Abend- Ausgabe Nr. 92 B 38 50. Jahrg. Redaktion und Berlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: 7 Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammabreffe: Sozialbemokrat Berlin DONNERSTAG Vorwärts= BERLINER VOLKSBLATT 23. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 Pf. Auswärts. 10 Pf. Bezugsbedingungen and Anzeigenpreise fiehe Morgenausgabe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Gesinnung Ist sie ein Merkmal für Behörden? Im demokratischen Staatswesen spielt die Gesinnung des einzelnen für das Verhalten der Behörden ihm gegenüber feine Rolle. Die Behörden waren bisher auch in Deutschland verpflichtet, jedem Staatsbürger gegenüber ein unter= schiedsloses und unparteiliches Benehmen an den Tag zu legen. Nicht seine Gesinnung, sondern sein tatsächliches Verhalten entschied darüber, ob die Staatsmacht ihn gewähren ließ oder gegen ihn einschritt. Dieser Grundsatz ist durch den Erlaß des Reichskommissars Göring für Preußen verlassen worden. Sein Erlaß befiehlt der Polizei, zu sogenannten„ staatsaufbauenden" Organisationen das beste Einvernehmen herzustellen und ihre Propadanda nach Kräften zu unterstützen. Dagegen soll sie gegen ,, staatsfeindliche" Organisationen mit aller Strenge vorgehen und rücksichtslos von der Waffe Gebrauch machen. Falsche Rücksichtnahme" der Beamten gegen sogenannte Staatsfeinde wird mit Strafe bedroht.. 11 Wir erinnern uns, daß jahrelang gerade von der Rechten die Tatsache betont wurde, daß Feinde der jeweiligen Regierung feineswegs Staatsreinde" jeien. Dennoch wird der Begriff ,, Staatsfeinde" von der jetzt regierenden Rechten in einer Weise zur Verfemung der Opposition angewandt, wie das früher niemals der Fall gewesen ist. Dabei muß man sich vor Augen halten, daß nach dem Ergebnis der Wahl vom 6. November 1932 die gegenwärtige Regierung eine Regierung der Minderheit ist! Wir wollen hier jedoch nicht beim Grundfäglichen verweilen, Neben dem Grundsätzlichen steht das Praktische. Solange die Behörde sich allein nach dem Ver= halten des einzelnen, nicht nach seiner Gesinnung zu richten hat, weiß jeder Beamte, woran er ist. Sobald aber die Gesinnung eines Staatsbürgers das dienstliche Ver= halten eines Beamten ihm gegenüber bestimmen soll, bringt man den Beamten in unlösbare Konflikte. Nun mag sich der Reichskommissar Göring auf die zahlreichen äußeren Merkmale der Gesinnung berufen, die jetzt im Schwange sind. Aber es ist sein Geschick, sich hier selber zu widerlegen. In einem durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst veröffentlichten Erlaß an die SA. erklärt nämlich der gleiche Kommissar Göring, daß die entsetzlichen Versammlungsvorkommnisse der letzten Tage durch Kommunisten in der Uniform der SA." hervorgerufen seien. Er gibt selbst zu, daß es sehr schwer sei, solche Propofateure" zu entlarven. Die Schlacht von Großbeeren Arbeiterwohnhaus gestürmt und eingeäschert nach einem Fackelzug der SA.! In dem Augenblick, da die Zeitungen den ,, Beruhigungsaufruf" Görings an die SA. Trupps veröffentlichen, kommen aus Großbeeren im Kreise Teltow neue alarmierende Nachrichten von systematischen Ueberfällen auf republikanische Arbeiter. Die Nationalsozialisten hatten gestern abend in Großbeeren einen Fackelzug durchgeführt, dem sich eine nationalsozialistische Versammlung anschloß. In der Versammlung, die sich bis zur Mitternachtsstunde hinzog, sprach der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Schlange. Im Anschluß an diese Veranstaltung, an der ungefähr 400 Personen teilgenommen hatten, zogen mehrere Trupps uniformierter Nationalsozialisten durch die Berliner Straße, die die einzige Hauptstraße des kleinen vor den Toren Berlins gelegenen Ortes bildet. Die Demonstranten hatten es auf das Haus Berliner Straße 73 abgesehen, das ausschließlich von Arbeiterfamilien bewohnt wird. Sier hat auch der Maurer KartSchlom bach, der im 36. Lebensjahre steht und früher im Reichsbanner aktiv mitgearbeitet hat, seine Wohnung. Ein Trupp Demonstranten zertrümmerte die Haustür und drang in das Haus ein. Die Burschen stürmten zum ersten Stockwerk, wo sich die Wohnung Schlombachs befindet, und erbrachen auch hier die Wohnungstür. Durch die Unruhen waren Schlombach und seine Frau aus dem Schlafe geweckt worden. Als sie das ihnen drohende Unheil erkannten, sprangen beide, nur mit dem Nachthemd bekleidet, aus dem Fenster und flüchteten durch die nächtlichen Straßen. Kurze Zeit darauf stand das ganze Arbeiterwohnhaus in hellen Flammen. Es muß angenommen werden, daß die Eindringlinge aus Wut über ihr miẞglücktes Attentat auf Schlombach in der Wohnung Brand angelegt haben. Das Haus ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Neben dem Ehepaar Schlombach sind die übrigen acht Familien, bei denen es sich durchweg um ärmste Leute handelt, obdachlos geworden! Der zuständige Landrat hat noch in der Nacht einen besonderen Kommissar nach Großbeeren zur Untersuchung der Vorgänge entsandt. Das amtliche Ergeb nis der Untersuchungen steht jedoch noch aus. Auch in dem Büro des Amtsvorstehers von Großbeeren war die Untersuchung, wie wir auf telephonische Anfragen hin feststellten, noch nicht so weit gediehen, daß man über die Täter genauere Mitteilungen machen wollte. Neuer Beamtenschub in Preußen Der Generalstabsoffizier als Polizeipräsident Am Mittwoch haben die Preußenkommissare wieder zahlreiche Personalverände rungen beschlossen. Wo noch ein Republikaner oder sogar ein Sozialdemokrat in verantwortlichen Stellen entdeckt werden kann, wird er zugunsten von Deutschnationalen oder gar von Nationalsozialisten entfernt. So ist der bisherige Oberpräsident in Münster, Gronowski, ebenso wie der Regierungspräsident Brand in Sigmaringen, beides 3 e n= trumsleute, in den einstweiligen Ruhestand versetzt. An Stelle Gronowskis, der aus der christlichen Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen ist, wurde der Vorsitzende der Land= Der preußische Minister des Innern wirtschaftskammer Freiherr von Lünind, ein persönlicher Freund Papens, zum Oberpräsidenten ernannt. Auch der Schwieger sohn Papens. der bisherige Landrat von Stodhusen in Lüdinghausen, wird zum Regierungspräsidenten in Arnsberg befördert. Polizeipräsident in Stettin wird an Stelle des abgesetzten Sozialdemokraten Meyer der deutschnationale Landtagsabgeordnete, Polizeimajor a. D. Borck, der sich durch seine ungehemmten Angriffe auf den Minister Severing besonders befanntgemacht hat. Er ist für die Polizei besonders geeignet. Denn in dem Abschiedsgesuch, das er als Polizeimajor in Berlin am 5. Oktober Fest steht, daß nach dem SA.- Fackelzug und der nationalsozialistischen Versammlung Trupps uniformierter Nazis durch die Straßen zogen und daß anschließend die Wohnung des Reichsbannermannes Schlombach gestürmt und das Haus in Brand gesetzt wurde. Wie nachträglich bekannt wird, hat der verfolgte Maurer Schlombach auf der Flucht schwere Verlegungen erlitten, denn die SA. schickte ihm Revolverschüsse nach, die beide Beine trafen. Ein freiwilliger Feuerwehrmann, der Hornsignale zum Alarm der Feuerwehr geben wollte, wurde durch die Nationalsozialisten daran gehindert. Das Horn wurde ihm weggenommen. In den Mittag= stunden ist der Brand noch nicht endgültig gelöscht. Die Haupttäter sind befannt; es handelt sich um Angehörige von Stürmen aus Teltow und den umliegenden Ortschaften, vor allem aus Zehlendorf. Die Untersuchung ist selbstverständlich noch nicht abgeschlossen. 1.1. Weitere Einzelheiten werden wir im Mor veröffentlichen. 1922 an seine vorgesetzte Behörde richtete, verficherte er als ehemaliger Generalstabsoffizier wörtlich: ,, Ich bin der Ansicht gewesen, daß wir alten Truppenoffiziere aus vaterländischen Gründen in der Polizei zu verbleiben hätten, damit der alte militärische Geist, der nach meiner Auffassung allein befähigt ist, Disziplin und Ordnung in einer Truppe zu halten, nicht verlorenjeht. Nun ist die Schußpolizei wiederum umorganisiert. Ich sehe jetzt ein, daß für einen ausgesprochenen Soldaten kein Plak mehr in Dieser Fachpolizei ist. Zum reien Polizeidienst fehlt mir jegliches Verständnis und Intereffe. Ich sehe ein, daß ich in meinen ganzen dienstlichen und wohl auch politischen Auffassungen gänzlich umlernen müßte. Das kann ich nicht, so gern ich es bisher wollte." Der Mann, der sich selbst so einschäßt, ist augenscheinlich der Gewiesene, als Vorgesetter der Fachpolizei von heute zu wirken! Auch in Berlin gehen merkwürdige Veränderungen vor. Der Nachfolger Heimannsbergs als Polizeikommandeur, Oberst Poten, ist bis zum 3. März beurlaubt. An seine Stelle tritt Berlin, den 22. Februar 1933 Oberst Geibel. Der Vorsitzende der natio= Schnellbrief Damit stellt Herr Göring aber die Polizei vor eine unmögliche Aufgabe. Angenommen, daß in einer Versammlung ein Trupp von 100 Burschen mit SA.- Abzeichen und Uniformstücken einen Tumult entfesselt Auf die Beschwerde vom 15. Februar 1933 gegen die Verfügung -woher soll nun die zur Ueberwachung der Versammlung bestellte Polizei wissen, ob des Herrn Polizeipräsidenten in Berlin vom gleichen Tage Tgb. I 6035 dieses staatsaufbauende" echte SA.echte Ang. I, durch die die in Berlin erscheinende Tageszeitung ,, Vorwärts" bis Leute sind, mit denen sie bestes Einvernehmen zu halten hat, oder kommunisti- zum 22. Februar 1933 verboten worden ist, hebe ich die genannte sche Provokateure, gegen die rüde Verfügung des Herrn Polizeipräsidenten in Berlin gemäß§ 12 der Versichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen ist? Schießt der Beamte, und es war zuordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes fällig echte SA., so wird er bestraft. vom 4. Februar 1933- RGB. I, Seite 35- auf. schießt der Beamte nicht, und es waren verfleidete Kommunisten, so droht ihm gleichfalls schwere Strafe. Der Göringsche Erlaß ist daher nicht nur in seiner Gesamttendenz abzulehnen, er iſt auch praktisch undurchführbar und für die Beamten selber eine stete Gefahr. ( Stempel) Der Kommissar des Reiches Im Auftrage: gez. Grauert Beglaubigt gez.: Unterschrift Ministerialkanzleisekretär. nalsozialistischen Polizeibeamtengruppe, Kriminalrat Mundt, wird Leiter der Kriminalabteilung, und der Schriftführer dieser Gruppe, Greiner, wird in die Organiüber= ſationsabteilung des Polizeipräsidiums nommen. In die Politische Abteilung sollen 30 Hilfspolizeibeamte aus den Kreisen der Nationalsozialisten berufen worden sein. Berlin bleibt rot-! Die Polizei verbietet Im Wahlkampf lassen die Nazis schamloseste Berleumdungen gegen Braun und Severing plakatieren, ohne daran behindert zu werden. Dagegen werden sozialdemokratische Plakate einer besonders vorsichtigen Zensur unterworfen. Der Berliner Bezirksvorstand der Sozial demokralie hak zum Beispiel neue Plakake bei der Berliner Plakatsäulen-Gesellschafk(Berek) ein- gereicht. Prompt wurden aus Eingreifen des preußischen Innenministers zwei Plakate auf den Index geseht. Eines davon ist in- zwischen wieder freigegeben. Das andere aber, das sich an die Hausfrauen wendet und auf die Zollerhöhungen aufmerksam macht, die uns die Regierung der„nationalen Konzentration" beschert hat, bleibt einst- weilen verboten. Das heißt, die B e r e k darf es nicht ankleben lassen. Don gleicher Bedeutung ist die erbauliche Talsache, daß Berlin nicht rot bleiben darf! Dämlich die Anbringung der Fläche n- b e s ch r i s t u n g aus einem Gebäude am her- mannplah in Deukölln: Berlin bleibt rot?" mußte aus polizeiliche Anordnung unterbleiben. Die Wähler von Deutölln und Groß-Berlin werden darüber allerdings anders denken als die derzeitige Polizeiverwaltung von Berlin. Sie werden am 5. März durch die immer noch geheime Wahl zeigen, daß Lerlin tatsächlich rot bleibt! Reichsbanneraufmarsch Vom Polizeipräsidenten verboten wie uns von der Pressestelle des Reichsbanners mitgeteilt wird, hat der Polizeipräsident den Aus- marsch der Kreise Osten und Borden des Ber- liner Reichsbanners am kommenden Sonntag verboten. Auch das Platzkonzert auf dem Rudols-Wilde-Plah darf nicht stattfinden. Verboten! Verboten! Verboten worden sind neuerdings folgende Parteizeitungen:„Freie Presse", Osnabrück, bis zum 27. Februar:„Volk°>stimme", Mannheim: „Volksbote", Zeitz. Einstweilige Verfügung Frankfurt a. W., 23. Februar. Gegen das auch in Frankfurt angeheftete „2- M i l l i o n e n"- P l a k a t mit den bekannten Verleumdungen gegen Braun und S e o e r i n g hat das Landgericht Frankfurt auf Antrag von Brcmn und Severing«ine einst- weilige Verfügung erlassen, die die Beschimpfun- gen bis 12. März untersagt und die U n k e n n t- lichmachung der beleidigenden Stel- len binnen 3ü Stunden anordnet. Liste 2! Die Wahlvorschläge für Lerlin Im Berliner Rathaus trat heut« der K r e i s- Wahlausschuß zur Prüfung und Festsetzung der bei dem Kreiswahtleiter des Wahlkreises 2 (Berlin) eingereichten Kreiswahloorschläge für die Reichstagswahl am 5. März d. I. zusammen. Zugelassen zur Reichstagswahl wurden für den Wahlkreis 2 folgende 11 Wahlvorschläge: 1. Nationalsozialistisch« deutsche Arbeiterpartei (Hitler-Vewegung) 2.«ozialdemotratrsche Partei Deutsch» lands 3. Kommunistische Partei Deutschlands 4. Deutsche Zentrumspartei S. Kampffront Schwarzweißrot 7. Deutsche Volkspartei 8. Christlichsozialer Volksdienst(Evangelische Bewegung) S. Deutsche Staatspartei 10. Deutsche Bauernpartei 12. Deutsch-Hannoversche Partei 15. Sozialistische Kampfgemeinschaft. Für alle denkenden Arbeiter, Ange- stellten und Beamten, für alle freiheits- liebenden Männer und Frauen Deutsch- lands gibt es nur eine Liste: Die Eiste 2! Vorschläge Nadolnys fomfliht mit Henderson Botschafter N a d o I n y hat mit eingehender Be- gründung vor der Generalkommission der Vorbe- reitenden Abrüstungskonferenz«inen Resolutions- entwurf vorgelegt, der vorschlägt festzustellen, daß nur Heere rein devensiven Charakters mit einem System der Sicherheit vereinbar sind: daß es, um den Heeren einen Defensiv- charakter zu geben, in erster. Linie erforderlich ist, diesen die Angriffsmittel durch A b s ch a f» fung der Massen mit besonderem Offensivcharakter zu nehmen(schwere bewegliche Artillerie, Kampfwagen, Luststreit- kräfte, Verbot des Bombenabwurfs) und für jede Armee die Menge an zugelassenem Kriegs- Material festzusetzen; daß es für die Schaffung eines Sicherheitssystems außerdem erforderlich ist, eine wesentliche Herabsetzung der Streitkräfte aller Staaten vorzunehmen, hier- 1 bei müssen die Ueberseestreitträste in eigenen | Kolonien ebenso wie die im Mutterland selbst Heines-Truppen an ber Arbeit Lctiwerer Landfriedensbruch in Hindenburg Eigener Bericht des„Vormärts" Breslau, 23. Februar. Am Mllwoch verübte die SA. in hindenburg eine Reihe von neuen Ueberfällen auf sozialdemokratische Arbeiter. Insgesamt zählte man 70 bis 80 Derletzke, darunker zahlreiche Schwerverlehle, die ausnahmslos de: Eisernen Front angehören. Am Dachmillag sollte im Gewerkschaslshaus eine Versammlung der Eisernen Front mit dem Genossen Bölling aus Frankfurt a. w. als Redner stallfinden. Der Saal war überfüllt. kurz vor Beginn der Kundgebung sprangen etwa siebzig unbekannte Rationalsozialisten, die ohne Parteiabzeichen Einlaß gefunden hallen und in den vordersten Reihen Platz genommen hallen, von ihren Plätzen aus und schlugen nach dem Kommando„Saal räumen" mit Gummiknüppeln und Stahlruten auf die Versammlungsbe- sncher ein. Im gleichen Augenblick drangen etwa 10 0 Razis von außen in den Saal ein. Es entwickelte sich eine entsetzliche Saal- s ch l a ch t, die eine Dierlelstunde dauerte. Zahlreiche Personen wurden von den hakcnkreuzlern erbarmungslos zusammengeschlagen. mehrere Frauen sprangen auf der Flucht vor den«A.-Lenten durchs Fenster,«ie stürzten durch ein darunter befindliches Glasdach und zogen sich dabei schwere Schnittwunden zu. Nachdem die hakenkreuzler die Versammlungsteilnehmer aus dem Saal hinausgelrieben und die gesamte Einrichtung zertrümmert halten, verfolgten sie ihre Opfer durch die benachbarten Strahenzüge. Rochmals wurden zahlreiche Personen überfallen und tierisch miß- handelt. Einzelne SA.-Leute entrissen den P o li z eibe a m l e n die Gummi- k n ü p p e l und schlugen damit aus die Arbeiter und ihre Frauen los. Zur gleichen Zeit wurden im Stadtteil p o r e m b a zwei von der Beerdigung eines Bergmannes zurückkehrende sreigewerkschaflliche Betriebsräte von zehn Hakenkreuzlern überfallen und niedergeschlagen. Der eine der beiden Verlehken, Betriebsrat Piecha von der Königin-Luise-Grube, muhte mit furcht- baren Kopfverletzungen ins knapp- fchastskrankenhaus eingeliefert werden. In den Abendstunden sprengten die national- sozialistischen Trupps in hindenburg eine k o m- m u n i st i s ch e Versammlung. Auch hierbei wurden mehrere Arbeiter lebensgefähr- l i ch verletzt. Zu Samaritern, die die Schwer- verletzten sortschafsten, äußerten die SA.-Leute: „VZerft die Hunde aus einen Karren und laßt sie verrecken." Auch mehrere Arbeilersama- r i t e r wurden mit Gummiknüppeln nieder- geschlagen... Programm des Herrn von Nohr hlinein in die Autarkie Der ehemalige pommersche Landbundführer und jetzige Staatssekretär im Reichsernährungs- Ministerium, Herr von Rohr, sprach gestern im Rundfunk über die„Bauernpolitik der Ratio- nalregierung". Bevor der Redner an die Dar- legung des Programms ging, setzte er sich des längeren und breiteren mit der Osthilse ausein- ander. Es versteht sich am Rande, daß für Herrn von Rohr„dieser ganze sogenannte Osthilfeskandal nichts weiter als ein marxistisches Wahl- Manöver ist". Die Richtlinien für die„nationale Bauern- Politik", wie sie Herr von Rohr darstellte, sind im wesentlichen folgende: 1. Die Getreidestützung wird fortgesetzt. 2. Den Landwirten, die eine zusätzliche Arbeits- kraft einstellen, wird ein Barbetrag ausge- zahlt, der den Unterstützungssätzen des betreffenden Arbeitslosen entspricht. 3. Deutsche Rohstoffe sind unbedingt zu bevor- zugen. Dem Beispiel der Reichswehr folgend, sollen auch die Stoffe, die von der Schupo, den Reichsbahn- und Postbeamten getragen werden, eine starke Beimischung deutscher Wolle enthalten. 4. An die Lederindustrie, die Leinen- und Papierindustrie sowie die Seifenindustrie wird der Appell gerichtet, gleichfalls ausschließlich oder überwiegend deutsche Rohstoffe zu verwenden. Wo der Appell an die Freiwilligkeit nicht genügt, wird die Regierung zu st a a t l i ch e n Zwangs- maßnahmen greisen. Di« SS., SA., Stahlhelm und nationalen Organisationen sollen die Regierung bei diesen Maßnahmen unter- stützen. 5. Das Butterkontingent(55 000 Ton- nen aus den skandinavischen Staaten und hol- land. Red. d.„D.") ist völlig überflüssig. Die Regierung wird ganz außerordentliche Maß- nahmen treffen, um den von dem Butterkontin- gent ausgehenden Druck auf die Milchpreise aus- zugleichen. 6. Diese Maßnahmen werden aus den ver- schiedensten Gebieten sortgesetzt, bis die Preise der agrarischen Produkte eine„gerechte Ge> st a l t u n g" erfahren haben. Zur gleichen Zeit, als Herr von Rohr diese? ausschließlich auf die Interessen der Landwirt- schaft zugeschnittene Wirtschastsprogromm verkündete, hielt der intimste Mitarbeiter des Win- fchafts- und Agrarministers hugenberg, Staats- sekretär Dr. Bang, in Dresden gleichfalls eine programmatische Rede, in der er jede Experimen- tiersucht der Regierung in wirtschaftspolitischen Fragen obstritt. Herr Bang betonte ausdrücklich, daß die jetzige Regierung keineswegs ein« einseitige Agrarpolitik treiben wolle. Vielmehr sei die Regierung auf den organischen Aus- gleich von Industrie und Landwirtschaft be- dacht. Nachdem das deutsche Volk das Wirtschafts- pragramm des Herrn von Rohr zur Kenntnis genommen hat, weiß es, wie dieser„organische Ausgleich zwischen Industrie und Landwirtschaft" aussieht! stehenden Ueberseestreitkräste als Teile Heimatstreitkräfte betrachtet werden. der Die Generalkommission soll daher beschließen, bevor sie sich über das Prinzip der Vereinheit- lichung der Heerestypen ausspricht: a) selbst ohne Verzögerung die Frage der Abschaffung der besonderen Offensivwaffen und die Begrenzung des zugelassenen Kriegsmaterials zu regeln: d) das Komitee für die Personalbestände zu be- austragen, die Bestimmung zur Herabsetzung und zum Ausgleich der Streitkräfte im Sinne der Prinzipien des h o o v e r- Plans festzusetzen und der Generalkominission einen Vorschlag hierüber in einem noch festzusetzenden Zeitraum vorzulegen. Nadolny hatte diese Vorschläge nicht in seiner Rede verlesen, sondern dem Vorsitzenden h e n- d e r s o n übergeben. Dieser teilte am Schluß der Sitzung die Vorschläge Nadolnys nicht mit, was der Erwartung Nadolnys zuwiderlief, aber einen gcschäftsordnungsmäßigen Grund haben soll. Eine darauf folgende Wortmeldung Nadolnys blieb gleichfalls unberücksichtigt. Diese beiden Dinge haben einen Konflikt geschaffen, um dessen Beilegung man sich aber schon bemüht. Vor die Frage Regierungskrise oder Neuwahl gestellt, hat die Königin sich für den Appell an das Volk entschieden. Die Neuwahl der Kammer ist auf den 2 6. April festgesetzt. Die gegenwärtige Kammer bleibt bis zum 6. Mai bestehen. Kammerwahl inHolland Arn 26. April Die holländische Rechtsregierung hatte dem Par- lament vorgeschlagen, aus Ersparnisgründen einige kleinere Gerichte aufzulösen. An diesem unbedeutenden Gegenstand entzündete sich die schon lange bestehende Unzufriedenheit mehrerer bürgerlichen Gruppen mit der Rogieruimspolilik, und zusammen mit der Sozialdemokratie und den zwei Kommunisten bildeten sie«ine A b» l-ehnungsmehrheit. Gtmfantrag gegen Brolat 1.Jahr 6 Monate Zuchthaus Zu Beginn der heutigen Verhandlung gegen Brolat wurde auf Antrag des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Nübell, u. a. aus den Akten festgestellt, daß Brolat wiederholt den Unter- suchungsrichter um seine Vernehmung zur Cr- gänzung seiner ursprünglichen Aussagen gebeten hat. Darauf erhielten die Ankläger das Wort zu ihrem Plädoyer. Als erster schilderte der Erste Staatsanwalt R o m b e r t die Zusammenhänge zwischen der Affäre Sklarek und dem Meineidsverfahren gegen Brolat. Die einzelnen zur Anklage stehenden Punkte erörterte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißen- b e r g. Er gelangte zu dem Ergebnis, daß Bro- lat in allen drei ihm zur Last gelegten Punkten wissentlich falsche Aussagen gemacht habe. Wenn das von Regierungsrat Dr. T a p o l s k i nieder- geschriebene Protokoll auch gewisse Mängel aufweise, so seien diese Mängel von geringer Bedeutung und änderten nichts an den wissentlich falschen Aussagen des Angeklagten. Allerdings stehe ihm die Strafmilderung auf Grund des Z 157 des Strafgesetzbuches zur Seite, da er durch ein« wahrheitsgemäße Zlussng« Ge- fahr gelaufen sei, sich selbst strafbar zu machen. Der Erste Staatsanwalt Romberg beantragte an Stelle der eigentlich verwirkten Zuchthaus- strafe in höhe von 3 Jahren 6 Monaten auf Grund des strafmildernden Sj 157 eine Zuchthauc» strafe von 1 Jahr 6 Monaten und 5 Jahre Ehrverlust, v Wahnsinnige! Ein Rundschreiben der KPD. Wasserkante Das„Hamburger Echo" veröffentlicht ein Rundschreiben, das die kommunistische Bezirks- leitung Wasserkante eine Woche nach dem Regie- rungsantritt Hitlers herausgebracht hat. Darin heißt es: Bei gleichzeitiger Berflärkung unserer Blassen- polilik auf der Grundlage der Einheitsfront mit den sozialdemokratischen und freigewerkschasttichen Mitgliedern, bei wirklicher lebendiger und kämpfe- rischer Verbundenheit unserer Genossen mit den klassengenosfen der SPD. und des ADGB. müssen wir unter dem Gesamlprolelariat über den schändlichen verrat der Sozial- d e m o k r a t i e am 30. Januar breiteste Klarheit schassen. Dabei sind besonders die neuesten„linken" Betrugsmanöver der SPD. als die in>- famste Hilfeleistung für die Bour- geoifie zu entlarven(Stampfers Leitartikel Im„vorwärts", Künstlers Rede hm Berliner Lustgarten). „Unsere Ausgabe muß es fein, durch die ver- besserung unserer innerxewerkschast- lichen Arbeit, durch die Verbreiterung un- seres Sturms innerhalb der Gewerkschaften gegen den faschistischen Leipart-Kurs alle Illusionen innerhalb der Arbeiterklasse über die Rolle der Sozialdemokratie zu zerschlagen und sie ihrer Massenbasis zu berauben. Wir müssen einen verschärften prinzipiellen Kamps gegen die SPD. mit dem Ziele der Los- löfung' der proletarischen Anhängcrmasien von dieser Partei betreiben. Wir müssen das Ein- heitsfrontgerede der SPD.-Führer als infames Betrugsspiel, als Spaltung und Zer- f e h u n g der sich anbahnenden antifaschistischen Einheitsfront entlarven." „Gerade jetzt in Verbindung mit unserer Kam- pagne, anläßlich des SPD.-Parteitages und des Marx- Jubiläums, können wir auf Grund der letzten Tatsachen aus der Politik der SPD. den Klaffenverrat und die prinzipienlose Verkommenheit dieser Partei auszeigen." Diesen Ausbrüchen folgt eine taktische An» Weisung dieses Wortlauts: „An solchen Orten, in solchen Städten, wo es uns gelungen ist, unsere M a s s e n b a s i s unter der Mitgliedschaft des Reichs- b a n n e r s, des ADGB. und der SPD„ der SAZ., in sichtbarem Maße zu verbreitern, wo die Einheitsfront der Tat sich in der Praxis zu for- mieren beginnt, wo in den Betrieben und an den Stempelstellen der Drang zur Einheitsfront ficht- bare, konkrete Formen anzunehmen beginnt, dort ist eine kombinierte Einheitsfront von unten und von oben in solchen Fällen richtig und zulässig, wo eine Steigerung der Massenoffensive und der Maisenkampsaktioncn des Proletariats, auf Grund der Verbindung unserer Massenmobilifierung mit einem Einheit«- srontangebot an die örtlichen vor» stände der SPD. und des ADGB. zu er- warten ist." Damit ist offen gesagt, daß die Einheitsfront» angebote an die örtlichen Vorstände der SPD. und des ADGB. nichts anderes als getarnte K a mp f m a ß na h m e n gegen die So- zialdemokratie und gegen die Ge» werkschaften sein sollen. Eine ehrlich ge- meinte Einheitsfront wird gar nicht in Betracht gezogen! Jedes weitere Wort der Kritik erübrigt sich. Wir vertrauen dem gesunden Sinn des Proletariats, das jetzt eine geschlossene Front gegen den Faschismus und nicht den Bruderkampf will. Ihm überlassen wir das Urteil! Ernst Zanders Jubiläum Dr. Ernst Zander, den Arbeitersängern vor allem als Leiter des von ihm vor fast 30 Jahren gegründeten Berliner Volks- Chors und als Dirigent vieler Gaukonzerte bekannt, beging am 22. Februar seinen 60. Geburtstag. Sohn eines Orchestermusikers und einer Hebamme, hat er sich aus kleinsten Verhältnissen dank seiner ungeheuren Arbeitskraft zu einer führenden Persönlichkeit im öffentlichen Musikleben emporgearbeitet. Er gehört zu den Vorfämpfern unserer Volkschorbewegung. Ohne seine unermüdliche Wirksamkeit auf dem Podium wäre dieser wichtigste Teil unserer Arbeitermusikbewegung nicht so zielbewußt vorwärtsgebracht worden. In Berlin hat die werktätige Bevölkerung nur durch ihn Zugang zu den Meistern der Vergangenheit, von Bach und Händel an bis zu den großen Chor- Orchester- Werken unserer Zeit erlangt. Daneben hat Ernst Zander sich durch seine Herausgebertätigkeit, besonders Hän= delscher Oratorien, höchst verdient ge macht. Hier wurde grundsätzlich neue Arbeit von ihm geleistet, die sich nicht nur auf die musikalische Gestaltung, sondern auch auf die dramaturgischpsychologische Einteilung und vollkommen neue Uebersegungen erstreckte. Schließlich gehört noch eine riesige literarische Arbeit, die kein anderer so gut wie dieser kenntnisreiche und fleißige Mann unternehmen konnte, dem DAS.: der „ Führer durch die weltliche Chor= literatur mit Orchester", ein Standardwerk, dessen erster Band bereits erschienen ist und unsere Dirigenten und Funktionäre in die Chorliteratur einführt. Der zweite, schon drucfertige Band, wird die kleineren, viel zahlreicheren Chorwerke enthalten. Der DAS. wünscht dem jugendfrischen Jubilar die gleiche Arbeitskraft und Arbeitsausdauer, die ihm eine solche Lebensleistung( neben dem Broterwerb!) ermöglicht hat, auch für seinen Lebensabend. Wir selbst können uns gratulieren, daß wir in Ernst Zander einen Mitarbeiter be= sigen, der seit seiner Studentenzeit treu zum Sozialismus steht und eine so seltene Vereinigung von praktischem Musiker, wissenschaftlichem Arbeiter und organisatorischem Führer darstellt. Das Jubiläum begeht der Volkschor durch zwei Erſtaufführungen seiner Händel- Bearbeitung„ Acis und Galathea“ und„ Lob der Musik", zweier Werke, die demnächst im Kommissionsverlag unseres Bundes erscheinen. A. G. Loblieder auf Faschismus Was Rundfunkhörer glauben sollen Wir hören im deutschen Rundfunk nichts vom unterdrückten Tirol und seinen Nöten; aber wir hören Lobreden auf den Faschismus. Nachdem der italienische Faschist Professor Guido Bor= tolotto vor einigen Tagen im Programm der Berliner Funkstunde seinen Spruch aufgesagt hat, trat er nun am Mittwoch auch im Programm des Deutschlandsenders in Erscheinung. Er pries die Segnungen des Faschismus in so vollen Tönen, daß die Notschreie aus dem Tiroler Land wirklich nur noch als Böswilligkeit zu verstehen sind. Als Vertreter des deutschen Faschismus sprach im Programm der Funkstunde Alfred Rosen= berg, dessen Rede in einem Aufruf ausklang, geschlossen die Hitler- Partei zu wählen. Damit wurde den Hörern ein schöner Beweis sowohl für die nationale Konzentration mie für die Ausschaltung der Parteipolitik im Rundfunk erbracht. Daß der ganze Osthilfeskandal ein marristisches Wahlmanöver sei, verkündete in einer Auflage= sendung der Reichsregierung der neue Staatssekretär im Reichsernährungsministerium Herr von Rohr. Der Deutschlandsender, der bekanntlich von der Reichsregierung besonders scharf am Zügel gehalten wird, hatte als Nachtmusik eine Uebertragung aus München angekündigt. Sie wurde ohne Angabe von Gründen durch Musikübertra gung aus einem Berliner Caféhaus ersetzt. Die etwas gedrückten Verhältnisse zwischen Bayern und der national tonzentrierten Reichsregierung scheinen ihre Kreise bis in die düsteren Gewässer des Rundfunks zu ziehen. -1z. Piscator Regisseur in Moskau. Der deutsche kommunistische Regisseur Ermin Piscator ist von der Sowjetregierung zum Leiter und Hauptregisseur des jüdischen Staatstheaters in Moskau berufen worden. Ueber Käthe Kollwiß, die Künstlerin und Ruferin für soziale Gerechtigkeit spricht Sonnabend, 8 Uhr, auf Einladung der Volksbühne Dr. May Deri im Kunstgewerbemuseum. Deutsche Sehnsucht nennt Max Barthel seine Rede, die er Freitag, 8.15 Uhr, als Gast der Werkgemeinschaft für Wortkunst Am Breitenbachplay", Breitenbachplatz 17-19, hält. Ernestine Münchheim liest aus des Dichters Romanen. Anfragen schriftlich: Sekretariat E. Münchheim, Bergstr. 28, Steglitz. Die 5. Kabarett- Matinee der Voltsbühne findet Sonntag, vorm. 11.30 Uhr, im Theater am Bülowplay statt. Ü. a. wirken mit: Lotte Werkmeister, Liselotte Wilke, Sonja Wronko, Hede Geber, Hugo FischerKöppe, Walter Behr und Valentino Graciadei. Barnabas von Geczy spielt mit seiner Kapelle, Richard Schöffmann und Gitta Wallerstein von der Staatsoper tanzen. Im Bund geistiger Berufe spricht Prof. Emil Lederer über das Thema: Ist die Krise am Wendepunkte?"( mit Aussprache) am Freitag, 8.30 11hr, im Clubhaus am Knie, Berliner Str. 27. Das Berliner Philharmonische Orchester setzt seine Volkstümlichen Konzerte Sonntag, 8 Uhr, in der Philharmonie fort. Für Sozialismus und Freiheit! Thomas Mann an die deutsche Nation Wir veröffentlichen nachstehend die Botschaft des Dichters Thomas Mann, die am Sonntag in einer Rundgebung des Sozialistischen Kulturbundes in der Volksbühne verkündet werden sollte. Die Kundgebung durfte nicht stattfinden. Die Botschaft wurde dann durch den Kultusminister Grimme auf dem Kongreß Freies Wort" verlesen, der kurz darauf ebenfalls aufgelöst wurde. Thomas Mann ließ folgende Botschaft verfünden: ,, Ich will das Bekenntnis erneuern, das ich schon vor zwei Jahren in einem schwierigen und kritischen Augenblick öffentlich und seitdem noch das eine und andere Mal abgelegt habe: das Bekenntnis zur sozialen Repu= blik und zu der Ueberzeugung, daß der geistige Mensch bürgerlicher Herkunft heute auf die Seite des Arbeiters und der sozialen Demokratie gehört. Die Kontrastierung von Metaphysik und Sozialismus, wobei dieses als unfromm, unheilig, materialistisch, als ein Wille zum Termitenglück hingestellt wird, ist heute nicht erlaubt. Ich spreche als Künstler und auch diese Form der Vertiefung ins Menschliche, die man Kunst nennt, ist eine Sache des humanen Interesses, der leidenschaftlichen Anteilnahme am Menschen. Die Kunst war ja immer und wird jederzeit sein das vollendete ,, Dritte Reich", von dem große humane Geister geträumt haben und dessen Name heute so mißbräuchlich geführt wird: die Einheit nämlich von Leiblichkeit und Geistigkeit, des Natürlichen und des Menschlichen. Noch einmal, das Humane umschließt beide Welten, die innere und die äußere, und das Politisch- Soziale ist eines seiner Bereiche. Materialismus ein tindisches Schreckwort und perfid obendrein! Auf eine scheinbar idealistische Weise soll das menschlich Anständige damit hintangehalten werden, im Namen der Innerlichkeit! Materialismus kann viel geistiger, viel idealistischer und religiöser sein als die innerlichkeitsvollste Vornehmtuerei gegen das Materielle; denn er bedeutet ja gar nicht, wie der Kulturbürger will, das Versunkensein im Materiellen, sondern eben den Willen, es mit Menschlichem zu durchdringen. Sozialismus ist nichts anderes als der pflichtmäßige Entschluß, den Kopf nicht mehr vor den dringendsten Anforderungen Materie, des gesellschaftlichen follektiven Lebens in den Sand der himmlischen Dinge zu stecken, sondern sich auf die Seite derer zu schlagen, die der Erde einen Sinn geben wollen, einen Menschenfinn. In diesem Sinne bin ich Sozialist. Und ich bin Demokrat in dem einfachen und allgemeinen Sinn, daß ich an die Unvergänglichfeit von Ideen glaube, die mir mit der Idee des Menschen selbst, mit jedem Gefühl für die Tatsache Mensch unverbrüchlich verbunden scheinen der Idee der Freiheit zum Beispiel, die man heute für überwunden erklären und historisch zum alten Eisen werfen möchte. Auf dieser Ueberzeugung beruht mein Widerstand gegen das, was sich heute in der Welt für Die Stimme eines Bischofs ,, Ich kann nicht mehr schweigen" Der Erzbischof von Freiburg im Breis gau, Dr. Conrad Groeber, hat ein Hirtenschreiben erlassen, das sich mit der politischen Lage befaßt und am Sonntag in den Kirchen der Erzdiözese zur Verlejung gekommen ist. In dem Hirtenschreiben führt Erzbischof Dr. Groeber, nach einer Meldung des Wolff= Büros, u. a. folgendes aus: ,, Wer das öffentliche Leben innerhalb unseres Volkes auch nur oberflächlich verfolgt, nimmt schmerzlich wahr, daß sich die Gärung in allen Schichten der Bevölkerung von Jahr zu Jahr steigert. Raum ein Monat ungestörter Ruhe wird dem schwer erkrankten Volkskörper gegönnt. Leider scheint man zu vergessen, daß nur jene den letzten Nutzen daraus ziehen, denen nicht die Ordnung in Staat und Volk als politisches Hochziel vorschwebt, sondern die Unordnung und völlige Umwandlung der bisherigen staatlichen und sozialen Form. Im einzelnen haben die politischen Kämpfe ein Gepräge angenommen und eine Ueberhizung er= reicht, die in der politischen Geschichte unseres Vaterlandes fast beispiellos ist. Man läßt sich nicht bloß von Haß gegen den politischen Gegner uneingeschränkt leiten, sondern behauptet sogar, daß Haß, Rachsucht und Vernichtungswillen berechtigt und notwendige Mittel im Entscheidungstampfe um die politische Macht seien. Statt auch bei Andersgesinnten die ehrliche Kaiser u. Weill: ,, Der Silbersee" Leipziger Uraufführung Am Silbersee, in den Wäldern, siedeln die Arbeitslosen. Der Hunger treibt sie zu einem Einbruch. Der Führer Severin wird auf dem Rückweg vom Landjäger Olim angeschossen, der die Tat baid bereut und all sein Gut daran seßt, den Haß Severins zu überwinden. Aber allzuspät versöhnen sich die Armen, so daß es den alten Herren" gelingt, ihnen den Besitz wieder abzunehmen. Die Austreibung des verarmten, be= trogenen Paars wirkt heute wie ein Symbol der Unterdrückten, denen das Glück ihrer Revolution wieder entrissen wurde. Aber als Olim und Severin den Tod im Silbersee suchen, verwandelt sich das Wasser zu Eis und trägt; denn wer den Schicksalsgenossen nicht mehr haßt und nichts mehr fürchtet, der muß weiter helfen am Bau einer ferneren Welt. Das ist Georg Kaisers Trost. Das ,, Märchen in 16 Bildern" hat auch neben dieser Allegorie einen seltenen Reichtum an bedeutungsreichen Vorgängen, Ideen, haftenden dichterischen Bildern, originellen Charakteren und dramatisch großartigen Szenen.„ Der Silbersee" erscheint als das stilistisch und innerlich fesselndste Bühnenstück der letzten Jahre. Kurt Weills raffiniert gearbeitete Musik bedeutet eine Berfeinerung seines DreigroschenOper- Stils. Sie ist oft von starker Eindringlichkeit, aber allzu anspruchsvoll für Schauspieler. Von den Leipziger Darstellern war in der Uraufführung noch) feiner dem Chansonvortrag ganz gewachsen. Das Wesentliche des Werkes ist durchaus bei der DichUeberzeugung zu schäßen, schiebt man ihnen die selbstsüchtigsten und verachtetsten Gründe skrupellos unter. Selbst der politische offene und heimtückische Mord fordert von Tag zu Tag entsetzliche Opfer in wachsender Zahl. Bei der Weiterentwicklung dieser Kulturschande ist der Bürgerkrieg, der schlimmste aller Kriege, zu befürchten. Ich erhebe deshalb als Deutscher, als Christ und als Bischof meine Stimme, um mich von der schweren Verantwortung zu be= freien, die ich mir durch mein Schweigen auf= bürden würde. Ich beklage die Selbstentehrung, die unser Bolk den anderen Völkern gegenüber durch die Duldung solcher Zustände verschuldet. Ich beklage die offenbare und grundsägliche Abfehr vom christlichen Sittengesez, das den Haß und die Angriffe auf Ehre und guten Namen, auf Sein und Leben des Mitmenschen als schwere Sünde verbietet und in der Nächsten- und Feindesliebe ein Hauptgebot unseres Glaubens erblickt. Ich fordere als Bischof alle überzeugungstreuen Katholiken auf, sich mit christlichem Hoffen um ihren Oberhirten zu scharen und nach Kräften dafür zu sorgen, daß Lüge und Berleumdung, die Verhetzung und der Haß, die Gewaltakte und der Mord nicht weiter den deutschen Namen schmachvoll beflecken und unser Gewissen vor dem Volke und der Menschheit, vor dem ewigen Richter belasten." tung Raijers, die Musik ist nur Würze. Das kühne Stück fand eine wertvolle Aufführung, die mit außerordentlichem Beifall aufgenommen wurde. Heinrich Wiegand. Die Aufführung von Georg Kaisers neuem Stück Der Silbersee", die gleichzeitig mit Leipzig im Magdeburger Stadt= theater ihre Uraufführung erlebte, wird von den ,, nationalen Verbänden" in Magdeburg mit den schärfsten Mitteln des Boykotts be= fämpft. Der Intendant ist dem Terror bisher nicht restlos gewichen. Daraufhin ist öffentlich der Boykott von allen Naziorganisationen, Stahlhelm und Deutschnationalen usw. über das Theater verhängt worden. Kaisers Stück wird von dieser Seite als undeutsch und zersetzend hingestellt, weil es den Klassenhaß fördere. Der erste Holländer- Film Gloria- Palast Der witzigste, einfallsreichste, musikalisch wie dichterisch gleich begabte Felig Holländer hat seinen ersten Tonfilm in einer Galaveranstaltung zugunsten des Vereins Berliner Presse vom Stapel gelassen. Die vielen sprizigen Gaben, mit denen er uns in seinem„ Tingel- Tangel" so oft erfreut hat, sprühen auch in seinem ersten Tonsilm auf. Leider hat er sich in die Gefolgschaft der Ufa- Manuskriptverfasser begeben, und so wird ihm das Manuskript vielfach zur Hemmfessel. Diese neu und zukünftig ausgibt, und ich glaube g wissen, daß dieser Widerstand in Deutschland viel weiter verbreitet, viel tiefer verankert und stärker ist, als es im Augenblick den Anschein hat. Was heute in Deutschland wieder sein Haupt erhebt, die Mächte der Vergangenheit und der Gegenrevolution, wäre längst nicht mehr vorhanden, es wäre ausgetilgt worden, wenn nicht die deutsche Revolution von einer Gutmütigkeit gewesen wäre, die echt deutsch war, und die wir nicht tadeln, sondern bewundern wollen. Aber die deutsche Republik muß den Glauben an ihre Kraft und ihr Recht lernen, sie soll wissen, wie start sie im Grunde ist, und welche unerschütterlichen moralischen und geistigen Kräfte ihr auch heute zur Seite stehen, wo scheinbar das ihr Feindliche triumphiert. Das ist Episode. Das soziale und demokratische Deutschland, ich bin tief überzeugt davon, darf vertrauen, daß die gegenwärtige Konftellation vorübergehend ist und daß die Zukunft, trotz allem, ihm gehört. Das Rasen der nationalistischen Leidenschaften. ist nichts weiter als ein spätes und letztes Aufflackern eines schon niedergebrannten Feuers, ein sterbendes Wiederaufflammen, das sich selbst als neue Lebensglut mißversteht. Und alle Tatsachen des Lebens und der Entwicklung, die wirtschaftlichen, technischen und geistigen, zeugen dafür, daß die Zukunft auf dem Wege liegt, den einzuschlagen die Völker längst gewillt sind, dem Wege in die soziale Welt der Einheit, der Freiheit und des Friedens. sentimentale Geschichte mit dem unmöglichen Titel Ich und die Kaiserin" ist ganz im Geiste des zweiten französischen Kaiserreichs, unter dem fie spielt, aber sie ist auch ebenso flach und im Grunde geistlos wie jene selbst. Künstlerisch können wir das zweite Kaiserreich nur noch mit den Augen Offenbachs ertragen, der diese Amüsiergesellschaft, diese Parodie auf das erste Kaiserreich, noch einmal wigig- frech parodiert hat. Aber vom Geiste Offenbachs ist doch zu wenig in dem Film, obwohl er selbst auftritt und zum Schluß der etwas versandeten Handlung die Wendung gibt. Die Liebesgeschichte eines Marquis, die beinahe zu einem Konflikt mit der Kaiserin Eugenie geführt hätte, wird glücklich in den Hafen gelotft, zu der kaiserlichen Friseuse. Es gibt natürlich viele entzückende Einzelheiten filmischer Aperçus, überhaupt eine reiche Schüssel von echten Holländereien. Aber es schwirrt alles durcheinander in verschiedensten Stilarten. Holländer muß sich bändigen lernen und aus dem Nebeneinander zu einer Einheit kommen. Franz Wachsmann hat echte Offenbachmufit eingefügt mit Geschmac und guter Wahl. Das reizende Schlagerlied ist von Holländer selbst.. Für das Auge bietet der Film mancherlei an Kostümen, Zeitbildern und einen echten Cancan. Aber das beste ist die von Holländer meisterhaft beherrschte Darstellung. Jeder Darsteller ist in seiner Eigenart aufs beste ausgenutzt, manchmal bekommt er sogar zuviel Pointen. Mady Christians als Kaiserin, Lilian Harvey als Briseuse, die erst allmählich, dann aber herrlich aufblüht, Friedel Schuster als Sängerin, Hubert von Meyerinck, der eine köstliche Persislage auf einen Flügeladjutanten liefert. Julius Falkenstein als beinahe echter Offenbach und nicht zuletzt Conrad Veidt als Marquis( sehr zurückhaltend und sparsam mit seinen bekannten Forcen) bilden ein Ensemble ein Ensemble von höchster Qualität. Boran ging ein Kulturfilm Nordische Vogelberge" von Ulrich Schulz, der uns Naturdokumente von berauschender Schönheit( weiße Wolken von Vögeln!) bescherte. D. Ende des Bechsteinflügels? Die Firma C. Bechstein hat ihre Zahlungen eingestellt das ist für jeden Musikanten, insbesondere aber für jeden Klavierspieler, eine betrübliche Nachricht. Zunächst, weil sie die Situation wieder einmal bligartig beleuchtet: die Klavierindustrie ist ja nicht nur darum im Niedergang, weil sich kein Mensch mehr die bei allem Entgegenkommen der Firmen immer noch unmenschlich teuren Instrumente kaufen kann, weil Klavierspiel ferner soviel weniger als früher gelernt werden kann, sondern weil durch Platte und Funk das Monopol des Klaviers als Hausinstrument endgültig gebrochen ist. Mit der Firma Bechstein verschwände freilich etwas Unersegliches: ein Instrumententyp, der sich von allen anderen Erzeugnissen der Klavierindustrie, und fast immer zu seinem Vorteil, sehr unterscheidet. Wenn Lamond und Schnabel, wenn Petri, Sauer, Serkin nur Bechstein spielen, missen sie genau, warum Die Flügel halten eine wunderbare Mitte zwischen der Kühle eines Steinway etwa oder der verspielten Farbigkeit eines Blüthner, fie bezaubern durch ganz einmalige Ausgeglichenheit der Register, verfügen über seltene Plastik des Tons, über ein föstliches Gleich= gewicht von Ton und Farbe überhaupt Es wäre traurig, wenn sie vom Markt verschwänden. A. W. „Maulwürfe an der Arbeit" Selbst die„Tägliche Rundschau" hat sich jetzt dagegen geuxmdtz daß durch Maulwurfsarbeit Positionen des Reichsarbeitsministeriums unter- wühlt und auf diesem Wege sozialreaktionären Plänen zum Durchbruch verholfen werden soll. Das Treiben gegen den„Marxismus" veranlaßt die„Tägliche Rundschau" zu folgender Mahnung: „Wer von den Wirtschastsführern den„Marxis- mus" bekämpfen will, kann nur dann aus innerer und sittlicher Rechtfertigung es tun, wenn er be- reit ist, den Millionen deutscher Arbeiter, die diesen Gedanken anhängen, auf dem Boden einer neuen Wirtschaftsordnung ein würdiges Arbeits- dasein zu schaffen, das den Menschen nicht als toten Faktoren einer nüchternen Kalkulation sieht, sondern ihn als vollwertiges Glied einer Produk- tionsorganisation anerkennt, dessen Dasein und Mitarbeit auf einer neuen, sozial ausgerichteten Arbeits- und Betriebsverfassung ausgerichtet wer- den muß. g Alan verschone das deutsche Volk endlich mit dem Schlagwort„Marxismus" und beweise, daß man auch in wirtschastlichen Kreisen gewillt ist. die deutsche Sozialpolitik in diesem Sinne vorwärts zu treiben." Bereits im Juni 1932, noch vor der ersten Rot- Verordnung des Kabinetts P a p e n, wandte sich Prof. Dr. Iastrow in der„Sozialen Praxis" gegen„die Abnagung des Reichsarbeitsministe- xiums". „In längst entschwundene Zeiten fühlt man sich zurückgesetzt, wo„Heiligkeit des Privateigentums" 'das Schlagwort war, mit dem jede Reform der Besitzverhältnisse unmöglich gemocht, mit„Heilig- keit des Familtenlebens" der Gedanke an eins allgemein« Erbschaftssteuer verpönt wurde. Es war die Zeit des Sozialistengesetzes, wo jeder, der es unternahm, die besitzenden Volksklassen über das aufzuklären, was von den Besitzlosen gedacht und empfunden wird, als ein Feind der gottge- wollten Ordnung hingestellt wurde. Die Ideale unserer Jugend rufen uns wieder, und sie rufen uns mit frischem, fröhlichem Klang. Es geht zum Kampfe. Die erste Schlacht in diesem Kampfe wird um den Bestand des Arbeitsministeriums geschlagen." Kürzlich hat der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns in der„Sozialen Praxis" zu dem Wandel der Ding« Stellung genommen. Er über- schrieb seinen Artikel:„Abbau des Reichsarbeits- Ministeriums?" „Der Abbau des Ministeriums muß als Ab- bau der Sozialpolitik empfunden wer- den," schreibt Brauns,„und kann Wirtschaft und Staat nur größte Nachteile bringen.... Die Be- schränkung des Arbeitsministers(Herrn Seldte) auf Pflege von Arbeitsdienst und Jugendertüchti- gung wäre gleichbedeutend mit dem völligen Abbau des bisherigen Reichsarbeitsministe- riums, von dem dann nur der Name übrig bliebe. ,.. Der Sturm der allgemeinen Entrüstung über diesen Auftakt der neuen Regierung mag dem Manne zu denken gegeben haben, der für diese Tat verantwortlich zeichnen muß. Neuerdings hört man daher, daß die in Frage konmiende „Amorganisation" nicht vor den Wahlen erfolgen solle. Und nachher? ... Die Arbeitnehmerschast war stolz darauf, über ihre freien Organisationen und rechtlichen Per- tretungen und nicht zuletzt über das Reichsarbeits- Ministerium ihren Anteil zu haben an den letz- ten Entscheidungen der Regierung und Volksver- tretung über die Lebensfragen des Volkes. Das beweist ihr Verhalten unmittelbar nach dem Kriege und während des Ruhrkampfes, ihre Verteidigung der Reichseinheit und Reichsvrdnung gegen Se- paratisten und zersetzenden Bolschewismus und nicht zuletzt beweisen es die Taten hervorragender Führer der Arbeiterbewegung an ihren verant- wortlichen Stellen in Gemeinden, Ländern und im Reiche, die trotz aller vorgekommenen Mängel und Irrtümer der ehrliche Geschichtsschreiber an- erkennen muß. Glaubt man heute etwa diese Epoche der deutschen Geschichte ignorieren und wieder an die Verhältnisse der Vorkriegszeit anknüpfen zu sollen?" Ob diese Warnungen bei den gegenwärtig maß- gebenden Stellen beachtet werden, ist stark zu be- zweifeln. Die robuste Schwerindustrie fand solche Warnungen stets als störend und hat noch nie viel darauf gegeben. Rur wenn die Arbeiterschaft geschlossen Front macht gegen die sozialreaktio- nären Tendenzen, nur wenn es ihr gelingt, die Sozialreaktion zurückzuschlagen, wird sie auch deren Pläne vereiteln. Gegen den Abbau der Sozialpolitik des staatlichen Eingriffes in die Wirtschaft und der Standpunkt, den die beiden Träger wirtschastlichen Geschehens, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zu diesem Staatseingrisf und damit auch zueinander einnehmen. Es ist selbstverständlich, daß jeder Wandel der Staatspolitik auch einen Wandel im Ausmaß des Staatsein- g r i f f s mit sich bringt. Immer aber wird der Wunsch nach Verwirklichung sozialpolitischer Ideale seine Grenzen an den Tatsachen der Wirt- schast finden müssen____" Uns scheint, es geht j u st um das Ausmaß der Sozialpolitik, und eben deshalb können wir uns auch mit dem von dem Unternehmertum stark geförderten„Wandel der Staatspolitik" nicht befreunden. An anderer Stelle seiner Ausgabe vom 15. Februar beklagt sich„Der Arbeitgeber" über die Zusammensetzung des S o z i a l p o l i- tischen Ausschusses des Reichstags und dessen Beschlüsse auf dem Gebiete der Sozial- Versicherung und der Arbeitslosenfürsorge, die eine Mehrbelastung von rund zwei Milliarden be- deuteten. Dem Sozialpolitischen Ausschuß wird zum Vorwurf gemacht, er habe seine Entschlie- Hungen mit einer Ueberlegung über die aus ihnen erwachsenden Kosten nicht belastet. Damit wird der Ausschuß dem Wandel der Staatspolitik empfohlen und, weil doppelt genäht besser hält, wird der Geist des verstorbenen Ernst von Borsig zitiert: „Sozialpolitische Gesetze im Reichstag zu be- schließen ist wahrlich kein Kunststück, aber das Geld dafür zu oerdienen, das ist die Kunst jeder produktiven Wirtschaftspolitik." Die Bemerkungen, die zu diesem Gemeinplatz in der Presse laut wurden, werden auf die be- queme Weise erledigt, daß sie„in ihrer betonten Einseitigkeit und Riveaulosigkeit auf ihre Träger zurückfallen".„Der Arbeitgeber" hat es wirklich nicht nötig, Einseitigkeit bei an- d e r n zu suchen, doch indem er es tut, bekundet er überflüssigerweise, daß ihm zur Beurteilung geistigen Niveaus mindestens die erforderliche Objektivität fehlt. Wenn„Der Arbeitgeber" oben- drein„das Organ einer westdeutschen Betriebs- zellenorganisation"(!) für seine geistige Einstellung als Zeuge auftreten läßt wie für die Borsigsche Auffassung der Unternehmerleistung als Dienst Eozialpolttik vis sie gie aukkassen Zu dem Thema„Sozialpolitik im Wandel der Staatspoliti k", das die Hauptversammlung der Gesellschaft für soziale Re- form beschästigte, versichert„Der Arbeit- gebe r", daß die Grundfrage, ob der Staat Sozialpolitik treiben solle oder nicht, nicht mehr zur Erörterung stehe. »Umstritten sind lediglich(1) das Au s maß am Volksganzen, dann dürften die Erfahrungen der Arbeiter als jahrzehntelange Sparer bei der Borsigschen Werkssparkasse nicht ganz unberück- sichtigt bleiben. Abwehr gegen Nazis •AmtsenttieZzunss der Arbeiterräte Im Juli 1932, kurz vor der Reichstagswahl, er- schienen vor dem Postgebäude in der Pfalzburger Straße öfter 15— 20 uniformierte Nationasozialisten und verteilten Flug- blätter an die Ange st eilten des Post- amts. Dabei kam es zu Rempeleien, veranlaßt durch das provokatorische Austreten der Razis, die mit Schimpfworten gegen diejenigen vorgingen, welche die Annahme ihrer Flugblätter ablehnten. Als Gegenaktion gegen das Vorgehen der Nazis wurde von anderer Seite ein Flugblatt an die Angestellten vor dem Eingang des Postgebäudes verteilt, das vondenbeiden Vor sitzenden des Arbeiterrats unterzeichnet war. Der Ton des Flugblattes ist zwar nicht salon- sähig, er reicht aber lange nicht an die unmanier- liche Ausdrucksweise nationalsozialistischer Blätter heran. Die Postbehörde aber nahm jedoch dies Flugblatt zum Anlaß eines Antrages auf Ent- lassung, beziehungsweise Absetzung der beiden Arbeiterratsoorsitzenden, weil diese durch die Abfassung eines politischen Flugblattes Unruhe in den Betrieb gebracht, also ihre Pflicht verletzt hätten. Das Arbeitsgericht hat den Antrag der Postbehörde abgewiesen, weil es in dem In- halt des Flugblattes keine politische Tendenz, son- dern eine berechtigte Abwehr national- sozialistischer Agitationsmethoden erblickte.— Auf Anrufung der Postbehörde hat das Reichs- arbeitsgericht in dieser Sache einen Beschluß gefaßt, der im wesentlichen besagt, das Arbeits- gericht habe den politischen Charakter des Flug- blattes nicht genügend geprüft. Gestützt auf diesen Beschluß hat die Postbe- Hörde von neuem Klage gegen die beiden Arbeiterratsvorsitzenden er- �Deutsche, denkt daran! linier töiid seiyi das(/rotte Jitierefie, das dem tCahlplabal der ißerliner Sozialdemobralie„Sieulsche, denkt daran!" entgegengebracht irird. Jtnch die übrigen Werbeptakate der Sosiatdemokralie finden immer neue ffieadUung— trotz Gering... hoben und zu diesem Zweck einen großen Zeugenapparat ausgeboten, bei dessen Zu- sammenstellung auch die national sozia- listische Bezirksleitung mitgewirkt hat. Durch sie konnte die Postbehörde den nationalsozia- listischen Sturmsührer, der die Flugblatwerteilung geleitet hat, sowie mehrere seiner Flugblattver- teiler ermitteln und als Zeugen aufmarschieren lassen, die natürlich nichts davon wissen wollten, daß sie irgend jemanden belästigt hätten, aber be- haupteten, von der Gegenseite beschimpft worden zu sein. An die Gegenseite, die doch auch zur Ermittlung des objektiven Tatbestandes hätte beitragen können, hat sichdiePostbehörde nicht zur Stellung von Zeugen ge- wandt. Sie bemüht sich, das Vorgehen der Ar- beiterratsvorsitzenden lediglich als Agitation für die RGO. und die antifaschistische Aktion zu kenn- zeichnen, einer politischen Tätigkeit, der sich der Arbeiterrat enthalten müsse. Diesmal hatte die Postbehörde einen teil- weisen Erfolg. Nicht durch ihre Beweis- führung, die nichts Belastendes für die Beklagten ergab. Aber dem Wink des Reichsarbeitsgerichts folgend hat das Arbeitsgericht(in anderer Be- setzung, wie im ersten Prozeß) den Inhalt des Flugblattes auf seine politische Tendenz hin geprüft und ist zu der Ansicht gekommen, das Flugblatt nehme gegen eine be- stimmte politische Richtung Stellung und trage da- durch Unruhe in den Betrieb. Die Unterzeichner hätten dadurch ihre Pflichten als Arbeiterratsvor- sitzenden gröblich verletzt. Was bei Verteilung der nationalsozialistischen Flugblätter vorgekommen sein möge, könne dahingestellt bleiben. Bei Ausschreitungen hätte der Schutz der Polizei in Anspruch genommen werden können. Die Unterzeichnung des Flugblattes durch die Ar- beiterratsvorsitzenden werde dadurch nicht gerecht- fertigt. Das Gericht erkannte auf Amlsenkhebung der beiden Arbeiterratsoorsitzenden, es hält aber die Flugblattangelegenheit als Entlasjungs- grund nicht für ausreichend. Gewerkschaftsring Was er fordert Eine Reichsausschußsitzung des freiheitlich- nationalen Gewerkfchastsringes im Reichswirt- schaftsrat in Berlin faßte eine Reihe von Ent- schließungen. Es heißt darin u. a.: „Der Reichsausfchuß fordert von der neuen Reichsregierung nicht nur die unbedingte Erhaltung aller durch die Reichsverfaffung den Arbeitnehmern gewährleisteten Rechte und Einrichtungen, sondern deren weiteren Aus- bau. Der Gewerkschaftsring lehnt alle Pläne auf Minderung des Aufgabenbereichs des Reich s a r b e ist s Ministeriums oder dessen völlige Auflösung entschieden ab. 4. kreis. Achtung! Zu der am Sonnabend, dem 25. Februar, vorgesehenen Demonstration ist der Treffpunkt erst um 16 Uhr(und nicht, wie angegeben, um 14 Uhr) am Helmholtzplatz an der Lettestraße. Wetter für Berlin: Noch meist bewölkt, Nach- lassen der Schneefälle, mäßiger Frost, schwache westliche Winde.— Für Deutschland: Im Nord- osten noch verbreitete Schneefälle, sonst Nachlassen der Schneefälle. Ueberall Fortdauer des Frost- wetters. „Volk und Zeil", die illustrierte Tiefdruck- beilage des„V o r w ä r t s", liegt der Heu- tigen Postauflage bei. Verantwortlich für Politik: Rudols Brendemühl; Wirtschast: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbe- wegung: I. Steiner; Feuilleton: Herberl Le- pere; Lokales und Sonstiges: Frip Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin. I Verlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. H. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei u. Verlagsonstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. I Bezugs- bedingungen und Anzeigenpreise werden in jeder Mörgen-Ausgabe des„Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. »tastz Theater Donnerstag, den 23. Februar Staatsoper unter den Linden >?>/- Uhr Tannhäuser Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Die endlose Straße Stettiner Sänger Reichshallen-Tli., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu erniivDlsten Freisen Das große Februarprogramm; „Karneval" stott™ V Odilen V 8 Uhr 1 5, Flora 3434. Rauchen erl. | Gsovsky- Ballett| Medini-Trio R a s s a n a Lotte Werkmeister Die lustigen i Weintraubs usw. Schiller Bismarckstr.(Knie) Steinpl.(C 1) 6715 Hente 7V« Uhr Premiere Lonis Graveure singt in „LaVailtörß" Preise I bis6 M. E Ba Ba Ba Bcndows Bunte Bühne Kottbnsser Straße 6 Oberbaum 3500 8% Uhr Sonntag auch 1/a4 U Wilhelm Bendow Der scharfe Löwe Alice Hechy CASINO-THEATER 814 Uhr. Lothringer Str. 37 8 Vi Uhr. IIIIIMIMIIIIIIIIIIIIIIIIIHMIIIMII Nur noch bis Sonntag, 5. März, auch Sonntag 4 Uhr: „Der Fürst von Pappenheim" Ab 6. März:„Die tolle I.ola" Outschein I— t Personen: Parkett 0,60 Fauteuil 0,73, Sessel 1,23 BEILAGE DONNERSTAG, 23.FEBRUAR 1933 Srauvois ffiabelais SEur Ti erfahr hunderlfei er feines Schaffens/ Ton Jtermann Wendel Er gehört zu jenen tiefsten Denkern des sechzehnten Jahrhunderts, deren Ideen uns noch vollkommen modern anmuten, meil sie auch unserer Zeit noch als höchste und unerreichte Ideale voranleuchten. Julius Hart. Da keine Urkunde das(Beburts- und das Sterbedatum des Meisters Fran<:ois Ra- belais überliefert und man nur ungefähr weiß, daß fein Leben von ungefähr 1494 bis etwa 15S3 währte, gedenkt Frankreich, unter anderem durch eine Ausstellung in Paris, seines großen, manche sagen seines größten Dichters, zum Vierhundert- jahrestag des Erscheinens des ersten der Bücher, die den Namen unsterblich machten, des„P a n- tagruel". Aber nicht nur weil das Hauptwerk des deutschen Satirikers Johannes F i s ch a r t in einer Nachdichtung des Rabelais bestand, und nicht nur, weil unter allen Völkern wahrscheinlich wir, aus der Feder von Gottlob Negis und neuerdings von H e g a u r und Dr, O w l g l a ß, die treffendsten Uebertragungen des„G a r g a n- t u a" und„P a n t a g r u e l" besitzen, spricht dieser Erz- und Urfranzose beredt auch zu uns. Allzu viel von seinen Lebensumständen ist nicht aufgehellt. Daß er in dem lieblichen C h i n o n in der Touraine zur Welt kam, das Ordens- gewand erst der Franziskaner, dann der Vene- diktiner trug und als Weltgeistlicher Medizin studierte und die Arzneikunst ausübte, daß er hohe Gönner und mächtige Feinde hatte, dreimal nach Rom gelangte und eine Weile in dem damals noch zum Deutschen Reich gehörigen Metz hauste. wie daß er am Abend seiner Tage zwei Pfarreien als Pfründen zugewiesen erhielt— damit erschöpft sich die zuverlässige Kunde so ziemlich. Aber alles Drum und Dran dieses Daseins ist nicht so wichtig wie der Wind, der die Segel seines Lebens- schiffleins schwellte. Die Zeit war es, da unter dem Ansturm der Geldwirtschaft die Burgen der Naturalwirtschaft in Trümmer sanken, und allent- halben das Kaufmannskapital als revolutionäre ökonomische Macht auftrat. Ein Neues wollte sich begeben. Entdeckungen wie die Amerikas und Erfindungen wie die des Buchdrucks weiteten den menschlichen Horizont ungeheuer; wie es in Deutschland die Reformation tat, suchte in den romanischen Ländern, namentlich in Italien und Frankreich, Humanismus und Renaissance nach Ausdruckssormcn sür den neuen Geist, die neue Art, Erde und Himmel zu betrachten. Diese allgemeine Gärung, die einen Hutten aufjubeln ließ:„O Jahrhundert! O Wissenschasten! Es ist eine Lust zu leben!", warf ihre heftigen Blasen auch im Kopf des Mönches, der dem Kloster den Rücken gekehrt hatte und Francois Rabelais hieß. Vom Scheitel bis zur Sohle war er ein Be- kenner der neuen Zeit, ein H u m a n i st, der in Erasmus von Rotterdam seinen großen Lehrmeister verehrte. Schon früh versenkte er sich nach humanistischem Brauch in die Geistesschätze des lateinischen und mehr noch des griechischen Altertums, aber auch in den neueren Sprachen, Italienisch, Deutsch, Spanisch, war er wohl beschlagen. UnersättlicherWissens- Hunger trieb ihn; Philosophie, Literatur, Poetik, Historie, Anatomie, Astronomie, Geographie, Bo- tanik— wo fühlte er sich nicht zu Hause! Aber wenn er, von Erkenntnisdrang fiebernd, ein Faust war, so einer, der es sich statt in setner ab- geschlossenen Studierstube in Auerbachs Keller wohl sein ließ. In den barock grotesken, aben- teuerlich märchenhaften Erzählungen von der fürst- lichen Gigantenfamilie Grandgousier, Gargantua und Pantagruel, die Rabelais zuerst, sie als etwas Beiläufiges achtend, unter einem Decknamen herausgab, offenbarte sich seine ganze Welt- anschauung, die eines Humanisten und Renaissancemenschen-, schon das Maßlose, Ko- lossale. Strotzende, Explosive der meisten dieser Kapitel kündete überzeugend von einer neuen Generation, die herauskam, die alte Welt zur Um- sormung in ihren Schmelztiegel zurückzuwerfen. Zur Umformung nicht nur im Geiste, denn wenn das Christentum den Körper als verächtliches Ge- fäß unreiner Lüste wegwerfend behandelt, unter- nahm Rabelais in„Gargantua" und„Panta- gruel" etwas, was später die Saint-Simonisten abermals versuchten: d a s F l e i s ch in seine Heid- nischen Rechte wieder einzusetzen. Uebers Fressen und Saufen verbreiteten sich diese Bücher mit ungeheurem Behagen, aber mit ebensoviel Freude an der Sache schilderten sie, wie Speise und Trank den Menschen wieder verlassen, und von Körperteilen, die Hosenlatz oder Schürze schämig deckt, ging so ungescheut und munter die Rede wie von Nase oder Mund. Das wirkte oft wie gewollte Unfläterei und geschah doch einmal 'ganz naiv und zum zweiten im Dienste eines großen, eines humanistischen Ideals: der Eni- faltung der gesamten Persö» Pchkeit, der harmonischen Ausbildung aller KräUe des Gleichgewichts zwischen Seele und Leib Weil es zu dieser allseitigen Entwicklung des Menschen der Freiheit und nur der Freiheit bedurste, packte Rabelais jede Art von Zwang mit Hohn und Spott, mit seinem breiten gallisiiien Lachen un- sanft genug an. Sein„Gargantua" und.Pantagruel"— verdammt scharfe Borstenbesen waren es, deren Satire allen Unrat des Mittelalters grimm hinausfegte. Ein großer E n t n e b l e r der Welt verulkte Rabelais jeden Aber- glauben. Das Jahr 1933, das an allen Zeitungs- kiosken vielgekaufte astrologische Käseblätter hängen sieht, kann nur mit einem Gefühl der Beschämung vernehmen, wie sich vor vier Jahr- Hunderten schon dieser freie und kühne Geist über die unsinnige Verkoppelung der Gestirne mit dem Schicksal der Menschen weidlich lustig machte. Da- für hob er den gesunden Menschenver- stand auf den Thron. Am Kriegsruhm etwa ließ er kein gutes Haar. Sein Grandgousier ist ein unwahrscheinlich einsichtiger, blutscheuer, fast pa- zisistischer König, der nur zum Schutz seiner armen Untertanen nach Lanze und Streitkolben greift: „Die Vernunft gebietet es. denn durch ihre Arbeit werde ich unterhalten, und von ihrem Schweiß nähre ich mich, meine Kinder und meine Familie. Gleichwohl werde ich erst dann Krieg führen, wenn ich alle Friedenskünste und-mittel erschöpft habe": die Weltliteratur kennt wenige so über- legene und grausame Verhöhnungen des er- o b e r u n g s w ll t i g e n Imperialismus wie das Kapitel 33 des„Gargantua", und Panta- gruels Sinn steht„nicht danach, die Menschen aus- zuplündern und zu brandschatzen, sondern sie zu bereichern und in voller Freiheit ihr Los zu bessern". Auch dem Klosterwesen ging dieser frühere Klosterbruder unerbittlich zu Leibe, die soziale Nutzlosigkeit, das Schmarotzertum der Mönche ausdeckend:„Ein Mönch ackert nicht wie der Bauer: er hütet des Landes nicht wie der Kriegsmann, heilt die Kranken nicht wie der Arzt: er lehret und predigt nicht dem Volk wie ein guter evangelischer Pfarrer und Schulmeister, führet dem Staat keine Waren noch Notdurst zu wie der Handelsmann. Da habt ihr die Ursach', warum sie allen ein Greuel und Gespött sind." Da Rabelais als Feind des Fanatismus und Lob- redner der Duldsamkeit religiöse Fragen selbst wohl mit Gleichgültigkeit ansah, schlug er sich trotz aller Verspottung kirchlicher Mißbräuche nicht ins Lager der Kalvinisten, um so weniger, als d e r B r a n d- geruch der Scheiterhaufen, auf denen Ketzer geröstet wurden, ihm unhold in die Nase drang. Zum Märtyrer verspürte er nicht das Zeug in sich: er trug die Schellenkappe, weil er die Dornenkrone verabscheute, und seine oft grob- körnige Heiterkeit war ebensowohl Schutzmittel wie Herzenssache für ihn. Gleichwohl wurde d i e Sorbonne, die nicht nur Universität, sondern auch �eine Art oberster Zensur- und Inquisitions- behörde war, auf den Verhöhner aller Autoritäten aufmerksam, verbot prompt jeden neuen Band des„Pantagruel" angeblich als unsittlich, in Wahrheit als umstürzlerisch, und manchmal war es gut, daß König Franz I., der, Gegner der Reformation, doch mit dem Papsttum ein Hühnchen zu rupfen hatte, seine schützende Hand über den Dichter hielt, der durch Lachen revo- lutionieren wollte. Oft in der Sprache der Gasse geschrieben, ge- spickt mit Ausdrücken aus dem Rotwelsch der Beisel und Bordelle, nicht selten mundartlich ge- färbt, waren„Gargantua" und„Panta- gruel" doch wegen der vielen klassischen An- spielungen nur den Gebildeten ganz verständlich. Sie haben sich denn durch die Jahrhunderte recht- schaffen daran ergötzt, nicht nur an der hohen Kunst der Darstellung, dem saftigen Rea- lismus der Schilderung und, wie Goethes Freund Zelter, an dem„alten, derben, fleischigen Französisch", sondern auch an dem so- zusagen politischen Inhalt. In diesem Sinne rief die Große Revolution durch ein merk- würdiges Schriftchen von G i n g u e n e 1791 Rabelais als Eideshelfer gegen Tyrannei und Möncherei an. Daß auch ein Sozialist unserer Tage an dieser ungebändigt launischen Philo- sophie sich gründlich erbauen kann, bewies zwar nicht Franz Mehring, der etwas pastörlich vor des Franzosen„Freude am Kot" zurück- schreckte, wohl aber Jean Iaures, der in mehr als einer Kammerrede jenen Genius beschwor, in dem schon im Zeichen der Renaissance„die große menschliche Inspiration der Revolution" lebendig gewesen sei. 1912 auf der Jahrestagung der „Gesellschaft für Rabelais-Studien", deren aktives Mitglied er war, allseits aufgefordert, das Wort zu nehmen, feierte der große Führer der fran- zösischen Arbeiterklasse den Schöpser des„Gar- gantua" aus dem Stegreif als Wirklichkeits- menschen und Zukunftsseher und bekannte:„Ich bin auf meine Art praktizierender Rabelaisianer: in den Stunden des Handelns, denen Gefühle der Ermattung und des Ekels nicht immer fern sind, stärkt es mich beträchtlich, den„Pantagruel" in der Hand zu haben, dieses Werk, das eine Quelle der Tat, eine Quelle der Hoffnung, eine Quelle der Freude ist und bleiben wird." Die elektrischen Glühlampen warfen ihren trüben Schein in den dämmernden Abend. Man drängte aneinander vorbei nach der Untergrund- bahn. Paul lehnte unbeweglich unter vielen an- dern Wartenden am Gitter. Seine Augen späh- ten durch die andrängende Menge. Sein Herz raste. Vor acht Tagen hatte er die Bekanntschaft einer jungen Verkäuferin gemacht und sich sterb- lich in sie verliebt. Suzanne war reizend mit ihrem blonden Wuschelkopf und dem ewig lachen- den Gesichtchen, aus dem die großen Augen stau- nend in die Welt blickten und das Näschen so amüsant hervorsprang. Paul glaubte auch au- nehmen zu dürfen, daß er einen gewissen Ein- druck hinterlassen hatte. Die jungen Leute hatten sich für den nächsten Tag verabredet. Leider kam Suzanne nicht allein. Eine Freundin begleitete sie, eine zierliche Schwarze namens Marianne, die das entzückendste Geschöpf gewesen wäre, wenn man Suzanne nicht vorher kennengelernt hatte. Suzanne erklärt«:„Wir arbeiten zusammen und wohnen in derselben Straße. Wir sind stets beisammen. Sie ist meine beste Freundin. Sie brauchen sich nicht vor ihr zu genieren. Herr Paul." Raul schluckte seine Enttäuschung hinunter und bemühte sich, liebenswürdig zu bleiben. Aber kann man vor einer Dritten sprechen? Er be- wahrte seine sorgsam bedachte Rede auf den nächsten Tag. Am nächsten Tage begleitete Marianne ihre Freundin wieder Ebenso alle anderen Tage. Gestern nun hatte Paul seiner Angebeteten in einem unbewachten Augenblick ins Ohr geflüstert: „Aber morgen kommen Sie allein! Ich muß Sie sprechen." Suzanne hatte gelacht. Und jetzt war- tete Paul klopfenden Herzens an der Untergrund- bahn. Plötzlich flammten seine Augen auf Su> zanne überschritt den Platz, sprang an fahrenden Elektrischen vorbei, wand sich um rasende Autos mit der gelenken Anmut einer jungen Katze. Doch zum Teufel! Hinter ihr bahnte sich mit gleicher Grazie Marianne ihren Weg! Seine Freude brach zusammen. Wieder begann das öde Spiel. Die beiden Mädchen faßten sich unter, lachten über ein Wort, das sie im Vorüber- gehen aufschnappten, über die merkwürdige Be- wegung eines Fußgängers— über ein Nichts—. und Paul wankte an ihrer Seite, einmal rechls, einmal links, auf schmalen Wegen hinterher, wie ein gut erzogenes Hündchen. Er tobte innerlich und schwor sich:„Das ist das letztemal!" Bei der Ueberquerung eines Platzes wurden sie ge- trennt. Paul mutzte laufen, um seine Gefähr- tinnen einzuholen. Einmal bemerkte Suzanne: „Was haben Sie, Herr Paul?" „Ich? Nichts." Da lochte sie unsinnig lange. Paul verzog keine Miene. Er schwor Roche. Vor der Haus- tür der Blonden umarmten sich die Freundinnen. Paul drückte ihnen die Hand und sagte wie immer:„Auf inorgen!" Dann schritt er eiiig aus, blieb an der Ecke vor einem Buchladen stehen und spähte aus den Augenwinkeln die Straße entlang. Suzanne verschwand in ihrem Hause //s* „Ich ober", brüllte Paul,„halte das nicht aus! Ihre Freundin macht sich lustig über mich! Morgen komme ich nicht zur Verabredung." „Ach!" seufzte Marianne. Er sah ihr tief in die Augen und setzte voll irischer Hoffnung hinzu:„Wenn nicht.." „Wenn?" „Ja, wenn Sie kommen wollen, Sie allein." Er konnte kaum sprechen. Die Schwarze ant- wartete:„Ich komme. Wir wollen uns nicht an der Untergrundbahn treffen. An der Oper!" Er preßte ihre Hand. Das Vergangene schwand. Die Zukunft winkte verheißungsvoll. Mit den Blonden ist nichts anzufangen! Tja! Die Schwarzen! Am nächsten Abend stand Paul zur bestimmten Stunde an der Oper: unbeweglich: nur sein« Augen spähten in die andrängende Menge. Sein Herz raste.» Marianne erschien pünktlich. Doch hinter ihr schritt eine kleine Rothaarige..., ein« Freundin. die sie begleitete. und Marianne ging die wenigen Schritte weiter nach ihrer Haustür. Als sie den Schlüssel umdrehte, stand Paul neben ihr.„Verzeihung!" keuchte er,„aber so geht das nicht weiter! Jeden Abend hoffe ich, Ihre Freundin allein zu sprechen, und immer sind Sie dabei, so daß ich kein Wort heraus- bringen kann." Marianne schien nicht erstaunt zu sein. Sie antwortete sanft:„Ich kann nichts dafür, Herr Paul. Suzanne wünscht, daß ich sie begleite Wir jungen Mädchen sind unsicher und geben immer nach, wenn wir zum ersten Male mit einem jungen Manne zusammen sind. Aber wenn wir zwei gegen einen sind, dann sind wir stark! Dann können wir lachen und kokettieren! Wir hoben unsere Freude— und uns kann nichts passieren!" Jilt, aber gul... Der Witz von der Besäufnis (Für gebürtige Antialkoholiker: Der Alkohol, in zureichendem Maße genossen, versetzt den sogenannten harmlosen Säufer in die Lage, auch den miclermärtigen Erscheinungen der rauhen Wirklichkeit mit überlegener Sachlichkeit gegenüberzutreten. So vermögen auch ausgesprochen unästhetische Dinge, roie etwa das Wiedervonsidigeben des Genossenen auf dem dem natürlichen Ablauf entgegengesetzten Wege, ihn nicht aus dieser sachlichen Position zu verdrängen. Dies zur Erklärung und Entschuldigung.) Spätmitternacht in München. Herr.laver Maß- huber hält sich an einem Laternenpfahl und tut, von zahllosen Eruptionen erschüttert, was sich der Quantität des Getrunkenen wegen nicht länger vermeiden läßt. Ein fremder Hund hat sich hinzu- gefunden und betrachtet das Wirken Herrn Maß- hubers interessiert. Herr Maßhuber unterbricht sich in des Wortes verwegenster Bedeutung, sieht den Hund sinnend an und meditiert: „Also dees Bllr, hupp!, dös Bllr hob i im Hof- bräu trunken, hupp! Un dö Weißwllrscht, hupp!, dö hob i im Franziskaner bestellt, dös, hupp!, dös woaß i a. Aber wo i, hupp!, wo i den damischen Hund da fressen hob— söll woaß i nimmer'..!" YoriK. Frauen im Kampf um die Freiheit Berlin bleibt cot! Ueberfüllte Wählerinnen- Kundgebungen Euer Wahlrecht ist in Gefahr! Soziale Rechte, Arbeitsrecht, Sozialversicherung sollen beseitigt werden. Militarisierung eurer Kinder droht, denkt an das Elend des Weltkrieges! Frauen, her zur Sozialdemokratie! Nur die Sozialdemokratie verteidigt eure Rechte! So hat das Frauensekretariat des Bezirksverbandes Berlin der Sozialdemokratie den Frauen zugerufen, als sie für gestern abend zu vier öffentlichen Wählerinnen Kundgebungen an die Verliner Arbeiterfrauen appellierte. Es fanden nicht vier. es fanden mehr Kundgebungen statt, denn die Säle waren über= füllt, und Parallelversammlungen mußten abgehalten werden. In Neukölln sprachen in den beiden Sälen von Kliems die Genossinnen Gegen Verelendung! und gespannt lauschte die Menge den Worten der Rednerin, der Genossin Bohm- Schuch. Es wird Hitler nicht gelingen, was Bismarck und dem verflossenen Wilhelm mißlungen ist. Der Lüge vom margistischen Verrat hielt Clara BohmSchuch die Aufbauarbeit der Sozialdemo tratie in der Republik entgegen. Den Verfolgern der sozialistischen Bewegung rief sie zu: Der So zialismus lebt, und die Frauen werden es am 5. März gemeinsam mit der Arbeiterschaft be. weisen, indem sie ihre Stimme der Sozialdemo= fratischen Partei geben. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, die sich mit Käthe Kollwit' Austritt aus der Akademie der Künste beschäftigt, die Bedeutung der Künstlerin würdigt und schärfstens protestiert gegen das Vorgehen des preußischen Kultusministers. Mathilde Wurm und Gertrud Hanna. Borher Wie Anno dunnemals.. und nachher konzertierte unjer Reichsbanner, das auch den vorbildlich disziplinierten Sa a l= schutz gestellt hatte. Begeistert und hinreißend sprach Friedel Hall Kampfgedichte. Dann [ prachen unsere Rednerinnen. Es geht um eure Rechte, um eure Freiheit. In der Regierung sitzt die Reaktion, Freiherren und Grafen und an der Spitze der Reichskanzler Adolf Hitler, der zwar vom Reichspräsidenten niemals allein, sondern immer nur zusammen mit Herrn v. Papen empfangen wird. Man spricht von einer neuen Zeit. Wir spüren die neue Zeit. Sie heißt: Verbot, Verbot, Verbot! Die Regierung der Volksbeauftragten vom November 1918 be= gann ihre Tätigkeit mit Verbotsaufhebungen. Das Hilfsdienstgesetz, das Gesindeunrecht, die politische Unterdrückung der Frau wurden aufgehoben. Die Regierung sagt, daß wir nach 14 Jahren ein Trümmerfeld hinterlassen hätten, das Gegenteil ist wahr. Wir übernahmen ein Trümmerfeld, das auf den Mann in Doorn zurückzuführen ist, dessen ostelbische Junker jetzt wieder auferstanden. Die Nationalsozialisten, die sich Arbeiterpartei nennen, haben jetzt alle die Ministerien nicht übernommen, die für die schaffende Bevölkerung wichtig sind. Nicht Feder, sondern der Verwaltungsbeamte Graf Schwerin ist Reichsfinanzminister. 1923 in der Inflation, wollte Hilferding Goldsteuern. Von so etwas iſt heute nicht die Rede. Wirtschafts- und Ernährungsministerium find Herrn Hugenberg übergeben, dem Vertreter der Schwerindustrie und der Stahlhelmer, Herr Seldte ist Reichsarbeisminister. Die Zölle, die durch diese Regierung eingeführt sind und bis zu einer Bervierfachung der bisherigen Säge gehen, führen zu Unterernährung und Verelendung. Das Wort Krieg liegt in der Luft und wir erleben ja den inneren Krieg Tag und Nacht auf den Straßen. Wir aber wollen feinen Krieg, keine Berelendung, wir wollen die Befreiung des fchaffenden Volfes im Zeichen des Sozialismus." Immer wieder waren die Rednerinnen von stürmischem Beifall unterbrochen worden. Leb= hafte Zustimmung fand der Vertreter des ,, Vor= wärts", als er den Versammelten mitteilte, daß auch das zweite Verbot des ,, Borwärts" rechtsunwirksam sei. Am Gesundbrunnen Die Atlantik- Säle am Bahnhof Gesundbrunnen waren gestern bei der Kundgebung der Berliner sozialdemokratischen Frauen schon lange vor Beginn überfüllt. Der Andrang unserer Genossinnen und Genossen führte dazu, daß beide Säle polizei. lich gesperrt werden mußten und Hunderte zum Umkehren gezwungen waren. Immer wieder von der Zustimmung der Massen umbraust, sprachen die Genossinnen Kern und Frühbrodt. Sie verstanden es, den Frauen klarzumachen, welche Rolle sie in einem Dritten Reiche zu spielen hätten. Die Frau soll wieder Dienerin und Magd sein. In jahrzehntelangem Kampfe aber hat sich die Frau ihre Gleich berechtigung errungen und sie wird sich diese Rechte zu erhalten wissen. Der Kampf der proletarischen Frauen ist der Freiheit und Gerechtigkeit, er ist vor allem aber auch dem Frieden gewidmet. Unser Banier heißt: Freiheit, und deshalb geben wir Frauen am 5. März unsere Stimme der Liste 2, der Sozialdemokratie. Der Sprech- und Bewegungschor Wedding trug durch seine Darbietungen in her vorragendem Maße zum Gelingen der Massen= fundgebung unserer Frauen vom Wedding und Gesundbrunnen bei. Frauen, Kopf an Kopf! Ein ganz außerordentlicher Erfolg war auch die Frauenversammlung im Märchenbrunnen" am Friedrichshain. Der große Saal war bereits lange vor Beginn der Veranstaltung so start be= sucht, daß er schon um 8 Uhr polizeilich geschlossen wurde. Tausende Frauen, die noch Einlaß begehrten, wurden von der Polizei zurückge= wiesen. Im Saal saßen die Besucher, zum übergroßen Teil Frauen, Kopf an Kopf. Von der Bühne grüßten die drei Pfeile der Freiheit. Die Reichsbanners spielte die Kapelle des Müsse der Arbeiterschaft, und nicht endenwollender Jubel und Beifall brach los, als etwa 80 Sturmfahnen und Standarten der Partei hereingetragen wurden. Martha John rezitierte, Erwerbslosenkursus verhaftet Breslau, 22. Februar. Aus dem Kreise Schweidnitz wird eine Polizeiattion gegen Sozialdemo fraten bekannt, die an die schlimmsten Sozialistenverfolgungen in den Anfangszeiten der Sozialdemokratischen Partei erinnert. In Raltenbrunn, einer der größten Gemeinden des Kreises Schweidnig, findet gegenwärtig ein von der sozialdemokratischen Kreisleitung und den freien Gewerkschaften gemeinschaftlich veranstalte= ter Bildungskursus für erwerbs= lofe Arbeiter statt. Ungefähr 25 Arbeitslose, in der Hauptsache Landarbeiter, nehmen an dem Lehrgang teil. Am Mittwoch gegen 11 Uhr drang unter Führung von Schweidniger Kriminalbeamten ein aus Waldenburg herbeigeholtes Ueberfalltommando in den Kursusraum ein und verhafteten fämt= liche Kursusteilnehmer sowie den Leiter des Lehrganges, den Breslauer Volkshochschullehrer und früheren Bezirksbildungssekretärs des Bezirks Mittelschlesien, Genossen Genossen Dr. Otto Stammer. Die Festgeniommenen wurden auf dem Ueberfallkommando der Polizei ins Gerichts gefängnis nach Walden= burg gebracht. Am Abend gegen 20 Uhr verhafteten Schweidniger Kriminalbeamte außerdem den Schweidniger sozialdemokratischen Unter bezirksparteisekretär Genossen Willi Hoppe. Ihn überführte man ins Schweidnitzer Untersuchungsgefängnis. Der Zweck der Kaltenbrunner Polizeiaktion ist vorläufig unbekannt. Es heißt, daß die Verhafteten unter dem Berdacht des Hochverrats" festgenommen worden sind. Dieser Berdacht wäre um so merkwürdiger, als der Erwerbslofen. schulungsturfus unter finanzieller Beihilfe vom Schweidnitzer Landratsamt durchgeführt wurden. Kunffseidenproduktion fleigt. Die Kunstseiden. produktion der Welt hat sich im Jahre 1932 auf schätzungsweise 504 705 000 lbs.( 1 lbs. 453 Gramm) gegenüber 470 970 000 im Vorjahre erhöht. Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs- Veranstaltungen: Knorrbremse: SPD.- Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden: Donnerstag, den 23. Februar, 15% Uhr, im Lokal Fiedler, Lichtenberg, Sonntag-, Ecke LudwigLehmann- Straße. Referent. Max Heydemann, M. d. L. 7. Kreis Charlottenburg: Donnerstag, den 23. Februar, 20 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 53: Frauenkundgebung ,, Frauen kämpft für eure Rechte". Referentin: Lisa Albrecht. Ferner: Mitwirkung der Frauensprechgruppe und des Frauenchors der Charlottenburger Liedertafel. 139a Abt. Freie Scholle: Heute Donnerstag, 20 Uhr, im Schollenkrug, Hermsdorfer Straße: Republikanischer Abend. ,, Freies Volk auf freier Erde." Referenten: Gertrud Hanna, M. d. L., und Dr. Richard Mischler. 3. Kreis Wedding: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Schröder. 19% Uhr in beiden Sälen der„ Atlantiksäle", Behmstraße( am Bahnhof Gesundbrunnen): ,, Berlin bleibt rot!" Referenten: Robert Breuer, Max Gillmeister. 19 Uhr in den Pharussälen, Müllerstraße 142: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Max Heydemann. 6. Kreis: 16% Uhr, Fontanepromenade. Antreten zum Propagandamarsch. 9. Kreis Wilmersdorf: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, im Forsthaus, Schmargendorf, Warnemünder Str.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Hermann Lüdemann. 83. Abt. Lichterfelde: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, in den Lichterfelder Festsälen, Lichterfelde, Zehlendorfer Str.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Richard Mischler. 88. Abt. 1 Lichtenrade: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Bohm, Lichtenrade, Krusauer Str. 42: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Georg Klaussner, M. d. L. 103. Abt. Oberschöneweide: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, in Mörners Blumengarten, Oberschöne weide, Ostendstraße: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 109. Abt. Friedrichshagen: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im großen Saal des Gesellschaftshauses, Friedrichshagen, Friedrichstraße 137:„ Berlin bleibt rot!" Referent: Erich Kuttner, M. d. L. 107., 110. u. 111. Abt.: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, im Gesellschaftshaus Grünau, Friedrichstr.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Emil Barth. 128. Abt. Niederschönhausen: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Gesellschaftshaus, Pankow, Berliner Straße 102: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Max Urich. Schwerhörige: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 4: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Genosse Schnell. Eiserne- Front- Versammlung: Freitag, den 24. Februar, 16% Uhr, bei Stock, Warschauer Platz 12: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Erich Ollenhauer. Bezirksamt Wilmersdorf: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Kulka, Wilmersdorf, Lauenburger-, Ecke Uhlandstraße: ,, Kommunalwahlen". Referent: Stadtrat Hermes. 11. Kreis- Schöneberg: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, Wählerkundgebung in der Hohenzollernschule Schöneberg, Belziger-, Ecke Eisenacher Straße. 1 Stunde vorher Umzug mit Musik. Sammelplatz: 19 Uhr Ebersmarkt. 17. Kreis Lichtenberg: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, in der Aula der Schule Lichtenberg, Schlichtallee, Kundgebung. Referent: Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Fahneneinmarsch, Massengesang. AEG.: Freitag, den 24. Februar, 16% Uhr, Kundgebung der SPD.- Betriebsfraktion im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Referent: Genosse Schliestedt. 140a. Abt. Wittenau: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Eberhardt, Wittenau, Lübarser Straße: Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Litke, M. d. R. 85. und 86. Abt. Tempelhof und Mariendorf: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums Tempelhof, Kaiserin- Augusta- Straße: Berlin bleibt rot!" Referenten: Érich Ollenhauer und Lisa Albrecht. 108. Abt.- Köpenick: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Troppens, Müggelheim: Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Klatt. Hauptwerkstatt, Fuhrhof 1 bis 4 und Fuhrpark: Sonnabend, den 25. Februar, 15% Uhr, bei Wertalla, Hohenlohestraße 3, Kundgebung. Thema: Um was geht es?" Referent: S. Katzenstein. BVG.- Betriebshof 13 Halensee: Sonnabend, den 25. Februar, 19% Uhr, im Lokal Sandmann, Westfälische Straße 42. Thema:„ Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Dressel. Afü- Arbeiter des Bezirks Friedrichshain: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, bei Blamert, Weberstr. 24: Eiserne- Front- Kundgebung. Referent: Hans Marx. SPD.- Afü- Arbeiter des Bezirksamts Prenzlauer Berg: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, im Altersheim, Danziger Str. 62. Referent: Josef Klein. 4. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar, 14 Uhr: Umzug durch den Bezirk. Treffpunkt: Helmholtzplatz an der Lettestraße. 7. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar, 17 Uhr: Demonstration durch Charlottenburg. Treffpunkt: Wilhelmplatz. 8. Kreis Spandau: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Walter Krause, Gatow: Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Walter Pahl. 20 Uhr im Cladower Hof, Cladow, Dorfstraße: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Heinrich Witt. RÄTSELECKE Kreuzworträtsel 1 2 3 4 5 6 9 10 11 12 13 14 10 16 15 16 18 19 20 21 23 Waagerecht: 22 22 1. 17 8 Sohn Agamemnons; 7. männliches Haustier; 9. Bruchstück; 11. bibl. Gestalt; 13. gefrorenes Wasser; 14. Spigname für Eduard; 15. altgermanischer Wurfspieß; 17. männlicher Vorname; 18. griechische Göttin des Zwistes; 20. männlicher Vorname; 21. Stadt in der Lausitz; 23. Schienen. Sentrecht: 2. Getreideart; 3. Märchengestalt; 4. Getränt; 5. weiblicher Vor. name; 6. Bergarbeiter; 8. Windrichtung, 10. Wundabsonderung; 12. Hauptstadt von Griechenland; 16. langer Schleier; 17. Ungeziefer; 19. römischer Sonnengott; 20. Seesäugetier; 22. italienische Musiknote. Königszug fo gut tom- zum wor- fie raf men te nicht laßt fom= zur men ste tat al299 bg. ver und Geographisches Silbenrätsel Aus nachstehenden Silben sind 16 Wörter zu bilden, deren erfte und dritte Buchstaben, beibe abwärts gelesen, den Anfang eines bekannten Arbeiterliedes ergeben: a an an bi ca da der drichs e en fen frie he ha halt i in ten leip la ne na na nach o re Rie se se Ser sen see sart stet spes tin ter tree uel zig zen zos. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1. Stadt in Mitteldeutschland; 2. Stadt in der Lüneburger Heide; 3. Stadt am Bodensee; 4. Gebirge in Deutschland; 5. Wüsteninsel; 6. Stadt in der Mart Brandenburg; 7. Ort in der Schweiz; 8. Stadt am Rhein; 9. Stadt in Mitteldeutschland; 10. Nebenfluß der Rhone; 11. Teil von Südslamien; 12. Fluß in Holland; 13. See in Nordamerika; 14. Nebenfluß des Rheins; 15. Stadt in Pommern; 16. Land in Nordamerika. Magische Quadrate 3 2 bg. les muß tern from lend und den Döl men druck e= Die Buchstaben: A A A A A A A A A A BBBBB- DD- EEEEEEEEEE EEE GGG- H- II L LLLLLL +9 LL R M M NNNO 000RR u u 3 sind so in die Quadrate einzuordnen, daß die waage rechten und sentrechten Reihen gleichlautend fol gendes ergeben: Feld 1. 1. Knäuel; 2. Nebenfluß der Donau; 3. Baumschmud; 4. ,, Erben", poetisch. Feld 2. 1. Ferment; 2. griech. Kriegsgott; 3. griech. Buchstabe; 4. Fluß in Polen. Feld 3. 1. japan. Brettspiel; 2. Edelmetall; 3. weibl. Vorname, 4. nicht hier. Feld 4. 1. Nibelungengestalt; 2. Spize e. Truppenteils; 3. engl. Schulstadt; 4. Nebenfluß d. Neckar. Feld 5. 1. engl. Bier; 2. Adams Gohn; 3. Erdart; 4. Berg bg. i. Braunschweig. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Boa; 3. Ani; 5. Set; 8. FN.; 9. Reise; 11. Gh'; 15. Uhr; 16. irr; 17 Mut. Senkrecht: 1. Brot; 2. Ast; 3. Ate; 4. Iran; 6. Orb; 7. Lid; 8. Fee; 10. und 12. Freiheit; 13 Dur; 14. arm. Bertauschte Herzen: Hafen, Durst, Schlemmer, Geier, Schlips, Seite, Eiger, Birne, Schacht, Station, Vorhang. Freiligrath. Bitatenrätsel: Ernst ist das Leben, heiter die Kunst. Silbenrätsel. 1. Januar; 2. Observatorium; 3. Horoskop; 4. Astronomie; 5. Neptun; 6. Nova; 7. Eridanus; 8. Sternschnuppe; 9. Kraftfeld; 10. Ellipse; 11. Planetoid; 12. Cuzifer; 13. Ebbe; 14. Rotation. Johannes Kepler 1 Königszug Hörst du der Eulen wüstes Geschrei Dann wisse, die Mitternacht ist vorbei. Sie frächzen und heulen aufgejagt Vor Angst, daß bald der Morgen tagt. Verwandlungsrätfel: Torjo, Barke, Geld, Dunst, Diva, Larve, Erde, Trier, Autor, Weste, Korso, Tuba, Halde, Wert, Meise, Mast, Sobald du dir Duft, Zunge, Mole, Graben. vertraust, sobald weißt du zu leben. Die letzten acht Tage Was der Sport während der Verbotszeit des ,, Vorwärts" brachte Arbeitersport Adler 08 Fußballmeister Die Arbeitersportler im 1.( Berlin- Brandenburger) Kreis des Arbeiter- Turn- und Sportbundes haben nun endlich ihren Fußballmeister ermittelt. Am Sonntag standen sich in der Christianiastraße Adler 08 und Hertha- Luckenwalde gegenüber. Adler siegte 3: 2, nachdem es bis zur Halbzeit 0: 2 für Hertha gestanden hatte. Der Angriff der Adler- Leute scheiterte zunächst an der sehr guten Verteidigung Herthas und vor allem an dem brillanten Torwart. Hertha bevorzugte das weite, recht hohe Spiel, während Adler ein ganz flaches, genaues, aber häufig zu enges Zuspiel pflegte. Wie immer in solchen Fällen, ermöglichte das weite Aufrücken der Läuferreihe überraschende Durchbrüche, die im Anschluß an einen Strafstoß zum Führungstor für Hertha und bei einer weiten Vorlage kurz vor dem Wechsel zu einem weiteren Treffer führten. Nach dem Wechsel zeigte es sich allerdings, daß die dauernde Zerstörungsarbeit Läuferreihe und Verteidigung von Hertha so stark ermüdet hatten, daß sie trotz Verstärkung der Abwehrreihe gegen den nunmehr eifrig schießenden Adler- Sturm machtlos war und dreimal überwunden wurde. Herthas Hinter mannschaft war mit ihren Kräften völlig am Ende und hätte sich weitere Tore gefallen lassen müssen. Un dem Gerätewetturnen des 1. Kreises im ATSB. nahmen 39 Frauen und 34 Männer teil. In einem Dreikampf am Pferd, Barren und Reck maßen sich die älteren Turner, die alte Herren bis zu 60 Jahren mitgebracht hatten. Die Männer und die Jugendlichen trafen fich in einem Siebenkampf, während die Frauen einen Sechskampf durchführten. Ergebnisse: Frauen- Mittelstufe: 1. Mufiol( FTGB. Mitte) 214 P.; 2. Nove( Moabit) 202 P. Turnerinnen, Oberstufe: 1. Masche( FTGB. Lichtenberg) 219 P.; 2. Anger( FTGB. Lichtenberg) 213 P. Frauen, Altersklasse( ab 30 Jahren): 1. Rohl( FTGB. Lichtenberg), 104 P.; 2. Broste( Moabit) und Masche( Friedrichsfelde) je 96 P. Männer, AltersKlasse( 45-64 Jahre): 1. Rohwer( FTGB. Oberspree) 109 P. 2. Fahle( Boltssport Neukölln) 106 P. Männer, Altersklasse( 35-45 Jahre): 1. Steffen( FTGB. Often) 100 P.; 2. Weiß( Bolkssport Neukölln) 96 B. Männer. Mittelstufe: 1. Warnstädt( Proles) 239 P.; 2. Sommer. feld( Nowawes) 231 P. Männer- Oberstufe: 1. Mielte ( FTGB. Often) 248 P.; 2. Leuthold( Moabit) 231 P. Lichtenberg im Rampenlicht. Eine der schönsten Bühnenschauen in der letzten Wintersaison veranstaltete der Bezirk Lichten= berg der Freien Turnerschaft Groß- Berlin. In allen Programmnummern konnte man einen großen Fortschritt der Lichtenberger feststellen. Das, was die Lichtenberger in der Gymnastik zeigten, war hohe Schule. Aber auch das Geräteturnen der Männer am Reck und der Frauen am Barren bewies, daß auch dieser Art des Sports Beachtung geschenkt wird. Ein großes Verdienst haben sich die Lichtenberger mit der Erstaufführung des Festspiels„ Die Welt übersonnt..." erworben. Der Berliner hat für eine gut gelungene Beranstaltung einen treffenden Ausspruch geprägt: ,, Det mar einfach knorke." Weniger ein Publikumserfolg als ein sportlicher Erfolg war der Waldlauf der Ruderer und Kanufahrer des 1. Kreises in den Rehbergen. Durch die Demonstration des Reichsbanners im Lustgarten waren die Wassersportabteilungen am Start verhindert. Die wenigen Läufe erbrachten gute Zeiten. Den 1500- Meter- Lauf holte sich RümpfelRV.- Vorwärts. Ein großes Feld wies der 3000Meter- Lauf auf, den Stapel- Collegia vor GedatRuderverein 1913 gewann. Das Handballbliz turnier sah den Kanubezirk der FTGB. vor Ruderverein 1913 mit 2: 0 siegreich. Schwimmfest und Wasserball. Die Gruppe Friedrichshain der Freien Schwimmer Groß- Berlin hatte am letzten Sonntag im Stadtbad an der Schillingsbrücke einen großen Tag. Viele Berliner Vereine waren zu einem Schwimmfest erschienen, das sowohl organisatorisch wie technisch einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Die meisten Wettbewerbe waren für die Brustlage ausgeschrieben und fahen in der Männerklasse einmal mehr die Freien Schwimmer Charlottenburg als überragende Könner und bei der Jugend und den Kindern schnitt wiederum Lichtenberg hervorragend ab. Von den sportlich wertvollsten Konkurrenzen seien die Kraulstaffel über 10 X 40 Meter genannt, die Charlottenburg in 3,56,7 Minuten vor Hellas mit 3,59,7 Minunten an sich brachte, ferner die Brust= schwellstaffel, die über eine Streckeneinteilung von 80-120-160-120-80 Meter ausgeschrieben war und Charlottenburg als sicheren Sieger in 8,00,2 Minuten vor Friedrichshain mit 8,09,9 Minuten am Ziel sah. Den schönsten Erfolg landeten die Charlottenburger aber in der 4X100 MeterBrust staffel, die sie in der vorzüglichen Zeit von 5,27 Minuten an sich brachten. Diese Zeit liegt nicht weniger als 18,5 Sefunden unter dem Bundesrekord, wird aber leider wegen der nur 20 Meter langen Schwimmbahn nicht Anerkennung finden. Auch die folgenden Mannschaften von Neukölln und Friedrichshain blieben mit Zeiten von 5,39,5 bzw. 5,44 Minuten unter der Bestzeit. Ein Wasserballspiel gewann Brandenburg gegen den Veranstalter mit 10: 9 Toren. Die Wasserballspieler setzten ihre Serie der A- Klasse mit zwei Spielen fort. Möwe ge= wann gegen Neukölln überraschend knapp 4: 3 ( 1: 1) und die Freien Schwimmer Berlin 12 tanterten die Mannschaft von Luckenwalde überraschend hoch mit 12: 2( 6: 1) Toren nieder. In der Fortsetzung der Serienfämpfe der bundestreuen Arbeiter- Athleten um die Kreismeisterschaft standen sich die beiden jugendlichen Kampfstaffeln der Vereine Nordost und Sparta- C. gegenüber. Das Kampfglück entschied sich für feinen der beiden Rivalen und mit einem 7: 7 Punttgleichstand trennten sich die Mannschaften. Ein Querschnitt Boxen, Eishockey Radrennen im Licht der Kritik Im Mittelpunkt der Borkämpfe im Sportpalast stand der Kampf zwischen Hein Müller und Hans Schönrath, der Müller Gelegenheit geben sollte, sich nach seiner wenig rühmlichen Niederlage gegen den norwegischen Meister v. Porath zu rehabilitieren. Müller hatte sich nach seinem großen Sieg über den Belgier Charles im Sommer 1931 in die erste Stellung als deutscher Schwergewichtler hinausgearbeitet, dann aber in der Folgezeit gegen weniger gute Boger so fraß versagt, daß er lange Zeit pausieren mußte, ehe er wieder die Gunst des Publikums zu haben glaubte. Er brachte es diesmal wieder nur zu einem sogar noch stark angezweifelten Bunttsieg. Dbschon er anfangs flar vorn lag, glich Schönrath bis zur 6. Runde gut aus. Der Punktsieg schmeichelte Müller sehr. Hower befam in der Ausscheidung in der deutschen Schwergewichtsmeisterschaft den Punktsieg über Hinzmann, Mezner blieb im Kampf gegen Riethdorf Bantamgewichtsmeister, da Riethdorf einen klaren Tiefschlag landete. Carnera ist kein Borer So attestierten wir dem italienischen UeberTisch- Tennis- Turnier Tennis- Rot setzt sich durch Es gibt Menschen, die nur einen Sport treiben: Tisch- Tennis. Es gibt viele Menschen, die diesem Spiel das Prädikat" Sport" unter feinen Umständen verleihen wollen, es sei nichts anderes als ein harmloses Spielchen, eine Modesache, so ähn= lich wie Yo- yo. Hört man die Ping- Pong- Begeisterten, dann ist Tisch- Tennis überhaupt mur der einzig wirkliche Sport. Die Arbeitersportler können sich dieser Begeisterung feinesfalls an= schließen. Wenn in vielen Sportgruppen in den Wildung in Spandau Am Dienstag sprach Friz Wildung, der Geschäftsführer der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege in einer öffentlichen Berfammlung in Spandau über das Thema: ,, Was hat der Sport von der Reaktion zu erwarten?" Da die kommunistischen Sportler sehr start vertreten waren, nahm die Versamm= lung von vornherein einen politischen Charakter an. Der Referent gab zunächst einen allgemeinen politischen Ueberblick und kritisierte insbesondere den Göring- Erlaß, der Staatsbürger dreierlei Rechts schaffe. Dann ergab sich von selbst eine ausführ= liche Behandlung der Einheitsfrage. Den Kommunisten wurde für einen ihrer Redner eine Redes zeit von 15 Minuten zugebilligt. Sie schickten einen jungen Mann von der Landesleitung des Rot sport" vor, der seiner Aufgabe gar nicht gewachsen war, so daß es sich nicht lohnt, über seine Ausführungen zu berichten. Wichtig ist festzustellen, daß sich die Kommunisten von einer Mitwirkung der kommunistischen Führer bei der Herstellung der Einheitsfront offenbar nichts versprechen. Wintermonaten trotzdem Tisch- Tennis gespielt wird, so, weil es die Konzentrationsfähigkeit stärkt und das Auge schult. Es ist ein Spiel, das über die toten Monate hinweg hilft, ein Spiel zur Förderung der Geselligkeit, sonst nichts. Um allen Gruppen im 1. Kreise des ArbeiterTurn- und Sportbundes Gelegenheit zu geben, ihre Kräfte im Tisch- Tennis zu messen, schrieb Tennis- Rot Groß- Berlin ein freisoffenes Tisch Tennis Turnier aus, das außerordentlichen Anklang fand. Der erste Turnierabend brachte bereits gute Ergebnisse, darunter schon eine Entscheidung. Im Frauen- Einzel setzte sich Klobsch( Tennis- Rot Charlottenburg) überlegen durch. Das Männer- Einzel ist bis zur Vorschlußrunde gediehen. Das erste Biertel führt Müller( TR.Lichtenberg). Im dritten Achtel siegte Knispei ( TR.- Weißensee). Das vierte Achtel war eine Angelegenheit von Kupfer( TR.- Lichtenberg). Das Treffen zwischen Knispel und Kupfer ist eine offene Angelegenheit. Das fünfte Achtel führt der gute Charlottenburger Schulz. In der Spitze des sechsten Achtels steht der junge Pommerening( TR.- Friedrichshain). Schulz- Charlottenburg wird es gegen Bommerening nicht leicht haben. Das siebente Achtel liegt ebenfalls bei TR.. Friedrichshain; hier hat sich Roje durchgespielt. schwergewichtsborer stets, ganz besonders aber nach seinem„ Sieg" über Führing im vergangenen Frühjahr. Er ist nur ein Schläger, der alles zermalmt, was er trifft. Kämpfe, die man als ernsthafte Bogerei bezeichnen könnte, hat er noch nie geliefert, er war stets nur eine Sensation im Ring, die den Unternehmern und Managern viel Geld brachte. Der Deutschamerikaner Ernie Schaaf hat von Carnera einen so muchtigen Schlag auf gefangen, daß er, wie wir bereits meldeten, daran starb. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß eine Berliner Sportzeitung sich heute noch vor Carnera stellt, ihn weiter noch als Borer deklariert und den bekannten unglücklichen Zufall ins Feld führt. Die Leute, die Berufsborer immer noch als Sportler ansehen, sollten zuerst in Carnera einen Mann sehen, der nie ein Borer war. Was die Eishockeyspiele im Sportpalast betrifft, so demonstrierten die Massachusetts Rangers als amerikanische Nationalmannschaft echtes amerikanisches Spiel. Nach unseren Begriffen ging die Härte des Spiels weit über das hinaus, was wir für anständig und fair halten. Man war über diese Rempe= leien, Behinderungen, über das Beinstellen und das brutale Kleben am Gegner um so mehr erstaunt, als doch von England und Amerika der Begriff des fair play eigentlich zu uns gekommen sein soll. Nach dem, was wir jetzt auf der Straße erleben, glaubte man oft diesen Ton der Straße in die Eisarena übertragen. Die Amerikaner siegten über die deutsche Nationalmannschaft, die in dieser Zusammensetzung zum großen Teil aus dem Berliner Schlittschuh- Club genommen ist und Deutschland bei den Weltmeisterschaftsspielen in Prag vertreten soll, am ersten Tage mit 2: 1, beim Rückspiel mit 7: 2 Toren. Das für den März geplante Sechstagerennen ist vom Sportpalast abgesagt worden. Als Erfaz veranstaltet man an einigen Sonnabenden Er spielt nunmehr gegen den Führer des achten Achtels Rosenzweig( TR.- Westen). Im Männer Doppel führen das erste Biertel Kupfer- Müller( TR.- Lichtenberg), das zweite Viertel Rose- Pommerening( TR.- Friedrichshain). Im dritten Viertel stehen Göpel- Schüler( TR.Prenzlauer Berg), das vierte Viertel sieht KlobschHartmann( TR.- Charlottenburg). In der ersten Hälfte des gemischten Doppels haben sich Kuhl mann- Ehrenfeld( TSV.- Kaulsdorf) bisher durch gefpielt... Die Schlußkämpfe werden am Freitag, 3. März, 20 Uhr, in der Turnhalle des An= dreas- Real- Gymnasiums, Koppenstraße, durchs geführt. Turn- und Sportverein Eiche- Köpenid, Fußballabteilung, sucht für Sonntag, 26. Februar, spielstarken Gegner für zwei Mannschaften auf Eiche- Platz. Photographierende Genoffen Neuköllns werden zum Arbeitsabend der Freien Lichtbildner BerlinSüd heute Donnerstag, 20 Uhr, Jugendheim, Bergstr. 29, gebeten. Spichernring sagt ab. Die für Freitag, 24. Februar im Spichernring vorgesehenen Borkämpfe mit der Federgewichtsmeisterschaft Harry SteinSchiller als Hauptnummer sind abgesagt worden, da Harry Stein und der Dresdener Felten plötz= lich erkrankt sind. Achtung! Freie Segler! Kommunistische Sportorganisationen versuchen jetzt auch bei den im Freien Seglerverband zu ſammengeschlossenen Vereinen für eine Versammlung zu werben, die morgen, Freitag, in der Roppenstraße stattfinden und angeblich über den Schutz des Vereinseigentums beraten soll. Der Freie Segler verband hat mit dieser Versammlung nichts zu tun, er ist nicht einmal gefragt worden. Freie Segler bleiben der Versammlung fern! 438- Stunden- Kilometer Der englische Automobil- Rennfahrer Campbell hatte heute gleich bei seinem ersten offiziellen Rekordversuch am Strande von Daytona Beach Erfolg. Campbell durchraste die Meilenstrecke auf der ersten Fahrt mit einem Stundenmittel von 440,245 Kilometer und erzielte für beide Fahrten ( Hin- und Rückfahrt) die neue Weltrekordleistung Don 437,914 Stundentilometer. Sein alter Rekord stand auf 408,047 Stundenkilometer. Der automatische Pilot Auf dem Flughafen Tempelhof zeigten die Versuchswerte von Siemens u. Halste ein Gerät zur automatischen Flugzeugsteuerung. Der„ Autopilot" ersetzt in der Luft den Flugzeugführer vollkommen. Es genügt, das Flugzeug auf einen bestimmten Kurs und eine gewisse Flughöhe einzustellen und die Maschine fliegt ihren Weg trotz äußerer Einflüsse wie Böen usw. Auch Kurven lassen sich durch Einstellen des Instrumentes fliegen. Neunffundenrennen nach Sechstageart, die die Nacht über dauern. Am vergangenen Sonnabend blieb zwar der große Publikumserfolg aus, aber das Rennen nahm dafür einen spannenden und abwechslungsreichen Verlauf. Das lange Rennen beendeten schließlich Wa Is= Holland, Rausch Deutschland mit Rundenvorsprung. Wals war der stärkste Fahrer im Felde. = Endlich wieder Wintersport. Zur Freude der Besizer von Schneeschuhen und Rodelschlitten hat Berlin noch einmal Schnee bekommen. Das Berliner Stadtrandgebirge, der Grunewald und die Müggelberge, sind sehr stark besuchte Wintersportpläge geworden. Auf der neuerbauten Sprungschanze bei Schild horn sprang am Sonntag und Mittwoch vor über 4000 Zuschauern Szepes vom Berliner Schlittschuh- Club 24 und 27 Meter. In der Schweiz brachte es der Norweger Siegmund Ruud auf die ungeheure Weite von 86 Meter. Neue Eislaufmeister hat die Welt inzwischen auch bekommen. Schnellaufweltmeister wurde der Norweger Ingnestangen, Weltmeister im Kunstlauf der alte Wiener Schäfer. Die Skiblitlaufen in St. Moriz haben doch nicht die Schnelligkeiten gebracht, die man erwartete. Der Tiroler Huber holte mit einer Spezialausrüstung " nur" 134,5 Stundenkilometer heraus, also weniger als Hasperl im vergangenen Jahr. Hauptversammlung der DRAC. Die gut besuchte Generalversammlung des republikanischen Deutschen Reichs Auto= Clubs, bei der 31 Ortsgruppen mit 84 Stimmen vertreten waren, forderte die Umwand= lung der Pauschalsteuer in eine erträgliche Verbrauchssteuer sowie Ueberführung des privaten Treibstoffmonopols in ein staatliches Mineralölmonopol. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Chefredakteur Goetz; Stellvertreter: Dr. R. Mischler; Referent für Sport und Touristik: Chefredakteur F. Kirchhofer; Schazmeister: Arnold Stein. Bobsturz in Krummhübel In Krummhübel kam die Schlesische ZweierbobMeisterschaft zur Durchführung. Der mit den Berlinern Grau und Brehme besetzte Bob Angelus" gewann die Prüfung. Leider gab es einen Unfall, bei dem ein Zuschauer, der bekannte Berliner Fahrradhändler Hans Machnow, einen Oberschenkelbruch davontrug. Wintersport in Bohnsdorf Der Bezirk Bohnsdorf des Arbeiter- Turnvereins Eiche- Köpenick teilt mit, daß sein am Falkenberg gelegenes vereinseigenes Gelände allen Arbeitersportlern als Rodel- und Stibahn fostenfrei zur Verfügung steht. Auf dem Plaz befinden sich Unterfunfts- und Abstellräume und ein Erfrischungsraum, in dem zu billigsten Preisen warme Getränke zu haben sind. Das Gelände liegt nur drei Minuten vom Bahnhof Grünau entfernt auf dem Wege nach Bohnsdorf. Kartellvereine Berlins Die Turnhallen- Benutzungserlaubnis für Vereine in den Bezirken Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg erlischt mit Ablauf des März. Für das Sommerhalbjahr werden die Turnhallen in diesen Bezirten in bisheriger Weise vergeben. Bordrucke werden den interessierten Vereinen durch die Kartellgeschäftsstelle: Robert Dehlschläger, Berlin N. 65, Nazarethkirchstr. 46, tostenlos zugestellt. Die Antragsformulare sind dann mit dem Vermert Sommer 1933" zu versehen. Schwarzes Brett Freie Lichtbildner Berlin- Norb. Donnerstag, 23. Februar, 20 Uhr, Schule Pantstr. 20. Tendenz in der Photographie. Kartellbezirk Tempelhof. Sonntag, 26. Februar, 10 Uhr, bet Lindisch, Rathaus. Ecke Königstraße, Kartellfigung. FIGB., Freikörperkulturbezirk. Die Nacktbabeabende sind nach wie vor jeden Donnerstag, 19 Uhr, im Stadtbad Lichtenberg, Hubertusstraße. ASC., Hockey. Sigung Donnerstag, 23. Februar, 20 Uhr, bei Juschtat, Hohenlohe- Ecke Goßlerstraße. Neuaufnahmen. Kartellbezirk Wedding. Uebungsabend der Kartellsportabteilung schon heute, Donnerstag, Turnhalle Triftstraße. Sonntag antreten zur Demonstration. Beachtet den ,, Borwärts"! Bf2. Oftring. Das Hallentraining fällt morgen, Freitag, 24. Februar, aus. Alles beteiligt sich an der Kundgebung der Eisernen Front in der Schulaula Fischerstraße. Treffpunkt 18 Uhr bortfelbft. ENGELMAROT ... stets vorzüglich ... stets bekömmlich Engelhardt SPEZIAL- HELL überall erhältlich = Pflege und Ernährung des Säuglings. Am Donnerstag, dem 2. März 1933, beginnt im Kaiserin- Auguste- Bictoria- Haus, Charlottenburg, Frankstraße 3( Ringbahnhof Westend), ein Kursus für Mütter und Mädchen, in dem alles das praftisch und theoretisch gelehrt wird, was eine Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings wissen muß. Der Kursus umfaßt 4 Doppelstunden jeweils Donnerstags von 3 bis 5 Uhr. Die Einschreibegebühr von 8 M. ist im Aufnahmebüro der Anstalt zu entrichten. Rundfunk am Abend Donnerstag, 23. Februar Berlin: 16.05 Kann die Akademikerin auf die praktischen Frauenberufe umsatteln? 16.30 Zur Unterhaltung. 17.10 Chöre Berliner Komponisten. 17.30 Akademische Berufssperre? 17.50 Jugendstunde. 18.10 Johannes Brahms. 18.40 Ungarische Tänze von Joh. Brahms. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Hilfe für die Erwerbslosen. 19.35 Unterhaltungsmusik. 21.10 Aus der Hochschule für Musik: Anton Bruckner. 22.15 Preußen und Reich( I. Vortrag). 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Tanzmusik. 24.00 Wiederholung: Wie man Rennfahrer wird( Funkspiel v. M. v. Brauchitsch). Königswusterhausen: 16.00 Für die Frau. 16.30 Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.10 Philosophische Arbeitsgemeinschaft. 17.30 Tägliches Hauskonzert. 18.00 Schelmenstreiche der Vergangenheit. 18.30 Musikalischer Zeitspiegel. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Deutsch für Deutsche. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Stunde des Landwirts. 20.00 Mozart. 21.00 Worte zur Winterhilfe. 21.15 Bunter Unterhaltungsabend. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 SeeWetterbericht. 23.00 Tanzmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa- Programm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle ,, Vorwärts" Boten oder die Postanstalten. 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