Morgen- Ausgabe Nr. 93 A 39 50. Jahrg. Rebattton and Berlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fermiprecher 7 Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammabreffe: Sozialbemotrat Berlis Vorwürts BERLINER VOLKSBLATT FREITAG 24. Februar 1933 In Groß Berlin 10 Pf. Auswärts...... 15 Pf. Bezucsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß des rebuttionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Auf zur Entscheidung! An die Mitglieder der Gewerkschaften! Zum sechstenmal innerhalb eines Jahres werdet Ihr an die Wahlurne gerufen. Bei all diesen Wahlen stand die gleiche Frage zur Entscheidung, die Schicksalsfrage von der künftigen Gestalt des deutschen Staates, von dem Geist seiner Gesetzgebung und seiner Verwaltung. Soll die Staatsgewalt einer kleinen Herrenschicht, soll sie der Diktatur einer Partei, soll sie einer Einheitsfront der sozialen Reaktion überantwortet oder soll das Volk wieder souverän im Staate werden? Um diese Frage geht der erbitterte Kampf. Er ist noch nicht entschieden, trotzdem seit langem schon die Staatsgewalt nicht mehr vom Volke ausgeht, sondern beim Reichspräsidenten und seinen Ratgebern konzentriert ist. Ihr habt bisher bei jeder Wahl Euren Gegnern innerhalb und außerhalb der Regierung Euren festen Willen entgegengestellt, die Souveränität des Volkes in vollem Umfange wiederzugewinnen. Ihr habt das Volksrecht gegen jegliches Diktaturgelüst verteidigt. Wirtschaftliche Not und politischer Terror haben Euren Freiheitswillen nicht gebrochen. Euer Kampf war nicht vergebens, wenn auch zur Zeit die soziale Reaktion im Sattel sitzt. Denn heute ist Euer rechtmäßiger Widerstand gegen jeglichen Umsturz der stärkste, der einzig wirksame Schutz der Verfassung und Eurer Rechte. Deutsche Arbeiter und Angestellte, Frauen und Männer! Ihr wißt, was auf dem Spiel steht. Ihr kennt die Geschichte der letzten vierzehn Jahre, Ihr habt nicht vergessen, wie sie wirklich gewesen ist. Ihr glaubt keine schwarzweiẞroten Märchen über den Marxismus. Ihr wißt, was Ihr der deutschen Arbeiterbewegung zu verdanken habt. Erst als die Staatsgewalt vom Volke ausging, erst im November 1918, wurde die Schmach des DreiklassenWahlrechts ausgelöscht. Erst damals wurden die letzten Schranken der Koalitionsfreiheit niedergerissen. Erst damals wurde das Sklavenrecht der Landarbeiter, die Gesindeordnungen, beseitigt. Erst seit jenen Tagen wurde der Bau der deutschen Sozialpolitik zum Bollwerk der inneren Freiheit unseres Volkes. Erst damals wurde das deutsche Arbeitsrecht zu der Brücke zwischen Arbeiterbewegung und Nation, an deren Grundpfeilern Eure Feinde heute rütteln. Fort damit! Der Kampf gegen die freie Schule Das neue System der nationalkonzentrierten Regierungsmethode beeilt sich, immer neue Schichten der Bevölkerung gegen sich Der aufzubringen. nationalsozialistische Gauleiter, der heute als Kommissar des Reiches im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wirkt, hat durch die 3wangsweise Beurlaubung des städtischen Beamten Dr. Karsen aus der Stellung als Leiter der Karl- Marr- Schule in Neukölln ein Signal gegeben. Die KarlSchulsysteme zusammenfaßte, war der ReafMarr- Schule, die in sich die verschiedensten tion schon lange ein Dorn im Zuge, bevor noch die ,, nationale Konzentration in die Amtlichkeit gelangt war. Dauernd stand sie im Mittelpunkt hämischer Verdächtigungen, ohne daß sie selbst sich anders dagegen wehren konnte als durch ihre Leistungen. Und diese Leistungen konnten sich sehen lassen, wo man auch nur sehen wollte. Jetzt soll die KarlMarr- Schule ,, umorganisiert" werden, was im nationalkonzentrierten Sprachsinn nichts anderes heißt, als sie völlig ihres besonderen Charakters als fortschrittlicher Schule zu entkleiden. Aber die Karl- Marr- Schule genügt dem System als Angriffsobjekt nicht. Die Wünsche greifen weiter. Und so erfahren wir denn durch eine offizielle Mitteilung, daß auch die Gewerkschaftsmitglieder! Die Staatsgewalt darf nicht jenen Mächten und politischen Gruppen ausgeliefert weltlichen Schulen( Sammelschulen) werden, die ihre Willkür an Stelle Eures rechtsschöpferischen Willens setzen wollen. So unabsehbar die wirtschaftliche Not ist, Ihr habt noch viel zu verlieren. Schützt Euer Recht! Verteidigt am 5. März das neue Deutschland gegen den Generalangriff seiner inneren Feinde. Ihr wißt, in welcher Front Ihr diesen Freiheitskampf führt. Ihr wißt, wem Ihr Eure Stimme zu geben habt. Eure Entscheidung wird fallen für Volksherrschaft gegen Diktatur, für ein freies, sozialistisches Deutschland! Die Bundesvorstände des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen freien Angestellenbundes Berlin, 15. Februar 1933. Bolizei nicht scharf genug! Göring fordert mehr Aufmerksamkeit für Wahlflugblätter und Plakate Folgender Erlaß Görings an die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten wird bekanntgegeben: Zu meinem Bedauern habe ich feststellen müssen, daß die Handhaben der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Bolles vom 4. Februar 1933 gegen Ausschreitungen der Presse nicht mit der Strenge angewandt werden, wie es angesichts der sich täglich steigernden Hezze in periodischen Drufschriften, Flugblättern und Plafaten der regierungsfeindlichen Parteien und Verbände erforderlich wäre. Ich habe leider feststellen müssen, daß gegen den Herrn Reichskanzler und die Mitglieder der Regierung beschimpfende und verächtlich machende Flugschriften und periodische Druckschriften. in den Verkehr gelangt sind und geduldet werden, obwohl alle Voraussetzungen für die polizeiliche Beschlagnahme und Verbotsmaßnahmen gegeben find. Ich erwarte nunmehr von allen Polizeibehörden, daß der Beobachtung der Presse und der Herstellung und Verteilung von Flugblättern eine größere Aufmerksamfeit zugewandt und mit Schärfe und Unnachsichtigkeit vorgegangen wird, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Ich werde Beamte, die es hier an dem notwendigen Diensteifer fehlen lassen, dienst strafrechtlich belangen. Ein weiterer Erlaß Görings Im Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung Nr 9 vom 22. Februar erscheint ein Erlaz Görings vom 17 Februar, der sich mit den amtlichen Preffeverlautbarungen zu politischen Ausschreitungen beschäftigt: ,, Ich habe wiederholt feststellen müssen, daß in Sachen von politischer Bedeutung, insbesondere auch bei strafrechtlichen Ermittlungsverfahren dieser Art, mit der Bearbeitung der Sache befaßte Beamte Mitteilungen an die Presse gegeben haben, die nach Form und Inhalt die gebotene Zurückhaltung und den erforder= lichen Taft vermissen lassen. Um solchen Vortommnissen für die Zukunft vorzubeugen, ordne ich hiermit an, daß in den bezeichneten Fällen zur Bekanntgabe in der Presse bestimmte a mtliche Berlautbarungen nur von den Regierungspräsidenten und dem Polizeipräsidenten in Berlin selbst veranlaßt werden dürfen. Sie mache ich für die genaue Beachtung meiner Weisung und für Form und Inhalt der Nachricht persönlich verantwortlich. Den in Be= tracht kommenden nachgeordneten Dienststellen ersuche ich, zu eröffnen, daß meiner Anordnung zuwiderhandelnde Beamte dienststrafrechtliche Maßnahmen zu gewärtigen haben." Redeverbote Nach Crispien Franz Künstler! Dem Genossen Franz Künstler, dem langjährigen Reichstagsabgeordneten und wiederaufgestellten Kandidaten von Potsdam II, ist in Nomames, also in seinem Wahlkreis, vom Polizeipräsidenten von Zizemiz das Reden ver= boten worden. Dieses in Potsdom erlassene Redeverbot stützt sich interessanterweise auf ein anderes Redever= bot, das gegen Künstler in Schwerin erlassen worden ist, und auf dessen Begründung. In Schwerin hatte man behauptet, Künstler sei ,, in Wort und Schrift dauernd für Kriegsdienstver: weigerung eingetreten", er habe auch in unflätiger Weise die Reichswehr beschimpft". Beide Behauptungen sind unrichtig. Die Kriegsdienstverweigerung ist zwar von manchen Personen, die großes Ansehen genießen wie 8. B. vom derzeitigen englischen Minister präsidenten vertreten worden, aber nicht von Künstler, der auch niemals die Reichswehr ,, unflätig beschimpft" hat. Künstler war während des Krieges fast ständig im Felde, erhielt das E. K. II und wurde für vertrauenswürdig genug befunden, in die Waffenmeisterschule Döberig einberufen zu werden. Das alles schützt ihn nicht davor, daß ihm heute als angeblichen Kriegsdienstverweigerer" das Reden verboten wird. vom Ostertermin 1933 ab dem Abbau verfallen sollen. Das ist eine Meldung, die dem Lokalblatt des Hugenberg- Konzerns geradezu Freuden tränen entlodt. Was irgendein Denunziant aus dem reichen Arbeitsfeld der weltlichen Schulen an irgendeinem Provinzort aufgeschnappt und eingesandt hat, das wird im ,, Lokal- Anzeiger" in epischer Breite als Beispiel für die Sittenverderbnis ausgewalzt. Und der Kapp- Journalist, der diese Walze dreht, versteigt sich hierbei zu dem rührseligen Ausbruch, daß die Kinder der weltlichen Schule ,, vergiftet und freudeleer gemacht werden dadurch, daß ihnen alles verekelt wird, was uns die selige Freude mar..." Mit Berlaub: Was den freiwilligen Lobpreisern des heutigen Systems früher als ,, selige Freude" im wohlbehüteten Elternhaus gegolten hat, das wird man den darbenden Kindern der erwerbslosen, furz arbeitenden und auch bei voller Beschäftigung schlecht entlohnten Proletariern der Großstädte und Industriebezirke beim nationalfonzentriertesten Willen nicht mehr nahebringen können. Diese Kinder der Hungerjahre haben andere Begriffe von Freude, als die Generation von ehedem, die heute wieder nach der Macht im Staate gegriffen hat. Aber die weltlichen Schulen haben, obwohl sie immer noch den alten Vorschriften unterliegen, ein ganz Neues in den Schulbetrieb eingeführt. Sie drillen nicht, fie arbeiten! Und sie arbeiten in aller Deffentlichkeit, denn sie haben nichts zu verbergen. Sie sind sogar die Ehrwürdigen mögen darob erschauern!- nicht davor zurückgeschreckt, Gäste bei ihrem Unterricht gern zu sehen. Wenn auch nur einer der Leute, die über die weltlichen Schulen die Nase rümpfen, es für nötig gehalten hätte, sich zu irgendeiner Zeit in irgendeiner dieser Schulen einzufinden, wäre ihm anstandslos gestattet worden, an jeder Unterrichtsstunde teilzunehmen. Und er würde erstaunt gewesen sein, mit welcher sachlichen Selbstver ständlichkeit die Jungen und Mädels von seiner Anwesenheit gar nicht Notiz nähmen, sondern ruhig mit ihrem Lehrer weiter arbeiteten, als wären fie ganz unter sich! Freilich hätte ein solcher Besuch oder gar eine Wiederholung des Besuchs ein ganz an deres Bild ergeben, als das, was die ,, Christlich- Unpolitischen" von den meltlichen Schulen zu malen pflegen. Dieser objektive Eindruck einer ernsten pädagogischen Arbeit aber durfte nicht entstehen, weil ja dann die ..freudevolle" Hehe nicht mit der sachlichen Unbeschwertheit betrieben werden könnte, die erforderlich war, um den Boden für die Staatsaktion zu bereiten. Der Kampf gegen die weltlichen Schulen wird verbunden und begründet mit dem Kampf gegen die Gottlosenbeme gung". Jeder versteht unter ,, Gottlosenbewegung" natürlich etwas ganz anderes. Aber es gehört ja heute zum guten Ton, bei jeder möglichen oder unmöglichen Gelegenheit sich auf den Allmächtigen oder auf die Vorsehung zu berufen. Im ,, Jungdeutschen", einem gewiß nationalen Blatt, wurde dieser Nach Göring Levezow Der Polizeipräsident über Giftpflanzen, Mordbuben und Mordgesindel Der Polizeipräsident von Berlin von Le= vezom hat in einer Ansprache an die Beamten und offiziell der Schußpolizei den bekannten Erlaß des Reichskommissars Göring näher erläutert. Er führte nach dem Bericht der TelegraphenUnion folgendes aus: ,, Meine Herren Offiziere und Beamte von der Schußpolizei! Es ist für mich ein stolzes und erhebendes Gefühl, mich heute hier an Ihre Spige gestellt zu sehen. Aehnlich wie zum letzten Male vor meinen braven, tapferen unübertrefflichen Besatzungen der alten kaiserlichen Marine, mit denen ich im Kriege verbunden war durch Not und Tod, so heute hier vor einem ausgesuchten Elitekorps von Offizieren und Beamten, in dem ein jeder von Ihnen stolz sein Haupt erheben darf in dem be= glückenden Gefühl, ein würdiger und stolzer Für Freiheit, Volkund Sozialismus Träger des nationalen Staatsgedankens zu ſein. Nächsten Sonntag, den 26. Februar, vormittags 11% Uhr, im großen Saal der Neuen Welt, Hasenheide, Massen- Kundgebung des Sozialistischen Kulturbundes. Es sprechen: Kultusminister Grimme, Chefredakteur Stampfer, MdR., Dr. Löwenstein, MdR., ein Vertreter des ADGB. Die ausgegebenen Karten behalten ihre Gültigkeit. Weitere Karten à 30 Pf. sind in der Dietz- Buchhandlung, Lindenstr. 2, und an den anderen bekannten Stellen zu haben. Tage mit Recht darauf hingewiesen, daß gute Christen mit der Anrufung Gottes sehr vorfichtig sein sollten. Denn es bestehe ja auch das zweite Gebot, daß man den Namen Gottes nicht unnüglich im Munde führen dürfe. Im übrigen aber sei Gott nach der Lehre des Christentums nicht nur allmächtig sondern auch all wissend. Deshalb sei es nicht zweckmäßig, ihm noch besondere Hinweise auf Tatsachen zu geben. Es liegt uns nicht, in theologische Erörterungen solcher Art einzugreifen. Aber menn mit dem Abbau der weltlichen Schulen begonnen und gleichzeitig die Wiedereinführung des Religionsunterrichts an den Berufsschulen erfolgen foll, so darf man doch darauf hinweisen in gebührender Rücksicht auf die Pressenotver ordnung, daß es ein anderes ist, in Kleinstädten oder auf dem Lande Religionsunter richt an fleine Kinder zu erteilen, als Viera zehn bis Achtzehnjährige aus den Mietfasernen der Großstadt damit zu beglücken. Wir beneiden die Lehrkräfte nicht um die 2fgabe, die ihnen da plöglich gestellt ist. Der Kampf gegen die meltliche Schule ist ein Teil der Kulturreaktion, die augenblicklich Deutchland überflutet. Aber er wird dem Sampf für die weltliche Schule neuen Impuls geben. Die freigesinnten Eltern, die innerlich von der Kirche. sich losgelöst haben, werden durch administrative Eingriffe in die Erziehung ihrer Kinder nicht zur Kirche zurückgeholt. Sie werden aber auch nicht ohne Aufbietung aller geseglichen Mittel auf das Elternrecht verzichten, das die Verfassung ihnen ausdrücklich zuspricht, obschon es sich von selbst versteht. Der Vorstoß gegen die freie Schule ist auch ein Vorstoß gegen die staatsbürgerliche Selbstbestimmung. Er wird als solcher per standen und gewürdigt werden. Der 5. März gibt die erste Gelegenheit, die Antwort zu geben. Wir zweifeln nicht, daß sie sehr deutlich ausfällt! ,, Freiheit der Wahl! Grzesinski am Reden verhindert Effen, 23. Februar. Wie Hitlers Aufrufe und die Göringsche Mahnung an die SA. befolgt werden, beweist der Berlauf einer Kundgebung der Eisernen Front in Cffen. Hier war Scheidemann als Redner engekündigt, was die Nazipresse zum Anlaß nahm, eine maßloje Hehe zu entfesseln und dazu aufzufordern, die kundgebung auf jeden Fall zu verhindern, daß ein Landesverräter nicht in Effen reden dürfe. Schon zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung fam es zu wüsten Prügelszenen, bei denen mehr als ein Dutzend Mitglieder der Eisernen Front mißhandelt und zum Teil schwer verlegt wurden. Einige davon mußten dem Krankenhaus überwiesen werden. Da der weitere Berlauf durch immer ffärfer heranrüdende SA- Truppen immer wieder gfört werden sollte, hat die Polizei die Kundgebung schon vor Beginn aufgelöst. weil die öffentliche Ruhe und Sicherheit dadurch gefährdet wäre. Diesen Gedanken vorzuleben, kann und soll durch Lauterkeit der Gesinnung, durch saubere und fittliche Lebensführung hell leuchtendes Beispiel ein jeder an seiner Stelle für die unserer Obhut an= vertraute brave Berliner Bevölkerung geben. Wie ich selbst über mein verantwortliches hohes neues Amt denke, habe ich schon am ersten Tage meines Amtsantritts in einem kleineren Kreise von Beamten gesagt, und Sie werden es alle gelesen haben. Aber hier sei es noch einmal in Kürze wiederholt. Ich habe mein Amt übernommen vor Gott und meinem Gewissen mit der heiligen Pflicht, einzutreten für Ruhe und Ordnung für Sauberkeit, für Zucht und Sitte, hier in Berlin, des Reiches Hauptstadt, auf dieser Stätte geheiligter altpreußischer Tradition. Auf diesem Boden der geweihten Stätte der Stadt Berlin dulde ich keinerlei Giftpflanzen asiatischer Provenienz. Ich dulde es nicht, wenn fie Unruhe unter eine besourene Bevölkerung bringen. Ich nehme die Gelegenheit wahr, diese polifischen Mordbuben, dieses Mordgesindel erneut zu warnen. Ich mende mich an Sie, an jeden einzelnen Offizier und Beamten, rüdhaltlos und gegebenenfalls unter Einsatz des Lebens dafür einzustehen, daß jede leiseste Unruhe sofort im Keime erstickt wird. ... So bin ich mit Ihnen allen ein Kämpfer für die Regierung der nationalen Erhebung, deren Anhänger in all den verflossenen Jahren der Unsauberkeit, der Unmoralität, der Schmach und der Schande, die die rote Wirtschaft mit fich gebracht hat, unterdrückt wurden In diesem Sinn appelliere ich an Sie alle, mir zu helfen. Aber ich werde auch keinen einzigen unter Ihnen dulden, der mir seine Mitwirkung hierbei versagt. Ich dulde nicht und ich werde nicht dulden, daß jemand unter Ihnen ist, der jenen roten Mordbuben nicht mit der erforderlichen Energie gegenübertrift. Und noch eins, jeder von Ihnen sei Manns genug, mir offen und frei zu sagen, wie es um seine Gesinnung steht. Ich werde die Offenheit auch anerkennen, aber ich warne Sie und ich warne vor allem diejenigen, die etwa versuchen sollten, andere Kameraden von dem Weg der nationalen Pflicht abzubringen. Unter dem verehrungswürdigen greisen Generalfeldmarschall ist jezt der Weg der nationalen Erhebung beschritten. In Berlin diesem nationalen Erwachen den Weg freizumachen, das ist jetzt unsere Aufgabe. Das sind etwa dieselben Gedanken, die ich bereits am Tage meiner Dienstübernahme ausgeführt habe. Und nun noch ein Wort: Vergessen wir nicht in tiefer Dankbarkeit, was in allen diefen Jahren der Unruhe und Schmach jene Männer in selbstlosester Weise unter Einjah von Gut und Blut für uns und unser heißgeliebtes Vaterland geleistet haben! Vergessen wir nicht die großen Berdienste der Nationalfozialisten, ihrer tapferen SA. und SS., vergeffen wir nicht der waderen Stahlhelmer und, das bitte ich insbesondere jeden einzelnen von Ihnen, sehen Sie in ihnen Ihre gegebenen Bundesgenoffen, Ihre getreuen Helfer zur Beseitigung von Unruhen und Auswüchsen. Lassen Sie mich Ihnen, meine Herren Offiziere Berlin bleibt cot! Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs- Veranstaltungen: 3. Kreis Wedding: Freitag, den 24 Februar, 19% Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Schröder. 19 Uhr in beiden Sälen der Atlantiksäle", Behmstraße( am Bahnhof Gesund. brunnen): Berlin bleibt rot!" Referenten: Robert Breuer, Max Gillmeister. 19% Uhr in den Pharussälen, Müllerstraße 142: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Max Heydemann. 6. Kreis: 16% Uhr, Fontanepromenade. Antreten zum Propagandamarsch. 9. Kreis Wilmersdorf: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, im Forsthaus, Schmargendorf, Warnemünder Str.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Hermann Lüdemann. 11. Kreis- Schöneberg: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, Wählerkundgebung in der Hohenzollernschule Schöneberg, Belziger-, Ecke Eisenacher Straße. 1 Stunde vorher Umzug mit Musik. Sammelplatz: 19 Uhr Ebersmarkt. 17. Kreis- Lichtenberg: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, in der Aula der Schule Lichtenberg, Schlichtallee, Kundgebung. Referent: Siegfried Aufhäuser, M. d. R. Fahneneinmarsch, Massengesang. 83. Abt. Lichterfelde: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, in den Lichterfelder Festsälen, Lichterfelde, Zehlendorfer Str.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Richard Mischler. 88. Abt. Lichtenrade: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Bohm, Lichtenrade, Krusauer Str. 42: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Georg Klaussner, M. d. L. 105. u. 104. Abt. Oberschöneweide: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, in Mörners Blumengarten, Oberschöneweide, Ostendstraße:„ Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. 109. Abt.- Friedrichshagen: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im großen Saal des Gesellschaftshauses, Friedrichshagen, Friedrichstraße 137: Berlin bleibt rot!" Referent: Erich Kuttner, M. d. L. 107., 110. u. 111. Abt.: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, im Gesellschaftshaus Grünau, Friedrichstr.:,,Berlin bleibt rot!" Referent: Emil Barth: 128. Abt. Niederschönhausen: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Gesellschaftshaus, Pankow, Berliner Straße 102: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Max Urich. 140a. Abt. Wittenau: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Eberhardt, Wittenau, Lübarser Straße: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Litke, M. d. R. AEG.: Freitag, den 24. Februar, 16% Uhr, Kundgebung der SPD.- Betriebsfraktion im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Referent: Genosse Schliestedt. Schwerhörige: Freitag, den 24. Februar, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 4: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Genosse Schnell. Eiserne- Front- Versammlung: Freitag, den 24. Februar, 16% Uhr, bei Stock, Warschauer Platz 12: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Erich Ollenhauer. Bezirksamt Wilmersdorf: Freitag, den 24. Februar, 20 Uhr, bei Kulka, Wilmersdorf, Lauenburger-, Ecke Uhlandstraße:„ Kommunalwahlen". Referent: Stadtrat Hermes. 4. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar, 16% Uhr: Umzug durch den Bezirk. Treffpunkt: Friedenstraße, Aufstellung rechte Seite vom Landsberger Platz( Promenade). 7. Kreis: Die Demonstration findet nicht statt, 8. Kreis- Spandau: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Walter Krause, Gatow: Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Walter Pahl. 20 Uhr im Cladower Hof, Cladow, Dorfstraße: Berlin bleibt rot!" Referent: Heinrich Witt. 85. und 86. Abt.- Tempelhof und Mariendorf: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, in der Aula des Realgymnasiums Tempelhof, Kaiserin- Augusta- Straße: bleibt rot!" Referenten: Erich Ollenhauer und Lisa Albrecht. Berlin 108, Abt.- Köpenick: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Troppens, Müggelheim: Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Klatt. Hauptwerkstatt, Fuhrhof 1 bis 4 und Fuhrpark: Sonnabend, den 25. Februar, 15% Uhr, bei Wertalla, Hohenlohestraße 3, Kundgebung. Thema: Um was geht es?" Referent: S. Katzenstein. BVG.- Betriebshof 13 Halensee: Sonnabend, den 25. Februar, 19% Uhr, im Lokal Sandmann, Westfälische Straße 42. Thema:„ Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Dressel. Afij- Arbeiter des Bezirks Friedrichshain: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, bei Blamert, Weberstr. 24: Eiserne- Front- Kundgebung. Referent: Hans Marx. SPD.- AfU- Arbeiter des Bezirksamts Prenzlauer Berg: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, Im Altersheim, Danziger Str. 62. Referent: Josef Klein. und Beamte, ein letztes Wort mit auf den Weg geben, das mir aus dem Herzen quillt: Ich bringe Ihnen mein ungeteiltes Vertrauen entgegen. Sehen Sie in mir, darum bitte ich Sie, und es wäre der schönste Lohn meiner Tätigkeit, nicht nur den Vorgesezten, sondern auch den Kameraden, der mitten unter Ihnen steht, und, wenn es nottut, auch Ihr Freund sein wird. Ein Appell an mein Herz auf diesem Gebiet wird niemals ohne Widerhall bleiben. Es soll ein jeder von. Ihnen wissen, daß ich ihm zur Verfügung stehe für seine Nöte, seine Sorgen, auch für seine, Kümmernisse, die ja in feinem Menschenleben ausbleiben. So mollen wir zusammen fröhlich uns plagen, nicht an dem Amt verzagen, und unsere Steine tragen auf's große deutsche Baugerüst, Berlin zum Vorbild, in altpreußischem Geist, Deutschland, unserem heißgeliebten Vaterland zu Ehren. Unser deutsches Vaterland immer und emig. Hurra, hurra, hurra! Knallfrösche gegenMarr Kleine Unterbrechung eines Hochchulvortrages Die Sozialistische Studentenschaft veranstaltete am gestrigen Donnerstagabend in der Universität einen sehr gut besuchten Vortrag des Professors Dr. Hemberg. Als er bereits eine Weile unter gespannter Aufmerksamkeit gesprochen hatte flirrte plöhlich eine Fensterscheibe und im nächsten Augenblic frachten kanonenschläge. Es ergab sich, daß einige Aufbauwillige" über den Zaun an der Dorotheenstraße geklettert waren und durchs Fenster diese Feuerwerkskörper in den Saal geworfen hatten. Dann verschwanden fie schleunigst. Zwei Straßenbahner haben beobachtet, daß diese Mitbürger auch geschossen haben. Nach kurzer Unterbrechung und in dem Bewußtsein, daß man sich eben auch an solche Zwischenfälle gewöhnen müsse, wurde die Veranstaltung programmäßig zu Ende geführt. Professor Hemberg, der als Batteriechef im Weltkrieg dreimal schwer verwundet worden ist und den Kgl. bayerischen Ritterorden erhalten hat, sprach über das Thema Marx und unsere Zeit Professor Hemberg jührte u. a. aus: Der. Name Karl Marg steht als Symbol über den Bölfern, über der kapitalistischen Belt. Feind und Freund setzen sich mit dieser großen Persönlichkeit auseinander. Karl Marr hat zum erstenmal die. Fragen aufgeworfen, die unserer Zeit gestellt sind. Der Margismus ist eine Bewegungslehre der Gesellschaft. Für Marg ist die Welt ein Kompler von Prozessen, in der sich die Entwidlung schließlich zu immer höheren Formen fortfegt. Die Bewegung vollziehf sich in Gegenfäßen, Der von Marg aufgestellte Glaube von der Neuordnung unserer Zeit ist heute allgemeine Meinung auch unserer Gegner geworden. Karl Marg hat zum erstenmal die soziale Frage aufgeworfen; sie fann nur in der Richtung auf eine Rollektivierung gelöst werden. Eine Rüdmärtsbewegung zur Kleinproduktion ist un möglich. Heute ist die Eigentumsform in Widerspruch zu den Produktionsverhältniffen geraten. An der entscheidenden Frage, wie dieser Wider spruch zu lösen ist, zeigt sich, mer wirklich eine. Neuordnung unseres Lebens und wer Vergehendes erhalten oder Vergangenes wiederher stellen will. Der Marrismus bekennt sich nicht zum Individualismus. Nach ihm können nur die sozialen Gruppen die Spannungsstoffe unferer Zeit in eine Neuordnung umsehen. Die Bauernschaft als eine dieser Gruppen fann sich in den Kapitalismus nicht einfügen. Aber sie hat nicht die Kraft, über den Kapitalismus hinauszukommen. Das vermag nur die Arbeiterklasse, die allein der Träger einer neuen Gesellschaftsordnung ist. Der Raum dieser Klassenkämpfe ist die Nation. Wenn sich ein Sozialist heute mit der Frage der Nation beschäftigt, dann wirft man ihm entweder Landesperrat oder Kapitulation der Gesinnung vor. Dabei sind Sozialismus und Nation feine Widersprüche. Der Sozialismus ist das der Nation übergeordnete Ziel. Innerhalb der Nation kämpft die sozialistische Bewegung um die Lösung der sozialen Frage. Aber sie treibt über die Nation hinaus und sucht die Nationen in eine neue internationale Verbindung zu bringen. ⚫ Seit jeher wird der Marrismus scharf bekämpft. Jeden Tag prophezeit man seine Bernichtung, aber es gibt nur eine Bernichtung des Marrismus, das ist die Lösung der sozialen Frage! Ber aber ihre Lösungsmöglichkeiten beschneidet, der sorgt nur dafür, daß die kommende Neuordnung fich gemalifa m vollzieht. In zehn Jahren foll der Margismus vernichtet sein. Wir sagen: in zehn Jahren wird der 60jährige Todestag von Marg ein nationaler Feiertag sein! ERSTE BEILAGE min Horwirts and FREITAG, 24. FEBRUAR 1933 Die Brandnacht von Großbeeren Aermste Proletarier um ihre letzte Habe gebracht- Schlombach verwundet Die Brandnacht von Großbeeren hat die Berliner Ceffentlichkeit aufgerüttelt. Die Folgen der Vernichtung des Arbeiterwohnhauses, in dem neun Proletarierfamilien wohnten, zeigen sich jetzt mit ihrer ganzen Furchtbarkeit. Der Maurer Karl Schlomba ch ist bei dem Ueberfall schwer verwundet worden. Wie wir aus dem Kreiskrankenhaus Lichterfelde- wohin der Verlegte gebracht wurde hören, hat Schlombach Schußverlegungen an beiden Unterschenkeln erlitten. Das Geschoß wurde entfernt. Es konnte nicht festgestellt werden, ob die Verlegungen von einem Schuß oder von zwei Kugeln herrühren. Der amtliche Bericht über die Feststellungen in Großbeeren lautet: Gegen 20 Uhr fand in Großbeeren ein Fadelzug der NSDAP. statt, der Neuköllner! Die Eiseme Front marschiert. Massendemonstration am Sonnabend, dem 25. Februar, Treffpunkt 17 Uhr, Reuterplatz. Für die Freiheit der Arbeiterklassel Als etwa 20 Uhr 45 beendet war. An diesen schloß sich im Cotal Mag Laube eine Versammlung an, die von etwa 400 Personen besucht war. Redner sprach der Landtagsabgeordnete Schlange. Die Versammlung verlief vollkommen ruhig. Sie war etwa 23 Uhr beendet. Um 24 Uhr herrschte bereits vollständige Ruhe im ganzen Dorf. Nachts gegen 1 Uhr 45 wurden von unbekannten Tätern die Türen des sogenannten Armenhauses eingeschlagen. Die im 1. Stod wohnende Familie Schlombach flüchtete. Kurze Zeit darauf brannte das Armenhaus. Während der Beranstaltung der NSDAP. war der Oberlandjägermeister aus Mahlow mit fünf Landjägereibeamten anwesend, die, nachdem nach Schluß der Veranstaltung vollfländige Ruhe auch im Dorfe eingetreten war, in ihre Standorte zurückkehrten. Ein Ursachenzufammenhang zwischen Fadelzug und Berjammlung einerseits und dem Brande andererseits ist bisher nicht festgestellt worden. Gegen 7 Uhr morgens war der zuständige Landjägereitreisleiter mit zwei Landjägereibeumten eingesetzt, um die polizeilichen Ermittlungen in der Brandsache aufzunehmen. Außerdem sind Beamte der Landesfriminalpolizeiffelle Berlin angefordert. Die Ermittlungen werden mit aller Beschleunigung fortgefeht. Der Regierungspräsident hat zwei höhere Beamte als kommissare an Ort und Stelle entfandt. Unseren im Abendblatt gegebenen Bericht ergänzen wir nachstehend durch die an Ort und Stelle gemachten Beobachtungen unseres Berichterstatters. In dem Hause Berliner Straße 73 wohnen neun Arbeiterfamilien, die bis auf eine von Wohlfahrtsunterstügung leben. Das Gebäude felbst gehört der Gemeinde und wurde früher als Armenhaus benußt. Die Angreifer hatten es insbesondere auf den im ersten Stock wohnenden Maurer Karl Schlombach abgesehen, der früher aftives Mitglied des Reichsbanners war. Schon mehrere Male wurden gegen ihn Terrorafte verübt. Bereits bei der Juniwahl im vorigen Jahr hatten SA.- Leute versucht, seine Wohnung zu stürmen. Defters murden die Fensterscheiben seiner Wohnung eingeworfen, wobei das elfjährige Töchterchen der Eheleute Schlombach durch) einen Steinwurf einen Nervenschock erlitt. Zum Glück war in der Nacht des letzten Ueberfalles das Kind wegen der dauernden Aufregungen bei Verwandten schlafen gegangen. Zu der nationalsozialistischen Versammlung waren auffallend viel auswärtige Teilnehmer erschienen, so die SA.- Leute aus Teltow, Zehlendorf und anderen umliegenden Ortschaften. Die auswärtigen Besucher hatte man in Lastwagen herangeschafft. Auch schon während des Fackelzuges sollen auf den Straßen gegnerische Einwohner geschlagen worden sein. Im Schlaf überfallen Der 36jährige, schon seit 2½ Jahren arbeitslose Schlombach gab daraufhin an alle Mieter des Hauses den Rat, die Fenster zu schließen und sich. in teiner Weise um die Vorgänge auf der Straße zu kümmern. Schon um 10 Uhr waren deshalb alle Fenster dunkel und auch die Familie Schlom bach schlafen gegangen. Um% 1 Uhr hörte Frau Schlombach fremde Schritte im Hausgang, legte ihnen aber weiter teine Bedeutung zu. Plöglich ging gegen 2 Uhr ein Schuß los, dem ein wahrer Kugelregen folgte. Nach den Aussagen des Ueberfallenen wurden Leitern an die Hauswand gestellt und dann durch die Fenster in den Wohnraum geschossen. Ein Treffer aus einem Revolver ging Schlombach ins rechte Bein. Mit Scheinwerfern wurde das ganze Haus abgeleuchtet. In ihrer Notlage sprang zunächst die Frau des Maurers aus dem ersten Stock auf die Straße und ihr folgte trotz seiner Verlegungen der stark blutende Schlombach. Nur wie durch ein Wunder tonnte sich der Schwerverlegte noch bis zum Hauſe seines Vaters schleppen. Hier wurde er von dem Arzt Dr. Wondra verbunden. Später brachte man ihn in das Kreiskrankenhaus. Zehn Minuten nach dieser Flucht stand das ganze Haus mit der Wohnung Schlombachs in hellen Flammen. Mit rasender Geschwindigkeit muß sich das Feuer verbreitet haben. Ein Feuerwehrmann, der mit seinem Horn bas Feuersignal im Orte geben wollte, foll von herumstreichenden Nazis daran verhindert worden sein. Am Morgen standen nur noch die Grundmauern und noch immer qualmte der Brand. Neugierige und Protestierende fammelten sich, die das Ereignis erregt diskutierten. Die obdachlojen Familien mußten in benachbarten Häusern, auf Böden und in Kellern Unterschlupf suchen. Unendliches Unheil ist über die ärmffen Familien des Ortes gekommen. Die meisten konnten in der Eile kaum irgendetwas von ihrem Hausstand retten. Der überfallene Schlombach und seine Frau sind nur mit dem Nachthemd bekleidet, geflüchtet und ihr ge= samtes Eigentum ist verlorengegangen. Weinend berichtete die arme Frau, daß auch ihre letzten Pfennige, die sie in einer Blechbüchse aufbewahrte, mit vernichtet worden sind. Der rohe und dreiste Ueberfall auf die Wohnung des schlafenden Arbeiters scheint planmäßig vorbereitet gemesen zu sein. Fremde SA.- Leute waren unter der Führung des Sturmführers Klaud aus Teltow herangezogen worden. Auch in der Versammlung sollen pon dem Leiter der Kundgebung, esfe, wüste Hegreden gegen die Marristen gehalten worden und Schlombach als Brotest im Stadtgemeindeausschuß Gegen Auflösung der Karl- Marx- Schule Fragen an Sahm tischen Vertreters Genossen Faust erklärte der Oberbürgermeister, daß der fommissarisch eingefegte Kultusminister Rust ihm lediglich mitgeteilt habe, daß er beabsichtige, der Karl- MarrSchule den Versuchscharakter zu nehmen. Die gestrige Sigung des Stadtgemeinde- men. Auf besondere Anfrage des sozialdemokra ausschusses, der jetzt als„ Erjah" für die aufgelöfte Stadtverordnetenversammlung fungiert, gestaltete sich anders, als es sich die„ Regierungsparteien vorgestellt haben dürften. Die sozialdemokratischen Vertreter nahmen die letzten Borgänge in der Schulpolitik zum Anlaß schärfsten Protestes und wichtiger Fragen an den Oberbürgermeister. Zur Auflösung der Karl- MartSchule hatten die Sozialdemokraten folgenden Antrag eingebracht: „ Der Stadtgemeindeausschuß beschließt, dem Aufbauschulwesen, seiner besonderen fozialen und pädagogischen Bedeutung entsprechend, jede Förde= rung zuteil werden zu lassen. Insbesondere wird der Oberbürgermeister ersucht, die preußische Staatsregierung aufzufordern, die Karl- Marg Schule, die durch die Berbindung der Aufbauschule mit den grundständigen Schultypen von ganz besonderem Wert ist, in ihrer Eigenart und Organisation zu erhalten und den ohne Benehmen mit den zuständigen Selbstverwaltungsförperschaften beurlaubten beurlaubten Karsen zurückzuberufen." Oberstudiendirektor Dieser Antrag wurde mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei Stimm enthaltung der Nationalsozialisten angenom Die Sozialdemokraten hatten in der Sitzung noch folgende Anfrage eingebracht:„ Durch Rundfunt und Presse, dem in jüngster Zeit üblich gewordenen Weg des Verkehrs zwischen Behörden und Verwaltungen, verkündet der ReichskommisJar im preußischen Unterrichtsministerium, daß vom 1. April 1933 ab der Abbau der Sammelschulen m die Wege geleitet und an den Berufsund Fachschulen der Religionsunterricht ordentliches Lehrfach werden soll. Wir fragen an: Haben mit dem Oberbürgermeister Besprechungen ftattgefunden? Hat der Oberbürgermeister darauf hingewiesen, daß die angekündigten Maßnahmen den Schulfrieden in Berlin ernstlich gefährden müffen und die Organisation des Berliner Schulmejens bedrohen, daß insbesondere die Einführung des Religionsunterrichts als ordentliches Lehriad an den Berufs- und Fachschulen die Stadt mit neuen Ausgaben belasten würde, ohne daß die berufliche oder fachliche Ausbildung der Schüler eine Förderung erfährt? Schädling der nationalen Bewegung bezeichnet worden sein Außerdem lief vor drei Wochen bei Schlombach etn Drohbrief ein, der beim Amtsvor steher in Großbeeren deponiert wurde, und in dem es heißt, daß Schlombach in dieser Zeit den Ort verlaffen soll, wenn ihm sein Leben lieb ist. Noch am Abend des Ueberfalles sollen sogar die Straßen abgesperrt gewesen sein, um eine Ueberführung des Vermundeten in ein Krankenhaus zu ver hindern. Der verlegte Schlombach sagte auf seinem Krankenbett, daß er es selbst kaum glauben kann. noch mit dem Leben davon gekommen zu sein, so viehisch hat man ihn behandelt. Der überfallene Schlombach soll den Reaktio nären besonders verhaßt sein, weil er früher verschiedene Waffenlager in Struweshof und Im gebung aufgedeckt haben soll. murde Die erste materielle Hilfe den bedauernswerten Abgebrannten durch die Sozialdemokratische Partei zuteil, die durch ihren Ortsvorsitzenden einen erheblichen Geldbetrag und die sofort greifbaren Lebensmittel verteilen ließ. Durch die Konsumgenossen schaft Potsdam werden heute die betreffen den Familien mit Lebensmitteln versehen. In der Redaktion des ,, Borwärts" wurde, von einem unbekannten Herrn ein Geldbetrag und ein Bekleidungsstück für die Abgebrannten abgegeben. In telephonischen Anrufen und in Zuschriften von uns politisch Fernstehenden äußerte fich die ungeheure Empörung über den nichtswürdigen Streich. 3m nationalsozialistischen Angriff" fand man gestern abend auch nicht eine Zeile über diesen tollen Streich. Das sagt sehr viel. Italien im Schnee Ueber zwei Meter Schneehöhe Rom, 23. Februar. Ein ungeheurer Schneefall hat besonders den Nordrand der Apenninen zwischen Ravenna und Parma heimgesucht. Die Eisenbahnstreden Florenz- Bologna und Bologna- Mailand sind unterbrochen. Auch der Telephonund Telegraphenverkehr über die Apenninen wat Mittwochmorgen zum Teil gestört. Die großen Nachtschnellzüge von Rom über Bologna nach Benedig, Triest und Mailand mußten in Florenz stehen bleiben. Die aus Norditalien in Bologna erwarteten Züge famen nur mit vielstündigen Verspätungen an. Die Strede JmolaBologna war gänzlich unterbrochen. Im Laufe des Mittwoch wurden die Eisenbahnverbindungen größtenteils wieder aufgenommen, jedoch ist der Verkehr noch immer nicht regelmäßig durchzuführen. Die Schneehöhe beträgt in den meisten Städten rund einen Meter. Zwischen Florenz und Bologna haben sich sogar Schneehöhen von über zwei Meter ergeben. Menschenfeindlicher Hauswirt Zu unseren Ausführungen menschenfeindlicher Wirt" in Nr. 39 des„ Borwärts" haben wir berichtigend mitzuteilen, daß die darin gemachten Angaben, besonders soweit sie sich auf das Haus Heidelberger Straße 75/76 beziehen, zum Teil auf uns gemachten falschen Angaben beruhen. Wir stellen sie wie folgt richtig: Es handelt sich um eine größere heizbare 1½- Zimmer- Wohnung. Der Mieter ist, entgegen seinen Angaben, nicht vollständig erblindet, mas daraus hervorgeht, daß er gegen den Hauswirt gewalttätig vorging; schließlich bestand ein Miete rückstand von mehr als zwei Monaten. All diese Gründe veranlaßten den Hauswirt zur Er mission. Josello wwwww wwww ww Wer erst einmal an Juno DIE JUNO und keine andere gewöhnt ist, wird sich nie wieder von ihr trennen, weil der JUNO- RAUCHER immer aufs neue von dem wundervollen Aroma ihrer edlen Tabake gefesselt wird. Wesensfremde Zugaben wie Wertmarken, Gutscheine. und Stickereien haben für Juno- Freunde keinen Reiz, denn sie wissen genau, daß Juno diese Zugaben ausschließen muß, um ihre Qualität unantastbar zu lassen. Das ist Juno's Plus! Josetti JUNO O/ M.Pand 6 STÜCK 20-9 UNO Unsere Rathaus- Kandidaten Das schaffende Berlin wählt auch am 12. März Sozialdemokraten! Die Berliner Sozialdemokratie hat aus dem Heer der Hand- und Kopfarbeiter die Männer und Frauen ausgewählt, die be sonders berufen sind, die Interessen des arbeitenden Volkes in der Riesengemeinde Berlin zu vertreten. zialdemokratischen didaten für die 12. März sind: Die Namen der soStadtverordnetenkan Kommunalwahl am Wahlkreis 1 Mitte: Riese, Willi, Abteilungsleiter; 2oewy, Siegbert, Rechtsanwalt; Bernau, Friedrich, Angestellter. Wahlkreis 2 Tiergarten: Bublib, Karl, Geschäftsführer; Hennig, Paul, Schlosser; Jordan, Anna, Hausfrau. Wahlkreis 3 Wedding: Klose, Karl, Gemertschaftsangestellter; Dietrich, Gertrud, Hausfrau; Urich, Mar, Büchsenmacher. Wahlkreis 4- Prenzlauer Berg: Döhnert, Adolf, Arbeitsamtsangestellter; Kreuziger, Mag, Magistratsschulrat; Kermes, Georg, Mechaniker. Wahlkreis 5 Friedrichshain: Günther, Willi, Fürsorger; Müller, Gustav, Werkzeug macher; Gutetunst, Christian, Tischler. Wahlkreis 6- Kreuzberg: Litte, Carl, Krantentafsenangestellter; Robinson, Paul, Bertmeister; Barth, Richard, Gemertschafts. angestellter. Wahlkreis 7 Charlottenburg: Gebert, August, Gewerkschaftsangestellter; Hammer, Baul, Angestellter; Lange, Elsa, Ehefrau. Wahlkreis 8- Spandau: Lezinsky, Erich, Redakteur; Kranz, Friz, Mechaniker; Mosni, Charlotte, Hausfrau. Wahlkreis 9 Wilmersdorf: Dr. Korach, Alfred, Arzt und Volkswirtschaftler; Schul. mistrat, Ernst, Angestellter; Dr. Hülsner, Bolismirt. Wahlkreis 10 Berwaltungsbezirke 10( 3ehlendorf), 12( Steglitz), 13( Tempelhof): Klose, Otto, Angestellter; Burgemeister, Otto, Verbandssekretär; Draemert, Richard, Kaufmann; Stubich, Wilhelm, Klempner; hille, Richard, Angestellter; Matern, Friedrich, Stadtrat; Alfermann, Wilhelm, Mechanikermeister; Huhn, Erich, Chemigraph; Flörte, Mar, Schlossereibefizer. Wahlkreis 11- Schöneberg: Flatau, Erich, Angestellter; Hepprich, Paul, Arbeiter; Raspar, Frig, Heimleiter. Wahlkreis 12 Neukölln: Harnisch, Her. mann, Angestellter; Bormann, Anna, Haus. frau; Dr. Lö menstein, Kurt, Stadtrat. Wahlkreis 13 Berwaltungsbezirk 15( Trepfow) und 16( Köpenid): Strieber, Wilhelm, Angestellter; Klatt, Friedrich, Gewerkschaftsangestellter; Lempert, Hermann, Architeft; Tolksdorf, Mar, Angestellter; Neumann, Friz, Mechaniker; Janfomsfi, Marie, Ehefrau. Wahlkreis 14 Lichtenberg: Arndt, Ernst, Kaufmann; Rogaz, Georg, Gewerkschaftssekretär; Schulze, Georg. Angestellter. Wahlkreis 15 Berwaltungsbezirke 18( Weißenrat a rat a. D.; Surgaß, Paula, Fürsorgerin; Rohde, Robert, Gemertschaftsangestellter; Dr. Meyer Brodniz, Franz, pratt. Arzt; Siegle, Karl, Gewerkschaftssekretär; Gutschmidt, Franz, Geschäftsführer; Dr. Menzel, Hans, Ministerialdirektor i. e. R., Buchholz, Emil, Krankenkassenangestellter; Reinhold, Walter, Redakteur; Krille, Richard, Geschäftsführer; Schwarz, Gustav, Sekretär; Leh= mann, Albert, Verbandsleiter; Günther, Dito, Diplomvoltamiri; Rosenthal, Frieda, Stiert vom Schülerorchester des Realgymnasiums. Gespielt wird Kleists Kätchen von Heil. bronn". Eine aus der Künstlerschar hält eine fleine Begrüßungsrede und bittet um Nachsicht, weil die Lehrerinregisseurin mitten aus den Proben heraus nach einer anderen Schule versetzt wurde und sich so die Spieler selbst weiterhelfen mußten. Es war aber gar nicht notwendig, um wohlwollende Beurteilung zu bitten, denn es flappte alles. Bon wirklicher Begeisterung und Sozialdemokratische Partei Deutschlands Bezirksverband Berlin Montag, den 27. Februar, findet im Sportpalast eine große jee), 19( Pankow), 20( Reinickendorf): Haß, Fürsorgerin; Reichert, Mag, Angestellter; Kael Maex Johannes, Gewerkschaftsangestellter; Amberg, Hermann, Stadtamimann; Faust, Otto, Reftor; Koch, Otto, Gewerkschaftsangestellter; MühI= mann, Josef, Angestellter; Jahn, Mar, Gewertschaftsangestellter; Kreutlein, Gustav, Fürsorger; Stiegler, Friedrich, Schriftseger; Löffler, Gustav, Schlosser. Stadtwahlvorschlag: Wuzky, Emil, StadtBeidler, Ellen, Hausfrau; Palmer, Karl, Techniker; Franten, Flora, Hausfrau; Gron, Ernst, Gewerkschaftsangestellter; Moldmann, Otto, Angestellter. Auch für die Gemeindewahl gilt di Parole: Berlin bleibt rot! Wir wählen Liste 2, Sozialdemokraten! Arbeiter- Festkonzert Georg Oskar Schumann zu Ehren Georg Ostar Schumann, Dirigent der be tanntesten und größten Berliner Männerchöre, des Berliner Lendvai- Chors, Neuköllner Sängerchors, Sängerchors Berlin 1900, Gem. Chors BerlinBohnsdorf und Hoffmannschen Liederkranzes 1859 E. B. Spandau, Bundesdirigent des Deut schen Arbeiter Sängerbundes, Gau Berlin, Sohn des Januar 1932 verstorbenen bekannten Solo- Waldhornisten des Berliner Philharmonischen Orchesters Oskar Schumann, begeht am Montag, dem 27. Februar, seinen 30. Geburtstag. Schumann leitete schon mit 20 Jahren den ersten Chor( Männerchor„ Einigkeit 1878", 50 Sänger), und nimmt seit einer Reihe von Jahren eine führende Stellung im Berliner Musit. leben ein. Eine große Anzahl Werte a cappella und mit Orchester namhafter Komponisten wie Walter Draeger, Paul Ertel, Martin Grabert, Ottmar Gerster, Hugo Kaun, Ermin Lendvai, Hermann Scherchen, Otto Siegl, Frizz Steined, Heinz Tiefsen, wurden durch ihn in Berlin, durch Rundfunt und auf Konzertreisen( Rhein, Schlesien, Freistaat Danzig usw.) ur- und erstaufgeführt. Seit 1928 dirigiert Schumann Gasttonzerte mit dem Berliner Sinfonie- Orchester und dem Ber. liner Philharmonischen Orchester. Der Neuköllner Sängerchor und der Gem. Chor Berlin Bohnsdorf veranstalten unter Mitwirkung des durch Rundfunk bekannten ,, Berliner Konzertverein- Orchesters" am Montag, dem 6. März, im Saalbau Friedrichshain ein großes Fest fon zert. Beginn 8 Uhr, Saalöffnung und Abendtaffe 7 Uhr, zu dem billigen Eintrittspreis von 50 Pfennig. Reichsbanner- Aufmarsch Wie uns zu unserer Meldung über das Verbot eines Aufmarsches der Kreise Osten und Norden des Berliner Reichsbanners am tommenden Sonntag mitgeteilt wird, hat die Polizei den Aufmarsch durch Moabit verboten. Das Playtonzert auf dem Rudolf- Wilde- Blag darf nicht abgehalten werden. Das ,, Kätchen" von Lichtenberg Großer Theaterabend in der Aula des ReformRealgymnasiums in Lichtenberg, Bartaue. Dicht bet dicht figt das Schülerpublikum, Eltern, Lehrer und Freunde. Das„ Ensemble" sind die größeren Schülerinnen bes Cäcilien 2izeums, assi3967 Gedenkfeier zum 50. Todestage des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus statt. Die Gedenkrede hält Arthur Crisplen. Mitwirkende: Martha John, Anni Wellhammer, Erich Schmidt, Otto Lutz, Julius Klee, Kurt Klawitter, Bruno Kettner Chöre des Arbeiter- Sänger- Bundes: Berliner Lendvai- Chor, Neuköllner Sängerchor, Sängerchor Berlin 1900, Blasorchester des Berliner Konzert- Vereins. Dirigent der Chöre und des Orchesters: Georg Oskar Schumann. Beginn 19% Uhr, Saalöffnung 18 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf., für Erwerbslose 25 Pf. Karten sind bei den Funktionären und im Büro des Bezirksverbandes der SPD., Lindenstraße 3, zu haben. spielerischer Begabung getragen, entrollte sich des seltsamen Mädchens Schicksal, das durch alle Nöte und Gefahren hindurch dem Herzliebsten folgt. Ein rührend- blondes Kätchen stand da auf der selbst. gezimmerten Szene. KPD.- Versammlung aufgelöst Die Wahlfundgebung der Kommunistischen Partei im Sportpalast wurde gegen 22 Uhr polizeilich aufgelöst, als der Redner Wilhelm Pied die Einführung des Religionsunterrichts in den Berufs- und Fachschulen kritisierte und in diesem Zusammenhang meinte, daß die Arbeiter. finder lieber etwas zu essen hätten und auf den Trost im Jenseits verzichteten. Der überwachende Kriminalbeamte erblickte hierin eine Berächtlich machung der Religion und löste die Versammlung auf, was zahlreiche Rot- Front" Rufe und den Gesang der Internationale auslöfte. Polizei. beamte räumten bann den Sportpalast, ohne daß es zu weiteren Zwischenfällen tam. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit find Berlin 688 68. Lindenstraße& für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat & Sof, 2 Treppen rechts, an richten Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern feine besondere Zeitangabe! Freitag, 24. Februar. 2. Areis. Filmabend in der Aula ber kleiftschule, Levegowstr. 1-4. Film: Lichter der Großstadt. Eintritt 40 Pf. Vorstellungen beginnen um 18 und 20 Uhr. 38. Abt. Abrechnungen der Marg- Feier" Billetts heute, Freitag abend beftimmt mit dem Raffierer. 108. Abt. Erwerbslosenzusammenkunft um 17 Uhr an bekannter Stelle. 129. unb 131. Abt. Deffentliche Rundgebung im Pankower Gesellschaftshaus, Berliner Straße. 143. Abt. 19 Uhr Anschlagsäule Oraniendamm( Bersammlung Wittenau). Sonnabend, 25. Februar. 11. Abt. Zahlabend an bekannter Stelle. Sonntag, 26. Februar. 103. Abt. Ausstellung ber Rinderfreunde im Jugendheim Laufener Str. 2. Um regen Besuch bittet die Abteilungsleiterin. Frauenveranstaltungen: Zum Frauennachmittag wurden mehr Karten ausgegeben, als Pläge im Wintergarten vorhanden sinb. Da diesmal die Karten restlos perlauft worden find, müssen wir nun die Frauenleiterinnen bitten, dafür zu sorgen, daß von jeber Abteilung 2 Karten zurüdgegeben werden. Wir müssen auf dieser Bitte bestehen, ba sonst die Zulegtkommenden keinen Einlaß mehr fänden. Das Frauensekretariat. 3. Abt. Unsere Rinoveranstaltung fällt aus. Am Sonntag, 26. Februar, beteiligen fich alle an der Kreis- Rinoveranstaltung. 137. Abt. Freitag, 24. Februar, im Boltshaus Scharnweberstraße, Fortsegung der Arbeitsgemeinschaft mit dem Genoffen Paul Bernstein. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 7. Areis Charlottenburg. Freitag, 24. Februar, 19% Uhr, Rathaus, Zimmer 1, 2. Rurfusabend über ,, Soziale Gerichtshilfe". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Die für hente vorgesehene Vorstandssigung fällt aus. Mitte, Abt. W. Liebknecht: Am Sonntag treffen wir uns um 9 Uhr am Bahnhof Jannowigbrücke zur Rebelfahrt nach dem Grunewald. Schlitten mitbringen. Webbing: Unsere Rinoveranstaltung fällt der Grippe wegen ganz aus. Nur bei Burüdgabe der getauften Karten an die Gruppen helfer erfolgt Rüderstattung des Geldes. Steglig: Heute muß die Kreis- Singestunde ausfallen. Dafür seimabende. Kreis Reukölln, Abi. Lichttämpfer: Jung, und Rote Falten heute, Freitag, 17 Uhr, Gemeinschaftsstunde, Jugendheim Bergfir. 29. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei Organisation 24a. bt. m 18. Februar verstarb Genoffin ofa sädide, Straße 57, Ser. 14. Chre ihrem Andenten! Einäicherung Freitag, 24. Februar, 18% Uhr. Arematorium Gerichtstraße, Um tege Beteiligung wird gebeten. 35. Abt. Unfer Genoffe ih. Sitfte ist nach langer Krankheit ver. ftorben. Biz merben ihm stets ein ehrendes Anbenten bewahren. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Heute, Freitag: Freiheit: Sugendheim Baffertorftr. 4. Martha John mit threm lustigen Programm. Charlottenburg: Jugendheim Spreeftr. 30. Gutheit bringt Neues. Nordring: Jugendheim Schule Sonnenburger Straße 20. Uns geht der Sut hoch. Hermannplag: Jugendheim Sanderstr. 11, Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Ede Sobrechtstraße. Razneval. Straße 18. Reue Formen gewerkschaftlicher Jugendarbeit. Zeppelinplag: Reisiden Jugendheim Turiner Ede Seestraße. Gleichberechtigung der Frau dorf- Oft: Jugendheim Lindauer Straße( Baraden). Politisch- satirischer Karneval. Adlershof: Jugendheim Ablershof ,, Bismardite. 1. Die Jungen schwingen dicke Töne. Herzbergplag: Jugendheim Treptower Str. 96. Erlebnisse aus der Fremdenlegion. Flughafen: Jugendheim Schule Marienborfer Weg 69-70. Der ewige Krieg im Often. ende. Prenzlauer Berg: Jugendheim Gleimstr. 35. Wir Tefen unterhaltende Literatur. Webbing: Jugendheim Willdenowftr. 5, 2 r. Bursche und Mädel in der Gruppe. Schönhauser Tor: Jugendheim Zehdenicker Straße 17. Die Gewerkschaften in anderen Ländern( Frankreich- Spanien). Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, folgende Veranstaltungen: Briz: Gemeinschaftshaus in der Hannemannstraße der Bau- und Spargenossenschaftsdeal". Rabarettabend. Südwest: Jugendheim Nordstr. 11( 2. Sof, Quergebäude Aufgang II, 8immer 4). Wir lernen neue Bieder unter Zeitung von Fris Weisftod.- Die Berliner Druderei und Berlagsgesellschaft m. b. S. tagt heute pon 20 bis 22 Uhr im Berbandshaus, Hedemannstr. 12. Die Photogruppe tagt Don 18 bis 21% Uhr in der Dunteltammer des Sugendheims Frankfurter Allee 307, Quergebäude II. ,, Gemeinschaft für moderne Festgestaltung." Uebungsabend von 20 bis 22 Uhr im Altersheim Danziger Str. 62( Berlin NO). Berufsschülerversammlung heute, 20 Uhr, im großen Gigungsfaal unferes Verbandshauses. Die Tagesordnung ist in den Jugendbezirken durch die Jugend. funktionäre bekanntgegeben worden. An der Bersammlung sind teilnahme. berechtigt nur 80A..Mitglieder, die fich als folche ausweisen tönnen und die noch die Berufsschule besuchen, fomie bie Sugendfunktionäre. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14, Sebastianstr. 37-38, Hof 2 Tr. Kreis Rorden: Freitag, 24. Februar, 20 Uhr, Funktionärkonferens bes Kreises im Sportrestaurant, Cantianstraße. Kreuzberg( Orts. verein): Freitag, 24. Februar, Antreten 17 Uhr Fontanepromenade, ohne Fahnen, Spielmannszug mit Instrumenten. Anzug: Bundeskleidung. Urbeiter Rabio- Bund Deutschlands E. B., Detsgruppe Groß- Berlin. Mon tag, 27. Februar. Friedrichshain: Wertalla, Hohenlohestr. 3. Bastelabend. Dienstag, 28. Februar. Prenzlauer Berg: Klug, Danziger Straße 71. Gruppenabend. Tempelhof- Lindenhof: Enthstr. 48, Flur rechter Ein. gang. Bastelabend. Wilmersdorf: Alte Wilmersdorfer Klause, Berliner Straße 53. Gruppenabend. Freitag, 3, März. Charlottenburg: Beh mann, Rönigsweg 8. Fertigstellung des Schulgerätes. Lichtenberg: Bibliothet, Weichselstr. 28. Gruppenabend. Neukölln: Klemt, Berliner Str. 100. General. versammlung. Kreuzberg- Tempelhof: Wiersdorf, Urbanstr. 6. Gruppenabenb. Gesundbrunnen: Kleines Gewerkschaftshaus, Stettiner Straße. Bahlabend. Basteln. Gesundbrunnen: Kostümfest am 18. März in den Atlantic- Sälen ( Spiegelsaal), Lichtburg. Karten find im Tagungslokal zu haben. Gäste herzlich willkommen. Spandau: Anschrift Ostar Linte, Spanbau, Eschenweg 10. Esperanto- Gesellschaft Charlottenburg. Montag, 27. Februar, 20 Uhr, Logenreftaurant Charlottenburg, Berliner Str. 61, Klubzimmer. Uebungen für Unfänger und Fortgeschrittene. Schwierige Ueberfegungen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Seren S. Alffen: Die Gegenwart im Spiegel der Literatur". SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Einsendungen für diese Rubrtt nur an bas Sugendfekretariat Berlin S. 68. Lindenstraße 2. porn 1 Treppe rechts. Banderauskunft heute gefchloffen. B2. holt heute ab 15 Uhr die 3." ab. Die Abteilungen Arnimplas, Baltan, Charlottenburg- Nord, Weftend, Fried. richshain, Sumboldthain, Rarop, Moabit II, Rautölln VII, Nordosten I, Nord. often, Petersburger Viertel, Schönereide I) Genefelderplas müffen noch Delegierten und Sugendbeirat angeben. ww Heute, Freitag, 20 Uhr. Arlonaplag: Bebel- Gedenktag. Rosenthaler Borstabt: 5- Minuten- Referate, Gewerkschaftshaus: Satirischer Abend. Zentrum Tagespolitik. Sanja: Besuch des Filmabends der Partei. Moabit 1: Fahrtenerlebniffe. Moabit II: Tagespolitik. Sportpalaft: Sozialistiche Erziehung in Schule und Haus. Gesundbrunnen II: Tagespolitit. Norben: Bunter Abend. Arnimplag: Die Alten erzählen. Arnswalder Plag I: Arbeitersport. Faltplag: Musik und Liederabend. Hohenschönhausen: Betriebsrätegefes. Norboft I: Tagespolitif. Senefelberplag: Die Mädel gestalten den Abend aus. Beißensee: Tischtennis. Andreasplag I: Heimabend. Baltenplag: Sight bilder: Winterbilder vom Erzgebirge( Hans Baluschet). Frankfurter Biertel: Deutschlands Gleichberechtigung. Petersburger Viertel: Unser Wandern. Stralauer Biertel: Was ist Margismus? L Barschauer Biertel: Jugend. gerichtshilfe und fürsorge. Barschauer Biertel RF.: Mufit am Monats. Luisenstadt: Lustiger Abend. Reichenberger Biertel: Tages. politik. Charlottenburg: A. G. IV. Charlottenburg- Süb: Intellektuelle in ber Arbeiterbewegung. Spandau: Lustiges Monafsende. Sichterfelbe: 10- Minuten- Referate." Steglig II: Heimabend. Brig: Bunter Abend. Neukölln 1: Arbeitsgemeinschaft.- Neukölln III: Sozialistische Entwidlung, IL Rentölln IV: Mitgliederversammlung. Reukölln VI: Betriebsorganisation. 1 Reukölln VIII: Entwidlung der Arbeiterbewegung, L. Reutöiu IX: Fünf -P jahresplan in Rußland. Reukölln X: Reichsturatorium. Neukölln X ( Aeltere): Tagespolitik. Neukölln XI: August- Bebel- Gedenkfeier. Rudom: Dora hat das Wort. Baumschulenweg: Bub und Mädel. Johannisthels Kurt- Eisner- Gebentfeier. Trepfom: Ruct Eisner- Friedrich Ebert. Ablers. hof: F. Sigung. Bohnsdorf- Faltenberg: Liederabend. Köpenid I: Seim abend. Köpenid II: Mädelabend. Sübars: Hermsdorf: Wir gehen baben. Politisches Latabarett. Tegel. Freie Scholle: Tagesvolitit. Tegel: Tifch tennis- und Brettspielabend. Reinidendorf- West: Aufbau und Aufgaben bes Staates. Wittenau: Der Ferne Often. Reinickendorf- Ost: Die politische Lage. Nieberschönhausen: Unser Weg zur Macht. Razow: Baden bei A. Koch. Buchholz: Lustiges Monatsende. Gesundbrunnen I: Führer der Internationale. Werbebezirk Schöneberg: 19 Uhr Ebersmarkt. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Morgen Funktionärkursus des. 9. R. D. Werbebezirk Lichtenberg: 19% Uhr Rundgebung in der Aula ber Schule Lichtenberg, Schlichtallee. Referent: S. Aufhäuser, M. b. R. Fahneneinmarsch. A.Lefter Sonderangebote Kassler- Bauch. .pro Pid. Mk. 0,68 Kassler Kamm und Schuft 0,78 99 " Dickbein mit Splizbein, frisch u. gep.. Geräuch, Schweinebacken( z. Koch.) 0,52 4 0,60 99 10 " Schinkenecken( fett) 0,75 " 9 Landrauchwurst, grob.... Feine Leberwurst 0,90 0,98 90 W Fleischwurst. 0,78 " Jagdwurst und Mettwurst, fein ( Braunschweiger Art i. Rg.) " 0,98 0,78 Geräuch. Gänsebrust im ganzen Molkerelbutter... 1,05 99 10 S Feinste Molkereibalter 1,10 Fetter Rückenspeck O " 1,60 0,52 ...... pro Pfd. Feinste Margarine Hauskost".. Pid. Pak.. c, 25 0,95 Rohschmalz Einpfunddose Stangenspargel, stark. Zweipfunddose, 1,65 0,85 . Einpfunddose Brechspargel, stark..Zweipfunddose, 1,55 Gemüseerbsen.... Zweiplunddose. 0,60 Heffers Bienenhonis-Glas ca 425 g Inhalt netto Hefters Bienenhonig Glas Inhalt netto... ca. 212 Erst einmal bald ofter dann immer " " 1,05 0,00 A. Defter FERNSPRECHER A6 MERKUR 6040-6045 SEIT 80 JAHREN Brolats Freispruch beantragtnu Das Urfeit Im Brolat- Prozeß erfolgt erst am Sonnabend. Die zweite Hälfte der gefitigen Gerichtsfihung war von dem Plädoyer des Verteidigers Dr. Nübell und den Repliten ausgefüllt. Der Verteidiger schilderte die Entstehung und den Werdegang des Meineids. verfahrens gegen Brolat und versuchte in überzeugender Weise, die Anklagepunkte zu entkräften. Er bestritt sowohl den wissentlichen als auch den fahrlässigen Falscheid und beantragte die Freisprechung des Angeklagten. Rechtsanwalt Dr. Nübell begann mit der Feststellung, daß das Gericht vor einer äußerst schwierigen Aufgabe stehe. Die Staatsanwaltschaft habe den Prozeß groß aufgezogen; sie habe versucht, ihn in Beziehung zu dem großen Silaret- Prozeß zu bringen und auch durch den ungeheuerlichen Strafantrag Eindrud auf die Schöffen zu machen. Der Strafantrag des Ersten Staatsanwalts Romberg erscheine um so ungeheuerlicher, als die Stadtbankdirektoren, die der Stadt 11 Millionen Berluste zugefügt haben, nur wenige Monate Gefängnis und Sklaret nur 4 Jahre Zuchthaus erhalten haben. Der Anflage liege ein Aussageprotokoll zu grunde, das nichts weniger als vorbildlich zu nennen sei Der einzige Zeuge, der über die Richtigkeit des Protofolls aussagen könne, set der Regierungsrat Tapoljti. Was Brolat damals gesagt habe, miffe er nicht. Wohl misse er aber, mas er nicht gesagt habe, und zwar habe er nach Ansicht dieses Zeugen nicht gesagt, mas im Protokoll nicht drin stehe. Im Protokoll stehe aber nach Bekundung dieses selben Zeugen vieles nicht drin, was in Wirklichkeit geschehen sein soll. So stehe darin nichts über GA.- Sadismus Jugendgenossen niedergeschlagen Frauenfund Aus dem Südosten Berlins wird uns von einem brutalen Ueberfall einer Horde Nationalsozialisten auf vier Mitglieder der Arbeiterjugend, unter denen sich ein Mädchen befand, berichtet. Zwei der jungen Leute erlitten furchtbare Gefichtsverlegungen. Die Täter fonnten leider enffommen. Nach der sozialdemokratischen gebung in der Hasenheide strebten die vier Jugendgenossen den elterlichen Wohnungen im Osten Berlins zu. Als die kleine Gruppe durch die Laufizer Straße ging, vertraten ihnen plötzlich 25 bis 30 zum Teil uniformierte Nationalsozialisten den Weg Brutal schlugen die Braungardisten auf ihre Opfer ein. Dem 15 Jahre alten Arthur Henschel wurden fämtliche Zähne eingeschlagen. Dann zerrten die Burschen den jungen Menschen an seinen Haaren die Straße entlang. Der Jungarbeiter Willi Lorenz erlitt bei dem Ueberfall startblutende Kopfperlegungen. Polizeibeamte des Reviers in der Staliger Straße nahmen sich der Ueberfallenen an und sorgten dafür, daß ihnen Notverbände angelegt wurden. Wie weiter berichtet wird, waren den Ueberfallenen bereits vor Erscheinen der Polizei Reichs. bannerfameraden und Kommunisten zu Hilfe geeilt. Die feigen Burschen ergriffen darauf die Flucht und enttamen. Die Täter sollen aus der SU- Kaserne in der Schlesischen Straße stammen. Urteil am Sonnabend die Eidesbelehrung, über die Aussetzung der Bereidigung, über Borlegung eines bestimmten Protokolls und dergleichen mehr Wenn aber das Protokoll in diesen Punkten mangelhaft sei, mes= halb sollte es dies auch nicht in anderen Punkten fein. Rechtsanwalt Dr. Nübell befaßte sich darauf eingehend mit jedem einzelnen Anflagepunkt. Es handele sich dabei, sagte er, im ganzen um wenige Worte, die strittig feien, nämlich um die Worte: ,, Nur dienstlich und nur flüchtig!", unmittelbar" und ,, im allgemeinen". Die Staatsanwaltschaft beschäftige sich hierbei mit einer Silbenstecherei, die dem Laien geradezu unverständlich sei. In volkstümlicher Weise, die den Schöffen einzuleuchten schien, führte der Verteidiger den Beweis, daß Brolat in feinem einzigen Falle sich einer falschen Aussage schuldig gemacht habe. Wie schlimm es mit der Anklage stehe, sei allein schon aus dem Umstande zu ersehen, daß das TapolsfiProtokoll und die Zeugenaussagen, die eine Er gänzung oder, mie es jetzt behauptet wird, eine Widerlegung dieser Aussagen darstellten, der Staatsanwaltschaft drei Jahre befannt gewefen feien auch dem Generalstaatsanwalt Wilde und dem Oberstaatsanwalt Steinäder, es sei aber niemand ein gefallen, einen Meineid zu fon. struieren. Brolat habe sich wiederholt auf diese Aussage vor Tapolsti berufen, habe wieder. holt gebeten, ihn zu vernehmen, habe bereits im September 1930 das Amtsgericht Wedding ersucht, ihn erneut zu laden, falls einige Puntte des Protofolls noch aufzuflären feien, er habe schließlich Arbeiter handeln, der der Kommunistischen Partei nahesteht. Der ebenfalls bei derselben Schießerei durch einen Bauchschuß lebensgefährlich verletzte Arbeiter Gieside aus Spandau liegt noch bedenklich danieder. Ob er mit dem Leben davon tommen wird, ist noch fraglich. Bon den Tätern und Gegnern, die zweifellos in rechtsradikalen Kreisen zu suchen sind, fehlt noch jebe Spur. Am Fenster erschossen! Tragischer Tod eines Arbeiters Bei einer Schießerei, die sich in der Donnerstagnacht in der Wriezener Straße im Norden Berlins abspielte, wurde der 29 Jahre alte Arbeiter Walter Pache am Fenster feiner Wohnung in der Briezener Straße 10 von einer Kugel getroffen und durch einen Kopfschuß getötet. Gegen 1 Uhr trachten in der Briezener Straße furz hintereinander fünf bis sechs Schüsse. Mehrere Bewohner der sehr ruhigen Straße maren auf die Detonation der Schüsse ans Fenster geeilt. Das wurde dem Arbeiter Bache zum furchtbaren Berhängnis. Eine verirrte Sugel traf P. in den Kopf. Die Verlegung war auf der Stelle tödlich. Die Mordkommission und Beamte der politischen Polizei erschienen alsbald am Tatort. Bisher ist es nicht gelungen, die nächtliche Schießerei aufzuflären. Es wird vermutet, daß eine Klebekolonne mit politischen Gegnern zusammengeraten ist und babei aufeinander geschossen wurde. In der Mauerstraße in Spandau wurde Drittes Opfer in Spandau der 32 Jahre alte Arbeiter Richard Kunzel aus Die nächtliche Schießerei in der Potsdamer Straße in Spandau hat leider noch ein drittes Im Städtischen Todesopfer gefordert. Krankenhaus Spanbau ist gestern der 30 Jahre alte Arbeiter Richard Glow, der am Stresomplay in Spandau wohnt, seinen schweren Berlegungen erlegen. G. hatte einen Schuß in den Bauch erhalten. Bei G. soll es sich um einen Spandau, Lindenufer 32, mit einem schmeren Oberschenkelschuß aufgefunden. Polizeibeamte brachten den Berlegten ins Städtische Krankenhaus Spandau. K. foll angeblich parteilos fein. Offen. bar ist der Mann bei einer Schlägerei oder Schießerei zu der Berlegung gefommen. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. auch während des Stlaret- Prozesses und nach diesem gebeten, ihn zu vernehmen ohne Erfolg. Als dann gegen ihn das Verfahren wegen Begünstigung und unlauteren Wettbewerbes eingeleitet worden sei, da habe er vor dem Untersuchungsrichter feine im Stlaret- Prozeß gegebene Darstellung wiederholt. Auch damals sel tein meineidsverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Erst nach Einstellung des Verfahrens wegen unfauteren Wettbewers und Begünstigung sei von einem solchen in der Presse bekanntgeworden. Am Schluß des Einstellungsbescheides hieß es, daß sich im Laufe der Ermittlungen gegen Brolat der Berdacht der Eidesverletzung ergeben habe. Ein derartiges Verfahren sei in der Geschichte der deutschen Rechtspflege noch nicht dagewesen. Es fehle aber auch jedes Motiv für eine falsche Aussage beim Regierungsrat Tapolski. Es sei lächerlich zu behaupten, Brolat habe etwas verschmiegen, meil er befürchten mußte, durch wahrheitsgemäße Aussage feine Stellung als BBG.. Direktor zu gefährden. Gefährdet wurde sie erst tugel, nachdem er bis zur letzten Stunde seines Lebens für Bolt und Arbeiterklasse tätig gemesen war. Die Eine sehr lebhafte Ausfprache über die ge plante Verwaltungsreform und die Siche rung der Arbeitslosenfürsorge folgte. Es beteiligten fich die Benossen Stoll Fürstenwalde, Geift. Finsterwalde, Bopf Wurzen, Spliedt. AGDB., Fleischmann Nomames und andere. Die Sozialdemokratie lehnt die Pläne ab, die bahin gehen, die Gemeinden mit einer Einwohner. zahl unter 10 000 den Landräten zu unterstellen. Eine folche Unterstellung würde eine mettere Be schränkung der Städtefreiheit darstellen. Frage der Erhaltung der Arbeitslosenversicherung und die Schaffung einer ausreichenden Fürsorge für die Opfer der Wirtschaftstrife erfüllen die fozialdemokratischen Bertreter in den Kommunal verwaltungen mit größter Sorge. Die Erhaltung der Versicherung erscheint ihnen als eine unbe dingte Notwendigkeit. Spliedt- ADGB. mies darauf hin, daß die Verhandlungen für diese Siche rung unter dem Reichsarbeitsminister Syrup schon meit gediehen waren. Was jetzt unter der neuen Regierung fäme, wisse man nicht. Die Kommunal vertreter beleuchteten die ungeheure finanzielle Belastung namentlich auch der kleineren Städte durch die immer wachsenden Ausgaben. Der Rest des Abends war einer Aussprache über die Bebrückungen gewidmet, denen sozial demokratische Beamte unter dem neuen Kurse aus gesetzt sind. burch Einleitung bes Ermittlungsverfahrens Geldsammler überfallen wegen Begünstigung. Er wurde damals von seinem Posten suspendiert, das Berfahren gegen ihn jedoch nach sechs Monaten eingestellt. Die Eröffnung des Meineidsverfahrens wurde anfangs nur mit zwei Punkten begründet. Erst später machte man einen britten ausfindig. Alle drei Punkte seien an den Haaren herangezogen. Brolat müsse freigesprochen werden. In seinem Schlußwort erflärte Brolat, er set polltommen unschuldig. Winterhilfe- Tombola Sonnabend im Columbushaus Am nächsten Sonnabend veranstaltet die Berliner Winterhilfe ihre zweite Tombola im Columbushaus am Potsdamer Plaz. Die Spenden für die Tombola sind dieses Mal noch zahlreicher und reichhaltiger eingegangen als bei der ersten Veranstaltung. An Hauptgewinnen find zu verzeichnen: eine Reise nach England, eine Reiseschreibmaschine, Möbelstücke, ein Koffergrammophon, Kleidungsstüde usw. Auch Silbersachen sind gestiftet worden, außerdem eine große Menge von Zigarren, Zigaretten, Büchern, Seifen, Parfümerien; schließlich Lebensmittel: Mehl, Katao, Wein, Litöre, Schokolade und so fort. Die Tombola enthält teine Nieten; jedes Los gewinnt, das Los tostet 1 Mart. Der Rein. ertrag der Tombola tommt ausschließlich der Berliner Winterhilfe zugute. Die Tombola wird am Sonnabend, 11 Uhr, geöffnet. Um die Kommunen Sozialdemokraten und Städtebund Die Tagung des Reichsstädtebundes gab der fommunalpolitischen Zentralstelle beim Parteivorstand der Sozialdemokratie Veranlassung, eine Gruppenfihung der sozialdemokratifchen Teilnehmer in den Sigungsfaal im Parteihaus, Lindenstraße 3, zu berufen. Nachdem der Vorsitzende Mag Fener die Erschienenen begrüßt hatte, erhob sich die Ber sammlung zu einer Minute mürdigen Gedenkens: Fechner hatte in furzen schlichten Worten aufge. fordert, das Gedächtnis an den ersten Bürgermeister von Staßfurt, den sozialdemokratischen Abgeordneten Hermann Ka sten, zu ehren, der als Fachmann in allen fommunalpolitischen Fragen seit acht Jahren im Vorstand des Reichsstädtebundes saß und nicht nur ein Kämpfer für fozialistische Gemeindepolitif, sondern vor allem ein guter Mensch und braver Freund gewesen ist. Er starb am 4. Februar als Opfer einer morb. Wie uns von einem Augenzeugen berichtet wird, wurde gestern abend gegen 18.30 Uhr ein Geldsammler der KPD. unweit der Warschauer Brücke von etwa 10 Nationalsozialisten überfallen. Die Hakenkreuzler schlugen auf den Kommunisten ein. Er erlitt erhebliche Verlegungen und mußte fortgebracht werden. Die Sammelbüchse mar plötz lich verschwunden, offenbar ist sie von den Tätern gestohlen worden. Im Anschluß an den Ueberfall wurde ein Nazilofal in der Petersburger Straße von der Polizei durchsucht. Die Aktion verlief jedoch ergebnislos. Bom Polizei präsidium wird erklärt, daß ein Bassant um 18.30 Uhr in der Petersburger Straße von un bekannt gebliebenen Tätern mit einem harten Gegenstand am Kopf verlegt murde. Mit einer Gehirnerschütterung mußte der Ueberfallene ber Krüger heißt, ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Ein Freund ging dahin... Wieder beklagt die Berliner Partei den Tod eines ihrer besten Genossen. Nach eben nollenbetem 75. Lebensjahr wurde Franz Neumann aus ihren Reihen gerissen. Der Verstorbene hatte 46 Jahre lang seine Kraft, zuletzt als stellver tretender Abteilungsvorsteher in der Maschinenfegerei, dem Vorwärts" Betrieb zur Verfügung gestellt. Schon bei der Herstellung des Berliner Bolksblatts", dem späteren Vorwärts", wirfte er mit. Ausgestattet mit reichem Allgemeinwissen stand er seinen Mitarbeitern stets mit Rat zur Seite. Alle, die mit ihm zu tun hatten, ge▾ wannen ihn megen seines bescheidenen, auf richtigen Wesens und seines edlen Charakters zum lieben Freund und guten Kameraden. Der Partei und dem Buchdruckerverband gehörte er über fünf Jahrzehnte an. Wie wird das Wetter? Ju Berlin: Zeitweise aufheiternd, ohne erheb. liche Schneefälle, mäßiger Frost, schmache westliche Winde. 3n Deutschland: Allgemein Nachlaffen der Niederschlagsneigung, Frostmetter überall fortdauernd. Briefkasten $. 87. Befprechen Sie die Angelegenheit mit dem Finanzamt. Nach unserer Ansicht haben Sie teinen An Spruch auf Ausgabe von Steuergutscheinen.$. B. 8167. 1. Ja, ba Thr Jahreseinkommen mehr als 900 m. beträgt. 2. Nein. 8. 8weifelhaft. Wir raten, bei dem zuständigen Steueramt die Niederschlagung der Steuer zu beantragen. 2. M. 66. Nach unserer Ansicht sind Sie zur Tragung der Rosten nicht verpflichtet. 50. Sa. R. Paul. Wir bitten um Angabe Ihrer Adresse KARSTADT Lebensmittel sind immer gut WURSTWAREN KONSERVEN KOLONIALWAREN GEFLÜGEL U. WILD Berl. Mettwurst...... Pfd 0.68 Speck mager 0.88, fett Pfd. 0.78 Braunschweiger.... Pfd. 0.84 Feine Leberwurst... Pfa 0.98 Cervelat u. Salami Ptd. 1.05 Schinkenspeck...... Pfd. 1.06 FRISCHFLEISCH Rindertalg, ausgel... Pfd. 0.32 Ochsensuppenfleischan 0.48 Ochsschmorbraten gesp. o. K. 0.78 Hammelkeule.... an Pfd. 0.68 Schweinebauch..... Pfd 0.66 Schweine- Schinken m. B. Pfd. 0,68 Kalbshaxe........ an Pfd. 0.45 Karotten, geschn. 1, Ds. 0.26 Hsh. Gemüse getr.Erbs. 1, Ds. 0.34 Schnittbohnen..... Ds. 0.39 Kohlrabi............ Ds 0.42 Spinat..... Ds. 0.45 Brechsparg., Ig. Abschn. Ds. 0.95 BUTTER UND KÄSE Gutsbutter........... Pfd. 0.98 Markenbutter....... Pfd 1.12 Margarine....... n Pfd. 0.24 Frühstückskäse..1 Pfd.-R. 0.30 Stg.- Limburger 20% Pfd. 0.36 Tiisiter o. Rd., 20%... Pfd. 0.44 Briekäse, vollf....... Pfd. 0.56 U- BAHNHOF Weizenmehl........ Pfd. 0.18 Linsen........... an 2 Pfd. 0.25 Weiße Bohnen Pfd. c.18, 0.13, 0.11 Eier- Makkaroni..... Pfd. 0.42 Aprikosen, getr..... Pfd. 0.40 Gerstead. Roggen, gebr. Pfd. 0.18 Bestellungen über 5 Mark unter F 6 Baerwald 0012 werden prompt erledigt. Für Sonnabend- Lieferung Anruf bis Freitag abend erb. In den Dachhallen: Efim Schach meister Prof. Fahrbach- Ehmki HERMANN Jg. Puten.......... an Pfd. 0.58 Gänsefleisch, gep. an Pfd. 0.65 Hirschblatt........ an Pfd. 0.58 Hirschkeule o. Kn. an Pfd. 1.20 Kaninchen gastr. an Stck. 1.10 Hasen im Fall..... an Stück 3.90 OBST UND GEMUSE Blut- Oval- Apfelsinen, 3 Pfd. 0.56 Jaffa- Apfelsinen 3 Pfd. 0.62 Tafeläpfel, amerik. 3 Pfd. 0.78 Kochäpfel.......... 2 Pfd. 0.35 Zitronen... an Dtz. 0.26 Rot- u. Weißkohl 3 Pfd. 0.10 Blumenkohl...... an Kopf 0.18 PLATZ. DER und helfen sparen FISCHE, RAUCHERW. Seelachs o. K. 1. G. an Pfd. 0.16 Schellfisch m. K... an Ffd. 0.18 Grüne Heringe an 3 Pfd. 0.25 Bücklinge............ Pfd. 0.16 Sprotten.... ca.| Pfd.- Kst. 0.22 Räucherlachs i. Stck. an 4 Pfd. 0.28 WEINE, SPIRITUOS. Edenkobener 10 Ltr. 4.00, Ltr. 0.65 Niersteiner 10 Ltr. 8.00, Ltr. 0.95 Tarragona Werm. OL.9.0), L. 0.95 Malaga Samos 10 L. 10.00, Ltr. 1.05 Utiel, span. Rotw. OL.9.00, L. 0.95 Johannisbeerw. 10 L. 6.53, L. 0.68 Traubensaft, rhein. Ltr. 2.00 Schweizer Bayrischer..... an% Pfd. Apfelsinen SUB und sati...............3 Pfd. Hammelragout Dickbein 0.38 0.38 Pid. 0.48 ohne Spitzbela................ Ptd. Hühner .... Pfd. 0.56 0.64 0.98 frisch an Pfd 0.68, gefroren Pfd Konfitüren Kirsch- Erdbeer, ca. 2 Pfd. Elmor Pfannkuchen für Fastnacht, gefüllt, 2 Stück, Pfennig ( Verkauf nur nächsten Dienstag) 60 KAR STADT BAHNHOF Aufbauarbeit in 14 Jahren 198 Leistungen der Gewerkschaften für Volk und Staat ,, 14 Jahre Marrismus haben Deutschland rui niert.“ So lautet die neue Dolch stoẞle. gende der Leute, die angeblich dem Bruderfampf in Deutschland ein Ende machen wollen. Gegen diese Legende veröffentlicht die„ Soziale Bragis" einen aufschlußreichen Auffaß von Theodor Leipart, dem Führer der freien Gemerlschaften. Leipart ruft in seinem Aufsatz allen Menschen in Deutschland, die noch einen Funten Veraniportungsgefühl besigen und auch noch ein Gefühl für Wahrheit und Gerechtigkeit haben, noch einmal in Erinnerung, was die Gewerkschaften im Laufe der letzten 14 Jahre in schweren Stunden für Deutschlands Rettung geleistet haben. Kriegsende, Ruhrkampi, Inflation und Wirtschaftskrise, jeber dieser Zettabschnitte der legten 14 Jahre ift ein Ruhmesblatt für die Opferarbeit Der Gewertschaften. Wie war es nach dem Zusammenbruch? Leipart erinnert an das Abkommen zwischen den Spizenvertretungen aller Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen im November 1918. Inmitten der Auflösung des Staatswesens, nur auf ihre eigene Kraft gestellt, und von ihrem eigenen Willen bewegt, unterzeichneten die Gewerkschaften dieses Abkommen, um die für den geschichtlichen Augenblid beim Abbruch des Krieges wichtigste nationale Aufgabe, die reibungslose Zurückführung der Arbeiter und Angestellten im Waffenrod an die Stätten produktiver Arbeit nach bestem Vermögen zu fördern. Zu den Ergebnissen bes Novemberabkommens und der are beitsrechtlichen Gesetzgebung seit 1918 gehört Ser Tarifvertrag. Sein Nugen liegt darin, daß er dem Arbeitsverhältnis, der DaseinsgrundLage von Millionen besigloser Arbeiter und Angeftellten, einen festeren alt und den Arbeitsbewegungen eine größere Beständigkeit verleiht. Diese Feststellung läßt sich durch eine endlose Reihe von Tatsachen in den legten 14 Jahren hundert. fältig unter Beweis stellen. Leipart greift nur die Tatsachen des Ruhrkampfes und ber Inflation heraus. * 3m Jahre 1923 führten die deutschen Gewerkschaften mit der einen Hand den passiven Widerstand gegen den Einbruch fremder Mili. färgewalt in deutsches Gebiet durch, während fie mit der anderen Hand den Zusammenbruch der Lebensführung des arbeitenden Bolkes, der von der Geldentwertung auszugehen drohte, abwehrten.“ Aber dieser Kampf gegen die zerstörenden Wirfungen der Inflation wäre aussichtslos ge= wesen, wenn die Gewerkschaften nicht, den durch Verfassung und Arbeitsrecht geçebenen Spielraum nügend, ein nahezu lückenloses, alle Erwerbse zweige einschließendes System von Tarifver. trägen errichtet und aufrechterhalten hätten. Ende 1922 war das Arbeitsverhältnis für 14.25 Millionen Arbeiter und Angestellte tarifvertraglich geregelt. Der individuelle Bertragsabschluß war während der Inflation unmöglich. Im Jahre 1922, dem Jahre der zahlreichsten Arbeitskämpfe in der Zeit der Inflation, verzeichnet die Statistik des ADGB. 126 025 2ohnbewegungen, die ohne Arbeitseinstellung zu Ende geführt murden. An diesen Lohnbewegungen waren 59 Millionen Personen beteiligt. Diese gewaltigen Zahlen lassen die Größe ber Unruhe, die das soziale und wirtschaftliche Leben beherrschte, erkennen. Sie zeigen zugleich, mit welcher Häufigkeit die Arbeitsbedingungen überprüft und geändert werden mußten. Eetzt man aber neben dieje Zahlen die Angaben über die Streits und Aussperrungen bee gleichen Jahres, so ergibt sich, daß die soziale Unraft der Zeit in weit überwiegendem Maße durch friedlichen Ausgleich gebannt werden. fonnte. Denn nur 4930 Lohnbewegungen, an denen 1,1 Millionen Personen beteiligt maren, führten zu Arbeitseinstellungen. Ohne Gewerkschaften und kollektives Arbeitsrecht, ohne das umfichtige, von den Gewerkschaften geleitete Wirken der jungen Institution der Betriebsräte wäre in den Jahren der Inflation im Bereich des Arbeitsverhältnisses eine Nach der Diktatur Arbeit von 17 Monaten- nicht von Vierjahresplänen Das Spanische Arbeitsministerium veröffentlicht soeben in deutscher Sprache( Sozialpolitik unter der Spanischen Republik seit dem 14. April 1931 bis zum 8. September 1932") einen Ueberblick über die jo 31alpolitischen Berordnungen und Gefeße, die die Spanische Republik nach dem Sturz der Diktatur und der Monarchie in dem bei der Fülle der Reformen verhältnismäßig turzen hat. Zeitraum von 17 Monaten geschaffen Es ist allerdings zu bemerken, daß der spanische Arbeitsminister, unser Genosse Largo Cabal. Iero nicht Fabrikant und Kriegervereinsredner, sondern Generalsekretär des spanischen Gewerkschaftsbundes war und in seiner Arbeit unterstützt wird nicht von einem schwertapitalistischen Zeitungemagnaten als Wirtschaftsminister, sondern von unserem Genossen Indalecio Prieto als Minister der öffentlichen Arbeiten, der besonders ein gigantisches Programm zur Bewässerung der ungeheuren wasser und niederschlagsarmen, daher unfruchtbaren spanischen Hochebene, ausgearbeitet hat, dessen Durchführung bereits teilweise durchgeführt ist. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Spanische Republik zur Rettung ber landarmen Bauern und zur Unterbringung des arbeitslosen Landprole= tariats nicht die Großgrundbesizer gemästet, fondern sie enteignet hat. Wenn die spanischen Sozialisten und Republifaner in der sozialpolitischen Geseggebung offenbar bei uns in die Lehre gegangen sind und aus unferen Erfahrungen Stuzen gezogen haben, so tönnen wir wieder von ihnen lernen, wie man einer seit Jahrhunderten bevorrechteten Kaste von parasitären Grundbesizern an den Kragen geht und wie man sich damit zugleich ein mit der Republik auf Gedeih und Berberb Derbundenes Bauerntum schafft. Schließlich hat damit die Spanische Republik die Urbeitslosigkeit eingedämmt und zurückgedrängt, mit der die Diftatur nicht fertig werden Lonnte. Sie hat dazu nicht zweimal vier Jahre gebraucht, sondern nur ein gutes Jahr. Merdings find die wesentlichen Ministerien der Finanzen, der Wirtschaft und der Sozialpolitik in Händen von waschechten Margisten. Da die spanische Sozialgejezgebung bei dem Sturz der Diktatur noch völlig unentwidelt war, zum guten Teil nur auf dem Papier stand, mußte nicht allein gründliche Arbeit gemacht, sondern sozusagen von vorn angefangen werden. Die Arbeit war um so schwerer, als die Gewerkschaftsbewegung noch schwach und außerdem in sich gespalten war und zwei Drittel der spanischen Bevölkerung Analphabeten sind. Um so mehr Bewunderung verdient die Arbeit, deren Ergebnis uns das spanische Arbeitsministerium in allzu bescheidener Fassung vorlegt. Schon der Aufbau des Arbeitsmini steriums verrät den erfahrenen Gewerkschafter. Das Arbeitsministerium ist in Spanien nicht eine Zentralbehörde, die die Ausführung der Gesetze anderen Behörden überträgt oder überläßt, sonbern es hat in allen Propinzen seine Delegierten. die selbst für die Durchführung der Geseze zu jorgen haben. Die Aufzählung allein der Berordnungen und Geseze, die in dem angeführten Zeitraum erlassen und beschlossen wurden, würde den Rahmen diefes Artikels sprengen. Die erste Berordnung, datiert Dom 22. April 1931, erhebt den 1. Maizum gefeglichen Feiertag. Dann folgt eine Berordnung zum Schuge bes Landpro'e= tariats gegen Lohnbrud durch Heranziehung ortsfremder Arbeitsfräfte. Die nächsten zmei Berordnungen ratifizieren das Achtstun= benabkommen von Washington und das Abtommen von Genf, das die arbeitsrechtlichen Gefeze und Verordnungen auf die 2andarbeiter ausdehnt. Diese Reihenfolge ist bezeichnenb und verrät den Geist und die weise Borsicht des Berfassers dieser Berordnungen. Ebenso bezeichnend ist es, daß die nächste Berordnung besondere Schlich tungsausschüsse für die Landwirtichaft organisiert. Dann folgt eine VerordHU Unordnung und Ungewißheit eingetreten, die das industrielle Leben zum Erliegen geführt hätte. Als aber die deutsche Währung und mit ihr die Basis der Lohnberechnung völlig zusammenbrach, da war die Verwirrung nur aufzuhalten durch die in der Erfahrung begründete Hoffnung des Kerns der Arbeiterschaft auf eine Neuordnung der Arbeitsbedingungen durch die Gwertschaften. Wenn das Erperiment der Rentenmark glückte, dann nicht zuletzt durch das Beispiel der Zuversicht, das die Gewerkschaften dem Volk gaben, indem sie sofort ans Werk gingen, um nach dem neuen Geld die neuen Löhne tarifvertraglich zu vereinbaren. Die Gewerkschaften haben in den großen Lebenstrifen Deutschlands stets als tragende Pfeiler des sozialen Gefüges fich bewährt. Der gleiche Beweis wird sich einst auch für die gegenwärtige Krise führen lassen, mit dem Vorbehalt allerdings, daß ein gleiches Maß an Leistung für Volk und Staat den Gewerkschaften mur möglich ist, wenn Staat und Bolf ihnen das gleiche Maß an Recht d Freiheit der Aktion, über das jie feither verfügten, zugestebon." Leipart erinnert schließlich an die gewaltigen Leistungen der Gewerkschaften für den fulturellen Aufstieg der Arbeiter im Kampf um bessere Wohmungen, um fürzere Arbeitszeit, um Teilnahme geit allerlei gefettet haben. Sie hatten allerdings fachkundige Hörer vor sich. Die Versammlung wartete allerdings darauf, welches Programm die nationalsozialistischen Betriebsratskandidaten haben. Die von etwa 1500 Bewagangestellten besuchte Versammlung bewies durch ihre spontanen Beifallsäußerungen bei den Ausführungen ihres bisherigen Betriebsratsvorfizenden Genossen Lutas und des 3dA.- Vertreters Genossen 3eiß, daß in ihren Köpfen für nationalsozialistische Phrasen kein Play ist. Die Bewagangestellten wählten die freigewer? schaftlichen Kandidaten der Liste 1. Wieder vergeblich Gestern ist vor dem Schlichtungsausschuß über den Neuabschluß des Cohn- und MantelMöbel. Berliner tarifvertrags für die transportarbeiter verhandelt worden. Die Möbelspediteure beharrten wieder auf ihren schamlojen Abbauforderungen, die bekanntlich in einem Cohnabbau bis zu 42 Proz. und der Beseitigung des Urlaubs gipfeln. Bon den Unterhändlern der Möbeltransportarbeiter wurde an der Gegenforderung feffgehalten, das Cohnabkommen unverändert bis zum 30. September d. J. und den Manteltarif bis zum 28. Februar 1934 zu verlängern. Der Schlichtungsausschußvorsitzende, Gewerberat körner, hat die Beisiger der Schlichtungsfammer nochmals zu Sonnabend vormiltag zueinen fammengerufen, um dann mit ihnen Schiedsspruch zuffandezubringen. Hilfe für Erwerbslose? des Arbeiters an dem Geiſtesleben der Nation. Hilfe für Vor allem aber ruft er noch einmal die erstaunlichen Opfer in Erinnerung, die die Gewerkschaften zur Linderung der Arbeitslosigkeit gebracht haben: allein 1931 gaben die dem ADGB. angeschlossenen Verbände für Unterstüßungen 110 Millionen Mark aus. 3öge ich", jo betont Leipart, die Summe der Aufwendungen für diese Tätigkeit der Gewerkschaften in den 14 Jahren seit 1918 zusam men, so tönnte ich mit phantastisch hohen Zahlen aufwarten." Und diese Aufbauarbeit darf in Deutschland als Verbrechen an Bolf und Land" heruntergerissen werden. Wir fragen deshalb alle. die sich erlauben, den Stab zu brechen über die Marristen": Wo wart ihr und was habt ihr geleistet in diesen 14 Jahren? 29 nung, bie den Arbeitsaufsichtsbehörden die richterliche Befugnis gibt, Strafen zu verhängen, die bis zur Schließung des Unternehmens gehen fönnen. unmöglich, im Rahmen dieſes Artikels auch nur die wichtigsten Geseze und Verordnun gen aufzuzählen. Wir möchten nur noch erwäh nen, daß den Schlichtungsausschüssen auch die Funktionen von Arbeitsgerichter übertragen sind und daß die gesamte Sozialgesetzgebung von den Berufsverbanden getragen wird. Die gigantische Arbeit noch im Rahmen der fapitalistischen Gesellschaft ist geleistet worden inmitten von außerordentlichen Schwierigkeiten, von wiederholten fonterrevolutionären Butschen, tombiniert mit hirnlosen syndikalistisch- kommumstischen Revolten und Generalstreitsversuchen. Diese Arbeit von Sozialisten ist geleistet worden mit dem unverrückbaren Ziel des Sozialis= mus vor Augen. Nach der Niederwerfung der faschistischen Diktatur. Probe für den 5. März Betriebsratswahl bei der Bewag Bom 27. Februar bis 1. März wird in der Bewag die Neuwahl der Betriebsrate vorgenommen. Zum ersten Male treten in diesem zu etwa 85 Proz. freigewerkschaftlich organisierten Betrieb neben den bürgerlichen Angestelltenverbänden auch die National= fozialisten mit einer eigenen Liste auf den Blan Wie arm im Geiste die Nazikandidaten bei der Bewag find, zeigte sich gestern abend in einer Versammlung der Angestellten dieses Betriebes in den Germaniasälen mit einer Deutlichkeit, die felbft auf die wenigen anwesenden Anhänger der NSDAP. deprimierend wirkte. Dem nationalsozialistischen Liftenführer und einem anderen Razifandidaten mar unbeschränkte Redezeit gegeben worden, die sie aber nicht anders zu verwenden verstanden, als zunächst von ihren deutschnationalen Kampfgenossen abzurüden und im übrigen den Margisten" zu bestätigen, daß fie für die Arbeiterschaft in der Nachkriegs Unternehmer sind hilflos Den vierten Vortrag in der Sendereihe der Berliner Funkstunde ,, Hilfe für Erwerbslose" hielt Herr Brauweiler, der Syndikus der deutschen Arbeitgeberverbände. Was hatte dieser Führer der Unternehmerfreise zu sagen? Er redete 25 Minuten lang von den Notmaßnahmen der freien Wohlfahrtspflege, von den Erwerbslosenfiedlungen und von anderen schönen Dingen, für die es sehr viel sachverständigere Berichterstatter gegeben hätte und in die Herr Brauweiler denn auch jede tiefere Einsicht vermissen ließ. Die 40- Stunden- Woche wurde selbstverständlich aud von Braumeiler abgelehnt. Dieser Bortrag muß auf die arbeitslosen Hörer wie Hohn gewirkt haben. Und auch endgültig aufflärend, daß die Unternehmer den Arbeitslosen nichts bieten tönnen. Einige Wahrheiten Oite antwortet Bernhard Otte, Borfizender des Gesamtverbandes der christlichen Gemerfschatten, schreibt im ,, Deutschen": Die arbeitenden Schichten und die weitaus über miegende Mehrheit des deutschen Volkes lehnen nachdrücklichst eine Politif ab, deren Ergebnis legten Endes auf eine Vergewaltigung Undersdenkender hinausläuft. Wenn Mitglieder der jetzigen Regierung offen erklären, die gegenwärtige Machtposition werde, ganz gleich, wie das Wahlergebnis auslaufe, von ihnen nicht geräumt werden, dann steht das in schroffem Widerspruch mit den verfassungsmäßigen Rechten des Volkes. Es gibt fein Recht des Umsturzes oder des Verfassungsbruches für bestimmte Echichten. Wer es proflamiert, muß es fonfequenterweise allen Bolksschichten zubilligen. Das Bolf will Recht und Gerechtigkeit. Dazu passen aber auch nicht die leidenschaftlichen Angriffe gegen die Politik der letzten 14 Jahre.. Die Bertröstung auf den Vierjahresplan steht mit den„ heroischen" Gesten, die früher gemacht wurden, in stärkstem Widerspruch Wir fragen: Wo bleibt die Ausbesserung der Unterſtügungen für die Arbeitslosen, für die Wohlfahrtsunterstüßungsempfänger? Wo bleibt die Beseitigung der am schwersten ins Gewicht fallenden und entscheidenden unsozialen Bestimmungen der früheren Notverordnungen? Wie steht es mit einer planmäßigen und großzügigen Siedlung besonders im Zusammenhang mit der mißbrauchten Osthilfe? am Der Reichstarifvertrag für die Angestellten der privaten Versicherungsunternehmungen ist Donnerstag durch eine Uebereintunft der Tarif vertragsparteien unverändert um ein weiteres Vierteljahr, d. h. bis zum 30. Juni 1933, ver längert worden DIE DEUTSCHE M OTHER Hüsten- Schnupfen- Grippe? Kauft Heilmittel nut in der Apotheke-The seid es Eurer Gesundheit schuldig! Der Staatsrat protestiert Gegen Görings Erlasse, gegen die Landtagsauflösung und Preußenverordnung Der Preußische Staatsrat erörterte in feiner Bollfigung am Donnerstag die Verordnung über die Auflösung der Gemeindeparla= mente, ferner die Verordnungen über die Neuwahlen zu den fommunalen Vertretungs- Körperschaften, über die Auflösung des Preußischen Landtags und über die Herstellung geord= neter Regierungsverhältnisse Breußen, sowie den Runderlaß des kommissari schen Innenministers über die Förderung der nationalen Bewegung, den Runderlaß an die Oberpräsidenten über die Einstellungs- und Beförde rungssperre vor den preußischen Gemeindewahlen und die Erklärung, die Ministerialdirektor Schüße namens der Reichskommissare vor dem Verfassungsausschuß des Staatsrats abgegeben hat. in Als Berichterstatter für den Verfassungsausschuß gab Dr. Langemat- Stralsund( Arb.- Gem.) eine ausführliche Darstellung über den Erlaß der verschiedenen Verordnungen und über die Debatte im Verfassungsausschuß. des Der Berichterstatter legte dann dem Hause die Beschlüsse Verfassungsausschusses vor. Sie lauten dahin, daß der Staatsrat beschließen möge: Klage gegen Auflösung der Gemeindeparlamente ass ,, 1. Die durch Berordnung vom 4. Februar 1933 verfügte allgemeine Auflösung aller fommunalen Vertretungskörperschaften widerspricht den gefehlichen Bestimmungen. Das„ allgemeine Staatsaufsichtsrecht" und„ die veränderte Einstellung weitester Bevölkerungskreise" geben nicht das Recht, entgegen den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen oder ohne solche die Auflösung zu verfügen. Der Staatsrat beschließt, die Auflösung derjenigen Wahlkörper, von denen die Mitglieder des Staatsrats gewählt sind( Provinzialfandtage, Stadtverordneten- Versammlung in Berlin, Kommunallandtage für Hessen und Nassau sowie für die Hohenzollernschen Lande), durch klage beim Staatsgerichtshof an3ufechten. Der Präsident des Staatsrats wird beauftragt, das weitere zu veranlassen. Gegen Preußenverordnung und Landtagsauflösung 2. Die am 6. Februar 1933 erlaffene Berordnung zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen ift mit der Reichsverfassung und dem Urteil des Staatsgerichtshofs vom 25. Oftober 1932 nicht vereinbar 3. Die am 6. Februar 1933 durch den Präfidenten des Landtags und den Reichskommiffar für das Land Preußen beschloffene 2 uflösung des Preußischen Landtags ist verfassungswidrig. Gegen Görings Erlasse 4. Die im Amtlichen Preußischen Pressedienst mitgeteilten Runderlaffe des Kommissars des Reiches für das Preußische Ministerium des Innern vom 10. und 17. Februar 1933 verstoßen gegen die Art. 109 und 114 der Reichsverfassung, da sie eine verschiedene Behandlung der Staatsbürger durch Staatsorgane anordnen. 5. Der Amtliche Preußische Pressedienst vom 20. Februar 1933 gibt einen Erloß des Kommiffars des Reichs für das Preußische Ministerium des Innern, Reichsminifters Göring, an alle Bolizeibehörden vom 17. Februar d. 3. wieder. Ebenso liegt der Erlaß des Reichskommissars Göring vom 10. Februar 1933 vor. Diese Erlasse enfehren nicht nur weite Schichten des deutschen Wolfes, fondern sie schaffen ganz offensichflich weierlei Recht, beeinflussen die Polizeibehörden in einseitigem Maße und schaffen dadurch eine Rechtsunsicherheit, die der Herstellung geordneter Berhältnisse im Lande. Preußen widerspricht. Der Kommissar des Reichs. für das Preußische Ministerium des Junern, Reichsminiffer Göring, leitet jeine Befugnisse aus der Autorität des Herrn Reichspräsidenten her. Solange diefe Erlasse bestehen, finden sie mithin ihre Rechtsgrundlage ausschließlich in den dem Herrn Reichspräsidenten auf Grund des Art, 48 der Reichsverfassung gewährten Vollmachten. Der Staatsrat als die zur Zeit einzige in Preußen in Funktion befindliche Bolksvertretung hält es für seine unabweisbare Pflicht gegenüber Bolf und Baterland, auf die schweren Gefahren und die unausbleiblichen Folgen dieser Erlasse hinzuweifen, und fordert die fofortige Aufhebung dieser Erlasse. Er ersucht zu diesem Zwed den Präsidenten des Preußischen Staatsrats, dem Herrn Reichspräsidenten die fchweren Bedenken gegen den Fortbestand dieser Erlasse zu unterbreiten und den Herrn Reichspräsidenten persönlich zu bitten, für die Aufhebung dieser Erlaffe Sorge zu fragen: 6. Die vom Ministerialdirektor Dr. Schühe im Auftrage des Reichstommiffars für das Land Breußen in der Sihung des Verfassungsausschusses am 21. Februar 1933 abgegebene Erklärung bedauert der Staatsrat. Dem Staatsrat, der es fiets als fein Recht und seine Pflicht angefehen hat, über die Beachtung der Verfassungsvorschriften zu machen ,, fann auch jetzt nicht die Befugnis abgesprochen werden, die Berfaffungsmäßigkeit der vom Reichsfommiffar erlassenen Verordnungen nachzuprüfen. Da die Entscheidung über die vorerwähnten rechtlichen Fragen durch den Staatsgerichtshof in Kürze zu erwarten ist, erklärt sich der Staatsrat zweds Herstellung geordneter Zustände in Preußen und verfassungsmäßiger Erledigung der Staatsgeschäfte bereit, die ihm zugehenden Vorlagen sachgemäß zu erledigen, ohne damit der Frage ihrer Rechtsgültigkeit vorzugreifen. Der Staatsrat feht dabei voraus, daß der Reichskommissar für das Land Preußen dem Staatsrat die Ausübung seiner verfassungsmäßigen Rechte pflichtgemäß ermöglicht." Der Berichterstatter meist noch darauf hin, daß weitergehende kommunistische Anträge vom Aus schuß abgelehnt worden seien und daß der Ausschuß- Beschluß sich zusammensetze aus Einzelanträgen des Zentrums und der Sozialdemokraten, die mit Mehrheit vom Ausschuß zum Beschluß erhoben worden seien gegen eine Fraktion.. Mitberichterstatter Dr Caspari- Schneidemühl ( Soz.) wendet sich in seinen ausführlichen Ausführungen u. a. auch gegen den Sag in der Erklärung des Ministerialdirektors Schüße, daß Beschlüssen des Staatsrats rechtlich keine Bedeutung zukäme. Es sei festzustellen, daß der Staatsrat das verfaffungsmäßige Organ zur Nachprüfung der Verfassungsmäßigkeit von Gefeßen und Berordnungen fei. Solange Deutschland Anspruch erhebe auf den Namen eines Rechtsstaates, habe jede Instanz auch das Urteil des Staatsgerichtshofs in Berfassungsstreitigkeiten zu respektieren. Der Staatsrat müsse daher protestieren gegen diese Stelle der Erklärung des Ministerialdirektors. Schüße. Der Redner kritisiert auch sehr heftig den Polizeierlaß des Ministers Göring. Dr. Meerfeld- Köln( Soz.) wendet sich gleichfalls in sehr scharfen Worten gegen die Regierungsmaßnahmen, die geeignet seien, die politische Unsicherheit zu verstärken.. Es sei heute dahin gekommen, daß alle nationalgesinnten Kreise, die nicht zum Hakenkreuz oder zum Stahlhelm gehörten, diffamiert würden. Es habe sich kein Finger in der öffentlichen Vermaltung gerührt, um die maßlosen Angriffe, die von nationalsozialistischer Seite gegen die Minister Braun und Severing wegen des Zwei- MillionenFonds erhoben worden seien, in Schuß zu nehmen. Die Minister hätten ihre Zuflucht zu den Gerichten nehmen müssen. Selbst der Reichstommissar habe nochmals erklärt, die persönliche Inte grität dieser beiden Minister nicht anzweifeln zu wollen. Der Redner vermeist auf die politischen Zusammenstöße, die sich in den letzten Tagen in verschiedenen Städten ereignet haben, und erklärt, diese Zusammenstöße seien mitunter darauf zurückzuführen, daß fich die Nationalsozialisten ganz unbehindert fühlten. von Die Ansicht, daß es sich bei der Störung von Zentrumsversammlungen um das Werk Provokateuren gehandelt habe, könne nur ein Kopfschütteln hervorrufen. Der Einfluß der Wilhelmstraße auf die preußische Politik sei heute größer denn je, aber damit sei auch die Verantwortung größer geworden. Der Redner schließt mit der Erklärung, daß allen Unterdrückungen zum Troh doch die Menschheitsidee fiegen werde, zu der sich der Margismus mit Stolz bekenne. Dr. Seppelt- Breslau( 3.) gibt für seine Fraktion eine Erklärung ab, in der zunächst auf die wiederholten schweren Bedenken verwiesen wird, die das Zentrum gegen die seit dem 20. Juli 1932 vom Reich gegen das Land Preußen ergriffenen Maßnahmen zum Ausdruck gebracht habe. Die Fraktion habe insbesondere betont, wie bedauerlich es im Staatsinteresse sei, daß durch derartige Maßnahmen, die mit Wortlaut und Sinn von Reichs- und Landesverfassung nicht mehr in Einklang zu bringen feien, das Rechtsgefühl in weitesten Boltskreisen erschüttert und untergraben werde. Denn dadurch sei der gesicherte Fortbestand des Rechtsstaates in schwere Gefahr gebracht. Diese Bedenken seien durch die mit dem Urteil des Staatsgerichtshofs nicht zu vereinbarenden neuesten Maßnahmen der Reichsregierung und des Reichskommissars noch mehr verstärkt worden. In der Erklärung wird weiter die Ansicht vertreten, daß die allgemeine Auflösung aller fommunalen Vertretungskörperschaften durch bloße Verordnung des Reichskommissars nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspreche, und daß die Erklärung über Auflösungsbefugnis auf Grund des allge= meinen Staatsaufsichtsrechts" rechtlich unhaltbar sei. Die Auffassung des Reichskommissars ,,, die veränderte Einstellung weitester Bevölkerungsfreise" rechtfertige die Auflösung der Vertretungsförperschaften, widerspreche den gesetzlichen Bestimmungen und den Grundsägen geordneter Staatsführung. Die Fraktion warne dringend davor, auf diesem bedenklichen Wege meiter fortzuschreiten. Dr. Struwe- Riel( Staatspartei) stimmte gleichfalls dem Antrag des Verfassungsausschusses zu. Er sprach die Erwartung aus, daß der Staatsgerichtshof beschleunigt, möglichst noch vor den Wahlen, zu den Verordnungen vom 6. Februar und über die Landtagsauflösung Stellung nehme. Bauern gegen Dühilfe jest betrieben wird, und fordert für die Bauern die spolitische Freiheit.se de Die Deutsche Bauernschaft für Ver. fassung und Volksrechte Die Deutsche Bauernschaft, eine an Einfluß ständig wachsende Organisation pon Klein: und Mittelbauern neben dem Reichslandbund und den Bauernvereinen, rückt in einer der Oeffentlichkeit übergebenen Entschließung von den unter der Führung von Großagrariern stehenden landwirtschaftlichen Organisationen sehr scharf ab. Die Deutsche Bauernschaft will durch staatliche Maßnahmen die Bauernintereffen auch gefördert sehen. Sie fordert eine generell durchzuführende Entschuldungsaktion, Verminderung der Breisspannen, Steuersenkung und Zinsverbilligung und eine Senfung der Maschinen, Kunstdünger- und Futtermittelpreise. Die Deutsche Bauernschaft vermirst aber grundsätzlich die einseitige Agrarierpolitik, die Man müsse zu dem Reichspräsidenten das Bertrauen haben, daß er dem Urteil des Staatsgerichtshofs dann auch Geltung verschaffe. Das deutsche Volk lehne es ab, sich im Stile eines modernen Absolutismus regieren zu lassen. Der Redner erklärt, er warne von dieser legten Stelle des freien Wortes die Reichstommiffare: Recht müsse Recht bleiben. Torgler( Komm.) erklärte, die Anrufung des Staatsgerichtshofes habe keinerlei praktische Bedeutung. Noch nie habe das Wort Lassalles besser seine Richtigkeit erwiesen, daß Verfassungs- und Rechtsfragen Machtfragen find. Namens der Arbeitsgemeinschaft gab dann Dr. Langemat folgende Erklärung ab: Die Fraftion Arbeitsgemeinschaft ist der Ansicht, daß die Berordnung betr. Die Auflösung der Gemeindeparlamente und die Auflösung des Landtages im allgemeinen dem geltenden Recht entspricht. Für die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten betr. Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen waren die Voraussetzungen gegeben, die der Staatsgerichtshof in seinem Urteil vom 25. Ottober 1932 als erforderlich bezeichnet hat. Der Runderlaß des Ministers des Innern vom 17. Februar 1933 verfolgt in erster Linie das Ziel, die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gefeß auch der nationalen Bewegung zu sichern, der sie in der Vergangenheit vielfach verfassungswidrig versagt worden ist. Ein Beweis dafür, daß diese nach Ansicht der Fraktion unbedingt zu wahrende Gleichberechtigung nunmehr anderen Bevölkerungskreisen vorenthalten werden soll, ist aus dem Wortlaut des Runderlasses nicht ohne weiteres zu entnehmen. Die Erklärung des Vizefanzlers von Papen als Reichskommissar für das Land Preußen vom 21. Februar 1933 gibt teine Veranlassung, zu derselben Stellung zu nehmen, Die Fraktion Arbeitsgemeinschaft ist bereit, alle dem Staatsrat ordnungsmäßig zugehenden Vorlagen sachgemäß zu erledigen. Nach kurzen Ermiderungen von Dr. Seppelt ( 3.) und Dr. Caspari- Schneidemühl( Soz.) nahm der Staatsrat die Erklärungen der einzelnen Par= teien zur Kenntnis. Mit den Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Kommunisten wurde dann der Bericht des Berfassungsausschusses angenommen. Mit derselben Stimmenzahl wurde ein kommunistischer Antrag angenommen, der die jojortige Aufhebung aller Bersammlungs-, Demonstrations- und Presseverbote fowie aller anderen Regierungs- oder Polizeimaßnahmen, die geeignet jeien, die Wahlfreiheit zu behindern, fordert, sowie schärfsten Prote ft einlegt gegen den einseitigen Mißbrauch des Rundfunks durch die Reichsregierung zur Wahlpropaganda für die Nationalsozialisten und die Deutschnationale Volkspartei. Damit war die Tagesordnung erledigt: der nächste Tagungsabschnitt des Staatsrats beginnt am 21. März; die Festsetzung der Tagesordnung bleibt dem Bräsidenten überlassen. Jede wirkjame Arbeitsbeschaffung, besonders in Verbindung mit einer großzügigen Siedlungsaktion, diene durch die Kauffraftstärkung der Massen auch dem Baurerntum und müsse als agrarpolitische Hilfsmaßnahme betrachtet werden. bäuerlichen Nachwuchs das dringend notwendige monstrat nov soin Siedlungsland vorenthält, muß endlich Schluß gemacht werden." Die andelspolitik müsse, so heißt es in der Entschließung meiter, dem Ziele zustreben, den deutschen Markt dem deutschen Bauern zu sichern. Alle handelspolitischen Aktionen finden aber dort ihre Grenze, wo infolge von Exportrüd gang ohne einen entsprechenden Ausgleich auf dem Binnenmarkt die innerdeutsche Rauftraft vermindert und damit ein weiterer Niedergang der Lebensmittelpreise zum Schaden des Bauerntums herbeigeführt wird. Mit allen Kräften werde sich die Deutsche Bauernschaft gegen eine Kontin. gentierung zur Wehr sehen, die dem Bauern die unbeschränkte Entfaltung seiner Arbeitskraft und damit seine wirtschaftliche Freiheit nehmen wolle, Mit der völlig verfehlten Osthilfe- Aktion, die den Großgrundbejiz einseitig bevorzugt, und dem Versammlung .. Redner Hir 814 Zweifelsfrage 36 ., Wenn ich nur wüßte, ob das staatsaufbauende Kräfte sind, mit denen ich bestes Einvernehmen zu halten habe, oder etwa verkleidete kommunistische Provokateure und Spitzel?" Haftentlassung Die Rechtslage im Mordfalle Kasten Wie bereits mitgeteilt, ist der minderjährige Mörder unseres Genoffen St a sten, des Bürgermeisters von Staßfurt, bereits jetzt aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Nach§ 112 der Strafprozeßordnung darf Untersuchungshaft nur verhängt werden megen Fluchtgefahr oder megen Berdunkelungsgefahr. Die Fluchtgefahr bedarf feiner Begründung, wenn ein Verbrechen den Gegenstand der Untersuchung bildet. Dieser Fall liegt hier var, denn es handelt sich um einen vorbedachten Mord, zumindest um einen Totschlag. Mord wie Lotschlag fallen beide unter die Kategorie der Verbrechen. Jedoch hat ber Untersuchungsrichter von der Möglichkeit, einen Haftbefehl ohne weitere Begründung zu erlassent, feinen Gebrauch gemacht. Ant häufigsten wird Fluchtverdacht begründet mit der zu erwartenden hohen Strafe. Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen straf. rechtlich noch nicht mündigen Täter. Ihm fommen die für Strafunmündige bestehenden Strafmilderungen zugute. Immerhin beträgt aud) für ihn die Höchststrafe 10 Jahre Gefängnis. Die Gründe, aus denen das Gericht trotzdem zu einer Berneinung des Fluchtverdachts gekommen ist, sind uns bisher nicht bekannt geworden. Es hagelt Verbote! Abermals sind vom Berliner Polizeipräsidenten eine Reihe von Zeitungsverboten erlassen worden. Es wurden verboten:„ Der Grundstein"( Deuts Scher Baugemerksbund) bis zum 1. Mai 1933, die nationalrevolutionäre Wochenschrift Die Entschei= dung" bis zum 15. März, Die junge Garde" bis zum 2. Mai, Unsere Zeit" bis zum 21. August, " Tribunal" bis zum 17. April, Gegen den Strom' bis zum 21. Mai, Der rote Stern" bis zum 20. April und„ Der rote Wähler" bis zum 21. April. Alle diese Verbote sind vor dem neuen Göring. Erlaß erfolgt. An die Rundfunkhörer Rundfunk der Woche bis zum 5. März! Wir hören im Rundfunk bekanntlich keine Bartzivorträge. Weil der Rundfunk feiner Partei Dienen darf, sondern die Hörer Dieser Satz aus den Richtlinien" kann heute gar nicht oft genug zitiert werden ,, por die ganze politische Wirklichkeit" zu stellen hat. Aber die Mehrzahl der Hörer schläft nicht. Die Wirklichkeit, die ganze politische Wirklichkeit, die das Volk wach und hellhörig erlebt, hat ein durchaus anderes Aussehen Wir erhalten täglich Zuschriften von unseren Lesern, in denen sie uns zu drastischen Gegenüberstellungen auffordern Wir find für diese Zuschristen sehr dankbar, die die heute so sehr notwendige Aufmer* amkeit gegenüber den Darbietungen des Rundfunts bemeijen. Unsere Stellungnahme zu ihnen in der Zeitung ist durch die Pressenotverordnung nur begrenzt möglich. Wir können infolgedessen auch nicht die Protestschreiben abdrucken, die einzelne öter und Hörergruppen an die Sender schiten und von denen uns als wertvolle Informationen Abschriften zugesandt werden. Es erübrigt sich zurzeit auch die Kriti? an der politischen Haltung des Rundfunks und der ihn dirigierenden Mächte; wer die Tatsachen richtig zu hören und zu lesen versteht, für den sprechen sie eine deutliche Sprache. Die Auflagefendungen der Regierung machen einen beträchtlichen Teil der Rundfunkprogramme aus. Viele Hörer des Berliner Senders wissen noch gar nicht, was ihnen in den nächsten Tagen alles bevorsteht. Bor uns liegen Programmergänzumgen, die in den bereits gedrudten Programmen. fehlen. Die Vorträge am 17. und 18 Februar, in denen Eduard Stadtler über das Thema sprach: ,, Vom Juniklub bis Hitler"( der Deutschlandsender übernahm sie auf Schallplatten), und die drei Vorträge am 20., 21. und 22., in denen Alfred Rosenberg zu der Geschichte der nationelen Freiheitsbewegung von der Revolution bis zum Kabinett Hitler" feine Perspektive enthüllt, sind be reits über uns niedergegangen. Bis zum 5. März werden täglich zwei bis drei Vorträge dieses Stils die Programme der Berliner Funksturde und der jeweils angeschloffenen Sender bereichern. Gegen diesen Gebrauch des Rundfunks haben die Spizenorganisationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten schärfste Verwahrung eingelegt und Parität gefordert. Zur Unterstützung ihrer Aktion richten sie einen Aufruf an die Rundfunkhörer, in dem es heißt: „ Rundfunkhörer! Protestiert aufs schärffte gegen Ungeist und Ungerechtigkeit. Schweigt nicht, sondern richtet unausgesetzt Beschwerden an die Sendegesellschaften! Meldet nicht ab! Ucberlaßt den Rundfunk nicht den Gegnern! 3hr zahlt Gebühren, dafür habt ihr Mitbestimiaungsrecht. Fordert für gutes Geld gute Ware! Fordert unabläffig Sendungen für die werktätigen und republikanischen Hörer! Fordert Veranstaltungen aus eurer Lebenswelt! Sagt das gleiche euren Freunden und Bekannten! Benutzt alle gegen euch gerichteten Sendungen zur politischen Aufklärungsarbeit! Der Rundfunk steht im Zusammenhang mit dem politijchen Kampf der Arbeiterklasse. Die Antwort auf den politischen Mißbrauch des Rundfunts lautet: Jeder Rundfunkhörer wählt am 5. März Liste 2!" La Valliere Schillertheater Ein lächerliches Libretto und langweilige majit in denkbar pompöfer Aufmachung. Im Mittelpunft freilich ein herrlicher Sänger: Louis Graveure, dem man nur wünschen kann, er möchte schleunigst wieder dahin zurückkehren, wohin allein er gehört, in den Konzertsaal. Premierenbeifall. a. w. Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. Hierzu 2 Beilagen Der Vorwärts" erscheint wochentaglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Sllustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit" Bezugsptette: Wöchentlich 75 Bt., monatlid) 3,25 M.( davon 87 Bt monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 m einschließlich 60 Pf. Postzeitung und 72 Bf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 46, M. Bei A stall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Erfaz.nzeigenpreise: Die einipaltige Millimeterzeile 30 Bf. 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Pflaumen... 2 Pfd. 0.43 Kaffee gebr. 1.90 2.20 2.80 3.20 Flasche Wein ohne Glas 31 Obermoseler........ 0.70 30 Burweil. Schloßberg 0.95 29 Altenbambg. Rotenb. 1.10 Maikamm. Ltr. 0.95 5 Ltr. 4.50 Ochsen- Neueinführung Schmorbrat. gerolit u. gespickt, Pfund Kalbshaxe ( bis 5 Pfund) Pfund Kalbsbrust u. Rücken, Pfund Kalbskotelett Pfund Schweineschnitzel Pfd. 62PL 32PL. 46 PL. 72 PL. 88 PL Pf. Theater, Lichtspiele usw. Staats MA Theater Freitag, den 24. Februar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Idomeneo Staatliches Schauspielhaus 1912 Uhr Faust II. Teil SCALA Tägl. 5 u. 8% Uhr Teresina Bressart Sanborn Cass, Mack& Owen usw. PLAZA Nähe Schles. Bhf. 14.81, Stgs. 2, 5, 815 U. E 7 Weichsel 4031 Städt. Oper Charlottenburg Fraunhofer 0231 Freitag, 24. Februa 191 Uhr Turnus lil Der Freischütz Schirach, Berger, Burgwinkel. Destal, Hü ch, Ditter, Baumann, Gonszar, Firner Dirig.: Teichmann Faschingsfee 8+ Kleines Th. Schiller Bismarckstr. nie, Steinpl.( C1) 6715 Täglich 814 Uhr Louis Graveure singt in La Vallière" Preise I bis 6 M Unter d Linden 44 Merkur 1624 Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Sonnabend und Sonntag auch naum. 4 Uhr zu kleinen Preis. CASINO- THEATER 814 Uhr. Lothringer Str. 37 814 Uhr Nur noch bis Sonntag, 5 März, auch Sonntag 4 Uhr: ,, Der Fürst von Pappenheim" Ab 6. März: ,, Die tolle Lola" Gutschein 1-4 Personen: Parkett 0,60 Fauteuil 0.75. Sessel 1,25 Kurfürstend.- Tn. Das Theater ohne Bon- Wirtschaft Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 814 Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6.- M. Deuisches Künstler heater Th. d.Schauspieler Barbarossa 0403 Täglich 8 Uhr AutematenReichsbanner! Berlin- Kreuzberg Gerade jetzt kann ein wenig Frohsinn nicht schaden! Großer Rheinischer MASKENBALL 99 Sonnabend, dn 25. Februar, 20 bis 5 Uhr, im ,, Weindorf" ( Ausstellungshallen Witzleben) Hauptgewinn der Ton bola: bine Küme Automaten- Vorverkaufspreis 50 Pf in den VerBüteit Komödie mit Musik Agnes Straub, Stobrawa, Heitinger, Trenk- Trebitsch VOLKSBUHNE Stettiner Sänger Theater am Bülowplatz räglich 84 Uhr D 1 Norden 6536 Die Sardinenfischer von Castonier. Regie: R Zindler Luise Rainer, Karchow, Thau, Marlow Halden Stein, Horney, Almas, Dahlke Großes Schauspielhaus Rosy Barsong Oscar Denes Jelly Staffel 8 Uhr Wer ist der Ball im Savoy Truppe 1931 Wer ist der? Dümmste Grove Operette v. Paul Abraham 3. de Kowa Trude Berliner, Schröder n.d. gr.Ensemble Preis 75Pf. b. 4.- M. Sonnt nachm. 3: Salbe preife Sonntag nachm. 31/ file ne Preise Theater Rose- Theater B. B. B. Bendows Bunte Bühne Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 814 Uhr Sonntag auch 1/24 U Wilhelm Bendow Der scharfe Löwe Alice Hechy Deutsches Theater Große Frankfurter Straße 137 Tel. Weichsel E7 3422 8.15 Uhr Der Hasenfellhändler Komödienhaus Schiffbauerdamm 25 Tel. 02 Weid. 6304-05 Täglich 814 Uhr Achtung, D2 Weidend. 116 Irisch gestrichen Mittwoch, 1. März 8 Uhr Erstaufführung Das große Welttheater von Hugo v. Hofmanns hal Regie Max Reinhardt Carow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tei. D2, 2174 Beginn 7% Theater im Admiralspalast 84 Rigard Zauber in Frühlingsstürme Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februar. programm: ,, Karneval" NEUE WELT Arnold Scholz- U- Bahn Hermanupl. Hasenheide 108/14 Gr. Bockbierfest Humor, Stimmung Einlaß 7 Uhr Sonnabends und Sonntags Großer Alpenball Zeicherbeday Wegen der bevorstehenden Wahl JUERGENS bleibt das Theater vom Montag, dem 27. Februar bis einschl. Mittwoch, dem 8. März, geschlossen HAUS VATERLAND Im Palmensaal von Tank Tee Afd Rheinterrasse Familien Kaffe mit Rünstler Ronzert BETRIEB KEMPINSKI Alexanderplatz Neue Königstr. 43 Beitrags Marken CONRAD MÜLLER SCHKEUDITZ LEIPZIG GEGR.1885 FERNRUF: 535 Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung, Betriebsräte! Die Betriebsräte Reitschrift Nr. 2 ift erschienen und tann gegen Borzeigung der Legit mationstarte des Betriebsrats. Obmannes im Verbandshause. Bimmer 5. tänlich bis 4 Uhr. Freitags bis 7 Uhr. ent gegengenommen werden. Die Ortsverwaltung. kehrslokalen, Gaubüro( Sebastianstr. 37/38), Clou, bei d. Funktionären. Ohne Gewähr Allgemeine Ortskrankenkasse f.d.Verwaltungsbezirk XI d.Stadt Berlin Schöneberg- Friedenau Die vom Kaffenausschuß am 27. Oftober 1932 befchloffene Aenderung der Wahl ordnung ist vom Oberversicherungsamt am 14. Januar: 19: 3 genehmigt worden und damit in Kraft getreten. Druckstücke der Wah'ordnung stehen unferen Arbeitgebern und Bersicherten an den Kaffenstellen zur Verfügung. Berlin- Schöneberg, den 23 Februar 1933, Der Borstand: A. Schuldt, Borsigender, Frig Senß, Schriftführer. Homöopathie Bebandig. 1 Mark innere u. Nervenl. Gewinnauszug Löser Münzstr. 9 10-2, 4-7. Sbd.b. 5 5. Klasse 40. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 14. Ziehungstag 23. Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 6 Gewinne zu 5000 m. 49335 201409 273229 16 Gewinne zu 3000 m. 2331 11580 57238 104165 260723 292598 308042 354827 48 Gewinne au 2000 m. 34687 45476 45758 47889 74742 100402 114932 120893 140293 182711 193176 197233 218906 268958 299759 325714 337721 339520 347215 352275 356576 367957 371584 387904 126 Gewinne au 1000 m. 1623 20265 21818 35459 35928 37426 40693 42071 54313 62942 65172 66433 66904 70507 80423 98727 102536 120495 125297 127917 129007 129184 130855 142303 142762 159050 161394 172323 174481 187506 188619 197781 197888 203203 218593 232776 236333 240841 243644 244869 260064 262792 263318 281866 282019 286192 292162 296512 305161 312630 324269 327588 331417 334139 342959 345345 363030 375869 379914 381285 387366 387968 398912 210 Gewinne au 500 m. 8738 18978 20471 24334 29822 31095 32542 33856 33924 38397 39272 43215 44666 45118 48004 49908 56669 57552 65765 66563 66628 68722 71306 77117 80727 82502 86721 87068 87824 89833 90445 96450 98749 99678 109644 110818 113726 118669 121617 121706 124785 126632 134630 135452 138556 138688 155320 155984 156630 171165 174108 189042 189431 192108 195175 200627 207435 213486 219960 226738 226749 226837 236932 240644 241457 244210 254664 255256 262080 271165 272349 273742 280535 280891 282075 284839 285169 303270 311860 312329 317777 321059 322283 323258 324833 326566 329982 332607 333579 336994 345637 347489 351031 351914 352952 363688 364390 366834 370480 376462 378361 382749 394329 397049 398527 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne au 10000 m. 98006 6 Getvinne zu 5000 m. 118908 123791 351611 12 Gewinne au 3000. 28952 33343 116050 132359 183618 336276 58 Gewinne au 2000 m. 6044 10963 43388 66938 67197 88049 19401 142660 145659 147052 179723 180007 194328 206979 207007 223799 236195 236373 249019 267740 269968 278872 317221 338135 343870 357680 366701 370874 379128 76 Gewinne au 1000 m. 18114 40871 50441 68061 92869 106018 122268 123703 124183 136120 136258 149491 151842 174332 185006 200916 206660 216800 218226 233236 264553 264790 265632 267656 269713 272399 285349 297421 315680 316298 322301 322995 331817 356883 375287 381662 392221 395226 154 Gewinne a 500 m. 17 2090, 8078 9580 17902 19435 31932 35008 35075 36553 39750 40626 43516 45086 45379 51813 53136 53733 50458 72457 72553 74591 75769 103256 112712 119574 120765 122697 123351 127107 127520 127524 129603 130789 132903 137509 144906 157657 158205 161766 163339 167543 179773 182068 186439 187435 197261 197746 199357 213581 232787 240244 240822 252647 258582 259252 262752 263687 270660 275175 281218 289603 304386 312628 334195 341559 344178 347244 347295 351487 375235 378439 384814 386074 394415 334753 397244 Im Gewinncade verblieben: 2 Prämien zu je 500000 2 Gewinne zu je 200000, 4 Gewinne zu je 100000, 4 zu je 750 0, 6 zu e 50000, 18 ue 25000, 98 3 je 10000, 252 zu te 5000, 522 zu je 8000, 1400 zu je 2000, 3000 zu je 100, 4988 zu je 500, 14726 zu je 400, und 100 Schlußprämien zu 3000 lart Danksagung! Allen Genossen der 19. Abt. SPD. sowie em Redner des Volksfeuerbestattungsvereins und den Gartentreunden der nolonie Steinberg, welc e an der Einäscherung meiner lieben Frau und Mutter Lieschen dorngräber teilgenommen haben, herzlichen Dank. Fritz Borngräber und Kinder KLEINE ANZEIGEN Überschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pf Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%. 8 mal 7%, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15% 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenstraße 3( 9 bis 5 Uhr). sämtliche Vorwärts- Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Annoncen- Expeditionen Verkäufe ginoleum Szillat, Rolonie Straße 9. Kleidungsstücke, Wäsche usw. un Leibhaus Lowidi Derfauft สิน glaublich billiger Breisen wenig g tragene' owie neu Herrengarderobe Herren. u Damen. pelze. Weitester Reine Weg lohnt Lombardware. Brinzenstraße 105. eine Treppe Fahrräder Opelballonräder, Dürkoppballon, Dia. mantballon, Wandererballon, Wittler. ballon, Monatszah Tung 10,-, Spezial. ballon 32,-. 45,-. 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Vaterland", FriedVorführung richsfelde, Delbrüd. Ostfunt straße 17. Berbin Neander dung: Straßenbahn Etagen. 113, 76; UnterTelephon grundbahn: S- Bahn Neu- Lichtenberg.* Szilaft Straße 16 gefchäft 13annowig 0435. ZWEITE BEILAGE Vorwärts Kampf jedem Lohnabbau! Die Wahrheit über die Löhne- Unternehmer sehen noch immer ,, Reserven" Der Kohlenzechenverband hat das Tarif, abkommen mit den Bergarbeitern zum 31 März gefündigt. Die Regierung HitlerHugenberg wird Gelegenheit haben, zum ersten Male ihre Einstellung in Lohnfragen zu dokumentieren. Das Statistische Reichsamt hat vor kurzem die ,, hauptergebnisse der zweiten amtlichen Lohnerhebung in der metallverarbeitenden Industrie für Oktober 1931" veröffentlicht. Es wurden 502 Betriebe mit 213 746 Arbeitern an 103 Orten erfaßt. Es zeigt sich, daß die Stundenverdienste im Oktober 1931 nur um 4 Prozent unter denen vom Oktober 1928 lagen. Zugleich sind aber die übertariflichen 3uschläge erheblich ge fürzt worden. Vor allem ist die wöchentliche Arbeitszeit um fast 18 Prozent fürzer geworden. so daß die Wochenverdienste um 21 Prozent, um mehr als ein Fünftel, zurüdgingen. Gleichzeitig haben sich die Abzüge vom ArbeitsJohn durch Erhöhung der Sozialver sicherungsbeiträge um 1,4 Prozent des Bruttolohnes erhöht, so daß auch dadurch die Summe, die der Arbeiter als Wochenverdienst schließlich mit nach Hause nahm, verkleinert wurde. Allgemein gilt, daß sich die Lohnverhältnisse für Stüdlohnarbeiter( Atfordarbeiter) noch etwas stärker verschlechterten als die Lohnverhältnisse der Arbeiter, die in Zeitlohn beschäftigt waren. Seit Oftober 1931 ist aber ein weiterer scharfer Lohnabbau erfolgt. Im November 1932 lagen die tariflichen Stundenlöhne der metallverarbeitenden Industrie um 13,6 Prozent unter dem Stand vom Oktober 1931. Noch stärker haben sich die Wochenverdienste ermäßigt, da die wöchentliche Arbeitszeit bis zum Herbst vorigen Jahres weiter verkürzt wurde. Danach muß die kürzung der Wochenverdienste seit Oktober 1928 auf 35 bis 40 Proz. veranschlagt werden. Bis hierher handelte es sich um Nominal. löhne. Für die Lage der Arbeiterschaft sind aber die Reallöhne entscheidend, d. h. die Frage, wieviel Waren der Arbeiter mit seinem Wochenverdienst kaufen kann. Man muß also gleichzeitig die Preisentwidlung in Ansag bringen, um zu entscheiden, ob und wie stark die Lohnfürzungen die Lage des Arbeiters tatsächlich verschlechtert haben. Die Preisentwicklung für den Bedarf eines fünfköpfigen Arbeiterhaushalts wird im Le benshaltungskosteninder festgehalten, bei dem die Preise des Jahres 1913 gleich 100 ge= setzt sind. Dieser Inder ist von 152,1 im Oktober 1928 auf 133,1 im Oftober 1931 gesunken, zeigt also für diese Zeit ein Sinken der Preise um 12,5 Prozent. Berücksichtigt man diese Breissenkung, so ergibt sich, daß die nominellen Stunden löhne, die in ihrem Nominalwert von Oftober 1928 bis 1931 um knapp 4 Prozent ge= sunken waren, ihrer realen Kauftraft bis 1931 nach um 9,6 Prozent gestiegen waren. Aber das starke Sinken der Woch en löhne( nominal um 21 Prozent) wurde nur zum Teil durch die Breisfentung ausgeglichen; ihrer Kauffraft nach sind die realen Wochenverdienste( unter Berücksichtigung der Abzüge) um 11,5 Prozent gesunken. Leider steht auch diese Berechnung der Realverdienste zu einem großen Teil noch auf dem Papier. Der Grund liegt darin, daß der Lebenshaltungsindex die Ausgaben für Wohnung mit 20,4 Prozent der Gesamtausgaben annimmt. Wenn ein Arbeiter tatsächItch 35 Prozent seines Verdienstes für Wohnung ausgibt, was sehr häufig ist, dann versagt der Inder für die Reallohnberechnung. In der Zeit vom Offober 1928 bis Oktober 1931, in der der gesamte Lebenshaltungskosten. inder um 12,5 Prozent sant, ist aber der Inder für die Wohnungskosten allein von 125,9 auf 131,6 Prozent gestiegen. Die Errechnung der Reallöhne mit Hilfe des Lebenshaltungskosteninder ergibt also ein zu günstiges Bild. Im neuesten Heft der„ ,, Wirtschaftskurve" wird denn auch der Beweis erbracht, daß das für den Konsum verfügbare Realeinkommen( Einkommen nach Abrechnung der Ausgaben für Wohnung) schon 1928 geringer als vor dem Kriege war und seitdem noch erschreckend herabgedrückt wurde. Die Unternehmer aber sind über die Fest: stellung, daß die realen Stunden löhne von 1928 bis 1931 stiegen, fast aus dem Häuschen geraten. Im Maschinenbau". der Zeitschrift des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten. mird freudig erklärt, daß in den Stundenlöhnen noch eine Reserve"(!) stede. nender kleiner Irrtum unterlaufen. Er behauptet, die realen Stundenlöhne seien von Oktober 1931 bis heute unverändert geblieben. Tatsächlich sind die tariflichen Stundenlöhne in der Metallindustrie von Oftober 1931 bis November 1932 um durchschnittlich 13,6 Prozent abgebaut worden, während der Lebenshaltungskosteninder in der gleichen Zeit von 133,1 auf 118,8 nur um 10,8 Prozent zurückging. Das bedeutet eine beachtliche Senkung der Realstundenlöhne. Daß die weitere Berkürzung der Arbeitszeit die realen Wochenverdienste weiter gesenkt hat, muß auch der Maschinenbau" feststellen Zur Zeit werden die Realwochenlöhne der Metallarbeiter um mindestens 15 Prozent niedriger sein als 1928. Das Statistische Reichsamt hat berechnet, daß schon im Ottober 1931 gegen 1913 die Realwochenlöhne um fast 17 Prozent niedriger waren; heute werden sie um mehr als 20 Pro= zent gegenüber der Vorkriegszeit gesunken sein. " Aber all das interessiert den„ Maschinenbau" nicht. Er faselt von Reserven" in den nominalen Stundenlohnsägen, obwohl er selbst die allein ausschlaggebende Bedeutung der Reallöhne unterstreicht. Ueber die Bedeutung der Massenkaufkraft weiß er recht gut Bescheid. wenigstens dann, wenn er der Landwirtschaft Predigten hält. Daß der deutsche Export unter zu hohen deutschen Löhnen zu leiden hätte, wird selbst der Maschinenbau" nicht zu behaupten wagen. So bleibt wieder einmal als einzige Erklärung für diese Stellungnahme ein Unternehmergeist, der den Lohnabbau zum Prinzip erhoben hat. Mehr als 6 Millionen Arbeitslose, Rückgang des Arbeitseinkommens von 43 Milliarden Mark( 1928) auf 26 Milliarden Mart( 1932)- und dann Lohn abbau! Die blind wütende Reaktion schlägt in ihrem Haß gegen die Arbeiterklasse die letzte Stütze des tapitalistischen Wirtschaftssystems, die Massenkauskraft, in Stücke. Stützung und kein Ende Und der Steuerzahler blecht Wir haben längst einen lückenlosen Schutzzoll für die Landwirtschaft. Dazu ist immer stärker die innerdeutsche Marktbeherrschung getreten. Zollund Kartellwirkung werden also vereinigt. Von freier Wirtschaft ist in der Landwirtschaft schon längst nicht mehr die Rede. Die Reichsregerung hat neue Maßnahmen beschlossen, die die Zwangswirtschaft in der Landwirt= schaft verstärken. Ein großer Teil auch dieser Maßnahmen geht auf Kosten der Steuerzahler und der Verbraucher. Eine neue Notverordnung des Reichspräsidenten, deren die Gesamtwirtschaft schädigende Wirkung diesmal vielleicht nicht allzu hoch zu veranschlagen ist, betrifft die Fernhaltung von aus= ländischem Käse, der in den deutschen Schmelztäsereien zur Herstellung von sogenanntem Schmelztäje( z. B. rindenloser Emmentaler) verwendet wird. Der Reichsernährungsminister. wird ermächtigt, anzuordnen, daß und in 1/2 Millionen Arbeitslose hat allein der Rückgang der Fertigwarenausfuhr in den Jahren 1929 bis 1932 erzeugt. Das schreibt die halbamtliche Zentrale für Heimatdienst, die dazu auch folgendes erschütternde Bild über die deutsche Außenhandelsentwicklung veröffentlicht. Reiner Warenverkehr in Millionen RM 1400 1300 1200 1100 1000 Ausfuhr 900 Ausfuhr 800700 600 Einfuhr 500 400 300+ 200 1001930 O 1931 1932 DLD 1400 1300 1200 1100 1000 900 800 700 600 5.00 1933 4.00 -300 200 +100 O FMAMJJASOND3FMAMJJASON D3FMAMJ SONDS FHAM33ASOND Die Wiedereinstellung dieser 1½ Millionen Arbeitslosen wäre durch eine vernünftige Handelspolitik möglich. Dem steht die exportfeindliche, einseitig agrarische Politik der jetzt Herrschenden entgegen, die auf die Dauer den Massen der Bauern nur Schaden bringt. Die Sozialdemokratie will auch diesen 1% Millionen wieder Brot geben. Kämpft für Liste 2, Sozialdemokraten! welchem Umfang bei der Herstellung von solchem Schmelzfäse inländischer Käse verwendet wird. Wieder handelt es sich also um die Methode des Verwendungszwanges, die hier zur Anwendung kommt. Die von der Reichsregierung dazu gegebene Begründung dürfte allerdings hinsichtlich der Behauptung unzutreffend sein, daß die deutschen Schmelztäse- Erzeuger immer mehr zur Verwendung ausländischer Rohstoffe übergegangen seien; denn bei den Einfuhrpositionen, die in Frage kommen, ist keine Einfuhrvermehrung festzustellen. Ferner wird der Reichsernährungsminister ermächtigt, die Anbaufläche für Hopfen zu Zunächst ist dem Maschinenbau" ein bezeich- regeln. Der Bierverbrauch ist zurückgegangen, die Hopfenpreise waren sehr stark gesunken, der Versuch der Anbaueinschränkung hatte Erfolge bei der Preisgestaltung, und man möchte jetzt eine neue Ausdehnung der Anbaufläche ver hindern. Wenn hiergegen auch nicht allzuviel zu sagen ist, so ist die Feststellung berechtigt, daß Hugenberg hier ein neues Stüd Plan= wirtschaft durchzuführen hat. Bon erheblich größerer Bedeutung ist eine neue Futtermittelaktion, die auf Anordnung der Reichsregierung von der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft durchgeführt wird. Es handelt sich darum, daß gefärbter ( Eoiin) Roggen zusammen mit Kar toffelfloden zugunsten der großbetrieblichen Schweinemäster verbilligt abgegeben werden soll. Die billige Auslandsgerste wird völlig aus der Schweinefütterung verbannt. Kartoffelflocken werden von der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft zu 135 M. die Tonne und Eosin- Roggen zu 132 bis 140 M. die Tonne an die Mäster verFREITAG. 24. FEBRUAR 1933 und Stahldraht, Drahtneze und Drahtnägel vorsieht. Diese Zollsenfung steht mit den deutsch englischen Wirtschaftsverhandlungen nicht im Zusammenhang, bei denen auf deutscher Seite eine Erhöhung der englischen Kohlenkontingente, auf englischer Seite ein Abbau verschiedener Baumwoll- und Gewebezölle in Betracht kommt. Ein neuer Rückschlag! Beschäftigung schlechter denn je Als im Sommer vorigen Jahres auf einzelnen Märkten die Preise leicht stiegen und in einzelnen Industriezweigen aus Sondergründen die Beschäftigung sich etwas besserte, da riefen die Unternehmer Hosionna!" Und Herr von Papen machte sein berühmtes Anfurbelungsprogramm mit den Milliardengeschenken für die Unternehmer, das völlig verpuffte. Daß die Lage der deutschen Industrie bei fortgesetzter Exportdrosselung und zunehmendem Kaufkraftmord immer schlechter werden muß, das zeigt die Industrieberichterstattung des Statistischen Reichsamts für Januar. Zahlenmäßig sieht das so aus; Geht man von der Voraussegung aus, daß alle Arbeitsplätze der Industrie besetzt sind und daß alle Arbeiter die volle Arbeitszeit arbeiteten, so kann man die Gesamtzahl der in der Industrie möglichen Arbeitsstunden errechnen. Sezt man diese gleich 100, so find im Dezember nur 36,4, im Januar aber nur 33,3 Stunden geleistet worden. Die gesamte Industrie ist also gerade zu einem Drittel ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Das Alarmierende an diesen Feststellungen ist, daß von diesem Rückschlage in erster Linie die Verbrauchsgüterindustrien betroffen wurden. Sie boten bisher noch eine Stütze für die industrielle Beschäftigung. Bei ihnen wurden. im Dezember 43,5, im Januar nur noch 39,7 Prozent der möglichen Arbeitsstunden geleistet. Alle Industrien dieser Gruppe( Textilien, Hausrat, Nahrungsmittel) find gleichmäßig betroffen. Geringer war der Rückschlag in den Produktionsgüterindustrien. Diese Ziffern beweisen, daß die Entwicklung der industriellen Beschäftigung einer Katastrophe zutreibt. Wenn die Exportdrosselung und die Kürzung des Masseneinkommens die Unternehmer rüsten zu neuem Lohnabbau! fortgesetzt werden, dann wird der Tiefpunkt der industriellen Krise noch lange nicht erreicht sein. Und die Regierung Hitler- Hugenberg? Sie will die industrielle Arbeitslosigkeit durch Autarkie bekämpfen? billigt verkauft. Soweit sich bis jetzt übersehen Hamburg hat das Wort! läßt, dürfte das Reich bei der Roggenabgabe 20 bis 28 m. je Tonne und bei der Kartoffelflodenabgabe mindestens 30 m. je Tonne zuzuzahlen haben. Es handelt sich also um zusätzliche Reichsausgaben zugunsten der Getreideund Kartoffelstüßung im Betrage von vielen Millionen Mark. Mit der früher auch von der Sozialdemokratie gutgeheißenen Eosin- Verfütterung haben diese neuen Stügungsmethoden nicht das ge= ringste mehr zu tun. Da der Roggen früher mit der billigen Auslandsgerste gefoppelt wurde, ergaben sich für die Reichskasse selbst keine direkten finanziellen Opfer. Erster Zollabbau in England Nach der Aera der Zollerhöhungen im vergangenen Jahr beginnt England jetzt mit dem Abbau verschiedener Zollpositionen. Bereits Anfang nächster Woche tritt eine Verordnung in Kraft, die eine Herabsetzung der Zölle für verschiedene Textilien, in erster Linie Teppiche, somie getrocknete Früchte und, mas den deutschen Export in erster Linie interessiert, für Eisen,, Ungeheure Verantwortung der Reichsregierung" Der neue Generaldirektor der Hapag, Böger setzte sich anläßlich der Indienststellung eines neuen Ueberseedampfers in Hamburg in scharfer Form mit der neuen Agrarpolitik der Hitler Regierung auseinander. Böger erklärte, daß allein die Einfuhrsperre für Futtergerste einen Frachtausfall von 320 000 Tonnen und 2,5 Millionen M. für die Hamburger Schiffahrt nach sich ziehe. Die Schiffahrt müsse als lebenswichtiger Wirtschaftszweig verlangen, daß agrar- und zollpolitische Maßnahmen vermieden werden, die ihre Existenz bedrohen oder gar vernichten. Der neuen Reichsregierung falle eine ungeheure Berantwortung Sie habe zu! die Pflicht, eine Politik einzuschlagen, welche die Werte schone, für deren Wiederaufbau im vergangenen Jahrzehnt Hunderte von Millionen Kapital eingesetzt werden mußte. In den deutschen Häfen und Schiffahrtslinien seien mehr als drei Milliarden Mark Werte investiert, also ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Volksvermögens. Seit 1926 habe die SchiffDer Wille zur Gesundheit und die Kultur des Geschmacks verlang= ten zu Beginn des Jahrhunderts eine Lösung des Kaffeeproblems. Den Geschmack, das Aroma, die Anregung galt es zu erhalten, die Aufregung, deren Ursache nur das Coffein sein kann, dagegen auszuschalten. Kaffee Hag hat dieses Problem gelöst. Er wurde geschaffen, weil die Zeit ihn verlangte. fahrt über drei Milliarden Mark Devisenüberschuß erzielt und auch in dem letzten Jahr noch 275 Millionen, Unter diesen Umständen müsse jede handels- und schiffahrtsschädliche Politik unmittelbar auf die Zahlungsbilanz zurückschlagen. Englands Export sinkt wieder Die Bilanz des britischen Außenhan dels für den Januar zeigt eher eine Verschärfung der Depression als eine Festigung geschweige denn Besserung der Lage. Die Einfuhr als Baro meter des inländischen Beschäftigungsgrades ist auf 54,1 gegen 60,6 Mill. Pfund Sterling im Dezember gesunken und der Export von 32,4 auf 29,2 Mill. Pfund. Einschließlich der Wiederexporte ergibt sich bei einer Gesamtausfuhr von 33,1 gegen 36,5 Mill. Pfund ein Einfuhr= überschuß von 20,8 Mill. Pfund. Der Export nähert sich damit wieder seinem niedrigsten Stande vom vergangenen Sommer. Ueberschuß bei der Reichspost Die Deutsche Reichspost erzielte in dem dritten Quartal des laufenden Rechnungsjahres 1932/33, also vom Oktober bis Dezember Einnahmen in Höhe von 438 Mill. M., während die Ausgaben 416 Mill. M. betrugen. In den meisten Verkehrsabteilungen lagen die Umsäge über dem Stande des vorhergehenden Quartals, erreichten jedoch noch nicht die Höhe der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer betrug Ende Dezember 4 307 722 Personen. Von Gebühren befreit waren 512 141 Personen. Die Kohlenproduktion im Januar. Im Januar betrug nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts die Steinkohlenförderung rund 9,30 gegen 8,70 Mill. Tonnen im Januar 1932, die Braunkohlenförderung 11,23 gegen 9,59 Mill. Tonnen, die Kofsprobuftion 1,76 gegen 1,64 und die Brikettproduktion 2,55 gegen 2,22 Mill. Tonnen im entsprechenden Monat des Vorjahres. 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Erst in den folgenden Tagen der fünftlichen Ruhe wird die Frau gewahr, mie völlig verzehrt ihre Kräfte maren. Die Nerven schmecken den Frieden wie eine heilende Salbe. Und der Boze wird auch nach und nach unbefangener in der Gegenwart des Vaters und baut nun nicht mehr das Jollios- Wert" Denn einem Vater, der still hinter seiner Zeitung sigt, gehorcht man gern. In den Abenden auf dem Balkon fühlt Elsbeth nur den einen Wunsch, daß alles so bleiben möge. Der Abend, das ist jetzt der Garten des Paradieses. Die Frau bittet den Engel, sie nie wieder fortzutreiben in 3ank und Unfrieden hinein. Der Engel... weigt. Er blickt durch sie hindurch, mit den fernen Augen eines Unbekannten, an den zu denken der Frau eine unbestimmbare und darum quälende Furcht einflößt. Am fünften Tage sendet der Engel seine Botschaft, die schon mehr gefürchtete als noch erhoffte Botschaft: ein Brief des Dichters Distel aus Berlin, Elsbeth erblaßt, schickt Herbert zum Spielen fort und öffnet den Umschlag sodann am Küchenfenster mit einer Haarnadel, die in ihrer Hand zittert. Distel dankt mit schlichten Worten für das seltene Vertrauen, das er durch seine Gedichte gefunden hat. Und er rät der Frau, sich mit allen Gedanken und Empfindungen möglichst bewußt und weit von ihrem Manne zu entfernen. Denn nur so bestünde die Hoffnung, daß sie sich eines Tages wieder finden könnten. Das beste wäre es deshalb, wenn sie den Mann für einige Zeit verlassen tönnte. Aber das aus praktischen Distel, wurde Elsbeth ruhig und fühlte sich irgendwie befreit. Sie war des festen Glaubens, daß sie richtig und nach dem Gebot ihrer Kirche gehandelt hätte. Distel antwortete brei Tage später, daß er gern ein Bild jener Frau besigen würde, die seiner bitteren Menschenmüdigkeit so wundersam entgegenwirte. Ja, leider müßte er ihre großherzige Hilfe annehmen. Vor einigen Stunden erst hätte man ihm auch noch seine Schreibmaschine für schuldige Arztkosten gepfändet. Er müßte nun also so lange arbeitsunfähig bleiben, bis er die geforderten siebenzig Mark bezahlt hätte. Der Gewissenskampf lebt in Elebeth wieder auf, diesmal nur noch sehr viel heftiger. Die sparsame Frau des Werkarbeiters, die mit klein sten Beträgen rechnen muß, ist erstaunt und auch schon empört, so oft sie darüber nachdenkt, wofür der Dichter ihr ,, vieles Geld" so schnell ausgegeben hat. Und das hilflose, aufgescheuchte Mutterwesen wiederum fühlt sich ergriffen von dem Bekennt nis, daß auch sie ihrerseits, eine einfache Arbeiter= frau aus Siegen an der Sieg, solch einem Dichter etwas bedeutet. Und schließlich ist da auch noch eine junge Frau, der es schmeichelt, daß ein Herr und Dichter aus Berlin ihr Bild erbittet. Aber sie hat keins, das ihr geeignet erscheint. Die letzte Photographie zeigt sie als Konfirmandin, mit festen Zöpfen und im weißen Kleide. Nach zwei Tagen der Zweifel und der Versuchung schickt Elsbeth die siebzig Mart. Sie glaubt, den Dichter jezt nicht enttäuschen und im Stich lassen zu dürfen. Der erste Schritt zwingt den zweiten herbei. Dann geht sie nach Oberfiegen und läßt sich photographieren. Auf die Rückseite des Bildes schreibt sie:„ Sie sehen, es ist nicht viel an mir dran. Das bißchen Herz ist nicht mit drauf gekommen. E. S." Dies bestreitet Distel in seinem nächsten Briefe sehr entschieden. Ihr Gesicht wie ihre Handschrift zeige überall die Herzform, in der Bildung von Stirn, Nase und Kinn wie in der Zeichnung der Lippen. Und ja, in den Augen wohne ein solcher Reichtum schönen und tiefen Empfindens, daß er jetzt wirklich ein wenig verliebt sei. Leider müßte er vorerst an ernste und weniger erquickliche Dinge denken, da der Arzt ihm eine strenge Badekur verordnet hätte, zu der ihm allerdings nichts anderes als das leidige Geld fehle. Nachdem Elsbeth diesen Brief gelesen hat, herrscht in ihr nur noch ein Gefühl: Empörung! Sie ist überzeugt, daß hier ein Windhund und gemissenloser Schmufer ihre Gutmütigkeit rüdsichtslos ausbeutet. Jetzt wagt er es auch noch, da etwas von Verliebtheit zu faseln und denkt. daß eine kleine Arbeiterfrau und Schneiderin aus Siegen an der Sieg auch an diesem Honig noch fleben bleiben wird! Das ist ja nachgerade zum Lachen! Wie war es möglich, daß Elsbeth dennoch eine dritte Geldsendung an Distel schickte, mit der der Rest ihrer Ersparnis davonging? Nun, es geschah einfach aus Zorn, aus Zorn mehr über sich selbst als über den Dichter. Die Frau dachte streng und flar: du hast dich nun einmal dumm machen lassen, jezt mußt du auch den harten Kanden noch essen. Eher läßt der Kerl dir ja doch keine Ruhe. Ja, vielleicht ist er sogar noch gemein genug, an Karl zu schreiben und dich zu verraten! Bor solch einem Erpresser fann man sich nicht genug in acht nehmen. Und so schrieb sie ihm auch, daß dies num ihr letztes Geld sei, da ihr Mann feine leberstunden mehr mache, vielleicht vor dem Ahbau stünde. Und somit gute Erholung und adieu! Elsbeth grämte sich sehr. Und nicht nur über das viele schöne Geld, das sie so leichtfertig fortgegeben hatte. Und nicht nur über den demütigenden Mißbrauch ihrer Güte. Nein, viel mehr noch über das verstockte Wesen, das ihr Boze dermeil angenommen hatte. Erst jetzt, da sie den Unbekannten haßte und ihn zu vergessen sich bemühte, wurde ihr bewußt, wie lieblos fie die ganze Zeit zu ihrem Jungen gewesen war. Seine läftigen Fragen nach den Briefen, die stets mit der zweiten Post gekommen waren, hatte sie schroff und mit Ausflüchten beantwortet, in denen das Kind die Lüge spürte. Und wenn sie heimlich zur Post oder zur Sparkasse gehen und Herbert sie begleiten wollte, so bekam er ein ungeduldiges ,, Nein! Du bleibst hier!" oder: Geh spielen!" zu hören. Nun saß Herbert blaẞ, reglos und traurig auf dem Teppich und starrte vor sich hin, ein vereinsamtes Kind, zu dem niemand mehr lieb war und das unsagbar litt, weil es die bösen Launen der Großen nicht verstehen konnte. ( Schluß folgt.) Gründen nicht?- Von Herbertchen schreibt Diftet. Aus dem Preisausschreiben des„ Vorwärts" daß er allerdings ganz wie ein fleiner Raubritter dreinschaue, so schön und stolz. Und er bittet die Frau, sich nur wieder vertrauensvoll an ihn zu menden, sobald sie eines Rates bedürfe. Und zum Schluß entschuldigt er seine späte Antwort damit, daß er eine dringende Arbeit hätte beenden müssen, um sich endlich mal wieder ein warmes Essen leisten zu können. Und In den folgenden Tagen tämpft Elsbeth mit der Versuchung, dem Unbekannten heimlich Geid zu schicken. Sie hat von ihrer Schneiderei einiges erübrigen und auf die Sparkasse legen tönnen. Karl weiß nichts davon. Und Elsbeth, die bescheidene Arbeiterfrau, für die jede Mark ,, piel Geld" ist, denkt: nein, ich darf von dem Ersparten nichts fortnehmen. Das ist Herbertchens Geld. Und wenn Karl nun doch abgebaut wird? Elsbeth, die gutherzige und einfältig empfindende Mutter aus dem Bolke denkt: wir haben hier noch genug. Und er, ein so gütiger und fluger Mensch, fann sich nicht mal ein warmes Essen leiften! Wenn das nun mein Junge wäre? Und ich habe ihm doch geschrieben, daß ich mich schäme, ihm nur mit Worten danken zu können. Jegt müßte ich mohl beweisen, daß das nicht nur eine Redensart war? Und nach jeder Mahlzeit und bei allen Einkäufen ist die Frau entschlossen und denkt: ich tu's! Und sobald sie auf ihren Boze blickt, wird sie rot und legt das Sparkassenbuch wieder in das Spind. In den Tagen ist sie fahrig bei jeder Arbeit, immer wieder läßt sie die Näherei sinken und starrt vor sich hin in den Nächten fann sie nicht einschlafen und fühlt ihr Herz unruhpoll pochen. Und wenn sie endlich entschlum mert, dann wird sie von Elendsgestalten mit hungerstieren Augen bedrängt. In diesen inneren 3mist hinein kommt ein zweiter Brief von Distel. Ja, er sei besorgt, da er nichts mehr gehört hätte. Er bittet, ihm doch mit wenigen Worten mitzuteilen, ob sein Rat sich bewähre oder ob die Verhältnisse sich etwa noch nerschlimmert hätten. Vielleicht hätte er mit der ihm eigenen schroffen Konsequenz doch etwa Undurchführbares geraten, vielleicht wäre es wirklich das beste, wenn die Frau für einige Zeit von Siegen fortginge? Mit einem Nachmort ersucht er um Nachsicht für die kaum leserliche Bleistiftschrift. Aber er liege schon seit einigen Tagen mit wechselndem Fieber und sei sehr schwach. Lieber Himmel!" ruft Elsbeth unmill. türlich aus, jetzt ist er auch noch frank! Krant, ohne Geld und also auch ohne Arzenei und Pflege!" Nein, jetzt tann es für sie kein Bes denken mehr geben. Es wäre doch herzlos und einfach unchristlich, einen solchen Menschen da so hilflos liegen und verkommen zu lassen! Wenn jemand nach langem Zögern zu der Einsicht gelangt, daß ein Zaudern falsch und piel= leicht sogar unheilvoll war, so wird er nun um so hemmungsloser und großzügiger handeln, Nach Distels erstem Briefe hatte Elsbeth nur an einen fleinen Geldbetrag gedacht. Heute jedoch, erfüllt von Reue und geleitet von dem Wunsche, das Berfäumte mieder gutzumachen, schien ihr jeder höhere Betrag noch immer nicht ausreichend zu sein. Zulegt schickte sie eine Summe ab, die für ihre Verhältnisse wirklich ein Vermögen" bedeutete, und ließ außerdem durch einen Kaufmann im benachbarten Getsmeid Rotmein, Obst und Kekse an den Kranken senden. Sie legte dem Balet einige Beilen bet, mit denen sie das gegen märtige gleichgültige Nebeneinander zwischen Starl und ihr andeutete. Sie hoffe nur, daß alles fo bleiben möge. Denn von Karl und von Siegen fortzugehen, nein, dazu sei sie noch nicht fähig. Karl jei nun einmal ihr Mann und der Bater ihres Boge. Hier wäre nun einmal ihr Platz, hier müßte sie aushalten, fomme auch immer, mas da molle. Nachdem Geld und Patet nun abgeschickt waren, Gerda Ziefe: Das schwarze Ungeheuer Diese Arbeit erhielt den 3. Preis im Preisausschreiben des Vorwärts". Die Autorin, eine 17jährige Kontoristin, schildert überzeugend die äußere und innere Umwandlung, die durch die Mechanisierung auch in den Angestelltenbüros hervorgerufen wird. Schon der frühe Morgen im Büro begann bedrückt und trübe. Komisch war doch dieser heutige Tagesanfang. Sonst gab es soviel zu sprechen. Nicht einmal vom Wetter war heut die Rede. Meistens wurden wenigstens vor Beginn die Tagesereignisse diskutiert. Aber nichts von alledem war heut zu hören. Schon längst huschten die fnarrenden Federn über das Papier. Im Zimmer mar fein Laut weiter vernehmbar. Nur von draußen, vom Hof, vernahm man die Stimmen der Arbeiter, die die Waren auf ihre Autos luden. Dazwischen Pfeifen und Hupen. Warum nur war heute alles so stumm? Hatten sich diese sonst so lebhaften und friedlichen Menschen alle gezankt? Nein, sie hatten sich nicht gezankt, und sie machten dieselbe Arbeit wie immer. Nur einmal wurde die Stille im Zimmer auf einige Sekunden unterbrochen: ,, Wie laut das heute draußen ist, man kann hier gar nicht rechnen. Ach, Fräulein Scholz, würden Sie vielleicht mal das Fenster schließen?" Die Uhr schlug halb zehn. Es war Frühstück. Man hörte halblautes Gefnister der Butterbrotpapiere und endlich kam einer mit der Sprache heraus. ,, Sagen Sie mal, meine Damen, wann fommt denn eigentlich die Maschine?" Zwischen zwei und drei Uhr", war die Ant wort. Ach, diese Buchhaltungsmaschine war es, die die Buchhalterinnen so betrübte. Wieder ließ sich eine Stimme vernehmen: ,, Mir schmeckt es heute gar nicht, mir wird es überhaupt bis zum Ultimo nicht schmecken." ,, Ja, wissen Sie, vorige Woche habe ich noch auf den Geldtag gemartet, aber jegt?" Ma, ich bin bloß gespannt, wer von uns die Maschine bedienen wird." ,, Vielleicht niemand von uns." ,, Wenn mir bloß der Gedante tommt, habe ich genug. Denn das eine steht fest, daß mir alle entlassen werden." Ja, das wußten alle, daß sie am Ultimo nicht nur die Lohntüte in die Hand gedrückt bekommen würden, sondern auch ein Kuvert, das die Kündigung enthielt. Die Uhr zeigte bereits auf zehn. Wieder ein halblautes Papiergeknister und schon knarrten die Federn. Die Stunden eilten dahin wie die vergangenen. Fräulein Scholz, würden Sie mal das Fenster öffnen?" ,, Was steht denn da draußen für ein Auto? Sehen Sie mal, Fräulein Ehmke! Soll jezt etma schon das schwarze Ungeheuer fommen?" Unsere traditionellen Hosentage bringen ,, Ja, Zeit ist es eigentlich Schade, daß man nichts Genaues sehen kann." ,, Tür uff", ließ sich von draußen eine grobe Männerstimme vernehmen. Die tiefgebückten Häupter fuhren erschrocken auf. Schnell wurde die Tür geöffnet, damit das große, schwarze Etwas Einlaß fand. ,, Do, Mag, faß ma dahinten an, so, und nu hoch, hopp!" ,, Du, id globe, wir müssen de Tür rausnehmen, sonst jeht se doch nich rin." Die Tür wurde herausgenommen, und man rollte das plumpe Gestell direkt in die Mitte des Zimmers. Alle sahen mit einem Blick, der mehr Haß als Angst verriet. auf die Maschine. Dieses schwarze, lebloje Ungeheuer hatte also die Freundschaft und die Wärme, die sonst in diesem Zimmer herrschte, gebrochen Ja, marum meigerte sich keiner, die Maschine zu bedienen? Warum? Die Arbeiter verschwanden, wie sie gekommen maren. Man wechselte erstaunte und mütende Blicke. Niemand bekam ein Wort über die Lippen. Schritte im Flur. Der Bürochef öffnete die Tür. Ja, meine Damen, ich dachte mir das so... an die Stelle des Tisches von Fräulein Meier die Maschine hinzustellen, und Sie, Fräulein Meier, fönnen sich vorläufig bei jemandem mit ransezen." Borläufig fich bei jemandem ransetzen: was hieß diefes Borläufig" anders als bis Ultimo! Man Angebote von wirklicher Billigkeit! A Ja greift jeder zu! Herren Hosen in neuen, dunklen Streifen- Mustern, ganz ungewöhnlich vorteilhaft im Preis, M. 1.95, Pf. 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Endlich rückte der Zeiger auf fünf Uhr. ..Feierabend". Schnell wurde die Arbeit fortgetan, schneller als sonst, und einer nach dem andern verließ das Zimmer mit einem flüchtigen ,, Auf Wiedersehen". Gleich am andern Morgen, kurz nach acht Uhr. als alles schon gebückt über der Arbeit saß, öffnete sich die Tür. Der Bürochef erschien mit einer fremden Dame. ,, Meine Damen", sagte er ,,, darf ich Ihnen vorstellen: Fräulein Köhler; sie wird in der nächsten Zeit die Maschine bedienen." Mit haßerfülltem Blick sah man auf die eben Erschienene. Ein gezwungenes Lächeln lag beim Gruß auf den Gesichtern. Die Dame kleidete sich um und sagte:„ Ich werde jezt jeden Tag auf zwei Stunden kommen, um mich einzuarbeiten." Sie nahm einen Stuhl und rückte an das plumpe Tier heran. Schon war ein Bogen eingespannt und das Gehämmere ging los. Es war mirklich ein Gehämmere. Es war taum das eigne Wort zu verstehen. Es war gerad so, als schlüge ein kleiner Hammer einem auf den Kopf. Und das sollte nun jeden Tag zwei Stunden so sein. Na, es waren nur noch drei Tage bis Ultimo, also noch sechs Stunden. Aber nach Ultimo, da wird sie dann acht Stunden am Tage so hämmern. Wer weiß, ob wir dann noch hier sizen werden. Endlich schob die Dame ihren Stuhl zurück, die beiden Stunden waren vorüber, Sie fleidete sich wieder an. Ihre Bewegungen gingen wie die einer Maschine vor sich. Sollte also diese Dame auch nichts anderes mehr sein als das plumpe Tier dort in der Ecke? ,, Auf Wiedersehen, meine Damen, bis morgen." ,, Auf Wiedersehen." ,, Mein Lebtag möchte ich nicht so eine Maschine bedienen", sagte eine Kollegin. Haben Sie nicht ihre Bewegungen gefehen? Die gingen direkt maschinell vor sich." ., Ja, wer weiß, wie lange sie schon eine Maschine bedient hat?" ,, Ach, schrecklich, mer bloß die ollen Maschinen erfunden hat. Es ist ja kein Wunder, wenn die Menschen alle so stumpfsinnig werden." Wieder verging ein Tag. Und so wie dieser vergingen noch zwei Tage. Der dritte Log, der Ultimo, auf den sich sonst jeder gefreut hatte, kam heran. Es herrschte schon früh eine große Aufregung in der Buchhaltung. Niemand hatte recht Lust zum Arbeiten. Wieder furz nach acht ertönte das zweistündige Gehämmere, vielleicht heute zum letzten Male. Und endlich, um zwölf Uhr, sollte es sich entscheiden. Die Lohnbuchhalterin erschien mit ihren Gehaltstüten. Sie rief die einzelnen auf. Wirklich, alle Buchhalterinnen bekamen noch ein Kuvert in die Hand gedrückt. Und was gab man als Grund der Entlassung an? Wegen Umstellung des Betriebes." Kamako reicht die Opiumpfeife.. Erzählung aus dem fernen Often/ Von Ollo Larsen Bir ankerten am Pier in Reev- lun, Hongkong. Zwischen tausend Sampans, fleinen Wohnbooten, die Haus, Hof, Garten und Spielplaz der ganzen Familie waren Auf den weit geräumigeren Dschunken wohnte wohl auch die ganze Verwandtschaft mit. Der Kochmaat rief mich in die Küche. Er hatte eine Menge Knochen, Fleischabfälle und Brot aufgestapelt.„ Nimm du das Brot mit!" Im Abwaschraum warf er alles auf das Ablaufbrett und ein Stück Brot mit Schwung aus dem Fenster. „ Siehst du, da kommen sie an." In den zwanzig Sampans, die im Nu unter dem Bullauge landeten, standen ausgemergelte Frauen mit Gesichtern wie Mumien, und hielten uns ein fleines Net an einer langen Stange entgegen. Wir verteilten alles und hätten das ganze Schiff auspacken fönnen. Alle hätten wir nicht satt gefriegt. Ich fing an, neugierig zu werden. Vor uns baute sich Victoria, das europäische Viertel, auf. Weiße, schöne Bauten kletterten den Berg hinauf. Da ich hier abmustern wollte, ging ich sofort mit Bill an Land. Was sind die Straßen der Chinatown in New York gegen dieses Straßengemirr und die Buntheit in Hongkong! Hai- Hai" schrien die Kulis, die unsere Rikschahs durch diese ewig flutende Menge zogen. Die langen Fahnen mit den golaus. dem Leben der Samurais ausgestattet war. Tee wurde mir serviert, und„ Kamako", meine Dienerin, verneigte sich lächelnd, wenn sie tam und wenn sie ging. Niedlich! Nur mit dem Sigen wollte es nicht gehen. Ich schob den kleinen Tisch beiseite und streckte meine langen Beine Der Chinese kam und kassierte einen Dollar. Dann erschien die Kleine mit der Opiumpfeife. Erst wollte ich die Pfeife zurückgeben und lieber mit dem Mädel plaudern, aber die Kleine machte ein entsegtes Gesicht und zeigte nach der Tür. Neugierig war ich auch. Ob soviel an dem Zeug dran war, wie die Leute immer schrieben? Dann pflückte ich eine„ Camel" auseinander und stopfte die Pfeife Ein Fingerhut voll Tabak, der von einer kleinen Kugel Opium gekrönt wurde. Erst sprang ich noch einmal auf, um nach Bill zu sehen. Der lag auf seinem Divan, die Teetasse neben sich, und rauchte. Nun ein paar Züge. Das Neue, Unbekannte. Ich focht einen furchtbaren Kampf mit den Samurais um den Besiz Kamakos, in dessen Verlauf ich leider die Teetasse und den kleinen Tisch zerschlug. Ich muß furchtbar getobt haben. Bei Tagesanbruch fand ich mich in der Mitte des Zimmers wieder, Kamato lächelnd an meiner Seite Einen Dollar Buße für im Traum zerschlagenes Geschirr! " Wo ist der Gentleman?" Tut mir leid er sein weg mit Rifschah", sagte der alte Chinese. Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt bis an Bord Mir war unheimlich zumute. Bill würde doch nicht allein gegangen sein! Als ich an Bord kam, war Bill nicht da. Zwei Stunden später kam ein völlig zerlumpter Chinese an die Gangway. Der Bootsmann sagte mir, der wolle mich sprechen. Es war Bill. Man hatte ihn im Opiumrausch in eine Rikschah gepackt, in einen Vorort gefahren, ausgeplündert und ihm die alten Lumpen angezogen. Seine 40 China- Dollar waren futsch. Mich zu berauben, hatte sich nicht gelohnt Aber den Wert eines Anzugs vom besten Schneider aus London- City und wundervoller Wäsche erkannte sogar der China- Gauner. Darum steckte er Bill in die Schmufezen. Nachher, als Bill in der Badewanne vor Zu friedenheit und Sauberkeit dampfte, grinste er immer noch:" Mensch, niemand hätte mich gefunden, wenn die mich auch geschmort und gefressen hätten. Aber ich sage ja immer: mein Otto Larsen. Leben ist keinen Schilling wert." denen Lettern, die weißen Schriftzeichen auf den Historische Miniaturen und das ganze neumodsche Zeug! Du malft doch schwarzen, die schwarzen auf den weißen Fahnen. die alle im Winde eigenartige Bewegungen machen. Die Straßen der Bäcker, in denen es nach Del riecht, und die fliegenden Bäcker, die ihre Ware gleich an die Kundschaft verkaufen. Die Schuhmacher, die Holzschneider, die Buch drucker, Juweliere und Schlachter; alle Straßen durchfuhren wir, ließen halten, wo es etwas zu sehen gab, und das war für den Neuling überDann begegnete uns ein Trauerzug. genug. Traurig sahen die Leute nicht aus. Mit Gong und Flöte machten sie Musik und schwenkten lange, weiße Fahnen mit den für uns so rätselhaften Schriftzeichen. Weißgekleidet alle die Farbe der Trauer. In einer Sänfte trugen sie den Toten. Eine andere Sänfte zeigte mur ein handgemaltes Porträt, wahrscheinlich das des Toten. Bill reichte dem Kuli ein Kärtchen Rikschah sauste mit uns ab. die Es war schon dunkel geworden und in dem Straßengewirr, das jetzt noch unheimlicher aus= sah als am Tage, fuhren die beiden uns so lange kreuz und quer, bis ich alle Orientierung verlor Dann stoppten sie neben einem Keller. Auf ein Klopfzeichen öffnete sich eine Rize oben in der Tür. Die Karte wechselte zu einem Chinesen, der uns durch ein kleines Guckloch mit lauerndem Blick musterte. Eine zierliche Japanerin nahm mich in Empfang. Der schmale, lange Gang mündete in ein Zimmer, in das der Chinese mit Bill verschwand. Die Japanerin führte mich in den Nebenraum, der nur mit Lacktisch, Kohlenbecken, einem kleinen buddhistischen Haustempel, ein paar Ratemonos, langen, schmalen Wandbildern voll Szenen aus Warum Spigweg feine Zeit hatte. Sie saßen im Bräuhaus wie jeden Abend, der ältere Eduard Schleich und sein allzeit lustiger Freundeskreis unter ihnen, bescheiden und still, Karl Spitzweg, der als kleiner Apotheker begonnen hatte und als großer Maler sterben sollte. Längst hatte er schon damals den Platz hinter der Theke mit dem Platz vor der Staffelei vertauscht, längst rührte er Farben statt Salben, und die behagliche Lustigkeit und das glühende Kolorit seiner Landschaften und Bürgerszenen hatte ihm bereits viele Bewunderer geworben. „ Habt's ihr gehört?" erzählt Schleich.„ Sie bau'n schon wieder eine neue Bahn dahier in München. Sie wollen ein paar alte Gassen niederreißen und eine Schienenstraße legen. Und eine Geschwindigkeit soll die neue Eisenbahn friegen, wie man's noch gar net fennt. Ah ja, die Menschen tun alleweil, als ob f' gar keine Zeit mehr hätten." Wirklich und wahrhaftig," stimmte einer zu, ,, sie woll'n nur immerzu weiterfommen, immerzu fortkommen, und wo f' hinkommen, das ist ihnen schon ganz egal." " Immerzu eilen, nirgends verweilen." Sie haben keine Zeit mehr, die Zeit hat sie!" Spitzweg hatte geschwiegen. Jetzt aber stand er auf, zahlte und schickte sich an, zu geh'n. ,, Aber Karl, was gehst denn scho! Tust ja grad, als wenns d' auch schon keine Zeit mehr hättst!" ,, Hab i a nöt", sagte Spigweg ernst. I mueß malen." Sie lachten.„ Du und ka Zeit net ham! Du malst do net die Lokomotiven und die Maschinen grad die alten, friedlichen Gassen, du malst doch grad die Leut, wo noch Zeit haben! Geh, bleib schon hier, kommst immer noch z'recht!" Spigweg schüttelte trübe den Kopf.„ Grad darum hab i ka Zeit nöt. Schaut's, ös malt's oder beschreibt's do dena Lokomotiven und dena Mönschen, wo's eilig ham alleweil. Eile werd's no geb'n a Jahrhundert lang, Eile und Eisenbahn und Schienen, dö lauf'n ent nöt weg. Aber i, i gehör nu amal zu dena alt'n Gass'n die wo s' abreißen tean. I müß mi sput'n, daß i's den Mönschen noch hinpinseln kann, mia guet f' mal g'habt hab'n. I male halt dees Alte, dees Sterbende, und was alt is und bald sterben mueß, dees hat nimmer Zeit..." Und er ging. Du malft, ,, Du hast recht," sagte Schleich leise. was sterben muß. Darum wirst du unsterblich sein. Du malſt die Bergänglichkeit. Darum wirst du ewig sein... Geh nur, Freund. Du liebst deine Zeit und bist ihr treu darum werden dich alle Zeiten lieben und dir treu sein!" Mecker. Kampf gegen die Grippe! Togal- Tabletten sind ein hervorragend bewährtes Mittel gegen Grippe und Erkältungskrantheiten. Togal ist start harnsäurelösend und in hohem Maße bakterientötend! Im Anfangsstadium genommen verhindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolge! Mehr als 6000 Ärzte- Gutachten! Ein Bersuch überzeugt. In allen Apotheken. M. 1,29. 12,6 Lith., 0,46 Chin., 74,3 Acid. acet. salic. Molkereibutter H 98. Pfd. von Kolonialwaren Bassin- Reis........... Italienischer Reis.. TIREZ Suppenhühner MA N N Pl. an Großer LEBENSMITTEL Verkaufen Preise nur Freitag und Sonnabend. Käse und Fette Harzer..... Pfd. von 0,24 Pid. 0,14 Allgäuer 20% Pid. 0,18 Viktoria- Erbsen....... Pd. 0,18 Polierte Erbsen. Ptd. 0,19 Bohnen...... Pid. von 0,12 Eier- Fadennudeln.... Pid. 0,40 Eier- Makkaroni..... Pd. 0,42 .Pfd. von 0,32 Pfd. von 0,22 0,57 Backobst........... Pflaumen.. Aprikosen.......... 2 Pfd. von Kaffee ir gebra.eig.Rösterei.Pfd.v. 1,90 Konserven Junge Erbsen fein.......... 0,88 Junge Erbsen mittelfein.... 0,68 Junge Erbsen... Lebensmittelzusendung von 5 M. an.- Mengenabgabe vorbehalten.- Verkauf soweit Vorrat Frisches Fleisch Pid. von 0,82 Pfd. 0,36 Schmorfleisch Allgäuer 40% Pfd. 0,58 ohne Knochen.. Pfd. von 0,72 Tils. Blockkäse 20%, Pfd. 0,44 Rinderrouladen Briekäse vollfett.. Pid. 0,56 Steinbuscher vollf., Pid. 0,66 Kalbskamm Dän.Schweizer300/ Pfd. 0,56 Tilsiter vollfett Allerfeinste **** Obst und Gemüse Zitronen... Dtz. von 0,26 Koch- u. Essäpfel 2 Ptd. 0,35 Tafeläpfel Pfd. 0,30 Mandarinen.... 2 Pfd. 0,45 Jaffa- Apfelsinen 3 Pid. 0,62 Erdnüsse ohne Beilage... Pfd. von 0,48 Pid. 0,66 Kalbskeule b. 9 Pid. Edamer, Holl., 40%, Pfd. 0,66 ganz oder geteilt, Pfd. v. 0,64 Schweizer vollf., Pfd. v. 0,76 Schweinebauch ohne Beilage....... Pid. 0,66 Molkereibutter Pid. 1,08 Schweinekammu. Markenbutter Pid. 1,12 Schuft........ Pfd. 0,78 Kokosfett....... 3 Pfd. 0,88 Bratenfett ,, Albrata" ( Kunstspeisefett)..... Pfd. 0,42 4.⭑ Wurstwaren Dose Speckwurst Sülzwurst 0,58 0,50 Gemüseerbsen Gemischt. Gemüse mittel 0,88 Leipziger Allerlei......... 0,70 Berliner Allerlei........... 0,60 Haushaltmischung aus getrockneten Erbsen hergestellt.. 0,34 Junge Schnittbohnen.. 0,39 Karotten gewürfelt............ 0,26 Kohlrabi in Scheiben, mit Grün 0,42 Birnen weiss, Frucht. 0,90 Sauerkirschen mit Stein... 0,90 Reineclauden.. 0,90 Kaliforn. Pfirsiche, Frucht 0,80 Ananas 10 Scheiben... Dose 700g 0,80 ТОНИЦА Dampfwurst Fleischwurst Jagdwurst Pfd. 0,72 Pid. 0,68 Pfd. 0,68 Pid. 0,76 Pid. 0,78 Mettwurst Braunschw.Art Ptd. 0,84 Landleberwurst.. Pfd. 0.80 WienerWürstchen Pfd. 0,92 Feine Leberwurst Pfd. 0,98 Teewurst...... Pid. 1,05 Knoblauchwurst.. Pid. 0,98 Fettdarmwurst Pfd. 1,18 .... Pid 1,25 *** Nußschinken Gek. Schinken, Ptd. 0,28 Apfelsinen 0,38 3 Pid Suppenfleisch 0,48. Pfd.von Schweinekotelett Pid. von 0,84 Rückenfett bratf., Pfd. 0,66 Schweineschulterblatt ohne Beilag., Pfd. 0,68 Schweineschinken mit Bein............ Pfd. 0,68 Hammelvorderfleisch...... Pid. von 0,68 Rinderbacken Pid. 0,38 Rinderlunge... Pfd. 0,28 Pid. 0,26 Euter Roastbeef 0,98 an an o. Kn., Pfd.von Kalbsschnitzel 1,18an Pfd.von Margarine 0,24 Pfd. von Pfd.von Puten 0,58.. an mild, Pfd.von Kassler 0,72 an Zervelat od. Salami 1,05 Pfd.von an Tafelreis Linsen 2 Pfd. od. 0,25 Rotkohl Pfd. 0,25 .... 3 Pfd. von 0,10 Weisskohl..3 Pfd. von 0,10 Kohlrüben..3 Pfd. von 0,10 Möhren gewaschen, Pfd. 0.05 Sellerie 2 Pfd. 0,15 Salat... 2 Köpfe 0,25 Blumenkohl.. Kopf von 0,18 Kartoffeln Zwiebeln 10 Pfd. 0.26 3 Pfd. 0,20 Wild und Geflügel Wildragout... Ptd. von 0,35 Hirschrücken.. Píd. von 0,74 Hirschkeule... Pfd. von 0,88 Suppenhühner fr., Pfd. 0,68 Jamaika- Rum- Verschnitt 40% Ltr. o. Fl.3,60 5 Ltr. o. Fl.17,50 Deutscher Weinbrand Ltr. o. Fl. 4,00 5 Ltr. o. Fl.19,00 Spezial- Liköre 30% FI. 2,45 10 FI., sort. 24,00 einschliesslich Flasche Bucklinge 0,35 2 Pfd. 64 Pf. an Fische Räucherwaren Lebende Karpfen Pid. von 0,58 Isl. Kabliau o. Kopf, i. g., Pfd. v. 0,24 Schellfisch o. Kopf. i. ganz., Pfd.v. 0,22 Seelachs o. Kopf, i. ganzen, Pfd. v. 0,16 Rotbars o. Kopf, im ganzen, Pfd. v. 0,26 Kabliaufilet Schollen .Pid. 0,36 3 Pfd. 0,20 Schellfisch geräuchert..... Pfd. 0,36 Fleckheringe geräuchert.Ptd. 0,34 Lachsheringe ger.... 2 Stück 0,25 Seelachs geräuchert........ Ptd. 0,32 Makrelen geräuchert...... Ptd. 0,32 Rogen...... .Pfd. 0,36 Heringe in Tomaten.... 2 Dosen 0,65 Oelsardinen......... 3 Dosen 0,88 Delikat.- Gurken Spez- Dose 0,68 Fischmarinaden -Liter- Dose 0,36,-Liter- Dose.... 0,22 Heringssalat............ Pfd. 0,58 Italienischer Salat... Pfa. 0,58 Mayonnaise.........Pfd 0,58 Grüne Heringe 3 Pfd. von 25 PL Pf. an