neueste , und rftigen Mr. 43. n vom Eräften ragen. noth Mäd Regen achen? auers hnun eitser m den gehennhüter e Er on der tlichen De Re Surüd ecften, Ben. Dede 1. Jahrg. Hamburg, den 24. Oktober 1891. e Arbeiterin Die Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes. Brgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung#tehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. -Eintracht macht stark Bildung macht frei! 9 vurde, leichte endes Cunden Eiter rteten, en be er das mögen , daß Witte - und Eine eine angniß Land ch eins Redaktion: Emma Jhrer, Belten( Mark). Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenftr. 35. Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Sonnabend. Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer Rabatt. 10 Pf. Direkt per Kreuzband Mf. 1.40. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der„, Arbeiterin"! Der zweite Parteitag der deutsdien Sozialdemokratie tach Aufhebung des Sozialistengesetzes findet zur Zeit, wähend wir diese Zeilen schreiben, in Erfurt statt. Nicht nur die deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen, nicht nur das ganze Deutschland richtet seine Blicke nach Erfurt, nein- ohne Hebertreibung können wir es sagen in der ganzen Welt Dieses ist man gespannt auf das, was der Telegraph, was die welche Beitung von dort berichtet. Dieser Umstand berechtigt die hrung deutsche Sozialdemokratie' zu den größten Hoffnungen, er Wenn rft bu eigt so recht die Bedeutung der Partei. Und das, was für jest, uns so selbstverständlich wie nur etwas ist, die Vertretung risches einzelner Kreise durch Frauen, das wird von unserer bürgertig bu andere lichen Breffe ganz besonders vermerkt. Bei der großen Beund deutung des Kongreffes sind auch wir Willens unseren Leit das lerinnen ein Bild von den Verhandlungen desselben zu geben, auch trotzdem unser Raum beschränkt ist. Für heute bringen wir in Unbetracht dieses Umstandes einen Auszug aus dem Bericht Gefelles Parteivorstandes, während die nächste Nummer das für eg.") usher insere Leserinnen Wichtigste vom Parteitag selbst enthalten bird. Vorher noch einige Worte über die Eröffnung des Frau iun arteitages: türlich en ber Rleider en bret Die Delegirten aus allen Gauen Deutschlands trafen wischen 6 und 7 Uhr in den festlich geschmückten Räumen des Versammlungslokals ein. Der große Saal ist mit rothen mach Schildern dekorirt, auf welchen sich Sinnsprüche unserer Bartei befinden. Von den Wänden flattern rothe Fahnen In den Saal. Von der Decke wallt ein mächtiges rothes Banner in den Saal hinab. Ueber der Tribüne prangt in beithin fichtbarer Inschrift das Wort: Proletarier aller länder vereinigt Euch!" und„ Die Arbeiter sind der Fels, uchuf dem die Kirche der Zukunft aufgebaut werden soll!" Geift Gegen 714 Uhr eröffnet Singer, von allseitigem Beifall Degrüßt, die Verhandlungen mit einer zündenden, kräftigen Schall Ansprache." Wichtige Aufgaben", so führt er aus,„ stehen Greit cht acht. burch! igt! Beift, Dor, and fort dem Parteitage bevor. In Halle, wo wir vor einem Jahre bersammelt waren, hatten wir die Neu- Organisation der Bartei zu schaffen. Diese Neu- Organisation hat sich auf bas Trefflichste bewährt; heute haben wir ein neues ProBramm zu schaffen, welches uns, wie das alte, ein Führer Kampfe, als ein Leitstern zu neuen Siegen voranleuchten oll. Wenn auch die Ansichten der Parteigenossen in einelnen Fragen auseinander gehen sollten, so sind wir doch lle von einem Prinzip beseelt, und die Verhandlungen berden zu einem Ergebniß führen, welches nicht nur der Ehre, sondern auch dem Nutzen und dem Gedeihen der Partei dotsprechen wird. Die Geschlossenheit und Einigkeit der Bartei wird über alle Verleumdungen und Angriffe der Begner erhaben sein. Wir blicken auf Erfolge zurück, wie e keine andere Partei zu verzeichnen hat. Blicken sie auf Wahlen in Baden, sehen Sie auf unsere Erfolge in arf! ht die ag! fchon tay. be # hr 7/79 Die Meinungen und in Sachsen. Unsere wackeren sächsischen Parteigenossen bringen uns drei neue Mandate und 20000 Stimmen mehr als bei den fünfundachtziger Wahlen!( Stürisches Bravo!) Die Genossen, die hier in diesem Saale ersammelt sind, sind sich ihrer Pflicht bewußt. Die Sozialemokratie Deutschlands hat es soweit gebracht, daß die Aufmerksamkeit der ganzen Welt aus diesem Saal ruht. Mögen unfere Gegner mit Waffen kämpfen, mit welchen sie bollen an unserer Einigkeit, an unserem Gefühl der Zummengehörigkeit, an dem Bewußtsein, welches die AusBebeuteten aller Länder zusammenhält, werden ihre Hoffungen fläglich Schiffbruch leiden. aber Wir treten ein für volle Freiheit der Meinungsäußerung, wir verlangen auch, daß jeder Parteigenosse beseelt ist on dem Gefühl, von der Pflicht der Unterordnung. Die Beschlüsse des Parteitages sind zu achten, sie sind die höchste nftanz, welche in unserem Parteileben existirt. 2) 201 wegen nd. 35. Redner schließt mit einem Hoch auf die deutsche, auf internationale Sozialdemokratie, auf das Proletariat Länder, welches stürmischen, begeisterten Widerhall Alex Imbet. Der Bericht des Parteivorstandes liegt den Delegirten gedruckt vor. Wir entnehmen demselben Folgendes: Die vom vorigen Parteitag beschlossene Organisation ift sofort nach Schluß desselben ins Leben gerufen worden. In allen Städten und Orten, wo immer nur in erheblicher Anzahl die Genossen wohnten, sind Vertrauensleute gewählt worden, welche sodann mit der Parteileitung in Verbindung traten und in jeder Beziehung Auskunft, Rath und wo nöthig petuniäre Hilfe für die Agitation erhielten. Es wurden Provinzial- und Landesparteitage abgehalten, in welchen sich die Genossen über die in ihren Bezirken besonders nöthigen Maßnahmen besprachen. In allen diesen Parteitagen wurde die Betheiligung an den Wahlen zur Gemeinde refp. Stadtvertretung, sowie an den Landtagswahlen beschlossen. Ebenso hat die Parteileitung nach ihrem Bericht für lebhafte Agiation, namentlich in den ländlichen Bezirken, Sorge geragen. Diese Agitation ist sowohl mündlich durch Verammlungen, als auch durch eigens zu diesem Zweck veraßte Broschüren geschehen. Außer der allgemeinen Agitation hat die Partei im Laufe des letzten Jahres ihre Kräfte in einer Reihe von Wahlkämpfen zu erproben gehabt. An Reichstagswahlen war die Partei betheiligt bei den Nachwahlen in den Wahlfreisen Würzburg, Sonneberg, Geestemünde, Kaffel, Tilsit und Memel. In allen diesen Wahlkämpfen fiel zwar der Sieg den gegnerischen Parteien zu, aber nicht, ohne daß ihnen unsere Genossen denselben fauer genug machten. In Sonneberg verdanken die Freisinnigen ihren Sieg nur der Unterstützung der Nationalliberalen und dem weiteren Umstande, daß noch auf Grund alter Wählerlisten abgestimmt wurde. In Kassel gingen schließlich Freisinnige, Konservatve und Antisemiten einträchtig Hand in Hand, um dem Nationalliberalen zum Mandat zu verhelfen. Es zeigte sich hier die eine reaktionäre Masse" in hellster Beleuchtung, und selbst ein angesehenes Organ der Linksliberalen meinte von diesem Bündnih, es wäre die politische Unsittlichkeit in der Potenz, wenn es nicht der einzige vernünftige Ausweg gewesen wäre." Vernünftig Jm Monat. 1890. Oktober " " natürlich vom Bourgeoisstandpunkt aus, welcher in klassenbewußten Arbeitern den Todfeind sieht, zu dessen Bekämpfung sich im gegebenen Falle selbst Eugen Richter und Böckel die Hand reichen, wobei Stöcker den Segen dazu gibt. Bei den Wahlkämpfen im XIX. hannöverschen Wahlfreise und in den Kreisen Tilfit und Memel war die Mög= lichkeit eines Wahlfieges für uns von vornherein ausschlossen. Wenn die Partei im ersteren Kreise doch erhebliche Anstrengungen machte, so geschah dies speziell in Rücksicht darauf, daß dort der gewesene Reichskanzler Bismarck sich um das Mandat bewarb und in dem Falle die Partei- Ehre es gebot, Vater des Ausnahme- Gesetzes gegen die Sozialdemo fratie" den Sieg so schwer als möglich zu machen. Dieser Zweck ist auch vollständig erreicht worden, daß der von bezahlten oder überspannten Speichelleckern als„ größter Staatsmann aller Zeiten" gefeierte Reichstanzler a. D. erst in der Stichwahl, und zwar gegen den von unserer Partei aufgestellten Bigarrenarbeiter" zum Mandat gelangen konnte. Die Wahlen in Tilsit und Memel brachten für unsere Kandidaten einen so bedeutenden Stimmenzuwachs gegen die letzten allgemeinen Wahlen, daß das Geschwätz der Gegner vom Rückgange der Sozialdemokratie" von da ab elend verstummte. Sehr beachtenswerthe Erfolge hat die Partei in verschiedenen Ländern bei den Landtagswahlen erzielt. Im Großherzogthum Hessen sind die beiden Mandate in Mainz bei der Neuwahl behauptet und ein weiteres Mandat im Landbezirk Offenbach dazu gewonnen worden. Ebenso sind Size durch unsere Genoffen in Baden und Meiningen erobert worden, so daß auch in Landesvertretungen dieser Staaten zum ersten Male Genossen unserer Partei eintreten. Daß diese Erfolge erzielt wurden und der Boden für neue weitere Erfolge vorbereitet ist, das verdanken wir in erster Linie der unermüdlichen Thätigkeit unserer Genossen allerwärts. Soweit aber die Parteileitung dazu beitragen fonnte, hat sie es an Unterstützung nicht fehlen lassen, wie die Genossen aus dem nachstehenden Kassenbericht ersehen, in dem unter den Ausgaben diejenigen Posten, welche der Agitation dienten, den Löwenantheil einnehmen. Kassenbericht. A. Einnahmen der Parteikasse vom 1. Oktober 1890 bis 30. September 1891. Von gesammten Einnahmen entfielen auf November Dezember 1891. Januar |! Ins gesammt " " Februar März Mart Pf. 12118 75 28547 6859 31341 10 5807 05 " 1 April. Mai " " Juni. " Juli 9042 55 23920 25 12929 25 15900 85 30519 80 11 August. 31940 15 Freiwillige 3insen Beiträge Mart f. Mark$ f. 10972 50 406 55 18046 50 549 10 6361 50 472 50 19920 45 1998 65 5342 05 360 8617 55 11501 70 10832 95 13140 85 18775 45 31915 15 SchriftenUeberschuß Ueberschuß bes, Borwärts" Mart ẞf. 538 20 Mark Pf. NüdVermischte Ein- zahlung von nahmen Darlehne Mart Pf. Mart Kassenbestand Pf. Mart| Pf. 201 50 7184 20 300 9951 40 9097 100 71 30 735 " September 11111 25 25 30 75 425 8141 55 2000 4177 25 2025 2025 25 525 9719 35 223 866,60 Mk. 14940 85 13418 35 997 50 1223866| 60| 168845| 00| 5690| 601 838| 20| 38909| 30| 231| 50| 9352| 00| 7184| 20 Rassenbestand am 1. Oftober 1890 7 184,20" 231 050,80 Mt. B. Ausgabe der Parteikasse vom 1. Oftober 1890 bis zum 30. September 1891. Von den genannten Ausgaben entfielen auf: Schriften pпaq Darlehne BolksJm Monat Ins gesammt UnterProzeßund Ver= " " " 1890 Oftober November Dezember 1891 Januar Februar März " April. Mai " Juni 350 1790 70 " " Juli 148 1597 800 Algemeine ftügungen GefängAgitation nißtoften 6194190 1208 301 1406 50 600 6286 5 557 50 253 45 2500 50 1120 12768 25 915 1268 75 3920 40 61 10 2050 500 1653 14345 65 813 50 368 2648 75 600 4000 17212 45 665 736 40 3463 50 2840 10 3100 21638 50 662 519 55 1045 40 2178 5 1500 12045 55 700 98 95 1897 40 50 8553 1064 504 5 2243 6147 50 540 12611 55 727 Wahl- ReichsVer Zuschuß Zuschuß Agi tation tags= toften waltungsAusgaben mischte Aus für Gazeta Robotfür Elsaß Lothring. gaben nicza zeitung 137 1950 401717 60 1000 75 1663 40 2 150 1052 85 1833 50 2400 4000 175 4702 1900 502 60 3200 1232 40 2900 1566 80 12 000 400 1500 1041 95 2200 1116 8050 2000 300 219 60 " August 1425 30 906 30 6360 1034 65 300 600 " September 20 1258 80 300 300 11 1111181 811 1 1111111111 6677 80 1485 899 80 2657 30 129 40 10468 65 1412 800 40 6309 45 68 134949 85| 10749-15987| 35| 31479| 90| 8446| 65| 15706| 60| 745| 16852| 30| 52-12556212776| 45| 16602 60 Dazu kommt Ausgabe für Kapitalanlage Kassenbestand am 30. September 1891 *) Darunter 10 000 Mt. Raution, die nach Landesgefeg zu leisten war. 134 949,85 94 080,95 2 020, 231 050,80 Das erste und wichtigste Agitationsmittel ist die Presse. Die Zahl der periodisch erscheinenden sozialdemokratischen Organe und der Gewerkschaftsblätter zeigt nachstehende Zusammenstellung für das 4. Quartal 1891, welche gleichzeitig den Stand der Parteipresse zur Zeit des Halle'schen Parteitages angiebt. Es erscheinen: Politische Blätter: 1891 1890 Wöchentlich sechsmal 27 19 dreimal 26 25 " zweimal 6 6 10 60 " " einmal 10 Zusammen 69 J Dazu eine wöchentlich einmal erscheinende wissenschaftliche Revue„ Die neue Zeit." sowie ein ebenfalls wöchent lich erscheinendes Unterhaltungsblatt Der Gesellschafter" und zwei alle 14 Tage erscheinende Wigblätter Der wahre Jakob" und„ Der süddeutsche Postillion". Gewertschaftsblätter. 1891 1890 " gebracht, daß die niedere Frau" selten etwas anderes als Induftriearbeiterin sein kann. Aber davon will Frau Löper aber mais nichts wissen. Sie hat es sich in den Kopf gefeßt, aus der Arbeiterin eine Hausfrau zu machen und verlangt hauswirthschaftliche Fortbildungsschulen, deren Besuch für alle der Volksschule entwachsenen Mädchen obligatorisch( verpflichtend, gezwungen) ist. Natürlich wird der Unterricht nicht am Tage stattfinden können, denn da müffen ja die Mädchen, die vom 14. Jahre an in die Fabrik gehen, arbeiten, um dem Unternehmer Geld zu verdienen und sich selbst das Leben zu fristen. Also wahrscheinlich des Abends, wenn sie müde aus der Fabrik kommen und sich am liebsten schlafen legen möchten. Da werden dann die Mädchen lernen, wie man mit Wenigem auskommt. Man wird ihnen allerlei von der Sparsamkeit diftirte Küchenrezepte beibringen, die sich sehr hübsch in der Ehe verwerthen Laffen, immer vorausgesetzt, daß sie in der Ehe überhaupt Zeit haben, ihre Küche zu benuzen und das Effen selber zu tochen, statt es in der der Fabrik benachbarten Volksküche einzunehmen. Beinahe komisch wirkt es, wenn Frau Löper erklärt, die besser fituirte Frau müsse ihrer armen, ungebildeten MitWöchentlich dreimal numinischeſter mit ihrer größeren Erfahrung zur Seite stehen. Die zweimal 26 Monatlich dreimal 4 " " 17 2 20 4 2 42 zweimal 20 einmal Zusammen 55 Wie viele Opfer auch persönlich und materiell gebracht werden mußten, das Eine steht fest: Alle die Gefängnißstrafen, welche Agitatoren und Redakteure erdulden mußten, alle die Kosten die gedeckt werden mußten, sie haben zur Kräftigung und Stärkung der Partei beigetragen. Die Frauen und und Mädchen des arbeitenden if Volkes haben kürzlich wieder einmal die zum allergrößten Theile nicht arbeitenden Damen" der Bourgeoisie beschäftigt. " " Auf der Ende September in Dresden abgehaltenen General versammlung des Allgemeinen deutschen Frauenvereins", mit welcher diesmal ein Allgemeiner Frauentag" verbunden war, sprach unter Anderen Frau Löper Houffelle( Baden) über das Thema: Wie wirken wir am erfolgreichsten auf die Frau aus dem Volke?" Die Rednerin betonte, wie wir aus einem uns vorliegenden Bericht ersehen, die Wichtigkeit, der Frau der ärmeren Klaffe zu einer Erhöhung der Lebenshaltung zu vers helfen; dies sei ein Beitrag zur Lösung der sozialen Frage. Die besser fituirte Frau habe die Pflicht, der armen, ungebildeten Mitschwester mit ihrer größeren Erfahrung zur Seite zu stehen; die Armuth sei häufig nur durch den Egoismus der besseren Stände erzeugt. Die niedere Frau müsse besser für ihren Beruf vorgebildet werden. Rednerin forderte obligatorische hauswirthschaftliche Fortbildungsschulen im Anschluß an die GemeindeSchulen. 11 Bemerkenswerth ist an diesen Ausführungen zunächst das Geständniß, daß die Armuth häufig nur durch den Egoismus der besseren Stände" erzeugt ist. Wir stimmen dem vollkommen zu und freuen uns, daß sich die Erkenntniß der wahren Ursachen der Noth endlich auch in den Reihen der Besitzenden Bahn zu brechen scheint. Es ist nur ein folgerichtiges Ergebniß dieser Erkenntniß, wenn die Rednerin dann weiter betont, daß die Befizenden die Pflicht hätten, den Besiglosen zu helfen. Es fragt sich nun, wie das geschehen soll. Da ist es nun wieder bemerkenswerth, daß Frau Löper es für das Wichtigste hält, der Frau der ärmeren Klasse zu einer Erhöhung der Lebenshaltung zu verhelfen. Aber hier läßt sie mit einem Male ihre Einsicht im Stich. Sie macht den bekannten Trugschluß, in der Erhöhung der Lebenshaltung ein Mittel zur Lösung der sozialen Frage zu erblicken, während umgekehrt die Lösung der sozialen Frage das alleinige Mittel zu einer wirksamen Erhöhung der Lebenshaltung und zur Schaffung einer menschenwürdigen Eristenz ist. Es ist wieder nur ein folgerichtiges Ergebniß dieses Jrr= thums, wenn die Rednerin, trotzdem sie das Ziel erkannt und " T Damen" der Bourgeoisie haben doch in Wirthschaftsangelegenheiten meist eine geringere Erfahrung, als die Arbeiterinnen, welche vielfach früher Stellungen als Dienstmädchen bekleidet haben. Und wie man mit Wenigem auskommt, wird eine Arbeiterin doch nicht erst von den Hausfrauen der besitzenden Klasse lernen sollen?! Unsere Leserinnen sehen, daß es mit der Erkenntniß der wahren Ursachen der Noth, von der wir oben sagten, daß sie sich endlich auch in den Reihen der Besitzenden Bahn zu brechen scheine, nicht weit her ist. Wir zweifeln gar nicht an dem ehrlichen Wollen der Frau Löper und der anderen Damen, welche Seite können nun Medizin- Aberglauben warnen und von Staat und Gefellschaft verlangen, daß sie den Krankheiten vorbeugen. Der Aerztliche Zentral- Anzeiger" schreibt: " O ige rint es i Und er erbi er h Seit dem Freudentaumel über die Koch'sche Erfindung, der die medizinische Welt, wie das große Publikum in gleichem Maß erfaßt hat, durch den Ausspruch Virchow's und die traurigen Mißerfolge der Injektionen ein so jähes Ende bereitet wurde, traten anerkannte Gelehrte aller Nationen auf, die auf's Bestimmteste glaubten, das Mittel gefunden zu haben, den verheerendsten Feind der Menschheit, den Tuberkelbazillus, zu vernichten und ihn bleibend aus dem menschlichen Körper zu verbannen. Doch weder die Transfusionen mit Ziegenblut, noch Liebreich's vielver sprechendes Cantharidin konnten auch nur annähernd dieses dern heißerfehnte Ziel erreichen. Be soll t, a die it fo nu Nic Ron Degu lere th ung Souten nun diese Enttäuschungen, welche die Bestre bungen bewährter Männer erfahren haben, die gewiß in der besten Absicht, nur leider allzufrüh mit ihren Heilmitteln in die Deffentlichkeit getreten sind, sollen uns diese herben Ent täuschungen davon abhalten, auf der Bahn des Wissens fort zuschreiten, um mit den Fortschritten der medizinischen Wissenschaften auch die Bekämpfung der Tuberkulose fortzu sezen? Das gewiß nicht; aber es ist anzunehmen, daß auch Jahrzehnte nicht genügen werden, um ein Wiittel zu finden, mg das ein so zähes Lebewesen vernichten könnte, wie es der lung Bazillus der Tuberkuloje iſt, der unter so ungünſtigen Lebensbedingungen florirt und sich zu Tausenden vermehrt, ein Mittel, das zugleich für den menschlichen Organismus unschädlich wäre. Lub Die Was sollen wir aber vorläufig thun, um die Tuberku lose, wenn nicht auszurotten, so doch einzuschränken, den abt, leider so hohen Prozentsatz derjenigen, die ihr zum Opfer it v fe F thret Haut heraus. Solange fie fich einmal nicht aus fallen, auf ein möglichst feines Weinimum herabzuſeßen: ret Bourgeoisie bekennen, werden sie es mit ihrer angeblich erkannten Sie Pflicht, den Bestylosen zu helfen, niemals ernst meinen. werden der befiglosen Klaffe immer nur so weit helfen wollen, als das Interesse der befizenden Klasse dadurch nicht geschädigt wird. Daher wollen sie von einer Erhöhung der Lebenshaltung der Besitzlosen durch gerechte Betheiligung an dem Ertrag ihrer Arbeit nichts wissen, und wir haben beispielsweise auch in dem Vortrage von Frau Löper nicht einmal die Forderung einer Lohnaufbefferung für die Arbeiterinnen gefunden, die doch das Elend einigermaßen lindern, wenn auch noch lange nicht beseis tigen könnte. Frau Löper will, ganz wie die Bourgeoisie, zu der sie selber gehört, nur ermöglichen, daß die Frau aus dem Volke" ihr bescheidenes Einkommen möglichst nugbringend verwerthet; erhöht werden soll dieses Einkommen nicht. Das ist an sich ja ganz schön, aber den eigentlichen Vortheil, wenigstens den größeren, hat davon nur die befizende Klasse; denn wenn die Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen beffer" hauszuhalten" verstehen, dann braucht eben weniger Lohn gezahlt zu werden. Frau Löper hat gewiß nicht diesen Nebengedanken bei ihren Wir müssen die sozialen, die gesundheitlichen Verhältnisse ache der Menschheit, ihre Wohnung, ihre Nahrung bessern und damit dasjenige beseitigen, was gleichsam die Grundlage zur in dies beſonders thun, bei der die Tu bei der unteren, unbemittelten Klaffe müssen berkulose die meiſten Opfer internen Abtheilungen an der fordert. Die Statistik auf Wiener allgemeinen Poliklinik, einer Institution, an der nur für die unbemittelte Klasse ordinirt wird, weist nach, daß unter 100 Patienten durchschnittlich 65 an Tuberkulose leiden; sie ist ein Beweis dafür, wie gerade die unteren Schichten der menschlichen Gesellschaft von dieser furchtbaren Erkran fung ergriffen werden, wie sehr diese Krankheit in Wien turr grassirt, wie allzutreffend der Name ,, morbus Vindobonensis" ( Wiener Krankheit) auf sie paßt. Bung übe ha die e un die teru nic Biſc Fellt. fäch ih ellos htha Unt igen en fall Gebt den Leuten bessere Wohnungen und sie werden ge sünder werden! Unter wie ungünstigen Verhältnissen gewisse Klassen, wie Taglöhner, Fabritarbeiter, Handwerter 2c. spe ziell in Wien wohnen( und diese Mißstände sind in allen Städten die gleichen. D. Red.), das Beschreibung. In Ausführungen gehabt; aber daß eine bessere hauswirthschaftliche Augen gesehen haben, das spottet muß man mit eigenen Erziehung der Frauen aus dem Volke" thatfachlich eine Lohnverkürzung zur Folge haben würde, wird sie doch nicht bestreiten wollen? Und ähnlich steht es mit den meisten anderen ,, gemeinnützigen, das Volkswohl fördernden" Bestrebungen der Bourgeoisie. Sie führen in letter Linie immer zu einer Schädigung der Intereffen des arbeitenden Volkes, indem sie es entweder von der raftlosen Verfolgung des Lohnkampfes abziehen oder die politische Aufklärung verhindern. Deshalb muß auch die Frage: Wie wufen wir am erfolgreichsten auf die Frau aus dem Bolke?" beantwortet werden: ,, Am erfolgreichsten, wenn Ihr gar nicht auf uns zu wirken sucht." Das weibliche Proletariat wird seinen Emanzipationskampf wie das männliche und im Verein mit dem männlichen besser durchzuführen wissen, wenn es mit den von der Bourgeoisie ausgeheckten Quadsalbereien möglichst verschont wird. Wir verlangen nur, daß man uns die Bahn frei giebt. Dann werden wir unseren Weg allein zu finden wiffen. Frage. vor Augen hat, dennoch nur auf die bekannten, längst als Die Heilung der Tuberkulose wirkungslos erkannten Vorschläge verfällt. Sie will die ,, niedere Frau" besser für ihren Beruf vorbilden. Für welchen denn? Natürlich für den der Hausfrau und Mutter. Als ob die niedere Frau" überhaupt Zeit hätte, Hausfrau und Mutter zu sein! Die Entwickelung der Industrie in Verbindung mit der Profit: gier des ausbeutenden Unternehmerthums hat es längst dahin Dienftmann 213. Von Heinrich Landsberger. ( Schluß.) He, Dienstmann! Haben Sie Zeit?" Eine näselnde Agrarierſtimme. Es ist ein großer, starker Herr von feudalem Typus und mit einem ungeheuer dicken, aber sehr kurzen Spazierſtock, der unter anderen Umständen für ein ausgebrochenes Tischbein gelten fonnte. Nummer 213 sieht höflich, fast unterwürfig, die rothe Lackmüze in der Hand, zu ihm auf. Rauh weht der Januarwind durch das graue, spärliche Haar. Ich habe eine Besorgung nach der Bülowstraße 37d zweiten Stock... Fräulein Valerie Plocca. Haben Sie ein Blatt Papier? Ich wills Ihnen notiren. Ob fie heute Abend zu Hause ist, hören Sie? Ich warte drüben im Bürgerbräu. Da!" Drei blante Fünfzig- Pfennigstücke. Das war ein Nobler. So sah er auch aus. Eine Mark fünfzig! Natürlich auch für zurück. So was war ihm noch nie paffirt. Das tam ihm gelegen. Er hatte heute noch teinen Pfennig verdient. Ja, ja, die Fräuleins, die Fräuleins! Bülowstraße! Da ging er am besten bis zur Leipzigerstraße und fuhr von dort aus mit dem Omnibus. Der Zeitersparniß halber, denn Zeit ist " - eine Br. soziale Nachstehenden Artikel entnehmen wir dem in Wien erscheinenden Aerztlichen Zentral- Anzeiger". Die hier ausge sprochenen Ansichten haben wir schon früher zum Ausdruck gebracht; es ist erfreulich, daß die Aerzte selbst vor dem eine feuchte Kammer zusammengepfercht, leben Eltern und Kinder, schlafen auf bloßem Stroh, nicht so selten auf einem hartem Brett, denn Bettwäsche und Bettzeug sind schon längst verkauft, um den Bissen Brod herbeizuschaffen, den der kranke Hausvater nicht erwerben kann. An diesen Stätten nistet der Keim, der den Vater befallen und von diesem auf Kind und Kindeskinder vererbt wird. Geräumige und trockene Wohnungen würden den Ge sundheitszustand um Vieles heben, besonders wenn sie regel mäßig gelüftet und gescheuert werden. Der Staub, der in den Straßen der Großstadt sich an häuft, und dessen Urheberin die Granitpflasterung bildet, ist einer der ersten Träger des bösen Krankheitsfeimes, der mit demselben eingeathmet in die Lunge kommt und sich dort, sobald er halbwegs günstigen Boden für sein Fortkommen findet, auch festsetzt. Ben D ist n ch 2 igung aturr erita Fol Ne Ri eyes -Yo der abin 1 den Andererseits ist es hauptsächlich wieder die Nahrung der S armen Leute, die ihren Körper so wenig widerstandsfähig macht. Die ganze Woche kommt kein Bissen Fleisch in ihren Magen, Brod und Kartoffeln, höchstens hie und da ein Stüd " Ar Meines " 97 Regent Fiebens tha v as ger Peralis E I jah biab D Wurst, das noch dazu alt und verdorben ist, bilden ihre einzige Nahrung. Das, was ihnen dann an straft zur beit fehlt, fuchen sie durch übermäßigen Alkoholgenuß ersetzen. Daher die hohläugigen Gesichter, daher die blaffen eingefallenen Wangen, daher die lebenden Gespenster, die ant Hungertuche nagen, bis sie schließlich der tüctischen Krankheit mje Nun faß er oben auf dem Verdeck. So ein hinein waren sie auf dem Polizeiamt zurückgegangen, Bischen Sigen, das that doch wohl. Es war zwar als er seine Konzession nachsuchte. Ob er bestraft set wier etwas feucht, und das war für seine Lunge nicht gut. fragte ihn damals Anno dreiundsiebzig der Polizeihaupt imm Aber drin im Wagen, da kostete es eben zehn Pfennige mann, als er sich um die Konzession bewarb. mehr. Es paßte auch nicht für einen Dienstmann. Wissens nicht, Herr Hauptmann," erwiederte er. Hurtig glitt der Omnibus zwischen dem Wagen er gedient hätte? Ja, vierundzwanzig, in Schleswig achtig gewühle hindurch. Es war noch trüber und grauer bei den Dreiundzwanzigern. In acht Tagen sollte et geworden. Hier und da schwebte drüben auf dem wiederkommen..." Oho, lieber Freund," meinte det nkelr Trottoir über dem Menschenstrom ein Schirm. In Hauptmann. Sie wären nicht bestraft? Haben Sie einigen Schaufenstern blizten bereits die Lichter auf. nicht beim Militär drei Tage Arrest gehabt?" Das Straßenbild, so belebt es war, es fesselte ihn nicht. konnte er nicht leugnen. Nun mußte er den Hergang eficht. Das war er gewohnt. erzählen. Es war zum Glück nicht schlimm. Wäre es aber ein Insubordinationsvergehen gewesen, dan hätte er die Konzession nicht gekriegt. ... Troß der breißig Jahre, die er war. Ja, ja, man mußte sich vorsehen. Darum trank er auch nicht. Wie leicht kommt man einen Rausch davon, und dann hatte jebeth Br Schußmann mitten auf der Straße das Recht, ihm Schild von der Müße zu reißen. Das be das Erst saß er eine Weile so da, dann zog er den Zettel aus der Tasche. Wie war der Name? Seine Augen waren bereits etwas schwach und er buchstabierte Valerie Plocca. Das sah wieder so ausländisch aus. Die Fräuleins hatten meistens so ausländische Namen. Besonders die Vornamen. Auguste oder Karoline oder Pauline hieß keine davon. Plocca, das klang fast wie sein eigener, er hieß Plochow, und Valerie, Valerie.. Ecke der Bülnwstraße stieg er ab. 37d war balb das war beinahe ganz wie Valeska, Valesta Plochow gefunden. Es war ein vornehmes, geschlossenes Gebäude, So hatte seine Tochter geheißen. Es war ihr einziges So hatte seine Tochter geheißen. Es war ihr einziges Er 30g an bem stillen Portier und trat ein. Kind. Aufpassen konnte teins von ihnen auf das prachtvolles Treppenhaus von fast fürstlichem Lurus. Mädel. Wie denn auch? Da ging es denn, wie es Vergoldetes Geländer, Marmorstufen mit einem fauft geht. Eines Abends kam sie nicht nach Hause, die dicken Teppich, ebensolche Wände und Oberlicht. nächsten Tage auch nicht. Er ging zur Polizei, da 23 G Ser. Pruft. ,, w E in al U Pruft arter, Paufe 11 A Geld." Die Pferdebahn mied er grundsätzlich. Erstens erfuhr er's denn... Seitdem hatten sie sich um die Porzellantafel mit der Aufschrift:„ Valerie Plocca, weil sie soviel Haltestellen hatte, und zweitens, weil sie nicht ausweichen fonnte, fie fuhr zu langsam. Uebrigens benutte er den Wagen nur immer auf dem Hinweg, niemals auf dem Rückweg. Da ging er wieder, weil er so doch möglicherweise auf dem Wege einen neuen Auftrag fand. Eine Ausnahme nur war, wenn Jemand auf Antwort wartete, eben wie der Herr. Da fuhr er bei langen Strecken hin und zurück. Die zwanzig Pfennig Fahrkosten brachte ihm so ein Geschäft schon ein. Verlorene nicht mehr gekümmert. Aendern ließ sich das nicht mehr. Hart war es doch, wenn man selber sein ganzes Leben anständig und ehrlich gewesen war. Das mußte er auch. Sonst verlor er seine Konzession. Darum trug er die Kokarde auf der Müge. Das Reglement war so streng, das kleinste Vergehen, eine polizeiliche oder gerichtliche Strafe von mehr als vierundzwanzig Stunden und aus war's. Bis in die Militärzeit Privatiere." Da war es also. Er legte seine Müge auf den Boden. Wegnehmen that die Niemand, Dann klingelte er. Ein paar Augenblicke und ein junges, hübsches Stubenmädchen steckte den Kopf durch die Thür. er das Fräulein sprechen könne?- Sie hätte grade keine Zeit- ob er etwas auszurichten hätte? Antwo tei e Feuer. nal meg solle er im Vorraum so lange warten. Ja, er müsse fie aber selber sprechen. Gut, bann fell Der Opfer fallen. Gebt den Leuten billige, gesunde und ige Nahrung, des Morgens und Abends Milch, sich satt tinten, des Mittags Fleisch, sich satt zu essen, und die ung, erkulose wird sich bei weitem nicht so viele Opfer holen, : in es jetzt der Fall ist. w's ähes Na ge heit, aus die ver tefes stre der n in Ent fortchen tzu auch den, der igen ehrt, mus erfu den pfer zen? niffe und zur ders Tu Und wie steht es schließlich mit den Arbeitsverhältnissen er„ Sklaven der Menschheit?" Physische und moralische erbürdung ermüden ihren Körper und Geist. Der Arr hat heutzutage nicht Zeit zu seiner Erholung, er hat Beit zu seiner Pflege, nicht zur Pflege seiner Kinder. soll eine Mutter, die selbst zum Lebensunterhalte bei t, an der Tag und Nacht der Kummer und die Sorge die Ihren nagt, die sich selbst verkürzt, um es ihren dern zu Gute kommen zu lassen, wie soll eine solche Frau, it so schlecht genährt, gesunde und träftige Kinder ge= n und säugen! Nicht mit Wasser gefüllte, porzellanene Spucknäpfe, nicht Roniferen- Sprit- Apparat, der so und so oft am Tage in egung gesezt wird, oder wie immer diese hygieinischen elereien heißen mögen denen ja immerhin ein gewisser th nicht abzusprechen ist sondern eine allgemeine ung der sozialen und gesundheitlichen Verhältnisse werden Tuberkulose vernichten helfen, und mit der richtigen ung der sozialen Frage wird auch das große Räthsel der ung der Tuberkulose enthüllt sein." anal lol ombatant and mo C wohl nicht zu verwundern. Wir sollten meinen, daß es doch wohl eine ernste Sache ist, wenn die Frauen die Erziehung der Kinder zu leiten haben, ebenso ist die Leitung des Hauswesens wohl auch nicht als Scherz zu bezeichnen und drittens treten im Kampf um's Dasein so ernste Fragen an die Frauen heran, daß eben nur das„ Leipz. Tageblatt" sich zu solchen Bemerkungen versteigen kann. Troßdem glauben wir ja sehr gern, daß die meisten Frauen jener Kreise, deren Interessen das„,. T." vertritt, wenig Verständniß für ernste Sachen haben mögen. 1 Die Kreuzzeitung" regt sich darüber auf, daß die eigenen Dienstmädchen beim Kaffe und die Kellnerinnen beim Bier schon die neuesten Einfälle der Frau Ihrer zu lesen bekommen" Nun uns war die Aufregung und der Merger der Gegner stets ein Zeichen, daß wir auf dem richtigen Wege find, und auch diesmal dürften wir mit derselben Annahme nicht fehl greifen und fordern daher alle Leserinnen auf, wo sie nur immer mit Dienstmädchen, Kellnerinnen oder überhaupt weiblichen Proletarierinnen zusammen kommen, für die Berbreitung der Arbeiterin zu jorgen. Im Uebrigen besten Dant verehrte fromme" Kollegin! Bur Nothstandsfrage. In Hunderfingen( Württemberg) wurde eine arme Familie wegen Verwendung von Viehsalz statt weißen Salzes im Haushalte um 60 Mt. gestraft. Das Amtsblatt von Mengen" thelt dies zur Warnung" mit. In weiten Kreisen kommt bei Gefängnißarbeit.der brückenden Armuth fein anderes Salz auf den Tisch, als Die sächsische Industrie hat wiederholt Veranlassung abt, über die ihnen durch die Zuchthaus: und Gefängnißit verursachte Ronkurrenz lebhafte Beschwerde zu führen. e Frage ist auch schon wiederholt im Landtage zur ache gekommen, eine bedeutende Besserung in dieser Beung ist aber seitdem noch nicht eingetreten. Aber nicht über die in Sachsen auf diese Wetje gemachte Konkur hat sich die sächsische Industrie beklagt, sondern auch die jenseits der Grenze. Vor Jahren war es die fächund Chemnitzer Fabrikation künstlicher Blumen, welche Der die große Konkurrenz der preußischen Zuchthäuser bei nur erung und Landesvertretung Klage erhob. Diese slagen daß nicht ohne Erfolg gewesen, denn fortan werden in Bischen Gefängnissen tünstliche Blumen nicht mehr herellt. Dagegen hört man seit einiger Zeit in den Kreisen fächsischen Fabrikanten von Blechlactirwaaren über die turrenz der preußischen Zuchthäuser klagen. Weniger h ihre Massenhaftigkeit, als vielmehr durch ihren beiellos billigen Herstellungspreis lastet die Konkurrenz der hthausarbeit auf dem betreffenden Gewerbe so drückend. Miethen von Zuchthaus- ,, Händen" ist für die betreffen Unternehmer um so profitabler, als sie außer durch die gen Löhne auch noch durch die Befreiung von für die en Arbeiter zu leistenden Beiträgen für die Kranken-, all-, Alters- und Invalidenversicherung einen Vorsprung den; chten ran Wien asis" t ge wiffe fpe allen enen In und inem ichon Den iefen Don Ge regel an t, ift mit dort, men die freie Arbeiter beschäftigenden Arbeitgeber haben. ist nicht ausgeschlossen, daß die sächsischen Fabritanten ch Vermittelung der sächsischen Staatsregierung eine Beigung oder wenigstens Beschränkung der empfindlichen aturrenz anstreben werden. Daß die Einsicht des, wilden" erita diefen Dingen gegenüber eine bessere sein muß, geht Folgendem hervor: = New York, 4. Oktober. Gemäß der Bestimmung der Kinley- Bill, wonach Erzeugnisse der Gefängnißarbeit der Einfuhr ausgeschlossen sind, wurden 3 Kisten Papier, hes im Brenzlauer Gefängniß für die Berliner Firma bin und Neye gearbeitet worden war, vom Zollamt in -York zurückgewiesen. Wann werden deutsche Beden die ehrliche Arbeit in solcher Art schützen? Viehsalz. Wenn man bedenkt, daß bei der vorwiegend aus Pflanzen bestehenden Rost, bei welcher Kartoffeln und Brot mit Sauerkraut und Haferbrei in lieblicher Folge wechseln, der Salzverbrauch einer Familie so start sein muß, daß für weißes Salz jährlich 6-8 Mt. Steuer auf die Familie träfe, so begreift sichs leicht, daß der Arme sich an den Geschmack des Biehsalzes gewöhnt, um diese Summe jährlich zu sparen. Daß das Gesetz auf diese von der Noth erzeugte Entbehrung eine Strafe sett, zeigt aufs Neue, daß es in der Abficht unserer Gesetzgebung liegt, daß gerade die Armen besteuert werden, weil es ihrer Viele sind, der Heichen aber wenige. Noth kennt kein Gebot. Allrode, 12. Oftober. Den ganzen Sommer und Herbst hindurch wurden in unserer Feld= mart unausgesezt die frechsten Diebstähle ausgeführt, ohne daß man, trog der größten Wachsamkeit, der Felddiebe habhaft werden tonnte. Sonnabend Nacht gelang es nun endlich einigen Grundstücksbesitzern, drei hiesige Ehefrauen, welche Tragförbe voll Steckrüben und Weißkohl gestohlen und im Walde versteckt hatten, ihrer That zu überführen. Die Hungersnoth in Rußland greift immer weiter um sich. Die russiaen Blätter schildern übereinstimmend das fürchterliche Elend. Die Nowoje Wremja" schreibt:„ In Rußland vergeht tein Jahr ohne einen Nothstand in irgend einer Gegend. Aber Nothstand und Hungersnoth ist zweierlei. Nothstand bedeutet den Bedarf an Getreide, Hungersnoth der Mangel an solchem. In diesem Jahre herrscht positive Hungersnoth. Die Leute ertranfen und sterben vor Hunger. Wir haben noch nie ſo traurige Berichte vernommen, wie jest."- Die„ Betersb. Wiedomosti" berichten, daß in verschiedenen Gegenden 30 Prozent der Felder unbebaut geblieben sind. Die Maßregeln der Re gierung erwecken Unwillen und tros aller Schritte, die geschehen, um die Lage der Bevölkerung zu erleichtern, nimmt die Auswanderung zu. Der Grashdanin" meldet aus dem Nikolas jewskijchen Streise den Gouvernements Samara, daß auch dort fürchterliche Zustände herrschen. Der Anbausaamen fehlt vollständig. In zahlreichen Dörfern bettelt schon ein Drittel der Bevölkerung und von tausend Landwirthen haben höchstens zehn bis zwölf Getreidevorräthe, die für den Winter ausreichen. Vieh, Pferde und Geflügel werden zu unerhörten Preisen veräußert. Es tamen Fälle vor, in welchen Pferde für 80 Kopeten verkauft wurden, für 8-10 Rubel tann man schon ein hübsches Pferd erstehen. 11 berus der bürgerlichen Prelle und für die bür: Durch die in unserem Rachbarlande herrschende Nothlage werden Tähig hren Stüd ihre gerliche Preffe. Mit ernsten Sachen" sagt wörtlich das„ Leipz. Tageblatt" gentlich einer Besprechung des zur Beschichtung des römischen Arebenskongresses einladenden Aufrufs der Schriftstellerin Butha v. Suttner, soll sich eine Frau nicht befassen." genannte Blatt ist Hauptorgan des Leipziger Nationaleralismus. Einen dümmeren Ausspruch haben wir allerdings m je gehört, doch ist es bei der Tendenz dieses Blattes ja affen e am theit gen AS Er war darin aus langjähriger Erfahrung sehr jet, wissenhaft. wienhaft. Was er auszurichten hatte, das richtete immer selber aus. So tam tein Irrthum vor. aupt eines Ob swig In dem Vorraum brannte eine elektrische Lampe. jah auch hier sehr prächtig aus und luxuriös. Der achtige Krystallspiegel allein mochte hunderte werth sein. Da klingte eine Thür und eine schlanke, ganz in ntelrothen Sammet gehüllte Gestalt trat heraus. ,, Nun, Dienstmann, was giebt es?" te er der Sie Das gang Bäre Dann Der fich t be jeber I das balb eficht. ber. Voll flutete jezt das weiße Licht über das hübsche Du Vater!" " Du!" Schweigend sekundenlang standen sie sich gegenSie verwirrt, mit auf und niederwogender Pruft. Er verlegen, unschlüssig, scheu, die Blicke über Boden streifend. Endlich faßte sie sich. Stude Ein rus. Fauft In leine Occa Müge Dann in ,, Man darf Dich hier nicht sehen," flüsterte sie ,, was giebt es?" Es wollte ihm nicht aus der Rehle. ,, Was giebt es? Ich habe keine Zeit. Man wartet auf mich." Und stammelnd, stotternd aus zusammengeschnürter Bruft entrang es sich ihm. fches Db Trade bann ,, Er läßt Dich fragen es war ein großer, arter, feiner Herr ob Du heut Abend zu aufe bist." " 1 Immerfort. Von sieben Uhr. Leb wohl!" An der Thür kehrt sie sich noch einmal um. " Grüß auch die Mutter!" Wieder saß er droben auf dem Verdeck. Die Antwort bringen. Denn die Pflicht vor allem. Die ei Silberſtüde aber in seiner Tasche glühten wie Feuer. Er hatte zwar heute noch nichts verdient, aber nahm sie heraus und klirrend über die Brüstung sprangen fie auf's Pflaster. meg Der Volks- 3tg." wird von der russischen Grenze geschrieben: gar viele Leute zur Auswanderung gezwungen, die sonst gar nicht daran gedacht hättten. Selbst von weit aus dem Innern Rußlands langen allwöchentlich Trupps von 20 bis 30 Personen auf den Grenzbahnstationen an, um jenseits des Ozeans ihr Glück zu versuchen. Es sind meistens arme Leute, die nicht selten ihre lezte Habe um ein Geringes veräußert haben, um nur das Geld zur Ueberfahrt zu erschwingen. Bergebens wird ihnen vor= gehalten, daß sie einem elenden Untergange entgegengehen. Ach was", entgegnen sie stumpf, Arbeit werden wir schon finden; in Rußland yaben wir keine Arbeit." Wer zerstört die familie? " Aus zwei Gegenden Deutschlands werden jezt Unglücksfälle berichtet, die faratteristisch sind für die zerstörende Macht, die das Kapital auf Leben und Glück der Arbeiter ausübt; es vernichtet ihr Familienleben, zwingt Vater und Mutter von früh Morgens bis spät Abends außer dem Hause ihr Brot zu suchen, und wenn Kinder vorhanden sind wer erzieht sie? Wer pflegt und beob achtet sie? Niemand! Sie sind sich selbst überlassen, bleiben allein in der Wohnung und dort gerathen sie nur allzu oft in Gefahren, da feine liebende Mutter über site wachen kann! Die beiden Unglücksnachrichten melden, daß drei Proletarierkinder den schrecklichen Tod durch Flammen fanden! Sie waren allein die Eltern außer dem Hause auf Arbeit, wo sie sich quälten und plagten, um für ihre Kinder Brot zu schaffen und unter: deß kommen die Kleinen elendligich in den Flammen um! T Die eine Nachricht stammt aus dem Braunschweigischen: Auf dem Gutshof im benachbarten Riddagshausen sind zwei Kinder, von denen das Jüngste erst 4 Jahre alt war, in ihren Betten verbrannt. Sie hatten mit Streichhölzern gespielt, während die Eltern auf Arbeit abwesend waren." " Die andere Nachricht kommt aus Neumünster: Lebendig verbrannt. Eine Petroleum- Explosion hat in der Familie des Tuchmachers Tuschte schweres Unglück angerichtet. Während die Eltern auswärts beschäftigt waren, spielten die drei ältesten Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen, in der Küche. Die Küchenthür hatten sie von innen abgeschlossen. Plöglich ertönte ein lauter Knall und darauf ein herzzerreißendes Geschrei. Eine Nachbarin eilte zur Küche und rief den Kindern zu, daß sie öffnen sollten; dies vermochten die Kinder nicht, denn in der Küche brannte die Thür bereits lichterloh. Nun wurde die Thür durch einige herbeieilende Nachbarn eingeschlagen. Ein entseglicher An. blick bot sich den Eindringenden: der älteste, fast zehnjährige Knabe brannte am ganzen Körper, während die beiden jüngeren Geschwister fast unversehrt waren und den brennenden Bruder starr betrachteten. Sofort wurden die an dem Knaben aufzün geinden Flammen gelöscht, doch derselbe war so schrecklich zugerichtet, dab er nach qualvollen Stunden seinen schweren Verlegungen erlag." Die Eltern auswärts beschäftigt die Eltern auf Arbeit abwesend, so lautet in beiden Fällen das„ Motiv" zur That! Und freilich die Eltern sind schuld! Wie könner sie auch ihre Kinder allein lassen! Wie dürfen Kinder auch ohne Aufsicht bleiben?! Die Eltern sind schuld! Wahrscheinlich haben sie nicht den Ministerial- Erlaß gekannt, der den Eltern anempfiehlt, die Kinder geeignete Lesestücke lesen zu lassen, in denen vor dem Spielen mit dem Feuer gewarnt wird! Allerdings Die die vierjährigen Kinder werden noch nicht lesen gekonnt haben, und die Petroleumlampe in Neumünster würde auch ihr Unheil angerichtet haben, wenn der Knabe hundert Geschichten auswendig gekannt hätte, die alle die Warnung enthalten: Spielt nicht mit dem Feuer! Jeder denkende Mensch wird einsehen, welche Ursachen es find, daß diese Kinder so elendiglich umkommen! Noth der Eltern! Die Macht des Kapitals, das seine Sklaven zwingt, sich ihm vollständig preiszugeben, bedingungslos mit Leib und Seele! Eine Wirthschaftsordnung, die es möglich macht, daß Eltern ihre Kinder opfern müssen, daß der Vater nicht der Ernährer der Familie ist, sondern auch die Frau noch den ganzen Tag dem Hause fern bleiben muß eine solche Drd:= nung trägt den Todeskeim in sich, und sie ist es werth, daß sie. zu Grunde geht! In eigner Angelegenheit. Wir lefen im„ Echo" eine Besprechung, welche Aussprüche der Frau Steinbach- Hamburg uns übermittelt, welche die Arbeiterin" betreffen. AR " " Sie erklärte in der Diskussion einer Versammlung: " Daß sie das ganze Unternehmen( die Herausgabe der Arbeiterin") von Anfang an für ein verfehltes Unternehmen gehalten, weil das Blatt in den Kreisen, auf deren Heranziehung es bei der Agitation ankomme, und das seien die ungezählten Schaaren armer Fabrikarbeiterinnen gelesen und verstanden werden müsse, " was wegen des Preises und Inhaltes der Arbeiterin" aber nicht angängig jei. Wünsche man dieses, so müsse die Arbeiterin" ein minderwerthiges Pro duft sein, das Schinderhannesgeschichten und vor Allem jeichte Liebesgeschichten bringe, damit sie den indifferenten Frauen und Mädchen interessant set. Dieses tonne aber doch unmöglich Aufgabe unserer Parteiliteratur sein. Für die aufgeklärten Frauen gebe es in der vorhandenen Arbeiterpresse aber bereits genügend Literatur, für diese bedürfe es ihrer Ansicht nach keine Extrazeitung." Wir meinen, daß es ja Jedem frei steht wie er über die Arbeiterin und deren Grundung denken will, aber es geht doch etwas weit, wenn Jemand, der kaum eine Ahnung haven kann, wie seit Jahr und Tag aus den Kreisen der Arbeiterinnen Wünsche auf Gründung einer Zeitung wie wir schon früher eine solche hatten, im Anfang der 80er Jahre uns zugingen, sich so schroff und absprechend außern kann über einen neuen Versuch, der freilich zufällig nicht um der Hednerin willen gemacht wurde. " " Seit Gründung der Arbeiterin" gingen uns von verschiedenen Seiten aus Deutschland, wie von außerhalb, zujtimmende Aeußerungen von Frauen und selbstständigen Arbeiterinnen zu, welche uns mittheilen, daß ihnen so manche Frage auf wirthschaftlichem wie politischem Gebiet erst vertanolich ist, seit die Arbeiterin" ihnen dieselben zuschneidet. Daß es auch ein ganz Theil noch gibt, die auch diese einfache Schreibweise nicht verstehen, glauben wir gern; eben10, daß Frauen und Mädchen, deren Väter und Männer Sozialisten sind, ein solches Hilfsmittel nicht nöthig haben, weil sie gewöhnt sind, und intelligent genug, eine politische Zeitung zu lesen. Doch darf man die vielen Tausende von alleinstehenden weiblichen Wesen nicht vergessen, die nie im Stande waren, sich eine große Tageszeitung zu halten, welche die Arbeiterin jehr genau lesen. Was den Preis anbetrifft, so haben wir ja oft genug gesagt, daß der Preis erst niedriger werden kann, wenn mehr dafür agitirt werden wird. Ist aber der Inhalt wirklich so unverständlich, dann sollten doch die Genossinnen anstatt nur zu kritisiren, versuchen, es besser zu machen, indem sie mitarbeiten und so jelbst den Ton angeben den sie angeschlagen wissen wollen. Wir sind auch der entschiedenen Meinung, daß auch bei der Haltung der Arbeiterin" das Richtige in der Mitte liegt wie bei allem Anderen. Weder Schinderhannesgeschichten" dürfen wir bringen, wenn wir Frauen und Madchen gewinnen wollen, noch hohe Politit, welche ein bestimmtes wissen voraussetzt, nur einfach alle Tagesfragen auf das Verständniß unserer Frauen zuschneiden, um sie so almälig zum vollen Verständniß hinzuführen. Uno hierbei Frau Steinbach, mögen Sie nur helfen, anstatt leere Kritik zu üben ohne bis jezt bewiesen zu haben, daß Sie es besser machen können. Gewerkschaftsbewegung. Eine Konferenz der Konfektionsschneider Deutschlands findet in Berlin am Sonntag, 25., und Montag, 26. Ottober, im Lokale der Arminhallen, Kommandantenstr. 20, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die wirthschaftliche und Soziale Lage der Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen. 2. Agitation, und wodurch können wir die Konfektionsarbeiter für die Organisation des deutschen Schneider- und Schneiderinnen- Verbandes gewinnen? Bei dem zentralen Charakter, den die Konfektionsarbeit einnimmt, und bei der immer weiteren Ausdehnung derselben ist es nothwendig, daß man sich über einheitliche praktische Mittel znr Bekämpfung der ihr anhaftenden Schäden, namentlich des Zwischenmeister- Systems, klar wird, um so einer vollständigen Degeneration der Arbeiter und Arbeiterinnen vorzubeugen. Es steht zu erwarten, daß eine rege Bethetligung namentlich seitens der Orte erfolgt, in welchen die Konfektion maßgebend it. Kollegen und Kolleginnen, welche an dieser Konferenz theilnehmen wollen, bitten wir, dies bis längstens Freitag, den 23. Oftober, bei einem der Unterzeichneten anzeigen zu wollen. Mit follegialychem Gruß J. A.: P. Reißhaus, Erfurt, Udestedterstr. 8. J. Timm, Berlin, Markgrafenftr. 88. Genua, 6. Oktober. In Ecwiderung auf das Ultimatum der Arbeitgeber erklärten die Gerbergehulfen, sie würden den Ausstand fortsetzen. Die an demselben Betheiligten verhinderten am Morgen die Aufnahme der Arbeit in einigen Werkstätten. Acht Personen wurden infolgedeffen verhaftet. London, 5. Oftober. In zwei großen Werften in Wapping ( Oftlondon) hat ein Massenausstand der unionistischen Dockarbeiter begonnen, welchem sich die Karrner, Matrosen, Heizer sowie die Lichterschiffer und Bootführer auf Weisung ihrer Verbände anschlossen. Der Ausstand ist gegen die fortgejezte Beschäftigung von Nichtunionisten gerichtet und wird sich voraussichtlich auf andere große Werften an beiden Themse Ufern ausdehnen. Zwischen Unionisten und Nichtunionisten fanden heute ernste Steibungen statt, bei denen Blut floß. Starke Polizeimacht ist zum Schuße der Letteren aufgeboten. London, 6. Oktober. Die auf dem Quais von Wapping Ausständigen verhindern jede Arbeit, gleichwohl erklären die Arbeitgeber, daß fie nicht nachgeben werden. Als Grund der zwischen den jetzt Ausständigen und den Arbeitgebern bestehenden Differenz wird angegeben, daß die Arbeitgeber ein dauerndes Arbeiterpersonal für einen Lohn von 30 Shilling die Woche und für den Mann haben wollen, anstatt eines tageweise angenomme nen Bersonals, deffen Wochenlohn 311/2 Shilling betragen würde. Die Tabakarbeiterinnen in Havre haben den Ausstand erklärt; fie verlangen einen Lohnzuschlag von 1 Fr., d. h. einen Gesammtlohn von 6 Fr. Alle Arbeiter der Glashütten, deren Mittelpunkt Carmaur ist, stehen jetzt aus. Vereine und Derfammlungen. Frankfurt a. M. Deffentliche Boltsversammlung für Männer und Frauen. Eine wadere Borkämpferin für die Sache bes Proletariats hatten wir gestern Abend Gelegenheit zu be= grüßen und ihren Worten zu lauschen. Frl. Wabniz aus Berlin, welche sich zur Zeit auf einer Agitationsreise in dem Süden Deutschlands befindet, sprach im Meriansaal über das Thema: Die Frau in der Induftrie". Wir berichteten über dieses Thema schon häufig und können auch des beschränkten Raumes wegen nur den folgenden Zwischenfall, der für die Ge feteskenntniß der Frankfurter Behörden spricht, anführen. Die Rednerin sagte nach einer lebhaften Schilderung der Ausbeutung der Frauen und Kinder etwa Folgendes: Wir haben Rechenschaft abzulegen über solche Zustände; aber nicht vor einer himmlischen Gottheit, das mag alauben wer will, sondern vor unferer Vernunft, unserem Gewissen. Wir glauben, daß einer Staatsregierung nicht darum zu thun sein kann, daß solche Zuftände um fich greifen.( hier erhob sich der über= wachende Beamte und verkündete, daß, wenn die Rednerin so fortfahre, er die Verfammlung auf: Iöfe. Unwillige Zwischenrufe.) Rebnerin fortfahrend: Meine legten Worte waren: Daß es feiner Staatsbehörde barum zu thun fein könne, daß solche Zustände herrschen. merken Sie fich biefelben genau, ich verantworte Alles, was ich gesprochen habe, ich werde mich aber danach richten, daß ich in Frankfurt a. M. und nicht in Berlin bin.( Stürmischer Beifall.) Rednerin be= endete dann ihren Vortrag unter großem Beifall. In der hierauf folgenden Diskussion baten Fran Hoffmann, Frl. Jäkel und Frau Heim, die Worte der Rednerin zu beherzigen und endlich bie Frauen durch die Organisation zu vereinigen. Genoffe Diener brachte die von ultramontaner Seite in Szene gefeßte Bewegung in der Schul- und Frauenfrage zur Sprache und schloß sich im Wesentlichen den Ausführungen der Vorrednerin an. Folgende Resolution wurde mit zur Debatte geftelt: OF Die heute Abend im Meriansaal" stattgefundene öffentliche Versammlung für Männer und Frauen erklärt fich mit den Ausführungen der Referentin einverstanden und beschließt, in Erwägung, bak durch die heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse die Frau gezwungen wird. dem Manne Konkurrenz zu machen, und daß eine Befferstellung der gesammten arbeitenden Bevölkerung nicht erreicht wird, bevor eine völlige wirthschaftliche Gleichstellung beider Geschlechter eintreten wird; in weiterer Erwägung, daß heute noch sehr viele Arbeiter in der Frau ein nicht gleichberech tigtes Wesen erblicken, mit allen Kräften dafür einzutreten, baß solche Vorurtheile beseitigt werden und hier eine lebensfähige Arbeiterorganisation zu Stande kommt." Da sich weiter Niemand mehr zum Worte meldete, so erhielt Frl. Wabnik nochmals das Schlußwort, worin sie den Bildungsbrang ber Arbeiter erwähnte, welcher ganz besonders gegen die Rnüppelgarden eines Jskraut 2c. erheblich absteche. Lebhafte Bravos folgten auch diesen Ausführungen. Hierauf wurde die Resolution einstimmig angenommen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung wurde dem Vorschlage des Genoffen Bertram gemäß eine neungliederige Kommission, bestehend aus sechs Damen und drei Herren, zur Aaitation unter den Arbeiterinnen gewählt. Unter Berschiedenes" tam Genoffe Emmel auf den oben erwähnten Zwischenfall zu sprechen, er verurtheilte das Vorgehen des Polizeikommissars als mit den Gefeßen unvereinbar. Dies ging jedoch unserer Polizeigröße über den Horizont; in seiner ganzen Größe erhob er sich und löste die Versammlung auf. Wie ein Funte ins Bulverfaß, so wirkte die Auflösung. Brausende Sochruie auf die Sozialdemokratie erfolgten und unter Absingen bes bekannten Liebes Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet" verließen die Anwesenden den Saal. Berlin. Die fechfte öffentliche Kellnerinnenversammlung fand in der Nacht vom 9. zum 10. Oktober unter dem Vorsitz der Frau M. Rohrlack statt. Es waren ungefähr 200 Herren und 40 Damen anwesend. Infolge polizeilicher Maßnahme war es den nach 12 Uhr Kommenden nicht möglich, sich an der Versammlung zu betheiligen, obgleich der Raum noch mindestens 100 Personen mehr faßte als anwesend waren. Unter den nicht Bugelaffenen befanden sich viele Kellnerinnen. Dr. Pinn, welcher das Referat übernommen hatte, wandte sich zunächst gegen den bezüglich ber Kellnerinnen in der Volks- Tribüne" gefallenen Ausdruck ,, Lumpenproletariat". Es könne das nur in Bezug auf die Art der Besoldung gemeint sein, und in Bezug hierauf gäbe es keine Lumpenproletarier. Barum nenne man denn die Schauspielerinnen und Konfektioneusen nicht auch Lumpenproletarier, welche vielfach, um sich erhalten zu können, ihren Leib unter irgend einer Form verkauften? Der Redner tritifirte dann die kapitalistische Gesellschaft und speziell die Ausbeutung der Kellnerinnen durch Wirthe, Gäste und Kommissionäre, und meinte, es wäre für die Kellnerinnen beffer, fich einem anderen Berufe zuzuwenden, z. B. dem der Dienstmädchen oder Geschäftsdamen. Vor allen Dingen möge man aufklärend unter ihnen durch Verbreitung von Flugblättern, Broschüren und durch das mündliche Wort wirken. Die Ver allgemeinerung der in einzelnen Restaurants mit Damenbedienung herrschenden Anständigkeit müffe erstrebt werden. An der regen Diskussion nahmen Theil die Herren Suth, Stabernad, Rohr lad, Störenberg, Mantewitsch( cand. phil.), Pötsch, Ritter, Boom, Lippmann, Fräulein Dmoch und Frau Reißner. Herr Suth meinte, der Tag des Todes der kapitalistischen Wirthschaft sei auch der Tag des Todes der Prostitution jedweder Form; eines fei ohne das andere nicht möglich, darum könne es nur das Ziel der Kellnerinnenbewegung sein, die gräßliche Ausbeutung der Kellnerinnen zu beseitigen oder doch zu vermindern. Die Lohnzahlung müsse zu allererst angestrebt werben. Herr Rohrlad war der Meinung, daß es schon einen aroßen Vortheil bedeute, wenn in einem Jahre in der Organi fation ein Dußend Kellnerinnen zu ernsten Kämpferinnen und Agitatorianen herangebildet werden. Frl. Dmoch schilderte aus führlich die im Kellnerinnenberuf herrschenden Uebelstände und meinte, die Kellnerinnen könnten einer Menge gewiffenloser Wirthe durch Denunziation zur Entziehung ihrer Ronzession verhelfen. Der Dienstbotenberuf biete den Kellnerinnen auch feinen Ausweg. Student Mankewitsch, welcher sich als Vertreter des Bürgerthums gerirte, trat dem Referenten und ver= schiebenen Rednern in einzelnen Punkten entgegen, woraufhin ein Theil der Debatte sich wesentlich um die Widerlegung seiner Ausführungen drehte. Gutsbesiger Ritter wollte darüber abgestimmt haben, ob die Versammelten sich auf den Boden der Religion fteller.„ Wir find Christen und dürfen darum die freie Liebe nicht wollen!" rief er aus, als dieses Wort als Inbegriff eines auf bloßer Zuneigung basirenden Rusammengehens von Mann und Weib im Laufe der Debatte gefallen war. Herr Boom war der Meinung, daß das Kellnerinnen- Unwesen nur mit der kapitalistischen Ausbeutung sein Ende nehmen werde. Frau Reißner trat dem Referenten in Bezug auf seine Ausführungen- bie Kellnerinnen mögen Dienstboten werden entgegen. Wenn die Kellnerin mehr gezwungen werde, sich der Prostitution zu opfern, so komme das Dienstmädchen durch die Beschränkung ihrer Freiheiten ebenso wenig zur Aufklärung, als die Dienstboten dazu heranzuziehen seien. Nachdem um halb 4 Uhr ein Schlußantrag angenommen worden, schloß die Borsigende nach einigen ermunternden Worten an die anwesen. ben Kellnerinnen die Versammlung, welche nur einmal durch die Hinausweisung einiger Flegel gestört wurde. In der letten öffentlichen Schneiderversammlung nahmen die zahlreich Erschienenen einen interessanten Vortrag des Ge noffen Roland über„ Robespierre als Staatsmann" entgegen. Wenn man, so führte Redner etwa aus, auch von der tendenziösen Geschichtsfälschung absehe, so bleibe doch die Beurtheilung dieses Helben der Revolution seitens der Historiker immer noch eine sehr verschiedene. Falsch sei es, Robespierre als einen Mann hinzustellen, der aus niederen Motiven die Schreckensherrschaft über sein Vaterland verhängt habe. Redner zeigte an Beispielen, daß wohl selten ein Staatsmann verfönlich so fittenrein und uneigennütig gewefen ist, als Robespierre, und er scheiterte nur, weil er in seinem Streben nach fittlicher Volltommenheit die thatsächlichen Verhältnisse außer Acht ließ.( Beis fall.) Als Delegirte zur Konferenz am 25. und 26. Oktober wurden einftimmig Timm, Rogge und Frau Schwarz gewählt. Sierauf legte Kollege Täterom die Schlußabrechnung der Freien Vereinigung" vor, die von der Versammlung gut geheißen wurde. Durch Abreise mehrerer Restanten usw. war die Erlebigung dieser Angelegenheit etwas verzögert worden. Einer. Einnahme von 103,96 M fteht eine Ausgabe von 107,10 M gegenüber, das Defizit beträgt mithin 3,14 M. Nachdem noch auf das am nächsten Sonntag stattfindende Vergnügen hingewiesen war, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Bewegung geschloffen. Hanan. Eine der größten, imposantesten Versammlungen, die bis jetzt hier stattgefunden haben, war die auf gestern Abend von dem Verband der Gold- und Silberarbeiter einberufene öffentliche Frauenversammlung. Um 8 Uhr war der Saal in der Harmonie dicht von Frauen und Mädchen befeßt, so daß bei Einlaß der Männer menig Raum zum Stehen war, selbst Hunderte von Frauen mußten stehen. Das Lotal hätte noch einmal so groß sein dürfen, es hätte dennoch nicht gereicht alle aufzunehmen, die noch vor dem Hause standen. Nach erfolgter Bureauwahl ertheilte der Vorfißende Frl. Wabniß aus Berlin das Wort zu ihrem Bortrage Die Frauen in der Industrie", welcher lebhaften Beifall fand. Durch das Gedränge entstand Unrube, und begehrten noch sehr viele durch eine Nebenthür Einlaß, weshalb der Vorsitzende die Versammlung auf 10 Minuten vertogte, und die Männer ersuchte, den Saal zu verlassen, was auch geschah. Damit war der überwachende Beamte nicht zus frieden, und wollte die Versammlung schließen. Als ihn der Borsigende belehrte, er habe teine Befugniß zu schließen, löfte er die Versammlung auf. So ihr Arbeiterinnen, jest habt ihr auch gesehen wie Versammlungen aufgelöst werden. Frl. Wabniz hat versprochen, wieder zu kommen und ihren Vortrag weiter zu halten, was mit Freuden allseitig aufgenommen wurde. In Mainz fand am 11. Oktober eine Frauenversammlung statt, in der Frl. Wabniz über die Frau in der Industrie" sprach und die von Männern und Frauen sehr zahlreich besucht war. In fließender Rede behandelte die Rednerin ihr Thema, indem sie die Ausbeutung der Frauen in den verschiedensten Rweigen gewerblicher Thätigkeit und die daraus erwachsenden Schäden erörterte. Die zum Schluß vorgeschlagene Resolution besagt: In Erwägung, daß durch die heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse die Frau gezwungen wird, dem Manne Konkurrenz zu machen, und daß eine Besserstellung der gesammten arbeiten den Bevölkeruna nicht erreicht wird, bevor eine völlige wirthfchaftliche Gleichberechtigung beider Geschlechter eintreten wird; in weiterer Erwägung, daß heute noch sehr viele Arbeiter in der Frau ein nicht gleichberechtigtes Wesen erblicken, beschließt die Versammlung, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß solche Vorurtheile beseitigt werden und eine lebensfähige Organisation zu Stande kommt". Es wurde ein Komite von 5 Frauen zur Bildung eines allgemeinen Frauenvereins eingesetzt, ein Hoch auf die international- revolutionäre Arbeiterbewegung ausgebracht und die Arbeiter Marseillaise angestimmt. Allerlei aus aller Welt. Der wirthschaftliche Niedergang, unter dem gegenwärtig die Arbeiterschaft ganz besonders zu leiden hat, spricht deutlich auch aus einer Statistik, die der Fachverein der Tertilarbeiter in Crefeld über die dortige Sammetfabrikation aufgenommen hat. Nach derselben sind von 2819 Webstühlen bei 28 Firmen nur 1603 im Betrieb. Die frühere Arbeitszeit von 10 Stunden ist wesentlich beschränkt und sogar bis zu 61/2 Stunden herabgezt worden. Das ist die kapitalistische Verkürzung der Arbeitszeit, die den Arbeiter dem Hunger in die Arme treibt. Arbeiterrifiko. In der Zuckerfabrik Watenstedt gerieth eine Arbeiterin mit einem Fuß ins Getriebe und erlitt so schwere Verlegungen, daß man sie nach Braunschweig ins Krankenhaus schaffen mußte. Den preußischen Volksschullehrern soll nach den Mittheilungen der Kölnischen Zeitung" eine bittere Enttäuschung insofern bevorstehen, als die ministeriellen Erhebungen bezüglich der etwaigen(??) Nothwendigkeit einer Gehaltserhöhung wieder eingestellt worden sind. Regierungspräsident v. Tiedemann in Bromberg hat sich ebenfalls einer Lehrerabordnung gegenüber dahin ausgesprochen, daß Mittel zu Es einer Befferstellung der Lehrer nicht vorhanden seien. ist eine alte Geschichte, doch ewig bleibt sie neu!" Wie aus Württemberg berichtet wird, hat soeben ein dortiges Realgymnasium ein Mädchen zur Ablegung des Abiturienten- Eramens zugelassen. Die Kandidatin, Gräfin Maria von Linden, hat das Examen bestanden und also das Recht zum Studium der Naturwissenschaften, der Mathematik oder der neueren Sprachen erlangt, das bekanntlich den Abiturienten der Realgymnasien zuerkannt ist! " Was in Württemberg ohne Erschütterung der Grundvesten des Staatswohls möglich war, wird es vielleicht auch in Preußen fein. Man darf daher gespannt sein auf das Schicksal der Petition, welche der Deutsche Frauenverein Reform" soeben dem preußischen Abgeordnetenhause überreicht hat; diese Petition ist bereits die fünfte, welche genannter Verein zum Zweck der Eröffnung des Universitätsstudiums für das weibliche Geschlecht eingereicht hat! Der Deutsche Frauenverein Reform"( Zentralfiz 3. 3. Weimar) bildet bekanntlich den Mittelpunkt dieser Bestrebungen, welche der Frau das ungeschmälerte Recht auf Bildung erfämpfen wollen; da Br | ein Mädchengymnasium als unerläßliche Vorbedingung fü die Zulassung der Frau zum Universitätsbesuch anzusehe ist, hat genannter Verein beschlossen, die Errichtung eine folchen aus privaten Mitteln in die Hand zu nehmen un fammelt augenblicklich Beiträge zu einem Gymnasiumsfonds Am 20., 21. und 22. d. M. hält der Verein seine dies jährige Generalversammlung in Erfurt ab; die am Abend des 21. stattfindende Sigung ist öffentlich, also jederman zugänglich; auf derselben wird u. a. der Reichstagsabge ordnete Dr. Harmening über die Stellung der Frau nad dem Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuches reden. Londoner Elend und Armenhäuser. Aus London wird die Folgendes mitgetheilt: Am Mittwoch ereignete fich ein felt of other famer Vorgang um die Mittagsstunde, und zwar in de hiteh City, wo das Menschengewühl am stärksten um jene Beit Vor einem großen, prachtvollen Juwelierladen erschienen Die zwei Arbeiter, der eine mit einer Eisenstange, der andere gen mit einem langen Bohrer bewaffnet, und zerschmetterten im wie Nu die großen Spiegelscheiben. Sie blieben ruhig ftehen Da row rührten nichts von den Kostbarkeiten an und ließen sich ohne Ble i Gegenwehr verhaften. Sie sagten aus:„ Wir thaten das in De voller Absicht. Wir zerbrachen die Scheiben, um die Aufbe merksamkeit auf unsere eigene traurige Lage und die unserer sefüg Klasse zu lenken. Es ist für in's Elend gerathene Leute un möglich, die Ausstellung von so strahlendem Lurus mit Rube zu ertragen, oder den Zorn und die Versuchung zu bändigen, F t C 6 einen beim Anblick Senfter gleichsam Hohn lachen in ihrer Fülle von Gold und Edel geftein." Uebrigens wurden 16 Shilling in ihrer Tafhe vorgefunden. Unser Lettes vom Pfandleiher", war die Erklärung. Nichts wurde in den Fenstern vermißt. ist öfters schon vorgekommen, daß Hungerleider Fenster ein Die schlugen und sich ruhig verhaften ließen mit der Erklärung: uß Unsere Armenhäuser werden zur Abschreckung verwaltete fo Wir leiden Noth und wollen lieber die beffere Pflege des Gefängnisses." Eine Frau, die Hungers starb, erkärte vot ihrem Tode, daß sie diesen einer Aufnahme in das Armen haus vorgezogen, und ein alter Mann verübte Selbstmord, auf einem Rettel dasselbe Motiv als Erklärung hinterlassend Wenn eine Familie in's Elend kommt und sie wendet sich an die Behörde um Aufnahme in das Armenhaus, so sie sich der Trennung unterwerfen. Der Vater wird aufge nommen; die Familie bleibt draußen und muß sich wöchent lich einmal im Armenhause einfinden, um ein muß gewiffes Quantum Lebensmittel in Empfang zu nehmen. Dafür muß der Vater im Armenhause täglich Steine flopfen. Dies e folgt alles nach der Theorie", daß solche Abschreckung das beste Mittel sei, um etwaiger Trägheit und erheucheltem Elend vorzubeugen! Charles Dickens hat in seiner Roman figur" Bumble", dem Armenhausportier, diese Praxis derben Zügen geschildert. 900 Na " Fr erf Macht e N 3 in C 11 Die Berliner Volksküchen haben gegenwärtig begreiflicher Weise ihre liebe Noth. Die Lebensbedürfnisse find theuer; nöthigen Ausgaben müffen gedeckt werden; die armen Leute wollen für billiges Geld ihren Hunger stillen und, die Haupts sache nicht zu vergessen, der Ruhm der menschenfreundlichen Voltsküchen- Unternehmer, Frau Lina Morgenstern voran, will glänzen. Sollen alle diese Ansprüche befriedigt werden, so ift das nur möglich, indem man die Größe der gereichten Speise portion so einrichtet, daß jeder dieser Faktoren dabei zurecht tommt, ausgenommen der Magen des Hungrigen. Es klingt auch für den wohlhabenden Bourgeois bezaubernd, wenn er hört daß ein Arbeiter in der Volksküche schon für 15 Pf. eine Ma zeit, allerdings nur eine halbe Portion, genießen fann. a fann man benn für die nothleidende Menschheit mehr thun? Nun muß man sich einmal so eine Portion gegenwärtig ansehen. Die Sorge der Volksküchen- Verwaltung scheint in erster Reihe barauf gerichtet zu sein, daß sich nur ja teiner der Mittagsgäfte den Magen überlabet. Als Kuriosität wurde uns dieser Tage eine Extra Fleischportion eingesendet, die in einer Volksküche für 5 Pfg. gekauft war; gewiß ein geringes Geld hei den heutigen Fleischpreisen. Aber die Menge muß es bringen! Wir haben uns redlich bemüht, das Gewicht dieser Fleischportion festzustellen. Es wog genau 10 Gramm. Ge 8. anla ptm ile Atte C isha orte rage Die anun wie: gegn er 1 rden. Sie Danach kostet das Pfund 2 Mt. 50 Pfa. In jedem Fleischerladen ist aber Schweinebraten Profit bei dem Fleisch allein von etwa 66 Proz. befter Dafür bie ein medu E ter atter batt geir lafti Dualität, der als Ausschnitt verkauft wird, für 1 m. 60 Pfg. pro Bfund zu haben. Legt man diesen Preis als Maßstab für die Fleischportionen der Volksküche an, so arbeitet diese mit einem sollte man meinen, fönnte es ein Nicht- Wohlthätigkeits- Unter nehmer auch thun und die Reklame, die für die Volksküchen in ben ,, arbeiterfreundlichen" Blättern gemacht wird, ist eigent lich nicht recht verständlich. Hoffentlich kaufen doch die Bolts küchen im Großen ihren Bedarf an Fleisch und sonstigen Speise mitteln ein. Es hört sich ja gewiß für eine Hausfrau, in besseren Verhältnissen lebend, täglich für ihre Familie oder einige Pfund Fleisch auf den Tisch bringt, sonderbar genug an, wenn der einzelne Arbeiter, der genöthigt ist, in der Bolts küche zu effen, wegen seiner Fünf- Pfennig- Fleisch- Portion stellungen macht. Allein bei den theuren Zeiten haben armen Leute genau rechnen gelernt und man kann es ihnen he wahrhaftig nicht verdenken, wenn sie aufmerken, ob sie für ihr Geld auch entsprechende Waare, namentlich Nahrungsmittel halten. Wir haben hier über einen einen einzelnen Fall berichtet. Thatsache aber ist, daß Klagen gleicher Art in zahlreichen Fällen laut werden. Die Volksküchen sind aber nicht beffer, wie jebes andere Unternehmen und es muß dem gefliffentlich verbreiteten Wahne entgegengetreten werden, als ob die Arbeiter in ben Volksküchen etwas geschenkt oder im Verhältniß zu den üblichen Marktpreisen besonders wohlfeil erhalten. Nach dem oben ge schilderten Fall ist die Möglichkeit nicht ausgeschloffen, daß vo Aus bie er den Speisevorräthen in den Volksküchen manchmal Etwas in bie ,, unrechte Rehle" geräth. Feste Preise. Sprich ja und nein, und dreh' und deutle nicht; Was du berichtest, sage furz und schlicht, Was du gelobest, sei bir heil'ge Pflicht, Dein Wort sei heilig, d'rum verschwend' es nicht. Zur Saison empfehle die schon bekannt billigen elegant garnirten Damenhüte, zum Preise von 3.50, 5, 7, 9 und 12 M. Dame die Hüte selbst so billig herstellen kann. erbr text, E M gerl ge omm Amer ende onta fr D be be und Mache noch befonders darauf aufmerksam, daß sich keine Modebazar M. Raff Berlin, Spandauerbrücke 14. Toga ge e: beza gend ere ritu 11 Ste gat mi Qu Den Genoffinnen wird diese Firma bei Bedarf befonders empfohlen. D. R. Druck von Fr. Meyer& Hinkpeter, Hamburg, Rosenstraße 85 ung fü zufeher g eine en und sfonds me dies Abend ermann sabge u nad Den. n wird in felt in ber e Zeit Nr. 43. Beilage zur Arbeiterin". Das Gesinde 3engnißbudi. Theorie und Praxis. chienen Die Ungebührlichkeit andere gen Das Dienstmädchen Viktoria K. ist aus Birnacice bei rowo, Provinz Posen, 1864 geboren. Sie ist katholisch diente in Striesen bei Dresden. Sie wird von ihrem otherrn entlassen und erhielt wegen„ Ungebührlichkeit" die hstehend ersichtlichen Dinge ins Dienstbuch geschrieben. um dies gleich vorweg zu erbestand nach Darstellung der K. darin, daß sie ten im wiederholte Titulationen, wie„ Du katholisches Gesindel" fteben „ Du katholische Lügnerin", gesagt haben will:„ Da ohne te ich das Lügen gerade hier gelernt haben." das in Der Reihe guter Dienstzeugnisse, die sich in der K. Dienste Auf befanden, hatte ihr Brotherr aber folgendes Zeugniß unfererefügt: ite un Et Rube ndigen nt, bie Ebel Tafche ar die 3 Viktoria K. diente bei Unterzeichnetem vom 1. Dftober 1890 bis 24. März 1891 als Stubenmädchen. Sie war fleißig und ehrlich, ihr Betragen aber in so hohem Grade frech und ungebührlich, daß sie nach § 96, 1 und 2 der Gesindeordnung sofort entlassen werden mußte. Striesen, den 24. März 1891. ( Unterschrift.) er ein Die K. wandte sich rechtzeitig an den Gemeindevorstand ärung: uß behufs Abänderung des Zeugnisses. Dieser bescheiwaltet. te folgendes ins Dienstbuch: ge bes te vor Irmen tmord, affend et fich o muß aufge öchent Daß die Inhaberin dieses Zeugnisses bei der unterzeichneten Stelle rechtzeitig den Antrag auf Abänderung desselben angestellt hat, wird hierdurch bezeugt. Striesen, den 5. April 1891. ( L.-S.) Der Gemeindevorstand. Clauß. Nach Anrufung der Behörde hatte Untersuchung wegen ewiffes Frechheit“ und„ Ungebührlichkeit" der K. einzutreten. r muß es er g bas heltem Coman ris in eiflicher t; bie Leute Haupts blichen will fo ift Speife suredt erfolgte und ergab die Unwahrheit der vom Brotherrn achten Angaben. Deshalb die zweite gemeindevorstand Notiz im Buche: Auf Grund rechtskräftiger Entschließung der unterzeichneten Stelle ist zu bezeugen, daß die aufgestellten Erörterungen Thatsachen, welche auf das nach dem umstehenden Zeugnisse hervorgehobene freche Betragen schließen ließen, nicht ergeben haben. Striefen, den 23. April 1891. ( L.-S.) Der Gemeindevorstand. Clauß. Gemäß der Verordnung des Ministeriums des Innern 8. September 1842 hatte die Behörde den Brotherrn zu anlassen, die beanstandeten Worte zu streichen. Die Amtsptmannschaft Dresden- Neustadt bestellte die streitenden ile und ward der Brotherr zur Streichung der Worte ingt jatteſt: er hört Ma Wal an? fehen. Tage ,, wiederholt in so hohem Grade frech und", sowie der Schlußworte:„ daß sie nach§ 96, 1 und 2 der Gefindeordnung sofort entlassen werden mußte" shauptmannschaftlich gezwungen. Die stehengebliebenen tte lauten nun: sie wahr fleißig und ehrlich, ihr Reihe agen aber ungebührlich." 8gäfte Die Königliche Amtshauptmannschaft war also der nung, daß dem schuldlosen, durch die ordinärsten zurufe he für bie:„ Du katholisches Gesindel" zu einer schwächlichen utigen gegnung gereizten Mädchen die stehengebliebenen Worte: ungebührlich" in ihrem Fortkommen nicht schaden Sie bescheinigte in demselbem Dienstbuche die erfolgte befter medur wie folgt: haben ftellen. 2 Mt. 0 Pfg. ab für einem Dafür Unter Stüchen eigent Bolts Speife ie ein er rben. tter Hierdurch wird bescheinigt, daß die in dem von Herrn...... aufgestellten, im Zeugnisse ersichtlichen Aus dem Leben. Rein Roman. Es war der Sohn einer angesehenen Familie. Der u, ber gehörte den höchsten Beamtenkreisen an, die war einer altabligen Familie entsprossen. Ja, atte sogar eine alte Tante, die blos deshalb unAuseirathet blieb, um ihre Ansprüche an ein altes genug Bolts en bie Für ihr tel er Fallen Hamburg, den 24. Oktober 1891. Abänderungen bez. Durchstreichungen von Herrn...... in Person ausgeführt worden sind. Dresden Neustadt, am 6. Mai 1891. Königl. Amtshauptmannschaft. J. A.: Graf z. Lippe. ( L.- S) Der Leser wird sich denken können, daß die K. auf das theilweise durchstrichene und, soweit als nicht durchstrichen, noch immer ungünstige Zeugniß keinen Dienst bekam. ,, Man möchte sie gern nehmen", war die Antwort, aber es müsse doch ihrerseits nicht alles in Ordnung gewesen sein; etwas Schuld müsse sie doch tragen 2c." Es ist völlig verständlich, daß die Herrschaften an einem derartig korrigirten Atteste Anstoß nehmen und die vielen Eintragungen der Gemeinde- und polizeilichen Behörden verstärken diese Abneigung. Wer die Herrschaften" fennt, wird wissen, wie wenig dieselben mit Dingen und Menschen zu thun haben wollen, bezüglich deren behördliche Einschreitungen nöthig waren. Die seinerzeit vielleicht in bester Absicht erlassene Ministerialverordnung wird in ihrer praktischen Anwendung ein Hinderniß mehr für das betroffene Gesinde, um einen Dienst zu erhalten. Etwas bleibt hängen! Im Leben nehmen die meisten Menschen leider immer an, daß, wer die Polizei anrufen mußte oder diese jemals anrief, doch etwas gemacht haben müsse, was nicht hübsch ist", wie der Sachse sagt. Die ruhigsten, stillsten Menschen, von denen Niemand redet, bezüglich deren nie etwas vorfällt, die„ guten" Bürger sind Allen allezeit die liebsten. Das trifft namentlich auf die Herrschaften im Verhältniß zu ihren Dienstboten zu. Wir halten die damalige Entscheidung der Amtshauptmannschaft, welche die Worte aber ungebührlich" stehen ließ, umſomehr für eine der K. ungerechtfertigt gewordene, als§ 12 der Ausführung der Gesindeordnung, welcher von der Zeugnißausstellung gegenüber gerichtlich bestraftem Gesinde handelt, bereits ausführt:„ Bei kleineren Vergehungen, wenn sie zur gerichtlichen Ahndung gekommen und von Dienstboten abgebüßt worden, ist sich im Zeugnisse so auszudrücken, daß dem weiteren Fortkommen des Dienstboten kein Hinderniß im Wege steht." " Die Viktoria K. aber hatte völlig Erlaubtes und Strafloses auf die Worte: Du katholische Lügnerin" erwidert, war nicht gerichtlich bestraft und mußte dennoch mit einem Visum der Amtshauptmannschaft in die Ferne ziehen, welches ihrem Fortkommen ein Hinderniß war. Das ist die Theorie und die Praxis. Die Praxis fällt immer anders aus. „ S. A" Ein soziales Bild aus der Eifel. Wenig noch von Schienenwegen berührt, mit Recht bemitleidet wegen der Armuth ihrer Bewohner, mit Unrecht verrufen als fahl und öde, liegt die Eifel zwischen Mosel, Sauer und Rhein eingekeilt, durchschnitten von den Bezirksgrenzen der Regierungsbezirke Trier, Koblenz, Köln, Aachen. Selten hört man was aus der Eifel, und wenn dann ist es nichts Gutes. Es ist dann die Noth der ärmsten unter allen Proletariern, die Noth der Landproletarier, welche den Eifel abgiebt. Anlaß giebt, daß sich die Oeffentlichkeit mit dem Volke der Der Sohn der Eifel ist meist ein kleiner Grundbesitzer wenigen Bevorzugten und nur von der Masse sprechen wir, nicht von den wenigen Bevorzugten, der in harter Arbeit der geizigen Scholle die Frucht abringt: Hafer, Kartoffeln, zuweilen noch Flachs und Lein, seltener Weizen, häufiger Buchweizen Hädelsch, Heidekorn). Seine Bedürfnisse sind gering. Giebt es doch noch Striche, wo der Kaffee als Lurus gilt und Kartoffelsuppe, Bohnen- oder Erbsen- oder„ gebrannte Mehlsuppe" die einzige Nahrung sind. Es giebt in der Eifel Geistliche, welche den Eisenbahnen feind sind, welche das Volk der Außenwelt die er selbst als Sohn eines reichen Gewürzkrämers fich weder angeboren, noch auch unter dem Staube der Aften vollständig zu eigen gemacht hatte: Die Mutter aber sagte: Das ist Fleisch von meinem Fleisch. Es 1. Jahrgang. näher bringen würde. Weshalb? Weil der wachsende Verkehr die alte Einfachheit", wie die Noth mit einer überraschend schönen Wendung genannt wird, beeinträchtigen und das Volk, korrumpiren", d. h. an mehr Bedürfnisse gewöhnen und es anderen als den hergebrachten Anschauungen zugänglich machen könnte. Auch von einem Landtagsabgeordneten wird gesagt, daß er aus einer Art Lokalpatriotismus gegen eine Eisenbahnlinie sei, die gerade von den Bauern sehr gewünscht wird. Wohl der bedauernswertheſte Proletar der Eifel ist der Lehrer. Nicht das, was sonst wohl auf den Lehrern reitet, ist es, das den Volksschullehrer der Eifel drückt. Hier ist es die Noth der Bevölkerung, an der er mittragen muß, und für die daher der Lehrer in der Eifel ganz von selbst ein größeres Verständniß hat, als anderswo. Die Lage der Lehrer in der Eifel", so schrieb neulich die Wittlicher 3tg.", frankt an mancherlei Uebelständen. Zunächst machen sich die Folgen des Aspirantenwesens, das früher in der Eifel gang und gäbe war, geltend. Dann ist es die Noth der Eifelbewohner, schließlich sind es die schlechten Gehaltsverhältnisse, die in Folge der herrschenden Theuerung, der geringen Entwicklung des Verkehrs, der Schwierigkeit der Kindererziehung und Versorgung, der Abgeschlossenheit des Landes die Lage des Lehrers ganz besonders ungünstig beeinflussen." Mit Rücksicht auf die Armuth der Eifelgemeinden, um ihnen nämlich die höheren Ausgaben für ausgebildete Lehrfräfte zu sparen, war die Jugend der Eifeldörfer lange Zeit den Lehraspiranten als Versuchsobjekt überantwortet. Ueberantwortet in des Wortes schlimmster Bedeutung. Denn die Jugend konnte von jungen Leuten, die selbst nicht viel wußten, unmöglich viel lernen, und konnte auch zu dem inngen Menschen, der, selbst kaum der Schule entwachsen, ihr Erzieher sein sollte, durchaus nicht mit großer Ehrfurcht aufschauen. Dieses Aspirantenwesen stand bis vor wenig, etwa fünf oder sechs, Jahren in Blüthe. Die Lehrer, welche an die Stelle der Aspiranten getreten sind, erhalten nur ein geringes Gehalt. M 900 baar und eine oft ungenügende Wohnung, während sich sein Budget auf M 1451.65 beziffert, wobei für Brot M 273.75, für Kartoffeln M. 60, für Butter M. 93.60, für Milch M. 182.50 jährlich angesetzt und eine Familie von fünf Köpfen angenommen ist. Es gehört wahrlich ein starker Idealismus dazu", meint sehr richtig die Witttlicher Zeitung“,„ in folcher Lage pflichtgetreu auszuharren." " Die Gemeindevertretungen pflegen jeden Anspruch der Lehrer auf Besserung ihrer Lage einfach zurückzuweisen. Sie denken dabei eben an die Noth, unter welcher die Eltern der Kinder selbst leiden, und die häufig genug eine Steigerung, also z. B. durch höhere Leistungen für die Schule, schon gar nicht mehr erträgt. Wenn" so meint die Wittlicher Zeitung"„ der Staat etwas für die Eifelbevölkerung thun will, so sorge er vor Allem für eine austömmliche Besoldung der Lehrer, für einen Schulunterricht, der höher gehenden Anforderungen entspricht. Er beschleunige den Ausbau des Bahnnetzes; er setze die Dienstzeit herunter, damit die erwachsenen Söhne den Eltern helfen können und nicht die halberwachsenen aus der Schule gehalten werden müssen; er lasse eine größere Berücksichtigung der Militärreklamationen von Kleinbauersleuten Platz greifen, statt daß jetzt eine Reklamation je eher berücksichtigt wird, je höher die Grundsteuer der Eltern ist. Er setze die Grundsteuer für den kleinen Grundbesitz herab und nehme die Schullasten den Gemeinden ab; er sorge für Vermehrung der landwirthschaftlichen Winterschulen, daß die Provinz die Zahl derselben etwa verdoppelt. Er schaffe endlich eine obligatorische Vieh-, Hagel- und WasserschädenVersicherung für den Bauer. Das sind diejenigen Forderungen, welche fürs Erste im Interesse der geplagten Proletarier der Eifel erhoben werden müssen aber genau aber kalt zurück. Hierdurch entflammte sich das Blut des jungen Mannes noch mehr, er wußte sich in ihre Familie einzuführen, er aß des Abends bei ihr Häring und Pellkartoffeln, er gab seine alten Poussaden auf, er schrieb sogar auf eine langersehnte Einladung seiner Balleteuse zu einem gemüthlichen Abend eine ablehnende Antwort, ja, er begann plöglich eine förmlich krankhafte Neigung zur Arbeit zu gewinnen, er wurde der gewissenhafteste Komptoirmensch, kurz, er wurde immer stift nicht zu verlieren, zu dem blos Personen, ihnen he eine zusammenhängende, durch keine Mesalliance sie hatte nur einen Fehler: Sie war keine Geborene," plebejischer, er behandelte sogar den Kellner anständig. rbrochene Reihe von sechzehn Ahnen aufzuweisen richteten, berechtigt waren. jebes eiteten blichen en ges von in bie Er war der einzige Sohn und daher der Liebling Mutter. Die Noth hatte sie gezwungen, zu einem n ben erlichen Beamten herabzusteigen. Aber das Blut geblieben. Auch der Sohn hatte etwas davon abmen. Nur mit Mühe machte er das Einjährigen men, obwohl er bereits mit fünfzehn Jahren ein endeter Junter war. Mit 18 Jahren trat er als ontair in ein Bankhaus; so jung er war, wußte er früh sein„ Haus" elegant zu vertreten; obwohl Offizier, machte er Schulden wie ein ,, Lieutenant," der flotteste Tänzer, rauchte die feinsten Zigarren, der Liebling aller Tingeltangeleusen, ja, er hatte ogar zu einer Pouffade mit einer Dame der zweiten ; St. und teine ff, onders R. Be 35 he im Corps de Ballet gebracht. Die Mutter e: Das ist mein Blut. Der Vater seufzte, aber Dezahlte die Schulden. Aber, aber es ist, als ob das sozialistische Gift epidemisch wirkt. Es war ein junges Mädchen. Es giebt viele junge Mädchen. Das junge Mädchen war schön. Viele junge Mädchen sind schön. Sie war durchaus ehrenhaft, anständig, besaß Verstand und Geist, ihre Eltern besaßen nicht einmal Geld, kurzum, sie war von niedrigster Herkunft. Der junge Mann sah sie. Wo? Unsere Leserinnen aus der guten" Gesellschaft bitten wir, nicht zu sehr die Nase zu rümpfen, wenn wir ein Geschöpf hervorheben, die blos die Tochter eines armen Tischlermeisters war, nicht einmal eines Möbelfabrikanten. Der Vater arbeitete mit einem Gesellen und einem Lehrling, manchmal, und das war meistentheils der Fall, auch ohne Gesellen. Was soll das Geschöpf in dieser Geschichte? Der junge Mann hat eine kleine Pouffade, er hat es dazu, er kann für seine Flamme" was draufgehen lassen, und ihre Eltern können sich geschmeichelt fühlen, daß das dumme Ding von Tochter ein so anständiges Verhältniß" hat. Wozu uns also mit solcher Geschichte ennuyren? Ja jezt kommt eben das Horrible. Das Geschöpf war in einem Modegeschäft. Der junge Mann kaufte dort für seine kleine Balleteuse eine Garnitur. Er sah das Mädchen und wie diese Geschöpfe find wußte Soweit wäre alles gut gewesen, Jugend hat keine das Mädchen und Bend, Jugend muß austoben, noblesse oblige und sie dem jungen Manne in die Augen zu stechen. Das te schöne Weisheitssprüche entschuldigen alles. Der blaue Blut der Mutter, begeisternd für alle ritterlichen ritus der Jugend verfliegt; der liederlichste Kommis Passionen, bewirkte, daß er sich Knall und Fall in das noch immer Geheimer Kommerzienrath, Stadtrath Reichstagsabgeordneter, somit eine Stüge der Gehaft, der Ordnung, mit der Ordnung, Familie und Ehe werden. tröstete sich der Vater; heimlich war er auch auf seinen Sohn, der so vornehme Allüren hatte, Geschöpf verliebte; er bot ihr an, sie nach Hause zu begleiten, fie ins Theater zu führen, er lub sie zum Souper ein, aber man denke sich die Koketterie des Frauenzimmers fie wies ihn höflich( weiß der Himmel, wo diese Geschöpfe die feine Manier herhaben!) Diese Wandlung war im höchsten Grade auffällig. Der Vater des jungen Mannes freute sich zunächst darüber, daß die Mahnbriefe der Gläubiger seines Sohnes ausblieben, ja, daß er sogar løbende Aeußerungen über ihn von seinem Prinzipal hörte, die kluge Mutter aber schüttelte den Kopf. Sie hatte Recht. Es sollte leider nur zu bald bestätigt werden. Man denke sich die jungen Damen werden es für unglaublich halten, es ist wahr, wirklich war eines Tages erklärte der junge Mann( es ist wirklich unglaublich), er erklärte eines Tages seinen Eltern, ( der junge Mann schien verrückt geworden zu sein), er erklärte, daß er die Tischlerstochter heirathen wolle. Zuerst glaubten die Eltern, der Sohn habe einen Fieber. anfall. Wie konnten sie denken, daß ihr Sohn so tief herabgesunken sei, um solcher Verworfenheit fähig zu sein! Der junge Mann aber blieb halsstarrig. Alles Bureden, Bitten, Flehen, ja Drohungen halfen nichts. Selbst die Stimme der Mutterliebe verhallte wirkungslos. Vergebens sagte sie:" Aber, lieber Sohn, stürze Dich nicht ins Unglück. Ich habe ja nichts dagegen, wenn Du das Mädchen liebst. Aber heirathen? Den Schimpf wirst Du doch Deiner Familie nicht anthun." Der Sohn blieb fest. Da sahen sich die Eltern genöthigt, im Interesse der sittlichen Weltordnung, um die Heiligkeit der Ehe und Familie zu behaupten, ernste Maßregeln zu ergreifen. Sie bewirken, daß das wissen wir, daß der Staat nicht ohne Weiteres darauf eingeht. Die Bauern müssen es erst drohend und truzig fordern; es muß ihnen erst eine Organisation gegeben werden. Und das wird nicht ausbleiben." Viel würden die hier vorgeschlagenen Mittel auch nicht helfen. Es sind gründlichere Reformen nöthig, wie sie die Sozialdemokratie zu erlangen bestrebt ist. Frauenftudinm. Ueber weibliche Aerzte in Indien" entnehmen wir einen Artikel der Berliner Schriftstellerin Lina Morgenstern im Leipziger Tageblatt" folgende interessante Darstellung. Das Sklavenleben, welches die Hindufrauen noch vor zwanzig Jahren führten, wurde den Engländern zuerst durch die Missionare entschleiert. Ueberall, wo diese ihre Bekehrungsversuche machten, suchten sie durch den Einfluß der Frauen auf die Bevölkerung zu wirken. Allein in Indien war dies unmöglich, da kein Mann in die Zenanas, Frauengemächer, eindringen, feine Hindufrau Umgang mit fremden Männern haben durfte, mit Ausnahme des Gatten, des Vaters oder des Bruders. Diese Trennung der Geschlechter hat zur Folge, daß Millionen Frauen der Fürsorge des Arztes entbehrten; wurde ein solcher zu einer franken Hindufrau gerufen, so war diese durch einen Vorhang von ihm getrennt; durch eine in diesem angebrachte Deffnung streckte sich ihm ein zarter Arm entgegen, dessen Puls er fühlen konnte; in derselben Weise wurde die Zungenspitze sichtbar, ohne daß Arzt seine Patientin sah. Nur in ganz außerordentlichen Fällen kam es vor, daß man, entgegen der strengen Sitte, den Arzt hinter den Vorhang ließ. Eine zweite war Mrs. Scharlieb, eine in Madras ansässige englische Familienmutter. Nachdem sie ihre medicinischen Studien beendet hatte, ging sie mit ihren Kindern nach London und machte an der dortigen Universität ein so glänzendes Doktoreramen, daß sie die goldene Medaille erhielt. Eine dritte sehr verdienstvolle Aerztin, Miß Nancy Monelle, die zuerst Missionarin war, wurde, von Dr. Balfour in Hydarabat als Hospitalärztin eingeführt, mit wahrhaft fürstlichen Ehren empfangen. Sie war aber auch ungemein thätig. In einem Jahre hatte sie ohne jeglichen Beistand 10,031 franke Frauen und Kinder behandelt. Im Jahre 1882 schrieb Mr. Dr. Hoggan, praktische Aerztin in London, eine Broschüre über die Frauen- Aerztinnen in Indien, welche eine neue Aera in dieser wichtigen Angelegenheit hervorrief. Ein einflußreicher Bewohner der Stadt Bombay schrieb Mrs. Dr. Hoggan, er und seine Freunde wollten ein Kapital aufbieten, um tüchtigen Aerztinnen die Uebersiedelung nach Indien und dort eine gute Eristenz zu sichern, um gratis arme Indierinnen zu pflegen und die geeigneten Frauen dort in Gesundheitspflege und Heilkunde zu unterrichten. Dieses Schreiben wurde in Meetings und öffentlichen Konferenzen vorgetragen und mit Begeisterung aufgenommen. Eine Gesellschaft, die schon längere Zeit sich die Aufgabe gestellt hat, das Band zwischen England und Indien fester zu knüpfen, ernannte ein Komite, welches sich nur mit dieser Frage beschäftigen sollte. Eine Subskription, die in Bombay eröffnet wurde, erzielte bereits am Schluß des Jahres 1883 eine Summe von 125,000 Franks und ein reicher Indier, M. Pestoujee Hormusjé Cama, gab eine Summe von 300,000 M. zur Begründung eines Frauenhospitals. Im November 1884 wurde der Grundstein zu diesem Hospital in Bombay gelegt. Eine Engländerin, die schon mehrere Jahre in London praktizirte und vorhin ihr Doktoreramen glänzend bestanden hatte, Dr. Mary Edith Pechen, ist als Chefarzt dieses Krankenhauses, nach dessen Vollendung eingetreten; ihr zur Seite steht ein weiblicher Assistenzarzt. Die Missionare tamen zu der Einsicht, daß den indischen Frauen nur durch Frauen beizukommen sei. Ihre Gesellschaften stellten sich daher die Aufgabe, intelligente junge Mädchen zu Missionaren auszubilden. Diese schickten sie nach Indien, um die Ungläubigen zum Christenthum zu befehren. Die Missionarinnen, denen es, Dank ihrem Geschlechte, leicht war, in die Frauengemächer zu dringen, wurden mit Wohlwollen von den Indierinnen aufgenommen und Viele von diesen schlossen ein Freundschaftsbündniß mit den barmherzigen Schwestern. Brachten diese doch den ersten Trost, Abwechslung und geistige Erhebung in ihr einförmi ges, beschränktes Leben, von dem europäische Frauen sich faum eine Vorstellung machen können. Die verheirathete Frau hängt von ihrem Manne in schmählicher Weise ab; sie darf sich mit ihm nicht zu Tische setzen, überhaupt in seiner Gegenwart nicht zu sizen wagen. Noch unwürdiger und demüthiger ist die Existenz der Mädchen und Wittwen, deren Entbehrungen, schlechte Behandlung und gesellschaftliche Erniedrigung jeder Beschreibung spotten. Für die ganze weibliche Bevölkerung war es vom höchsten Einfluß, als Miß Beilby von Lucknow nach Punna, einem unabhängigen Staate Zentral- Indiens, zu der Königin Maharana gerufen wurde. Ehe Miß Beilby die Maharana verließ, hatte sie eine wichtige Unterredung mit derselben. Sie schickte ihr Gefolge fort und bat sie, ein Gelübde zu thun. Miß Beilby weigerte sich, ehe sie nicht wußte, um was es sich handle; endlich sagte die Prinzessin:„ Sie reisen nach England, ich wünsche, daß Sie Ihrer Königin mittheilen, ebenso den Fürstlichkeiten und den Bewohnern des Landes, wie grausam die Frauen in ganz Indien während ihrer Krankheit im Frauengemach leiden; wollen Sie mir dies versprechen?" Miß Beilby konnte den Bitten nicht widerstehen. Sobald Miß Beilby zurückgekehrt war, schrieb sie Königin Victoria von Dem, was sie in Indien erlebt hatte; diese gewährte Miß Beilby eine Privataudienz und fagte:„ Einen so traurigen Zustand der Dinge hätte ich nicht vermuthet; den armen Geschöpfen muß geholfen werden." Sie händigte Miß Beilby für die Maharana ein Handschreiben ein und fügte die Worte hinzu:" Wir möchten, daß Jeder wisse, wie sehr wir mit all Denen sympathisiren, die sich bemühen, das traurige Schicksal der leidenden Frauen in Indien zu mildern!" Seit 1874 wurde eine medicinische Schule für Frauen in Madras, Dank den Bemühungen des Dr. Edward Balfour, des Seniors der dortigen Medicinalbehörde, mit drei Studentinnen eröffnet. Eine derselben, Miß Dora White, ein in Asien geborenes Mädchen von englischer Abfunft, bestand die Prüfung mit Auszeichnung. Weibliche Aerzte giebt es zur Zeit in New- York nicht weniger als 150, während in den anderen Staaten der Union wohl noch die doppelte Zahl praktizirt. Einige dieser Doktorinnen haben ein regelmäßiges Einkommen von 2000-4000 Pfund, der gesuchteste weibliche Arzt sogar ein solches von 5000 Pfund( 100,000 Mt.). Mädchen, welches den jungen Mann verführt hatte, aus dem Geschäft entlassen wurde, ihr Vater verlor seine Kundschaft, der junge Mann sollte durch eigene Noth gebessert werden. Von nun an blieb die Börse des Vaters dem Sohne verschlossen. Er suchte sich bei hier fand er die bitterste der Geliebten zu trösten hier fand er die bitterste Noth und konnte selbst nicht helfen. Er suchte Trost und doch die Eltern des Geschöpfes sagten zwar nichts, aber er fühlte doch den geheimen Vorwurf, daß er sie ins Elend gestürzt. Er suchte Zerstreuung, aber er tam auf's Neue in Schulden. Wo er war, Noth und Elend; auf der andern Seite, welche Lockbilder hielt die Mutterliebe bereit! " Der Aberglaube im Menschenleben. auf Abwege, dann rümpfen die Tugendbolde die Nase und bred den Stab über denselben. Und doch trifft zumeist die Reid die Schuld! Auch der Stralauer Patron ist„ Rentier"! " 1 Weibliche Reize werden bekanntlich nicht nur in Kellnerinn fneipen, Tingeltangeln, Spezialitäten Theatern als Locmi verwendet, sondern auch auf Wohlthätigkeits" Bazaren, de Veranstalter auf den Besuch der zahlungsfähigen Lebemän angewiesen sind. Manchmal stehen aber diese die Lüftern anregenden Schaustellungen gar nicht in Einklang mit der, lichkeit der Veranstalter oder dem, idealen" Zweck, zu weld der Ertrag verwandt werden soll, woraus sich dann ein re interessanter Kontrast ergiebt. So beabsichtigt der Berli Hausfrauen- Verein" die Mittel zu der bevorstehenden Präm rung braver Dienstboten" durch ein Herbst, Jahrmarkts: Erntefest aufzubringen. Der Vorstand verkündet darüber ben Zeitungen: Ein Festkomitee von 30 Damen hat Borjo getroffen, daß sich das Publikum in einem Rausche der ami testen Unterhaltungen befinden wird. Die Verkäuferinnen scheinen in National- und Charakterkostümen, beliebte Kün und Künstlerinnen haben ihre Mitwirkung zugesagt, S aller Art werden mit Spiel, Tanz, Gesang und fomischen trägen abwechseln, ein Kranz junger Damen hat seine Mit tung zugesagt." Was soll man sich bei diesen National Charakterkostümen" denken? Doch wohl nichts anderes als in Kellnerinnenfneipen und Tingeltangeln übliche Tracht, die zu kurz und unten nicht lang genug ist. Wir behaupten daß Frau Morgenstern, welche diesen Theil des in Aussicht stellten Amusements so ausdrücklich hervorhebt, damit eine tulation auf die Schaulust der Herren beabsichtigt. Aber in Wirkung kommt ihre Ankündigung auf dasselbe hinaus. die Bourgeois- Jugend diese Ankündigung liest, so wird sie, unwillkürlich an die berüchtigten Reklamezettel der Damenwirt denken und den Festsaal nachher mit ähnlichen" Empfindung betreten wie eine Rellnerinnentneipe. Das wird aber zu Züchtigkeit des„ Hausfrauen Berein". welcher die Züchtigkeit Dienstmädchen belohnen will, schlecht passen. In einer Volksmedizinischen Skizze aus dem steierischen Hochland theilte Arthur Achleitner in einem Feuilletonarartikel der Allg. 3tg." eine Reihe in- eressanter Gebräuche mit, an deren Heilkraft im Steierland unter den dortigen abergläubischen Bewohnern noch heute fest geglaubt wird. Die Zahl der Mittel gegen Krankheiten der Athmungswerkzeuge ist Legion, manche Mittel sind geradezu drastisch, aber je entseglicher sie sind, desto größer ist der Glaube an ihre Heilkraft. Die Apotheker im Gebirge werden um die unglaublichsten Fette angegangen, sie tommen aber nie in Verlegenheit, da sie mit Ernst und Würde das Verlangte immer aus einem Topfe, nämlich mit Schweinefett, abgeben, mag das Gebirgsvolk verlangen, was es will. Frische Graberde spielt bei Lungenkranken ebenfalls eine Rolle. Fische, Vögel und Kazen ziehen das Leiden an", Frösche mit Ameisen in einen Topf gethan bringen Heilung, wenn der ge= quälte Frosch nicht quakt. Auch auf Bäume wird die Abzehrung verpflanzt, indem man Blut des Kranken auf die Wurzeln eines Kirschbaums schüttelt, um den Baum zum Absterben zu bringen. Wenn der Baum eingeht, wird der Kranke gesund. Zwetschen bäume, Hollunderstauden werden hierzu auch gewählt. Köstlich ist ein Gröbminger Mittel gegen Zahnweh, bestehend aus sogenannten Zahnweh- 3etteln", Papierstreifen, auf welchen die Buchstaben L, A, C, S, O, N, I, N, S in brei Reihen geschrieben stehen. Vorerst geheimnißvolle Worte murmelnd, durchsticht der Helfer in Gegenwart des Patienten mit jener Gabel, welcher sich der Kranke gewöhnlich beim Essen bedient, der Reihe nach die verzeichneten Buchstaben, bei jedem den Namen des Leidenden nennend. Die Zettel werden hierauf verbrannt und der Patient muß sich hierauf zur Ruhe begeben, da unmittelbar nach dem Verbrennen der Zahnschmerz heftiger wird, um dann gänzlich zu schwinden. Gegen Magenleiden werden der ländlichen Verdauungskraft entsprechend drastisch wirkende Mittel anwendet. Lebensbalsame( die vielbeliebte Augsburger Lebensessenz wird " Lebens- Vinzenz" genannt), Effenzen, Pillen und Thees finden " massenhaften Absay, ebenso Sennesblätter und Fuchsleber. Das sogenannte Schluchzen( Schnackerl) zu vertreiben, muß man gestohlenes Brod effen. Die Gelbsucht turirt man im Gebirge fast ausschließlich mit Sympathiemitteln, oft der kuriosesten, nicht diskutirbaren Art. Daß der Gimpel, Goldammer, Kreuzschnabel und Kanarienvogel die Gelbsucht anziehen, ist im Volfe eine ausgemachte Sache. Sehr verbreitet ist es, daß eine unerwartete hrfeige ins Gesicht oder eigentlich der Schreck darüber, die Gelbsucht nehme. Unter dem Begriff des Fiebers wird eine Reihe von Krankheiten als Ursache statt des Symptons eines Leidens Die Mutterliebe" siegte, ja sie siegte so herrlich, daß der junge Mann heute bereits der Gatte einer Frau aus guter Familie" geworden ist. Man sagt ihr zwar so Manches nach, aber was schadet das? Er ist zwar nicht ihre erste Liebe, wohl auch nicht die letzte( Lieutenant von X. Y. gehört zu ihren besonderen Günstlingen-in der„ guten" Gesellschaft drückt man ein Auge zu), fie mag zwar bereits etwas verlebt sein, sie hat aber im Salon beim Lampenschein ein besonders interessantes Aussehen, er selbst ist wirklich Kommerzienrath geworden und einer der eifrigsten Verfechter der Ordnung und Moral" und hat erst jüngst eine Rede gehalten gegen die Umsturzideen der Sozialdemokratie, welche Sittlichkeit, Ehe und Familie beseitigen wollen. Ganz hat er freilich noch immer nicht seine plebejischen Fehltritte sich aus dem Kopf schlagen können; wenn er dem Geschöpfe begegnet sie hat sehr gealtert und schlägt er die fesselt tein junges Herrchen mehr Augen nieder. Aber die Moral ist gerettet. Ja, noch herrscht die Sittlichkeit in der guten" Gesellschaft, und die Heiligkeit der Ehe und Familie trotz der Umsturz bestrebungen sozialdemokratischer Agitatoren. ( Sächsische Arb.- 3tg.) bezeichnet. Kreuzspinnen und Heuschrecken bilden beliebte Fieberamulette. Auch das schon den Römern bekannte Zauberwort: Abracadabra wird, auf Bettel geschrieben und dem Kranken umgehängt, nicht verschmäht. Uralt ist der Brauch des Abbetens oder Wendens des Fiebers. So wird über der Zimmerthür ohne Vorwissen des Kranken geschrieben: Fieber bleib aus, i bin nöt z' Haus." Einer Roßkur ähnlich ist bei Deutschlandsberg der Usus, daß sieberfrante Leute Pechöl trinken und dann zum Schwizen in einen warmen Backofen friechen, wo sie bis an die Grenze der Möglichkeit geduldig ausharren. Daß bei solchen Volksmeinungen die Impfung als Teufelswerk bezeichnet wird, darf nicht Wunder nehmen. Im Emsthale verweigerte ein Bauer die Impfung seiner Kinder mit der Bemerkung: Unser Herrgott war a nüt g'impft!" Allerlei aus aller Welt. Welchen sittlichen Gefahren die Kinder der Armen bei ihrem Broterwerbe ausgesetzt sind, lehrt wieder folgendes Vorkommniß die kaum 15 jährige Tochter einer Botenfrau, die seit sechs Jahren Wittwe ist und drei Kinder zu ernähren hat, muß ihrer Mutter in deren schwerem Broterwerbe, beim Austragen von Zeitungen, hilfreich zur Hand gehen. Da die Frau des Abends auch nach Stralau Zeitungen zu besorgen hat, so mußte das Mädchen öfters allein diese Besorgungen machen. Seit längerer Zeit weigerte sich nun das Mädchen, allein nach Stralau zu gehen, insbesondere zu einem bestimmten Kunden dortselbst. Der Grund hierfür lag, wie die Mutter dieser Tage aus eigener Anschauung entdeckte, darin, daß eine dortige Standesperson" dem Mädchen, wie sich weiter herausstellte, schon seit dem Som mer, wenn das Mädchen den Sommergäften in Stralau Zeis tungen brachte, in frivolster Weise nachstellte, es mit Nedensarten belästigte und selbst vor bedenklichen Handgreiflichkeiten nicht zurückschreckte. Die Kinder der Reichen werden behütet und bewahrt vor allen Anfechtungen, die Kinder der Armen sind allen sittlichen Gefahren ausgesetzt. Geräth so ein armes Kind Sonntagsfeier. Von Robert Prut. Was schwebt dort auf des Wohllauts Schwingen Zu mir herüber durch die Luft? Ich hör' es rauschen, hör' es klingen In süßem, morgendlichem Duft: Das ist die Orgel, sind die Glocken Und der Posaunen ernster Klang; Dhorch, sie laden mich und locken Zu einem längst entwöhnten Gang. Sieh', vor der Kirche, welch' Gedränge! Vom Staub des Werkeltages rein, Drängt Alt und Jung in bunter Menge Sich in das Heiligthum hinein. Und hier, in sonntäglichem Kleide, Den Kranz in glattgestrich'nem Haar, Gesenkten Aug's, doch Augenweide Der Jungfrau'n wunderholde Schaar. Sie gehen all' mit leisen Schritten, Erwägend ihres Herzens Noth, Sie wollen beten, wollen bitten Um Haus und Hof und täglich Brod! Daß sich die Krankheit endlich wende, Daß auf dem Feld die Frucht gedeih', Und daß die Arbeit ihrer Hände Mit gutem Zins gesegnet sei. Wahn des Glaubens, süße Stille, In der das Herz sich selbst verlor, Du meiner Kinderwelt Jdylle, Was steigst Du heute mir empor? Und würde mir die Welt zu eigen Und neigten alle Sterne sich: Ich könnte doch mein Knie nicht neigen, Nicht Deine Psalmen rühren mich! Denn andre Glocken hör' ich tönen, Ein anderes Lied steigt himmelwärts, Und anders strömt mit mächt'gem Dröhnen Drommetenklang mir in das Herz: Wir stehen auch gedrängt in Schaaren, Wir Männer, die der Tag erweckt! Doch keinen Kranz in unsern Haaren, Mit Myrthen nur das Schwert bedeckt! Wir glauben auch an einen Morgen, An einen Sonntag hell und licht, Der, blöden Augen noch verborgen, Die Wolken endlich doch durchbricht! Wir beten auch unausgesprochen, ni ba 2 D die fozi bes S D 14. D jaal" jozialbe ichmüc Tuch b Büreau Mary': und da ber Fel werden große Büsten G erfte S tatierte Die L ft ge Beugniß abgelegt worden, Bahlen Genoffer Gruß n Belt werbe machen Außerur orbnung gabe. national tariat a Es ( Salle) mation wurden bambur berg, G De tand vo Di Bewählt Ein Hauch, der unsre Brust durchweht, Ein stummer Schwur, ein Herzenspochen, Und eine That, das ist Gebet! Drum sollt Ihr uns nicht gottlos schmähen, Nennt uns nicht Keter, treibt nicht Spott: Auch hier, wo unsre Fahnen wehen, Der freie Geist ist auch ein Gott! Von allem Finstern, allem Bösen, Von Sklavenketten, groß und klein, Er wird noch einmal uns erlösen, Noch einmal unser Heiland sein. Laßt denn geduldig, ohne Grollen Uns wandeln auf verschied'nem Pfad: Sei Jeder nur getreu im Wollen, Nur Jeder männlich in der That! Dann Deinen Gläub'gen, Deinen Frommen, Mit Liederklang, mit Schwerterschlag, Dann wirst auch Du uns endlich kommen, Du, unser Sonntag, Freiheitstag! Sinnsprüche. Ob Du wachest oder ruhest, Dente stets, daß Du Dir selbst nicht lebest, Was Du lässeft oder thuest, * * Nie vergiß, daß Du ein Beispiel gebest. Wer mit Schweiß und Blut erkämpfte nur die kleinste * Raums, Ordnung etgesett -7 U De mit Bet telegram Vo Steimant Bäfte w egrüßt. De ericht b er zuerf Bericht Rei Tauscht mit dem nicht, der die Sterne faßt im Nege seines Tra * * * Darum versiegen nie des echten Dichters Lieder. and wi Broße A Macht. Je mehr die Liebe giebt, je mehr empfängt sie wieder Wie sich der Erdschoß nie erschöpft an Luft und Glid Denn Alles, was er giebt, fließt auch in ihn zurüd. Druck von Fr. Meyer& Hingpeter, Hamburg, Rofenftra antwo , daß othwent tennen Canbe f eliquie