Abend- Ausgabe Nr. 96 B 40 50. Jahrg. Rebattion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstt. 3 Fernsprecher 7 Amt Dönhoff 292 bis 297 Telegrammabresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts BERLINER VOLKSBLATT SONNABEND 25. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 Pf. Auswärts...... 10 Bf. Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe Morgenausgabe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Hilfspolizei Ein Aufruf und ein Erlaẞ Aus Anlaß der bekannten Krefelder Vorfommnisse, bei denen in einer Zentrumsversammlung der Minister a. D. Steger= wald niedergeschlagen und katholische Geistliche tätlich angegriffen wurden, erließ der Reichspolizeikommissar für Preußen, Herr Göring, einen Aufruf an Stahl= helm, SA. und SS., in dem er u. a. ausführte: Bon außen vermöchte euch kein Gegner etwas anzuhaben, jetzt versucht er, durch Agenten, Spigel und Provokateure euer Ansehen zu gefährden. Ich weiß, daß ihr selbst die minderwertigen Elemente in euren Reihen auffindet, sie überführen und beseitigen werdet Kameraden, hier ist die höchste Wach= samfeit geboten. Im amtlichen Preußischen Pressedienst" wurde dieser Aufruf ausführlich erläutert. Dort wurde gesagt, daß sich in die Reihen der nationalen Verbände nicht nur provokatorische Elemente unbestimmter Art, sondern fogar ausgesprochene Kommunisten eingeschlichen hätten. Erzesse der letzten Zeit wurden auf das Treiben solcher ver= kleideten Kommunisten zurückgeführt. Da diese Erzesse leider sehr zahlreich sind, muß man annehmen, daß sich das Einschleichen verkleideter Kommunisten in die erwähnten Verbände in erheblichem Umfang vollzogen hat. So kommt nach dem Aufruf Görings zwei Tage später! sein neuer Erlaß etwas überraschend. Auch unter den gegenwärtigen ungemöhnlichen Umständen wird man die Meinung aussprechen dürfen, daß es möglicherweise zweckmäßiger gewesen wäre, die Säuberung der Verbände von den verkleideten Kommunisten erst einmal gründlich vorzunehmen, bevor man sich zur Aufstellung der neuen Hilfspolizei entschloß. Denn der Gedanke, daß sich auch in diese neue Hilfspolizei verkleidete Komunisten einschleichen würden und daß ordentliche Beamte mit verkleideten Kommunisten Hand in Hand arbeiten fönnten, muß für die Herren der neuen Regierung noch viel beunruhigender sein als für uns. Der neue Erlaß sagt nun allerdings, daß zu Hilfpolizeibeamten nur ehrenhafte, wahlberechtigte, auf nationalem Boden ſtehende Deutsche" verpflichtet werden dürfen. Da der Begriff des ,, nationalen Bodens" heftig schwankt, wäre auf die Ehrenhaftigkeit zweckmäßig das entscheidende Gewicht zu legen. Dabei ist Ehrenhaftigkeit nicht bloß im allgemein bürgerlichen Sinn aufzufassen. Zur Ehrenhaftigkeit eines Beamten gehört unbe= dingter Refpeft por Gesez und Verfassung und vollkommene Unparteilichkeit bei der Aus= übung feines Amtes. Für jede Pofizei, die ihren Namen verdient, ist es selbstverständlich. daß sie Leben und Eigentum aller Staatsbürger ohne Ansehen der Ver= fon in gleicher Weise zu schützen hat. Das aber ist, wie jedermann zugeben wird, für die Kandidaten der Hilfspolizei eine Aufgabe, die sie völlig unvorbe= reitet trifft Kein Wunder, daß man sich in breiten Bolfskreisen über die neue Hilfspolizei seine Gedanken macht. Was uns betrifft, lönnen wir nur die Worte Görings unterstreichen. Hier ist in der Tat die höchste Wach= jamfeit geboten. Aufruf an alle! Prangert den nationalkonzentrierten Schwindel an! In Bremen haben die Nazis wieder den gefälschten Aufruf der Volksbeauftragten verbreitet. Unsere Genossen haben ihn als Fälschung gebrandmarkt. Darauf haben die Schwindler behauptet, er sei echt, meil niemand von den Volksbeauftragten selber die Echtheit bestritten habe. Um auch den legten Ausreden die Spitze abzubrechen, erlassen die beiden ehemaligen Boltsbeauftragten Dittmann und Scheide mann folgende Erklärung: Der von den Nationalsozialisten verbreitete angebliche Aufruf des Rates der Boltsbeauftragten, der mit den Worten„ An alle" beginnt und mit dem Ausruf„ Es lebe die Weltrevolution!" schließt, ist eine plumpe Fälschung", wie das Reichsinnenministerium schon früher festgestellt hat. Der angebliche Aufruf ist vom 9. November 1918 datiert. Dabei wurde der Rat der Boltsbeauftragten erst am 10. November 1918 gebildet. Schon daraus ergibt sich die Fälschung. Niemals ist vom Rat der Boltsbeauftragten diefer oder ein ähnlicher Aufruf veröffentlicht worden. vom Unser wirklicher Aufruf stammt 12. November 1918. Jn ihm haben wir den Belagerungszuffand, die Zensur und die Gesinde ordnungen beseitigt, die Arbeiterschutzgesetze wieder in Kraft gesetzt, die ErwerbslofenunterDer Oberreichsanwalt 12 J 8 33 4 ftützung erstmalig in Deutschland eingeführt, an Stelle des 10- und 11- Stunden- Tages den 8- Stunden- Tag und das freie Wahlrecht für alle in Reich, Ländern und Gemeinden defretiert. Zu diesen„ Novemberverbrechen" bekennen wir uns mit Stolz! Berlin, 25. Februar 1933. Diffmann, Scheidemann. Protest in Nowawes Telegramm an Künstler Eine überfüllte Wählerkundgebung der Sozialdemokratie in owawes, die von dem Bor. fitzenden, Genoffen Wache, geleitet wurde, hat an Franz Künstler nachstehendes Telegramm gesandt: „ Tausende Nowaweser protestieren gegen Redeverbot ihres Spitzenkandidaten und geloben: Nun erst recht mit Künstler zum Siege der SPD.! Eiferne Front Nowawes." Der Vorsitzende der Berliner Sozialdemokratie. der in dieser Kundgebung in seinem Wahl= freis sprechen sollte, hatte vom Polizeipräsidenten in Potsdam bekanntlich ein Redeverbot erhalten, Genosse Schale, der für Künstler eingesprungen war, riß die Versammlung zu Beifallsstürmen hin. In immer wiederholien, erregten Zurufen zeigte sich die Erbitterung der Leipzig C 1, den 20. Februar 1933 An Herrn Rechtsanwalt Dr. Franz Neumann in Berlin SW 68 Alte Jakobstr. 138/155 Auf die Eingabe vom 18. ds. Mts. teile ich Ihnen mit, daß ich die Vorgänge gegen den Schriftleiter Rudolf Brendemühl vom Vorwärts an den Herrn Generalstaatsanwalt beim Landgericht I in Berlin mit dem Anheimgeben der Verfügung in eigener Zuständigkeit abgegeben habe, da hinreichender Verdacht einer von mir zu verfolgenden unmittelbaren Aufforderung oder einer Vorbereitung zur gewaltsamen Verfassungsänderung nicht begründet ist. Auch habe ich beantragt, den Beschlagnahmebeschluß des Amtsgerichts Berlin- Mitte vom 4. Februar 1933, der sich auf die§§ 85, 81 Abs. 2 StGB. stützt, aufzuheben. Vertrauen für Karsen Auch die Nationalsozialisten sind dabei 3m Schülerausschuß der& arl- MarySchule zu Neukölln wurde mit der Stimme des Bertreters der Nationaljozialisten an der Schule folgende Entschließung gefaßt: Wir sprechen Herrn Karsen für die an unserer Schule geleistete Aufbauarbeit unseren Dank aus. Wir bedauern außerordentlich, daß Herr Karsen unsere Schule verlassen muß. Er befigt nach wie vor das Vertrauen der gesamten Schülerschaft. Wir bitten, daß die Lehr und Lernmethoden unserer Schule die gleichen bleiben und daß unsere Schule nicht umorganisiert wird, da uns unsere Eltern wir megen dieser Methoden auf die Karl- MarrSchule schicken. Die Erfolge dieser fortschrittlichen Unterrichtsmethode sind von einer amt lichen Prüfungskommission durchaus positiv be I. V.: gez. Nagel. mertet worden. Wir bitten, unseren bewährten Leiter wieder in sein Amt einzusetzen. Diese Entschließung murde einstimmig gefaßt. Daß der junge Nationalsozialist einfichtig und verständig genug war, sich nicht auszuschließen, dürfte der beste Beweis für den guten Kameradchaftsgeist sein, der auf dieser verleumdeten und verfemten Schule herrscht, zu der die Pädagogen der gesamten Kulturmelt gekommen sind und noch tommen. Der junge Nationalsozialist erklärte ausdrücklich, daß er die Erziehungsmethode an der Schule gutheiße und daß er außerordentlich bedauere, daß Herr Schwedte mit seinen Artikeln in der Berliner Börsen- Zeitung" und der„ DAZ." der Schule geschadet und Karsens Beurlaubung provoziert habe. Aufrichtiger als Japan ist doch Paraguay. Der Präsident der Republik, Ayala, hat den Rongreß gebeten, Bolivien offiziell den Krieg zu erklären. Wählerschaft in Nowawes über die neue Methode. Reichstagskandidaten in ihrem eigenen Wahlkreis nicht zu Worte kommen zu lassen. Die Nowamejer Arbeiter und Angestellten werden ihre Antwort am 5. März geben! Eine Kröte sprang über ein Grab Eigener Bericht des„ Vorwärts" Hannover, 25. Februar. In einer öffentlichen Bersammlung der Nationalsozialisten, die am Mittwoch, dem 22. Februar, auf dem Welfenplatz in einem Zelt abgehalten wurde, bezeichnete Goebbels den Reichspräsidenten Ebert als„ den ehemaligen Bordellwirt Ebert". Der neue nationalsozialistische Polizeipräsident Luke, im Nebenamt nach wie vor Obergruppenführer der SA, und 150 Polizeibeamte in uniform waren in der Versammlung anwesend. Det Polizeipräsident hatte die Beteiligung seiner Beamten gewünscht". Bon einem festgesetzten Sammelpunkt aus marschierten sie in den Saal. Dort wurden ihnen Hakenkreuzbinden angelegt. Wahlfreiheit- aus! Man verbietet geschichtliche Dokumente Unser Parteiblatt in Luckenwalde, die„ Bolkswacht", ist zum zweiten Male verboten worden. Grund: es hat ein nationalsozialistiiches Flugblatt aus dem letzten Wahlkampf abgedruckt, ohne ein Wort des Kommentars. Das Flugblatt enthielt wilde Angriffe auf Herrn Hugenberg, Herrn v. Papen und die Deutschnationale Bolfspartei. Daß die Pressefreiheit aufgehoben ist, wissen wir. Mit diesem Berbot wird der lehte Rest der Wahlfreiheit ausgelöscht. Unsere Waffe im Wahlkampf gegen die Nationalsozialistische Partei besteht in dem Nachweis, daß diese Partei eine vollkommene Schwenkung in wenigen Wochen vorgenommen hat, daß fie anders gehandelt hat, als sie versprochen, daß ihre heutige Koalition mit Herrn v. Papen und Herrn Hugenberg im vollkommenen Widerspruch steht zu dem, was sie vor vier Monaten feierlich verkündete. Das Flugblatt der Nationalsozialisten, das hier in Frage fommt, ist ein historisches Dokument. Es ist ein unanfechtbarer Beweis für die vollkommene Schwenkung der Nationalsozialistischen Partei. Die Meinungsäußerung der Nationalsozialisten von damals ist eine geschichtliche Tatsache die Feststellung dieser geschichtlichen Tatsache aber wird verboten! Die Tatsachen werden durch ein Berbot ihrer Beröffentlichung selbstverständlich nicht aus der Welt geschafft. Das geschichtliche Dokument über die Schwenkung der Nationalsozialisten ebensowenig. Es bleibt, wie die geschichtliche Wahrheit bleibf! Verboten und beschlagnahmt Aus der großen Reihe der Verbote und Beichlagnahmen, die fich täglich wiederholen, ver. zeichnen mir heute die folgenden: Im Verlage J. H. W. Diez Nach f. wurden beschlagnahmt: Nr. 7 des ,, Wahren Jacob"; Broschüre Das Selbst porträt Adolf Gegen Kulturrcaktion! Kundgebung in der„ Neuen Hitlers"( 3itate aus seinem Buch ,, Mein Kampf"); Broschüre Kampf dem BetriebsFaschismus"; Broschüre Erit Mölting:„ Wider die Kulturreaktion", Stenogramm einer am 18. Fe bruar 1933 im Preußischen Landtag gehaltenen Rede. Die Beschlagnahme gilt für den Bereich des Freistaates Preußen, da ,, ihre Verbreitung geeignet sei, Ruhe und Ordnung zu gefährden"! Parteiblätter wurden verboten in Spandau das„ Boltsblatt" mit allen Kopfblättern, in Brandenburg die„ Brandenburger Zeitung" mit Kopfblättern, in Halle das ,, Bolksblatt" mit Kopfblättern. Beschlagnahmt wurden die Parteiblätter in Dortmund( ebenso der dortige„ Generalanzelger") und in Erfurt. Verboten wurden inzwischen weiter die ,, Deutsche Reichszeitung" in Bonn ,,, Herzogenrather Zeitung" in Herzogenrath( beides Zentrumsblätter), Junge Front" in Düsseldorf, die kommunistische Arbeiterzeitung" in Bremen und die gleichfalls fommunistische Süddeutsche Arbeiterzeitung" Stuttgart. Verboten! Der Aufmarsch des Reichsbanners Der Berliner Polizeipräsident hat am Sonnabend in den Mittagsstunden den vom Reichsbanner für Sonntag geplanten Marsch durch den Süden und Westen Berlins und, die vorgesehenen Plazkonzerte auf dem Wittenbergplah und Leopoldplay am Wedding ver boten. Zur Begründung des Verbots, das nur mündlich mitgeteilt wurde, wird ausgeführt, daß die Veranstaltungen ,, aus sicherheitspolizeilichen Gründen" untersagt würden, weil die Kundgebung des Reichsbanners mit den Veranstaltun gen der Nationalsozialisten kollidierten! Beschlagnahme im Gaubüro. Speute mittag erschienen tm Gaubüro des Ber liner Reichsbanners drei Kriminalbeamte des Berliner Präsidiums und beschlagnahmten in den Büroräumen 800 Exemplare der Nr. 8 Die der Bundeszeitung ,, Das Reichsbanner". Nr. 8 der Zeitung ist die erste Ausgabe nach der Abkürzung des ausgesprochenen Verbotes durch das Reichsgericht. Die Wachsplatte ,, Auf Veranlassung der Reichsregierung"! Am Freitagabend in später Stunde konnten bie Rundfunkhörer noch die Rede des nationalsozialistischen Führers Adolf Hitler hören, die dieser am Tage zuvor in Frankfurt( Main) gehalten hatte. Die Rede war auf Wachs aufgenommen und kann beliebig oft den Hörern vorgetragen werden. Heute teilt die Berliner Funkstunde über ihr heutiges Programm u. a. mit: Auf Beranlassung der Reichsregierung übertragen alle deutschen Sender in der Zeit von 8 bis 9.15 Uhr abends aus Dortmund eine Rede des Herrn Reichsministers Göring. Und für den Sonntag: Auf Veranlassung der Reichsregierung: Von 16 bis 16.20 Uhr: Aufnahme einer Ansprache des Herrn Reichsministers Seldte vor der Berliner Stahlhelm- Selbsthilfe, anschließend von 16.25 bis 17.15 Uhr: Aus Rassel eine Rede des Herrn Reichsministers Dr. Hugenberg. Der Rundfunk wird also ganz in den Dienst der nationaltonzentrierten Propaganda gestellt, mährend alle anderen Parteien von der Benutzung des Funks ausgeschlossen sind. Linksrud in Norwegen Rechtsregierung gestürzt Oslo, 25. Februar. Die Regierung undseid ist durch das Mißtrauensvotum der Benstre- Partei( Linke), das von der Regierungspartei unterstützt wurde, mit 80 gegen 67 Stimmen gestürzt morden. Heute vormittag wird Hundseid dem König das RüdWelt" am Sonntag 111| 2 Uhr Für Freiheit und Sozialismus Unsere Wählerversammlungen sind überfüllt Saal, Galerie und Gänge der Aula in der Lichtenberger Schule waren gestern abend überfüllt. Der Aufforderung zum Kampf für das rote Berlin waren auch die Sportler in eigenen Formationen, die Arbeiterjugend und die Gewerkschaften gefolgt. Nach dem Fahneneinmarsch füllten die vielen roten und schwarzrotgoldenen Banner die ganze Bühne, von deren Mittelpunkt Genosse Siegfried Aufhäuser. M. d. R., zu den Massen sprach. Die aktiven Mitglieder des Reichsbanners hatten eine muchtige Marschkapelle und den starten Saalschutz gestellt, während Kampflieder der Arbeiterfänger die Rede umrahmten. Unter startem Beifall der Versammlung sprach Genosse Aufhäuser insbesondere über die wirtschaftlichen und sozialen Fragen zur Reichstagswahl. Er wandte sich gegen die Maßnahmen der Reichsregierung und die langfristigen Versprechungen des Bierjahresplanes. Die Harzburger Front ift fidh nur einig in der Unterdrückung der Arbeiterklasse, positiv und wirtschaftlich weiß sie teinen Weg, denn weder Siedlungspolitik noch Arbeitsdienstpflicht sind bis jetzt wirklich in Angriff genommen worden. In den vergangenen 14 Jahren haben Gewerkschaften und Sozialdemofratie versucht, Dämme gegen den Kapitalismus aufzurichten und die Zerschlagung der deutschen Massenfauftraft zu verhindern. Jetzt verbrüdern sich die Nationalsozialisten mit den Urhebern der tapitalistischen Not. Die Wahl am 5. März ist die Entscheidung über die Notlage von heute und die weitere wirtschaftliche Entwidlung. Diese Wahl soll das Bekenntnis zur Freiheit des deutschen Volkes werden. Das Mittel der Befreiung aber ist die organisierte Kraft der Arbeiterschaft, die in Deutschland ungebrochen dasteht. Auch auf diesen Winter folgen Stürme im März. D Umzug in Schöneberg Einige Schöneberger Abteilungen der Partei hatten gestern eine Wählerversammlung nach der Schule Ecke Eisenacher und Belziger Straße einberufen, die einen ganz ausgezeichneten Verlauf nahm. Um 7 Uhr sammelte man sich in der Ebersstraße zu einem großen Umzug, der unter Vorantritt des Reichsbanners und eines Tambourforps der Arbeiterjugend seinen Weg be= sonders durch die Straßen des Viertels nahm, mo Goebbels'„ feine Leute" wohnen. Da wurden die Wähler aufgewedt mit den Freiheit- und Hochrufen, da riefen ihnen fortgesetzt Sprechchöre zu ,, Wir wählen Liste 2". Für die, die aus den Fenstern der verdunkelten Zimmer noch ein ,, heil Hitler" riskierten, gab es ein donnerndes ,, Berlin bleibt rot!" Das Reichsbanner unterstützte diese Propaganda auf das wirksamfte, indem es ein über das andere Mal der republikanischen Bevölkerung ein fräftiges Freiheit" ausbrachte. Viele der Demonstranten fanden in der großen Schulaula feinen Plaz; sie war schon beim Eintreffen des Zuges dicht gefüllt. Genoffin Bohm= Schuch verstand es, die Zuhörer zu feffeln. 1918 hat die Sozialdemokratie den Scherbenhaufen, den der Krieg der anderen hinterließ, fortgeräumt, 1923 liquidierte die Sozialdemokratie den Ruhrtampf der rein bürgerlichen Cuno- Regierung, Tapolskis Protokolle Verzögerung im Brolat- Prozeß Gegen Mittag sollte heute das Urteil gegen Brolat gefällt werden. Zur allgemeinen Ueberraschung trat jedoch das Gericht erneut in die bereits gefchloffene Beweisaufnahme ein. Rechtsanwalt übell hatte einen neuen Beweisantrag gestellt, den er mündlich wie folgt begründete: Er habe erst gestern von dem früheren Rechtsbeistand des verstorbenen Obermagistratsrats Schalldach gehört, daß Schalldach sich in großer Erregung über die Protokollierungsmethoden des Oberregierungsrats Tapolski geäußert habe. Die Niederschrift habe wiederholt nicht dem ent[ prochen, was er ausgesagt habe. Auch seine Beschwerden über die unrichtigen Niederschriften haben zu nichts geführt. Der mit Schalldach befreundete Fabritant Schwarz habe ihm darauf den Rat gegeben, die Ausage unter solchen Umständen überhaupt zu verweigern. Schalldach sei auch dann bei einer Vernehmung durch Tapolsti vor Aufregung plöglich am Herzschlag gestorben. Rechtsanwalt Dr. Nübell beantragt, für die ihm vorgetragene Behauptung Schalldachs Es bleibt winterlich Noch ein Schneesonntag In der letzten Nacht und in den heutigen Morgenstunden ist abermals über Berlin und die weitere Umgebung eine beträchtliche Menge Schnee gefallen. Diese Schneefälle sind auf den Einfluß eines Tiefdruckgebiets zurückzuführen, das seinen Kern über der Tschechoslowakei hat. Der Amtliche Wetterbericht ist auf Grund eigener Beobachtungen und der von auswärts eingelaufenen Meldungen zu dem Schluß gekommen, Nowenige Monate später konsolidierte der Sozialdemokrat Hilferding aus den Trümmern einer zu fammengebrochenen Währung die Mark. vemberverbrechen find angeblich ununterbrochen feit 1918 begangen worden, also auch von den deutschnationalen Regierungen, die jahrelang im. Amt waren. Diese jezt modern gewordene Ge schichtstlitterung zur Wahrheit zurüdzubringen, ist nicht nur eine Notwendigkeit im Wahlkampf, fondern auch die Aufgabe nach dem 5. März. An diesem Tage aber heiße es, so schloß die Rednerin, der gespannt auf Deutschland schauenden Welt zu bemeien, daß das deutsche Volk nichts mit dem Faschismus zu tun habe. Um den Kreuzberg Der 6. Kreis der Partei peranstaltete einen Demonstrationszug, der von der Fontane promenade durch den Süden und Südwesten des Bezirks Kreuzberg nach der York- und Hornstraße führte. Obgleich die Demonstration bereits um 17 Uhr begann, war die Beteiligung außerordentlich start. Auch die Bevölkerung des Bezirks nahm regen Anteil und stimmte in die Freiheit" und ,, Berlin bleibt rot"-Rufe der Demonstrierenden mit ein. In der Hornstraße hielt dann der Stadtverordnete Genosse Robinson eine kurze Ansprache, in der er, unter stürmischem Beifall, dazu aufforderte, den jetzigen Herren zu zeigen, daß man die Arbeiterschaft nicht durch Verbote unterdrüden oder besiegen fönne. Mit dem Ge fang der Internationale schloß die eindrucksvolle Kundgebung. zusammengelegt waren. In den Taschen des Mantels und in der Nähe der Leiche fanden die Beamten zmei Röhrchen Phanodorm und eine Schachtel Eutodal Man vermutet, daß Havelta diese Schlafmittel zu sich genommen hat und unter der Einwirkung des Giftes nicht mehr Bitwe und den Fabrikanten Schwarz als Zeugen Herr feiner Sinne war. Bahrscheinlich ist der zu hören. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg, der sich zu dem Antrag des Verteidigers äußern soll, ergeht sich statt deffen in derart heftigen Angriffen gegen das vorgeffern vorgetragene Plädoyer des Verteidigers Dr. Nübell, daß er diesen zu einem Zwischenruf veranlaßt und vom Vorsitzenden mit dem Ersuchen unterbrochen wird, sich in sachlicher Weise bloß auf Unglüdliche erst hin und her gelaufen, bevor er fich nieberlegte. Die Untersuchung durch den Gerichtsarzt Prof. Dr. Fräntet hat ergeben, daßs die äußeren Verlegungen wahrscheinlich erst nach dem Tode durch Tierfraß hervor gerufen wurden. Alle vorliegenden Anzeichen deuten darauf hin, daß an dem Manne, dessen Aufenthalt in Berlin noch nicht ermittelt wurde, Pein Verbrechen verübt wurde. eine Aeußerung zum Bewei antrag zu beschrän Schwerer Wohnungsbrand fen. Als Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg darauf sich ausführlich über die Persönlichkeit des Obermagistratsrats Schalldach äußert er gibt unter anderem zu, daß dieser drei Minuten nach Beginn einer Bernehmung durch Tapolski dem Herzschlag erlegen sei-, wird er zum zweiten Male vom Borsigenden unterbrochen. Das Gericht lehnte zwar den Beweisantrag der Berteidigung ab, unterstellte jedoch die den Zeitgen bekannten Tatsachen als wahr. Das Urteil ist erst in den Nachmittagsstunden zu erwarten. die nächsten Tage folgendermaßen zusammen: Es mird winterlich bleiben Die Tempera turen fönnen zeitweilig etwas über null Grad steigen, werden aber später wieder sinken. Für Sonntag heißt die Voraussage: Nur noch vereinzelte Schneefälle, leichter Frost und vielleicht Aufheiterung! Im großen und ganzen können die Berliner also wohl noch auf einen richtigen Schneesonntag rechnen und darum: Heraus mit Sfi und Rodelschliften in die schöne Umgebung Berlins! daß die Schneefälle bald aufhören werden, aber Der Tote von Hoppegarten mit einem erneuten Sinten der Tempe= raturen zu rechnen sein dürfte. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß aus Rußland talte Luftströme den Weg nach Mitteleuropa nehmen werden. Die augenblickliche Milderung läßt noch feineswegs auf ausgesprochenes Tau metter schließen. Der Wetterdienst faßt die Prognose für trittsgesuch vorlegen. Darauf wird der Führer der neuköllner! Benstre- Partei, momintel, berufen werden, um die neue Reglerung zu bilden. Entgegen der bisherigen Annahme, baß wahrscheinlich ein reines Benstre- Kabinett gebildet mürbe, perlautet jetzt, daß wahrscheinlich auch Mitglieder der Arbeiter partei in die neue Regierung eintreten werden. Die Eiserne Front marschiert. Heute, Sonnabend, Massendemonstration. Treffpunkt 17 Uhr, Reuterplatz. Für die Freiheit der Arbeiterklasse! Gifttod eines Geisteskranken? Die Untersuchung der Mordkommission, die am Freitagabend, wie mitgeteilt, nach der Ortschaft Dahlwih- Hoppegarten gerufen wurde, um einen räifelhaften Leichenfund aufzuklären, hat im Laufe der Nacht Fortschritte gemacht. In den Taschen des Toten fand man einen Baß auf den Namen eines Dr. Walter Havelka aus Wien, 1900 geboren. Der Mann, ber in dem Baß als taufmännischer Beamter bezeichnet ist, befigt die tschechische Staatsangehörigkeit. Böllig rätselhaft ist aber die Lage der Leiche und die Lage der Kleiber. Die beiden Arbeitslosen, die von Friedrichshagen famen und zunächst auf die Kleider im Walde ftießen, munderten sich, daß die Stüde ordentlich Drei Personen verletzt Bei einem gefährlichen Wohnungsbrand in der orgingstraße 27 im Norden Ber lins wurden heute mittag drei Personen erheblich verlegt. Gegen 12 Uhr wollte die 34 Jahre alte Frau Martha Dombrowski in der Maschine Feuer machen, wobei sie Holzwolle verwendete. Plötzlich schlug eine meterlange Stich flamme aus dem Feuerloch. Frau Dombrowski und ihre 8 Jahre alte Tochter Ingeborg erlitten erhebliche Brandver legungen. Durch die Stichflammen wurden mehrere Türen, der Hängeboben und Kleidungsstücke in Brand gesetzt. Zum Glüd gelang es Frau D. mit ihrem Kinde aus der brennenden Wohnung zu flüchten. Bei Löschversuchen wurde noch der Nachbar, ein 42 Jahre alter Chauffeur Erich Gottberg, erheblich verlegt Von der Feuerwehr wurde der Brand verhältnismäßig schnell gelöscht und die Verunglückten von den Samaritern verbunden. Nächtliche Schießereien Im Südwesten und Südosten In der Bergmann- Ede Nostizstraße tam es in der vergangenen Nacht zu einer Schießeret, bei der ein 19 Jahre alter Kommunist Ernst La de wig aus der Vordstraße durch einen linken Wadenstedschuß niedergestreckt wurde. Die Täter fonnten nicht ermittelt werden. Nach den Angaben des Angeschossenen soll aus dem Hause Bergmannstraße 3 geschossen worden sein. Eine polizeiliche Durchsuchung des Hauses blieb jedoch erfolglos. Der Berlegte fand im Urbanfrankenhaus Aufnahme.- In der Stalizer Straße murte ein Nationalsozialist Otto Scholz aus der Schlesischen Straße mit einer Schußberlegung aufgefunden. Sch will von Kommunisten befojoffen worden sein. Von der Polizei find zwei Männer unter dem Verdacht der Täter< schaft festgenommen worden. Rundfunkskandal An-die- Wand-steilen Das Skandalössst«, was der skandalöse deutsch« Rundfunk sich bisher seinen Hörern gegenüber er- laubte, erlebte man wohl Freitagabend im Pro- gramm der Berliner Funkstunde. Zur Sendung kam ein noch nicht ausgeführtes Bühnenwerk ..S ch l a g e t e r" von Hanns Jo h st.„Wenn ich „Kultur" höre, entsichere ich meinen Browning", heißt es darin. Cs ist, wie schon dieses Zitat be- weist, für das erwachende Deutschland bestimmt. Die Berliner lernten an diesem Dokument auch gleich höchst anschaulich den neuen Intendanten ihres Staatschsaters, den Hofpoete» des Braunen Hauses, kennen. Johst ist wirtlich erfreulich deut- lich.„Die Rcpudlik in die Luft sprengen.. ,chic Weltverbrüderer von 1318 an die Wand stellen" solche Wendungen durchziehen als roter Faden das ganze Machwerk. Mit viel Heiterkeit und ohne die geringsten Be- denken wegen der Menschenleben, die ihr Attentat aus die Bahnlinie fordern wird, gehen Schlageter und seine Freunde an ihr Werk, das Johst zur Heldentat erhebt. Zum Teilhaber an dieser Tat macht Johst auch den Sohn eines sozialdemokrati- schen Regierungspräsidenten, den fein Vater zu Spitzeldiensten ausersehen hatte. Dieser Sohn also wird durch Schlageterz edles Vorbild gerettet aus der Geisteswelt des sozialdemokratischen Vaters, der seine Stellungnahme zur Ruhrbesetzung in die Frage konzentriert:„Wie wär's denn mst einem Kognak?" und dessen Freund, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter, angesichts der unter- drückten Ruhrbeoölkerung nichts anderes fürchtet als eine„Trübung der guten Beziehungen zwischen Paris und Berlin".—!r. Naziverluste an den HoOschulm „Das Meer ruft'' U. T. am Kurfürstendamm Das Meer in seinem ewigen Wandel, in seiner glatten Ruhe und im wilden Orkan, als Lockung und Gefahr zu schildern, ist eine schöne filmische Ausgabe. Hans H i n r> ch, einer unserer jünge- ren Regisseure, aus die man Hoffnungen setzen kann, hat diesen Stöfs aufgegriffen und mit einer Handlung erfüllt, die Pelz von Felinau nach einer Ballade von Ibsen bearbeitet hat. Die Geschichte wird auf die Insel Moon im Rigaischen Meer- busen während des Weltkrieges verlegt. Statt des englischen Kapitäns, der den kühnen Lotsen Terje Wiggen bei seinem Versuch, Lebensmittel für seine hungrige Familie durch die Blockade zu bringen, erwischt und ins Zuchchaus bringt. tritt hier ein Deutscher in Aktion. Als der frei- gelassene Wiggen nach Jahren zurückkehrt, ist die Frau gestorben und das Kind chm fremd ge- worden. Das Geschick spielt chm den Kapitän. der sein Lebensglück gebrochen, in die Hände, aber er weih das Rachegefühl zu bändigen und rettet Kapitän und Schiff. Zuvor aber haben wir Seemannslust und Seemannsleid in einer allzu breiten Einleitung genossen. Terje Wiggen geht noch einmal auf große Fahrt mit einem kleinen Segelschiff, das dem Regisseur die prächtigsten Motive bildet. Während einer großen Flaute— die leider auch den Film befällt— verläßt die Mannschaft das Schiff, auf dem Terje allein zurückbleibt zum Kampf mit Wind und Wellen. Hier hat der Film ein paar großartige Szenen. Heinrich George ist Terje, schwerblütig,«in starker Kerl mit einem weichen Herzen, gewalt- tätig im Ausbruch, aber einer bösen Tat nicht fähig. Die seemännische Bevölkerung wird rcprä- sentiert durch eine Fülle gutgewählter Typen, die treu, brav und bieder zu sein haben. Erika Helmke ist die blonde, rührend ergebene Frau. Ernst Busch singt zum Schifferklaoier ein See- mannssong, der einschlägt. r. Thealel lerror in Alaadcburg. Die„nationalen Verbände" haben in Magdeburg mit ihrer Boy- kottandrohung teilweise Erfolg gehabt. Der Tbeateraueschuß Hai beschlossen, dos Volksstück „Der S l l b e r s e e" von Georg Kasser und Kurt Weill vom Spielplan abzusetzen und nur noch in geschlossenen Vorstellungen zu geben. Reue Riller. Nach dem Ableben der Ordens- ritter Georg Dehio und Max Slevogt haben Neu- wählen für den Orden pour le merite für Wissenschaften und Künste stattgefunden. An d�e Stelle von Dehio wurde der Kunsthistoriker Professor Heinrich W ö l f f l i n in Zürich gewählt, an die Stelle von Slevogt der Bildhauer Ernst Bar- l a ch in Güstrow. Slaalskonzerl und Parteiagilalion. Nächste Woche veranstaltet die Hochschule für Musik ein Konzert. Der Reichskommissar Ruft und der Landesführer des nationalsozialistischen Kamps- bundes Hinkel wollen dabei Reden halten. .Der freie cichlblldner", Heft 2, 2. Jahrgang. ist soeben erschienen.(Preis: 15 Pf.) Es sst durch die Volksbuchhandlung oder durch die Post zu be- ziehen. Prof. Erich Stenger erklärt den Ursprung des Wortes„Photgraphie" in sehr anschaulicher Weise. Aufnahmen bei künsUichem Licht be- herrschen das Heft. Auch die Schmalülinecke bringt stets etwas neues. Dl« Htiurich-Zillk�luSstellung, welche w Zeil bei Hermann Tictz. Tbauifeestr. 63—71, zu seben ist, ist nur noch bis Dienstag, von 1—7 Udr geöffnet. Emil Jauuiuos au der VoltSbühue. Heinz Hilpert hat mit Emil Jaiminas einen Vortrag für die kommend« Spielzeit abgeschlossen. Seine Antrittsrolle wird der„König Lear" sein. Die 5. Tanzmatinee der Vollsbllhae. die Sonntag. ö. März, vorm. n.5W Uhr. im Theater am Bül-wvlae stattfindet, bringt Solotänze der Palurca und Dar. bietüngen der Palurta-Äruppe. Einlaßkarten>2,50. 2�- und 140 M.) bei Wertbeim, Tiey, Karstadt. Bote». Bock, im SdW. und an der Theaterkasse. Die Entwicklung der Studentenschaft An allen Hochschulen, an denen im Verlauf des Wintersemesters 1932 33 sog. Studenten- Asta-Wahlen stattfanden, erlitten die Ratio- nalsozialisten schwere Niederlagen. Ledig- lich in Heidelberg konnten sie chren Besitz- stand einigermaßen behaupten. In den meisten Hochschulen— so vor allem in Preußen— betei- ligten sich die linken Studenten und auch die Zentrumsftudcntenschaft nicht an den rein privaten Wahlen der nicht mehr staatlich anerkannten „Deutschen Studentenschaft", in der die Nazi- sludenten gegenüber den Korporationen und rechts- bürgerlichen Gruppen(DNVP., Stahlhelm u. a.) die absolute Mehrheit errungen hatten. Wo sich die linken Studenten beteiligten, konnten sie zum großen Teil beachtliche Erfolge erringen. Das gilt auch für die kommunistischen Studentengruppen. Der Abstieg der Nazistudenten begann bereits zu Ende des Sommersemesters 1932. Innerlich vielleicht zuerst begründet in dem andauern- den geistlosen Krawallmachen der N a z i st u d e n t e n, in der immer wiederkehren- den Anwendung brutaler Gewalt unter ständiger Zusammenarbeit mit Straßen-SA. Dadurch sind weite Kreise wirklicher Studenten, die immerhin von den Nazis auf den Hochschulen eine gewisse geistige„Erneuerungsarbeit", ja auch wirkliches geistiges, antikapitalistisches Denken und Handeln erwartet hotten, enttäuscht aus der Gefolg- schaft Hillers ausgewichen, wieder neutral ge- blieben(daher vielfach geringere Wahlbeteiligung), oder auch zu den Korporationsgruppen sowie ins andere rechtsbürgerliche Lager zurückgekehrt. An verschiedenen Stellen jedoch ist auch eine Hinwen- dung zur Linken, soweit sie klar sozialistisch aus- trat, spürbar geworden. Selbst da, wo die organi- sierte Gefolgschaft zwar zunächst noch beisammen- blieb, ließ jedoch die Aktivität merklich nach. Nazi- studentenversammlungen an allen Hochschulorten zeigten plötzlich überall nur sehr schwachen Besuch; die SA.-Studenten traten, wie aus mehreren be- kanntgewordenen geheimen Rundschreiben höchster SA.-Stellen herausklingt, zum Appell, zu Uebun- gen und Ausmärschen nur noch in halber oder viertel Stärke an. Auch nach der„Machtergreifung" Hitlers hat der Abstieg der Nazistudenten sich fortgesetzt, wie alle Wahlergebnisse seit diesen Tagen zeigen. Frellich dürfte in nächster Zeit ober dieses Moment bei vielen doch wieder anspornend zur Parteitreue wirken, da nirgends in der ganzen Nazibeweguna mehr Ehrgeiz und Postenhunger herrscht als bei diesen Studenten. Die reinen Idealisten, die es zweifellos unter den Nazistudenten in großer Zahl gibt, jedoch werden sich auf Grund der neuen Regierungs- Verhältnisse aber eindeutig und immer geschlossener von Hiller al'wenden. In Diskussionen in Berlin zum Beispiel haben organisierte Nazistudenten gegenüber sozialistischen Studierenden öffentlich und eindeutig erklärt, daß sie mst dieser Hiller- Hugenberg-Papenregierung nichts zu tun hätten und dafür nicht agitieren würden! Deullicher als alle Worte sprechen aber die erwähnten Wahlergebnisse selbst, wobei der ein- heillichen Wirkung wegen einmal allein die N a z i- Ergebnisse— Stimmen und Mandate— und in Klammern die Resultate des Borjahres aufgeführt seien. 1. Zunächst einige Ergebnisse aus dem Sommer- Semester 1SZ2(Zuli 1932)- Ztiwmcl Z!o»i>a!- Wohlbet«». Universität Breslau: . 1W stZU)— 20*/. 14(23) Z»-„(35V.) «»»ilifte Universität F r e i b u r a: . 723( 8«)-13V. ungSltig 45-. Universität Königsberg: R-Mft-.. 1877(139»)— sr- 22(32) 50»/.(SO*/.) 2. Wahlen im Winter- Semester 19Z2/ZZ bis zum 30. Zanuar 1933; Technische Hochschule Hannover, November 1932: Razilifte.. 15« 8(8) 78V.(74V.) Universität München, 24. November 1932: «cjitiflc.. 2283(2713) 1«(11) 50V.(83«/,) Technische Hochschule München, 24. November 1932: R«,>Ust«.. 1083(1340) 11(12) 88«/. Technische Hochschule Stuttgart, Dezember 1932: zl-Silip-.. 388( 382) 7(18) 88'/,(78«/.) Tierärzlliche Hocksschule Berlin, Dezember 1932; R»,illfte.. 5«( 185) 2( 5) 70«/.(7«V.) Universität Würzburg. Dezember 1932: Nozitist«.._(-) 18(14) Stimme« Raudate Suhlbete-i Universstät Tübingen. Januar 1933: Razilist«.. 588(1281) 11(12) Technische Hochschule Braunschweig, Januar 1933: Razilist«..>88( 338, 7< 8) 3. Wahlen nach dem 30. Zanuar: Universität Rostock, 3V. Januar 1933: Ziazillstc.. 488( 855) 5( 7) Universität Aachen, 6. Februar 1933: RozUiste.. 184( 184) 4( 4) Universität Bonn, 7. Februar 1933: Z!»ziliste.. 557(1157) 14(18) Deutsche Hochschule für Polstik Berlin, 19 Februar 1933: Sozial, dort Raziliste.. 42( 73) 1( 1) 122(102) Universität Hamburg, 19, Februar 1933: «»«Iliste.. 851(1884) 6( 8) Technische Hochschule D a r m st a d t, 19. Februar 1933: A-zilistc.._(—) 15(19) Auch in Leipzig büßten die Nazis zwei Mandate ein. Die Nazsstudenten erkennen auch berests das Ende ihrer„demokratischen" Entwicklung und fordern deshalb in ihrem berüchtigten Rostocker Rasse-Studentenrechtsentwurs das Aufhören von Wahlen und verlangen— weil sie in der Spitze gerade noch an der Macht find (DST!)—, daß die Studentenschaftsführer künftig von oben her aus dem Braunen Hause vom NSDSTB. bzw. der von ihr beherrschten„Deut schen Studentenschaft" ernannt werden sollen! Das ist entschieden gesünder für die Hiller-Stu- denten, dürfte aber von einer 89prozentigen Mehr- heit aller anderen Studenten abgelehnt werden. Je undemokratischer unsere Hochschulnazi werden, weil sie bei diesem Spiel verlieren, um so schneller wird die Zeit einer Wendung weiter Studenten- schichten zur Sache der Freiheit und zum wirk- lichen Sozialismus auf den Hochschulen vor sich gehen. Die Sozialistische Studentenschaft sst gerüstet und nimmt den geistigen Kamps um der Menschen und um der Sache willen auf. Mit der sozialistischen Arbeiterschaft weiter zur Freiheit! Heinz Krüger. Mitglied des Hauptvorstandes der Sozialistischen Studentenschaft. I�eues aus Staatlichen Museen Kopien aus Pompeji In dem schönen Uebergangsramn vom Asten zum Neuen Museum sind eine Anzahl Kopien nach pompejani schen Wandgemälden aus- gestellt, die R e i n h o l d Vetter in der antiken Wachsfarbentechnit(Enkaustik) angefertigt hat. Wer das Reapeler Nationalmuseun» kennt, wird sich an die erdrückende Fülle solcher Dekorationen erinnern, die in den Häusern Pompejis von un- bestreitbarer Grazie sind, in ihrer Museums- isolierung ober keinen sehr erfreuenden Eindruck machen. Denn das zeigen auch die treuen Kopien Vetters, daß es sich hier nirgends um selbständige Kunstwerte, sondern um rein handwerkliche Kopien griechischer oder hellenistischer berühmter Gemälde handelt, oder aber, im günstigeren Falle, um die hübschen Einfälle geschickter Dekorationsmaler. Die handwerkliche Flüchtigkest dieser abgegriffenen Mythendarstellungen kann uns hier keinen Begriff geben von dem kulturhistorischen Sinn der alle besseren Häuser in der Antike ersüllenden Malerei: daß Kunst auch im kleinsten Nest, wie es Pom- peji war. den Bürgern der römischen Kaiserzeit ein selbstverständliches Bedürfnis bedeutete wie Brot und Wein. Moderne Italiener Im Erdgeschoß des Kronprinzenpalais sind jetzt die 13 Bilder moderner Italiener aus- gestellt, die Justi gegen einen M i ch e t t i«in- getauscht hat. Dieser Umtausch, nach langwierigen Verhandlungen, ist als ein Meisterstück der Kunst- diplomalie zu bezeichnen. Ein mehr durch Quadratmeterzahl als durch inneren Gehalt gewaltiges Bild des Realisten Michesti, vor dreißig Jahren erworben und kaum je richtig ausgestellt („Tochter des Jorio"). ist eingetauscht gegen einige tüchtige Bilder von Malern, die in der gegen- wärtigen Kunst Italiens die erste Rolle spielen. Dazu gegen 19 999 Mark in bar, die unseren eigenen Künstlern zugute kommen sollen. Wieviel künstlerischer Wert unter den neucrworbenen Italienern steckt, ist dabei nicht einmal so wichtig; immerhin wird auch der Liaihaber moderner Malerei bei Modigliani. Funi, Severin! einiges Annehmbare finden: d>e seelische Zartbeit in dem Köpfchen M o d i g l i a n i s, die geschmackvolle Komposition in Grau und Blau bei S e v e r i n i s „Taube" und die renaissancehafte Statuarik in F u n i s großem Figurenbild. Nationalgalerie Auch die Nationalgalerie sst wieder eimnat gründlich umgeordnet worden, wenigstens d:e beiden oberen Geschosse. Im„allen Haufe", wie der Stüler-Bau auch genannt wird, sind einig« wesentliche Neuerwerbungen und rückwirkend die Ereignisse im Kronprinzenpalais Anlaß zur Um- stellung geworden. Im ersten Stockwerk sst jetzt die realistische Malerei des 19. Jahrhunderts, außer Menzel, beisammen, links beginnend mit den französischen Jnipressionisten, über die Frank- surter, Spitzweg, den Leibl-Kreis zu dem Haupt- saal mst Max Liebermann und über Trübner zu Leibi führend. Wesentlicher ist die Umgestaltung des obersten Geschosses, das den deutschen Romantikern und Razarenern gehört und sehr schöne Neuerwerbungen zeigt: voran das kürzlich ent- deckte Bild von Philipp Otto Runge(den man bisher ausschließlich in Hamburg aussuchen mußte), eine kostbare Seltenheit; Porträt seiner Frau mit chrem Kind, stark und tief empfunden und voller echt Rungescher Plastizität der Dar- stellung. Als Angelpunkt wirken die beiden Haupssäle, die den romantischen Führern Blechen und C. D. Friedrich eingeräumt sind: dazwischen enthält der Kranz der Kabinette die anderen Deutschen der Romantikerzeit, unter denen so köstliche Neuerwerbungen erscheinen wie F e l l n e r s„Ritter und Narr" und zwei religiöse Bilder des früh gestorbenen Wiener Nozareners Scheffer von Leonardshof. Dr. Paul Ferdinand Schmidt. körperlichen Knax für immer. Das sst keine Werbung; denn uns ist nid)ts mst Menschen ge- nützt, die Muskeln haben wie Kegelkugeln und Nerven wie die Fäbchen eines Spinnennetzes. Sport hat nur Zweck, wenn er den Körper stählt und den Charakter er- t ü ch t i g t. Gut ist der kesse, schlagfertige, unbekümmerle Dialog der jungen Menschen. Sprechend sind sie immer lebenswahr, aber geschminkt und zurecht gemacht sind sie. daß einem das Enssetzen packt. Sportmädel jedoch haben natürlich zu sein. Allerbeste Arbeit leistete Eugen S ch ll f f t a», der ganz hervorragende Photograph. Ihm sst auch Brigitte Helm zu Dank verpflichtet, die diesmal im Spiel gelockerter ist als gewöhnlich. Sic hat an Paul H a r t m a n n, Hans Brause- weiter und Victor de K o w a gute Partner. Der Regisseur E. Zl. Dupont, jetzt noch vor trefflich in Massenszenen, war mal ein ganz Großer. Augenblicklich spekuliert er. e. b. fi Vor Sonnenuntergang Im Steglitzer Schauspielhaus tt Der Läufer von Marathon Ufa-Palast am Zoo Der Läufer von Marathon brachte 499 v. Chr. die Nachricht von dem Siege der Athener im Dauerlauf von 42 Kilometer nach Athen, wo er nach der Verkündung des Sieges vor Erschöpfung starb. Nach diesem Läufer sst der über 42 Kilo- meter führend« Marathonlauf genannt. Da die nächste Olympiade in Berlin abgehallen werden soll, hat die Filmindustrie schon rechtzestig einen einschlägigen Film drehen lassen. Man mixte fanatische Sportsöxerei und faustdicke Liebe zum höchst eigenartigen Manuskript. Machen doä) drei Männer Kulleraugen, wenn sie die fesche Sporssstrdentm Lore sehen. In Los Angeles platzt die Vmnbe. Sie siegt im Turmspringen, das Schwimingeni« verliert, weil sie nicht im Stadion ist. Der Unterlegen« schlägt prompt den Sieger nieder und emsührt Lore, bis ein Automobilunsall dieser romantischen Szene ein Ende macht. Nun geben die beiden anderen Verehrer beinah« auf. aber Lore kneift aus dem Krankenhaus aus, wes- halb Deusschland dann den Marathonlauf ge- winnt. Freilid) ist der Sieger dreiviertel irrsinnig und der zweite deutsche Vertreter bleibt am der Strecke liegen, höchstwahrscheinlich mst einem Das Schauspielhaus in Steglitz, eine Stätte ewiger Enttäuschungen früherer Direktoren, hat es besonders schwer. Die Spekulation seines be- mühten und kunstgewillten neuen Direktors Haas Junkermann, auch aus den anderen Bezirken Berlins Publikum heranzuziehen, ist leider nur sehr unvollkommen geglückt und muß er auf Leistungen sinnen, die speziell für seine Steglitzer Stammgäste die Note der Besonderheit tragen. Der von nationalistischem Mythos umwitterte Otto Gebühr als Matthias Clausen in Haupt- manns„Vor Sonnenuntergang" ist für die bllr- gerliche» Steglitzer gewiß etwas Besonderes. Gebühr sst kein Werner Krauß. Die Würdigung seines Spiels fällt keinem naheliegenden Borurteil zum Opfer, wenn sie als zu fridoricianisch be- zeichnet wird Von dem 79jährig«n Clausen ist auch in den besinnlichen Szenen nicht gerade ein llebermatz von Liebe-leidenschaft zu verlangen, aber doch mehr Innerlichkeit und Geheimrats- ferne. Weit besser geraten Gebühr die großen Auftritte des drstten und vierten Aktes, in denen die Schärfe und Herrischkeit seines Tones am Platze sind. Eharlott Gerda spiest die Inten etwas zu fast und zu altklug. Aus dem Auf- gebot der übrigen Spieler sind Hans Fahren bürg als brutaler Businesman, Philipp Man- n i n g als jovialer Sanitätsrat und ferner Richard Starnburg und Berthe Gast zu nennen. Stürmischer Beifall für alle, ganz besonders für Gebühr. Aber die West sst ja heute konfus Fast hatte es den Anschein, als ob ein Teil des Bei- falls über den Umweg eines als Gebühr miß- ven'tandenen Fridericus einem als Fridericus mißverstandenen Hitler geste. ll, ß. Der Dollar wackelt Die Bankenkrise in USA. greift um sich Die Bankenkrise in den Vereinigten Staaten, die Mitte dieses Monats ihren Ausgangspunkt von dem Industriezentrum Detroit nahm, ist nicht auf diesen Plazz beschränkt geblieben, sondern hat jetzt auch auf andere Provinzbanken ummittelbar vor den Toren New Yorks übergegriffen. Wenn auch von einem Zusammenbruch des ganzen Kreditsystems, so wie wir es in Deutsch land im Juli 1931 erlebten, noch nicht die Rede sein kann, so haben doch die Meldungen von weiteren Schalterschließungen und Zahlungssper ren im amerikanischen Publikum große 11 n= ruhe verurfacht. Die Wirkungen dieser Vorgänge zeigen sich am deutlichsten im internationalen Dollarturs, der seit mehreren Tagen ständig gefallen ist. Der Freitagfurs des Dollar entsprach nur noch einem Wert von 4,175 m., während die Goldparität auf 4,209 m. je Dollar liegt. Die Mart notiert also gegenüber dem Dollar um fast 4 Bf höher als der Parität entspricht. Im Zusammenhang mit dieser Dollarschwäche sind die Gold= abgaben Amerikas zur Regulierung des Kurses ganze beträchtlich. Allein in der letzten Woche find etwa 72 Millionen Dollar aus New Yorf nach Europa verschifft worden. Das sind nahez! 300 millionen Goldmark. Bei den ge= maltigen Goldvorräten können die USA. diesen Aderlaß vorläufig noch leicht ertragen, gefährlich aber würde die Situation werden, wenn bei den breiten Massen und beim amerikanischen Großtapital selbst eine Flucht aus dem Dollar einsetzen würde Ein derartiger Run" in fremde Bährungen ist zur Zeit viel gefährlicher als eine Flucht des Auslandes aus dem Dollar, denn dieses unterhält zur Zeit verhältnismäßig wenig Guthaben bei den amerikanischen Banken. 3ur lleberbrückung der gegenwärtigen Schwierigkeiten sind außer in dem Staate Michigan auch in den Staaten Missouri und New Jersey Zahlungssperren und Banffeiertage verhängt worden. Aehnlich wie bei dem Zusammenbruch der deutschen Großbanfen, fordert die Presse, daß die Regierung eine Gesamtbürgschaft für sämtliche Guthaben, die bei amerikanischen Banten liegen, itbernehmen soll. Auch die Forderung einer zentralen Bantenkontrolle fommt uns in Deutschland recht bekannt vor. ,, Propaganda" Umwerbung der Untermenschen" In den Berliner staatlichen Museen scheint der Geist wieder zu erstehen, der dort konserviert ist. So wird uns zum Beispiel aus dem Kaiser= Friedrich Museum folgendes berichtet: = Zum 18. Februar hatte die Nazizelle der Berliner Staatlichen Museen eine öffentliche Berfammlung für das gesamte Berliner Museumspersonal einberufen. Der Hausinspektor des KaiserFriedrich- Museums machte für diese Versammlung eine ganz eigenartige Propaganda. Einen Tag vor der Naziversammlung schärfte er den Arbeitern und Arbeiterinnen des Museums, die zum überwiegenden Teil Margisten" find, ein: Daß mir morgen teiner fehlt!" Am Tage der Versammlung wurde er noch deutlicher und erflärte: Wer nicht zu der Versammlung kommt, wird aufgeschrieben." Wenn auch dieser Einschüchterungsversuch seine Wirkung verfehlte und sich feiner der freiheitlich gesinnten Arbeiterinnen und Arbeiter des KaiserFriedrich- Museums in eine Versammlung politischer Gegner pressen ließ, so ist dieser Vorgang doch bezeichnend. Es kommt aber noch besser": Die„, marristifchen" Berliner Museumsarbeiter sollen sogar ge= zwungen werden, bei einer Veranstaltung der nationalsozialistischen Betriebs Raubkrieg in urallem Kulturland Blick auf den terrassenförmig angelegten Lama- Palast in Putala, Jehol Japan hat nun den Vormarsch, auf die chinesische Provinz Jehol angetreten, die überall herrliche Baudenkmäler aus vergangenen Glanzzeiten der chinesischen Kultur aufweist. Das Vorgehen Japans hat überall Erbitterung ausgelöst und auf der Genfer Völkerbundsversammlung einstimmige Berurteilung gefunden. zellenorganisation am fommenden Sonntag im Luftgarten als Statisten mitzuwirken. An der Wand des Dienstzimmers des Haus inspektors im Kaiser- Friedrich- Museum prangt zur Zeit eine Aufforderung an alle Arbeiter, Angestellten und Beamten, in der die Beteiligung an dieser nationalsozialistischen Kundgebung zur Pflicht gemacht wird. Man mutet den ,, Novemberverbrechern" zu, unter dem Hakenfreuzbanner zu marschieren und Heil zu rufen. Aus dem Asiatischen Museum in Dahlem teilt man uns mit: Vor einigen Tagen rief der Museumsinspektor feine" Arbeiter zusammen und machte ihnen in einer Ansprache die Bedeutung des Aufbruchs der Nation" flar. Zum Schluß spielte er ihnen auf seinem privatem Grammophon zweimal das Horst- Wessel- Lied" vor. Das Kommando Weggetreten!" wurde jedoch nicht gegeben. Aehnliche Vorfälle werden uns aus den Post. ämtern 5 und 9 in Charlottenburg gemeldet. Dort wurde von höheren Beamten eine Aufforderung zum Besuch einer Naziversammlung herausgegeben. Diese Bemühungen, die Untermenschen zu gewinnen wenigstens vor dem 5. März dürften eine andere Wirkung erzielen als man erwartet. Herr Frid erklärt Was ist das Wichtigste? Reichsinnenminister Frick hat in Hamburg in einer Wahlkundgebung erklärt: ,, Wenn unsere Gegner es vermissen, daß wir fein wirtschaftliches Programm aufstellen, so ist dazu zu sagen, daß es kein wirtschaftliches Programmrezept gibt, das mit einem Schlage alle Nöte befeitigen könnte. Es gibt nur das eine: arbeiten und sich nach der Decke streden. Das Wichtig fte aber ist, daß endlich einmal eine stetige Regierung am Ruder ist, die nicht alle paar Monate wieder abgelöst wird.“ Sozialdemokraten werden gewiß nicht unange . nehm überrascht sein von der Erklärung des Reichsinnenministers. Wir können vielmehr mit Bestimmtheit sagen, daß sie diese Erklärung dankbar begrüßen. Bei den Wählern der NSDAP. allerdings dürfte sie eine gewisse Ueberraschung hervorrufen. Mit dem Ratschlag:„ arbeiten und sich nach der Decke strecken", werden weder die 8 Millionen Arbeitslosen noch der bankerotte Mittelstand noch die in wirtschaftlicher Not sich befindenden kleinen Bauern, am wenig sten aber die Arbeiter, Angestellten und Beamten, denen man die Löhne und Gehälter um 30 bis 40 Prozent abgebaut hat, etwas anzufangen missen. Wir, Herr Reichsminister, haben ein wirtschaftliches Programmrezept". Es lautet: Enteignung des Großgrundbesizes und der monopolisierten Industrie, planvolle Wirtschaftslenkung, Sozialisierung, auf daß alle Arbeit und Brot haben. Wir halten dies für das Wichtigste, und nicht das Verbleiben einer Regierung am Ruder Achtung, 3. Kreis! Die für Sonntag, den 26. Februar, vorgesehene Straßenkundgebung ist verboten. Das Platzkonzert findet erst um 14 Uhr statt. Kapitalzufammenlegung bei Schuhfabrik Cingl. Die Erfurter Schuhfabrik Eduard Lingl A.- G, die auch in Berlin mehrere. Spezialgeschäfte unterhält, muß infolge hoher Verluste ihr Kapital im Verhältnis 2: 1 von 3,8 auf 1,9 millionen M. zusammenlegen. Bei Roheinnahmen von 1,85 Millionen Mark beanspruchten die Unkosten allein 1,91 Millionen Mark, während für Abschreibun gen insgesamt fast 600 000 m. beansprucht wurder. Die Beschäftigung und der Absaz waren seit dem Sommer vergangenen Jahres zufriedenstellend. Mengenmäßig fonnte der Umfaz um 17 Broz. erhöht werden. Eine photographische Führung durch die Gewächshäuser des Botanischen Gartens veranstaltet Photoschriftsteller H. Starke am 26. Februar. Treffpunkt Bahnhof Botanischer Garten, Ausgang, 11 Uhr. Heute Reichsbannerfeft. Zu seinem großen Maskenball, der heute abend im Weindorf ( Ausstellungshallen Wigleben) stattfindet, lädt das Reichsbanner alle Republikáner ein, die troz trüber Zeit ein paar frohe Stunden bei rhei nischem humor und Kunstgenuß zubringen wollen. Die Tombola bringt als Hauptgewinn eine komplette Küche. Eintritt nur 50 Pfennige. Wetter für Berlin: Fortdauer des leichten Frostwetters, aber feine wesentlichen Schneefälle. Für Deutschland: Im Westen heiter, im übrigen Deutschland strichweise geringe Schneefälle, überall Frost. ,, Volk und Zeit", die illustrierte Tiefdrudbeilage des Borwärts", liegt der heutigen Postauflage bei. " Rundfunk am Abend Sonnabend, 25. Februar Berlin: 16.00 Unterhaltungskonzert. 18.00 Die gegenwärtige Lage der geistigen Arbeiter( Prof. Dr. H. Oncken). 18.35 Johannes Brahms. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Was muß der Wähler von der Wahl wissen. 19.20 Von Markt zu Markt( Berliner Wochenmärkte). 20.00 Rede des Herrn Reichsmin. Göring. 21.15 Kabarett auf Schallplatten. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Durch Arbeitsdienst zu neuer Zukunft. 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.10 Wochenschau. 18.00 Tägl Hauskonzert. 18.30 Originalmusik von Negern in Afrika und Amerika ( m. Schallpl.). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Stille Stunde. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Virtuose Violinmusik. 20.00 Rede des Herrn Reichsmin. Göring. 21.15 Aus Köln: Abendkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 24.00 Tanzmusik. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, 26. Februar Berlin: 6.15 Funk- Gymnastik. 6.30 Zuspruch. 6.35 Aus Hamburg: Hafen- Konzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Geschichten der Geisha( C. Hagemann). 11.15 Dürfen wir Ihnen raten? 11.30 Reichssendung. Aus Leipzig Bach- Kantate. 12.00, Aus Flensburg: Mittagskonzert. 14.00 Elternstunde. 14.30 Für die Jugend. 15.30 Zur Unterhaltung. 16.00 Ansprache des Herrn Reichsmin. Seldte. 16.25 Rede des Herrn Reichsmin. Dr. Hugenberg. 17.15 Zur Unterhaltung. 17.40 Für Raucher! 18.00 Welt in der Wende? 18.20 Johannes Brahms. 19.00 Heitere Faschingstunde. 19.50 Sportnachrichten. 19.55 Losung. 20.00 Berliner Philharmonisches Orchester. 22.00 Tagesnachrichten. 22.30 Aus dem Sportpalast: Vom internationalen Hallen- Handball- Turnier. Tanzmusik Als Einlage: Hörbericht: Weltmeisterschaft im Eishockey. Königswusterhausen: 11.00 Deutscher See- Wetterbericht. 14.30 Plaudereien über den deutschen Rundfunk in Chicago( E. Sonderling). 15.00 R. Billinger: Aus eigenen Werken. 15.30 Tägl. Hauskonzert. 16.15 Die Kunststätten und Kunstschätze der Nation. 16.40 Aus München: Vesperkonzert. 17.40 Geschichte als Erlebnis. 18.20 Unbekannte Polonaisen von R. Schumann. 19.05 Worte zur Winterhilfe. 19.25 Junge Generation spricht. 20.00 Aus Leipzig: Weber- Lortzing- Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 See- Wetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa- Programm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf., durch alle„ Vorwärts" Boten oder die Postanstalten. Verantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbe wegung: J. Steiner; Feuilleton: Herbert 2epère; Lofales und Sonstiges: Fris Karstadt; Anzeigen: Otto Sengst: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstr 3. Bezugs bedingungen und Anzeigenpreise werden in ieder Morgen- Ausgabe des Vorwärts" veröffentlicht. Hierzu 1 Beilage. Staals Theater Sonnabend, den 25. Februar Staatsoper Unter den Linden 19 Uhr Der Rosenkavalier Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr Die endlose Straße VOLKSBUHNE Theater am Bülowplatz Täglich 8 Uhr DI Norden 6536 Die Sardinenfischer von Castonier. Regie: R, Zindler Luise Rainer, Karchow, Thau, Marlow Halden Stein, Horney. Almas, Dahlke CASINO- THEATER 814 Uhr. Lothringer Str. 37 8 Uhr Nur noch bis Sonntag, 5 März, auch Sonntag 4 Uhr: ., Der Fürst von Pappenheim" Ab 6. März: Die tolle Lola** 00 Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen eri. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister Die lustigen Weintraubs usw. Sonnabend und Sonning anch naam. 4 br zu kleinen Preis. Stettiner Sänger Reichshallen- Th., Dönhoffpl. 8.15, Sonntags 3.30zu ermäßigten Preisen Das große Februarprogramm: ,, Karneval" Homöopathie Münzstr. 9 Gutschein 1-4 Personen: Parkett 0,60 Behandig. 1 Mark Loser 10-3, 4-7.5bd.b. 5 Fauteuil 0,75, Sessel 1,25 Ieuere u. Nerveal. HAUS VATERLAND Da KURFURST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Inserate im Vorwärts bringen Erfolg! Städt. Oper Schiller Charlottenburg Fraunhofer 0231 Sonnabend, 25. Feb 20 Uhr Turnus III Bismarckstr.( Knie) Steinpl.( C1) 6715 Täglich 84 Uhi Louis Graveure singt in Der fliegende LaVallière" Holländer Friedrich, Zador, Rode, Baumann, Preise 1 bis 6 M Theater Kurfürstend.- Tu. Das Theater ohne Bon- Wirtschaft Kurfürstendamm 209 Bism. 1400 84 Uhr Glückliche Reise Operette von Künneke Burgwinkel, Ludwig Komödienhaus Preise von 0.60 bis Dirigent: Stiedry Schiffbauerdamm 25 Deutsches Theater Tel. D2 Weid. 6304-05 Täglich 81 Uhr 6.- M. Achtung, Rose- Theater D2 Weidend. 5116 frisch gestrichen Große Frankfurter Straße 137 Mittwoch, 1. März 8 Uhr Erstaufführung Das große Welttheater von Hugo v. Hofmannsthal Regie: Max Reinhardt Carow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tel. D 2, 2174 Beginn 7% Ladentisch Trabrennen Rubleben gebraucht, ca. 5-6 m, zu kaufen gesucht. Preisangebote untar N. 281 an die Hanptexpedition des Vorwirtsc Sonntag, den 26. Februar nachmittags 1 Uhr Tel. Weichsel E7 3422 5.15, 8.30 Uhr Der Hasenfellhändler Ref BLUMENSTR Die GONTANEN ZAUBER größte Wasser Féerie der Welt- Kapelle ROHRBECK TELA DER UNZERSTÖRBARE NEUZEITL. FASERSTOFF B. B. B. 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Einer Zeit, die für viele die äußere Form dieses Traumes erfüllte, sich um die innere Gestaltung einer Ehe, einer Familie nicht viel fümmerte und, wenn durch Wirtschaftskrise oder Krankheit der Bater nicht mehr der Erhalter der Familie sein fonnte, es genau wie jezt getrost der Frau überließ, diese Pflicht zu übernehmen. Gute, alte Zeit? Ach nein! Nur durch die Not der Gegenwart perklärt; aber einst, als Gegenwart, für Millionen Mädchen und Frauen fast schlimmer als heute. Als die kapitalistische Wirtschaftsmeise sich nach dem Kriege von 1870/71 im Giltempo in Deutschland entwickelte, als die Maschine die Hausarbeit, die Industrie das Handwerk zu verdrängen be= gann, mußte die Familie in hrem ursprünglichen Zusammenhalt zerfallen. Flinke Finger brauchen die Maschinen, aber auf die gelernten, teuren Männerkräfte konnte immer mehr verzichtet werden. So wurden Frauen und Kinder in die Fabriken geholt für geringen Lohn; die Waren mußten billig sein, denn der deutsche Kapitalismus wollte den Weltmarkt erobern. Je mehr Kinder in der Familie waren, um so meniger reichte der Verdienst des Vaters aus, alle fatt zu machen und um so notwendiger mußte die Mutter. mitarbeiten. War aber nicht ihre natürliche Aufgabe, das Haus zu hüten, es dem Mann behaglich zu machen, die Kinder zu pflegen und zu erziehen und der gute Geist der Familie zu sein? Das war für die anderen. Die proletarische Mutter hatte zuerst die billige Arbeit für den tapitalistischen Unternehmer zu liefern, damit er tonfurrieren. verdienen und sein bürgerliches Familienideal aufrechterhalten fonnte. Haushalt, Mann, Kinder mußten auch versorgt Frau wirtschaftlich selbständig wurde und zur Erhaltung der Familie beitragen mußte. Dadurch murde die Ehe gemiß nicht schlechter, sondern beffer in gegenseitiger Achtung und gemeinsamem Streben. Mit der immer meiteren Ausdehnung des Kapitalismus murden immer breitere Volksschichten in diese gesellschaftliche Umformung hineingezogen. Der Weltkrieg, mit seiner fast restlosen Erfassung der Frauenarbeitskraft zur Aufrechterhaltung des deutschen Wirtschaftslebens hätte eigentlich der Abschluß dieser Entwicklung sein müssen. Frauen, die alle Männerarbeit selbständig verrichtet die ganze Verantwortung für Haushalt und Kinder, die öffentliche Lasten getragen hatten, durften auch in der Ehe, in der Familie nicht mehr Abhängige, Untergeordnete sein. Und die Kinder, die kleinen tapferen Kameraben ihrer Mütter in dem täglichen Kampf um die rationierten Nahrungsmittel, aber auch in seelischen Nöten, durfte über sie je= mals wieder der Autoritätsgeist, das blinde Gehorchenmüssen der Vorkriegszeit herrschen? Diese blinde Autoritätsherrschaft war im Felde und damit im Staate zerbrochen; mußte nicht auch für die Familie, die kleinste Zelle des Staates, die Konsequenz aus der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung ge30gen werden? Das hätte der Vernunft aber auch einem flaren, sauberen Gefühl entsprochen. Und doch kam es anders Vergangenheit, Herrschsucht, verjchwommene Gefühle, himmelblaue Sehnsucht waren stärkere Kräfte. So, schwer fann eine neue Zeit sich gestalten, wenn so viele Menschen in die Bergangenheit anstatt in die Zukunft streben. Bir durchleben die größte Krise der tapitalistischen Wirtschaftsordnung. Ueberreichtum, volle Warenlager, volle Kohlenhalden, Bernichtung von Lebensmitteln, um die Preise nicht sinten zu lassen, auf der einen Seite und auf der anderen Hunger, Frost, Not, die zum Himmel schreit. Hände und Hirne von fast 8 Millionen Menschen allein in Deutschland müssen feiern, weil der Kapitalismus ihnen keine Arbeit geben kann. Weil dieses Wirtschaftssystem unfähig ist, die hergestellten Güter so zu verteilen, daß die 8 Millionen mit ihren Angehörigen ihre einfachsten Lebensbedürfnisse befriedigen können. Menschen hassen sich. meil sie in engstem Raum miteinander leben, hungern, frieren müssen, weil keiner dem anderen aus dem Wege gehen fann. Liebe verwandelt sich in Haß, weil einer um den anderen leidet und feiner dem anderen helfen kann. Ja, wenn alle Arbeit haben, morgens fortgehen, abends wiederkommen, dann erträgt sich die Enge der einen Stube und Küche. Aber wenn zwei oder vier oder sechs Menschen den ganzen Tag miteinander hausen sollen, dann wird der enge Raum unerträglich, dann fann schließlich einer den anderen kaum noch sehen. Mütter flagen über Kinder, die ihre Arbeitslosigkeit auf die Straße treibt, Frauen über mürrische, grobe Männer, und Männer über verbitterte, zankende Frauen. Die Kinder verfluchen die Zeit, in der sie leben; sie versuchen sich zu rächen auf ihre Weise. Das ist das Familienschicksal Millionen Arbeitsloser. So hat der Kapitalismus die Familie zerstört. Und da kommen die Nazis und erzählen den verzweifelten Menschen daß das alte Familienideal wieder hergestellt werden müsse. Der Mann Oberhaupt und Verdiener der Familie, die Frau Wirtschafterin im Hause und Erzieherin der Kinder zu Gehorsam und Untertänigkeit Die Kinder aufblickend zu dem Oberhaupt Aber eine neue wirtschaftliche Ordnung an Stelle der kapitalistischen Unordnung wollen sie nicht! Der Besiz soll heilig bleiben; der Reiche soll werden, aber hinterher und so gut es eben ging. Aus dem Preisausschreiben des ,, Vorwärts" Das Familien leben ging oor die Hunde. Als die Sozialdemokratie im Jahre 1891 bei der Reform der Gewerbeordnung im Reichstag den elfftündigen Arbeitstag für Fabritarbeiterinnen und etwas mehr Gesundheitsschuß für Frauen und Jugendliche durchfegen konnte, wurde das Leben der erwerbstätigen Frauen und Mütter ein wenig leichter; wie schwer es aber auch noch bei 8- und 9ftündiger Arbeitszeit ist, weiß jede, die es dura, machen muß. Je mehr der Kapitalismus wuchs, je schärfer im Spiel der freien Kräfte" der Konkurrenztampf der Industrie und des Handels im eigenen Lande und auf dem Weltmarkt wurde, u'm so unbeständiger wurde die Existenzgrundlage der Arbeitnehmer und ihrer Familie Die Wirtschaftskrisen mit Arbeitsmangel, Lohndrud, Abwehrstreifs der Gewertschaften, Aussperrungen der Unternehmer folgten in immer fürzeren Zwischenräumen. Arbeitslosenunterstützung durch Bersicherung, Staat oder Gemeinde gab es bis November 1918 nicht. Nur die organisierten Arbeitnehmer hatten sich in ihren Gemertschaften Selbstversicherungen ge= schaffen, die in solchen Zeiten über die schlimmste Not meghalfen und im übrigen mußte die Frau durch Heim oder Betriebsarbeit den Familienunterhalt verdienen genau mie heute. Die Frauenerwerbsarbeit stieg unaufhaltsam. Waren es 1895 noch nicht ganz sechs Millionen Frauen und Mädchen, die in Deutschland ihr Brot selbst verdienen mußten. so waren es 12 Jahre später, 1907, schon fast neun Millionen und 1925 mar ihre Zahl auf 11,5 Millionen gemachsen, von denen 4,5 Millionen verheiratet oder verheiratet gewesen waren Für diese 4,5 Millionen hatte sich also das alte Familienideal des schützenden Heims nicht erfüllt. Und für die vielen Millionen, die mitverdienen müssen durch Heimarbeit aller Art oder durch Mitarbeit im fremden Haushalt und die in den obigen 4,5 Millionen eingerechnet sind, auch nicht. und durch Daß mit dieser Zunahme der Frauenerwerbsarbeit bie Geburtenzahl fiel, ist für jeden Menschen eine Selbstverständlichkeit, der an der ungeheuren Belastung der Frau durch Berufs= arbeit, Hausfrau- und Muttersein nicht gedankenlos vorübergeht. Hier Ausgleich und Möglichkeiten zu schaffen durch Schwangeren Wöchnerinnenunterstützung, weitgehenden Schutz von Mutter und Kind, ist die Arbeit der Sozialdemokratie in der Gefeßgebung gewefen und der Erfolg auf diesen Gebieten ist ihr zu danken. Wenn sie einen Abbau durch die reaktionären Regierungen der letzten Bahre nicht hindern konnte, so liegt viel Schuld bei den Frauen, die bürgerliche Parteien in ben Reichstag und damit in die Macht wählten. • Natürlich wandelten sich unter diesen wirtschaftfichen Verhältnissen die inreren Bedingungen der Ehe. Das alte Abhängigkeitsverhältnis der Frau nom Manne foderte sich in dem Maße, mie die SONNABEND, 25. FEBRUAR 1933 herrschen über den Armen. Die Frauen sollen von den Arbeitsstellen entfernt werden. Dabei müssen Millionen Frauen arbeiten, meil die Männer feine Arbeit haben; müssen 2 Millionen Mädchen arbeiten, für die keine Männer vorhanden sind, meil der Krieg sie totschlug. So vergrößern die Nazis den gegenseitigen Haß, der aus der Not ermächst; treiben sie Menschen gegeneinander, die eine geschlossene Gemeinschaft zum Aufbau einer neuen, gerechteren Wirtschafts ordnung seir sollten. Der alte Autoritätsgeist soll neu erwachen in Familie, Staat und Wirtschaft. Blinder Gehorsam in Haus, Betrieb und Staat; lebermenschen und Untermenschen. Unser Ideal ist der freie Mensch, dessen Berantwortlichkeitsgefühl gegen alle die Grenzen jeines Handelns beftimmt. Die Familien gemeinschaft aus der alle guten Kräften ihrer Mitglieder erwachsen, um sie in den Dienst des Ganzen 31: stellen. Die Mutter, die in stolzer Freude, ohne die drückende Sorge um Raum und Nahrung, ihr Kind empfängt und zum Lichte trägt. Es erzieht in Frohsinn und Ernst zu einem Glied menschlicher Gemeinschaft, deren Wohl ihm oberstes Gesetz ist. Der Vater, der Kamerad feiner Frau und feiner Kinder, Kampfgenosse seiner Klasse ist. Menschen, in denen die hohe Freude an ihrer Arbeit lebt, weil sie wissen, daß sie mit jeder Verrichtung dem Kulturfortschritt der Menschheit dienen. Das alte Familienideal des Verjorgtseins in der Ehe hat der Kapitalismus gründlich zerstört. Die neue Familiengemeinschaft wächst auf dem Wege zum Sozialismus, kann sich erst zu ihrem flaren, hellen Glüd entfalten in der sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. In dem Schaffen aller für alle liegt die neue Zukunft. die Arbeit und Brot für alle gibt. 2lle, die ersehnen, alle, die verzweifeln wollen unter den drüdenden wirtschaftlichen und seelischen Lasten der Gegenwart, sollen sich der Sozialdemokratischen Partei einreihen und mit uns für die neue, die glüdliche Zeit kämpfen. Mädchen Frauen Mütter! Geht nicht den Irrweg zurück in die Nacht der Vergangenheit, steigt mit uns auf zu einem neuen Tag! Clara Bohm- Schuch. Zwei Mädchen von uns " P Greifen wir hinein in die Mappe, die die Einsendungen zum Preisausschreiben des Vorwärts" enthält, so finden wir genug Beispiele, die die Ausführungen der Genossin Klara Bohm- Schuch bestätigen. Für heute mögen zwei Arbeiten genügen, die einen Preis von je 50 M. erhielten, weil sie erschütternde Dokumente für die Not der Arbeiterfamilie und den dornenvollen Weg der weiblichen Angestellten im kapitalistischen System sind. Ein Kriegskind Ich erblickte am 13. Ottober 1914 als 5. Kind einer armen Proletarierfamilie dos Licht der Welt. An meiner Wiege schien die Sorge und der Hunger Bate gestanden zu haben, denn aus lauter Sorge und Hunger bestand meine Kindheit. Da meine Geburt leider in die Jahre des großen Krieges fiel, lernte ich meinen Water erst nach Beendigung des Krieges fennen. Meine Mutter fannte ich nur als von Sorge um uns fünf Kinder gebeugte Frau, die uns durch Zeitungsaustragen fümmerlich durchs Leben brachte. Während meine Mutter aus dem Hause war, waren mir kinder uns selbst über lassen. Da waren wir abends unsauber, so daß meine Mutter abends mit uns fünf Rangen ihre liebe Not hatte. Aber sie versorgte uns trotz der schweren Tagesarbeit mit sehr viel Liebe. 1918. Das große Morden ist aus und ich lerne zum ersten Male meinen Bater lennen. Aber nicht als gefunden Menschen, sondern als Krüppel Er der als gesunder Mensch hinaus30g, fehrte als tranfer und verbitterter Mensch heim, unter dessen Launen mir schwer zu leiden hatten. Dann famen meine Schuljahre, in denen ich wegen meines Namens von den Kameradinnen gehänselt wurde, was ich mit Prügel erwiderte, so daß ich bald als frech verschrien war, obgleich es fich nur um Notwehr handelte. In der Zeit der Geldentwertung verlor meine Mutter ihre inzwischen auf der Boft erhaltene Stellung und meinem Vater wurde die Rente ge= nommen Wir standen vor dem Nichts, so daß wir die Wohlfahrt in Anspruch nehmen mußten, die uns wöchentlich 100 Milliarden bemilligte, wofür wir am nächsten Tage ein Pfund Salz bekamen. Diesen Saz erhöhte man uns trog aller Klagen mdt, so baß mir vollständig dem Verhungern preisgegeben gewesen wären, wenn uns mitleidige Nachbarn nicht zu essen gegeben hätten. Später wurde es besser. Meine Mutter und mein Bruder hatten jetzt wieder Arbeit bekommen und es fam wieder Brot ins Haus. So verlevte ich meine letzten Schuljahre in etmas rofigerem Lichte als meine älteren Geschwister. Ich hatte inzwischen Anschluß an die Kinderfreunde gefunden und machte viele munderschöne Fahrten mit diesen zusammen. Dann kam meine Jugend weihe, die einen feierlichen Augenblick in meinem Leben bedeutete. In einer größeren Firma wurde ich als Tippmamsell ausgebildet. Zum erstenmal brachte ich etwas Geld nach Hause, worüber ich mich sehr freute. Die Lehrzeit wurde durch den Tot meines Bruders unterbrochen, der bei den Unruhen am 1. Mai in Neukölln bei einer Durchfahrt mit dem Rade erschossen wurde. Bis jetzt habe ich noch Beschäftigung. Aber vielleicht merde auch ich in das große Heer der Arbeitslosen eingereiht werden. H. Maschlock. Vor dem Kriege geboren Wir waren sieben Kinder. Vater verdiente die Woche zwanzig Mart. Das reichte nun natürlich nicht aus, um uns alle zu ernähren und alles andere davon zu bestreiten. Ich mar die älteste und sehr schwächlich. Einen Beruf konnte ich nicht anfangen. Ich mußte noch ein paar Jahre zu Haus bleiben und den Haushalt führen. Ich war 14 Jahre alt. Meine Geschwister waren alle viel jünger. Meine Mutter ist waschen gegangen, den ganzen Tag. Sie war dann abends so abgespannt, daß sie nichts essen fonnte. Die Stullen, die sie bekam, hob sie für uns auf, die haben wir abends gegessen. Vater wurde eines Tages arbeitslos. O meh! Unterstützung gab es teine. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis er wieder Arbeit belam. Nun habe ich mir Stellen gesucht. Id; habe Zeitungen ausgetragen und Frühstü d. Von dem Bäcker bekam ich dafür eine große Tüte Gebäck und jeden Tag 50 Pf. Nur den Mut nicht sinken lassen, dachte ich, es wird auch mal für uns eine bessere Zeit kommen. Aber was geschah da eines Tages? Mobil: magung Krieg. Meinen Vater haben sic genommen und einen Bruder. Sie mußten meg. Mutter betam num den ganzen Monat 40 Mart. Da ging es uns aber sehr traurig! Nun hatten wir erst menig zu effen und bald gar nichts mehr. Das schwarze Brot auf Marken. Alles auf Marfen. Margarine, Marmelade und fo meiter, mir maren alle fo unterernährt, daß wir es heute noch spüren. So ging es mun nicht weiter. Ich mußte Arbeit suchen. Bei Stock, Marienfelde, konnte ich anfangen als Munitionsarbeiterin Habe die Mordinstrumente herstellen miffen: Munen gedreht, Minen ausgeteffelt. Wie schmer wur diese Arbeit von früh morgens 6 1hr bis abends 6 Uhr oder umgekehrt in zwei Schichten, und Hunger und nicht fattessen! Ich mußte diese schmere Arbeit aufgeben, da ich törperlich vollständig heruntergekommen mar. Habe in einer Bulverfabrik angefangen und bin vom Regen in die Traufe geraten. Sprengkapseln für Handgranaten mußte ich machen und mar Don den Menschen ganz abgeschlossen. Mein ganzes Geficht, die Hände waren quittegelb von dem Pitrin. Alles was ich aß, schmeckte gallebitter. Mein Arbeitsplatz war mit einem großen runden Gitter ummgeben. Einer durfte den anderen nicht sehen. Ein dicker Läufer lag. Den Pitrin mußten wir auf Millimeter in die Sprengfapfel brehen. Runter fallen durften sie nicht, sonst wären mir in die Luft gegangen. Nun, Kopf hoch! Auch diese Zeit geht vorüber. Bater fam auf Urlaub. Mit ihm die Depesche, daß mein Bruder in Frankreich gefallen ist. Ein furchtbarer Tag. Schluß mit dem Krieg. Schluß mit den Mordinstrumenten. Eine neue Zeit fing an. Freiheit und vorwärts. Aber wie sieht es heute aus? Vater und 3 mei Brüder schon seit Jahren arbeits= los. Auch ich bin arbeitslos. Ein Abenteuer, das ich vor vier Jahren erlebte, hat mich sehr erschreckt. Als ich von der Gewerfschaftsversammlung nach Hause ging, war es 12 hr nachts. Ich wohnte Marienhöhe, am Bahnhof Mariendorf alles einsam Dort angekommen, lief plöglich vor mir ein großer, stattlicher Herr. Mir wurde unheimlich Ich merkte, er bleibt immer stehen. Ich will den Weg abkürzen und laufe den Durchgang durch, der durch ein Stückchen Feldmeg geht. Dachte mich badurch zu verstecken. Doch mit einemmal hielt mich der Mann am Arm. Er faßte in seine Hosentasche. Was er herausholte, sah ich nicht. Er packte mich mit belden Händen am Hals, drückte zu, daß ich fast keine Luft mehr bekam und riß mir die Sachen vom Leibe. Der Schweiß rann mir nur so. Plötzlich ließ er mich los und rannie davon. Ich war vollständig erschöpft. Mit einem Male stand ein Bahnwärter vor mir, der zmei große Blendlaternen bei fich hatte. Er era barinte sich meiner und führte mich nach Hause. Was ber frembe Mann im Schilde. hatte, weiß ich nicht. Mein ganzes Leben ist ein Trauerspiel. Aber ich laffe den Stopf nicht hängen. Freiheit und pormärts in eine beffere 3eit! Else Poppe. Der Sport des Sonntags Arbeitervereine laden zu Hallenveranstaltungen ein Werbeveranstaltung des Arbeiter- Sportvereins Neukölln. Am Sonntag, um 15 Uhr, tritt der ASB. mit allen Abteilungen in der Turnhalle am Herzbergplatz an. In abwechslungsreicher Folge soll die moderne Körperschule des Arbeitersports demonstriert werden. Beginnend mit dem Turnen der Knaben und Mädchen und endend mit den Leibesübungen der ältesten, meiblichen und männlichen Mitgliedern des Vereins rollt das zweistündige Sportprogramm ab. Zur Unfostendeckung werden 10 Pf. erhoben. Kinder in Begleitung Erwachsener frei. Werbeturnen der Freien Sportvereinigung Bankow. Unermüdlich sind die Arbeitersportler in ihrer Berbetätigkeit. Sie bei ihrer Arbeit zu sehen bietet sich Gelegenheit am Sonntag von 15 bis 18 Uhr in der Turnhalle der Mittelschule, Eingang Neue Schönholzer Straße. Unkostenbeitrag 15 Pf. Altersriegen, Turner und Sportier. 1. Kreis Sonntag, 26. Februar, ab 9.30 Uhr Fauftballgesellschaftsspiele auf dem Blah Sommerstraße in Hohenschönhausen bei gutem Wetter, das ein Spielen zuläßt. Fahrt mit der Straßenbahn 64. Spielgeräte mitbringen. Ringen und Heben. Im Moabiter Schützenhaus, Blögensee, Rordufer 28, peranstaltet am Sonntag der 4. Kreis des Arbeiter- Athletenbundes einen Juniorenwettstreit im Ringen und Heben. An der Scheibenstange werden neben der großen Schar talentvoller Nachwuchsheber Mitglieder der Bundesmeisterstaffel Lichtenberg- Friedrichsfelde 04 sich vor dem Endkampf um die diesjährige Meisterschaft einer scharfen Punttabnahme unterziehen. Auf der Ringermatte tritt die große Schar der kommenden Beherrscher der Matte an. In allen Klassen senden die Kreisvereine ihre besten Rämpfer an den Start, so daß mit schönen Rämpfen zu rechnen ist. Beginn des Wettstreits 10 Uhr vormittags. Vom Geräteturnen Lichtenberg schlägt Wedding502: 493 Daß es auch in der B- Klasse der Frauen bei den Geräteturnwetttämpfen der Arbeiterturner zu schönen Kämpfen fommen tann, bemies der Kampf zwischen dem Volkssport Bedding und dem Bezirk Lichtenberg der Freien Turnerschaft Groß Berlin. Und das muß gesagt werden, beide Mannschaften fämpften, als ginge es um die Weltmeisterschaft. Wenn auch den Webbingern in manchen Dingen noch die Erfahrungen fehlen, so machten sie den Lichtenbergern den Sieg, der übrigens nur sehr knapp ausfiel, nicht leicht. Am ersten Gerät, dem Barren, gingen die Lichtenberger mit 161 zu 159 Punkten in Füh rung. Am Pferd sah es erst aus, als sollten die Weddinger den Inappen Vorsprung aufholen, aber Lichtenberg siegte auch hier mit 154 zu 149 Bunften. Mit nur drei Punkten Vorsprung sicherte sich Lichtenberg auch am Reck mit 156 zu 153 die weitere Führung. Nur in der Gymnastik holte Wedding einen Punkt auf. Im Gesamtergebnis blieben die Lichtenberger schließlich mit 502 zu 493 Punkten Sieger. Heute turnen die Männer- B- KlassenMannschaften des Sportvereins Moabit und des Bezirks Süden der Freien Turnerschaft GroßBerlin in der Halle Waldenserstraße 20/21 um 19,30 Uhr. Nur Arbeitereigentum! Unsere Turnerheime zerstört Feinde der Arbeitersportbewegung haben das Heim des Arbeiterturnvereins„ Vorwärts", Ra= guhn( Anhalt), nachts erbrochen, die eisernen Schränke, Vereinsmobilar und Turngeräte vernichtet, mit leicht brennbarer Flüssigkeit begossen und angezündet. Gegen 4 Uhr früh stand das Haus im Nu in Flammen. Sportgeräte sind von den Bandalen in die, nahe Mulde ge= worfen worden. Die Raguhner Arbeiterschaft ist empört über das Verbrechen. leber den Erfolg der polizeilichen Ermittlungen war nichts zu er jahren. Die in Raguhn und Umgebung erscheinende Nazizeitung behauptete, die Brandstiftung sei von der Arbeiterschaft selbst erfolgt! Am 19. Februar marschierten in Oberroden ( Hessen) mehrere Hundert uniformierte S.- Leute auf und unternahmen einen Angriff auf das Heim der Freien Turnerschaft. Sie schlugen alles furz und klein. Zur Ersteigung des Heimes benutzten die SA.- Leute zum Teil Leitern. Fünf Personen wurden durch die Angreifer verlegt, darunter eine schwer. Ein neues Buch Die Verlagsanstalt Otto Bedmann, Leipzig, Salomonstr. 25 b, hat ein Sportlegiton herausgebracht, das weitgehenden Ansprüchen genügt. Auf 2500 Seiten ist alles an Begriffen und Namen zusammengetragen, was irgendwie mit dem Sport zusammenhängt, und sei es auch Am Sonnabend: In der Traininghalle des Kraftturnvereins Sparta in Neukölln, Elbestraße 11/12, stehen sich am Sonnabend, 19,30 Uhr, die Ringerstaffeln von Zegel und Sparta m Schlußringen um die Meisterschaft im Mannschaftsringen des 4. Kreises im Arbeiter- Athletenbund gegenüber. Werbeborkämpfe. Montag, 27. Februar, 20 Uhr, bringt die Borabteilung des Arbeitervereins ,, Atlas" in der Turnhalle Bromberger Straße 14 Werbeborkämpfe. Arbeiter- Hockey fällt aus! Alle für morgigen Sonntag angesetzten Hockeyspiele der Arbeitersportler fallen wegen der ungünftigen Bodenverhältnisse aus. Vereinswettkampf Hellas- Berlin 12. Die Berliner Arbeiter- Schwimmvereine ASV. Hellas, am Wedding ansässig, und der Stegliz- Lichterfelder Verein Freie Schimmer Berlin 12 haben für den kommenden Sonnabend in der fleinen Schwimmhalle des Stadtbades in der Gerichtstraße einen Vergleichswettkampf im Staffelschwimmen und Wasserballspiel mit Bs und C- Klasse- Schwimmern vereinbart. In der Zeit von 20.30 bis 22 1hr werden die Bereine folgende Konkurrenzen austragen: Eine Bruststaffel über 15 X 40 Meter, eine Lagenstaffel über 12 X 40 Meter, eine Kraulstaffel über 12 X 40 Meter, ein Jugendwasserball. spiel und schließlich ein Wasserballspiel der ersten Mannschaft von Berlin 12 gegen die zweite Mannschaft von Hellas. Eintrittspreise 10 Pf. für Erwerbslose und 30 Pf. für Bollarbeiter. Arbeiter- Wasserball- Borschau. In der Spizenklasse des Berlin- Brandenburger Kreises werden die Serienspiele in dieser Woche wieder mit zwei Spielpaarungen gefördert. Am Sonnabend spielt in der losesten Form. Alle Sportarten sind ihrem Wesen und ihrem Zweck nach beschrieben, man findet alle Sportorganisationen nach Zusammen segung und Form verzeichnet, auch die Arbeitersportverbände und Spizenorganisationen. Wo das Lerikon nicht erschöpfende Auskunft gibt beispielsweise findet man selten Angaben über das Alter bekannter Sportler und Sportlerinnen ermöglicht es doch ein Weiterforschen. In einem Anhang sind die neuesten Weltreforde aller Sportarten, auch der maschinensportlichen, und die Charlottenburg um 21 Uhr gegen Lichtenberg und wird voraussichtlich einen sicheren Erfolg landen. Am Sonntag fommt ein Spiel zum Austrag, für das sich eine Voraussage schwer treffen läßt. Die zweite Mannschaft Charlottenburgs hat die Sieben der Freien Schwimmer Potsdam zum Gegner. Beide Mannschaften spielen noch nicht lange in der A- Klasse, haben aber bisher ein gutes Können gezeigt. Das Ende des Kampfes dürfte knapp sein. Beginn des Spiels ist 19 Uhr. Internationales Hallenturnier im Sportpalast. Ein internationales Hallenturnier wird am Sonntag um 19 Uhr, im Berliner Sportpalast vor sich gehen. Veranstalter ist der Verband Brandenburgischer Athletikvereine. Es spielen 1.: Städte= mannschaft Stockholm- Deutscher( Militär) Sportverein. 2.: Städtemannschaft Kopenhagen- Ber=" liner Sportverein 1892. 3.: Sportverein GreifStettin- Polizei- Sportverein. 4.: Wiener AthletikSportklub- Deutscher Handballklub. Ein fast vergeffener Sportzweig. Am Sonntag um 20 Uhr veranstaltet der Berliner Rollschuhklub ,, Besten" in der Sporthalle Wilmersdorf, Brandenburgische Straße 53, sein 2. großes Rollschuhturnier. Ferner erscheint am Start Gerda Herold- Remscheid, die in überlegener Form 1932 die deutsche Meisterschaft im Einzelkunstlauf für Damen gewann. Seine Bollendung erhält dieses Programm durch die Mitwirkung von Leni Haas und Pfister- Nürnberg, den langjährigen deutschen Meistern im Paarlaufen. Wintertrabrennen zu Ruhieben. Die Ruhlebener Wintertampagne nähert sich ihrem Ende, denn am Sonntag wird bereits der vorlegte Renntag abgehalten. Die wertvollste Nummer ist das Kätchen- D.- Rennen, eine über 2000 Meter führende internationale Prüfung, die durch ihre zahlreiche und qualitätvolle Besetzung zu einem interessanten Rennen werden dürfte. Beginn der Rennen um 13 Uhr. Höchstleistungen der internationalen Arbeitersportler verzeichnet. Das Legikon kostet in Leinen gebunden 8,75 M., es ist mit Fug und Recht allen Einzelpersonen, Vereinen und Verbänden zu empfehlen. Der Pharus- Pilot", die neue Autokarte für Groß- Berlin, ist soeben als Spezialfarte für Automobilisten, Motorradfahrer und Radfahrer erschienen. Die neu festgelegten Fernverkehrsstraßen, die Umgehungsstraßen und Einbahnstraßen sind durch besondere Farben herausgehoben. Auch die Sozialdemokraten sittlich ungeeignet Wie es in der Vorkriegszeit war Ein alter Arbeitersportler gibt hier in einer Artikelfolge seine Erinnerungen an die Borfriegszeit zum besten. Er zeigt, wie von den damaligen Machthabern das Arbeiterfurnen bedrängt, gehindert, verboten wurde. Eine Spezialität des aften wilhelminischen Breußen war die Bevormunbung der Jugend. In seinem alten Vereinsgesetz hatte es Bestim mungen, wonach Jugendliche und Frauen weder an politischen Bereinen teilnehmen, noch polifische Bersammlungen besuchen durften. Die polljährigen Frauen durften später in einem besonderen Segment" den politischen Versammlungen als Zuhörerinnen beimohnen. Lehrlinge bis zu 18 Jahren aber blieben ganz ausgeschlossen. Auch in das spätere Reichsvereinsgefeß, das die Landesgeseze aufhob, wurden politische Ausnahmebestimmungen gegen die Jugend aufgenommen. Unter diesen Ausnahmebestimmungen hatten besonders die Arbeitersportvereine zu leiden. Mit heißem Bemühen versuchte die Reaktion, ihnen die Jugend abzujagen. Um das zu fönnen, erklärte man sie einfach für politisch, ihre Turnabende zu politischen Versammlun gen und außerdem fchidte man bewaffnete Polizei zur Ueberwachung dieser politischen Bersammlungen" auf die Turnfäle. Selbstverständlich wurden den Vereinen die Schulturnhallen abgetrieben und selbst gegen den Willen der Stadtverwaltungen entzogen. In den Lehrverträgen wurden Bestimmungen aufgenommen, wonach den Lehrlingen verboten mar, in den ArbeiterturnDer= einen die Hebungsstunden zu besuchen. Bald reichten auch die Bestimmungen des Bereinsgefeges nicht mehr aus, um das Ziel der Arbeitersportvereine zu erreichen. Da grib man alte Verordnungen aus der vormärzlichen Zeit bes Absolutismus aus, barunter jene ,, Robinettsorder", die auch jetzt wieder zum Verbot der AdolfRoch- Schule angewendet worden ist. In einem Grlaß des Kultusministers in Sachen des sozialdemokratischen Redakteurs und Turnlehrers Eduard Adler- kiel befand sich folgende hübsche Stelle: ... Daß Adler aber diesen Nachweis der fittlichen Tüchtigkeit für Unterricht und Erziehung genügend erbringen könnte, dürfte wie sich dahin auch der Minister ausgesprochen hat ausgeschlossen sein. Das ergibt ' jich, abgesehen von seiner Bestrafung wegen Beleidigung der Marine durch die Presse, schon allein aus seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei, deren Ziele den Aufgaben des Schulunterrichts, die Kinder zu Achtung und Ehrfurcht vor den Gefetzen, zur Gottesfurcht und Baterlandsliebe und Königstreue zu erziehen, gerade entgegengeseht find. Jst hiernach jedes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei zur Erfeilung von Unterricht an jugendlichen Personen ungeeignet und ihm die filtliche Tüchtigkeit für Unterricht und Erziehung abzusprechen, so ist dies bei Adler, der in der sozialdemokratijchen Bewegung eine führende Stellung einnimmt und im Kampf gegen die Grundlagen des Staatswesens in den vordersten Reihen steht, noch in verstärktem Maße der Fall. Wir ersuchen daher das Königliche Schulsifitatorium, die Ortsschulbehörde anzuweisen, dem Adler jede Erteilung von Turuunterricht an jugendliche Personen zu verbieten und uns von jeder Uebertretung eines solchen Berbotes ungefäumt Anzeige zu erstatten, damit wir die Durchführung des Verbotes mit den uns gegebenen Mitteln erzwingen fönnen. In allen anderen Fällen, wo Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Turnunterricht au jugendliche Personen erteilen oder erteilen wollen, ersuchen wir entsprechend zu verfahren..." Das war altpreußische Reaktion in Reinfultur. Gp möchte man es wieder haben. Wer das nicht mill, der weiß, was er zu tun hat: er wählt am 5. März nur Liste 2, Sozialdemokraten! Rebenstraßen sind in dem Stadtplan jämtlich enthalten. Ein Straßenverzeichnis auf der Rückseite des Planes, ein Auszug aus den Kraftverfehrebestimmungen, ein Adressenverzeichnis der verschiedenen Klubs sowie sonstige für den Automobilisten wichtige Adressen vervollständigen die Karte. Ferner ist eine Uebersichtskarte der weiteren Umgebung von Groß- Berlin mit den Ausfallstraßen in die Provinz wiedergegeben. Preis der Karte 90 Pf. Arbeitersportler im Ausland im Nach vielen Bemühungen ist es gelungen, dea geplanten Vierländer Wettkampf Geräteturnen am 12. März in Prag durchzu führen. An diesem Kampf sind die Schweiz, die Tschechoslowakei, Prag und Außig, und Deutschland beteiligt. Zu einem Gerätemettkampf treffen sich am 13. März in Leipzig die besten Arbeiterturner der Schweiz und von Deutschland. Reichsbanner- Platzkonzert Am Sonntag, dem 26. Februar, mittags 1 Uhr, veranstaltet das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Ortsverein Berlin Wedding, auf dem Leopold play ein Plazkonzert. Anschließend findet ein Aufmarsch der Eisernen Front" auf dem Wedding statt. Naturfreundearbeit Der Jahresbericht vor der Mitgliedschaft In einer gut besuchten Generalversammlung nahmen die Mitglieder des Touristenvereins„ Die Naturfreunde" zur letztjährigen Arbeit Stellung. Nach dem Geschäftsbericht des Vorfizzenden Mas pfuhl zählte man neben 15 großen öffentlichen Veranstaltungen 1050 Wanderungen, 455 Vorträge, 180 Sportabende und 1067 Heimabende und sonstige Zusammenkünfte mit zusammen 61 242 Teilnehmern. Sehr wertvol! waren Ausstellungen der Photofreunde und Naturkundler. Die Tätigkeit der Führersektion, der Faltbootsportler und der Wintersportler hat fich gleichfalls erhöht. Der Besuch der Heime war nach wie vor gut. Ferienheim und Gelände am ledersee jahen 1932 allein 25 110 Besucher, das Landheim Meißnershof bei Hennigsdorf 6705 und das Vereinsgelände am Heide= see bei Gräbendorf 5314. Bei der Beratung der Anträge murde vor allem ein scharfer Brotest gegen das Berbot der Adolf Koch- Schule sowie die Schließung und Demolierung von Arbeiterheimen einstimmig angenommen. Ebenso wurde einer Entschließung zugestimmt, die entschieden gegen alle Spielarten militärischer Jugendertüchtigung und gegen die Arbeitsdienstpflicht Stellung nimmt und dem„ Sozialen Dienst für Arbeitshilfe" für seine wirksame Erwerbs= losen Jugendhilfe Anerkennung und Förderung zuspricht. Der Vorstand wurde fast ganz in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Schwarzes Brett RWA., Zug Tegel. Mitgliederversammlung morgen, Sonntag, 18 Uhr, im Bootshaus. Touristenverein ,, Die Naturfreunde". Engerer Bildungsausschuß Freitag, 3. März, 20 Uhr, Geschäftsstelle. Theater der Woche vom 27. Februar bis 6. März Bolksbühne Theater am Bülowplag: Die Gardinenfischer. 5. 11% Uhr. Tanzmatinee: Palucca. Staatstheater Staatsoper Unter den Sinben: 26., 1. Tannhäuser. 27. La Traviata. 28. Der Troubadour. 2. Cofi fan tutte. 3. Die Zuberflöte. 4. Madame Butterfly. 5. Die Walfüre. 6. Othello. Städtische Oper: 27. Martha. 28. Der fliegende Holländer. 1. Tiefland. 2. Der Freischütz. 3. Salome. 4. Oberst Chabert. 5. Der fliegende Holländer. 6. Salome. Staatliches Schauspielhaus: 26., 27., 28., 4., 5., 6. Faust II. 1., 2., 3. Rosse. Schider- Theater: La Balliere. fie will! Theater mit festem Programm Kurfürstendamm- Theater: Glückliche Reise. Deutsches Theater: Ab 1. Das große Welttheater. Die Komödie: John Gabriel Borgmann. Deutsches Künstlertheater: Automatenbülfett. Komödienhaus: Achtung, frisch gestrichen! Metropol- Theater: Eine Frau, die weiß was Theater des Westens: Der Page des Königs. Romische Oper: Mein Friseur Großes Schauspielhaus: Ball im Savoy. Leffing- Theater: Der Ruß vor dem Spiegel. Zentral- Theater: Glüd unterm Dach. Kleines Die Tribüne: Damen auf Tage. Theater: Wer ist der Dümmste? Theater in der Behrenstraße: Fabian, der Elefant. Renaissance Theater: Mutter muß heiraten. Rose- Theater: Der Hafenfellhändler. Ab 3. Hurra ein Junge. CasinoTheater: Der Fürst von Pappenheim. Schauspielhaus Steglig: Bor Sonnenuntergang. Plaza: Die Faschingsfee. Ab 1. Der Zigeunerbaron. Stala, Wintergarten: Internationales Barieté." Reichshallen Theater: Stet tiner Sänger. Nachmittagsveranstaltungen Deutsches Künstlertheater: Mittwochs und Sonntags. Kampf der Tertia. Komische Oper: 26. Mein Friseur. Großes Schauspielhaus: 26., 5. Ball im Sapon. Cafino Theater: 26. Der Fürst von Pappenheim. Plaza: Die Faschingsfee. Ab 1. Der Zigeunerbaron. Stala: Internationales Batiete. Bintergarten: 26., 4., 5. Internationales Barieté. Reichshallen Theater: 26., 5. Stettiner Sänger. Erstaufführungen Rittmpch. Schauspielhaus: Roffe. Deut. 1es theater: Das große Melttheater. Freitag. Theater in der Ipfter ftrage: Uebermpegen. Sonnabenb. Stäbtische Oper: Oberft Chabert. TW