35 ' e, welde jett in die At Arenal then und Nr. 39. die Afa e Gräfin umfang r Fran Te ift in " u. to öffnet rfchafte ndes zu bie Aus geftatte ben und 3 Sani alte von Fabriten bejuchen en. Da bereits zugehen. welde Strenge ind bem eoisblatt tur von 3. Daf getroffen n leicht en ober weniger rbeitern reis ber tus bem Preid De üller Früheren verlobt. unferen ollsaufs tin ber iverfitat in Edin Fall in telle an Mrs. pofpitale ein mit Dien Hen ge bat fi Anfid Sauber olgen fic g in berr an ihren zahlen hörung ffe, ba aube ju ſei. von der in einer Site ans zulegen Die Hamburg, den 26. September 1891. 1. Jahrg. TAIS Arbeiterin Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes. Drgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. Eintracht macht stark Bildung macht frei! Redaktion: Emma Jhrer, Velten( Mark).- Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenstr. 35. Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Sonnabend. Annonzen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer Rabatt. 10 Pf. Direkt per Kreuzband Mf. 1.40. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin"! Bur Beachtung! Am 14. Oktober beginnt der Parteitag der Sozialdemokraten Deutschlands. In Halle wurde im vorigen Jahre ein Antrag angenommen, welcher besagte: find Wenn nicht in den verschiedenen Wahlkreisen weibliche Vertreter gewählt werden, so find in öffentlichen Frauenversammlungen gewählte Delegirtinnen zuzulassen!" Bisher hat nur Gera eine Vertreterin gewählt. Anmeldungen der Delegirten und Delegirtinnen zu senden an: H. Böhm, Erfurt, Johannisstr. 145, II. diese Entschließung aufzuheben und, dem Stadtmagi firate Bamberg zu bedeuten, daß fünftighin einer solchen Versammlung fein polizeiliches Hinderniß ents gegen zu legen sei. Wenn man die angefochtene Entschließung des Stadtmagistrates Bamberg liest, so glaubt man, man stände noch mitten in der Blüthe des unglückseligen Sozialistengesetzes, und nur das Zitat aus dem VerSozialistengesetes, und nur das Zitat aus dem Vereinsgefeße erinnert daran, daß die Polizeibehörde in Bamberg versucht hat, ihr Verbot auf den Boden des gemeinen Rechtes zu gründen. Inwieweit dieses gemeine Recht vom Stadtmagis strate Bamberg mit Glück angerufen worden ist, das werde ich weiter unten erörtern. Die Arbeiterinnenbewegung und der Stadt- ichließung des Stadtmagistrates Bamberg unwillkürlich magiftrat Bamberg. Es sollte am 7. ds. Mts. in Bamberg eine Schneider und Schneiderinnen- Versammlung stattfinden, in welcher Fräulein Schmidt aus Nürnberg referiren follte. Diese Versammlung wurde von einem hochwohl weisen Magistrat Bamberg auf Grund des bayerischen Vereinsgejeges verboten. Der bezügliche ufas folgenden interessanten Wortlaut: An den Schneider Herrn Columban Hund, Klebersstraße Nr. 7, dahier. tikel 1 des Vereinsgesetzes gewährleisteten Versammlungsfreiheit bilden und jede Einschränkung der bürgerlichen Freiheit so enge als möglich interpretirt werden muß, ein Bewußtsein, welches freilich in dem Staatsleben der vergangenen Jahrzehnte vielfach in Verlust gegangen zu sein scheint. Gleichwohl bleibt jede gegentheilige Uebung, wie fie leider vielfach zur polizeilichen Praris geworden ist, ein Uebergriff, einfach ein polizeilicher Unfug. Somit wäre eigentlich der stadtmagistratische Be schluß bereits in seiner formellen Hinfälligkeit vollständig flar gelegt. Allein wie fteht es denn mit seiner materiellen? Past benn Art. 15 des Vereinsgefeges auf unHier hebe ich in erster Linie hervor, daß die Entfern Fall? Das führt der Stadtmagistrat Bamberg gar den Eindruck hervorruft, als wolle diese Behörde die nicht aus. jenige Politik, welche durch das Sozialistengefez inaugurirt Es ist ein Aberglaube, daß Frauen an Versamm wurde und durch dessen Nichterneuerung beseitigt werden lungen, welche sich mit öffentlichen Angelegenheiten be sollte, nunmehr in einer anderen Façon fortjeßen. faffen, nicht theilnehmen dürfen. Wenn das wirklich der leitende Gedanke des Stadt( Schluß folgt.) Ungefehlicher Widerstand Art. 1 garantirt allen Staatsangehörigen, das magistrats Bamberg war, so ist dieser Gedanke im all- Recht, sich ohne Erlaubniß des Stadtmagistrates Bamgemeinen öffentlichen Intereffe, wie auch von der höchberg frieblich zu versammeln. Zu den Staatsanges hatten Regierungsgewalt anerkannt ist, auf das Tiesite zu görigen gehören aber auch die Frauen. bedauern; denn die Nichterneuerung des Sozialistenge seges ist ja der Erkenntniß entsprungen, daß die polizeiliche Unterdrückung des öffentlichen Arbeiterlebens, bes Versammlungsrechtes, von den breiten Massen der Beallen Staatsangehörigen gemeinsamen Vereins- und völkerung eben als Unterdrückung empfunden wird, das Rechtsbewußtsein in der Seele des Volkes erwürgt, glühenden Haß in die Reihen der Unterdrückten trägt und den mit der Sorge für die Staatswohlfahrt betrauten Organen die Möglichkeit des Ueberblicktes über die Regungen und Bewegungen in der Arbeiterwelt benimmt, weil diese, aus der Deffentlichkeit zurückgedrängt, zur stillen Minirarbeit verurtheilt sind. Es wird Ihnen hiemit eröffnet, daß die von Ihnen mit Schreiben vom 1. b. M. anher angezeigte öffentliche Schneider- und Schneiderinnen- Versammlung in der Restauration Rosenau mit der Tagesordnung: 1) die Nothwendigkeit einer strammen Organisation, Referentin Frl. Schmidt, Nürnberg, 2) die schlechte Lage im genannten Gewerbe und wie fann dieselbe verbessert werden? 3) Diskussion; nachdem diese Versammlung auf Arbeiterinnen ausgedehnt wird, und sogar eine Frauensperson als Referentin aufgestellt ist, im Hinblick auf Art. 15 des Gesetzes vom 26. Februar 1850, Versammlungen und Vereine betr., hiemit ausdrücklich polizeilich untersagt wird. Gegen diese Verfügung steht Ihnen das Recht der Beschwerde zur tgl. Regierung von Oberfranken, Rammer des Innern, binnen 14 Tagen ausschließender Frist offen. Es kommt jedoch einer desfallfigen Beschwerde eine aufschiebende Wirkung nicht zu. Bamberg, den 2. September 1891. Stadtmagistrat. Brandt. Schmidt. Gegen dieses famose Verbot wurde Namens des Einberufers durch den tgl. Advokaten Herrn F. Heigl in Bamberg Beschwerde zur kgl. Kreisregierung von Oberfranken in Bayreuth erhoben. Bei dem zur Genüge bekannten Standpunkt des dortigen Regierungspräsidenten, Herrn von Burchtorff, ist selbstredend nicht zu erwarten, daß der Beschwerde eine Folge gegeben wird. Es wird jedoch dieser Fall die Frage an fich, welche in Bayern fortgesetzt von der einen Behörde so, von der anderen anders und meist auch für die verschiebenen politischen Parteien verschieden, entschieden wird, durch Beschwerde an das Ministerium und eventuell an die Abgeordnetenkammer zum prinzipiellen Austrag bringen. Und darin liegt die Bedeutung dieser Beschwerde für die gesammte bayerische Arbeiterbewegung. Herr Heigl läßt sich in seiner Bekämpfung des Verbots folgendermaßen vernehmen: Im Auftrage des zum Zeichen seiner Genehmigung mitunterzeichneten Schneiders Columban Hund, dahier, Es entsteht nun die Frage: Hat der Stadtmagistrat Bamberg, selbst wenn Artikel 15 des Vereinsgefeßes haupt das Recht, die Versammlung zu untersagen? auf diese Versammlung Anwendung fände, denn überAntwort: Nein! Nur dem ruhigen Sinne des Einberufers ist es zu verdanken, daß derselbe nicht, über diese Kompetenzüberschreitung des Stadtmagistrats Bamberg sich hinwegießend, die Versammlung doch abgehalten hat. Der Stadtmagistrat hat keine Versammlung, die nicht im Freien stattfindet, zu untersagen. Nur das Gesetz hat zu untersagen, und der Stadtmagistrat kann nur, wenn sich in einer Versammlung Dinge zeigen, welche das Gesetz untersagt, Anzeige zur Strafeinschreitung erstatten. Nach Artikel 8 des Vereinsgesetzes können die Abgeordneten der Polizeibehörde in einem solchen Falle, den der Stadtmagistrat im Auge hat, nämlich, daß die Anwesenheit von Arbeiterinnen nicht zulässig sei, nicht einmal verlangen, daß die Versammlung durch die Ordner oder Leiter aufgehoben werde und die Versammlung, falls diesem Verlangen nicht entsprochen wird, nicht einmal auflösen; denn dieses Recht ist der Polizeibehörde durch Artikel 8 nur zugesprochen für den Fall, daß in den Versammlungen Vorträge gehalten, Anträge oder Vorschläge erörtert werden, mittelst welcher zu Gesetzesverlegungen aufge: fordert oder aufgereizt wird, nicht aber deshalb, weil in der Versammlung Leute sind, welche angeblich nicht hineingehören. Die mag die Polizei, wenn sie dieselben lege ich hiemit gegen den Beschluß des Stadtmagistrates in der Versammlung betrifft, hinausschaffen und wenn Bamberg vom 2. September 1891, welcher die im fie nicht gehen, anzeigen. Rubrum bezeichnete, von Columban Hund einberufene Versammlung untersagt, Beschwerde zur kgl. Kreisregierung von Oberfranken, Rammer des Innern, mit der Bitte ein, Eine erweiternde Anwendung dieses Artikel 8 bezw. 9 des Vereinsgefeges ist nicht zulässig und zwar einfach deshalb nicht, weil diese Bestimmungen Ausnahmen und Einschränkungen der allen Staatsangehörigen in Arvon Seiten der Behörden und Hohn von der bürgerlichen Gesellschaft, das sind die Antworten, welche wir heute er halten auf unsere Gleichberechtigungsforderungen. Der„ Bors wärts" schreibt: Ins Narrenhaus, meint die Kreuz- Zeitung", sollten die Hamburger Frauen gesperrt werden, welche nach dem Referat der Frau Jhrer die politische und gewerkschaftliche Gleichberech tigung mit dem Mann unter der drastischen Berufung darauf forderten, daß, wenn sie das„ Recht" hätten, das Schaffot zu besteigen, sie auch das Recht haben müßten, die Tribüne zu befteigen. Die Kreuz- Reitung" giebt den Hamburgerinnen noch ben geistreichen Rath, sich lieber um ihre Kochtöpfe und Strick ftrümpfe zu bekümmern, als solchen Unsinn zu beschließen. Mit Verlaub! Der Unsinn ist auf Seiten der Kreuz- Zeitung". Daß die Frauen, welche vom Strafgesetz mit dem Mann über einen und denselben Ramm geschoren werden, dagegen nicht einmal das dürftige Recht haben, Vertreterinnen in die Gewerbegerichte zu wählen, trotzdem das Kapital gerade sie in der rückfichtslosesten Weise ausbeutet, endlich daffelbe Recht haben wollen wie der Mann, das ist nur vernünftig. Also die Arbeiterinnen, welche sich gewerkschaftlich organifiren, um der völligen Ausbeutung ihrer Kräfte durch die Industrieritter ein Ziel sezen zu können, sie sollen sich lieber um ,, Rochtöpfe und Strickstrümpfe" bekümmern. Abgesehen davon, daß dies die Arbeiterinnen außer ihrer gewerblichen Arbeit und den Bestrebungen, ihre wirthschaftliche Lage zu verbessern, noch thun, wundert es uns, daß die Kreuz- Zeitung" dies gerade nur den Arbeiterinnen empfiehlt. Sollte eine solche Mahnung nicht viel nöthiger und beffer angewendet sein in den Kreisen ihrer Abonnenten? Wer bestellt wohl dort bei den oberen Zehntausend das Haus? Die Hausfrau, welche früh bis in den Tag hinein schläft, dann spazieren fährt und am Mittag sich an den wohlsehren, sie hat nach den Kochtöpfen sicher nicht gesehen. Am gedeckten Tisch sezt, die ausgewählt zubereiteten Speisen zu verNachmittag hat sie wohl Kaffeegesellschaft, wobei den lieben Nächsten und den bösen Dienstmädchen der Pelz ausgeklopft wird und Abends, da ist Gesellschaft, Ball, Theater, Konzert, wo sie nicht fehlen darf. Wann also mag diese Hausfrau sich an den Strickstrumpf machen? Oder haben diese Sorte Hausfrauen diese plebejischen Pflichten nicht, auf die man die Arbeiterin verweist? Wer erhält das Hauswesen dieser Damen? Einzig und allein die Frau und die Tochter des Proletariats. Ohne sie dürfte der Herr Kreuzzeitungs- Redakteur manchmal, wenn nicht immer, mit ungestopften Strümpfen einhergehen und den Mittagstisch ungedeckt und unbesetzt finden! Wenn also die Frauen der Arbeit sich zusammenthun und gleiche Rechte verlangen, weil sie gleiche Pflichten der Welt längst leisten, so bitten wir uns einen etwas anständigen Ton in Zukunft aus,„ oder was man nicht versteht, darüber sollte man weder reden noch schreiben." Herr Kreuzzeitungsschreiber, Ihre Behaglichkeit verdanken fie nur allein den Frauen der Arbeiter, den Dienstmädchen, bas bitten wir in Zukunft nicht so ganz vergessen zu wollen. Denn über kurz dürften vielleicht auch ihre Dienstmädchen einer von Ihnen bespöttelten Organisation angehören und dann wäre es ein Leichtes, Sie die Nothwendigkeit der jetzt so bespöttelten Arbeiterinnen fühlen zu lassen! Wer die Menschenrechte Anderer nicht achtet, kann auch selbst keinen Anspruch auf solche machen. Uniformirte Verkäuferinnen. Die Bossische Zeitung" schreibt: Dem Streben nach Uniformirung scheinen nun auch die Konfektioneusen zum Opfer fallen zu sollen, wenigstens lesen wir im Konfektionär", daß in verschiedenen Geschäften Berlins immer mehr darauf gehalten wird, daß die Verkäuferinnen sämmtlich in derselben Tracht gefleidet gehen. Am weitesten in dieser Beziehung geht aber der Inhaber eines Konfektionsgeschäftes in der Friedrichstraße, welcher folgende Kleiderordnung aufgestellt hat: 1) Sämmtliche Verkäuferinnen dürfen nur in Schwarz gekleidet gehen. 2) Die Kleider müssen sämmtlich nach einer und derselben Façon gearbeitet sein und dürfen keinen Aufput tragen. 3) Die Haare müssen glatt gekämmt sein, Ponnyfrisur ist verboten. ms vorh Bahl Gewer Wenn man ſogar den Lehrplan der Töchterschulen einschräntt, Hungersnoth und kapitalistische Verbrechen. a be so haben die Volksschulen wahrlich Erweiterungen nicht zu er warten. Ob das die Früchte des seit Jahr und Tag bestehenden Schulreformvereins sind, ist uns leider nicht bekannt. Hätte dieser jedoch die Absicht, für thatsächliche Reformen einzutreten, dann wäre es jetzt endlich an der Zeit damit an die Deffentlichkeit zu treten und durch Wort und Schrift einer weiteren Verschlechterung der Mädchenschulen vorzubeugen. Sine Zeit lang schien es wenigstens, als trete dieser Verein nicht für Sonderinteressen, sondern für die der Allgemeinheit ein. Denn eine Versammlung desselben Vereins, in der Frl. Wabnik und Chayen an der Diskussion theilnahmen, zeigte sich den Aus: führungen unserer Rednerinnen sehr geneigt und Frau Schulrath Bauer, welche dem Vorstande angehört, schien ebenfalls geneigt, für eine Reform aller Mädchenschulen einzutreten; ob sich diese Anschauungen erhalten oder im Laufe der Zeit geändert haben, darüber möchten wir uns Auskunft von dem Verein erbitten. mi Beret 4) Brosche, Ohrringe, Armbänder und Ringe dürfen nicht angelegt werden, ebenso dürfen Haarspangen, Schleifen oder Bänder nicht getragen werden. Alle Damen, weiche sich diesen Bedingungen nicht fügen, ,, werden einfach entlassen." Die Schule thut zur Lösung der sozialen Frage heute nichts, sie verschlimmert das Uebel. Der BeIn einem großen Theile der Vereinigten Staaten von Nord Amerika ist die Fruchternte in diesem Jahr eine außerordentlich große. Der Ueberfluß an Birnen, Pfirsichen und Pflaumen ist derart, daß die Fruchtbauern so schlechte Preise für ihre Ernten bekommen, daß sie keinerlei Profit aus denselben ziehen. Um nun das Angebot von Früchten zu verhindern, und so die Preise zu erhöhen, werden große Massen von Frucht in Delaware, NewJersey, Kalifornien u. f. w. einfach vernichtet! In verschiedenen westlichen Staaten wird der Mais als Feuerungsmaterial benutt und in Kansas füttert man die Schweine mit Pfirsichen, weil es sich des theueren Transportes und des großen Angebots halber nicht lohnt, dieselben auf den Markt zu bringen. Aus Louisiana wird jet berichtet, daß die Zuckerpflanzer mit der Absicht umgehen, den gesammten Ertrag der Melaffes- Produktion als Feuerung für die Zuckerhäuser zu verwenden, weil sich der Transport des Syrups nicht mehr lohnt. Es wird ausgerechnet, daß die Hälfte der Gesammt: Produktion an Syrup ungefähr ſuch der bestehenden höheren und niederen Schulen hängt nicht ab von den Fähigkeiten der Schüler, sondern von dem Geldbeutel der Väter, daß nur ja nicht das Kind des Reichen neben dem des Armen sist. Es könnte ja vielleicht Ungeziefer bekommen. Mindestens würde es durch den Umgang mit dem Kinde des Plebejers und Proletariers in seiner Würde erniedrigt werden. Die Klüfte zwischen den Ständen werden( durch unsere Schulen) nicht überbrückt, sondern erweitert. Es ist dahin gekommen, daß wir außer Reichen und Armen Gebildete und Ungebildete haben. Auf der einen Seite steht das große Heer derer, die in den Gymnasien an den Brüften des Alterthums gesogen haben, die an dem Schutt untergegangener Kulturepochen für unsere moderne Zeit gebildet werden sollten und häufig mit dem Dünkel behaftet find, in den Gymnasien das Non plus ultra des Menschenthums gelehrt erhalten zu haben. Wir können uns nicht denken, daß es sich bei diesem dreisten Eingriff des betreffenden Chefs in die allereigensten Angelegen heiten seiner Verkäuferinnen wieder einmal nur um eine aus Sem Uebermuth des arbeitgebenden Unternehmerthums hervorgegangene Marotte handelt. Wir glauben vielmehr, daß der die ,, Gleichmacherei" so sehr liebende Herr entweder seinem Geschäft einen möglichst vortheilhaften Gesammteindruck geben oder aber durch Beseitigung aller kostspieligen oder auffälligen Garde= robe die Einfachheit und Sittsamkeit seiner Verkäuferinnen fördern möchte. Im ersteren Falle wünschten wir nur, daß den neu eintretenden Verkäuferinnen die erste Uniform, die sicherlich immer noch kostspielig genug und für ein mittelloses Mädchen nicht im Handumdrehen zu beschaffen ist, umsonst geliefert würde; im legteren Falle, daß den Mädchen ein auskömmliches Gehalt gezahlt würde, damit sie nicht, um leben zu können, einem Nebenerwerb nachgehen müssen, der ihre Sittsamkeit gefährdet. Doch das steht bei den Herren Arbeitgebern in der Regel auf einem anderen Blatt. Erziehung in der Sdinle. Die preußischen Schulmädchen oder Mädchenschulen sollen nun auch„ reformirt" werden. Glück zu! Wenn die Geschichte nur beim richtigen Ende angepackt würde! Aber das dürfte wahrscheinlich kaum geschehen. Wer Nachstehendes liest, dürfte wohl darüber belehrt sein, daß man hier ebenfalls getreu dem Zuge der Gegenwart die Absicht hat, das wenige Wissen, das dem weiblichen Geschlecht zu Theil wird, noch zu schmälern. " 1 T 1 in 100 000 Tonnen Kohlen ersehen würde, was genügen würde, um in den fich d nifirten haben währe elöst wo en 58 Die Be eft unte 20 tionen organ eine 2 Die Ei tionen f nziellen rage 31 liner Re et genöt ringen. gen sowi men un egt: die Feuerung für die ganze Zuckerproduktion Louisiana's zu decken. Daß dieser Plan sich für die Unternehmer in der Zuckerindustrie lohnen wird, zeigt die Thatsache, daß das zum Trans port nöthige Syrupsfaß zweimal so theuer ist, als der Syrup, den es enthält, während die Fracht von manchen der Plantagen bis auf den Markt mehr kostet als der Preis, der dort für den Melaffes bezahlt wird. Da die Geschichte also profitabel ist, wird es auch nicht lange anstehen, daß der Plan verwirklicht wird. So werden überall in der bürgerlichen Gesellschaft Nahrnngsmittel vernichtet, während aus Mangel an Nahrung Tau sende zu Grunde gehen! Auch die Malthusianer, die das Elend auf der Welt aus der leber völkerung und dem Mangel an Nahrungsmitteln herleiten, können aus den obigen Thatsachen lernen, wie unzutreffend ihre Theorie ist. Eine schöne Welt, in der wir leben! Wir sehen, daß die Bourgeoste sich überall gleicht, dieffeits wie jenseits des Oceans! Gera. Die Stadtväter der Stadt Gera haben den herrs schenden Nothstand anerkannt. Im dortigen Amtsblatt findet sich folgende Bekanntmachung: Ankauf von Brod und Kartoffeln! Um zu möglichst billigem Preise die nothwendigsten Lebensmittel an hiesige Einwohner abgeben zu können, ist beschlossen, von Seiten der Stadt Kartoffeln und Roggenbrod in größeren Mengen anzukaufen. Es wird um Angebot guter, billiger Waare ersucht. Sollte ein solches nicht eingehen, so würden wir Brod herstellen lassen und hierzu größere Mehleinkäufe bewirken!" Dies jagte nach dem Hannoverschen ,, Volkswillen" einem Vortrage über das Thema: Die allgemeine Volksschule mit Rücksicht auf die soziale Frage" ein Lehrer auf der zehnten ostpreußischen Lehrerversammlung in Deutsch Krone. Wenn alle Kinder in einer Schule nebeneinander siten sollen, so müssen auch alle Lehrer in gleichen Lehranstalten, seien es Seminare, seien es besondere Fakultäten an Universitäten, gebildet werden", heißt es weiter. Trotzdem verkennt auch der Vortragende nicht, daß höhere Schulen vorhanden sein müssen, doch müsse der Unterricht in diesen vollständig frei sein und der Zutritt dürfe nur von Fleiß und Fähigkeit der Schüler, nicht vom Geld und Stand der Eltern abhängig gemacht werden. Aber bis zum Alter von mindestens 12 Jahren müßten alle Schüler in der allgemeinen Volksschule vereinigt sein, in deren Wesen es liegen soll, daß die herrschende Macht des Kapitals bei der Ausbildung der Jugend gebrochen werde." Der Vortrag war gegen die Sozialdemokratie gerichtet, und der Lehrer, der ihn hielt, forderte die allge meine deutsche Volksschule. Die Versammlung der privilegirten ostpreußischen Jugenderzieher, welche am allerwenigsten bei den besigenden Klassen aneden mögen, unterließ die Diskussion, über den verfänglichen Vortrag, um sich aber dem Volksgefühl gegenüber zu salviren, bekannte sie sich in einer Resolution zur allgemeinen deutschen Volksschule insoweit, als damit eine gleichmäßige Einrichtung der ersten Schuljahre und somit eine einheitliche Grundlage des gesammten Schulsystems verbunden ist." Natürlich sagt mit Recht unser Hannoversches Bruderorgan dazu die ersten Schuljahre, wo der Geist der Kinder noch unentwickelt ist, da mag die einheitliche Unwissenheit beibehalten werden; später aber müssen die Kinder der Wohlhabenden gedrillt werden zum Klassenkampf! Sie lernen viel und die Kinder der Armen wenig, damit nur ja nicht das Szepter aus den Händen der herrschenden Klaffen fällt. Straßburg. Sogar die jungen Mädchen in ElsaßLothringen werden jetzt als Reichsfeinde angesehen und entsprechend gemaßregelt. Da lesen wir folgenden, die gesinnungstüchtige, staatserhaltende Presse durchlaufenden Waschzettel:„ Dem Bemühen, deutscher Sprache und deutscher Sitte im Reichslande nach Möglichkeit entgegen zu arbeiten, scheinen vor allem die Mädchenpensionate in Straßburg gewidmet zu sein." Den Münchener Neuesten Nachrichten" wird hierzu geschrieben: " Der Oberschulrath hat an Stelle der französischen die deutsche Unterrichtssprache anempfohlen, er hat an Stelle der französischen Lehrbücher deutsche Lehrbücher eingeführt, kurzum, alles nur Mögliche angeordnet, um das in den meisten dieser Pensionate vorhandene Franzosenthum einzudämmen. Es scheint nun, daß nicht überall den Anordnungen der Behörde Folge gegeben würde; denn, wie es heißt, wird mit Anfang des neuen Schuljahres eine strengere Durchführung der bisherigen Anordnungen erwartet. Dem aufmerksamen Beobachter wird es nicht entgehen, daß in Straßburg und im ganzen Reichslande die Frauen und Mädchen sich mehr der franzsischen Sprache befleißigen als die Männer. Sie sind es, welche das Französische als Familiensprache hegen und pflegen, weit mehr als vor dem Kriege, und forscht man, wo Madame" ihre Schule genossen, so erfährt man, daß dies iu einem Pensionate im Lande selbst geschehen ist. Seltener ist dies bei denjenigen Damen der Fall, die in einem Pensionate in Frankreich sich ihre Bildung holten. Es ist deshalb im Interesse der Bevölkerung mit großer Freude zu begrüßen, daß in diesen Verhältnissen Wandel geschaffen wird. Es soll nicht die französische Sprache(?), Wohl aber das französische Gebaren(?) ausgerottet werden, das leider von vielen Frauen hier noch zur Schau getragen wird. " Einfache und feine Leute. Von Jul. Felder( J. Altmann). ( 4. Fortsetzung.) Gewerkschaftsbewegung. Berei Ausst om Aus Bericht der Konferenz der Gewerkschafts- Verbände. Diefelbe fand am 7. und 8. September zu Halberstadt ftatt Einberufen war dieselbe von der Generalfommission und wurde von deren Borsigenden Herrn Legien eröffnet. Berei on Verei Darle Außer den Mitgliedern der Generalfommission find 39 vers schiedene Gewerkschaften durch zusammen 42 stimmberechtigte Delegirte vertreten, davon 38 Bertreter von Zentralvorständen, 1 Vertreter der Töpfer und diejenigen der Leipziger, Dresdener und Chemniter Gewerkschaften. Unter diesen 18 Vertretern befanden sich drei Frauen: Frau Kähler- Wandsbeck für den Zentralverband der Hand- und Fabrik Arbeiterinnen, Frau Wolter Hamburg für den Zentral verein der Näherinnen und Frau Steinbach- Hamburg für die Blätterinnen. Allgemeine Schulen müssen besonders wir Frauen fordern, wenn wir eine einheitliche, gleichmäßigere Erziehung der Knaben und Mädchen nicht nur wünschen, sondern thatsächlich herbeiführen wollen. Gerade daran krankt heute die Erziehung des Weibes zu einem ganzen Menschen, daß in Deutschland und den meisten anderen Ländern dem weiblichen Geschlecht alle besseren Schulen verschlossen sind. Dieser Druck gegenüber dem weiblichen Geschlecht ist deshalb nicht etwa leichter, weil er auf allem, was weiblich ist, ruht; es ist eine jener Ungerechtigkeiten, welche wir vor allen anderen bekämpfen müssen, um die Gleichstellung der Geschlechter anbahnen zu können. Ist uns einmal die Möglich-= feit gegeben, die gleiche Ausbildung wie das männliche Geschlecht durch die Schule erlangen zu können, dann erst sind wir in der Lage, auch thatsächlich mitarbeiten zu können am Wohle der Menschheit, was uns heute nur in mangelhafter Weise möglich ist, weil uns nach allen Richtungen die Hände gebunden sind durch gesegliche Beschränkungen und alte Vorurtheile gegenüber dem weiblichen Geschlecht. ( Nachdruck verboten.) Gregor hatte wieder einmal recht schön gespielt, Nachdem zur Leitung der Konferenz die Herren Legien und Kloß als Vorsitzende, Schwarz- Hamburg und Leipart als Schriftführer und Jing als Führer der Rednerliste gewählt waren, wurde in die Tagesordnung der Konferenz eingetreten, welche wie folgt zusammengesetzt ist: 1. Bericht der Generalfommission; 2. Stellungnahme der Zentralvereine zur Generalkommision; 3. Einberufung des Gewerkschaftskongresses; bie G 4. Organisation der deutschen Gewerkschaften resp. det Organisationsentwurf der Generalfommission. Zum ersten Punkt der Tagesordnung führt Herr Legien u. A. Folgendes aus: Täubchen noch ein Weilchen flattern, um so gefügiger find' ich's dann!" Heute Abends würde er wohl kaum mehr kommen können, es ginge doch nicht, daß er seine schöne Schülerin nach so glänzendem Erfolge verließe, allein er wollte seiner verehrten Freundin seine Aufwartung machen, sobald er's vermöchte. aber er war todestraurig. Er war so blaß und seine schwarzen Augen so matt, daß Suschen ihn voll der größten Theilnahme befragte, was ihm fehlte und ihn aufzuheitern suchte. Er konnte ihr aber nicht sagen, was ihn drückte, begriff er es doch selbst noch nicht recht. " " " Die Annahme, daß etwa 600 000 Arbeiter in den deutschen Gewerkschaften organisirt seien und deshalb von den einzelnen Organisationen nur ein äußerst geringer Beitrag zur Deckung der Verwaltungskosten der Generalfommission nothwendig sein würde, erwies sich als irrig. Die über die Stärke und Zahl der Drganisationen aufgenommene Statistik ergab folgendes Re sultat. Es bestanden zur Zeit der Aufnahme in Deutschland 53 Zentralvereine, die in 3114 Städten Zweigvereine und in gesammt 227 733 Mitglieder hatten. Außerdem waren 5 Berufszweige Organisationen in Form des Vertrauensmänner Huldigungen umgaben, mochte sie keinen nur halb so gerne wie ihn. mit ૨ 2240 " Sp Darl C Für Agi Pro Dr Gehalt Für Ver Stanto . Antoften Berjand Befchäfts entral2 Was war er denn eigentlich im Vergleiche diesen, die so aufmerksam, so zuvorkommend, vornehm, reich und manche auch gar schön waren? Er hatte sie lieb, das war alles. In Solo n bie ir Ma r zme ir ein 1 Für De Antofter Es geschah am folgenden Tage und als er die Auch der Assessor aus ihrer Heimathstadt wat Hand der schönen Landsmännin zum Abschied füßte, Hand der schönen Landsmännin zum Abschied füßte, eines Abends bei ihr erschienen. Er müßte doch nach bat diese zärtlich schmeichelnd:„ D, kommen Sie doch sehen, wie's seiner alten Bekannten gehe, da er sich mun gerade in der Hauptstadt aufhielt. Sie hatte fid Abends, mich bei einer Tasse Thee durch Ihr Gespräch vergessen machen, daß wir fern von der lieben Heimath darüber recht gefreut, sie dachte sich eben im Augenblic nichts weiter dabei; eine halbe Stunde später jedoch stand sie kreidebleich am Fenster und ihre scharfen weißen ,, Nun, Fräulein Suschen, ich habe Ihnen ebenso Zähne drangen unbarmherzig in die volle gewölbte viel zu danken, wie Sie mir, und Sie haben mich ja " Ich soll dem Beispiele meiner Mutter folgen, reichlich bezahlt!" sagte mit eigenthümlichem Tone Stefano zu seiner Schülerin;„ ießt müssen Sie aber Stefano zu seiner Schülerin; jeßt müssen Sie aber fort von hier,( noch ehe der Direktor zurückkommt," im rauhen Norden unter Barbaren leben." Sie war bestrickend schön, die herrliche Collini. Unterlippe. da ich dieselbe nicht tadele, sondern ehre? Das thue ich Summa Gummo An Da An Da De angefül bato in tomme, Betrag fabrt fügung Jur Hi die aren benber Fehlen bie St hätte er sich beinahe verplappert);„ für solche Nachti- geschah aus Liebe, aber verkauft hat fie fich nicht. gallen ist dies hier nicht der rechte Busch, sie müssen Sie hätte ja heirathen können, um das, was Ihr Schande nach der Hauptstadt und ich wette, Sie werden bei der Oper engagiert, mit Ihrer Stimme und Ihrer Erscheinung." Meister Stefano triumphirte. Die Collini war wie gewöhnlich in des noch nicht zurückgekehrten Direktors Landauer vors Hotel gefahren. Mit überlegenem, spöttischem Lächeln hatte sie ihren Siß in der vordersten Reihe eingenommen, während der ersten Abtheilung jedoch war dieses sieghafte Lächeln von den schönen üppigen Lippen geschwunden, und während der Pause hatte die Primadonna den Saal verlassen, ehe ihre zahlreichen Verehrer noch Zeit gehabt, sie zu begrüßen. In der zweiten Pause war ihre Bediente zu Stefano getreten und hatte ihm einen schönen Gruß von Signora Collini und die Bitte bestellt, er möge nur ja Und sie ging und alles erfüllte sich, wie Stefano nahmu 20 bie fil ertann abgele miffio baran modher nennt, zu verdecken, aber sie that es nicht, weil fie nur Einen geliebt hatte und heucheln nicht mochte. von irgend einem Manne heirathen lassen, damit er heute Abend bei ihr vorsprechen, sie sei so froh, daß ihr prophezeit hatte. Sie feierte glänzende Triumphe, ihnen dafür Essen und Kleider gebe; wir einfache fie endlich wieder einmal mit einem Landsmanne ein Mädchen brauchen das nicht. Wir arben wie es Stündchen werde plaubern können. Mutter thut, und wem wir gut sind, mit dem handeln wir nicht, ob er uns nachher auch lebenslang füttern ( Fortsetzung folgt.) ,, Das hat rasch gewirkt," schmunzelte der Alte und rieb sich vergnügt die Hände, doch nun soll mein fie war befriedigt- aber einsam. Wenn sie doch wenigstens den treuen Gregor gehabt hätte, sie war doch schon zu sehr an den guten Jungen gewöhnt und von allen den jungen Männern, die sie allabendlich mit wird!" in ne joltter Lohn s vorhanden. Dieselben hatten 73 806 Mitglieder, so daß en. Bahl der Letteren in den in irgend einer Form zentraliord itlich n ist nten Um reise tew enen nußt weil bots Aus der tion der net, fähr um зи cer and Gewerkschaften sich auf 301 539 belief. Hierzu kämen in den selbstständigen Lokalvereinen vorhandenen Mitglieder, sich die Gesammtzahl der in Deutschland gewerkschaftlich misirten Arbeiter auf etwa 350 000 schäßen läßt. Mittlerhaben sich drei der genannten Berufsorganisationen zentra während drei neue Zentralvereine geschaffen und einer löst worden ist, so daß die Zahl der vorhandenen Zentrali nen 58 beträgt. Die Beitragsleistung war in den verschiedenen Vereinen st unterschiedlich und theilweise unzureichend. Sie betrugen 20 pro Monat bis zu 50 pro Woche. Jn 27 Drgationen wurde für einen Wochenbeitrag von 10-20 das organ den Mitgliedern gratis geliefert. 9 Organisationen eine Arbeitslosenunterstützung von 1-1,30 M pro Tag. Die Einsicht in die Kaffenverhältnisse der einzelnen Orgas ionen führte zu der Erkenntniß, daß bei der gegenwärtigen ziellen Lage der meisten Gewerkschaften die Umlegung der räge zu den Unkosten der Abwehrstreiks, entsprechend der liner Resolution, nicht angängig war. Die Kommission war genöthigt, diese Kosten durch freiwillige Sammlungen aufringen. Ueber die Einnahme durch diese freiwilligen Samm= gen sowie die weiteren von der Kommission gemachten Einmen und Ausgaben wurde nachstehende Abrechnung vorer egt: Einnahme. a) Gewerkschaftsfonds: Vereinen und Privaten rup, agen den ift, fight Rah Tau lend an Ausstand( Geestemünde, Heizer usw.) zurück Ausstand( Fürth, Glasarbeiter) zurück ichen M 102762,71 1000, 100, Zusammen M 103862,71 " " 1 Belt, Bereinen und Privaten b) Maifonds: feits c) Verwaltungsfonds: jerrs d) Darlehen: nbet igem hner ffeln นพ nicht ierzu De. tatt. und per tigte ben, ener uen: und tral bie gien als ählt ten, on; der gien Hen nen ung Tein ahl Re and für ers 50 it 1, ie t ch b e e en Bereinen Darlehen aufgenommen.. M 63440,14 M 1208,01 M 105000, Gesammt- Einnahme M273510,86 Ausgabe. a) Für Ausstände: bie Glasarbeiter, Bergedorf " Dttensen. » Schuhmacher, Erfurt " " Tabatarbeiter, Hamburg und Umg. " ( Sortirer), Hambg. " Weißgerber, Kirchhain( N.-L.) » Wirker, Chemnit " Töpfer, Cölln- Meißen " Glasarbeiter, Flensburg " Heizer und Trimmer, Hamburg. " Wirker, Thalheim " Steinmetzen, Oppach " Vergolder, Berlin " Textilarbeiter Bühl- Elsaß » Zigarrenarbeiter, Pieschen- Dresden. " Seiler und Reepschläger, Stettin » Buchdrucker, Wien " Metallarbeiter, Göppingen Heizer und Trimmer, Bremerhaven. Former, Bernburg. " " " Liegnis. Schuhmacher, Barmstedt " Resselreiniger, Hamburg " Glasarbeiter, Fürth. " " " " M 6800, 8030, 5430, 108041, 641500, 2710, 300, 250, 150, 4100, 1300, " 1 745, 375, " 235, 500, " " 90, 1000, 1000, 2000, 420, 70, 700, 1000, " 1 100, 250, Zusammen M 187096, It Weißgerber, Berlin. b) Zurückgezahlte Darlehen: Darlehen zurückgezahlt]. . M 70000, c) Für Agitation, Verwaltung und Verschiedenes: Agitation Brozeßsachen Drucksachen( inkl. Korrespondenzblatt). Behalt alt an den Vorsitzenden. für Vertretung des Kassirers. Kanto. loften des Kassirers fand, Brief, Strafporto und Bestellgeld Befchäftsbücher und andere Utensilien Soloch, Stuttgart, eingesdt. Betrag zurück entral Streiffommission der Tischler, eingesandten Betrag zurück bie Gewerkschaften Altonas zurück ir Marten zum Maifonds zwei Sigungen der Gesammtkommission eine Reise( zwei Rommissions Mitglieder) nach London Delegation zum Zieglerkongres • antosten der Konferenz in Berlin am 16. Novem ber 1890 M 511,40 332,30 894,10 830, 168, If 26, ." " 1 66,30 905,20 58,20 " " 26,60 300, 3000, 576, 267,60 11 . 400, 58, " 68,30 • " Gesammt- Ausgabe M 265584, Bilanz. Summa der Gesammt- Einnahme. Summa der Gesammt- Ausgabe n • " M 273510,86 265584, Raffenbestand M 7926,86 M 105000, 70000, Bleiben noch abzutragen M 35000, An Darlehen zurückgezahlt Darlehen aufgenommen. • . " Der Abrechnung sei erklärend beigefügt, daß, wenn die dort angeführte Einnahme für den Maifonds geringer sei, als bis dato im Rorrespondenzblatt" quittirt worden ist, dies daher tomme, Betrag von 16 000 M an die Generalkommission nicht abge= führt wurde, weil die Hamburger Gewerkschaften zur UnterMiguna des Tabatarbeiterausstandes 100 000 M geliehen hatten, weil ein für die Gewerkschaften Hamburgs quittirter mäßiger direkter Streitunterstüßung wurden seitens der Kommission 183 996 Mt. gezahlt. Die Einnahmen durch die freiwilligen Sammlungen bleiben weit hinter der zu machenden Ausgabe zurück, so daß sich die Ronimission genöthigt sah, ein größeres Darlehen aufzunehmen, in der Voraussicht, daß weitere Mittel einlaufen würden. Da diese aber nach Beendigung der größeren Ausstände ausblieben, so war die Kommission, da eine Umlegung der Unkosten auf die einzelnen Organisationen nicht möglich war, genöthigt, auf andere Weise die nöthigen Mittel herbeizuschaffen. Aus diesem Grunde wurde die Maisammlung veranstaltet, die leider auch nicht einen genügenden Ertrag gebracht hat. Ueber den Geschäftsverkehr der Kommission wurde berichtet, daß seit Bestehen derselben bis zur gegenwärtigen Zeit an Postsendungen 1328 eingingen, während 12 058 abgesandt wurden. In lekterer Summe ist die Versendung des Correspondenzblattes" mit einbegriffen. " Für Agitation konnte bei den ungenügenden Mitteln nur wenig verwandt werden und wurden Ausgaben nur für die Ausbreitung der Organisation bei den Zieglern und eine kleine Tour in Ost und Westpreußen gemacht. Die Stellung der Kommission ist gegenwärtig derartig, daß es sich als unbedingt nothwendig erweist, daß seitens der Orga nisationen größere Beiträge geleistet werden müßten, wenn die Kommission auch fernerhin in der bisherigen Weise fortarbeiten solle. Auf Anfragen bezüglich der Ausgaben für die Reise nach London wurde erklärt, daß es sich hierbei darum gehandelt habe, durch persönliche Einwirkung die englischen Organisationen zur Unterstüßung der deutschen Ausstände anzuregen und wäre dieser Zweck auch erreicht worden. Eine Diskussion über den ersten Punkt der Tagesordnung erfolgte nicht; der Vorsitzende Kloß konstatirt deshalb, daß die anwesenden Vertreter demnach wohl mit der bisherigen Thätig keit der Generalkommission zufrieden waren. Er weist darauf zum zweiten Punkt der Tagesordnung darauf hin, in welcher verschiedenartigen Weise die Generalfommission in den verschie denen Gewerkschaftsblättern bisher behandelt wurde. Durch ihre schlechte pekuniäre Lage wurde die Kommission verhindert, den ihr von der Berliner Konferenz ertheilten Auftrag völlig zu ei füllen. So z. B. konnte für Agitation nur eine sehr geringe Summe verausgabt werden. Deshalb müsse die Generalkommission seitens der organisirten Arbeiter so gestellt werden, daß sie allen Anforderungen zu genügen und auch noch etliche tausend Mark für einen Fonds zurückzulegen im Stande wäre. Redner unterbreitet der Konferenz dann eine Resolution, welche von der Generalfommission in einer gestrigen Gesammtsizung ausgearbeitet war, um als Vorlage für die Abstimmung zu dienen. Die Grundgedanken in dieser Resolution waren, daß die Ver treter der Vorstände sich verpflichten sollten, in ihren Organifationen für eine genügende petuniäre Unterstützung der Generaltommission einzutreten. Als bestimmter Beitrag zur Deckung der Verwaltungskosten, der Agitation und etwaiger Ansammlung eines Unterstützungsfonds wurden 3 Pfennig pro Mitglied und Duartal in Vorschlag gebracht, welche jeder Verband an die Generalkommission zu leisten hätte. Zur Streikunterſtügung sollten alle Gewerkschaften von der Generalkommission durch ein Umlageverfahren gleichmäßig nach Maßgabe ihrer Mitgliederzahl herangezogen werden. Den einzelnen Organisationen bliebe es alsdann überlassen, die zu leistende Summe aus ihren Kassen zu nehmen oder durch Extrabesteuerung oder freiwillige Leistungen der Mitglieder aufzubringen. Ferner sollten von der Generalkommission für die nächste Zeit nur noch solche Abwehrstreits unterstützt werden, welche aus der Schmälerung des Vereinigungsrechtes der Arbeiter seitens der Fabrikanten sich ergeben würden. Redner bemerkt bei der Begründung der Resolution, daß es nicht angängig wäre, auf die freiwillige Beitragsleistung schon ganz Verzicht zu leisten. Die Arbeiter wären nur schwer dazu zu bringen, regelmäßig festbestimmte Beiträge zu leisten. Des halb seien noch zwei Arten von Beiträgen an die Generalkommission vorgeschlagen worden. Die beantragten 3 Pf. pro Quartal und Mitglied von jeder Zentralisation würden zureichen, die Generalkommission eher in den Stand zu setzen, ihren ihr von der Berliner Konferenz zuertheilten Auftrag auszuführen. Es würden für die Agitation mehr Gelder flüssig werden und auch nach und nach ein Fonds für Unterstügungszwecke angesammelt werden können. Vor Allem aber sei es nothwendig, daß die einzelnen Organisationen sich bereit erklären, einen solchen bestimmten regelmäßigen Beitrag an die Generalkommission abzuliefern. Eine Einschränkung in der Streiks unterstützung dahin, daß nur die genannten Abwehrstreiks berücksichtigt würden, wäre nothwendig, weil die Generalfom mission die Unterstüßung von Streits in der bisherigen Weise nicht leiden könne. Wenn treydem auch in Zukunft noch größere Geldmittel gebraucht würden, so müßte es der Generalfommission zustehen, die einzelnen Organisationen zu deren Aufbringung nach prozentualem Verhältniß heranzuziehen. Sollte die Kommission bauen, so müsse sie auch das Baumaterial, d. h. die nöthigen Mittel hierzu geliefert erhalten. In der sehr ausgedehnten Diskussion erklärte zunächst der Vertreter der Buchdrucker, daß er Anstand nehmen müsse, der Resolution ohne Weiteres zuzustimmen; überhaupt könne er für seine Organisation keine bindenden Erklärungen abgeben. Nach der Resolution wäre ein so enges Zusammengehen der Gewerkschaften gedacht, daß nach dem preußischen Vereinsgesetz doch Gefahr vorhanden, daß alle Organisationen der Vernichtung preisgegeben würden. Man solle alle organisirten Arbeiter auffor: dern, der Generalkommission durch freiwillige Sammlung Geldmittel zuzuwenden; Kleinere Ausstände sollten nicht stets bei der Generalkommission zur Unterstüßung angemeldet werden, sondern es müsse sich jede Organisation zur Aufgabe machen, ihre Lehntämpfe nach Möglichkeit aus eigenen Mitteln zu führen, während erstere sich vorzugsweise mit der Agitation befassen soll. Die einzelne Organisationen müßten ihre Mitglieder unter allen Umständen zu größerer Beitragsleistung heranziehen, als es heute bei 10 Pf. und 15 Pf. Wochenbeitrag geschieht. Der Vertreter der Maler meint, daß viele Arbeiter wünschten, die Generalkommission bestände gar nicht, indem diese ihre Befugnisse weit überschritten und in den Organisationen Verwirrung erregt hätte. In seiner Organisation wären durch das Arbeiten Jur Rückzahlung eines größeren Theiles dieser Anleihe genöthigt hätte in die Kassen jedes einzelnen Zentralvereins fließen sollen, Daren und daher vorläufig den gedachten Betrag hierzu verDenben mußten. fehlen eines Zwanzigmarkstückes in einer Geldrolle, welche an bie Rommiffion abgeliefert wurde, sowie durch die Bereinnahmung falscher Geldstücke. Das angeführte Manto entstand durch das An Ausständen wurden bei der Kommission 31 angemeldet, ertannt wurden, bie für berechtigt und durch die Kommission zu unterstügen anabgelehnt wurde. 32 Ausstände, über welche seitens der Kommiffion eine Statistik geführt, hat ergeben, daß 6600 Personen baran betheiligt waren und die Gesammtzahl der AusstandsWochen sich auf 225 belief. Die Ursachen der Ausstände waren jollten aus den Vereinen austreten, in den anderen Fällen Lohnreduzirung oder Verlängerung der Arbeitszeit. An regel während die Unterstützung von sechs Ausständen in neun Fällen die Forderung der Unternehmer, die Arbeiter dann wäre die zusammengebrachte Summe eine größere geworden. Es sei nicht richtig, nur Aussperrungen zu unterstützen. Zur Betreibung von Agitation sei die Generalkommission gar nicht berechtigt, die Selbstständigkeit der einzelnen Berufsorganisationen müsse völlig gewahrt werden. Nach Meinung dieses Redners sollten die Organisationen so bestehen bleiben, wie sie sind. Er sei gegen die Generatommission und gegen die Refotution. Diese Ausführungen wurden von Legien und anderen Rednern widerlegt resp. zurückgewiesen. Ersterer erklärte, daß wir der Berliner Konferenz, selbst wenn sie nicht berechtigt gewesen wäre, die Generalkommission einzusetzen, doch nur dankbar für diesen Schritt sein könnten, da die Kommission von großem Nugen für die Gewerkschaftsbewegung sei. Die Auflösungsgefahr könnte auch schon in dem heutigen Zusammentritt der Zentralvorstände erblickt werden. Es sei nothwendig, diese Verbindung sich praktisch bethätigen zu lassen. Bindende Beschlüsse könnten hier wohl nicht gefaßt werden, doch wäre die Ausführung derselben wohl unzweifelhaft, wenn die Vertreter der Organisationen für dieselben eintreten, wenigstens nicht gegen dieselben agitiren würden. Die Meinung, Aussperrungen nicht zu unterstüßen, sei verfehlt. Wir würden alsdann das in der günstigen Konjunktur Errungene in der Regel während der schlechten wieder, und zwar ohne Weiteres fahren lassen müssen. Das Bestreben der Gewerkschaften wäre dann nur ein Hazardspiel. Die Agitation seitens der örtlichen Gewerkschaftskartelle sei bisher nicht in solche Gegenden ausgedehnt worden, in denen noch keine Organisation vorhanden, dieselbe erstreckte sich hauptsächlich nur auf den bestimmten Ort. Deshalb solle die Generalkommission vorhanden sein, um die Agitation in diesem Sinne in die Hand zu nehmen. Eine einzige Aenderung, welche in den bestehenden Organisationen vielleicht stattfinden solle, wäre die Erhöhung der Beiträge, im Uebrigen sollten dieselben auch, wie sie sind, bestehen bleiben, sich aber nur mehr einander nähern und verbünden. Schluß der ersten Sigung um 1 Uhr Mittags. Fortsetzung folgt. Arbeiterbewegung. Newyork. Die Arbeiterinnenbewegung geht erfreulich vorwärts. Wie in Deutschland die Frauen bei der Agitation mit eingreifen, so auch in Amerika, wo die Genossin Frau Johanna Greie sich ganz besonders in der Agitation hervorthut. Dieselbe fündigt eben eine große Tour an, zu der wir ihr die besten Erfolge wünschen, hoffentlich erhalten wir Berichte über ihre Versammlungen. Handschuhmacherstreik. Genossen! Wiederum ist ein Verstoß des Kapitalismus gegen unser Koalitionsrecht zu verzeichnen, und zwar ist es der Amerikaner Hopp in Friedrichshagen, welcher durch Einführung der Theilarbeit, durch bedeutende Lohnreduktion im Verein mit anderen Fabrikanten den Verband der Glace= Handschuhmacher Deutschlands den Todesstoß versetzen will. Hopp konnte umsomehr auf Durchführung seiner Pläne rechnen, da er vorher alle ledigen Handschuhmacher entlassen( die Zahl beträgt zirka 130) und seine Waare bei anderen Fabrikanten anfertigen ließ. Doch es sollte anders kommen. Sowie diese Vorgänge befannt waren, wußten wir, daß es einen äußerst harten Kampf geben würde, denn nicht nur in Friedrichshagen, und Burg, sondern auch in Liegnig und in Osterwiek, wo in legtgenanntem Orte die Fabrikanten auf Anrathen Hopps ebenfalls Abzüge gemacht haben, stellten sich die Kollegen auf unsere Seite. Ein jeder wußte, daß, wenn H. seine Arbeit anderwärts fertig gestellt bekommt, die Friedrichshagener unterliegen mußten, ein jeder weiß ferner, wenn dieser Großfabrikant seine Forderung durchsetzt, andere Fabrikanten, welche ihrer Profitwuth bisher noch Zügel anlegten, mit Gier diese Gelegenheit ergreifen würden, um ebenfalls zu reduziren. Darum das einmüthige Zusammenhalten aller! Darum aber auch die ungeheuren Opfer, die dieser für uns so große Abwehrkampf erfordeit; denn es sind an 500 Handschuhmacher im Ausstand, also ein Fünftel der gesammten Handschuhmacher Deutschlands. Hierzu kommen noch eine grote Zahl Handschuh- Dresseure, welche zum großen Theil ebenfalls aus unferen Mitteln unterstützt werden müssen, um die Machination des Hopp, der auch diesen Leuten die Löhne bedeutend gekürzt hat, vollständig lahm zu legen. Der Streit verschlingt wöchentlich 7-8000 M, gewiß eine große Summe für uns, zumal wir nicht wissen, wie lange der Kampf dauern wird. Wir wissen ferner z. 3. noch nicht, wie viele Kollegen noch dem Ausstande beitreten müssen, da noch nicht alle Fabriken ermittelt sind, die für H. arbeiten. Darum, Arbeiter und Genossen, wenden wir uns vertrauensvoll an Euch mit der Bitte um Unterstützung, laßt diesen Schrei der Noth und der Entrüftung über diese frivole Handlungsweise dieses Großkapitalisten nicht ungehört verhallen. Jedes Scherflein wird uns lieb und angenehm sein, jeder Pfennig, der uns in diesem Kampf zufließt, wird mit warmem Dank entgegengenommen und läßt uns freudiger in die Zukunft schauen, erweckt in uns mehr die Hoffnung auf baldigen Sieg. An einmüthigem Zusammenhalten in unseren Reihen fehlt es nicht, denn wir wissen genau, unterliegen wir, so hat der Kapitalismus eine weitere Bresche in unser Koalitionsrecht" ge= schoffen und weitere Niederlagen werden folgen. Darum nochmals der Ruf um Hülfe, unser Sieg ist auch Euer Sieg! Mit bestem Gruß an alle Genoffen zeichnet Die Lohnkommission. J. A.: R. Ebert. Alle Geldsendungen sind zu richten an C. Lüttich, Unterm Hagen 24. Briefliche Angelegenheiten an R. Ebert, Gartenstr. 11. Alle Arbeiterblätter werden um Nachdruck gebeten. Dienstbotenfrage. St. Johann, 14. September. In St. Johann wurden die Dienstmädchen dies Jahr zu den Gemeindeabgaben herangezogen. Dieser Schritt läßt sich nur dadurch erklären, daß die Lage der Dienstmädchen den einschätzenden Herren durchaus unbekannt ist. Die Dienstmädchen haben häufig, vielleicht sogar in der Regel ihre Eltern zu unterstützen. Denn nur Proletarierkinder gehen heute Stellen als Dienstmädchen annehmen. Entweder ist schon die eine Tochter zu Hause überflüssig, und sie geht sich einen Dienst suchen, oder aber es ist ein Haus voll Kinder" da, und dann müssen die ältesten Mädchen aus dem Haus, um für sich selbst zu sorgen und noch zur Familie von ihrem Lohn beizus steuern. In der St. Joh. 3tg. wurde Beschwerde gegen die Besteuerung der Dienstmädchen geführt und nun kam die Angelegenheit in der Stadtverordnetensizung vom 16. Juni zur Sprache. Zur Rechtfertigung der Steuer wurde geltend gemacht, daß unter Anrechnung von Koft und Wohnung die Dienstmädchen ein Gehalt beziehen, wie es ein armer Taglöhner, Geselle, Schlepper und dergleichen auch habe; dasselbe sei auf einen Jahresbetrag von 420 bis 660 Mark zu schäßen. Aus diesem Grunde seien die Genannten in der ersten Stufe der Klaffen: steuer steuerpflichtig. Prinzipiell scheint also, wie die St. Joh. 3tg. meint, die Maßregel durch die vorhandenen Bestimmungen gerechtfertigt. Da in der erwähnten Stadtverordneten Versammlung aber einhellig anerkannt wurde, daß die erste Klassensteuerstufe schwer an ihrer Steuer zu tragen habe, so beschloß sie nach dem amtlichen Protokoll wörtlich folgendes: ,, Dem Rechts- und Rechnungsausschuß die Vorbes rathung des Antrages des Bürgermeisters, betreffend Abänderung des Umlagen- Regulativs zur Steuerfreistellung der Steuerpflichtigen in der ersten Steuerstufe, und eines Antrags von Klein und Genossen: die Gemeinde: Umlagen der 1. Klassensteuerstufe werden vom 1. April 1891 dauernd erlassen,"" zu übertragen." 11 H Somit liegt die Sache also noch beim ,, Rechts- und Rechnungsausschuß"; eine Entscheidung haben wir wenigstens noch nicht vernommen. Es wäre jedenfalls sehr angebracht, wenn diese Angelegenheit bald zum Guten erledigt würde. Da die Stadt verordneten Versammlung die durchaus lobenswerthe Absicht zu haben scheint, die ganze erste Klaffensteuerstufe von den Gemeindeabgaben freizulaffen, so soll nicht weiter untersucht werden, inwieweit ohnedies eine Besteuerung der Dienstmädchen ,, prinzipiell" gerechtfertigt sein würde. Leipzig. Einen Selbstmordrersuch machte ein Dienstmädchen aus Ziegenrück, angeblich wegen schlechter Behandlung seitens der Dienstherrschaft. Wie uns mitgetheilt wird, war dasselbe bei Herrn Senatspräsident Peterssen, Sternwartenstraße 79, bebienftet. Welchen Entschuldigungsgrund wird die bürgerliche Gesellschaft hier finden? Wahrscheinlich ist die That nach deren Auffassung aus„ Uebermuth" geschehen. Oder die beste Ausrede ift, welche neulich bürgerliche Blätter auf einen Fall anwandten, wo ein seit Wochen arbeitsloser Mann verhungert war:" Lieber sterben als arbeiten." ,, Bieber sterben als ein ganzes Leben lang willenloser Sklave sein", das ist ein Motiv, das unsere Leser aber gewiß verstehen können. Danzig. Jm Danziger Gebiet macht sich ein Mangel an Dienstmädchen geltend, dem man dadurch begegnet zu sehen wünscht, daß russischen Unterthaninnen der Aufenthalt auf Jahre hinaus genehmigt werden soll. So besagt z. B. eine Petition der Bürgerschaft der Stadt Gollub. Vielleicht eignen sich Dienstmädchen, die im Lande der Knute geboren sind, besser dazu, die Segnungen der deutschen Gesindeordnungen auszuhalten, während das einheimische Dienstbotengeschlecht unserer neueren Jahrgänge diese löbliche Fähigkeit immer mehr zu verlieren scheint. Wir können darin feinen Rückschritt sehen, sondern einen Fortschritt, da wir die Mehrzahl der deutschen Gesindeordnungen" im Widerspruche zum Gefühle wahrer Menschenwürde und zum sogenannten freien Arbeitsvertrag" modernen Zuschnitts finden. Paris. Stellenvermittlung für Dienstboten. In Ausführung des§ 3 der Verordnung vom 10. Dezember 1887 hat das Polizeidepartement folgenden Gebührentarif betr. Stellenvermittlung für Dienstboten( Hausbiener, Kutscher, Knechte, Dienstmädchen aller Art, Kellner und Kellnerinnen) genehmigt, dessen Ansäge von den Stellenvermittlern nicht überschritten werden dürfen: 1) Einschreibgebühr: 50 Cts.; 2) Vermittlungsgebühr: Der Betrag des ersten Wochenlohnes und, wo fein Lohn mit der betreffenden Stelle verbunden ist, eine Gebühr von höchstens 5 Fr. Außer dem darf von dem Dienstsuchenden neben der wirklich ausgelegten Frankatur fein höherer Betrag als 50 Cts. für einen Brief verlangt werden. Wann werden wir einen Gebührentarif erhalten, den nicht der Dienstbote, sondern die Herrschaft gerechterweise bezahlt? Wenn auch die Dienstboten sich selbst helfen werden durch Organisation. Vereine und Versammlungen. Coswig. Ueber Die wirthschaftliche Noth in Stadt und Land" referirte hier in einer öffentlichen Volksversammlung am 3. September Frl. Wabniz. Bald am Ende des Vortrages nahte der Rednerin das Verhängniß in Gestalt eines Schutmannes, welcher sagte:„ Sie entschuldigen, ich muß die Versammlung auflösen." Befragt, womit er dies begründen wolle, sagte er:„ Auf Grund des§ 6 des anhaltischen Vereinsgesetzes." § 6 lautet:„ Versammlungen, in denen Anträge und Vorschläge erörtert oder Aeußerungen gethan werden, die an und für sich eine Verlegung der Strafgeseze oder eine Aufforderung oder Anreizung zu strafbaren Handlungen enthalten, können von der Obrigkeit fofort aufgelöst werden; ebenso wenn in der Ver sammlung Bewaffnete erscheinen oder wenn die Versammlung sonst eine die öffentliche Ruhe und die gesetzliche Ordnung ge= fährdende Haltung einnimmt." Wir sehen, daß der§ 6 des anhaltischen Vereinsgesetzes so reichhaltig ist, daß für jede Lesart, d. h. jede Art der Auslegung, eine Hardhabe zur Auflösung sich findet, denn aufgelöst sollte die Versammlung auf alle Fälle werden, wie ja auch aus der Aeußerung des Beamten ich muß auflösen" hervorgeht. Des Weiteren theilt Frl. Wabniz uns über Anhalter Zu stände Folgendes mit: ,, Da in der nächsten Woche nochmals der Versuch gemacht werden sollte, eine Versammlung in Coswig zu Ende zu bringen, und zwei vorher angemeldete aufgelöst wurden, bevor ich zum Wort fam, so zog ich es vor, die nächste einmal selbst bei der Zerbster Kreisdirektion, wo die Anmeldungen stattfinden müssen, anzumelden. Ich mußte auf die Ausfertigung der Bescheinigung von 912-22 Uhr warten und zwar auf dem Hausflur. Da, wie ich bemerkt zu haben glaubte, die Herren durchaus nicht so sehr stark beschäftigt waren, so fragte ich nach dem Grunde dieser Verzögerung mit der Bemerkung, Derartiges sei man von den Berliner Behörden nicht gewöhnt. Darauf wurde mir erwidert: Bleiben Sie doch in Berlin, wenn es dort besser ist." Ich sagte, daß ich als deutsche Reichsangehörige das Recht habe, mich aufzuhalten, wo es mir gefiele, genau wie z. B. Prinz Aribert von Anhalt, um sich in Berlin aufzuhalten, sich dort ein Palais bauen lasse, also häuslich dort niederlaffe. Für die zwei für denselben Abend angemeldeten Versammlungen, die eine zu 8 Uhr, die andere zu 10 Uhr, muße ich vier Mart bezahlen. Mit welchem Recht man in Anhalt für Versammlungsbescheinigungen Geld nimmt, konnte ich nicht erfahren, vielleicht ist durch Veröffentlichung in der Presse hierin Klarheit zu schaffen." " 1 Calbe i. Pr. Am 10. September fand hier eine öffentliche Frauen und Mädchenversammlung statt, welche überaus zahlreich besucht war. Frl. Wabniz referirte über das Thema: Die wirthschaftliche Noth in Stadt und Land". Faft alle Anwesenden stimmten der Aufforderung des Vorsitzenden bei, daß auch die Frau berufen sei, nicht allein sich den Organisationen der Männer anzuschließen, sondern auch da, wo dies nicht möglich, selbst Organisationen zu gründen. Eine in diesem Sinne gestellte Resolution wurde einstimmig angenommen und von den zahlreich anwesenden Frauen beschlossen, einen allgemeinen Arbeiterinnenverein zu gründen. Allerlei aus aller Welt. " ,, Seltsame Begriffe von den Rechten eines Ehemannes", schreibt eine Berliner bürgerliche Beitung, scheinen in einer gewissen Klasse der Bevölkerung zu herrschen, wie eine Straßenfcene zeigte, welche fich fürzlich Abends in der neuen Königstraße abspielte. Dort wurde durch einen Schuhmann ein 25jähriger Arbeiter festgenommen, welcher dadurch großes Aufsehen verursachte, daß er mit der Faust eine Frau, die neben ihm ging, ins Gesicht schlug, daß Blut aus Mund und Nase quol. Passanten holten einen Schuhmann herbei, der den rohen Burschen nach der Revierwache schaffen sollte, aber seiner Sistirung widersette sich nicht nur der Raufbold, sondern auch die mißhandelte Frau mit den Worten:, Sie dürfen ihn nicht verhaften, denn es ist mein Mann und der hat das Recht, mich zu schlagen!" Der Mann wurde troß dieser Vertheidigung durch die Frau nach der Wache gebracht und sieht der Bestrafung wegen groben Unfugs entgegen, trobem seine Frau auf der Wache noch versicherte, daß ihr die Hiebe ja gar nicht wene gethan hätten und sie dieselben verdient habe!" Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß diese Frau keine Sozialdemokratin war; denn als solche würde sie wohl schwerlich auf dem Standpunkte stehen, daß der Mann das Recht habe, sie zu schlagen. Wir wünschten, mit derselben Sicherheit annehmen zu können, daß auch der Mann kein Sozialdemokrat war; aber es läßt sich leider nicht leugnen, daß sich auch unter den sozialdemokraischen Arbeitern immer noch einige finden, welche ihre Frau in der= jenigen Sklaverei erhalten möchten, die sie selbst von ihren Arbeitgebern nur widerwillig ertragen. Wir denken dahei noch gar nicht einmal gleich an Mißhandlungen. Aber wer seiner Frau den Besuch der Versammlungen verbietet, steht thatsächlich nicht viel höher als jener Arbeiter, der seine Frau schlagen zu dürfen glaubt; wenigftens hat er nicht das Recht, sich aufgeklärt und Sozialdemokrat zu nennen. Ob die Frau die Prügel nun wirklich " verdient" hat, darüber wollen wir nicht mit ihr streiten. Sie muß es jedenfalls am besten wissen. Im Vertrauen gesagt, wir glauben es selbst, daß sie ein Anrecht auf eine Tracht rügel hatte, freilich aus anderem Grunde, als sie selber wahrschein= lich meint. Eine Frau, die sich schlagen läßt, verdient immer Schläge. In diesem Falle vergessen wir sogar unsere prinzipielle Abneigung gegen die Prügelstrafe. Die Prügelstrafe soll für alle diejenigen bestehen bleiben, die sie gegen sich selber angewendet wissen wollen. Für diese Sorte Menschen ist sie geradezu eine Nothwendigkeit. Berlin. Wie die Vertreter der bürgerlichen Preffe über die Frauenbewegung denken geht aus folgenden Zeilen, welche wir Berliner ,, vornehmen" Blättern entnehmen hervor: " Zur Frauenemanzipation. Damen an den Skattischen in den Berliner Bierwirthschaften sind in neuester Zeit durchaus teine seltenen Erscheinungen. In den großen Gartenlokalen der Hasenhaide kann mann an schönen Abenden die weiblichen Opfer des Spielteufels an mehreren Tischen bemerken. Das Abwerfen der Karten macht sich, zumal wenn das rechte Handgelenk der Spielerin mit einem funkelnden Armband geschmückt ist, garnicht übel. ,, Tourné"," Grand"," Null ouvert", das Passe" werden ftets prompt gemeldet; die bekannten Ausdrücke, die am Stattisch bei gewissen Wendungen des Spiels gebraucht werden, für den zarten Mund der Frauen jedoch nicht ganz geeignet sind, scheinen hier keinen Anstoß zu erregen. Manche von diesen Skat: bamen wissen mit ihren Knöcheln so laut auf den Tisch zu schlagen, daß man ernstliche Verlegungen für ihr weiches Händ= chen befürchten möchte. Als jüngstens ein in der Nähe stehender Verwandter einer solchen Spielerin die ungalante Bemerkung machte, daß es doch wohl für eine Frau passender wäre, sich mit dem Strichstrumpf als mit Kartenspielen zu unterhalten, entgegnete die Dame mit größter Seelenruhe: Beim Kartenspielen verdiene ich mehr als beim Strumpfftricken!" Sehr interessant ist es zu erfahren, daß diese Damen" es versucht haben sollen, Strümpfe zu stricken. Chemniz. Eine für mechanische Webereien höchst wichtige Erfindung hat Herr Krämer in Augsburg gemacht, nämlich eine Jacquardfarten- Bindemaschine, welche von der Stahlknecht'schen Maschinenfabrik in Stollberg i. S. gebaut worden ist. Diese Maschine arbeitet, wie eine Beschreibung in der Lpz. Monatsschrift f. Textilind." näher ausführt, mit geraden Nadeln, aber viel gleichmäßiger, als Handarbeit dies vermag. Da ste 60-65 Stiche in der Minute macht, also bei drei Bindereihen etwa 12,000, bei vier Bindereihen vielleicht 16,000 Bindungen in der Stunde, so werden in dieser Zeit bei zwei Bindelöchern zirka 1300 Karden fix und fertig gebunden. Das ergiebt eine Leistung, welche gewöhnlich von zehn Schnürmädchen vollbracht wird. Die Maschine wird für Hand-, Fuß- und Dampfbetrieb gebaut. Ein Patent auf einen Rettenwirkstuhl mit Schußvorrichtung gegen Fadenbruch ist den Herren Winkler und Gärtner in Burgstädt und Ernst Frieden hier ertheilt worden. Wie viele Arbeiterinnen werden durch diese Maschine wieder brotlos werden? Welche Lohnabzüge wird man wieder machen? Noch sind wir nicht in der glücklichen Zeit, daß sich die Arbeiter der Erfindung einer neuen Maschine erfreuen könnten. Erst wenn die Organisationen so stark sein werden, daß die Arbeiter durch sie eine unüberwindliche Macht bilden werden, wenn ihnen auch die Arbeitsmittel gehören werden, dann wird der Maschine Last erleichternd wirken, heute ist sie in den Händen des Kapitalisten ein Bebrückungsmittel. Die Pariser Arbeiter haben jüngst in einer in der Arbeiterbörse stattgehabten Versammlung zur Regelung der Gefängnisarbeit in recht vernünftiger Weise Stellung genommen. Bei den Berathungen wurde lebhaft Klage geführt über die Beinträchtigung der Gewerbe durch den Wettbewerb der Zuchthäuser; besonders betonten diese Schädigung die Korbmacher, Stuhlmacher, Klempner, Goldarbeiter, Schloffer, Schuhmacher, Hemdenzuschneider, Polsterer 2c. Für Korbflechterei erhalten die Gefangenen die Hälfte des den freien Arbeitern gezahlten Lohnes. Man beschloß, eine Liga gegen die Gefängnisarbeit zu bilden und von der Regierung zu verlangen, daß die Arbeit der Gefangenen nach ihrem wirklichen Werth bezahlt werde, sowie, daß man die Ver: mittelung von Privatunternehmern in den Gefängnissen abschaffe. Zur Ueberwachung der den Gefangenen gezahlten Lohnfäße sollen Vertreter der Fachereine in die Gefängsausschüsse aufgenommen werden. Für die Arbeiterinnen Deutschlands liegt ebenfalls die bringende Nothwendigkeit vor, allerorts Stellung zu nehmen gegen die Gefängnisarbeit, welche besonders den weiblichen Arbeitern ein böser Konkurrent ist. Die Blumenbranche, die Konfektion, die Wirkerei, Cigarrenmacherei u. s. w. werden gefährlich bedrückt durch diese Concurrenz. Daher verlangen wir auch einen Baffus im Programm der Socialdemokratie, der die Regelung der Gefängnisarbeit fordern soll. Wenn den Fabrifannten verboten wurde, nicht davon zu sprechen, daß sie im Gefängnis ihre Arbeit billiger gemacht erhalten, so ist das keine Regelung, sondern eine weitere Gefahr. Wir wünschen die Regelung in derselben Form wie die französischen Arbeiter. " Wien. Schöne Geständnisse über die Arbeitslöhne kann man mitunter finden, wenn man die Debatten über die 3 ölle liest. Während sonst die Herren Fabrikanten über die Ungenügsamkeit" der Arbeiter mettern und die Arbeitslöhne schönfärberisch hinauflügen, sagen sie gelegentlich die Wahrheit, wenn fie einmal glauben, daß es in ihrem Interesse liegt. So haben wir eine Petition einiger Königinhofer Firmen an das Handelsministerium vor uns, in welcher dieselben gegen den neuen rumänischen Zolltarif, welcher ,, Barchent, Kalmuck und Gewebe aus Abfällen" mehr belastet, protestiren. Dabei erzählen fie ruhig:" Dadurch, daß in keinem industriellen Lande die Handweber mit so billigen Weblöhnen als in Desterreich arbeiten, ist auch nur Destereich allein darin leistungs- und konkurrenzfähig." Wunderbare Leistungsfähigkeit", welche begründet ift auf der Verelendung der armen Hausweber; großartige Konfurrenzfähigkeit", welche die Blüthe ist von der Unfähigkeit von Tausenden menschlich zu leben. Und dieser schöne Vorzug, den Desterreich hat, die billigsten Webelöhne zu besigen, der muß doch um jeden Preis erhalten werden. Welcher Stolz muß doch jebes patriotische Herz darob erfüllen, daß nur die böhmischen, mährischen und schlesischen Hausweber soviel Vaterlandsliebe" befizen, die Konkurrenz mit der Maschine tapfer und siegreich auszufechten, indem sie unentwegt hungern und ihre Kinder bei Bichorie und Kartoffeln zu Grunde gehen lassen. Und wie schändlich ist doch die Agitation dieser sozialdemokratischen Hezer und Aufwiegler, welche den Arbeitern sagen, daß ihre eigene Lei" 1 ftungsfähigkeit wichtiger ist, als die einer auf Maffenelend gebauten Industrie, und daß diefe ,, Konkurrenzfähigkeit" ni ein Ruhm, sondern eine Schmach für unser Land ist. " Wiener Arb.- 3tg." Der Kreistag für den Bezirk Naumburg- Weißenfels- Be welcher am Sonntag in Streckau zusammentrat, war weit stär als sein Vorgänger besucht. Aus 55 Drten waren 99 Delegi erschienen, worunter 8 Frauen, während auf dem vorherig Kreistag nur 63 Delegirte, darunter 4 Frauen, anwesend wa Es hatten diesmal viele kleine Orte aus durchaus ländli Bezirken Delegirte entsandt. Auf dem Kreistage tam es Differenzen mit den Weißenfelser Delegirten. Dieselben be spruchten nach dem„ Volksboten", daß auch der nicht als De girter anwesende Vertrauensmann und desgleichen der G dient von Weißenfels auf dem Kreistag Siz und Stimme hab sollten wie Delegirte. Das wurde abgelehnt und darauf ließen sämmtliche 6 Weißenfelser Delegirte den Kreistag. D selbe wählte dann die Genossen Adolf Hoffmann und Leopo zu Delegirten für Erfurt. : find Dresden. Am 27., 28. und 29. September cr. hier in Braun's Hotel ein deutscher Frauentag statt, welchem namhafte Vertreterinnen der bürgerlichen Frauen wegung, 1. A. Frau Prof. Weber Tübingen, Frau Goldschmidt und Frl. A. Schmidt Leipzig, sowie Frl. H. Lang Berlin Vorträge über die ethischen und praktischen Aufgab der Frauenvereine" halten werden. Was da herauskommen wir muß abgewartet werden. Jedenfalls werden diese Frau beweglerinnen" über den engherzigen Standpunkt ihrer der Bourgeoisie, wohl kaum hinauskommen. Würden sie bi endlich über sich gewonnen haben, so hätten sie uns und sich Arbeit, die jetzt doppelte, erleichtert. Eine Rednerin der Frau rechtlerinnen, sagte zwar schon vor Jahren in einer Berlin Versammlung,( wir haben den Bericht aufbewahrt) wenn bürgerliche Gesellschaft unserem berechtigten Streben nach berechtigung auch vor dem Gesetz nachgiebt, so wird man die Reihen der Sozialdemokratie treiben". Klaffe Gleid und ein an Wir haben gewartet, in der Meinung, wenn der richtige Weg erkannt ist, so kann es doch nicht allzu lange dauern, daß die Wahrheitsliebenden in den Reihen der Fraue rechtlerinnen sich nun endlich offen der Sozialdemokratie schließen werden, da es besonders unabhängige Frauen welche die alten Vorurtheile abgestreift zu haben meinen, wir sehen immer mehr ein, daß sie lieber warten wollen wir ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen. Es wärt zu schrecklich, wann man den veralteten Vorurtheilen man ja selbst nicht anerkennt find bod bit so offen ins Gesicht schlage sollte. Heimlich unter sich", ja so beim gemüthlichen Thee, fann man ja mal radikal sein und behaupten, man erftrebe selbstredend die gleichen Rechte für das ganze weiblide Geschlecht! Aber nach außen nur ja die Klassenunterschiede recht erhalten. Christliche Nächstenliebe. Sie weiß, was sie ihren Näch zu thun schuldig ist, die Hausfrau Bischofsky in Hernals, gaffe 79 wohnhaft. Als am 24. August die seit 10 Jahren auf Stift ihrem Hause bedienstete Hausbesorgerin, die Wittwe Babara Sprinzl starb und die älteste Tochter derselben fragte, ob bi 34 Hausfrau die Todte vor ihrer Ueberführung in die Tobten tammer nochmals sehen wolle, antwortete diese barsch: brauche sie nicht zu sehen; schaut, daß sie fortkommt und au Ihr( die Kinder der Verstorbenen) müßt bis 9 Uhr Abends Wohnung räumen." Sprachs und dabei blieb es. Die arm Kinder waren genöthigt, ihre wenigen Habseligkeiten bet leidigen Nachbarsleuten unterzubringen und für sich fel bi anderswo Unterkunft zu suchen. Ein selbst nicht glän fituirter Schuhmacher beschenkte die armen Kinder mit Gulden, damit sie nicht dem äußersten Elende der Obdachlo feit preisgegeben waren. Die 10jährige Dienstzeit der Todten war also damit belohnt, daß sie gleich einem Aase schleunig aus dem Hause entfernt werden mußte, die zurückbleibenden Kinder aber, unbekümmert darum, daß sie der Noth, dem Ber derben anheimfallen, wurden sofort als Bettler auf die Straße gesetzt. So sieht die christliche Nächstenliebe aus in dem Zeit alter der Humanität. bes ( Wiener A.- 3.) Weibliche Journalisten. Der Londoner Korrespondent weiblichen Journalisten in London groß genug ist, um Manchester Guardian verzeichnet die Thatsache, daß die Zahl der fie in bet Stand zu sehen, einen eigenen Damen Preß Klub zu gründe Die Räumlichkeiten dieses neuesten Londoner Klubs werden im Strand liegen und voraussichtlich schon in nächster Zeit eröffnet werden. Unferen Volksbildnern. So lang die Menschen endlos sich befehden, Fanatifirt für Ehre, Macht und Ruhm, Was frommen all' der Heuchler schönste Reden Von Menschlichkeit und reinem Christenthum? Apostel wollt ihr sein der Nächstenliebe, Und eines Vaters Rinder nennt ihr euch, Indeß der Leidenschaften wild Getriebe Zu Raub und Mord euch drängt, Hyänen gleich? So lang die Völker feindlich sich entzwei'n, Kann in der Welt die Liebe nicht gedeih'n! Drum auf, ihr Lehrer, die die Schulen lenken, Legt Hand ans Werk, von jedem Wahn befreit, Lehrt uns're Kinder frei und richtig denken, Erzieht ein frei' Geschlecht der neuen Zeit! Versunken mod're unter Schutt und Trümmern, Der Vorzeit grauenvolle Märchenwelt. Ihr seht erstaunt die neue Leuchte schimmern, Die hochauflodernd flammt zum Sternenzelt, Gewaltig glänzend, furchtbar, götterbleich, Entfaltet sich bes Wissens endlos Reich. Harmonische Bildung des gesammten Menschengeistes das Ziel sein, nach dem alle streben sollen. Briefkasten. Klagen über verspätete Expedition bitte an den Verlag richten; es ist sicher häufig Schuld der Kolporteure. tann hier nicht Remedur schaffen. muß id A13 Frau Augustin, Hamburg. Obiges gilt auch für Sie, F. St., Königsberg. Brief und Karte erhalten. Polemik gern angenommen, durch eine solche entstehen keinem Abonnements für Berlin werden in der Expedition Theil Kosten. bes " Vorwärts", Beuthstr. 2, sowie bei jedem Kolporteur der Ar beiterblätter entgegengenommen. J. F. in W. Brief ist abgegangen. Hierzu eine Beilage. Druck von Fr. Meyer& Hingpeter, Hamburg, Rosenstr. 35. 311 ig 113 bes g. Bei tärl egir erige pate Lide 26 beat Del Expe habe pe De pol Finb Len 20 ange gaben with auen Caffe 西 bid auen clin bic Heid ingis Lange zuen au nid Nr. 39. Beilage zur ,, Arbeiterin". Nägel und Ketten. Die Ketten- und Nägelarbeiterinnen ,, im schwarzen Land" Englands sind vor einigen Monaten viel besprochen worden. Eine Deputation derselben, geführt von einigen der„ bürgerlichen Frauenrechtlerinnen", legte bei dem Minister des Innern Protest dagegen ein, daß diese Arbeit den Frauen verboten, und überhaupt durch das neue Fabrikgesez regulirt werde. Auch die Wäscherinnen Londons betheiligten sich an der letzteren Bitte. Daß aber die einsichtigeren und fortgeschrittneren Elemente unter den Letzteren ein richtigeres Verständniß für die Bedeutung der Gesetzgebung hatten, zeigte sich bei der großartigen Demonstration zu Gunsten derselben in Hyde Park. Daß trotzdem die Waschanstalten nicht unter die Werkstätten aufgenommen wurden, welche die Wohlthaten des neuen Gesetzes genießen sollen, kann man nur tief beklagen. Das Verlangen der Nägelmacherinnen wurde in der Arbeiterin( Nr. 23.) in einem geistvollen Artikel von Frau Clara Zetkin eingehend beleuchtet und scharf beurtheilt. Für die Leserinnen dieses Blattes, welche sich dessen erinnern, dürfte es nicht uninteressant sein, zu erfahren, was eine englische Zeitschrift über diese Schmiedinnen Englands zu sagen hat. Herr Harold Rylett, ein englischer Geistlicher, schildert diese Arbeit als eine der härtesten, zu welchen Frauen durch die Verhältnisse gezwungen werden können, um das tägliche Brot zu verdienen, gerade nur genug, um das traurige Sklavendasein fortführen zu können. Denn nicht nur, daß einzelne Theile der Nagelmanufaktur als vollständig ungeeignet für weibliche Mitarbeiter erscheinen, sind auch die Löhne für die überaus schwere Arbeit erbärmlich gering. Die Verfertigung von langen Nägeln( Spiker) scheißt insbesondere zu den härtesten zu gehören, die Frauen in England gestattet sind. Herr Rylett meint, daß keine Beschreibung im Stande ist, die Schrecken derselben auch nur annähernd zu schildern. bod BiB and agen trebe blide auf ften Stift bar 5 bi bten 34 aud 3 bi CHIE Tofig obten night nben Ber traße Beit bed ber bent ben net Die Arbeiter erhalten das Eisen in Bündeln langer Stäbe von etwa 56 Pfd. Gewicht und sie müssen dieselben selbst zur Arbeitsstelle bringen oder für die Beförderung aus eigener Tasche zahlen. Ein Spikernagel ist ein sehr großer Nagel, etwa 8 Zoll lang und 3/4 Zoll dick. Zwei Leute arbeiten zusammen, gewöhnlich ein Mann und ein Mädchen. Der Stab wird durch den Oliver in Stücke von richtiger Länge getheilt, ohne daß das Eisen heiß gemacht würde. Der Oliver ist ein Zuschlaghammer, an dem Block befestigt, auf welchem der Ambos ruht und wird durch einen Tretschemel bewegt. Der Mann legt den Eisenstab auf einen Meißel, welcher neben dem Ambos auf dem Block angebracht ist. Das Mädchen stellt sich dicht hinter den Mann, umfaßt seinen Leib, und zusammen springen sie auf den Tretschemel, welcher den Oliver bewegt, bis nach einigen aufeinander folgenden Schlägen das Stück Eisen abgeschnitten ist. Herr Rylett erzählt, daß er vier bis fünf solche, fest umschlugene Paare zugleich springen gesehen hat und daß der Anblick auf den Zuschauer einen ungemein brutalen und widerwärtigen Eindruck hervorbringen muß. Nun nimmt der Mann eine Anzahl der abgeschnittenen Stücke und taucht sie ins Feuer. Sobald ein Stück heiß ist, zieht er es heraus, läßt das falte Ende in die Höhlung eines Werkzeuges fallen, und formt den Kopf des Nagels, indem er Fausthammer und Oliver in rascher Abwechslung benutzt. Dann wirft er ihn dem Mädchen hin, dessen Aufgabe es ist, die Spitze zu machen. Sie taucht das kalte Ende ins Feuer und beginnt, sobald es erhitzt ist, Fausthammer und Oliver so eifrig zu gebrauchen wie der Mann, bis sie dem Eisen die richtige Spitze gegeben hat. Die Arbeit ist furchtbar anstrengend, denn nicht nur muß das Mädchen die Spitze mit einem Schlage treffen, der an Wucht dem Bei Tisch. Von François Copée, übersetzt von E. A. Die Gesellschaft war bereits vollzählig versammelt; der würdige gräfliche Kammerdiner in seinem weiten CachemirGilet, mit dem gravitätischen, rothen, von einem weißen Backenbart umrahmten Gesichte, ein leibhaftiger englischer Pair, öffnete eben die Thürflügel des Salons und meldete mit einer Baẞstimme, die ebenso sonor als respektvoll flang: Es ist servirt". Da legten die Herren die Hüte auf den Vorsprung der Pfeilertischchen, die vornehmsten Gäste boten den Damen ihren Arm, und alle begaben sich in den Speise: saal, schweigsam, wie bei einer Prozession. Wie glänzte das Tafelgeräth, welche Fülle von Blumen und Licht! Jeder Geladene fand ohne Mühe seinen Platz; sobald er seinen Namen auf der glacirten Karte gelesen hatte, schob ihm ein dicker Lakai in seidenen Stümpfen, einen weichen, gepolsterten Stuhl, mit der gestickten Grafentrone geziert, leise nach. Vierzehn Gäste, nicht mehr: vier junge Frauen, in stark dekolletirten Kleidern, und zehn Herren aus den Kreisen der Aristokratie des Blutes oder des Verdienstes. Alle trugen an diesem Abende ihre sämmtlichen Orden, zu Ehren eines fremden Diplomaten, der zur Rechten der Hausfrau saß. Ganze Büschel kleiner Orden drängten sich an den Knopflöchern; unter den Umschlägen von zwei oder drei Fräcken glänzten diamantene Großkreuze. Ein schweres Kommandeurkreuz am rothen Seidenband breitete sich auf dem steifen Vorhemde eines Generals aus. Die Damen hatten ihrerseits alle Herrlichkeiten ihrer Schmuckkästchen aufgesteckt. Eine elegante, auserlesene Gesellschaft. Eine Atmosphäre des Wohlbehagens in diesem hohen, gut temperirten, reich geschmückten Saale. In den 4 Wandfüllungen befanden sich Stillleben in dem Prunkstyle von ehemals, in denen Früchte, Wildpret und allerlei Lebensmittel durcheinander lagen. Die Bedienung geschah ohne Geräusch, es schien als ob die Diener auf den dicken Teppichen nur dahinglitten. Der Mundschenk lispelte den Gästen die Namen der Weine vertraulich in's Dhr, wie, wenn er ihnen ein Geheimniß entdeckte, von dem ihr Leben abhinge. Gleich bei der Suppe, einer fetten, nahrhaften Kraftbrühe, welche den Magen mit Kraft und Jugend erfüllte, begann das Gespräch zwischen den Tischnachbarn. Zweifellos waren es erst die gewöhnlichen Gemeinpläge, welche halblaut ausgetauscht wurden. Aber welche Höflichkeit in den einfachsten Bewegungen, welches Wohlwollen in Blick und Lächeln. Uebrigens gleich nach dem Chateau Iquem begann der Witz zu sprühen. 1 Hamburg, den 26. September 1891. eines Schmiedehammers ziemlich gleich kommt, sondern sie muß außerdem zugleich ihren Zuschlaghammer mit dem Fuß regieren. Was die Kettenmacherinnen betrifft, so arbeiten sie unter ganz ähnlichen Bedingungen wie die Nägelarbeiterinnen. Abgesehen von dem Zuspizen der Nägel scheint das Verfertigen von Ketten eine noch anstrengendere Arbeit zu sein als das Nägelschmieden. Es giebt dabei nicht die geringste Abwechslung, denn jedes Kettenglied muß dem andern gleichen. Welch ein furchtbar eintöniges Dasein für diejenigen, die gezwungen sind, genau denselben Vorgang etwa 3000 mal die Woche zu wiederholen. Bei dieser anstrengenden und ermüdenden Arbeit fann eine geübte und geschickte Frau etwas über 7 Mark die Woche verdienen, aber viele müssen sich mit weit geringerem Lohn begnügen. Was man darüber hört, flingt oft ganz unglaublich, ist aber bei näherer Prüfung der Thatsachen meist nur zu wohlbegründet. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, daß die Frauen nicht jeden Wochentag arbeiten. Sie erhalten nicht immer genügende Beschäftigung, aber auch abgesehen davon, würde es ihnen wohl ganz unmöglich sein, 6 Tage in der Woche fortgesetzt eine Arbeit zu verrichten, wie Herr Rylett und Andere sie schildern, ohne sich ganz zu Grunde zu richten. Viele Kettenmacherinnen sind Frauen und Töchter der Bergleute, und benußen die Zeit, die ihnen nach Besorgung ihres Haushaltes noch bleibt, um 2-5 Mark die Woche zu verSienen. Wenn man sie fragt, warum sie überhaupt arbeiten, so sagen sie, der Verdienst der Männer sei zu gering, um davon zu leben. Herr Rylett wurde besonders erschüttert durch den Anblick eines Glends, wie es freilich im Ostende Londons oft gefunden werden kann. In einem alten Schuppen der für eine menschliche Wohnung ganz unbrauchbar erschien, hauste eine Familie, in welcher die ganze Erwerbslast auf der Frau ruht, da der Mann, von kurzen Zwischenpausen abgesehen, megen Krankheit zu jeder Arbeit unfähig ist. Diese Frau hat außer dem kranten Manne noch fünf Kinder lu ernähren. Wie sie dies zu Stande bringt ist dem Bessergestellten ein Räthsel. Die elende Wohnung besteht aus einem einzigen Zimmer und in diesem Zimmer ist ein einziges Bett. Der ganze Distrikt, in welchem diese Mühseligen und Beladenen wohnen, bietet einen überaus öden und trostlosen Anblick. Man sieht nicht selten Häuser, die sich so sehr nach einer Seite gesenkt haben, daß sie vor gänzlichen Zusammenbruch nur durch einige außen angebrachte Stützbalken geschützt sind. Manche Straßen machen den Eindruck eines langen Trümmerhaufens. Was allgemeinen Verfall und gesundheitsschädliche Verhältnisse betrifft, scheint Gredley( der Mittelpunkt für die hier besprochene Nägel- und Kettenmanufaktur) den Vorrang vor den elendsten Vierteln der großen Städte Englands und Irlands zu verdienen. Die Werkstätten sind jedoch in noch schlechterem Zustande als die Wohnhäuser, denn es ist nichts Ungewöhnliches, daß die Arbeiter genöthigt sind, die Arbeit einzustellen, wenn ein Regenguß beginnt. Bloße Flickarbeit könnte in den meisten Fällen doch nicht helfen, und da diese Industrie im Absterben zu sein scheint, wären Neubauten eine zu fostspielige Spekulation. Das Schwitzsystem ist hier ebenso vorherrschend als im Often Londons, und der Arbeitslohn wird in derselben Weise nach allen Richtungen verfürzt. Eine Methode, die häufig angewendet wird, ist die Benutzung falscher Gewichte, so daß für das anscheinend geringere Gewicht ein niedrigerer Preis ausgezahlt wird. Oder man behauptet bei der Ablieferung von Nägeln No. 8, dieselben seien No. 9, und berechnet sie als solche, denn für No. 9 ist der Lohn geringer als für No. 8. Eine besonders drückende Form der Aussaugung ist das Halten von Lehrlingen, welche die nämliche Arbeit leisten müssen als die erwachsenen Arbeiter. Die Truckverbote werden auch beständig umgangen und wenn ein Arbeitgeber oder ein Mittelsmann einem beliebigen Ladenbesitzer oder Die Männer waren zum großen Theile alt, zum mindesten sehr reis; alle an Rang oder Talent hervorragend, sie hatten viel gelebt, waren reich an Erfahrung und Erinnerungen, sie waren für die Konversation wie geschaffen und die Gegenwart schöner Frauen flößte ihnen den Wunsch ein, zu glänzen und regte ihren Wiz zu launigen Wortgefechten. Kleine Scherzworte flogen, helle Geistesblitze fuhren dazwischen. zwischen. Es bildeten sich Unterhaltungszentren zwischen zwei, drei Personen. Ein berühmter Reisender mit bronzefarbenem Teint, der erst kürzlich aus einem entlegenen Theil der Wüste zurückgekommen war, erzählte seinen beiden Nachbarn von einer Elefantenjagd, ohne jede Prahlerei, mit einer Ruhe, als hätte es sich darum gehandelt, auf Hafen zu zielen, anstatt auf Elefanten. Etwas weiter oben neigte sich das feine Profil eines berühmten Gelehrten heiter zur Gräfin, welche lächelnd zuhörte; sie war sehr schlank und sehr blond, hatte junge erstaunte Augen, ein herrliches Smarragdhalsband um den schönen Nacken und eine Büste, wie die Venus von Medici. Dieses luxuriöse Mittagessen versprach auch entschieden amüsant zu werden. Die Langeweile, dieser nur allzuhäufige Gast bei den Festen der großen Welt, sollte nicht dazukommen, sich an diesen Tisch zu setzen. Diese Glücklichen sollten eine köstliche Stunde verbringen und mit allen Sinnen schwelgen können. Am selben Tische, an seinem äußersten Ende, an dem bescheidensten Plazze, saß stillschweigend ein noch junger Mann, der am wenigsten Beachtete, der Geringste von allen Anwesenden, ganz hingegeben seiner Einbildungskraft und Träumerei, einer jener querköpfigen Grübler, die etwas vom Philosophen und Dichter an sich haben. Durch das Ansehen seines Künstlerrufes in der hohen Gesellschaft zugelassen, ein Aristokrat von Natur, aber ohne Eitelkeit, aus dem Volke hervorgegangen und es nicht vergessend, sog er wohllüftig an dieser Blume der Zivilisation, welche die gute Gesellschaft heißt. Er fühlte mehr und besser als irgend ein Anderer, wie viel Alles in dieser Umgebung: der Reiz der Frauen, der Geist der Männer, das glänzende Tafelgeschirr, die Einrichtung des Saales, bis auf den sammtartig schimmernden Weißwein, mit dem er eben seine Lippen nette, wie all' dieses selten und gewählt war, und er freute sich, daß ein Zusammentreffen so liebenswürdiger und harmonischer Dinge existire. Es war ihm, als wäre er in eine Fluth von Optimismus getaucht. Er fand es schön, daß es wenigstens irgendwo, wenigstens einigemal, in dieser traurigen Welt, einigermaßen glückliche Wesen gab. Wofern sie dem Mitgefühl zugänglich waren, mildthätig 1. Jahrgang. Wirth seine Gunst zuwendet, dann sind diejenigen, die für ihn arbeiten, wohl oder übel genöthigt, dort ihren Bedarf zu entnehmen. Herr Rylett hat gefunden, daß die Arbeiterinnen in großen Fabriken es viel besser haben, als diejenigen, welche allein oder in kleinen Werkstätten arbeiten, und deshalb glaubt er, es könne möglich sein, hier durch genossenschaftliche Fabrikation Besserung herbeizuführen. Freilich gesteht er selbst zu, daß die Schwierigkeiten fast unüberwindlich sein würden." sein würden." Soweit der Bericht. Als Ergänzung fügen wir dem Obengesagten noch eine Stelle aus einem Vortrag bei, den Fräulein Lowndes in einer Arbeiterversammlung hielt. Die Rednerin räth auf das Dringlichste zu einem festen Zusammen schluß der Lohnarbeiter beiderlei Geschlechts, zum Zweck der Verbesserung ihrer Lage. Als Beispiel der verderblichen Folgen des jetzigen Zustandes einer gegenseitigen Konkurrenz werden insbesondere die Löhne der Kettenarbeiter in Kradley genannt. Diejenigen, welche Ketten verfertigen, die ihrer Stärke wegen von Frauen nicht gemacht werden können, verdienen 40 Mark wöchentlich. Aber die Männer, welche die nächste Nummer arbeiten, bei welcher auch Frauen beschäftigt sind, können nicht mehr als 12 Mark wöchentlich verdienen. Diese Zahlen reden laut und vernehmlich und mahnen die Arbeiterinnen an die Pflichten ihren Mitmenschen gegenüber. Die erste ist: " Organisirt Euch, damit Ihr aufhört, Lohndrückerin und Konkurrentin des Mannes zu sein!" Frieda. Allerlei aus aller Welt. Das Elend des ärztlichen Berufs dürfte in Sachsen neben anderen Ursachen auch auf die großartige Verbreitung des Kurpfuscherthums zurückzuführen sein, das alljährlich im Berichte des Landes- Medizinal- Kollegiums beleuchtet wird. In der Köln. 3tg." finden wir folgende interessante, wenn duch nicht immer ganz zutreffende Schilderung dieses Uebels: 11 Seit einigen Jahren hat sich bei uns das berufsmäßige Kurpfuscherthum in einer Weise entwickelt, wie nirgends im Reich. Alle Arten desselben sind vertreten und finden ihr reichliches Brot. Kaum ein Dorf giebt es, in dem nicht ein altes Weib oder ein kluger Bauer das Heilgewerbe als Nebengeschäft betreibt. Hier ist vielfach noch der tollste Zaubersput Mode. Von Beschwörungen der Krankheiten zu mitternächtige Stunde auf einem Kreuzweg der Dorfmark, Verfluchungen verderbenbrütender Heren, Besprechungen unter sinnlosem Wortschwall, besonders aber vom Vergraben netter, runder Geldbeträge wird das Heil für die Kranken erwartet. Etwas weniger plump verfahren andere Heilbeflissene, die auf derartigen Sput mit unsäglicher Verachtung herabsehen. Sie haben meistens irgend ein Handwerf gelernt, befinden sich aber in der glücklichen Lage, dasselbe nach den Gelderfolgen ihrer Heilkünfte längst an den Nagel gehängt zu haben. Sie wissen sich ein großes Ansehen zu geben, die Dummheit der Menschen erhält es ihnen und hilft ihrem Ruhm weiter auf die Beine. Sie furiren unter den merkwürdigsten Benennungen und Titeln, hüten sich aber meist, ein ärztliches Prädikat anzunehmen, da ihnen, wie sie aus Erfahrung wissen, die Behörden scharf auf die Finger sehen. Sie besitzen das Arkanum gegen jedes Leiden und heilen Alles. Aerzte von europäischer Berühmtheit sind gegen sie Stümper. Diese Art Krankenwohlthäter sind völlig" wild"; was sie können, verdanken he dem eigenen dürftigen Wiz. Daher haben sie die regelrecht ausgebildeten Naturheilkundigen zu Feinden, deren Zirkel sie geschäftlich stören und deren Ansehen sie durch ihr Auftreten schmälern. Diese Naturheilkundigen nehmen eine eigenthümliche Stellung bei uns ein. Obgleich die wissenschaftlich gebildeten Mediziner mit allem Gifer sich gegen sie und ihre Bestrebungen wenden, so gewinnen sie doch immer mehr und sie waren es ja sehr wahrscheinlich, diese Befriedigten wen störten sie, welchen Schaden richten sie an? O' welch' schöner tröstlicher Wahn, zu glauben, daß diesen das Leben Gnade widerfahren lasse, daß sie immer oder fast immer diesen sanften, heiteren Ausdruck im Blick, dieses halb erschlossene Lächeln auf ihren Lippen behalten werden, daß sie so viel wie möglich, die dringenden und entehrenden Nothdürftigkeiten, die verächtlichen Gebrechen aus ihrer Existenz verdrängen würden. Derjenige, welchen wir den Träumer nennen wollen, war eben hier bei seinen Betrachtungen angelangt, als der Diener, der großartige Diener feierlich vom Buffet fam; er trug eine große silberne Schüssel, worauf eine Butte von fabelhafter Größe lag, eine jener phänomenalen Fische, wie man deren auf alten Bildern sieht, welche die Fischerei darstellen, oder noch in der Auslage von Chevet, vor der eine Reihe erstaunter Gaffenjungen ihre Nasenspißen gegen die Auslagefenster drücken. Man fervirte. Als aber der Träumer vor sich, auf seinem Teller ein Stück dieser riesigen Butte liegen sah, da rief der leichte Seegeruch, in seiner Vorstellung, welche zu raschen Ideenaffoziationen leicht geneigt war, einen Winkel der Bretagner Küste in die Erinnerung, ein mehr als armseliges Fischerdorf, wo er sich im vergangenen Herbste bis zur Zeit der Tag und Nachtgleiche verspätete und wo er dem furchtbaren Wellenschlag des Meeres gelauscht hatte. Er erinnerte sich plötzlich jener fürchterlichen Nacht, wo die Barke nicht landen konnte, jener Nacht, die er am Molo bei einer Gruppe von bestürzten Weibern verbrachte. Aufrecht stand er dort, der Sprühregen floß ihm über das Gesicht, der Wind schien ihm die Kleider vom Leibe reißen zu wollen. Welches Leben führen diese armen Leute! Wie viele Wittwen gab es dort unten, alte und junge, welche für immer das schwarze Umschlagetuch trugen. Schon beim Morgengrauen machten sie sich mit einem Haufen Kinder auf den Weg, um ihr Brot zu verdienen. Oh! nichts als Brot! Sie arbeiteten in dem ekelerregenden Geruch von warmem Del, in der Sardinerie. In seiner Erinnerung tauchte wieder die Kirche auf, die das Dorf beherrschte, in der Mitte der Felsenküste; ihr Kirchthurm war weiß angestrichen, um den Schiffen, welche aus offener See kamen, den Durchgang zwischen den Sandbänken zu bezeichnen; dann sah er auch wieder im niedrigen, von magern Schafen abgeweideten Grase des Friedhofes die Grabsteine, auf welchen sich so oft die düstere Inschrift wiederholte: auf dem Meere gestorben. Diese riesige Butte hatte den feinsten, köstlichsten Geschmack und die Krabbensauce, mit der sie gewürzt war, bewiesdaß, Einfluß und gewissermaßen das Bürgerrecht auch in der guten Gesellschaft. Sie haben sich ihre Praxis" völlig wie Aerzte eingerichtet, sind vielfach mehr gesucht als diese und haben Einkommen, die sich bei Einzelnen auf über 20,000 Mark jährlich beziffern sollen. Eine besondere Art„ Aerzte" findet in Dresden ein lohnendes Feld für ihre Thätigkeit. Es sind elegante Gentlemen, die im vornehmen Viertel ihre Konsulationsstunden" halten und das Einkommen eines Ministers besigen. Eine wissenschaftliche Ausbildung haben auch sie für ihren Heilberuf nicht mitgebracht, doch in ihrer Person ruhen wunderbare, der Wissenschaft bisher verborgene Naturkräfte, denen feine Krankheit widersteht. Auch sie sind dem läppischsten, oft mit frömmelnden Phrasen verquickten Zaubersput nicht abgeneigt, doch hat man ihm ein wissenschaftliches Mäntelchen übergehängt, um ihn gesellschaftsfähig zu machen. Einige dieser Herren haben Zulauf aus ganz Sachsen. Vor ihren Häusern halten die Wagen der Geburts- und Geldaristokratie, und ihre Großthaten bilden in den Salons den Unterhaltungsstoff ätherischer Damen. Die Bezahlung aller dieser Heilbeslissenen ist ebenso hoch, oft noch höher, als die des wissenschaftlich durch eingehende Studien gründlich vorgebildeten Arztes. Bemerkenswerth iſt auch, daß keineswegs allein die„ Ungebildeten" in den. Besuchszimmern dieser Aerzte" sizzen, sondern daß auch die feinsten und besten" Kreise vertreten sind. Oft besteht deren " Praxis" nur aus„ Gebildeten". " Was die Abwendung der Ungebildeten" von den wissenschaftiich gebildeten Aerzten anbelangt, so sind die Leyteren häufig selbst schuld an der Abneigung. Viele Aerzte sehen ihren Beruf( besonders viele Kassenärzte) eben nur vom Standpunkt des Verdienens an. " Wir möchten, schreibt die Sächs. Arb.- 3tg.", hierzu noch bemerken, daß unsere jüngeren Aerzte sehr bemüht sind, den vernünftigen Forderungen der Naturheilmethode gerecht zu werden. Die Aerzte der freien Hülfskassen" in Berlin z. B. wenden diese, wo irgend angängig, an. ES thut daher auch Noth, in Arbeiterkreisen belehrende Vorträge zu halten, daß es in Krankheitsfällen vor Allem nöthig ist, seinen Körper nicht einem Kurpfuscher anzuvertrauen, sondern einem dafür vorgebildetem Arzte. Die Naturheil methode ist außerordentlich gut um Krankheiten vorbeugen zu können, doch selten ausreichend, um ausgebrochene Krankheiten heilen zu können. Es ist über diesen scharfen Unterschied in den letzten Jahren gerade in Frauenfreisen viel Ünklarheit verbreitet worden und dadurch die Kurpfuscherei großgezogen. Denn diese Unklarheiten haben dem alten Aberglauben, an dem gerade die älteren Frauen noch so gern hängen, neue Nahrung gegeben. Darum sorgt allerorts dafür, daß belehrende Vorträge gehalten werden über„ Gefundheitspflege" und Heilkunde. Aufgabe der Aerzte sollte es sein, sich dieser Mühe zu unterziehen. Auch die in Deutschland thätigen Aerztinnen fönnten hierdurch in Frauenkreisen sehr segensreich wirken. Klärt ihr die Frauen über so Wichtiges auf, so habt ihr damit zugleich die heranwachsende nächste Generation belehrt! Leipzig. Dem„ Leipz. Tagebl.", diesem lügenliebenden Organ, passirte es in seiner Freitagsnummer, an ein Fundamentaldogma unserer bürgerlichen Gesellschaft unbewußt zu stoßen mit folgendem Sat: Die unverbesserlichen Verbrecher sind eine besondere Form der Geistesfranken, wichtige Funktionen des menschlichen Organismus sind bei ihnen außer Thätigkeit, und das Mittel ist noch nicht gefunden, um diese Thätigkeit wieder zu beleben. Wie denn? Meint das„ Leipz. Tagebl.", daß die Kategorie Menschen lieber in eine Heilanstalt gebracht werden sollten, als daß man sie wie wilde Thiere jahrelang in Käfige, in Zuchthäuser sperrt. Das wäre ja eine ganz neue Ansicht. Und das Blatt wird dann doch wohl auch nicht umhin fönnen, zuzugeben, daß in Konsequenz des von ihm Gesagten überhaupt diejenigen Verbrechen, deren direkte Triebfeder nicht die Noth ist, z. B. alle Verbrechen wider das Leben, nur auf eine Störung der Gehirnfunktionen zurückzuführen sind, daß solche Menschen lieber in die Behandlung eines Arztes als der eines Zuchthausaufsehers zu bringen sind. Man hält uns immer entgegen, daß in dem sozialistischen Zukunftsstaat doch immerhin noch Verbrecher eristiren würder Koch des Herrn Grafen im Café Anglais in die Lehre gegangen war und von diesen Studien Nutzen gezogen hatte. Denn bei diesem Punkte ist unsere verfeinerte Zivilisation angelangt, man erwirbt seine Grade der Kochkunst; es giebt Doktoren für das Braten- und Abiturienten für das Saucenfach. Alle Gäste aßen lebhaft mit zarten Bewegungen, aber der gute Ton und die Gewohnheit exquisiter Kost, ließ sie nichts zu Gunsten des außergewöhnlichen Gerichtes offenbaren. Der Träumer hatte keinen Appetit mehr. Er war im Gedanken noch bei den Bretagnern, bei den Leuten des Meeres, welche diese herrliche Butte vielleicht gefangen hatten. Er erinnerte sich jenes darauffolgenden regnerischen, grauen Morgens, wo er neben den schweren, bleifarbenen Meereswogen spazierte und den Leichnam des alten Fischers, des Familienvaters, welcher vor drei Tagen im Meere verschwunden war, dieses graufige Ueberbleibsel, das in Seegras und Meeresschaum gestrandet war, wieder erkannt hatte. Es war herzzerreißend, seine grauen, schwimmenden Haare voll Sand und Muscheln zu sehen. Ein Schauer durchfuhr sein Herz. Aber die Diener hatten bereits die Teller entfernt und jede Spur des mächtigen Fisches verschwinden gemacht. Während man ein anderes Gericht servirte, hatten diese eleganten, frivolen Speisenden bereits ihr Gespräch wieder aufgenommen. Der Hunger war schon ein wenig gestillt, sie wurden lebhafter und sprachen mit mehr ungezwungenheit. Munteres Lachen ertönte. Ah! die reizende, liebenswürdige Gesellschaft. Da packte den Träumer, den schweigsamen Gast, eine unendliche Traurigkeit; denn Alles, was an Arbeit und Schmerz nöthig ist, um das Bequeme, das Wohlbehagen zu schaffen, tauchte plötzlich vor seiner Vorstellung auf. Nur um zu ermöglichen, daß diese Leute von Welt, mitten im Dezember, blos im dünnen Frack sein, damit diese Damen ihre bloßen Arme und Nacken zeigen konnten, verbreitete die Luftheizung im Zimmer die Wärme eines Frühlingsmorgens. Aber wer hat die Kohle herbeigeschafft? Der Verdammte aus dem schwarzen Lande, der unterirdische Arbeiter, welcher in der Hölle der Kohlengruben lebt. Wie weiß, wie frisch ist doch die Haut jener jungen Dame, die so siegreich aus dem Rosa Atlas hervorleuchtet! Aber wer webte diesen rosa Atlas? Die menschliche Spinne in Lyon, der Hausweber, der immer bei seiner Arbeit in den verseuchten Häusern des Croix Rousse" fitt. 22 Sie trägt zwei herrliche Perlen in ihren winzigen Ohren, diese junge Dame. Welche Pracht, welche schimmernde Durch sichtigteit, welche vollendete Form! beinahe tugelförmig. Die Berle, welche Kleopatra geschluckt, nachdem sie dieselbe in wo den, wenn auch keine Eigenthumsverbrechen. Wenn man aber selbst zugeben muß, daß Verbrechen, soweit sie nicht durch die Noth geboten und also eigentlich auch kaum Verbrechen sind wenn Jemand stiehl, um Mittel zum Leben zu bekommen, die er sich durch Arbeit nicht schaffen kann, weil er keine hat, so ist er nach unserer Ansicht kein Verbrecher nur als frankhafte Störungen des menschlichen Organismus zu betrachten sind, weiter aber bedenkt, daß diese nach und nach mit Hilfe der Wissenschaft, wie beispielsweise Blödsinnigkeit weise Blödsinnigkeit Kretinismus in der Schweiz! zurückgedrängt und ganz ausgerottet werden können blieben dann die Verbrechen im sozialistischen Staate? Und daß in dem Letteren, in dem alle Rücksichten gegen die auf das höchste körperliche Wohl der Bürger zurücktreten, im Gegensatze zu dem jetzigen kapitalistischen Staat, wo nur dem Geldsacke das höchste Interesse entgegengebracht wird, Alles gethan werden wird, was zur Ausrottung der Geistesfrankheiten, der Mißbildungen, ber unrationellen Lebensweise nur gethan werden kann, darauf können sich die Bourgeois verlassen. Auch die Dummheit will geheilt werden, weil, wie wissenschaftlich erwiesen, sie oder wenigstens deren Vorausſetzungen heilbar sind. Es wird freilich eine schwere Auf gabe sein, all die Bornirtheit der Bourgeoisie zu heilen oder aus der Welt zu schaffen. " Bürgerliche Moral. Die Mitteldeutsche Zeitung" in Weißenfels, welche sich auch freisinnig nennt, bringt da ein Heirathgesuch, welchem wir das Folgende entnehmen: Einzige Tochter, der Vater ist 72 Jahre Heirath! alt. Das heißt zu gut deutsch, der Vater ist so alt, daß sein Tod bald zu erwarten ist. Pfui und noch mals Pfui über eine der artige„ Moral"! Allerdings solche Sorten Gaunerehen, welche auf den Tod der zu Beerbenden berechnet sind, wollen wir mit allen gebotenen Mitteln beseitigen. Daher auch die Wuth dieses Bürgerthums, das sich in seinem Schlamm so wohl fühlt. Junger Defonom kann in ein ca. 80 Acker haltendes Gut, in großem Bahnstationorte belegen, wo außer der Besizung noch Kapitale vorhanden, heirathen; einzige Tochter, gebildet, 24 Jahr alt und hübsche Erscheinung. Vater ist 72 Jahr alt. Die Sterblichkeit der Proletarierkinder ist sechsmal so groß, als die der Bourgeoiskinder; denn nach den Untersuchungen des Sozialstatistikers Kaspar starben von 1000 zu gleicher Zeit geborenen Menschen in den ersten 5 Jahren bei den Reichen 57, bei den Armen 345. Die Ursache dieser Erscheinung ist darin zu suchen, daß die Kinder von den Eltern aus dem arbeitenden Volfe, welche durch lange und auch harte Arbeit entfräftet und obendrein schlecht genährt sind, von vornherein schwächlich zur Welt kommen und in Folge gleichfalls schlechter Ernährung und ungenügender Pflege allmälig so verkümmern, daß sie der geringfügigsten Krankheit sofort erliegen. Am meisten wird die Sterblichkeit unter den Neugeborenen bei den Armen dadurch befördert, daß die Mütter durch die Arbeit verhindert sind und im Uebrigen auch gar nicht die Kraft haben, ihre Kinder selbst zu nähren, sondern dieselben aufpäppeln" müssen. Die schlechte Beschaffenheit der Ruhmilch führt in den heißen Sommermonaten zu Darmfatarrh und Brechdurchfall, so daß in Berlin wöchentlich bis zu 400 Kinder und darüber an diesen Krankheiten sterben. Daß es sich hierbei nicht um den Nachwuchs der Reichen handelt, welche sich eine Amme halten oder sich eine nach allen Regeln der Hygiene präpa= ricte, aber dafür recht theure Kuhmilch verschaffen können, sondern um die Kinder der Armen, lehren die Kirchhöfe der in den Arbeitervierteln belegenen Gemeinden, auf denen der Todtengräber im Juli und August mit unheimlicher Emsigkeit ein Kindergrab an das andere reiht. In dem nach den Veröffentlichungen des kaiserlichen Gesundheitsamtes aufgestellten Bericht über die Krankheits- und Sterblichkeits- Verhältnisse Berlins in der ersten Augustwoche heißt es:„ Auch in dieser Woche tamen Darmfatarrhe und Brechdurchfälle, besonders unter den Kindern, in sehr großer Zahl zum Vorschein und führten in 296 Fällen( gegen 302 in der vorhergegangenen Woche) zum Tode. Am zahlreichsten zeigten sich die Krankheitsformen auf dem Wedding, im Stralauer Viertel und in der Rosenthaler Vorstadt, während aus der Friedrichstadt und der Dorotheenstadt fast gar kein Todesfall gemeldet Essig aufgelöst hatte, und die 10,000 Sesterzen werth war, fonnte nicht reiner gewesen sein. Aber weiß die junge Dame, daß dort, weit weg, in Ceylon, auf den Perlausterbänfen von Arippo und Goatatchy die Hindu von der Indischen Kompagnie heldenhaft über 12 Klafter in die Tiefe tauchen, einen Fuß in dem schweren Steinbügel, der sie zum Grunde zieht, in der linken Hand ein Messer, um den Haifisch zu bekämpfen? Aber was! Man ist schön und gefallsüchtig, der Speisesaal ist warm und wohlriechend, man fann dort halb nackt, sehr geschmückt speisen und mit seinem Nachbarn kokettiren. Welchen Zusammenhang, frage ich Sie, kann man mit dem düstern Arbeiter haben, der 50 Kilometer unter der Erde schanzt? mit einem vor seinem Webstuhl steif gewordenen Weber? mit einem Wilden, der in's Meer springt und es bisweilen mit seinem Blute röthet? Warum sollte man an so traurige, garstige Dinge denken? Welche Abgeschmacktheit! Doch der Träumer wird von seiner firen Idee verfolgt. Seit einer Weile zerbröckelt er mechanisch, ohne darauf zu achten, ein Stückchen des fleinen, goldgelb gebackenen Weißbrodes, das neben seinem Teller liegt. Oh! das ist ein nichtssagendes Phantasie- Nahrungsmittel bei solch einem Mahle. Man muß unwillkürlich an das naive Wort jener großen Dame denken, welche zu der unglücklichen Brotlosen sagte, warum sie keinen Kuchen essen?" Aber dieser schöne Kuchen ist doch auch Brod, Brod, das aus Mehl bereitet wurde, und dieses wieder ist aus Korn gemacht. Mein Gott ja, ja es ist furzweg Brod, Brod wie das des Bauern, wie das Kommißbrod des Soldaten. Damit es aber dahin, auf den Tisch des Reichen kommen konnte, bedurfte es der geduldigen Arbeit vieler Arme. Der Bauer hat gepflügt, gefäet, geerntet, er hat seinen Pflug in der fetten Erde fortgeschoben oder seine Egge geführt unter den kalten Nadeln des Herbstregens. Er ist voll Sorgen um sein Feld erwacht, wenn es in der Nacht donnerte; er hat gezittert, wenn er die schweren violetten Wolfen mit Hagel beladen vorüberziehen sah; er wurde ausgedörrt und abgebrannt von den erschöpfenden Strapazen der riesigen Arbeit der Erntezeit. Und wenn der alte Müller vom Rheumatismus halb gekrümmt, den er von den Nebeln am Flußufer erwischte, sein Mehl nach Paris geschickt hat, dann tragen die Lastträger mit den weißen Hüten die erdrückend schweren Säcke auf ihrem breiten Rücken, und noch in der verflossenen Nacht haben im unteririrdischen Raum die Teigkneter bis zum Morgengrauen geächzt. Ja wahrlich, all dieser Mühen hat es bedurft, dieses kleine Brod, das die weißen Hände dieser Patrizier zerstreut auseinanderbrechen, herbeizuschaffen. Für den unverbesserlichen Träumer ist dies nun eine Zwangswurde." Der Wedding, die Rosenthaler Vorstadt und das Stralauer Viertel sind als Arbeiterviertel bekannt, während die Friedrichstadt und die Dorotheenstadt( Gegend der Straße ,, Unter den Linden") zu den vornehmsten, Stadttheilen gehören. Eine englische Charlotte Corday. Die Stadt London hatte dem Lord- Protektor Oliver Cromwell zu Ehren ein prunkvolles Bankett veranstaltet, zu welchem der 18. Februar des Jahres 1654 bestimmt war. Cromwell begab sich in seinem Staatswagen dahin, von den Parlamentsmitgliedern, Staatsräthen und dem Generalstabe seiner Land- und Seemacht be= gleitet. Da fiel aus dem Fenster eines Eckhauses der Essexstraße ein Schuß, die Kugel fuhr durch den Wagen und traf das Roß, auf dem des Protektors Sohn Heinrich, auf der entgegengesetten Seite des Wagens ritt. Diesen Schuß hatte ein junges Mädchen, Lucretia Gremoit, gewagt. Sie war die Tochter eines Baronets und Braut des Herzogs von Buckingham, den Cromwell in der Schlacht bei Naseby mit eigener Hand erstochen hatte. Seit dem Tode ihres Bräutigams hatte Lucretia einen glühenden Haß gegen den Protektor gefaßt und ihm blutige Rache geschworen. Sie übte sich geraume Zeit im Pistolenschießen, wobei ihr des Protektors Bild zur Zielscheibe diente, und hatte, da der Gefürchtete sich nur höchst selten zeigte, drei Jahre lang Zeit, sich auf ihr Attentat vorzubereiten. An jenem Tage nun stand Lucretia mit mehreren Damen am Erkerfenster, und als Cromwell's Wagen sich ihr hinreichend genähert hatte, zog sie ihre Pistole unter dem Mantel hervor und schoß. Der Schuß würde auch sein Ziel nicht verfehlt haben, hätte nicht die neben Lucretia stehende Dame sie im Abbrücken angestoßen. Als der Schuß gefallen war, blickte Cromwell nach dem Fenster hinauf, der Wagen hielt, Bestürzung hatte das ganze Gefolge ergriffen. Die Damen oben waren aus Schreck auf die Kniee niedergesunken, nur Lucretia stand und blickte, ihre Pistole weit hinausstreckend, mit flammendem Auge auf den Verhaßten nieder. " Tyrann", rief sie, ich habe geschossen! Untröstlich bin ich, statt eines Tigers nur ein armes Roß getroffen zu haben!" Cromwell schickte Soldaten ins Haus. Lucretiens Eltern gaben zwar vor, ihre Tochter sei seit dem Tode ihres Bräutigams zu Zeiten ihres Verstandes nicht mächtig, allein Cromwell ließ sie dennoch verhaften. Späterhin verschwand das Mädchen, und man erfuhr ihr Schicksal nie. Rußland. Wie in dem neuesten Septemberhefte von„ Free Russia" mitgetheilt wird, hat sich nun auch Sophie Günsburg, welche in dem letzten Nihilistenprozesse eine so große Rolle spielte, durch Selbstmord ihren Leiden entzogen. Sophie Günsburg, das 21 jährige Mädchen, war zum Tode durch den Strang verurtheilt worden, allein Angesichts der Agitation in England und Amerika, beschloß die russische Regierung, dem Czaren die Umwandlung des Todesurtheils in lebenslängliches Gefängniß anzuempfehlen. In dem entseßlichen Gefängniß von Schlüsselburg, von wo nur selten und langsam Nachrichten kommen, hat sich Sophie Günsburg vor sechs Monaten mit einer alten stumpfen Scheere, die sie sich zu verschaffen gewußt hatte, getödtet, obgleich beständig eine Wache vor ihrer Thür hin und her ging und beständig hinein sah. Wie nachträglich bekannt geworden ist, hatte Sophie Günsburg ein Verhältniß mit einem Manne von guter sozialer Stellung. Er hatte die revolutionäre Proklamation geschrieben, welche des einzige Anklagematerial gegen sie bildete. Sophie Günsburg weigerte sich, den Mann anzugeben, und aus Furcht, daß die beständigen Quälereien sie in einen nervösen Zustand und zur Angabe des Namens verleiten könnten, gab sie sich den Tod. " Eine große und schöne Rolle spielt die Mutter im Sprichwort. Der Deutsche hat über die Würde einer Mutter verschiedene Sprichwörter. Er sagt:" Muttertreu wird täglich neu." Ist die Mutter noch so arm, giebt sie doch dem Kinde warm." Wer der Mutter nicht folgen will, muß endlich dem GerichtsDiener folgen."" Besser einen reichen Vater verlieren, als eine arme Mutter." Was der Mutter an's Herz geht, geht dem Vater nur an's Knie." Der Russe sagt:„ Das Gebet der Mutter holt vom Meeresgrunde herauf." Der Czeche und Lette sagt: Mutterhand ist weich, auch wenn sie schlägt." Fast in allen Völkern hat man das Sprichwort: Eine Mutter kann eher sieben Kinder ernähren, als sieben Kinder eine Mutter." Das Leiden der Mutter bezeichnet der Italiener in dem Sprichwort: Mutter will sagen: Märtyrerin." " 1 " vorstellung. Die Feinheiten des Gastmahles gemahnen ihn an nichts anderes, als an die menschlichen Leiden. Gerade vorhin, als ihm der Mundschenk ein Glas Chambertin einschenkte, hatte er sich dabei erinnert, daß gewisse Glasarbeiter durch das fortwährende Flaschenblasen lungenschwindsüchtig werden. Ach was! Das ist lächerlich. Er weiß wohl, daß die Welt so beschaffen ist. Ein Nationalökonom würde ihm in's Gesicht lachen. Wollte er am Ende gar Gefahr laufen Sozialist zu werden? Es wird ja immer Reiche und Arme geben, so wie es immer Gutgewachsene und Buckelige giebt. Uebrigens, die Glücklichen, die er vor sich sieht, sind es nicht ungerechter Weise. Das sind nicht gewöhnliche Anbeter des goldenen Kalbes, egoistische, gemeine Emporkömmlinge. Der Großgrundbesitzer, der bei der Tafel präsidirt, trägt mit Ehre und Würde einen Namen, der mit allen Rufen Frankreichs verbunden ist. Dieser graubärtige General ist ein Held; er hat mit dem Muth eines Marat Rezonville gestürmt. Der Maler, dieser Dichter haben treu der Kunst und Schönheit gedient. Dieser Chemiker, der sein Leben als Apothekerjunge begann und auf den heute die Gelehrtenwelt wie auf ein Orakel hört, ist einfach ein Mann von Genie. Diese vornehmen Frauen sind freigebig und gut und mit bescheidenem Muthe tauchen sie manchmal ihre zarten Finger in die Tiefe des Unglücks. Warum sollten diese außerordent lichen Wesen nicht auch außerordentliche Freuden genießen? Der Träumer sagte sich, der sei ungerecht gewesen, das waren alte Sophismen, für einen Vorstadtklub noch gerade gut genug, die nun in seiner Erinnerung wieder erwacht waren und von denen er sich hatte bethören lassen. Ist es möglich! Er schämt sich vor sich selbst. Aber das Mahl neigt sich seinem Ende zu und während der Diener zum letzten Mal die Bokale mit Champagner füllen, tritt Ruhe ein. Die Gäste fühlen die Müdigkeit der beginnenden Verdauung. Der Träumer sieht nun einen nach dem andern an und alle diese Gesichter haben einen blasirten, befriedigten Ausdruck, der ihn beunruhigt und anwidert. Ein dunkles, unerklärliches Gefühl aber so bitter! Trotzdem erhebt er im Grunde seines Herzens einen Protest gegen diese Befriedigten und und als man sich vom Tischchen erhob, da wiederholte er sich hartnäckig, aber ganz leise: Ja, sie sind in ihrem Recht... Aber wissen sie wohl, daß ihr Lurus auf so vielem Glend aufgebaut ist. Denten sie manchmal daran? Denken sie so oft, als es sein sollte daran? Denken sie überhaupt daran? Und auch er wurde ruhig wie sonst. Druck von Fr. Meyer& Hinkpeter, Hamburg, Rosenstr. 35.