1. Jahrg. Frl. Nr. 48. erich, Fr. Bwed ertel: in ift enes" Slotal Vor: rtiam Die en zu Smidt lieber n des Innen6 bis nnen. 3 ge innen nur e hier Itniffe eschäft Seiten. Lang, der hrend erden. Hamburg, den 28. November 1891. e Arbeitert für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Polkes. Brgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. Eintracht macht stark Bildung macht frei! it: 3 night ift so, t eine reilich nicht taber fe ift n und tände. Ver aber beiter, erfuche A15 r Ar Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Sonnabend. Redaktion: Emma Jhrer, Velten( Mark). Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Rabatt. Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenstr. 35. Abonnement pro Vierteljahr 1 Mart, Einzelnummer 10 Pf. Direkt per Kreuzband Mr. 1.40. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin"! Für unsere Kinder. Der Beschluß des Erfurter Parteitages, den bebigten Mitgliedern der Partei zur Pflicht zu machen, Augenmerk mehr wie früher darauf zu richten, daß innense Jugendlitteratur zu Stande kommt, welche in unterltender Weise, dem Wesen der Kindheit entsprechend, den Geist und das Fühlen der Jugend zu Gunsten es Sozialismus wedt und bildet", giebt der Nordfation utichen Allg. Zeitung" in einem Leitartikel BeranSchuldung, Staat und Gesellschaft aufzufordern, diesem Internehmen vollste Aufmerksamkeit zu schenken. Das Blatt fagt: en Ges rinnen prechen n, die ion zu elangt rganis e Bors 5. Es haben mlun ad aus d, und Fr. Der en wir " " gesucht wird, das Fröbelsche Wort wahr zu machen: ,, Laßt uns unsern Rindern leben!" Noch ist es dem Rapitalismus nicht gelungen, Eltern- und Kindesliebe für die„ an Bildung(?) und Besiz führenden Klassen" zu monopolifiren, und es soll dem Kapitalmoloch auch zu monopolifiren, und es soll dem Kapitalmoloch auch nicht gelingen! Wollte nun die Gesetzgebung dem Schrei der Norddeutschen Allg. Zeitung" nach Jugendlitteratur Polizeiaufsicht willfahren, so würde den Arbeitern die Pflicht, sich der Entwicklung ihrer Kinder angelegentlichst anzunehmen, nur noch begreiflicher werden und nur noch dringlicher eingeschärft, also das Gegentheil von bem würde erreicht, was jenes saubere Organ erreichen möchte. Und wir richten hier an dieser Stelle die Auf forderung an unsere Freunde und Leser: wahrt euch das schöne Glück, die Erziehung eurer Kinder, auch eurerfeits! Laßt dabei nicht außer Acht, daß der Zweck aller Erziehung ist, die Kinder zu Menschen im wahren Sinne des Wortes heranzubilden. Verbildet sie nicht dadurch, daß ihr fie, noch ehe fie der Zwangsschule verfallen find, in eine Glaubensschablone irgend welcher alleinfeligmachenden Kirche hineinzwängt mit ihrem Fühlen und Denken. Dresfirt sie nicht für den HurraPatriotismus, nicht zur Menschenvergötterung besonders privilegirter Personen, sondern zur Achtung der Menschen Leider ist dieser würde in jedem Nebenmenschen. Leider ist dieser pädagogische Fehler allbereits bis in die Kindergärten eingedrungen!! Man ist im Zuge, eine Reform des höheren Unterrichtswesens durchzuführen und dem VolksschulDurch wesen eine gefeßliche Grundlage zu geben, von welcher Den aus dasselbe eine neue ersprießliche Weiterentwicklung innen nehmen soll.( Ift auch danach! Die Red.) Die mit diesen Bestrebungen verfolgten Ziele würden verfehlt en und werden müssen, falls man mit verschränkten Armen eines dem in der Organisation begriffenen sozialdemokratischen Erziehungswerte" zuschauen wollte. Eine Partei, welche fich selbst von jenem allgemeinen Rechtsboden 4 Ber entfernt, ohne deffen gesicherten Fortbestand der ein ber Rulturstaat untergehen muß, eine Partei, welche diesen Untergang ausgesprochenermaßen zum Ziel nimmt, wird ohnehin kaum beanspruchen dürfen, mit alb die gleichem Maße wie andere gemessen zu werden. ( Aha! Die Red.) Will man aber von jener Seite bazu übergehen, sich die Zukunft zu sichern, indem role man agitatorisch seine Tendenzen unter der Jugend ebt, zu verbreiten beginnt, dann würde es die Selbsterhaltungspflicht verlegen heißen, falls solchem Unter. fangen nicht ein Halt geboten würde, welches der Gefährlichkeit solchen Treibens entspricht. Zu diesem Zwecke wird es kaum genügen, an Schule und Kirche und an den Einfluß der Familie zu appelliren, es werden andere, augenfälligere Kräfte zur Abwehr herangezogen werden müssen." on den , benn heutige uf, ihr Schlafe Erzieht sie nicht zur Menschenfurcht, zur Feigheit und Hundebemuth! Furcht und Schreck in die Seelen der Kinder zu werfen zu erzieherischen Zwecken ist Unsinn, ist geistiger und moralischer Mord! Weg mit den Prügeln! Denkt ihr dieser aber nicht entrathen zu tönnen aus Mangel an Zeit und einer etwa vereinzelt wirklich vorkommenden Unwahrhaftigkeit und Bösartig, keit gegenüber, so überlegt es euch zehnmal ehe ihr züchtigt: Straft nicht im 3orn, nicht über das Maß! Ihr erzieht euch sonst selbst Feiglinge und Stiefellecker der Gewalt! Droht weder mit dem schwarzen Mann," noch mit dem Effenkehrer, noch gar mit dem Schußmann! Ist es ein Wunder, daß heute viele vor einer Pickelhaube erbleichen, vor einem Geldsack sich bücken, vor Privilegirten sich auf den Bauch werfen, vor einem Richtertalar gar in den Erdboden sinken möchten und ihre ganze eigene Menschenwürde vergessen und freiwillig wegwerfen? Ist unsere häusliche und die staatliche Zwangsschulerziehung nicht vielerorts vortrefflich dazu geeignet, an Stelle der Erziehung den Drill und die Dressur treten zu lassen? Wie der Angstmeier sich die augenfälligeren Kräfte orstellt, die gegen die Litteratur losgelassen werden llen, ist nicht recht erfindlich. Mehr Polizei, mehr reßprozesse als wir schon haben? Sind die vorhandenen ahrsprüche über Heines Weberlieb, über Büchners anton, die Berliner Theaterzensur, das Dresdener tommandiren einer zweiten Vorstellung von Ibsens espenstern, die Verbote der historischen Romane von Balloth und die ganze schwere Menge von Verge ltigungen der Dichtkunst und Litteratur nicht vollauf nügend, um zu beweisen, daß in Deutschland die use der Dichtkunst, wie die ganze Schriftstellerei unter lizeilicher und strafrichterlicher Aufsicht steht wie eine artendame"? Ist der Norddeutschen Allg. Zeitung" Zwangsjacke der deutschen Preß, freiheit" noch zu der? eurem Thun und Reden vor den Augen und Ohren eurer Kinder, seid ihnen Vorbilder echter Menschlichkeit! Falsch wäre es, wolltet ihr mit aller Gewalt den Kampf und Streit der Politik, der ja von unseren Gegnern mit allen möglichen Mitteln der Lüge, der Verleumdung, des Hasses und der Brutalität geführt, ja auch in die Schule gezerrt wird, in die zarten jugendlichen Seelen schleudern. Das bringt das spätere Leben schon frühe genug! Mit gutem Tatt ist alles dies in der bereits vorhandenen sozialdemo fratischen Jugendlitteratur auch vermieden worden! Wir wundern uns, daß die norddeutsche Hezbirne das nicht weiß! Schon in den siebziger Jahren kam alle Weihnachten der von unserem Freund Hasenclever und Schahmeier redigirte Jugendschap" heraus. Er hatte sehr starke Auflagen und er hat viel Gutes gewirkt! Oft hat der Schreiber dieser Zeilen in Familien von befreundeten Arbeitern die gut ausgewählten Sprüche und Gedichte aus trautem Kindermund mit Verständniß lesen und auffagen hören! Die„ Neue Welt" und der Volksfreund" haben Auffäße, Erzählungen und Abhandlungen gebracht, die sich eigneten, von den Eltern ihren Kindern wiedererzählt zu werden. Neuerdings begann zu erscheinen„ Die Jugend", eine Schrift zur Unterhaltung und Belehrung für Söhne und Töchter des arbeitenden Volkes, heraus gegeben von Dr. Bruno Wille. Seinem Unternehmen gegenüber möchten wir die Frage aufwerfen: welches Alter ſezt unser wohlmeinender und sehr wohlunterrichteter wie begabter Genosse voraus? Wenn er sich an das zarteste Alter wendet bis etwa zum 10. und 12. Jahre, so möchte der Aufsatz über die russische Polizei und ihre Opfer im 2. Heft( weitere gingen uns bis jetzt nicht zu! Erschienen deren mehr?) nicht findlich genug gehalten und deshalb nicht passend sein. Alles übrige iſt vortrefflich ausgewählt und gut geschrieben. Nicht auf sozialdemokratischem, sondern freidenkerischem Standpunkt steht der Verfasser eines jüngst erSoll das Buch Kindern in die Hand gegeben werden, schienenen Lesebuchs für Kinder aufgeklärter Eltern".*) so möchten wir, daß die Vorrede an die Eltern herausgenommen wird. Die Absicht ist gut und lobenswerth, doch will uns auch hier scheinen, als wenn die Abschreckungstheorie in der Darstellung von geschichtlichen Grausamkeiten und Rohheiten zu stark hervorträte. Man denke an Jugendbücher nach Art des Struwelpeters; in folchen wird z. B. der Thierquäler vorge führt. Wird dies nicht gerade den Nachahmungstrieb anregen und gerade das Gegentheil des beabsichtigten Zweckes erreichen? Es ist ein erzieherischer Grundsay, lernen, in sich aufnehmen soll. Die Mehrzahl der in dem Kinde nur nahe zu bringen, mas es annehmen, dem Lesebuch dargebotenen Stücke ist edel gehalten und wohlgeeignet für den verfolgten Zweck. Das beste Erziehungsmittel ist das Beispiel, das Vorbild, das die Eltern ihren Kindern geben. Seid überall, wo Rinder in der Nähe, so, wie ihr wünscht, daß diese werden mögen! Redet und handelt stets so, wie ihr es von euren Kindern wünscht, denn fie ahmen Die verflossene Preßdirne der Bismarck'schen Politit euch in alle Wege nach! Wollt ihr echte und rechte te fich vollkommen genügen lassen können an dem, Sozialdemokraten sein, so wird euch das nicht schwer Holzs ist in dieser Art! Daß sie den oben erwähnten fallen; ist doch der Sozialismus begründet auf Wahr der schon eine gleiche auf dem Brüsseler Kongreß vorauswendungen und Ausdeutung des Preßgesetzes aus re Druter Brust Beifall zujauchzt in obigen cynischen Säßen, heit, Gerechtigkeit und Menschenliebe, und davon wird iffen An n unten bei ihr ja selbstverständlich. Seite Seite rft." tere fur e eivorstan hr Eigen Aber selbst angesichts der derzeitigen deutschen Breßfreiheit" und der oft wie ,, Gottes Wege" wunderen Auslegungen des Preßgefeßes wüßten wir nicht, befähigte Schriftsteller unter uns Sozialisten hindern e sein, wenn anders ihr nicht bloß Maul- Sozialdemokraten sein wollt. Selbstverständlich ist das sozialistische Programm, das kommunistische Manifest und Marrens Kapital fein Jugendunterrichtsmittel. Wohl aber ist jeder kleine Vor" I litteratur, und die Aufforderung des Erfurter Kongresses, Wir haben also allbereits eine eigene Jugendging, wird befolgt werden! Das können wir der Norddeutschen" versichern! ten Gorddeutsche Allgemeine" etwa ein partielles Sozialisten in der Familie abspielen, geeignet, erziehend oder vert es note, eine Jugendlitteratur zu schaffen! Will die gang, jedes Gespräch, die sich in Anwesenheit der Rinder Beilen hat selbst zahlreiche Vorträge über Schul- und gefanmit obligaten geistigen Daumschrauben und ziehend zu wirken, je nachdem ihr wahrhaft sozialde. Freude wahrgenommen, daß diesen Dingen warme ftraße nischen Stiefeln für etwaige Jugendschriftsteller? Es geht an vielen Orten ein frischer Zug durch Arbeiterfamilien, in denen, soweit ihnen die fluch bige Untergrabung" des Familienlebens durch die pitalistische Ausbeutung noch dazu Gelegenheit läßt, mokratisch denkt, redet und handelt oder nicht! Nicht nöthig ist es, zu diesem Zwecke die Worte Sozialdemokrat, Sozialdemokratie und sozialdemokratisch im Munde zu führen! Walte nur echt sozialdemokratische Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschenliebe in allem Selbsterziehung und gegenseitige Erziehung ist in unsern Reihen von den Genossen überall und allezeit schon geübt worden, und auch der Jugend haben wir und werden wir nie vergessen. Der Schreiber dieser Erziehungsfragen vor Arbeitern gehalten und mit großer Theilnahme und großes Verständniß gar vielfach ent gegen gebracht wurde. Diese Eigenschaften des arbeitenden Volkes müssen und werden auch in der sozial*) Theobald Werra, Leseb. f. R. a. E. I. Theil, Leipzig bei Ernst Wiest, Preis 75 Pf. demokratischen Literatur Berücksichtigung auch fernerhin finden, trotz der Norddeutschen" und allen Hetzschwestern und Klageweibern von der Redaktion. Wir sind auf Posten. ( Wähler.) Aus dem Reidistag. Am 17. November hat der Reichstag seine Sitzungen wieder aufgenommen. Eröffnung, Thronrede, jede Feierlichkeit fiel aus, weil nicht eine neue Session beginnt, sondern die frühere fortgesetzt wird nach einer ungewöhnlich langen Vertagung. Diese Form wurde gewählt, um alle angefangenen Arbeiten in den Kommissionen, erste Lesungen in der Versammlung selbst 2c. nicht ganz verloren geben zu müssen, was bei Schluß der Session nothwendig gewesen wäre, da feine angefangenen Berathungen in eine neue Session hinübergenommen werden können. Mit der Neuwahl der Kommissionen ist auch die Arbeit der früheren ungültig. Diese Zweckmäßigkeitsmaßregel, über deren Werth man ja verschiedener Meinung sein kann, wurde aber und das ist charakteristisch für unsere Zustände zu einem Eingriff in die Rechte des Reichstags benutzt. Ein sehr wichtiges Volksrecht ist dasjenige der Unverletlichkeit der Reichstagsmitglieder. Nicht nur, daß kein Redner wegen seiner im Reichstag gesprochenen Worte zur Verantwortung gezogen werden darf, sondern auch, daß kein Abge: ordneter strafrechtlichlich verfolgt werden darf ohne Zustimmung des Reichstages. Der Reichstag hat seine Mitglieder, wie selbstverständlich, stets vor strafrechtlichen Verfolgungen geschütt während der Seffionen, welche auch während der Bertagung desselben fortlaufend find Idaß es sich dabei um politische oder Preßver gehen oder ähnliche Fälle handelte, nicht um Verbrechen, braucht kaum besonders betont zu werden. Eine Anklage wegen Beleidigung wurde während der Vertagung, also während der Dauer der Session, gegen den Abg. Schmidt( Sachsen, Soziald.) erhoben. Da der Reichstag nicht versammelt war, konnte er nicht einschreiten und Abg. Schmidt wurde, trotz seiner Weigerung unter Berufung auf sein gutes Recht, zwangsweise vorgeführt und zu mehrmonatlicher Gefängnisstrafe verurtheilt. Ein anderes Reichstagsmitglied, Abg. Wurm ( Reuß j. 2. Soziald.) entging dem gleichen Schicksal nur durch den Zufall, daß zu der Gerichtsverhandlung gegen ihn, bei welcher er sich selbstverständlich geweigert hatte, zu erscheinen, auch ein Beuge fehlte, so daß die Verhandlung vertagt werden mußte. Um ähnlichen Borkommnissen zu begegnen, ist ein Gesezent wurf über die Immunität der Abgeordneten eingegangen, welcher die Frage zu Ungunsten der Rechte der Boltsvertreter ordnen zu sollen scheint. Die einfachste Lösung der Frage, die Unverleglichkeit der Reichstagsmitglieder für die Dauer der Wahlzeit auszusprechen, ist leider von der Majorität des Reichstags nicht zu erwarten. Näheres über diese hochwichtige Frage zu bringen, werden die Verhandlungen des Reichstags Gelegenheit bieten. Bei dem natürlich sparsam zubemessenen Raum, welchen die Sigungsberichte in diesem Blatte beanspruchen dürfen, werden selbstverständlich nur jene Beratungsgegenstände eingehender behandelt werden, welche von besonderem Interesse für die Arbeiterinnen sind, sei es ihrer wirtschaftlichen oder politischen Bedeutung willen. Reichstagssigung vom 17. November. Nach Erledigung der nöthigen Förmlichkeiten war der erste Gegenstand der Tagesordnung ein Gesezentwurf über Bestrafung des Sklavenhandels in den deutschen Kolonien. Er wird einer Rommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Hierauf folgt die Berathung der Petitionen, deren eine eine längere Diskussion hervorruft. Es wird darin beantragt, die Kranken- und Unfallversicherung auf die Insassen der Gefangenen, Besserungs-, Armen- und KrankenAnstalten auszudehnen. Die Petitionskommission beantragte Ueberweisung an den Reichskanzler. Mit Ausnahme der Ronservativen äußerten sich alle Parteien zustimmend. Bebel ( Soz.) widerlegte die konservativen Herren, indem er den Widerspruch aufwies zwischen dieser härte gegen die Bestraften und der stets zur Schau getragenen christlichen Gesinnung jener Partei. In warmen Worten empfahl er jedes Mittel, welches den Unglücklichen, die oft nur Opfer der Verhältnisse sind, den Wiedereintritt in die menschliche Gesellschaft ermöglicht, statt sie bei Krankheit oder verminderter Erwerbsfähigkeit hülflos dem ficheren Verderben überlassen. Mit allen Stimmen gegen die der Konservativen wird der Antrag angenommen. Eine Anzahl Petitionen gegen den Wucher sollen auf den Antrag Strombeck( Bentr.) zur Berücksichtigung überwiesen werden. Um die sachliche Diskussion, die sich entspinnt, zu be Auch eine Frauenfrage. ( Fortsetzung und Schluß.) bull and lo Was Alles zwischen den Beiden vorgegangen ist, das weiß Gott. Wie ich nach Hause komme, liegt das Rind auf dem Fußboden, stöhnt zum Herzbrechen und sagt: Mutter", sagt sie ,,, mit dem Paul und mir ist's " 1 aus; und dann erzählt sie mir nach und nach die ganze Geschichte und bleibt wie zerstört. Und nun sagen Sie mir, was soll ich mit dem armen Mädchen thun?" ". 17 11 Am Besten wäre es", meinte Anna ,,, wenn man wegen dem Unrecht, das sie erlitten, klagen könnte, bamit man öffentlich beweisen kann, daß sie nichts Unrechtes gethan hat." buds is Wir haben's ja versucht!" schreit die arme Mutter in Verzweiflung. Wir waren bei einem berühmten Advokaten, einem braven Mann, der sich gern der Armen annimmt und ihnen hilft, wie und wo er kann. Und was hat er uns gesagt? Es sei gar kein Grund da zum Klagen; der Mann hat nichts gethan, was nicht in seinen Vorschriften drin steht. Das sind schöne Vorschriften, nach denen ein Mann blos aus übler Laune ein armes kind ruiniren kann, blos weil sie lacht. Weil sie lacht! Allmächtiger Himmel! Wer auf der Welt glaubt einem denn das? Was sind das für Gesetze, die so' was erlauben!" Wir haben sie getröstet, so gut wir konnten. Sie hat auch versprochen, daß die Lene morgen zu Anna kommen soll, um Arbeit zu bekommen. Was macht denn die Trude?" fragte ich noch. Aber da schüttelt die arme Frau den Kopf. der leben, bringt Abg. von Liebermann( Antisemit) etwas Judenheze in die Debatte, welche mit Annahme des Antrages endigt. Donnerstag, den 19. November, beginnt die zweite Be rathung des Gesezentwurfs, betreffend Abänderung des Geseges wegen Unfall und Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883.( Die erste Berathung fand vor der Vertagung statt.) § 1 der Vorlage bezeichnet als versicherungspflichtig diejenigen Personen, welche gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt sind: In Bergwerken, Gruben 2c., beim Eisenbahnbetrieb, auf Werften, bei Bauten, im Handelsgewerbe, im Handwerk, bei Anwälten, Notaren, Gerichtsvollziehern, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften usw. mit Ausnahme der Gehülfen und Lehrlinge in Apotheken. Hierzu liegen verschiedene Busakanträge vor: Antrag Strombeck( 3entr.) will nur die Auszahlung der Berufsarten verbessern. ti Antrag Hirsch( freis.) will die Angestellten bei Notaren, Anwälten, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Versiche rungsanstalten streichen. Antrag Goldschmidt( freif.) will die Handlungsgehülfen und Lehrlinge streichen. Antrag Auer( Soz.) will die Versicherung ausdehnen auf Hausindustrielle und auf Familienangehörige, welche nicht auf Grund eines Arbeitsvertrages beschäftigt werden. In der Diskussion vertheidigt Hirsch( freis.) seinen Antrag, indem er darauf hinweist, daß die Noth unter den Handlungsgehülfen nicht von den zahlreichen Erkrankungen herrührt, sondern von der Stellenlosigkeit. Auch genügten die freien Hülfskaffen vollauf, falls sie die nötige Unterstüßung fänden. Nur ein kleiner Theil der Handlungsgehilfen wünsche die Zwangskassen. Staatssekretär v. Bötticher vertheidigt den Gesetzentwurf, besonders Goldschmidt gegenüber, die Versicherung der Hand lungsgehülfen. während in Bayern zwar die Versicherungspflicht eingeführt, Ausnah doch die Beiträge von diesen selbst geleistet werden müssen. Merzte Sehr nöthig ist die Regelung dieser Sache wenigstens durch Ab Drtsstatut. Antrag Staatssekretär v. Bötticher bespricht die Schwierigkeit eilärzte der Ausdehnung der Versicherung auf die Hausindustriellen. er Nat Der Antrag Molkenbuhr wird gegen die Stimmen der erzte Sozialdemokraten und Deutschkonservativen abgelehnt, der§ 2n Mi mit dem Antrag v. Strombeck angenommen. Na Nach§ 3 find Personen des Soldatenstandes und solche in le ab Reichs, Staats- und Gemeindebetrieben beschäftigte Personen, ommer welche für mindestens dreizehn Wochen Anspruch auf Kranken$ 6 unterstügung haben, von der Krankenversicherung befreit. er Be A6 Abg. Bruhns( SD.) beleuchtet die ungenügende Unter eit in stützung der Zwangskassen im Gegensatz zu den freien Kaffen, he von denen z. B. die der Tabakarbeiter bis in das zweite Jahr biglich hinein Unterstützung zahlt. Was freie Kassen thun, müssen die 3wangstaffen erst recht thun, oder sie sind nicht existenzberechtigt. Belche Abg. Möller( Nat.) befürchtet, daß durch längere Unterb von mach ftüßungsdauer das Simulantenwesen großgezogen würde. An Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten eftimm abgelehnt und§ 3 angenommen. Nach§ 4 fonnten Personen, welche der Versicherungspflicht foigur nicht unterliegen, sich der Gemeindekrankenversicherung and all schließen. Hierzu wird der Antrag v. Strombeck, wenn deren Ein tommen 2000 M. nicht übersteigt, angenommen. Di Bei§ 6 wird von den Sozialdemokraten beantragt, in dem Absatz bei Erwerbsunfähigkeit vom 3. Tage ab ein tägliches Krankengeld usw." den Paffus vom 3. Tage ab" zu streichen. aben Abg. Virchow( F.) beantragt, dem§ 6 hinzuzufügen: niger Als ärztliche Behandlung im Sinne dieses Gesetzes gilt die mal dieſes Geſetzes gilt binebit jenige, welche feitens eines approbirten Arztes erfolgt. Inredigt Fällen dringender Gefahr, wo ein approbirter Arzt nicht zu er hre reichen ist, darf die Hülfe auch anderer Personen angerufen costit werden, welche eine technische Borbildung genomen, aber bie ob ärztliche Prüfung nicht bestanden haben." Diese Fassung stelle Jedem frei, sich von Kurpfuschern behandeln zu lassen, ohne Kurpfuscherei zu begünstigen. die eger Pr It ei me Re die Bruhns( Soz.) spricht seine Sympathie für freie Hülfskaffen aus, zu deren Förderung und Unterstügung seine Partei stets bereit sein werde. Aber für diejenigen, welche sich freien Hülfskaffen nicht anschließen, sei der Zwang nothwendig. Auch sollten Arbeiter jeder Art, insbesondere Dienstboten und ländliche Arbeiter in die Versicherungspflicht einbezogen werden. sid. 1 In der weiteren Diskussion spricht sich Spohn( Zentrum). Bötticher tritt den Ausführungen entgegen, weil e für Versicherung der Handlungsgehilfen aus, ist aber sehr gegen fie für eine gefährliche Einschränkung für jene Gegenden hält, die Einbeziehung der Dienstboten und ländlichen Arbeiter, wäh in denen Aerzte nicht vorhanden sind. rend Hirsch( freis.) betont, daß die Kaufmannsgehilfen ja das Recht haben, bei der Gemeinde die Errichtung einer Zwangsfrankenkaffe zu beantragen; von diesem Recht sei aber sehr selten Gebrauch gemacht worden. Dagegen fände Redner die Krankenversicherung für ländliche Arbeiter sehr gerechtfertigt. Abg. Singer( SD.) will die freien Hülfskaffen in ihrem Bestehen geschütt wissen, aber der Versicherungszwang müsse ausgesprochen werden und Zwangskaffen für Diejenigen bestehen, welche nicht in die freien Kassen eintreten. Militär- und Schulzwang werde von allen Seiten gebilligt, aber ein Zwang gegen das Ausbeuterthum stoße auf Widerstand. Wenn auch die Geden seltensten Fällen die Lust dazu haben. Redner verweist darauf, daß die Gemeinde Berlin es abgelehnt hat, obligatorische Fortbildungsschulen einzurichten. Auf Gemeindegesetzgebungen dürfe man sich nicht verlassen, wenn es sich um allgemein noth wendige Einrichtungen handele. Von 5-600,000 jungen Kaufleuten seien nur 30-40000 Mitglieder freier Hilfskaffen. Auch verlange die Mehrzahl der Betreffenden nach einer gesetzlichen Regelung der Frage. Die Zusaganträge werden schließlich alle abgelehnt und§ 1 gegen die Stimmen der Freisinnigen unverändert angenommen. Am 20. November wird die Berathung fortgesezt. § 2 enthält die Bestimmung, daß die Gemeinden über den Rahmen des§ 1 hinaus gewisse Arbeiter klaffen durch ortsstatutarische Bestimmung versicherungspflichtig machen können. Dazu gehörten die Handlungsgehülfen, welche jetzt in§ 1 übernommen sind. Die Abgg. Bruhns und Genossen wollen in§ 2 einfügen: Die Dienstboten einschließlich des in der Land- und Forstwirthschaft beschäftigten Gefindes. Abg. v. Strombeck will die im Kommunaldienste und Kommunalbetriebe beschäftigten Arbeiter nur beim Jahresver dienste unter 2000 M versicherungspflichtig machen. Abg. Graf Holstein( DK.) bedauert, daß man in der Kommission den Antrag, Dienstboten und Landarbeiter in die Versicherung einzuschließen, ablehnte, verzichtet aber darauf, denselben wieder einzubringen. Abg. v. Strombeck( 3.) wünscht präzisere( genauere) Fassung der Bestimmungen für§ 2. b Abg. Moltenbuhr( SD.) führt an, daß nur in Hamburg die Krankenversicherung für Dienstboten streng durchgeführt ist, Sigung vom 21. November. v. Strombed beantragt: Die ärztliche Behandlung ist w thunlichst durch approbirte Aerzte zu gewähren. auf eils Abg. Bebel: Unser Antrag auf Beseitigung der Karenzzeit ährter wurde in der Kommission abgelehnt, weil die Zulässigkeit der Ann, d selben durch die Gemeindebehörde für genügend erachtet wurde; M aber das ist sie nicht, weil die Mitglieder der Krankenkassen Freie die Bildung dieser meistens nur von finanziellen Motiven geuf V leiteten Behörde so gut wie einflußlos sind. Das Kranken nmal kaffengeset will und soll aber nicht nur ärztliche Hülfe, sonberit achba auch Befreiung von materieller Sorge während der Krankheit " F schaffen, und mit diesem Zweck steht die dreitägige Karenzzeit eiften then. oifte, fchlof itution in Widerspruch, auch wenn die Krankheit wirklich nur drei Tage dauert. Der drohende Verlust dreitägigen Arbeitslohnes drängt zur Fortsetzung auch anstrengender Arbeit und steigert dadurch die Krankheitsgefahr. Dies gilt besonders von den Frauen während der Zeit periodischer Störung. Den approbirten Aerzten kann man ihren Verdienst gönnen, aber der Zudrang zu diesem Stande hat eine enorme Konkurrenz und ein Streben mmmt, illen ger udte Mi AD nttion annter Wi nach staatlichem Schuß erzeugt, das an die Innungsschwärm unter den Handwerkern erinnert. Ich selbst würde nur einen studirten Arzt zu Rathe ziehen, aber die Ansichten sind eben verschieden. Die Anträge für cyklusive Zulassung approbirter Aerzte gehen zu weit: sie schließen z. B. die weiblichen Aerzte nen aus, die ihre Ausbildung außerhalb Deutschlands suchen müssen und in der Schweiz z. B. auch vollkommen finden. Gerade diese och st weiblichen Aerzte dürften aber Krankenkassen, deren Mitglieder nur Frauen sind, ganz besonders erwünscht sein. Jene Anträge ruhen schließen auch die im Auslande vorgebildeten männlichen Aerzte nach unserer Gewerbeordnung aus. In Berlin kommen aufort r 10000 Einwohner 7 Aerzte, auf dem platten Lande ein Arzt oleta auf 8000 sehr zerstreut wohnende Einwohner, für sie wäre die de od Annahme des Antrages Virchow das größte Unheil. Ueberhaupt fehr wäre er nur durchführbar, wenn der Arzt verpflichtet würde, Bt. S sobald er gerufen wird, auch zu kommen, und man zu bem Zweck die Aerzte verstaatlichen wollte, was doch die Herren nn a Virchow und Eberty als einen Verstoß gegen den heiligen Manchester gewiß nicht wollen werden. Ich aber wünsche, бар man die Leibesärzte verstaatliche, wie die Seelenärzte, die Geift lichen, es bereits sind, und daß die Millionen, die man für Letteren aufwendet, den Ersteren gewähre. Der Antrag chow schafft für die der Krankenversicherung Unterstellten 115099 die Vir δεν bal feren men n rem 2 halten Bu uch egeben efe 9 bin ann ga eschä D thur der Herr Pfarrer ihr ihre Sündhaftigkeit vorgeworfen Auch ist es zugleich ein Zeichen großer Mißachtung und glaubt ihr nicht, was sie erzählt. Sie hat zu Weibes, wenn man von Staatswegen das nöthige Hause getobt und geschrieen vor Zorn und geheult und Material für die männlichen Begierden in besondere zuletzt gesagt:„ Ich wollt' viel lieber, ich hätt wirklich Obhat nimmt, um es ihm gesund und unschädlich zur was Schlechtes gethan, das könnte auch nicht ärger sein, Verfügung zu stellen. Es wäre dies nicht möglich, ge is als wie es mir jeßt geht." Und seitdem ist sie trogig, wenn die anständigen Frauen sich in Empörung gegen lacht die Lene aus, weil die es sich zu Herzen nimmt, diese Maßregeln erhöben; wenn sie fühlten, wie fie in und giebt Niemandem mehr ein gutes Wort außer mir diesen ihren unglücklichsten und elendeſten Mitschwestern und dem Vater. Mit dem Mädchen wird's fein gutes felbst geschändet werden. Sie alle müßten fich ver Ende nehmen. Aber wenn sie schlecht wird, ich bleibe binden, um die Schmach, die ihnen durch solche Geseze babei, sie kann nichts bafür und wir auch nicht. Mit angethan wird, zu tilgen. Dazu kommt noch, daß die ne, t welchen Sorgen und Mühen habe ich die Kinder groß Verordnungen eben so unwirksam sind, als unfittlich egend gezogen und jetzt sollen sie zu Grunde gehen, weil sie und unmenschlich. Denn jeßt erst mußte ein neues auf der Straße gelacht haben." Tusnadi Sospital für franke Frauen dieser Art in Berlin ein Die Steiner hat selbst gelacht es war unheim- gerichtet werden, weil die Zahl derselben so zunimmt. Ganz natürlich, da sie ja täglich der Ansteckung aus lich anzuhören und ist fortgegangen. Anna war sehr betrübt. Es ist ein ganz be Es ist ein ganz besonders harter Fall, aber siehst Du, selbst wenn die " no gesetzt sind. 1891901 nter c ter, Bender ine Li Sun, i ht it beb D leben, ben Das einzige wirksame Heilmittel gegen diefe furcht Kinder nicht ganz unschuldig wären, wenn sie einen baren Zustände, ist eine Gesellschaftsform, in welcher Fehltritt begangen hätten, so wäre es doch die größte Grausamkeit, ihnen zur Strafe dafür jeden Rückweg abzuschneiden, sie einzuschreiben, es einem Jeden und einer Jeden möglich ist zu laffen ht m D ohne zu solchem Erwerb greifen zu müſſen, ohne die utter das heißt, sie ein Röthigung, sich selbst zu verkaufen, statt der freien zureihen in die Armee des Lasters, die den gemeinsten Wahl der Neigung zu folgen. Die Liebe zwischen Trieben Derer dienstbar ist, welche Gelb haben ein so Mann und Weib, eines der mächtigsten und unwider unwürdiges Vergnügen zu bezahlen. stehlichsten Gefühle, welches zugleich die unumgänglichfie Das Eine darfst Du nicht vergessen, daß die Bedingung ist für den Bestand der menschlichen Gefell Prostitution, dieser traurigste Schaden unseres gesellschaft und deren Dauer, dieses Gefühl darf nicht un schaftlichen Lebens, nur möglich ist in einem Klassenstaat, gestraft so tief in den Roth gezerrt werden, als es Ann eint E At fie oluch in welchem die große Menge der Besizlosen das tägliche dadurch geschieht, daß der Staat den Kauf und Verkauf Brod und der persönlichen Hingabe überwacht, dem Manne zur Mit der Trude steht es gar schlecht; sie wird in ſamkeit nichts nüßt, dann ist der Handel mit dem Bequemlichkeit, dem Weibe zur Erniedrigung. Freili eigenen Körper immer noch das einträglichste Geschäft. giebt es noch eine andere Art der käuflichen Liebe und eführt, Ausnahmezustand und gestattet die Zuziehung nicht approbirter nüffen. Merzte gerade in schweren Fällen. durch en. Abg. Schmidt( SD.) wendet sich ebenfalls gegen den Antrag Birchow, die Nothwendigkeit der Zulassung der Naturerigkeit ilärzte hervorhebend, in Rücksicht auf allein 30 000 Mitglieder er Naturheilvereine, auch seien eine ganze Anzahl approbirter en der erzte zur Naturheilkunde übergegangen. Deshalb ersucht er, er§2en Mitgliedern der Kassen freie Aerztewahl zu laffen. Nach längerer Debatte für und gegen die Anträge werden Iche in lle abgelehnt und§6 in der vorgeschlagenen Fassung angersonen, ommen. canten S6a. Abg. Virchow hält den Antrag Auer, die Streichung er Bestimmung über Entziehung des Krankengeldes bei KrankUnter eit in Folge geschlechtlicher Ausschweifung für nothwendig; sittKaffen, he Absichten dürften hierbei nicht maßgebend sein, sondern e Jahr ediglich die Fürsorge für die Kranken. Ten bie Abg. Bebel warnt davor, in das Krankenkassengesetz irgend rechtigt. Pelche moralische oder gar strafrechtliche Momente aufzunehmen Unterb von diesen die Berechtigung des Krankengeldbezuges abhängig machen. Ofraten Angenommen wird schließlich der Antrag Dreden, alle Strafestimmungen zu streichen und nur die Ordnungsstrafen bei Nichtspflicht folgung der Vorschriften über Anmeldung stehen zu lassen, g and alle anderen Anträge gefallen. en Einin bem igliches " Proffitution und freie Liebe." Die Sittlichkeits"- Deklamationen der letzten Wochen reichen. aben den Muckerblättern und auch einem Theil der freitügen: anigen" Presse die erwünschte Gelegenheit geboten, wieder It bienmal auf die von der sittenlosen" Sozialdemokratie gegnedigte freie Liebe" zu schimpfen. Sie versuchten die zu er hre von der freien Liebe" für das Ueberhandnehmen der erufen rostitution verantwortlich zu machen, ja, sie thaten geradezu, er die ob Prostitution und freie Liebe" überhaupt dasselbe sei. Thatsächlich ist Prostitution das genaue egentheil von freier Liebe." 3 ftelle die ne weil er n hält, " Prostitution ist Preisgebung der Persönlichkeit n eines Vortheils willen. In diesem weitesten ne ist die ganze bürgerliche Gesellschaft prostituirt. In Regel denkt man bei dem Worte Prostitution aber nur die geschlechtliche Prostitution und auch nur an die iWeibes. Doch wird die Preisgebung um eines Voreils willen, der nicht nur in Gold, sondern auch in gerenzzeit ährten Vergnügungen, Schmucksachen, Kleidern 2c. bestehen it der nn, dabei überall als das Wesentliche anerkannt. ing wurde; en auf Mit der freien Liebe" hat das absolut nichts zu thun. Freie Liebe" ist ja gerade Hingabe ohne Rücksicht wen geuf Vortheil, überhaupt ohne jede äußere Rücksicht, nicht anten nmal auf die Klatschereien guter Freunde und getreuer ondern achbarn. antheit renzzeit zi Tage Drängt Dadurch " Freie Liebe" steht daher thatsächlich höher als die eisten vor dem Standesbeamten und dem Pfaffen geschlossenen hen. Diese werden, wenigstens in den Kreisen der Bouroisie, vielfach gerade mit Rücksicht auf äußere Vortheile Frauen chlossen. Sie beruhen also eigentlich auf wahrer Proobirten udrang Streben värm einen itution. Eine Frau, die um des Geldes oder eines Titels illen einem ungeliebten Manne in die Ehe folgt, prostituirt genau so, wie ein Mann, der eine ungeliebte Frau mmit, weil sie ihm Verbindungen mit einflußreichen Verndten und damit die Aussicht auf eine glänzende Karriere beben Mitgift entgegenbringt. cobirter Alle diese Ehen, die man etwa Prostitutions- Ehen Aerztennen könnte, gelten als legitim." Sie sind gesetzlich müssen nttionirt und stehen im Rufe höchster Respektabilität. Und e diese och stehen sie noch tief unter den illegitimen", den sogeglieder annten„ wilden" Then, sobald diese auf wahrer Liebe Inträge ruhen. Aerzte und andere Unterschiede" heirathen wollen. Es mag nichts Seltenes sein, daß die arme Proletarierin, von der Herablaffung des Bourgeois geschmeichelt, der Versuchung unterliegt und ihm, ohne Gegenliebe zu empfinden, in die Ehe folgt, weil er Geld, Titel und Würden hat, weil er ihrer Noth mit einem Schlage ein Ende macht und sie gesellschaftlich„ adelt." Die Bourgeoisie findet, daß die junge Frau dabei kolossal gewonnen hat, und doch hat sie alles dabei verloren. Sie hat sich genau so prostituirt, wie die meisten der Bourgeoisfrauen, in deren Kreis sie nun ihren bescheidenen Platz angewiesen erhält. Solche Ehen werden leider thatsächlich eingegangen. Die Bourgeoisie trägt das Gift der Prostitutions- Ghe sogar in die Ehen des Proletariats hinein und zwar ein grausamer Hohn! samer Hohn! gerade durch ihre besseren Vertreter. Die Prostitutions Ehe ist ein rechtes Produkt der fapitalistischen Gesellschaftsordnung. Für die auf freier Liebe beruhenden und aus freier Wahl hervorgegangenen Ehe ist in dieser Gesellschaftsordnung keine Stätte. Erst wenn man aufhören wird, den Werth eines Menschen nach dem Vortheil, den er bietet, zu beurtheilen, erst dann wird die freie Liebe" ihre Herrschaft antreten. Dann wird sich auch zeigen, daß die freie Liebe" die Prostitution, die in der Ehe, wie die außer der Ehe, nicht befördert, sondern beseitigt. Br. " Schundliferatur. Verachte mur Vernunft und Wissenschaft, Des Menschen allerhöchste Kraft, Laß' nur in Blend- und Zauberwerken Dich von dem Lügengeist bestärken, So hab' ich Dich schon unbedingt. Göthe- Mephistopheles. " Wer von uns kennt wohl nicht die moderne Schund, Schand- und Schauder- Literatur"? Bitte zu lesen. Ich hol's wieder ab." Diese oder eine andere ähnliche Phrase leiert der betreffende Kolporteur an jeder Thür ab. Erscheint dann Niemand, so wirft er ein Heft zur Thür hinein und macht sich schleunigst wieder von dannen; geht im anderen Falle jemand nach der Thür und sagt, daß man für derartige Sachen weder Verwendung noch Geld habe, so lautet die gewöhnliche Redensart, die man dann zu hören bekommt: Ach, behalten Sie nur, es fostet ja nichts! Lesen Sie es nur, ich hol's in acht Tagen wieder." " " 1 Arbeiterbewegung. Die Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands veröffentlicht folgenden Situationsbericht: Die Spizenweber in der Leipzig- Lindenauer Spizenfabrik vermochten immer noch keine Einigung mit dem Direktorium zu erzielen. Ein Theil der Ausstehenden ist abgereift. Doch ist immer noch eine größere Zahl zu unterstüßen, und wäre es wünschenswerth, wenn den Streifenden eine so ausreichende Hilfe zu Theil würde, daß sie vor Noth geschüßt wären. Die Weißgeber in Berlin stehen nunmehr 14 Wochen aus, um sich gleichfalls gegen eine bedeutende Lohnverkürzung zu wehren. Auch hier sind alle Versuche der Ausstehenden, eine Einigung zu erzielen, vergeblich gewesen. In Döbeln wurde den Arbeitern eine 22 prozentige Lohnkürzung angeboten, und dürften, da diese bei den heutigen Verhältnissen unannehmbar ist, am 14. b. M. 11 verheirathete und 4 ledige Arbeiter zum Ausstand kommen. Auch in dem Ausstand der Handschuhmacher in Burg, Friedrichshagen und Osterwieck, der bekanntlich gleichfalls durch Lohnreduktion entstand, tritt feine Aenderung ein, da die Fabri kanten keine Neigung zeigen, die bisherigen Löhne fortzuzahlen. Es streiken immer noch 177 verheirathete, mit 357 Kindern, und 103 ledige Mitglieder des Handschuhmacher- Verbandes. In Dresden befinden sich die Metallschläger gleichfalls noch im Ausstand. Die Arbeitgeber sind anscheinend geneigt, von der 14 prozentigen Lohnkürzung Abstand zu nehmen, doch wollen fie den bisherigen Lohn noch nicht zahlen. Ferner liegt es im Intereffe aller Arbeiter, gleichviel ob dieselben heute noch unter einer bedeutend längeren Arbeitszeit seufzen, als die Buchdrucker sie haben, den Letzteren zum Siege zu verhelfen. Thue also Jeder den Ausstehenden gegenüber seine Pflicht, denn hierdurch sichert er gleichsam seine eigene Zukunft. Die Adressen der resp. Streitleiter sind: Spitzenweber: Leipzig, H. Arold, Waldstraße 24, 2. Etage. Weißgerber: Berlin N., F. Trapp, Biesenthalerstr. 6a, 4. Etage. Döbeln i. S., D. Kuhm, Oschaterstraße 36. Handschuhmacher: Arnstadt i. Th., E. Knösel. Dresden, P. Schmidt, Kl. Brüdergasse 17, 1. Etage. Buchdrucker: Berlin SW., E. Döblin, Solmsstraße 31, 3. Etage. Die Generalkommission. Bei der G.-K. gingen in der Zeit vom 29. Oktober bis 11. November ein 1401,34 M. Der Bergbau in Westfalen hatte im Monat September wieder zahlreiche Opfer zu verzeichnen. Kamen doch bei der Sektion II der Knappschafts- Berufsgenossenschaft, welche den Bezirk des königlichen Oberbergamts Dortmund umfaßt, 200 schwere Verlegungsfälle vor, darunter 35 mit sofortigem tödtlichen Erfolge. Das ist Bergmannsloos. Für Andere die Schätze der Erde an das Tageslicht fördern, für sich ein Leben voll Elend und Gefahr. Die Handschuhmacher von Grenoble, welche ihren deutschen Kollegen in Friedrichshagen petuniäre Unterstüßung zugesichert hatten, sind von den französischen bürgerlichen Chauvinisten wegen dieser Bethätigung internationaler Solidarität auf's Schärffte angegriffen worden. Mit Recht haben die Arbeiter darauf erklärt, daß sie die Lohnbrückerei der deutschen Handschuhfabrikanten schon im eigenen Interesse zu hintertreiben suchen müßten, da, falls den deutschen Fabrikanten die Durchführung ihrer Absicht gelänge, auch in Frankreich die Löhne der Handschuhmacher sinken würden. Soweit dürfte die Geschichte, schreibt das Echo", wohl auch jedem Arbeiter bekannt sein, aber kaum wohl der Umstand, daß selbst Leute, die sich als Parteigenossen bekennen, diese Schriften nicht nur halten, um selbige selbst zu lesen, sondern in ihrem Unverstande dieselben auch ihren Kindern zugänglich machen. Es dürfte doch wohl, glaube ich, zur Evidenz bewiesen sein, daß eine derartige Literatur( wenn man diesen Schund überhaupt mit gutem Gewissen so nennen darf) schon geeignet ist, auf erwachsene Personen einen verderblichen Einfluß auszuüben, wie viel mehr ist sie im Stande, ein reines, unverdorbenes Kindergemüth zu vergiften. Man sehe sich nur einmal so ein Heft an! Schon die Titelblätter geben oft ein Bild davon, was man vom Inhalte erwarten darf. Ich will nur auf einige wenige hinweisen: Drei Jahre unter der Erde"," Krone und Kreuz", " Zweimal gelebt". Und der Inhalt entspricht, wie schon gesagt, vollkommen den beim Lesen des Titels auf ihn gefetzten Erwartungen. Hier werden von bösen Menschen zwei Leichen geraubt oder vertauscht, um nach Wochen wieder aus der Erde herausgescharrt zu werden; da wird dieser gemordet oder jener in ein verfallenes Bergwerk geschleppt; ein anderer wird in einen todtenähnlichen Schlaf versezt, wieder andere werden geraubt. Die Szenerie bietet die denkbarste Abwechselung. Mondscheinnächte, Kirchhöfe, Zuchthäuser, Burgruinen, tiefe Wälder und Irrenhäuser bilden ein wahres Chaos. Dabei spielt der eine Aft in Thüringen, der andere in Amerika usw. Von den Bildern, deren eins jedem Heft beiligt, will ich gar nicht reden; dieselben scheinen nur den Zweck zu haben, Mitleid für ihre Erzeuger im Publikum wachzurufen. Ihr Leser solcher Romane, habt Ihr Euch denn noch niemals die Frage vorgelegt, auf welche Weise dieser Wechselbalg von Literatur das Licht der Welt erblickt? Heruntergekommene Genies sind's*) im allergünstigften Falle, welche solches Blech zusammenschmieren und für jede gedruckte Seite so und so viel Honorar", Sündengeld möchte man sagen, einstreichen. Da kann es natürlich nicht Wunder nehmen, daß das Meiste purer Blödsinn ist, denn solcher macht ja die Seiten auch voll, wird daher auch mit bezahlt. Sind schließlich von einem solchen Roman einige fünfzig Hefte erschienen, so wird wieder auf einmal der Anfang eines neuen großen Sensationsromanes" mit in die letzten Hefte eingeflickt. O, die Herren Verleger sind auch sehr schlau! den neuen Roman, nachdem sie den Anfang gelesen, auch zu Sie sagen sich nämlich ganz richtig, daß ihre Abonnenten Ende lesen werden, zumal der Anfang eines solchen Romans immer äußerst spannend geschrieben wird. Alles in Allem: Diese Art von Literatur ist nicht nur die verderblichste für das Volk überhaupt, weil sie die menschlichen Nerven auf ein Maximum anspannt und ruinirt( und zwar unnüh, denn Wir wollen damit keineswegs, der wilden" Ehe das en auf Sort reden. Wir wissen nur zu gut, welchem Schicksal eine n Arst toletariertochter verfällt, wenn sie sich auf eine„ wilde" äre die be oder gar auf einen ganz vorübergehenden„ unerlaubten rhaupt erkehr" mit einem Manne aus der besitzenden Klasse einwürde, it. Wenn sie ihm nicht mehr gut genug ist, dann wird zu bem bald beiseite geworfen und zur Verachtung gesellt sich Herren nn auch noch die Noth. Wir empfehlen im Gegentheil eiligen feren Arbeiterinnen, sich die Bourgeoissöhne, welche sich e, daß en nähern, genau anzusehen, damit sie nicht, nachdem sie rem Vergnügen gedient haben, von ihnen den Laufpaß halten. Geift Für die g Vir einen ng bes öthige ondere zur öglich, gegen fie in Deftern 5 ver Zur Ehre der Bourgeoisie sei es gesagt, daß es in ihr uch Männer giebt, die der freien Liebe" fähig sind und gebenen Falles eine Arbeiterin ohne Rücksicht auf Standesefe gilt für beide Geschlechter gleich. Denn die reiche bin erkauft sich den Mann so gut, wie der reiche ann das Mädchen, welches flug oder in günstiger age ist, so daß sie sich nur von Einem auf Lebenszeit ufen zu lassen braucht. Dieser Kauf gilt heute noch ganz ehrbar und natürlich, da man dabei ein gutes eschäft macht. und Schande unserer Zeit. In der englischen Textilindustrie waren im Jahre 1890 beschäftigt 298 828 Erwachsene und 88 699 im Alter von 13 bis 18 Jahren stehende jugendliche Arbeiter, während die Zahl der Arbeiterinnen von 13 Jahren ab bis zu den Erwachsenen im Ganzen 610 608 betrug. Daneben wurden 40 558 Kinder männ lichen und 45 941 Kinder weiblichen Geschlechts beschäftigt, so daß die Totalsumme der männlichen Hände" 428 082, der weiblichen 656 549 betrug. Demgemäß rangirt in der englischen Textilindustrie das weibliche Geschlecht mit 61,3 Broz, während das männliche nur 38,7 Proz. ausmacht. Seit 1870 hat sich die Zahl der Arbeiterinnen gegenüber den Arbeitern um 1/2 Proz. vermehrt, während die Vermehrung der in den Fabriken beschäftigten Kinder gegenüber dem Stand im Jahre 1870 7,4 Proz. ausmachte. Der Gesammtzahl der schaffenden " Hände" hat sich in diesem Zeitraum um ungefähr 20 Proz. vergrößert. Wien. In dem Ledergalanteriewaaren Geschäft des Johann Hofmann, V. Hundsthurmerstraße 99, herrschen in den Arbeitslokalitäten ganz besondere Zustände. Die Arbeiterinnen, die für Stücklöhne arbeiten, erhielten bisher für ihre geleistete Arbeit Löhne, mit denen sie sich begnügten. Verflossenen Samstag tam nun der Chef zur Vorarbeiterin Elise Kugler, welche seit 1. Juni 1886 bis 16. November 1891 bei ihm in Arbeit stand, mit dem Bemerken, es gehe nicht mehr an, daß er ihr so viel zahlen könne( sie erhält immer durchschnittlich 7 fl.), sie müsse einen Abzug von ungefähr 2 fl. pro Woche hinnehmen. Die Vorarbeiterin aber schien durchaus nicht zufrieden damit und gab ihm die Kündigung, woraufhin das ganze weibliche Personal ebenfalls, ohne von Elise Kugler erst aufgefordert zu werden, wie ein verließ. Daß Doch nun lebe wohl; ich muß mich heute noch solchen Buches gleich Null), nein, fie iſt auch eine Schmach Arbeitskräfte ſolibariſch vorgehen werben, hat his bus feine Befeße thun nach einer passenden Arbeit für die arme ß die he, die womöglich für die nächste Zeit ganz aus dieser fittlich gend der Stadt fort soll, damit sie sich erholt und neues n ein immt. aus= Furcht welcher freien ter andere Menschen kommt. So Manche gehen nur ter, weil sie in schweren Augenblicken an einem Bendepunkte des Lebens keine rettende Hand finden, ine liebevolle Theilnahme. Für Trude kann ich nichts un, so lange sie noch schulpflichtig ist, aber wir dürfen unterlassen, ihr zu zeigen, daß nicht Jedermann behandelt, als ob sie schuldig sei." ht Die arme Lene ist nicht zu Anna gegangen. Sie leben, ben fie früh aus dem Wasser gezogen und ihrer aus dem Wasser gezogen und ihrer ne bi utter gebracht. Einen kurzen Zettel hat sie zu Hause assen:„ Verzeib mir liebste Mutter, aber ich kann ht weiter leben." ischen wider glichfte Befell it un als es ertauf e zur reilich De und At Die Steiner hat die Fäuste geballt und gestöhnt, n hat sie ihr Kind gefüßt und geliebkost, aber gent hat sie nicht und geklagt auch nicht. Nur einmal fie gesagt: Ihr ist wohl!" und dann wieder: luch ihren Mördern." Gänzlich verkehrt angebracht sind in diesem Falle die Redensarten vieler Leute, wie z. B.:,,Die armen Kolporteure wollen auch leben. Die sind auch froh, wenn sie bei den schlechten Zeiten ein paar Pfennige verdienen können. Es ist ja ihr Brot!" Demgegenüber möchte ich doch bemerken, unserer Familie, doch ganz bedeutend höher, ja, in gar keinem daß unser geistiges( und auch körperliches) Wohl, wie das Vergleich steht mit der Eristenzfähigkeit solcher Kolporteure. Wir können in diesem Punkte nicht Egoiften genug sein. Auch den Frauen sei es mit ans Herz gelegt, diese Literatur zu meiden. Es sind Fälle genug bekannt, wo die Frauen, entgegen den Wünschen ihrer Ehemänner, solche oder ähnliche Hefte halten und, nachdem die Männer sich auf ihre Arbeitsstätte begeben haben, mit einer Begierde darüber herfallen, die einer besseren Sache würdig wäre. Frauen! Laßt diese Warnung nicht unerhört verhallen! Macht reines Haus!" Man kann ebenso gut sagen: Sage mir, was Du liest, und ich will Dir fagen, wer Du bist. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß, wenn solche Hefte in unsere Wohnungen hineingeworfen werden, man jederzeit das Recht hat, diefe Hefte auf gleiche Art und Weise wieder hinaus zu befördern, ohne irgend welche Unannehmlichkeiten befürchten zu müssen. " Hamb. Echo." *) Oft genug auch Proletarier des Geistes, welche froh sein müssen auf diesem Gebiete ihr Brod zu finden; wie ja auch Handarbeiter oft genug Erzeugnisse schaffen müssen, die besser nicht geschaffen würden. Der Hunger treibt hier wider bessere Einsicht zu handeln. Ausbeuter nicht träumen lassen und versuchte nun Alles aufzu= bieten, um seine theuren Arbeiterinnen nicht zu verlieren. Doch es half kein Bitten, das Abgezogene muß wieder zugelegt wer den, ehe zu arbeiten angefangen wird. Wahrscheinlich glaubte der Herr Chef den fargen Lohn reduziren zu müssen, weil der Mann dieser Vorarbeiterin keine Arbeit hat und sie in Folge deffen gezwungen worden wäre, weiter zu arbeiten. Dieser Vorarbeiterin gebührt durch ihre Handlungsweise alle Ehre und ersuchen wir alle Genossen und Genossinnen der Lederwaarenbranche, die Ausgesperrten nach Kräften zu unterſtüßen und Gelder an Frau Elise Kugler, V. Wimmergasse 18, 2. Stod, Thür 11, gelangen zu lassen. Vor Zuzug nach dieser Fabrik wird dringend gewarnt. In Japan ist die Baumwollenspinnerei in bedeutendstem Fortschritt hegriffen. Im Zeitraum vom Juli 1888 bis Juli 1891 ist die Zahl der großen Spinnereien von 19 auf 30, die der Spindeln von 83 360 auf 300 499, die Quantität der monatlich verarbeiteten Wolle von 1 152 250 Pfd. auf 6 156 300 Pfd. des monatlich erzeugten Garns von 1008 825 Pfd. auf 5 221 908 Pfd. gestiegen. Die 6 neuen, noch in der Anlage begriffenen Fabriken mit in Rücksicht gezogen, betrug die Zahl der Arbeiter am 30. Juni d. J. 17 248, ber Spindeln 377 970. Der Jmport an Baumwollengarnen hat infolge dessen natürlich bebeutend nachgelassen. So verliert Europa einen auswärtigen Markt nach dem andern. Londoner Arbeiterfrauen suchen die Frage: Wie können Frauen dazu beitragen, die Löhne ihrer Männer, beziehentlich ihre eigenen zu erhöhen? schon praktisch zu lösen. Sie fordern alle Frauen auf, der Women Cooperative Guild( Genossenschaft der Frauen, Consumverein) beizutreten, welche in allen Stadt theilen Waarenniederlagen gegründet hat, in denen nur solche Waaren verkauft werden, für deren Herstellung nachweisbar auskömmliche Arbeitslöhne gezahlt wurden. Man will damit haupiscichlich dem sogenannten Schwitzsystem entgegenarbeiten. 10 Pfennige Arbeitslohn für eine Hose soll eine Stutt- zarter Confektionsfirma ihren Arbeitern bezw. Arbeiterinnen zahlen. Die fast unglaubliche Mittheilung wurde in der am 14. Okt. in Stuttgart abgehaltenen Versammlung der Schneider und Schneiderinnen gemacht. In Amerika, wo die Frauenarbeit am wenigsten ausge- bildet ist, nahmen 11 Prozent am Erwerbsleben theil, in Preußen 20 Proz., in Frankreich 30 Proz., in Baden 31 Proz., in Sachsen 33 Proz., in Elsaß-Lothringen 35 Proz., in Deutsch- land(zusammengerechnet) 37 Proz., in Bayern 39 Proz., in in Oesterreich 40 Proz., in England 40 Proz. und in Italien gar 52 Proz. Zur Arbeiteriunen-Bewegung. Die australische Post bringt folgende Nachricht aus Charleville, einem bedeutenden Zentrum von Queensland: Die Kellnerinnen und Dienstmädchen haben sich entschloffen, alle kleinlichen Fragen über gesellschaftliche Vor- rechte bei Seite zu lassen, und sich in einer gemeinsamen Union zu organisiren, um ihre Rechte und Privilegien zu behaupten und zu vertheidigen. Eine Präsidentin, eine Sekretärin und ein Komits wurden ernannt und folgende Löhne pro Woche fest- gesetzt:— Köchin 40 Sh.(24 fl.). Kellnerinnen 25 Sh.— (15 fl.), Mädchen für Alles 15 Sh. 6 3.—(fi. 950), Kinder- mädchen 12 Sh. 6 3.—(fl. 7 50). Ob wegen der Lohnfrage ein Streik entstehen wird, ist im jetzigen Momente nicht voraus- zusagen s aber wegen einer zweiten Resolution, die von der Union angenommen wurde, wird eine Störung befürchtet; die Reso- lution lautet: Jedes Mitglied soll jeden zweiten Abend nach acht Uhr frei sein. Das kann möglicherweise zu einem Streik eines Theiles der Landmädchen führen, um kür- zere Arbeitstunden für jeden zweiten Tag zu erringen. Wann werden sich unsere europäischen Haussklaven zu einer solchen Situation aufschwingen?! L. K. Frauenbemgimg. Die Dienstmädchenfrage ist durch die in diesem Jahr eingetretene Geschästskrise in ein anderes Stadium getreten. Hatte man bisher an allen Orten über Mangel an Dienst- boten geklagt, so ist jetzt das Gegentheil zu konstatiren. Die in den Fabriken arbeitslos gewordenen Mädchen wen- den sich dem Sklaventhum im Hause zu. Die Vermiethungs- komptore sind überfüllt von Stellensuchenden. Die Folge von diesem Ueberangebot an Arbeitskräften ist natürlich das Sinken der Löhne und eine Verschlechterung der weiteren Bedingungen. Bei der Prämitrung braver Dienstmädchen, welche am Sonnabend, den 21. November, stattfand, wurde wieder hervorgehoben, wie viel mehr geschützt m sittlicher Beziehung ein Dienstmädchen sei im Vergleich mit Fabrikarbeiterinnen. Wir bestreiten diese Behauptung entschieden. Gerade die Dienstmädchen sind den Nachstellungen der Herren des Hauses jederzeit ausgesetzt. Und wenn sie im Anfang dagegen bei„Madame" Schutz suchen, indem sie ihr die Wahrheit enthüllen, so kommen sie gewöhnlich sehr schlecht an. Die Titel wie„freches Ding" sind gelinde Antworten auf nur zu berechtigte Klagen. Wo soll aber ein junges Mädchen gegen-Nachstellungen des Herrn Schutz suchen als bei der Frau? In den meisten Fällen wird das„freche Ding" eben entlassen, und wenn ein Mädchen solche Er- fahrung gemacht hat, dann geht sie freilich ein zweites Mal nicht mehr zur Madam mit solchen Klagen. Die Versuchung tritt in fast jedem Haufe wieder an sie heran, besonders wenn ihr Aussehen noch frisch und nett ist und wenn ihr zum erbärmlichen Lohn Geschenke gemacht werden, so wird ällmälig der Widerstand gebrochen, und das Mädchen für Alles, das nie Jemand beachtet, wähnt sich eine Weile glücklich, daß nun auch an sie Jemand denkt und ihr schmeichelt. Und sehen wir doch zu, wem die„Ziehkinder" gehören, welche gewissenlosen Pflegerinnen gebracht werden: meist sind die Mütter dieser Kinder Dienstmädchen, welche ihren ganzen Lohn opfern müssen für die Pflege des Kindes, und die dann sehr häufig von Stufe zu Stufe sinken, da sie Niemand haben, der ihnen die Hund reicht und mit ihnen für das Kind eintritt. In den Reihen der Prostituirten finoen wir eine beträchtliche Zahl ehemaliger Dienstmädchen, die meist auf die angedeutete Art unordent- lich wurden. Darum protestiren wir entschieden dagegen, daß man behauptet, die Dienstmädchen seien in ihren Stellungen geschützter wie Fabrikarbeiterinnen. Niemand schützt sie, wenn sie es selbst nicht thun, genau wie die letzteren. Sollten hiergegen Widersprüche laut werden, sind wir bereit, einzelne Fälle zum Beweise des Gesagten anzuführen. Und ihr Mütter, sorgt ihr durch vernünftige Erziehung und Belehrung eurer Töchter dafür, daß sie mit richtiger Erkenntniß solcher Zustände in die Welt hinaus gehen und so selbst im Stande sind, sich davor zu bewahren ein Opfer der heutigen herrschenden Gesellschaft zu werden, die dann jederzeit bereit. Steine aus Jene zu werfen, welche dumm genug waren, sich ihrer Smnenlust zu opfern. Zu diesem Thema schreibt der„Vorwärts": Das Kapitel von den„begehrlichen" Dienstmädchen bildet eine stehende Rubrik in den bürgerlichen Zeitungen. Das „anspruchsvolle" Mädchen für Alles muß bei jedem Quartulswechsel herhalten, um der Bourgeoisie einige ab- schrecke Beispiele vor Augen zu führen. Dabei wird natür- lich sorgfältigst verschwiegen, wie es in deni„guten Dienste" eigentlich aussieht, dagegen wird nie versäumt, die Herzens- güte der edlen Herrschast in das hellste Licht zu rücken. Die mittleren Wohnungen in Berlin bieten für ein Dienstmädchen absolut keinen Raum,— es ist haarsträubend, wenn man sieht, in welchen entsetzlichen Löchern die Mädchen während der Nacht kampiren müssen. Der berüchtigte Hängeboden, kaum so hoch, daß ein erivachsener Mensch aufrecht darin stehen kann, liegt in vielen Fällen unmittel- bar über den« Kloset, von welchem wenigstens noch eine Klappe in die Esse mündet, um Ventilation herzustellen, während der Hängeboden weder Fenster noch Klappe be- sitzt. Mehr w»e das Bett hat in diesem Loch nicht Platz, — es kann sich nun Jedermann eine Vorstellung machen, welche Art von Luft das Mädchen während der Nacht ein- athmen muß. Wo diese Hängeböden ein derart stall- artiges Aussehen haben, daß es nicht möglich ist, einen Menschen hineinzupferchen, da schläft das Mädchen auf dem Korridor oder in der Küche, wo jeden Abend die eiserne Bettstelle aufgeschlagen wird. Mit den„Mädchen- gelassen" der„herrschaftlichen" Wohnungen sieht's auch nicht sonderlich berühmt aus. Dieselben sind meist neben der Küche gelegen und lassen auch jede Spur von Wohnlichkeit ver- missen. Wir wollen zugeben, daß es unter den Dienstherrschaften auch Ausnahmen giebt, welch« in ihrem Mädchen nicht nur die Haussklavin erblicken, aber auch unter den Mädchen sind Zeichen von treuester Pflichterfüllung und treuester Hingabe nicht selten. Die bürgerliche Presse ignorirt aber diese Fälle, sie bringt entweder nur schnodderige Witze über„Aujuste" und stellt sich stets und ständig auf die Seite der Dienstgeber. Was die Mädchen unter den Launen der„gnädigen rau" oft zu leiden haben, läßt sich kaum schildern. Das ssen besteht oft nur aus Küchenabfällen und die Arbeitszeit ist eine enorm lange. Es gehört zu den Regeln, daß das Mädchen um b'/z Uhr früh aufstehen muß und ununter- brachen bis Nachts II, auch 12 Uhr, auf den Beinen ist. Die Löhne variiren von 90 bis 180 Mark jährlich,— zum „Sparen" also giebt es verteufelt wenig Gelegenheit. Alles in Allem ist die Lage der Dienstmädchen derart, daß man es Keinem verdenken kann, wenn es sucht, dieselbe zu verbessern. Die bürgerliche Presse hat auch nicht die mindeste Veran- lassung, unausgesetzt über die„Schnodderigkeit" oder„An- maßung" dieser Hausklavinnen zu räsonniren,— wenn die Herschaften vor ihrer eigenen Thür zuerst einmal gründlich kehren möchte, könnte das gar nichts schaden. Uettrfik Mühlhausen i. Th. Hier fand am 14. November eine Volksversammlung statt, welche von za. 400 Personen besucht war, in der Frau Rohrlack aus Berlin über„Die Prostitution und die anarchistische Produktionsweise" referirte, und welcher Vortrag von der Versammlung mit Beifall ausgenommen ward. Eine Resolution, welche die Ausführungen der Referentin an- erkannte und in der die Versammlung die Ansicht aussprach, daß nur durch eine Umwandlung der heutigen privatkapitalistischen Produktionsweise, welche eine anarchistische, d. h. gesetzliche ist, in eine sozialistische, alle die Schäden, welche die heutige Produktionsweise zeitigt, beseitigt werden können, und wie auch nur dadurch eine solche Umwandlung die Prostitution beseitigt werden kann, wurde einstimmig angenommen. München. Hier wurde nun auch eine Vereinigung zu Stande gebracht; ein„Bildungs-Verein für Frauen und Mädchen" ist zum Zweck der Ausklärung begründet. Am 8. November fand die erste Versammlung statt, zu der sich erfreulicher Weise die Frauen und Mädchen zahlreich eingestellt hatten. Die Roth- wendigkcit der Organisation wurde dargelegt an verschiedenen Schilderungen, welche die Anwesenden von ihren Arbeitsstätten machten. Um möglichst Allen Beitritt zum Verein zu ermöglichen, ist der Wochenbeitrag auf 5*5 festgesetzt. Zur Vorsitzenden wurde Frau B. Urban, Frauenhoferstraße 22, gewählt. 40 Mit- glieder traten sofort dem Verein bei. Quedlinburg. Am 9. d. Mts. hatten auch wir Quedlin- burger die große Freude, einen Vortrag von Frau Martha Rohr- lack zu hören. Di» Versammlung war eine imposante zu nennen, wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, in die noch ganz von mittelalterlichen, patriarchalischen und verzopften Ideen erfüllten Köpfe der hiesigen Bevölkerung Licht zu bringen. Frau Rohr- lack verstand es vortrefflich, die schläfrigen Gemüther durch zündende Worte aufzurütteln, so daß öftere und anhaltende Bei- fallsrufe den Vortrag unterbrachen. Rednerin sprach über„Die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft. Der Vortrag wird den Leserinnen dieses Blattes bereits bekannt sein,— für die Richtigkeit der Ausführungen sprach es, daß die anwesenden Gegner, obwohl ausdrücklich zur Diskussion aufgefordert, sich stillschweigend entfernten und somit das Gesagte— weil nicht wiedcrlegt, bestätigten. Zu beklagen ist es nur, daß Männer, statt ihren Frauen Muth zum Hervortreten einzuflößen, dieselben von der Diskussion zurückhalten, wodurch manch' lebhaftes und kräftiges Beweismaterial für das Gerechte unserer Bewegung unterdrückt wird. Die Versammelten trennten sich schließlich in begeisterter Stimmung, die Hoffnung aussprechend, die rasch allgemein beliebt gewordene Rednerin bald wieder hören zu können. So wird auch hier manches Samenkorn auf frucht- baren Boden gefallen sein— aufgehen, gedeihen und Früchte bringen für den Sozialismus. Sangerhausen. Am 11. November fand hier eine öffent- liche Volksversammlung statt, in der Frau Rohrlack aus Berlin referirte. Trotz wiederholter Aufforderung, war der anwesende Leiter der konservativen Zeitung nicht zu bewegen, an der Dis- kussion theilzunchmen, um von seinem Standpunkte die Aus- führungen der Referenrin zu wiederlegen. Da in früheren Ver- sammlungen der Herr Gegner sonst immer, zum Amüsement der Arbeiter, sein Licht leuchten ließ, fiel es um so mehr auf, daß er diesmal nicht zur Theilnahme an der Diskussion zu bewegen war, und die Refecentin bedauerte in ihrem Schlußwort die „geistigen Waffen" der Gegner nicht kenne« gelernt zu haben. Warum der Herr Gegner aber nicht seine Ansichten vertrat, sondern sich in Schweigen hüllte, wurde nach Schluß der Ver- sammlung erst verrathen. Der Betreffende war nämlich im Gegensatz zu früher einmal nicht betrunken in die Ver- sammlung gekommen, und da er sich nicht vorher Muth ge- trunken, wagte er nicht zu reden. So ist's mit den geistigen Waffen unserer Gegner bestellt. fksduellenes. Vom Elend der Proletarierkiuder. Die kapitalistische Wirthschaft läßt sich's nicht genügen an der Exploitirung der Arbeitskräfte der Erwachsenen, sie ist längst soweit gekommen, auch die Kinder noch zu„beschäftiger." derart, daß diese schweren Schaden nehmen müssen an ihrer Gesundheit und ihrer Moral. Der schrankenlosen Ausbeutung der Kinder in den Fabriken ist durch die Gesetzgebung eine gewisse Schranke gezogen, aber die- selbe läßt den Ausbeutenden noch viel zu weiten Spielraum und könnte ihren Zweck nur erfüllen, wenn in der letzten Reichstags- session die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion bezüglich der Frauen- und Kinderarbeit zur Annahme gelangt wären. Wir verhehlen uns nicht, daß auch dann das Uebel noch nicht gänzlich aus der Welt geschafft worden wäre. Das Gesetz hätte dann noch zahlreichere Kategorien von Kindern nicht ge- troffen, welche ebenfalls der Ausbeutung entzogen werden müßten. Einer dieser Kategorien widmet die„Vossische Zeitung" in einer ihrer letzten Nummern einen Artikel, der verdient, niedriger ge- hängt zu werden. Die Eingangsworte des Artikels sind schon bezeichnend für den Standpunkt dieses Bourgeoisblattes. Das- selbe findet in solchen himmelschreienden Zuständen Nichts weiter, als„karakteristische Gestalten des Berliner Straßenlebens". Man höre: „Zu den karakteristischen Gestalten des Berliner Straßen- lebens gehört der Laufbursche. Wenn des Morgens um 8 Uhr die Schulglocken rufen, dann sieht man, und oft lange nachher, einzelne Nachzügler keuchend dem Schul- Hause zu streben, die wenigen Bücher mit einem Riemen zusammengebunden, Hosen und Schuhwerk mit Koth be- spritzt— das sind die„Semmeljungen" und Zeitungs- träger. Um 5 Uhr beginnen sie, nachdem sie von Muttern unsanft geweckt wurden, ihr mühselig Tagewerk; mit leerem Magen geht's treppauf, treppab— in kurzer Zeit müffen 30, 40„Stellen" besorgt werden. Der barm- herzige Lehrer übt ja auch Nachsicht, läßt den kleinen Kerl nicht etwa noch eine Stunde an der Thür stehen und sieht nicht hin, wenn der Kopf müde auf die Brust sinkt. Nachmittag beginnt der„Dienst" für den armen Schelm noch einmal. Bei irgend einem Gewerbetreibenden hat er eine„Stelle". Von 2—9 Uhr, also täglich 7 Stunden (Sonntags 2) ist er unterwegs und bekommt dafür 2.50 Mark wöchentlich, für die Stunde 6 Pfennige! Aber was hilft's, das Geld wird nothwendig zur Miethe ge- braucht." Sind solche Zustände nicht unerhört? Schulpflichtige Kinder werden des Morgens um 5 Uhr bei Nacht und Nebel auf d'e Straße gejagt, um ihren„Dienst" zu verrichten. Bis 8 M müssen sie ohne Ruhepause auf den Beinen sein, ohne etwas im Magen zu haben. Um 8 Uhr beginnt die Hetzjagd zur Schule, wo es dann freilich sehr oft vorkommt, daß den abgehetzten hungernden Kindern der„Kopf müde auf die Brust sinkt"! Was sollen denn diese bedauernswerthen Geschöpfe in einem solchen Zustande überhaupt in der Schule? Lernen können dieselben!» doch nichts, dazu sind sie körperlich zu ermattet. Ist die Schule zu Ende, dann giebt's noch immer keine Ruhe, der„Dienst beginnt von Neuem. Ben 2—7 Uhr Abends ist er als„Laust bursche" thätig für-- 2.50 M. wöchentlich! Das giebt p? Stunde 6 Pfennige Lohn.... Und die Arbeitszeit für diest Jungen dauert ununterbrochen,— die Schulzeit muß ebenfalle eingerechnet werden— von Morgens 5 bis Abends 7 Uhr, da» sind 14 volle Stunden. Und weshalb diese schändliche Tyrannei? Die„Vossiu' verräth uns in ihrer Herzenseinfalt den Grund:„Aber was hilft'», das Geld wird nothwenvig zur Miethe gebraucht!" Die Eltern find also all« beide nicht im Stande, soviel zu verdienen, um die Miethe heranschaffen zu können und deshalb müffen sie W Kinder anhalten, sich in ihrer Jugend schon zu ruiniren. Weichs Familienleben bei solchen elendiglichen Zuständen geführt wird' braucht nicht weiter erörtert zu werden,— menschenwürdig dasselbe auf keinen Fall. Nun denke man nicht etwa, daß solche Zustände nur in brr Großstadt zu finden sind, dieselben zeigen sich allerorten"jj schönen Deutschland. Die schulpflichtigen Kinder müffen über»» beitragen zu dem Broterwerb der Familie. So hat kürzlich ri» Lehrer der 468 Schüler zählenden Volksschule zu Attendo3 bei Chemnitz genaue Erhebungen hierüber angestellt, über dett» Resultat er Folgendes veröffentlicht: „Von den 238 Knaben standen 69 oder 33,6 pCt., I"? den 230 Mädchen 41 oder 19,8 pCt. außerhalb des in Arbeit, und zwar waren 56 Kinder in Fabriken, 191' Laufburschen, 11 in der Landwirlhschaft, 20 in Haltungen und 7 anderweitig beschäftigt. Die durch' schnittliche Arbeitszeit betrug etwa sechs Stunden,*** durchschnittliche Wochenlohn 1,14 M. Jnsgesammt betrug der Jahresverdienst der 113 Kinder 6696 M. In � 2. Knabenklasse waren nicht weniger als 44,9 pCt,»n» in der 1. Knabenklaffe sogar 61,2 pCt. aller Schüler un» als jugendliche Arbeiter beschäftigt. Nicht beriicfsich� ist bei diesen statistischen Erhebungen jede Arbeit, welr? im Berufe des Vaters oder beim Erwerbe der Mu«" verrichtet wurde.". Die meisten der Kinder mußten solche sechs Stunden dur� schnittlich am Tage in Fabriken arbeiten, 11 nur waren in laub' wirthschastlichen Betrieben beschäftigt. Rechnet man 4 Stunde" Schule pro Tag, so ergiebt sich eine zehnstündige Arbeilsze»' abgesehen davon, daß das Kind von den Eltern auch noch schäftigt wird und Schulaufgaben ebenfalls zu erledigen h»� Für die Arbeit außer dem Hause giebt's pro Woche im Durch' schnitt 1,14 M. oder pro Stunde 3,2 Pfennig!* So verleben zahlreiche Kinder in Deutschland ihre Jugen» als Arbeitsthiere, wie können dieselben etwas lernen, wie la» da von einer Erziehung überhaupt die Rede sein? Wenn W' bedauernswerthen Proletarierkinder trotz und trotz alleotw hrr anwachsen, so haben sie es nur ihrer kräftigen Konstitution Z verdanken. Wie hoch oder vielmehr wie niedrig der Prozent!� ist, der heranwächst, läßt sich nicht ermitteln, die Hälfte der kleuu Lohnsklaven aber wirb entweder die Kinder-Kirchhöfe bevölkel" oder sich noch einige Jahre siech und elend von Hospital i Hospital schleppen als„intereffante Fälle" iür die§ettt Doktoren. Die herrschenden Klassen sorgen dergestalt selbst fist° Degeneration der heranwachsenden Geschlechter, deren Wrb� standSfähigkeik gegen die Lehren der Sozialdemokratie immer 8 ringet wird. Die Vertheidiger des Bourgeoisstaates schräg sich die Finger wund und reden sich die Zungen lahm, um! beweisen, wie schrecklich es im Zukunksstaat aussehen wird. wollen diese Neugier wenigstens in Etwas stillen: Im Zukunst staat wird die Jugend behandelt werden, wie es Menschen i kommt, es kann sich dann nun und nimmer ereignen, daß H von nothleidenden Eltern und unbarmherzigen Arbeitgebern f)»' todtgehetztes Kind nur ein Verlangen hat, entweder nicht läw zu leben oder mit dem dicken Mops seines Ausbeuters taust? zu dürfen. � Gebet der Wittwe. Die Alte wacht und betet allein In später Nacht bei der Lampe Schein: Laff' unfern gnädigen Herrn, o Herr, Recht lange leben, ich bitte Dich sehr. Die Roth lehrt beten. Der gnädige Herr, der sie belauscht, Vermeint nicht anders, sie sei berauscht; Er tritt höchstselbst in das ärmliche Haus Und fragt gemüthlich das Mütterchen aus: Wie lehrt Noch beten? Acht Kühe Herr, die waren mein Gut; Ihr Herr Großvater sog unser Blut, Der nahm die beste der Kühe für sich Und kümmerte sich nicht weiter um mich. Die Noth lehrt beten. Ich flucht ihm, Herr, so war ich bethört, Bis Gott, mich zu strafen, nicht doch erhört; Er starb, zum Regiments kam Ihr Vater, der zwei der Kühe mir nahm. Die Noth lehrt beten. Dem flucht ich arg auch ebenfalls, Und wie mein Fluch war, brach er den Hals; Da kamen höchst Sie selbst an das Reich Und nahmen vier der Kühe mir gleich. Die Noth lehrt beten. Kommt dero Sohn noch erst dazu, So nimmt er gewiß noch die letzte Kuh— Laff' unfern gnädigen Herrn, o Herr, Recht lange leben, ich bitte Dich sehr. Die Noth lehrt beten. A. v. Chamiss� Druck von Fr. Meyer 6c Hintzpeter, Hamburg, Rosenstraße it finkt. Schelm hat er tunden se 35 für ! Aber the ge Kinder auf die 8 Uhr vas im Schule, ehezten Dienst Laufs ebt pro ir diese senfalls ir, das Nr. 48. Beilage zur Arbeiterin." Neue Ideen. Noch jede große weltbewegende und weltumgestaltende ! Was Wahrheit hat das Schicksal gehabt, zuerst als„ thörichte solchen Idee bedauernswerther Schwärmer" verlacht und verspottet Iben ja zu werden. Aber es liegt nicht im Wesen der Wahrheit, Schule vor den Mächten der Unwissenheit und des Vorurtheils zu fapituliren; sie behauptet sich und dringt vor. Dany verstummen Spott und Hohn; Verwünschungen und Bannflüche donnern auf den„ Frevler" nieder, der es wagt, ein Verkündiger der Wahrheit zu sein und die Verfolgung, oft mit den rohesten und brutalsten Mitteln der herrschenden Gewalten, trifft ihn. Der Kampf um die Wahrheit, für und gegen sie, beginnt von dem Augenblicke an, wo das herrschende Interesse sich durch sie ernsthaft bedroht sieht. Die Geschichte lehrt uns, wie alle großen Wahrheiten nur unter hartem Kampf und Streit zum Siege gelangen konnten, Vorurtheil, den Fortschritt der Menschheit zu bewirken. Selbstsucht, Hochmuth verhindern die ruhige Entwickelung, indem sie die neue Idee zu unterdrücken suchen. Aber Widerspruch und Gewalt schrecken den im Dienste der Idee wirkenden energischen Geist nicht ab, sondern sie stählen ihn. Die Wahrheit will ihre Märtyrer haben, welche sich's gefallen lassen müssen, vom privilegirten Sonderinteresse und Vorurtheil verschrieen und behandelt zu werden als„ Neuerer" und„ Empörer". Boffin" hilft's, Eltern en, um fie ihre Belches t wird, cdig ist in ber ten im überall lich ein tendorf : deren t., von Hauses 19 als Hauss durchs n, der betrug in ber t, und er und fichtigt welche Mutter burch n land: tunden itszeit, och bes en hat. Durch Jugend e tann n diese m her cion zu gentfa fleinen Döltern ital zu Herren Für die Wider er ge Greiben um zu Wir Funftss en zus aß ein halb Tanger ufden Das gilt sowohl von den neuen Wahrheiten, welche gegen wissenschaftliche und religiöse Vorurtheile und Irrthümer sich richten, als insbesondere auch von denen, welche die staatlichen und Gesellschaftlichen Einrichtungen betreffen. Immer hat es die neue Idee zu thun mit festgewurzelten alten Vorurtheilen und Irrthümer, die für Wahrheit genommen werden und stets dann am hartnäckigsten sich geberden, wenn sie in den Formen erworbener, sogenannter ,, unantastbarer" Rechte privilegirten Intereffen dienen. Die Philosophen und Staatsmänner des klassischen Alterthums waren von der Vernünftigkeit der Sklaverei so fest überzeugt, daß sie sich gar keine andere Gestaltung denken konnten. Den privilegirten Ständen des Mittelalters und ihren Gelehrten galt das System der Leibeigenschaft und Hörigkeit als in der unabänderlichen göttlichen Weltordnung" begründet und die Unfreiheit und Armuth der arbeitenden Massen als selbstverständlich. Fulton, der Erfinder des Dampfschiffes, wurde von der französischen Akademie für„ halb wahnsinnig" erklärt und diese selbe Akademie der Wissenschaften erachtete etliche Jahrzehnte später den Techniker, der an den Eisenbahnbau gehen wollte, als„ reif zur Zwangsjacke". Verächtlich urtheilten der berühmte Colbert über Maschinen, Napoleon I. über Dampfschiffe, Thiers über Eisenbahnen und Arago, der hervorragende Physiker, meinte, nimmermehr würden die Eisenbahnen Lasten befördern können. Bei Eröffnung der Nürnberg- Fürther Eisenbahn beschloß das bayrische Obermedizinal- Kolleg: Der Fahrbetrieb mit Dampfwagen sei im Interesse der öffentlichen Gesundheit zu verbieten, denn die schnelle Bewegung erzeuge unfehlbar Gehirnfrankheiten, ja schon der bloße Anblick eines rasch dahinfahrenden Dampfwagens könne dasselbe bewirken. " Professor Paulsen schildert in seinem System der Ethit" den starren Widerstand des Bestehenden, dieses Beharrungsvermögen" der alten Anschauungen, das neue Ideen stets überwinden müssen, ehe sie zur Geltung ge langen, an folgenden Thatsachen: " Als die kopernikanische Theorie der himmlischen Bewegungen zuerst auffam, da wurde sie von den Autoritäten für einen unfruchtbaren oder lächerlichen Einfall gehalten, mit dem sich ernstlich zu beschäftigen der Mühe nicht lohne, oder, wenn es sich lohne, so doch nur, um ihn zu widerlegen, damit nicht etwa der Teufel sein Spiel habe und dem Wort Gottes zum Hohn damit Possen treibe. Zur Erklärung der Erscheinungen fand man die neue Anschauung gar nicht geeignet; die alte geozentrische Vorstellung erklärte alle Dinge so natürlich, daß die neue dagegen unbequem, ja absurd und widersinnig erschien. Fühlen wir denn auch nur das Mindeste von jener fabelhaften Bewegung, welche die Erde haben soll? Auf das Zeitalter der Verhöhnung folgte mit dem Ausbau der neuen Ansicht durch Keppler und Galilei das Zeitalter der Widerlegung und Verfolgung; die alten Anschauungen begannen sich wirklich bedroht zu fühlen, was im 16. Jahrhundert noch nicht der Fall gewesen war; sie reagirten nun mit allen Mitteln, die ihnen zu Gebote standen, man fann sie aus den Biographien Kepplers und Galileis kennen lernen. Nicht anders ging es der Entdeckung des Blutum laufes durch Harvey. Die Mediziner, die so viele Jahrhunderte lang auf Grund der Galenischen Theorie die Dinge gesehen und die Menschen behandelt hatten, vermochten von der Neuerung sich keine Vortheile zu versprechen, weder in theoretischer noch in praktischer Absicht. Und wie unbillig zu verlangen, daß man um jenes Querkopfes willen seine eigene Vergangenheit verleugnen und die Autorität der Jahrhunderte verwerfen solle. Ebenso wurden in einem späteren Jahrhundert von den Autoritäten Darwins biologische Theorien oder Strauß' Untersuchungen über die evangelische Geschichte als unwahr, unnüß und gefährlich verworfen." Ohne Zweifel treten beim Kampfe gegen neue Ideen nicht nur rein materielle Erwägungen der sich bedroht sehenden Selbstsucht in's Spiel, sondern auch die Gesetze der Psychologie. Sonst wäre es oft geradezu unfaßbar, wie geistig hervorragende Menschen, die an der Erhaltung des von der neuen Idee angegriffenen Alten gar kein Interesse haben, die neue Ideenfolge nicht zu begreifen vermögen. Eine sehr zutreffende diesbezügliche Erklärung John Stuart Mills möge hier Platz finden: Es giebt keine Thatsache der menschlichen Natur, die allgemeiner anerkannt wäre, als die außerordentliche Schwierigkeit, die wir zuerst empfinden, wenn wir uns irgend etwas als möglich vorstellen sollen, das mit altvertrauter Erfahrung im Widerspruch steht, oder auch nur mit alten, langgehegten Gewohnheiten des Denkens... Der geübteste Geist bildet keine Ausnahme von den Grundgesehen unserer Denkkraft. Wenn die tägliche Gewohnheit irgend Jemanden durch einen langen Zeitraum zwei Thatsachen in beständiger Verbindung zeigt, und er niemals während dieses Zeitraums weder durch Zufall, noch durch Absicht darauf geführt wird, Sasalandort fich norauitellen fo mird er mahrscheinlich mit Hamburg, den 28. November 1891. der Zeit unfähig werden, dieses selbst durch die stärkste Anstrengung zu bewirken, und die Annahme, daß die beiden Thatsachen sich in der Außenwelt trennen lassen, wird sich seinem Geiste zuletzt mit allen Merkmalen der Unbegreiflichfeit darstellen." Seine Ausführungen zu erhärten, verweist Mill auf einige Beispiele aus der Geschichte der Wissenschaft: Es gab eine Zeit, in der Männer von der höchsten und freiesten Geistesbildung nicht an das Dasein von Antipoden glauben konnten, weil sie völlig außer Stande waren, sich im Gegensatz gegen ihre alten Ideenverknüpfungen die Schwerkraft nach aufwärts statt nach abwärts wirkend zu denken. Die Kartesianer verwarfen lange Zeit die Lehre Newtons von der Anziehung, welche alle Körper vermöge der Schwerkraft auf einander ausüben, auf Grund eines allgemeinen Sazes, dessen Gegentheil ihnen undenkbar schien des Sates nämlich, daß ein Körper nicht dort wirken fann, wo er nicht ist. Wenn so die Macht der alten Anschauungen, des Irrthums und des Vorurtheils schon auf wissenschaftlichen Gebieten, in Fragen, die nicht unmittelbar von Einfluß sind auf die Gestaltung der Dinge in Staat und Gesellschaft, sich äußert wie sollte man sich darüder wundern können, wenn jene Macht sich erhebt gegen neue Ideen, welche bestehende staatliche und soziale Einrichtungen durch andere, bessere, ersetzen wollen. Da verbindet sich mit dem psychologisch leicht erklärlichen Vorurtheil, daß die bestehende Ordnung der Dinge im Grunde die denkbar beste sei, die Zweckmäßigkeitserwägung der durch die neuen Ideen sich gefährdet sehenden Erwerbs und Herrschafts- Privilegien. Der allgemeine soziale Kampf ist da unausbleiblich; er entwickelt sich ganz von selbst aus dem Streite der Meinungen, er wird nothwendig zu einem Kampfe um das Recht; eine neue, bestimmte Interessen umfassende Rechtsidee ringt gegen die herrschende, in den staatlichen und sozialen Einrichtungen verkörperte. Solch ein Kampf ist es, den der Sozialismus, die Idee einer gesellschaftlichen Neuorganisation, zu bestehen hat. Je mehr das angegriffene privilegirte Interesse in Bedrängniß geräth, je eifriger ist es bemüht, alle die von ihm vertretenen, weil ihm nüßlichen, alten Vorurtheile und Irrthümer der Welt als die lautersten, unanfechtbarsten Wahrheiten" mit stärkstem Nachdruck zu verkünden. Der sogenannte geistige" Kampf gegen die Sozialdemokratie, was stellt er Anderes dar, als die verzweifelte Auflehnung des Irrthums, des Vorurtheils, der Selbst- und Herrschsucht gegen die immer mächtiger werdende neue Idee, von der die„ Gebildeten" ja auch einmal, allerdings nicht lange, geglaubt haben, daß sie sich aus der Welt höhnen und spotten lasse." Seine eigenthümlichsten Blüthen treibt dieser geistige" Rampf in den literarischen Leistungen, welche dazu bestimmt sind, den sogenannten sozialdemokratischen Zukunftsstaat" in abschreckendster Weise zu schildern. Da zeigt sich, wie leicht Derjenige, welcher Irrthümer gegen neue Wahrheiten vertheidigt, dem Blödsinn verfällt. Wir müssen diese Bekämpfer der sozialistischen Idee immer wieder auf's Neue an einen Ausspruch Kants erinnern: Die Jdee von der größten menschlichen Freiheit und Vollkommenheit ist eine nothwendige Idee. Welches der höchste Grad sein mag, bei welchem die Menschheit stehen bleiben müßte, das kann und soll Niemand bestimmen. Es ist pöbelhaft sich gegen die Verwirklichung der neuen Jdee auf vergeblich wiederstreitende Erfahrung zu berufen." Solche Böbelhaftigkeit charakterisirt den geistigen" Kampf gegen den Sozialismus. Die Vertheidiger des Bestehenden, spielen Komödie, indes die neue Idee sich unaufhaltsam dem Zeitpunkte ihrer Verwirklichung nähert. ( Echo.) Ueber die Entwicklung der menschlidien Kultur entnehmen wir einem Vortrage des Bonner Professors Schaafhausen folgende Zusammenstellung von allerlei Einrichtungen, Sitten und Gebräuchen der Gegenwart, in welchen noch die Erinnerung an eine graue Vergangenheit sich erhalten hat. So ungern wir es hören, unsere Vorfahren waren Kannibalen, und die Erinnerung daran ist noch nicht erloschen. Wenn die Amme singt:„ Schlaf, Kindchen schlaf, Deine Mutter ist ein Schaf, Dein Vater ist ein Buzemann, der die Kinder fressen kann", so ist das nicht ein Märchen, wie noch Grimm geglaubt hat, sondern eine urgeschichtliche Ueberlieferung. Ich habe in einer Abhandlung über die Menschenfresserei zeigen können, daß dieser Gräuel in der Vorzeit aller Völker nachweisbar ist. Im Nibelungenlied trinken die burgundischen Völker das Blut ihrer Feinde, wie es heute noch die Markesas Insulaner thun. In italienischen und portugiesischen Höhlen, in Hannover und am Rhein sind die Spuren des Kannibalismus, wenn nicht mit Sicherheit, doch höchst wahrscheinlich gefunden worden. Noch heute giebt es in unserem täglichen Leben Erinnerungen aus ältester Vorzeit, die man Ueberbleibsel zu nennen pflegt. Die ewige Lampe in den katholischen Kirchen ist ein Symbol, wie das Feuer, welches nach Numa's Vorschrift die Vestalinnen in Rom hüten mußten. Wir sagen noch: es ist Feierabend, das ist das Ignitegium der Römer, man deckte am Abend das Feuer auf dem Herde mit Asche zu, um es am andern Tage wieder anzufachen. Dieses sorgsame Unterhalten von Licht und Feuer stammt aus einer Zeit, in der es schwer war, künstlich Feuer zu machen. Die Kunst, Feuer zu machen, ist überhaupt eine schwierige für die rohen Völker gewesen. Vor nicht langer Zeit wurde noch von wilden Völkern Australiens berichtet, daß, wenn ihnen das Feuer ausgeht, sie zu ihren Nachbarn gehen und sich dasselbe erbitten. Liebig glaubte, man könne aus dem Verbrauch der Seife den Kulturgrad eines Volkes beurtheilen; bezeichnender für diese Kultur verschiedener Zeiten und Völker ist aber die Fertigkeit des Menschen, künstlich Feuer zu erzeugen, dessen ursprünglicher Vortheil weniger der Schutz gegen die Kälte ist, als daß es die Speisen wohlschmeckender macht, dessen späterer Nutzen für die Kultur der Umstand ist, daß es die Metalle schmilzt. Wenn wir jetzt das gemeinschaftliche Essen die Mahlzeit nennen, so stammt dieser Ausdruck aus jener Zeit, wo Jeder, um zu essen, sich die Körner selbst auf einem Steine mahlen mußte. In alten Ansiedelungen, wie am andro mad aud 1. Jahrgang. Oberwerth bei Koblenz, fand sich in jeder Wohnung die Handmühle aus Niedermendiger Lava. Der alte Feuerbohrer von Holz zeigt, daß durch Reibung Wärme entsteht. Die Wärme ist aber das bemerkenswertheste Zeichen des Lebens, welches aus dem todten, kalten Körper entflohen ist. Daher lag die Vorstellung nahe, daß die Menschen auf den Bäumen gewachsen sind, wie es auf Mithras- Denkmälern dargestellt ist. Aber feurige Funken sprühen auch aus den Steinen, wenn sie angeschlagen werden. Daher entstammen nach einer anderen Deutung aus den Steinen, die Deukalion und Pyrrha hinter sich warfen, die Männer und Weiber. Die Form der Brote erinnert an die Urzeit: der rheinische Kirmesplatz und die runden Brote anderer Länder, auch die Mazza der Juden stammen, wie die Hörnchen aus Zeiten, in denen man Sonne und Mond verehrte. Am Halsschmuck der Pferde unserer Frachtfuhrleute hängen glänzende Metallscheiben, wie sie zur Tracht der alten Franken gehörten, die solche durchbrochenen Scheiben oft mit symbolischen Zeichen am Gürtel als Zierde trugen. Der goldene Ohrring unserer Damen ist ein Rest jener Sitte der Wilden, sich einen Körpertheil zu durchbohren, um darin einen Schmuck zu tragen. So durchbohrten sich Botokuden, Australier und Estimos die Lippen, Nasen und Wangen. Unsere Studenten trinken bei festlichen Gelagen aus Ochsenhörnern, wie es nach Gäfar und Plinius die Germanen thaten. Wir machen, um etwas zu behalten, einen Knoten in das Taschentuch, und wissen nicht, daß das eine alte Art zu schreiben ist. Die Knotenschrift der Japaner und Peruaner hat sich daraus entwickelt. Auch die Heilkunst besitzt alte Erinnerungen. Was ist der Schröpfkopf anders als die Nachahmung des saugenden Mundes, den der Wilde an die Wunde legt, um dem Körper Blut zu entziehen. Und das jetzt bei uns eingeführte Kneten franker Theile ist ein Verfahren, welches allgemein die wilden Völker üben und das uns aus Java durch die Holländer zugebracht ist. Es reicht Vieles in unserer Kultur bis in die älteste Zeit zurück, ohne daß es die Meisten wissen oder darüber nachdenken. Vieles Andere in unseren gewöhnlichsten Anschauungen und Einrichtungen hängt zwar nicht mit der prähistorischen Zeit, aber doch mit der ältesten menschlichen Kultur zusammen. Die Eintheilung der Woche in sieben Tage ist aus den fünf damals bekannten Planeten herzuleiten, wozu noch Mond und Sonne famen. Die Sprache bewahrt uns den Ursprung sehr vieler Dinge. Das Wort schreiben beweist, daß wir dasselbe von den Römern gelernt haben. Das englische write, ritzen, deutet auf einen älteren Gebrauch hin, auf das Einschneiden der Runen in Holz. Wenn wir eine gedruckte Schrift ein Buch nennen, so erinnert das Wort an die Tafeln aus Buchenholz, die mit Wachs überzogen waren, um mit dem Griffel hineinzuschreiben. Nachher wurde eine große Entdeckung in der Erfindung der Buchdruckerkunst gemacht, allein ihr war in Mainz, wo man sie erfand, vorgearbeitet durch die Stempel, womit die Römer Buchstaben auf ihre Ziegel drückten. Wie das Schreiben, hat auch das Rechnen seine Geschichte. Alexander von Humboldt fand es auffallend, daß bei den Wilden schon das Dezimalsystem sich finde, das wir als eine späte Errungenschaft besitzen, weil die Stellung der Null auf die einfachste Weise den Werth der Zahlen von 1 bis 9 bestimmt. Die Wilden rechnen aber mit Hilfe der Finger. Zu den 10 Fingern der Hand nehmen sie sogar die Zehen des Fußes hinzu. Die Worte für die Zahlen sind oft auch die Worte für die einzelnen Finger. So hat ihr Dezimalsystem einen ganz natürlichen Ursprung. Das Rechnen macht immer große Schwierigkeit. Nur mit Hilfe fünstlicher Vorrichtungen, durch Stäbchen oder bewegliche Kugeln, wurde der Werth größerer Zahlen bestimmt. Bei den Asiaten war das Rechenbrett lange verbreitet und ist heute in Nordasien noch im Gebrauch. Die Römer gebrauchten Steinchen, deshalb heißt rechnen calculare. Der Rosenkranz, der von den Mongolen stammt und an dem bei uns wie bei den Türfen der Gläubige seine Gebete abzählt, hat daher seine Entstehung. Und nicht nur jede menschliche Kunst und Wissenschaft und jedes Werkzeug und Geräth hat seine Geschichte, selbst für die höchsten Vorstellungen des Menschen läßt sich eine allmälige Entwicklung des Menschen nachweisen." Einen Korb geben. Wie die Sprache altes Leben fortführt, entwickelt Rudolph Hildebrand in der Zeitschrift für den deutschen Unterricht"( herausgegeben von Dr. Otto Lyon; Leipzig, Verlag von B. G. Teubner) an mehreren fesselnden Beispielen. In das Mittelalter weist die Nedensart: Ginem einen Korb geben, zugleich einer der merkwürdigsten Fälle, wie eine vergehende Sitte sich in einer Redensart niederschlägt, die nun halb dunkel doch fortgeführt wird und von dem lebensvollen Vorgange des Ursprungs nur die allgemein begriffliche Spitze beibehält. Der Korb stammt aus dem modischen Minneleben des Mittelalters.( In Mundarten ist bei der Redensart noch von einem„ blauen Schienbein" und Anderem die Rede.) Dazu gehörten nächtliche Besuche bei den umworbenen vrouwe( entsprechend den noch heute im Alpenlande geltenden Fensterln, oder wie es sonst landschaftlich heißt) oder Versuche dazu, auch mit Gefahr auf gewagtestem Wege. Zu dem Gelingen des Wagnisses, bei dem es meist eine Burg zu ersteigen galt( man denke an Kunz von Kauffungen und das Altenburger Schloß) war ein Entgegenkommen der Frau nöthig, wie uns ein aus dem Leben entnommenes Beispiel aus dem 15. Jahrhundert genau geschildert überliefert ist in den Geschichten und Thaten des Wildwolt von Schaumburg( von G. Freytag benutzt in seinen Bildern aus der deutschen Vergangenheit). Die Frau, wohl nicht ohne Hülfe der Dienerin, ließ an einem Seile einen Korb hinab, in dem sie dann den Ritter hinanzog; man denkt an den Wäschekorb in Shakespeares Lustigen. Weibern von Windsor", in dem Falstaff beim Liebesabenteuer sich verbirgt. Aber und das ist das Erfreuliche bei dem Ganzen: die Frauen wehrten sich oft gegen das modische Minnewesen( wovon auch in den Minnesingern fichere Beuge genug vorliegen). und zwar so oft, daß eben unferere Redensart daraus entstehen konnte. Sie gingen wohl auf das Abenteuer ein, weil es eben Mode war, schlugen aber dieser und dem Abenteuer ein scharfes Schnippchen. Die Frau ließ nämlich einen Korb herab, der einen losen Boden hatte, und der liebeathmende Ritter fiel dann in einer gewissen Höhe hindurch, wobei es auf ein bischen Beinbruch oder doch ein geschundenes Bein nicht eben ankommen mochte. So דקן gab ihm die Frau eine deutliche Antwort und einen Denkzettel zugleich. Die Sitte änderte sich aber später und ging aus der derben in eine zahmere Form über, behielt aber den Korb und seinen Sinn bei. Im 17. Jahrhundert erscheint es als Sitte, daß die umworbene Frau zur Abweisung dem Verliebten einen Korb zuschickt, auch mit Blumen und Kräutern geziert, die abweisende Bedeutung haben ( z. B. Schabab, d. i. Schafgarbe), aber mit der Weisung, sich hineinzusetzen( wohl in Gegenwart der Botin als Zeugin); der Korb hatte aber auch einen losen Boden, nur daß das Durchfallen, wenn der Liebende närrisch genug war, dem Begehren ritterlich nachzukommen, nun ohne Gefahr blieb. Noch später schrumpfte das zum bloßen Korbgeben zusammen. Anfangs wurde ein wirklicher Korb gegeben oder geschickt, aber zuerst noch ohne Boden, jetzt ist( außer hier und da in volksmäßiger Sitte) von dem Korbe nur das Wort übrig. Auch gewisses bildliches Durchfallen findet hier seine Erklärung. Wenn Einer bei einer Wahl, bei Bewerbung um ein Amt und dergl. durchfällt, also das erstrebte hohe Ziel nicht erreicht, so dachte mau auch dabei noch im 17. Jahrhundert an jenen Korb, denn es hieß da durch den Korb fallen. Auch„ Einen abfallen lassen", mit einer Bewerbung u.s.w. abweisen, erklärt sich wohl aus jenem Korbe, da es aus dem oben angeführten Bilde völlig deutlich wird. Die Frau und die Politik. Aus dem Französischen.( Geist der Frau".) Ist die Regierungsform des Landes von Bedeutung für die Frau? Diese Frage ist, soviel ich weiß, noch nicht in dieser Art gestellt worden und mag wohl allen jenen zahlreichen Philistern sehr langweilig erscheinen, welche in ihrer Weise Politik, Philosophie oder landläufige Moral zum Besten gebeneine Moral freilich, deren Landläufigkeit nicht schnell genug gewesen ist, um nicht seit Generationen fümmerlich hinter dem wirklichen Leben herzulaufen. Und doch hören diese Philister nicht auf, in allen Tonarten zu rufen:„ Die Frau soll nicht Politik treiben!" Und die armen, naiven Frauen haben sich noch nicht energisch gegen die Beschuldigung vertheidigt, daß sie je Politit getrieben haben könnten! Wohlan, sie thaten daran sehr Unrecht, denn von der Regierungsform hängt Fortschritt oder Rückschritt im menschlichen Recht ab, d. h. im Rechte des Mannes und des Weibes. Man wird mir einwenden, das sei längst ein Gemeinplatz. Warum aber haben alle Jene diesen Gemeinplatz nicht gekannt, welche glauben oder doch so thun, als glaubten sie, daß wir nur zum Vergnügen Politik treiben wollen? Es ist eben das Pflichtgefühl, welches alle denkenden Frauen, ob arm oder reich, nöthigt, sich um Politik zu fümmern. Denn, reich oder arm, Proletariertöchter oder Prinzessinnen, alle Frauen fühlen sich gleich erniedrigt durch die Nichtachtung von Seiten der Männer und seitens der Gesetze. Letter Paria) der Zivilisation, will die Frau, zum Bewußtsein gelangt, die schmachvolle Last abschütteln, welche sie zu Boden drücken sollte fie versucht bei der Politik, was ihr bei den Wissenschaften gelungen ist. Hier wie dort ist es nicht unsere Sache, uns zu entschuldigen, weil wir den uns gebührenden Platz auch thatsächlich in Anspruch nehmen. An Jenen, die uns diesen Play verweigern oder die uns den Eintritt erschweren, ist es, ihre Entschuldigungen darzubringen. Die geistige Gleichwerthigkeit der Frau ist Thatsache die Anerkennung derselben schwer genug errungen; es ist hinfort unmöglich, dahinter zurückzugehen und unsere frühere Demuth wieder hervorzukehren. Mehr noch als alle Zeitschriften, die mit mehr oder weniger Geist unsere Rechte vertheidigen, mehr als die Reden, Ansprachen, Aufrufe der politischen Rednerinnen, haben die Doktorinnen die Beherrscher der Wissenschaft genöthigt, unserer Begabung öffentlich ihre Verbeugung zu machen. Was zu keiner Zeit den berühmtesten Dichterinnen und Künstlerinnen gelang, das haben die Doktorinnen zu Stande gebracht. Laßt uns ihnen danken! Was schließen wir daraus? Der Mann glaubt nicht an das Genie, aber er glaubt an das Doktordiplom; oder vielmehr: der Mann fann wohl das Genie läugnen, aber das Doktordiplom kann er nicht wegläugnen. Lassen Sie uns aber jetzt, von allgemeinen Gedanken ausgehend, die breite Lücke in unserem Recht beleuchten. In einer Volksversammlung sagte ich einst: Die Frauen haben kein Recht? Wohlan, dann nehmen Sie lieber gleich alle! Es war ja nur ein augenblicklicher Einfall, aber er gleicht doch sehr einer Begründung. The wir die Rechte zurückerhalten, die uns alle Religionen genommen haben, laßt uns wenigstens alle Pläge einnehmen, die wir, unserer Sache zu Ehren, behaupten tönnen. Treiben wir nur Politik, aber nicht handwerksmäßige, nicht beschränkte, sondern Politik in großen Zügen, mit breiten festen Strichen. Folgen wir den großen Denkern, welche unbekümmert um die Kleinlichkeiten, die einem Theil der Menschheit unserer Tage so wichtig scheinen mit Adlerflügeln den Horizont der Revolution ermessen, und den stolzen Boltsführern, welche mit kräftigen Fauftschlägen das Alte zertrümmern und dem Neuen Raum schaffen. Wir haben feinen Wahlzettel? Keine Vollmacht, zu stimmen? Wir brauchen das Alles gar nicht! Wir nehmen die Feder zur Hand oder wir bedienen uns des geschriebenen Wortes; und diese Worte rufen wir: " Die Republik vor Allem! Die Republik um jeden Preis!" Den Männern werden wir sagen:„ Stimmt für diejenigen, deren Namen die größte Summe von Freiheit und Fortschritt bedeutet!" Und den Frauen aller Stände, welche das Ende ihrer äußeren und inneren Leiden ersehnen, werden wir sagen:" Wendet Guren ganzen Einfluß auf, laßt am häuslichen Herd Euren Ruf ertönen, damit Eure Gatten und Söhne dem Geist der Fran gemäß ihre Stimmen abgeben, denn dies ist zugleich der Geist der wahren Menschheit!" Réné Marcil. *) Die unterdrückten und tiefverachteten Ureinwohner Indiens. Der Name ist sprichwörtlich für Ausgestoßene und Rechtlose. Aufruf an die Franzosen. ( Aus einer französischen Frauen- Zeitung.) Mitbürger! Wenn wir unsere Augen über den Ozean schweifen lassen, nach der neuen Welt, welche uns besonders in der Entwickelung der sozialen Frage und der Frauenemanzipation als neue Welt erscheint was sehen wir dort? Vor 50 Jahren gab es in den Vereinigten Staaten Sklaven, Negerfilaven. Den Vorurtheilen und den Interessen der Weißen entsprach es, sie als Parias zu behandeln, als Waare, als Lastthiere. Man kaufte und verkaufte sie, wen es traf, Mann, Weib oder Kind. Manche sprachen ihnen die Seele ab. Ihr Zeugnis galt nicht vor Gericht. Da wurde, als Ergebniß eines furchtbaren Krieges, die Emanzipation der Schwarzen verkündet. Die bürgerliche Gleichheit, ohne Rücksicht auf Farbe, Rasse und Bildungsgrad wurde durchgeführt, und als logische Folgerung wurde ihnen auch das Wahlrecht gegeben. Die Freigelassenen wurden Bürger. Ebenso wird es mit der Emanzipation der Frau gehen. Ist erst die Zeit ihrer Rechtlosigkeit vorüber, so wird sie Bürgerin sein. Die bürgerliche Freiheit und das politische Recht sind Zwillinge, eine ist undenkbar ohne die Andere. Und wenn die Nothwendigkeit, die bürgerliche Freiheit zu gewähren, sich immer mehr aufzwingt, wenn es nur noch dem Gesetzgeber obliegt, sie durch ein Gesetz zu weihen und zu bestätigen, dann ist auch die Sache der Frauenemanzipation auf der ganzen Linie gewonnen. Rechtlich dem Manne gleichstehend, kann sie von diesem nicht mehr von der Einschreibung in die Wahllisten fern gehalten werden. Man fann ihr nicht mehr wehren, über Dinge von öffentlichem Intereffe öffentlich zu reden und zu beschließen über Abgaben Gewerbesteuer und Zuschläge, welchen sie als Besizerin oder Händlerin unterworfen ist, die Richter zu ernennen, deren Urteil auch für sie gilt, Deputirte und Senatoren zu wählen, welche Gesetze machen, die sie ebenso gut betreffen. Wir haben dann feinen einzigen Grund mehr, der sie hinderte, zu wählen und sich wählen zu lassen. Kinder der Demokratie, im Namen eurer Mütter, eurer Frauen, eurer Schwestern und eurer Kinder, gebt den Frauen Gleichheit. Bleibt nicht hartnäckig dabei, eure Augen vor dem traurigen Zustand der Dinge, wie sie heute sind, zu verschließen. Denkt, daß alle Franzosen gleich sein sollen vor dem Gesetz. Streicht endlich aus den Listen der Unfähigen, der zur Verbannung Verurtheilten, der Verbrecher, der Bankrottiers und der Jdioten diejenigen aus, welche euch in's Leben gerufen haben, an deren Brust ihr geruht habt, jene, welche ihr zur Gefährtin eurer Arbeit wähltet, welche Freuden und Leiden mit euch theilt, welche ihr mit brüderlicher Liebe schütztet, falls sie jünger war als ihr, oder welche mit Sorgfalt eure ersten Schritte bewachte, falls sie die Aeltere war diejenige endlich, welche euch das Dasein verdankt, welche eure Kniee jumspielt hat, euer Stolz, euer Trost und der Gegenstand eurer zärtlichen Liebe diejenige, deren Zukunft zu sichern, euch oft so große Sorge macht eure Tochter. Gleichheit für alle, Gleichheit! Ratharine Patürok. Smyrna- Teppiche. Die als Smyrna- Teppiche in den Handel kommenden Industrieerzeugnisse werden bekanntlich zum geringsten Theil in Smyrna selbst, sondern in etwas entlegneren Distritten Vordertleinasiens hergestellt und nur über Smyrna ausge führt. Die beliebtesten Sorten, die gröber und dicker und daher auch wärmer als die furz geschorenen persischen Teppiche sind, stammen aus üschak, Giördes, Kula, Demirdschit, Melas, Ladik, Pergamos und Sparta. uschat ( 20 000 Einwohner) ist der Hauptsitz dieser Industrie. Die Stadt liegt mitten in einer äußerst fruchtbaren Gegend, und der größere Theil ihrer erwerbsfähigen Bewohner ist direkt oder indirekt an der Teppichfabrikation betheiligt. Die fertiggestellte Waare wird auf zwei Wegen von da nach Smyrna befördert; entweder über Alaschchir, Endstation der Smyrna- Cassababahn( 22 Kameelstunden von Uschat), oder über Schiwrie, die letzte Station der Sutledschi- 3weiglinie der Aidinbahn( 6 Stunden von Uschat). Kula und Giördes sind etwas fleinere Städtchen als schat( je 15 000 Einw.) Demirdschit hat sich erst in den legten sechs bis acht Jahren zum Sit einer namhaften Teppichindustrie emporgeschwungen. Als dieses Städtchen vor Jahren durch eine Feuersbrunst zerstört wurde, siedelten die Einwohner Demirdschits, zu arm, um ihre Wohnungen wieder aufzubauen, nach Giördes über, wo sie die Kunst. der Teppichbereitung erlernten. Später kehrten sie in ihre alte Heimath zurück, siedelten sich da von Neuem an und betrieben das erlernte Gewerbe. Ihre Erzeugnisse werden heute denen von Giördes vorgezogen. Auch in Sparta ist die Teppichindustrie noch neueren Datums. Ladik, Pergamos und Melas find alle Teppichzentren. diefem Orte gefertigt wird die einzige, für welche die Echtheit der Farbe nicht garantirt wird. Die mittleren Sorten stammen aus Kula, Giördes und Demirdschik. Der Unterschied zwischen diesen und jenen von Uschat besteht noch darin, daß in Kula Hanf, in Giördes und Demirdschik Baumwolle zur Kette verwendet wird, während Wolle nimmt. Die feinste Qualität aus Uschak führt den Namen Tek Jplit; Dessin und Gewebe ist fein. schak Das Gros der Smyrna- Teppiche geht nach England und Amerika, wo sie trotz der Einförmigkeit der Dessins sehr beliebt sind. In Bezug auf die letzteren lassen sich die Teppiche eintheilen in Sarpat Killit( schiefe Muster), Japrat ( Blattmuster) und in Medaillons. Letzteres Muster, rother Grund mit grün und blan, ist hauptsächlich in Frankreich und Amerifa begehrt. Das älteste Muster ist das Sarpat Killet, von welchem Teppiche vorhanden sind, die 200 Jahre alt sind; heut' wird es wenig benutzt. In England findet das Japrat- Muster, in rother, grüner, blauer und etwas oranger Farbe, am willigsten Nehmer. In neuester Zeit werden die Dessins übrigens von den Käufern oft vorgeschrieben. Unter der Regierung Abdul Azis' tamen die grellen Farben in die Mode und da nahmen die Fabrikanten ihre Zuflucht zu den Anilinfarben. Dieser Geschmack ist jedoch wieder verschwunden. Man benutzt wieder vegetabilische Farben. 790 In den letzten Jahren ist die Nachfrage sehr gestiegen, so daß zahlreiche Bestellungen in Smyrna einliefen, bis zu deren Lieferung jedoch Monate vergehen werden wegen der Art der Fabrikation. Die Kunst der Teppichbereitung ist eine ziemlich ein- a fache. Die Wolle wird von den Fettschwänzen( Schafe, die in jenen Gegenden vielfach gehalten werden) gewonnen. Die Männer waschen sie in den nahen Bächen, die alten Frauen spinnen sie; das Färben geschieht in den sogenannten Boya Hanes. Zu einer Quadratelle Teppich bedarf es ungefähr vier Kilo Garn. Der Webstuhl besteht aus zwei dicken Pfählen, die in einiger Entfernung in dem Boden befestigt werden; zwei weitere Pfähle( einer oberhalb und einer unterhalb) werden hinzugefügt, um die Kette des Gewebes festzuhalten, Am Fuße dieses primitiven Webstuhles sitzen oft bis zu zwölf Arbeiterinnen in einer Reihe, über deren Köpfen die Spulen angebracht sind, um die die Wolle gewickelt ist. Ein Teppich fann jede beliebige Länge erhalten; die Breite hängt aber von der Größe des Webstuhles ab. Ist dieser zehn Ellen breit, jo kann der Teppich 1-10 Ellen Breite erlangen. In Üschaf, welches an 500 solcher Webstühle hat, beträgt die größte Breite 12 Ellen. Durch solch primitive Art der Arbeit erzielt man ein weicheres, wenn auch loseres Gewebe als mit dem mechanischen Webstuhl; auch lassen sich die Farben dadurch besser in Verbindung bringen. Die Webstühle werden ausschließlich von Frauen bedient, meist jungen, die indes von einer in reifen Jahren stehenden Frau beaufsichtigt werden nicht nur während der Arbeitszeit, sondern auch auf dem Hin und Herwege. Eine einzige Arbeiterin fertigt etwa eine Quadratelle Teppich per Tag, wofür sie einen Lohn von etwa 80 Pfg. erhält. Fabrikgebäude giebt es in Ufchak und Umgegend nicht. Die Webstühle sind meist in elenden Hütten aufgestellt, die die Leute im Winter gerade vor dem Erfrieren und im Sommer vor einem Sonnenstiche schützen. Ein reicher Kaufmann wollte ihnen ein ordentliches Gebäude herstellen lassen; aber er fand mit seinem Plane nirgends Anklang, da die Männer fürchteten, ihre Frauen könnten durch die Glasfenster von den Vorübergehenden gesehen werden. Auch glaubten die Leute dadurch ihre Unabhängig feit zu verlieren. Die Smyrna- Teppiche lassen sich in drei Sorten eintheilen: dicke, mittlere und dünne. Die„ dicken" sind die meist geschätzten, und die besten davon stammen aus Uſchaf. Die schlechteste Sorte ist die„ Barhana", die ebenfalls in Aus: Safanifdie fragmente. Christus: Satan, wohin mit dieser armen Seele? Satan: Direkt zur allertiefsten Flammenhöhle. Christus: Was that sie denn für Missethat? Satan: Kein einzig Mal sie gebetet hat. Christus: Ein reicher Mann nach allem Anschein. Satan: Vergebung, Kgl. Hoheit, nein, Sie war ein armer Lazarus, Der starb an einem Hungertyphus. Christus: Und dennoch kein Gebet? Verhallt Mein Evangelium gar so bald: Kommt Alle, die mühselig und beladen; Den Armen ist das Reich der ew'gen Gnaden. Satan: ย üb t, b pre Men re, upt g heu ben ir r eich tiel ente es ber ufg efel bu jer fel it Fin b bit rhi ug et Der at elit Ange en ine ie ege Die Gemeinde gewährt einen magern Anblick. Selbst ein neuer Pastor in Mode Ar 9 Ang eb Sta el Todt lagen die Götter, und Lorbeer und Sett Das machte wohl Anno damals Effekt. War Philosophie; in dem klassischen Sumpf Wurde die Armuth plötzlich Trumph. Und gewann dir die Welt; denn das Neue besticht. Doch auch das Neue wird endlich alt, Und deine Kirche ward grau und falt Und leidet an Asthma und Schwindsucht und Gicht. Dein Evangelium für die Armen Es könnte den Teufel schier erbarmen, Ward ein Evangelium für die Reichen Mit falschen Zähnen und echten Bäuchen, Die ihre Häuser und Villen umhegen Mit deinem der Armuth gespendeten Segen; Denn unter allen Religionen hielt keine Begehrliche Armuth im Zaune wie deine; Die Himmelshoffnung ist gern bereit Zum Verzicht auf der Erde Herrlichkeit. Christus: Und meinst du, daß solche Hoffnung trüge? Satan: Gleichviel, ob sie wahr, oder ob sie lüge. Auf Erden kommt es auf Glauben an, Und um den Glauben ist's eben gethan. Probir's und spür es selber aus, Geh' einmal Sonntags in's Gotteshaus. Der Gemeinde sind die Hallen so weit wie' nem Fallstoffffelett im Fallstofftleid. Verschrumpft ist das Fett, die gläubige Menge, Der weiland der weiteste Dom zu enge. Die Individum zwar sind dick: Oder gar ein Wahlstreit mit der Synode Nur Sammtmantillen und Seidenkleider Und gezwungene Soldaten und Waisenkinder. Aber die Armuth, die blasse Noth, Die täglich ringt um ihr hartes Brot, Die sich mit Siechthum und mit Gebrest Hohlwangig fristet im feuchten Nest Und mit den feuchend erworbenen Hellern Ihr Elend betäubt in Branntweinfellern, Die glaubt nicht mehr an Abraham's Schooß Und wünscht auf Erden ein besseres Loos. Christus: Und meine Lazarus- Parabel? Satan: Gilt ihnen als Eia- popeia- Fabel; Eben weil die besitzenden Klassen So start sich mit der Fabel befaffen. Die Reichen predigen ohne End, Wie der reiche Mann in der Hölle brennt: Wir müssen ja jedes Diner bezahlen Mit ausgesuchten Höllenqualen, Wenn ihr an des Hungers Knochenhand Eingeht ins ew'ge Schlaraffenland. Ihr glücklichen Armen, nun gönnet ihr Uns doch das bischen Erdenplaisir Und stört uns nicht, wenn in Purpur und Seiden Wir uns für die Hölle vorbereiten." 3ur Gefundheitspflege. A. Fitger. Mittel gegen Zahnschmerzen. Da die Zahnschmerzen meistens eine Folge der Erkältung sind, so sind Heißwasser fußbäder unmittelbar vor dem Zubettgehen ein bewährtes Mittel gegen dieselben. Man wird gut thun, dem heißen Wasser etwas Senfmehl( für 10 Pf. genügt für lange Zeit) zuzufügen. Druck von Fr. Mener& Hinkneter Sambura Rofenity 25 97