Morgen- Ausgabe Nr. 95 A 40 50. Jahrg. Rebattion and Berlag Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fermiprecher 7amt Donhoff 292 bis 207 Telegrammabreffe: Sozialbemotrat Berlin SONNABEND 25. Februar 1933 Vorwärts= BERLINER VOLKSBLATT Jn Groß Berlin 10 Bf. Auswärts....... 15 Pf. Bezuasberingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß des rebuftionellen Teils Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands SA. als Hilfspolizei! Erlaẞ über Einberufung von SA., SS. und Stahlhelm Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Ueber die Einberufung und Berwendung von Hilfspolizei ist unter dem 22. Februar 1933 vom kommissar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern folgender Erlaß ergangen: „ Die zunehmenden Ausschreitungen von linksradikaler, insbesondere kommunistischer haben zu einer unerträglichen ständigen Bedrohung der öffentlichen Sicherheit wie des Lebens und Eigentums der staatsbewußten Bevölkerung geführt. Die vorhandenen Polizeikräfte, deren ausreichende Vermehrung zur Zeit nicht angängig ist, werden seit langem über ihr Leistungsvermögen beansprucht und durch die häufige Notwendigkeit des Einfahes außerhalb der Dienstorte ihrem eigentlichen Tätigkeitsgebiet oft zur Unzeif entzogen. Auf die freiwillige Unterstützung geeigneter, als Hilfspolizeibeamte zu verwendender Helfer kann daher im Notfall nicht mehr verzichtet werden. Aufgabe der nur unter Führung der ordentlichen Polizei einzusetzenden Hilfs polizei wird insbesondere sein: 1. Die Entlastung der ordentlichen Polizei a) durch Unterstützung bei dem Schuh politischer Versammlungen und Aufzüge sowie b) bei der Sicherung von Lokalen und anderen Einrichtungen politischer Organisationen, c) bei Absperrungen und Unterstützung der Landjägereistreifen; 2. im Falle von Unruhen oder eines anderen polizeilichen Notstandes a) die allgemeine Unterstützung der ordent lichen Polizei, b) die Uebernahme des Schutes lebenswichtiger Betriebe sowie wichtiger, im öffentlichen Eigentum stehender oder dem öffentlichen Nuken dienender Gebäude, Einrichtungen und Anlagen." Ergänzend fei noch bemerkt, daß zu Hilfspolizeibeamten nur ehrenhafte, wahlberechtigte, auf nationalem Boden stehende Deutsche verpflichtet werden dürfen. Die Hilfspolizeibeamten führen einen polizeilichen Ausweis und tragen an ihrer eigenen Kleidung, die auch die Uniform von Berbän den sein kann, als Abzeichen eine weiße, amtlich gestempelte Urmbinde mit dem Aufdruck Hilfspolizei. Sie stehen unter Führung von Polizeioffizieren und haben während der Dauer ihres Dienstes die Befugnisse und Pflichten von planmäßigen Polizei- und Landjägereibeamten. Genfer Urteil ohne Bollstreckung? Chinesischer Hilferuf unbeantwortet Eigener Bericht des Vorwärts" Genf, 24. Februar. Die Vollversammlung des Völ kerbundes stimmte am Freitag dem Bericht der Neunzehner- Kommission mit der Verurteilung Japans wegen der Vorgänge in der Mandschurei zu. Nur Japan stimmte mit Nein. Siam enthielt sich der Stimme. Nach der Abstimmung erinnerte Präsident Hymans die Parteien an die Pflicht, innerhalb drei Monaten nicht zum Kriege fchreiten zu dürfen. Die Anwendung von Gewalt tönne den Konflikt nie lösen. Alle Staaten würden sich meiter einsetzen für die beschlossene gerechte Lösung. Der Völkerbund werde fortfahren, inmitten des Aufruhrs der Leidenschaften an der Erfüllung seiner Mission zu arbeiten. Matsuoka- Japan verlas dann eine Erklärung der japanischen Regierung, wonach Japan in der chinesisch- japanischen Streitfache nicht mehr mit dem Bölkerbund zusammenarbeiten könne. Die gesamte japanische Delegation ver ließ daraufhin geschlossen die Sizung. Am Nachmittag richtete der chinesische Vertreter Wellington Roo einen erschütternden Appell an die Versammlung zum fofortigen Handeln gegen den neuen Angriff Japans auf die chinesische Provinz 3 ehol. Eine furchtbare Schlacht sei bereits seit Tagen im Gange. Das Verhandlungsfomitee für die Durchführung der Lösung des Mandschureikonfliktes müsse sich fofort mit den nötigen Maßnahmen befassen. In der Versammlung blieb es auf diesen Anruf still. Beschlossen wurde die Einsegung eines Konsultatio Romitees für die Durchführung des Mandschureiberichts. Es setzt sich zusammen aus den Mitgliedern des NeunzehnerKomitees zuzüglich Kanada und Holland Das Komitee wird Rußland und Amerita zur Mitarbeit auffordern und im Bedarfsfall Berichte und Vorschläge an den Bölkerbund und alle an der Lösung beteiligten Staaten erstatten. Der Präsident fann die Vollversammlung jederzeit für Entscheidungen einberufen. Im Zusammenhang mit der Entscheidung des Bölkerbundes gegen Japan hat der japanische Untergeneralsekretär Sugimura seinen Rüdtritt eingereicht. Japans Austrittserklärung Genf, 24. Februar. In maßgebenden englischen, französischen, deut schen und Sekretariatstreifen ist die Auffassung verbreitet, daß die japanische Regierung auf diplomatischem Wege oder telegraphisch im Laufe der nächsten acht Tage, möglicherweise am Montag, ihren Austritt aus dem Völkerbund ankündigen wird. Die Austrittserklärung soll erst nach der Abreise Matfuofas am Sonnabendabend erfolgen. Aber weitere Mitwirkung an der ,, Abrüstung"? Tofio, 24. Februar. Wie in gut unterrichteten Kreifen verlautet, hat die japanische Delegation in Genf beschlossen, sich an den Arbeiten der Abrüstungsfonferenz auch weiterhin zu beteiligen( Urd gleichzeitig gegen China Krieg zu führen! Red.) Levehow Eine neue Rede Der Berliner Polizeipräsident von Levezom hat vor der Rechtspresse eine neue Rede gehalten: ,, Wir wollen dafür sorgen, daß wir Preußen unser Haupt wieder stolz vor der Welt erheben fönnen, daß der Satansgeburtstag des 9. November von der Tafel der deutschen Geschichte gelöscht wird. Sie werden es verstehen, wenn ich über diese Die Bestellung von Hilfspolizeibeamten bedarf mit Ausnahme von Berlin, wo der Minister des Innern entscheidet- der Bestätigung des Regierungspräsidenten. Eine Erinnerung Am 13. April 1932 nach dem Verbot der SA. stellte der Bürgermeister Worch in Langewiesen in Thüringen zwei Leute vor das Rathaus, verpflichtete sie als Hilfspolizisten und bewaffnete sie. Er trug ihnen Schutz und Bewachung des Rathauses auf. Die beiden Leute gehörten dem Reichsbanner an. Der Bürgermeister hatte von der Kreisdirektion Arnstadt eine amtliche Warnung vor Putschgefahr erhalten. Es erhob sich damals in der ,, nationalen Presse" ein Sturm, die Mücke wurde zum Elefanten gemacht, man fabrizierte Material über die Bewaffnung des Reichsbanners, man schrie zum Reichspräsidenten- alles wegen der zwei Mann von Langewiesen. Der Bürgermeister Worch wurde vom Amt fuspendiert, Dienststrafverfahren und Strafverfahren wurde gegen ihn eingeleitet. Wie gesagt, das war im April 1932. Es ist noch kein Jahr her. Dinge als after Soldat nicht allzu lange rede, denn das Motto des Soldaten heißt: Handeln!" Ganz besonders am Herzen liege hm die Bekämpfung des Kulturbols chemismus", der deutsche Art bewußt zerstören und zersetzen molle. Mit erhobener Stimme fündigt der Polizeipräsident rücksichtsloses Borgehen gegen die Auswüchse an, die sich in Theatern, Kabaretts, bei Nadtveranstaltungen und der Prostitution breitmachen. Unerbittliche Bekämpfung aber sagt er auch allen den verantwortungslosen Elementen der reichshauptstädtischen Presse an, die das Schlagwort vom ,, Berufsverbrecher" erfunden hat. Es gebe keinen Verbrecherberuf, der Verbrecher sei ein Feind der staatlichen Ordnung, ein Geschwür, das ausgebrannt werden müsse. Die Preußenklage Entscheidung erst nach dem 5. März Entscheidung erst nach dem 5. März Eine Entscheidung des Staats. gerichtshofs über die neue Klage Preußens gegen das Reich wird nach einer Mitteilung des Reichsgerichtspräsidenten Bumfe nicht vor dem 5. März, also na ch den Reichs- und Landtagswahlen, gefällt. Nahspiel Beamte unter dem neuen System Zu der Störung der Stuttgarter Rundfunkrede des Reichskanzlers am 15. Februar teilt das Reichspostministerium amtlich mit: Die Unterfuchung hat ergeben, daß die Maßnahmen des Telegraphenbauamts Stuttgart zur Sicherung der Rundfunkübertragungsleitung nicht ausgereicht haben. Das beteiligte Personal des Bauamts ist zurechtgewiesen und der verantwortliche Amtsvorsteher, Oberpoststdirektor Moessinger, aus dienstlichen Gründen auf ein anderes Amt versezt worden. Gegen den Referenten der Oberpostdirektion Stuttgart, Postbaurat Feucht, und den technischen Betriebsleiter des Süd'unfs, Dr. Kofes, hat die Untersuchung nichts Belastendes ergeben Beide haben ihre Dienstgeschäfte wieder aufgenommen. Wie lange? Eine Frage, die allgemein erörtert wird Die Frage, wie lange das gegenwärtige Regiment in Deutschland dauern wird, beschäftigt naturgemäß alle Gemüter. Die neuen Minister bemühen sich, ihren Anhängern die beruhigende Zuversicht zu geben, daß es von jetzt ab immer so bleiben wird oder wenigstens noch eine sehr, sehr lange Zeit. Daran ist an sich nichts Außerordentliches; jede Regierung beginnt mit dem Borsaz, recht lange zu bleiben. Mit diesem Vorsatz hatten auch Papen und Schleicher begonnen und alle ihre Vorgänger auch. Was die Erklärungen der neuen Minister so bemerkenswert macht, ist zweierlei. Erstens haben sie offenbar nicht den Sinn, daß die ganze Regierung, so wie sie jetzt ist, unter allen Umständen bleiben soll, und zweitens fällt die Art auf, wie diese Erklärungen in unser lebendiges Verfassungsleben hineingestellt sind, hier zeigt sich nämlich hineingestellt sind, eine so große Menge gordischer Knoten, daß vielleicht auch das Schwert Alexanders des Großen an ihnen stumpf geworden wäre. Wenn deutschnationale Redner erklären, die Regierung müsse unbedingt auch nach den Wahlen bleiben, so meinen sie damit die deutsch nationalen Minister, die unter allen Umständen bleiben sollen. Auf das Verbleiben gerade dieser Herren wird bei den Nationalsozialisten weniger Gewicht gelegt. Dort denkt man daran, später den deutschnationalen Partner seines Weges ziehen zu lassen und mit dem Zentrum gemeinsame Sache zu machen. Im Lager der Kampffront Schwarzweißrot merkt man die Absicht und wird verstimmt. Mehr noch, man nimmt das Recht zu bleiben mit verstärkter Berbissenheit für sich in Anspruch. Hier spricht mancherlei für das Bevorstehen dramatischer Zuspizungen. Das zweite, was den unbedingten Bleibeanspruch der neuen Männer besonders interessant macht, ist sein Verhältnis zu dem lebendigen Verfassungsleben. Manche werden viel leicht glauben, daß jener Artikel der Reichsverfassung, der das Bleiben einer Regierung von der Volksvertretung abhängig macht, nicht mehr lebendig, sondern schon tot jei. Es kommt uns in diesem Augenblick nicht darauf an, diese Frage zu vertiefen. Aber es gibt außerdem noch Rechte der Länder, die feineswegs schon abgestorben find, sondern die sich noch recht kräftig regen, und es gibt auch ein Recht des ReichsPräsidenten Reichskanzler zu ernennen und zu entlassen. Das Entlassungsrecht des Reichspräsidenten ist keineswegs tot. Es ist im Gegenteil seit acht Monaten ein außerordentlich fräftiger Gebrauch Don ihm gemacht worden. Brüning ging und Papen ging, und Schleicher ging; sie alle gingen, wie es der Reichspräsident befahl. Bon woher schöpfen also die neuen Männer den Glauben an ihre Unstürzbarkeit? Der Reichspräsident hat den Reichstag vom 6. November aufgelöst mit der Begründung, es solle dem Volke Gelegenheit gegeben werden, zur neuen Regierung Stellung zu nehmen. Diese Aufforderung zur Stellungnahme hätte ja überhaupt feinen Sinn, wenn der Reichspräsident die Absicht hätte, das Kabinett, wie es ist, unter allen Umständen beizubehalten. Die unbedingte Zuversicht der neuen Herren fann sich also auf den Reichspräsidenten nicht stüzen Auf wen oder was denn sonst? Wir haben in früheren Zeiten oft den Ruf ,, Mehr dem Macht Reichspräsidenten!" Der Ruf war vernommen: unsinnig, denn der Reichspräsident hatte das mals eine ungeheure Macht, eher zu viel als zu wenig. Es ist aber auffallend, daß dieser Ruf seit geraumer Zeit völlig verstummt ist. Man hat dem Reichspräsidenten von ganzem Herzen die Macht gegönnt, diese Regierung zu ernennen. Man denkt, wie es scheint, nicht allenthalben gern daran, daß der Reichspräsident dann logischerweise auch die Macht haben muß, diese Regierung zu ent laffen.. Der Reichspräsident wünscht Stellungnahme des Boltes zu dieser Regierung, und am übernächsten Sonntag sollen die Stimmen gezählt werden. Dabei wird jede Stimme, die für die Parteien links der Volkspartei abgegeben wird, als eine kategorische Aufforderung zu betrachten sein, die gegenwärtigen Regierungsverhältnisse einer einschneidenden Aenderung zu unterziehen. Wenn nun diese Stimmen des Protestes und der Verurteilung am 5. März die Mehrheit haben werden was dann? Wird dann der Reichspräsident einer Minder= heit das von ihr beanspruchte Recht erfeilen, über die Mehrheit zu regieren und dies in der Weise zu tun, wie sie es in den Wochen vor der Wahl begonnen hatte? Die Entwicklung der nächsten Zukunft schließt also die Möglichkeit verschiedener Konflikte in sich ein: eines Konflikts zwischen den gegenwärtigen Koalitionsparteien, Nationalsozialisten und Deutschnationalen, eines Konfliktes zwischen dem Reich und den noch nicht vom Hafenfreuz regierten Ländern, schließlich eines Konflikts zwischen der Mehrheit und der Minderheit des deutschen Volkes. Leider freilich dürfte die antifaschistische Mehrheit, die wir von dieser Wahl erwarten, zu einheitlichen Operationen in pofitiver Richtung faum fähig sein, und auf dieser Tatsache allein beruhen alle Berechnungen des deutschen Faschismus. Man hat gleichwohl in der Geschichte schon manchmal den Fall erlebt, daß Mehrheiten, die aus den verschiedensten Richtungen zusammengesetzt waren, im Angriff auf einen ge= meinsamen Gegner eine außerordentliche Stoßfraft entwidelt haben. Am 5. März eine gewaltige Mehrheit gegen das heutige Regierungssystem, an ihre Spitze die Sozialdemofratie diesem Ziel gilt unsere Arbeit in den schickfalsschweren nächsten Tagen! Hitler in Bayern ..Ausgehend von dieser bayerischen Stadt" Eigener Bericht des Vorwärts" München, 24. Februar. Am Freitagabend hielt Hitler hier eine Rede. Es mar eine rein nationalsozialistische Veranstal tung, andere Drganisationen, vor allem der Stahl helm, hatten in öffentlich abgegebenen Erklärun gen die Teilnahme abgelehnt. Auch der Zuzug aus der jüdbayerischen Broning erfolgte nicht in dem erhofften limfang, obmohl die Reichsregierung die Ausgabe von Sonntagsrüdfahrkarten mit vier tägiger Gültigkeit angeordnet hatte. Selbstver ständlich hatte der bayerische Sender die ganze Beranstaltung als Auflagenachricht der Reichsregierung übernehmen müssen. Mit allergrößten Borsichtsmaßregeln wurden die Leitungen gelegt. Sämtliche Arbeiten wurden nur von Beamten des Rundfunks ausgeführt und die Arbeiter und Techniker dabei ausgeschaltet, damit sich der Stutt garter Borjall ja nicht wiederholen sollte. Den ganzen Tag über herrschte in München etmas dice Luft, die das Aufkommen von Gerüchten begünstigte. Sogar von Attentatsplänen auf Hitler hatte die Polizei erfahren, was fie per anlaßte, in den roten Bororten von München, Allach und Untermenzing, eine Reihe von Rom munisten und auch Sozialdemokraten in Schuzhaft zu nehmen. darunter auch den fo zialdemokratischen Partei- und Reichsbannerführer der genannten Drte, die aber nach einem Verhör nachmittags mieder freigelassen wurde. In seiner Rede führte Hitler u. a. aus: ,, Damit, daß wir ausgehend von dieser bayerischen Stadt Rämpfer für des Reiches Größe und Herrlichkeit geworden sind, haben mir mehr getan für den Ruf und für die Ehre Bayerns als diejenigen, die nur dauernd im Haß und in der Feindschaft gegen das andere Deutschland die einzige Aufgabe ihres Lebens erblickten. Nur ein Wahnsinniger tönnte es unternehmen, Bayern in die Rolle eines Desterreich hineinzudrängen. Wenn auch der eine oder andere meint, eine Mainlinie androhen zu müssen, so mögen die Millionen im übrigen Deutschland überzeugt sein, daß das nicht Bayern und nicht Süddeutschland ist, sondern nur eine Partei. Wenn je diese Frage kommen sollte, dann wird aus Bayern selbst ein solcher Versuch zerbrechen und zerschlagen." Den Borbeimarsch seiner Parteitruppen nahm Hitler zwischen 23 und 24 Uhr vor dem Braunen Hause ab. Jum 15jährigen Jubiläum der Roten Armee richtete Kriegsminister Worofchilom einen Tagesbefehl an die Armee. Wahlfreiheit? Sozialdemokratische Versammlung in Cleve von Nazis unmöglich gemacht Eigener Bericht des„, Vorwärts" Düsseldorf, 24. Februar. In Cleve machten Nationalsozialisten eine sozialdemokratische Wähler per jammlung unmöglich. Als Referent für diese Bersammlung war der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Rudolf Hilferding in Aussicht genommen. Da er verhindert war, erschien der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Seeger Dessau. Seeger teilt über die Borgänge in Cleve folgendes mit: ,, Auf der Fahrt nach Cleve wurde in Krefeld von sechs Nationalsozialisten der ganze Zug nach dem ehemaligen Minister Hilferding durchsucht. Als ich darüber einen Bahnbeamten zur Rede stellte, ob die SA.- Leute schon das Recht hätten, derartige Handlungen im Bereich der Reichsbahn vorzunehmen, wurde mit einem Achselzucken ge= antwortet. In Cleve hatte die NSDAP. ein Flugblatt gegen die Hilferding- Bersammlung verbreitet, das die wüstesten Beschimpfungen und darüber hinaus den Anreiz zu gewaltsamem Vorgehen gegen die Versammlung und gegen Dr. Hilferding enthielt. Ein gleiches, im Ton womöglich noch ausfallenderes Flutblatt hatte die NSDAP. in Cleve gegen eine für Sonnabend geplante Versammlung der KPD. verbreitet. Die sozialdemokratische Versammlung fonnte nicht stattfinden. Sie wurde schon eine Stunde vor Beginn aufgelöst. Ich habe den verantwortlichen Beamten der Clever Polizei darauf aufmerksam gemacht, daß nach einem Erlaß des Reichskommissars Göring die Polizei die Pflicht habe, die ordnungsmäßige Durchführung polizeilich genehmigter Versamm lungen zu sichern. Dazu erklärte sich der Clever Polizeileiter trog der großen Polizeiverstärkung von außerhalb angesichts des Lerrors der SA. außerstande. Die Clever Polizei hat, jolange ich zugegen war, nichts dagegen unternommen, daß sich die SA.- Leute polizeiliche Befugnisse anmaßten, den Saaleingang absperrten und an der Durchsuchung der Versammlungsteilnehmer nach Waffen mitwirkten." 12 Saarbrücker Volksstimme" für Deutschland verboten! Eigener Bericht des Vorwärts" Saarbrüden, 24. Februar. Der Reichsinnenminister hat durch Verfügung vom 22. Februar das fozialdemokratische Organ für das deutsche Saargebiet, die„ Saar= brücker Boltsstimme, auf die Dauer von drei Monaten für das unbesetzte Deutschland verboten. Es ist das erstemal seit der vorübergehender. Abtrennung des deutschen Saargebiets vom Mutterlande, daß der Minister einer Reichsregierung ein faardeutsches Blatt verbietet, das wie fein zweites im Rampf gegen den französischen Mili tarismus und Anneftionismus seinen Mann gestanden hat. Fünf Redakteure wurden ausgewiesen. Mehr als ein duzendmal ist die Volksstimme" von den Besazungsbehörden verboten worden. Ihr leitender Redakteur mußte " Berlin bleibt cot! Heute demonstrieren die Kreise: 4. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar: Umzug durch den Bezirk. Treffpunkt 16 Uhr. Helmholtzplatz, an der Lettestraße. 5. Kreis: Sonnabend, den 25. Februar, 16% Uhr: Umzug durch den Bezirk. Treffpunkt: Friedenstraße. Aufstellung rechte Seite vom Landsberger Platz( Promenade). 14. Kreis Neukölln: Die Eiserne Front marschiert. Massendemonstration am Sonnabend, dem 25. Februar. Treffpunkt: 17 Uhr Reuterplatz. Für die Freiheit der Arbeiterklasse! Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs- Veranstaltungen: 7. Kreis: Die Demonstration findet nicht statt, 2. Kreis Spandau: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Walter Krause, Gatow: Berlin bleibt rot!" Referent: Dr. Walter Pahl. 20 Uhr im Cladower Hof, Cladow, Dorfstraße:„ Berlin bleibt rot!" Referent: Heinrich Witt. 85. und 86. Abt. Tempelhof und Mariendorf: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr. in der Aula des Realgymnasiums Tempelhof, Kaiserin- Augusta- Straße:„, Berlin bleibt rot!" Referenten: Erich Ollenhauer und Anna Geyer. 108. Abt.- Köpenick: Sonnabend, den 25. Februar, 20 Uhr, im Lokal Troppens, Müggelheim: Berlin bleibt rot!" Referent: Fritz Klatt. Hauptwerkstatt, Fuhrhof 1 bis 4 und Fuhrpark: Sonnabend, den 25. Februar, 15% Uhr, bel Wertalla, Hohenlohestraße 3, Kundgebung. Thema: Um was geht es?" Referent: S. Katzenstein. BVG.- Betriebshof 13- Halensee: Sonnabend, den 25. Februar, 19% Uhr, im Lokal Sandmann, Westfälische Straße 42. Thema:„ Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Dressel. Afu- Arbeiter des Bezirks Friedrichshain: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, bei Blamert, Weberstr. 24: Eiserne- Front- Kundgebung. Referent: Hans Marx. SPD.- Afü- Arbeiter des Bezirksamts Prenzlauer Berg: Sonnabend, den 25. Februar, 19 Uhr, im Altersheim, Danziger Str. 62. Referent: Josef Klein. Massenkundgebung des Sozialistischen Kulturbundes Für Freiheit, Volk und Sozialismus": Die am vorigen Sonntag in der Berliner Volksbühne vorgesehene Massenkundgebung, die in letzter Minute unterbunden wurde, findet am Sonntag, dem 26. Februar, vorm. 11% Uhr( Einlaß 10% Uhr) in der Neuen Welt, Hasenheide, statt. Redner: Kultusminister Grimme, Chefredakteur Fr. Stampfer, Dr. Löwenstein, M. d. R.; außerdem ein Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Veranstaltung wird umrahmt durch Männerchöre( ausgeführt vom Neuköllner Sängerchor unter Leitung von Georg Oskar Schumann), Rezitationen( Martha John). Einlaß 30 Pf. Die bereits ausgegebenen Karten behalten ihre Gültigkeit. Kurt 1. Kreis- Mitte: Sonntag, den 26. Februar, vorm. 11% Uhr: Frauen- Filmvorführung in den Imperial- Lichtspielen, Rosenthalerstr. 41. 1. Film: Am Rande der Großstadt. 2. Ansprache: Käte Kern. 5. Film: Niemandsland. Eintritt 40 Pf. Der Reinertrag wird der Arbeiter- Wohlfahrt für Aufrechterhaltung ihres Erwerbslosenheimes überwiesen. 3. Kreis Wedding: Massendemonstration am Sonntag, dem 26. Februar. Treffpunkt: Leopoldplatz, Spitze Malplaquetstraße. Abmarsch: 14 Uhr. Schlußkundgebung auf dem Brunnenplatz. Ansprache des Gen. Franz Künstler, M. d. R. Um 13 Uhr: Konzert der Reichsbannerkapelle auf dem Leopoldplatz. 7. Kreis Charlottenburg: Sonntag, den 26. Februar, mittags 11% Uhr: Film- Matinee im Piccadilly, Charlottenburg, Bismarckstr. 93/94. Vorführung des Filmes„ ,, Die hölzernen Kreuze". Ansprache: Gertrud Hanna, M. d. L. 8. Kreis- Spandau: Sonntag, den 26. Februar, 17 Uhr: Frauen- Nachmittag in Sawades Festsälen, Spandau, Schönwalder Straße 98/99:., Frauen kämpft für euer Recht!" Referentin: Klara Bohm- Schuch, M. d. R. 11. Kreis: Sonntag, den 26. Februar: Gemeinsame Demonstration der westlichen Kreise. Treffpunkt: 14% Uhr Eisackstraße( Innsbrucker Platz). 84. Abt. Lankwitz: Sonntag, den 26. Februar, vorm. 11 Uhr: Filmveranstaltung in den Gloria- Lichtspielen, Lankwitz, Mühlenstr. 21. Vorführung des Filmes Gilgi". Ansprache der Genossin Lisa Albrecht. Eintritt 50 Pf. Karten sind bei den Bezirksführern zu haben. 114. Abt. Lichtenberg: Sonntag, den 26. Februar, 18 Uhr, im Tivoli, Lichtenberg, Weichselstraße 6: Frauen- Werbeveranstaltung. Ernste und heitere Rezitationen von Friedel Hall. 120. Abt.: Sonntag, den 26. Februar, 10% Uhr, bei Tempel, Prinzenallee 45, Kundgebung. Thema: Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Dressel. 151. Abt. -கு Niederschönhausen: Sonntag, den 26. Februar, 17 Uhr, bei Tinius, Blanken. felde, Hauptstr. 33: ,, Berlin bleibt rot!" Referent: Karl Dressel. 152. Abt. Blankenburg: Sonntag, den 26. Februar, 18 Uhr, bel Klug, Blankenburg, Dorfstraße 2: Berlin bleibt rot!" Referent: Georg Maderholz, M. d. L. 139a. Abt. Freie Scholle: Sonntag, den 26. Februar: Demonstrations- Umzug. Treff. punkt: pünktlich 14 Uhr Egidystr.( südlicher Teil). Abmarsch pünktlich 14% Uhr. Marsch durch Egidystraße Moorweg- Schollenweg- Straße 105- Straße 36Moorweg- Schollenweg- Lilienthalhof- Steilpfad- Erholungsweg Straße 50 Lilienthalhof. Dort Schlußkundgebung. Ansprache: Bürgermeister Alfred Henke. ,, Berlin bleibt rot!" GGAT zwei Monate in den belgischen Befagungs. gefängniffen zubringen Zahllose Leser der Bolfsstimme" haben das gleiche politische und erduldet. materielle Schicksal der Redakteure " Reichsgericht lehnt ab! Eigener Bericht des Vorwärts" München, 24. Februar. Das Berbot der Münchener Neueken Nachrichten", das der Reichsinnenminister von der bayerischen Regierung gefordert hatte, murde vom Reichsgericht abgelehnt. Inzwischen hat der Reichsinnenminister die bayerische Regierung ersucht, u. a. die sozialdemo fratische Münchener Bost". das Bamberger Balksblatt"( Organ des bayerischen VolksparteiFührers Prälat Leicht), den katholischen Liebfrauenbote" von Altötting und das Organ der christlichen Gewerkschaften„ Der Arbeiter" zu perbieten. Der Arbeiter" soll gleich auf acht Wochen untersagt werden Die Entscheidung der baneri jchen Regierung über die Ersuchen des Reichsinnenministers steht bisher noch aus. Der Fall ,, Niederrheinisches Tageblatt" Düsseldorf. 24. Februar. Zu der Beschwerde der Zentrumspartei bei dem Reichskommissar Göring wegen einer angeblichen Borzenjur des ,, Niederrheinischen Tageblatts" in Kempen teilt die Pressestelle der Regierung in Düffeldorf mit: Die Er mittlungen haben ergeben, daß die Mitteilung, der Berlag des Niederrheinischen Tageblatts" in Kempen habe von dem Landrat eine Berfügung bekommen, daß der Polizeikommissar von Kempen beauftragt sei, die Zeitung vor der Herausgabe durchzusehen und festzustellen, ob sie heraus. gegeben werden darf, den Tatsachen nicht entspricht. Der Landrat hat an das Niederrheinische Tageblatt überhaupt keine Berfügung gerichtet, auch hat er teinerlei Berfügung erlaffen, melche in Widerspruch zu den prefferechtlichen Bestim mungen steht. Naziüberfall in Chemnitz Eigener Bericht des Vorwärts" Chemnih, 24. Februar. In Chemniz überfielen Rationalfozialisten am Theaterplag einen 21jährigen Jungbanner. mann. Sie perlegten ihn schmer. Ein Boliziff, ber ihn schüßen wollte, wurde beiseite gedrängt. Dit Koppeln und Stahlruten wurde der am Boden liegende Reichsbannermann derart miß. handelt, daß er mit einem Schädelbruch in ein Krantenhaus transportiert werden mußte. Die Burschen versetzten ihm nicht weniger als sieben Löcher in den Kopf. Sein Befinden ist sehr ernst. Verboten! ,, Deutsche Reichszeitung" in Bonn: 3 Lage. Herzogenrather Zeitung" in Herzogenrath: drei Lage Junge Front" in Düsseldorf: 3 Wochen. ..Arbeiterzeitung" in Bremen: 6 Tage. Beschlagnahmt ..Tribüne" in Erfurt ,,, Boltswille" in Hannover, Wahlplafate der Staatspartei in Braunschweig. Karl- Liebknecht- Haus Von der Polizei geschlossen Gestern vormittag iff das Karl- Ciebtnecht- Haus am Bülowplah, das Zentralgebäude der Kommunistischen Partei Deutschlands. von der Polizei besetzt und bis auf weiteres gefchloffen worden. Die amtliche Pressestelle gibt darüber folgenden Bericht: Gestern sind in der Citybruderei im Gebäude des Karl- Liebknecht- Hauses auf Grund des§7 der Berordnung des Reichspräsidenten zum Schuß des deutschen Volkes vom 4. d. M. eine ganze Reihe von Flugblättern der KPD. beschlagnahmt worden, die zu hochperräterischer Betätigung oder zu Gewalttätigkeiten auffordern. Auf Grund des§ 23 dieser Verordnung ist daher das Karl- Liebknecht- Haus sofort geschlossen worden Der amtlichen Berlautbarung ist ein längerer Kommentar beigegeben, in dem u. a. gesagt wird, daß der Berliner Polizeibezirk in der letzten Zeit mit Flugblättern der KPD. geradezu überschwemmt worden sei, daß diese Flugblätter eine Bergiftung der politischen Atmosphäre darstellten und daß man, um dem Uebel an die Wurzel zu gehen, den Hauptherb der Berbreitung solcher Flugblätter beseitigen müsse. Bei der Durchsuchung der City Druckerei sei eine Unmenge von Material staatsfeindlichen Inhalts ans Tageslicht gefördert morden. Die Polizet werde in Zukunft ihre größte Aufmerksamkeit auf die zahllosen fleinen ge= heimen tommunistischen Drudereten in Berlin und in Breußen richten. ERSTE BEILAGE Vorwärts Nackter Hunger in Berlin Erschütternde Feststellungen im Bezirk Kreuzberg Auf dem Umweg über die Hygiene- Sektion des Bölkerbundssekretariats in Genf erfährt man von Untersuchungen an arbeitslosen Besuchern des Gesundheitshauses im Bezirk Kreuzberg. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist in einer Denkschrift des Völkerbundes zu lesen, die von der Zeitschrift ,, Archiv für Soziale Hygiene", Heft 5/32, besprochen wird. Die Zeitschrift nennt die Ergebnisse dieser Unterfuchung besonders beängstigend". Es handelte fich dabei vor allem um die Feststellung des Ernährungszustandes der Arbeitslosen. Dieser hat fich mit dem Fortschreiten der Krije in geradezu erschreckendem Maße verschlechtert. Allein in den letzten Monaten haben die untersuchten Erwerbslosen durchschnittlich 3 bis 4 kilogramm ihres körpergewichts verloren! Dann hat man an einem bestimmten Tage 33 gesunde- nicht etwa frante Besucher des Hauses gewogen. Da steht nun der erschütternde Fall Nr. 5 in der Denkschrift nachzulesen. Alter des Mannes: 50 Jahre; Größe 1,67 Meter; erwerbslos seit 1923; Gewicht nur noch 52 kilogramm. Oder der Fall Nr. 4: Alter des Mannes 49 Jahre; Größe 1,61 Meter; erwerbslos seit 1930; Körpergewicht nur noch 49 kilogramm. Ebenso der Untersuchungsfall Nr. 27, ein 35jähriger Mann, der gleichfalls nur noch ein Gewicht von 49 kilogramm hatte. Insgesamt sind 17 Männer gewogen worden. Zwei erreichten keine 50 kilogramm mehr an Gewicht, zwölf blieben unter 60 Kilogramım, zwei wogen etwas über 60 Kilogramm und ein einziger der zufällig Untersuchten wog 83% Kilogramm. Man kann es ruhig sagen: Noch verhungerter aber waren die sechzehn untersuchten Frauen. Da ist der Fall Nr. 19. Alter der Frau 45 Jahre; Größe 1,65 Meter; ohne Erwerb seit 1931; Körpergewicht 40 kilogramm! Oder der Fall Nr. 15. Alter 30 Jahre; Größe 1,15 Meter; ohne Arbeit seit 1931. Körpergewicht ebenfalls nur 40 Rilogramm. Jm ganzen hatten zwölf von den sechzehn unglücklichen Frauen ein Gewicht von nicht 50 kilogramm, nur vier wogen über 50 Kilogramm; die schwerste wog 112 Pfund. So abgemagert sind die Berliner Erwerbslosen. Die von hervorragenden Wissenschaftlern herausgegebene Zeitschrift tommt zu folgendem Schluß: Das sind Zustände, die bereits an Beobachtungen erinnern, die während der schlimmsten Kriegsjahre in Deutschland in geschlossenen Anstalten oder bei Proletariern gemacht worden sind." Die in erstaunlicher Kleinarbeit zusammengestellte Denkschrift der Hygiene- Sektion des Völkerbundes verwertet übrigens auch die Angaben einer Lebensmittelfirma über deren Kleinverkauf an Margarine. An sich ist es eine bekannte Tatsache, daß ungefähr im gleichen Maße, wie der Butterverbrauch absintt, der Margarine verbrauch ansteigt. Bei den Angaben der Firma tommt aber noch die außer ordentliche Abwanderung des Konsums von den teuren zu den billigen Margarinesorten zum Ausdruck. So kostete zum Beispiel die Margarine erste Sorte im Jahre 1929 noch 95 Pf., im Jahre 1931 mur noch 90 Pf In der gleichen Zeit aber war ihr Verbrauch um 93 Proz. zurückgegangen. Die Margarine zweiter Sorte fostete 1929 noch 68 Pf., zwei Jahre später kostete das Pfund der= selben Ware nur noch 55 Pf.; trozdem sant der Verbrauch um 27 Proz. Aber die dritte Sorte, fie toftete 1929 je Pfund 58 Pf.; bereits 1931 mar ihr Preis auf 40 Pf. gesunken und der Verbrauch dieser geringwertigen Sorte jedoch war um 349 Proz gestiegen! Jeglicher Kommentar hierzu ift überflüssig. In diesem Zusammenhang noch einige be zeichnende Ziffern, die die Schulzentrale verwaltung des Berliner Magistrats mitteilt. Diese Verwaltung hat kürzlich Nachfrage gehalten, welche Eltern der Schulkinder. keine Lernmittel mehr kaufen können. In Frage kamen die Kinder aller Arbeitslosen, Krisen, Wohlfahrts- usw.Unterstützungsempfänger und Kurzarbeiter. Da stellte sich folgendes heraus: Höhere Schulen. Mittelschulen Bolksschulen. Schüler davon arm 30 Proz. 4764 38 Proz. 68 863 12 453 20 704 • 284 286 126 126 44 Proz. Den Höchststand an bedürftigen Volksschülern wies der Bezirk Wedding auf; hier können 58 Proz. der Kinder von ihren Eltern keine Lernmittel mehr bekommen. Am günstigsten liegen die SONNABEND, 25. FEBRUAR 1933 benachrichtigten sofort die Polizei. Der Tote war nur mit Hemd und Hose bekleidet. Es hatte den Anschein, als ob er sich selbst geschleppt hatte oder als ob ihn der Mörder an den Füßen weiter in den Wald hinein geschleift hatte, um ihn vor den Blicken der Leute zu verbergen, die auf der Straße entlanggingen. Ob der junge Mann hinterrücks überfallen wurde oder auf irgendeine Weise verunglückt ist, muß die Untersuchung ergeben. Berhältnisse noch im Bezirt Zehlendorf: hier Reichsbanner marschiert wurden 20 Proz. der Volksschüler als arm und damit bedürftig festgestellt. Ungefähr den Stadtdurchschnitt hält der Bezirk Treptow, wo 45 Pro3. aller Volksschüler keine Bücher und Hefte be= tommen können. Die Not, besonders des Arbeiterfindes, schreit zum Himmel! Winter in der Siedlung Zu einem Erlebnis eigentümlicher Art gestaltet sich der reiche Schneewinter für die Stadtrandsiedler. War früher der Schnee in der Stadt oder sich ärgern; auf jeden Fall hat er für seine Fortschaffung zu sorgen. Der erwerbslose Eigenheimbefizer hofft darum auf das baldige Ende Aufmarschplan für Sonntag Das Berliner Reichsbanner gibt jetzt für den kommenden Sonntag folgenden Aufmarsch plan bekannt: Antreten der Formationen um 12.30 Uhr in Neukölln, Sonnenallee, 13 Uhr Abmarsch durch folgende Straßen: Kaiser- Friedrich, Urban, Camphausenstraße, Kaiser- Friedrich- Platz, Gneisenau, Jord, Goeben-, Pallas-, Neue Ansbacher Straße bis zum Wittenbergplatz. Auf dem Wittenbergplak findet gegen 14 Uhr ein Platkonzert statt. Der Rückmarsch erfolgt freisweise nach Tempelhof Dorfstraße, nach dem Rudolf- Wilde- Platz und dem Bahnhof Hohenzollerndamm. Sie rauben Waffen Ueberfall in Wernsdorf In der Billensiedlung Wernsdorf, die einige Kilometer von Erfner entfernt liegt, wurde gestern auf die Billa des Direktors des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, Prof. Dr. Rosenstein, ein Bandenüberfall verübt. Mit vorgehaltenen Pistolen drangen Leute in SA. Uniform in die Villa ein. Sie stahlen fünf Jagdgewehre und die dazu gehörige Munifion. Nach dem Raub flüchteten die Täter in zwei Privatautos. Die Billa des Professors Dr. Rosenstein, der bei Wernsdorf auch gleichzeitig eine Jagd gepachtet etwas, das ihn nicht direkt der langen Wählerlisten einsehen! Schnee in der Siedlung eine Angelegenheit, mit der er sich persönlich auseinandersetzen muß. Er liegt vor seiner Tür, er kann sich über ihn freuen Tod beim Rodeln Mehrere hundert Unfälle In den letzten Tagen haben sich auf den vielen Rodelbahnen in der Umgebung Berlins 3 ahlreiche Unfälle beim Wintersport ereignet. Auffallend hoch ist die Zahl der Rodelunfälle. In den acht Tagen des schneereichen Nachwinters find allein mehrere hundert Rodelunfälle regieren bekanntlich nicht lange und weiße Winter versprechen nach den bisherigen Erfahrungen reiche Ernten. Gestern hat sich am Pichelswerder leider auch ein tödlicher Unfall ereignet. Der 17 Jahre alte Walter Schneider aus der Pichelsdorfer Straße 43 in Spandau raste mit seinem Rodelschlitten gegen einen Baum. Der junge Mann erlitt schwere innere Verlegungen. Er wurde ins Städtische Krankenhaus Spandau gebracht, wo er einige Stunden nach seiner Einlieferung st arb. Die Listen liegen nur noch bis zum Sonntag aus! Auslegungszeiten: Heute von 1 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends. Sonntag von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Wahrt euer Stimmrecht. Auf jede Stimme kommt es an! zu verzeichnen. Während die Unfälle auf den Mord bei Hoppegarten? geradezu auffallenden Driskenntnis beſetzten mehcroßen sogenannten„ offiziellen" Bahnen verhältnismäßig gering sind, haben sich auf den Rodelbahnen in dem hügligen Waldgelände des Grunewalds, des Tegeler Forstes und der Umgebung des Müggelfees um so mehr und zum Teil recht schwere Rodelunfälle ereignet. Die Zahl der Leichtverletzten soll 200 übersteigen. Etwa 30 bis 40 Verunglückte mußten mit Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen, Berstauchungen und Quetschun= gen in die Krankenhäuser gebracht werden. In einem Waldteil südlich der Ortschaft Dahlwih- Hoppegarten wurde am späten Nachmittag des gestrigen Freitag ein graufiger Leichenfund gemacht. Zwei jüngere Arbeitslose stießen kurz vor der Chaussee in der Gemarkung der Ortschaft Dahlwig- Hoppegarten zunächst auf einige Kleidungsstücke und dann auf die Leiche eines Mannes, der etwa 25 bis 30 Jahre alt sein mochte. Sie hat, wird von einem älteren Chauffeurehepaar und deren Sohn verwaltet. Vor dem Grundstück hielten gegen Mittag zwet Privatautos, denen 15 uniformierte Leute entstiegen. Mit einer rere Mann das Telephon, um zu verhindern, daß die Polizei alarmiert würde, während die anderen Mitglieder der Bande in das Jagdzimmer eilten, dort den Waffenschrank erbrachen und fünf wertvolle Jagdgewehre und Munition dazu raubten. Unter den Waffen befinden sich zwei besonders wertvolle Stücke. Das Verwalterehepaar mußte tatenlos zusehen, wie sich die Eindringlinge die Gewehre aneigneten und damit flüchteten. Bei einigen der Täter wurden unter ihren Jacken Armeerevolver gesehen. OSTE 3193 AUSTRIA R REGIE SPORT 6 REGIE ZIGARETTEN SHIP REGIE- SPORT 39 338 fff pe Cer SNIP- Spiele in jeder Packung der AUSTRIA Nie letzte Rettung 117 Kerlmer Männer marschieren nach Wittenau Tausenden von armen«Berliner Familien droht jeden Tag die Ueberreichung der Exmissionsklage. Andererseits ist nichts klarer als folgendes: Wer mit seiner Frau zusammen 48 M. Wohlfahrt-- Unterstützung erhält, kann davon nicht noch 30 M. Miete zahlen. Deshalb wollen Taufende ganz von selbst aus ihren teuren, nicht mehr bezahl- baren Wohnungen. Nun lagen bis in den Herbst vorigen Jahres zwischen Wittenau und Tegel knappe 20 Morgen Land brach: Jndustriegelände, auf dem bis zum Kriseneinbruch die amerikanische General Motors Comp, gewirt- hmUöUwx! Die Eiserne Front marschiert. Massendemonstration am Sonnabend, dem 25. Februar, Treffpunkt 17 Uhr, Reuterplatz. Für die Freiheit der Arbeiterklasse! schaffet hatte. Es ist niemals inseriert worden, es ist niemals propagiert worden, es hieß nur einmal auf den Sternpelstellen Berlins:„Du, Kollex, in Wittenau gibt's Land, Quadratmeter 3 Pfennige!", und am nächsten Tage sicherten sich 117 Männer die 117 vorhandenen Parzellen. Dann machten sie eine Versammlung und rech- neten: das Land ist verdreckt. Als die amerika- irischen Automobilmänner sich ihr Fließband bau- ten, karrten sie allen überflüssigen Sand auf jene 20 Morgen. Das wäre noch nicht schlimm, den Sand kann man wieder wegkarren. Aber die Automobilmänner kehrten auch alle Schlacke, alle ihre Lack- und Oelreste auf das jetzige Parzellen- land, und so ist der Boden sußtief mit Oel und Lack und sonst etwas durchtränkt. Nicht eine Kar- toffel würde hier wachsen, stellten die Männer fest.„Aber wir werden die 20 Morgen Land von Wittenau schon wieder urbar machen", stand einer auf, und dann wurde beschlossen:'Wir machen gemeinsam einen Arbeits- dienst. Aus jede Nase von den 117 Männern kommen 80 Arbeitsstunden: wenn jeder einmal in der Woche 8 Stunden schippen kommt, sind sie alle zu Ostern fertig. Jetzt sind die 117 feste beim „Urbarmachen". Wenn sie nur nicht so schrecklich arm wären. Nur 4 oder Z von den 117 haben noch Arbeit Der ein«, der den Häuptling macht, wohnt aus dem Wedding, und da er jeden Tag einschreiben muß, was der einzelne von seinem Konto ab- arbeitet, muß er jeden Tag auf dem Gelände sein. aber er hat kein Fahrgeld. So läuft er jeden Tag: W e d d i n g— W i tt e na u, W i t t e na u— Wedding. Alle Berufe sind dabei: Metall- arbeiter, Angestellte, Handwerker, Kellner und Ga-«innehmer. Einer wird jetzt seine Exmissions- klage bekommen: er kann die Neubaumiete von monatlich 56 M. nicht mehr aufbringen. Er ist bereits drei Jahre ohne Arbeit. Der zweite ist „erst" zwei Jahre arbeitslos: er ist insgesamt 224 M. Miete rückständig, jeden Tag kann die Exmission kommen. Der dritte hat einen letzten Aufschub bis zum 15. Februar bekommen, arr. 1. Februar sollte er bereits wegen 270 M. Miet- schuld exmittiert werden. Der vierte, ein Zim- mermann aus der Kösliner Straße, ist vier Jahrs arbeitslos. In der nassen, düsteren Hofwohnung hat seine Frau die Gicht bekommen. Der Ant sagt:„Ja, Sie müssen mal«ine Reise machen" Gut, jetzt macht der Mann eine Reise: nach Wit- tenau. So arm sind die 117 Männer: denn wer auch Arbeit hat, bei der Kurzarbeit von heute verdient er vielleicht 5 oder 8 M. mehr als die Unterstützungsempfänger. Aber ein Unglück kommt.nicht allein. Auf das Land wollten sich die Männer Kartoffeln pflanzen. Acht Zentner werden sie pro Par- zelle ernten, haben sie sich überlegt. Das wird gehen, nun wollen sie aber auch zum 15 April, wenn das Hinausziehen erlaubt ist, ein« Laube haben. Also zog eine Kommission des Kollektivs nach Tegel zum Holzhändler. Man brauche Balken, Bretter, Türen, Fenster, Dielen. Gut, sagte der Holzhändler, 400 M, pro Laube: jeden Monat 12 M. Abzahlung. Die 117 sprangen vor Freude bis an die Decke. Plötzlich sagte der Holzhändl«r: Männer, ich habe mir die Sache überlegt, 550 M. muß ich pro Laube verlangen. Nun sitzen die Männer in ihren Küchen und brüten:„Wo be- kommen wir billiges Holz her?" Dringender noch ist die Frage: Wo bekommen sie einen Brunnen her? 40 M. soll ein Brunnen kosten, aber manchen Tag haben die armen„Bauherren" nicht einmal 4 Pfennige in der Tasche, geschweige dann 40 M. Es ist schlimm in der Welt bestellt. samtsumme der von ihm geführten Liste mit der des Verwalwngsobersekretärs Sch. picht überein- stimmt«, Sch. erklärte sich bereit, auf sein« Pen- sions- und sonstigen Ansprüche zu verzichten, wenn die Sache nicht zur Anzeige gebracht würde. Man versprach ihm dies für den Fall, daß sich nicht noch weitere Verfehlungen herausstellen sollten. Und tatsächlich hatte er noch in einem Falle an einer alten Versorgung-lberechtigten ganz besonders gs- mein gehandelt. Das Gericht verurtellte den Berwaltungsobcr- sekretär zu 1 JahrGefängnis und sprach ihm die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter für die Dauer von 5 Jahren ab. Nefette Listenmaschine! F'ehler in Neukölln bereits behoben Durch das Versagen einer neuen Adrema- Maschine, wie sie zur Zeit bei vielen Wahl- ä m l e r n für die Eintragung der Wähleradressen in die Listen benutzt werden, sind im Bereiche des Bezirks 7t e u k ö l l n einige Adressen heraus- geblieben. Der Fehler ist inzwischen durch einen Ingenieur der Firma behoben worden. Wie wir aus Neukölln erfahren, hatte sich au der Maschine unbemerkt ein Stift gelockert, so daß der Magnet nicht funktionierte. Die Folge war, daß in den Wählerlisten einige Namen fehlten. Die Feststellungen haben ergeben, daß in einigen Listen mit verschiedenen hundert Adressen bis zu 13 Wähler pro Bezirk ausgelassen waren. Bereits am Sonntag wurde der technische Fehler durch Rekla- mationen Neuköllner Einwohner entdeckt. Darauf- hin wurden schon am Montag sofort 12 H i l f s- kräfte eingestellt, die die Listen mit der Zentralkartei verglichen und dieFehlerkorri- gierten. Heute früh werden diese Arbeiten be- endet sein. Obgleich es sich in diesem Falle lediglich um einen technischen Fehler in der Apparatur handelt, ist es Pflichi eines jeden Wählers, sich davon zu überzeugen, ob sein Name in den Wahllisten ver- zeichnet ist. Bekanntlich liegen die Wahllisten nur noch bis zum Sonntag aus. jeder nutze darum diese kurze Frist, um sich von der Richtigkeit der Eintragungen zu überzeugen. Kiwi« ist da .Am Alexanderplatz verhaftet In der Freitag Nacht nahm die Kriminal- polizei den seit November o. I. gesuchten Assessor Dr. Richard Kiwitt in der Alexanöerstraße in einer Wohnung fest. Im Laus« des heutigen Tages soll er von der Kriminalpolizei verhört werden. Mit ihm ist auch seine Freundin Erna Müller, die ihn seit langem begünstigte, fest- genommen worden. Mit der Festnahme dieses Mannes hat eine Komödie ihren Abschluß gefunden, die schon seil Monaten immer wieder die Oeffentlichkeit be- schäftigte. Kiwitt, einer der Hauptangeschuldizten In der A u t o s ch i e b e r- A f f ä r e des früheren Berliner Cafehausbesitzers E r b a n, stand am 7. Februar das letztemal vor Gericht. Er hatte um freies Geleit nachgesucht und wurde in Moabit von dem Leiter der Untersuchung vier Stunden hindurch verhört. Gemäß einer Vereinbarung mit der Justiz verließ Kiwitt kurz nach 2 Uhr nachmittags das Äriminalgerichtsgebäude Die Fahndung nach ihm durfte erst nach zwei Stun- den wieder einsetzen. Die Zwischenzeit nutzte er natürlich dazu au-, um sofort wieder in einem seiner vielen Unterschlupfe zu oerschwinden. In wenig Worten Nach dreitägiger Verhandlungsdauer verurtellte das Große Münstersche Schwurgericht den 26jLhrigen Theodor B e i s e m a n n aus Nordick bei Herbern wegen Mordes in zwei Fällen, be- gangen an dem Ehepaar Sudhoff, zweimal zum Tode und wegen Totschlags, begangen an der Maria Schlüter, zu 15 Jahren Zuchthaus. * Infolge eines Herzschlags brach der Lokomotio- führer des Berliner v-Zugs kurz nach der Ab- fahrt von Deutsch-Eyiau tot zusammen. Der begleitende Heizer führte den Zug in langsamer Fahrt nach Osterode weiter. "k Von einer Lawine wurden in der Nähe von G u t t a l bei Heiligenblut in Kärnten zwei Wintergäste aus Hamburg, der Versicherunzs- beamte Runge und die Kontoristin Hildebrandt verschüttet. Dem Mann gelang es zwar, sich selbst herauszuarbeiten: er stürzte aber unmittel- bar darauf über einen Steilhang tödlich ab. Die Leichen wurden geborgen. * Seit einigen Tagen wüten im Nordwesten Jugoslawiens, vor allem an der d a l m a» tinischen Küste, schwere Schneestürme, die den Verkehr zu Wasser und zu Land« außer- ordentlich behindern. Im Gebirge liegt der Schnee an manchen Stellen bis zu v i« r Meter hoch. Auf der Eisenbahnstrecke von Agram nach Spalato ist ein Zug eingeschneit. In der Nähe des Dorfes Bodovalj im Banal Wrbas(Teil des früheren Bosnien) wurde unter Schneemasisn verschüttet die Leiche des 26jährigen Deutschen Gerhard Kron«r gefunden. * Das Magdeburger Schwurgericht oerurteilte den 18jäHngen Willi Träger, den 24jährigen Willi Meißner und den 24jähr:gen Wilhelm Bartels zum Tode. Sie hatten am Abend des 8. November 1932 die 72jährige Witwe Friederike Mäfer auf dem Hof ihres Grund- stllckes in Genthin niedergeschlagen und sie dann solange gewürgt, bis sie tot zusammenbrach. Daraus haben sie die Leiche in die Wohnung aufs Bett geschleppt und mit Kissen und Decken zu- gedeckt. Sie durchsuchten darauf die Wohnung und raubten 50 Mark sowie zwei Uhren. * Wegen Amtsoerbrechens wurde der Po st Helfer F. vom Schöffengericht Schöne- berg zu 1 Jahr und 2 Wochen Zucht- Haus verurteilt. Der Angeklagte war beim Postamt W 35 tätig. In seinem Bestellbezirk wohnte in der Lützowstraße ein türkischer Kauf- mann, der nicht gut deutsch schreiben konnte und deshalb dem Angeklagten wiederholt Geldbeträge übergeben hatte, um für ihn Zahlkarten auszu- stellen und aufzugeben. In einem Fall hatte der Angeklagte von dem ihm übergebenen Betrag 60 Mark einbehalten und die Quittung selbst ab- gestempelt. ★ Ein Teil des Metallwerkes Julius und Albert Hirsch in Luckenwalde (Mark) wurde durch Großfeuer eingeäschert. Der Schaden ist zum größten Teil durch Versicherung gedeckt. In Manila(Philippinen) brach der aus Dresden stammende Artist B r a d o w während einer Vorführung seiner Nummer„D i e m e n s ch- l i ch e Kanone" beim Niederfall ins Netz das Rückgrat und verschied nach kurzer Zeit. Erwerbslose unter Terror LA. vor den Arbeitsämtern Jeden Tag erhalten wir zahlreiche Klagen von Arbeitslosen über die neuerdings systematisch ver- anstalteten„S A.- K o n z e r t e" vor den Ber- kiner Arbeitsämtern. Bei diesen Veranstaltungen, die unter dem Schutz der Berliner Polizei durch- geführt werden, werden jeden Tag Arbeitslose, die ein republikanisches oder kommunistisches Ab- zeichen tragen, aufs schwerste tätlich b e- droht. Gestern hatten vor dem Arbeitsamt W e i ß e n s e e in der Streustraße drei Stürme der SA. Aufstellung genommen, so daß es vielen Arbeitslosen nur schwer möglich war, überhaupt in das Arbeitsamt.zu gelangen. Nach den uns zugegangenen Berichten sind ein Reichsbanner- mann und Zwei Kommunisten blutig geschlagen worden. Schularzt untersucht dieZllngsten Der Neueinschulung jedes Berliner Kindes geht eine gründliche ärztliche Begutachtung durch den Schularzt voran Dabei wird das Kind auf seine gesamte körperliche und geistige Konstitution sorg- fältig geprüft, um vor allem festzustellen, ob es überhaupt schon„schulreif" ist. Es ergeben sich bei dieser Untersuchung verschiedene Fälle, wo ein allzu zarter Organismus ein Zurückstellen auf ein Jahr erforderlich erscheinen läßt. Aufmarsch im Hemd Die schulärztliche Untersuchung findet im je- welligen künftigen Schulgebäulde des Kindes statt, Jin Borraum nimmt die Schulfllrsorgerin die An- Meldung entgegen, dann wird ausgezogen bis aufs Hemd, und jetzt geht's zum Onkel Doktor. Sofern die Mutter die gesundheitliche Betreuung ihres Kindes durch die Säuglings, und Kleinkinderfür- sorge in Anspruch genommen hatte, liegt dem Arzt hierüber der ärztliche Befund vor. Hierzu sei erwähnt, daß die Zusaminenarbeit zwischen Klein- kinder- und Schulfllrsorge eine überaus gedeihliche ist und daß es jeder Mutter immer wieder ans Herz gelegt sei, diese vorbeugende Fürsorge ja nicht außer acht zu lassen. In diesen Zeiten Wirtschaft- lichen Tiefstandes kann durch rechtzeitiges Er- kennen und Verhüten körperlicher und seelischer Schäden am kindlichen Organismus außerordentlich Wichtiges geschaffen werden. Wenn auch bedauer- licherweis« die Nahrungsaufbesserung des Klein- lindes ebenfalls mehr und mehr ein Opfer der Sparmaßnahmen ward, so ist ein Viertelliter Milch pro Tag für ein schwächliches Kind immer noch mehr wie gar keine Milch. Der kleine Schul- anwärter besteigt nun erst mal die Wage, dann stellt er sich unter die Maßtabelle, worauf sich der Arzt die körperliche Struktur ganz genau besieht. Er befühlt Knochen- und Muskelbau, wirft einen Blick in den Rachen, untersucht das Zahngebein und horcht dann genau auf die Tätigkeit von Herz und Lunge. Nach Prüfung von Sehkraft und Farbensinn folgt ein kleiner Dialog, der den Arzt über des Kindes geistige Beschaffenheit informien. Was der Arzt saxt Der Gesundheitszustand der neuen Schulanwärter ist, gemessen an dem großen wirtschaftlichen Elend der Eltern, nicht gerade schlecht zu nennen. Die Kinder sind in der Mehrzahl natürlich schwäch- lich und nervös— wie sollte es wohl auch anders sein? Zeichen ausgesprochener Unter- ernährung machen sich nicht oft bemerkbar, und hier spricht der Arzt den Eltern ein Lob aus, die oft in geradezu aufopfernder Weise für ihres Kindes Wohl sorgen. Ob der kleine Max, der wohl und kräftig aussieht, so ganz und gar intakt ist, muh erst die Durchleuchtung ergeben: die Mutter ist lungenkrank und hat außerdem einen schweren Gelenkrheumatismus hinter sich. Sein Nachfolger, der kleine blonde Erich, ist so recht ein Kind seiner Zeit. Dürftig, blaß, mit schlaffen Muskeln, hohem Leib und allzu spärliäzem Blutbestand. Seine Krankheit ist Vaters'Arbeitslosigkeit, die seit dem Jahre 1929 datiert und der die elterliche Unter- stützung von ganzen 14,75 M. die Woche, wovon 17 M. Monatsmiete in Wzug kommen, keine Kräfte und keine Blutzufuhr vermitteln können. Man will schen, daß das Kind erst mal zur Er- holung verschickt wird. Was der kleine Erich an Körperlichkeit zu wenig hat, das fehlt dem strammen Gerhard an geistigen Kräften. Mit seinen sieben Iahren— er wurde bereits ein Jahr zurück- gestellt— lallt er immer noch wie ein Zwei- jähriger: er kennt keine Farben und kann nicht zählen, hat kein Erkennungsvermögen für Gegen- stände oder Bilder, so ist er höchstens für die Hilfs- schule reif. Das häusliche Milieu ist hier ein recht trauriges: der Bater Kriegsbeschädigter, die Mutter sammelt Abfälle, die sie weiterverkaust, sie hat viel« Geburten mit mehreren Fehlgeburten hinter sich und auch des Jungen Geschwister sind zum Teil Hilfsschüler. Woran es fehlt Den Vätern an Arbeit— von 40 sind 16 arbeits- los, die übrigen verrichten größtenteils Kurz- arbeit—, den Kindern an Licht, Luft und kräftigem Essen! Wie wenige Kinder kennen noch ein warmes Frühstück, nachdem das Schulfrühstück lange abgeschafft wurde! Bor allem aber fehlt es an einem richtigen Mittagessen, und zwar an einem, das gar nichts kostet. Denn: über 50 Proz. aller Eltern können die 50 Pfennig pro Woche für die Kinderspeisung heute nicht mehr aufbringen. Gesährliche Ehescheidung Die Verfehlungen des Obersekretärs Der Verwaltungsobersekretär Sch. vom Versor- gungsamt log mit seiner Frau in Scheidung. Der Prozeß war langwierig, er wurde zuerst in einer anderen Stadt, dann nach Uebersicdlung des Obersekretärs in Berlin geführt. Der Mann ver- lor ihn in der ersten und zweiten Instanz und hatte für die Kosten aufzukommen. Im ganzen sollte er sieben Anwälte bezahlen. Das ging über seine Kraft. Die Anwälte wollten aber ihre Gebühren haben, das Gehalt des Verwaltungs- obersekretärs wurde gepfändet, er erhielt monatlich nur noch 79 M. ausgezahlt. In seiner Bedrängnis verfiel er auf einen ganz neuartigen Trick. In seiner Verwaltung befände i sich die Listen der Bersorgungeberechtigten: er hatte ihnen monatlich die ihnen zukommenden Tum- men zu senden. Was tat der Herr Oberverwal- tungssekretär? Er schrieb vordie Summe, die die Versorgungsberechtigten zu erhalten hatten eine Zahl und wies ihnen so statt 51 451 M.. statt 40 340 M. an usw. Dann suchte er die Bersorgungsbcrechtigten auf, erklärte ihnen, sie hätten irrtümlicherweise die hohe Summe angewiesen erhalten und ließ sich von ihnen einen Scheck auf die zuviel gezahlt« Summe ausstellen. Damit begab er sich zur Bank und hobden Be- trag ab. Seine Verfehlungen wären vielleicht noch lange verborgen geblieben, wenn nicht während seines Urlaubs sein Stellvertreter die eigen- tümliche Entdeckung gemacht hätte, daß die Ge- TT| Tl/f � MontaS> �en 27. Februar, im Sportpalast, Karten 50 Pf., C-iCl• für Erwerbslose 25 Pf., im Bezirksverband, Lindenstr. 3 ZWEITE BEILAGE VsMrks S)ie tMoilckafi des Erzählung/ Von Qünlher ßirkenfeld (Schluß.) (Tmmcl ftanjt) er auf und löste die Lippen in dem Gesicht, das hohl und alt qewsrden war. Und rief, aus überquellender Trostlosigkeit, der Mutter nur dieses eine Wort in die Augen: .�exe!" Und lief hinaus. Es kostete viel Zeit und Geduld, bis Elsbeth das Zutrauen ihres Jungen und chren Botze zurückgewann. Und auch um Karl bemüht« sie sich jetzt wieder mehr. Wie war er nicht ein rechtschaffener und guter Mann'? Quälte und sorgte er sich nicht getreulich für die Seinen'? War es nicht undankbar, ihm gram darüber zu bleiben, daß er mitunter grob und ungerecht geworden war? Was konnte er denn dasür,— kaputt und überreizt, wie er nun einmal war? Cr meinte es doch nicht so! Ja, nun schien alles wieder werden zu sollen wie einst. Zum erstenmal seit Monaten hatten Karl und Elsbeth sich wieder als Mann und Frau gefunden. Und der Botze war wieder der kleine Ritter seiner„Prinzeßken*. Dann kam Karl mit der Kündigung. Er tröstet« die saflungslos Schluchzend« mit ihrer heimlichen Ersparnis, von der er einmal bei zufälligem Durchblättern ihres kleinen Kontobuches erfahren hätte. Mit den Stempelgeldern zusammen würden sie aushalten können, bis er, das gebe Gott, eine neue Anstellung gesunden hätte. Elsbeth fiel ganz in sich zusammen und schüttelte nur immer den Kopf. Herbert stahl sich aus dem Zimmer, kroch ins Bett und bat den Herrn Jesus, ihn doch nur ganz schnell sterben zu lassen. Als Karl endlich von der Stammelnden erfuhr, daß sie ihre gesamte Ersparnis an ihren Bruder Kurt nach Krefeld geschickt hätte, geriet er in leinen alten, in den blinden und maßlosen Zorn. Dieser Bruder Kurt war«in Lump. Karl hatte sich vor der Eheschließung versprechen lassen, daß keinerlei weitere Beziehung zu ihm erhalten würde.„Und ausgerechnet an diesen Taugenichts, der bereits dreimal geseffen hat, hat eine treu- sorgende Gattin und Mutter ihr ganzes Geld ge- schickt? Nur damit der feine Herr— angeblich! — noch Kanada durchbrennen konnte? Und Mann und Kind dürfen hier verkommen! Nein, weißt du, das ist ja..., das ist ja...!' Karl schlug die Frau, vis sie zusammenbrach. Sie bat nicht und schrie auch nicht, sie duldete stumm. Sie fühlte sich gerecht gestrast und zu allerletzt dafür, daß sie so schrecklich hatte lügen müsien. Zu jedem neuen Schlag rief es in ihr: Ja. jal Und so heftig die Schmerzen waren, so wohl taten sie ihr auch. Elsbeth wußte, daß ihres Bleibens vorerst nicht länger sein konnte. Sie fühlte sich nicht stark genug, um den Zorn und die Verachtung zu er- tragen, die in dem Schweige» ruhten, daß Karl sorchin wahrte. Drei Tage mußte sie noch aus- halten und die Kleider für Frau Koch und Fräulein Schloepf sertigmachsn. Von dem Verdienst tonnte sie mit Herbertchen zu Schwester Bercha nach Berlin fahren. Und... erneut sandte der Engel seine Botschaft. Und wieder war es ein Brief von Distel. Da lag er... plötzlich und ganz unerwartet! Man hätte glauben können, daß er vom Himmel nieder- geworfen worden sei, durch alle Wolken und Dächer und Decken hindurch. Zuerst wollte Elsbech ihn ungelefen vernichten. Doch je länger sie den blauen Umschlag betrachtete, um so gewisser wurde die Zlhnung in ihr: dies ist ein Zeichen! Der Unbekannt« dankte für die letzte Hilfe, versicherte, daß er den gesamten Betrag alsbald von einem Honorar zurückzahlen werde und bat die Frau, ihn doch zu besuchen, falls sie etwa doch einmal von Siegen fortgehen mühte und nach Berlin kommen sollte. Sein Leiden hätte sich dermaßen verschlimmert, daß an die Bade- eise nicht zu denken sei. In Berlin. Elsbeth und Herbert warten im kahlen Treppenschacht eines Hinterhauses vor einer schmalen, rot gestrichenen Tür. Die Frau glättet den schwarzen Tuchmantel und dann auch das Haar unter dem Hut. Ach, ärmlich dies alles! Distel wird die Tür sogleich wieder schließen! Ein junger Dichter in der Großitadt und eine Proletariersrau aus dem Siegerlovd! Herbert zieht zum zweitenmal am Messingknopf. Ruck-bimm. Endlich... ein matter Schritt. Filz- Pantoffeln. Spiegeln von Brillengläsern im Schatten des Korridors. Eine heisere, hüstelnde Stimme:„Ach, Sie sind es. liebe Frau Soelke! Und das Herbertchen!" Eine hagere, gelbliche Hand kommt aus dem Dunkel Elsbeth steht so unbewegt, als hätte sich Biet in alle ihre Glieder ergossen. Sie starrt und sieht: graues, sehr gelichtetes Haar, stumps», blinötrüb« Zlugen hinter den starken Brillengläsern, ein hagere» verwitterte» Antlitz, von silbernen Stoppeln gerahmt, ein emoefallener Körper unter dem farblosen Schlasrock. sie steht: einen gveisen und müden,«inen sterbemmüden Mann! Keines Wortes fähig, sucht nur ihre Hand in der kleinen Tasche und hält dem Manne ein Bild hin. ein Photo, das sie aus einer Radiozeitschrift ausgeschnitten hat. Angestrengt blickt Distel durch die Brillengläser und sogt dann:„Tjaja, so sah ich einmal aus. vor dreißig Jahren vielleicht. Hätten Sie mir am Lautsprecher zugehört, wenn Sie ge- wüßt hätten, wie ich heute anzuschauen bin?.. Sehen Sie.... Wollen Sie nun nicht herein- kommen?" Elsbeth zögert. Nein, sie möchte lieber wieder gehen, zurück in Schwester Bertas stille Küche Herbertchen jedoch, ein zutrauliches und neu- gieriges Kind, ist bereits in den Flur geschlüpft und wartet hinten im Rahmen einer Tür, die ein bernsteingelbes Licht erfüllt.— Das bernsteingelbe Licht! Wann und wo leuchtete es doch schon einmal... so tröstend? Auf einem zerschlissenen Polster am ovalen Tisch sitzt Elsbeth dem Dichter gegenüber, der unter einer Deck« im hohen Ohrenstuhl lehnt. Die Stube mit den vielen Zeichnungen. Photos, Büchern und in Glaskästen geordneten Kristallen gleicht einem Altwarenladen, verräuchert die Tapete, vergilbt die Gardinen. Und dies alles eingeschmolzen in das bernsteingelbe Licht der Gaskrone. In dem geösfneten Rollsekretär lehnen die Bilder von Elsbeth und Botze. Die Frau weiß nun, was sie zu sagen und zu fragen hat:„Ja, Herr Distel... und Ihre vielen Briefe?— Jaja, Her- bertchen, spiele du nur weiter mit den schönen visss /Ubsit erhielt den 4. Preis im Preisausschreiben des„Vorwärts". Dia Autorin schildert sehr gut das leben in einer Berliner Schrebergartenkolonie, die ein Teil unserer Leser wiedererkennen wird. Hier findet auch die Angestellte das, was die Verfasserin so schön den„Atemzug des Stillseins" nennt, Es war zu der Zeit, als jedes Krümchen Erde innerhalb der Großstadt aus seine agrarische Tüchtigkeit geprüft wurde, da mochte man an dem Tennisplatz mit seinen weißen Kreidekaros gegenüber unserem Hause zelzn schmale Bauern- gllter. Zehn Eisenbahner wirkten hier in ihren Freistunden mit ihren Talenten und Talentchen blühende Wunder den ganzen Sommer über. Wintertags lag das Land still da und schlafend, und wenn Eis und Schnee durch den Boden getaut waren, sah es wild und wüst aus wie ein ungepflegter Bubenkopf. Zlber eines Tages erschien die Hühnerkutsche. Das war ein alter ausgedienter Kinderwagen, der von einem noch viel älteren Großoäterchen geschoben wurde. Der Wagen beherbergte m einem Bretterverschlag zwei schlohweiße Hühnchen und eine» regenbogensarbenen Hahn. Die Kutsche wurde drüben auf einem der Güter in ein großes Drahtgeflecht geschoben, die Hühnchen verließen gluckend die Kutsch«, blinzelten in die Sonne, und der.Hahn reckte seinen Hals himmellang und sang sein Morgenliöd, das er einem alten rostigen Pumpenschwengel abgelauscht hatte. Der Groß- vater setzte sich aus die Bank in die Sonne, rauch:« sein Pfeifchen, war genau so munter, wie seine drei Getreuen und ging, wenn es zu kühl werden wollle, zweimal um das Drahtgeflecht.' Zwei Stunden wartete er so seine Hühnchen, dann kletterten sie wieder in die Kutsche und fuhren heim, lind alle Tage blieb Großvater etwas länger, bis er mit der Sonne kam und mit den Sternen ging. So war die Hühnerkutsche für uns immer das „Fanget an!" des Frühlings. Dann war es Zeit, uns unseres Rittergutes zu erinnern, das an der äußersten Peripherie unserer Stadt liegt. Unser Garten ist nur klein, das Häuschen darin oan,er**ui: Sturzes Erleben Sieh dort— ein Ball In rotblauer Bunthalt springt hüpfend in lautlosem Jubel, Jagt haschend mit seinem sich manchmal mutwillig befreienden Schalten auf jenem Weg von Kies.— Doch dieses beseligte Springen wird langsam und leise, und Schatten und Ball verhaften beide mehr und mehr. Noch ein leichtes Rollen auf dem willigen Kies, ein letztes verspätetes Wollen,— dann liegt er still, siegt bereit zu besinnendem Ausruhn, liegt da wie ein Toter nach seiner durchlebten Zelt. Steinen. Nicht wahr, das darf er doch?.., Ja... Sie schrieben doch da so etwas von verliebt... Und ich meine..." Das erloschene Antlitz des Dichters wird von einem Lächeln belebt„Ja. Ich zog Ihre Ge- danken fort von Ihrem Manne und, nun ja, auf mich. Und jetzt sind Sie also hier. Das ist gut so, sehr gut. Sie mußten einmal ganz fort von Ziegen. In einigen Tagen können Sie zu Ihrem Manne zurückkehren. Er wird schon um S-e barmen. Ich kenn« das. Und dann werden Sic sich beide jung und neu sein." Die Frau ergreift die Hand die zu fasten sic sich soeben noch gescheut hatte. Distel wehrt ab „Nein.. ich habe Ihnen zu danken. Sie haben mir spät, aber noch nicht zu spät den Lohn für ein langes Leben voller Demütigungen, Cnt- täuschungen urd Verrat gegönnt, den unbedingten Glauben«ine- einzigen Herzens nämlich, jenen Glauben, der sich bis zur Hingabe des letzten Be- sitzes bewährt." Der Kranke stützt sich aus dem Stuhl und kehrt vom Rollpult mit einem Packen von Geldscheinen zurück„Hier, das ist Ihr Geld— auf Hellet und Pfennig. Ich habe die Redlichkeit Ihres Dankes und Ihrer menschlichen Gesinnung wieder noch winziger, aber die Freude daran ist größer als beide und größer als die Mühe, die es macht. Müh« macht es schon, ja. Die Müh« fing schon damals an, als gegenüber des Grassleckens das Häuschen seine Wände ausstreckte und nun für den kleinen Giebel unter dem Spigdach«in Name gefunden wenden sollte. Der Vorschlag, ein schwarzes Fragezeichen in den weißen Grund zu malen, wurde abgelehnt, da das Haus ausschließ- lich der Erholung und nicht philosophischer Betrachtung dienen sollte.„Villa Sofabein" verriet eine zu eindeutige Impertinenz, die aber nicht ein- mal berechtigt war, denn die gedrechselte Verzierung, in die das Küchendach auslief, hatte nur Aehnlichkeit mit diesem Requisit, in Wahrheit war es ein kopsgestelltes Tischbein. So wurde denn schließlich„Mein Vergnügen" für würdig gefunden. „Mein Vergnügen" liegt am blauen Nil. Ein Wasser, an dessen Ufern wohl Schilf wächst, das aber kaum ausreichen würde, das Mosesknäblein vor feindlichen Augen zu verbergen. Ein Wasser mit Schilf und sehr viel Entengrütze. Rechts und links von ihm liegen die Häuschen von Togo» land und Kamerun. Man muh hier draußen viel geistig« Schwung- kraft zur Verfügung haben, um immer in der Wirklichkeit zu bleiben, denn es kann geschehen, daß man einen Eingeborenen fragt, wo es die kräftigsten Kohlrabipflanzen gäbe und die Ant- wort erhall: „Äollrabbü, da jshn Se man nach Kamarun." »???" „Dia hia an blaun Nil lank, die neechste Ecke hinta Tojo." Den Menschen, die hier am blauen Nil ihre Freizeit oerbringen, spukt allen ein wenig Bauern- blut in den Adern. Und daß diese Wenigkeit nicht in gerader Linie vererbt wurde, sondern durch Generationen hindurch übernommen, das nimmt eigentlich ihrer Arbeit den rechten Ernst, der immer sonst über eines Bauern Arbeit liegt. Es ist, als wenn ein Kind voll verständiger Wichtigkeit seine Puppe erzielst und Bater und Mutter mit einer Stinrme spricht. Die Großstadtbauern beziehen ihre Weisheit mehr oder weniger aus Katalogen der Samen- und Pflanzenhandlungen, und es find wohl wenige unter chnen, die aus eigenem Wissen heraus eine gute Ernte haben. Aber grab das häll sie verbunden miteinander. Das Austauschen der eigenen Ersahrungen, die meist nur demein- sachsten Erschauen entspringen und die oft eine köstliche Unwissenheit bergen. Ich sehe es ja an mir selbst, daß hier Freude oberstes Gesetz ist. So kann ich mich nicht dafür begeistern, den Spaten in die Erde zu treten im Frühjahr und Schritt für Schritt das Land um- zugraden Frisch gegrabenes Ackerland ist für mich kein Wunder, das mir das Werden offenbart. Soviel Gutes und Liebes auch die braune duf- tende Ackererde bergen mag. ich komm« ihr nicht näher. Aber das ist mir ein liebes Wunder—— wenn die Sonn« mit all ihrem Warmsein den ganzen Tag über dem Lande stand und ganz still der Abend kommt. Wenn Vlmnen und Sträucher wie lagmüde Kinder sind � dann zu ihnen kommen und sie tränken. Da ist ein einziges Frohsein und ein einziges Danken. Wie oer- schieden sie doch«inander sind un Trinken! SONNABEND, 25. FEBRUAR 1933 und wieder in Versuchung geführt Sie haben den letzten Pfennig geopfert Mit dielen arm- seligen Scheinen haben Sie mich lo-gckaust von der Verzweiflung über«in vergessen-» und oer» lorenes Dichten von mehr als ot.-rzig Iahren, haben Sie mich freigekauft in den Frieden meiner letzten Tage.— Da. nehmen Sie bitte. Und nun gehen Sie. Ich fühle mich sehr schwach" Auf dem kleinen eisernen Balkon hoch über dem Siegtal steht Elsbeth die Frau. Die Blumen des Sommers verbrennen in starken Farben, die Linden entsenden ihren berückenden Duft. Im Geäst der oerblühten Kostattie lärmen die Spatzen, versickert dos Goldblut der scheidenden Sonne. Die Schwalben tragen ihr Spielgeschrei hoch über die Dunstmauer hinaus zu den glühenden Wolken- schiffen. Drunten an der Sieg wird noch auf Eisen gehämmert, eine Lokomotive heult, irgend- wo bellt hungrig ein Hund, die Glocken der drei Kirchen verstummen. Der Botze kommt aus der Stube und saßt die Mutter an der Hand. Dann winken sie beide dem Vater entgegen, der die Straße am Berge empor- steigt. Karl bringt einen Brief mit, den er dem Post- boten abnahm. Er ist von Schwester Berta aus Berlin. Wenige Zeilen nur, mit denen Berti auf eine beigefügte Anzeige verweist. Sie meldet das Ableben des Dichters Distel. Elsbeth geht in die Küche. Für einen Atemzug bleibt ihr Blick auf dem Lautsprecher haften. Und sie grüßt ihn, indem sie kaum merklich die Stirn neigt. Da steht ein Pjlänzlein unter dem Regen wie ein Mädel, das die gespreizten Händchen well von sich hält und den ganzen Segen über den Kopf hinrauschen läßt Da sticht eines mll spitzigem Blätterdolch in die Tropfen hinein, daß sie zu feinem Sprühen werden. Und das hält weit, well die brellen Blätterhänd« auf und fühlt über die gange Fläche hin das Diaß. Oder eines, das schließt die Hände ganz schnell über einem Tropfen und hütet ihn die ganze Nacht hindurch wie eine Perle. Das ist jeden Abend neues Erleben. Der Herr Nachbar aber steht m Hemdsärmeln über den Gartenzaun gelehnt und schüttell den Kopf: .siLasprechen Se sich wirklich wat davon? Js mia untla. Ick jieße nich. Kann ma da wat raus- ziehn aus de Erde? Kann man? Denken Sc det wächst davon besfa? Ja? Na Heer» Se mal. S« kenn doch ne Wiese, nich? Sonne schöne saftige Wiese mll Blimekins un Iras un so. Wer jießt denn die? Mmmh? Wächst doch ooch. Oder nehm Se Walderdbeern. Na? Mit Ihr janzet Jießen, und wenn Se mit Ananasbowle jießen, den Jeschmock bringn Se nich in ihre Erdbeern. Wer jießtn die da draußen im Wald? Der liebe Jott? Na schön, uff den wartick eben ooch. Der wird denn hier ooch schon noch herkomm. Raus- ziehn kann man det nich. Und mll Jießen schon janich." Es gibt unter den Großstadtbauern in Togo- land überhaupt Originale. So der„Spatzenschreck" Geht man nichts- ahnend an einem Sonntag die Hauptstraße ent» lang, klingt es über ein« Hecke:„Sie. Nachbar, wenn Sie da weitergehn, klopfen Sie doch mal an meinen Draht, zäun. Die Spatzen sind all wieder in meinen Erbsen, det Deubelszeug." Und dann der Nachbar von der anderen Seite. Der kam einstmals nur mll Frau und Tochter nach Togoland und baute ein Häuschen, voll- kommen ausreichend für sie drei. Sein« Frau ist ihm gestorben, und mit der Zweiten hat er eine Unmenge Verwandte mitgeheiratet. Nun ist das Häuschen zu klein. Zwei Stunden, bevor nun der sonntäglich« Besuch kommt, ist er dann meist dabei. Plag zu sichassen. Da wird das Sofa'n die Radieschen gestellt, das Bett in den Grünkohl, der Tisch kommt vor den Flicderstrauch aus die Wiese und der Schirmständer mitten in den Weg. Waschtisch und Schrank müssen hinter das Haus. und nun kann der Besuch kommen. Und ein Geheimnis hat unser Garten. Und das ist das Allerschönste. Wenn wir des Werk- tags über an unseren Maschinen sitzen und man nichts weiter hört, als das Knattern der Buch- staben, die über das Papier hetzen, oder von draußen her das Rasseln und Tmen und Klirren der Stadt, dann kommt wohl einmal ein kurzer Atemzug des Stillseins Und dann hebt eines von uns die Augen von der Arbell:„Hört mal, wie still." Dann wird die Well so well in ihrer Atemlosigkeit, alles fit ausgelöscht und vergessen, bis das Qautsein wieder über uns zusammen» schlägt. Und das fit das Geheimnis: die Atemzüge in unserem Garten sind länger und tiefer. Des Morgens und des Abends ist's sogar ein einziges Versinken in Stillsein. Ein Stillsei». in das man sich sorglos und sroh ganz tief hineichchntiegen kann. In dem man nichts denken will und nichts weiter tun kann, als es ganz still über sich hinweg- schmeicheln fühlen. Jim dem tfreisausfehreiben des„Vormärls" 3)ore Qtiauck: QTOffliHdlbaiieini Der Marxismus und die Landwirtschaft Ist der Marxismus an der Not der Bauern schuld? .Der Marxismus ist an eurem Elend schuld". das wird doii Dorf zu Dorr nun Nazis und Deutschnationalen den Kauern jetzt wieder in die Ohren geschrien. Adolf Hitler behauptet, daß !9l8 eine wohlgeordnete Wirt- schaff vom kaiserlichen Deutschland übernommen und in l-ljähriger Mihwirt- fchaff völlig zugrunde gerichtet worden fei. Das cheilächfnis der Menschen ist kurz. Wir wollen es ihnen stärkei,. Hier ist die Wahrheit über die �wohlgeordnete" Landwirtschaft von 1918. Die hsndwirtsctmkt war 1918 ein einziges Trümmerfeld 'lach der amtlichen Statistik betru«! die Ernte in Millionen Donnen Roggen Weizen Hafer Kartoffeln 9,5 52,9 1913 1918 nur 12,1 6,6 ■u 2,2 chZ 24,7 der Viehbestand in Millionen Stüch Zchweine Milchkühe Milchproduknon je Kuh in Litern ... 25,3 11,3 2000 5,7 84 1200 nur i913 1918 Ein geradezu furchtbares Trümmerfeld. Nicht nur die Gelreideproduktion war auf die Hälfte gefunten, auch die Erzeugung von Aleisch. Aett, Milch war in katastrophaler Meise ZN' iamwengcschrumpst. Dieser unerhörte Rückgang der landwtrtschaft- lichen Produktion hieß für die Äevölkerung eine eNtsetzlicke Verschlechterung der Er- n ä h r u n g. Nach amtlichen Berechnungen sind mehr als 800000 Menschen allein durch schlechtere Ernährung zugrunde gegangen. Wer aker hat dieses Trümmerfeld aufgeräumt? Vielleicht die Nazis? Nein, die trommelten, wahrend die Republik und„der Marxismus" arbeitete. Auch hier Ziffern, die beweisen: 5m verkleinerkeu Deutschland stieg vor l9l« bis 1932: die Roggenernte von 6 6 auf 8P Mill. Tonnen Weizenernte Hafcrerme Kartoffelernte Zahl d. Schweine „ d. Milchkühe Milchproduktion pro Kuh... 2.2 4P 24.7 5.7 8.1 „ 6,7., „ 45P„„ „ 22 ü Mill. Stück , 0P, 1200„ 2400 Liter Gegenüber dem kaiserlichen Deutsch- l a n d bat gerade die Republik und haben di«„M a r x i st e n" durch Steigerung des Arbeiiereinkommens dafür gesorgt, daß der Ver- braucher mehr taufen und die Landwirffchast mehr verkaufen konnte. Unter der Hermann- Müller-Regierung. als Marxisten in der Regie- rung waren, hatte sich pro Kopf der Bevölkerung der Verbrauch gegen die Vorkriegszeit erhöht. Bei Eiern vo» 30 auf 38 Stück, bei Butter von 12 2 auf 13,8 Piund, bei Milch von 133,7 auf 141,6 Liter und bei Zucker von 35,5 auf 44 P'und! Seit 1930 aber ist es nicht mehr arm warls, loichern nur noch adwörls gegangen! ..Der Marxismus ist an der Not der deutschen Landwirtschaft schuld"—; hoben di« Verbreiter dieser lo abgrundtief falschen Behauptung noch nie ellvas von der iulenrolionalen Agrarkrise gehört? Wissen sie iiichf, daß heute die Agrarpreise über- a l l einen ungeheuren Tiefftand zeigen, vor allem aber dort, wo von Marxismus keine S p u r zu finde» � ist? In Amerika sanken fest 1928 die Weizen- preise von 11,50 Mark auf 4 Mark je Zentner, die Schweinepreife von 49 Mark auf 30 Mark. In Polen werden Bauernpferds für ZPO bis 6 Mark oerrauft, die landwirtschasilichen Wohn« irnd Wirtschaftsgebäude zerfallen, 90 Praz. aller Betriebe können keine Zahlungen mehr leisten. Ist daran der Marxismus schuld, den es in diesen Ländern gar nicht gibt? Aeberall in der Well bekommt die Land- wlrischasl schlechte Preise, weil die kapilallstische Weltkrise Millionen von Arbeite loiev Hungern läßt und die kaufkrast der noch Veschästigtea ans ein Mindestmaß gesenkt hat, und am liessten gesenkt hat gerade lo den saschislisch regierten Ländern wie Ziallen, Polen und Zogoslawienl kaiserliche und republikanische Preisverhältnisse Wenn aber unter Marxismus die republikam- fchen Parteien zu verstehen sind, die seit 1918 in Deutschland Einfluß auf die Regierung hatten, dann ist gerade m den 14 Jahren seit 1918, in denen di« Nazis nur getrommelt haben, für die deutsche Landwirtschaft im Bergleich zur übrigen Well ungeheuer viel zur Erzielung besserer Preise geschehen Auch hierfür sofort den Beweis: Man oergletchc die Preise, die der demlche Landwirt und der ausländische Landwirt von 1927 bis 1933 erhallen hat und wie gewallig sich das' Perhällnis gegen 1913, gegen das kaiserliche DeutMand verbessert hat: Die«Großhandelspreise betrugen in Mark für den Zentner: 1913 1927 1931 1933 1913 1927 1931 1933 Weizen Deutichl. England 9.40 8,40 13.40 11,60 ■ 12,50 ZPO 9,70 3PO Schweine Deukschl. Polen Roggen Deuffchl. Polen 7P0 12P0 9,20 7,60 7,80 10,- 5,40 3P0 Stets . 39,— . 65,— . i9r- . 32,— sind die 59,— 50,- 23 PO 21— Butter Deutscht. Holland ll7P0 128.— 173,— 170,— 125,— 113,— 85<- 61P0 Deulschland weil preise in über den«mständislhen gehalten worden, am stärksten in der Zeit der Republik. Die beul. sihen Agrarvreiie sind die höchsten in der ganzen Welt. Die Berbraucher in Deutschland haben rreiwlllig zur Erhallung der deutschen Landwirt- lchast eine Last von jährlich Z bis 3 Mil- l i a r d e n Mark auf sich genommen. Das ist die Leistung der republikanischen Parteien für die.Lavdwirischoit. Aber es gibt noch eine andere wichtige wahr- heil, die de« Bauern angeht. Seit 1931, das zeigt die Tabelle auch, sind die Preise für die landwirtfchastliihen Erzeugnisse immer mehr ins Rutschen gekommen. Di« Ursache hierfür ist aber leichi zu finden. Im Jahre 1928, als Hermann Müller noch Reichskanzler war, betrug das Einkommen aller Arbeiter, Angestellten und Beamten noch 43 Milliarden Mark, 1932 dagegen nur noch 27 Milliarden Mark. Dieser Rückgang des Arbeitseinkommens um 30 Proz hat die Berlaufserlöse' der Landwirtschaft von 9,2 Milliarden aus 6 Milliarden gedrückt. Seit 1930 aber hallen„die Marxisten" nicht mehr mitzubestimmen! Arbeiternot hat sich als Bauerntod in dieser Zeit erwiesen! Das Elend der Arbeiterschaft und nicht die „Mißwirtschaft der Marxisten" ist die Ursache für die Not der Loirdwirtfchoft. Je autoritärer und „nationaler" aber der Kurs wurde, desto größer wurde das Elend der Arbeiterschaft, desto größer die Verelendung der Bauern. Das ist die Wahrheit über„die Schuld des Marxismus" gegenüber der Landwirtschaft. Deutlchland kann stolz sein auf seinen„Marxismus", und der Bauer, der an sein wirkliches Interesse denkt, der wähll nicht Hiller oder Hugenberg, sondern Liste 2. Sozialdemokraliet Was wird mit Silverberg? Schwerindustrielle Boxer im Ring 3n und dem Kampf zwischen Flick, V ö g l e r Silverberg gab es am Mittwoch einen Zwischenakt: der Ausschutz des Aufsichrsrates der Rheinischen A.-G. für Braunkohlenbergbau und Brikellsabrikation, dem auch Flick selbst ange- hört, hat das Angebot des RWE. über die Divi- dendengarantie für die Rhein-Braune-Aktionäre in vielen Stunden beraten, aber eine Entscheidung nicht gefällt. Es wird eine Aussichtsratsoollsitzung itallfinden zur Einberufung einer Generalver- fammlung, die selbst über das Angebot entscheiden soll. Wir haben immer wieder darauf hinge- wiesen, daß es sich hier um llompfe und Entscheidungen von höchster allgemeiner Bedeutung Handell. Generaldirektor V ö g l e r vom Stahl- verein, der zugleich Aussichtsratspräsident bei den Rheinifch-Westfälischen Elekrrizitätswerken(RWE.) ist. und auch im Aufsichtsrat von Flicks„Ehar- lotrenhütte" sitzt, möchte bekannllich die RWE.» Aktien, mit denen das RWE. Herrn Flick die zu übernehmenden Rhein-Braune-Aktien bezahlt, zum Austausch gegen die Gelsenkirchen- Mehrheit an das Reich gehen lassen, womit die Reprivatisierung von Gelsen- k i r ch e n und damit der Bereinigten Stahlwerke gesichert wäre. Dieses Ziel ist auch jegt noch das treibende Motiv für B ö g l e r. der sich in der Meinung der Ruhrherren, die ihm persönlich den Berkauf von Geilenkirchen an das Reich verübeln, reha- b i l i t i e r e n möchte. Das Ergebnis würde fein, daß das R W E.«ine volle ösfentliche Mehrheit bekäme und die Rhein-Braune-Gesellschast nach der Ausübung der Flick-Oprion durch das RWE. unter direkte Reichskontrolle käme. Es wird deshalb auch Voglers Einfluß zu verdanken sein— wenn die Generaldirektoren des RWE. dabei auch noch so hörbar aus die Zähne beißen—. daß das früher« Angebot des RWE. gegenüber den Prwataktionären von Rhein-Braune oe r b e j s e r t worden ist. FlicksInteresse liegt auch in der Richtung der Reprivatisierung des Stahlvereins. Aber das Eisen, über dos Flick dann veriügen könnte, interessiert Flick nicht. Flick möchte Sohlen mil Selbskverbrauch-rrechk für seine milleldeulschen Stahlwerke und seine Maxhüll«. Deshalb spekulierte er früher schon einmal aus Gelsentllcheners Essener Steinkohle« und spekuliert jetzt immer noch auf die Harpe- ner Bergbau- Mehrheit, die SUverbergs. Rhein-Lraune-Geselllchaft im Besitz hat. Sllper- berg will die Harpen-Mehrhell aber unter keinen llmstönden herausgeben und will sie auch gegen den Lerfuch verteidigen, daß das RWE., wenn die Option mit Flick zustande kommt, Flick statt RWE.»Aktien die Harpen-Mehrheit geben möchte. Dorum handelte es sich, als in den letzten Tagen davon die Rede war, daß die Rhein- Braune vielleicht direkt das Flick-Paket über- nehmen könne. Tatsächlich kann Flick auch offen- bar aus der dem RWE. angebotenen Option nicht heraus, in erster Linie, weil Bögler wegen seiner Rehabilitierungsziele nicht will. Flick selbst ist aber noch aus einem anderen Grunde in seiner Bewegungsfreiheit gehemmt. Noch dringender als kohle braucht Flick nämllch Gest» oder geldwerte Forderungen Aus dem Berkauf seines Rhem-Braune-Pakeu. kann er 15 bis 1754 Millionen B uch- gewinne In feine Bilanz einsetzen. Diese Gewinne braucht er, um überhaupt seine Bilanz aus dem Preisrückgang erklärt.. Mengenmtzßlg halten sich die Umsätze seit einiger Zeit auf der Höhe des Vorjahres. In einem großen Tell der Betriebe wird in Doppelschichten ge- arbeitet und der Auftragsbestand sichert die volle Beschäftigung aus mehrere Monate. Stöhr wird wahrscheinlich schon für das erste Jahr nach der Sanierung eine Dividende von 5 Proz. verteilen. Wie kommt es, daß in der Wollindustrie so gut verdient wird? Weil die Unternehmer mll den Preisen für ihre Fertigprodukte nicht so herunter- gegongen sind, wie es nach dem Preissturz für Rohwolle nötig gewesen wäre. Setzt man die Preise von 1913 gleich 100, dann ist der Preis für deutsche Wolle auf 67, für australische Wolle aus 60 zurückgegangen. Der Preis für Wollstoffe ober ging nur wenig zurück, für Cheviot auf 79, für Serge nur auf 94. (für 1931!!) machen zu können, auf deren Auf- fchiebung sicher schon eine Menge Strafen liegen. Zu diesem Geld bzw. dieser geldwerten Forde- rungen kommt Flick e r st, wenn das RWE. die Option ausübt. Bögler hat Flick durch besten Geldbedarf und die. Rhein-Braune durch die Flick-Option in der Hand. Silverberg könnte auf der anderen Seite durch jahrelange Prozesse die Flick-Option des RWE. mit Aussicht auf Erfolg anfechten und damit Flicks Geldinteresie und Böglers Re- privatisterungswünsche schwer schädigen. Das sind die Dinge, um die im Umkreis der Rhein-Braune jetzt gekämpft wird. Sie sind interessant und wichtig genug, um die ganze Oesfenllichkell zu interessieren. �Vollhoujuiihtur? Stöhr arbeitet in Doppelschichten In der deuffchen Textilindustrie werden die erbärmlichsren Löhne gezahlt. Aber wenigstens in einem Zweige der deutschen Textilindustrie, in der W o l l i n d u st r i e, wird zurzell klotzig verdient. Wir meldeten schon vor einigen Tagen, daß die Augsburger Kammgarnspinnerei ihre Dividende von 12 aus 14 Proz. erhöhte, daß die Geraer Strickgarnspinnerei sogar 16 Prozent verteilt. Jetzt veröffentlicht der größte deutsche Woll- konzern. die Kammgarnspinnerei S t ö h r u. C o. A.- G. L e i p z i g, einen Börsen- Prospekt, der recht optimistisch gehalten ist. Im vergangenen Jahre mußte dieses Unternehmen aus Gründen verfehlter Konzern- und Lagerpolitik saniert werden: das Kapllal wurde im Berhällnis 10 zu 7 auf 14 Mill. M. zusammengelegt. Die Beschästigungslage wird als günstig geschildert. Die' Umsätze des ganzen Kon- Zerns sind von 1931 zu 1932 von 24 auf 19 Mill. Mark gesunken, ein Rückgang, der sich fast ganz VcrSistsr Kapitalismus Der Jahresbericht der Braunschweigischen Staatsbank Die Braunschweigisch« Staatsbank befaßt sich auch in ihrem Jahresbericht für 1932 wieder ein- gehend mit den wirtschaftspalitischen Ere-gnisien des vergangenen Jahres. Mir Nachdruck wird «ine sorgsame Pflege des sich nur lanasam und zögernd bessernden Kapitalmarktes gefordert. Wenn das Institut feststellt, daß es durch Stei- gerung feiner Einlagen der Wirtschaft neue Kredite zur Verfügung stellen konnte nad Hiera» die Landwirtschaft„trotz der kreditichmälernden Reichsmaßnahmen" besonders beteiligte. fo liegt in dieser Feststellung eine auherordent- iiche scharfe Kritik des Vollftreckungsschutzes. Die Verwaltung macht die politische U n- ruhe und Unsicherheit dafür verantwortlich, daß die Lösung der kreditwirtschafrlichen Erstarrung immer wieder empfindlich gestört wurde. Bei der Unmöglichkeit, neue Pfandbriefe auszu- geben, konnte die'Staatsbank neue Hypotheken im Berichtsjahr nur so well begeben, als ihr aus der Rückzahlung aller Hypotheken Gelder zuflosien. Der Gesamtbetrag der Neuausleihungen erreichte daher nur etwas über 706 000 Mark, die sich auk 43 Grundstücke oerteilten. Daß der kleine Bauer und der Mittelstand die Hauptleidtragenden dieser Vereisung des kapitalistischen Kreditsystems sind, zeigt sich deutlich in der Verteilung der Ge- samtjumme, die in Hypotheken festgelegt ist. Von insgesamt 9815 Posten entfallen 6989 auf Hypo- theten bis zu 5000 Mark und weiter« 1629 Posten auf Hypotheken bis zu 10 000 Mark. Von ins- gesamt 58 Millionen Mark Hypothekengeiden, entfallen auf Beträge bis zu 20 000 Mark allein 38,2 Millionen, während auf Darlehen von 100000 Mark aufwärts nur 5.8 Millionen ent- fallen, die sich auf 28 verschiedene Velechun- gen vertellen. Bauernschaft und Kleingewerbe, die heute nur noch in den seltensten Fällen kleine Be- leihungen auf ihre Grundstücke erhallen können, bekommen hier die Nackenschläge der ewigen poli» litifchen Unruhe zu spüren, die sie in Braunschweig wie im ganzen Reich durch das Nachlaufen hinter dem Radikalismus selbst hervorgerufen haben. Trog erheblichen Rückgangs der Umsätze von 3,12 auf 3P1 Milliarden ist der Reingewinn mit 1,42 Millionen Mark gegen 1931 fast unverändert geblieben. Nach Absetzung erheblicher Rückstellun- gen werden hiervon 1 Million Mark an die Staatskasse abgeführt. Rußlands Käufe in Deutschland. Di« Aufträge der Russischen Handel-gesellslhaft betrugen'in Oktober letzten Jahres 17,4, im November 26 9 Millionen Mark und stiegen im Dezember auf ZIP Millionen. Mehr Arbeit— Nebensache Von dem Sofortprogramm bleibt immer weniger Seit Monaten wird um die Durchführung des sogenannten Sofortprogramms für Arbeits- beschaffung oerhandelt. Rund 500 Millionen M. sollren bei der Durchführung dieser Arbeiten ein- gesetzt werden. Je länger das Hin und her der Verhandlungen dauert, um so mehr schrumpft der Umfang dieses Programms, das an sich schon nicht geeignet war, eine wirksame Ankurbe- tung herbeizuführen, zusammen. Unter anderem war es schon so gut wie abge- macht, daß die Reichsbahn aus dem 500- Millionen-Fonds 60 Mill. M. zur Durchführung wichtiger«Zlelllifizieruiigsarbellen erhalten sollte. Diese 60 Millionen waren schon das min- beste, was die Reichsbahn beanspruchen zu müsien glaubte, denn in chrem Entwurf zur Ar- beitsbeschasfung hatte die Verwaltung rund 150 Millionen angefordert. Wie jetzt verlautet, soll die Reichsbahn aus den Mitteln des Sofortprogramms überhaupt nichts erhalten, so daß unter diesen Um- ständen auch die vorgesehenen Elektritizierungen in Süddeutslhland und aus der Strecke Magdeburg — Hall« wegfallen. Die Elektroindustrie. die schon fest mit Aufträgen von 16 Millionen aus diesen Arbeiten gerechnet hatte, geht jetzt selbst- verständlich auch leer aus. Wir sind gespannt, was von diesem Sofort- Programm noch übrig geblieben ist. wenn es zur Vergebung der Aufträge kommt. Beimischungszwang für Schmelzkäse Amtlich wird mitgeteilt: Auf Grund der Verordnung des Reichspräsi» deuten zur Förderung der Landwirtschaft vom 23. Februar wird verordnet, daß jeder im beut- fchen Zollgebiet liegend« Betrieb, der gewerbs- mäßig Schmelzkäse herstellt, vom l. März d. I. ab mindestens 35 Proz. des Käses, den er in dieser Zeit verarbeitet, an inländischen K ä s e zu verwenden hat. Die Schmelzkäsebetriebe werden nach der Verordnung kontrolliert werden. Jeder Schmelzkäsebetrieb muß ab 1. März Bücher führen. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit hohen Strafen belegt Dem Verbraucher ist Schmelzkäse im allgemeine« unter der Bezeichnung„Emmentaler ahne Rrnde". .Tülsiter ohne Rinde"«sw. bekannt Berliner Schulen lebenskräftig Stadtschulrat Nydahl sprach dieser Tage vor der Berliner Presse über das Berliner Schulwesen in den krijenjahren, wobei er an Hand von Zahlenmaterial einen interessanten Ueberblick darüber gab, wie sich die Sparmaßnahmen des Staates und der Stadt auf das Berliner Schulwesen ausgewirkt. haben. Die gegenwärtige Gesamtstruktur des Berliner Schulwesens sei durch die gesamte Entwicklung der Nachkriegszeit start bedingt. Die Kurve der Schülerzahlen gehe selbst bei Nichtberücksichtigung des Schülerausfalls der Kriegsgeburtenjahrgänge langsam und stetig zu rück. Während man im Jahre 1932 noch eine Gesamtschülerzahl von 285 000 hatte, wird diese Zahl voraussichtlich im Jahre 1938 bis auf 271 000 gesunken sein. In diesem Zusammenhang betonte der Redner die Notwendigkeit einer sozialen Schulgeldstaffelung und erklärte, daß durch die bisherigen Maßnahmen ein Schulgeldausfall bis zu 45 Proz. bei den höheren Schulen und bis zu 55 Proz. bei den Mittelschulen vorliege. Weiter wies er auf das Vorhandensein überzähliger Lehrkräfte hin, sowie Vortrag von Stadtschulrat Nydahl denklich sei. Ohne Aenderung der Pflichtstundenzahl der Lehrer und der Wochenstundenzahl, sowohl bei Volks- wie bei höheren Schulen, sei auch für die nächsten Jahre mit einer Einberufung junger Lehrkräfte nicht zu rechnen. An der Volksschule würden voraussichtlich Anstellungen der jetzt beschäftigten Hilfslehrer durchgeführt werden können. Als erfreuliche Erscheinung in der Krisenzeit bezeichnete Stadtschulrat Nydahl den stärkeren Andrang zur mittleren Reife. Dann ging der Redner auf die Sparmaßnahmen im Schulwesen und ihre Auswirkungen auf den Etat ein. Das Sinken der Etatszahlen sei in erster Linie auf die Verminderung des Lehrkörpers und den Abbou der Lehrergehälter zurückzuführen, und zwar seien die Zahlen von 113,2 Millionen im Jahre 1928 auf 76,17 Millionen im Jahre 1931 reduziert worden. Die Sparmaßnahmen von Reich und Staat hätten 30,07 Millionen ausgemacht, während die Stadt durch verschiedene Maßnahmen 25,6 Millionen eingespart habe. Besonders seien auf die fast restlose Entlassung der Aſſeſſoren, die Brandkatastrophe Großbeeren! auf die staatlich angeordnete Kürzung der Wochenstundenzahl zurückzuführen sei. Die Anordnung des Staates zur Einziehung von 11 Lehrstellen habe zu einer Frequenzerhöhung in den Klassen von 33,66 auf 40,5 geführt. Aus diesem Grunde seien in den beiden letzten Jahren keine Anstellungsmöglichkeiten für Lehrkräfte vorhanden gewesen und viele außerplanmäßige Stellen notwendig geworden. Bei dieser erhöhten Frequenz in den klassen sei von einem Unterricht auf arbeitsschulmäßiger Grundlage taum noch zu reden. Noch schwerwiegender sei die Entfernung des jüngsten Jahrzehnts im Lehrkörper, so daß der Schule die Jugend fehle, was sehr beKrawallstudenten Unter Landfriedensbruchsanklage Am 17. Januar furz nach 11 Uhr kam es im Anschluß an die Kundgebung des nationalfozialistischen Studentenbundes gegen den Breslauer Professor Cohn zu schweren Tuer multszenen und der Univertitätefan tine. Die nationalsozialistischen Studenten schlugen mit Stühlen und anderen Gegenständen auf die republikanischen Kommilitonen ein, es gab mehrere Leichtverletzte Vor dem Schnellfchöffengericht hatten sich zu verantworten der 20jährige stud. iur. Bade wegen Landfriedensbruchs, Rädelsführerschaft und unbefugten Waffenbefizes, der Arbeiter Butia wegen schweren Landfriedensbruchs und Hausfriedensbruchs. Beide Angeklagten bestritten jede Schuld. Einer der angegriffenen sozialisti schen Studenten, der Zeuge D., gab folgende Dar. stellung der Vorgänge: An der Eingangstür zur Kantine habe eine Stimme gerufen: in zwei Minuten sind alle Juden raus! Dann sei eine Ro lonne von etwa 30 bis 40 uniformierten Nazis durch den Saal marschiert bis zum hinteren Eingang; die Nazis haben sich in Gruppen verteilt. der Angeklagte Bade sei auf ihn zugekommen mit den Worten: Du Lump bist immer noch hier, habe ihm einen Schlag gegen den Kopf versetzt, so daß seine Brille zerbrach. Dann seien die Nazis auf ihn und seine Kameraden mit erhobenen Stühlen eingedrungen, erst jetzt habe er selbst einen Stuhl zur Abwehr erhoben. Zwei weitere Zeugen, dic am selben Tisch gesessen haben, bestätigten diese Aussage, einer von beiden war blutig geschlagen worden. Der andere Angeklagte, der Arbeiter Butja, hatte im„ Völkischen Beobachter" von der beahsichtigten Rundgebung gelesen und war mit einem Parteigenossen trotz der Kontrolle in die Universi tät eingedrungen. Als er von einem sozialistischen Die verbrecherische Tat in Großbeeren hat 9 Familien obdachlos gemacht und ihrer Habe beraubt. Der Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt der Provinz Brandenburg hat durch seine Vertreter am Freitag die betroffenen Familien mit Geldspenden und Wäsche versorgt. Die Not lindern zu helfen ist ein Akt republikanischer Solidarität. Spenden nimmt entgegen: der Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt der Provinz Brandenburg- Grenzmark, Berlin SW 68, Lindenstr. 3, 1.Hof II, Telephon: Dönhoff 7770/7771. Postscheckamt: Berlin NW, Nr. 147293. Studenten nach der Studentenkarte gefragt wurde, zog er es vor, das Universitätsgebäude zu ver laffen. Er wurde später auf der Straße festgenommen und von drei Studenten, allerdings nicht mit voller Sicherheit, als einer der Schläger während der Tumulte in der Kantine wiedererkannt. Da die Zeugen auch gestern in der Berhandlung nicht mit Bestimmtheit qus jagen konnten, daß Butja an der Schlägerei be. teiligt war, wurde er von der Anklage des Landfriedensbruchs freigesprochen, jedoch wegen Hausfriedensbruch zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt: er hatte die Universität unberechtigter. weise betreten. Das Verfahren gegen Bade wurde abgetrennt; in der nächsten Berhandlung soll das Personal der Kantine auch die Kassiererin hat einen Schlag mit einem Stuhl erhalten anderthalb Duzend Nazientlastungszeugen und noch weitere Belastungszeugen gehört werden. 200 Todesopfer Fabrik in die Luft gesprengt In einer Gummifabrik in Schanghai er eigneten sich dieser Tage zwei schwere Explosionen. Die Zahl der Todesopfer wird auf rund 200 geschäkt. Bisher wurden 80 Leichen geborgen. 70 Menschen sind mit schweren Verlegungen ins Krankenhaus gebracht worden und über 100 werden noch vermißt. in Die Explosionen ereigneten sich in zwei Gasolin Vulfanisierapparaten der Fabrik, die sich in einem östlichen Bezirk Schanghais befindet. Durch die erste Explosion wurde ein zweistöckiges Gebäude zerstört. Alle Personen, die in diesem Gebäude arbeiteten, wurvon der Stadt starte Einschränkungen bei Neubauten und der Instandsetzung alter Schulen vorgenommen worden. Auf sozialem Gebiet, wie Schulgeld= ermäßigung, Lernmittelfreiheit für bedürftige Schüler, Fahrgelder usw., seien die Leistungen der Stadt immer noch sehr erheblich. Eine zu starke Einschränkung der Ausgaben für Unterrichtsmittel, für Schul- und Hausgeräte ſei allerdings für die Dauer nicht tragbar. Für Schulneubauten habe die Stadt von 1925 bis 1932 73,3 Millionen Mark aufgewendet. Ferner seien noch beträchtliche Mittel für größere Instandsegungsarbeiten ausgeworfen worden. Schulneubauten seien in der Mehrzahl in den Außenbezirken errichtet worden, und zwar handie es sich um 30 Schulhäuser und um 110 Turnhallen. Sämtliche Räume seien reitlos belegt, und von irgendwelchem unnötigen Aufwand könne wirklich nicht gesprochen werden. Jetzt bestehe nur noch die Möglichkeit der Inangriffnahme des ,, wachsenden Schulhauses", das nach und nach den Bedürfnissen entsprechend ausbaufähig sei, und der Errichtung von Schulbaraden in der bescheidensten Form für die Stadtrandsiedlungen. Dem Berufsschulwesen tomme in der Zeit der Arbeitslosigkeit erhöhte Bedeutung zu. Die Stadt habe nicht die Absicht, hier irgendwelche Einschränkungen vorzunehmen, zumal sie auch keine Ersparnisse bringen würden, da mehr als 100 hauptamtlich angestellte Lehrer nicht voll beschäftigt werden könnten. Der Rückgang der Schülerzahl bedinge die Möglichkeit einer beruflichen straffen Gliederung und Zusammenfassung aller Schüler nach Berufen, wodurch die theoretische und praktische Ausbildung wesentlich gesteigert werden fönnte. Stadtschulrat Nydahl schloß mit dem Hinweis auf die Tatsache, daß. es der Stadt Berlin trok der schweren Krisenjahre möglich gewesen sei, die Berliner Schulen lebensfräftig zu erhalten. den entweder getötet oder schwer verletzt. Teile Don Maschinen, Steine und Eisenstücke flogen durch die Luft. Kurz danach brach ein Großfeuer aus. Einige Sekunden später ereignete sich eine zweite Explosion. Dadurch wurden das Dach und die Mauern eines Boiler- Raumes in die Luft gesprengt. 160 Mädchen, die dort arbeiteten, wurden in ein Feuer geschleudert, das im Stockwert darunter mütete. Die gesamte Feuerwehr von unter wütete. Schanghai wurde mobilisiert, um eine. Ausdehnung der Flammen auf andere Gebäude zu verhindern. Rotters Schulden Erste Gläubigerversammlung Vor dem Amtsgericht Charlotten burg fand die erste Gläubigerversammlung in dem Konkurs über das Vermögen der Brüder Alfred und Friz Rotter alias Schage statt. Zu dem Termin waren zahlreiche Gläubiger oder deren Vertreter erschienen. Zunächst gab der Konkursverwalter, Rechtsanwalt Paul Adler, einen ausführlichen Bericht über den Stand und die bereits bekannte Verschachtelung der Rotterschen Theaterbetriebe. Er bezifferte die bisher angemeldeten Forderun= gen auf etwa 3,8 millionen Mart. Außerdem erörterte er die Frage, ob es nötig war, daß die Einnahmen des Großen Schauspielhauses an die Gesellschaft der Funkfreunde fließen mußten. Der Vertreter des Leiters der Gesellschaft der Funkfreunde, Henschke, vertrat den Standpunkt, daß die Abführung dieser Gelder zu Recht geschehen sei. Aus den Reihen der Gläubiger wurde die Frage aufgeworfen, ob man damit rechnen könne, daß aus den verschiedenen Theaterbetriebsgesellschaften Mittel für den RotterKonkurs eingehen würden, eine Frage, die der Konkursverwalter verneinte. Direktor Bar 3 vom Verband der Bühnenautoren vertrat den Standpunkt, daß die Gesellschaft der Funk. freunde nicht von dem Zusammenbruch der Rotters überrascht worden sei, wie sie betone, sondern sie hätte die wahre Lage des Unternehmens schon aus den vielen Siegeln an den Einrichtungsgegen. ständen entnehmen müssen. Der bisherige Konfursverwalter Rechtsanwalt Paul Adler, wurde schließlich bestätigt. Dem sodann gebildeten Gläubigerausschuß gehören folgende Personee an: Rechtsanwalt Berger, Rechtsanwalt Rehfisch, Direktor Barz von der Zentralstelle für Bühnenautoren und Berleger, Feinhube( Warengläubiger) und Rechtsanwalt Simon. Der von einigen Gläubigern vorgeschlagene Geschäftsführer der Gesellschaft der Funkfreunde, Henschke, wurde abgelehnt. Die nächste Gläubigerversammlung wurde auf den 21. März anberaumt. Vier Giftmorde? Rätselhafter Selbstmordversuch Am 16. Januar dieses Jahres starb der kriegsbeschädigte Schneider Robert Hielscher, der als Untermieter bei der Witwe Anna Alt= mann in Hirschberg lebte, eines plötzlichen Todes. Wenige Tage, nachdem er beerdigt morden war, lief bei der Polizei aus dem Hause, in dem Hielscher gewohnt hatte, eine Anzeige ein, in der die Vermutung ausgesprochen wurde, daß Hielscher keines natürlichen Todes gestorben sei und einem Giftmord zum Opfer gefallen. sein könnte. Der Verdacht stützte sich vor allem darauf, daß mehrere ältere Männer, die vor dem Invaliden bei Frau Altmann gewohnt hatten, gleichfalls plöglich und unter rätselhaften Umständen verstorben waren, so daß die Annahme einer Vergiftung den Anzeigern durchaus wahrscheinlich erschien. Die Staatsanwaltschaft Hirschberg ließ daraufhin die Leiche des verstorbenen Helscher, der auf dem Friedhof in Kunnersdorf beerdigt war, wieder ausgraben. Die Leichenteile wurden an die Universität Breslau gesandt. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Wohl aber wurde die Aufmerksamkeit der Bevölkerung durch einen neuen Vorfall erregt, der mit den früheren Todesfällen in Zusammenhang gebracht wird. Frau Altmann hat aus ungeklärten Motiven einen Selbstmordversuch begangen und wurde in bedenklichem Zustande in das Städtische Krankenhaus eingeliefert. Sie wurde dank dem fofortigen Eingreifen der Aerzte gerettet und befindet sich bereits auf dem Wege zur Besserung. Nichtsdestoweniger erscheint es bisher völlig unaufgeklärt, welches Gift sie bei ihrem Selbstmordversuch benutzt hatte Wie wird das Wetter? Neigung zur Aufheiterung geringe Schneefälle, In Berlin: Borwiegend bewölkt, nur wenig mäßiger Frost, nordöstliche Winde.- Jn Deutschland: Im Often trübe und Schneefälle, im Westen und Süden zeitweise heiter, Temperaturen nirgends. wesentlich geändert. Das eingebaute Bett Wie man es machen soll. um auch in der kleinen Wohnung bequem leben zu können, zeigt die Firma Gustav Lustig in einer Sonderaus. stellung in ihren Geschäftsräumen Bismardstraße. Da ist das Pra- Klapp" KombinationsWohn- Schlafzimmer, das auf dem Gebiete raum sparender Schlafmöbel und Bettschränke intereffante Neuheiten bringt. Betritt man den Ausstellungsraum, dann sieht man nichts weiter als eine Reihe wohlgeformter. Schränke, die sich. durch einen ebenso fühnen wie leichten Griff in Da ist ein dreiteiliger Schlafstätten verwandeln Schrank, dessen Mitteltür ein komplettes, hochgeschnalltes Bett beherbergt, zu beiden Seiten befindet sich die Kleider- und Wäscheablage. Ein zierlicher weißer Schrank mit bunter Chinzgardine für Kinder- und Jungmädchenzimmer, enthält ebenfalls das Nachtlager. Aber daß in einem Büfett ein bequemes Doppelbett eingebaut ist, hätte man nicht für möglich gehalten. Sehr praf tisch ist auch die Couch, die sich beim Auseinandernehmen als Doppellager entouppt, indem auf ge schickte Weise beide Teile der Schlafgelegenheit ausgenutzt werden. Schließlich gibt es noch bequeme Polstersessel, die sich ebenfalls zur Liegestätte vers wandeln lassen. Parteinachrichten Einsendungen für Utese Rubrik find Berlin S 68 Lindenstraße 3 für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat 2. Bot. 2 Treppen rechts. zu richten 2. Kreis Tiergarten. Achtung, Kreismitglieder! Die für Sonntag, 26. Februar, angefegte Demonstration findet nicht statt, weil die Erlaubnis nicht erteilt wurde 7. und 8. Kreis. Juristische Sprechstunde findet am Sonnabend, 25. Februar, Don 17 bis 18 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4, statt. Gelegenheit zum Rirchenaustritt. 13. Areis. Sonntag, 26. Februar, 11% Uhr, Filmmatinee in Tivoli- Festspiele, Tempelhof, mit dem Film ,, Kameradschaft". Saaleröffnung 11 Uhr. Eintritt 40 Pf. Rarten bei allen Bezirksführern. 33. Abt. Sonntag, 26 Februar, Besichtigung der Gaswerke Danziger Straße. Treffpunkt 13% Uhr Danziger Ede Greifswalder Straße. 83. Abt. Die im Rundschreiben für Sonnabend, 25. Februar, festgesetzte Beranstaltung fällt aus. Sonntag, 26. Februar, 8½ Uhr, von den bekannten Lokalen aus, Borwärts"-Agitation. 92. Abt. Der Geselligkeitsabend des Arbeitskreises junger Sozialdemokraten fällt aus. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Geschäftsstelle: Lindenstraße 2. Abt. Tempelhof, Jung- und Rote Falten: Sonntag, 26. Februar, 19 Uhr, Treffen zur Fahrt nach dem Grunewald. 40 f. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 108a. Abt. Unser Genosse Otto Dumte, Lindenstr. 39, ist plöglich am 22. Februar im Alter von 59 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenten! Be Rudower Straße. Um rege Beteiligung wird gebeten. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Funktionärkursus des Att.-B. NO. Werbebezirk Kreuzberg: Morgen 104 Uhr Generalprobe, Reichenberger Straße. erbigung Sonnabend, 25. Februar, 14% Uhr, auf dem Köpenider Friedhof, Vorträge, Vereine und Versammlungen Zuaendaruvve des Zentralverbandes der Anaeſtellten Der Singelreis übt heute von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Tilsiter Straße 4 unter Leitung von Dr. Hermann Reichenbach. Wir bitten um recht rege Beteiligung. SEJ Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14. Sebastianstr. 37-38. Hof 2 Tr. Steglig( Ortsverein): Sonntag, 26. Februar, 11% Uhr, Antreten Bahnhof Südende zur Kundgebung. Bundeslleidung. Waffer sportabteilung, 8ug Tegel: Sonntag, 26. Februar, Mitgliederversammlung im Bootshauskasino. Wichtige Tagesordnung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Reutöllner Sängerhor. 3. Bezirk: Sonntag, 26. Februar, 11 Uhr, Einsendungen für diese Rubrit nur an das Jugendsekretariat Berlin SW. 68. Lindenstraße 2 vorn 1 Treppe rechts. Referentenschule heute ab 19 Uhr pünktlich.. Manchen- Helfen- Rursus heute 19 Uhr pünktlich. SSG.! Wichtige Sigung am Montag, 17 Uhr, an bekannter Stelle. Die Abteilungen Arnimplat, Charlottenburg- Nord, Westend, Friedrichshain, Rarow, Moabit II, Neutölln VII, Nordost II, Petersburger Viertel, Rosenthaler Borstadt und Schöneweide I müssen noch Delegierte und Jugendbeirat melden! Heute, Sonnabend. Humboldthain und Norden: Roter Rarneval. Wittenau: Wochenendfahrt. Webbing Nord: Treffpunkt aur Fahrt um 8 Ubr See. Ede Müllerstraße. Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin. Geschäftsstelle: P. Schneider, Berlin NO. 55, Hufelandstr. 31. DIAIS großer Gaal der Neuen Welt zur Rundgebung. Montag, 27. Februar, 19% Uhr, im Sportpalast, Karl- Marr- Feier. Zu beiden Rundgebungen ist un bedingt Ausweis mitzubringen. AB 9. Arbeiter- Samariter- Bund e. V., Kolonne Berlin, Geschäftsstelle: RD. 13. Joftyfte. 4. Telephon: E 3 Rönigftab: 5440, Achtung! Der diesjährige Bezirtstag der Kolonne Berlin findet am 26. Februar an bekannter Stelle um 9 Uhr statt. Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund, Bezirksgruppe Schillerpart. Montag, 27. Februar, um. 20 Uhr, Arbeiterheim Wedding, Uferstr. 15, Zusammenkunft. Tagesordnung: Wähle die Freiheit! Referent: Genosse Fournes. Gäste will. tommen. " Neue Sozialpolitik lume Was die NSDAP. verlangt hat Die Gewerkschaftszeitung", das Organ des ADGB., untersucht die Wirkung der Notverordnung vom 18. Februar und stellt sie in Vergleich zu den Anträgen der Nationalsozialisten im Reichstag. Die Gewerkschaftszeitung" schreibt u. a.: ,, Selbst aus dem geänderten§ 10 der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 bleibt nach wie vor in Geltung, daß Sozialrenten neben dem Bezug von Krankengeld von mindestens einmonatiger Dauer und neben einer etwaigen Rente aus der Unfallversicherung auch fünftig ruhen", also nicht ausgezahlt werden. Gleichfalls ist gar nichts geschehen auf all den anderen Gebieten der deutschen Sozialfürsorge. Erinnert sei an die Tatsache, daß die Notverordnung vom 14. Juni 1932 die Renten in der Invaliden-, Angestellten- und fnappschaftlichen Versicherung ganz erheblich abbaute. Dies traf besonders die Millionen notleidender Arbeitsfähiger und Altersrentner aus der Invalidenversicherung. Bis dahin betrug die Durch schnittsrente etwa monatlich 37 M. Sie wurde durch den Abbau auf nur 30 M. monatlich im Durchschnitt gesenkt Die Unfall. renten wurden erheblich gekürzt, und zwar, soweit sie aus dem Jahre 1927 bis 1931 aner= fannt waren, um 15 Proz., für die übrigen Renten um 7% Proz., ganz zu schweigen davon, daß bereits frühere Verordnungen den Bezug der Unfallrente ganz erheblich eingeschränkt hatten. Die schwerste Belastung traf die Arbeitslosen. Die Verordnung vom 14. Juni 1932 vollendete mit äußerster Strenge, was frühere Notverordnungen begonnen hatten. Ste vernichtete die Arbeitslosenversicherung fast rest los. Der Rechtsanspruch, erworben durch einen für heutige Berhältnisse unerhört hohen Beitrag, wurde auf sechs Wochen eingeschränkt. Und nicht nur, daß der Rechtsanspruch beseitigt wurde, sondern fast für alle Arbeitslofen( bis auf jene ärmlichen sechs Neue Lohnpolitik Tarifkündigung von oben Der kommunale Arbeitgeberverband Berlin hat den am Tarifvertrag für die Angestellten der Stadtgemeinde Berlin beteiligten Gewerkschaften mitgeteilt, daß zum 31. März 1933 die Kündigung des Gehaltstarifes auf Weifung des Reichskommissars und des Oberpräsidenten erfolgt. Der 3wed der Kündigung ist eine neue Gehaltsherabsegung der Angestellten. Die Gehälter der Beamten und Ange= stellten der Stadtgemeinde Berlin sind seit dem 1. April 1924 in gleichen Gruppen und in gleicher Höhe geregelt. In den letzten Tagen ist auf das entschiedenste dementiert worden, daß eine Herabsetzung der Beamtengehälter beabsichtigt sei. Die angekündigten Maßnahmen gegen die städtischen Angestellten sind nicht geeignet, die Richtigkeit dieses Dementis zu bekräftigen. Die Kündigung ist auf Weifung des Reichsfommissars, also mit Wissen der Reichsregierung erfolgt. Woraus sich ohne weiteres ergibt, welche Lohn- und Gehaltspolitik beabsichtigt ist. Auch Reichsregierung Das Reichsverkehrsministerium hat die Löhne für das staatliche Wasserbauperfonal gekündigt und verlangt wetfere Lohnfürzungen bis zu 7 Pf. pro Stunde. Da die Gewerkschaften dieses abgelehnt haben, hat das Reichsverkehrsministerium den Schlichter angerufen. Die Verhandlungen follen am 27. und 28. d. M. stattfinden. Es muß dazu bemerkt werden, daß die Löhne des Wafferbauperfonals besonders niedrig sind. Der Deutsche" schreibt dazu, daß sich die christliche Wasserbau- Gewerkschaft wegen der außerordentlichen Notlage dieser Arbeiter schriftlich an den Herrn Reichskanzler Hitler gewandt hat, damit diese unerträglichen CohnFürzungen, die das Verkehrsministerium angefündigt hat, unterbleiben. Eine Entscheidung des Reichstanzlers ist bisher bei der Gewerkschaft noch nicht eingegangen. Grnennungen Zum Staatssekretär des Reichsarbeitsministe= riums ist Dr Johannes Krohn, bisher Ministerialdirektor im Reichsarbeitsministerium, ernannt worden. Weiter ist der Ministerialrat in. Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Hans Engel zum Ministerialdirektor und was die Regierung tat Wochen Rechtsanspruch) wurde zur Voraussetzung für den Unterstützungsbezug die Hilfsbedürf tigteit gemacht. Sie wird vielleicht am besten dadurch illustriert, daß die Reichsanstalt in den ersten neun Monaten 1932 über 760 Millionen Mark an Beiträgen vereinnahmte denen an Arbeitslosen= unterstützung einschließlich der sozialen Ver sicherungsbeiträge nur 373 Millionen Mark gegenüberstanden. Und gerade die letzten Monate haben dieses Mißverhältnis immer weiter verschärft. So standen im Dezember 1932 einer reinen Beitragseinnahme von 84,7 millionen Mark nur rund 32 Millionen Mark reiner Arbeitslosenunterstützung als Ausgabe gegenüber. Wohin die unangemessene Verschlechterung des Arbeitslosenschutzes getrieben hat, ist bekannt... Die Folge ist, daß wir in steigendem Maße nicht einmal mehr feststellen können, wieviel Arbeitslose in Deutschland überhaupt vorhanden sind. Die Zahl der unsichtbaren" Arbeitslosen wächst ins Ungemessene, weil zahlreiche Personen sich gar nicht mehr melden, da sie doch feine Unterstützung erhalten... In steigendem Maße verlagert sich die Unterstützung der Arbeitslosen aus der öffentlichen Hand in die Familien, die selbst unter geringem Lohn und Kurzarbeit bitterste Not leiden. Dadurch wird die ohnehin viel zu geringe Kaufkraft der noch in Arbeit Stehenden immer weiter bis zur absoluten Unerträglichkeit gesenkt. Die Familie wird zerstört. Sie gerät in Unfrieden, weil der Arbeitslose nun auch noch dauernd von den geringen Verdiensten der Eltern oder Geschwister unterhalten werden muß. Die Anträge der Nationalsozialisten im Reichstag verlangten die Wiederherstellung des alten Zustandes. Die neueste Notverordnung läßt diesen Willen nicht erkennen. Nicht anders als in der Arbeitslosen-, Unfall- und Altersversorgung sieht es in der Krankenver im Reichsarbeiteministerium ernannt worden. Er sicherung aus. Die Notverordnungen haben auch hier die Leistungen unerträglich gesenkt und andere Schwierigkeiten geschaffen... Wir müssen schon sagen, daß die Einschränkung der Selbstver= waltung der Krankenkassen uns kein Wiederaufbau der Leistungen der deutschen Krankenversicherung zu sein scheint. Die regierungsfreundlichen Organe schätzen selbst den finanziellen Effekt der neuesten Notverordnung auf rund 30 Millionen Mark jährlich. Das ist so gut wie nichts gegenüber dem Abbau, den die verschiedensten Notverordnungen, vor allem aber die Verordnung vom 14. Juni 1932, durchgeführt haben." Das Organ kommt zu dem Schluß, daß nach den Schäzungen der Regierungen, die den Abbau Zweifel daran auffommen ließ, daß die Beleg schaft in diesem Unternehmen für Quertreiber gleichviel welcher Richtung das denkbar umm= günstigste Experimentierfeld ist. Während sich in der Angestelltenversammlung die Spizenkandidaten der Nazis als Hohlköpfe präsentiert hatten, übernahmen diese Rolle gestern die Kandidaten der RGO.- Liste. Die Plattheiten, mit denen sie sich in der Diskussion produzierten, riefen sogar bei den mit ihnen Sympathisierenden Kopfschütteln hervor. Die RGO.- Kandidaten gaben sich jedenfalls unfreiwillig die größte Mühe, für die von ihnen vertretene Liste als abschredendes Beispiel zu wirken. Die nationalsozialistischen Betriebsratsaspiranten hatten es vorgezogen zu fneifen. Die fast einmütige Zustimmung, die die zur Einigtett mahnenden Ausführungen des Genossen Orlopp vom Hauptvorstand des Gesamtverbandes und des Arbeiterratsvorsitzenden Ge nossen Elchner fanden, waren ein untrügliches Zeichen des Sieges der freigemert. schaftlichen Liste 1. vornahmen, der Leiſtungsabbau in der Sozialver- och drei Kommissare! sicherung rund eine Milliarde betrage, der ,, Wiederaufbau" nach Angaben der Regierungsblätter aber noch nicht 30 Millionen be= trage. Tatsächlich ist der Abbau größer. Wie wir aus guter Quelle erfahren, hat die Reichsleitung der NSBD. eine Eingabe an die Regierung gerichtet, in der sie die Säube= rung" der Arbeitsämter verlangt. Herr Wilhelm Schmidt. M. d. R., Parteianhänger Hugenbergs und Führer der Gelben, fordert die ,, Aufloderung" der Arbeitsämter Andererseits hat der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Schumann, Reichsleiter der NSBO., in einer von uns zitierten Rede angekündigt, nach dem 5. März werde man mii den Ge= wertschaften aufräumen Sonst gibt es auf sozialpolitischem Gebiet nur noch die Ankündigung der Arbeitsdienstpflicht und die Anerkennung der Gelben. Ist diese Sozialpolitik auch neu, so entbehrt sie doch nicht der inneren Logif. In der Werkstatt, im Büro, auf den Stempelstellen von Mund zu Mund muß diese neue Sozialpolitik bekanntgemacht werden! übernimmt hier die Hauptabteilung für Sozial Aufmarsch der Bewag versicherung und Wohlfahrtspflege. Wie das Wolff- Büro hierzu weiter mitteilt, war Herr Krohn zunächst Leutnant, dann Hauptmann d. R. im Kriege. Herr Engel hat es nur bis zum Oberleutnant d. R. gebracht. Außerdem dürfte bei Krohns Ernennung noch die Tatsache eine Rolle gespielt haben, daß er schon seit mehr als 12 Jahren allerdings unter der Herrschaft der marxistischen Verbrecher- Beamter im Reichsarbeitsministerium war, wenn auch ein weit rechts stehender. Was Herrn Engel zu seinem neuen Amt prädestiniert, wissen wir nicht. Wenn wir recht unterrichtet sind, leitete er bisher die Abteilung für Futtermittel. Die immerhin faum mit Wohlfahrtspflege und Sozialversicherung etwas zu tun hatte. Wie Eisenbahner wählen Die Betriebsratswahlen im Reichsbahnausbesserungswert Kottbus, Direktionsbezirk Halle, brachten der freige wertschaftlichen Liste einen beachtenswerten Erfolg. Der Einheitsverband der Eisenbahner erhielt 539 Stimmen( 72 Proz. gegen früher 61 Pro3.); der Hirsch Dunckersche AEV. 127 Stimmen ( 17 Proz., früher 19 Proz.); die RGO. 66 Stim= men( 8,8 Proz., früher 16,4 Proz.. Nationalsozialisten und Stahlhelm brachten es nicht zu eigenen Listen und fielen aus. Einheitsfront! Der Zentralverband der Hotel, Restau rant und Café Angestellten umfaßt die Einheitsfront der gastwirtschaftlichen Angestellten. Mit dieser Feststellung begann der Vorsitzende, Genosse Schneider, unter lebhafter Zustimmung der Delegierten- Generalversammlung am Donnerstagnachmittag im Gewerkschaftshaus seinen Vortrag über die Aufgaben des Berliner Zweigvereins im Jahre 1933. In den Branchenversammlungen sind nur solche Mitglieder als Vertreter in der Generalversammlung gewählt worden, die ernstlich gewillt sind, mit dem Vorstand zusammen zu arbeiten, unbeschadet ihres Rechts der freien Meinungsäußerung. Die Aussprache drehte sich hauptsächlich darum, wie die Kasse des Zweigvereins zu stärken iſt, um die Kulturaufgaben nicht leiden zu lassen. Schließlich wurden die Vorschläge des Vorstandes einmütig angenommen. Ein Kulturbeitrag von einer Mart soll zunächst für das laufende Jahr zweimal erhoben werden. Nach der Stimmung der Delegierten wird die große Mehrzahl der gastwirtschaftlichen Angefte!!= ben am 5. März ihre Stimme abgeben Für Liste 2! Für die Einheitsfront Nach den Angestellten nahmen gestern die Arbeiter der Bewag in einer von etwa 1600 Personen besuchten Betriebsversammlung Stellung zu der Betriebsratswahl. Auch in dieser Bersammlung herrschte ein Geist, der keinen Für den Arbeitsdienst Der Arbeitsdienst soll, wie wir von unterrichteter Seite hören, fünftig von einem Drei. männerfoliegium geführt werden. Oberleitung erhält der Reichsarbeitsminister Seldte als Reichskommissar. Ihm zur Seite stehen Herr Mahnken, der vom Stahlhelm kommt, und Herr Hierl, der Fachreferent der NSDAP. für den Arbeitsdienst. Herr Mahnken soll die laufenden Arbeiten des FAD. erledigen und Herr Hierl die Arbeitsdienstpflicht vorbereiten. Da die Arbeitsdienstpflicht neben der Siedlung der einzige Programmpunkt in der be kannten Erklärung des Reichskanzlers war, ist es begreiflich, daß man ihr besondere Aufmerksamfeit widmet. Aber gleich drei Kommissare? Wir werden unwillkürlich an das Sprichwort erinnert, daß viele Köche den Brei verderben. nun Der Reichsverband deutscher Zigarrenhersteller hat, nachdem die Tabakarbeiterverbände Reichstarifvertrag und Bezirkstarifverträge für die Zigarrenherstellung zu zu Ende März gefündigt hatten, ebenfalls die Tarifver träge gekündigt. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung der Löhne und eine Ver= fürzung der Arbeitszeit, die Zigarren hersteller stellen Abänderungsanträge, die Dor allem Lohnfenfungen von 5 bis 18 Proz. und die Außerkraftsezung der Ferienbestim mungen für 1933 vorsehen. Die freien und chriftlichen Tabafarbeiter werden bei den Verhandlungen geschlossen für die von ihnen eingereichten Forderungen eintreten. Kranfenfaffenfommiffar? Die Krankenkassen erwarten ihn Das Reichskabinett will, wie die Regierungspresse mitgeteilt hat, einen Reichskommissar für das Krantentassenwesen ernennen. Dazu wird dem Sozialdemokratischen Pressedienst Donfachmännischer Seite geschrieben, daß die Krankenkassen der Einsetzung eines Kommissars, der die Reform der Versicherung durchführen soll, mit lebhaftem Interesse Sie erwarten von dem entgegensehen. Kommissar insbesondere Hinweise darauf, wie es ihnen möglich sein soll, trotz eines Ab= sintens der Einnahmen um nahezu 50 Pro3. erhöhte Leistungen zu ge währen. Im Jahre 1929 ezielten die Krankentassen insgesamt eine Jahreseinnahme 2,2 Milliarden Mark, während im Jahre 1932 die Einnahme nach sachverständigen Schäßungen( abschließende Zahlen liegen noch nicht vor) nur noch 1,2 bis 1,3 milliarden Mark betrug. Don Wenn, wie es nach der amtlichen Mitteilung den Anschein hat, bei der Reichsregierung die Ansicht besteht, daß durch herabminderung der Verwaltungsfosten noch größere Einsparungen bei den Krankenkassen erzielt werden fönnen, so wird demgegenüber darauf vermiesen, daß im Jahre 1931, dem letzten Jahre, für das eine amtliche Statistik, vorliegt, die Verwaltungstosten insgesamt 9,5 Proz. der Gesamtausgabe erforderten Prozentual find die Kosten angesichts des fatastrophalen Rüdgangs der Einnahmen gestiegen, weil es sich zum Teil um fire Kosten handelt, die nicht ohne weiteres vermindert werden können. Absolut sind sie selbstverständlich erheblich zurüdgegangen. Die stellten haben dieselben Gehaltsfürzungen über sich ergehen lassen müssen wie die Reichs- und Staatsbeamten, obwohl sie nicht die Sicherungen der Reichs- und Staatsbeamten genießen Darüber hinaus sind bei allen Kassen auch noch Herabgruppierungen von Angestellten erfolgt, ebenfalls auf Grund be sonderer Vorschriften des Reiches und der Länder. Wenn trotzdem die Verwaltunosfosten noch nicht so gesunken sind, wie das die Kassen selber Krantenfaffenange= T wünschten, so liegt das daran, daß die Aufgaben der Krankenkassen erheblich zuge= nommen haben. Die amtliche Zeitschrift des Statistischen Reichsamts Wirtschaft und Statistik" schreibt hierzu: # ,, Diese verhälnismäßig geringe Abnahme ist u. a. darauf zurückzuführen, daß die Beitragseinziehung infolge der schlechten Wirtschaftsverhältnisse erheblich schwieriger als früher ist und somit auch weit größeren Verwaltungsaufwand erfordert." Die Krankenkassenbonzokratie" erwartet von dem neuen Reichskommissar für Krankenversicherung, daß er insbesondere auch auf diesem Gebiet für Maßnahmen sorgt, die den Krankenkassen die Arbeit erleichtern. Wie die Regierungspresse weiter mitteilt, foll auch eine weitere Verschärfung der Aufsicht über die Krankenkassen beabsichtigt sein. Die Krankenkassen sind Selbstverwal. tungsförper, die von Arbeitgebern und Bersicherten gemeinsam verwaltet werden. Ihre Bewegungsfreiheit ist jedoch durch die Notver. ordnungen der letzten Jahre so einge= schränkt worden, daß praktisch die Selbstverwaltungsorgane nur noch die unangenehme Aufgabe haben, Prellbock für den Unwillen der Versicherten und Arbeitgeber zu sein. Eine weitere Einschränkung der Selbstverwaltung ist theoretisch an sich möglich, sie würde allerdings zur Folge haben, daß die Aufsichtsbehörden mehr als bisher auch die Verantwortung für das Schicksal der Versicherung übernehmen müßten. Ob dazu Reich, Länder und Gemeinden bei ihrer nicht gerade rosigen Finanz lage heute imstande sind, darf man der Beurtei lung der Regierung überlassen. Nicht ganz verständlich ist, warum für diese Zwecke überhaupt ein Kommissar eingesetzt werden soll. Die Ministerialbürokratie hat schon heute alle Bollmachten, die einem Kom missar übertragen werden könnten, und sie hat, wie die Notverordnungen der letzten Jahre beweisen, von diesen Vollmachten auch ausgiebigen Gebrauch gemacht. Der Vorwärts" etichetat wochentaglich zweimal. Sonntags und Montags einmal 3lustrierte Sonntagsbetlage Bolt und Zeit" Bezugspiette: Wöchentlich 7 Br., monatlich 3,25( davon 87 B monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.97 einschließlich 60 B Postzeitung und 72 Bf. Bostbestellgebühren Auslandsabonnement 5,65 M pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drudsachenporto 4 65 Bei Asfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Erfag Anzeigenpreise: Die einipaltige Willimeterzeile 30 Bf Retlumezeile 1,50 m Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 20 Bt jedes weitere Wort 10 Pf Rabatt laut Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Willimeterzeile 16 Bf Anzeigenannahme im Hauptgeich d't Lindenstr 3. wochentäglich von 8 bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmet Anzeigen vor. Berantwortlich für Bolitik: Rudolf Brendemühl; Birtschaft: G. Klingelhöter; Gewertschaftsbewegung 3. Steiner; Feuilleton: Serbert Lepore: Lokales und Sonstiges: Friz Karstadt: Anzeigen: Otto Sengft; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68 Lindenstr.& Kein Hochverrat! Eine interessante Entscheidung des Reichsgerichts Die Bundeszeitung„ Das Reichsbanner" war durch Verfügung des Oberpräsidenten der Brovinz Sachsen am 10. Februar auf zwei Wochen verboten worden. Das Reichsgericht hat das Berbot abgekürzt, so daß die Bundesgeitung in dieser Woche wieder erscheinen kann. Die Begründung des Reichsgerichts hat den folgenden Wortlaut: Der Oberpräsident erblickt in gewissen Ausfüh rungen des efterwähnten Artikels u. a. eine BeSchimpfung und böswillige Verächtlichmachung der Reichsregierung. Diese Ansicht braucht auf ihre Richtigkeit nicht geprüft zu werden, weil die Berordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung des inaeren Friedens vom 19. Dezember 1932, die zur Zeit der Beröffentlichung des Artikels die einzige Rechtsgrundlage für den Erlaß des Berbots bildete, keine Vorschrift enthält, auf Grund deren eine Beschimpfung oder böswillige Verächtlichmachung der Reichsregierung zu einem Zeitungs-. verbot führen könnte. Die erst am 7. Februar 1933 in Kraft getretene Berordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes vom 4. Februar 1933 tann die fehlende Rechtsgrundlage nicht ersetzen, weil ihr auch als Rechtsnorm rein vorbeugenden Charakters keine rückwirkende Kraft zukommt. Soweit der Oberpräsident in den fraglichen Ausführungen den äußeren Tatbestand der Vorbereitung des Hochverrats(§ 86 StGB.) vermirfficht sieht, könnte er sein Verbot allerdings auf den§ 6 Abs. 1 der Verordnung vom 19. Dezem= ber 1932 stützen, dessen Anwendbarkeit mit der aus den§§ 26 der Verordnung vom 4. Februar 1933 ersichtlichen Maßgabe durch das Inkrafttreten dieser Verordnung unberührt geblieben ist. Es fehlt aber hier die Erfüllung des angenommenen Tatbestandes. Der beanstandete Artikel ruft die Angehörigen der Eisernen Front" in unmißverständlicher Weise zum offenen Kampf mit den bewaffneten Kräften des Staates auf. Gleichwohl erfüllt seine Beröffentlichung nicht die Tatbestandsmerkmale eines Berbrens des Hochverrats, meil nicht erfennbar 1, daß er in seinem Endziel auf eine gewallame Beseitigung der bestehenden( Die Miszeichnungen im Tert sind im Original der Begründung durch Unterstreichen herporgehoben.) Berfaffung gerichtet ist. Aus den beanstandeten Ausführungen spricht fogar eine gewiffe Sorge um den Bestand des Reichs in feiner bisherigen Form, eine Sorge, die gerade in dem Mißtrauen zum Ausdrud fommt, das in ihnen den Absichten der neuen Regierung entgegengebracht wird. Der Artikel spricht mit Bezug auf diese 2bsichten mieberholt ausbrüdlich von einer Gegenrepo lution", die die Freiheit Deutschlands bebrohe unb bie es mit äußerster Kraftanstrengung abzu mehren gelte. Der Aufruf zur Kampfbereitschaft hat also erkennbar die Abwehr eines vermeintlichen Ungriffs auf die Verfaffung, nicht deren gewaltfame Beseitigung oder Zenderung zum Ziele. So bedenklich der Aufruf aus dem bereits hervorgehobenen Gesichtspunkte ist und so be stimmt er gemisse. Latbestände des§ 9 der Ber. ordnung vom 4. Februar 1933 erfüllt, fo menig tann er in Verbindung mit den§§ 81 bis 86 SIGB. aus dem§ 6 der Verordnung nam 19. Dezember 1932 beanstandet werden, den der Oberpräsident seinem Verbot zugrunde gelegt hat. " Dagegen enthält der in der Ausgabe Nr. 6 vom 11. Februar 1933 veröffentlichte Artikel ,, Besinnung vor dem Sturm" eine böswillige Berächtlichmachung des Reichsministers Göring im Sinne des§ 9 Abs. 1 Nr. 5 der Verordnung vom 4. Februar 1933 in Verbindung mit dem§ 1 der Durchführungsverordnung vom gleichen Tage. Der Tatbestand dieser Borschrift ist so offensichtlich erfüllt, daß der Auffassung des Oberpräsidenten hier nur beizutreten ist. Der Senat ist aber der Ansicht, daß bei dem Wegfallen zweier wichtiger Berbotsgründe dieser Verstoß mit einem neuntägigen Verbot hinreichend geahrbet ist. Er hat infolgedessen das angegriffene Verbot um 4 Tage gefürzt. 4 Bemerkenswert aber ist folgende Tatsache, die der Reichsbannermann bekanntgibt. Er jagte zu einem Pressevertreter: Er gehöre sett einiger Zeit dem Reichsbanner nicht mehr an. Bor drei Wochen habe er die schriftliche anonyme Drohung erhalten, er habe innerhalb von drei Wochen Großbeeren zu perlassen. Er behauptet weiter, in der Nacht durch einen Schuß in sein Fenster verletzt morden zu sein. Später sei die Haustür einge= schlagen und der Kleiderschrank, den er por seine Tür gerückt habe, durch eine Handgranate geprengt worden. Seine Frau sei zuerst, dann er selbst aus dem Fenster gesprungen." Unruhestifter 3entrum Es wird zur Gesittung gemahnt Wir lesen im nationalsozialistischen ,,, Angriff": Zentrumsausschreitungen im Wahlkampf. Be schimpfung des Reichspräsidenten. Der Vorsitzende der Bayerischen Bolkspartei, Staatsrat Dr. Schäffer, hat in Forchheim eine Rede gehalten, in der er insbesondere den greisen Generalfeldmarschall des Weltkrieges, Reichspräsidenten von Hindenburg, auf das pöbelhafteste angriff. Er hatte die Schamlosigkeit, zu erklären, die Bayerische Volkspartei habe sich für die Wahl Hindenburgs eingesetzt, weil sie auch an die Treue des Reichspräsidenten geglaubt" habe. Diese Treue" des Reichspräfidenten glaubte Herr Schäffer darin sehen zu müssen, daß der Reichspräsident sich nun auch auf Gedeih und Verderben mit der Bayerischen Volkspartei verbinden müsse, anstatt das Wohl der ge= samten Nation im Auge zu haben. In dieser Märtyrerrolle hat sich das Zentrum ja stets besonders wohl gefühlt. Es paßt dazu auch das fürchterliche Geschrei des Zentrums, menn einmal einer seiner Prominenten ein paar bedauerliche Rippenstöße er hält, die wir gewiß nicht billigen, die aber in feinen Bergleich zu setzen sind mit den furchtbaren Bluttaten, die auch von 3en trum sanhängern gegen Nationalsozialisten verübt wurden, und über die die Zentrumspresse fein Wort verlor." Es ist in ganz Deutschland bekannt, daß die Zentrumsanhänger ganz besonders roh und blut dürftig sind, und daß die Zentrumspresse einen ausgesprochenen Sauherdenton pflegt, aber das mird ja nun glüdlicherweise anders! Die National fozialisten geben ein Pufferbeifpiel von Fried fertigteit und Toleranz, fie führen einen höflichen, friedlichen und gefitteten Wohlfampf in ben por nehmsten Formen! m Schmalz 20 Pig teurer Arbeitslosigkeit um in der ersten februarhälfte 33000 gestiegen! Brandstiftung in Großbeeren Verbote Versammlungssprengungen Eine sehr weltliche Schule, in der praktischer Anschauungsunterricht erteilt wird. Gegenfäße I. Hitler am 23. Februar in Frankfurt( Main): ,, Wenn fie heute sagen, daß die Entnahme von zwei Millionen aus Staatsmitteln für Parteizwecke nicht Korruption bedeutet, so zeigt das nur, wie verdorben die Herren be= reits sind und daß ihnen jedes Ge fühl von Anstand abgeht." Bizekanzler von Papen wiederholte am 18. Februar seine am 30. Oftober 1932 dem Ministerpräsidenten gegenüber abgegebene Erklärung: ,, daß die Reichsregierung die persönlich e Integrität des preußischen Ministerpräsi denten und seiner Amtskollegen nie ange ameifelt habe und daß er den in der Deffentlichkeit beschrittenen Beg persönlicher Ehrenfränkung bedauere." II. Hitler am 23. Februar in Frankfurt( Main): Heute mollen fie auf einmal im deutschen Ramen sprechen. Und fie fagen wir haben auch an der Front gefämpft. Der deutsche Arbeiter, jamohl der Marrismus, niemals! ir ist nicht befonnt, bos Ebert unb Scheidemann Der Osthilfefumpf Kurt Heinig über seine beschlagnahmte Broschüre Der Polizeipräsident von Berlin hat die Broschüre des Genossen Seinig, des Berichterstatters des Untersuchungsausschusses über den Osthilfestandal, für den Bereich des Freistaates Preußen verboten, ,, weil durch den Inhalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird". Genosse Heinig schreibt uns dazu, daß sein in der Broschüre veröffentlichtes Material soweit es 3ahlen sind, sich aus. schließlich aus amtlichen Angaben zusammensett. Gie stammen ausnahmslos aus dem Reichskommissariat für die Osthilfe und wurden sämtlichen Mitgliedern des Haushaltsausschusses vorgelegt. Die Angaben über ein. zelne Fälle stammen ebenfalls ausschließlich aus den Beratungen des Haushaltsausschusses und sind, wie die Protofolle des Ausschusses ausweisen, von den Vertretern des Reichskommissariats für die Osthilfe bestätigt worden. Die Richtigkeit dieser Feststellungen beweisen die Protokolle des ,, Geheimnisvoller Brand" Ausschusses. Nationaler Bericht über Großbeeren Wir lesen in den Hamburger Nachrichten": Geheimnisvoller Brand. Das sogenannte Gemeindewohnhaus in Großbeeren bei Berlin brannte vollkommen ab. Sechs Familien sind dadurch obdachlos geworden. Das Ge meindewohnhaus ist das frühere Armenhaus, das imgebaut worden ist. Der Dachstuhl ist völlig ebgebrannt und das Haus innen restlos ausgebrannt Es wurde das Gerücht verbreitet, daß National sozialisten das Haus angesteckt haben, um einem Reichsbannermann einen Streich zu spielen. Die Untersuchung ist im Gange; es haben sich bisher nicht die geringsten Verdachtsmo= mente ergeben. Es heißt ausdrücklich in dem amtlichen Bericht, daß zwischen einem Fackelzug der Nationalsozialisten und dem Brand Zein Busammenhang besteht. Der Abgeordnete Dr. Pfleger von der Bayerischen Volkspartei schrieb in diesen Togen an den Reichspräsidenten und veröffentlichte diesen Brief in ganz Deutschland: " Für denjenigen, der wie ich, ohne vorgefaßte Meinung an die aftenmäßige Prüfung der Durchführung des Osthilfegesetzes in den öfflichen Gebietsteilen Preußens herangetreten iff, muß als nachgewiefen erachtet werden, daß entgegen den nationalpolitischen Grundgedanken des Osthilfegefehes nicht nur von Befihern mehrerer großer Güter in überaus geschmackloser Weise der Versuch teilweise leider mit Erfolg- gemacht wurde, die Steuergelder für eigennütige 3wede zu ergattern, jondern daß auch mitunter bei der Behandlung von Entschuldungsanträgen von Großgrundbefizern in einer Weise von den Behörden verfahren wurde, die mit dem Ziele der Osthilfegesetzgebung unmöglich in Einklang gebracht merden fann." Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Graf Reventlom veröffentlichte unange fochten in seinem Reichsmart" einen Artikel, in dem er feststellte, daß bei dem Osthilfeskandal das Wort Korruption in feiner 23eife zu scharf, noch irgendwie unzutreffend" ist. Weiter sagt er: „ Der Skandal der sogenannten Ofthilfe fällt der Regierung zur Last, deren einschlägige Organe, anstatt dem Gemeinnuh der Nation zu dienen, dem Eigennut einer Kaffe in empörender Bereitwilligkeit und verschwiegenem Einverständnis entgegenkommen sind." Reventlom fügt noch hinzu:„ Das korrup tive Element bleibt bedentlich und ekelhaft, unwürdig und beschämend, ganz besonders auf dem düfteren Hintergrunde einer Boltsperelendung, die noch nie so groß gewesen ist, wie jegt seit dem Jahre 1931." Die Empörung über den Osthilfeffandal war bei seiner Erörterung im Haushaltsausschuß des Reichstages fo groß, daj mir auch von nationalsozialistischer Seite entsprechendes Material ange. boten worden ist. Dennoch meine Broschüre wurde in Preußen verboten, meil durch den Inhalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird". Ich freue mich, daß der Polizeipräsident in Breußen wenigstens die Feststellungen des Abgeordneten Pfleger von der Bayerischen Volks partei und des Abgeordneten Repentfom von den Nationalsozialisten nicht als eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung angesehen hat. So habe ich eine sichere Grundlage für meine weitere Aufklärungsarbeit an der Osthilfe. und Genossen so sehr an der Front gefämpft hätten." Reichstagsabg. Friedrich Ebert an den Reichspräsidenten von Hindenburg: ,, Drei Jahre lang habe ich in der Hölle vor Verdun, im Schnee und Eis der Karpathen, in den Sümpfen Rußlands und in Oberitaliens Sonnenlandschaft unter Ihrem Oberbefehl gefämpft und geblutet. 3 mei Brüder blie ben por Monastir und am Chemin des Dames. Diese Tatsachen geben mir das Recht, Ihnen gegenüber die Pflicht eines Soh= nes im Gedenken an feinen toten Water zu erfüllen." III. Hitler am 23. Februar in Frankfurt( Main): ..Das Volk soll noch einmal entscheiden, nicht meil ich nicht die Entschlußkraft befize, mich mit den Berderbern auch so auseinanderzufezen. Nein, im Gegenteil: Deutschland wird, ganz gleich, mie am 5. März sein Botum ausfällt, nicht in die Hände seiner Berderber mieder zurüdfallen. Aber ich würde es begrüßen, menn die Nation felbft ihr Schidsal erkennt und fich dem jungen Deutschland zur Verfügung stellt." Zentrumsführer Raas am 23. Februar in Osnabrüd: ,, Der Reichstag wurde aufgelöst, meil fich leine Mehrheit bilbete. An diesem Wort des Reichs präsidenten ist nicht zu rütteln. Gr mollte also eine Mehrheit. Nun frage ich: Mer entscheidet in Deutschland, der Reichspräsi. dent, oder andere parteipolitische Stellen, die uns in der vergangenen Woche mehr als einmal erflärt haben, epentuell tänne man qud mit der Minderheit regieren? Ich halte mich an das Wort des Staatsoberhauptes. Diefes Wort hat für mich Goldwert, und wir appellieren an dieses Wort." Schmuz Die gefallenen Sozialdemokraten haben nur geheuchelt In der deutschnationalen Zeitschrift„ Soziale Erneuerung" bespricht der Redakteur, ein Herr Schaz, eine Schrift pon einem gewiffen Ost hold. In dieser Besprechung heißt es: . Wie da nachgewiesen wird, daß die Spzigl demokratie ganz bewußt feine nationale Partei ist, wie da im einzelnen gezeigt wird, wie geschickt die Sozialdemokratie schon unter Bis mard, schon vor dem Krieg und dann erst in der heuchlerischen Maste patriotischer Gesinnung während des Krieges die Minen gelegt hat, die im November 1918 sprangen und dem Marrismus den Sieg brachten, das ist ebenso erschütbernd, wie es bei aller Sachlichkeit spannend dargestellt ist." Die sozialdemokratischen Kriegsfreiwilligen und anderen Sozialdemokraten, die im Felde ihre Bflicht getan haben, taten es also aus, euche lei"! um ihre Heuchelei nur ganz ernst erscheinen zu lassen, haben sie sich zu Tode und zu Krüppeln schießen lassen! Nun wissen wir auch, warum so mancher Heimtrieger sich zu den ,, Nationalen Führern" rechnen darf: er hat nicht geheuchelt. Gibt es eigentlich bei den Parteigängern dieser Zeitschrift, außer Herrn Duesterberg, feinen einzigen Menschen, den, wenn schon nicht der politische Berstand, so doch sein Anstandsgefühl dazu treibt, öffentlich gegen diese so unfagbar widerlichen Berleumdungen aufzutreten? Das Amt des Rundfunktommiffar des Reichspostministers ist mit Wirkung vom 1. März 1933 endgültig dem Staatssekretär Dr. Ing. b. c. Krudom übertragen worden. の Arme Nation! Sie ist sich selber Feind Die Ausschreitungen gegen die Zentrumsführer Stegerwald, Brüning, Wirth usw. werden ver ständlich durch folgenden Erguß, der im ,, Bölkischen Beobachter" zu lesen ist: tönt aus Jeber 3entrumsrede... Bir alle biben eine Schicksalsgemeinschaft, die vom roten Mordfommunismus bedroht ist. Wer sich für ihn und seine Bundesgenossen der SPD. erklärt, der ist Feind der Nation. Feinde der Nation! Ein großes Wort. Aber mie wird uns? Hinter Zentrum, Sozialdemo Praten und Kommunisten standen bei den letzten Wahlen über die Hälfte der Wähler. Seltsame Nation, deren größerer Teil aus ihren eigenen Das wutverzerrte Gesicht der Verderber Deutschlands blidt uns heute aus jeder Zentrumszeitung entgegen, der infernalische Haß gegen das nationalsozialistische Erwachen Feinden besteht! Ein Ruf aus Frankreich beiter," fo heißt es in dan Aufruf,„ in dieſem Solidaritätserklärung Paris, 24. Februar. Die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei und des Allgemeinen Ge= werkschaftsbundes haben am Donnerstagabend eine gemeinsame Kundgebung zu den Ereignissen in Deutschland erlassen, die das französische Proletariat zur Solidarität mit der deutschen Sozialdemokratie aufruft.„ Deutsche ArKampfe sind wir bei euch! Eure Sache ist die unsrige. Die Sache der deutschen Demokratie und die des Friedens sind miteinander eng verbunden." Filmverbof. Die Regierung in Wiesbaden- hat die Aufführung des Remarque- Films Im Westen nichts Neues" in zwei Taunusorten ver boten. Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage. Hierzu 2 Beilagen HERMANN TIETZ Rekord- Tage! 22 45 Theater, Lichtspiele usw. Staats MA Theater Sonnabend. den 25. Februar Staatsoper Unter den Linden 1912 Uhr Der Rosenkavalier Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Die endlose Straße SCALA Tagl.5 u.8% U. Barb.9256 LA TERESINA FELIX BRESSART Fred. SANBORN CASS, MACK & OWEN usw. Winte Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Sonnabend und Sonntag auch naum. 4 Uhr zu kleinen Preis. * 145 90 345 65 90 Diese bekannte Gross- Veranstaltung unserer Firma bietet für jedermann eine selten günstige Kaufgelegenheit! Städt. Oper VOLKSBUHNE Komödienhaus Charlottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 25. Feb 20 Uhr Turnus III Theater am Bülowplatz Schiffbauerdamm 2: räglich 614 Uhr DI Norden 6536 Die Sardinentischer von Castonier. Regie: R Zindler Der fliegende Luise Rainer, Karchow, Thau, Marlow Holländer Friedrich, Zador, Rude, Baumann, Burgwinkel, Ludwig Dirigent: Stiedry Deutsches Theater D2 Weidend. 5116 Mittwoch, 1. März 8 Uhr Erstaufführung Das große Welttheater von Hugo v. Hofmanns: hal Regie. CASINO- THEATER Max Reinhardt PLAZA 8% Uhr. Lothringer Str. 37 Nähe Schles. Bhf. u. 816, Stgs. 2, 5, 815 U. F 7 Weichse! 4031 Faschingsfee HAUS VATERLAND KURFÜRST 7460 ergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Er komm 814 Uhr Nur noch bis Sonntag, 5 März, auch Schiller Sonntag 4 Uhr: , Der Fürst von Pappenheim" Ab 6 März: ,, Die tolle Lola" Gutschein 1-4 Personen Parkett 0,60 Fauteuil 0,75. Sessel 1,25 Großes Schauspielhaus Bum 75. Male Rosy Barionn Margret Pfahl Det. Denes 8 hr Ball im Savoy Große Operette v. Paul Abraham 3. de Rowa Trude Berliner, Schröder u.b. gr.Ensemble Gonnt. nachm. 3% U: Salbe preise Bismarckstr. Knie Steinpl.( C1) 6715 Täglich 814 Uhi Louis Graveure singt in ,, LaVallière" Preise 1 bis 6 M Theater Deutsches Küns ler heater Th.d.Schauspieler Barbarossa 0403 Täglich 81% Uhr AutomatenBütcit Komödie mit Musik Agnes Straub, Stobrawa, Heitinger, Trenk- Trebitsch Sonntag 4 Uhr Stettiner Sänger Kamuf der Tertia Reichshallen- Th., Dōnhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30 zu ermäßigten Preisen Das große Februar. programm ,, Karneval" NEUE WELT Arnold Scholz- U- Bahn Hermannpi. Hasenheide 108/14 Gr. Bockbierfest mit Franz Baumann, Betty Sedlmayr, Alice Hechy und viele andere 6 Kapellen Einlaẞ 7 Uhr Kurfürstend.- Tp. Das Theater ohne Bon- Wirtschaft Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 8 Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6.-M. Halden Stein, Horney, Almas, Dahlke Theater im Admiralspalast 8 Riban Zauber ichard Frühlingsstücme Wegen der bevorstehenden Wahi bleibt das Theater vom Montag, dem 27. Februar bis einschl. Mittwoch, dem 8. März, geschlossen Tel. D2 Weid. 6304-05 Täglich 814 Uh Achtung, frisch gestricher. Garow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tel. D 2, 2174 Beginn 7% 3nnungstrar fen'asse der Juveliere, roße Frankfurter Straße 13. Tel. Weichsel E7 342 5.15, 8.30 Uhr 87 Rose- Theater Ortskrankenkasse des Buchdruck. gewerbes, der Buchbinder und verw. Gewerbe zu Berlin ( Kaffenlotal: SB 9, Alexandrinenstr. 44) Die vom Ausschuß der Kaffe beschlossene Der Hasen- neue Krantenordnung ist vom Berfiche rungsamt der Stadt Berlin, Zentral fellhändler abteilung. am 7. Februar 193 genehmigt worden und damit in Kraft getreten Drucktüde der Krankenordnung sind im Raffenlofal erhältli Gold u. Silber.chmiede-( Zwangs)-8 Kleines Th. Jmmung zu Berlin Unter d Linden 44 Betanntmachung Merkur 1624 Truppe 1931 Der in unterer Ausschußßigung vom 26. November 1932 beschlossene V. Nach Wer ist der trag zu unserer Gazung ist vom Oberverficherungsamt Berlin genehmigt worden Dümmste Der Tag des Intrafttretens ist der 14 Januar 1933. Drudegemplare sind im Raffenlotal erhältlich. Der Vorstand: Mar Roft, Sugo Serg, Borsigender. Schriftführer. Gewinnauszug 5. Klaffe 40. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. Ohne Gewähr Preis 75Pj. b. 4.-M. Sonntag nachm. 3 Hle ne Preis Nachdrud verboten Beitrags Marken CONRAD MÜLLER SCHKEUDITZ Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 15. Ziehungstag 24. Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 8 Gewinne u 10000. 140684 241075 245079 313465 10 Gewinne zu 5000 m. 41159 104835 130085 229450 274950 30 Gewinne au 3000 m. 9455 36537 53786 85083 98273 138132 143048 147187 216523 231395 241293 244084 296144 325327 325805 58 Geminne an 2000 QR. 129 15965 27745 50192 54667 67752 100946 104879 121805 132246 138729 143923 169066 182141 196185 214851 254834 255902 306948 309249 309426 316590 320154 324515 342896 366553 369307 380101 386132 120@etoinne a 1000 m. 4868 11390 13544 21673 36435 56777 61834 62227 64951 76826 83929 84422 86293 94393 95917 97537 100102 101134 105299 115282 115939 118550 120174 122529 130209 132398 134698 136546 142060 144369 158451 159926 181062 185127 187329 195558 201956 202625 204318 207508 214655 217842 224822 231256 241825 246153 248218 253357 262918 263387 265308 272818 288556 341324 352820 362375 368553 370201 370661 388868 170 Gewinne a 500. 1766 3300 6546 14987 17795 18719 25038 34301 37534 39577 68292 69148 73552 73955 75057 76401 82635 83416 86929 94437 95574 110692 111471 115386 116436 118729 119190 119688 122693 126143 130687 132221 147196 151941 156494 166630 168170 174328 174651 179000 183509 185657 192593 204207 236793 238944 239434 240647 241932 250709 253656 254147 259421 263058 263076 271704 284099 291254 294771 313591 314674 319918 325048 328368 336320 338337 338664 343048 348666 351366 353185 355583 358546 363130 365977 368022 369382 370495 376999 382005 384459 386243 391835 392964 397412 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. 2 Gewinne sa 75000 gezogen . 271902 2 Gewinne au 10000. 11861 8 Gewinne au 5000 . 11961 171978 208909 302887 20 Gewinne au 3000. 4267 25732 87649 178569 236794 261958 264319 314133 384467 384961 38 Gewinne zu 2000 m. 9353 9811 46412 62178 112334 128263 129375 138898 140417 159504 160799 178844 179480 226937 266762 287746 306601 358731 380024 72 Gewinne u 1000 m. 2749 4745 9524 16733 23131 34293 35683 65476 96063 101478 108176 130121 136730 137799 139039 144421 166309 167850 195504 225832 251406 261386 265452 271852 291255 291663 304322 304484 323462 333592 334489 377425 387241 393045 395961 399442 140 Gewinne au 500 m. 17639 23603 24167 24302 24431 34882 39789 43158 46701 48581 71036 74447 74535 83492 95 40 97421 105499 B. B. B. 1981 118209 122253 142628 158512 165893 167411 173611 174059 Sendows Bunte Bühne Nottbusser Straße Oberbaum 3500 814 Uhr Sonntag auch 1/24 U Wilhelm Bendow Der scharfe Löwe Alice Hechy 176408 177011 181172 194095 199420 206600 207468 211733 218457 223758 225167 226091 227448 237004 237731 249907 266893 267473 273741 278247 280332 288428 295559 296885 318612 320189 322467 322951 323880 324049 332897 338583 342759 350578 352652 357436 373190 376261 378727 383077 383139 395789 398697 399862 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000 2 Gewinne zu je 200000, 4 Gewinne zu je 100000, zu je 750 0, 6 zu je 50000, 18 je 25000,+8 je 10000, 234 zu je 5000, 472 zu je 3000, 1394 zu je 2000, 208 zu je 100, 4678 zu je 500, 13674 zu je 400, und 100 Schlußprämien zu 3000 Dart. LEIPZIG GEGR.1885 FERNRUF: 535 Berlin, den 19. Februar 1933. Der Borstand. Allgemeine Ortsfrankenkasse Berlin- Lichterfelde Der 8. Nachtrag zur Eagung ist unter dem 18 Februar 1933 vom Oberversiche rungsamt cenehmigt Geändert sind die§§ 19, 22, 33, 41, 43, 65, 69 bis 7 und 91. Der Nachtrag tritt. foweit er die§§ 22, 33, 41 und 43 betrifft. mu dem i De ember 1932, be üglich des§ 19 mit dem 1. Januar 1933 und im übrigen mit dem 8. Februar 1933 in Kraft. Druditüde des Gagungsnachtrages find in einigen Tagen bei der Kaffe erhältlich. Der Vorstand: Brandenburger, Michel, Borsigender. Besonders Schrütlührer. wirksam sind die Kleinen Anzeige in der Gesamt. Auflage billig! des Vorwärts und trotzdem KLEINE ANZEIGEN Preise: Uberschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pt. Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%, 8 mal 7%, 12 mal 10%, oder 10.0 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag. Lindenstr. 3( 1/9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts- Filialen u. Ausgabestellen, sowie alle Annoncen- Expeditionen Verkäufe Tapeten Saillat. ftrake 9 Herrenzimmer Ballonräder 50-730, Klubgarni. 45,- Mark. Grob, turen 163,-, Radio- Oranienstraße 120. ▾ tische 18,-, Schreib. schränte 45.-. Di Rolonie plomaten Kochherbe 56, Schreibsessel 19,50 Bolsterstühle 7.30 Ramerling, Rasta teder Art u Größe Möbelgroßlager Riesenauswahl Grundstücksverkäufe Grundstüd, Teilzahlung trans nienallee 56( Ede 1080, Spargel, Obst. portable Kachelöfen Fehrbellinerstraße). Anlage, Wafferlei. Badewannen- Defen Caffaverkauf Teilzahlung. Gleiser, gute Möbel Alexan. Reffelöfen Die alte Firma Semmler und Blenberg Dresdenerstraße 99. derplas Sannomik F 7 6651 Möbel Fahrräder auch tung, Laube. ständehalber tauft Sensch, Strausberg, Dir schauerstraße 15. umber Vermietungen Haupert, Opelballonräder, Patentmatrazen Dürkoppballon, Dia Brimiffima" Autmantballon, Wan legematragen Me- dererballon, Wittler. tallbetten Chaise ballon, Monatszah. Maybachufer 4, ſeit longues. Walter Tung 10,-. Spezial 10 Jahren. Der bilStargarder Straße ballon 32,- 45,- lige Wohnungsnach. achtzehn Spezial. Schlawe, Wein weis. Geschäftszeit gefchäft. Imeisterstraße vier. 18-19 Uhr. Möbliertes Zimmer Südosten, bei Parteigenossen gesucht. Offerten unter„ R 284" an„ Vorwärts" Verlag, Berlin, Lindenstraße 3, erbeten,