Frett er be am ift зи vad Bille t. 1. wurde eliers bereits that, Nach he Er ndigen , nicht lemahl neinen en be Auch ife be r Noth nn fie nd ges ¡ Ver ei ber ich die en im elcher, irdi Itniffe peiters gegen anden Scheint tenfch irfams I ju nmter O ver edacht r Be t von afchen Leider itgeist Bufa ltung greift Betros pchen man Дути Del Betro Nr.28. Die Hamburg, den 11. Juli 1891. 1. Jahrg. Arbeiterin Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden yolkes. Drgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. Eintracht macht stark Bildung macht frei! Redaktion: Emma Jhrer, Velten( Mark). Expedition, Druck und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenstr. 35. Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Sonnabend. Annonzen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Rabatt. Abonnement pro Vierteljahr 1 Mart, Einzelnummer 10 Pt. Direkt per Kreuzband Mt. 1.40. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin"! Bur Frage des Arbeitersciutes für Frauen. Von Clara Zetkin. ( Schluß.) In den industriell entwickelten Ländern Europa's, in England, Deutschland, Frankreich, wir sehen von Desterreich und der Schweiz ab, in denen der 11- stündige Normalarbeitstag für alle Arbeiter, in letterem Lande auch das Verbot der Nachtarbeit ( mit Ausnahme kontinuirlicher Betriebe) für Männer und Frauen jegliche Vorschrift ist, weil diese Reformen auf sozialpolitische Fattoren zurückzuführen sind, welche in anderen Staaten nicht ristiren, hat sich bis jetzt der Klassenstaat als so mächtig er= wiesen, gelangen in der Gesetzgebung, in allen sozialpolitischen Einrichtungen die Klasseninteressen der Bourgeoisie so vorherrgend bie Die zur Geltung, daß den gesetzgebenden Gewalten noch kein Rormalarbeitstag überhaupt abgerungen werden konnte. Bolitiker aller Unanzen vom Vulgärdemokraten bis zum Stocks lonservativen stehen mit wenig Ausnahmen wie ein Mann gegen Beschränkung der Arbeitszeit, das Verbot der Nachtarbeit der Ränner. Etwas anders stellen sich die Verhältnisse bezüglich der nämlichen Schugmaßregeln für Frauen, für diese haben sich mit napper Mühe und Noth Majoritäten gefunden. Wenn der kapitalistischen Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft ein Damm gezogen worden, so ist dies sicher nicht aus Rücksicht auf sie als in angeblich schwächer organisirtes Wesen geschehen. Der Kapis talift kennt keine Rücksicht auf Kraft und Stärke, sobald der rofit in Betracht kommt, er entläßt die kräftigste Frau und A Sen schwächlichsten Mann eingesandgefett, aß er diesen billiger und gründlicher ausbeuten fann, ats jene. Ein anderer Grund ist unseres Erachtens für das Zustandekommen von Schuzmaßregeln für Frauen schwer ins Gewicht gefallen. Die rau hatte zufolge der bisherigen Wirthschaftsverhältnisse für Pflege und Auferziehung der Kinder eine bestimmte gesellschaftliche Funktion zu erfüllen. Die ökonomischen Zustände der Neuit industrialisiren die Frau, seßen sie damit außer Stand, dieser Aufgabe weiter obzuliegen. Noch aber sind die gesellschaftlichen Einrichtungen nicht ins Leben getreten, welche der Proletarierfamilie einen Ersatz für das bieten, was die Frau in ihr geleistet. band in Hand mit der Industrialisirung der Frau zeigt sich des= halb auffallend große Kindersterblichkeit, physische und moralische Degeneration der proletarischen Jugend. Die betreffende Erheinung wäre nun an und für sich den Besißenden und Herr schenden höchst gleichgültig, allein sie sieht sich durch dieselbe in Mitleidenschaft gezogen. Die steigende Degeneration der breiten Raffen bedroht die künftige Rekrutirung des Maschinenfutters und des Kanonenfutters. Die Einsichtigeren unter den Bourgeois erkennen, daß durch diese gewaltigen Dimensionen annehmende Degeneration sozusagen die Henne geschlachtet wird, welche die goldenen Eier legt. Sie wollen fich die nöthige Anzahl leistungstüchtiger Hände" lohnbrückende Reservearmee, die nöthige Anzahl gesinnungshtiger" Soldaten gegen den äußeren und wie männiglich be= kannt, vor allem gegen den inneren Feind erhalten. Busammenhang, welcher nachweislich zwischen der Industrialisirung ber Die Der direkte Frau und Sterblichkeit und Kränklichkeit der Kinder des Bolts besteht, veranlaßt sie deshalb für Schutz der Frauenarbeit einzutreten. Die diesbezüglichen Erwägungen sind in parlamen= tarischen Debatten wiederholt unverblümt zum Ausdruck gelangt. Alaffeninteressen find auch hier des Pudelskern, der aus den fentimentalen Deklamationen über die Heiligkeit des häuslichen beerdes zum Vorschein kommt. Aber ganz gleich aus welchem die bürgerlichen Politiker zu gefeßlichen SchuhmaßMotiv sich Tegeln für die Frauenarbeit herbeilaffen. Diese bedeuten that: fachlich eine Konzession an die Forderungen des Proletariats auf Schuß der Arbeit überhaupt, einen Bruch mit der Fiktion des fogenannten ,, freien Arbeitskontrakts". Arbeiter und Rapitalist, heißt es auf Grund dieser Fiktion, stehen sich als freie und gleiche Rontrahenten gegenüber, während doch der letztere in Folge eines Ronopols über die Produktionsmittel so gut wie allmächtig ist, ersterer nur die Wahl hat, zwischen dem Recht", fich zu Tode lich der erwachsenen Frau die Fabel von der sozialen Gleichheit u rackern und der Freiheit", zu verhungern. Ist einmal bezüg= wischen Kapitalist und Arbeiter zerstört, ist bezüglich ihrer die Nothwendigkeit der staatlichen Intervention, des gesetzlichen Schuhes anerkannt, so ist die Frage des Arbeitsschutzes überhaupt im " Der Temps" und andere Drgane der " Brinzip entschieden. ranzösischen Bourgeoisie jammern anläßlich des Beschlusses der arlamentarischen Kommission, die Einführung eines Normalbeitstags und das Verbot der Nachtarbeit für Frauen betreffend, ß die Kommission logischer Weise nun auch die Männerarbeit fegeln, den Achtstundentag fordern müsse, die genannte Reform bebeute den ersten Schritt auf der schiefen Ebene", die zum Gesichtspunkt aus muß die Arbeiterbewegung Sozialismus führe. ba, wo sie noch keine allgemeine, umfassende ArbeiterschutzgesetzBon diesem gebung zu erzwingen vermag, für die gesetzliche Regelung der Frauenarbeit eintreten. Ein anderer Grund fügt sich dem noch hinzu. Es hat sich herausgestellt, daß in Industriezweigen, in benen Männer und Frauen zusammenschaffen, in denen Erstere auf Lettere als auf Hülfskräfte angewiesen find, die Be schränkung der Arbeitszeit der Arbeiterinnen einen gleich kurzen Arbeitstag für ihre männlichen Kollegen zur Folge gehabt hat. In England, wo die Arbeitszeit der Männer nicht gesetzlich beschränkt ist, haben diese durchgängig kurze Arbeitszeit, wo sie mit Frauen zusammenarbeiten, dagegen lange Arbeitszeit in Branchen, in denen keine Frauen beschäftigt sind. Der gesetzliche Schutz der Frauenarbeit legt also auch in der Beziehung eine Bresche in die kapitalistische Ausbeutungsfreiheit. Ein weiteres wichtiges Moment spricht im direkten und nächstliegenden Interesse der Arbeiterinnen selbst für die Forderung dieser Schutzmaßregeln. Die Frau bedarf noch dringender als der Mann eines sozialen Schußes gegen die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, weil sie sozial schwächer ist als dieser, unfähiger, dem Kapitalisten Widerstand entgegenzusetzen, sich beffere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Gewiß, auch der Arbeiter ist dem Kapitalisten gegenüber sozial schwach, aus der Thatsache leitet sich die Nothwendigkeit eines Arbeiterschutzes überhaupt her. Allein die Arbeiterin befindet sich dem Kapitalisten gegen über in einer noch ungünstigeren Lage. Sie ist sozial schwächer nicht nur infolge ihrer Klaffenlage, als Angehörige des Proletariats, sondern auch infolge ihr Geschlechtslage, als Frau, d. h. als Wesen, das lange Jahrhunderte zu Bedürfnißlosigkeit, Gehorsam, Unterwerfung, Widerstandsunfähigkeit erzogen worden ist. Es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, daß sich die Arbeiterin durchgängig dem Kapitalisten gegenüber als wehrloser, widerstandsloser, nachgiebiger erweist, als der Arbeiter, daß sie in der Folge nicht nur selbst unter den miserabelsten Berhält niffen schafft, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen ihres Klaffengenossen verschlechternd zurückwirit. Sun wird allerdings gesagt, gebt den Frauen die gleichen sozialpolitischen Rechte wie den Männern und sie werden sich die gleichen Arbeitsbedingungen zu erkämpfen wissen". Die Antwort klingt sehr schön, trifft aber nicht ganz zu, weil sie von den thatsächlichen Verhältnissen absieht und nur vom Prinzip einer theoretischen Gleichheit der Geschlechter aus schlußfolgert. Die größere soziale Schwäche der Frau ist ein geschichtliches Produkt. Zustände und Verhältnisse aber, welche die Verhältnisse eines geschichtlichen Entwickelungsprozesses find, können nicht von heute auf morgen abdekretirt werden, ein in anderer Richtung wirkender Entwickelungsprozeß muß sie beseitigen. Gewiß, wenn die Frau an sozialpolitischen Rechten dem Manne gleichgestellt wird, so tritt damit ein Moment auf, welches ihre soziale Kräftigung begünstigt und be schleunigt. Die Verleihung dieser Rechte allein vermag jedoch nicht, die Frau über Nacht gleich sozial stark wie den Mann zu machen. Die Umgestaltung unserer gesammten sozialen Verhält niffe, welche die Frau industrialisirt, sie in Berührung mit dem öffentlichen Leben bringt, sie in den Klassenkampf hineinzieht, sie zwingt, an diesem bewußten Antheil zu nehmen, thut auch in dieser Beziehung ihr Werk, macht aus der Frau sozusagen ein neues soziales Wesen, das dem Manne an Kraft und Widerstandsfähigkeit nicht nachsteht. Damit sich die Frau zur sozialen Gleichheit mit dem Mann entwickelt, bedarf sie neben der rechtlichen und politischen auch der nöthigen materiellen Bewegungsfreiheit, der nöthigen freien Zeit, um am öffentlichen Leben, am Kampfe ihrer Klaffe theilzunehmen. Für die Arbeiterin ist mit Rücksicht hierauf eine Verkürzung der Arbeitszeit doppelt nöthig, weil sie in der Regel doppelt mit Arbeit belastet ist. Da sich die häusliche Arbeit, wie bereits bemerkt, jeder gesetzlichen Regelung entzieht, da sich ferner die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht im Handumdrehen umgestalten lassen, so muß eine Entlaftung der Frau von übermäßiger Arbeit zunächst auf der Seite eintreten, wo sie möglich ist, auf Seite der industriellen Berufsarbeit. Die Arbeiterin, welche nicht bis zur Erschöpfung abgeplagt ist, welche Nachtruhe, Feiertage, einen kurzen Feierabend kennt, ist der Agitation zugänglicher, kann sich Wissen und Aufflärung suchen, am Vereins- und Versammlungsleben theil. nehmen. Und in dem Maße, als ihr dies möglich ist, wird ihre Widerstandsfähigkeit gegen den Kapitalisten wachsen, wird sie sozial erſtarten. Der Schutz der Frauenarbeit, welcher momentan eine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu schaffen scheint, wird in wirksamer Weise dazu beitragen, Arbeiter und Arbeiterin einander sozial gleich zu machen. Sehr richtig bemerkt E. Bernstein, daß nur die Bourgeoislogik aus Schußmaßregeln dieser Art Unterschiede für die rechtliche und politische Stellung der Frauen abzuleiten vermag. Hochcharakteristisch ist in der Beziehung, daß genau die nämlichen Einwände, welche die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen gegen jeden Arbeiterschutz erheben, der nicht auch für Männer gelten soll, von dem bürgerlichen Liberalismus gegen die Arbeitsschußgefeßgelung überhaupt ins Feld geführt werden. Die Frage des Arbeiterschutes ist noch nie und nirgends erörtert das Hirsch worden, ohne daß die bürgerlichen Liberalen Duncker'sche Schwänzlein in Deutschland, der alte TradesUnionismus in England, die Barbaretisten in Frankreich einbegriffen gegen den Schutz der erwachsenen Arbeiter im Namen der individuellen Freiheit, im Namen der Gleichheit aller Staatsangehörigen protestirt, die gesetzliche Intervention als eine Entwürdigung, eine Entmündigung der freien, mündigen Ar= beiter" zurückgewiesen hätten. Der Schutz", welcher dem Arbeiter als dem sozial schwächeren zu Theil wird, beeinträchtigt in " keinerlei Weise seine sozialpolitischen Rechte, von dem Schutz der Frauenarbeit gilt das Gleiche. Daß die in Frage kommenden Schuhmaßregeln eine Verdrängung der Frau aus der Industrie nach sich ziehen, steht nicht zu befürchten. Die Frauenarbeit ist ein gewaltiger Faktor unseres Wirthschaftslebens geworden, die Zahl der in den verschiedensten Industriezweigen beschäftigten Arbeiterinnen beläuft sich auf Hunderttausende, auf Millionen. Wollten die Kapitalisten, weil sie die Frauenarbeit nicht mehr unbeschränkt ausbeuten dürfen, alle Arbeiterinnen durch Arbeiter ersetzen, so würde eine so umfangreiche Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften einKein treten, daß die Löhne ganz erheblich steigen müßten. Kapitalist wird sich dem aussehen, und dies um so weniger, weil ihm die Arbeiterin nach wie vor in Folge niederer Löhne, größerer Nachgiebigkeit 2c., zum Theil auch in Folge des Umstandes, daß sie in gewissen Beschäftigungen flinker, geschickter und beffer arbeitet als der Mann, ein höchst profitables Objekt der Plusmacherei bleibt. Nur in Industriezweigen, in denen die Zahl der beschäftigten Frauen eine ganz winzige, die vorhandene Reservearmee männlicher Arbeiter eine starke ist, könnten die Unternehmer eventuell baran denken, anläßlich der Schutzgesetze die Frauen durch Männer zu ersetzen. In der Mehrzahl der Fälle, wo es heißt, Fabrikanten hätten Arbeiterinnen auf Grund der gesetzlichen Vorschriften, die Frauenarbeit betreffend, entlassen, sind meist andere Ursachen als die angegebene, z. B. Geschäftsstockung, Einführung verbefferter Maschinen 2c. der wirkliche Grund der Entlassung. Wie wenig Schuggefeße im Großen und Ganzen die Verwendung der Frauen in der Industrie beeinflussen, zeigt recht deutlich England. England hat früher als jedes andere Land die Arbeit der Frauen in den Fabriken geregelt, und zwar machte es mit einer Be schränkung der Arbeitszeit der Textilarbeiterinnen den Anfang. Und gerade in England hat die Industriealisirung der Frau die gewaltigsten Dimensionen angenommen, die Textilbranche speziell ift faft ganz von den Frauen erobert worden. Es liegt uns fern, aus der Thatsache den Schluß zu ziehen, daß Schuhmaßregeln zu Gunsten der Arbeiterinnen eine steigende Verwendung derselben zur Folge haben, aber jedenfalls zeigt sie klar und deutlich eins: daß diese Schußmaßregeln im Großen und Ganzen die steigende Verwendung der Frau in der Industrie nicht hindern. Wie bereits weiter oben bemerkt, treffen dieselben aber nicht die Arbeiterin, vielmehr den Kapitalisten. Allerdings bedarf die Arbeiterin, abgesehen von den politischen Rechten, noch eines Schutes gegen die Ueberanstrengung ihrer Kräfte nach anderer Seite hin. Nicht nur die Berufsarbeit, auch die Hausarbeit reibt ihre Kräfte auf. Lettere entzieht sich der Regelung, fie muß der Frau nach und nach ganz abgenommen werden, und dies nicht blos in deren Interesse, sondern in dem der gesammten Gesellschaft. Kinderbewahranstalten, in denen die Kleinen völlige und liebevolle Pflege zu Theil wird, große Dampfküchen müssen der Frau die Arbeit am häuslichen Heerde, die Pflege und Wartung der Kinder abnehmen. Allerdings dürfen die betreffenden Einrichtungen weder Profitanstalten, noch philantropische Bettelanstalten sein, fie müssen Volksrechts- und BoltsDie wohlinstituten im besten Sinne des Wortes darstellen. Arbeiterbewegung muß für die Errichtung dieser Anstalten eintreten, so gut wie sie für die Arbeiterschutzgesetzgebung eintritt. Die Zersehung unserer alten Sozialordnung, die Industriealisirung der Frau mit all' ihren Konsequenzen machen Einrichtungen dieser Art mit jedem Tag zu einer zwingenden Nothwendigkeit. Frauenfrage und Gewerkverein. ( Aus einer englischen Zeitschrift.) Frauenarbeit und Frauenlohn ist jetzt das allgemeine Ge spräch. Jeder erkannt an, daß hier große Verbesserungen dringend nöthig sind, daß die Frauenarbeit in vielen Fällen zu schwer ist, die Arbeitszeit zu lang, der Lohn immer geringerer als der des Mannes, selbst bei gleichwerthiger Arbeiter. Jeder giebt zu, daß die Vernachlässigung der Kinder und des Haushalts schädigend auf die Familie einwirkt, wenn die Frau den ganzen Tag auf Arbeit sein muß, um des Mannes kärglichen Lohn zu ergänzen, aber über das beste Heilmittel gehen die Ansichten auseinander. ,, Nichts kann die Lage der Frauen bessern, ehe sie nicht organifirt sind", sagen die Gewerkvereinler. Das ist wahr, aber die energische Forderung:„ Organisirt die Frauenarbeit", bietet Schwierigkeiten nach jeder Richtung. Von diesen sind einige allbekannt; zunächst die, welche im weiblichen Charakter selbst liegen: Der Mangel an Selbstbeherrschung, Selbstvertrauen und Unabhängigkeitssinn, durch schlechte Erziehung verschuldet, die größere Schüchternheit, die Last der häuslichen Sorgen und manche ähnliche Hindernisse werden aufgezählt und auch mit vollem Recht. Aber es giebt noch einen Grund, der nicht oft angeführt wird und das ist der Mangel an Interesse bei Gatten, Söhnen und Brüdern. Männer, welche selbst gute Gewerkvereinler find, welche alle Vortheile, welche die Koalition ihnen bringt, ganz und voll anerkennen, thun nichts oder doch fast nichts, um die Organisation zu Gewerkvereinen bei ihren Frauen, Schwestern oder Geliebten zu fördern. Defter mußte ich sogar hören, daß Vereinsmitglieder ihren eigenen Angehörigen davon abriethen, durch energisches Eingreifen ihre Lage zu beffern, unter dem Vorwand, es sei nicht weiblich! ,, Ueberlaßt uns die Vereinsbildung, die Streiks, die Aufzüge und öffentlichen Reden; für euch paßt das nicht!" Und selbst diejenigen, welche der Bewegung nicht geradezu entgegentreten, helfen den Frauen doch nicht mit ermuthigendem Zuspruch und gefälligem Beistand in ihrem Kampfe um Besserung ihrer elenden Lage. Alle Gewerkvereinler, verheirathet oder ledig, müßten sich in dieser Sache rühren, und wenn sie auch keine Zeit haben, um sich mit der Organisation selbst zu befassen, so können sie doch im häuslichen Kreise wirken. Jeder kann seine eigenen weiblichen Verwandten anspornen und aufrütteln, nicht zu dem Bewußtsein ihrer elenden Lage die sie selbst nur zu gut empfinden wohl aber zu der Erkenntniß, daß diese Lage geändert werden könne, sobald nur die Frauen selbst den ernsten Willen dazu haben. Es ist nicht nur jedes Vereinsmitgliedes Pflicht, sondern auch sein Nutzen, so viel es an ihm liegt, die ökonomische Lage der Frau verbessern zu helfen. Die Konkurrenz von Männerund Frauenarbeit ist eine der Hauptursachen zur Niederhaltung der Löhne und zur Verlängerung der Arbeitszeit. Und man vergesse ja nicht den Schaden für die Häuslichkeit des Volkes. Wir hören so viel reden und fingen von Englands glücklichen Heimstätten. Giebt es aber noch ein Heim, wenn die Frau ( so bei Wäscherinnen, Marktgärtnerinnen und vielen Anderen) gezwungen ist, ihre kleinen Kinder an Pflegemütter abzugeben, die größeren auf die Straße zu schicken und selbst täglich 12 bis 14 Stunden Sklavenarbeit zu leisten, dann in der Nacht tödtlich ermattet heimkehrt, verdrießlich und elend, mit der einzigen Sehnsucht, sich aufs Bett zu werfen und einige Stunden Schlafes zu erhoffen, um Kräfte zu sammeln für den nächsten, ebenso trostlosen Tag. Was thun die Männer, deren Frauen solch ein Leben führen, um Abhülfe zu schaffen? Meist gar nichts. Mitgenossen! Versucht es, eure weiblichen Verwandten und Freundinnen zu wecken. Ehegatten, helft euren Gattinnen, Brüder, reicht euren Schwestern die Freundeshand, Jünglinge sprecht mit der Braut über dieses wichtige Thema, klärt sie auf über Vereinsrecht und Arbeiterschuß. Arbeiterbewegung. Wien. Der österreichische Parteitag, welcher in voriger Woche abgehalten wurde, war von größter Bedeutung für die Weiterentwicklung der Arbeiterbewegung. Umgebung, Hofmann. Halle a. S.: Halle'sche Parteigenossen. Gera: Defterreichische Genossen. Stuttgart: Karl Kautsky. Belten Mark: Frau Ihrer, Redaktion der Arbeiterin." " In einem Anfrufe des Parteivorstandes an die Parteigenoffen wird mitgetheilt, daß der diesjährige Parteitag, einem Antrag der Erfurter Genossen entsprechend, in Erfurt statts finden wird, und ist als Eröffnungstag der 10. Oktober be stimmt. Gleichzeitig wird der Entwurf eines Programms der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zur Kenntniß gebracht, den wir in nächster Nummer veröffentlichen werden. Beschickt wurde derselbe von 82 Drten durch 193 Theilnehmer, worunter auch Frauen waren. Genosse Dr. Adler erstattete Berichte über Agitation und Rassenverhältnisse; diesem folgten Darlegungen der Parteiverhält niffe von 20 Rednern. Genossin Dwoncat- Wien schilderte Stand und Ziele der Frauenbewegung. Die erste und älteste Krankenkasse für Frauen und Mädchen, Verwaltungsstelle Offenbach, hält ihre 3. ordentliche Generalversammlung am Sonntag, den 27. September, und folgende Tage in Nürnberg ab. Die Versammlungen zur Wahl der Delegirten müssen in allen Orten am 26. Juli stattfinden. Die Kaffe ist die größte und beste Krankenkasse und ist über ganz Deutschland verbreitet und zwar in 120 größeren Orten. Der Beitritt ist gesunden Frauen oder jedem Mädchen vom 14. bis 45. Lebensjahr gegen ein einmaliges Beitrittsgeld von 1 M freigestellt: für die 1. Klasse zahlt dasselbe wöchentlich 25 und erhält wöchentlich 7.20 Mim Erkrankungsfalle, 2. Klasse 15 Beitrag gegen 4.20 M wöchentliches Krankengeld. Für den Sterbefall zahlt die Kasse in der 1. Klasse 60 und in der 2. Klasse 40 M Beerdigungsgeld. Nach dem wurde eine Resolution angenommen, welche den Genossen empfiehlt, Organisationen zu bilden, resp. sich den bestehenden anzuschließen. Die Gewerkschaften sollen sich über das ganze Reich erstrecken; die Zeitungen derselben sollen obligatorisch eingeführt werden, um dadurch ihren Bestand zu sichern. In Bezug auf die Mai- Bewegung wird beschlossen, auf dem Brüsseler Kongreß dahin wirken zu wollen, daß eine einheitliche Feier des 1. Mai herbeigeführt wird. Die Arbeiter fordern von der Regierung: 1. die Zahl der Gewerbeinspektoren entsprechend zu vermehren, 2. daß nicht bloß theoretisch gebildete, sondern praktisch erfahrene Männer und Frauen aus dem Arbeiterstande zur Inspektion zugezogen werden, 3. Einführung der Altersversorgung aller Arbeiter durch den Staat unter Aufsicht und Verwaltung der Versicherten. Es werden Anträge gestellt, eine czechische und eine deutsche Frauenzeitung herauszugeben. Die Brünner und Wiener Genossen wurden mit der Ausführung betraut. Die Kasse besigt einen Reservefonds von nahezu 100000 M und zählt zur Zeit 11000 Mitglieder. Der Redaktion der Arbeiterin" war von den Wiener Genoffen eine Einladung zugegangen. Daß dieselbe nicht einen größeren Mitgliederstand aufweist, ist wohl hauptsächlich die Ursache darin zu suchen, daß das Interesse der weiblichen Personen noch ein viel zu geringes ist, daß ein großer Theil der Frauen noch immer nicht begreifen will, wie sehr nothwendig eine Versicherung in einer Krankentaffe für jede Frau, für jedes Mädchen ist. Die Befferfituirten bleiben der Kaffe mit einem vornehmen Blick fern, der etwa sagen will, wir brauchen eine solche Raffe nicht, wir haben in Krankheitsfällen unseren Ernährer! Sie sollten aber doch an ihre Mitschwestern, die weniger günstig vom Schicksal gestellt sind, denken und Mitglied werden, um so als unterstützende Mitglieder die Kasse heben zu helfen und dadurch höhere Leistungen für erkrankte Mitglieder herbeizuführen. Verschiedenes aus aller Welt. verringe liegen Berlin. Bedeutendes Aufsehen erregte die am Freitag jebem J Nachmittag erfolgte Verhaftung des Lehrers K. von der Viktoria wie fie schule. Der Verhaftete, welcher verheirathet ist, wird in mehr müffen fachen Fällen beschuldigt, mit den ihm anvertrauten Schülerinnen bilfe of unfittliche Handlungen vorgenommen zu haben. werden. Es häufen sich diese Nachrichten in erschreckender Weise, eitt 20. Lebe Beweis, wie total verdo: ben und faul unsere heutigen Gesell Erwachs schaftszustände sind, wenn diejenigen, denen wir unsere heran: 30. Jah wachsende Jugend zur Erziehung anvertrauen, dieses Vertrauen Run fr in so schändlicher Weise mißbrauchen. Befellich Und, seien wir nur offen, auch die besser gestellten unter den Frauen sind nicht ganz sicher, ob ihnen die Rasse nicht der= maleinst eine Helferin, und zwar eine sichere, sein dürfte. Wie häufig wendet sich das Schicksal zu Ungunsten des Menschen, wie häufig wird durch langjährige Krankheit des Ernährers oder der Familienglieder, durch Erwerbslosigkeit und andere Ursachen eine Nothlage herbeigeführt, die alsdann bis zur Troftlosigkeit sich steigert, wenn zuletzt auch noch bei der Frau infolge seelischer und körperlicher Ueberanstrengung eine Reaktion eintritt und dieselbe zum letzten Unglück unversichert auf das Krankenlager hinfinkt. Folgende Zuschriften waren, abgesehen von zahllosen Schreiben aus dem Inlande, eingetroffen vom Ausland. London: Friedrich Engels, National Union der Gasarbeiter in Großbritannien und Irland. Paris: Nationalrath der französischen Arbeiterpartei, Kommunistischer Arbeiter Leseklub, Sozialdemo= kratischer Leseklub. Adrianopel: Josef Bönesch, Ingenieur. Mailand: Philippo Turati. Stockholm: Branting. Bern: Redaktion des schweizerischen Sozialdemokrat." Winterthur: Die deutschen Sozialister. Bukarest: Die Bukarester deutschen Sozialdemokraten. Kopenhagen: Redaktion des ,, Arbejderen." Haag: Domela Nieuwenhais. Berlin: Die österreichischen Genossen in Berlin, die polnischen Sozialisten in Berlin. August Bebel. München: Münchener Sozialdemokraten. AugsburgPfersen: Desterreichische Genossen. Hannover: Leupold Höfner. Röln a. Rh.: Desterreichische Parteigenoffen Köln, Düsseldorf, Elberfeld, Krefeld und Bonn; österreichische Genossen Köln und Die kleine Friedl. Erzählung von M. Kautsky. ( 13. Fortsetzung und Schluß.) Die weniger gut fituirten Frauen und Mädchen haben nun gerade eine Verpflichtung, sich in einer Krankenkasse zu versichern. Welcher krasse Indifferentismus aber in diesen Kreisen immer noch herrscht, ist geradezu ganz unglaublich. Paris, 1. Juli. In Lille wurde eine Hebamme wegen werden zahlreicher Vergehen verhaftet; man sieht einen großen Standal erachtet, voraus, da Mädchen achtbarer Familien kompromittirt sind. bleibt. In einer unserer ersten Nummern brachten wir einen gleichen höheren Bericht aus Leipzig; immer sind es achtbare Familien", die das Bei kompromittirt sind, wären es solche von Arbeitern, würde man der Mer " sagen, im höchsten Grade unsittlich, verdorben und man würde nicht g die Vereine zur Hebung der Sittlichkeit anrufen. Warum nicht nicht gr auch hier, wo es sich doch um Familien handelt, die in den d. h. Reihen der Wächter der allgemeinen Sittlichkeit stehen? Die nicht vo nicht in nervöse geistige Lage 23 a Mittern gerade gut Th muß, Und bi Berlin. Dem Verhungern nahe. Neulich sank in der Stalizerstraße auf der Promenade unweit des Görliger Bahn Arbeits hofs ein anständig gekleideter Mann bewußtlos zusammen. Mit Gemüth leidige Passanten legten ihn auf eine Bank und brachten ihn unter Anwendung von Erfrischungsmitteln bald wieder zum Bewußtsein. Auf Befragen theilte der Unglückliche mit, daß e am Mittwoch aus dem Krankenhause entlassen, bisher vollständig befferen ohne Subsistenzmittel gewesen und nun vor Hunger und Ent den nö träftung zusammengebrochen sei. So beklagenswerth dieſer wir die Vorfall ist, so darf doch andererseits an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß kein mittelloser Rekonvaleszent, welcher oft feb ein Krankenhaus verläßt, in Berlin zu verhungern braucht. städtischen Behörden haben bereits im Jahre 1887 zwei Heimath stätten für Genesende eingerichtet, in welchen mittellose, männ liche und weibliche Patienten nach ihrer Entlassung aus de Krankenhause unentgeltliche, beste Unterkunft und Verpflegung finden, bis sie wieder vollständig arbeitsfähig sind. Und zwar ist für männliche Personen auf dem städtischen Terrain Lichterfelde das ehemalige Herrschaftshaus, für weiblich: Blankenburg an der Berlin Stettiner Bahn ebenfalls ein städti sches Haus, welches dem Rittergutsbesitzer ehemals als Wohn gebäude diente, zu diesem Zwecke hergerichtet worden. Das Aufnahmebureau für männliche und weibliche Personen, welche in den Heimstätten für Genesende Unterkunft finden wollen, findet sich in Berlin, Klosterstraße 68, eine Treppe. Dort wer den unentgeltliche Antragsformulare für die Aufnahme aus gefolgt; einem derartigen Antrage ist aber unter allen Umständen ein ärztliches Attest aus dem Krankenhause, welches die Krank heitsgeschichte des Patienten enthält, beizufügen. Epileptiket Syphilistranke, Schwindsüchtige und Alkoholiker sind von b Aufnahme in diese Anstalten allerdings ausgeschlossen. Sehr häufig finden wir in unseren Listen der Ausgetretenen als Motiv des Austritts ganz naiv angegeben, man höre und staune, tritt aus, weil sich das Mitglied verheirathet!! Also wenn sich ein Mitglied, das als Mädchen in einem Geschäft arbeiten ging und demzufolge versicherungspflichtig ist, verheirathet, braucht es die Kasse nicht mehr, da wird es nicht frank!!! In diesem Falle wurde die Kasse als nothwendiges Uebel betrachtet! Die Friedl blieb einen Augenblick war erstarrt, dann stürzte sie an's Fenster. Solche und noch viele andere nichtige Ursachen hört man oftmals anführen, die das Fernbleiben von der Kasse motiviren soll. Auch die Extrasteuer muß oftmals als Grund des Austritts herhalten! Der anzusammelnde Reservefonds von 25,000 Mt. macht diese jedoch jetzt noch unentbehrlich. Mein Gott, auf sie hab' ich vergessen, das fleine Fräulein- die Hilda-" " " Was ist mit ihr?" rief Bernhard. rutscht Sie ist mir gewiß nachgeklettert, und ist abge= gefallen tomm, komm, o mein Gott!" Sie rannte gegen die Thür und die Treppe hinab, Bernhard folgte ihr. Ist die vorgeschriebene Summe erreicht, fällt die Extrasteuer ganz von selbst fort. Das Hausthor wurde rasch aufgeschlossen und Vater und Tochter liefen dem Felsen zu, wo sie die Verunglückte vermuthen konnten. Würde ein jedes Mitglied einfach rechnen, wie lange Jahre es beisteuern muß, um die Unterstüßung, die es in sehr häufigen Fällen bis 26 Wochen aus der Kasse bei Erkrankungen bezog, zu decken, alsdann wäre das Verständniß für die Kasse, und damit für ihr eigenstes Interesse bald erreicht. Bernhard spähte vergebens nach der Kleinen, da entdeckte sie die Friedl auf einem Sand- und Kehrricht haufen liegend, der hinter dem Hause in beträchtlicher Höhe abgelagert worden war. Es ist die Pflicht aller Frauen und Mädchen, für diese Kasse zu agitiren resp. beizutreten, auch wenn sie nicht versicherungspflichtig sind. Nun war es klar; sie war bis an das Fenster herangekommen, und im Begriff, sich auf dasselbe zu schwingen, hatte ihre Kraft versagt und sie war herabgestürzt. An Orten, wo noch keine Verwaltungsstellen bestehen, können sich die Betreffenden um Auskunft oder Material an den Zentralvorsitzenden, Herrn R. Schulze, Offenbach a. M. wenden, oder auch an unsere Redaktion. Unsere Rednerinnen sind auch bereit, Vorträge zur Propaganda zu halten, wenn an einem Drte eine solche nicht zu haben ist. Die Beiden waren sofort an ihrer Seite und hoben sie auf. Eine äußere Verlegung war nicht ersichtlich, aber fie war bewußtlos. war, einen Krug zu nehmen, und rasch um Wasser zu laufen. Sie gehorchte. Bernhard nahm fie, ernstlich besorgt, in seine Arme und trug fie in's Haus. Hierauf befahl er der Friedl, die, am ganzen Leibe zitternd ihnen gefolgt in be jody ipa nöthige Der Ar forgt t ftimmt Nachtar B Die fec Familie Berlet wurde bald ba ober n fortwäl lange C Sefchwo der Nä eine fo folgend finde mobert Leider ist hierbei nicht angegeben, wovon die Aufnahme diesen Anstalten abhängt. Unserer Meinung nach mußte je genesende Person, welche der Arzt für noch nicht arbeitsfähig erklärt und die mittellos ist, ohne Weiteres vom Krankenhaus nach einer solchen Heimstatt überwiesen werden. Es kommen aber so häufig Fälle, wie der oben geschilderte, vor, daß wir annehmen, es handle sich bei der Aufnahme um nur eine kleine Anzahl von Personen, die zufällig hohe Fürsprecher haben oder sich am ersten gemeldet haben. Jedenfalls aber sind diese städtis schen Heimstätten recht wenig bekannt und eine Bekanntmachung des Obigen recht nöthig. Gerade von Arbeiterinnen werden wit häufig nach solchen Anstalten gefragt. Als sie aber die Thür nach der Treppe zu öffnete, drang von unten ein Gewirr lauter, heftig durcheinander sprechender Stimmen ihr entgegen. Und jetzt kamen Männer und Weiber, den Portier der Hillebrandt'schen Fabrik an ihrer Spiße und Herr Hillebrandt selbst mit Fräulein Brandes die Treppe herauf. Sie drängten die Friedl bei Seite und traten ein. Mehr Schlaf für die Schuljugend. Ein dänischer Arzt Dr. Cold erhebt in einem unlängst erschienenen kleinen, febr Lesenswerthen Büchlein diese Forderung, der ein Jeder sicherlich zustimmen wird, welcher die moderne Erziehung der Schulkinder und ihre gesundheitsschädlichen Folgen kennt. Es giebt im Leben eines jeden Menschen nur eine furze Spanne Zeit, in der Bernhard hatte sich mit der Kleinen gesezt, er hielt sie auf seinen Knieen und untersucht, ob sie nicht doch vielleicht Schaben genommen. " 1 muß, weggeb bem 117 Dahren 31 usgeb bie per than endlich bie tlu bzune heeru rings Ihrer total p müffen Stund Augen Mutter fein Schlafbedürfniß vollauf befriedigt wird: das ist das erste Kindesclter. Das neugeborene Kind schläft, wenn es gefund ist, in den ersten Wochen fast ununterbrochen, um nur aufzu wachen für die Nahrungsaufnahme. Soviel Schlaf ist faft viel, aber dennoch möge sich jede Mutter hüten, ein Kind in zartem Alter des Schlafes, den es anscheinend nöthig hat, berauben. Auch in den ersten Lebensjahren schlafen die Kinder meist noch sehr viel, sicherlich mehr als nöthig, weil die Mütter meist froh sind, daß die Kinder sich ruhig verhalten und ihnen teine Mühe machen, die ja in jenem Alter teine geringe Mit dem 6. oder 7. Lebensjahr, d. h. mit Beginn der Schulzeit tritt jedoch eine bedeutende Verkürzung der Schlafzeit ein. Alter von 10 bis 12 Jahien bekommen die Kinder in der Rege nur acht bis neun Stunden Schlaf, und mit steigendem Alter ift. ,, Elender, erbärmlicher Mensch," rief der Fab fant ,,, weil ich Dich entlassen habe, wolltest Du dieſem armen Rinde entgelten lassen!" Der e jemals Auge geberin einem pathiet 3 lage ei erum ge ant awei Unter den Anwesenden hatten sich sofort Parteien gebildet, die einen ließen aufgebrachte lagende Worte vernehmen, die andern suchten den beiter gegen eine so unglaubliche Anschuldigung Schuß zu nehmen. an Av getha in lamen Benit und 1 fle es Unbo Bernhard stand inmitten dieses Aufruhr's bleich und unbeweglich, die Lippen aufeinandergepreßt, nu mit den Augen voll Entrüstung diese Beschuldigung zurückweisend. Da ist sie!" riefen alle, und deuteten auf sie hin. " Sie ist bewußtlos," sagte Bernhard. " Und übel zugerichtet, mein Gott wie sie aussieht! rief die Gouvernante, die auf das Kind zugestürzt war und dessen zerrissene Kleider, welche deutliche Spuren des Kehrichthaufens an sich trugen, das beschmutzte Gesicht und die blutenden Hände gewahrte. " Mein armes Kind, es ist mißhandelt worden!" schrie Hillebrandt, und außer sich entriß er es den Armen des Arbeiters. ,, Das hat der Bernhard gethan," tobte der tobte der Bortier, dem daran lag, die Schuld an der Entweichung des fleinen Fräuleins einem anderen zuzuschieben." " Ich hab's gesehen, wie seine Tochter unser wie feine Tochter unser Fräulein an sich gelockt hat. Eh' ich's verhindern fonnt', war fie draußen, und auch schon fort mit ihr. In dem Bernhard steckt noch der Grimm von gestern, der hat sich rächen wollen." Und immer lauter wurde es umher, da immer neue Ankömmlinge hereindrängten. Seit einer halben Stunde war der ganze Drt allarmirt und alles suchte nach dem Kinde, deffen Hilfeschrei erst auf seine Spur geführt hatte. tief Die Friedl befand sich noch immer an der Thü den Krug in der Hand, Hilda's Unfall ging ihr zu Herzen, fie fühlte sich nicht ganz ohne Schuld dabei aber warum schrieen sie nur alle gegen den Vater? Sie begriff es nicht. Andere hatten indeß Wasser gebracht, und nun Sie schlug die Augen auf, erstaunt und verwundert ,, Sie scheint unversehrt!" rief Herr Hillebran begann man die Kleine zu waschen. soviel Leute um sich zu sehen. in zitternder Vaterfreude. Auch Bernhard näherte fich dem Kinde. biebe Derna Sad lah i Nie offer nicht Inge belau funde Unge Fräu betro mich ,, Mir ist also nichts geschehen?" fragte die Kleine Aber er hat Dich bedroht, nicht wahr mein Kind ganz verwundert. 1. D. verringert sich die Dauer des Schlafes noch mehr. Die Gründe liegen klar zu Tage. Einmal erfordern die Schularbeiten in Freitag jedem Jahre immer mehr Zeit, und bei schlechter Zeiteintheilung, ttoria wie fie vielen, namentlich nicht beaufsichtigten Kindern eigen ist, mehr müffen die Abendstunden zur Erledigung der Schularbeiten zu rinnen hilfe oder überhaupt von vornherein in Anspruch genommen werden. Nach Dr. Cold's Ansicht bedarf die Jugend bis zum ſe, ein 20. Lebensjahr mindestens neun Stunden Schlafzeit, und der Gesell Erwachsene nach vollendeter Entwicklungsperiode vom 25. bis heran 30. Jahre hat noch immer deren mindestens acht nothwendig. trauen Run frage man aber einmal in den Kreisen der sog. höheren Gesellschaft, unter Studenten u. dergl. nach. Sechs Stunden wegen werden hier vielfach als das ausreichende Maß zum Schlaf tandal erachtet, einfach aus dem Grunde, weil nicht mehr dafür übrig Meibt. Das Schlafbedürfniß pflegt erfahrungsgemäß erst im leichen höheren Alter nachzulassen, und dieses natürliche Ereigniß ist die das Zeichen dafür, daß auch nicht mehr nothwendig ist. Wenn der Mensch, namentlich der noch in der Entwickelung begriffene, nicht nicht ungerochen hingehen dürfe genug schläft, kann der Körper, besonders das Gehirn, nicht nicht gründlich ausruhen, die angesammelten Ermüdungsstoffe, En den d. h. die Stoffwechselerzeugnisse der Muskel- und Nervenzellen nicht vollkommen beseitigen, und der Organismus ist deshalb in der nicht im Stande, in normaler Weise zu funktioniren. Die Bahn Arbeitslust, der Unternehmungsgeist, das Wohlbefinden, die Gemüthsruhe nehmen allmälig ab, und an ihre Stelle tritt die n ihn nervöse Erschlaffung oder Unruhe und Reizbarkeit, ja selbst geistige Störung. e man würde Mit - зит aß et, Ent diefer Darauf welcher Die math männ dem ben Wir meinen, daß es nicht nur in den Kreisen der sog. tändig besseren Gesellschaft vorkommt, daß Erwachsene und auch Kinder nöthigen Schlaf entbehren; gerade im Arbeiterstand haben wir diesen Fall in der Regel. Eltern wie Kinder stehen vor Tage auf, um an die Arbeit zu gehen und ihr Abend beginnt oft sehr lange nach Sonnenuntergang, weil die Stunden vor Mitternacht noch zu den Arbeitsstunden zählen. Wir finden gerade bei der Hausindustrie diese traurige Thatsache, daß ein gut Theil der Schlafenszeit für die Arbeit verwandt werden muß, weil sonst der Verdienst noch weit unzulänglicher wäre. Und die Hausindustrie, welche die Rinder so früh in's Arbeitsjoch spannt, ist es, welche den armen Kleinen ein gut Theil des nöthigen Schlafs raubt und dadurch die heranwachsende Armee Der Arbeit vorzeitig verkümmern macht, darum, Ihr Mütter, forgt dafür, daß Eure Kinder ausreichenden Schlaf genießen, timmt für ein Verbot der Kinderarbeit und sämmtlicher Radtarbeit. Legung 3war in in he in ſtädti Wohn Das welde 7, be wer aus änden Prants ptifer n ber me i mmen Die Berlin. Abermals ein Opfer der„ Sympathiekuren". sechsjährige Tochter einer in der Posenerstraße wohnenden Familie Kn. hatte sich vor einiger Zeit beim Spielen eine kleine Berlegung am linken Auge zugezogen. Von Seiten der Mutter wurde zwar wenig Gewicht darauf gelegt; es stellte sich aber bald darauf eine Entzündung der Jris ein, so daß das Kind fortwährend über Jucken und Brennen am Auge flagte und so lange an demselben rieb, bis es fast ganz unterlaufen und an geschwollen war. Anstatt mit dem Kinde zu einem Augenarzt der nach der Klinik zu gehen, begab sich die Mutter zu einer in der Nähe wohnenden Jugendfreundin von ihr, die ihr auch sofort tine sog. Sympathiekur in Vorschlag brachte, und zwar in der folgenden Weise: Die kluge Frau" rieth ihrer Freundin, dem Rinde acht Tage lang auf das entzündete Auge ein recht ver: modertes Spinngewebe, in welchem eine Spinne eingewickelt ſein muß, zu legen, dann wurde die Geschwulst von selbst wieder weggehen. Gesagt, gethan! Aber anstatt besser, wurde es mit feve fähig nhau3 ß wir Eleine oder ſtädtis dung n wir Arzt febr Derlig Finder t im n der erfte Gefund aufzu aft u in fo t, zu Cinder Rütter ihnen Je ift. Gulzeit Jm Regel Alter abr น ฝ awei an 7 Ar g in bleid nur gung Inmet Ort Deffen Chir bem unglücklichen Geschöpf immer schlechter, das arme Kind hatte Dährend dieser achttägigen Sympathiekur bie gräßlichsten Schmerzen usgehalten und fast Tag und Nacht nicht mehr geschlafen. Aber bie verblendete Mutter, in der Meinung, ein gutes Werk" ge: than zu haben, überhörte alle diese klagelieder ihres Kindes, bis Endlich der verhängnißvolle achte Tag herankam. Nun wurde die tluge Rathgeberin geholt, um das„ Spinnenpflaster" wieder bzunehmen. Aber wie erstaunten beide Frauen als sie die BeSeerung sahen, die sie angerichtet hatten. Das ganze Auge ings herum war zu einer unförmigen Masse angeschwollen und otal vereitert. Jest endlich that die leichtgläubige Mutter in Ihrer Verzweiflung das, was sie von vornherein hätte thun müssen, sie fuhr mit ihrem unglücklichen Rinde noch in derselben Stunde nach der Klinik, wo die Aerzte bei der Besichtigung der Augen die Hände über dem Kopfe zusammenschlugen und der Mutter die bittersten Vorwürfe machten. Nach dem Ausspruch der Aerzte läßt sich vorläufig gar nicht absehen, ob das Kind jemals wieder gesund und seine volle Sehkraft auf dem erkrankten Auge wieder erlangen wird. Gegen die sympathische Nathgeberin soll Anzeige erstattet werden. Wir behalten uns vor in einem längeren Artikel nächstens grade das Thema der Sympathiekuren zu behandeln. Italien. Ein Standalprozeß ersten Rauges, dessen Grundlage ein Vorgang aus der herrlichen Crispizeit bildet, spielt sich rumgezerrt, mißhandelt fürchte Dich nicht mehr, ge uns alles, meine Hilda. Was hat Dir dieser ann gethan?" Die fleine Hilda richtete sich energisch empor. " Was redet Ihr denn da, was soll er mir denn gethan haben?" tamen, fie " ,, Weshalb riefst Du um Hilfe? als wir hierher fanden wir Dich bewußtlos." Weil ich da draußen," sie zeigte gegen das Fenster, auf die Felsen geklettert war, der Friedl nach, nd wie ich durch's Fenster hereinsteigen wollte, wie es gethan, bin ich abgerutscht und gefallen." Durch's Fenster wolltest Du steigen, thörichtes, unvorsichtiges Kind!" " Warum hast Du das gethan? Wer hat Dich bieber gelockt? Womit, weshalb? examinirte die GouDernante in strengem Tone, als müsse sie dadurch der Sache früher auf den Grund kommen. tief Dabei ater? nun nbert randt Pleine Rind lah ihr mit einem feindseligen Blick voll in's Gesicht. Niemand hat mich hieher gelockt, daß Sie's nur bissen, ich bin mit der Friedel gegangen, weil ich mich icht von Ihnen wollte einsperren lassen, weil dies eine gerechtigkeit ist, und weil ich, weil ich Die Kleine wandte sich rasch nach ihr um, und " sie sah Bernhard, dessen Gespräch mit seiner Tochter sie lauscht und sagte dann kühn: weil ich zu den Ge= funden gehöre, die Ungerechtigkeit nicht gefallen lassen, verstehen Sie, Fräulein. die kämpfen und die sich eine Was soll das bedeuten, Hilda?" fragte ihr Vater betroffen ,,, Du warst freiwillig fortgegangen, Du hattest mich also abfichtlich in Angst und Schrecken versezt?" baren Kartoffeln zur Schnappsbrennerei verwandt, da die Schnapsbrennerei bekanntlich in Folge der Liebesgabe, welche den Großschnapsagrariern vom Staate geschenkt wird, d. h. vom Volte bezahlt werden muß, ein sehr einträgliches Geschäft ist. Dadurch wiederum werden viele Kartoffelmengen dem unmittelbaren Konsum entzogen und die Bevölkerung sieht sich mehr und mehr gezwungen, statt sich mit Kartoffeln zu nähren wenn man diese Speise als„ nahrhaft" bezeichnen darf sich dem„ Schnaps. genuß" zu überliefern. Da haben wir also die Wirkungen der vielgerühmten neuen Wirthschaftspolitik. Vom Brod zu den Kartoffeln, von den Kartoffeln zum Fusel. Dann kommen natürlich die Herren in den schwarzen Talaren und mit dem frommen Augenaufschlag und wettern gegen die Unsittlichkeit, gegen den Schnapsteufel, die Verrohung des Vottes. So greift. eins ins andere, um für Jedermann deutlich dazuthun, daß wir uns in der besten aller Gesellschaftsordnungen be finden! Man sieht, der deutsche Proletarier ist ein beneidenswerther Mensch! jetzt in Rom ab. Professor Mandalari war beaufsichtigender Vorgesetzter des Kinderasyls in Tunis und benutte seine Machtstellung dazu, die ihm unterstellten Lehrerinnen zu verführen und sie dann für feile Dirnen zu erklären. Die Lehrerin Renzetti ließ den Strolch mit großer Festigkeit ablaufen, bis ein regelrechter Nothzuchtsversuch den Kessel zum Ueberlaufen brachte. Infolgedessen begab sich Fräulein Renzetti in den Schutz der Derr Herr Gatt n des italienischen Konsuls Bario in Tunis. Konsul that das Gegentheil seiner Pflicht, er nahm den Wollüstling in Schuß und forderte Abberufung der Lehrerin, trotzdem Mandalari kniefällig der Frau Konsulin seine Schuld eingestanden hatte. Petitionen von mehr als hundert Bürgern von Tunis zu Gunsten der Renzetti, Man bot der vergebens. energischen Dame vergeblich private Beschäftigung an, um die Sache todtzumachen, die sie ablehnte und nun in die größte Noth gerieth, da alle ihre Schritte auch in Rom zu keinem Erfolg führten. Da nahmen sich ein paar Advokaten der Sache an und Crispi donnerte los, daß so etwas unter seinem Regiment aber dann war Ruhe über den Gewässern. Man glaubte eben sich eine Blöße zu geben und nachgiebig zu erscheinen, was einer sogenannten ,, ftarken" Regierung nicht wohl anstehe. Geldabfindungen wies die Renzetti trop größter Noth entschieden zurück. Zwei Jahre mußten aber vergehen, bis denn jetzt der Prozeß mit Aussicht auf Erfolg für das Recht angestrengt wird, bei dem nach dem Rezept: Haltet den Dieb! der Herr Professor Mandalari als Kläger gegen den Diritto" auftritt, der die faubere Geschichte berichtet hat. Der vorjährige Prozeß fiel gegen die achtenswerthe Lehrerin aus. Der Herr Professor strengte den zweiten Prozeß gezwungen von der Regierung an, nachdem er vorher die Renzetti auch noch mit verdächtigenden Schmähschriften verfolgt hatte. Man ist gespannt auf das Urtheil, welches jedenfalls zu einem harten Verdikt über die Crispische Wirthschaft werden wird. " Aus Paris wird telegraphirt: Der Obere Rath der schönen Rünste beschloß, Frauen sowie Mädchen zum künstlerischen Unter richt zuzulassen und Ausschluß des gemeinsamen Studiums mit Männern. Die Herren Gesetzgeber trauen wahrscheinlich den jüngeren Vertretern des starken Geschlechts" so wenig Festigkeit zu wie sich selbst. Zum Nothstand. Wieder kommen von den verschiedensten Gegenden Nachrichten, welche beweisen, daß es mit der Volks= ernährung schlecht, sehr schlecht bestellt ist, troßdem nach den Worten der preußischen Regierung kein Nothstand existirt. In Königsberg haben die städtischen Beamten sich bereits mit einer bringenden Petition um Theuerungszulage an den Magistrat ge wandt, und dieser will in einer gemischten Kommission mit Die Lebensmittelpreise, Stadtverordneten die Sache erörtern. so schreibt die" Danziger 3tg.", sind auch hier fortgesetzt im Steigen begriffen und die dadurch erzeugte Nothlage macht sich in den Kreisen der ärmeren Bevölkerung immer härter fühlbar. Am schwersten leidet dieselbe unter der Höhe der Brot- und Kartoffelpreise, die einen seit vielen Jahren nicht dagewesenen Stand erreicht haben. Wie aus zahlreichen Kundgebungen hervorgeht, erstreckt sich dieser Nothstand auf unseren ganzen Osten. Aus Osterade am Harz schreibt die dortige Kreiszeitung: Unsere Hausfrauen klagen in lezter Zeit gewaltig über die theuren Lebensmittelpreise. Das Brot wird alle Tage kleiner und das Fleisch nicht billiger. Die Hauptnahrung unserer Bevölkerung, die Kartoffeln, sind seit kaum 3 Wochen um 3 Mark pro 100 Kilo theurer geworden. Am 1. Juni kosteten dieselben auf hiesigem Wochenmarkte noch 7,60 bis 8 Mark, heute 10-11 Mart und dabei sind sie voll langer Reime und kaum zu genießen. Aus der Gegend von Düsseldorf schreibt man: ,, Hier fehlt es an Kartoffeln; die Händler wissen keine mehr aufzutreiben. In Solingen foften 100 Pfund alte Kartoffeln schon 8 M., die neuen, welche noch nicht reif sind, werden mit 15 Pf. das Pfund bezahlt. Die Fabriken gehen in der ganzen Umgegend schlecht, einige Gerbereien sind ganz geschlossen. Eine Gerberei ausgenommen, wird in den meisten Fabriken im gün stigsten Falle 3/4 Tag gearbeitet. Aus München- Gladbach schreibt man uns, daß dort Kartoffeln nicht unter 6 bis 6,50 Mt. zu haben sind. Dabei schneidet man sie halb als Abfall fort. Häufig sind sie ganz ungenießbar, theilweise schwarz. Ist das noch kein Nothstand, Herr von Caprivi? Am vorigen Donnerstag und Freitag haben in West- und Mitteldeutschland schwere Ungewitter großen Schaden angerichtet und theilweise die Ernte vernichtet. Als im Jahre 1847 eine Theurung gleich der jetzigen in Preußen herrschte, da begnügte sich die Regierung nicht, rebellische Frauen dem Strafrichter anheimfallen zu lassen und den Nothstand zu leugnen, da hat sie vielmehr den den Getreideeinfuhrzoll suspendirt, ja sogar einen Ausfuhrzoll auferlegt und für den Rest der Kampagne die Spiritusproduktion aus Kartoffeln verboten. Jetzt geschieht von alledem nichts. Vielmehr wird trop des großen Kartoffelmangels ein großer Theil der verfüg17 Die Hungersnothpreise für Brotkorn, eine direkte Folge der Kornzölle, haben an der Produktenbörse eine erneute Steigerung gefunden. Der Weizenpreis zog um 11/2 Mt. für nahe und um 3/4 Mark für Herbstsichten, der Roggenpreis um 3/4 Mark für nahe und um 11/4 Mt. für Herbsttermine an. Die Ueber die Be= Ernte- Aussichten haben sich nicht verbessert. gleiterscheinungen der gegenwärtigen Theuerung wird regelmäßig weiter berichtet. Die Mehlwanderungen sind an der russiSo schen und österreichischen Grenze nach wie vor im Gange. erfährt die Vossische 3tg." aus Schreiberhau in Schlesien, daß gegenwärtig alltäglich große Schaaren von Kindern und Er wachsenen nach dem 2 Stunden entfernten Neumelt pilgern, um billiges Mehl in zollfreier Quantität über die böhmische Grenze zu bringen. Sechs Pfund Roggenmehl kosten in Böhmen 84 Pf., sechs Pfund Weizenmehl 95 Pf., in Schlesien aber Mt. 1.20 resp. Mt. 1.26. Lehrreich ist die Zusammenstellung, welche Professor Conrad in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik" aus den Weizenpreisen in den Jahren 1875/79 und denen in dem Jahre 1889 giebt. Die Preise verstehen sich in Mark für 1000 Kilo: 1875/79 1889 1) Frankreich 198,32 2) Preußen 183 1) Haag 234,10 2) Dänemark 230,18 3) Frankreich 4) England 5) Preußen 6) Wien 7) Odessa 227,66 3) Haag 156,15 210,55 4) Dänemark 152,7 206,80 5) Wien 147,39 205,38 6) England 187,14 179,10 7) Budapest 8) Odessa 137, 130,40 127,19 8) Budapest Während also 1875/79 der Weizen in Preußen billiger war als in England, Frankreich, Holland, Dänemark, hat Preußen 1889 nächst Frankreich die höchsten Getreidepreise aufzuweisen gehabt. Frankreich aber hat bekanntlich gleichfalls Getreidezölle eingeführt, wenngleich nur von 40, nicht von 50 Mt. Während 1875/79 der Weizenpreis in Preußen noch um 3,75 Mt. billiger war als in England, stellte er sich 1889 um 46 Mt. theurer. Wie lange wird die Regierung noch sagen: Es giebt keinen Nothstand?" In Bayern soll die Zahl der Fabrikinspektoren von 4 auf 8 erhöht und für die zwei größten Bezirke sofort Hülfskräfte be= schafft werden. Gelenau. In den gewerblichen Verhältnissen unseres Ortes, ist leider ein Rückgang zu verzeichnen. Schon seit Jahren liegt die einst hier so viele Personen jeden Alters beschäftigende Spigenindustrie brach; Niemand lernt mehr das Klöppeln. Nur noch wenige alte Leute, die nichts weiter verrichten können, be= schäftigen fich mit Klöppelei und bringen es bei angestrengtem Fleiße wöchentlich höchstens auf 1.50 M. Eine große Anzahl hiesiger Einwohner wanderte seither im Sommer nach fremden Orten, um ihr Brot als Maurer oder Zimmerer zu erwerben. Allein die Baulust ist allenthalben im Rückgang begriffen und fremdländische Arbeiter nehmen vielfach den einheimischen die Arbeit weg. Die Strumpfwirkerei, der Hauptnahrungszweig, liegt seit lettem Herbst ganz darnieder. Der vergangene Winter gehört zu den schlechtesten seit vielen Jahren. Abgesehen von zwei Strumpffabriken wird hier die Wirkerei nur als Hausindustrie betrieben. Viele arbeiten noch auf gewöhnlichen Walzenstühlen und verdienten bisher wöchentlich höchstens drei Mark. Die auf Maschinen Arbeitenden hätten es wöchentlich auf 6-7 M bringen können, wenn genug Arbeit gewesen wäre. Wegen Mangel an Aufträgen hat daher mancher im vergangenen Winter lange feiern müssen, wodurch bei dem außergewöhnlich harten und lang anhaltenden Winter und den so hoch gestiegenen Preisen für Nahrungsmittel und Brennmaterial viele Familien in die bitterße Noth gerathen sind. Leider ist für manche der selben darauf, das Defizit des Winters im Sommerhalbjahr zu decken, bei den oben geschilderten ungünstigen Verhältnissen wenig Aussicht vorhanden. Nur die in Fabriken Beschäftigten haben ihr gutes(??) Auskommen und deren Zahl ist leider gering. Algemein beklagt man den Mangel an unternehmenden Kapitalisten, welche Fabriken hierorts anlegen. Und doch ist Gelenau ein sehr geeigneter Ort hierzu. Die Terrainverhältnisse und Verkehrsmittel sind günstige; Gelenau hat Eisenbahnstation. Die Baumaterialien sind billig und leicht zu beschaffen. Die Einwohnerschaft ist seit Jahrzehnten in der Strumpfwirkerei erfahren und eingerichtet. Die Lohnansprüche der Arbeiter sind sehr bescheiden. Die Agitatoren für Streifs, Arbeitsverkürzung zc. haben hier noch nie Gehör gefunden. Das ist fürwahr ein Bild des Elends, wie es grauenvoller kaum aufgerollt werden kann. Das ist eine Anklage gegen das heutige wirthschaftliche System, vor der die Vertheidiger desselben erzittern müßten. Aber statt eine vernünftige Regelung der Produktion und eine Sebung der Konsumtionsfähigkeit des Volkes anzustreben, sucht man den überlasteten Waarenmarkt durch vermehrte Produktion noch mehr zu überlasten und lockt die gewinnsüchtigen Unternehmer durch die entsetzlichen Hungerlöhne der Arbeiter. Daß bei Wochenlöhnen von 1.50 bis 3 M der Sozialismus noch nicht Eingang gefunden hat, wundert uns nicht, denn solche abscheuliche Zustände sind nicht der Boden für den Sozialismus, sondern weit mehr für den Anarchismus. Wenn bei solchen Nothständen das Volk erst einmal anfängt, sich auf sich selbst zu befinnen, dann greift es nicht zu dem langsam und sicher wirkenden Mittel der Organisation und des Sozialismus, sondern zu dem sofortige Abhülfe verheißenden Mittel der Gewalt.( S. A.- 3tg.) Der Pariser Mitarbeiter der Straßburger Post" schreibt seinem Blatt über die Bewegung in Paris folgende beachtensDich nicht Papa, o gewiß Dich nicht", rief die Kleine, und sie warf sich dem Vater an den Hals. „ Ich bitte Dich, Papa, sei wieder gut; glaube nicht, daß ich Dib kränken wollte; ich will Dich lieb haben, so lieb, wie die Friedel ihren Vater lieb hat. Und ich will auch so stolz auf Dich sein, gerade wie sie es auf den ihrigen ist. Du bist ja auch so gut, und Du bist auch start und muthig, Du wirst fein Unrecht dulden, nicht wahr, und Du wirst auch mich davor in Schuß nehmen." Nun waren alle Mißverständnisse alsbald aufgeklärt und Bernhard und die Friedel von jeder Mitschuld freigesprochen. Herr Hillebrandt trat auf den Arbeiter zu." Ich bin Ihnen wohl eine Genugthuung schuldig; nun, Bernhard, Sie können in meiner Fabrik bleiben, wenn Ihnen das noch wünschenswerth erscheint." Er mußte lächeln, als er dem lebhaft dankenden Blick seiner Tochter begegnete. " Ich sehe schon, ich muß Dir Konzessionen machen," fagte er. Unter den legten, die sich aus dem kleinen Hause entfernten, waren Bernhard und seine Tochter. Die Friedl schritt neben ihrem Vater einher, ihn fest an der Hand haltend, mit dem schönen, innigen Gefühl der Liebe, des Vertraueus. Wie hatte sie um ihn gebangt, jezt hatte sie ihn wieder und hatte ihn sicher. Die kleine Friedl brachte ihren Vater wie im Triumph nach Hause. werthe Zeilen: " Die soziale Bewegung, welche von den Omnibus- Angestellten begonnen worden ist, zieht immer weitere Kreise. Die Kellner, die Epiciers, die Coiffeurgehülfen und Gott weiß wie viele andere niedere Angestellten verlangen nicht nur höhere Löhne, sondern auch bessere Behandlung. Ich bin kein Kommunist und gehöre auch nicht zur Arbeiterpartei; aber ich muß offen geftehen: ich sympathisire sehr lebhaft mit diesen Leuten. Es hat niemand eine Ahnung davon, wie schlecht diese niederen Diener des Publikums gerade in dem glänzenden Paris behandelt, wie gering fie besoldet, wie unverantwortlich sie geschunden werden. Wer von Paris nur die glänzenden Boulevards, die großen Hotels, die vornehmen Kafes, die pikanten Theater, allesfalls noch die Sammlungen im Louvre und im Luxemburg und wenns hoch kommt die Akazienallee und das Restaurant der Cascade im Bois fennt der weiß von dem Elend der Mansarden, dem Gestank der Höfe und der unsittlichen Enge des Dienstbotenkämmerchens nichts! Emilie Zola sollte sich dies Thema einmal zum Vorwurf eines neuen Romans nehmen. Der würde den ,, Germinal" noch übertreffen, wenn er realistisch sein wollte. Wir wissen, daß dieses Urtheil nicht zu schroff ift. Aus den Armenvierteln, den Mansarden, den Hintergebäuden kommen früh morgens die Armen in die reichen Viertel, um die Speise: refte, die von der verwöhnten übermüthigen Dienerschaft vornehmer Herrschaften einfach in den Aschkasten oder die Mülkifte geworfen sind, wie kostbare Schäße auszugraben, um sie freudig in ihr armseliges Heim zu tragen. Wir hatten diesen überwältigenden Anblick einigemal in der rue de la victoire. Er ift uns unvergeßlich! Brüssel, 28. Juni. Der Generalrath der Arbeiterpartei versandte neuerdings ein Rundschreiben an die Arbeiter aller Länder, worin dieselben an die Zwecke des am 18. August hier tagenden internationalen jozialistischen Arbeitertongresses erinnert werden. Es werden die Frauen und Mädchen hierauf nochmals auf: merksam gemacht. " Wie die arbeitenden Klassen mit dem geringsten Kostenaufwande zu ernähren sind, das ist eine Hauptfrage für alle jene sogenannten Sozialpolitiker", welche die gründliche Lösung der sozialen Frage nach dent Gebote der Gerechtigkeit für ,, unmöglich halten. Die Böhmert'sche Sozial- Korrespondenz" veröffentlicht eine Empfehlung einer Schrift des Fabrikanten Erich Kalle, betitelt: ,, Wie nährt man sich gut und billig?" Da heißt es: ,, Die Tagesnahrung eines mittelfräftigen Mannes soll durchschnittlich 100 Gramm Stickstoffsubstanz, 50-90 Fett und 500 Kohlenhydrate enthalten, alles durch gewisse Zusäße und Bereitung verdaulich und und mundgerecht gemacht. Die werthvolle Stickstoffsubstanz in Eiern und in magerem Rindfleisch( in fetten Fleischarten ist sie noch kostspieliger) stellt sich aber auf 5-61/ 2 mal so theuer wie in abgerahmter Sauermilch, Erbsen, Bohnen, Linsen, 31/2 und 4 mal so theuer wie in Schmierfäse, Stockfisch, Buttermilch, 21/ 2-3 mal so theuer wie in Handkäse, Salzheringen, Rindeleber 2c. In Kartoffeln ist der Eiweißstoff zwar billig, um davon jedoch die nothwendige Menge einzu führen, müßten statt 500: 1200 Gr. verzehrt werden, eine so große Menge die Niemand auf die Dauer zu sich zu nehmen vermöchte. Der Mr ( mit Porträt). Caesar de Paepe( mit Porträt). Tuberkelbazillus( mit Illustration). Heimkehr aus Kamerun Gedicht mit Juustration. Fliegende Blätter. Die Se maschine. Humorske von May Regel( mit Illustrationen). Auflösungen der Räthsel 2c. Röffelsprung, Räthsel 2c. Hierzu als Gratisbeilage: Ein farbiges Bild„ Auf dem Markt" und salbungsvoll rief er aus: ,, Die Sozialdemokraten sind so schlecht, daß fie alle in der Hölle brennen werden, und wenn es nicht wahr ist, was ich hier sage, so möge mich auf der Stelle der holen!" Bei diesen Worten schlug er heftig auf die Brüftung der Kanzel, so daß das Buch, welches neben ihm lag, herunterfiel. Nicht weit von der Kanzel saß ein Amerikaner, dessen Bedienter ein Mohr war; er gab diesem einen Wink, das Buch aufzuheben, und achtete nicht weiter auf ihn. Der Mohr gehorchte und bestieg dann die Treppe zur Kanzel, um dem Pfarrer das Buch zurück zu geben. Als er die leste Stufe er: reicht hatte, wiederholte eben der fromme Mann seine Versiche rung, daß ihn der...... holen möge, menn das nicht wahr sei, was er über die Sozialdemokraten gesagt Der Mohr trat zwar ziemlich leise auf, aber der Pfarrer hörte doch die Tritte und wendete sich um. Voller Bestürzung sah er den Schwarzen auf sich zuschreiten, er glaubte, der Leibhaftige habe ihn schon wegen seiner Aeußerung am Kragen. ,, Es ist zwar möglich", sagte er mit zitternder Stimme zu seiner Gemeinde ,,, daß mancher Gute unter diesen Sozialdemokraten ist." Er wendete sich dann um und sah den Schwarzen immer näher auf sich zukommen; der Angstschweiß trat ihm auf die Stirn und voller Verzwe.flung rief er aus:„ Es sind sogar sehr viele Gute unter ihnen!" Nach diesen Worten wendete er sich wieder um, der Mohr stand dicht hinter ihm, und der an allen Gliedern zitternde Priester sah sich schon von den Krallen des Beelzebub erfaßt; er raffte seine lette Kraft zusammen, und halb zum Mohren, halb zu seiner Gemeinde gewendet, rief er aus: Hol' mich der wenn nicht alle Sozialdemokraten besser sind, als wir!" Der Geängstigte fiel dann in eine Ohnmacht, aus der er erst nach langer Zeit erwachte. Darf in Preußen eine Versammlung bis nach 12 Uhr tagen? Mit dieser Frage hatte sich vor Kurzem das Schöffen= gericht zu Halle zu beschäftigen. Der Vorsitzende des dortigen sozialdemokratischen Vereins war angeklagt, weil er in zwei Fällen Versammlungen des letteren nicht um 12 Uhr Nachts geschlossen haite, die§§ 1 und 12 des preußischen Vereinsgeseķes übertreten zu haben. In dem Weitertagen nach 12 Uhr sollte nach der Auffassung der Polizeibehörde eine Uebertretung der genannten Paragraphen zu erblicken sein. Der Angeklagte berief sich in seiner Vertheidigung hauptsächlich auf den Wortlaut des§ 1 des Vereinsgesezes, in welchem gesagt wird, daß jede Versammlung, in der öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, mindestens vierundzwanzig Stunden vor Beginn derselben anzumelden sei. Daß nun um 12 Uhr eine Versammlung begonnen habe, könne von den Herren Polizeibeamten nicht behauptet werden, eine Grundlage für die Anklage sei also gar nicht vorhanden und diese selbst somit vollständig hinfällig. Gegenüber der Anklage, welche eine Geldstrafe von 15 Mark beantragt, plaidirte der Angeklagte auf fostenlose Freisprechung. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung und Uebertragung der Kosten auf die Staatskaffe. " Das Kalle'sche Schriftchen giebt nun u. A. einen Speise: zettel auf 14 Tage für eine aus vier Köpfen bestehende Familie, die nur Mark 1,71 täglich für ihre Ernährung auszugeben hat. Dabei sind noch immer die herrschenden Gewohnheiten stark be= rücksichtigt. Mit wachsendem Verständniß wird wohl noch weiter an Kartoffeln und Brot abgebrochen und den Hülsenfrüchten, dem Käse, der Sauer-, Butter-, Magermilch und den wohlfeilen Fischforten zugesetzt werden. Kluge, sparsame Hausfrauen werden endlich lernen, gewisse Theile geschlachteter Thiere( Gekröse, Euter, Kuttelflecken, frische Schweinsknochen), ebenso Wurstbrühe, mehr auszunuzen." Wir haben garnichts dagegen einzuwenden, wenn die Kalle': schen Ernährungsregeln in den Kreisen der herrschenden Gesellschaft ausgiebigste Verwerthung finden. Die Arbeiter fordern ein zum menschenwürdigen Dasein ausreichendes Arbeitseinkommen; was sie damit zwecks ihrer Ernährung beginnen, möge der Fabrikant Kalle sich nicht fümmern lassen. Berlin. Bei der hiesigen städtischen Schuldeputation waren Tausende von Gesuchen eingegangen, in welchen die Eltern um frühere Entlassung ihrer Kinder aus der Schulpflicht baten. Im Monat Mai werden diese Gesuche erledigt und mußten nicht weniger als 1900 Gesuche um frühere Befreiung vom Schulunterricht bewilligt werden, weil nach den angestellten Recherchen die wirthschaftliche Lage der Eltern eine so bedrängte war, daß inf der That nicht gewartet werden konnte, bis das Kind das für die Entlassung gesetzmäßige 14. Lebensjahr erreicht hat, sondern es zeitiger in das praktische Leben eintreten muß, um durch sein Mitverdienen das Elend zu Hause zu mildern. Dieses Elend erwies sich bei 50 Familien so groß, daß die Kinder schon mit 12 Jahren vom Schulzwange freigesprochen wurden. Eine Jllustration zu diesem Kapital bietet übrigens der folgende Vorfall, der sich kürzlich in einer hiesigen Gemeindeschule ereignete. Inmitten der Unterrichtsstunde war ein achtjähriger Knabe eingeschlafen und zwar so fest, daß der Lehrer ihn energisch empor rütteln muß. Erschreckt bittet der Kleine, ihn doch nicht zu be= strafen, er könne ja nicht dafür, denn um 12 Uhr Abends käme er erst zu Bett und um 1/25 Uhr müsse er wieder aufstehen. Und die Aussagen des Kindes erwiesen sich als richtig. Bis Mitternacht mußte es auf den Straßen Streichhölzer feil halten, und vor 5 Uhr Morgens schon wieder bei einem Bäckermeister zum Austragen der Frühstücksbeutel antreten, deren er 150 zu besorgen hatte. und ein Wandkalender. Der Neue Welt- Kalender ist für den Wiederverkäufer nach wie vor durch J. H. W. Diek in Stuttgart zu den bekannten Preisen zu beziehen. Allen im graphischen Gewerbe arbeitenden Frauen und Mädchen wird, Union", das neugegründete Organ der im ge nannten Gewerbe beschäftigten Hülfsarbeiter empfohlen. Das selbe soll nebst der Vertretung der Interessen aller Hülfsarbeiter, besonders dem Meinungsaustausch der Berufsgenossen unter ein ander dienen, sowie auch eine Anlehnung an den Unterstüßungsverein deutscher Buchdrucker anstreben. Die wahre Geschichte des Josua Davidjohn.( Ein soziali stischer Roman.) Aus dem Englischen übersetzt von W. Lieb fnecht. Neue Ausgabe.( 71% Bogen Ott., Preis nur 30 Pfg.) Dieser Roman, der zum ersten Male in der Mitte der siebziger Jahre in der ,, Neuen Welt" erschien, aber bald dem sozialisten gesetzlichen Verbot verfiel, hat schon früher den lebhaften Zor der Schwarzen erregt. Um eine Massenverbreitung zu ermög lichen, ist der Preis für das über 7 Bogen starke Buch auf den fabelhaft billigen Preis von nur 30 Pfennig festgesett worden. Bestellungen nehmen alle sozialdem. Zeitungs- Erpe ditionen und Kolporteure, sowie die Verlagsbuchhandlung direkt, außerdem die meisten Sortimentsbuchhandlungen entgegen. Giebt es eine Polizeistunde für geschlossene Gesellschaften in einem Wirthschaftszimmer? Darüber hat das Kammer: gericht in Berlin folgende Entscheidung gefällt: Der Gastwirth Kempen zu Essen war wegen Polizeikontravention angeklagt worden, weil er über die Polizeistunde hinaus Gäste in einem zu seinem Lokal gehörigen Saale geduldet hatte. In erster wie in zweiter Instanz war indeß auf Freisprechung erkannt worden, weil angenommen wurde, daß die Polizeistunde nicht für das Lokal einer geschlossenen Gesellschaft, als welche der damals bei Kempen eine Festlichkeit begehende Turnverein anzusehen sei, gelten könne. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft bei dem Kammergericht Revision ein, ausführend, daß es nicht Absicht des Gesetzgebers gewesen sein könne, daß die Ueberlassung eines öffentlichen Wirthschaftszimmers an eine geschlossene Gesellschaft für einen Abend dem betreffenden Raum die Eigenschaft eines unter das Gebot der Polizeistunde fallenden Schanklokals nimmt, und daß demzufolge der Berufungsrichter hätte annehmen müssen, daß der Angeklagte sich einer Verlegung des§ 365 Str.-G.-B. schuldig gemacht habe. Der Strafsenat des Kammergerichts erkennt aber heute nach dem Antrage des R.-A. Crome selbst= verständlich auf Zurückweisung der Revision, indem er in der Feststellung der Vorderrichter keinen Rechtsirrthum zu finden vermag. Arbeiter- Ausbeutung. Wie nothwendig wir in Deutschland einer gefeßlichen Regelung der Arbeitszeit für erwachsene Arbeiter bedürfen, wird Herr von Berlepsch vielleicht einsehen, wenn er von folgendem uns im Original vorgelegenen Arbeitsvertrage Kenntniß nimmt. Derfelbe hat folgenden Wortlaut: Angenommen als Ziegeleiarbeiter bis Anfang oder Mitte Oftober 1891 für freie Schlafstelle und 18 Mt. Wochenlohn, zweimal Kaffee, Mittagund Abendessen für 25-30 Pf. täglich. Arbeitszeit von Morgens 31/4 Uhr bis Abends 9 Uhr, eine halbe Stunde Frühstück, eine halbe Stunde Vesper- und 11/4 Stunde Mittagspause. Auf den Lohn giebt es Abschlagszahlungen und den Rest am Schluß der Rampagne. Das vom Meister ausgelegte Fahrgeld hat Jeder zu erstatten. Dieser Vertrag wurde im Auftrage der Ziegelei des Herrn von Borstel in Drochtersen an der Elbe von Riefenstahl's Stellennachweis, Berlin N., Große Hamburgerstraße 16, abgeschloffen. Es handelt sich hier um eine faft 18stündige Arbeitszeit, von welcher nur 21/4 Stunden auf Pausen entfallen, bei unerhört schlechten Bedingungen. Und da wagt man zu behaupten, daß ein Normalarbeitstag in Deutschland kein Be dürfniß ist!!! Die jüngste Millionärin der Welt ist eine zwei Jahre alte Amerikanerin Miß Terry. Sie befigt gegenwärtig schon 30 Millionen Lstrl.( 600 Millionen Mark) und wird nach dem Tode ihrer Mutter noch mehrere Millionen Lstrl. erben. Eine der vielen Gouvernanten der jungen Millionärin machte jüngst die Reise von Newyork nach Paris, um für die Puppen ihrer Herrin Kleiderstoffe nach der letzten Mode einzukaufen. Sie hat thatsächlich Stoffe im Werthe von mehr als 10000 Frants ( 8000 Mark) nach Amerika gebracht. Und da schwagen die fozialdemokratischen Führer immer, es wäre so viel Noth und Elend in dieser Welt vorhanden. Wenn man solche Unsummen für Puppenkleider ausgiebt, hat man doch gewiß auch vorher sämmtliche Arme in Newyork eingekleidet. Oder Von der ,, Nenen Zeit"( Stuttgart. J. H. W. Diet' Verlag ist soeben das 39. Heft des 9. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Bochum. Die Arbeiterbewe gung in den Vereinigten Staaten. 1860-1866, Von F. A. Sorge. Die Gewerbeordnungs Novelle. Von A. Bebel ( Schluß.) Der Baccarat- Skandal. Feuilleton: Der Barijer Garten. Novelle von Minna Kautsky. Was schon Aufforderung zum Ungehorsam gegen das Gesetz ist, erfuhren jüngst zwei Schuhmacher in Mainz, die in einer Versammlung meinten:„ Wenn unsere Forderungen nicht bewilligt werden, so ist es das Beste, wir legen die Arbeit sofort nieder." Die Staatsanwaltschaft erblickte hierin eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen Geseze, das Landgericht fand höchstens eine Aufforderung zum Kontraktbruche darin und erkannte auf Freisprechung; das Reichsgericht hob dieses Urtheil auf, und nun fand das Landgericht auch, daß der Staatsanwalt Recht gehabt habe und erkannte auf je 20 Mark Geldstrafe. sollte man das in der Eile bei der Reisevorbereitung vergessen haben? Eine schnelle Bekehrung. In einer strenggläubigen Stadt unferes lieben Vaterlandes predigte jüngst der Pfarrer gegen die Sozialdemokraten und erzählte seinen Zuhörern so schauderhafte Geschichten von ihnen, daß die frommen Leute vor Schreck eine Gänsehaut bekamen. Endlich kam er zum Schluß seiner Predigt Literarisches, " Von der Bibliothek politischer Reden( Verlag von Wörlein & Comp.), Nürnberg) ist soeben Heft 7 erschienen. Dasselbe enthält: Karl Marr' Rede über„ Die Frage des Freihandels gehalten am 9. Januar 1849 in der demokratischen Gesellschaft zu Brüffel, ferner St. Just's Rede gegen Danton." Gehalte am 31. März 1794 im National- Ronvent. Heft 8 wird ent halten: Reden des Abg. v. Bennigsen. Gehalten in der Sigung vom 23. Mai 1878 und am 10. Oftober 1878. Biographische Notizen. Berliner Arbeiterbibliothek. Sammlung sozialpolitischer Flugschriften, herausgegeben von Max Schippel. II. Serie. Togi A mitteln Maschi leberg idafts Klaffer Ge lichen SO Heft 4: Das Gewerbeschiedsgerichts- Gesek. Von Schippel. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Heft 5 und 6( Doppelheft): Die Entwickelungsgeschicht des Kapitalismus in Deutschland. Von Paul Kamp meyer. 84 Seiten. Preis 25 Pf. Heft 7: Preußische Volksschulzustände. Ein Wort an Preis 20 Pf. Die E Arbeit Lebens bas leber Berfür 1 bir Reicht 32 und eitsp biz mmer Seben Armee Volk und seine Lehrer. Von Hans Müller- Zürich. 48 Seiten Heft 8: Fort mit dem Dreiklaffen- Wahlsystem in Preußen. Von Mar Schippel- Berlin. 36 Seiten. Preis 20 Pf. Heft 9: Die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel für Schulen des Volkes. Von Hans Müller- Zürich. Seiten. Preis 15 Pf. ,, Lichtstrahlen", Blätter für volksverständliche Wissenschaf und atheistische Weltanschauung. Zugleich ein literarischer Wegweiser für das Volk. Erscheint halbmonatlich in Heften à 20. Berlin, Verlag von D. Harnisch. Soeben erschien das 19. Heft Inhalt: Der Gottesglauben und sein einziger Feind. Ein Beitrag zur Diskussion über das Parteiprogramm. Wie Afrika zivilifirt wird. Von H. M. Die industrielle Reservearmee. Aus der Zeit. Literarisches. Der Zustand im Erdinnern. Sozialpolitik: Deutschland in 100 Jahren oder die Galoschen des Glückes. Ein soziales Märchen von Michael Flürscheim. Die sozialistische Bewegung in Deutschland von 1863-1890. Von Dr. E. Heiß. Bolkswirthschaft: Studien über Proudhon. Von Dr. Arthur Mülberger. Volksbildung und Jugenderziehung. Von Ernst Flöffel. Naturwissenschaft: Das neue Buch der Natur. Von A. v. Schweiger- Lerchenfeld. Länder: und Völkerkunde: Hartlebens Universal- Handatlas. Unter haltungsschriften. Aus bewegten Zeiten. Politische Gedichte von Rudolf Löwenstein. Familienbibliothek für das arbeitende Bolk. Kleine Mittheilungen: Kraft- und Saftsprüche vor Dr. Martin Luther, dem Volksmann. Massenmord hinter Klostermauern. Päpstlicher Unglaube. Beilage: Moderne Die Feuilleton- Bibliothet: Albertine. Von Christian Krohg. ,, Lichtstrahlen" sind durch sämmtliche Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Von der Post( Zeitungspreisliste Nr. 3624 a) bezogen, beträgt der vierteljährliche Abonnementspreis M. 1.35. 1 Heft 10 und 11: Das Oftende von London. Ein soziales Nachtbild. Bon Paul Fischer- Berlin. Heft 15 Pf. Heft 12: Die Entwicklung der Geschichtsauffaffung 40 Seiten. Prei- 20 Pf. auf Karl Marx. Von Gerhard Krause. Preis 20 Heft 13: Die Arbeiterbewegung im Lichte der materia listischen Geschichtsauffassung. Von Gerhard Krause Heft 14: Die deutschen Buchdrucker in ihren Kämpfen gegen das Kapital. Von Walher May- Leipzig. Preis Alle Schriften sind streng wissenschaftlich und doch Der in seinem 16. Jahrgang vorliegende Neue WeltKalender für 1892( Hamburg, Auer u. Co.) ist soeben erschienen. Der Inhalt dieses Boltskalenders ist in dem vorliegenden Jahrgange ein besonders reicher. Wir heben daraus hervor: Kalendarium. Postwesen 2c. Auszug aus dem Invaliditäts- und Altersversicherungsgeset. Rückblick. Ergebnisse der Volks: zählung von 1890. Messen und Märkte. Im Kreislauft des Jahres. Pilatus. Erzählung von F. Wichmann( mi' Schiffbrüchige. Gedicht mit Illustration. Die Erde als Morgen- und Abendstern des Mars( mit Abbildung). Von Mar Statistisches aus der Landwirthschaft. Schippel. Großvaters Geburtstag. Gedicht mit Illustration. Unschuldig verurtheilt. Von Wilh. Hout. Mit Illustrationen. Die Bergarbeiter Einst und Jezt. Bon Karl Kautsky. Im Namen des Gesetzes!" Ein Bild aus der sozialistengeſetzlichen Zeit. Gedicht mit Illustration. Juustrationen). länder Geschichte. Von Clara Reichner. Antje. Eine HelgoMorin Rittinghausen 20 Pfg. agitatorisch lebendig und gemeinverständlich gehalten. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure. Rlaffer welche lager buftrie begrün Dauer ber 20 habtif Arbeiter! bürgen Befiße Unfid and d er 9 hig An die Textilarbeiterinnen u. Wir fordern Euch nochmals auf, den Beschluß des ersten deutschen Textilarbeiter- Kongresses, betreffend die Zentralisatio hoch zu halten; ferner ersuchen wir die Delegirten deffelben, aller Kraft für die Durchführung der Kongreßbeschlüsse ein treten, umsomehr, weil wir nicht allein moralisch dazu verpflic sind, sondern auch durch die wirthschaftlichen Verhältnisse. haben in legter Zeit gesehen, daß die Lokalorganisationen nicht unfere babei mehr im Stande sind, dem profitwüthigen Unternehmerthum thatkräftig entgegenzutreten. Wir müssen uns daher, weil unfere Interessen auf lokalem Gebiete niemals so vertreten werben können, als wie auf zentralem Gebiete, zu einem Verein über ganz Deutschland zusammenschließen, damit wir gemeinsam gemeinsamen Interessen vertreten fönnen. Wir vergessen nicht, das Ziel im Auge zu behalten, welches sich das zur tenntniß gekommene Proletariat gestellt hat: die Befreiung aller ökonomischen und politischen Ungleichheit, überhaupt anarchischen Herrschaft der Bourgeoisie. Mit kollegialischem Gruk DOI bet Der Zentralvorstand. J. A.: Paul Petersdorf, Berlin, Grüner Weg 30. NB. Um weiteren Anfragen vorzubeugen, betreffs der Auf lor her Enbe erring Itatie bemge und euge Tellich Brodz für w lösung der Lokalvereine, erkläre ich hiermit, daß die Lokalvereine und Filialen der Branchenzentralisation, welche dem Verband beitreten wollen, sich zuvor auflösen müssen. Einfache Namens änderung ist nicht zulässig. Ferner ersuche ich die Kollegen welche als Vertreter ihrer Ortskollegen den Anschluß anmelden gleichzeitig die Zahl der Mitgliedsbücher anzugeben, welcher vorläufig bedürfen. fie Die Erste Wiener Produktiv Genossenschaft für Man Haftung, Wien, VII. Lindengasse Nr. 2, empfiehlt ihre Erzeug Woll niffe an: Herren-, Frauen und Kinderwäsche, Kragen und schetten, Waschanzügen, Schürzen, Kinderkleidchen und waaren aller Art. Verkaufslokale: VII. Lindenga Nachdem die Erste Wiener Produktiv- Genossenschaft für Frauenhandarbeit" den Zweck verfolgt, eine Befferung der Lebens lage der auf den Erwerb durch Handarbeit angewiesenen Frauen und Mädchen herbeizuführen und der ganze Ertrag, den biefe tiellen weiter Der S Bejel mit Lec Staat mit Miti finigt ber 20 Barte tro Erba Bejel Land Genossenschaft erzielen wird, ausschließlich den Arbeiterinnen zu fällt, welche für dieselbe thätig sind, so verdient dieses Unter nehmen die Unterstützung der Arbeiter durch Zuwendung ihrer Kundschaft. Alle Aufträge werden solid und preiswürdig aus geführt. Für die Provinz gegen Postnachnahme.