfall und raubte dem Holzhändler Geld und Wertsachen. Dann stieg Schulte zusammen mit Pieper und einem dritten Mann, Scheer, wieder in den Wagen, in den auch der gefesselte Narowski mit hineingenommen wurde, und man fuhr planlos in der weiteren Umgebung Dortmunds umher. Abends um 10 Uhr hielten sie in Holzwickede in einem kleinen Wäldchen. Hier wurde der Holzhändler aus dem Wagen geholt, an einen Baum gebunden und durch Schulte be= wacht. Inzwischen fuhren die beiden anderen Komplicen zu dem Büro des Holzhändlers, stahlen dort mit Hilfe der in den Taschen des Ueberfallenen gefundenen Schlüssel aus dem Geldschrank mehrere Scheckbücher und kehrten zu dem Ge= fesselten zurück Diesem wurden dann die Fesseln an den Händen gelöst, und er mußte meh= Bei dem Verhör Piepers verriet dieser seine Helfer. Scheer war gleichzeitig mit Pieper ver= haftet worden, während Schulte noch nicht gefaßt werden konnte. Die Kriminalpolizei stellte dann im Laufe des Verhörs fest, daß Scheer bei 3 wei anderen Morden der Mittäterschaft verdächtig ist. Scheer ließ in den Zeitungen Anzeigen erscheinen, in denen ausange= stellte gesucht oder eine Seirat angeboten wurde.. Die sich darauf meldenden Frauen wurden zu einem Vorortbahnhof Dortmunds bestellt und von Scheer in Empfang genommen. Er führte die Frauen dann stundenlang in die Irre bis zu einer Stelle, die er mit Schulte verabredet hatte. An diesem Treffpunkt übernahm nun Schulte die weitere Behandlung der Opfer. Mit der Frau Schur aus Hagen ging Schulte zu einer einsamen Stelle und schlug ihr von hinten mit einem kleinen Beil den Schädel ein. Die Leiche ver= scharrte er dann, nachdem er sie ihrer Wertsachen beraubt hatte. Einige andere Frauen, die auch nach Dortmung gelockt worden waren, entgingen diesem Schicksal nur dadurch, daß sie einen zu ärmlichen Eindruck machten. Die Kriminalpolizei verfolgt weitere Fälle, die mit den Mördern in Verbindung ge= bracht werden könnten und die bisher noch ihrer Aufklärung harren. Der flüchtige Mörder Schulte, der Hauptschuldige bei den drei Dortmunder Mordtaten, fonnte, nach einer späteren Meldung, am Mitt= wochnachmittag in Gronau in Westfalen festgenommen werden. Er war auf Grund der von der Presse veröffentlichten Bilder erkannt worden. rere Schecks unterschreiben. Bieper und Berlins Arbeitsprogramm Scheer entfernten sich dann, während Schulte dem Holzhändler ein Taschentuch übers Gesicht warf, damit er angeblich nicht schreien und nicht sehen fonnte, wohin sich die Täter entfernten. Dann aber legte Schulte dem Holzhändler noch einen Strid um den Hals und erdroffelte ihn. Später wurde der Tote dann in eine in der Nähe befindliche Grube geworfen und mit Zweigen zugedeckt. Dadurch, daß ein Gärtner das Auto in der Morgenfrühe beobachtet und sich die Nummer gemerft hatte, ist dann die Kriminalpolizei auf die Spur der Verbrecher gekommen. Gereke hat das Wort Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Stadt Berlin, das vor einiger Zeit dem Oberpräsidium zugeleitet worden war, ist jetzt an den Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. Ge= rete weitergeleitet worden, um eine Beschleuni gung in der für die Stadt Berlin so wichtigen Angelegenheit zu erreichen. Die endgültige Entscheidung für die Finanzierung des Berliner Arbeitsbeschaffungspro= Arbeitsdienstpflicht 19% Uhr. im Orpheum", Hasenheide Ecke Gräfestraße- Redner: Dr. Otto Friedländer genannte Arbeitsbeschaffungsprogramm trotz des von der Regierung geschaffenen endlosen Instanzenzuges wenigstens einigermaßen zu be= schleunigen? 3. Wie gedenken die Preußenkommissare den durch ihr Hin und Her sowie durch die übereilt. Auflösung der Bezirksversammlungen geschaffenen Wirrwarr in den Bezirken menigstens einigermaßen abzumildern? Die Situation ist so blamabel für die Regie rungsparteien, wie man sie sich jetzt ein paar Tage vor den Wahlen nur wünschen kann. Wie schade, daß darüber nicht öffentlich verhandelt wird! gramms liegt ausschließlich in den Händen des Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung, der die Ergebnisse der heutigen Verhandlung zur Grundlage seiner Beschlüsse machen wird. In Kreisen der Stadtverwaltung rechnet man damit, daß die Entscheidung des Reichskommissars schon in ganz furzer Zeit fallen wird, so daß der Stadt Berlin damit die Möglichkeit gegeben werden wird, noch bei Beginn- wärmeren Wetters die geplanten Arbeiten in Angriff zu nehmen. Es handelt sich hauptsächlich um den Ausbau wichtiger Ausfallstraßen nach der Provinz und um Neuerungen im Betrieb der BVG. Braunes Mahlsdorf In Mahlsdorf, das seit längerer Zeit unter dem Terror von SA.- Trupps zu leiden hat, ist es am Dienstagabend wieder zu einem gefähr lichen Feuerüberfall auf Reichsbannerleute ge kommen. Als zwei Reichsbannerleute abends gegen 11 Uhr von ihrem Gruppenabend durch die Hönower Straße nach Hause gingen, wurden sie plötzlich von SA.- Leuten, die aus dem Lokal Zum Strammen Hund" stürzten, überfallen. Auf ihre Rufe eilten den Ueberfallenen mehrere Kameraden zu Hilfe. Darauf setzte ein wahrer Kugelregen aus der S.- Kneipe ein. Die Reichsbannerleute fonnten sich schnell in Sicherheit bringen, so daß erfreulicherweise niemand verlegt wurde. Der neue Kurs Kulturkundgebung verhindert In der Volksbühne am Bülowplah sollte am legten Sonntag eine Rundgebung des Sozia listischen Kulturbundes durchgeführt werden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung sollte eine Botschaft von Thomas Mann stehen. Obwohl die Veranstaltung von der Polizei genehmigt war, wurde die Durchführung unmöglich, weil der Bülowplatz durch ein großes Polizeiaufgebot abgeriegelt worden war. Man erfuhr später, daß die SA auf dem Bülowplaß ein Playfonzert vorgesehen hatte und daß deshalb der Plak vor dem Theater abgesperrt worden ist. Der Sozialistische Kulturbund wird die Polizeibehörde für den entstandenen Schaden verantwortlich machen. Die Worte von Thomas Mann wurden trotzdem verkündet. Minister Grimme, der Vorsigende des Kulturbundes, verlas sie im Großen Krollsaal, wo am Sonntag der Kongreß„ Das freie Wort" zusammengetreten war. Auch diese Tagung, auf der die führenden Köpfe des geistigen Berlin vertreten maren, fonnte nicht ordnungsgemäß zu Ende geführt werden. Bei einer Rede Wolfgang Heines löste der überwachende Polizeikommissar die Versammlung auf. Beben in Süddeutschland Neue Erdstöße in Baden Karlsruhe, 22. Februar. Am Dienstagnachmittag um 16,47, 16,49 und etwa drei bis vier Minuten später wurden in Karlsruhe drei schwächere Erd stöße verspürt. Aus Pforzheim wird berichtet, daß dort die Erdstöße sehr start waren, besonders in dem höher gelegenen Stadtteil. Schaden wurde aber nicht verursacht. In Rastatt ist das Beben nicht verspürt worden. Die Erdbebeninstrumente des Geodätischen Instituts der Technischen Hochschule Karlsruhe hatten die Erdstöße gleichfalls verzeichnet. Stuttgart, 22. Februar. Um 16,48 Uhr wurde in Stuttgart ein sehr starker Erdstoß verspürt. In Hechingen wurde um 13,40 Uhr ein leichter Erdstoß und um 16,45 und 16,49 Uhr je ein sehr starker Erdstoß verspürt. Die Richtung der beiden letzteren ging von Süden nach Norden. In wenig Worten Unter Riesenandrang des Publikums fand in Miami in Florida die Gerichtsverhandlung gegen den Attentäter Banagara statt. 3anagara bekannte sich zu allen vier ihm zur Last gelegten Anklagepunkten schuldig, die auf Mordversuch an dem fünftigen Präsidenten Roosevelt und den dret übrigen Verwundeten lauteten. Er wurde zu achtzig Jahren 3uchthaus d. h. zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. * Im Alter von 71 Jahren starb in Garmisch der Schriftsteller Karl Streder. Strecker hatte seinerzeit in der Absicht des Versicherungsbetruges sein Landhäuschen in Klein. Machnom bei Berlin in Brand gesteckt, wofür er vom Sch w u rgericht Potsdam zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Die Gefängnisstrafe hat er jedoch niemals anzutreten brauchen; das Gericht selbst hatte sich, bewegt von der Tragik des Falles, für seine Begnadigung eingesetzt. Ein deutsches Privatflugzeug, das auf dem Flugplaz Dübendorf bei 3ü= rich stationiert war. um Reklameflüge auszu= führen, stürzte kurz nach dem Start in einer Kurve aus 15 bis 20 Meter Höhe ab. Der Pilot wurde schwer verlegt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Sein Begleiter, ein Fabrifant aus Zürich, war sofort tot. Der Apparat wurde vollkommen zerstört. * Der Polizeipräsident von Berlin, der Nationalsozialist von Levehow, hat die bekannte republikanische Berliner Wochenzeitung ,, Alarm" mit sofortiger Wirkung bis zum 31. März 1933 verboten. Anlaß zu der Maßnahme gab ein Artikel in der Nr. 7 des ,, Alarm" vom 16. Februar. Ein eigenartiger Betriebsunfall ereignete fich auf einer Hamburger Vorortstrecke. Der Wärter des Reichsbahn- Unterwerks Barmbed war bei der Bedienung eines Schalters der elektrischen Leitung zu nahe gekommen, so daß Erdschluß eintrat und der Beamte getötet wurde. Der spanische Fischdampfer„ Segunda" wurde in der Nacht zum Dienstag von einem portugiesischen Kanonenboot bei Faro an der portugiesischen Küste durch Geschüßfeuer versenkt, da er unerlaubterweise in portugiesischen Gewässern ge= fischt hatte. Als ein Boot von dem portugiesischen Kriegsschiff ausgesezt murde, versuchte der Fischdampfer dieses zu rammen, worauf die Portugiesen das Feuer eröffneten und den Spanier versenkten. Die Besagung wurde gerettet. * Zwischen Ra ab und der ungarisch- österreichischen Grenzstation Hegyeshalom ist ein Damm der Leitha geborsten. Größere Mengen von Wasser überschwemmen das Gebiet. Es sind sofort Maßnahmen zur Eindämmung getroffen worden. Der Reichsverband Deutscher Bahnspediteure Deröffentlicht im Inseratenteil dieser Nummer den Wortlaut eines Telegrammes, das der Verband an den Reichsverband de: Automobil- Industrie gerichtet hat. Chlorodont die Qualitäts- Zahnpaste Zur Herstellung der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- Zahnpaste werden nur die anerkannt besten Rohstoffe verarbeitet. Chlorodont, morgens und vor allem abends benutzt: macht die Zähne blendend weiß und erhält sie gesund ist sparsam im Verbrauch und daher preiswert. Die Meineids- Anflage gegen Brolat Das Urteil wird heute nachmittag erwartet Am Montag und Dienstag verhandelte das Landgericht III unter dem Vorsitz des Austauschrichters aus Danzig, des Landgerichtsdirettors Dr. Truppner, in der Meineidsanklage gegen Brolat. Die Berteidigung hatte Rechtsanwalt Dr. Nübell, als Ankläger fungierten Staatsanwalt Dr. Weißenberg, bekannt aus dem SklaretProzeß, und Staatsanwalt Dr. Romberg. ver= Kurz nach Verhaftung der Gebrüder Stlaret wurde der damalige Regierungsrat und jezige Oberregierungsrat und Landrat Ta= polsti zum Untersuchungsführer im Disziplinarverfahren gegen in die Sklaret- Affäre wickelte städtische Beamte und Funktionäre be= stellt. Auch Brolat wurde über seine Beziehungen zu den Sklarefs eidlich vernommen. Im Sklaret- Prozeß blieb er dagegen wegen des Verdachtes der Begünstigung das Verfahren gegen ihn wurde später eingestellt unvereidigt. Die Staatsanwaltschaft glaubte aber zwischen den von Brolat im Stlaret- Prozeß gemachten Befundungen und zwischen seinen bei der Bernehmung durch Regierungsrat Tapoliti vereidigten Aus= sagen einen Widerspruch konstruieren zu müssen; es wurde gegen ihn das Verfahren wegen Meineides eingeleitet Die Anklage wirft ihm eine wissentlich falsche Aussage in drei Punkten vor. Mese drei Punkte sind in dem vom Regierungsvat Tapolski festgelegten Protokoll folgendermaßen formuliert: 1. Ich bezog, sollte Brolat gesagt haben, bis zum Dezember 1928 meine Anzüge bei Stlarets für 250 M. pro Stück... Seit dem Dezember 1928 faufte ich sie unmittelbar bei der Firma Keller u. Furch und zahlte 350 M. für einen Anzug Zweitens sollte Brolat gesagt haben, ich kenne die Direktoren der Stadtbant nur dienstlich und auch nur flüchtig, und drittens, Geschenke habe ich von den Sklareks im allgemeinen weder erhalten noch ihnen ge= macht. Leo Sklaret hat mir und ich ihm je einen Spazierstod zum Geburtstag geschenkt... Die Antlage behauptet demgegenüber, Brolat habe feine Anzüge nicht unmittelbar bei der Firma Keller u Furch gekauft, habe mit den Stadtbankdirektoren auch außerdienstlich verkehrt und schließlich verschwiegen, von Sklareks seidene Hemden als Geschenk erhalten zu haben Demgegenüber erklärte Brolat vor Gericht auf die Frage des Vorsitzenden, sich weder einer wissentlichen noch einer fahrlässigen Aussage schuldig gemacht zu haben. Zu Punkt 1 erklärte er: Er habe im Dezember 1928 zufällig erfahren, daß die von ihm bei Stlarefs bezogenen Anzüge in Wirklichkeit bei der Firma Keller u. Furch hergestellt würden und habe deshalb den Mitinhaber dieser Firma, Flachs, den er bis dahin für Sklarets Zuschneider gehalten habe, gefragt, ob er nicht direkt bei der Firma Keller u. Furch bestellen könne, da es doch einerlei sei, mem er zahle, Sklareks oder der Firma. Flachs habe jedoch nach Rüdsprache mit Leo Sklaret ihn gebeten, von der direkten Bestellung der Anzüge bei der Firma Keller u. Furch Abstand zu nehmen da Leo Sklaret es unbedingt wünsche, daß es bei dem früheren Gebrauch bleibe. Er, Brolat, habe seit dieser Zeit gewissermaßen die Firma Sklaret nur als Mittler betrachtet und die Anzüge also unmittelbar bei der Firma Keller u. Furch gekauft. Als er dann nach der Ver= haftung der Brüder Sklaret gelegentlich eine Paletotbestellung bei genannter Firma erfahren habe, daß noch eine Rechnung von ihm in Höhe von 1600 Mark offen stehe, da habe er diese Summe sofort beglichen. So sei es auch erst danach zu seiner Kenntnis gekommen, daß die Anzüge in Wirklichkeit nicht 250, sondern 350 M. gekostet haben. Das alles habe er auch bei der Bernehmung vor dem Oberregierungsrat Tapolski erzählt Seine Aussage zu diesem Punkte im Protokoll stelle nur einen Ertraft dar und sei nicht von ihm formuliert worden. Zu Punkt 2 erklärte Brolat: Er sei vom Regierungsrat Tapolski gefragt worden, ob er mit den Stadtbankdirektoren auch privat verkehrt habe. Da er mit dem Stadtbankdirektor Hoffmann in seiner Eigenschaft als Direktor der Brennstoff- Gesellschaft und später als Direktor der Berliner Verkehrs- Gesellschaft seit Jahren dienstlich zu tun gehabt hatte und ihn im übrigen nur wenige Male in Sklarets Gesellschaft getroffen und mit ihm außerdem nur aus Anlaß der Begleichung der Rechnungen von Keller u. Furch in Berührung gekommen war, habe er die Frage des Regierungsrats Tapolski mit einem Nein beantwortet. Daher die Niederschrift im Protokoll ,, nur dienstlich und auch nur flüchtig". Das flüchtig habe sich eben auf den außerdienstlichen Verkehr bezogen. Gerade mit dieser Protokollierung sei er nicht ganz einverstanden gewesen, Regierungsrat Tapolski habe aber gemeint, es entspreche ja den Tatsachen. Zum dritten Punkt der Anklage meinte Brolat, er habe die seidenen Hemden weder wissentlich noch fahrlässig verschwiegen, sondern er sei von Regierungsrat Tapolski gefragt worden, ob er außer aus bestimmten Anlässen auch noch sonst irgendwelche Geschenke bekommen habe, was von ihm wahrheitsgemäß verneint worden sei. Daher stünde auch im Protokoll, im allgemeinen habe er keine Geschenke erhalten. Im übrigen habe er die seidenen Hemden auch nicht mehr als Geschenk betrachtet, da er sie ja bereits selbst be= zahlt hatte. Auf Fragen des Vorsitzenden bekundete Brolat weiter, daß er nicht wie üblich auf die Bedeutung des Eides aufmerksam gemacht worden sei und auch nicht darauf, daß er auf Fragen, durch deren Beantwortung er sich selbst strafbar machen könnte, das Zeugnis verweigern dürfe. Nach der vierstündigen Bernehmung sei er einfach aufge= fordert worden, die Eidesformel nachzusprechen. Er gab allerdings zu, daß der Regierungsrat Tapolski in verschiedenen Fällen auf seinen Einspruch hin im Protokoll Abänderungen vorgenommen habe, meinte aber, daß in anderen Fällen trotz seines Einspruches die ursprünglichen Formulierungen stehen geblieben feien. Die eigenartige Methode der Protokollierung und Eidesbelehrung durch den Regierungsrat Tapolski fand eine besonders grelle Beleuchtung durch die Aussage der Zeugin, die nach dem Diktat Tapolskis das Protokoll niedergeschrieben hat. Sie erklärte, daß in jedem einzelnen Fall die Eidesbelehrung vorgenommen und daß dies im Protokoll auch vermerkt worden sei. Rechtsanwalt Dr. Nübell stellte fest, daß aus dem Brolatschen Protokoll weder zu ersehen sei, daß Brolat als 3euge geladen, noch daß er über die Bedeutung des Eides belehrt worden sei. Der Mitinhaber der Firma Keller u. Furch, Flachs, bestätigte im großen und ganzen Brolats Darstellung. Direktor Hoffmann war zwar der Ansicht, daß man das Zusammentreffen mit Brolat in den von Sklarets gegebenen Gesellschaften nicht als dienstlich bezeichnen könne, daß aber der Ausdruck ,, nur dienstlich und flüchtig" stimmen könne. Die Beweisaufnahme wurde am Dienstag geschlossen; heute folgen die Plädoyers und das Urteil. " ,, Was eine Frau wissen muß". Im Lichtspielhaus Schwarzer Adler", Frankfurter Allee 99, veranstaltet am heutigen Donnerstag, nachmittags von 3 bis 5 Uhr, der Landesausschuß für hygienische Volksbelehrung in Preußen E. V. unter Mitwirtung des Bezirks- Gesundheitsamtes Lichtenberg Frauenvorträge Ansprache des Stadtoberschularztes Dr. Runge. Die Ehe unferer Zeit". Vortrag von Dr. F. Künfel. Persönliche Hygiene", Vortrag von Stadtschulärztin Dr. Hoffa ( mit Filmvorführung). Frauenkrankheiten", Bor trag von Geh. San.- Rat Prof Dr. Paul Straßmann. Einheitspreis auf allen Plägen 60 Pf. Zu den Vorträgen sind nur Frauen zugelassen. Siechen am Potsdamer Platz Nach mehrjährigem Dornröschenschlaf wurden die Erdgeschoßräume des Rheingold= hauses in der Potsdamer Straße 3 wieder zu neuem Leben erweckt. Die Aschinger A.-G. hat zusammen mit der Herstelleria des Siechenbieres, der Nürnberger Brauerei J. G. Reif A.-G. hier eine neue Gaststätte„ Siechen am Potsdamer Play" eröffnet. Das neue bayerische Bierhaus für jedermann ist mit viel fünstlerischem Geschmack eingerichtet Der Nürnberger Maler Karl Gries hat unter Verwendung heimischer Motive eine stilechte bayerische Gaststätte geschaffen. Da ist der große Nürnbergsaal mit 50! 3= täfelung, bunten Glasfenstern, Nürnberger Zuajt bildern und einer sehr dekorativ behandelten Kajsettendecke; wuchtige Holzleuchter und schmiedeeiserne Laternen vervollständigen das Gepräge des Raumes. Vom Nürnbergsaal geht es in den Muschelfeller, der durch originelle Wandund Deckenverkleidung sowie durch ein großes Wandgemälde seine eigene Note erhält. Ueber dem Muschelkeller liegt der Mahagonisaal, ihm schließt sich eine echt bayerische Stammtischflause mit eingebauten Trinknischen, einem wuchtigen Stammtisch und launigen Wandmalereien. Echt bayerische Madeln fredenzen den würzigen Gerstensaft. Zähne find Werkzeuge. Es ist eine Selbstverständlichkeit für uns, daß wir unsere Werkzeuge pfleglich behandeln. Gutes Handwerkszeug ist halbe Arbeit. Nur bei unseren Zähnen machen wir eine Ausnahme, ihre Pflege scheint uns weniger wichtig. Die Folgen dieser Vernachlässigung sind meistens sehr unangenehme: Zahnschmerzen, Berdauungsstörungen, Unluſt bei der Arbeit, verminderte Leistungen, weniger Einnahmen. Das alles ist leicht zu verhindern, wenn man seine Zähne regelmäßig untersuchen läßt, auch dann, wenn sie nicht schmerzen, und wenn man fie täglich mit der eigenen Zahnbürste und einer guten Zahnpaste pugt. Chlorodont ist die Zahnpaste von höchster Qualität und sparsam im Verbrauch. Wintermarmelade. Apfelsinen( Orangen). Von 16 mittTeren oder 14 großen Apfelsinen reibt man die äußere gelbe Schale fein ab, entfernt den inneren weißen Belz von der Frucht, den man fortwirft. Nun vermischt man die abgeriebenen gelben Schalen mit den in feinste Stüdchen zerschnittenen Früchten( Kerne entfernen), gibt tein 3 Pfund Zuder( keinesfalls weniger) hinzu Wasser beifügen und läßt die Masse unter leichtem Rühren auf möglichst starker Flamme zum Kochen kommen ( abschäumen). Nachdem es brausend tocht, läßt man 10 Minuten( nicht fürzer) unter Rühren gründlich durchtochen, rührt dann eine Flasche Opetta zu 86 Pf. in die tochende Masse, gibt noch den Saft von 1 bis 2 Zitronen hinzu, läßt nochmals einen Augenblick ctwa 4 bis 5 Sekunden durchkochen und füllt sofort in Gläser. Jezt Continental- ,, T"-Reifen fahren! Die Rutschgefahr ist bei der jegigen Witterung wieder groß. Wer sich und andere vor Unfällen und Unannehmlichkeiten schützen will, besorge sich Continental- ,, T"-Reifen! Die Griffigkeit dieser Reifen ist auch dem gefürchteten Rutschasphalt" gewachsen und bleibt bei der natürlichen Reifenabnugung bis zum legten Millimeter Lauffläche erhalten. Zur Aufklärung! Der Reichsverband Deutscher Bahnspediteure hat an den Reichsverband der Automobil- Industrie am 18. Februar 1933 folgendes Telegramm gesandt: ,, Wir haben mit Entrüstung und größtem Befremden davon Kenntnis erhalten, daß Ihr Verband beim Reichsverkehrsminister wegen der fallweisen Zuschüsse für den Sammelgutverkehr Einspruch erhoben hat. Wir müssen mit Befremden feststellen, daß Sie sich auf völlig einseitige Informationen eines kleinen Kreises stützen, dessen Interessen in schroffem Widerspruch zu denen der deutschen Volkswirtschaft und der Gesamtheit des deutschen Speditionsgewerbes stehen, der außerdem als Auftraggeber für Ihre Industrie verglichen mit den angegriffenen Spediteuren völlig bedeutungslos ist. Einer der Hauptpunkte des Programms des deutschen Speditionsgewerbes ist die Modernisierung und Motorisierung des örtlichen Rollfuhrdienstes, sowie der Ausbau des Ueberlanddienstes. Mit diesen Hauptprogrammpunkten sind untrennbar verbunden die Aufrechterhaltung und der Ausbau der seit Jahrzehnten bestehenden Eisenbahnsammelverkehre, woran nachgewiesener- und bestätigtermaßen die gesamte deutsche Wirtschaft ein vitales Interesse besitzt. Sie haben ferner auf Grund Ihrer Informationen völlig übersehen, daß Sie mit dem Zerschlagen des Eisenbahnsammelverkehrs der Spediteure in den Fernbeziehungen gleichzeitig die Organisationen tödlich treffen würden, die allein den Kraftwagen- Zubringer- und Verteilerdienst im Ueberlandverkehr durchführen kann. Sie haben es demnach für zweckmäßig gehalten, in einer Angelegenheit hervorzutreten, bei der die Interessen der von Ihnen vertretenen Industrie gerade auf der entgegengesetzten Seite liegen. Von den bei dem deutschen Speditions- und Fuhrgewerbe zur Zeit vorhandenen etwa 25 000 Lastkraftwagen werden gegen 22 000 von den von uns vertretenen Spediteuren beschäftigt. Als einer der größten Auftraggeber der deutschen Lastkraftwagenindustrie, dessen Anschaffungen gerade in der nächsten Zukunft ein besonderes Ausmaß erreichen sollten, erwarten wir namens ungefähr 3500 deutscher Spediteure, die weit über 90 Proz. der gesamten Arbeitnehmer im deutschen Speditionsgewerbe beschäftigen und damit der überwiegenden Mehrheit der Angehörigen dieses Standes, daß Sie Ihren Einspruch bei sämtlichen Reichs- und sonstigen Stellen gegen die fallweise Bezuschussung unverzüglich zurücknehmen und uns hiervon umgehend in Kenntnis setzen." Der Arbeitsausschuß zur Durchführung des Bahnspeditionsvertrages hat im Namen sämtlicher am deutschen Sammelladungsverkehr beteiligten Spediteure an die in Frage kommenden Regierungsstellen am 20. Februar 1933 folgendes Telegramm gesandt und um mündlichen Vortrag gebeten: ,, Der Arbeitsausschuß, der 98 Proz. aller Schienenspediteure vertritt und der allein maßgebend ist für die Abwicklung des deutschen Bahnsammelverkehrs, schließt sich dem Vorgehen des Reichsverbandes Deutscher Bahnspediteure vollinhaltlich an. Wir müssen unserer Entrüstung darüber Ausdruck geben, daß es von unberufener Seite unternommen wird, die Reichsregierung zu weittragenden verhängnisvollen Entschlüssen zu veranlassen. Wir erheben gegen diese einseitige Darstellung Einspruch und verlangen, daß uns als den alleinigen Trägern des deutschen Bahnsammelladungsverkehrs die Aufrechterhaltung der Sammelverkehre und damit die Sicherung der Existenz von mindestens 150 000 Arbeitnehmern ermöglicht wird." Hirtenberg und die Folgen Die Waffenschiebung diplomatisch beigelegt Die drei Staaten der Kleinen Entente, nämlich bie tschechoslomatische Republift und die. Königreiche Rumänien und Jugoflamien, haben ihren Staatenvertrag in ein Schuh und Trugbündnis umgewandelt. Der tschechische Außenminister Benesch hat in Genf vor Pressevertretern diesen Zusammenschluß begründet erstens mit der Bildung der HitlerRegierung in Deutschland, zweitens mit der Hirtenberg Affäre. Die österreichische Regietung hatte auf Anfragen Frankreichs, Großbritanniens und der Kleinen Entente erklärt, es handele sich um Waffen aus Italien, die in Hirtenberg repariert würden. Zur Frage der Weitersendung dieser Waffen nach Ungarn ist in Wiener Regierungsblättern ausgeführt worden, daß ein Verbot der Waffendurchfuhr nicht bestehe und daß auch große Waffenbestände von der Tschechoslowakei nach Jugoslawien durchgeführt worden seien, ohne daß darüber Beschwerde ge= führt wurde. Wie man durch eine italienische Veröffentlichung erfuhr, haben nun Frankreich und Großbritannien in einer Note von der Regierung Dollfuß gefordert, daß diese Waffen- nach der großbürgerlichen ,, Neuen Freien Breffe" in Wien handelt es sich um ,, schäbige 50 000 Gewehre" an den italienischen Absender zurüdgeschidt und falls er die Annahme verweigere, ver. nichtet werden; innerhalb von vierzehn Tagen, das wäre bis zum 25. d. M., soll die Regierung Dollfuß durch eine eidesstattliche Erklärung über die Ausführung dieser Forderung berichten. Die Wiener Regierungspresse und auch der Bizekanzler Winkler( Landbund) haben diese Forderung als eine unerhörte Bergewaltigung be= zeichnet und ihre Ablehnung gefordert. In der italienischen Kammer ist wegen des Schuß- und Truzbündnisses der Kleinen Entente und wegen der Hirtenbergnote eine Anfrage an den Regierungschef und Außenminister Mussolini gerichtet worden, was unter den dortigen parlamentarischen Verhältnissen nicht ohne Zustimmung der Regierung geschehen sein kann. Die Regierung hat sich denn auch zur Beantwortung dieser Anfrage bereit erklärt, sich aber die Festlegung des Tages dafür vorbehalten. Im britischen Unterhaus hat der Staatssekretär des Auswärtigen Sir, John Simon erklärt, der italienische Botschafter habe ihm mitgeteilt, daß Italien bereit fei. Die zur Wiederinstandsetzung nach Desterreich geschickten Waffen wieder zurückzunehmen, sobald die Waffen auftragsgemäß wieder instandgefeßt seien. Der Botschafter teilte weiterhin mit, daß ein Bruchteil der Waffen sogar schon wieder nach Italien geschickt wurde. Es werde zu ges gebener Zeit über die Zurücksendung des noch in Hirtenberg verbliebenen Teils ein Beleg in Gestalt non Ausfuhrbescheinigungen der öfterreichischen Rollbehörbe porgelegt werden. Angefichts dieser Tatsachen glaubte die englische Regierung sich der Hoffnung hingeben zu tonnen, dag der Fall durch die allgemeine Annahme dieses Vorschlags als geregelt gelten fann. Auf Grund dieser Erklärung, die noch durch den englischen Gesandten in Wien in perföhnlichem Sinne erläutert wurde, gilt der ernste Zwischenfall als beigelegt Bundeskanzler Dollfuß erklärte, daß fich nunmehr eine Beantwortung der anglofranzöfifchen Berbalnote erübrige. Diplomatisch erledigt Mit den vorstehend gemeldeten Erklärungen Italiens haben England und Frankreich ihre. Note als erledigt erklärt, wie Dollfuß dem Hauntausschuß des Nationalrats vorgetragen hat. Die Note wird nicht beantwortet. Der Hauptaus. schuß hat darauf einstimmig beschlossen: ,, Der Hauptausschuß bekennt sich nach wie vor zur Einhaltung strenger und gewissenhafter Neutralität gegenüber allen Bündnissen, Rüstungen und Konflikten der Nachbarstaaten, die allein die Republik Desterreich vor Gefahren bewahren fann." Was aber den angeblichen Hoch- oder Landesverrat der Sozialdemokraten angeht, so braucht man sich nur zu erinnern, daß Ungarn ständig und offiziell das Burgenland zurückfordert und ein aufgerüstetes Ungarn zuerst nach diesem deutschen Lande greifen würde! Japan droht dem Völkerbund mit Austritt Der japanische Strieg tobt jetzt um die Städte Railu und Jehof in der gleichnamigen Proving Chinas. Eine chinesische Armee pon 100 000 mann soll diese Provinz vor dem Schicksal der Mandschurei bewahren, die von Japans Gnaden zu dem selbständigen" Staat Mandschutuo gemacht worden ist und den als Kind entthronten legten Kaiser von Ching zum Präsidenten erhaften hat. Inzwischen hat der Neunzehnerausschuß des Bölkerbundes trog aller japanischen Austrittsdrohungen den Lytton Bericht und die darauf gegründeten Borschläge zum Beschluß er hoben und der Vollversammlung vorgelegt, die am Dienstag zusammengetreten ist. Diese Borschläge gipfeln in der Forderung an Japan, die Anerkennung Mandschutuos als Eigenstaat zurüdzunehmen und dieses Land zu räumen. Daraufhin ist die japanische Völkerbundsdelega tion angewiesen worden, im Falle der Annahme dieses Berichts durch die Vollversammlung Genf zu verlassen. Die großen Manöver der USA.- Flotte im Pazifik mit Dugenden Kriegsschiffen und Hunderten von Flugzeugen haben offenbar irgendeinen mäßigenden Einfluß in Tokio nicht aus geübt. Die Teufelsfratze des Krieges Auch Der Sowjetrundfunk übertrug aus Wladimostot den Bericht eines im Flugzeug eingetroffenen Reporters über die neuen Kämpfe um Jehol. Ganze Schwärme von Bombenflugzeugen bewerfen Städte und Dörfer. größere Tant abteilungen mit besonderen Flammenwerfern sind am Werk. Die Verluste der Chinesen sind bereits ungeheuer. Tausende Tote werden in aller Eile in Massengräber versenkt. Augenblicklich werden die Orte nahe den Eisenbahnwegen nach Pefing von Panzerzügen beschossen, wenn auch in diesen Ortschaften überhaupt kein chinesisches Militär ist, sondern nur friedliche Bauern. Täglich werden viele Unschuldige als Spione erschossen. Roosevelt- Attentate Zweimal miẞglückt Präsident Roosevelt ist turz vor seinem Amtsantritt als Regierungschef und zugleich Staatsoberhaupt der USA. einem Attentat entgangen. In dem Nobel- Seebad Miami( Florida) schoß der junge Italiener Zangara auf Roosevelt, den er verfehlte. Der Chikagoer Bürger meister Tschermat, ein Tscheche von Geburt, sowie eine Aerztin wurden sehr schwer verwundet. Zangara, den die Polizei vor der Lynchung be= mahrte, faselte von seinem tödlichen Haß gegen alle Staatsoberhäupter. Er ist zu achtzig Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Drei Tage darauf hat die Washingtoner Post ein an Roosevelt adressiertes Paket angehalten, in dem eine Bombe gefunden wurde, allerdings eine Amateurarbeit, deren Berfertiger wahrschein lich ein Geist es schmacher ist. Die Sache mit Stegerwald Gewisse Leute erwarten eine Annäherung der Nazis an das Zentrum, Hier ist man sich schon recht nahe. und fann ber Regierung sehr gefährlich werden. Vertretern der sozialistischen Kammerfraktion erklärte eine Abordnung der Beamtengewerkschaf ten, daß die Beamten bereit seien, mit allen Staatsbürgern an der Wiederaufrichtung der Finanzen mitzuarbeiten, daß sie aber jedes Opfer, das nur die Beamten treffe, ablehnen. Jouhaur fügte hinzu, daß der Allgemeine Ge werkschaftsbund sich mit den Beamten solida risch erkläre. Schwarzweißrot gegen Hakenkreuz Gegen den Machtanspruch der NSDAP. Die Kampffront Schwarz- Weiß- Rot( Bapen, Hugenberg. Seldte) erfäßt einen WahlBeamtenstreit in Frankreich aufruf, der fich deutlich gegen den einseiti Kundgebung gegen Gehaltskürzung Bepor die Gehaltstürzungsporlage bar fransofischen Regierung vom Ausschuß ins Planum tommt, haben die gemertschaftlichen Organisa tinnen der öffentlich Angestellten in allen Aemtern und Betrieben der französischen Republik, mit Ausnahme der Eisenbahnen und der Pariser lintergrundbahn, einen vollauf gelungenen Des monstrationsstreit von 10 bis 60 Minuten Dauer durchgeführt. Darauf hat die Regierung Daladier beschlossen. Disziplinarmaßnahmen gegen diejenigen Beamten zu ergreifen, die fich bei bei Protestkundgebungen besonders ich were Verfehlungen haben zufchulden tommen laffen. Dieser Beschluß hat bei den Beamtengewerkschaften und der sozialistischen Kammerfraftion große Erregung hervorgerufen gen Machtanspruch der Nazis richtet. Die neue Regierung, so wird immer wieder betont, fei ,, tein Barteiregiment", sondern ein feierlich beschworener Bunb aller nationalen Kräfte". Diejenigen, die ,, leinen Rüdfall in Parteiherrschaft, fondern Bewahrung und Vertiefung per endlich errungenen nationalen Einheit" pollen, perben aufgefordert, schwarzweißrot zu wählen. Damit ist ausgesprochen, daß der nationalsozialistische Machtanspruch als eine Bedrohung per nationalen Einheit empfunden wird. Der Aufruf gipfelt in den Säßen: des Parteigeistes bis zum äußersten zu verteidigen. Das ist eine Sprache, die unmöglich mißverstanden werden kann. Man darf gespannt sein, ob sie aus dem nationalsozialistischen Lager ein entsprechendes Echo findet oder ob man sich dort aus taktischen Gründen auch weiterhin in der Kunst des Schweigens üben wird. Für Hitler gegen Hugenberg dem Kaiserslauterner Parteiblatt der NSDAP. wird geschrieben: ,, Durch die Tlegraphen- Union, die im Be size des Geheimrats Hugenberg ist, werden in den letzten Tagen sehr einseitige Darstellungen über die Maßnahmen der neuen Reichsregierung verbreitet. In diesen Berichten werden fast alle Maßnahmen nur dem Konto Hugenberg gutgeschrieben. Es ist selbstverständlich, daß Herr Hugenberg seine Unternehmungen zu einer Propaganda für seine Person voll ausnüßt. Die Führung des Reichstobinetts hat der Reichstanzler A dplf Hitler. und es ist selbstverständlich, daß die meisten dieser neuen Maßnahmen von bem maßgebenden Leiter des Kabinetts ausgaben. So das Kaiserslaterner Paziblatt. Es ist aber gar nicht so sicher, daß Adolf Hitler selbst besonders großes Gemight parauf legt, pon den Wählern als der eigentliche Urheber der Schmal33011Erhöhung angesehen zu merden. Widerstand in Bayern Auch in diesem Wahlgang ringen wir nicht um die Ausdehnung der eigenen Wacht innerhalb der Regierung, sondern allein um die Vertiefung und Befestigung der nationalen Einheit. Naziterror ruft Monarchisten wach Wir sind aber entschlossen, diese mühsam er rungene Einheit gegen jeden erneuten Angriff Wählerlisten einsehen! Auslegung nur noch bis Sonntag Der Oberbürgermeister erläßt eine Bekanntmachung über die gemeinsame Reichstagsund Landtagswahl am 5. März 1933, in der es heißt: Die Abstimmungszeit dauert von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags. Für jeden Stimmbezirk wird für die dort wohnhaften Stimmberechtigten eine gemeinsame Stimmliste für beide Wahlen geführt. Stimmberechtigt für beide Wahlen ist, wer am Abstimmungstage Reichsangehöriger und zwanzig Jahre alt ift. Das Recht, zum Preußischen Landtag zu wählen, kann jedoch nur ausüben, wer seinen Wohnort ( Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt) in Preußen hat. Jeder Stimmberechtigte hat für die Reichstagswahl und für die Landtagswahl je eine Stimme. Abstimmen fann nur, wer in eine Stimmlifte eingetragen ist oder einen Stimm-( Wahl-) Schein hat. Wer Stimmschein erhält Einen Stimm( Wahl-) Schein zur Reichstagswahl und Preußischen Landtagswahl erhält auf Antrag ein Stimmberechtigter, der in eine Stimmliste eingetragen ist, wenn er sich am Abftimmungstage während der Abstimmungszeit aus zwingenden Gründen außerhalb seines Stimmbezirks aufhält, oder wenn er nach Ablauf der Einspruchsfrist seine Wohnung in einen anderen Sichert euch das Wahlrecht Stimmbezirk verlegt hat, oder wenn er infolge eines förperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch den Stimm-( Wahl-) Schein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günstiger gelegenen Abstimmungsvaum aufzusuchen. In Berlin werden die Stimm-( Wahl-) Scheine von den für die Wohnung der Stimmberechtigten zuständigen Bezirksämtern bis zum 3. März ausgestellt. In den schriftlichen Anträgen ist auch die Berliner Wohnung anzugeben. Mündliche Anträge sind während der allgemeinen Dienſtſtunden bei den Bezirkswahlämtern zu stellen. Wählerlisten bis 26. Februar Die Stimmlisten liegen nur noch bis Sonntag, den 26. Februar öffentlich zur Einsicht aus. Die Auslegungszeiten wurden einheitlich für die Stadt festgesetzt auf wochentags von 1 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends, für Sonntag von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Wer die Stimmliste für unrichtig oder unvollständig hält, kann dies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist bei dem für seine Wohnung zuftändigen Bezirksamt schriftlich anzeigen oder in dem Auslegungsraum zur Niederschrift geben. Sozialdemokraten, wahrt euer Stimmrecht! Auf jede Stimme kommt es an! Eigener Bericht des Vorwärts" München, 22. Februar. Der blutige A. leberfall auf den Fackelzug der Brüning VersammIung in Kaiserslautern hat die scharfe Opposition der Bayerischen Volksparteiführer gegen den Nationalsozialismus noch wesentlich gesteigert. In einer großen Wahlversammlung in München, in der Ministerpräsident Held, Staatsrat Schäffer und Reichstagsabgeordneter Ritter von Ler sprachen, loderte die Empörung in hellen Flammen. ,, Das sind Zeichen". so erklärte Schäffer ,,, mit denen das neue Regime die Herrschaft antritt. Aber jetzt muß sich der Name Bayern in Deutschland durchsetzen". Ministerpräsident Held erklärte: „ Wer alles auf die rohe Gewalt abstellt und glaubt, politische Anschauungen mit dem Gummifnüppel zu predigen, und wer den Terror will, der stellt sich außerhalb jedes menschlichen Denkens und Fühlens." Am leidenschaftlichsten äußerte sich der Bayernwacht Führer von Leg mit folgenden Sägen: In diesen Tagen greift die politische Morbluft auch nach Bayern, jener Blutrausch des braunen Uebermenschen, gegen den wir bisher viel zu zurüdhaltend gewesen sind. Die Leute, die von einem Hohenzollerndiktator in Deutschland träumen, mögen die Finger von Bayern lassen. Wir werden uns weder einen preußischen Prinzen, nod) einen braunen Parteivogt importieren laffen. Wenn wir einen Mann brauchen, der Bayern in allerlegter Stunde retten soll dann holen wir uns den Stammesherzog aus der eigenen taufendjährigen Geschichte.( Tosender Beifall.) Und wenn man dann denkt auch ohne die 51 Proz. am Ruder zu bleiben, dann haben die ande= ren die Berfaffung gebrochen und uns in die Notwehr gedrängt. Dann werden wir marschieren und dafür sorgen, daß die bayerische Heimat in Taft bleibt." Görings Personalpolitik Wer ist Unternehmersyndikus Grauert? Zum Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Ministerium des Innern ist als Nachfolger des Ministerialdirektors Klausener Herr Staatsanwalt a. D. Grauert berufen worden. Wer ist Herr Grauert? Er wurde seinerzeit von der Regierung Braun aus politischen Gründen entlassen. ,, Der Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften, schreibt über ihn: In einer Zeit, wo hervorragende, bestens bewährte Vertreter der Arbeiterschaft aus höchsten Beamtenstellen entfernt werden, ziehen Männer Dom Großgrundbesig und aus der Industrie in Beamtenstellungen ein. Herr. Grauert. der jegt zum Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Ministerium des Innern berufen wurde, ist der Ge= schäftsführer des Arbeitgeberver. bandes für den Bezirk der nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller. führte Grauert ist der Arbeiterschaft bekannt als der Mann, der seinerzeit für die Arbeitgeber den großen Konflikt in der westdeutschen Metallindustrie und mit einer Riesenaussperrung der Metallarbeiter einleitete. Wir halten es für wenig glück. lich, wenn eine derartige Persönlichkeit Leiter einer so wichtigen Polizeiabteilung wird. ( Bei dieser Aussperrung wurden die Ausgesperrten unter der sozialdemokratischen Re gierung Hermann Müller aus öffentlichen Mitteln unterstützt. Red. d. ,, Vorwärts".) Es ist nicht ohne Reiz zu lesen, was Graf Reventlow der Nationalsozialist, in seinem ,, Reichswart" zu dem legten Geschäftsbericht von Arbeit Nordwest. dessen Geschäftsführer Herr Grauert war, schreibt. Er fritisiert diesen Bericht in der schärfsten Weise. Die Zwischenüberschriften lauten: Geistiger Bankrott!- Wirtschaftliches Harakiri! Kulidasein! Kampf dem Kapitalismus! Die Herzöge der Schwerindustrie huldigen dem frassesten Individualismus!" So wird das Schaffen Grauerts von dem Nationalsozialisten Reventlow charakterisiert in dem Augenblick, wo dieser von dem Nationalfozialisten Göring mit einem der verantwortungsvollsten Aeniter betraut wird. Polizeipräsidium Berlin Insgesamt sind im Polizeipräsidium Berlin dreizehn Beamte beurlaubt worden. Es handelt sich um folgende Beamte: Regierungsdirektor Göhrke, der bisherige Leiter der Abteilung IV Oberregierungsrat Dr. Kopp stellvertretende Leiter der Abteilung K, Oberregierungsrat Dr Hamburger. Frau Regierungsrat Rosenheim, die bei der Abteilung V beschäftigt war, Frau Polizeirat Mosse, bisher Abteilung IV, Kriminaldirektor Scherler. Abteilung I Kriminalrat Dr. Stumm. Leiter der Kriminalinspektion des Polizeiamts Lichtenberg, Kriminalrat Klingelhöller, Abteilung K, Bolizeischulrat Bose, Kriminalrat Ma chts, Kriminalbezirkssekretär Bombe, Polizeiobersekretär Hildebrandt Bolizeipräsident v. Levezow ,, Der ewig fluchwürdige 9. November" Herr Melcher, bisher Polizeipräsident von Berlin, ist Oberpräsident in Magdeburg geworden. An seiner Stelle ist zum Konteradmiral bon Levekow Polizeipräsidenten von Berlin ernannt worden. Herr v. Levezom war nach dem Kriege bis März 1920 Chef der Marinestation der Ostsee Nach dem Kapp Putsch mußte er aus scheiden. Er gehörte dem aufgelösten Reichs tag als Mitglied der nationalsozialistischen Frat tion an. Herr von Levezom hat beim Amtsantritt die folgende Rede gehalten: ,, Mit meiner ganzen Kraft bin ich entschlossen mit fester Hand den Kurs weiterzusteuern, der Sie mit so großer Tatkraft eingeleitet haben. Meine Herren, ich bin gewillt, im Sinne jener aufbauenden vaterländischen Arbeit der Regierung der nationalen Erhebung, deren politische Lebens auffassung in unüberbrüdbarem Gegensaz un Widerspruch steht zu dem System, das der ewig fluchwürdige 9. November einleitete, die Bahn für diese neue Dentungsweise Das 3entrum protestiert! der Regierung auch innerhalb meines verant wortungsvollen Arbeitsgebietes freizumachen. Das Schiff auf diesem Kurs zu halten dafür werde ich inter allen Umständen meine ganze Rraft einfegen! Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk erstattete in der Kabinettsfizung Bericht über die Finanzlage des Reichs. Wie erinnerlich, hatte der Reichsfinanzminister am 13. Januar im Haushaltsausschuß des Reichstags den sich Ende 1932 ergebenden Fehlbetrag für das Reich mit 2,2 Milliarden für die Gemeinden mit einer Milliarde und für die Länder mit 520 Millionen angegeben. Der Fehlbetrag für das Reich setzte sich zusammen aus 800 Millionen aus dem laufenden Haushaltsjahr und 1,4 milliarden aus früheren Haushaltsjahren. Berlin bleibt cat! Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs- Veranstaltungen: Knorrbremse: SPD.- Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden: Donnerstag, den 23. Februar, 15% Uhr, im Lokal Fiedler, Lichtenberg, Sonntag-, Ecke LudwigLehmann- Straße. Referent. Max Heydemann, M. d. L 7. Kreis- Charlottenburg: Donnerstag, den 23. Februar, 20 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 53: Frauenkundgebung ,, Frauen kämpft für eure Rechte". Referentin: Lisa Albrecht. Ferner: Mitwirkung der Frauensprechgruppe und des Frauenchors der Charlottenburger Liedertafel. 139a. Abt. Tegel Freie Scholle: Donnerstag, den 23. Februar, 20 Uhr, im Schollenkrug, Tegel, Freie Scholle, Hermsdorfer Straße: Frauenkundgebung ,, Frauen kämpft für eure Rechte". Referentin: Gertrud Hanna, M. d. L 3. Kreis- Wedding: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Schröder. 19% Uhr in beiden Sälen der„ Atlantiksäle", Behmstraße( am Bahnhof Gesundbrunnen): Berlin bleibt rot!" Referenten: Robert Breuer, Max Gillmeister. 19% Uhr in den Pharussälen, Müllerstraße 142: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Max Heydemann. 9. Kreis- Wilmersdorf: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, im Forsthaus, Schmargendorf, Warnemünder Str.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Hermann Lüdemann. 83. Abt. Lichterfelde: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, in den Lichterfelder Festsälen, Lichterfelde, Zehlendorfer Str.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Richard Mischler. 88. Abt. Lichtenrade: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Bohm, Lichtenrade, Krusauer Str. 42: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Georg Klaussner, M. d. L. 103. Abt. • Oberschöneweide: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, in Mörners Blumengarten, Oberschöneweide, Ostendstraße: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 109. Abt. Friedrichshagen: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im großen Saal des Gesellschaftshauses, Friedrichshagen, Friedrichstraße 137: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Erich Kuttner, M. d. L. 107., 110. u. 111. Abt.: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, im Gesellschaftshaus Grünau, Friedrichstr.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Emil Barth. 131. Abt. Niederschönhausen: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Gesellschaftshaus, Pankow, Berliner Straße 102: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Max Urich. Schwerhörige: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 4: Berlin bleibt rot!" Referent: Genosse Schnell. Eiserne- Front- Versammlung: Freitag, den 24. Februar, 16% Uhr, bei Stock, Warschauer Platz 12: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Erich Ollenhauer. Bezirksamt Wilmersdorf: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Kulka, Wilmersdorf, Lauenburger-, Ecke Uhlandstraße: ,, Kommunalwahlen". Referent: Stadtrat Hermes. 11. Kreis- Schöneberg: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, Wählerkundgebung in der Hohenzollernschule Schöneberg, Belziger-, Ecke Eisenacher Straße. 1 Stunde vorher Umzug mit Musik. Sammelplatz: 19 Uhr Ebersmarkt. 17. Kreis Lichtenberg: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, in der Aula der Schule Lichtenberg, Schlichtallee, Kundgebung. Referent: Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Fahneneinmarsch, Massengesang. AEG.: Freitag, den 24. Februar, 16% Uhr, Kundgebung der SPD.- Betriebsfraktion im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Referent: Genosse Schliestedt. 140a. Abt. Wittenau: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Eberhardt, Wittenau, Lübarser Straße: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Litke, M. d. R. 85. und 86. Abt. Tempelhof und Mariendorf: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr in der Aula des Realgymnasiums Tempelhof, Kaiserin- Augusta- Straße: ,, Berlin bleibt rot!" Referenten: Erich Ollenhauer und Lisa Albrecht. 108. Abt.- Köpenick: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Troppens, Müggelheim: Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Klatt. Hauptwerkstatt, Fuhrhof 1 bis 4 und Fuhrpark: Sonnabend, den 25. Februar, 15% Uhr, bei Wertalla, Hohenlohestraße 3, Kundgebung. Thema: ,, Um was geht es?" Referent: S. Katzenstein. BVG.- Betriebshof 13- Halensee: Sonnabend, den 25. Februar, 19% Uhr, im Lokal Sandmann, Westfälische Straße 42. Thema: Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Dressel. Afü- Arbeiter des Bezirks Friedrichshain: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, bei Blamert, Weberstr. 24: Eiserne- Front- Kundgebung. Referent: Hans Marx. SPD.- Afü- Arbeiter des Bezirksamts Prenzlauer Berg: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, im Altersheim, Danziger Str. 62. Referent: Josef Klein. 4. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar, 14 Uhr: Umzug durch den Bezirk. Treffpunkt: Helmholtzplatz an der Lettestraße. 7. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar, 17 Uhr: Demonstration durch Charlottenburg. Treffpunkt: Wilhelmolatz. 8. Kreis- Spandau: Sonnabend. den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Walter Krause, Gatow: Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Walter Pahl. 20 Uhr im Cladower Hof, Cladow, Dorfstraße: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Heinrich Witt. Telegramme an Hindenburg und Papen Die Germania" veröffentlicht folgende Protest fundgebungen des Borsitzenden der Rheinischen Zentrumsparter, Justizrat Mönnig, an den Reichspräsidenten von Hindenburg und an den Reichskommissar für Preußen, von Papen. Die Protestkundgebung an den Reichspräsidenten lautet: Der Wahlkampf steht im Zeichen schlimmsten Terrors. In Kaiserslautern sind katholische Männer, die für ihre religiöse und politische Ueberzeugung demonstrierten, aus dem Hinter halt beschossen und teilweise schwer ver lezt worden. Politische Rohlinge sind in eine Zentrumsversammlung in Krefeld eingedrungen und haben den Redner, Minister a. D. Stegerwald, und andere Versammlungsteilnehmer niedergeschlagen. Katholische Geistliche, die beruhigen wollten, wurden angegriffen. Aus Trier, Münster und anderen Orten werden ähnliche Vorfälle gemeldet. Gegen diese Gewalttätigkeiten erhebt das katholische Volk und die Zentrumspartei allerschärfsten Protest. Wir erwarten den Einsatz aller staatlichen Machtmittel, um diesem Terror endlich ein Ende zu bereiten. Wir erwarten von Ihnen, Herr Reichspräsident, daß Sie Ihre ganze Autorität einsetzen, um die von der Ber faffung garantierten Rechte und Freiheiten auch in diesem Wahlkampf zu fichern." Die Protesttundgebung an den Bizekanzler von Papen hat folgenden Wortlaut: In Westdeutschland werden Wahlversammlun gen und genehmigte Aufmärsche der Zentrumspartei von Ruhestörern terrorisiert, gesprengt und überfallen. Kaiserslautern, Krefeld, Münster, Trier eine offenbaren absolut unhaltbare Lage. Polizei wird, wenn sie auf Aufforderung der Versammlungsleitung vorgehen will, von SA.- Leuten verlacht und greift infolge Anweisung von oben zum Teil nicht mehr ein. Ueber diese Schuglosigkeit empörte Bevölkerung, die an die Drangsale der Besagungsherrschaft erinnert wird, fordert von Ihnen durchgreifende Maßnahmen. Sie verlangt Schutz der verfaffungsmäßigen Freiheit und Anweisung an Bolizei, gegen Ruheſtörer und Terroratte unnachsichtlich vorzugehen." In Gladbach- Rheydt nahmen Beamte der Politischen Polizei am Dienstag in den Betriebsräumen der Rheinischen der: Druderei, früher Volksvereinsverlag. eine Haussuchung vor. Sie beschlagnahmten dabei, wie die ,, Tel.- Union" mitteilt, eine große Auflage von Flugzetteln, die von der Reichsarbeitsgemeinschaft Sentrumswähler herausgegeben worden ist, sowie 30000 weitere Broschüren. Der Inhalt der Flugblätter und Broschüren soll gegen die Verordnung der Reichsregierung zum Schuße des deutschen Boltes verstoßen... Das zweite Opfer Hannover, 22. Februar. Jm Krankenhause ist am Mittwoch ein 3 weiter Reichsbannerfamerad, der bei einem nationalsozialistischen Feuerüberfall auf die Hannoverschen Schufokameraden verleht wurde, gestorben. gestorben. Die Kampfleitung der Eifernen Front beschloß, am Tage der Beerdigung dieses Opers als Protest gegen die Ermordung der Freiheitskämpfer eine Stunde Betriebsruhe durchzuführen. In der Nähe der spanischen Westküste sind ein Fischdampfer und eine Motorbarkasse im Sturm gescheitert. 13 Seeleute ertranten. Hierzu 4 Beilagen Gewerkschaftliches siehe 4. Beilage Der Vorwärts" ericheint mochentaglich zweimal. Sonntags und Montags einmal Juustrierte Sonntagsbetlage Bolt und Zeit" Bezugsptette: Wöchentlich 75 Bt., monatlich 3,25 M( Davon 87 B monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Bostbezug 3.97 einschließlich 60 Bi Postzeitung. und 72 Bf. Poftbeftellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 m pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 46 M. Bei Astall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Erfaz Anzeigenpreise: Die einipultige Millimeterzcile 36 Bf Reflamezeile 1,50 M Reine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 t jedes weitere Wort 10 Pf Rabatt laut Tarif Borte über 15 Buchstaben ählen für awei Worte Arbeitsmartt Millimeterzeile 25 Pf Familienanzeigen Willimeterzeile 16 Bf Anzeigenannahme im Hauptgetdhd 1 Lindenstr 3. wochentäglich von 8 bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmet Anzeigen vor. Berantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewertschaftsbewegung 3. Steiner; Feuilleton: Serbert Lepore: Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; fämtlich in Berlin. 1 Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S. Berlin. Drud: Borwärts. Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin G 68 Lindenstr 3. Direkter Ausschank vom Faß von einem 10tel Liter an zu Originalpreisen und Kostproben gratis in allen mit. BERLIN: * N, Brunnenstraße 42 * N, Müllerstraße 144 * N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 87 * N, Prenzlauer Allee 50 * N, Schivelbeiner Str. 6 * O, Petersburger Str. 42 * SO, Grünauer Str. 15 * SO, KöpenickerStr.134/ 5 * SW, Bergmannstr. 11 * W.Martin- Luther- Str.86 * NW, Gotzkowskystr. 31 * NW Wilsnacker Str. 25 * Steglitz: Schloßstr. 121 * Charlottenburg: Wilmersdorfer Str.157 Lankwitz: Charlottenstraße 34 * Neukölln: Berliner Str. 12, Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 * Schöneberg: Kolonnenstraße 7 versehenen Geschäften Erstklassiger süßer Apfelwein, Dessert, 12/14% Liter-.70 Dessert- Johannisbeerwein das Feinste 12/ 14% Dessert- Kirschwein ,, Edelklasse" 12/ 14% Echt spanischer Tarragona ,, unverschnitten" 16% Echt span. 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Pro Doppelzentner wurden die Einfuhrzölle erhöht bei: Speiseerbsen Buchweizen Futterbohnen u. Luninen von 8 auf 30 Mr. " Rot-, Wirfing- u. Weißkohl von 2 bzw. 3 Salat.. Tafelfäfe eingedickter Milch 12 553736 14288 19 10 " " 10 " 19 99 カラ 20 99 99 30 90 99 99 99 60 90 " von 20 bzw. 25 60 " " 65 80 P " Karpfen, Schleie, Forellen usm. Bienenhonig 60 " " Bei rohem Schweine und Gänsefett, bestem Rinderfett und Rindertalg erfolgten Zollerhöhungen entsprechend der Schmazzollerhöhung Don 12 auf 50 Mart. Angenommen, die Preise steigen ent sprechend der Zollerhöhung, dann wird der Landmirt von den meisten Produkten, da die Einfuhr meist unbedeutend ist und die Kauffähigkeit der Verbraucher nicht mitsteigt, entsprechend we ni= ger ablegen. Uebrig bleibt nur die Verteuerung für den Verbraucher. Was der Verbraucher darüber denkt, wird er so frei fein, am 5. März mit dem Stimmzettel zu fagen. Sinkender Absatz unvermeidlich Für die Getreideftüßungsmaßnahmen und die, erhöhten Vieh- und Schmalzzölle hat die Kritik der Tatsachen schon eingesetzt. Die angekündigte verstärkte Magazinierung von Getreide hat die Weizenpreise je Tonne bis um 8 M., die aferpreise sogar bis um 11 m. steigen laffen. Die Mehlpreise geben allmählich nach oben. Bleibt es dabei auf die Dauer ist es unwahr scheinlich, weil Einsperrung das Getreide ja nicht verschwinden läßt dann kann das Brot teurer werden, und der Verbraucher wird weniger Fleisch. Butter, Schmalz und Eier essen, noch weniger als bisher. Nun ist aber in der Woche vom 8. bis 15. Februar bereits gestiegen: der Inder für Schlachtvieh um 7,9 auf 61,6 Proz., hauptsächlich durch Steigerung der Schweinepreise; der Inder für Vieherzeugnisse um 3,3 auf 88,8 Proz., hauptsächlich durch Erhöhung der Spec, Schmalz- und Talgpreise. Auf die vom Landwirt abzusehenden Mengen wirken also zwei Faktoren ungünstig ein, einmal das Kleinerwerden der für Veredelungszwecke noch zur Verfügung stehenden Kaufkraft, sodann die Berteuerung dieser Veredelungsprodukte selbst. Troß augenblicklich steigender Preise muß also der Absatz der Landwirtschaft finfen. Aufgabe einer vernünftigen Aararpolitik wäre aber die Steigerung des Absatzes. Dafür gibt es neue Beweise. Der Fleischverbrauch unter 1913 gesunken Die Fleischerverbands 3eitung" fellt fest, daß im 4 Quartal 1932 der Rück gang des Fleischverbrauchs sich fortgesetzt hat. Pro Kopf der Bevölkerung sei der Gesamtfleischverbrauch im Jahre 1932 auf 49,2 Kilogramm gegen 50,8 Kilogramm im Jahre 1931 gefunken. Der Fleischkonsum liege damit gleichzeitig seit Jahren zum ersten Male wieder unter dem Durchschnitt des Jahres 1913 Der Frischmilchverbrauch geht dauernd zurück Das Preußische Statistische Landes. amt hat festgestellt, daß der Absatz von Frischmilch im Dezember trotz des stärkeren Verbrauchs zum Weihnachtsfeit noch um 1,7 Proz. ge= ringer war als im November. Der Absatz von Flaschenmilch( für die Kinder) sei sogar um 5,3 Proz. zurüdgegangen. Begenüber dem Dezember des Vorjahres hob: der Rückgang bes Frischmilchabsages nicht weniger als 10 Proz., der Rückgang des Flaschenmilchabsazes nicht weniger als 20 Broz. betragen. 3m ganzen Jahre 1932 feien 20 Proz. Frischmilch weniger abgefeht worden als im ganzen Jahre 1930. Die Folge ist, daß die Butterproduktion des Jahres 1932 um 10 Proz. größer war als im Jahre 1930. Der gefunde Menschenverstand reicht zur Erkenntnis der Ursachen dieser Entwicklung aus Verbraucher wie Landwirt sagen sich, daß Menschen, die von einer zum Leben nicht ausreichenden Unterstützung existieren müssen, oder deren Einkommen noch schneller sinkt als die Preise, eben nicht genug verbrauchen tönnen und daß da alle Rollerhöhungen eben nichts nügen. Die Verbraucher werden das schon am 5. März zum Ausdruck bringen, die Bauern vielleicht etwas später, aber die sind ja auch nicht auf den Kopf gefallen! ,, Schaumklöße" Der Regierung Hitler- Hugenberg nahestehende Unternehmergrupper äußern sich zu den Zollerhöhungen in einer Werfe. die dem ihr mit Recht gewünschten Eindruck, daß ihre Maßnahmen zweckmäßig und zielstrebig sind. nicht günstig ist. Eine Veröffentlichung des Hansabundes, für die Reichsminister a. D Dr. Gothein verantwortlich zeichnet, nennt die Zollerhöhung auf Bieh und Fleisch ein untaugliches Mittel", den Zoll auf Schafe..unsinnig", die Zollerhöhung für Schweine sinnlos" die erhöhten Zölle für Fleisch finnlos und zwedlos", die Zollerhöhung für Schmalz zwar für wirksam. aber töricht", und Reichsminister Dr. Gothein schließt sogar seine Kritik der Zollerhöhungen mit den Worten Für die deutsche Landwirtschaft aber find es Schaumflöße, die ihr gar keinen oder nur einen rasch vorübergehenden Nutzen bringen..." Der Fehlerzirkel: Arbeitslosigkeit und Preise steigen Die ernsteste Kritik der Regierungsmaßnahmen, die in den Tatsachen selbst liegt, ergibt sich aus folgendem: 3m 3anuar ist die Arbeitslosigkeit noch gestiegen. Jn Ergänzung der bekannten offiziellen Ziffern hat der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund am 18. Februar mitgeteilt, daß im Januar die Bollarbeitslosigkeit sich auf 46,7 Proz. gegen 45.6 Proz. im Dezember erhöht hat und die Kurzarbeit von 22,2 auf 23,3 Broz geftiegen ist. In der Saisongruppe stieg die Bollarbeitslosigkeit von 83,8 auf 88,7 Pro., in der Koniunkturgruppe von 37,7 auf 43.0 Broz. Steigende Arbeitslosigkeit heißt sinkendes Bolfseinkommen Bei sinkendem Bolkseinkommen müßten die Preise noch schneller finfen als das Einkommen; nur dann könnte die Produktion ffeigen. Die Woche vom 8. bis 15. Februar hat aber zum erstenmal seit langem ein Steigen des Großhandelsinder gebracht. Der Großhandelsinder hat sich von 90,5 auf 91,2 Proz. erhöht, und wir in erster Linie wegen der Auswirkung der Zollerhöhun- en. Das Elend steigender Arbe'tslofirfeit muß durch steigende Preise noch verstärkt werden. Hiobsnachrichten aus der Industrie Es geht auch sonst in der Industrie nicht besser, sondern schlechter. Von einer günstigen Auswirkung der fd on fost zur Legende gewordenen Arbeitsbeschaffung tann man nicht mehr sprechen. Der Kohlenbergbau meldet für Januar trotz der großen Kälte einen Rückgana der arbeitstäglichen Koblenförderung auf 358 382 Tonnen nenen noch 378 171 Tonnen im Dezember. Der Gesamtabsatz des Rheinisch- Westfälischen Kohlensynbitats war im Januar arbeitstäglich um 5,28 Proz. geringer als im Dezember und ohne Zechenselbstverbrauch sogar um 13.17 Proz. fleiner. Die arbeit tägliche Erzeugung von Braun= fohlenbriketts in Mitteldeutschland und im Kommen höhere Eisenzölle? Freie Bahn für das Monopolkapital In den letzten Tagen wurde gemeldet, daß man fich in der Reichsregierung eventuell auch mit den Eisenzöllen zu beschäftigen habe. Offenbar handelt es sich um die Frage, ob die Eisenzölle erhöht werden sollen und mindestens um die Frage, ob nicht für bestimmte Fälle Eisenkontin gente festgelegt werden sollen. Die Möglichkeit, daß die Erhöhung der Eisenzölle erwogen wird, ist außerordentlich bemerkenswert. Die Funktion der deutschen Eisenzölle bestand bisher nur darin, daß sie im Ausmaß des Zolles für die Höherhaltung der deutschen Eisenpreise über den Weltmarktpreisen eine Steinrechtfertigung abgab. Der deutsche Eisenmarkt wird nämlich vollständig von den deutschen Eisenerzeugern be-herrscht, und zwar vermöge jener Gebiets= schuza blommen, die bei der Gründung der internationalen Rohstahlgemeinschaft, die jetzt wieder belebt werden soll, abgeschlossen wurden, und die bis heute im wesentlichen voll wirksam waren. Die Bildung der deutschen Eisenpreise war also eine rein deutsche Angelegenheit, und ihre Höhe war nur davon abhängig, ob die Reichsregierung gegenüber den Eisenkartellen bei der Preisfestsegung eingriff oder nicht. So wurden ja auch die letzten Preisfenfungen praktisch durch behördliche Maßnahmen durchgeführt. Die Erwägung einer Erhöhung der Eisenzölle wird heute nun damit begründet, daß möglicherweise Belgien, ein Mitglied der Internationalen Rohstahigemeinschaft, fich an die Bindungen des internationalen Startells nicht halten würde. Es wurde auch darauf hingewiesen. daß allmählich die japanische und die indische Eisenausfuhr, die durch niedrige Löhne be= günstigt sei, auf dem deutschen Markt fühlbar geworden ist. Wie dem aber auch sei, aus der Diskussion einer Eisenzollerhöhung geht eindeutig hervor, daß die deutsche Eifenindustrie ihre Inlandpreise erhöhen möchte. Es ist weiterhin der Schluß erlaubt, daß man nicht einfach, weil das wirklich zu schlecht aus= sehen würde, die Kartellpreise der Eisenverbände erhöhen will, sondern daß man die gewollte Eisenverteuerung auf dem Wege über eine durch die Konkurrenzverhältnisse notwendig gewordene" 3ollerhöhung durchführen mötte. Wäre das die Absicht der Interessenten und würde diese Absicht von der Reidsregierung gutgeheißen die Dinge müssen sich in den nächsten Tagen flären, so wäre die Sache angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage in Deutschland einfach phantastisch. Es wäre freilich begreiflich, daß die monopolistische Eisenindustrie feinen Anlaß sieht, die deutsche Gesamtwirtschaft zu schonen, wenn nach der agrarischen Seite hin Subventionen über Subventionen ge= währt und Zölle über Zölle erhöht werden. Bisher hat man das Verfahren gegenüber der Landwirtschaft aber als Ausnahme verfahren und als Ausnahme notwendigkeit hingestellt. Würde eine Erhöhung der Eisenpreise erlaubt, so würde die Ausbeutung der nicht durch den Staat oder durch wirksame kartelle besonders geschütten Industrie- und Wirtschaftszweige mitten in der schwersten Wirtschaft trise zum System erhoben und die wirtschaftliche Anarchie wäre innerhalb der privatkapitalistischen Wirtschaft vollkommen geworden. Die Folgen wären gar nicht abzusehen. Ein Beispiel dafür, daß man ohne jede Rücksicht auf die Wirtschaftslage und auf die kostenmäßigen Folgen bei den Abnehmern die Eisenpreise erhöhen. will, hat der Verein Deutscher Eisengießereien gegeben. Dieser Verein hat er klärt, daß er die Preise für Gußstücke einfach deshalb erhöhen müsse, weil die Industrie zu ihrer Erhaltung höhere Preise brauche. Hier stellt man sich ganz nackt und flar auf den Standpunkt, daß tartellierte Industrien in ihrer Preispolitik feine Rücksicht zu üben brauchen! Dabei stehen gerade bei dieser Industrie die Preise heute noch um 40 bis 58 Proz. über den Borkriegs= DONNERSTAG, 23. FEBRUAR 1933 Rheinland ist von 103 004 auf 97 823 Tonnen zu rüdgegangen. Die Roheisen- und Stahlerzeugung war zwar im Januar etwas höher als im Dezember( zum Teil Sonderaufträge); die Preisverhältnisse im Ausland haben sich aber auch jetzt noch nicht ge= beffert. Der Verein Deutscher Maschinenbauanstalten meldet für Januar eine schwäche re Anfragetätigkeit der Inlands- und Auslandskundschaft. Der Auftragseingang aus dem Inland hielt knapp die Höhe des Dezember, der aus dem Ausland lag unter dem Dezember- Ergebnis. Der an den geleisteten Arbeitsstunder gemessene Be= schäftigungsgrad ist zum ersten Male seit einigen Monaten wieber zurüdgegangen ,. und zwar von 31,0 aut 303 7 Proz $ Der Deutsche 3ement Bund meldet für Januar eine Versandmenge von nur 72 000 Tonnen. Das sind 28 Proz weniger als im Dezember. Die Entwicklung des Außenhandels im Januar muß man geradezu bedenklich nennen. Die Einfuhr jant gegenüber Dezember um 55 auf 367,8 Millionen, die Ausfuhr aber um 100 auf 390,5 Millionen Der Ausfuhr= überschuß ist von 68 auf 23 Millionen zurüdgegangen Die Fertigwarenausfuhr ist um nicht weniger als 88 auf 299,2 millionen gesunken. Der Januar bringt im: ner Rückgänge gegenüber dem Dezember aber ein Ausfuhrüberschuß von nur noch 23 Millionen Marf ist bei fortdauernder Krise angesichts der deutschen Auszu landsverpflichtungen lebensgefährlich klein nennen. Rückgang der Produktion und Rückgang des Ausfuhrüberschusses im Januar hätten für die feit dem 30. Januar amtierende HitlerHugenberg- Regierung ein Warnungszeichen erster Ordnung sein müffer. das Preteniveau nicht steigen zu lassen und der Export pfleglich zu behandeln. Selbst die Unternehmer tönnen nicht der Meinung sein, daß das geschehen ist und werden, wenn sie gut berater find, om 5. März ihre Meinung auch nicht hinter dem Berge zurückhalten. Man braucht also wirklich nur die Tatfachen zu befragen um zu erkennen, daß die Don der Hitler- Hugenberg- Regierung befolgte Wirtschaftspolitik kaum zu einem guten Ende führen kann. Das arbeitende Bolt wählt jedenfalls Liste 2 Sozialdemokraten. preisen, während die eigenen Kosten erheb lich unter den Vorkriegskosten liegen. Bei dieser Industrie ist es ganz klar, daß gerad. die Hochhaltung der Preise zur Verschlechterung der Lage der Industrie beigetragen hat. Weil man aber die Preise zu hoch gehalten hat und infolge= dessen weniger verkaufte, will man jetzt die Preise noch mehr erhöhen! Genau so liegt es bei der Eisenindustrie. Deutschland steht vor dem endgültigen wirtfchaftlichen Untergang, wenn die Kartelle Freiheit für die Preisbildung bekommen würden, und die Gefahr dieser Entwicklung iſt dringend geworden. SA. und Zeche Sachsen Wahlspeck für die Kumpels Seit Monaten wird in der Oeffentlichkeit ein erbitterter Kampf um die Erhaltung der Zeche Sachsen geführt. Die sozialdemokra tische Fraktion im Preußischen Landtag hatte in diesem Kampf die Initiative ergriffen, um den 3000 beschäftigten Kumpels die Arbeitsstätte zu erhalten. Die nach dem Abkommen Otto Wolffs mit dem Hantel- Konzern abgerissen und perschrottet werden solite. Mit dem herannahenden Wahltermin haben auch die Nationalsozialisten ihr Herz für die Kumpels entdeckt Nach der Frankfurter Zeitung" erklärte der Kreisleiter der NSDAP. in Hamm, Deter, in einer Rundgebung, daß die drohende Stillegung unterbunden werden müsse. Er. Deter, glaube ganz im Sinne Hitlers zu handeln, wenn er kurzerhand die Zeche von SA.- Leuten besetzen lasse, um so die Stillegung zu verhindern. Die Nationalsozialisten nehmen jezt furz vor dem 5. März den Mund sehr voll. Nach Tische wird sich die Sache anders ansehen, und die Kumpels auf Beche Sachsen werden vergeblich nad) dem Wahlspeck der SA- Besetzung Ausschau halten. Was aber werden die Ruhrherzöge zu diesen Freunden sagen, die hier mit pseudobolschewifti. schen Methoden drohen? Bankfeiertage in Michigan aufgehoben. Der Gouverneur des Staates Michigan, Comstoc, hat die Banffeiertage ab Donnerstag in Michigan aufgehoben. zur Bereitung MAGGI Fleischbrüh- Würfel vorzüglicher Fleischbrühsuppen Ist der Marxismus schuld? Das neue Stillhaltungsabkommen Die ausländischen Gläubiger, die in der vergangenen Woche mit den deutschen Schuldnern das neue Deutsche Kreditabkommen für 1933" abgeschlossen haben, das 3,7 Milliarden Mart turzfristige Kredite gegen um Broz. gefürzte Zinsen Deutschland auf ein weiteres Jahr beläßt, haben einen Bericht veröffentlicht, der gerade jetzt von allgemeinem Interesse ist. 3 Nach dem Willen der gegenwärtig regierenden Hitler Hugenberg Kombination hat am 30. Januar, dem Tage der Machtübernahme, für Deutschland ein neues Zeitalter begonnen. An allem, was bis dahin schlecht war, sei der Margismus schuld, so wird behauptet, und für alle neuen von ihr getroffenen Maßnahmen wird in Anspruch genommen, daß sie allein geeignet sind, die deutsche Wirtschaft wieder aufwärts zu führen. Wenn es um die Kritik staatlicher und wirtschaftlicher Zustände in einem fremden Staate geht, ist zurückhaltung in der Sache und in der Form selbstverständliche Pflicht der Kritiker. Diese Zurückhaltung wird in dem Bericht des Komitees der ausländischen Stillhaltegläubiger vom 17. Februar sehr stark geübt. Dennoch sind in dem Bericht Feststellungen enthalten, die sowohl für die Bergangenheit als auch für die Zukunft weder zu der von der Hitler- Hugenberg- Gruppe geübten Kritik noch zu der von ihr in Anspruch genommenen Unfehlbarkeit passen. Daß der Marxismus an der Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland schuld sei, ist offenbar nicht die Auffassung der Stillhalte. gläubiger. Für die Zeit vor dem 30. Januar werden eindrucksvolle Erfolge Deutschlands festgestellt, die dem Verständnis der breiten Massen start mitzuverdanken seien. So wird in dem Bericht festgestellt: ,, Deutschland hat sowohl in der Ueberwindung seiner inneren Schwierigkeiten wie in der Anpassung an die äußere Entwicklung eindrucksvolle Erfolge erzielt. Sie ergaben sich nicht nur aus der Planmäßigkeit und Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen, sondern auch aus der ständigen Zusammenarbeit von Regierung, Reichsbant, Banten und Wirtschaft. Au dem lag ein unausgesettes verständnisvolles Mitgehen der breiten Massen der Die Kritik der Auslandsgläubiger Bevölkerung zugrunde, die, geschult durch bittere Erfahrung, bereitwillig ein Programm unterstügten, das jede Währungsentwertung und die Aufgabe der Goldbasis der Währung ablehnt. Fraglos baut sich vor allem hierauf die Ueberzeugung verantwortlicher deutscher Kreise auf, daß, soweit die inneren Bedingungen in Frage tommen und soweit diese von den Außenfaktoren unabhängig sind, das schlimmste Stüd des Weges durchschritten ift, das wieder zu befferen Zeiten führen soll." Besonders diese legte Bemerkung ist interessant. Die ausländischen Gläubiger Deutschlands, für die die Erkenntnis der wahren Lage Deutschlands über die Sicherheit ihrer Gelder entscheidet, sind also der Meinung, daß das schlimmste Stück des Weges bereits durchschritten sei, der zur Besserung führt, bereits durchschriften in einer Zeit, in der nach der Auffaffung der Hitler- Hugenberg- Gruppen der Marrismus Deutschland ruiniert haben soll! Die Voraussetzungen für eine bessere Zukunft find nach ihrer Meinung schon vor jenem 30. Januar geschaffen worden, der die„, Retter Deutschlands" erst zur Macht brachte! Der Bericht stellt auch den Tatsachen entsprechend fest, daß der tiefste Punkt der deutschen Wirtschaftskrise schon im August vori gen Jahres erreicht war. Der Produktionsindex sei von August bis November 1932( 1928= 100) von 52 auf 63 Proz. gestiegen. Dann heißt es über die für die Zukunft notwen= dige Politik: Damit ist die Produktion wieder an die laufende Nachfrage herangebracht worden, und ein weiteres Steigen hängt davon ab, daß sich der Konfum auf Grund einer weiteren Steigerung der Einkommen durch vermehrte Beschäftigung hebt." Alle Maßnahmen der Hitler- Hugenberg- Regierung waren nicht auf eine Steigerung der Eintommen, sondern im Gegenteil auf eine Erhöhung des Preisniveaus gerichtet! Diese Mahnung, auf die Steigerung der Verbrauchereinkommen bedacht zu sein, wird durch eine Warnung hinsichtlich der Exportpolitik ergänzt. Der Bericht stellt fest, daß im vergangenen Jahre der deutsche Außenhandel zum ersten Male stärker gesunken sei als der Welthandel insgesamt. Bei Deutschland betrage der Rückgang 37,2 Proz.; für die Gesamtheit der übrigen 38 Länder dagegen nur 33,8 Proz. Der deutsche Außenhandel set aber sehr ungünstig zu beurteilen, wenn man berücksichtige, daß die Preise für die Einfuhr im Jahre 1932 um 25 Proz. unter denen von 1931 lagen, die Preise für die deutschen Exportfertigwaren dagegen nur um 12 Proz. Lege man den Ein- und Ausfuhrmengen des Jahres 1932 die Preise von 1928 zugrunde, so ergebe sich für 1932 nicht ein Ausfuhrüberschuß von 1 Milliarde Marf, sondern umgefehrt ein Einfuhrüberschuß von 1 Milliarde Mart. Eindringlicher fann die Gefährlichkeit der Exportdroffelung durch einseitige Zollerhöhungen und durch Vernachlässigung der Handelsverträge nicht zum Ausdruck gebracht werden, als es hier geschieht. Jede Besserung der Weltwirtschaftskonjunktur bringt nämlich sofort ein starkes Ansteigen der Preise für die eingeführten Rohstoffe und nur ein allmähliches Ansteigen der Preise für deutsche Exportwaren. Wenn die deutschen Ausfuhrmög lichkeiten durch exportfeindliche Handelspolitik jezt eingeschränkt werden, die Preise für die eingeführten Rohstoffe aber steigen, dann wird der gefährliche 3eitpunkt sichtbar, in dem aus dem deutschen Warenerport die für Deutschland notwendigen Rohstoffe nicht mehr bezahlt werden können. Deshalb bedeutet es auch eine außer ordentlich harte Kritit an den zoll- und handelspolitischen Maßnahmen der gegenwärtigen Regierung, wenn der Bericht der ausländischen Gläubiger mit den Worten schließt:„ Weder ein wesentliches Ansteigen der deutschen Prosperität noch eine ausreichende Beschäftigung der Bevölterung Deutschlands find möglich ohne eine Zunahme des deutschen Außenhandels. Diese ist in gleichem Maße abhängig von einer Verbesserung der Lage in anderen Ländern wie von der Aufrechterhaltung und Stärkung des Vertrauens zu dem deutschen Kredit im Auslande, ohne das die Finanzierung eines Dergrößerten möglich ist." Außenhandels un. Die letzten Feststellungen lassen an Deutlichkeit schon gar nichts mehr zu wünschen übrig. Die Gefahr scheint gegeben zu sein, daß eine spätere Stillhaltung für die ausländischen Kredite vielleicht nicht zu erreichen ist, wenn Deutschland nicht eine Handelspolitik treibt, die dem Export günstig ist, anstatt ihn zu drosseln. Nazis und Steuern Wo bleiben die Versprechungen? Angesichts der Pläne der Reichsregierung, die Autosteuer zu ermäßigen drängt sich die Frage auf: Ist das alles, was nach wochenlangen Beratungen des Reichsfabinetts vom national jozialistischen Steuerprogramm übrig geblieben ist? Noch vor wenigen Wochen haben die Nazis im Reichstag eine um wälzende Steuerreform verlangt: Aufhebung der Arbeitslosenabgaben, Beseitigung der Salzsteuer, Wiedereinführung der Freigrenze von 5000 M. bei der Umsatzsteuer und der Erstattungen bei der Lohnsteuer, Umwandlung der Bürgersteuer in einen Einkommensteuerzuschlag, Verdoppelung der Freigrenze bei der Einkommen- und Lohnsteuer usw. usw. Und heute? Die Arbeiter müssen auch von dem allerkleinsten Einkommen die brutale Arbeitslosenabgabe weiterzahlen, die Hausfrauen müssen die Salzsteuer weiter entrichten, und die kleinen Gewerbetreibenden warten vergeblich auf die Be= ganz freiung von der Umsatzsteuer zu schweigen von der Bürgersteuer und der Lohnsteuer. Das ganze große Steuerprogramm der Nazis ist in der Versenkung verschwunden und als Ersatz bieten sie eine geringfügige und unzureichende Ermäßigung der Auto steuer! Schon werden die Nazis von ihren eigenen Freunden unliebsam an ihr früheres Programm erinnert! Der Reichslandbund hat der Regierung folgende Forderungen übermittelt: Beseitigung der Schlachtsteuer, Ermäßigung der Umsatzsteuer für Lebensmittel von 2 auf 0,85 Proz. und Wiedereinführung der Umsatzsteuerfreigrenze von 5000 m. Wann wird die Regierung zu diesen Forderun gen Stellung nehmen? Wir befürchten, daß bas vor der Wahl nicht der Fall sein wird. KINO- TAFEL PROGRAMM bis 23. Februar BTL BTL Potsdamer Str. 38 Marie mit Annabella Das Gespensterschiff mit Harry Piel W. ab 5 Uhr BTL Turmstraße 12 Ein Mann mit Herz mit Gustav Fröhlich- Eine Tür Franziskaner E. Friedrichstr. Rheinschloß- Lichtspiele Georgenstraße, Um 9. 12, 3, 6, 9 Uhr beginnend: Wer hat hier Recht? mit G. Bancroft, Wynne Gibson Um 10.30, 1.30. 4.30, 7.30, 10.30 Uhr beginnend: Husarenliebe mit Rheinstr. 60, Woch. 5, Stg. 3 Uhr Neukölln Filmverrückt( Lustspiel) mit Ha- Excelsior Wochentags 6 Uhr rold Lloyd- Tonbeiprogramm Tonwoche Schöneberg Ab 10 U. Max Adalbert, Hansi Niese, Flora- Tageskino Else Elster Noueste Ton- Wochenschau geht auf mit H. Speelmans Kolonnaden- Kino TonfilmW. ab 5 Uhr BTL Alexanderstr. 39 ( Passage) Grün ist die Heide mit Cam. Spira, Peter Voß, Th. Loos Das gute Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Wochent.; Den ganzen Tag geöffnet Alhambra Müllerstr. 136, Ecke Seestraße. Tarzan( Der Herr des Urwaldes) Das Testament des Cornelius Gulden mit Magda Schneider W. ab 4.30 Uhr Odeon, PotsdamerStr.75 Ein Mann mit Herz mit Gustav Fröhlich- Eine Tür geht auf mit H. Speelmans W. ab 5 Uhr Germania- Palast Charl.. Wilmersdorfer Str. 53/54 So ein Mädel vergißt man nicht mit Dolly Haas, Willy Forst 14. Juli W. ab 5 Uhr Kant- Lichtspiele Charl.. Kantstr. 54. Kaiserwalzer Eggerth Sklavin mit Die Martha blonde W. ab 5 Uhr: Primus- Palast Potsdamer Straße 19. Uraufführung: Zwei gute Kameraden mit Paul Hörbiger, Fr. Kampers, Jessie Vihrog W. 5, 7.10, 9.15 Uhr Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Beginn 3. 5, 7, 9 Uhr Neuaufführung: Der Patriot mit Aus den KinderJannings Tonwoche tagen des Films Leipziger Str. 58 Ab 9 Uhr vorm. So ein Mädel vergißt man nicht mit Dolly Haas, Willy Forst Ahoi, Ahoi! mit Szöke Szakall Wochenschau Moabit Artushof Wochent. ab 6 Uhr Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29. 2 Großtonfilme: Die blonde Venus mit Marlene Dietrich Sein Scheidungsgrund mit Paul Hörbiger Charlottenburg Schlüter- Theater Beginn 5. 7. 9 U. Schlüterstr. 17, S. 3 Uhr: Jug.- Vorst. F. P. 1 antwortet nicht mit Hans Albers Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Atrium Wilmersdorf Wochent 7, 914 U. Sbd., Stg. 5, 7, 9% Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Salon Dora Green mit Mady Christians Zeli Zehlendorf- Mitte Beg. tagl. 5, 7, 9 10 Uhr Sonnt. 3 Uhr Jugendvorst. Potsdamer Straße 30. Hölzerne Kreuze 1 Die zwei vom Südexpreß mit Wernicke, Busch Steglitz Titania- Palast W.6.30, 9 U. Stg.4, 6.30.9U. Steglitz. Schloßstr 5. Ecke Gutsmuthsstr Moral u. Liebe mit Grete Mosheim, Camilla Horn. Oskar Homolka, Joh. Riemann Tonfilmbeiprogramm Friedenau Kronen- Lichtspiele Rheinstr. 65 Täglich 5 7, 9 Uhr. Sonnt. ab 3 Uhr Der schwarze Husar mit Mady Christians, Conrad Veidt Gr. Tonbeiprogramm Hauptstr. 144. Sonntags 4 Uhr Kaiser- Friedrich- Straße 191 Das Blaue vom Himmel Madame verliert ihr Kleid Tetzte 9% Kukuk 2 Tonfilme: Der goldene Gletscher Madame wünscht keine Kinder mit Liane Haid Titania Schöneberg Hauptstraße 49 Wochentags 6 Uhr Sonntags 4 Uhr Kottbusser Damm 92 Kampf um Blond( Mädchen, die verschwinden) spurios Der falsche Hund W. 5, 7, 9 Uhr, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Mercedes- Palast W. 6.8% U. Luis Trenkers Meisterwerk: Der Rebell Jugendliche habén Zutritt Turma Wochent. 5, letzte 94 U. Sonntags ab 3 Uhr Hauptstr. 144. Ganovenehre mit Rotraut Richter, Kampers, Heidemann Tonbeiprogramm Mariendorf Mariendorfer W. 7, 9, Ma- Li Tonlichtspiele S. 5, 7, 8 Chausseestr. 305. Hermannstr. 212. Stg. 3 Uhr 2 Großtonfilme: Ganovenehre mit Fritz Kampers So ein Mädel vergißt man nicht mit Forst Primus- Palast W. 6, 8.30 U. Sonnt. 3 Uhr Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76. Der Rebell mit Luis Trenker Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Madame wünscht keine Kin- Stern, Hermannstraße 49 der Das Geheimnis um Johann Orth Tempelhof Kurfürst W: 7, 9, Sbd. Stg. 5, 7, 91 Stg 3 Uhr. Jgd.- Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Kaiserwalzer mit Martha EgW. 6 Uhr, Stg. 4 Uhr Das Blaue vom Himmel mit M. Eggerth, Thimig 14. Juli mit Annabella Südosten Stella- Palast Köpenicker Straße 12/14 Wochent. 6.30 Uhr, Sonnt. 3 Uhr Der Rebell ( Freiheitsfilm aus den Tiroler Bergen) mit Luis Trenker Szöke Szakall in dem Lustspiel Immer die Motorradfahrer Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt! Treptow Treptow- Sternwarte reb PROGRAMM bis 23. Februar Landsberger Flora- Lichtspiele Allee to W. 5.30. ca. 7. 8.30 Uhr. Stg. ab 3 Upr Wenn die Liebe Mode macht mit Renate Müller, Georg Alexander Kampf um Blond Volks- Kino Königstadt Schönhauser Allee 10 W. 5, 7, 49 U. S. 3 U. Jugd.- Vorst. Unmögliche Liebe mit Asta Nielsen- Der Orlow mit Liane Haid, Petrovich Neu- Lichtenberg Mittwoch 8 Uhr, Donnerstag 8 Uhr: Kosmos- Lichtspiele 7: Urvolk am Nil. Film und Vortrag mit farbigen Lichtbildern Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Ein Film von echter Filmromantik mit Ita Rina, Carl de Vogt, Carl Platen Das Lied der schwarzen Berge Lily Damita in ihrem deutschsprach. Tonlustspiel Madame verliert ihr Kleid W. 5, 7, ca. 9 U. Lückstr. 70. So. 2: Jgd.- Vorst. Großtonfilm. Verlängert: Der_Rebell mit Luis Trenker Tonbeiprogramm- Tonwoche Jugendliche haben Zutritt! Pankow Palast- Theater Breite Str. 21a. Wochentags 7 und 9 Uhr Des großen Erfolges wegen verlängert: Der Rebell mit Luis Trenker Wochent. ab 6 Uhr, Sonnt. ab 3 Uhr Tivoli Luna- Palast Woch 5 Uhr Sig, ab 3 U. Große Frankfurter Str. 121. Der Rebell mit Luis Trenker Bühne: Stegreifdichter Richard Schwarz gerth, Paul Hörbiger- Bei Deutsch- Amerik. Theater Schwarzer Adler programm Jugendliche Zutritt Tivoli Täglich: 5, 7, 9 Uhr Sonnt.: 3. 5. 7, 9 Uhr Berliner Straße 97. Der große Bluff mit Lee Parry Hochzeitsreise zu Dritt mit Brigitte Helm Südwesten Film- Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab 52, S. ab 3 2 Tonfilme: Ganovenehre mit Fr. Kampers Kriss, das flammende Schwert Palladium Baerwaldstr. 17 W. 5 letzte 9 Uhr S. 3, letzte 9 Uhr Köpenicker Str. 68. W. 5, 6.20, 7.30, 9 An heiligen Wassern mit Karin Hardt Tausend für eine Nacht Filmeck Frank! Wochentags 6.30, 9 Ubr Sbd., Sonnt. ab 4.30 Uhr Berliner Str. 27. 2 Großtonfilme: Baby mit Anny Ondra Der große Bluff mit Otto Wallburg Tegel W. 6 Uhr Allee Filmpalast Tegel& W. 5, 7. ca. 9 Uhr, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Der Rebell mit Luls Trenker Dazu Tell- Ouvertüre mit Max v. Schillings Neueste Tonw. Mit 50 PS auf dem Wasser Jugendliche haben Zutritt! Wochent. 6.15 Uhr Viktoria- Theater S Senntags 3. Uhr Am Görlitzer Bahnhof Der große Bluff. mit Lee Parry, Harald Paulsen Das Blaue vom Himmel mit Martha Eggerth Hermann Thimig 2 Großtonfilme: Hochzeitsreise zu Luisen- Theater W. ab 6 Uhr Dritt mit Brig. Helm- Tonbeiprogramm-Bühnenschau Rivoli Film und Bühne Bergmannstraße 5/7. W. 5.30, letzte 9 U. S. 3.30. letzte 9 U. Großtonfilm: Eine Tür geht auf mit Speelmans Traum von Schönbrunn mit M. Eggerth Stg. ab 3 Uhr Reichenberger Str. 34. Wenn die Liebe Mode macht mit Woch. ab 5 Stg ab 3 U. Frankfurter Allee 48 Deutschlands grandiosester Film: Der Rebell mit Luis Trenker Friedrichsfelde Kino Busch Mont- Donn. 6 U. Freit.- Stg. 5 Uhr Alt Friedrichsfelde 3 Sehnsucht 202 mit Magda Schneider, Fritz Schulz Wer hat hier recht? mit Paul Kemp, George Bancroft Nordosten Bahnhofstr. 2. Stg 2 U.: Jgd. Vorst. Liebe auf den ersten Ton mit Lee Parry- Ein Griff in die Mottenkiste Film Kosmos Bühne Hauptstr. 6. W ab 6 Uhr Stg. ab 4 Uhr 2 Großtonfilme: Eine Tür geht auf Strafbare mit Oskar Sima Ehen( Verbotene Liebe) Wocht 6, 8% Union- Theater S. 4%, 6%, 8% Hauptstraße 3. Madame wünscht keine Kinder mit L. Haid Geheimnis des blauen Zimmers mit Loos Hennigsdorf W. 5.15, 6.40, 9.15 U. Filmpalast Bea W 68.50 Uhr Renate Müller, Gg. Alexander, Elysium" W. 5.15, 6.40, 9.15 U. Das Lied der schwarzen Berge mit Ita Rina, Carl de Vogt S. Prenzlauer Allee 56 Der große Luis Trenker Film: Der Rebell- Lust. Beiprogr. Stgs 4 6 28 U Berliner Str. 59. S. 2 U.: Jug.- Vorst. Zu Befehl, Herr Unteroffizier mit Roberts Tonbeiprogr. Emelkatonwoche VIERTE BEILAGE Vorwärts Die Einigkeit der Arbeiterschaft wächst Die Stimmung in den Gewerkschaften Während unseres siebentägigen Verbots war in Berlin eine ganze Reihe von Gewerkschaftsverjammlungen, in denen zumeist über die Tätigkeit im vorigen Jahre Rechenschaft abgelegt und die Neuwahl dieser Verbandskörperschaften vorgenom= men wurde. Wenn in allen diesen Versammlungen in der Hauptsache zwar nur reine gewerkschaftliche und innerorganisatorische Fragen behandelt wurden, so fonnte man aus ihnen aber auch Schlüsse ziehen über die politische Stimmung in der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft. Die gleichmäßige Unterdrückung der kommunistischen und sozialdemo= kratischen Presse hat auch bei den kommunistischen Arbeitern die Erkenntnis erzeugt, daß es für die marxistisch orientierten Arbeiter jetzt Wicht: geres zu tun gibt, als über Vergangenes zu distutieren. Die meisten kommunistischen Arbeiter übertam eine ehrliche Scham, wenn ihnen die Flugblätter ihrer Partei vorgehalten wurden, die noch in den lezten Tagen herausgegeben worden sind und in denen es heißt, daß für die KPD. der Hauptfeind nach wie vor die Sozialdemokratie sei. In der Jahresgeneralversammlung der Berliner Ortsverwaltung des Zimmererverbandes wurde von dem Bevollmächtigten Genossen Frach am Schluß seines Geschäftsberichts auf die Notwendigkeit der Bildung einer ehrlichen Einheitsfront aller flassenbewußten Arbeiter hingewiesen. Die alte Ortsverwaltung, die restlos aus Anhängern der freien Gewerkschaftsrichtung besteht, wurde wiedergewählt. In der Jahresmitgliederversammlung der Ortsverwaltung des Verbandes der Lithographen und Steindrucker Am 18. Februar verschied mein treuer Weg- und Kampfgenosse, meine liebe Frau Rosa Hädicke geb. Gundlach In tiefer Trauer Gustav Hädicke Einäscherung, Freitag, den 24. Februar. 18% Uhr, Krematorium Gerichtstraße versuchte die KPD., die hier einen starten Stüzpunkt hat, eine Kraftprobe, die aber ihre Schwäche offenbarte Seit Wochen hat die ſogenannte„ Opposition" durch alle Veranstaltungen der Organisation einen Antrag gezerrt, den Ortsgruppenvorstand, der sich aus den Gruppenleitungen zusammensetzt und sich selbst konstituiert, durch Beschluß der Jahresmitgliederversammlung fon stituieren zu lassen. Mit überwältigender Mehrheit verfiel dieser Antrag der Ablehnung. Zur Frage der Einheitsfront, die nach dem Geschäftsbericht des ersten Vorsitzenden Ge= noffen Hoffmann ebenfalls behandelt wurde. ist einstimmig ein Antrag angenommen, der den ADGB. ersucht, zwischen den beiden politischen Arbeiterparteien eine einheitliche Kampffront gegen den Faschismus zustande zu bringen. In der Jahresdelegiertenversammlung der Seffion Gesundheitswesen im Gesamtverband geißelte der Sektionsleiter Genosse Schulz in seinem Geschäftsbericht besonders starf die Abbaumaßnahmen des Berliner Magistrats im Gesundheitswesen, gegen die fich die Organisation mit allen verfügbaren Kräften zur Wehr geſetzt hat. Mit starkem Beifall wurden seine Schlußbemerkungen aufgenommen, in denen er als Bebot der Stunde die Einstellung des Bruderkampfes in den eigenen Reihen und die Stärkung der Gewerkschaften herausstellte. Dic Sektionsleitung wurde einstimmig wiederge wählt. Die Delegierten- Generalversammlung der Maschiniften und Heizer tagte am Sonntag. Reinefeld hob in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 1932 hervor, daß Karteien Allgemeine Ortskrankenkasse bei JUERGENS Alexanderplatz Neue Königstr. 43 Bekanntmachung Jeutscher Metallarbeiter- Verband der Allgemeinen Ortskrankenkasse Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klempner Paul Schubert am 16. Februar im Alter von 53 Jahren ges orben ist Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 23. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ferner starb am 18 Februar unser Kollege, derWerkzeugmacher Gustav Marquardt am Die Einäscherung findet Freitag, dem 24 Februar, nachmittags 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Kiefholzstr., statt. Ferner starb am 18. Februar unser Kollege, der Arbeiter Franz Rutkowski am im Alter von 56 Jahren. Die Einäscherung findet Freitag, dem 24. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt Ferner starb am 19 Februar unser Kollege, der Schlosser Otto Launhardt im Alter von 63 Jahren. am Die Einäscherung findet Donnerstag, dem 23. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstr., statt Rege Beteiligung erwartet Nachruf Ferner starb am 15 unser Kollege, der Fräser Februar Rudolf Plümer im Alter von 66 Jahren Die Beisetzung hat bereits stattgelunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Küchen von MK. 75.an auch bis 18 Monats- Raten ift Berlin- Lichterfelde Die erfte Aenderung der Wahlordnung vom Oberversicherungsamt unterm 2. Februar 193 genehmigt und tritt mit diefem Tage in Kraft. Drudegemblare find in einigen Tagen bei der Rasse erhältlich. Der Vorstand: Rarl Brandenburger, Borsitzender. Deutscher Metallarbeiter- Verband Donnerstag, den 23. Februar abends 7 Uhr, im Parterrefaal des Berkandshauses, Elsässer Straße 86-88, Eingang B Branchen- Versammlung für Berlin- Adlershof und Umgegend der Rohrleger und Helfer Berlin- Niedersch newetde. Fennstraße 5.6. Der vom Ausschuß der Kasse am 28. 11. 1932 beschlossene 28. Nachtrag zur Kassensazung ist vom Ober- Verficherungsamt Berlin mit Wirkung ab 2. 2. 1933 genehmigt worden. Geändert werden dadurch die§§ 19, 20, 22, 32, 34b, 40, 47 und 67 der Sagung. Drudstücke des 28. Nachtrages sind in einigen Tagen im Kaffenlotal BerlinNiederschöneweide, Fennstr. 5-6, er hältlich. Den Herren Arbeitgebern wird bei Zustellung der nächsten Beitragsrechnungen der gedruckte 28. Nachtrag übersandt. Bln.- Niederschöneweide, 14. Febr. 33. Der Kaffenvorstand: Mag Knappe, Borsigender. Hackepeter zum guten Happen Inh. Ernst Mewes Eigene Hausschlächterei und Wurstfabrik Neukölln, Hermannstr. 160 Blumen Paul Golletz Mariannenstr. 3 F8. Oberbaum 1303 Erfinder Vorwärtsstrebende Auch heute noch Beitrags Marken CONRAD MÜLLER SCHKEUDITZ LEIPZIG GEGR.1885 FERNRUF: 535 Über Nacht z.Reicht. nferate im Kostenlose Aufklär. sof. forden von JL Tagesordnung: 1. Verbands und Branchenangelegen heiten 2. Berschiedenes Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Es ist Pflicht aller Kollegen, an diejer Bersammlung teilzunehmen. Donnerstag, den 23. Februar, abends 7 Uhr. im Sigungssaal II, Linienstraße 83-85, 2 Treppen, Eingang B," Elfäffer Straße 86-88 Konferenz d.weiblichen Vertrauensleute und Betriebsräte Tagesordnung: 1. Wir sind zum Kampf bereit!" Referentin Kollegin Emma Ritiche vom Deutschen Tertilar beiter- Verband. 2. Berbandsangelegenheiten und Ber schiedenes Die politische und wirtschaftliche Situation erfordert von den Kolleginnen die größte Ausmerksamkeit. Aus diesem Grunde bitten wir, daß alle Funktionärinnen die Konferenz besuchen. Mitgliedsbuch ist zur Kontrolle vorzuzeigen! Achtung! Achtung! Graveure und Ziseleure Donnerstag, den 23. Februar, nachmittags 4% Uhr, Besichtigung des Gebäudes der Allgem. Ortskrankenkasse Berlin, Rungestraße 3-7 ( Höllnischer Park) Treffpunkt im Vorraum. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! Die Branchenversammlung fällt dafür aus. Es ist Pflicht aller Rollegen, an dieser Beranstaltung teilzunehmen. Achtung! Achtung! Verwaltungsmitglieder! Vorwarts Freitag, den 24. Februar 1933, abends 7 Uhr, Sigun der Mittleren OrtsDie Ortsverwaltung. F. Erdmann& Co.ichern Erfolg verwaltuno. Berlin W. 11. Größte Auswahl bei fabelhaft billigen Preisen Teppiche Linoleum Stepp-, Tisch- und Schlafdecken Läuferstoffe und Wandbehänge Raddatz Karst& Co., Berlin W8. Leipziger Str. 122-123 für Läden, Treppen, Zimmer usw. Läufer, Teppiche. Tischlinoleum And easstr. 42. a. d. Gr. Frankfurter Str. Karst& Co., Madais r.( Schles Bhf.) S adtb- hnbogen durch die Brüningsche Notverordnung vom De zember 1931 eine starke Lohnsenfung im Anfang. des Berichtsjahres eintrat. Wenn auch 1932 hier oder dort Lohnminderungen erfolgten, so hat die Gewerkschaft doch bewiesen, daß den Abbauwünschen der Unternehmer in keiner Weise Rechnung getragen wurde. Auch die gekündigten Mantelverträge konnten ohne nennenswerte Einbuße neu abgeschlossen werden. Durch die PapenNotverordnung vom 4. und 5. September 1932 haben sich einzelne Kämpfe entwickelt, die mit vollem Erfolg beendet wurden. Zum Punkt Mitgliederbewegung wurde berichtet, daß auf Grund des Markenumsatzes in der ersten Hälfte des Berichtsjahres ein Mitgliederrüdgang zu verzeichnen war, dagegen ein Mitglieder aufstieg im dritten und vierten Quartal. Bei der Neuwahl wurden die Geschäftsleitung sowie die Beifizer zum Bezirksvorstand, alles Mitglieder der Eisernen Front, einstimmig gewählt Die im Bekleidungsarbeiterverband organifierten Berliner Herrenmaßschneider hielten vor kurzem im Gewerkschaftshaus ihre Jahresbranchenversammlung ab. In der Diskussion nahm nicht der Geschäftsbericht, sondern die Frage der Einheitsfront den größten Raum ein. Es bestand volle Uebereinstimmung zwischen den kommunistischen und den sozialdemokratischen Branchenangehörigen, daß ein einheitliches 3u sammenstehen gegen die Reaktion das dringendste Gebot der Stunde ist. Unterschiedslos wurde der Meinung Ausdruck gegeben. daß angesichts des Feindes vor den Stellungen der Arbeiterschaft für den Bruderzwift in den eigenen Reihen fein Platz ist. M DONNERSTAG, 23. FEBRUAR 1933 Bei der Neuwahl der Branchenkommission und der Delegierten zur örtlichen Generalversammlung vereinigte die sogenannte Opposition taum 15 Pro 3. der abgegebenen Stimmen auf ihre Kandidaten. Der Branchenleiter Genosse Faustmann wurde einstimmig wiedergewählt, die übrigen ,, reformistischen" Funktionäre hatten im Höchstfalle 26 Stimmen gegen sich. " Die Jahresgeneralversammlung der Ortsverwaltung des Verbandes der Nahrungsmittelund Getränkearbeiter tagte am Dienstag. Der Bevollmächtigte Genoffe Schulz gab in seinem Geschäftsbericht bekannt, daß die Ankurbelung der Wirtschaft" mit Hilfe des Lohndrucks allein in der Berliner Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie 59 Betriebe mit rund 1000 Beschäftigten von der Bildfläche verschwinden ließ. Dabei sind noch gar nicht die vielen Kleinbetriebe eingerechnet, die in Konkurs gegangen sind. Die Haupttätigkeit der Organisation stand im vorigen Jahr in der Abwehr der Angriffe der Unternehmer und Regierungen gegen die Löhne Genosse Schulz ging zum Schluß seines Berichts noch furz auf die augenblickliche politische Lage ein. Er teilte u. a. mit, daß infolge der Erhöhung der Fleischzölle durch die gegenwärtige Reichsregierung das Seegrenz= schlachthaus in Lübeck geschlossen werden mußte, in dem das aus Dänemark kommende Vieh geschlachtet wurde. 700 Fleischergesellen und Berufsgenossen sind dadurch arbeitslos geworden. In der Frage der Einheitsfront stellte Genosse Schulz die Notwendigkeit der Unterlassung des gegenseitigen Bekämpfens in den eigenen Reihen in den Vordergrund. Die Wahl der erweiterten Ortsverwaltung und der vier neu zu wählenden Vorstandsmitglieder ergab ein stimmige Wiederwahl. Nach einer kurzen Aussprache wurde einstimmig ein Antrag angenommen, der die Ortsgruppenleitung beauftragt, an sämtliche Mitglie= der einen Aufruf ergehen zu lassen, der sie zur Einigkeit und zur Stimmabgabe für die Sozialdemokratie auffordert. 3313% Fahrpreisermässigung für Besucher der Leipziger Frühjahrsmesse 1933 Mustermesse 5. bis 11. März, Textilmesse 5. bis 8. März, Sportartikelmesse, Möbelmesse, Sondermesse Photo, Optik, Kino und Bürobedarfs- Messe ,, Jägerhof" 5. bis 9. März. Grosse Technische Messe und Baumesse 5. bis 12. März Besorgen Sie sich Ihr Messabzeichen zum ermässigten Vorverkaufspreis bei: der Berliner Geschäftsstelle des Leipziger Messamts( Dr. Westphal), W 57, Kurfürstenstr. 23 hpt.r., Untergrundbahnh. ,, Kurfürstenstrasse" Südausgang( Oliva1783 u.Lützow 1749); dem Ehrenamtlichen Vertreter des Leipziger Messamts, Direktor G. Bach( Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser), W 62, Kielganstr. 1( Lützow 3365/66); der Norddeutschen Lloyd- Agentur Berlin, G. m. b. H., Kajütenbüro, W8, Unter den Linden 1 ( Hotel Adlon)( Flora 6601); Filiale Kurfürstendamm 17( Bismarck 2284); dem Norddeutschen Lloyd, Generalvertretung Kurt Montanus, G. m. b. H., NW 40, Invalidenstrasse 93( D 2, Weidendamm 2241 und 7966); der Verkehrsabteilung der Industrie- u. Handelskammer, C2, Klosterstr. 41( Berolina 5691); dem Verein Berliner Handelsvertreter E. V., NW 7, Georgenstrasse 47( Merkur 587); der Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr, Auskunftsstelle Berlin W 9, Potsdamer Bahnhof( Kurfürst 3375); der ,, Nord- und Süd- Einkaufsgenossenschaft" E. G. m. b. H.( Generaldir. Fr. P.Martini), SW 68, Ritterstrasse 73/74( Dönhoff 10); dem Verband der Bestandteilfabrikanten für Musikinstrumente e. V., Berlin- LichterfeldeWest, Karlstrasse 103( Lichterfelde 7927); der ,, E.G.V." Elektro- Grosshändler- und Exporteur- Vereinigung Deutschlands e. V., SW 48, Friedrichstrasse 234( Bergmann 6597); der Textil- Zeitung, Berlin SW 19, Leipziger Strasse 62/63, Am Spittelmarkt( Merkur 6031); der Deutschen Luft- Hansa A.-G., SW 68, Lindenstrasse 35( A7, Dönhoff 8630); der Vertretung des Nordd. Lloyd: Wilhelm Kaefer, Luckenwalde, Treuenbrietzener Str. 155. Messabzeichen zum Vorverkaufspreis und Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt mit 3313% Ermässigung auf die Personenzugfahrpreise II. und III. Klasse ( Benützung von Schnell- und Eilzügen gegen Zahlung des tarifmässigen Zuschlags gestattet) werden verkauft von den Reisebüros: Reisebüro Tietz, Leipziger Strasse; Reisebüro Scherl, Am Dönhoffplatz; Reisebüro Ullstein, Ullsteinhaus; Kaufhaus des Westens, Wittenbergplatz; Reisebüro Wertheim, Leipziger Strasse, und den Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebüros, Potsdamer Bahnhof und Bahnhof Friedrichstrasse. Die ermässigten Fahrkarten sind gegen Vorzeigung des Amtlichen Messabzeichens der Leipziger Frühjahrsmesse 1933 mit zugehöriger Aufsteckkarte auch an allen Bahnhöfen erhältlich. Messadressbuch frei überallhin gegen Voreinsendung der Auslieferungsgebühr von RM 1.- je Band auf Postscheckkonto Leipzig 66750 Verlagsanstalt des Leipziger Messamts GmbH., Leipzig C1. Band I Mustermesse, Band II Technische Messe. LEIPZIGER MESSAMT LEIPZIG 1745 Die Betriebsräte rufen euch! Es geht um die politische und wirtschaftliche Freiheit Große rote Fahnen und die Zeichen der Republik grüßten die Betriebsräte des ADGB. und des AfA- Bundes aus den Bezirken Berlin, Brandenburg und Grenzmark, als sie am Sonntag, dem 19 Februar, im großen Saal des Berliner Gewerkschaftshauses zu ernsten Beratungen zusammentraten. Die Konferenz gipfelte in der einstimmigen Annahme einer Ent= schließung, in der es heißt: Die Reaktion hat willkommene Stüßen in der RGO. und in der Bettiebszellenorganisation der Nazis gefunden Die Arbeiter und Angestellten müssen sich bewußt sein, daß ihre Interessen in den Betrieben am besten durch freigemertschaftliche Betriebsräte gewahrt werden. Die 12jährige Tätigkeit der freigewerkschaftlichen Betriebsräte legt dafür Zeugnis ab. Die Freiheit des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens der deutschen Arbeiter und Angestellten steht auf dem Spiel. Die Koalitionsfreiheit, das Tarif= recht und die Sozialversicherung sollen vernichtet werben Dagegen gilt es sich zu rüsten. Die Konferenzteilnehmer geloben deshalb ihren Bundesvorständen, die Werbeaktion für die Gewerkschaften so zu steigern, bis alle Arbeiter und Angestellten freigewerkschaftlich organisiert find. Es gilt, bei den kommenden Wahlen zu den Parlamenten dafür zu sorgen, daß durch die Wahl von Sozialdemokraten die sozialen Errungenschaften erhalten und ausgebaut werden. Vollmerhaus. Bezirkssekretär, sprach den Betriebsräten den Dank des ADGB. und des AfA- Bundes für die Arbeit aus, die in den letzten Reichsarbeitsminister Eine aufschlußreiche Rede Der Reichsarbeitsminister Seldte empfing dieser Tage Dr. Stadtler und Dr. Kiekebusch vom Stahlhelm- Studentenring Langemard. Im Verlaufe der Unterredung führte Minister Seldte u. a. folgendes aus: ,, Neben dem Werkhalbjahr werde ich als Minister für Jugendertüchtigung der studentischen Wehrarbeit meine besondere Aufmerksamkeit widmen Bei weitgehender Einschaltung der gewordenen 3ellen studentischer Gemeinschaftsbildung wird die Wehr und Opferbereitschaft der akademischen Jugend voll eingesetzt werden können. Auf diesem Wege werden Waffen studenten und Freistudenten, die vor Langemarck und beim Sturme auf den Annaberg zum ersten Male Schulter an Schulter standen, in der freiwillig übernommenen Wehrarbeit ihre gemeinsame Aufgabe finden. Die Begeisterung und Opferwilligkeit, mit der die deutsche Studentenschaft in immer steigendem Maße in den letzten Jahren ihre Wehrerziehung durchgeführt hat, gibt mir die Gewißheit, daß, solange Deutschland den ihm gebührenden Lebensraum noch nicht gefunden hat, der Typ des deutschen Studenten der deutsche Wehrstudent sein wird. In diesem Sinne rufe ich meine Kommilitonen zur gemeinsamen Arbeit an dem Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes auf!" Also sprach der Arbeitsminister des Kabinetts Hitler! zwölf Jahren unter den schwierigsten Verhält= nissen geleistet worden ist Die krisenhaften Erscheinungen in Politik und Wirtschaft haben den Nazis und den Deutschnationalen den Weg zur Macht geebnet. Der Kurs der Papen-, Schleicher-, Hitler- und Hugenberg- Regierungen liegt eindeutig fest. Es gilt die Zähne zusammenzubeißen und unsere Reihen zu stärken, bis die Zeit zu einer härten Antwort gekommen ist. Der Mut der organisierten Arbeiterschaft hat sich auch in diesen schweren Zeiten bewährt; und erst in den letzten Wochen ist es mehreren Ge= werkschaften gelungen, neue Tarife abzuschließen, in denen trotz des wütendsten Abbauwillens der Unternehmerschaft die wichtigsten alten Bedingungen neu berankert sind. Wir brauchen eine Einheitsfront; aber das fann nicht eine Einheitsfront fein, die mit der Berleumdung der Gewerkschaftsführer beginnt. Das kann auch keine Einheitsfront sein, die auf den Plakatfäulen angekündigt wird. Die von der Kommunistischen Partei in ben Vordergrund geschobene RGO. ist für uns kein vollwertiger Partner und auch der Schrei nach einem Sowjetdeutschland ist in einer Einheitsfront mit freigewerkschaftlichen Arbeitern nicht zu verwirklichen. Wir lehnen örtlich und bezirklich alle Verhandlungen über diese sonderbare Art von Einheitsfront ab. Eine spätere Zeit wird uns die wirkliche Arbeiterregierung bringen; aber diese Regierung muß eine andere, eine härtere Demofratie einführen! Unter lebhaftem Beifall erklärte der Referent: „ Jezt stehen wir unter dem Terror! Wählt am 5. März ein gutes Parlament! Wählt starke freigewerkschaftliche Betriebsräte! Damit schafft ihr heit ein wenn auch nur relativer Erfolg der Nazis zu verzeichnen ist. Berücksichtigt man jedoch die besondere Mentalität eines erheblichen Teils des Personals, so kann das Ergebnis als ein er= freulicher Erfolg der freien Gewertschaften bezeichnet werden. Möbeltransport- Konflikt Möbel= Auf Antrag der Berliner spediteure finden heute beim Schlichtungsausschuß Verhandlungen statt über den Neuabschluß des Lohn- und Manteltarifvertrages der Möbeltransportarbeiter. Beide Verträge sind be= kanntlich von den Unternehmern zweck's Abbau zum 28. Februar gekündigt worden. Die Verhand= lungen zwischen den Parteien mußten ergebnislos abgebrochen werden, weil die Unternehmer auf einem Abbau der Löhne bestanden, der Gesamtverband dagegen unveränderte Verlängerung des Lohnabkommens bis zum 30. September d. I. und des Manteltarifpertrages bis zum 31. März 1934 verlangten. Einbehaltung von Gehalt Unzulässige Anwendung einer Verordnung Eine Notverordnung des Reichspräsidenten vom 24. August 1931 ermächtigt die Staats- und Gemeindebehörden zu Sparmaßnahmen, die auch in die Rechte der Länder eingreifen dürfen. Auf Grund dieser Verordnung hat die preußische StaatsDie Wahl bei Aschinger regierung am 8. Juni 1932 eine Verordnung erFreigewerkschaftlicher Erfolg Dieser Tage fand in dem großen Gastwirtskonzern von Aschinger die Betriebsratswahl statt. Die letzte Wahl hatte bei einer sehr schwachen Beteiligung im Jahre 1931 stattgefunden. Von den 2210 zum Arbeiterrat Wahl= berechtigten stimmten 1679 ab. Es erhielten die freien Gewerkschaften 726( bei der letzten Wahl 660) Stimmen, die RGO. 607( 665), die Nazis 339( keine Liste bei der lezten Wahl). Die Mandatsverteilung ist folgende: Freie Gewerkschaften 6( 7), RGO. 5( 8), Nazi 2(-). Bei der Wahl zum Angestelltenrat wurden 195 Stimmen bei 371 Stimmberechtigten abgegeben. Es erhielten die freien Gemerf= schaften 142, die Nazis 53 Stimmen. Bei der legten Wahl wurden Listen nicht eingereicht, so daß die damals funktionierenden Angestelltenräte als gewählt galten. Der Angestelltenrat fegte sich zusammen aus 5 Freigewerkstattern, 1 RGO. Mann und 1 DHB.- Mann. Diesmal sind gewählt 5 Freigewerkschafter und 2 Nazis. Der Be= triebsrat setzt sich zusammen aus 8( 7) Freigewerkschaftern, 4( 8) RGO.- Leuten und 2 Nazis. Die freien Gewerkschaften haben somit im Betriebsrat die Mehrheit errungen. Es bestätigt sich auch hier wieder die so oft beobachtete Tatsache, daß als Folge einer vorübergehenden kommunistischen Betriebsratsmehrlassen, deren Auswirkung unter anderem auch die war, daß den Angestellten der Preußischen Staatsbank 5 bzw. 2½ Proz ihres Gehalts einbehalten wurden. Dagegen hat der Betriebsratsvorsitzende der Preußischen Staatsbant, vertreten durch den Allgemeinen Berband der deutschen Bankangestellten, Klage beim Arbeitsgericht erhoben, um eine grundsätzliche Ent= scheidung über die Anwendbarkeit der Ver= ordnung der preußischen Staatsregierung herbeizuführen. Der Kläger fordert Rückzahlung des einbehaltenen Gehaltsteils mit der Begründung: die Verordnung des Reichspräsidenten ermächtige die Staatsregierung zwar zu Maßnahmen, die in die Rechte der Länder eingreifen, aber nicht zu Maßnahmen, die Reicherechte betreffen. Die Gehälter der Angestellten der Preußischen Staatsbant seien festgesezt durch einen zwischen den Gewerkschaftenund dem Staatsministerium vereinbarten Tarifvertrag. Nach dem Reichsrecht seien Tarifperträge unabdingbar. Da die Verordnung der preuBischen Regierung die Tarifvereinbarungen ändere, verlege sie ein Reichsrecht und dazu biete auch die Notverordnung des Reichspräsidenten Dom 24. August 1931 teine Handhabe. Die Einbeha! tung eines Teils des Gehalts sei also unzulässig. Das Gericht trat im wesentlichen dem Standpunkt des Klägers bei und verurteilte die Beklagte zur Rückzahlung des einbe= haltenen Betrags von 138 M. und erklärte die Berufung wegen der grundsätzlichen Bedie Voraussetzung zu einem neuen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg der Arbeiterklasse! Nicht ängstliches Zagen, sondern die mutige aufbauende Tat muß unsere Parole sein!" Dr. Gusto Lehrer an der Bernauer Bundesschule des ADGB. ſprach jobann über die Betriebsrätearbeit in der Wirtschaftskrise. Bezirksarbeitersekretär Georg Wiesener erörterte die organisatorische Seite der fünftigen Betriebsrätewahlen. Die Debatte stand auf einer beachtlichen Höhe. Für alle Referenten sprach Dr. Gusko ein furzes Schlußwort. Die von den Unternehmern künstlich geschaffenen gewerkschaftsfeindlichen Organisationen haben keine dauernde Lebenskraft. Die Versuche, mit Unternehmergeld einen Keil in die Arbeiterschaft zu treiben, müffen scheitern. Zur Einheitsfront ist nur noch zu sagen, daß es der KPD. mit ihren Parolen nicht ernst ist. Die Leifung der Kommunistischen Partei weiß feit vierzehn Tagen, daß sich der Bundesvorsitzende Leipart bereit erklärt hat, jedes direkte Einheitsfrontangebot, das an ihn gerichtet wird, ernsten Willens an die in Frage kommenden Stellen weiterzuleiten. Aber das kommunistische Echo auf dies ehrliche Vermittlungsangebot hat man bis heute nicht zu hören bekommen. Die Gewerkschaften lassen sich von ihren Zielen und Aufgaben nicht abbringen! Keine Macht der Erde kann uns und unsere Zufunft gefährden. Flatau, Bezirkssekretär des AfЯ- Bundes, rief zur Treue und zur Arbeit auf und faßte den gemeinsamen Willen aller Delegierten zusammen, indem er die Konferenz schloß mit dem von allen Delegierten begeistert aufgenommenen Ruf: Der deutschen Gewerkschaftsbewegung ein dreifaches Freiheit! deutung des Falles für zulässig. In der Begründung des Urteils wurde unter anderem gesagt, das Staatsministerium sei durch die Notverordnung des Reichspräsidenten nur zu Eingriffen in Lan dese, aber nicht in Reichsrechte ermächtigt. Ein Eingriff in das Reichsrecht sei es, wenn durch Einbehaltung eines Gehaltsteils die Bestimmun gen des Tarifvertrags verlegt werden. Auch nach dem Handelsgesetzbuch- einem Reichsrecht müsse dem Handlungsgehilfen am Monatsschluß das ihm zustehende Gehalt ausge zahlt werden, womit das vereinbarte Gehalt ge= meint sei. Uebermenschen Zurück zu den Hohenzollern! In Anhalt haben die Nationalsozialisten im Landtag einen Antrag eingebracht, der vom Staatsministerium fordert, daß kein Beamter oder staatlicher Angestellter hinfort der Sozialdemokratischen Partei ange hören bzw. fich für diese betätigen darf". Gegen Zuwiderhandelnde soll ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Die Begründung dieses Antrags ist von klassischer Einfachheit und Schönheit. Sie lautet: Das Verhalten der Sozialdemokratischen Partei in Bergangenheit und Gegenwart hat bewiesen, daß diese fortgesezt staats- und landesgefährlichen Charakter angenommen hat. Da wären wir also glücklich wieder so weit wie unter dem Regime der Hohenzollern. Ein Sp= zialdemokrat ift ein„ Untermensch" Uebermentschen sind, die das richtige Parteibuch haben und auf die Verfassung der Deutschen Republik - pfeifen. Beschlüsse des JGB. Der Internationale Gewerkschaftsbund hielt in Berlin eine Vorstandssigung ab. Es wurden wichtige Beschlüsse gefaßt. Sie sind ein Ausdruck der gesteigerten Aktivität des JGB. Die endgültige Faffung des dem Kongreß in Brüffel vorzuliegenden Entwurfs der Sozial= politischen Richtlinien sowie des internationalen Schul- und Erziehungsprogramms wurde genehmigt. Die plan= wirtschaftlichen Forderungen würden in der bis jetzt vorliegenden Fassung mit geringfügigen Ergänzungen gutgeheißen. In einer gemeinsamen Sigung der Exekutive der gewerkschaftlichen und der soziolistischen Internationale wird nach einem Beschluß des Vorstandes die Frage einer gemeinsamen Stellungnahme zur Weltwirtschaftskonferenz behandelt werden; es ist beabsichtigt, der Weltwirtschaftskonferenz in einer gemeinsamen Dentschrift der beiden Internationalen die Forderungen der Arbeiterklasse zu unterbreiten. Auch werden sich die beiden Vorstäde gemeinsam mit der Fortführung des Kampfes gegen Faschismus und Reaktion befassen. Diese gemeinsamen Sizungen werden in der Zeit vom 5. bis 7. April stattfinden Der Ausschuß des JGB und damit auch die Vertreter der Internationalen Berufssekretariate werden zu einer Tagung einberufen, die sich vor allem mit der Frage beschäftigen wird, welche Mittel und Kräfte für eine große Aktion zur Durchführung der Bierzigstundenmoche in internationalem Ausmaß aufgeboten werden können. Diese Tagung des Ausschusses und der Berufssekretariate findet in der Zeit vom 9. bis 11. April statt. In Verbindung mit dem Internationalen Gewerkschaftskongreß in Brüssel wird eine Internationale Arbeiterinnentonferenz stattfinden. Als vorläufiger Termin dafür ist der 29. Juli vorgesehen. Die Arbeiterinnenkonferenz wird das Problem der Frauenarbeit in der Krise ( Rationalisierung) und die Lohnfrage der Frauenarbeit behandeln. Die Situation in der Welt und in den verschiedenen Ländern wurde eingehend besprochen und eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die die Solidarität der internationalen Gewerk schaftsbewegung insbesondere mit dem Kampf der deutschen Arbeitertiajie betonen. In der großen Kabelfabrik Felfen u. Guilleaume in Köln gingen bei der Betriebsrats= wahl von 1389 Wahlberechtigten 1176 zur Wahl. Es erhielten die freien Gewerkschaften 538 Stimmen gleich 6 Size( 6), die christlichen Gewerkschaften 268 Stimmen gleich 3 Size( 3) und die RGO. 349 Stimmen gleich 3 Size( 4). 200 Jahre zurück! Das neue nationale Ideal ,, Eine echte Stahlhelmarbeit" nannte der Reichsarbeitsminister Seldte die Schrift Dr. E. Lübbert, Durchbruch zur Wirtschaftsfreiheit", Niederschrift eines Vortrags im Bundesvorstand des Stahlhelms. Darin preist dieser Wirtschaftspolitiker des Stahlhelms die wirtschaftlichen Zustände, die vor 200 Jahren bestanden, und die heute wieder richtig sein könnten. Und der getreue Schildknappe des Krisenministers Hugenberg, der Gelbenführer Wilhelm Schmidt, verdichtet diese romantische Schwärmerei in der Forderung des Streifoerbots, der obligatorischen Lohnfestsegung von oben und Angliederung von Arbeitskammern an die Handelsfammern. Um ganz deutlich zu machen, wohin die Reise gehen soll, zitieren wir folgenden Reichsbeschluß vom 16. August 1731 9944. Wenn bisheriger Erfahrung nach die Gesellen unter irgendeinem Vorwand sich weiter gelüften lassen, einen Aufstand zu machen, sich zusammenzuroffen, und entweder an Ort und Stelle zu bleiben, aber feine Arbeit mehr zu tun, oder haufenweise austreten und auswandern, dergleichen große Frevler und Missetäfer sollen nicht allein mif Gefängnis, Zuchthaus, Festungsbau und Galeerenstrafe belegt, sondern nach Beschaffenheit der Umstände und bewiesener Renitenz am Leben bestraft werden... Es sollen auch die mutwillig aufstehenden oder ausgetretenen Handwerksburschen in feinem Orte des Reichs, in feinem Wirtshause oder sonstwo mit Speise und Trank versehen, noch ihnen Aufenthalt gestattet werden. Auch gegen Hehler und Mithelfer der Aufrührer soll mit den genannten Strafen verfahren werden." Wenn den Gesellen in der damaligen ,, Ständekammern", den Zünften, Unrecht geschah, konnten fie an die Staatsgewalt appellieren, die von feinem ,, verfaulten Parlamentarismus" behindert war und die Einheit der Nation wahrte. Der in allen Ufa- Kinos mit Recht populäre Fridericus Rer befahl 1766 allen Beamten, Magistraten, Gerichtsobrigkeiten und Baubedienten im Herzogtum Magdeburg, zu wachen, daß sich kein Maurerbei oder Zimmermeister unterstehe wöchentlicher Strafe von 1 Taler für jeden Mann den Gesellen mehr zu geben als 8 Groschen pro Tag im Sommer, 7 Groschen im Winter. In Berlin war 1751 der Tagelohn für Maurer und Zimmerergesellen auf 10 Groschen festgesetzt worden bei 13ftündiger Arbeitszeit. Dapon behielten die Meister einen Groschen für fich. 1795 wandten sich die Gesellen mit einem untertänigsten Gesuch an den König, in Anbetracht der Erhöhung der Lebenshaltungskosten den Gesellenlohn auf 12 Groschen zu erhöhen. Nach wiederholten abschlägigen Bescheiden, nach vielen Gutachten und Gegengutachten wurde bereits" am 6. August 1800 verkündet, daß der Gesellenlohn auf 11 Groschen zu erhöhen sei zumal der tatsächlich gezahlte Lohn bereits 12 Groschen betrug. Diese gute alte Zeit ist das neue Ideal, das jetzt dem deutschen Volke und besonders seiner Arbeiterschaft angepriesen wird. Zurück zum Reichsbeschluß von 1731! Die Jugend im Freiheitskampf Mit der Eisernen Front für den Sieg der Sozialdemokratie An der Spike der Deutschen Republik steht seit dem 30. Januar die Regierung Hitler- Papen- Hugenberg. Schon diese Namen sind ein Programm. ,, Abbau des Wohlfahrtsstaates", ,, Erhaltung bes Privateigentums", ,, Vernichtung des Margismus und ber Novemberverbrecher", das sind die Kampfparolen dieser reak. tionären Konzentration. Die Jugend erfreut sich der besonderen Fürsorge dieses Kabinetts. Der einzige positive Punkt in dem Aufruf der neuen Reichsregierung ist die Ankündigung der Arbeitsdienstpflicht. Es soll eine Arbeitsdienstpflichtarmee als Zwangserziehungsanstalt der deutschen Jugend geschaffen werden. Das ist die einzige Hilfe, die ein Kabinett unter der Leitung des ,, Arbeiterführers" Hitler der großen Masse der erwerbslosen Jugend in Aussicht stellt. Eine Million junger Männer und eine halbe Million junger Mädchen und Frauen leiden seit Jahren unter den schrecklichen Folgen der kapitalistischen Wirtschaftskrise Sie erwarten alle sehnsüchtig den Zeitpunkt, an dem sie wieder ihre Kräfte und ihre beruflichen Fähigkeiten in produktiver Arbeit anwenden können. Die Arbeitsdienstpflicht kann diese Erwartungen nicht erfüllen. Sie bringt euch keine Entlohnung, sie zerstört bie natürlichen Lebensgemeinschaften, sie kann den älteren unter euch keine materielle Basis für die Gründung der eigenen Familie bieten. Es gibt nur einen Weg aus der Not dieser Krise, das ist die Beschaffung von freier Arbeit zu normalen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Das aber ist der Weg der Organisationen der Eisernen Front. Er soll jetzt nach dem Willen der Regierung für immer verbaut werden durch die Beseitigung der politischen Rechte der breiten Massen des Volkes, durch die Beseitigung der Demokratie. Der Kampf gegen den Marxismus" hat keine anderen Ziele als die Erhaltung der Vormachtstellung des Großgrundbesitzes und der Schwerindustrie und die Bernich tung aller Kräfte, die die Staatsmacht zur Umgestaltung der Wirt: schaft im Sinne der sozialistischen Forderungen der breiten Massen, insbesondere der Jugend, einsehen wollen. In diesem Ringen kann der arbeitenden und vorwärtsstrebenden Jugend die Entscheidung nicht schwer fallen. Sie steht in der Front für soziale Gerechtigkeit, für innere und äußere Freiheit, für Gleichberechtigung, Frieben und allgemeine Abrüstung. Jugend der Eisernen Front! Die politische und soziale Reaktion hat ihre letzten Reserven mobilisiert zum Kampf gegen die Freiheitsbewegung des deutschen Volkes. Wir nehmen den Kampf auf. Das Recht und der Geist der Ver. fassung sind unsere Bundesgenossen. Sett alle eure Kräfte ein. Werbt neue Kämpfer gegen die brohende Gewaltherrschaft der vereinigten faschistisch- kapitalistischen Reaktion. Ihr habt euch in dem Kampfjahr 1932 tapfer geschlagen, wir rechnen auch jetzt auf euch! Die ,, neuen Herren" haben uns die Vernichtung angedroht. Sie können uns nicht schrecken. Die arbeitende und freiheitsliebende Jugend wird nicht eher ruhen, bis das System des 30. Januar in Deutschland wieder beseitigt ist. Je mehr sie uns beschimpfen, je wütender sie gegen unsere Organisationen anrennen, desto fester und entschlossener wird die Jugend der Eisernen Front zusammenstehen, um auf dem Boden der Verfassung unseren Ideen zum Siege zu verhelfen. Die Reaktion hat sich in ihrem Haß gegen Volksherrschaft und Arbeiterbewegung geein gt. Unsere Einheitsfront ist die Eiserne Front! Ihre Parolen und Ziele sind die Kampfeslosungen der jungen Arbeiterschaft. Freiheit! Für die Jugend der freien Gewerkschaften: Walter Maschfe. Für die Jugend der Arbeitersportverbände: Friß Wildung. Für die Sozialistische Arbeiterjugend: Erich Ollenhauer. Für die Jugend des Reichsbanners: Franz Offerroth. 29 Millionen von 1,4 Milliarden Wie die versprochene Aufhebung des Hungerdiktats aussieht Vor Tagen hat die Reichsregierung angekündigt, daß sie durch eine Notverordnung die sozialen Härten der Notverordnung vom 14. Juni 1932 aufheben werde. Am Donnerstag hat das Kabinett seine Beschlüsse gefaßt, am Sonnabend ist die Notverordnung veröffentlicht worden. Wir zweifeln nicht daran, daß der Inhalt dieser Notverordnung eine sehr große Enttäuschung hervorrufen wird. Die von der Reichsregierung getroffenen Maßnahmen bleiben außerordentlich weit hinter den ursprünglichen Ankündigungen zurück. Es sind nicht mehr über hundert Millionen, die zur Verbesserung der Lage der not leidenden Schichten unseres Volkes zur Verfügung gestellt werden, sondern lediglich 29 Millionen für ein ganzes Jahr. ausschuß find Beschlüsse gefaßt worden, durch die die Regierung aufgefordert wurde, diese Kürzungen von Renten und Unterstügungen sofort rückgängig zu machen. Diese Beschlüsse sind mit den Stimmen der nationalsozialistischen Abgeordneten gefaßt worden. Triumphierend wiesen sie damals darauf hin, daß diese Beschlüsse des Reichstags aber erst verwirklicht werden könnten, wenn die Nazis die Regierungsmacht befäßen. Jetzt besigen sie die Regierungsmacht, aber die Beschlüsse, die Notverordnung vom Juni aufzuheben, die Kürzungen der Unterstützungen und der Renten rückgängig zu machen, werden nicht erfüllt. 3war haben die Nationalsozialisten das und ähnliches tausendmal feierlich ver= sprochen. Aber dabei bleibt es! Soviel sind die Versprechungen der Nationalsozialiststischen Partei wert! Auch der Personenkreis, für den diese Verbeſſe- Nun die Krankenkassen! rungen gedacht sind, ist wesentlich kleiner, als man ursprünglich ankündigte. Für die Arbeitslojen soll überhaupt nichts geändert werden, für die Sozialrentner bleiben die Renfenkürzungen aus der Juninotverordnung von Papen ebenfalls unbeschränkt bestehen. Auch die kleinrentner follen fünftig nicht mehr als bisher erhalten. Die einzige Gruppe, für die die neue Notverordnung Berbesserungen bringen soll, ist die Gruppe der Kriegsbeschädigten. Diese Notverordnung hat damals nicht nur durch die ungerechte Arbeitslosenabgabe, durch die Erhöhung der Bürgersteuer und die Einführung der Salzsteuer den werktätigen Schichten ein neues Opfer von 500 millionen Mark auferlegt. Sie hat ihnen auch durch eine allgemeine Kürzung der Unterstügung der Arbeitslosen, der Invaliden-, der Unfall-, der Angestelltenund der Knappschaftsrenten 900 Millionen Mart jährlich genommen. Dazu kam die Kürzung der Wohlfahrts unterstüßung, zu der die Gemeindert gezwungen wurden. Man ging sogar so weit, die Vorauslegungen für den Bezug von Arbeitslosenunterstützung so zu verschärfen, daß Hunderttausende jeden Anspruch verloren. Von 1400 Millionen 29 Millionen wiedergutgemacht- das ist die Bilanz! Erst im vorigen Monat haben sich zwei Ausschüsse des Reichstags mit der Erörterung dieser Zustände beschäftigt. Sowohl im Sozialpoli tischen Ausschuß als auch im HaushaltsGeneralangriff auf Selbstverwaltung Amtlich wird gemeldet: ,, Das Reichskabinett beschäftigte sich am Dienstag nochmals eingehend mit der Krantenscheingebühr in der Krankenversicherung. Es wurde einstimmig beschlossen, den Krankenschein vollständig zu beseitigen. Bei der Aufrechterhal tung der augenblicklichen Wirtschaft und Verwaltung der Krankenkassen kann nur eine Ermäßigung der Gebühr um 25 Pfennig eintreten. Um die völlige Beseitigung der Krankenscheingebühr zu erreichen, ist eine gründliche Reorganifation des gesamten Krankenkassenwesens not wendig, wobei insbesondere eine wesentliche Ermäßigung der Verwaltungskosten eintreten muß. Es soll aber auch das ganze Fi= nanzwesen der Krankenkassen geprüft werden. Hierzu ist eine wesentliche Ausdehnung der Aufficht über die Krankenversicherung notwendig. Das Reichskabinett wird hierfür alsbald die gesetz= lich erforderlichen Voraussetzungen schaffen. Ferner beschloß das Reichskabinett die Bereitstellung von 30 Millionen Reichsmark für die Gewährung von Zuschüssen an mittelständische Kreditinstitute und die Weiterzahlung von Beihilfen für den Metallerzbergbau. Das Reichskabinett genehmigte den Haushalt für den Reichskommissar für die Luftfahrt und beschloß die Einsegung eines Reichskommissars für den gewerblichen Mittelstand beim Reichswirtschaftsministerium. Schließlich befaßte sich das Reichskabinett mit der Prüfung der Wirtschaftsbetriebe der öffentlichen Hand, sowie mit den Bezügen der leitenden Angestellten von fubventionierten Unternehmungen." Vor genau 50 Jahren, unter dem Sozialisten gesez schimpflichen Angedenkens, also in den Zeiten schwärzester Reaktion und brutalfter Arbeiterverfolgung, ist das Krankenversiche rungsgesetz vom Reichstag auf Grund einer Regierungsvorlage beschlossen worden. Der Eckpfeiler der Krankenversicherung ist die Selbstverwaltung. Sie ist von Bismard zugestanden, von einem durch und durch „ antimarristischen" Reichstag beschlossen worden. Das Gesetz ist seitdem vor dem ,, fluchwürdigen 9. November" wiederholt im sozialen Sinne verbessert worden. An der Selbstverwaltung ist nie gerüttelt worden. Man braucht nur an die ständige Hebung der Volksgesundheit tro Krieg, Inflation und Wirtschaftskrise, troz Ausbeutung und Lohndruck erinnern, um feſts. zustellen, daß sich das Gesetz bewährt und daß die Selbstverwaltung der Versicherten der Arbeiterschaft ein glänzendes 3eugnis aus ſtellt. Man vergleiche damit die Skandale des Privatkapitalismus, den Favag- Skan= dal, das Lahusen- Banama und all die anderen Zusammenbrüche. Man vergleiche schließlich damit den Zusammenbruch der privatkapitalistischen Wirtschaft, wie er sich in der Weltwirt schaftskrise offenbart, aus der unsere ,, Wirtschaftsführer" feinen Ausweg wissen. Jahr um Jahr sind Milliarden um Milliarden verwirtschaftet worden. Acht Millionen Arbeitslose allein in Deutschland suchen vergebens Arbeit. Wenn irgendwo eine Reorganisation an Haupt und Gliedern notwendig wäre, dann hier. Doch davon hört man nichts. Die Ermäßigung der Krankenscheingebühr soll dagegen dazu dienen, um eine gründliche Reorganisation des gesamten Krankenkassenwesens" durchzuführen. Wenn man Blättern, die der Regierung nahestehen, glauben darf, sollen„ Mißstände" beseitigt werden. Die amtliche Mitteilung spricht von einer Prüfung des Finanzwesens und zu hohen Verwaltungsfosten. Das sind nicht gerade Komplimente für das Reichsversicherungsamt, dem die Kran tenkassen unterstehen. Allerdings sizen dort Fachleute. Wenn einmal die Verwaltungskosten in der Unfallversicherung, die Unternehmer ganz unter sich sind, auf den Satz der Krankenkassen herabgedrückt sein werden, dann können wir uns über Mißstände" unterhalten. Bis dahin: Hände weg von den Krankenkassen! Hände weg von der Selbstverwaltung! Stegerwald niedergeschlagen Zentrumsversammlung gesprengt- Geistliche angegriffen Am Mittwochabend wurde in Kre seld eine Wahlkundgebung der Zentrumspartei, auf der Minister a. D. Stegerwald sprach, von politi: schen Gegnern gesprengt, nachdem Stegerwald etwa 20 Minuten gesprochen hatte. Stegerwald wurde niedergeschlagen und verletzt. Verschiedene Geistliche, die die Angreifer beruhigen wollten, wurden ebenfalls tätlich angegriffen. Die Versammlung wurde sofort polizeilich aufgelöst. Beschwerde und? Zentrums- Telegramm an Göring beschlagnahmt! Krefeld, 22. Februar. Die heutige Ausgabe der ,, Niederrheinischen Volkszeitung"( 3entrumsorgan) ist beschlagnahmt worden. Dazu teilt das Polizeipräsidium mit: Auf Grund des§ 7 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 4. Februar 1933 wurde die heutige Ausgabe der ,, Niederrheinischen Volkszeitung" polizeilich beschlagnahmt. Anlaß zu dieser Maß nahme gab die Veröffentlichung eines von der Zentrumspartei Krefeld an den Reichskommissar für das preußische Innenministerium, Reichsminister Göring, gerichteten Telegramms, dessen Inhalt geeignet ist, die öffent= liche Sicherheit und Ordnung zu gefährden. Aus diesem Grunde ist gleichzeitig die heutige Ausgabe des Dortmunder ,, Generalanzeigers", in der dieses Telegramm ebenfalls veröffentlicht ist, im Polizeibezirk Uerdingen polizeilich beschlagnahmt worden.. Papen läßt untersuchen Bizekanzler von Papen hat in seiner Eigenschaft als Reichstommiffar für Preußen seine schärfste Mißbilligung der Vorfälle in Krefeld ausgesprochen und strengste Untersuchung angeordnet. Auch Brüning bedroht Schüsse auf eine Kundgebung Kaiserslautern, 22. Februar. Im Anschluß an eine Wahlkund. gebung der Bayerischen Volks. partei und des Zentrums in Nicht warten! Vorbeugen mit Erkältung, Halsentzündung, Grippe Danflavin BAYER BAYER Kaiserslautern, die am Montag abend stattfand, griffen National. sozialisten Dr. Brüning und die Versammlungsteilnehmer an. Dr. Brüning mußte unter polizei licher Bedeckung aus der Stadt geleitet werden. Ein später gebildeter Fackelzug wurde von einer schreienden Menschenmenge angefallen, wobei zahl reiche Schüsse abgegeben wurden. Auf dem Marktplak entwickelte sich zu gleicher Zeit eine schwere Schlägerei, so daß sich das den Zug begleitende lieberfallkommando veranlaßt sah, die Straße wiederum zu räumen. Auf dem Wege zum Auflösungsplatz wurde der Zug und die begleitende Polizei mit Pflastersteinen beworfen. Die von auswärts erschienenen Versammlungs. teilnehmer mußten von der Polizei bis über die Stadtgrenze hinaus geleitet werden. Dreizehn Personen wurden durch Schüsse zum Teil schwer verlett. Zwei Nationalsozialisten wurden wegen verbotenen Waffentragens festgenommen. Nowawes und Mecklenburg Potsdamer Polizeipräsident verbietet Rede Künstlers Die Parteileitung von Nowa wes hat für den 24. Februar eine öffentliche Rundgebung einberufen und als Redner den Genossen Franz Künstler angegeben. Die Versammlung wurde unter dem 21. vom Polizeipräsidium Potsdam genehmigt. Jetzt ging der Parteileitung in Nowawes nachstehendes Schreiben zu: " Der Polizeipräsident in Potsdam. Abteilung I 4101/33 22. Februar 33. Da, wie erst gestern hier bekannt wurde, seitens der mecklenburgischen Landesregierung ein Redeverbot gegen den für Ihre Versa: nmlung am 24. 2. 33 in Aussicht genommenen Redner, Herrn Reichstagsabgeordneten Künstler, erlassen worden ist, sehe ich mich zwecks Ab= wendung einer unmittelbaren Gefahr für die öffentliche Sicherheit veran laßt, meinen Bescheid vom 21. d. M. Abteilung I 4101/33 dahin zu abzuändern, daß die Versammlung am 24. 2. 33 nur stattfinden darf, wenn Herr Reichstagsabgeordneter Künstler als Redner nicht auftritt. gez. v. 3ize wit." Die Notverordnung zum Schutze des deutschen Volkes" deckt auch diese Verfügung. Darüber offen zu reden, ist der Presse unmöglich. Das Denken ist bisher noch nicht verboten und die Wahl ist immer noch geheim! Mord an Reichsbannerkameraden Feuerüberfall auf Schufo- Ein Toter, fünfzehn Verletzte Eigener Bericht des„ Vorwärts" Hannover, 22. Februar. In Hannover war der Wahlkampf bisher verhältnismäßig ruhig verlaufen. Jetzt aber ist den S.- Ceuten wahrscheinlich nach dem Erlaß Göringsso der Kamm geschwollen, daß es am Dienstagabend gleichzeitig an zwei Stellen zu Jn schweren Zusammenstößen fam. einer fozialdemokratischen Versammlung im Vorort Buchholz waren etwa 100 Nationalsozialisten in Zivil erschienen, die auf den Befehl ihres Führers gleich zu Beginn der Bersammlung sich erhoben und über die Versammlungsbefucher herfielen. Es kam zu einer schweren Schlägerei, bei der vier Personen schwer und sieben leichter verletzt wurden. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Parksch mußte ein Krankenhaus aufsuchen, um sich eine schwere Kopfverletzung nähen zu lassen. Der gesamte Trupp Nazis zog dann nach dem ungefähr 4 Stunden entfernt gelegenen Lokal Cifterturm, wo ebenfalls eine sozialdemokratische Bersammlung stattfand. Auf dem Wege schlossen fich dem Zug noch weitere Nationalsozialisten an. Sie wurden von der Polizei nicht in den Saal fammlungslokal in einer Waldecke der Eilenriede hineingelassen und legten sich gegenüber dem Verauf die Cauer. 21s 10 Minuten später etwa 50 Schufo- kameraden, die zur Verstärkung des Saalschuhes herbeigeeilt waren, um eine Sprengung der Versammlung zu verhindern, erschienen, wurden sie von den Nazis mit dem Ruf„ Freiheit" begrüßt. Das war offenbar das Signal zu der wüsten Schießerei, die dann einsekte. In der nächsten Minute wälzten sich 16 Reichsbannerkameraden in ihrem Blute. Einer der Kameraden war sofort tot, elf wurden in das Krankenhaus eingeliefert; von ihnen ringen drei mit dem Tode. Die Schwer= verletzten weisen Lungenschüsse, Bauchund Kopfschüsse auf, die Leichtverletzten trugen fast alle Beinschüsse davon. Das Ueberfallfommando durchsuchte die nichtverletzten Reichsbannerkameraden nach Waffen, fand aber bei feinem Kameraden etwas. Die Nazis, die, wie inzwischen festgestellt worden ist, mit den zwei berüchtigten Altstadt- Stürmen beteiligt waren, konnten ungehindert von der Polizei abmarschieren. Blutnacht auch in Kiel Eigener Bericht des„ Vorwärts" Яiel, 22. Februar. Nach einer Demonstration der Eifernen Front, an der sich 8000 bis 10 000 personen beteiligten, fam es zu schweren Ueberfällen durch Nationalsozialisten. Die Nazis hatten in der Messehalle klagges sprechen lassen. Nach ihrer Veranstaltung zogen die Teilnehmer der SA. und SS. in stärkeren Trupps durch die Straßen und überfielen Gruppen der von der Demonstration der Eisernen Front heimkehrenden Arbeiter. Die Nazis stachen mit Messern und schlugen mit Schulterriemen insbeson dere auf die Sportler ein, denen sie auch die Fahne raubten. Sleben Verleşte erhielten Messerstiche, fünf mußten sofort ins Krankenhaus geschafft werden. Reichsbannerleute, die den Ueberfallenen zu Hilfe eilen wollten, wurden von der SA. mit gezogenem Revolver bedroht und mit Schulterriemen geschlagen. Verboten! Verboten! Die Stimme der Opposition verfällt der Notverordnung Auf Veranlassung der gegenwärtigen Machthaber sind in den letzten Tagen wieder neue Verbote sozialdemokratischer Zeitungen ausgesprochen worden. So wurde in der Provinz Branden= burg der ,, Volksfreund" in Frant furt( Oder) für die Zeit vom 21. bis 25. Februar, die„ Märkische Volksstimme" in Kottbus neuerdings vom 23. bis 25. Februar verboten, beide wegen ihrer Berichterstattung über die Taten der Nazis in Eisleben. Auch die ,, Volks. wacht" in Luckenwalde wurde auf drei Tage verboten. In Göttingen wurde das sozialdemokratische Parteiblatt gleichfalls wegen ,, böswilliger Verächtlichmachung des Reichskanzlers" auf die Dauer von fünf Tagen verboten. Das ,, Volksblatt" in Halle wurde ,, berwarnt" und die Dienstag- Auflage beschlagnahmt. Die Volkswacht" in Bielefeld ist auf drei Tage bis einschließlich 25. Fe bruar verboten worden. Während des 41jährigen Bestehens der„ Volkswacht" ist das das erste Verbot. Aufgehoben! Das Reichsgericht hat auf Grund der Beschwerde des Reichsbanners das zweiwöchige Verbot der der Bundeszeitung ,, Das Reichsbanner" auf eine Woche abgekürzt. Die Zeitung fann deshalb sofort wieder erscheinen. * Vom 5. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig sind ferner folgende Zei tungsverbote aufgehoben worden: ,, Eisenacher Volkszeitung" und ,, Werra- Wacht" in Eisenach,., Citthürin ger Volkszeitung" in Altenburg ,,, Citthüringer Tribüne"-Gera und ,, Reußische Volkszeitung" in Greiz, ferner ,, Volks. wacht" Trier und„ Volkswacht"-Breslau. Parteinachrichten Einsendungen für viele Rubrit find Berlin SB 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretartat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Donnerstag, 23. Februar. 3. Kreis. Erweiterte Zusammenkunft an bekannter Stelle um 16 Uhr. Marg- Gruppe: Thema: Religion und Sozialismus". Referent Maria Krische. 9. Kreis. 16 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft in Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114. Referent: Paul Bernstein. Thema: Werkstätten- Rollettiv". 11. Rreis. 16 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft bei Will, Martin- LutherStraße 69. Thema: Ostasien". Referent: Victor Schiff. 13. Kreis. 14 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Thema: Macht oder Recht". Referent: A. Schweizer. 18. Kreis. 18 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Referent: Hans Marg. 20. Kreis. Reinickendorf- Ost: Erwerbslosenzusammenkunft Schule Hoppestraße um 15 Uhr. Referent: Dr. Eberlein. Reinickendorf- West, Wittenau und Tegel: Filmveranstaltung um 15 Uhr im Rosmos", Tegel, Hauptstr. 6. Karten im Vorverkauf bei den Erwerbslosenleitern zu haben. Eintritt 20 Pfennig. 8. Abt. Mitgliederversammlung im Nationalhof, Bülowstr. 37. Referent: Karl Schröder. Thema: Die politische Lage". 20. Abt. Mitgliederversammlung im Lotal 3. Gallugga( Sportkasino), Reinidendorf- Ost, Residenzstr. 76. Thema: ,, Berlin bleibt rot". Referent: Otto Ortmann. 24. Abt. Mitgliederversammlung im Altersheim Danziger Str. 62. Referent: Karl Litte, M. d. R. Anschließend Funttionärversammlung. 26. Abt. Mitgliederversammlung im ASB., Jostystr. 4. Thema: Berlin bleibt rot". Referentin: Marie Kunert. 81. Abt. Mitgliederversammlung im Gesellschaftszimmer des Rathauses Friedenau, Niedstr. 3. Referent: Frizz Schröder. 98. Abt. Zahlabend der Bezirte 137/138 bei Teich, Knesebeckstr. 135. Thema: ,, Wehrfragen". Referent: Genosse Laumann. 108. und 108a. Abt. 15 Uhr Erwerbslosenzusammenkunft an bekannter Stelle. Referent: Paul Ufermann. 117. Abt. Die Karten für die Sportpalast- Rundgebung sind nur noch bis heute abend beim Genossen Klose zu haben. 127. Abt. Mitgliederversammlung bei Rugki, Dingelstädter Str. 95. Referent: A. Richter. Freitag, 24. Februar. Sektion blinder Parteigenossen: 20 Uhr im Lokal Schulz, Adalbertstr. 21. Tagesordnung: Referat, Berichte, Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen aller Mitglieder wird dringend gebeten. 2. Areis. Von 18 bis 20 Uhr Filmveranstaltung in der Aula der KleistSchule, Levegowstr. 1-4. Film: Lichter der Großstadt. Eintritt 40 Bf. 6. Areis. 16 Uhr Fontanepromenade Antreten zum Propagandamarsch. 14. Kreis. Der Kursus des Genossen Dr. Otto Friedländer über ,, Bolitik und Psychologie" findet am Freitag, 24. Februar, wieder statt. 100. Abt. Mitgliederversammlung bei Ruppert, Neuköllner Str. 257. Thema: Die Partei im Wahlkampf". Referent: H. Marg. 108. Abt. Mitgliederversammlung im Stadttheater, Friedrichstr. 6. Thema: Borwärts zum Kampf für den Sozialismus". Referent: 3. P. Mayer. 136. Abt. Funktionärsigung bei Kiehne, Residenzstr. 9. Referent: Genosse Leo. Sonntag, 26. Februar. 13. Kreis. Filmmatinee um 11% Uhr in den Tivoli- Lichtspielen, Tempelhof. Zur Aufführung gelangt: Rameradschaft". Eintrittstarten 40 Pf. bei allen Bezirksführern zu haben. Saaleröffnung 11 Uhr. Frauenveranstaltungen: 25. Abt. Sonnabend, 25. Februar, Bunter Abend. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Freitag, 24. Februar, fällt die Versammlung der Arbeiterwohlfahrt wegen der Wahlarbeit aus. 20. Kreis Reinidendorf. 136. Abt.: Donnerstag, 23. Februar, 20 Uhr, Gizung der Arbeiterwohlfahrt an bekannter Stelle. Genossin Arndt spricht über ,, Die Einführung in die Tätigkeit der Wohlfahrtskommiffion". Sozialistische Studentenschaft. Donnerstag, 23. Februar, 20 Uhr, im Hörsaal 33 der Universität, Genosse Prof. Hermberg( Sena): Karl Marg und unsere Zeit". Eintritt gegen Vorzeigen unserer Mitgliedstarte, für Gäste Eintrittsausweise im ,, Bund", AlbrechtStraße 11, Gh. 2( D 2 4863), und bei den Funktionären. Freitag, 24. Fe. bruar, 20 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24, Gaal 5, Generalappell aller Mitglieder. Erscheinen Pflicht. Montag, 27. Februar, geschlossene Teilnahme an der Marg Feier im Sportpal a ft. Treffpunti 18 Uhr im Bund, 18% Uhr Hochbahnbegen Bülowstraße. Dienstag, 28. Februar, Ausspracheabend im Bund, 20 Uhr. Thema: Einheitsfront". 1 Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Das sozialistische Elternblatt Freundschaft", Nr. 2, ist abzuholen. Mitte, Abt. Wilhelm Liebknecht: Heute Faltenratssigung an be= fannter Stelle. Abt. Matteotti: Sonntag Fahrt. Treffpunkt 8½ Uhr Faltenecke. Rosten 30 Pf. Treptow, Abt. Schöneweide, Gruppe Rote Wacht: Sonntag, 26. Februar, 17 Uhr, Heim Laufener Str. 2: Fünfjahresfeier der Gruppe. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 15. Abt. Am 18. Februar verstarb unser Genosse Paul Schubert, Swinemünder Str. 96. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Donnerstag, 23. Februar, 17 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 31. Abt. Unsere Genossin Anna Peglow, Schönfließer Str. 2, ist am 16. Februar plöglich im Alter von 36 Jahren verstorben. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. 54. Abt. Unser Genosse August Michaelis, Franklinstr. 19, ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Beerdigung hat schon stattgefunden. SEJ Kundgebung des ZDA. Wir erinnern an die heutige Rundgebung für die Mitglieder des ZDA. um 20 Uhr im Großen Saal des Lehrervereinshauses. Der Vorsitzende des AfABundes, Kollege Siegfried Aufhäuser, spricht über 1933 bas Jahr sozialer Kämpfe". 8utritt nur mit Mitgliedsbuch. SPD.- Berbeausschuß der Post- und Telegraphenbeamten und Anwärter. Donnerstag, 23. Februar, 20% Uhr, Heiles, Prenzlauer Allee 239, Ede Meger Straße, Mitgliederversammlung. Thema: Die Bedeutung der kommenden Wahlen. Referent. Karl Dressel. Sammerschaft Gasag", AKS.- Gruppe. Sonntag, 26. Februar, 9 Uhr, Schießplaz Friedrichsfelde. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner ,, Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S 14. Sebastianstr. 37-38, Hof 2 Tr. Kreuzberg: Sämtliche Zugsigungen fallen aus. Weitere Anweisungen ergehen noch. Steglig, Ortsverein: Freitag, 24. Februar, 19% Uhr, Gaalschuh, Lichterfelder Festsäle, Zehlendorfer Str. 5. Arbeiter- Stenographenverein Groß- Berlin, Ortsgruppe des Arbeiter- Stenographenverbandes für das Deutsche Sprachgebiet. Üebungsturse in Reichskurzschrift finden statt: Neukölln: Karl- Marg- Schule, Kaiser- Friedrich- Str. 209, 19% Uhr: Freitag und Donnerstag( Debatte). Norden: Volksschule Schulstr. 99, 19% Uhr: Montag. Nordosten: Jugendheim Danziger Str. 62, 20 Uhr: Dienstag( Debatte) und Freitag. Weitere Auskunft durch den 1. Vorsitzenden D. Benghoefer, Velten( Mark), Wilhelmstr. 10a. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin phon: Wertur 2196, unterhält laufend Fremdsprachen Abende im Kölln. GymEinsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin S. 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. B.-A. heute pünktlich 17% Uhr. Oeffentliche Kundgebung gegen Militarismus und Arbeitsdienstpflicht. heute, Donnerstag, 19% Uhr, im ,, Orpheum", Hasenheide. Referent: Dr. Otto Friedländer. * Humboldthain: 18% Uhr Rote Allee.- Südwesten: 18% Uhr Heim. Ordner 18 Uhr Urbanstraße. Werbebezirk Schöneberg: 181 Uhr Kaiser- Wilhelm- Plaz. Werbebezirk Tempelhof: 18 Uhr Bhf. Tempelhof. Die Fredika, Geschäftsstelle: W. Floerke, Berlin GW. 19, Kurstr. 32, Telenastum, Insel- Ecke Wallstraße. Montags: Englisch Mittel: 20-22; Dienstags: Französisch begonnene Anfänger 18-20; Französisch Mittel 20-22; Englisch vorgeschrittene Anfänger 20-22; Donnerstags: Englisch Fortgeschrittene 20 bis 22; Französisch Fortgeschrittene 20-22; Freitags: Englisch begonnene Anfänger 20-22 Uhr. Neue Anfängerklassen beginnen wieder, auch für Erwerbslose! Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege e. B. Sizung am Dienstag, 28. Februar, 20 Uhr, im Hygienischen Institut der Universität, Berlin, Dorotheenstr. 28a. Vortrag: Dr. Franz Heimann und Frau Golte: Die Auswirkung sozialer Schäden auf den Gesundheitszustand arbeitsloser Familien". Privatdozent Dr. Bansi und Herr Stadtarzt Dr. Bejach: Stoffwechseluntersuchungen an Erwerbslosen". Freie Nationale Schülerschaft. Am Donnerstag, 23. Februar, findet um 17 Uhr im Jugendheim Charlottenburg, Spreestr. 30( Nahe Städtische Oper), ein Kameradschaftsabend statt, zu dem freiheitlich gesinnte Schulkameradinnen und kameraden herzlich eingeladen sind. Esperanto- Cseh- Gruppe, Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin 20 uh, Froher Abend. Heute, Donnerstag, 23. Februar, um 19 Uhr, tagen die Gruppen: Schlesisches Tor: Sugendheim Parteiheim Schlesische Str. 42. ohne Zwidel. Aftuelle Zeitsatire. Südosten: Jugendheim Reichenberger Straße 66( Feuerwehrhaus). Friedel Hall bringt ,, Wir lassen uns nicht untertriegen". Gewerkschaftshaus: Gaal 11 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Gewerkschaftlicher Kampf im Krisenjahr 1933. Tempelhof: Jugendheim Germaniaftr. 4-6( Lyzeum). Gutheit tommt. Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Wia mimen wat!- Köpenick: Jugendheim Grünauer Straße( Nähe Bahnhof Spindlersfeld). Für und wider die Bierzigstundenwoche. Leopoldplay: Jugendheim Turiner Ede Geestraße, Eingang Turiner Straße. Wir lesen. Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Straße 2. Was ist Margismus? Often: Jugendheim Frankfurter Allee 307 ( Lönszimmer). Literarischer Abend. Reu- Lichtenberg: Jugendheim Gunter straße 44. Die Mädels gestalten den Abend aus. Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Gegualfragen. Landsberger Play: Jugendheim Ebertnstr. 12. Bunter Abend. Steglig: Jugendheim Paulsenstr. 22. Rheinischer Humor. Jugendgruppe des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes: Jugendheim Sebastianstr. 37-38 Jugendveranstaltung: Arbeitsrechtliche Fragen. Jugendgruppe des Deutschen Textilarbeiterverbandes: Jugendheim Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Aufgang B, part. Fastnachtsfeier. Jugendgruppe des Berbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter: Jugendheim Neue Schönhauser Str. 4-5. Heinrich Zille als Mensch und Künstler. Juaendaruppe des Zentralverbandes der Anaeſtellten Heute, Donnerstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Nordost II: Jugendheim Schönlanter Str. 11. Gruppenmitgliederversammlung. Norden: Jugendheim Putbusser Straße( Alte Schule). Proletarische Kunst. Often: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Kurzreferate: Unsere gewerkschaftlichen Gegner. Lichtenberg I: Jugendheim Dossestraße( Bimmer 3). Arbeitsgemeinschaft: Die Aufgaben der Gewerkschaften innerhalb der Arbeiterbewegung( 1. Abend). Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3( Privathaus). Arbeitsgemeinschaft: Die Welt der werktätigen Jugend( 3. Abend). Leiter: Bernstein. Heiligegeiſtstr. 39, III. Montag, 27. Februar, English Conversational C ub founded 1878. Meetings every Friday 8 p. m. Café König, Leipziger Straße 117-118. Lecturer: Miss Bartnick on: Holidays" An alle Radfahrer! Am 22. dieses Monats haben wir in der Brunnenstraße 194 eine neue Filiale eröffnet. Sämtliche Fahrrad- Ersatz- und Zubehörteile zu niedrigsten Preisen und in großer Auswahl( Preisabbau 10-20 Prozent). Auch Fahrräder und Nähmaschinen in verschiedenen Modellen vorrätig. Besuchen Sie uns einmal unverbindlich Lindcar Fahrradwerk AG., Berlin- Lichtenrade Berliner Filialen: SO, Engelufer 31, SW, Alte Jakobstr. 148-155 Gegen den Exportmord Die Industrie meldet sich- IG.- Farben protestiert Der verfchärfte proteftionistische Kurs der deutschen Handelspolitit löst jezt in wachsendem Umfange Proteftattionen der bedrohten Exportindustrien aus. Besonders start traten führende Mitglieder des Berwaltungsrates der JB Farbenindustrie A. B. anläßlich einer Einweihungsfeier in ihrem Hauptwert Leverkusen aus ihrer Reserve gegenüber der amtlichen Handelspolitik heraus. In einer Ansprache an die versammelte Presse murde erklärt, die Reichsregierung dürfe bei der Abwägung der agrarischen und industriellen Interessen an der Tatsache nicht vorübergehen, daß eine ganze Reihe wichtigster Industriezweige ihre Hauptstütze für den gesamten Betrieb und damit für die Beschäftigung ihrer Arbeiter im Erportgeschäft gefunden habe und auch heute noch finde. Ungeachtet aller Schwierigkeiten gingen auch jetzt noch 70 Proz. der gesamten pharmazeutischen Produktion ins Ausland und der Gegenwert fließe der deutschen Wirtschaft zu. Man müsse bezweifeln, daß die innere Rauftraft in absehbarer Zeit so gestärkt werden könne, um die Inlandsproduktion auch nur einigermaßen ausreichend aufzunehmen. Nach wie vor werde der Export für Deutschland notwendig sein, um vielen Millionen Arbeitnehmern weiter ihr Brot zu geben. Allein in der pharmazeutischen Industrie seien 100 000 Lohnempfänger beschäftigt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Duis berg, unterstrich diese Ausführungen nachdrücklich mit einem nochmaligen Hinweis auf die lebenswichtige Bedeutung des Exportes für Deutschlands wirtschaftliches Gedeihen. Notruf der Spielwarenindustrie Der Reichsverband der deutschen Spielwaren industrie stellt in seinem jezt veröffentlichten Jahresbericht die katastrophale Entwic I ung dieser einst blühenden Exportindustrie im vergangenen Jahre dar. Die Ausfuhr ist 1932 auf 243 600 gegen 350 000 Doppelzentner im vorhergehenden Jahr gesunken und hat damit den Tiefstand des Jahres 1900 erreicht. Im Vergleich mit 1928 ist die Ausfuhr an Spielwaren um nahezu zwei Drittel gesunken. Besonders schwere Verluste waren im europäischen Erportgeschäft zu verzeichnen. Der Bericht klingt in den Notschrei aus, daß ein Wiederaufstieg der deutschen Spielwarenindustrie nur durch den Abschluß von günstigen Handelsverträgen gewährleistet sei, durch die die bestehenden Exporthemmnisse abgebaut oder wenigstens gemildert würden. Werden diese Appelle an die Hitler- HugenbergRegierung etwas fruchten? Sichere Förderung finden die an der Exportproduktion interessierten Arbeiter und Angestellten nur bei der Sozialdemokratie Wer ist Interessent? Um das Lahusen- Gutachten Das Gutachten des Betriebswissenschaftlers Kalveram in der Lahusen- Affäre, das für die beschuldigten Brüder Lahusen einfach vernichtend war, hat die Verteidiger der Brüder zu einer Gegenpolemik veranlaßt. Wie seinerzeit bei der Veröffentlichung des Berichts der revidierenden Treuhandgesellschaft( Treuverkehr), fährt die Verteidigung auch diesmal wieder schweres Geschüß auf. Die Arbeit Professor Kalverams wird als eine reine, für bestimmte 3mede geleistete Parteiarbeit bezeichnet. Der Zeitpunkt und die Art der Verbreitung offenbarten ohne weiteres die damit verbundenen Absichten Die Berteidigung der Brüber Laufen wirft also dem Sachgutachter nicht mehr und nicht Ist der Marxismus schuld? weniger als Parteinahme und eine ausgesprochene 3 med fritif vor. Wir fragen die Berteidiger: Auf welcher Seite sind in der LahusenAffäre die eigentlichen Interessenten mohl zu suchen? Auf der Seite der schwerbelasteten Brüder Lahusen oder auf der Seite derjenigen, die als Vertreter der Oeffentlichkeit die Wahrheit zu finden haben? Neue Osthilfe- Aktion 15 Millionen für die gewerblichen Gläubiger Der Reichskommissar für die Osthilfe- jetzt Hugenberg hat sich bereit erklärt, zur Ver minderung der Verluste der gewerb lichen Gläubiger bei der Entschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe im Osthilfegebiet den Betrag von 15 Millionen Mark- perteilt auf fünf Rechnungsjahre zur Verfügung zu stellen. Weiter ist eine Ablösung von Mittelstandsforderungen in ähnlicher Weise vorgesehen, wie sie bei den landwirtschaftlichen Genossenschaf= ten durchgeführt wurde. Danach würde das Reich also auch 30 Proz. gewerblicher Forderungen ( Wechsel) übernehmen. Die Osthilfeaktion, die in erster Linie zu einer Befizerhaltung bei den Eigentümern der größeren Güter geworden ist, zieht also neue Subventionen und neue Belastungen für die Steuerzahler nach sich. Es ist absolut verständlich, daß der Mittelstand ebenfalls auf eine weitestgehende Sicherung seiner Forderungen gedrängt hat. Ebenso klar ist es, daß es sich bei der Gewährung dieser Mittelstandshilfe im Ostgebiet um eine Aktion handelt, die dem bedrängten Mittelstand im Osten die Wahlentscheidung am 5. März zu ,, erleichtern" geeignet ist. Wirklich geholfen kann dem östlichen Mittelstand nur durch eine echte Agrarsanierung werden. Diese aber hat eine Stärfung der Sozialdemokratie am 5. März zur Voraussetzung. Die Nazis bestreiten den Wahlkampf mit der Behauptung, der Marxismus" sei an allem Elend, an der Massenarbeitslosigkeit schuld. Was sagen die Tatsachen? Arbeitslos sind: in der ganzen kapitalistischen Welt 30 Millionen Menschen, in den Vereinigten Staaten 12 Millionen, in Großbritannien 3 Millionen, in Frankreich 1,4 Millionen, in Italien mehr als 1 Million. Wo ist der Marxismus" in diesen Ländern? In den Vereinigten Staaten herrscht der Kapitalismus in Reinkultur. England und Frankreich sind Siegerländer. In Italien herrscht seit zehn Jahren der Faschismus. Eine plumpe Spekulation auf die Denkfaulen: das ist die Behauptung, der ,, Marxismus" sei an dem deutschen Krisenelend schuld. Der Marxismus" allein hat Wege und Mittel aus dem Krisenelend gewiesen. Kämpft für Liste 2, Sozialdemokraten! Die Reichsschulden Die schwebende Schuld des Reiches ist von Ende Dezember 1932 bis Ende Januar 1933 von 1836,2 auf 1900,3 Millionen Mart gestiegen. Das Mehr deckt das Reich in der Hauptsache durch Ausgabe von Schazanweisungen. Mit der Erhöhung der schwebenden Schuld ist der Umlauf an Schatzanweisungen von 990 auf 1061 Millionen ge= stiegen. 14- und 16prozentige Tegfildividenden. Die Augsburger Kammgarnspinnerei hat im vergangenen Jahr derart verdient, daß sie die Dividende von 12 auf 14 Proz. herauffezt.Die Geraer Stridgarnfabrik wird für 1932 wieder ihre Rekord dividende vom Vorjahr in Höhe von 16 Proz. auszahlen. 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Bendows Bunte Bühne Stettiner Sänger CASINO- THEATER ottbusser Straße Reichshallen- Th., Dönhoffpl 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februar programm ,, Karneval" ALLIANCE FRANCAISE& Kleines Th. NEUE WELT 101, Boulevard Raspail, Paris Die Schule zum praktischen Erlernen der französische Sprache 1. Der komplette Kursus für französische Sprachstudien ( Frühjahrsperiode) wird am 1. März eröffnet. Das Programm umfaßt jede Woche: Unter d Linden 44 Merkar 1624 Truppe 1931 Wer ist der SECHZEHN STUNDEN. m nimum, mit praktischen Dümmste Sprachübungen, mit einbegriften Uebersetzungen vom Deutschen ins Französische SIEBZEHN VORTRAEGE EINEN SPAZIERGANG verbunden Kunstvortrag Einschreibegebühr: 195 Fr. pro Monat 500 Fr. für 4 Monate( vom 1 März bis 30 Junii. Spezialkarien werden an diejenigen gegeben, die nur an den Vorträgen teilnehmen wollen. Preis 80 Fr pro Monat 2. Die Abendkurse werden fün'mal die Woche gegeben Montags, Dienstags, Mittwochs. Donnerstags Freitags von 20 Uhr bis 22 Uhr. Der Mittwochkurs ist dem Studium des kaufmännischen Französ sch gewidmet. Einschreibegebühr: 100 Fr. pro Monat. 325 Fr. für 4 Monate Auskünfte bereitwilligst durch den Leiter: Robert Dupouey, 101, Boulevard Raspail, Paris( VI). Gewinnauszug Preis 75Pf. b. 4- M. Sonntag nachm. 3/ Kle ne Preis Carow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tel, D2, 2174 Beginn 7% 5. Klasse 40. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. Nachdrud verboten Ohne Gewähr Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 13. Ziehungstag 22. Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne au 10000 m. 252883 363239 8 Gewinne au 5000. 187698 228523 229200 385882 20 Gewinne au 3000 m. 56736 63628 84361 96523 97777 150210 160174 315329 361155 363786 52 Bewinne au 2000 m. 4940 29741 39735 40487 43593 58277 68695 70451 72958 98214 133884 134496 155788 188971 221899 236125 263957 264394 267794 286102 302894 319242 326597 343288 368526 373275 92 Gewinne au 1000 m. 16535 32332 37032 79130 80742 97897 107101 108210 116011 130658 137019 141941 170352 171144 172417 178394 179901 182541 195665 202586 213125 218205 218257 232154 233062 233537 236351 265711 270034 279910 291696 294074 310312 324089 331115 331831 346188 351395 369414 374409 375267 376857 377074 380567 386170 395548 204 Gewinne au 500 q. 1711 2638 11434 15359 22423 24104 25438 35373 40893 47902 50908 51174 54623 60676 64911 65743 81117 82674 92661 98140 101308 105251 111171.121499 129326 129589 130747 131263 131269 134577 137209 140489 141393 149542 151149 152224 157353 162813 166267 178907 187393 190510 191995 195121 195393 196153 196311 207579 210008 222072 223626 227700 233714 237797 238967 244934 250947 251078 252985 254111 262800 264525 282383 283449 284799 289651 294403 294814 301961 302909 304085 308433 309944 317911 319935 320806 321756 321901 324590 329395 333827 336215 345233 345821 345902 347505 350260 353410 354641 355531 357314 357831 358378 359786 363838 367574 378720 381433 391259 392777 393955 399003 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 4 Getvinne au 10000 n. 57145 392012 10 Gewinne ju 5000 m. 124305 182706 197893 233937 389629 14 Gewinne au 3000. 44525 49350 104798 107104 134738 211047 224930 38 Gewinne zu 2000. 53103 79102 163583 173075 178110 206376 218859 236266 246010 246415 248182 267265 295905 324380 331528 866894 369167-381136 398155 78 Gewinne su 1000. 37753 44853 82074 82785 85920 105714 107290 108918 111282 136782 138158 142645 149340 155891 182338 196713 201609 206385 219008 230570 245311 253974 279975 307760 330458 334151 344222 349375 350328 353618 353855 359949 362203 363632 376290 381522 384930 390736 394150 142 Gewinne au 500 R. 6032 8377 15040 20425 22835 27421 40755 43497 43819 47977 57078 64886 65579 86029 87291 87834 92076 99585 102036 105217 114772 117435 118926 119454 121168 122330 123451 145709 151398 167801 170487 178057 181682 184063 192231 193250 201441 202141 217105 217641 228067 229036 229543 234786 237623 248601 254909 262072 266473 266660 269567 275370 294858 298332 300296 305145 316951 321759 327298 330305 347678 349311 349799 350724 358031 358235 363513 366929 378872 385203 388709 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000 2 Gewinne zu je 200000, 4 Bewinne zu je 100000, 4 zu je 75000, 6 zu je 50000, 18 su je 25000, 100 a je 10000, 264 Au je 000, 550 zu je 8000, 1596 zu je 2000, 3202 zu je 100, 535 g je 500, 15770 zu je 400, unb 100 Schlußprämien au 8000 Wiart Arnold Scholz U- Bahn nermannp. 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