Abend- Ausgabe Nr. 98 B 41 50. Jahrg. Rebattion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher A7 Amt Dönhoff 292 bis 29T Telegrammabreffes Gostalbemotrat Berlin Vorwärt BERLINER VOLKSBLATT Wählt Liste Sozialdemokraten 2 MONTAG 27. Februar 1933 Jn Groß Berlin 10 Pf. Auswärts... 10 Pf. Bezugsbedingungen and Angetgenpreife febe Morgenausgabe Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Mordüberfall auf Löwenstein Uniformierte SA.- Leute dringen nachts in die Wohnung ein acht Schüsse ins Schlafzimmer Heute gegen 3,15 Uhr morgens wurde ein mörderischer Ueberfall auf die Wohnung des Reichstagsabgeordneten und Stadtrates Genossen Kurt Löwenstein in der Geygerstraße in Neukölln verübt. Zwei uniformierte SA.- Leute drangen gewaltsam in die im 4. Stock gelegene Wohnung ein, sie feuerten zehn Schüsse in das Schlafzimmer ab und zerstörten das Arbeitszimmer. Einer der beiden Verbrecher wurde vom Ueberfallkommando verhaftet. Die Polizei gibt den Namen des Verhafteten noch nicht bekannt. Genoffe Löwenstein gibt uns die folgende. Schilderung der Borgänge: Nachts gegen 3.15 Uhr wurden wir durch andauerndes Läuten an der Tür gemedt. Bir öffneten nicht, denn wir hörten, mie fofort heftige Schläge gegen die Tür erfolgten. Wir riefen das Ueberfallfonimando an und ver bárritadierten die Tür unferes Schlafzimmers. Troz aller Rufe um Hilfe rührte sich niemand im Hause und auf der Straße! Baffanten, die die Hilferufe hörten, riefen lachend: das ist ein hysterisches Weib, das feit einer halben Stunde um Hilfe schreit. Bahr jcheinlich arbeiteten diese Leute im Einverständnis mit den Angreifern in der Absicht, jede Störung des Angriffs zu verhindern. Die beiden Eindringlinge, die offenbar die Lage des Schlafzimmers gefannt haben, persuchten unn, ins Schlafzim mer einzudringen. Sie schossen mehr. fach durch die Tür, so daß im Schlafzimmer acht Kugeleinschläge sind. Mit wildem Gebrüll..Ihr Strolche tommt noch alle dran", schlugen sie immer wieder gegen die Schlafzimmertür. Einer der Eindringlinge ging ins Arbeitszimmer, zerschlug dort Bücher schränke und Bücherregale, Stühle und Beleuchtungskörper. Schließlich tam gemeinsam mit meinem Schwager das Ueberfallfommando an. Der eine der Eindringlinge lief die vier Treppen herunter, nachdem er seine Pistole unter den Treppenläufer im vierten Stod gestedt hatte. Er zeigte dem lleberfallfommando, wie fie durch die eingeschlagene Türfüllung gefrochen feien, troch wieder hindurch und schloß die Tür von innen auf. Er stellte sich, als ob er den anderen habe zurüdhalten wollen und sagte: Ich kann den Kerl nicht zurückhalten, der will den Löwenstein totmachen" Diefen Eindringling ließ das Ueberfalltommando laufen! Der andere wurde noch in der Wohnung festgenommen. Beide trugen SA.- Uniform! Die Eindringlinge haben die obere Füllung der Haustür zerschlagen und find dadurch ins Haus gelangt. Sie haben weiter die Türfüllung des Korridors eingetreten und sind durch die Lücke in die Wohnung hineingetrochen. Wer ist Dr. Löwenstein? Dr. Rurt 85 menftein und feine tapfere Frau find in der legten Nacht wie durch ein Bumber bem Tode entgangen. Wer ist dieser Dr. Löwenstein, und welche Schandtaten hat er auf dem Gewissen, daß er in der Nacht von politischen Gegnern in seiner Wohnung überfallen, belagert und mit dem Tode bedroht wird? Genoffe Dr. Löwenstein, Reichstagsabgeordneter und Stadtrat, steht im 48. Lebensjahr und ist von Beruf Pädagoge. Er steht an der Spitze der Bewegung der Kinderfreunde, die das junge Geschlecht zu geistiger Wehrhaftigkeit unter Ablehnung jeder rohen Gewalt erzieht. Er gehört zu den geistig vornehmsten Erfcheinungen unferes öffentlichen Lebens und ist Meister einer Bolemit, die sachlich wirft, ohne persönlich zu treffen. Noch nie ist auch nur von feinen Gegnern behauptet worden, er hätte sich irgendeine rednerische Entgleisung zuschulden tommen lassen! Doch nie ist auch nur von seinen Gegnern der geringste Vorwurf gegen seine per fönliche Chrenhaftigtett erhoben morben! Nur mit feinen pädagogischen Grundsägen sind sie nicht einverstanden. Darum haben sie gegen ihn jene Heze getrieben, die jetzt, nach ungezählten Droh briefen, in einem Mordüberfall ihren Niederschlag gefunden hat. Feige Presse! Die„ B3. am Mittag", die fich neulich in Begeisterung überschlug, weil Kriegshelden zu Polizeipräsidenten ernannt" werden, berichtet heute auf der ersten Seite über den japanischen Bormarsch in Dchehol und fiber die Banftrise in Amerika. Auch von Berliner Ereignissen wird eines für wert gehalten, auf der ersten Seite registriert zu werden, nämlich die Inbetriebseßung des neuen Bahnhofs Schöneberg, die am Mittwoch erfolgen wird. Ueber den Mordanschlag auf Löwenstein berichtet fie auf der zweiten Seite in 16 Zeilen und in der unauffälligsten Form. Das Ganze wird wie ein nebensächlicher Erzeß behandelt, mit feinem Worte wird angedeutet, daß das Leben des lleberfallenen Achtung! Einschalten! Der Wiener und die übrigen österreichischen Sender bringen heute, Montag, 18.30 Uhr, einen Vortrag von Benediff Kautsky: 3st Autarkie möglich?" bedroht war. Bon politischen Hintergründen kein Wort. Es ist also someit, daß eine gewisse liberale Bresse nicht einmal mehr das offenfundige Berbrechertum zu befämpfen wagt aus Angst, geschäftlichen Schaden zu erleiden. Auch dies ist ein Zeichen der Zeif. Poesie und Praris „ Wenn ich das Bort Kultur höre. dann entsichere ich meinen Brom. ning." So hörten mir es am Freitag durch den Rundfunk näfeln. Diese Gesinnungsäußerung, die ein Programm umschließt, entstammt dem Drama Schlageter". Berfasser ist der vom jeẞigen System zum Intendanten der Staatstheater erhobene Hanns Jobst Des Dichters Aug' in holdem Bahnsinn rollend? Der Mordüberfall auf Genoffen Löwenstein erscheint als haargenaue praktische Ausführung dieses Grundfazes. Einer, der tm Banne der Johstschen Lebensanschauung steht, hat in Verbindung mit der Tätigkeit des Genofen Löwenstein das Wort Kultur gehört und schon hat sein entsicherter Browning geschossen. Herr Johst tann mit Stolz feststellen, daß seine dichterischen Erleuchtungen in der Praris bereit millige Schüler finden. Welch ein Segen für die deutsche Kultur, daß diefer Mann Intendant der Staatstheater ist. G2. besetzt Volkshaus Die Polizei schützt die Eindringlinge! Breslau, 27. Februar. Zwei SA.- Stürme besetzten am Sonntag in den späten Nachmittagsstunden nach einem Umzug der NSDAP. das sozialdemofratische Voltshaus in Beuthen. Die Nationalsozialisten hißten auf dem Dach des Gebäudes eine Hafenkreuzfahne. Sie gaben die Erklärung ab, daß sie das Haus lebend nicht mehr räumen würden. Am Abend nahmen Polizeibeamte vor dem besetzten Bolfshaus zum Schuh Wolfs Blatt Die Spur der Braunen Das Haus des Boltsblatts" in Gleiwiz wurde mit Sprengtörpern völlig demoliert. der Eindringlinge Aufstellung. Bom Gleiwiher Polizeipräsidium war bis mitternacht eine Auskunft über den Vorfall nicht zu erhalten. Die Beuthener Hakenkreuzler verbreiten die Nachricht, daß neun Eierhandgranaten und eine Menge fommunistischer Jerjehungsschriften von ihnen im Bolfshaus gefunden worden seien. Mit diesen Ausftreuungen will man scheinbar verhindern, daß das Boltshaus seinen rechtmäßigen Eigentümern wieder übergeben wird! Kriegsbild aus Altona Hamburg, 27. Februar. Altona war am Sonntag der Schauplah eines Aufmarsches der gesamten S2. und SS aus Süd- Schleswig- Holstein, Hamburg und weiteren Gebieten Norddeutschlands. Ueberall hinterließen die Anhänger der gegenwärtigen Regierung Spuren ihrer Anwesenheit. Während ihres Aufmarsches wurden zahlreiche Perjonen verleht. An und vor den Verkaufsläden der Konjumgenoffenschaft, die auf dem Marfch passiert wurden, hausten die aufbauwvilligen Kräfte wie Bandalen. Jn offensichtlich provokatorischer Absicht waren zu dem Aufmarsch wieder die Straßen des Altstadt- Gebietes und der Arbeiterviertel gewählt worden, wo sich bereits im Sommer vorigen Jahres blutige Ereignisse abgespielt haben. Schon in den frühen Morgenstunden des Sonntag wurde das ganze Gebiet von starten Polizeikommandos befeht. Fast alle Beamte waren mit Stahlhelmen und Sandgranaten ausgerüftet. Auf den Dächern zahlreicher Häufer waren ebenfalls Polizeipoffen mit Maschinengewehren aufgestellt worden. Panzerwagen durchfahren die Stadt Bor dem kommunistischen Parteibüro, an dem der SA.- Aufmarsch vorbeiführte, wurden Heute, Montag, 1930 Uhr, Sportpalast A die dort angebrachten Wahltransparente polizeilich entfernt Den Auftakt des Aufmarsches bildete ein Plahkonzert der Schubpolizeikapelle, die in einem mit einer Hafenfreuzfahne verfehenen Mufifpavillon spielte. Sie war aufgeboten worden, nachdem fich froh des aus. drüdlichen Buniches der Polizeileitung von den 870 Altonaer Polizeibeamten nur 31 zur Teilnahme an dem Zug gemeldet hatten. So tommandierte man eine 16 Mann starfe Polizeifapelle an die Spike des Zuges. In den Arbeiterstraßen wurde er mit braufenden Pfui- und Niederrufen empfangen. Un den Berkaufsidden der Konfumgenoffenschaft Produktion" wurde aus dem Zuge heraus auf das Kommando„ Cos!" ein Steinbombardement gegen die Cadenscheiben gerichtet. Die Steine führten die SA.- Leute in den Taschen mit sich. Jeder Stein war mit papier umwidelt. In vier Läden wurden über 20 große Scheiben vollständig zertrümmert, An einer Verkaufsstelle wurden die Steine über die Köpfe der Polizeibeamten geworfen, die in einer Stärfe von elf Mann unmittelbar vor der Scheibe standen, ausgerüftet mit Rarabinern and handgranaten. Als ein Beamter einen der Täter aus dem Zug heraus feft nehmen wollte, wurde er von vier S. Ceuten angegriffen und zurüdgedrängt. Ein gleichzeitig einschreitender Polizeioffisier befahl:„ Der Fall ist erledigt. Den Abschluß des Aufmarsches bildete der Borbeimarsch einer S.- Sturmabteilung an dem Altonaer Betrieb des hamburger Gewertschaftshauses. Ein Hagel von mehr als 50 Sternen rourde gegen das Restaurant gerichtet. Sämtliche Fensterscheiben und Türen wurden vollständig zertrümmert. Die Arbeiterschaft der Stadt Altona ift über den Aufmarsch außerordentlich erregt, zumal fie ihr Eigentum schuhlos den Angriffen der Faschiften ausgefeht fieht. Verboten! Der Aufwärts", das Berliner Gemertschaftsblatt, ist bis zum 31. März verboten worben. Das„ Bolfsblatt", unser Bleiwiger Parteiblatt, dem die Regierungsanhänger dieser Tage erst einen Sprengstoff- Besuch abgestattet haben, wurde im 1. März verboten. Rote Fahne", am Sonntag. e wieder erschienen, murde neuer. April einschließlich verDie in der Sonntagnummer veröffentlichte Nachricht von der Beschlagnahme der Num= mern 13 und 14 der deutschen Ausgabe der„ Internationalen Gewertschafts- Presseforrespondenz", die irrtümlich als Organ des JGB. bezeich net wurde, scheint vielmehr eine fommunistische Korrespondenz zu betreffen. Die Presseberichte des 3G B., die auch eine andere Nummer tragen, sind nicht beschlag. nahmt worden. Die Straßburger Neusten Rach. richten" find bis zum 31. mai für ganz Deutschland verboten. Die Zeitung hatte von Terroraften in Deutschland berichtet. Aufgehoben! Die Gewerkschaft". das Organ des Gesamtverbandes, die bis zum 26. März verboten war, fann ab 8. März wieder erscheinen. Das Reichsgericht hat die Berbotsfrist bis 7. März verkürzt. Peinliche Reminiszensen Das erstaunliche Berbot des sozialdemokratischen Blattes in Luckenwalde, bas wegen Abdruckes eines früheren Naziflugblattes gegen Papen erfolgte, hat die zuständige Stelle zu einer noch erstaunlicheren Ertlärung veranlaßt: Wenn Aeußerungen der Nationalfozlaliften aus früherer Zeit geeignet find, Mitglieder der jetzigen Regierung verächtlich zu machen, so fönnen Zeitungen, die sie jetzt abdruden, verboten werden! Die Redaktionen müffen das von Fall zu Fall selbst prüfen! Es ist also z. B. verboten, die bekannte Kennzeichnung des jeßigen Reichswirtschaftsministers Hugenberg durch den Reichspropagandaleiter der heute regierenden NSDAP. bei Strafe des Verbots zu zitieren! Kulturkundgebung aufgelöst Stampfer zur Wache gebracht und wieder freigelassen Die Kundgebung des Sozialistischen Kulturbundes in der Neuen Welt, die am Sonntag unter dem Motto: Für Freiheit, Bolt und Sozialismus! stattfand wurde durch den überwachenden Polizeioffizier aufgelöst, als der Redner Genoffe Friedrich Stampfer darauf hinwies, daß demokratische kulfur wahre Staatsmänner erziehe. Stampfer wurde von mehreren Polizeibeamten zur Wache am Hermannplatz geleitet und nach etwa einer halben Stunde nach Feststellung seiner Personalien wieder entlaffen. Am vorigen Sonntag konnte die Kundgebung in der Volksbühne nicht vor sich gehen, weil auf dem Bülowplatz ein Konzert einer SA.- Kapelle die Luft erschütterte. Gestern wurde die Kundgebung aufgelöst. Aber diese eine Stunde, die unsere Genossen in der Neuen Welt zusammen waren, hat eine Kampfentschlossenheit gezeigt, auf die wir stolz sein dürfen. Der treffliche von Georg D. Schumann geleitete Neuköllner Sängerchor leitete mit der„ Trogigen Faust" von Siegel und dem„ Arbeitsrhythmus" von Thießen die Kundgebung auf das würdigfte ein. Dann sprach mitreißend Martha John die „ Stimme eines Arbeiters" aus dem Jahre 1848: " Strebt danach, daß der Stumpffinn gemindert werbe", hieß es und dann zum Schluß: Laßt uns fest zusammenhalten und auf unseren Rechten be= stehen." Der verfassungsmäßige preußische Boltsbildungsminister Genosse Grimme erklärte in seiner Eröffnungsansprache: Das Berbot vom letzten Sonntag ist beispielhaft. Einer der repräsen tatioften geistigen Menschen Deutschlands, Thomas Mann, und eine Straßenmusit standen für die Regierenden zur Wahl. Man wählte die Straßenmusik und warf vor dem Geiste die Tür zu. Wir aber danten Thomas Mann für seinen Mut zum Bekennt nis, der heute mehr Wert hat als je. Aber wir fragen: Wo ift der Befennermut fonft, warum schweigen die Historiker und forrigieren nicht die Irrtümer der Regierenden? Ist es Ehrfurcht vor deutscher Vergangenheit, wenn die Geschichte der letzten 14 Jahre, auf die das deutsche Proletariat stolz sein fann, vergewal tigt wird?( Lebhafte Zustimmung.) Man lese Marg, der da sagt, daß die Wissenschaft fein egoistisches Bergnügen, sondern fondern Dienst an der Menschheit sei. Thomas Mann zeigte nämlich menschliche Haltung und echtes Deutschtum und nicht undeutsches aufdringliches Gebaren. Er stellte mutic das geistige Deutschland in die Drecklinie des Kampfes. Sein Ruf ist ein Ruf an das Gewissen aus fittlicher Pflicht heraus, durch den sich der schöpferische Geist mit dem Proletariat vermählte.( Langanhaltende Zustimmung.) Geist und Proletariat müssen einander suchen, weil sie das gleiche wollen: den Menschen! Das Proletariat ist heute die Schußgarde des Geistes und seiner Freiheit. ( Minutenlanger Beifall.) Grimme gab dann eine Erklärung der Führer des ADGB. Leipart und Graßmann bekannt, nach der die Gewerkschaften in einer einheitlichen Front mit den übrigen Organisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung zusammenstehen, um der kulturellen Reaktion Widerstand zu leisten. Jahrzehntelançer Kampf der Gewerkschaft galt dem Geist und dem fulturellen Aufstieg. Die Gewerkschaften waren immer bewußt fulturschöpferisch und begrüßten deshalb alles, was geeignet ist, Kulturreaktion abzuwehren und sozialistische Kulturpolitif attiv vorwärts zu tragen. Grimme fam dann auf die Borgänge in der Dichterakademie zu sprechen. Die Akademie sei ein Institut, bei dem Leistung über Meinung stehen solle. Jezt aber strebe man nach dem Untertanen und der vorgeschriebenen Klischeegesinnung. Da war für Bersönlichkeiten wie Heinrich Mann und Käte Rollwig, denen sich mutig Martin Wagner anschloß, fein Plaz mehr. Geißelt doch teiner so den Untertan wie Heinrich Mann, wir aber leben in einer Zeit der Wiedergeburt des Untertanengeiftes. Räte Kollwig richtete durch ihre ge= waltige Darstellung proletarischen Elends einen Rufandas Gewissen der Menschheit. Diese Bersönlichkeiten aber waren zu entfernen, wir aber fragen: Wo sind die anderen Künstler? Gibt es Lahusen- Prozeß vertagt teine Männer mehr?( Stürmische Zustim Auf Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune, der durch seine Berufung als Sonderkommissar für das preußische Innenministerium an der Ausübung der Berteidigung einstweilen verhindert ist, ist der Hauptver handlungstermin gegen Cart La husen auf den 14. März vertagt worden. Die Staatsanwaltschaft hat diesem Bertagungsantrag zugestimmt. Der Prozeß follte am Dienstag um 9 Uhr beginnen. Die französische Sammer hat in einer Nacht jigung bis Sonntag fünf Uhr früh die Finanz vorlage mit 340 gegen 251 Stimmen verabschiedet. mung.) Es geht nicht an, den rein politischen Hinausmurf als unpolitisch hinzustellen. Wir fragen Ricarda Huch, Alfred Döblin, Ludwig Fulda und Leonhard Frank: Wo seid ihr? Ihr haltet euch zurück. Es geht um lebensmi.hRespekt vor der Leistung, auf die Parolen gewisser Redaktionsstuben hin in ihrer Eristenz bedroht. Ist das Ehrfurcht vor dem Ringen um eine Idee? Die Schule hat jungen Proletariern den Aufstieg zu wissenschaftlichen Berufen gegeben. Man fchlägt Rarjen, König und Kummerow, aber man will treffen den Aufstiegswillen des Proletariats.( Anhaltender Beifall und Entrüstungsrufe.) Nachdem Grimme mit einem starken Be= tenntnis zum Sozialismus geschlossen hatte, nahm Genosse Friedrich Stampfer das Wort: Eine Sturzflut politischer Barbarei rast über ganz Deutschland. Dämme, die unerschütterlich schienen, schwanken unter dem Anprall. Nicht nur die Volksrechte, die die Arbeiterklasse errang, sind bedroht, nein, die Grundlagen des Rechtsstaates wanken. Die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesez ist in Zweifel gestellt. Wenn wir so weit kommen, daß das Gesetz in seiner Anmendung unterschieden wird nach Gesinnungen, dann verfinken wir zurüd in das Mittelalter und die Sklaverei.( Lebhafter Beifall.) Polizeipräsident von Levezzow hat den 9. November einen Satansgeburtstag genannt. Dieser Satansgeburtstag brachte das gleiche Recht für alle Staatsbürger. Dieser Satansgeburtstag brachte die deutsche Pressefreiheit. Die margistischen Novemberverbrecher hoben die Militärzensur auf. Sie hatten den ehrlichen Willen zur Freiheit. Wir wollten die Freiheit nicht nur für uns, sondern auch für die anderen, für alle. Die anderen aber HA wollten nur die Freiheit für sich, die fie verloren hatten, die Freiheit, die Arbeiterklasse zu anterbrücken.( Stürmische Zustimmung.) Als fie deshalb mit Revolver und Handgranaten gegen die Republik vorgingen, mußten gegen sie Maßnah men ergriffen werden. Wenn sie darüber klagen, ist das elende Heuchelei. Als Stampfer jetzt einen Bergleich zwischen Aether und Geist zog, wurde er von dem überwachenden Polizeioffizier verwarnt. Als ein vereinzelter Pfiff ertönte, sagte Stampfer, während sich die Versammlungsteilnehmer erhoben und in immer neue Freiheitsrufe ausbrachen: Ich bitte dringend, jede Kundgebung gegen die Beamten zu unterlaffen. Die Beamten erfüllen eine schwere und harte Pflicht, die auf vielen unter ihnen schwer lastet. Unsere Aufgabe sei es, fie bald von diesen schweren Pflichten zu befreien. Stampfer behandelt dann die Leistungen der marristischen Arbeiterbewegung. Karl Marg schlug die Brücke zwischen Philosophie und Proletariat, Lassalle schuf das Bündnis zwischen Arbeiterschaft und Wissenschaft, unsere Volksbühnen, unsere Kulturorganisationen, führte das Proletariat zum Deutschland der Kant und Fichte, Goethe und Schiller, Mozart und Beethoven, Dürer und Menzel. Das war eine wahrhaft nationale Tat, die mehr wert ist als irgendwelcher Phrasendrusch. Beim nächsten Sage des Redners erfolgte die Auflösung, stürmische Freiheitsrufe ertönten. Stampfer mußte der Polizei auf das Revier folgen, damit dort feine Perfonalien festgestellt werden könnten! Nazis, was seid ihr? Fragen, die man nicht stellen darf Dortmund, 27. Februar. Die Sozialbemofratie hatte am Sonntag zu einer Rundgebung in der Westfalen halle aufgerufen. 20000 Menschen füll. ten das weite Rund, 15000 fanben teinen Einlaß mehr. Schon lange vor Be ginn der Veranstaltung mußte die Halle polizeilich geschlossen werben. Eine Baralleltundgebung wurde untersagt, weil sie nicht angemeldet war. Als Redner feierte Abgeordneter Sollmann die Arbeiterschaft, die den Abwehrkampf an der Ruhr in der Stunde Deutschlands größter Not geführt und gewonnen habe Wenn das Rheinland und die Ruhr heute noch deutsch seien, dann danke Deutschland das nicht den Nationalsozialisten, sondern der Freiheitstat der schwarzrotgoldenen Kämpfer. Die Kundgebung fand ihr vorzeitiges Ende als Sollmann schließlich die Säße sprach: 3hr Nationalsozialisten nennt euch Sozialisten. Bogegen fämpft ihr? Ihr stürmt die Boltshäuser und brennt Arbeiterhäuser nieder. Ihr nennt euch Sozialisten und seid die Schuß garde des deutschen Kapitalismus." In diesem Augenblic griff der Polizeioffizier ein und erklärte die Bersammlung für aufgelöst. Ein Sturm der Entrüstung war die Antwort der vieltausendköpfigen Menge. Dem Gedächtnis der Opfer Hannover, 27. Februar. In Hannover fand am Sonntag im Gedenken an die in der vergangenen Woche von NationalAktion gegen Brolat Der Aufsichtsrat der BVG. beschloß in seiner heutigen Sigung nach Bekanntwerden des Urteils vom 25. Februar, Direktor Brolat frist los zu entlassen ohne Gewährung einer Pension. Brand im Schloß Aus bisher noch ungeklärter Ursache brach in den Sonnabendabendstunden im Dachgeschoß des Schlosses ein Brand aus, der jedoch durch die Feuerwehr in fürzester Zeit gelöscht wurde. In der Nähe des Brandherdes fand man Feueranzünder und verkohlte Streichholzreste. Die Polizei ist der Auffassung, daß Brandstiftung vorliegt. tige Dinge und wir jagen euch: ein bloßer Dant Aufregung in Budapest ist ein gar zu billiges Bekenntnis.( Neue anhaltende Zustimmung und Freiheitsrufe.) Unter wachsender Erregung der Versammlung besprach Grimme dann die Umorganisierung" der Karl Marg Schule und die Entfernung ihres Leiters Fritz Karien Die Empörung iſt berechtigt. Die Arbeit dieser Schule hat im Inland und Ausland segenereich gewirkt. Sie gab ungewöhnlich starte Impulse, und jetzt ist sie, ohne Selbstmord im Staatsbahnpräsidium Budapest, 26. Februar. Im Zusammenhang mit den vor einigen Tagen enthüllten Betrügereien bei Dellieferungen der Attiengesellschaft Imperial an die ungarischen Staatsbahnen ereignete fich am Sonntag ein auffehenerregender Selbft morb. Der Beiter ber sozialisten hingemordeten zwei Reichsbannerleute, die am Sonnabend der Erde übergeben worden waren, eine von etwa 40 000 Menschen besuchte Rundgebung statt. Entblößten Hauptes gedachte die Menschenmenge der ge mordeten Freiheitsfämpfer. Die Kundgebung war bereits beendet, als etwa 50 SG. Leute mit Schulterriemen und Schlagwerkzeugen über mehrere Demonstranten her fielen. Nicht ein Nationalsozialist wurde polizeilich zur Rede gestellt oder gar festgenommen. Opfer in Dresden Dresden, 27. Februar. In Dresden wurde am Sonntag eine glänzend verlaufene Stadionfundgebung, die von annähernd 100000 Personen. besucht war, durchgeführt. Paul Löbe sprach. Im Anschluß an die gewaltige Rundgebung fand ein Umzug der Abwehrformationen statt. Als der Zug schließlich an einem Versammlungslokal der Nazis vorbeizog, wurden die Demonstranten durch Zurufe provoziert. Obgleich es nicht zu Tätlichkeiten fam, löste die Polizeiden zug auf und ging mit Gummitnüppeln gegen die Zugteilnehmer vor. Ein Demonstrant, der angeblich einen Polizeibeamten angegriffen hat, wurde durch einen Schuß in die Lunge und durch den Oberarm schwer verlegt; er schwebt in Lebensgefahr. Ein anderer, der zu Boden gefallen mar, wurde getreten und dadurch so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gefchafft werden mußte. Einkaufsstelle der ungarischen Staatsbahnen, Franz von Szentivanni, jagte sich in seinem Amtszimmer im Gebäude der Direktion der Staatsbahnen eine Kugel in den Kopf. Er war auf der Stelle tot. Er hinterließ zwei Briefe, und zwar einen an die Direktionsmitglieder der ungarischen Staatsbahnen und einen an die Redaktion des„ Az Est", in denen er seine Unschuld beteuert und erklärt, daß er Selbstmord begehe, weil er die gegen ihn geführte Hege nicht überleben fönne. Schlimmes Kostümfest Man nimmt Anstoß! In der Nacht zum Sonntag wurde, wie die Bolizei ermittelt, ein im Hause des Kunstgewerbemuseums veranstaltetes Rostüm fest, das so genannte Dachfahnfest, polizeilich aufgelöst Das Fest wurde von Beamten des Außendienstes der Theaterpolizei überwacht. Nach den Feststellungen unserer gestrengen Bolizei soll in den Atelierräumen ein jedem Begriff von Anstand und Sitte geradezu hohnsprechendes Treiben geherrscht haben. Die weiblichen Festteilnehmer maren", fo heißt es weiter ,,, in den gem a gtesten Rostümen erschienen." Der anwesende Kriminalfomaniffar orbnete die zwangsweise Räumung der Fest räume an. Ehrenmal— endgültig? Zur Ausstellung der preisgekrönten Entwürfe Nach doppelter Aussiebung sind 20 Entwürfe zum Reichsehrenmal im„Chemischen Museum" der Technischen Hochschule ausgestellt, darunter fünf preisgekröut«. Die Unmöglichkeit der Aus- gäbe, an der man so eisern festhält: den ungeeig- neten Kiefernwald von Berka zu einem Crinne- rungshain an die Kriegsgefallenen umzumodeln. verschuldet das Unbefriedigende aller dieser und sicher auch aller künftigen hierauf abzielenden Entwürfe. Wahrscheinlich ist sie auch der tiefste Grund dafür, warum all diese Riesentürme, Terrasien, Bollwerke, Kreuze und Rondelle so phantasiearm wirken. Unsere Architekten, Bild- Hauer und Gartenkünstler sind weiß Gott nicht verlegen um originelle Lösungen neuer Raum- formungsprobleme. Bor diesem Klotz von Aus- gäbe versagen sie alle: naturgemäß, notwendiger- tzfaturerscileinunZ Aufmarsch des roten Berlin Sonntags-Kundgebungen und Demonstrationen „Sie sagen immer, daß sie sinkt, aber ich bemerke nur, daß sie steigt." weise. Ist es nicht schon ein deutliches Zeichen, daß unter den ausgewählten zwanzig kein Name eines führenden und modern gesinnten Architekten und Bildhauer» sich findet? W. Kreiß, Janssen und(S. Marcks, die man als Ausnahme gelten lassen könnte, zeichnen sich in ihren Entwürfen durch ein« herzliche, aber weit getriebene Lanali- tat aus-, vermutlich wird man auch in dieser Richtung die Endlösung finden und sie ausführen, wenn die Mittel zusammengebracht sind. Aom künstlerischen wie vvm gesinnungsmäßigen Stand- punkt ist es ziemlich einerlei, wie das Mal aus- fällt, das die Regierenden nun wirtlich in den Nadelwald von Berka verpflanzen lassen. Der Streit darum geht um des Kaisers Bart. Weder das deutsche Volk, soweit es interessiert ist an einem monumentalen Ertnnerungssymbol jener „Großen Zeit", in der zwei Millionen wertvoller Männer Ihr junges Leben lassen mußten, noch die deutsche Kunst hat ein spezifiziertes Interesse daran, in welcher Weise Zytlopenmauern runo oder eckig, hoch oder slachgestreckt, mit oder ohne Oeffnungen und Riesenreliess dort— ohne jede Fernwirkung— aufgetürmt werden p. f. sch. Denaturierte Geistigkeit Im Drahtlosen Dienst werden in diesem Funkdienst die nationalsozialistischen Belange beut- lich betont. Am Sonntag nachmittag wurden die Reden von Hugenberg und S e l d t e als Regierungsauflagen dem gesamten deutschen Rund- funk zwangsverordnet. Auch die abendliche An- sage ging noch einmal auf ihren Inhalt«in. Es scheint, daß der Hauptschriftleiter des Draht- losen Dienstes. Hans F r i tz s ch e, eifrig bemüht ist, sich mit den Nationalsozialisten auf guten Fuß zu stellen, nachdem der„Völkische B e o b- achter" vor einem halben Jahre festgestellt hat, daß von Herrn Fritzsche„Ausschaltung national- sozialistischer Belange im Rundsunt' zu er- warten sei. Vorträge von geistigem Gehalt sind heute im deutschen Rundfunk seltene Ueberraschungen. Der Deutschlandsender sollte seine spärlichen Darbietungen dieser Art nicht dadurch denaturieren, daß er sie mit ungenießbaren verquickt. Wer den sehr aufschlußreichen Ueberblick über das musika- lische Wochenendprogramm hören wollte, mußte einen schwülstigen Hymnus über nationolfoziali- stisches Theater über sich ergehen lassen. Einen Vortrag über„Die gegenwärtige Lage des geistigen Arbeiters" hielt im Programm des Berliner Senders Prof. Hermann O n ck e n. Der Gelehrte bemühte sich in volkstüm- ljcher Form Wissen zu vermitteln und echte Er- kenntnis zu wecken. Sein bedauerlicher Verzicht auf jede abschließende Stellungnahme war im der- zeitigen Rundfuntbetrieb wohl notwendig. In der Reihe„Di« junge Generation spricht" gab es am Sonntag eine sehr inter- «ssanie Aussprache zu dem Thema„Wie st e h e n wir zu unseren Eltern" dos, nach einer vorausgegangenen Jugenddiskussion, nun an Hand von Eltern» und Erzieherbriefen geschickt und auf- schlußreich beleuchtet wurde.— Die westlichen kreise der Partei marschierten am Soontagmittag durch die am stärksten von Nazis verseuchten Wohnviertel Berlins, vom Innsbruck e r Platz aus ging ein lauger Zug der Eiferaen-Arelheils-Kämpfer zwei Stunden lang von Schönebergbis Steglitz durch die Straßen des Westens, vorneweg die Kapelle der Ar- beiterjugend, Mädels trugen leuchtende Zahnen mit den Zreiheitspfeilen voraus und dann kamen die Kolonnen des Reichsbanners und der Parteiabteilungen. Die Polizei hatte für eine starke Bewachung ge- sorgt, aber nirgends ergab sich ein Grund zum Einschreiten. In stärkster Disziplin bekundeten die Massen ihren Willen:„Berlin und auch der Westen bleibt rot". Vielen Spaziergängern am Wege aber klang der Sprechchor unserer Jugend in die Ohren. auch wenn sie es nicht hören wollten:„Arbeiter, laßt euch raten, wählt Sozialdemokraten, wählt Liste 2!" Am Händelplatz richtete Genosse P a l m e r einen wuchtigen Appell an die Demon- stration Nach einem stillen Gedenken für unsere Toten führte er vor den Versammelten, unter denen sich auch viele fremde Zuschauer befanden, die markigen Worte aus:„So ruhig und geschlossen, in solcher Disziplin wie diese Demonstration vor sich gegangen ist, geht die Sozialdemokratie ihren Weg durch den Wahlkampf zu weiterer Entscheidung." Und mit gereckter Faust und entblößten Häuptern legten die Versammelten vor den Hakenkreuz- geschmückten Häusern das ewige Gelöbnis für die Freiheit ab. Platzkonzert des Reichsbanners Allen Schikanen und Verboten zum Trotz— die Weddinger Arbeiter zeigten am gestrigen Sonntag, daß sie sich nicht einschüchtern lassen und treu zur Fahne der Sozialdemokratie stehen, mit ihr vereint für den Sozialismus kämpfen. Erst hatte man das Reichsbannerkonzert, das für 13 Uhr an- gesetzt war, oerboten, dann aber für eine spätere Zeit erlaubt. Dafür hatte man die Demonstration der Eisernen Front nicht gestattet. Doch die Ar- beiter des roten Wedding waren zur Stelle! Auf dem Leopoldsplatz wogte bereits lange vor Beginn des Platzkonzerts ein« riesige Menschen- menge, die sich ständig durch neuen Zuzug ver- größerte. Die Kapell« de« Reichsbanners schmettert« ihre Märsche und die Freihettslieder der Arbeiterschaft, in den Pausen ertönten immer wieder Hochrufe auf die Sozialdemokratie und auf die Eisern« Front � die Massen waren von einer freudigen Kampsesstimmung und der Gewißheit erfüllt, daß der Sozialismus aus den Kämpfen der Gegenwart— trotz alledem!— doch als Sieger hervorgehen wird. Bemerkenswert war. daß die Schupo so gut wie gar nicht zu sehen war. Und alle» ging in Ruh« und Ordnung vor sich, weil die Masse selbst Disziplin hiett. Erst nach Schluß kam es zu einem Auflauf, als zwei uniformierte SA.- Leute, wie behauptet wurde, mit Pistolen in der Hand in provozierender Weise ihren Weg durch die zurückflutenden Menschenmassen nahmen. Dank der Disziplin und Besonnenheit unserer Genossen ist es jedoch zu ernsten Zwischenfällen nicht gekommen. Die Erauen im Bezirk Mitte Im vollbesetzten Saal der Jmperial-Lichtspielc kamen am Sonntagoormittag die Frauen des 1. Bezirks Mitte zu einer wirkungsvollen Filmvor- führung zusammen. Der erste Film„Bor dem Rande der Großstadt" zeigte, mit welchen zum Teil sehr ausgefallenen Mitteln viele Menschen heute versuchen, der Not der Zeit Herr zu werden. In ihreip Appell an die Wählerinnen und Wähler knüpfte die Genossin Käthe Kern an den Film „Niemandsland" an, der später vorgeführt wurde: „Zu den vielen Millionen To�en im Felde hat der letzte Weltkrieg allein in Deutschland 76 300 un- schuldige Opfer der Hungerblockade gehabt. Heute sehen wir eine neue, verblendete Jugend, die keine Ahnung mehr vom Krieg hat und die Dolchstoß- legende verbreitet. Aber erst m der Republik bekam da» Volk die Areiheilerechte. die e» vor dem Krieg nicht gehabt hat. Und wegen der sozialen Schutzrechte wurde das Kabinett Hermann Müller gestürzt, als die Kapitalisten wieder den Lohndruck der industriellen Reservearmee durchsetzen wollten. Auch Brüning stürzte wegen der Arbeitslosenversicherung und seiner Stedlungspläne und Schleicher mußt« gehen, weil er den beispiellosen Osthilfeskandal ausdeckte. Jetzt aber sollen die reaktionären Ziele verwirklicht werden. Aber die kleine, kapitalistische Oberschicht kann auch mit chren neuen Helsershelsern nicht wider- stehen, wenn wir nur kämpfen. Wir streiten nicht für Interessen, sondern für die B« s r e t u n g der Menschheit. Wir müssen Schluß machen auch mit der geistigen Aufrüstung. Am ö. März soll unser Wille zum Frieden sichtbar werden. Unser die Zukunft, den anderen die Vergangenheit. Wir wollen die Freiheit und nicht die Knechtschaft." Drei Ltunden Humor Kabarett in der Volksbühne Ein echtes, darum in der Hauptsache aufs Wort eingestelltes Kabarettprogramm unterhielt am Sonntag die Volksbühnenbesucher auf das denk- bar beste. In dem durch die Notverordnung ge- botenen Rahmen bewegte sich der Ansager Hel- much Krüger jungen» und schlagfertig, und wob, Humor sprühend, nicht nur ein unsichtbares Band um die einzelnen Darbietungen, sondern auch um die in ihrem Zutuns tstreben gleich- gesinnten Zuschauer. Kontraste sind zur Abwechs- lung nötig, und die Parodie hilft vorzüglich über die mannigfachen Drangsale der jetzigen Zeit hin- weg. Deshalb klang auch die Parodie in manchen Nummern irgendwie mit, so bei den Tänzern Richard S ch ö s s m a n n und Gitta Waller- stein in der verregneten Olympiade, während Gerti von R« i ch e n h a l l und Sonja W r o n k o die Parodie leibhastig verkörperten. Lotte Werkmeister bracht« das vielgepriesene Ber- liner und Hugo Fischer- Köppe da» rheinisch« Mundwerk zu hohen Ehren. Waller Vehr ver- menschlicht Schallplatten und paßt sich den Vor- tragenden so genau, an, daß eine tolle Idee zur abgerundeten künstlerischen Leistung wird. Lieselotte W i l ck e, ganz eigenwillig und auffällig aus Farbesfekte zurechtgemacht, singt ihre Hofen- lieber so eindruckssicher, daß man ihr unbedingt eine Stellung von Bedeutung innerhalb des Kabarettnachwuchses einräumen muß. Eine über- zeugte Sprecherin ist Hede Geber, die unsere 23 fgsgsnüdsr ctsr Voilesraciit oder Dienstag, 28. Februar: AEG., Hennigsdorf: 16 Uhr, Lokal Wolter, Hennigsdorf, Haupistr. Kirche). Allgemeine Belegschaftsversammlung. Thema I Herrenrecht. Referent; Dr. Klotz. Arbeitsamt Süd: 19,30 Uhr, Im Restaurant Schulz, Mariendorfer Str. 5. Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden. Thema: Der Klassenkampf oder die Arbeiterschaft. Referent: H. Marx. Arbeltsamt Beiiln-Nord: Eiserne-Front-Kundgebung aller Arbeiter, Angestellten und Beamten um 16,30 Uhr Im gelben Saal dar Hochschulbrauerei, Seestr. Thema: Die politische Lage und die Wahlen am 5. März. Referent: Gen. Scharf- schwerdt. Arbeitsanstalt und Walsenhaus Rummelsburg: Kundgebung aller Arbeiter, Angestellten und Beamten um 16 Uhr bei Nikusch, Lichtenberg, Haupistr. 83. Thema: Volksrechte oder Herrenrechte. Referent: Erich Bührig. Bezirksamt Lichtenberg: Eiserne-Front-Versammlung um 19,30 Uhr im Ceclllen-Lyzeum, Rathausstr. Referent; Karl Dressel. Bezirksamt WeiBensce: Elserne-Front-Kundgebung um 19,30 Uhr im Restaurant„Pferdemarkt", Weißensee, Schönstr. Thema: Volksrechte oder Herrenrechte. Referent: Gen. Kreutziger. Ehrich u. Graetz; Elserne-Front-Kundgebung um 16,80 Uhr bei George, Treptow, Elsenstraße(früher Rennbahn). Referent: Dr. Otto Friedländer. SPD.-Fraktion der Hell- u. Pflegeanstalt Herzberge und Wuhlgarten: Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden um 20 Uhr im Lokal Tempel, Gudrun- Ecke Wagnerstr. Thema: Der 5. und 12. März und die Arbeitnehmer der Stadt Berlin. Referent: Karl Hetzschold. Stralauer Glashütte: Kundgebung um 16,30 Uhr bei Hoffmann, Markgrafendamm Ecke Stralauer Allee. Referent: Hans Marx. Deutsche Niles-Werke: Kundgebung der Eisernen Front um 16 Uhr im Sporthaus Weißensee, Berliner Allee 193. Referent: Hermann Harnisch, M. d L. 8. Kreis— Spandau: Kundgebung um 20 Uhr in der„Markthalle", Pichelsdorfer Straße 87. Referent: Rudolph Wisseil. Kreis— Sehöneberg: Um 20 Uhr im Gesellschaftshaus des Westens, Schöneberg, Hauptstr. 30.„Frauen, kämpft für eure Rechte". Referentin: Anna Geyer, Rezitationen: Elfriede Wollmann. Jugendchor des Berliner Volkschors. Kreis: Oeffentliche Kundgebung um 20 Uhr Im Parkrestaurant Südende, Steglitzer Straße 13/14. Referent: K. Heinig. Kreis: Oeffentliche Wöhlerinnenkundgebung um 20 Uhr In Johannisthal in der Autoklause, Friedrichstr. Referent in: Paula Kurgaß. Thema: Her zur sozialistischen Aktion Kreis— Tempelhof: Kundgebung um 20 Uhr bei Llerse, Festsöle, Marienfelde, Berliner Ecke Dorfstr. Referent: Dr. Lohmann. und 97. Abt: Kundgebung um 19 Uhr In der Aula der Albrecht-Dürer-Oberrealschule, Neukölln, Emser Str. 134. Referent: Karl Lltke, M. d R. und 1G3b Abt— Köpenick: Kundgebung um 19,30 Uhr im Lokal Uhlenhorst, Köpenick, Mahlsdorfer Straße. Referent: Fritz Schröder. Abt: Kundgebung im Konzerthaus Gsell, Pankow, Breite Str. 34. Beginn 19,30 Uhr. Referent: S. Aufhäusen 11. 12. 15. IS. 9«. 108. 129. Arbeiterdichter packend zu Gehör bringt. Barnabas von Geczy und seine Sechs musizierten und erregten Staunen ob soviel Könnens. Sie ver- zauberten einen jeden Zuhörer in ein völliges Losgelöstsein vom Tageskampf und-krampf. Lauter und herzlicher Beifall! Durch eine rein artistische Nummer, wunderbar gekonnt, erfreute der Kartenkünstler Valentina Grazidei. e. b. BcdUv UeM coi! Haute demonstrieren die Kreise: Unsere nächsten öffentlichen Partei- und Betriebs-Veranstaltungen: Tanz mit Vorspiel Rose-Theater Die Straße zum Rofe-Theater war am Sonntag durch einen nationalsozialistischen Auf- marsch gesperrt: Blau-Uniformierte, Schupos mit Hakenkreuzarmdinde. Einer in brauner Uniform lief mit der Sammelbüchse neben dem Zug. Im Abstand von einigen Atempausen mobilisierte er immer wieder den Sprechchor: „Deutschland"...„erwache":„Iuda"...„ver- recke!" Solch Vorspiel ist geeignet, ein wenig von Kunst und Kullur abzulenken. Auch al» man endlich im Theater saß, war man noch von der polizeilichen Wellanschauung, dt« sich in der präzisen Formel „Iuda verrecke!" ausdrückt, zu stark gefesselt, um den Darbietungen aus der Bühne gleich volle Aufmerksamkeit schenken zu können. Die ersten Tänze, die die Mitglieder der Trümpy- S ch u le zeigten, entglitten als farbige Bewegt- heit den Augen. Doch dann, plötzlich, wurde die Freude wach in der frischen, heiteren Luft der Kunst, angesichts dieser begabten jungen Menschen, die chren tänzerischen Körper als Glück erleben und die chn andere als Glück erleben lassen, trotz alledem. Die hochbegabte Afrika Döring, die diszipliniert-übermütige Dora Bertono ff, die witzige Könnerin Käche B e l l i n g, die Meisterin Berthe Trümpy, mit ihnen die gesamte Gruppe, eroberten das Publikum. Man erlebte Kunst: man erlebte in chr vollkommenste Gemein- fchaft, die auf der Bühne jede Tänzerin an den ihr gemäßen Platz stellte, die überstrahlte auf die Zuschauer. Darum war eigentlich alles besonders schön. Als künstlerssch Stärkstes wäre vielleicht zu nennen das„S ch w e r t l i e d" der Trümpy. die „Monotonie" der Döring, aus den„The- m e n der V i e r t h e t t" das„G e l r a g e n". Ein sehr glücklicher Abschluß der Veranstaltung waren die„Heiteren Tänze", die den Zu- schauer in den unfrohen Alltag mit ein wenig nachhaltigem Frohsinn entließen. S—z. Arbeiterbildung im Arbeitslager. Wie uns aus Heidelberg berichtet wird, veranstaltete der Aus- jchuß für Volksbildung an der dortigen Universität unter dem Vorsitz des Rektors Prof. Andreas eine Tagung über das Thema„Arbeiterbildung im freiwilligen Arbeitsdienst und in den Arbeit»- lagern". An den Sitzungen nahmen über 100 Pro- fessoren, Lehrer aller Schularten sowie Führer und Lehrer der Arbeitslager teiL Der Geschäftsführer des Ausschusses, Dr. Buchwald, legte eine ausführliche Denkschrift vor, die hauptsächlich aus Grund statistischen Materials einen Ueberblick über die Bildungsinteressen der Arbeiter gab. Die Bildunaspfleg« in den verschiedenen Formen des Arbeitsoienstes wurde eingehend besprochen, die begonnene Arbeitsgemeinschaft soll in einer wel- teren Tagung sortgesetzt werden, die die Gestaltung des besten Lehrplans zum Gegenstand haben wird.' Der kunstbetrieb wird durchforstet. Mit dem kürzlich oollzogenen Wechsel in der Leitung des mecklenburriijchen Staatsthcaters— der bisherige Intendant Felfing wunde fristlos beurlaubt— Hot sich die mecklenlmrg-jchwerinsche Staatsregierung nicht begnügt. Gleichfalls mit sofortiger Wirkung ist der bisherige Büroleiter beurlaubt worden. Sogar die Stenotypsstin, die früher einmal Privat- sstretärin des sozialdemokratischen Finangministere Asch war, wurde beurlaubt. Ott««lemperer wird am ö. März im Konzert des Phildarnwniich-n Chors die M i k s a s o l e m n i« von Beechoven dirigieren. Der Aufführung geh: Sowiadend ein« öffentlich? Generalprob« voran». Rundfunk der Woche Rückblick in die Nazi- Presse Die Beschäftigung mit den Kernfragen der Rundfunkgegenwart ist für den Zeitungsschreiber einigermaßen beeinträchtigt. Also flüchtet er in die Rundfunkvergangenheit, und zwar. um sicher zu gehen, in jene, die sich in den Regierungsblättern Böltischer Beobachter und ,, Angriff" ihm darbietet. An aufschlußreichen Artikeln zu Rundfunkproblemen fehlt es in diesen Blättern nicht; man braucht gar nicht sehr meit zurüdzuschlagen. Im Bölkischen Beobachter" fandet man zahlreiche grundlegende Artikel, die den Hauptabteilungsleiter der Abteilung Rundfunt der Reichspropagandaleitung der NSDAP., Horft Dreßler Andreß. zum Verfasser haben. " Am 28. Oktober des vergangenen Jahres veröffentlichte er eine Auseinandersetzung unter dem Titel Das Rundfuntmonopol ber poltstremben Herren" In jener Zeit stand bekanntlich der Rundfunt unter der Oberleitung des von der Freiherren- Regierung er: Erinnerung " gut einem Bierteljahr, am 7. November, erschien unter der Ueberschrift Papen Funt oder...?" eine Abhandlung, die über die Grenzen reiner Rundfunkfragen hinaus Bedeutung hat, und auf die es sich lohnt, näher einzugehen. Es handelte sich um einen Vortrag, den ber nationalistische Schriftsteller Friedrich Hi el. scher im Programm der Deutschen Welle halten sollte und der, wie der„ Angriff" damals nach einer Rückfrage bet Hielscher mitteilen fonnte ..wegen Staatsfeindlich feit" abgesetzt wurde. Es heißt in dem Artikel: Als entscheidende Gründe( für das Verbot) führte der Rundfunk an: Erstens sei die Privatwirtschaft tritisiert worden, und.. ein Eintreten für die Planwirtschaft unter Hinweis auf den Großen Kurfürsten, den Soldatenkönig Friedrich den Großen und Bismard tonne in der Gegenwart staatsschädlich wirken, da die Regierung die Privatwirtschaft zu schützen und neu zu beleben Anstalten treffe. Zweitens fei die christliche Grundlage des Staates gefährdet, indem Hielscher herausgearbeitet habe, daß Friedrich II. von Hohenstaufen und Friedrich der Große insbesondere Gegner der christlichen Kirche gewesen seien. Drittens fönne ein Angriff auf die„ milhelminische Oberschicht" nicht zugelassen werden: Hielscher habe ihr das Bersagen vor dem Kriege, im Kriege, in der Revolution und jekt vorgeworfen." Unter den besonders beanstandeten Stellen des Bortrages ist vornehmlich eine interessant; der Angriff zitierte fie: Breußen ist Siedlungsland. Es ist das Land der zweiten und dritten Bauernsöhne, die den Wagemut und den Forderungswillen befizen. der zur Landnahme gehört. Wir brauchen Raum." Der Angriff", erklärte sich damals ausdrücklid) menn und trot abweichender Einstellung in vielen sehr wichtigen Punkten an diesem Vortrag inter effiert. Aber das war, wie gesagt, noch in jenen Tagen, als die NSDAP. weder in Rundfunffragen noch sonst freundschaftlich zu den Deutschnationalen ihrer Weltanschauung stand. Wenn den Arbeitern die Löhne gekürzt werden; den Arbeitslosen die Unterstügungssäge gestrichen werden; wenn den kleinen Rentnern die legten Hungergroschen genommen werden; wenn die Konzerne und Truste nach dem Diktat Jakob Goldschmidts subventioniert werden; wenn die Erbschleicheret sich in den Aemtern breit macht und über die Hintertreppe in die Macht hineinschmuggelt; menn die Faulenzer ernten wollen, wo andere gesät haben; wenn durch eine furzsichtige, sozial- reaktionäre Politik das ganze Bolk in die Arme des Bolschewismus getrieben wird dann sind die Deutschnationalen immer dabei." Auch das erklärte vor einem guten Vierteljahr der Angriff" seinen Lesern unter der Ueberfrchift., Die Methoden des Berlages Scherl: Neue Fälschungen und Verleumdungen“. -Das alles sind heute natürlich nur historische Betrachtungen, wie sie eben die notverordnete Bresse und der regierungsverordnete Rundfunk zulaffen Am 5. März können die Rundfunkhörer auch hierzu ihre Meinung sagen! Tes. Subcyfti. Ingenieur Dr. Weigt und Techniker leder angestrengt hatten. Während die Reichsrundfunkgesellschaft auf Wunsch der Reichsregierung die drei Angestellten fristlos entließ, da diese sich kommunistisch betätigt hätten, stehen die drei fristlos Ent lassenen auf dem Standpunkt, daß der Rundfunk Fein Tendenzbetrieb im Sinne des Betriebsrätegesetzes set und deshalb Entlassungen aus poli tischen oder konfessionellen Gründen nicht vorgenommen werden dürften. Zu einer Verhandlung kam es nicht, da der Termin aufgehoben wurde, weil außer gerichtliche Verhandlungen schweben. Die Rammer wird einen neuen Termin ansehen, falls sich die außergerichtlichen Vergleichsverhandlungen zera schlagen. Bergarbeiterprotest Streit in Oberschlesien Kattowih, 27. Februar. Ein Betriebsrätekongreß der Bergarbeiter Ostoberschlesiens beschloß am Sonntag, dem Arbeit geberverband ein Protestschreiben ultimativen Charakters zugehen zu lassen und darin mitzuteilen, daß die Unternehmer innerhalb 24 Stun den die Möglichkeit haben, thre Kündigung zurüdzunehmen Im anderen Falle wird am Donnerstag der Generalstreif proflamiert. Die endgültige Entscheidung wird a m Mittwoch in einer Zusammenkunft der Ge mertschaften mit den Obleuten der Bergbaugebiete polnisch Oberschlesiens fallen. Die Sosnowicer Kohlenbau- Gewerkschaft hat dem Demobilmachungskommissar mitgeteilt, daß fie am 12. März die Mottiner und die Klimont Grube, beide im Dombrowaer Revier, stillegen werde. Durch diese Stillegung würden 1600 Arbeiter brotlos werden. Es ist beabsichtigt, die Klimont- Grube zu ersaufen, während man die Mottiner Grube mit Notstandsarbeiten aufrechterhalten will. So hausten 1914 die Kosaken in deutschen Landen. nannten Erich Scholz, was zur Folge hatte, daß die Senderprogramme täglich mit fräftiger Razi Propaganda und noch fräftiger FreiherrenPropaganda gefpidt waren, während ihr geistiger Gehalt rapid abnahm. In dem Artifel von Dreßler- Andreß werden die Rundfuntreden. Don Gregor Straßer und Goebbels erwähnt; dann heißt es( die Sperrungen befinden fich im Originaltegt): Die Regierung Bapen hat erkannt, was es mit dem Rundfunk für ein Bemenden hat. Herr von Papen nimmt den Rundfunk darum ausschließlich für die Propagierung feiner Rabinettspolitik und für die Mitglieder des Herrentlubs in Anspruch. Herr von Bapen weiß, warum er das tut Er scheut den Vergleich und die Gegenüberstellung von Auffaffungen. Herr von Papen redet und sucht Jeinen Ruhm als Schönredner dadurch besonders zu begründen, daß er den Führern des Boltes das Recht der freien Rede nimmt. Auch eine Tat, zugleich eine Ent hüllung: Das Eingeständnis der Ohn macht und Schwäche. Das aber ist es, mas bie heutigen Machthaber fürch ten, die Kritit, die Gegenüberstellung, und die Urteilsfindung des Boltes, die eine Klarstellung der politischen Unfähigkeit dieser Herren zur Folge hätte... hat schon unter Brüning die einseitige Ausschaltung der Nationalsozialisten vom Rundfunk zur Empörung und zum politischen Widerspruch geführt, so wird jetzt, nach der viel größeren Willtur in den Bestim mungen des Kabinetts von Papen, ein unge. heurer Broteststurm losbrechen. Wir Nationalsozialisten werden dafür sorgen, daß die Berbitterung über die Knebelung der Meinungsfreiheit am Rundfunt, daß die leidenschaftliche Ablehnung folcher folcher Unterdrückungsmaßnahmen Nächtliche Straßenkämpfe Wieder zwei Tote in Berlin Der Straßenterror nimmt mit dem näherrüden des Wahltermins immer schärfere Formen an. Bon der Sonnabendnacht bis zum Sonntag abend find in Berlin 3 wei Tote und eine Reihe von Schwerverletten zu beklagen. Bei diesen Unruheopfern handelt es sich fast durchweg um Arbeiter. Leider ist es in feinem Falle gelungen, die Mordbuben zu faffen. Im Often der Stadt wurden auf fommunistische Berkehrslotale regelrechte Feuerüberfälle verübt. Die Inhaber der Gaststätten find beide Male von den Kugeln der Mordbanden getroffen und schwer verleht worden. Wie bereits furz im Sonntag, Bormärts" be richtet wurde in den Abendstunden des Sonnabends in der Cuvrystraße ein Arbeiter von unbekannten Tätern erschossen. Der Tote iff inzwischen als ein 23 Jahre alter Hilfsarbeiter Erich Schulze aus der Görlitzer Str. 56 ermittelt worden. Das zweite Todesopfer fiel in Charlottenburg. Wie wir dazu erfahren, wurde heute gegen 4 Uhr früh bei einem politischen Zwischenfall ein junger Mann, namens Günter Faltenstein, an der Ede Grolmann- und Schillerstraße bestialisch niedergeftochen. Die Täter jagten ihrem Opfer die Dolchtlinge in die Halsschlagader, so daß der Tob schon nach wenigen Minuten eintrat. Die feigen Mörder flüchteten und entfamen. Der Ermordeté foll Kommunist gewesen sein. Durch zwei zur gleichen Zeit ausgeführte Feuerüberfälle auf KPD.- Cotale wurde in der legten Nacht die Matternstraße im Osten Berlins in große Aufregung versetzt. Kurz nach 23 Uhr erschienen in der Matternstraße mehrere Terrortrupps, die auf die beiden Lokale eine Reihe von Echüsse abfeuerten. Die Wirtin der einen Gastwirtschaft, die 53 Jahre alte Frau Anna R., wurde Staats MA Theater Montag, den 27 Februar Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr La Traviata Staatliches Schauspielhaus 19% Uhi Faust II. Teil durch einen Kopf- und Schulterschuß niedergeftredt. Der Inhaber der anderen Gaststätte, der 50jährige Baul Fischer erlitt einen Armschuß. Die Schwerverletzten fanden im Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahme. Polizei schießt! Aus dem Polizeipräsidium erfahren wir, daß im Norden der Stadt am Sonntag fommunistische Trupps zu demonstrieren versuchten. Dabei foll nach Angaben der Polizei auf die Be< amten geschoffen worden sein, als die Züge aufgelöst wurden In der Stralsunder Straße sollen aus der Menge acht Schüsse gefallen sein und in der Reinickendorfer Str. follen die Demonftranten ebenfalls einige Schüsse auf die Schüpobeamten abgefeuert haben. Polizeibeamte wurden nicht ver wundet, dagegen find zwei Demonftranten durch Schüsse der Polizei verletzt worden. Der 22 Jahre alte Herbert Urban erhielt einen schweren Beckenschuß und ein noch unbekannter Mann murde durch einen Oberschenkelschuß schwer verletzt. Die Berlegten wurden als Polizeigefangene ins Staatstrankenhaus nach der Scharnhorststraße gebracht. Rundfunkmaßregelungen Außergerichtliche Verhandlungen Die dritte Kammer beim Arbeitsgericht hatte am Sonnabend einen Termin in der Klage angefezt, den die am 10. Februar d. 3. kurze Zeit vor der Rede des Reichstanzlers Hitler im Sportpalast fristlos entlassenen Oberingenieur Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Gsovsky- Ballett Medini- Trio Rassana Lotte Werkmeister* Die lustigen Weintraubs usw. nicht ohne politische Folgen bleiben." VOLKSBUHNE CASINO- THEATER Wie gesagt, diese Klagen und Anklagen des Bölkischen Beobachters" stammen aus jener Rundfunkepoche, in der immerhin nicht nur Straßer und Goebbels, jondern, um nur noch einige zu nennen, der Nazi- Gauleiter Erich Koch, der Währungsspezialist Feder und Schule. Raumburg unsere Rundfuntprogramme reich. lich mit nationalsozialistischer Propaganda beleben durften. Auf jeden Fall ist der Artikel über die ,, Knebelung der Meinungsfreiheit am Rundfunk" heute, wo man den Vertretern von meit über die Hälfte des deutschen Boltes ,, das Recht der freien Rede nimmt", eine recht nützliche Lektüre Auch im Angriff" tann man manche wertvolle Entdeckung zur Rundfunkfrage machen, foDa das fern man einige Monate zurückgeht. Zitieren einzelner Säge aus den täglichen Angriff" Kritiken zum Stein des Anstoßes werden töunte, wollen wir es lieber laffen. Doch ver Theater am Bülowplatz räglich 84 Uhr Di Norden 6536 814 Uhr. Lothringer Str. 37 Rundfunk am Abend Montag, 27. Februar Berlin: 16.00 Heitere Lieder. 16.15 Recht haben und Recht kriegen. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Die Welt aus der Schere. 17.50 Sport- Jugendstunde. 18.10 Lieder. 18.30 Richard Euringer: Eigene Dichtungen. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Fastnacht auf Schallplatten. 19.55 Losung. 20.00 Eine deutsche Geschichte der Nachkriegszeit. 20.15 Blasorchester- Konzert. 21.00 Werkverrat. 22.30 Wetter-, Tages- und Sporinachrichten. Tanzmusik. 24.00 Wiederholung: Heiteres Konzert Königswusterhausen 16.00 Pädagogischer Funk. 17.10 Deutscher Fasching in alter Zeit. 17.30 Klaviermusik. 18.00 Stunde des Beamten. 18.30 Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englischer Sprachunterricht. 19.30 Das Gedicht. 19.35 Aus Stuttgart: Faschingskonzert. 20.30 Zwei heitere Spiele. 21.15 Aus Stuttgart: Confetti( Faschingsfolge). 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 Seewetterbericht. Sonst: Berliner Programm. Berantwortlich für Politik: Rudolf Brendemühl; Wirtschaft:& Klingelböfer: Gemerfichaftsbe wegung: J. Steiner: Feuilleton: Gerbert ge père: 2rfales und Sonstiges: r18 Aarhadt: Rer Anzeigen: tto Sengst fämtlich in Berlin Lag: Vorwärts- Verlag Gm 6 Berlin Trud: Borwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u Co., Berlin SW 68, Pindenstr 3 Bezugs feder bedingungen und Anzeigenpreise werden in Morgen- Ausgabe des Vorwärts" veröffentlicht. Städt. Oper Rose- Theater B. B. B. Charlottenbur Fraunhofer 0231 Montag, 27 Februar 20 Uhr Außer Turnus iroße Frankfurter Straße 13 Tel. Weichsel E7 3427 8.15 Uhr Bendows Bunte Bühn Kottbusser Straße 6 Oberbaum 3500 814 Uhr Der Hasen- Sonntag auch 1/4 U Martha fellhändler Wilhelm Bendow Pfahl, Zador, Ludwig. Baumann Pechner Dirigent: Müller Schiller Dismarckstr. Anie Steinpl.( C1 6715 Täglich 8 Uh Louis Graveure singt in 84 Uhr La Vallière" Die Sardinenfischer Nur noch bis Sonntag, 5 März, auch von Castonier, Regie: R Zindler Luise Rainer, Karchow, Than, Mariow Halden Stein, Horney. Almas, Dahlke TERLAND crearted fiel Immer cin.orgnilgter Abend KEMPINSKI BETRIEB Sonntag 4 Uhr: ..Der Fürst von Pappenheim" 99 Ab 6 März... Die tolle Lola Gutschein 1-4 Personen Parkett 0,60 Faureuit.75 Sessel 1,25 Kurfürstend.- T. Deuisches Huns ler heater Preise is M Theater Deutsches Theater Der scharfe Löwe Alice Hechy Theater imm Hierzu 1 Beilage. . Schwerhörigaber doch gut hören Möchten Sie das wieder? Wollen Sie Ihrem Beruf ungehemmt nachgehen, an allen Freuden von Wort, Ton und Musik wieder tellnehmen? Sicherlten! D2 Weidend. 116 Admiralspalat Original- Akustik" Mittwoch, 1. März 8 Uhr Erstaufführung Das große Welttheater von Hugo v. Hofmanns hal Regie Max Reinhardt 8+ Kleines Th.nferate um Unter d Linden 44 Merkur 1624 Truppe 1931 Wer ist der? Bummste Jas Ti ea er ohne Tb.d.Schauspieler Preis 75P ,. b. 4. M. Bon- Wirtschaft urfürstendamm 0 Bism. 140 14 Uhi Glückliche Reise Operette von Künneke Preise von 0.60 bis 6.-M. Barbarossa 0403 Täglich Uhi AutomatenBürcl Komödie mit V usi Agnes Straub, Stobrowa, Heitinger, Trenk- Treb.tsch Sonntag 4 Uhr Sonntag Lacam. 31/ ile ne Preis Komödienhaus chiffbauerdamm el. Dz Weid. 6304-0 Täglich 8 Uh Achtung. Kampt der Tertia Itrisch gestrichen Vorwärts ichern Erfolg! Richard Tauber Frühlingsstürme Wegen d.Wahl verübergeh.ad geschlossen. Wiedereröffnung 10. März 1933 Carow's Lachbühne Weinbergsweg 20 Tel. 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Das Borrecht der Kammer über den aus beschränkter Wahl hervorgegangenen Senat ist in der Verfassung nicht ausdrücklich umschrieben; ebenso konnten die Juristen der Meinung sein, daß die Bestimmung: Der Präsident der Republik ernennt die Minister" die Verabschiedung eines Ministers, der von der Kammer fein Mißtrauensvotum erhalten hatte, erlaube. Die Richtung, die 3 das Präsidialkabinett des Duc de Broglie an Stelle der liberalen Tendenzen der Republitaner in der Politik zum Siege führen wollte, nennt man die moralische Ordnung", nach dem Ausdrud, mit dem das erste Kabinett Broglie im Jahre 1873 das Septennat des Marschalls Mac Mahon eingeleitet hatte. Es entspricht ziemlich genau dem militärisch- pietistischen- antifozialistischen Programm des heutigen Kabinetts Hitler. In Frankreich ist die moralische Ordnung", die die soziale Gefahr der demotratisch republitanischen Ideen" betämpfen follte, der Ironie verfallen; der Parlamentarismus, der sich von einer freiheitlichen Republik nicht trennen läßt, ist das Wesen der Dritten Republik geworden. Rehren wir nach 1877 zurüd. Der Präsident der aufgelösten Kammer, Jules Grévy, der als Republikaner allerdings ein anderes Format be faß als der Reichstagspräsident Göring, sprach beim Auseinandergehen das Vertrauen in das Band aus, das den Beweis erbringen werde, daß die Kammer m ihrer fürzen Laufbahn sich un Frankreich und die Republif verdient gemacht habe. Die Neuwahlen fanden in der verfassungsmäßigen Frist von drei Monaten statt. Die Regierung wählte den äußersten Termin, um in de Zwischenzeit eine nie dagewefene offizielle Kampagne zu entfalten. Alle Mittel, die das deutsche Kabinett in den bevorstehenden Wochen erfinden tönnte, von der Beamtenbeeinflussung, der Handhabung der Ruhe und Ordnung" bis zur Mobili fierung des Reichspräsidenten und der Regierungs urne", wie er die Patronisierung der nationalen Kandidaten genannt hat, find vom Kabinett Broglie bereits vor 56 Jahren erprobt worden mur der Rundfunk fehlte. Alerandre 3éraès gibt in feiner Historie de la Troisième Répu blique" eine drastische Schilderung, die mir unferen Lesern nicht vorenthalten möchten. Der Präfident MacMahon durchreifte Frantreich, rief zur Sammlung aller ordnungsliebenden Männer gegen die Parteien auf, deren politische und soziale Dottrinen die Brivatintereffen beimruhigten und den Staat in Gefahr brächten. In einem Manifest vom 13. Of: tober erflärt der Marschall, daß der Kampf zwischen Ordnung und Anarchie ausgetragen we den und der patriotische Wähler für die Kandidaten stimmen müsse, die mit der ausdrücklichen mpfehlung des Marschalls versehen seien. Auf den Wahlplataten tonnte man in der Tat esen: Candidat du Gouvernement du Maréchal MacMahon". Der Minister des Sunern, de urtou, ein rücksichtsloser süde franzöfifcher Atofat, feite 40 Präfekten während der Wahlperiode ab, löfte 613 Gemeinderäte auf und wechselte 300 Maires oder Mairestellvertreter, deren Ernennung ein Geseh von 1873 bereits in autoritärer Absicht dem Präsidenten übertragen hatte. 344 republitanische Komitees, Freimaurerlogen, Bandwirtschaftstammern wurden geschlossen Die Ueberwachung der Wirtschaften geschah in strengster Beise; wo eine republikanische Propaganda gegen die Regierung oder eine laute Lektüre oppofitioneller Blätter festgestellt wurde, schritt die Polizei ein Die Zeitungsverkäufer und Kolporteure murden für die Angriffe der Blätter und ausgetragenen Broschüren haftbar gemacht. Die Zahl der Beamten, die wegen politischer Unbotmäßigfelt entlassen oder versetzt wurden, ging in die 5000 Der Finanzminister Eugen Caillaug( der Bater Joseph Caillaur') beauftragte die Steuereinnehmer, unerbittliche Strenge zu zeigen, und ließ den Inhabern der Tabakbüros bei politischer Agitation das Patent entziehen; der Minister der öffentlichen Arbeiten erinnert daran, daß die Regierung über das Eisenbahnpersonal ein Maßregelungsgesetz befize. Die Gerichte verur. teilten in Maffe: 400 Prozesse wegen Beleidigung des Marschalls und ebensoviel wegen Beleidigung der Staatsbeamten waren anhängig. Gam= betta hatte auf die Drohung einer neuen Kammerauflösung in seiner berühmten Rede in Lille geantwortet: Wenn das souveräne Bolk seine Wahl getroffen, dann gibt es niemand, an so hoher Stelle er stehen möge, der ihm die Stirn zu bieten imstande ist. Glauben Sie mir, wenn diese Millionen Bauern, Bürger, Arbeiter ihren Willen fundgegeben haben, wenn Frankreich seine souveräne Stimme hat ertönen lassen, dann heißt es, sich zu fügen oder den Plaz zu räumen." Dieses tühne Wort, das zur republikanischen Wahlparole wird, veranlaßt den Duc de Broglie, eine Strafverfolgung gegen Gambetta wegen Beleidigung des Marschalls einzuleiten. Er wird vom Seine- Tribunal zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, aber der republifanische Leader zieht in fluger Weise den Prozeß bis zu den Wahlen hin. Frankreichs Wähler gegen das Präsidialkabinett In Frankreich hat sich die Wählerschaft nicht zum Spott an die Urne führen laffen. Sie erteilte in den Oktoberwahlen von 1877 den undemokratischen Machenschaften der offiziellen Kandidatur" die verdiente Antwort: die Republikaner 30gen mit 327 Deputierten wieder in das Parlament und hatten unter dem beispiellosen Druck der Regierung und trotz der Popularität des Marschalls nur 36 Sige eingebüßt. Am 7. November treten Senat und Kammer zusammen. Man weiß nicht, ob die Regierung mit einem Staatsstreich antworten wird. Die republikanische Mehrheit ernennt einen Ausschuß von 18 Mitgliedern, darunter Gambetta, Louis Blanc, Jules Ferry, Clemenceau, Henri Brisson, Floquet, Tirord, der in ihrem Namen die Entschei dungen treffen soll, welche die Situation erheischt. In drei Tagen ist die Kammer konstituiert und hat ihr altes Büro wieder ernannt, um anzudeuten, daß sie sich als die Fortseßung der widerrechtlich aufgelösten Kammer von 1876 betrachtet. Der Kampf gegen das Kabinett wird sofort aufgenommen. Die Republikaner bringen den Antrag ein, eine Untersuchungsfommission von 33 Mitgliedern zu ernennen, um die Akte der Regierung nachzuprüfen. De Braglie und Gambetta stehen sich in einem impofanten Rededuell gegenüber. Der Ministerpräsident, bent niemand bie haltung absprechen kann, stößt den Antrag mit Hohn zurück, da er sich nicht vor einem neuen ,, Wohlfahrtsausschuß" beugen wolle.. Er macht fein Hehl aus seiner Bekämpfung der radikalen Republit, nennt es seine Würde, für die traditionelle Ordnung zu stehen und zu fallen. Aber Gambetta ist der Mann, der ihm mit der ganzen Leidenschaft des Volkstribunen zu antworten weiß. Troß dem Zeitenwandel, trog der steigenden Flut der Demokratie, die Sie leiten und erleuchten sollten, troß dem Fortschritt der politischen Freiheit, trotz dem nationalen Einigungsbedürfnis des besiegten Frankreich sind Sie der Feind der Demokratie, sind Sie ein Aristokrat geblieben! Das scheidet uns!" Mit 312 gegen 205 Stimmen wird der Antrag auf Einsetzung der parlamentarischen Untersuchungstommiffion gegen die Regierung angenommen, und das Kabinett der Ducs reicht seine Demiffion ein ( 19. November 1877). MacMahon will sich noch nicht beflegt geben. Er erwägt eine zweite Kammerauf. lösung, zu der ihn seine Kamarilla zwingen mill, aber der Senatspräsident, Duc d'Audiffret Pasquier, ein Orleanist, warnt ihn, daß er dem Senat nicht zu viel zumuten dürfe. Die Führer der tonservativen Parteien haben mur bedingtes Vertrauen in neue Rammerwahlen. So begnügt sich der Marschall, ein außerparlamentarisches Kabinett unter dem General de Rochebouët, einem alten Waffenkameraden aus der Krim und Italien, zu bilden. Keine bekannte Persönlichkeit war zu bewegen gewesen, das aussichtslose Amt zu übernehmen Die Minifter waren der Staatsverwaltung entnommen und völlig unbekannte Männer. Ihr Programm ist die Politik der moralischen Ordnung" und des Seize Mai( 6. Mai). Das Kabinett de Rochebouët besitzt in der parlamentarischen Geschichte den einzigen Ruhm, das furzlebigste der Dritten Republik gewesen zu sein! Die Kammer, erbittert üben den Affront, stürzte es bei seinem Erscheinen mit 325 gegen 208 Stimmen durch eine Tagesordnung, in der es hieß, daß das Ministerium eine Negation der Rechte der Nation darstelle und die Volksvertretung fich weigere, mit ihm in Beziehung zu treten". Die Spannung ist aufs höchste gestiegen. Staatsstreichgerüchte gehen um. Es thlt nicht an Ratgebern im Einsee, die dem Marschall einreden, sein Nachgeben wäre der Untergang der tonservativen Partei Er solle der Kammer das Budget vorlegen und wenn sie sich weigere, es zu bewilligen, wie Bismard in Preußen darüber hinwegschreiten. Die Proklamierung des Belagerungszustandes würde den Rest besorgen. Der Kriegsminister des Kabinetts Broglie, General Berthaum, den Jules Simon nach dem Seize Mai zum Bleiben bewogen hatte, als legte Garantie des Regimes, weil er zu ehrenhaft für einen Staatsstreich war, hatte demissioniert und auf seinen Nachfolger war nicht derselbe Verlag. Es werden Instruktionen an die vero schiedenen Armeekorpsfommandan ten geschickt. Da ereignet sich der Zwischenfall des Majors Laborbère, der sich in einer südfranzöfifchen Garnison dem Regimentschef gegenüber weigert, einen Befehl auszuführen, den er als eine politische Maßnahme gegen die republitanische Partei betrachtet. Es war für mich fein Zweifel", schreibt er, daß man uns in derselben Nacht marschieren laffen wollte, und ich erflärte meinem Oberst: " Ein Staatsstreich ist ein Berbrechen; ich bin. ein Ehrenmann und mache mich nicht zum Bomplicen. Wenn auch nichts Positives bemiesen werden tonnte, so machte der Fall gewaltiges Aufsehen und rüttelte die republikanische Meinung auf. Labordère, der feinen Dienst quittieren mußte, murde später für seine Bachfamfeit zum Senator gewählt. MacMahon tam zur Selbstbesinnung. Benn sein politischer Horizont mährend dieser Krise seine ganze Enge bewiesen, fo mollte er doch um teinen Preis das Land in einen Bürger trieg stürzen und die Armee entzweien. Die moralische Ordnung, die seine Regierung auf die Fahne geschrieben hatte, drohte ins Gegenteil um zuschlagen. Er beauftragte den alten Dufaure, Adam Scharrer: MONTAG, 27. FEBRUAR 1933 P ein Rabinett nach den parlamentarischen Regeln zu bilden. De Freycinet, der als Radifaler und Freund Gambettas das Portefeuille der öffent lichen Arbeiten erhielt, erzählt in seinen Erinne rungen" den Hergang der entscheidenden, Be spreching. MacMahon war nach dem langen Kampfe fichtlich entmutigt und empfing die Ministerkandidaten, die ihm Dufaure präsentierte, mit gemischten Gefühlen. Der alte Parlamentarier ging mit Behutsamkeit vor, zuerst die dem Prästdenten genehmen Persönlichkeiten auf der Liste Dorwegnehmend. General Borel als Kriegsminister?" Der Marschall war einverstanden, aber schon beim Marineminister und dem Minister des Auswärtigen erhob er Einwände. Wad dington?" Als Mitglied der Akademie der Inschriften scheint er mir die alte Geschichte besser zu fennen, als die zeitgenössische", meinte er in feiner faustischen Art.„ Sie irren fich, Herr Präsident, Waddington hat die moderne Geschichte ebenfalls studiert!" antwortete Dufaure höflich, aber bestimmt. Ich hatte sehr auf ihn!" Rach dem der Gegensatz der Meinungen so mehrmals in die Erscheinung getreten war, meinte der Marschall mit Resignation und allen Anwesen den ging fein Bekenntnis zu Herzen Meffieurs, Sie sehen meine Cage. Ich bin gezwungen, Ihre Bedingungen anzunehmen. Handeln Sie, wie Sie es für gut befinden! Er hörte die Letture der Ministerliste an, ohne sich mehr zu den Namen zu äußern. Es war das Ende des persönlichen Regimes. Daß die Kapitulation ohne Eflat geschah und die Würde des Präsidenten der Republik nach außen gewahrt blieb, zeugt für die politische Vornehmheit der damaligen Republikaner. Der Marschall blieb noch das ganze folgende Jahr im Amte, und präsidierte die Pariser Weltausstellung, die die Wiedergeburt Frankreichs nach dem Kriege und feine ehrenvolle Stellung auf dem Gebiete der friedlichen Wettstreites der Nationen symbolisierte. Immerhin ging MacMahon nicht bis ans Ende feines Septennats, das am 20. Rovember 1880 abgelaufen wäre. Die Partial wahlen des Senats vom Januar 1879. hatten den Republikanern den Sieg in dieser bisher konser vativen Bersammlung gebracht und so die politische Harmonie der gefeßgebenden Gewalten hergestellt. Der Präsident der Republik meigerte fich die Ernennungsdefrete einer Anzahl, hoher Beamte aus den Reihen der Linksparteien zu unterzeichnen und reichte am 30. Jamiar 1879 feine Demiffion ein. Die Rammern. die damals noch in Berfoilles tagten, vereinigten sich eine Stunde später zum Kongreß und wählten Jules Grévy zum Bräsidenten der Republit. Die Aera ber Generäle mar vorbei und sollte in der Boulange" mur noch episodisch wieder auftreten. Die Republik gibt sich hinfort ihre Drommg selber und bedarf nicht des Säbels noch der Moral von oben". Versteigerung Eine Szene aus dem Bauernromam„ Kampf um die Erde Ms der Gerichtsvollzieher und die beiden Gendarmen am Bahnhof ausstiegen und ins Dorf gingen, liefen die Kinder in die Häuser und mach ten das Dorf mobil. Es war 11 Uhr vormittags. Bis 12 Uhr faßen Gendarmen und Gerichtsvoll. zieher in der Krone" und frühstüdten. Um 12% Uhr war die Bersteigerung festgefeßt. Die Straße stand voll Menschen. Der Gerichtsvollzieher hatte einen grauen Spizbart, einen Kneifer und eine Aftenmappe. Er ging zwischen den Gendarmen. Bec, der Gemeindediener, hintte hinterher. Er unterhielt sich mit einem dicken Herrn mit rotem, gesundem Gesicht, an den dickfleischigen Fingern flogige. Ringe. Zwei andere Männer trugen lange Stiefel und unter der Joppe gestreifte Blusen. Der Gerichtsvollzieher und ein Gendarm gingen die Stufe hoch und Klopften an der Haustür. Toni öffnete. Der Gerichtsvollzieher reichte Toni ein Schriftstück zur Einsicht hin. Toni zuckte mit den Schultern Der andere Gendarm und die beiden Männer mit den langen Stiefeln gingen in den Stall und führten die Kuh in den Hof. Der Rotgesichtige trat zu den Gendarmen. Der Gerichtsvollzieher gab noch einmal bekannt, es wird eine Kuh des Herrn Toni Trollner vers steigert. Er nannte die dazugehörigen Paragraphen und forderte auf der amtlichen Tare von zweihundert Mart. ein Angebot. Er fah in schweigende Gesichter. Nur Blechner fagte: Is a arg brederts Geschäft!" Die Gendarmen muisterten Blechner. Der Gerichtsvollzieher schneuzte sich. Der Rotgesichtige befühlte die Weichen der Kuh, fühlte ihren Leib an, um die Trächtigteit festzustellen und bot Zweihundertfünf. ,, Is a arg brederts Geschäft!" sagte Blechner wieder. Zum ersten, zum zweiten, zum Da sagte Blechner: Zweihundertzehn!" Das tam so unerwartet, daß alle Gesichter auf Blechner zuflogen. Er war zwar dafür bekannt, daß fein Denken oft sehr sprunghaft und unte berechenbar war, boch teiner mußte ihm eine Schuftigteit nachzuweisen. Der Rotgesichtige bot 3methundertfünfzehn. Blechner Zweihundertzwanzig. Das Schweigen der Zuschauer wich mun einem bedrohlichen Ge murmel. Bos macht denn Michel?" fragte der 3apf. " Blechner bot weiter. Bei 3meihundertfünfzig zögerte der Rotgesichtige. Blechner bot Zweihundertsechzig. Käthe drängte sich von hinten durch und riß Michel am Rod. Zum dritten- und letztenmal!" fagte da der Gerichtsvollzieher Der diensteifrige Bed hatte eine alte Tür auf den Sägebod gelegt, damit der Gerichtsvollzieher Mappe und Schreibmaterial ablegen konnte. Blechner zählte auf diesen provisorischen Amts tisch zweihundertsechzig Mart. Der is gwiß total närrisch wordn!" sagte Kathl ,, Wo hat er denn überhaupt fuviel Geld her?" fragte sie dann in sich hinein. ,, Der Spaß fann Ihnen teuer zu stehen kommen, Herr, Herr Blechner. Was erlauben Sie sich eigentlich?" Der Kneifer zitterte auf der Nase der staatlichen Gewalt. ,, Spaß? Wieso Spaß?" Der Gerichtspollzieher wurde noch zorniger. Also vorsäglicher Betrug! Wertvolles Ein geftandnis!" Die Gendarmen befahen me ebenfalls bie Scheine. Einer lächelte, der andere schüttelte ärgerlich feinen behelmten Kopf. Blechner antwortete: Dös Geld is mir im Jahr drelundzwanzig auszohlt wordn von der Bant. Ho doch a mei Vieh dragebn und ba ho i halt dentt, i la mir wieder a Ruh dafür taufn." Blechner steckte feine Inflationsscheine mit tooernstem Gesicht wieder in feine Brieftasche. Der Gendarm gab nun bekannt, die Versteige rung muß noch einmal vorgenommen werden, und er warnte vor jedem nicht ernstgemeinten Angebot. Noch einmal überall Wintersport Meisterschaften über Meisterschaften Da standen überall die Rodelschlitten und Sftbretter in den Wohnungen herum, wurden von einer Ecke in die andere geschubst, jeder fiel darüber, alle schimpften auf den Kram und schließ lich schleppte Mutter eines Gonnabends beim Reinemachen die Dinger auf den Boden, weil ja doch kein Winter mehr kommt! Bis dahin war es reichlich knapp mit dem Schnee, der bedeckte nicht einmal das Gras, es lohnte nicht das Fahrgeld für die Bretter auf der Elettrichen. Die Eisläufer hatten es einige Tage besser. Da brauchte selbst die Eismaschine im FriedrichshainEisstadion nicht in Betrieb gesezt zu werden, 38 Grad Kälte maren es in Stralau- Rummelsburg 19 in Stralau und 19 in Rummelsburg! Aber dann ward mit einem Male Feierabend mit dem Wintersport. Und nun haben wir schon den zweiten Sonntag Schnee in Berlin, um Berlin. Was gestern nach dem Grunewald, nach Friedrichshagen- Erkner, nach dem Norden rausfuhr, das war unheimlich. Die Züge waren die reinsten Holztransporte. Es fiel direkt auf, wenn einer feinen Rodel oder keine Bretter hatte. Die Bahnen waren teilweise recht glatt gefahren, im Grunewald fand sich faum noch eine Stelle, die ursprünglichen Schnee aufwies, mancherlei Unfälle passierten. Arbeiter- Eishockeyspiele Die Serienspiele der Arbeiter- Eishockeyspieler fonnten infolge des Tauwetters am Sonnabend nicht alle durchgeführt werden. Die Eisbahn hatte stark gelitten, sodaß sich die beiden NaturfreundeMannschaften nicht zu einem Serienspiel entschließen konnten. Im Gesellschaftsspiel, das am Sonnabendabend stattfand, gewann keine Partei, der Kampf endete vielmehr unentschieden 1: 1. Die Spiele am Sonntagvormittag fielen aus, am Nachmittag war die Bahn wieder einigermaßen hergerichtet, so daß das Serienspiel Ostring 1 gegen Naturfreunde Gesundbrunnen stattfinden konnte. Der Kampf endete 2: 1 für die Naturfreunde, da Ostrings bester Mann nicht zur Stelle war und die übrigen Spieler von Ostring durch gute Störungsarbeit der Naturfreunde felten zum Schuß famen. Lettere waren immer etwas im Vorteil, das Resultat entspricht dem Spielverlauf. Heute. Montagabend findet ein Serienspiel statt, und zwor spielen Naturfreunde Humboldt gegen Freie Schwimmer Neukölln. den Damen zeigte Edith Michaelis BSC. ihr aus dem Sportpalast befanntes Glanzprogramm und holte sich damit den Meistertitel mieder. Ihr am nächsten tam Fri. Schwarz- BSC., der man zu ihrem Können nur noch mehr Ruhe wünschen möchte. Frau Bernhardt blieb mit ihren Leistungen zurück, die anderen gemeldeten Damen verzichteten auf die Teilnahme. Es ist merkwürdig, daß sich ein Läufer wie Ernst Beier um die heimatlichen Meisterschaften so wenig fümmert. Er fehlte schon im letzten Jahr und war auch diesmal nicht dabei. Der Titelverteidiger Haertel- BSC. legte ein hervorragendes Programm hin und fand wenig Konkurrenz. Er behielt den Titel. Die Paar Eishockey- Weltmeisterschaft meisterschaft fiel an empel. Weiß- BSC., obfie Bei den Eishockenspielen um die Weltmeisterschaft in Prag siegte Kanada über die Bertreter von Nordamerika. Die Mannschaften waren sich völlig gleichwertig, und wenn schließlich die Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika nach einer Verlängerung mit 21 Weltmeister wurden, so haben diesen Sieg nur etwas mehr Glüd zu verdanken. Zum ersten Male ist damit Kanada von der Weltmeisterschaft verdrängt worden. Die Siegermannschaft spielt am Dienstag und Mittwoch abends 20 Uhr im Berliner Sportpalast gegen eine einheimische Mannschaft. Kunstlaufmeisterschaften Im Eisstadion Friedrichshain wurden gestern die Brandenburgischen Eiskunstlauf meisterschaften der bürgerlichen Vereine mit dem Kürlaufen beendet, nachdem am Vortage schon die Pflichtübungen ausgetragen waren. Be ,, Sparta" Ringer- Kreismeister Juniorenwettstreit in Moabit Am Sonnabend wurde der neue Kreismeister der A- Klasse im Mannschaftsringen der Arbeiterathleten ermittelt. Bon den sechs in dieser Serie tämpfenden Mannschaften hat sich Sparta" den Titel erkämpfen fönnen. Als Endrundengegner stand auch diesmal wieder die ehrgeizige erste Mannschaft der Sportvereini gung Legef 1899" in der Endrunde. In der schönen Halle gab es tein freies Pläßchen mehr, dicht gedrängt verfolgten die Zuschauer den Endlampf. Die erste Begegnung der Ver ein im Herbst hatte Sparta mit 8%: 5% Punkten gewinnen fönnen, in der Schlußrunde stegte der neue Meister Sparta mit 9%: 4% Punkten. Der vorjährige Meister Alt- Wedding" belegte vor Luckenwalde einen achtbaren zweiten Platz. Langer( Sp.) warf, den Tegeler Kolbe in der 8. Minute, im Bantamgewicht tonnte Edert( Sp.) über Patschontet ( 2.) in der 5. Minute durch Eindrücken der Brückenlage siegen. Im Federgewichtstreffen konnte der Olympiadeteilnehmer Hüffner( Sp.) den gewandten Tegeler Hartmann in der 6. Minute überraschend bezwingen. Der Tegeler Jeffo holte mit seinem Sieg über Steinicke( Sp.) nach einer Ringzeit von 7,10 Minuten die ersten Buntte für Tegel. Die alten Ripalen Söhne(.) und A. Witt famm( Sp.) trennten sich nech 10 Minuten mit einem Unentschieden, auch die Halbschweren Lorbeer( Sp.) gegen Rofentreter( T.) sowie die beiden Schwersten Wörth( Sp.) gegen Wollschläger( T.) trennten sich mit einem Unent schieden. Auch die bisher ungeschlagene B- Mannschaft der ,, Sportlichen Bereinigung Lichtenberg- Friedrichsfelde 04" errang einen beachtenswerten Sieg über die zweite Rampfstaffel der Spartaner in dem am gleichen Abend ausgetragenen Gerienringen. Endete bie erste Runde im Herbst noch mit 7: 7 Buntten unentschieden, so gewann ,,.- F. 04" biesmal die. Runde mit 12: 2 Puntten. Damit hat die Siegermannschaft erneut ihre Anwartschaft zum Aufstieg in die A- Klaffe bewiefen; in der Staffel rangen Nöll, Jaenide, H. Binder, W. Binder, P. Binder. Schulz und Bolloschet. An der Scheibenstange zeigten bie Seber von Sparta recht gute Leistungen. Flotte Schillertämpfe im Ringen leiteten den glänzend verlaufenen Kampfabend ein. Bei den Schwimmern Vereinswettkampf Hellas- Berlin Der Arbeiterschwimmverein Hellas hatte am Sonnabend im Stadtbad Wedding die Freien Schwimmer Berlin 12 zu Gast, um mit ihnen einen Wettkampf im Staffelschwimmen und Wasserballspielen auszutragen. Die beiderseitigen Wettkampfschwimmer der Leistungsklassen B und C lieferten sich bei ziemlicher Gleichwertigkeit interessante Rämpfe. Eine Lagenstaffel, die über eine Strede von 12 mal 40 Meter führte, und alle vier Schwimmarten, nämlich Brust, Seite, Rücken und Kraul, in dreifacher Besetzung enthielt, ging infolge besserer Rückenschwimmer in der Zeit von 5: 17,6 an Hellas, während Berlin 12 15: 21,8 benötigte. Eine weitere Beute des Gastgebers wurde eine Staffel in der Kraullage, die gleichfalls über 12 mal 40 Meter ausgeschrieben war 4: 44,2 wurden für den hier allerdings ziemlich knappen Hellasfieg gestoppt, dem Berfin 12 in 4: 46,2 folgte. Die Stegliz- Lichterfelder zeigten sich in einer Bruststaffel über 15 mal 40 meter als Spezialisten. Mit fast einer Bahnlänge tamen fte hier in der Zeit von 7.18 vor Hellas ans Ziel, die 7: 37,6 benötigten. In bea affer ballspielen standen sich zuerst die beider feitigen Jugendmannschaften gegenüber. Obwohl der Hellasnachwuchs feinem Gegner spieltechnisch etwas voraus war, hielten die 12er den Kampf mit großem Eifer doch offen und famen nach ausgeglichener Halbzeit zu einem glüdlichen 4: 3- Sieg. 3m Spiel der Männer standen fich die erste Mannschaft von Berlin 12 und die zweite Bertretung von Hellas gegenüber. Die Begegnung verlief infolge der Kleinheit des Bassins etwas hart. Berlin 12 hatte stets mehr vom Spiel und zeigte vor allem den entschlosseneren Wurf auf das Tor. Mit 4: 1 Toren mußten sich die Vertreter von Hellas geschlagen bekennen. Die Wasserball- Serienspiele Zum Wochenende standen zwei Mannschaften der Freien Schwimmer Charlottenburg im Kampf um die Punkte. Die erste Mannschaft spielte am Sonnabend gegen die Gruppe Lich tenberg der Freien Schwimmer Groß- Berlin und tam trog einer unvorteilhaften Einstellung von Ersazspielern zu einem überaus sicheren 10: 3- Sieg. Charlottenburgs Mannschaft war von Beginn an mit ungemein flinter Ballabgabe in Front und hatte bereits einige Torerfolge erzielt, ehe der Gegner einigermaßen gleichwertig wurde. Lichtenbergs Hintermannschaft fand fich mit dem ideenreichen Rombinationsspiel der Charlotten burger Angriffsreihe schwer ab und brachte nur wenig System in den eigenen Spielaufbau. Auch die Stürmer zeigten bei weitem nicht die Beweglichkeit ihrer gegneri schen Kollegen und verwerteten die weiten Borlagen der Verteidigung felten entfchloffen genug. Erst nach dem fünften Erfolg der Charlottenburger holte ein Lichtenbergstürmer in schöner Manier ein Tor auf. Im zweiten Spielabschnitt erfüllte fich das Schicksal der Lichtenberger schon das Ehepaar Krümling- BEC. in der Ber teidigung ihrer Titel sicher gleichwertig war. * In Hahnenklee gewann der Hannoveraner Wiese die deutsche Viererbobmeisterschaft. Die deutschen Rodelmeisterschaften wurden in Schreiberhau ausgetragen; Sieger waren im Dameneinsizerrodel Milli Erben, bei den Herreneinsizern Kurt Weidner, im Doppelsizer die Ge= brüder Feist. Den Titel des deutschen Sti= meisters errang in Freudenstadt Fischer, Stimeister von Norddeutschland wurde der Berliner Kaßler in Freienwalde. Es war zu bedauern, daß die Stimeisterschaften in Freienwalde Stispringen auf der neu erbauten Grunewaldschanze bei Schildhorn unmöglich machter Viele Wintersportler, die die günstige Schneelage benutzten, um im Grunewald ohne viel Untoften ihren Sport auszuüben, standen unbefriedigt vor der neuen Schanze und warteten der Dinge, die nicht kommen wollten. vollends. Wohl spielte die Abwehrreihe fest aufmertfamer zusammen und hinderte den Gegner an manchem Erfolg. doch die Stürmer zeigten nichts, was eine Aenderung des Spielveclaufs hätte herbeiführen können. Charlottenburgs überlegene Technik triumphierte und weitere fitnf Lore waren die Ausbeute, wohingegen Lichtenberg nur noch awei Treffer entgegenseßen tonnte. Die Freien Schwimmer Potsdam und die zweite, Mannschaft von Charlottenburg waren die Spielgegner des Sonntags. Potsdam zeigte wie schon in seinen ersten Spielen in ber A- Klasse auch in diesem Treffen wieder ein recht gutes Zusammenspiel und vor allem einen beherz ten Torschuß seiner Sturmreihe, was den fleinen Rüd. stand in technischer Hinsicht gegen die Charlottenburger voll aufmog. Die erste Sälfte des Syteles gehörte eindeutig den eifrigen Botsdamern, während fich Charlottenburgs Reserve noch au feinem brauchbaren Rusammenfviel fanb. 3: 2 hieß es fiir Potsdam als die Seiten gewechselt wure den. Gegen Schluß des Spieles femen die Charlotten burger start auf und zwangen den Botsdamern schließlich noch ein unentschiedenes Resultat von 5: 5 ab. Arbeiter- Handball Wenn man zu einer sportlichen Beranstaltung geht, bei der eine Meistermannschaft mitwirkt, dann hofft man, Meisterleistungen zu sehen. Gemiß fann es vorkommen, daß auch der Meister einmal nicht auf der Höhe ist. Aber so, wie gestern Volkssport Wedding im Handballspiel gegen den Bezirk Osten der Freien Turnerschaft Groß- Berlin versagte, hat wohl selten ein Meister versagt. Ueber geringe Ansäge zu einer meisterlichen Kombination famen die Wed dinger nicht hinaus. Wo blieben die gefährlichen Durchbrüche, wo blieb der abschließende Torschuß? Wenn auch Often mit 7: 3 perfor, ein Erfolg für Wedding war es nicht. Als zu Beginn des gestrigen Spiels fich Webbing sofort in Führung fegte, war man im allgemeinen auf ein hohes Resultat gefaßt. Aber Osten gab sich so leicht nicht ge schlagen. Nur wenige Minuten später war der Ausgleich herbeigeführt. Erst beim Stande von 2: 2 machte fich eine fleine Ueberlegenheit ber Weddinger bemerkbar. In Arbeiter- Fußball im Schnee Ein Geselllschaftsspiel und seine Folgen Ein riskantes Experiment unternahm gestern der Baumschulenweger Sportverein in seinen Fußballspielen, gegen Bero lina und Grün- Weiß. 3wei Spiele hinter einander haben immer ihre Schwierigkeiten, wenn man dann noch die Mannschaften tombiniert, das heißt Spieler aus zwei Mannschaften zu einer Mannschaft zusammenlegt, wird es nie zu einem einheitlichen Ganzen führen. Den Schaden hatten die Baumschulenweger dann auch; das Spiel gegen Berolina wurde mit 10: 0 und gegen Grün- Weiß mit 8: 3 verloren. Zum Spiel gegen Beroling fann eigentlich wenig gesagt werden. Baumschulenweg tam überhaupt nicht zur Geltung. Von Anfang an drückten die Berolinen und führten bei der Bause bereits mit 6: 0. Nach dem Seitenwechsel schien es, als würden sich die Baumschulenweger etwas mehr Mühe geben. Einige Male hatten sich die Stürmer sehr gut nach vorn gespielt, an der Hintermannschaft Berolinas scheiterten jedoch alle Borstöße. Dann übernahm Berolina wieder das Kommando und vier weitere Treffer waren der Erfolg. Gegen Grün- Weiß fah es zu Beginn brenzlich für die Grün- Weißen aus. Baumschulenmeg brüdte, aber bie Gäste machten die Tore. Hier stand das Spiel bei der Pause erft 2: 1 für Grün Weiß. Dann aber machte sich eine immer größer werdende Ueberlegenheit der Grünhofen bemertbar. Hauptsächlich war es der Rechtsaußen, der in schnellem Tempo den Ball nach vorn brachte und mit scharfem Schuß einsandte Biel Schuld an der hohen Niederlage hat der Torwart Baumschulenweg, nicht weniger als piermal mehrte er den Ball anstatt nach vorn ins eigene Lor ab. Daß dadurch die Mannschaft depremiert wurde, ist verständlich. Die Fußball- Serienspiele Die Bodenverhältnisse auf den Pläzen waren durch den Schneefall recht ungünstig; die Serienspiele sind dementsprechend zu bewerten. Eintracht- Reinickendorf gegen Bögow 11: 2( 4: 1), FEGB.- Charlottenburg gegen Borsigwalbe 1: 7( 0: 2), Lichtenberg gegen Alemannia 4: 2( 3: 1), Sanfa gegen Weißensee 4: 0( 3: 0), Bantow gegen Borwärts- Bedding 5: 3( 3: 2), Nowawes gegen Butab 5: 1( 3: 1), Spielpereinigung Oft gegen Riders 31 3: 1( 0: 1), Teltow gegen Boltssport Neuföln 4: 2( 3: 1), Börnide gegen Buch 5: 2( 4: 1), 2udenwalde gegen Schöneberg 6: 1( 2: 1), Blau Gelb gegen Behbenid 4: 3( 1: 2), Fichte gegen Bor märts 31 7: 3( 2: 2), Minerva gegen Rot- Wet 6: 4 ( 1: 2). Jugend und Schüler: Lichtenberg Sugend gegen Spielpereinigung ft 3 7: 0, Sanfa Schüler gegen Weißenfee 9: 0( 5: 0), Sanfa gegen Romames Jugend 2: 1( 1: 0), Borwärts- Webbing gegen 8offen Schüler 8: 0, Bormärts 81 gegen Pantop Güller 14: 1( 4: 1). regelmäßigen bftänden wurde bas Ergebnis auf 5: 2 ge stellt. Kurz vor der Pause vollbrachte der Often dann eine Meisterleistung. Borbei an der ganzen Hintermannschaft Weddings fegte der Ball ins Tor. Beim Stande von 5: 3 wurden die Seiten gewechselt. Dann aber begann eine schwache halbe Stunde der Weddinger und des Schiedsrichters. Bei einem auf der Schußtreislinie liegen. den Ball glaubten die Ostenleute, der Schiedsrichter würde, wie es auch am richtigsten gewesen wäre, einen Abwurf vom Tor geben. Ein Weddinger Spieler hob den Ball auf, warf aufs Tor, und zur allgemeinen Ueberraschung lieg der Schiedsrichter dieses Tor gelten. Bei den Zuschauern machte sich eine berechtigte Erregung bemerkbar, die sich in einigen drastischen Worten Luft schaffte. Hier hätte die Leitung Oftens einschreiten müssen, um bie ohnehin ertegten Gemüter zu beruhigen. Fünf Minuten vor dem Abpfiff zeigte Wedding endlich einige Meisterleistungen, bie dann auch noch zum fiebenten Treffer führten. Endergebnis 7: 8 für Bedding. Der Tangoschwimmer Wie Weltrekorde gemacht werden Der französische Schwimmer Cartonnet hat türzlich wieder Weltrekorde aufgestellt. Der Mann hat im vergangenen Jahr ouf der bürgerlichen Olympiade glänzend verjagt; ihn traf neben dem Borwurf, das Training mit seiner Tanzerei vernachlässigt zu haben, auch der Bannstrahl monatelanger Disqualifikation. " Mehr als merkwürdig sind die Umstände, unter denen Cartonnet jetzt seine Rekorde aufstellt. Er startet stets im Lido Bad in Paris, an einer Stätte, wo die mondäne Welt sich nicht langweilt. Dort fühlt sich der Herr Amateurschwimmer wohl, in dieser Umgebung empfängt er die Anregungen", deren er zu seinen Refordwundertaten bedarf Tangofapellen spielen, Bariete und Tanzschaunummern stehen im Programm und wenr Cartonnet die richtige Muse gefüßt hat, dann hopst er ins Wasser und stellt einen neuen Weltrekord auf Als Amateur schwimmer selbstverständlich, denn er war ja auf der Olympiade! " Was für arme Schlucker sind dagegen unsere Arbeiterschwimmer. Die fahren zum Beispiel auf eigene Kosten von Berlin nach Landsberg an der Warthe, um dem dortigen Arbeiterschwimmverein bei der Einweihung des neuen Hallenbades mit ihrem Sport zu helfen nicht einmal Startgelder" gibts dabei, weil die Landsberger auch nichts haben. Und so ganz nebenbei stellen dabei die Gebrüder Grühn aus Charlottenburg ein paar neue Bundeshöchstleistungen auf ganz auf eigene Roften, ohne Startgelder und ohne Tanz fapellen! Aber ein fameradschaftlich- genossenschaftlicher Sportgeist herrscht in der Charlottenburger Mannschaft wie bei den Arbeitersportlern überhaupt baran fönnen sich alle ,, Olympianiken" eine gehörige Scheibe abschneiben! Ringen und Heben Am Sonntag herrschte im Moabiter Schüßenhaus reger Sportbetrieb. Der 4. Kreis des AABD. veranstaltete hier für den Nachwuchs in den leichten Klassen einen start besuchten Wettstreit im Ringen und heben Biele der talentvollen Jugendlichen konnten sich erstmalig gut placieren und die augenblicklichen Könner in den Männerklaffen werden sich gewaltig strecken müssen, um gegen diese jungen Kämpfer ehrenvoll zu bestehen. Resultate im Ringen: Fliegengewicht: 1. Rolbe( Tegel). Bantamgewicht: 1. Bräfte( Sp.); 2. Jaenide( 2...). Federgewicht: 1. Kluge(...); 2. Steinide( Sp.) Leichte gewicht: 1 Helbing( A.-W.); 2. Steinte( A.-M.). Mittel gewicht: 1. Bronikowski( A.-W.); 2. Scheible( T.). gebuiffe im Seben: Bantamgewicht: 1. S. Kindler( Sp.), 440 Bfund. Febergewicht: 1. Seberek( Frankfurt- Ober), 580 fund; 2. Andree( Frankfurt- Oder), 580 Pfund. Leichte gewicht: 1. Finte( Sp.), 520 Pfund; 2. Zellner( A.-W.), 520 Bfunb Halbschwergewicht: 1. Rofentreter( Tegel), 680 Pfund. Das Nachtkarussell Die letzte Neun- Stundenfahrt im Sportpalast Radrennen finden immer ihr Publikum. Ob es schneit oder regnet, ob es warm ist oder falt, ohne Rücksicht auf Geschehnisse in der Politik, Radrennen sind die Spiele für das Volk Am Freitag waren die Nationalsozialisten im Sportpalast, am Sonne abend fanden wieder Radrennen statt, eine ganze lange Nacht hindurch, ein Ersag für das vorge sehene Sechetagerennen, an das man sich doch nicht heranwagt. Das lange Rennen stand im Beichen Sieg- Schön. Die Sieger pon por acht Tagen, Wals- Rausch, fonnten fich diesmal nicht placteren, ba Rausch nicht auf dem Bosten war. Nach etwa zwei Stunden hatten sich Tieg- Schön nach porn gearbeitet und hielten die Spize mit Rundenvor Sprung. Eine ganze Anzahl Stürze ließen die Betroffenen ausfchetben, fo daß fich das Feld alsbald start lichtete. Tieh Schön behaupteten ihre Position weiter, nur einmal gelang es bem für Berlin neuen Breslauer Baar RupteMuller fich auf ben zweiten Blag vorauarbeiten, bod dauerte die Freube nicht lange. In der vorlegten Stunde festen bann bie Endtämpfe ein, bei benen Tieg- Schön Siegel.Tierbach bis auf eine Runde herantommen laffen mußten. Doch die Spizenreiter behaupteten ihre Position und fiegten auch verdient. Arbeiter- Sänger mahnen Der Arbeiter- Sänger Bund bittet uns um Abdruck der folgenden Entschließung: Die Generalversammlung des 3. Bezirks im Gau Berlin des Deutschen Arbeiter Sänger- Bundes fordert alle proletarischen Sänger auf, in den be vorstehenden Kämpfen gegen bie Reaktion einig und geschlossen in Lied und Wort zu kämpfen für die Wahrung der sozialen und tulturellen Er rungenschaften des arbeitenden Boltes, gegen den Raub der Bolfsrechte, für ein einiges Bras letariat.