1. Jahrg. nd bred Die Reid Unerinn Lockmi ren, de bemän Lüftern der, S zu weld ein re Berli Bran artts: u arüber at Borjo er ami rinnen te Künf t, Sche ischen te Mitm tional res als t, die o Nr. 44. Die Hamburg, den 31. Oktober 1891. Arbeiterin Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden yolkes. Organ aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung fehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. -Eintracht macht stark Bildung macht frei! eft, pott: infte upten ni lusfight Feine S Aber in us. We rd fie ba menwirt apfindung Der zu htigkeit igen Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Redaktion: Emma Jhrer, Velten( Mark). Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenstr. 35. Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer Rabatt. 10 Pr. Direkt per Kreuzband Mt. 1.40. Sonnabend. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin“! Der Parteitag zu Erfurt. Der diesjährige Parteitag war der zweite, welchen die sozialdemokratische Partei Deutschlands nach Eilöschen bes Sozialistengefeßes abgehalten hat. Derselbe nahm seinen Anfang am Abend des 14. Oktober. Die Verhandlungen wurden im ,, Kaiser jaal" geführt, der der Veranstaltung entsprechend mit ozialdemokratischen Emblemen und Inschriften reich geichmückt war. Der Vorstandstisch war mit rothem Tuch bekleidet. Ueber der Bühne, auf welcher das Büreau Plaz gefunden, lesen wir die Worte Karl Mary: Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" und daneben den Spruch Lassalles: Die Arbeiter sind der Fels, auf welchen die Kirche der Zukunft erbaut werden soll." Von der oberen Galerie herab wehten große rothe Banner. Gegenüber der Bühne sind die Gegenüber der Bühne sind die Büsten von Karl Marx und Lassalle zu erblicken. Singer eröffnete namens des Parteivorstandes die erfte Sigung. Er begrüßte die Delegirten und kon tatierte die Geschlossenheit und Einigkeit der Partei. Die Landtagswahlen in Baden, Meiningen und die ft gestern stattgehabten sächsischen Wahlen hätten Jeugniß von der Kraft und dem Wachsthum der Partei abgelegt. 4 Mandate feien gehalten, 3 neue hinzuerobert worden, die Stimmenzahl habe sich seit den letzten Bahlen von 13 500 auf 34 000 erhöht; die sächsischen Genoffen hätten diese 20 000 Stimmen als schönsten Gruß mit nach Erfurt gebracht. Die Augen der ganzen Belt feien wieder auf den Parteitag gerichtet; er berde aber die Hoffnung der Gegner zu Schanden machen und beweisen, daß bei aller freien Meinungsußerurg das sozialdemokratische Prinzip von der Unterordnung der Minorität unter die Majorität noch Geltung babe. Redner schloß mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie und das arbeitende Prole= tariat aller Länder. Es folgte die Vorstandswahl: Auf Vorschlag Grothes Salle) wurden Singer und Kloß- Stuttgart per Attlamation zu Vorfißenden gewählt. Zu Schriftführern burden ernannt: Geyer- Leipzig, Schmidt- München, Blumebamburg, Frohme- Altona, Scholz- Berlin, Dertel- Nürn berg, Emmel- Frankfurt, Hug- Bant, Arter- Stuttgart. Der Parteitag genehmigte alsdann den vom Vortand vorgeschlagenen und bereits veröffentlichten Tagesronungs. Entwurf mit geringen Abänderungen. Die Mandatsprüfungskommission wurde alsdann ewählt und die Dauer der Sigungen auf 8 Stunden eitgefeßt, Vormittags von 9-1 Uhr, Nachmittags von 8-7 Uhr. 15. Oktober, 1. Verhandlungstag. Der Vorfigende Singer eröffnet die Verhandlungen it Bekanntgeben einer großen Anzahl Begrüßungselegramme aus dem Aus- und Inlande. Von Desterreich sind die Genossen Czermak und Reimann eingetroffen, von Holland Vanderhus. Die Bäfte werden von Singer im Namen des Parteitages egrüßt. Der 1. Punkt der Tagesordnung ist der Geschäftsericht des Parteivorstandes. Berichterstatter ist Auer, er zuerst auf den, den Delegirten vorgelegten, gedruckten Bericht verweist. Redner theilt dann erläuternd mit, daß der Vorand wöchentlich zwei regelmäßige Sigungen abhält, die Stoße Arbeitslast habe oft drei und mehr nöthig ge= ines Tracht. Die eingegangenen Briefe seien stets pünktlich ns, er. wieber and Glad zurüd fenftra antwortet worden. Hierbei wies Redner noch darauf n, daß der Vorstand auch jetzt noch für gut und sogar Nothwendig halte, die eingegangenen Briefe zu verder Vernichtung anheim fallen lassen sollten, um sie neugierigen Blicken für immer zu entziehen. Die Regelung der Agitation sei eine schwierige Sache insofern, als durchaus nicht soviel rednerische Kräfte zur Verfügung stehen, als stets gewünscht werden und daher käme es, daß von verschiedenen Orten Klagen einliefen, sie würden nicht berücksichtigt, wenn der Vorstand einmal nicht in der Lage war, Redner zu senden. An Flugschriften ist viel verbreitet und besonders auf das Land gesandt worden. Die Broschüre von auf das Land gesandt worden. Die Broschüre von Liebknecht, Was die Sozialdemokraten sind und was fie wollen," sowie die Rede über Soldatenmißhandlungen" ist in Tausenden von Exemplaren verbreitet worden. 11 " Gesuche um Unterstüßungen zum Bau von Ver sammlungslokalen gingen sehr viel ein, mußten aber alle abgelehnt werden, weil es nicht möglich sei so hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Der„ Vorwärts" hat als Zentral- Organ der Partei große Ueberschüsse geliefert. und fordert nun die Opponenten auf zu beweisen oder zu widerrufen. Freie Meinungsäußerung sei nöthig, für die gedeihliche Entwickelung der Partei sogar er forderlich, aber es handele sich darum, in welcher Form diese gebracht sei. ( Fortseßung folgt.) Ueber das Frauenftadium+) hat sich die neue Zeitschrift" Sozialpolitische Rundschau" ( vom„ sozial- konservativen" Standpunkt schaut die Redaktion sich um!) gelegentlich des Abdrucks eines Vortrages nnseres Freundes und Genossen Bruhns geäußert. Nach einer recht umfangreichen Wiedergabe des Vortrages an der Hand des Berichts über denselben in der Arbeiterin" heißt es dort wörtlich wie folgt: " Den obigen Ausführungen gegenüber möchten wir nur einen Einspruch erheben. Er wendet sich gegen das Frauenstudium. Niemand wird leugnen, daß sich auch unter dem weiblichen Geschlechte geniale Naturen befinden. Diese haben allezeit und überall die nöthige Freiheit gefunden, um ihren Geist zur Entfaltung zu bringen. Ein Genie, daß nicht alle Hindernisse siegreich überwindet, ist eben kein Genie. Andererseits ist ein durch allgemeine Bildung nivellirter Boden feineswegs eine Pflanzstätte genialer Naturen. Die individuell organisirte Gesellschaft zu einem Bildungsniveau erheben zu wollen, ist ein durch und durch kulturfeindliches Unternehmen, denn das Wesen der höheren Bildung ruht auf aristokratischer, nicht auf demokratischer Grundlage. Sodann ist es eine landläufige irrthümliche Ansicht, daß das Volk im Allgemeinen nicht an der höheren Bildung partizipire. Es nimmt zwar nicht in seiner breiten Masse, wohl aber in seinen aristokratischen Elementen daran Theil, eine Thatsache, die mit leuchtenden Farben illustrirt wird, man die Stammtafeln wissenschaftlich bedeutender Menschen verfolgt. Wo der natürliche Bevölkerungsstrom nicht fünstlich zum Stauen gebracht ist, da ringt sich die persönliche Kraft mit elementarer Gewalt aus niederen zu höheren Positionen hindurch. Ist das, wie in unseren Verhältnissen, vielfach nicht mehr möglich, so liegen eben frankhafte Störungen des Volkskörpers vor, die man aber nicht durch allgemeine Bildung, sondern nur durch solche wirthschaftliche Reformen beseitigen kann, welche die niederbesitzt sein Kraftreservoir in jenen Schichten der Gesellschaft, die von der nivellirenden Bildung noch nicht angekränkelt sind. Allgemeine Bildung ist daher gleichbedeutend mit allgemeiner Zerſegung. Was hat unsere Familie mehr ge= bildung? Wenn sich diese noch mehr erweitert, so werden wenn Dem von oppofitioneller Seite in der Partei laut gewordenen Verlangen, die Abgeordneten sollten statt in den Reichstag zur Agitation aufs Land hinausgehen, sei seitens der Parteileitung und der Reichstagsfraktion nicht entsprochen worden, um nicht die Pflichten als Abgeordnete zu vernachlässigen. Auch die Berichte über die Parlamentsverhandlungen bilden ein starkes Agi tationsmittel. Zur Förderung der Landagitation sei tationsmittel. Bur Förderung der Landagitation sei im vorigen Jahre ein Aufruf zur Abfassung von Agitationsbroschüren erlassen worden, infolgedessen eine große Menge von Arbeiten beim Parteivorstande ein, große Menge von Arbeiten beim Parteivorstande ein, gingen, die noch einer Sichtung, Ordnung und Ausgingen, die noch einer Sichtung, Ordnung und Ausarbeitung unterliegen und bald bruckfertig sein werden. Es werde vor allem die Nothwendigkeit eines provinziellen oder gar lokalen Tones für solche Schriften betont. Hier müßten die Landes- und Provinzialkomitees in Bukunft eingreifen und das Fehlende zu beschaffen suchen. Die Parteileitung könne nur mit Gewährung von petuniären Mitteln nachhelfen, was in einer Reihe von Fällen bisher auch schon geschehen sei. Hauptgeschädigt als die höhere Töchterschule und die Pensionswicht sei indessen auf die mündliche Agitation zu legen. Referent gedenkt dann der Wahlkämpfe des letzten Jahres, namentlich der Reichstagswahlen, die, wenn auch nicht zur Eroberung neuer Size führten, doch die Stärke und das Anwachsen der Partei zeigten. I Sehr beachtenswerthe Erfolge habe die Partei in verschiedenen Ländern bei den Landtagswahlen erzielt. Unter den im Rassenbericht enthaltenen Ausgaben nehmen die für die Agitation mit etwa 40 000 M. den Löwenantheil für sich in Anspruch. Die Ausgaben des legten Einnahmen etwa 225 000 M., der Kassenbestand am Jahres betragen überhaupt circa 135 000 M., die 1. Oftober 1881 2020 m. Die Parteipreffe zählt gegenwärtig im Ganzen 69 Blätter( gegen 60 im Jahre 1890), wovon 27 täglich erscheinen; dazu kommen noch 55 Gewerkschaftstäglich erscheinen; dazu kommen noch 55 Gewerkschaftsblätter. Die Sicherung der Existenz der Blätter müsse Sache der Genossen an den einzelnen Orten bleiben. Blätter der polnischen Landestheile( Gazeta robotniza) Erhebliche Zuschüsse habe die Parteileitung nur für die und die Reichslande( Elsaß- Lothringische Volkszeitung) Blätter der polnischen Landestheile( Gazeta robotniza) bewilligt. Die Maidemonstration, des Internationalen Arbeiterkongresses zu Brüssel und der Agitation gegen die Getreidezölle wird dann noch kurz gedacht, und endlich werden im Bericht die unterm neuen Rurs" über die Genoffen verhängten Strafen aufgeführt: Auf im Ganzen 87 Jahre 6 Monate und 25 Tage Gefängniß und auf 18 362,30 M. Geldstrafe belaufen sich diesmal rennen und räth dringend, daß auch die Genossen im die Verurtheilungen. Bande fich die Antworten des Vorstandes nicht als Zulegt verweist Redner darauf, daß eine Broschüre wir in 50 Jahren ein ganz saft- und kraftloses Frauengeschlecht befizen, das zu nichts taugt, als zu literarischen Nippereien und zu einem hohlen, unwirthschaftlichen Retrifft, so stellen wir ganz entschieden in Abrede, daß das präsentationsleben. Was aber die tieferen Fachſtudien beweibliche Geschlecht im Allgemeinen solche betreiben müsse, um seiner ökonomischen Nothlage zu entrinnen. Bis jetzt haben sich diesen Studien vorzugsweise solche weibliche Elemente zugewandt, welche sich den Lurus. einer akademischen Bildung gestatten konnten. Nicht Existenzsorgen, sondern besondere Liebhabereien, Ehrgeiz und Eitelkeit haben sie meistens dazu getrieben. Die Kehrseite der Medaille würde sich sofort zeigen, wenn die ganze geistige Bewegung unserer Frauenwelt in die Bahnen des Brodstudiums geleitet würde. In verhältnißmäßig furzer Zeit hätten wir dann neben dem männlichen auch noch ein weibliches gelehrtes Proletariat, das viel entschiedener in die sozialistische Bewegung eintreten würde, Gesellschaft. Hieraus erklärt sich auch das große Intereſſe, als irgend ein anderes zerseßendes Ferment der modernen welches die Sozialdemokratie für die Frauenbewegung hegt. Nach dieser Probe werden wir öfter Gelegenheit haben, Waffen" für sozial- konservative Geistesstreiter uns umsehen in dieser neuerrichteten Trödelbude von verrosteten ,, geistigen zu müssen, um unsere Freunde und Leser auf dem Laufenden zu erhalten über die gegnerischen geistigen ,, Rüstungen". In den vorstehenden Säßen ist ein merkwürdiger Mischmasch von Treffendem und Unzutreffendem, ein Schwanken und Kompromiffeln, wie es eben unseren Gegnern gemeinlich geht, wenn sie den sozialpolitischen Verhältnissen nahe zu tommen wenigstens den ernstlichen Versuch machen. Reliquien aufbewahren möchten, sondern diese ebenfalls den Delegirten vorliege,„ Die Anklagen der Oppofition" zurückkommmen. *) Den vorstehenden Artikel entnehmen wir dem schreiben und werden gelegentlich nochmals auf die„ S. R." Wähler". Wir können den Inhalt desselben voll unterD. Red. Zunächst ist die merkwürdige Auffassung zurückzuweisen, daß nur geniale Frauen Zutritt zu den höheren Studien haben sollen. Stellen wir etwa dieselben Anforderungen an die jungen Männer, welche studiren wollen? Wer die Gymnasialdressur durchgemacht hat, dem steht die Universität offen. Und das unsere Mittelschulen Genies" bildeten, wird kein Mensch zu behaupten die Dummbreistigkeit besitzen. Zum Defonom war er zu dumm, " Drum thut man ihn aufs Studium. So verhöhnt ein Wissender den Status der Durchschnittsmenschen, welche zu den verschiedenen Nährmüttern der höheren Weisheit, den Universitäten abgehen. Weiter ist die Behauptung unsinnig, daß geniale Frauen „ allzeit und überall die nöthige Freiheit gefunden er nicht üppig und begehrlich wird und etwa an der Herr schaft des Menschen über die Natur, an den höchsten Genüssen und Vortheilen der Kultur mit theilnehmen will. Wer soll denn die Stiefel wichsen?" so hört man es ganz Deutschland durchklingen! " Wenn das Studium saft- und kraftlos macht so thut der einseitige verkehrte Wissenschaftstrieb bei den Männern dasselbe oder ähnliches, wie tausend Beispiele zeigen. Dann reformire man eben den Studientrieb, daß er keine Krüppel mache. Aus welchen Motiven ein Mädchen studiren will, das geht uns nichts an, wenn sie Talent, Neigung und Karakter hat, so soll sie es nach unserer Ansicht eben auch können. So lange die Herren Frauengegner nicht jedem Topf seinen haben, um ihren Geiſt zur Entfaltung zu bringen." Das Deckel und jeder Frau ihren Mann geben, mögen sie nicht Haupthinderniß befürwortet eben unser Herr„ Socialkonservativer", indem er das Vorurtheil gegen das Frauenstudium aufrecht erhalten hilft. Das ist freilich die Hauptthätigkeit aller Konservativen, die abgelebten Vorurtheile zu Gunsten ihres Gesellschaftsideals und ihrer Standes- und Partei- und persönlichen Interessen aufrecht zu erhalten.m Vollendeter Blödsinn ist die schöne Wendung:„ Ein Genie, das nicht alle Hindernisse siegreich überwindet, ist eben kein Genie." Ebenso richtig wäre es, wenn Jemand sagte:„ Ein Mensch, der nicht im luftleeren Raum unter der Luftpumpe leben kann, ist eben kein Mensch." Das Kennzeichen die " Genies ist nach dieser konservativen" Definition also lediglich der Erfolg. Darum werden auch brutale Glückspilze unter den Staatsmännern 2c. so gern als genial ausgegeben. Ueber die aus Mißgunst der Verhältnisse nicht zur Entfaltung gelangten oder in verzweifeltem Ringen zu Grunde gegangenen begabten Individuen schweigt die Statistik, wäh= rend uns die verhältnißmäßig wenigen ausnahmsweise Glücklichen, die uns als Bestätigung des alten, bornierten Satzes entgegen gehalten werden, als Ausnahmen eben nur die Regel bestätigen, daß Einer in der Hauptsache das ist, was die günstigen oder ungünstigen Verhältnisse, Schicksale Einflüsse der Umgebung 2c. aus ihm machen. Der Bocksfuß des Konservativen kommt in dem gleich darauffolgenden Sate recht deutlich zum Vorschein, wo es heißt, daß ein durch allgemeine Bildung nivellirter Boden feineswegs eine Pflegstätte genialer Naturen" sei. Daß eine allgemeinste Zugängigkeit der Bildungsgelegenheiten aber auch jenen ungezählten zu Grunde gehenden Keimen Entwicklungsaussicht böten, ist sicher. Der springende Punkt ist der falsche Begriff: Genie. Wir unterschätzen das persönliche Verdienst solcher Menschen, die außerordentliches erreichen, feineswegs wir stellen aber fest, daß dies gemeinlich überschätzt wird. Wie überhaupt kein Personenkultus bei uns Raum findet, so auch nicht der des Genies. Genies zu„ züchten" ist auch nicht Aufgabe der Erziehungs- und Bildungsanstalten, am wenigsten wollen wir aristokratische Gewalt und Erfolggenies, welche glauben, die übrigen nöthigenfalls mit Blut und Eisen unter sich zusammen treten zu dürfen, Die Gesammtbildung eines Volkes steht nicht auf der wünschenswerthen Höhe, wenn nur die aristokratischen Elemente an der höheren Bildung theilnehmen", sondern dann, wenn jeder das thun kann, den Neigung, Befähigung und Karakter dazu qualifiziren, nicht Stand noch Geldsack. wie das heute der Fall ist mit Ausnahme der Stipendiaten und Bewohlthätigten, die dann meist Einbuße an Eigenart und Selbstständigkeit und Karakterfestigkeit erleiden. ,, Krankhaft" ist uns der Zustand, wo nur Geld- und Standesaristokraten- Sprößlinge sich höhere Bildung leisten fönnen. Das Non plus ultra( das höchste, nicht zu überbietende) an aristokratisch konservativer Anmaßung bietet der Satz:„ Allgemeine Bildung ist gleichbedeutend mit allgemeiner Zersetzung." Das heißt auf gut Deutsch: ein Theil der Nation( und natürlich sind die Beherrschten und Ausgebeuteten damit gemeint) muß ungebildet bleiben, damit Die Prairien Nordamerikas. don dem berühmten natürlichen Beruf des Weibes" quatschen. Der Gipfel des Unsinns iſt es, wenn die Redaktion der ,, Rundschau" meint, wir begünstigten das Frauenstudium in der Hoffnung auf Wachsthum des gelehrten Proletariats, der Hoffnung auf Wachsthum des gelehrten Proletariats, das dann uns zufallen würde. Bekanntermaßen fallen uns auch zahlreiche nicht proletarisirte Gelehrte allbereits zu, ihre Zahl ist größer als öffentlich bekannt ist. Daß wir uns aber über die Verstärkung unserer Reihen nicht ärgern, geben wir ja zu, wiewohl wir doch auch feststellen wollen, daß nicht jeder solche„ Déclassé"( d. i. von seiner Kaste Proletariat würde sicher auch ohne Déclassés fertig werden. Ausgestoßene) ohne weiteres ein Profit für uns ist. Das Wenn die Wissenschaft nicht zu uns kommt, so gehen wir eben zu ihr, und zwar Mann wie Weib! Eine besondere Frauenfrage giebt es für uns auch in den Studienangelegenheiten nicht. Damit holla! Das Muckerthum und die ,, deutsche Tagelöhnerfrau". Die„ Fürsorge" der Bourgeoisfrauen für die Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes haben wir in der vorigen Nummer an der Hand des von Frau Lôper- Housselle ( Baden) auf dem„ Allgemeinen deutschen Frauentag" in Dresden gehaltenen Vortrages über das Thema:„ Wie wirken wir am erfolgreichsten auf die Frau aus dem Volke?" beleuchtet. Die würdige Dame empfahl, die niedere" Frau besser für ihnen Beruf" vorzubilden und obligatorische Haushaltungsschulen im Anschluß nn die Gemeindeschulen zu gründen. Heute wollen wir zeigen, wie dieselbe Frage der„ fördernden Einwirkung auf die Frau aus dem Volke" von einer anderen Seite aus, von Seiten des Muckerthums beantwortet wird. Auf dem„ Deutschen evangelischen Schulkongreß" zu Bielefeld wurde unter anderem auch über das Thema: ,, Die Mutter im Hause, insbesondere als Erzieherin ihrer Kinder", verhandelt. Hauptlehrer Blancke führte, dem Reichsboten" zufolge, aus, dem Hause liege wie der Schule die Erziehung der Kinder ob. Nicht alle Mütter seien rechter Art, so die nicht, welche in Berlin bis Nachts ein Uhr lärmende Frauenversammlungen abhalten, so nicht die zähnefletschenden Weiber, welche Marie Antoinette zum Tode be= gleiteten und sich darüber freuten. gleiteten und sich darüber freuten. Sie hätten den Himmel Sie hätten den Himmel preisgegeben und reklamirten die Erde:„ Macht hier das Leben gut und schön; kein Jenseits giebt's, kein Wiedersehn!" Die Mütter im biblischen Sinne seien die echten. Vom nördlichen Eismeer bis hinab zum Meerbusen von Meriko, im Westen von den mächtigen Felsenge birgen( Rocky Mountains), im Osten von dem waldigen Mittelgebirge der Appalachen( Alleghanies) begrenzt, zieht sich durch ganz Nordamerika ein gewaltiges Thal. Zwischen niederen, waldbewachsenen Ufern gleiten die schl ver ziemlicher Stärke erschienenen antisemitischen Sprengkolonne dur das Signal zu einem wüften Gebrüll gab. Er würde auch Pfl den wiffen, daß in allen anderen Kellnerinnenversammlungen der Lärm von denselben Elementen ausging, den„ chriftlich- germanischen", auch„ christlich- sozial" genannten Antisemiten, welche in den Kellnerinnenkneipen so sehr zu den Stamm fro gästen zählen, daß ein findiger Wirth in Berlin bereits Reklamezettel vertheilen läßt mit der Aufschrift:„ Christlicher Verkehr, Hübsche, deutsche Jungfrauen serviren." Wir hau haben für dieses Pack nur ein Pfui!" Wie sich Herr Blancke dazu stellt, wissen wir nicht. " Nach diesem Jugenderzieher sprach Pastor von Bodelschwingh. In warmer, von Liebe überquellender, nicht wiederzugebender Weise", sagt der Reichsbote", legte der Tro aud Hil geoi aus wen auf dem ganzen Gedenrund und bei Gott und im Himmel thun zw der Ver dem wohlbekannte Gottesmann der Versammlung die deutsche Sie Tagelöhnerfrau ans Herz." Er w Er wies namentlich darauf es hin, wie wichtig für die Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes die Mütter seien. Wenn wir die nicht mehr haben, dann ist es aus mit dem deutschen Volke. Wenn wir die Tagelöhnerfrau verloren haben, dann haben wir das Vaterland verloren; wenn wir sie besitzen, dann ist ein großes Werk gewonnen." Wird dafür gesetzt:„ Wenn wir die Mutter nicht mehr haben, dann ist es aus mit der Herrschaft des Muckerthums; insbesondere, wenn wir die Tagelöhnerfrau verloren haben, dann können wir das weibliche Proletariat nicht mehr in stumpfsinniger Gefügigkeit gegen das Ausbeuterthum erhalten", so stimmen wir diesen Ausführungen des„ Gottesmannes" vollkommen bei. Wir wissen nur zu gut, daß das Mucker thum den gewaltigen Einfluß, welchen die Mütter durch ihre Erziehungsthätigkeit auf die heranwachsende Generation aus üben, zu seinen Gunsten auszubeuten sucht, indem es sich besonders an die Frauen herandrängt und diese an sich zu bet fesseln sich bemüht. Wir wissen auch, daß das nicht nur den Frauen der besitzenden Klasse, sondern leider auch bei Arbeiterinnen vielfach gelingt, und daß darin mit einer der Gründe zu suchen ist, aus denen sich weite Kreise der Ar beiterinnen dem Lohn- und Klassenkampfe gegenüber immer noch gleichgültig verhalten. Darum darf sich der„ Gottes mann" Bodelschwingh aber auch versichert halten, daß wir nicht ermüden werden, unsere Genossinnen über die wahren Bestrebungen des mit dem ausbeutenden Unternehmerthum Schulter an Schulter marschirenden Muckerthums aufzuklären. Die man fache werd Lage Haus als gefal berft wenn gabe Penf muß nähr Frau bener welch Belei fraue 8 uh Frau wenn größe sol e welch Ueber Aber fals Die besitzende Klasse will bekanntlich für sich ebenso mit d wenig von der Religion wissen, wie die besitzlose; sie will sie nur für das„ Volk" erhalten wissen. Die Besitzenden halten sich selbst für aufgeklärt und tugendhaft genug, um dergleichen entbehren zu können, aber für die ungebildete, heran rohe" Masse des„ niederen" Volkes soll die Religion unent behrlich sein. Wenn sich also die Geistlichen mit Vorlicht an die Frauen heranmachen, so liegt diesem Vorgehen der Gedanke zu Grunde, daß die Frauen„ ungebildeter" sind, als die Männer, und daher am ehesten darauf hineinfallen. Es wird an den Frauen des Proletariats liegen, diese Hoff nung zu Schanden zu machen. ie F eftigt eine außer wüthe paffe, gern S beni der S liche läßt, Die Geistlichkeit, welche sich so gern als Beschützerin der Nothleidenden, befonders der ausgebeuteten Arbeiterinnen aufspielt, hat für deren trauriges Loos thatsächlich weder Verständniß noch Mitleid. Sie wirft sogar noch Steine auf den 9 dieselben, indem sie über die„ Unsitklichkeit" der offen Wenn Herr Blancke seine Kenntniß der Frauenversamm- oder geheim der Prostitution sich ergebenden Arbeiterinnen lungen, besonders der Berliner Kellnerinnenversammlungen, eifert, die doch nur eine nothwendige Folge der schamlosen die er zweifellos im Sinne hatte, aus eigener Anschauung Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft durch das profitwüthige Selbf Unternehmerthum ist. Sie geht so weit, daß sie selbst einen Deleg einmaligen Fehltritt einer Arbeiterin, die vielleicht dem Brovi Klingen des Goldes in der Tasche eines Bourgeoisjünglings in ihrer Noth unterlag, nicht verzeiht, sondern ihr bei ihrem Eintritt in den Ehestand noch einen besonderen Schandfled anzuheften trachtet. Die Kreissynode der Diözese Hirschbergman, hat kürzlich sogar das königliche Konsistorium ersuchen lassen, und nicht aus den Berichten der Muckerblätter geschöpft hätte, dann würde er wissen, daß beispielsweise die letzte öffentliche Kellnerinnenversammlung nur einmal zu einer lärmenden" zu werden drohte, als nämlich ein Herr mit dem Benehmen eines christlich- germanischen" Rittergutsbesitzers sich in der Diskussion mit der„, christlichen Sittlichkeit" brüstete und durch eine provozirende Aeußerung gegen den Vortragenden der in " Wanderpfad der Büffel. Es ist der Schienenweg Union Pacificbahn. wofür anger geiftli Dorfto worin Das Bufa ber Befremdet schnuppert der vorsichtige Leitstier an ines dem Geleiſe, während die Neugierigsten aus der Herde büth nach kurzer, flummer Betrachtung rasch die reelle Braucherm in barkeit der Telegraphenstangen ergründet haben und Dea tausenden von Büffeln belebt war, wo der Boden dröhnte unter den gewaltigen Hufen dieser schwarzzottigen Ge sellen und die Luft erzitterte von ihren donnergrollenden Stimmen, wo der Jagdruf des Indianers gellte, ist heute Todesstille und Leere. Nur wenige der einst zahllosen Herden, und ab und zu ein versprengtes Häuflein der tupferfarbenen Reiter sind übrig geblieben. behaglicher Würdigung und Nutanwendung die biden histe Der Europäer, das" Blaßgeficht", ist ins Land ge- gehörnten Röpfe und die zottigen Leiber an denselben Lüfte stillen Wasser des Mississippi, des Vaters der Ge- kommen, und der rothe Herr der Prairie und sein reiben. Da braust ein Eisenbahnzug heran, zifchen derde wässer", über die Sohle dieser Riesenmulde. Deftlich zottiger Leidensgefährte haben ihm weichen müssen. und brausend. Ein panischer Schrecken fährt unter die Sha Wenn den Büffel Hunger oder Kälte dazu zwingen, gewaltigen Thiere. Mit tiefgesenktem Kopf und hodach Atlantischen Ozean zu, liegt das Tafelland, westwärts, verläßt er die stillen Schlupfwinkel, in welche ihn die erhobenem Schwanz stürmer sie davon, über die Schienen ein bis gegen den Fuß der Felsengebirge hin, entfalten sich, mordende Flinte des unbarmherzigen Jägers verscheucht weg in wilder, blinder Flucht. Erit in geziemendet er. in sanften Wogen allmählich ansteigend, die Prairien hat. Herde gefellt sich zu Herde, und in langem Zuge, Entfernung mache: fie Halt und wenden neugierig die galo den Leitstier an der Spize, suchen sie einen günstigeren zottigen Köpfe. Mit großgeöffneten, staunenden Augen Anti So durchwandern die Büffel die gloßen fie auf das vorüberrasselnde Ungeheuer, bis eluß in weiter Ferne verschwindet; dann seßen fie theor wilde Rinnen, die der schmelzende Schnee geriffen. Sie Weg fort, unbekümmert um die merkwürdige Unter brechung. Der Büffel ist kein Feind der Kultur, die Rothhaut. Duldsam und friedsam weicht er zurüd und thut niemand ein Leid. von dem mächtigen Strome, den Alleghanies und dem des Westens, tie Plains der Amerikaner. Endlos, unabsehbar dehnt sich die wellige Ebene; die reine klare Luft rückt dem Auge die weiteste Ferne nah. Kaum einen Büchsenschuß entfernt glauben wir bie lang gestreckten, flachen Höhenstreifen und die wunder lich geformten Steingebilde zu haben, die in stunt en weiter Entfernung da und dort aus dem grünen Grasmeer aufragen. Mächtig wirkt die einförmige Debe, die über dieser ungeheuren Fläche lagert, auf den Menschen; ein dürftiger Blumenflor, und die wenigen Zufluchtsort auf. offene Prairie auf altem Pfade, durch Wasser und eilen und wissen wohl, warum. Hungriges Raubzeug, Wölfe und Geier, umschwärmen ihre Bahn, und wehe dem Schwachen oder Versprengten, der allein zurück bleibt, er fällt den gefräßigen Räubern sicher zur Beute. Schlimmer als diese Feinde aber verfolgt sie der Mensch, der weiße Eindringling wie der rothe Eingeborene, der überall fie d Eag bent Grün Jett liegt die weite Fläche wieder im tieffien Frieden. Das kurze Büffelgras glänzt in frischem welches von den dunkelsten bis zu den hellsten Schat Sträucher und Bäume, welche an den aus der Regen- ten Büffel seinen leßten Freund" nennt. In wahn- tirungen spielt, je nachdem die Sonne den wogenben sinnigem Morden wüthet Pfeil und Kugel unter der Boden trifft. So zeigt sich die Prairie im Frühsommer zeit her stehen gebliebenen fumpfigen Stellen und an den Ufern der dürftigen Bäche aufschießen, vermögen dahinstürmenden Herde, mit grausiger Geschicklichkeit Gegen den Herbst verändert sich das Bild. Die glühen diesen Eindruck der Verlassenheit nicht zu mildern. Wo einst die Ebene von Tausenden und Abertobt sich die ungezügelte Jagdlust aus. Dort kreuzt die eiserne Straße der Kultur den ausgetrocknet, und das nahrhafte Büffelgras fteht dürt onne durch besondere Verfügung den Gemeindekirchenräthen zur auch Pflicht zu machen, neben der Versagung des Myrthenkranzes der den gefallenen Bräuten" auch das Tragen des Brautgermm schleiers, als des Sinnbildes der Unschuld und Reinheit, zu iten, verwehren. Zum Glück würde diese Verfügung nur die frommen Gefallenen" treffen. Wer auf die kirchliche Trauung verzichtet, ist sicher davor, gebrandmarkt zu werden. reits icher Wir ande del richt der mel H Die Arbeiterinnen werden, wie sie sich für die Hilfe der haushaltungsschulbegeisterten„ Volfsfreundinnen" bedanken, auch die in Moralpredigten und Bibelsprüchen bestehende Hilfe des Muckerthums zurückweisen. Die Frauen der Bourgeoisie haben vor dem Muckerthum wenigstens noch das voraus, daß es einigen unter ihnen nicht an gutem Willen, wenn auch an Einsicht und Verständniß für das, was Noth thut, fehlt. Von den Muckern kann man das nicht sagen. tsche Sie wollen das weibliche Proletariat ausnahmslos für ihre rauf 3wecke einfangen, die durchaus nicht auf Besserung der Lage nden der Arbeiterinnen gerichtet sind. Deshalb verdient jeder mehr Versuch des Muckerthums, einen Einfluß auf die„ Frau aus dem Volke" auszuüben, rücksichtsloseste Bekämpfung. Br. das oßes mehr ums; aben, or in ten" nes" acker ihre aus fich ch zu r bei h bei rder = Ar mmer ottes s wir Lären. benfo berathen mögen, wie dem verderblichen unfittlichen Treiben auf dem Theater Einhalt gethan werden könne. Unsere Leser wissen, daß wir der Unsittlichkeit der Tingel. tangel jederzeit energisch entgegengetreten sind. Allein, die Tendenz, von welcher die Sittlichkeitskonferenz bei Annahme dieses Antrages beseelt war, ist eine so zimperlich- prüde, daß man getrost eine volle Schale Spottes auf die Häupter der altjungferlich denkenden Sittlichkeitsheroftraten ausgießen darf. Diesen Männerseelen ist nämlich gar nicht so sehr daran gelegen, die Kurzröcke vom Theater zu verbannen und die nackten Waden derer vom Ballet mit undurchsichtigen Stoffen verhüllt zu sehen, ihnen ist es um nichts Geringeres zu thun, als Berbannung der realisti. schen Kunst vom Theater. Es ist das die nämliche Tendenz, die sich schon bei den legten Gemälde- Ausstellungen so prozig breit machte. In ihrer Kurzsichtigkeit denken diese Leute, eine rettende, des Schweißes der Edlen werthe That zu vollbringen, wenn sie alle gemalten und auf der Bühne dargestellten Typen des Elends und die Verkörperungen der Leiden des Volkes verbannen. Nur frisch darauf los gekezert. Hoffentlich finden diese Ausfälle an dem gefunden Menschenverstand der Massen und der sichtlich zunehmenden Intelligenz der denkenden Künstler selber ein Bollwert. Sowohl Publikum wie Künstler sind es satt, ewig nur die breiten Bettelsuppen eines Paul Lindau, Kleist oder gar die lärmenden Radomontaden eines Wildenbruch und ähnliches vers Logenes sentimentales Zeug zu verdauen. Wahrheit in der Dichtung, nicht ein Gemisch beider, das ist es, was man auf unseren Bühnen verlangt. Aber freilich, die Leute, die das nicht einsehen wurzelt, verdienen eher unser Mitleid als unseren Spott. Mögen fie ruhig weiter eifern. Herr Jbsen braucht deswegen noch nicht von seinem Piedestal herunterzufteigen und der junge Nachwuchs der modernen Realisten in der Kunst braucht vor den Herren Pastoren Keller, Weber und Klemm noch nicht zu erbleichen. Die Herren sehen uns nicht danach aus, als wenn sie die moderne realistische Kunstrichtung gouillotiniren könnten. Auch ist es sehr zu bezweifeln, ob die Gefeßgebung, die in der Konferenz mehrfach angerufen wurde, sich dazu hergeben werde, die anmüthigen Pläne der Kongreßler zu verwirklichen. ,, Vorwärts." Die Lage der Reinigungsfrauen im Königlichen Polizei- und deren Empfinden noch in vergangenen Jahrhunderten Präsidium zu Berlin. Daß die Lage der Reinigungsfrauen, welche im Königlichen Polizeipräsidium beschäftigt sind, nicht eine so günstige ist, wie man vielleicht in einzelnen Kreisen glaubt, beweisen uns Thatsachen, welche wohl werth sind, öffentlich bekannt gemacht zu werden. Gerade deshalb schon ist eine Schilderung der traurigen Lage dieser Frauen nothwendig, weil die Herren im Rothen Hause keinen Nothstand anerkennen wollen. Es werden in den königlichen Gebäuden meist ältere Wittwen als Scheuerfrauen beschäftigt, deren Männer im Kriege 1870/71 gefallen oder an dort erhaltenen Verlegungen oder Krankheiten Aus der bürgerlichen Presse und für die 6ürverstorben sind. Der Staat erfüllt nur eine moralische Pflicht, wenn er diese armen Frauen, welche vielleicht nach vielen Eingaben und Bittschriften nach Jahren erst eine kleine ungenügende Bension erhalten haben, beschäftigt. Ein Theil dieser Frauen muß unter Entbehrungen durch schwere Arbeit ihre Kinder ernähren, und es ist begreiflich, daß diese älteren erfahrenen Frauen sich nur schwer den meist in militärischem Tone gegebenen Anordnungen der Inspektoren fügen und eine Behandlung, welche diese Beschäftigung als Gnadenbrot erscheinen läßt, als Beleidigung empfinden. Im Polizeipräsidium werden die Scheuerfrauen Vormittags von 6-8 Uhr und Nachmittags von 4 bis thren 8 Uhr beschäftigt und betragt der Lohn 1.25 M. pro Tag. Jede thum Frau bekommt beim Eintritt eine Station angewiesen, welche sie, wenn dieselbe auch sehr groß ist, täglich zu reinigen hat. Die größeren Stationen sollen meistens die Frauen erhalten, welche mit dem Inspektor auf teinem guten Fuße stehen. Andererseits will foll es freilich auch vorkommen, daß einzelne jüngere Frauen, welche den Vorschriften des Inspektors genau Folge leisten, Ueberstunden machen dürfen, die mit 25 bezahlt werden. Aber auch zu Malerarbeiten werden die dort beschäftigten Frauen ldete, berangezogen. Der Sparsamkeit des Inspektors erschien jedenanent falls die Forderung des Malermeisters zu hoch und so rüstete er rliebt die Frauen mit Schrubbern aus, an denen Strumpfsocken be= eftigt waren, und ließ sie dann den Fußboden streichen. Als sich tine der Frauen darüber zu ihren Kolleginnen mißbilligend dußerte und dies dem Inspektor hinterbracht wurde, ging dieser wüthend zu der Frau und erklärte, wenn ihr diese Arbeit nicht Hoff Passe, dann könne sie ja gehen: es gebe genug Frauen, welche enden um n der find, Fallen. in der rinnen weder e auf offen innen mlofen üthige einen dem ihrem gern diese Arbeit machen würden. Man ersieht daraus, daß der Staat seine Arbeiterinnen ebenso ausbeutet, wie irgend ein Privatunternehmer, und daß. der Staat, indem er aus falsch angebrachter Sparsamkeit gewerbliche Arbeiten in unvollkommener Weise von Frauen ausführen läßt, den gelernten Arbeitern das Brot nimmt und so indirekt Nothstand verallgemeinern hilft. " Die Einigkeit. Den Sifflichkeits- Konferenzen. Sittlichkeits- Konferenzen tagten vorige Woche in Dresden. Selbstverständlich unter Aegide der Kirche. Der Vorsitzende der Delegirten- Konferenz, Pfarrer Weber, schlug die Bildung von Brovinzialvereinen zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit vor, glings ofür ein Reisender agitiren soll. Dieser Vorschlag wurde ebenso angenommen, wie der zu einer Aufforderung an die Gefängnißgeistlichen, Mitteilungen aus ihren Erfahrungen an die Vereinsborstände und Zeitungen gelangen zu lassen. Ferner beschloß man, an den Kaiser und die Bundesfürsten Eingaben zu richten, laffen, worin um Niedersehung von Kommissionen petitionirt wird, die andfled chberg eg bet Das ist die Zeit der Prairiebrände. Ein unglücklicher Herde Bufall, eine kleine Unvorsichtigkeit, oder die Bosheit er an ines weißen oder farbigen Strolches genügt, um den büthenden Dämon Feuer zu entfesseln. Urplöglich Brauch berwandelt sich die friedliche Ebene in ein wildpraffeln. und in deg Flammenmeer. Hochauf schießen die Feuerwogen, biden histernden Sprühregen und dunkle Rauchwolten in die nfelben üfte schleudernd, und in rasender Eile wälzt sich die ifchend berderbenbringende Feuerfluth dahin, ein wildschönes ter die Schauspiel, welches das Blut in den Adern erstarren d emenber ber. hodacht. In verzweifelnder Todesangst jagt Freund und Schienen Feind, Mensch und Gethier vor der vernichtenden Gluth Vergessen find Blutgier und Hunger, der Weiße Augen Antilope rig die galoppirt neben der Rothhaut, der Wolf neben der bis es luß zu; über der eigenen Gefahr sind Streit und ihren Nordlust vergessen. Unter ar, wie überall tiefften n Grün Schat ogenben Tommer glühen Aftändig ht bür und dem Büffel. Alles drängt dem rettenden gerlidie Preffe. Mit einem ftaunenerregenden Eifer bringt die gesammte bürgerliche Presse allerhand Notizen von Verbrechen, die hier und in anderen Ländern vor sich gehen. Solche Sensationsnachrichten müssen doch einen eigenthümlichen Reiz haben! Wer aber hätte schon je einen Vorschlag zu durchgreifender Befferung in denselben Spalten, die volle Entrüstung über das verwerfliche" Treiben ausfauchen, gefunden? Nach Polizei, nach Brügelstrafe, nach Trunksuchtsgesehen wird gerufen, und dann ist das Latein dieser Klique zu Ende! Nachstehend bringen wir wieder einen solchen Artikel, der die Runde durch fast alle Zeitungen machte: Dämon Schnaps! Man schreibt der Frankf. 3tg." aus Antwerpen, 13. Oktober. Gestern wurde hierselbst der 29jährige Tagelöhner Royaux verhaftet, der ein geradezu unglaubliches Verbrechen begangen hatte. Das Scheusal hatte seine eigene Mutter vergewaltigt! Genaueres über diese entsetzliche Geschichte konnte natürlich nicht in die Deffentlichkeit gelangen, man weiß nur, daß auch hier wieder einmal der Schnaps seine verhängnißvolle Rolle spielte, wie dies ja auch bei den verschie denen, im Frühjahr hierselbst vorgefallenen Mordthaten der Fall gewesen ist. Welche fürchterlichen Beispiele von tiefster sittlicher Verkommenheit sind in diesem einen Jahre hierselbst an's Tageslicht gekommen! Ein noch minderjähriges Frauenzimmer suchte in der Betrunkenheit ihren Vater wegen unbedeutender Ursache um's Leben zu bringen; kurz nachher schnitt ein Mann auf offener Straße seiner Frau den Hals ab, weil diese ihm Vorwürfe darüber gemacht hatte, daß er seine eigene Tochter mißbrauchte, und nun auch noch dieses scheußliche, ganz unerhörte Verbrechen! Wundern darf man sich freilich nicht allzusehr darüber, daß Derartiges hier vorkommt. Wenn man sieht, wie schon die kleinen Jungen und Mädchen die zotigsten Gassenhauer auf der Straße fingen, wie die erwachsenen Männer und Frauen in betrunkenem Zustande, gemeine Lieder brüllend und schamloses Verlangen in den halbstieren Augen Arm in Arm einhergewankt kommen, und wenn man auch einmal einen Blick in die engen Wohnungen dieser Leute wirft, wo die Angehörigen beider Geschlechter, oft in einem einzigen Raume zusammen wohnen und schlafen, dann wird man nicht mehr darüber erstaunen, daß solche heruntergekommene Menschen in ihren durch den Schnapsgenuß aufgestachelten Begierden auch vor dem Schändlichsten nicht mehr zurückschrecken. Ja, warum wird denn in Antwerpen der Schnaps in solchen ungeheuren Duantitäten konsumirt? Warum hausen denn die Aermsten der Armen in solchen Höhlen? Meinen die Herren von der Bourgeoiste etwa, daß den Leuten nicht Bier oder Wein beffer munden würde, daß sie nicht lieber geräumige, luftige Wohnungen zum Aufenthalt wählen würden? Erst laßt die Leute mut joviel verbienen, baie Bier und Wein und gute Wohnungen bezahlen können und dann zetert über den Dämon Schnaps! Allerdings, wo bleiben dann die Dividenden? Also gemach; erregt Euch nicht so über Verbrechen, deren direkte und indirekte Urheber ihr selbst und nur ihr selbst seid, ihr Herren der satten Moral von der Bourgeoisie. Die Lohnbewegung der Buchdruckergehilfen. Nach der großen Bergarbeiterbewegung der letzten Jahre dürfte keine Bewegung so geeignet sein, das Augenmerk des ganzen deutschen Volkes auf sich zu lenken, als die bevorstehende Lohnbewegung der Buchdrucker. Obgleich die Lohnverhältnisse im Buchbruckergewerbe und namentlich den gegenwärtigen Theuerungsverhältnissen gegen über im Allgemeinen viel zu wünschen übrig laffen, gilt doch die gegenwärtige Bewegung keiner Lohnerhöhung, sie gilt einem idealen Streben: der Verkürzung der Arbeitszeit! Brod den arbeitslosen Kollegen! ist die Devise. So wechselt das Leben der Prairie, oft urplöglich, Dom tiefsten Frieber zum wildesten Kampf. Die Kultur bat die wilde Ebene noch nicht zu bändigen vermocht, aber ihre eiserne Macht rückt vor. Fuß um Fuß ringt he der Unbändigen ab, sicher und unentwegt, und der mußten. ag muß endlich kommen, da fleißige Menschenhände en wilden Boden sich unterthänig machen. " Schlägel und Eisen". Seit länger als zehn Jahren haben die Buchdrucker die größten Opfer gebracht, um ihre Arbeitslosen zu unterstützen. Nahezu 2 Millionen Mark haben die organisirten deutschen Buchdrucker allein an Unterstügungen für arbeitslose Kollegen seit der Schaffung der Institution der Arbeitslosenunterstützung im Jahre 1875 ausbezahlt. Dazu kommen noch in einem Zeitraum von 20 Jahren 800,000 M. Unterstügungen an solche Kollegen, die wegen Lohndifferenzen die innegehabten Plätze verlassen In der That, das sind gewaltige Ziffern und ein sprechender Beweis für das können einer gut organisirten Arbeitertorporation. Angesichts dieser Leistungen ist es ohne weiteres klar, daß sich die wöchentlichen Beiträge zur Aufbringung solcher Summen nicht nach Pfennigen, sondern nach Mark bemessen. Wenn man aber den Durchschnittslohn der Buchdrucker mit den wöchentlich zu leistenden Beiträgen vergleicht, so kann es nur Verwunderung erregen, daß sie nicht schon längst zu dem einzigen Mittel, diese Lasten zu vermindern, nämlich zur Verkürzung der Arbeitszeit, durch welche die arbeitslosen Kollegen untergebracht und dadurch die Ausgaben für die Arbeitslosen herabgemindert werden, ge= griffen haben. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist denn auch seit einem Jahrzehnt unausgesetzt das Ziel der Buchdruckerbewegung ges weren. Wenn es noch nicht früher zu bestimmten Forderungen nach dieser Seite hin kam, so hatte das seinen Grund darin, daß die Provinzkollegen sich nur allmählich von der Nothwendigfeit einer solchen Forderung überzeugen konnten, ohne dieselben war aber keine Aussicht auf Gelingen. Heute stehen hinter dieser Forderung nahezu 18,000 organisirte Buchdrucker, fest entschlossen, sich unter allen Umständen eine kürzere Arbeitszeit zu erkämpfen. Und ist diese Einmüthig. keit zu verwundern, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Mit glieder der Buchdruckerorganisation im Jahre 1890 250,000 Tage tonditionslos waren, was einer ununterbrochenen Konditionslosigkeit von etwa 700 Gehilfen, ungerechnet der von den ( za. 17,000) Nichtmitgliedern konditionslos verbrachten Zeit, gleichkommt? Während der Sommermonate liegen etwa 3000 Arbeitslose auf den Landstraßen und in den größeren Druckstädten. Außer diesen nackten Thatsachen muß auch die Haltung der Prinzipale die Entschlossenheit der Gehilfenschaft mächtig fördern. Während dieselben emsig beschäftigt sind, den in dem deutschen Buchdruckertarif, welcher nach beiderseitiger Vereinbarung die Lohnverhältnisse und die Arbeitszeit regelt, bestehenden Vertrag zu brechen, indem sie, wie in Leipzig, die Führer der Gehilfen bewegung maßregeln, verlangen sie jedoch von den Gehilfen die ftritteste Einhaltung des Vertrages. Die größeren Druckereien ergänzen schon seit Wochen ihren Gehilfenstand aus den Reihen der der organisirten Gehilfenschaft nicht angehörigen Elemente. Allerdings ist diese Maßregel nicht gerade zum Nachtheil der organisirten Gehilfenschaft. So zahlreich sind die Nichtvereinsmitglieder nicht, um alle Pläge auszufüllen. Da nun diejenigen Prinzipale, welche sich nicht rechtzeitig mit den nöthigen Mannschaften versehen haben, im Falle eines Ausstandes ohne Arbeiter sind, so sind sie vom ersten Augenblick an auf die ausständigen Gehilfen angewiesen, und das wird wie Anno 72 der Anfang vom Ende der Bewegung sein. sich Im Jahre 1873 erkämpften sich die organisirten Gehilfen, damals 7000 Mitglieder start, den deutschen Buchdrucker- Tarif und mit ihm die zehnstündige Arbeitszeit. Nach einigen Kürzungen dieses Tarifs in den Jahren 1876 und 1878, welchen sich die Gehilfenschaft wegen des überfüllten Arbeitsmarktes nicht entziehen konnte, fanden erst im Jahre 1886 und zulegt 1890 geringe Aufbesserungen statt, welche sich im Allgemeinen nicht über das Niveau des 73er Tarifs erhoben. Und auch gegenwärtig soll der Lohntarif nicht mehr erhöht werden, als durch die verkürzte Arbeitszeit sich nöthig macht. Wie stehen unter solchen Verhältnissen die deutschen Arbeiter der Buchdruckerbewegung gegenüber? Wir glauben, die Buchdrucker im Vorhinein nicht nur der allgemeinsten Sympathie, sondern auch der thatkräftigsten Unterstügung aller derjenigen Arbeiter versichern zu können, welche die achtstündige Arbeitszeit zum Losungswort erkoren haben. Daß aber die Forderung nicht nur in den Kreisen der Prinzipale, sondern überhaupt in den Kreisen der Kapitalisten auf Widerstand stößt, ist selbstverständlich. So hat Herr Eugen Richter in seiner Freifinnigen Zeitung" die Lohnbewegung der Buchdrucker bis jetzt! in nicht weniger als vier Zeitartikeln in abfälliger Weise beleuchtet. Wie er sich zu der Frage stellt, ist nach den freisinnigen Theorien leicht derkbar. Auf der einen Seite halten die Buchdruckereibesizer unter den mißlichen Verhältnissen eine durch die Berkürzung der Arbeitszeit ent stehende Belastung nicht aus, dann aber würde die gehilfenseitig zur Schau getragene Brüderlichkeit und Humanität nur dann der Wirklichkeit entsprechen, wenn sie mit der Verkürzung der Arbeitszeit sich auch eine entsprechende Verkürzung des Lohnes gefallen ließen. Diese freisinnige manchesterliche Doktrin wird überall dort, wo diese neueste volkswirthschaftliche Weisheit des großen Jrrlehrers bekannt wird, ein allgemeines Hohngelächter hervorrufen. Der erste Einwand aber ist widerlegt durch die thatsächlichen Verhältnisse. Das Buchdruckergewerbe hat sich nicht nur riesig entwickelt, sondern es hat auch den Prinzipälen hübsche Entbehrungslöhne eingebracht. Ueber den Verlauf der Bewegung ist zunächst mitzutheilen, daß die Gehilfentreter der allgemeinen deutschen Tarifkommission ihr Mandat niederlegten und die Gehilfenschaft ersuchten, neue Bertreter nicht wieder zu wählen. Damit ist die Tarifgemeinschaft thatsächlich aufgehoben, denn es steht außer Zweifel, daß die Gehilfenschaft Delegirte zu jener Rommission nicht wieder entsenden wird. Am Freitag bezw. Sonnabend nun legten in ganz Deutschland die Gehilfen den Prinzipalen ihre Forderungen vor; wo diese nicht bewilligt wurden, fündigten die Gehilfen. Das Resultat ist, soweit zur Stunde darüber Nachrichten vorliegen, folgendes: " In Berlin hat die Gehilfenschaft dem Beschluß der letzten allgemeinen Buchdrucker- Bersammlung, in allen Buchdruckereien Berlins einzureichen, mit ganz wenigen Ausnahmen Folge ges leiftet; auch die Nichtvereinsmitglieder haben sich in großer Zahl an der Kündigung betheiligt, ebenso Stereotypeure und das Hilfspersonal. Das Resultat war bis Sonnabend Abend 9 Uhr folgendes: Bewilligt haben sofort alle Forderungen der Gnhilfen( Neunstundentag inkl. 1/4 Stunde Frühstück und 1/4 Stunde Vesper, 10 pCt. Erhöhung des Affordlohns und 331/ pet. Lotalzuschlag Mag Bading( Buchdruckerei der Borwärts Berliner Volksblatt") und 11 andere Firmen. Gefündigt haben 2324 Sezer und Maschinenmeister, 23 Stereotypeure, 79 Hilfsarbeiter und 263 Hilfsarbeiterinnen. Insgesammt wurden über 3000 Kündigungen eingereicht. Bemerkt sei noch, daß das Hilfspersonal vorläufig nur in den wenigsten Fällen zur Kündigung herangezogen zu werden brauchte, da dasselbe zum größten Theile ohne Kündigung in Arbeit steht, ebenso war es bei einem Theil der Seger nicht nöthig, die Kündigung einzureichen, da dieselben ohne Kündigung konditioniren. Nach diesem Resultat läßt sich sagen, daß sich die Einigkeit der Berliner BuchdruckereiArbeiter glänzend bewährt hat. Mitzutheilen ist noch, daß heute nur aus zwei Geschäften Maßregelungen gemeldet wurden. Die Firmen Bürenstein und Häbringer sind diese unrühmlichen Ausnahmen. In Leipzig scheint es zum Hauptkampfe kommen zu sollen. Von der ganzen Großindustrie des dortigen Buchge= werbes find die Gehilfenforderungen abgelehnt worden. Das läßt sich aus folgendem Situationsbericht unseres dortigen Korrespondenten schließen. Derselbe theiit uns unterm 24. Otto: ber mit: Nach den bis jetzt von hier vorliegenden Nachrichten aus 76 Druckereien über die gestern erfolgten Kündigungen der Gehilfen und Arbeiterinnen ist folgendes Resultat zu verzeichnen: Bewilligt wurden die Forderungen in 9 Druckereien und zwar von folgenden Firmen: E. Thiele( Wähler"), Fischer u. Kürsten ( ,, Stadt- und Dorfanzeiger"), Giardet u. Co.( Generalanzeiger"), F. M. Geidel, Henze, F. A. Körner, Mejo, Radelli u. Hille und Regel; beschäftigt wurden von denselben 118 Sezer, 12 Drucker und 31 Arbeiterinnen. In den 67 Druckereien, in welchen die Kündigungen eingereicht wurden, haben gekündigt etwa 900 Seger, 300 Drucker und 430 Arbeiterinnen; sofort aufgehört haben 50 Seger, 2 Drucker und 4 Arbeiterinnen; nicht gekündigt haben 307 Sezer, 108 Drucker und 281 Arbei: terinnen( in der Zahl dieser Gehilfen sind die Fattore, Korret: toren 2c. einbegriffen). In den in Frage kommenden 76 Drucke reien waren insgesammt beschäftigt: 1379 Seger, 425 Drucker, 771 Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen haben den Prinzipalen folgenden Tarif eingereicht: Die tägliche Arbeitszeit ist eine neunstündige. Minimal- Wochenlohn für Punktirerinnen " 13 Mr. • . . 10 " • 14 11 " 1 Linkspunktirerinnen " " Anlegerinnen " " " " " " " Linksanlegerinnen " Auslegerinnen und Bücherstuben Arbeiterinnen bis zum Alter von 16 Jahren 7, Auslegerinnen u. Bücherstuben Arbeiterinnen über 16 Jahre..... 10 Die Mannheimer Buchdrucker lehnten die Erhöhung des Lokalzuschlages ab, beauftragten dagegen die Vertrauensleute, bei den Prinzipalen dahin vorstellig zu werden, daß denjenigen verheiratheten Gehilfen, welche nur das Minimum erhalten, eine angemessene Lohnerhöhung zu Theil wird. 11 Die sozialdemokratische Mainzer Volkszeitung" und die Beitung Neuefter Anzeiger" in Mainz haben die Gehilfenforderungen( Neunstundentag und 10 pCt. Lohnerhöhung) bewilligt. Andere Forderungen sind in Mainz nicht gestellt wor ben. Trogdem bewilligten die vorerwähnten beiden Druckereien eine Theuerungszulage. In den übrigen Druckereien wurde gekündigt. Frankfurt a. M., 24. Oktober. Vom Personal der Sozietätsdruckerei( Frankfurter Zeitung") haben 54 Setzer und Stereotypeure mit 14 tägiger Frist gekündigt. In den übri gen hiesigen Offizinen sollen die Kündigungen ebenfalls erfolgt sein. Gewerkschaftlicies. Situationsbericht. Der Ausstand der Schuhmacher in Barmstedt kann als soweit beendet angesehen werden, daß nur noch ein Mann als Ausstehender zu unterstüßen ist. Die Uebrigen haben anderweitig Arbeit gefunden. Da jedoch die Innungsmeister nach wie vor auf der schriftliche Anerkennung ihres Arbeitsnachweises bestehen, trotz des überaus starken Zuzuges aber noch nicht genügend mit Arbeitskräften versehen sind, so ist nach wie vor der Zuzug fernzuhalten, weil dadurch die Arbeitgeber doch schließlich gezwungen werden, ihre Forderung fallen zu lassen. Jn Berlin( Weißgerber) sind immer noch 54 Verheirathete, In 16 Ledige und 96 Kinder zu unterstützen. Die Arbeitgeber zeigen sich nicht geneigt, von der Lohnreduzirung Abstand zu nehmen. Wesentlich hängt dieser Ausstand auch von dem der Handschuhmacher ab. In dem legteren ist gleichfalls keinerlei Menderung eingetreten, wenigstens sind Berichte hierüber nicht eingegangen. Nachdem die Verhandlungen der Tariffommission der Buchdrucker resultatlos verlaufen find, beginnen die Prinzipale die Mitglieder des Unterstüßungsvereins zu maßregeln. In der Leipzig- Lindenauer Spizenfabrik stellten am 12. September sämmtliche( 33) Spigenweber die Arbeit ein, weil ihnen ein Lohnabzug von 15 bis 20 pet. gemacht werden sollte. Be= merkenswerth ist, daß der Lohn dieser Arbeiter innerhalb der legten 3 Jahre um 50 pCt. zurückgegängen ist. Auch die Former in Köln a Rh., Firma Beißel& Co., ersuchen um Unterstützung und Fernhalten des Zuzuges. Der Ausstand dauert nunmehr 9 Wochen. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß aus einzelnen Städten oder von Kommissionen keine Gelder mehr an die Generalfommission gesandt werden sollen. Falls hier oder da durch freiwillige Sammlungen Geldmittel aufgebracht werden, so find dieselben dem Vorstande des jeweiligen Vereins zur Verfügung zu stellen. Die Einnahme der Generalkommission soll sich bis zum Gewerkschaftskongreß nur aus den Beiträgen der einzelnen mit ihr Verbindung haltenden Gewerkschaften zusammensetzen. Dagegen find alle Gelder, welche für den Maifonds gesammelt sind, an die Generalkommission abzuführen. Der Abschluß mit der Einnahme für den Maifonds soll am 31. Oktober gemacht werden. Gelder für Maimarken, welche bis zu diesem Datum nicht eingesandt sind, können nicht mehr für den Maifonds, sondern müssen für den Generalfonds gebucht werden. Ferner ersuchen wir nochmals um schleunige Bestellung der zur Ausgabe gelangenden Broschüre über die Drganisationsfrage. Die Generalfommission. C. Legien. Hamburg- St. Georg, An der Koppel 79, 1. Etg. Vereine und Versammlungen. Berlin. Die Freie Vereinigung der Gastwirths- Gehülfinnen" hielt in der Nacht vom 23. zum 24. Oktober eine sehr schwach besuchte Bersammlung ab. Von dem angesagten Vortrage wurde Abstand genommen, anstatt dessen verlas die Vorsitzende, Fräul. Dmoch, aus dem Beschwerdebuch die Klage einer Kellnerin über das brutale Verhalten eines Wirthes einer ihrer Kolleginnen und ihr gegenüber. Einer Nichtigkeit halber hatte der betreffende Wirth die Kellnerin mit Vehemenz zur Erde geworfen und fie mit Fußtritten regalirt. Die Verfasserin der Beschwerde wandte fich an die Polizei, nachdem sie ihre Kollegin, so gut es ging, gegen den brutalen Wirth vertheidigt hatte. Auf dem Revier wurde ihr zur Antwort, das ginge die Polizei nichts an, sie solle den Wirth nur verklagen! Ein Schuhmann, den man dann doch wohl noch zum Recherchiren geschickt hatte, frug die beiden Mädchen, danach, was sie denn ausgefressen" hätten. Als sie sich gegen diese Art der Fragestellung verwahrten, soll ihnen die Entgegnung zu Theil geworden sein: Thut nur nicht so, bazu" seid ihr ja da." Nachdem Fräul. Dmoch noch die Kostümfrage berührt hatte, verlas sie eine von ihr ausgearbeitete Hausordnung für die Wirthe, deren Anerkennung durch diese sie für erstrebens: werth erachtete. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde Fräul. Wagner zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Bezüglich der Wahl einer Rassirerin wurde ein Resultat nicht erzielt, da Frau Nikolaus, die vorgeschlagen war, mit dem Hinweis darauf ver zichtete, daß weder ein Grund vorliege, der bisherigen Kassirerin, Frau Ebert, ihr Amt zu entziehen, noch für diese ein Anlaß vorhanden sei, von demselben zurückzutreten. Die öffentliche Versammlung aller Arbeiter und Arbeites rinnen in der Schuh, Schäfte- und Filzschuh- Branche, welche am 12. Oktober tagte, bot einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag des Herrn Silberberg über: Lohn- und Stückarbeit". In der Diskussion sprachen die Kollegen Krause, Körtel und Klinger. Aus der hiernach vorgenommenen Wahl einer Agitationskommission, welcher auch die Regelung des Versammlungswesens obliegt, gingen die Kollegen W. Krause, R. Fleischer, Seidel, Bens, A. Fleischer, Schmolling, H. Krause II, Steffen, Opig, Niederauer, Büttner, Eckerlein und Plüschte als gewählt hervor. Für die Schäftebranche wurden nur 2 Kollegen gewählt, die übrigen sollen in einer nächsten Versammlung gewählt werden. -Eine öffentliche Versammlung der selbstständigen Kürschner und der bei demselben beschäftigten Arbeiterinnen tagte am 15. Oktober. Gegenstand der Verhandlung bildete das Zirkular der allgemeinen Ortskasse( früher Meyer'sche Kaffe), welches das Verlangen stellt, die weiblichen Arbeiter möchten durch Unterschrift erklären, ob sie geneigt sind, zur Kürschnerkasse überzutreten. Kollege Thomsen schilderte, wie die Kürschner sich schon seit Jahren bemüht hätten, die Arbeiterinnen in ihre eigene Kasse aufzunehmen, was doch wohl ein billiges Recht der Gewerkschaft sei. Dies sei jedoch bis jetzt durch verschiedene Einwände, die seitens der allgemeinen Ortskasse und des Magistrats gemacht wurden, verhindert worden. Hierbei wurde dem Vorsitzenden der Kürschnerkasse vorgeworfen, daß er die Sache wohl zu lay behandelt habe. Derselbe verwahrte sich jedoch dagegen, indem er meinte, man müßte erst abwarten, denn er habe noch Hoffnung, die Schwierigkeiten zu überwinden. Kollege Dobrenz unterzog die Bemerkung des Inhabers der Firma Seegall, die Kürschnertaffe biete seinen Arbeiterinnen nicht genügende Sicherheit", einer scharfen Kritik, und frug an, ob man Herrn Seegall nicht noch 5000 M. Ertrakaution stellen solle für die 5 oder 6 Arbeiterinnen, die bei ihm beschäftigt sind. Von mehreren Kollegen wurde auch bezweifelt, daß die 31 Unterschriften der Arbeiterinnen der Firma H. Wolf, die gegen den Eintritt in die Kürschnerkasse ftimmten, alle von den Arbeiterinnen selbst geschrieben wären. Zwei Resolutionen wurden eingebracht, welche aber nach Annahme eines Antrages, noch eine zweite Versammlung einzuberufen, wieder zurückgezogen wurden. Für bessere Bekanntgabe dieser Versammlung, als bei der heutigen geschehen, wird gesorgt werden. Zum Schluß macht Kollege Dobrenz noch darauf aufmerksam, daß es nothwendig sei, in dem Bericht für den Vorwärts" darauf hinzuweisen, daß die Arbeiterinnen vielfach der irrigen Meinung wären, beim Uebertritt zur Kürschnerkasse sei nochmals Einschreibegeld zu zahlen. Dies wäre nicht der Fall, der Uebertritt mache den Arbeiterinnen keinerlei Unkosten; auch würde die Behandlung seitens der Kürschnerkasse eine bessere sein. Jedenfalls aber herrsche dort nicht der sogenannte Raisonnirton, der bei der allgemeinen Orts- Krankenkasse beliebt würde. In der Versammlung des Allgemeinen ArbeiterinnenVereins sämmtlicher Berufszweige Berlins und Umgegend( Moabit) am 14. d. M. hielt Herr Henning einen mit Beifall aufgenomme nen Vortrag über die Entstehung der Erde und die Entwickelung des Menschen. Eine Diskussion fand über den interessanten Vortrag nicht statt. Unter Verschiedenem machte Frau Fahrenwaldt bekannt, daß am Sonntag, den 25. d. M., wieder eine Versammlung mit nachfolgendem gemüthlichen Beisammensein und Tanz in der Aktien- Brauerei Ahrens. Thurmstraße, stattfindet, und bat die Anwesenden, sich recht zahlreich daran zu betheiligen. Gleichzeitig ermahnte die genannte Dame die Mitglieder, sich in der am 9. November, bei Säger, Grüner Weg 29, stattfindenden General- Versammlung zahlreich einzufinden und von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen, da die Neuwahl des Borstandes vorzunehmen ist. Zur Kassirerin wurde Frau Quappe gewählt. Der Verein der Kurbelstepperinnen, Stepper 2c. hielt am 14. b. M. eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand zunächst der Kassenbericht. Der Kassirer verlas denselben und ging daraus die stetige Zunahme des vor einem Jahre gegründeten Vereins hervor. Es folgte hierauf die Abrechnung über die beiden letzten Vergnügen. Sodann wurde zur Wahl des Gesammtvorstandes geschritten; dieſelbe ergab Folgendes: Paul Böhm, erster Vorsißender; Fräulein Prenzlow, zweite Vorsitzende; an Stelle des freiwillig ausscheidenden Kassirers Prillwig wurde Herr Breitter gewählt; ferner zum ersten Schriftführer Herr Rob. Burisch, zum zweiten Frl. Menz; zu Ersaz personen Frl. Anders und Frl. Mack; zu Revisoren die Herren Prillwig, Brasch und Ad. Burisch. Die Wahl der Arbeitsvermittler wurde der nächsten Versammlung überlassen. Auf eine Anfrage aus der Versammlung, was der Vorstand zu thun gedenke, um Ausdrücke, welche in eine Versammlung von Damen und Herren nicht gehören, und wie sie Fräulein Wabniz in der legten Versammlung gebraucht hat( Fräulein Wabnik besprach die Ulte der Studenten gegenüber den Kellnerinnen), zu verhindern, erwiderten der Vorsitzende und die ihm folgenden Redner, man wolle zwar die kritische Besprechung solcher Dinge nicht verhindern, verwahre sich aber dagegen, daß dieselben vor Versammlungen mit Damen und Herren bis in die kleinsten Details ausgemalt werden. Es lief auch eine Resolution ein, welche hierüber Fräulein Wabniß die Unzufriedenheit der Versammlung ausgedrückt wissen wollte, dieselbe wurde aber abgelehnt, da Fräulein Wabnih nicht zugegen war. Nach Schluß der Verfammlung blieben die Anwesenden bei gemüthlicher Unterhaltung und Tanz noch mehrere Stunden beisammen. Allerlei aus aller Welt. Wie er seine Frau zum Lesen sozialdemokratischer Zeitungen ,, herangekriegt" hat, erzählt in der Fränk. Tagespost" ein Genosse recht amüsant. Meine Frau war eine abgesagte Gegnerin der Arbeiterpreffe, überhaupt jeder Zeitung, welche nicht mit Inseraten gesegnet ist und nicht den bekannten Klatsch in spaltenlangen Artikeln zum Abdruck bringt. Auf die Fürther Sozialdemokratische Bürgerzeitung" schimpfte meine Frau, obwohl sie noch niemals eine Nummer unseres Blattes gelesen hatte; es war dieses Schimpfen eine Gewohnheit, worüber sie sich selbst feine Rechenschaft geben konnte. Ihre Lektüre war der Zentralanzeiger", außerdem hatte sie sich auf einen Roman abonnirt, wovon nun schon das 57. Heft erschienen ist, ohne daß abzusehen wäre, wann der Schwindel zu Ende geht. Ich habe mir große Mühe gegeben, meiner Frau in Bezug auf Lektüre einen besseren Geschmack beizubringen; jedoch vergeblich. Den ,, Zentralanzeiger" mußte sie lesen ,, wegen der Inserate und Traueranzeigen"; obwohl wir weder ein Logis zu vergeben haben, noch eins brauchen und auch nicht gern den Kirchhof besuchen. Vergebens fuche ich meiner Frau begreiflich zu machen, daß jeder Arbeiter die Vers pflichtung hat, die Arbeiterpresse zu unterstüßen, da nur diese die Intereffen der Arbeiter vertritt, während die übrigen Zeitungen zu unseren Unterdrückern halten, oder der Lage der Arbeiter gleichgültig gegenüberstehen. Ich führte meiner Frau die eigenen Verhältniffe vor Augen, die, nebenbei gesagt, nichts weniger als zufriedenstellend sind. Sie stimmte mir im ersten Theile bei, aber ihre stereotype Antwort war: Daran ändert die Bürgerzeitung" auch nichts." Schließlich ließ sie sich doch einmal bewegen, den Zentralanzeiger" abzubestellen und dafür bie Bürgerzeitung zu abonniren. Am Montag Abend, als unser Blatt erschien, überflog meine Gatttin die vier Seiten flüchtig und als sie ihre gewohnte geistige Kost nicht fand, legte fie mir das Blatt stillschweigend auf meinen Play. Die folgenden Tage würdigte sie der Bürgerztg." feines Blickes mehr und am darauffolgenden Montag war diese verschwunden, der„ Zentralanzeiger" lag, als ich zu Hause kam, wieder auf dem Tische. Ich sagte kein Wort, kleidete mich, nachdem ich Abendbrot gegessen hatte, um und ging, gegen meine Gewohnheit, ins Wirthshaus. Als mich meine Frau fragte, was denn heute los sei, antwortete 11 " 1 " ich ihr, ich möchte die Bürgerzeitung" lesen und ginge zu diesem Zwed in Gesellschaft. Im Wirthshaus traf ich Kollegen; nachdem ich die Zeitung gelesen hatte, spielten wir eine Maß aus, ich hatte Pech und der erste Ausgang toftete mir 60 Pfennige. Ich ärgerte mich darüber, beschloß aber, die eingeschlagene Taktik fonsequent fortzusetzen. Am zweiten Tage war trop des Schmol lens meiner Frau wiederum Ausgang, diesmal ging es mit 24 Pf. ab. Am Mittwoch gings wieder ins Wirthshaus. Nun wurde meine Frau stutig und fragte energisch, ob denn das so fort ginge. Ich erklärte ihr ganz ruhig, daß ich jeden Tag ins Wirthshaus gehen werde, um mein Blatt zu lesen, und rechnete ihr zugleich vor, was sie mit der Abbestellung des Blattes ges wonnen hat. Das wirkte: am Donnerstag, als ich zu Hause tam, lag die Bürgerzeitung" bereits auf meinem gewohnten Play und am darauffolgenden Sonnabend wurde der Zentral anzeiger" wiederum und zwar für immer, abbestellt. Noch mehr, meine Frau fand nach und nach Gefallen an unserem Blatte und gehört heute, nach vier Wochen, zu den eifrigsten Leserinnen un seres Organs. Man hat der Amerikanerin immer nachgerühmt, daß in ihrem Karakter sich auf eigenthümliche Weise die Würde, der Abel und die Karakterfestigkeit des englischen Weibes mit dem leidenschaftlichen Feuer der Französin in anmuthiger Weise ver bänden. Immerhin ist die Amerikanerin eine feurige Patriotin, eine wilde Parteigängerin gewesen. Als solche hat sie leiden schaftlich an dem Kampfe zwischen Nord und Süd theilgenommen. Die Thatsache ist allgemein bekannt, daß in die Reihen beider amerikanischen Armeen eine große Anzahl Mädchen und Frauen unerkannt eingetreten ist und als Freiwillige unter irgend einem angenommenen Männernamen die Kämpfe mitgemacht hat. Fünfundzwanzig Jahre sind seit jenen Tagen vergangen. Selbst der Kongreß hat sich wiederholt mit diesen patriotischen Amas zonen beschäftigt. Auch jezt ist wieder ein bemerkenswerther Fall vor das Militärtomite des hohen Hauses gelangt. Als der Bürgerkrieg tobte, lebte in Flint im Staate Michigan ein blutjunges Mädchen Namens Sarah Edmonds. Sie trat als Freiwilliger unter dem Namen Franklin Thompson in die F Company des zweiten Michigan- Infanterieregimentes ein. Mit diesem Regimente ging fie sofort zum Kriegsschauplage ab machte die Schlacht von Bull- Run mit, den ganzen Feldzug auf der Peninsula, focht darauf unter General Pope, später unter General Burside in Fredericksberg und wurde zuletzt mit ihrem Regiment nach dem Westen, nach Kentucky beordert. Fin figer trop bat eing und mun erth fich folch Bar Wechselfieber zwang sie aufs Krantenbett. Aus Furcht, ihre halb Krankheit könne zur Entdeckung ihres Geschlechtes führen, sie um längeren Urlaub. Er wurde ihr verweigert. Franklin Thompson desertirte und zog wieder Frauenkleider an. So vor Entdeckung geschütt, schleppte sich Sarah Edmonds bis nach Oberlin im Staate Ohio. Im Jahre 1867 verheirathete sie sich, Ron natürlich an einen Soldaten. Aber an ihr nagte Verdruß, der Kummer an ihrer Seele, daß ein so tapferer Soldat, wie Franklin Thompson es gewesen, in den Militärrollen als De serteur" vermerkt stehen bleiben sollte. Dieser Schmerz nahm immer mehr zu, als sie bei dem Aufenthalt in den verschiedenen Forts Gelegenheit hatte, manchem ihrer früheren Kameraden und Kampfgenossen wieder zu begegnen. Sie gestand endlich ihrem Manne, dem Sergeanten Seelye, mit dem sie gegens wärtig in Fort Scott in Kansas stationirt ist, und wo augenblicklich eine ganze Zahl ihrer Kumpane aus dem Bürgerserklä triege weilen, das Geheimniß ihres Lebens. Ein Kriegsrath Vori wurde abgehalten, zu dem auch die früheren Genossen gelaben 250 wurden, und zu dem Mrs. Seelye als Franklin Thompson noch einmal in Uniform erschien und von allen auf der Stelle refognosziert wurde. Man beschloß, unter Darlegung der Ver hältnisse, eine Petition an den Kongreß zu richten. Diese Petition liegt dem Militärkomite jezt vor. Mrs. Seelye bittet beba Seien ford nahn Mei Aus habe Mitc Dpp Reid darin um Rehabilitation und auch der praktische Gesichts Beu punkt ist von der Amerikanerin, die jetzt Mann und Kinder hat, nicht vergessen worden um Nachzahlung aller ihr gebührenden Mai rückständigen Löhne und Guthaben. Ihre Aussichten sind sehr günstig. Der Fall hat berechtigtes Aufsehen gemacht, und die Romitemitglieder find durchaus geneigt, das Gesuch der Heldin zu gewähren, weil wie es in ihrem Bericht an das Plenum gend des Hauses heißt der Fall schwerlich geeignet ist, einen ges tag fährlichen Präzebenzfall für fünftige Deserteure au schaffen." Ein Klostergeheimniß. Aus Jassy( Rumänien) wird dem Neuen Wiener Tagebl." berichtet: Das hiesige Tribunal erhielt die Anzeige von einem Fall klösterlicher Justih, welcher sellschaft, welche das bekannte Kloster in Neamzi, das reichsten und sehenswerthesten der Moldau gehört, besichtigte, fiel bei einem Rundgange eine vermauerte Zelle auf. fie führende Laienbruder gab auf ihre neugierigen Fragen rückhaltlos die Auskunft, daß in derselben ein Mönch eingegrüß fertert sei. Die Zelle besize kein Fenster und keine Thu sondern nur eine enge, verschließbare Deffnung, durch welche dem Unglücklichen eine spärliche Nahrung gereicht werde Nun wollte der offenbar etwas beschränkte Führer, erschrocken eröff über die Wirkung seines Berichtes auf die Zuhörer, dieselben mitt von dieser Stelle fortbringen. Doch folgten sie nicht und zu ben Der begannen die Wand näher zu untersucheu, worauf fie eine Klappe entdeckten, mit welcher die erwähnte Deffnung schlossen war. Als sie öffneten, strömte ein abscheulicher vers Ge Derft zu e Sig cinn eing holm Volt ruch hervor und es bot sich ihnen ein schauderhafter Anblic. Die In einem Winkel lag zusammengekauert ein nothdürftig be fleideter Greis, der mit blödem Gesichtsausdrucke vor fich hinstarrte. Der Führer der Gesellschaft theilte nun mit, daß der Unglückliche bereits seit drei Jahren wegen eines ordinationsvergehens in dieser Zelle eingeferkert sei. Subs Die liberalen rumänischen Blätter nehmen diesen Vorfall zum Anlaß, eine strenge behördliche Aufsicht der Klöster zu fordern die sich bisher von jeder staatlichen Einmischung zu bewahren wußten. Feste Preise. Wer über And're Schlechtes hört, Soll es nicht weiter noch verkünden; Gar leicht wird Menschenglück zerstört, Doch schwer ist, Menschenglück zu gründen! Zur Saison empfehle die schon bekannt billigen elegant garnirten Damenhüte, zum Preise von 3.50, 5, 7, 9 und 12 M. Dame die Hüte selbst so billig herstellen kann. ber bern ben befä ( Kläg burg Vor beha gezo mobl zu fi fition Opp fie Ana und Mache noch befonders darauf aufmerksam, daß sich keine Modebazar M. Raff Berlin, Spandauerbrücke 14. Den Genoffinnen wird diese Firma bei Bedarf befonders empfohlen. D. R. 35 Druck von Fr. Meyer& Hinzpeter, Hamburg, Rosenstraße 3 Refe bie! bie σαι tüde erho bie nent weni