je die tleren Der Mr. 49. esteht dschik Ischat den gland effine h die apraf n, ist Das piche des ther, Die Hamburg, den 5. Dezember 1891. 1. Jahrg. Arbeiterin Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Polkes. Brgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. gften gens ellen ihre doch lische egen, 3 zu der t. en r es Et) Eintracht macht stark Bildung macht frei! Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenstr. 35. Redaktion: Emma Jhrer, Velten( Mark). Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Sonnabend. Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer Rabatt. 10 Pf. Direkt per Kreuzband Mt. 1.40. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin“! Die heutige Knabenerziehung. " Den Neuen Bahnen" entnehmen wir folgendes über: Wir sind mit vollem Recht entrüftet, ja emt, wenn wir hören, daß ein Vertreter des Bolts doch aus Männern und Frauen besteht,- es ausprechen wagt: Man erweise den Frauen, die um en kleinen Theil ihrer Menschenrechte bitten, zu viel re, wenn man von ihrem bescheidenen Gesuch überupt Notiz nehme! Aber machen wir uns klar, daß große Mehrzahl seiner Zuhörer gar nichts so Unheuerliches in diesem Ausspruch sieht, daß sie denben vielmehr ganz in der Ordnung findet? Wenn ir mit allen Kräften darnach streben, unser eigenes eschlecht aus den uralten Banden geistiger und ma tieller Abhängigkeit zur Höhe freien, bewußten entens und Handelns emporzuheben, wenn wir uns es würdigern Loses auch würdiger zu machen suchen. ber es ist damit doch nur die eine Hälfte der schweren ufgabe in Angriff genommen. Wie unendlich würde selbe erleichtert und gefördert, wenn eine bessere bung der Mädchen, die angestrebte Erziehung der au durch die Frau, Hand in Hand ginge mit einer Heren Erziehung der Knaben. Nur vom schlichten Standpunkt der Mutter, den selbst die radikalsten Gegner weiblicher Selbstständig. it rückhaltlos anerkennen, möchte ich von den vielen Sünden sprechen, die im Schooße der Familie täglich b stündlich bei der Erziehung unserer Söhne von uns lbst begangen werden, freilich ohne Ahnung ihrer rhängnißvollen Tragweite. Mit der Stunde, in der das geliebte Kind seine ugen dem Lichte öffnet, beginnt die Verantwortlichkeit Eltern für die junge Seele, in so vielen Fällen ber auch das Unrecht, das sie an ihr und an der atur begehen. Für den aufmerksamen Beobachter elt sich schon in den betreffenden täglichen Familien zeigen der feine Unterschied dar, den man zwischen en beiden Geschlechtern zu machen pflegt. Die Geburt nes Sohnes wird ken theilnehmenden Freunden fast le anders als hocherfreut" ie die einer Tochter dagen oft ohne diefes Beiwort mitgetheilt. Diese Auf fung des glücklichen Ereignisses entspricht so ganz und Ar der allgemeinen Anschauung, ist bei Arm und Reich gang und gäbe, daß man sich kaum der grenzenlosen ngerechtigkeit derselben bewußt ist, daß man es viel ehr ganz natürlich findet, wenn der sehnlichst erwartete tammhalter, der den Namen des Vaters fortführen, elleicht mit neuen Ehren bedecken wird der Glück he darf ja dafür wirken und streben! mit Stolz Jubel begrüßt wird und wenn an der Wiege Töchterchens so oft, bald laut, bald leise, bald unuthig, bald wehmuthsvoll das häßliche Wort erklingt: Nur ein Mädchen!" Wie ein Fluch für das unSulbige Wesen und für unser ganzes Geschlecht! Zum Glück find unsere Söhne, wenn dieser erste oße Erziehungsfehler an ihnen begangen wird, noch so jugendlichem Alter, daß sie nichts davon merken, also auch noch nichts darauf einbilden können. Um eifriger sind wir aber in der Folge bemüht, im Meichen Sinne fortzufahren und einige Jahre später aften die Eindrüde um so besser. Wenn der kleine ngezogene Bengel, vielleicht von seiner Umgebung auf reizt, sich aufs heftigste gegen einen zierlichen Kragen, n Kleidchen oder Schürzchen sträubt, weil er nicht ussehen will wie ein Mädchen", thut ihm die junge utter, von der Richtigkeit dieses Argumentes durch ungen, nicht meistens lächelnd den Willen? Wenn er feber Gelegenheit in Thränen ausbricht, wenn er ber einen Splitter in seinem Händchen oder dergleichen ine findische Angst äußert, wie schnell find da die nbläufigen Rebensarten bei der Hand. Pfui, wer rb benn gleich weinen, wie ein Mädchen? Ein Junge in ei Pirb " " " durch die Anschauung, daß er schon allein als männliches Wesen den natürlichen Anspruch auf jede RückDie zärtliche Mutter fühlt dies wohl auch auf dem Grund ihrer Seele, und da ihr ja das Wohl aller ihrer Kinder am Herzen liegt, so sucht sie das an der Tochter begangene Unrecht auszugleichen, indem sie es wohl schon den kleinen Knaben in sorglicher Liebe einprägt:„ Wenn du erst ein Mann bist, dann ist es deine Pflicht, für dein Schwesterchen zu sorgen." Doch mit dieser mütterlichen Ermahnung bessert sie das lebel nicht, sie gießt im Gegentheil nur Del in's Feuer, denn sie fügt zu dem Glauben ihres Sohnes an seine männliche Ueberlegenheit, zu dem Wahn von der Minderwerthigkeit seiner Schwester noch den von ihrer ewigen Schußbedürftigkeit. darf nicht so wehleidig, so ängstlich, so feige sein, wie ein kleines Mädchen!" Abgesehen davon, daß diese Anschauung der Dinge so häufig im direkten Widerspruchsichtnahme habe. mit der Wahrheit steht kleine Mädchen sind gewöhnlich beherzter, wie kleine Knaben und die Natur hat uns auch offenbar gar nicht seige haben wollen, da sie uns bei Erfüllung unseres wichtigsten, wie un ere Gegner behaupten wollen, unseres einzigen Naturzweckes den Tod vor die Augen stellt, abgesehen davon, welch' thörichten unheilvollen Wahn pflanzen wir in die harm lose Seele des Kindes! Daß es eine Erniedrigung, ja eine Schande für ihn sei, einem Mädchen zu gleichen, daß er aus einem besseren Holz geschnitzt sei, weil er ein Knabe ist! Das bekannte ungezogene Wort aus Knabenmund: Mit Mädchen mag ich nicht spielen!" ist auch nur cine kindliche Aeußerung seines Wahnes, und wenn wir unsere Jungen dafür strafen, so begehen Bis es indeffen zur Realisierung des mütterlichen wir eigentlich dieselbe große Inkonsequenz, deren sich Zukunftsbildes kommt und zum Glück für beide die Männer schuldig machen, wenn sie uns so beharr Theile, tritt das angedeutete Verhältniß immer seltener lich unsere Schwächen und Fehler vorwerfen, die sie ein muß die Schwester für den Bruder sorgen. uns doch erst anerzogen haben. Wir bestrafen ihn für Nicht nur, daß die Mutter fast nie eine häusliche Hülfe denselben Wahn, den wir doch bei jeder anderen Gele- von ihm verlangt, und sich damit ausschließlich an die genheit hegen und pflegen. So sprechen viele Leute Tochter wendet, so ist es auch in den meisten Familien ohne Scheu in Gegenwart der Kinder davon, daß es Sitte, daß die Schwestern zu Hause bleiben müssen, bei einem Mädchen nichts auf sich hat, wenn sie in der während die Knaben frei und unbekümmert in Hof und Schule nur langsam fortkommt, oder wenn sie dieselbe Garten herumtollen dürfen. Am schwersten aber wiegt öfter wechseln muß, dies aber bei einem Jungen im doch der Irrthum, die ganz unbegreifliche, grenzenlose Interesse seiner Zukunft von größter Bedeutung sei. Nachsicht der Mütter gegenüber ihren Söhnen mit alleWie wichtig für das Wohl des Staates und der Gedem, was man unter dem widerfinnigen Worte:„ fich meinde muß sich selbst der bescheidenste kleinste A.BC- austoben" versteht. Dieser Begriff schließt bekanntlich Schüße bei solchen Reden vorkommen! Wie mitleidig alles mögliche in fich, was eigentlich verboten sein wenn nicht verächtlich mag er in seinem Mannes sollte, dem weiblichen Geschlechte auch wirklich strenge stolz auf das Schwesterchen heruntersehen, das ihm verboten ist. Wenn jedoch die natürliche Lebhaftigkeit auch wieder ein Veto, das die Natur gegen blinde des Knaben zuweilen in die ärgsten Rohheiten ausartet, Vorurtheile eingelegt so bedenklich oft an Leichtigkeit wenn der heranwachsende Jüngling in wüften Gelagen der Auffassung, Gedankenschärfe- und Lerneifer über in maßloser Vertilgung geistiger Getränke, in Schlägelegen ist. Für sie ist Lernen ja doch nur unnüßer reien seine Männlichkeit zu dokumentiren sucht, wenn Kram", feiner fragt sie ja, was sie werden will, der junge Mann sein unwürdiges Spiel mit Mädchendenn sie kann doch nie etwas werden ihn aber herzen treibt, so hat die Mutter doch schließlich das Jeder. Um das theuere Studium des Sohnes leidige Trostwort bei der Hand:„ Es ist die Natur es nun Universitätsstudium oder jede andere berufliche des Mannes, er muß sich eben austoben." Aus dieser Ausbildung zu ermöglichen, legen die Eltern sich, Redensart und der anderen: das schickt sich für ein wenn's nöthig ist, selbst Einschränkungen und Entbeh. Mädchen nicht," macht sich selbst der harmloseste kleine rungen aller Art auf fich und ihren Töchtern, deren Junge die Richtschnur zurecht, nach der sich später sein intellektuelle Fähigkeiten die seinen möglicherweise über- Leben gestaltet und der er oft bis an sein Ende treu ragen, deren gerechte Ansprüche an die gleiche elterliche bleibt. Und diese Richtschnur wird das ist das Opferwilligkeit aber leider, leider heute noch in den traurigste, zur Geißel für unser Geschlecht, zur gefähr= seltensten Fällen anerkannt werden. Es ist nur eine lichen Waffe in der Hand unserer Gegner. Dürfen ganz natürliche Folge der verkehrten Erziehung, wenn wir uns wundern, daß sie wieder von dieser Waffe der heranwachsende Sohn das, was ihm als so selbst- Gebrauch machen? Wir müssen es im Gegentheil verständlich geboten wird, als sein gutes Recht in An- als ein frohes Wunder begrüßen, daß es trotzdem zu spruch nimmt, dieses mißbraucht und darauf sündigt. allen Zeiten aufgeklärte und großherzige Männer geDie guten alten Studentenlieder", die in ihrer naiven geben hat, welche die Ungerechtigkeit der herrschenden Gefühlsroheit diesen Mißbrauch charakterisiren, werden Gesellschaftsordnung klar erkannten und für unsere nach wie vor von begeisterten und burstigen jugend Menschenrechte eintraten, daß auch heute eine so große lichfrischen Kehlen gesungen, und die alte traurige Ge- Zahl einsichtsvoller, ehrlicher und bedeutender Männer schichte von der armen Wittwe, die ihr legtes Schärf- auf unserer Seite stehen, auf der Seite des Rechtes. lein für den geliebten Sohn hergiebt, von den aufopfernden Schwestern, die tagaus, tagein an der mühseligen schlechtbezahlten Handarbeit fißen und sich jede Lebensfreude versagen, ja Noth und Mangel leiden, um den Weg des Bruders zu ebnen, des Bruders, der vielleicht dies mütterliche und schwesterliche Märtyrer thum durch Leichtsinn und Undant lohnt und die Frucht monatelangen Fleißes und Entbehrens in einer einzigen tollen Nacht verjubelt- diese traurige Geschichte ist noch nicht ins Fabelbuch verbannt. Aber selbst, wenn wir den Blick von dieser schlimmsten Erscheinungsform, in der sich die Verkehrtheit unserer häuslichen Ers ziehung äußert, abwenden in jedem Falle ist die Bevorzugung des Sohnes auf Kosten der Tochter nicht nur ein schweres Unrecht, ja eine Verfündigung gegen diese, man schädigt auch den Charakter des Sohnes sei | Daß die vorurtheilslosen Ansichten bald die allge= meinen werben, dazu können wir Mütter das allermeiste beitragen. Wenn wir statt gedankenlos in engherzigen, mittelalterlichen Vorurtheilen weiterzuleben und unseren Rindern unwahre, naturwidrige Anschauungen und thörichte Rebensarten einzuprägen, dieselben nach den für Mann und Weib gleichen Geboten der wahren Sittenlehre erziehen wollen, deren oberster Grundsat lautet: Was Du nicht willst, daß man Dir thu, das füg' auch keinem Andern zu," dann würden wir die schönen Früchte dieser Erziehung gar bald gewahr werden. Unsere Söhne zu lehren, im Weibe die gleichberechtigte Schwester, die ehrliche Mitkämpferin im Rampf ums Dasein zu erblicken, jedem diese Anschauung schädigenden Einfluß muthig entgegen zu treten, feinerlei Geringschäzung und Mißachtung in unserem Hause, in alte! unserer Gegenwart zu dulden es giebt auch alte Knaben, die sich in dieser Beziehung schwer versündigen auch auf diese unseren erziehlichen Einfluß auszudehnen, die falschen Lehren von einer doppelten Moral unerbittlich zu verurtheilen, sei unser eifrigstes Bemühen, unsere heiligste Pflicht und deren Erfüllung wird unserem ganzen Geschlecht zu Gute kommen. Wenn wir ernstlich wollen, dann giebt es in 20 Jahren keine Frauenfrage mehr, denn jede Frage ist bis dahin nicht nur von unseren glücklicheren Töchtern, auch von unseren besser erzogenen Söhnen aufs beste gelöft. Marie Stritt. Ist sonst viel Beachtenswerthes in den Ausführungen, so ist doch mit dem Optimismus der letzten Säße der Kurzfichtigkeit und Einseitigkeit derselben weit über das Ziel hinausgeschossen. Wäre die Lösung dieses Theiles der sozialen Frage so einfach und leicht, wir getrauten uns, noch selbst diese Lösung herbeiführen zu helfen und davon zu profitiren. Die Rechtlosigkeit der Frau wurzelt aber viel tiefer in der heutigen Gesellschaft, sie wurzelt im Gesez, das allerdings bisher von Männern gemacht wurde, die voll Vorurtheil gegen das weibliche Geschlecht erzogen wurden. Nicht würde es genügen, die Vorurtheile der Männer zu beseitigen, sondern um mit ihnen auf gleicher Stufe zu stehen, müssen wir die Beseitigung dieser bestehenden einseitigen Gesezes vorschriften verlangen. Um ernstlich ein solches Verlangen stellen zu können, bedürfen wir der politschen Rechte. Abg. Hize( Zentr.) will die Unterstützung der Wöchnerinnen überhaupt gestrichen haben, sie gehöre nicht zur Nächstenliebe. Krankenversicherung, sondern zu den Werken christlicher Bebel( Soz.) vertheidigt nochmals das Recht aller Wöchnerinnen. Er weist daraufhin, daß der Stand der öffentlichen Sittlichkeit überall da größer sei, wo die Kirche nicht herrsche, wo sie ihre Macht verliere. Recht und Gesetz sind bessere Stüßen, als Glaube und Moral. Ist es aber unmoralisch, uneheliche Wöchnerinnen zu unterstützen, dann dürfe es auch freiwillig nicht geschehen. Soll aber gestraft werden, warum nur die Mutter und das Kind treffen? Warum nicht den Vater verantwortlich machen, der sehr oft nicht in Arbeiterkreisen zu suchen sein wird? Wollen wir trotzdem Mutter und Kind aus der Kasse unterstützen, so zeigt es sich nur, daß wir auf einem weit höheren moralischen Standpunkt stehen. Wird die uneheliche Wöchnerin auf die unsichere und verachtete Armenunterstüßung angewiesen, so sinkt sie immer tiefer in Noth, wohl gar in Verbrechen. Wie die Engelmacherei zeigt, ist das Kind der unehelichen Wöchnerin großen Gefahren ausgesetzt, die aus der Armuth und Hilflosigkeit der Mutter stammen und die man nicht vermehren darf, indem man ihr ihr Recht verkürzt. Aber es zeigt sich verschiedene Dinge find. wieder deutlich, daß Religion und Menschlichkeit zwei sehr Die heutige Gesellschaft ist nicht gewillt, uns solche zu geben, also bedarf es erst der gänzlichen Beseitigung der heutigen Gesellschaftsordnung um zum Ziele, der Befreiung des Weibes, zu gelangen. Diese Beseitigung alles Unrechts und aller Unordnung, das ist das Ziel der Sozialdemokratie, in diesem Zeichen allein, daß allen Menschheit Freiheit und Gleichheit bringt, werden auch wir den Sieg erreichen über die Jahrhunderte lange Sklaverei. Mit der Sozialdemokratie haben wir gemeinsam zu kämpfen, alle anderen Versuche sind Halbheiten. Daß wir die Mütter auf soziale Unterschiede aufmerksam machen, ist gut und nothwendig und eine gleichmäßigere Kindererziehung kann uns allerdings ein Stück vorwärts bringen. Aber diese allein macht Aber diese allein macht es nicht, sondern die Erkenntniß, daß alle Geschlechtsund Klassenunterschiede aus der Welt geschafft werden müssen und daß wir unsere ganze Kraft hierfür einzusehen haben, um nicht nur die Rechtlosigkeit des Weibes zu beseitigen, sondern, zugleich das Ganze im Auge behaltend, tämpfen für eine neue gerechte Gesellschaftsordnung mit der Devise: Jedem das Seine! Aus dem Reidistage. In der weiteren Debatte führt Hirsch( freis.) an, daß die Unterstützung der Wöchnerinnen eine nothwendige Folge der Anordnung sei, nach welcher sie während 4 Wochen nach der Entbindung nicht arbeiten dürfen. Ministerialdirektor 2ohmann. Es sei nicht richtig, daß sie gezwungen seien, vier Wochen von der Arbeit fern zu bleiben. Der Fabrikant dürfe sie nur vier Wochen lang nicht beschäftigen.( Heiterkeit.) § 20 wird unverändert angenommen. § 21 gestattet den Krankenkassen eine Erhöhung und Erweiterung ihrer Leistungen; z. B. kann das Krankengeld auch vom ersten Tage und für die Sonn- und Feiertage gezahlt werden. Die Regierung wollte die Erweiterung an Kommiſſion verlangt nur, daß der Reservefonds den gesetzlich die Zustimmung der Arbeitgeber und Arbeiter knüpfen; die In der vergangenen Woche war die Krankenkassennovelle Hauptgegenstand der Berathungen mit einer Unterbrechung zu Gunsten der Petition der Zünftler. Um die kurze Darstellung der Verhandlungen möglichst übersichtlich zu geben, werden wir die Krankenkassennovelle- Berathung ununterbrochen fortführen. Ohnehin sind es nur einzelne Theile des Krankenkassengesetzes, welche zur Verhandlung kommen, weil nicht alle durch das neue Gesetz eine Aenderung erfahren. §7, erweiterte Zulässigkeit der Krankenhausbehandlung für ansteckende Krankheiten, wird genauer bestimmt und unter Ablehnung aller Aenderungen in der ursprünglichen Form angenommen. vorgeschriebenen Betrag erreicht haben muß. Zweck, die Arbeiter der Sozialdemokratie zu entfremden; unft i sie thue das Gegentheil, da überall der Grundsay zu Tage babe be trete: für euch, arme Teufel, ist das Schlechteste gerade und T gut genug. und R Size und Spahn( Bentr.) beantragen, die Zustimmung der Arbeitgeber wieder einzufügen, und mit diesem Zusatz wird der§ 21 angenommen. Nach einer längern Auseinandersetzung über Berliner Tromp Verhältnisse zwischen Singer( Soz.) und Eberty( Freis.) tiedlich wird§ 55a angenommen unter Streichung des Sates: wenn riegst durch die von der Kasse getroffenen Anordnungen eine dem öthig Bedürfniß des Versicherten entsprechende Bewährung der rmee Rassenleistungen nicht gesichert ist.“ nd ih A § 26 a verkürzt den Kassenmitgliedern, welche auch anderweitig gegen Krankheit versichert sind, das Krankengeld soweit, daß es mit der anderweitigen Entschädigung zusammen den durchschnittlichen Tagelohn des Arbeiters nicht übersteigt. Ein Antrag der Sozialdemokraten will diese Bestimmung streichen. § 56 bestimmt, daß Krankengelder nicht verpfändet, nicht übertragen und nicht gepfändet, und nur auf geschuldete hrases Beiträge angerechnet werden dürfen. Die Vorlage will die essen Beiträge angerechnet werden dürfen. Aufrechnung auch gegen Eintrittsgelder und Geldstrafen genaue statten und außerdem die Unterstützungsansprüche in zweiht ha Jahren verjähren lassen. rüfun Abg. Molkenbuhr( Soz.) bekämpft den Zusah, Ab welcher jedoch mit dem§ 65 angenommen wird. wische In der Sitzung vom 24. November kam die Interpellationen ſte Hize und Gen.( 3entr.) zur Besprechung. Die Herren abe si fragen an, ob gesetzgeberische Maßregeln zum Schuße des eklagt Handwerks beabsichtigt. und wie dieselben beschaffen feien. ungssc Da sich der Staatssekretär zur sofortigen Antwort bereit effimi erklärt, begründet Abg. Hize die Interpellation. Er be en Be klagt, daß den Ansprüchen der Handwerker( d. h. der Boltes Zünstler) bisher so wenig Entgegenkommen bewiesen sei. Reichst Die Versammlungen sowohl des Ausschusses der vereinigten ndurch Innungsverbände, als auch des allgemeinen deutschen Hand en alt werkerbundes haben ihre Wünsche ausgesprochen, aber die( M Regierung habe noch nichts über deren Aussichten auf Gras d Es sei daher leicht begreiflich, igenen füllung verlauten lassen. daß unter den Handwerkern eine bittere Stimmung herrsche. och m Staatssekretär v. Bötticher antwortet in sehr zuvor n 2 9 kommender und liebenswürdiger Weise. Er stellt die Erie sol richtung von Handwerkerkammern in Aussicht und verspricht ieser Erledigung einiger anderer Wünsche, wie Beschränkung Haufirhandels, Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Absicht Handwerker, Korporationsrechte für Innungsverbände. Dem eren Befähigungsnachweis jedoch und dem vollständigen Innungschten zwang( den Hauptforderungen der Innungen) versagte er rundweg seine Zustimmung, nicht ohne zu betonen, daß die Herren bei ihren Berathungen erstere selbst für undurchführ bar erklärt hatten. Grillenberger( Soz.): Dieses Gesetz enthält viele Härten für solche Gegenden, in denen früher die Krankenversicherung weit besser geregelt war. Die Bestimmungen wegen der Ueberversicherung, nach welchen kein Arbeiter im Krankheitsfall eine höhere Unterstützung beanspruchen darf, als sein durchschnittlicher Tagelohn beträgt, sind besonders zu bekämpfen. Denn nicht der Arzt, nicht die Arzneien, wie der Staatssekretär meint, sind das dringendste Bedürfniß des Kranken; er selbst und die Familie muß leben können, während oft Beide Mann und Frau durch Krankheit am Verdienen gehindert sind. Im Südwesten Deutschlands hat ein sehr blühendes System von vielerlei Krankenkassen bestanden, welche durch das neue Gesetz sehr geschädigt worden sind und deren sehr zahlreiche Mitglieder den Verlust der früheren Vortheile sehr schwer empfinden. Auch die Entziehung des Krankengeldes im Falle einer selbstverschuldeten Krankheit( geschlechtliche Ausschweifungen, Trunksucht, Schlägereien) muß gestrichen werden. Die Selbstverschuldung läßt sich oft gar nicht feststellen. Es kommt häufig vor, daß ein Arbeiter des Nachts überfallen und schwer verletzt wird, in solchem Falle haben die betreffenden Lokalfassen einfach das Krankengeld verweigert und die Familie erhielt das Geld erst nach Beendigung der gerichtlichen Verhandlung. Auch sollte die Unterstützungsfrist von 13 auf 52 Wochen ausgedehnt werden. § 8, Festsetzung des ortsüblichen Tagelohns nach Altersflaffen, wird angenommen mit einem Zusatz von Strombeck( Bentr.), die nähere Altersangabe jugendlicher Arbeiter betreffend.( Strombeck stellt zu fast jedem Absatz einen Antrag, meist nur ganz unbedeutende Abänderungen, zuweilen Verbesserungen des vorliegenden Absatzes; sie werden hie und da angenommen, während alle wirklichen Verbesserungen, glücklicherweise auch meist Verschlechterungen, niedergestimmt werden. Die Gemeindekrankenversicherung wird bis zu Ende ohne Abänderung nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. § 20 bestimmt die Leistungen der Ortstrantentassen. Das Krankengeld soll sich hier nach dem durchschnittlichen ( nicht ortsüblichen) Tagelohn richten. Für Wöchnerinnen soll Krankengeld gewährt werden, wenn sie sechs Monate vor der Entbindung uuunterbrochen Mitglieder der Rasse gewesen sind. Antrag Auer( Soz.) will das Wort ununterbrochen" streichen. Antrag Spahn( 3entr.) will nur ehelichen Wöchnerinnen Krankengeld geben, weil die Unterstützung der unehelichen gegen die guten Sitten verstoßen würde. § 26 a beſtimmt auch, daß die Mitglieder der Ortsfrankenkasse verpflichtet sind, es derselben binnen drei Tagen anzuzeigen, falls sie anderweitige Versicherungen eingegangen find, bei Verlust ihrer Ansprüche. Der Paragraph wird unverändert genehmigt. Des nd V ne e ma ngen Die Besprechung, die hierauf folgte, bot nicht viel Jn teresse; sehr komisch wirkte nur, daß immer der Hauptführer nden der Zunftkämpfer den Staatssekretär so sehr mißverstehen aten konnte, daß er ihm für sein Entgegenkommen freudig dankte, darf während seine übrigen Gesinnungsgenossen ebenso wie die fährl Gegner der Zunftbestrebungen, sich bewußt waren, daß sie lem von der Regierung feine Förderung mehr erhoffen dürften. furt Die Verteidigung dieser unhaltbaren Forderungen von seiten nterb der Konservativen und Zentrumsmitglieder wurde von ur au Sozialdemokraten und Freisinnigen bekämpft. § 52 bestimmt, daß die Beiträge zur Krankenversicherung zu 2/3 von den Arbeitern, zu 1/3 von den Arbeitgebern ge= tragen werden. Statutarische Bestimmungen können diejenigen Arbeitgeber von der Beitragspflicht befreien, welche feine Motoren benutzen und nicht mehr als zwei versiche rungspflichtige Personen beschäftigen. Kunert( Soz.): Der Ausdruck ununterbrochen" enthält eine schwere Schädigung für die betreffenden Frauen. Ein ganz unverschuldeter Wechsel von einer Kasse in die andere in Folge des Suchens nach Arbeit würde sie in solchem Falle der Unterstüßung berauben. Ebenso ungerecht wäre es, uneheliche Wöchnerinnen auszuschließen, denn sie sind meist die Hilfsbedürftigeren, wie auch die große Sterblichkeit der unehelichen Kinder beweist. Für gleiche geleistete Kassenpflicht gebührt ihr gleiche Gegenleistung. Sollte aber das Mädchen durch Entziehung ihres Rechtes für den unehelichen Umgang bestraft werden, so müßte der mitschuldige Mann ebensfalls bestraft werden; freilich würden darunter nicht nur die Arbeiter, sondern auch zahlreiche Mitglieder der Bourgeoisie leiden. Religiöse und fittliche Fragen gehören nicht in die Krankenversicherung; auch sollen sie nicht. geschädigt werden auf Kosten der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit. Ein Antrag der Sozialdemokraten, letztere Bestimmung zu streichen, wird abgelehnt und§ 52 unverändert angenommen. eftatt D Abg. Grillenberger( Soz.) führte den Beweis, daß die von den Zünftlern gerügten Uebelstände im Lehrlings eigti wesen nicht durch die von ihnen vorgeschlagenen Mittel, öhen sondern nur durch die von seiner Partei beantragten Veregier besserungen wirksam bekämpft werden können. Bu allge olfes meiner Heiterkeit führte Redner an, daß einer der Haupt ebens führer der Zünftler, Biehl( Bentr.) selbst in seinem eigenen Bevölk Handwerksbetrieb feineswegs den Forderungen des Be ferde fähigungsnachweises entspreche, da er mehrere Handwerke eisch zugleich betreibe und nicht immer mit Erfolg. Das Hander Be werk tönne überhaupt die Großindustrie nicht wirrjam bekämpfen und durch Zwangsmaßregeln hemme man nur die natürliche Entwickelung zum Schaden für das Ganze. Gegen die Handwerkerkammern habe seine Partei nichts ahru einzuwenden, fordere aber als nothwendige Ergänzung die erhän Errichtung von Arbeiterkammern. § 55 a ist von der Kommission eingefügt. Die höhere Verwaltungsbehörde soll auf Antrag von 30 betheiligten Versicherten anordnen können, daß auch andere als die von der Kasse bestimmten Aerzte und Apotheken in Anspruch genommen werden, wenn durch die von der Kasse getroffenen Anordnungen eine dem Bedürfniß des Versicherten entsprechende Leistung der Kasse nicht gesichert ist. Konservative und Zentrumsmitglieder sprechen gegen, Freifinnige für Unterſtüßung der unehelichen Wöchnerinnen; ein fonservativer Abgeordneter, der im Laufe der Debatten sich häufig zu Gunsten der Arbeiter von seinen Fraktionsgenoffen getrennt hat, Graf Holstein, tritt auch hier für die menschliche und gerechte Auffassung ein. Hierüber entspinnt sich eine lebhafte Debatte, in der verschiedene Abänderungsanträge gestellt werden. Abg. Eberty( freis.) ist aus praktischen Gründen auf Grund seiner Erfahrungen gegen die Anträge und hält die freie Aerztewahl für das Erstrebenswerthe. Abg. Möller( nat. lib.) will für§ 55 a stimmen, obwohl er denselben nicht ganz billigt. Staatssekretär v. Bötticher hält die freie Aerztewahl für ein schönes Jdeal, das jedoch nicht durchführbar ist. Die Kassen haben des Guten schon sehr viel gebracht, man könne nicht Vollkommenheit von ihnen verlangen. Er bittet um Streichung der Zusazanträge und des ganzen eingeschobenen Absatzes. nd ge lach nd. reten Den 27. Nov. beginnt die Berathung des Etats( der Betrug Staatsausgaben), in Verbindung mit dem Anleihegesetz und stand dem Nachtragsetat, welcher die Summen enthält, welche in die De dem gegenwärtigen Jahr, noch außer den im Voranschlag allen Daß di bewilligten, als nothwendig herausgestellt haben. aus d feinen Der ein we after Reichs M Birth Folge rühre Heilmi Ueberz 2 Den Reichstagssekretär Freiherr v. Malzahn theilt zuerst mit, daß der Ueberschuß aus dem Jahre 1890-91 nicht, wie unfen bisher angenommen 10, sondern 15 Millionen beträgt. Die Ueberweisungen an die Einzelstaaten haben die Voranschläge sogar um 80 Millionen überstiegen, von welchen jedoch 57 für höhere Matrikularbeiträge abgerechnet werden mußten. Das laufende Jahr 1891-92 wird voraussichtlich Ueberschuß, sondern einen Fehlbetrag von 8 Millionen ergeben, wenn nicht der Nachtragsetat angenommen wird. Die Steigerung der Ausgaben rechtfertigt der Reichsscha sekretär zum größten Theil aus den ungewöhnlich hohen Preisen für Naturalien, wodurch die Verpflegung Armee viel kostspieliger geworden, als im Vorjahr. Der neue Etat von 1892-93 wird sich, nach der Ver sicherung des Schatzsekretärs, so sehr einschränken, als die Staate knappen Mittel es verlangen. Die Truppenverpflegung jedoch abermals zu bedeutend erhöhten Preisen berechnet usga werden; die Mehrausgabe bertägt hierfür 712 Millionen; aben welche Veränderungen der Voranschlag durch die Handelsbe L Dienſt verträge erleiden wird, welche im nächsten Jahr zum Ab schluß kommen werden, das entzieht sich noch jeder Ver muthung. Hieran schließt sich eine längere Auseinanderen, d setzung über die Schulden des Reichs, die leider sehr groß abe d und in beständiger Zunahme begriffen sind. Abg. Langerhans( freis.) ist für freie Aerztewahl wie sie bei den freien Kassen bestand. Die schlechte Besol dung der bestimmten Kassenärzte ist ein großes Uebel und dieses werde durch Einmischung der oberen Behörde nicht gebeffert. Im Gegentheil sei es für das Wohl der Kassen erforderlich, ihnen freien Spielraum zu gewähren. muß er lles M R D Pember Abg. Rickert( Freis.) welcher zunächst angesichts der en p riesig anwachsenden Schuldenlast Sparsamkeit verlangt, be abe e sonders Einschränkung in Marine- und Kolonialausgaben. An die Nachtragsforderung von 8 Millionen fnüpft eine Kritik der Getreidezölle und der Schutzölle überhaupt. In Hinsicht auf die beunruhigenden Kriegsgerüchte bittet er den Minister ein erlösendes Wort zu sprechen. Auch weist er auf einen Artikel einer freifonservativen Wochen schrift hin, welche den Reichskanzler amtsmüde genannt hat, und will wissen, wie weit diese Nachricht auf Wahrheit bes ruht. Diesem Verlangen entspricht der Reichskanzler v. Gas privi gleich, und zwar in einer sehr langen Rede, die als feierlich offizielle Aeußerung der Regierung zu den wich tigsten Fragen von großer Bedeutung ist, sowohl durch das was gesagt, als auch durch das, was verschwiegen wird: die Kornzölle z. B. werden nicht erwähnt. Reichskanzler v. Caprivi bestreitet zunächst sehr ent schieden seine Amtsmüdigkeit. Mit leichtem Spott weist e den Gedanken ab, daß er als eine Art Altersversorgung wieder eine Stellung in der aktiven Armee erhalten solle. Wie sein Vorgänger erklärt er, sein Herr habe ihn berufen und so lange er dessen Vertrauen genieße, werde er bleiben. Er stellt die baldige Einbringung der Handelsverträge Aussicht, auf deren Zustandekommen er stolz ist. Ueber die Zeitungsschreiber, die Mißtrauen und Beunruhigung fäen, zeigt er sich sehr ungehalten. Das Streben nach dem Sen fationellen verurtheilt er. Auf dem Boden der auswärtigen Politik sei dasselbe besonders verwerflich. Die Zusammen Abg. Wurm( Soz.). Die vorliegenden Bestimmungen sollen die schädliche Wirkung des Aerztezwanges mildern, aber damit ist nicht geholfen. Die Frage nach der Wirksamkeit des Arztes ist eine reine Vertrauensfrage und kann nicht von der Behörde gelöst werden. Die schlechte Bezahlung der Kassenärzte schafft ein Aerzteproletariat; das Richtigste würde sein: Verstaatlichung der Apotheken und Aerzte. Die Kassen tönnen allerdings die freie Aerztewahl nicht bestreiten; es fehle eben an den Mitteln, dem Arbeiter die nöthige Fürsorge zu gewähren. Deshalb erhalte der Arbeiter, wie bei der ganzen Verbesserung, so auch hier ein Surrogat, Bichorie für Kaffee. Die Arbeitergesetzgebung habe den 0 N Bausfr thält preche und fic Dier S Dember Qut u uffic Pefter aud Dobl. Eages a bring Stunde urch dr rer S echt? heue ann unft in Kronstadt behandelte der Kanzler sehr kühl. Man jabe bei Erneuerung des Dreibundes etwas zu viel Pauken md Trompeten ertönen lassen und haben Andere(Frankreich «d Rußland) gedacht, sie wollten auch einmal Pauken und trompeten ertönen lasten. Alle Regierungen seien sehr riedlich gesinnt, keine wolle den Krieg. Aber die völlige riegsbereitschaft sei trotzdem nöthig und werde noch lange Sthig bleiben. Der Redner stellte eine Vermehrung der rmce in Aussicht und schloß mit einem Lob auf dieselbe tid ihre hervorragende Tüchtigkeit. Abg. Buhl(nat. lib.) kam nicht über allgemeine thrasen hinaus. Er bedauert den Rücktritt Bismarks, essen Verdienste er preist. Er verlangt Sparsamkeit und enaue Prüfung der Ausgaben in d>.r Kommrssion.(Bis tzl hat jedesmal die Partei des Redners nach genauester strüfung" für alle Forderungen der Regierung gestimmt.) Abg. Bebel(Soz.) betont den großen Zwiespalt wischen den Friedensbetheuerungen von allen Seiten mit en stetswachsenden Kriegsrüstungen. Der Reichskanzler abe sich über die Beunruhigung durch Zeitungsschreiber «klagt und dabei wohl zunächst an den einen großen Zei- l»ngsschreiber in Friedrichsruh(Bismark) gedacht; aber die Wmistische(schwarzsehende) Auffassung der Zustände in en Zeitungen spiegelt doch nur die gleiche Stimmung des iolkes wieder. Auch die Militärschriftsteller tadelt der ieichskanzler, weil sie das Volk durch neue übertriebene und �durchführbare Vorschläge beunruhigen, die sie stets durch «n alten Spruch rechtfertigten: 8i vis xaesw pora dsllum. (Wenn du den Frieden willst, so rüste dich zum Kriege.) !as aber, als eben dieses, sei das Endergebnis seiner igenen Rede? Auch er verlangt noch weitere Rüstungen, •och mehr Soldaten. Und doch habe das Reich schon nahe >» 2 Milliarden Schulden. Wo solle das Geld herkommen— W soll es enden? Wie werde man die Berproviantierung dieser Heeresmassen bewältigen, wie die Pflege der Kranken nd Verwundeten?— Von sehr maßgebender Seite sei die lbsicht ausgesprochen worden, die Truppen gegen den in- ««Ten Feind zu verwenden. Auch die„Hamburger Nächsten" führen aus, daß die soziale Frage eine Kriegsgefahr nebst allerlei Verdächtigungen der politischen Gegner, st man von Fürst Bismark gewohnt sei. Hätte er zur stfrechterhaltung seiner Meinungen seinen Posten im Hause �genommen, so würde er dieses und noch manches andere > hören bekommen haben lHeiterkeit). Daß mit der wach- »den Vermehrung der Soldaten auch mehr Sozialdemo- 'aten in das Heer kommen, ist einfach selbstverständlich, es «darf hierfür keiner Propaganda in dem Heer, die ebenso jährlich wie nutzlos wäre. Aber beunruhigend wirken vor Äem Reden, wie deren eine kürzlich vor den Rekruten zu stfurt gehalten wurde,(Vizepräsident v. Ballest rem Unterbricht den Redner, indem er erklärt, es könne sich dies "»r auf eine Rede des Kaisers beziehen und e- sei nicht lsttattet, dessen Person in die Debatte zu ziehen.) Durch die fortgesetzten und stets erhöhten Rüstungen «igt die Belastung ins Unerträgliche. Die Schutzzölle er- öhen die ohnehin schon so hohen Lebensmittelpreise und die stgierung weigert sich, den berechtigten Forderungen des Kolkes nachzugeben und durch Aufhebung der Zölle auf «bensmittel billigeres Brot und Fleisch für die arbeitende evölkerung zu schaffen. Deshalb nimmt der Konsum von serdefleisch so zu. Daß an inanchen Orten das Schweine- tisch so billig geworden, erklärt sich nur aus der Nothlage K Bevölkerung. Die jungen Thiere, die sonst aufgefüttert st» gemästel werden, verkauf!, man zu jedem Preis oder flachtet sie, weil die hohen Futterpreise unerschwinglich �»d. Daran trägt die Mißernte die Schuld, doch ohne die �ahrungsmittelzölle wäre ihre Wirkung eine weit iveniger Üsthängnißvolle. Die Folgen des herrschenden Systems wn immer unverhüllter zu Tage. Unterschlagung und sttrug bei zahlreichen, oft hochangesehenen Bankfirmen, stindalprozeffe, welche zu allgemeinem Schrecken Dinge an '« Oeffentlichkeit bringen, welche Jeder kennt und sich ge- Aen läßt, so lange sie verborgen bleiben— Alles zeigt, "ß die alte Gesellschaft in dem Sumpf, auf welchem sie ihr >aus aufgebaut, rettungslos versinken muß. Aber diese ver- "Nkene Gesellschaft gebe den Boden ab für einen Neubau � eine andere neue Gesellschaft. Fahren Sie nur so fort s wer erntet, das ist doch nur die Sozialdemokratie.(Leb- Laster Beifall bei den Sozialdemokraten.) , Abg. Frege(freikons.> ist befriedigt von der Rede des stichskanzlers und einverstanden mit der Beibehaltung der Mrthsckaftspolitik. Die hohen Getreidepreise seien blos «olge des Börsentreibens, die Unzufriedenheit im Volke Äre blos vop den hohen Ansprüchen her. Das einzige ffilmittel für unsere wirthschaftlichen Schäden ist nach der "erzeugung des Redners: die Silberwährung.(Heiterkeit.) . Abg. P a y e r(Volksp.) bespricht eingehend die herrschen- if» Mißstände, tadelt die Höhe der Rüstungen, welche die Maaten des Dreibundes bald nicht mehr bestreiten können. Ues Ueberflüssige, wie kostspielige Bauten oder die meisten 'Usgaben für die Marine und Anderes muß aus den Aus- "ben herausgestrichen werden. Redner verlangt als posi- "e Leistungen: Aufhebung der Kornzölle und zweijährige ''enitzeit. Abg. v. d. Decken(Welfe) beklagt sich über Nerfolgun- % denen seine Partei ausgesetzt sei, und verlangt Heraus- "be des Welfenfonds an die kgl. Familie von Hannover. , Reichskanzler v. Caprivi verweist diese Klagen vor «n preußischen Landtag, als Reichskanzler in Deutschland �be er damit nichts zu schffaen. Die Fortsetzung der Debatte findet Montag, d. 3V. No- �nber, statt. GrMimgsjmn, niefif Orilnungsmame! . Nachstehendes entnahmen wir einem Artikel der„Deutschen «»usfrauen-Zeitung", der viel Wahres und Beherzigenswerthes �thält. Es giebt viele Frauen, denen man Tüchtigkeit nicht ab- Bechen kann, die aber dennoch nicht verstehen, es ihrer Familie � sich selbst wirklich wohl und anheimelnd zu machen in den Wänden.- Nie läßt sich ein loses oder gar abgerissenes (''ndenknöpfchen entdecken; prompt sind die Kleider gebürstet, stt und Stock am rechten Platz; das Mittagessen läßt nie länger � sich warten, ist zur rechten Zeit bereit; kurz, Alles ist in >r Ordnung. Und dennoch— wie barbarisch und schrecklich »uch klingen mag— fühlt sich der Mann zu Hause nicht t>I. Die Hausfrau beklagt sich, daß der Gatte, statt nach der «sarbeit zu Hause zu bleiben, den Abend außer demselben tnge; sie, die doch auch von früh bis spät arbeitet, keine Nde müßig verbringt, die von der felsenfesten Ueberzeugung �hdrungen ist, das Muster einer Hausfrau zu sein, wird, nach Ansicht, dafür mit schwarzem Undank belohnt. Hat sie -Wie kommt es, daß, ob auch die Hausfrau mit Putzen, üern und Kehren sich abmüht und absorgt, dennoch der seine freie Zeit lieber außer dem Hause zubringt? Nehmen wir uns die Mühe, einen tieferen Blick in die Häuslichkeit zu werfen! Der Eheherr kehrt unter den ersehnten Klängen der Feier- abendglocke heim; schon auf der Treppe ruft ihm die Hausfrau entgegen:„Hast Du auch die Stiefel drunten hübsch gereinigt? Heute erst wurde jene gescheuert und ich möchte nicht, daß sie schon morgen wieder aussehen würden, als ob sie seit drei oder vier Wochen keine Bürste und kein Wasser mehr geschaut!"— Das Abendessen ist vorbei. Der Mann möchte gerne eine Zi- garre rauchen. Die Ehehälfte merkt die Absicht und wird— verstimmt. Zu neuen Vorwürfen löst sich ihre Zunge:„Lieber Mann, könntest Du Dir nicht angewöhnen, Deine Zigarren, wenn denn absolut geraucht sein muß, draußen zu„genießen"? Meinet- wegen, wenn Du in's Geschäft gehst, oder aus dem Heimweg? Du weist doch, daß die Gardinen den Zigarrenrauch nicht er- tragen, und abgesehen davon, wird die Asche überall herum ver- streut, aus den Möbeln und auf dem Fußboden." Die so gern gerauchte Zigarre wird weggelegt.— In seinen ledigen Jahren war ihm das Holzschnitzen eine Lieblingsbeschäftigung. Wie manchen Winterabend saß er im kleinen Stäbchen bei seinem jetzt schon längst verstorbenen Mütterlein! Noch jetzt sieht er sie im Geiste vor sich sitzen, das Strickzeug in der Hand, hin und wieder mit ihm plaudernd, dann wieder freundlich ihm zunickend, seine Arbeit betrachtend und mit ihrem Lob sie fördernd. Wie wohl und zufrieden fühlte er sich in solchen Stunden und wie schön dachte er sich's erst, wenn er einst ein liebes Weib an seiner Seite sitzend habe! Wie herrlich müßten dann sich die langen Winterabende gestalten!— Diese Erinnerungen weckten in ihm heute neue Lust für seine fast in Vergessenheit gesunkene Abend- beschäftigung; er möchte seine Kunst wieder einmal probieren, hat er doch mit ihren Resultaten früher seiner Braut manche Freude bereitet und oft an Namens- und Geburtstagen sie mit Arbeiten überrascht. Schon ist er im Begriff, sich so recht nach Herzens- lust daran zu machen, als seine Ehehälfte ihm verwunderte und verwundende Blicke zuwirft, welche die stumme Frage stellen, was denn diese Auspackerei von Messern, Holz, Zirkel, Bleistift und Vorlagen zu bedeuten habe.„Aber, lieber Mann, was soll denn das heißen?"„„Das wirst Du bald sehen, mein Schatz. Jetzt wird wieder einmal geschnitzt; denn daß ich kein gelehrtes Haus bin und mich immer nur mit Bücherlesen und Gott weiß, was für Krimskrains beschäftigen kann, weißt Du ja wohl so gut wie ich und d'rum— mache Jeder, was er kann— sang' ich gleich zu schnitzen an.""„So so?" kam es gedehnt von den Lippen seiner Frau.„Also schnitzen? Weißt Du, an und für sich finde ich das Schnitzen ja ganz recht, aber ich dächte—" „„Nun, und was ist denn dabei zu bedenken?""„Zu bedenken giebt es für unsereins eben dabei gar viel, aber natürlich, ihr Männer, ihr habt keinen Begriff davon, wie sauer man sich's werde» läßt, bis die Stube recht rein und sauber aussteht. Ja, ja, eine Unordnung ist schnell gemacht; aber was das Aufräumen und Ordnen für Zeit braucht, davon habt ihr leider keine blasse Ahnung. Jetzt willst Du schnitzen? Hier in dieser Stube schnitzen? Nein, lieber Mann, das wirst Du denn doch nicht thun wollen? Bedenke doch die vielen Holzschnitzeln, welche bei der Arbeit auf den Boden fallen! Warte Du lieber bis zum Soiymer; da kannst Du dann im Garten arbeiten; aber in der Stube— nein, mein Lieber, das ist denn doch zu viel verlangt." „„An dies Alles habe ich allerdings nicht gedacht. Weißt Du was, Schatz, ich hole mir Hut und Stock und geh' für heute Abend in's Wirthshaus, dort kommt's auf ein Bischen Zigarren- asche mehr oder weniger nicht an; sogar gegen Holzschnitzel wäre der Boden nicht so empfindlich, wie der Deine. Leb' wohl, mein Schatz!"" Und fort geht er. Die gute Frau war zwar etwas verblüfft ob des raschen Entschlusses ihres Gatten, ja sie fühlte sich bitter gekränkt, daß der Mann so rücksichtslos sein konnte. Was hatte sie denn ge- than? Was giebt es denn Schöneres in der Haushaltung, als eine musterhafte Ordnung? War sie nicht im ganzen Bekannten- kreis als ein Muster einer Hausfrau bekannt? Harte man es ihr nicht selbst schon gesagt? Nur Derjenige, welcher es am ehesten anerkennen sollte, wollle es nicht würdigen; das— das war zu viel fiir sie, und die unglückliche Frau brach in bittere Thränen aus. Kroilfrage. Seit nun das in Aussicht gestellte indische und russische Getreide ausgeblieben ist, wird die Frage in den Kreisen der „Satten" ventilirt, was nun, wenn unsere Brodfurcht zu Ende geht, lange vor der neuen Ernte. Und bei solchen Gelegenheiten zeigt sich ja meist eine Erfindungssucht, die zu bewundern wäre, wenn es nur dabei nicht immer wieder hauptsächlich auf's„Verdienen" und zwar im Großen hinaus- liefe. So ist ein Amerikaner auf die schlaue Idee gekommen, den in Amerika sehr billigen Mais, der bisher hauptsächlich als Schweine- und Gänsefutter verbraucht wurde, in Deutsch- land als Brodfrucht einzuführen. Es wär damit möglich, den Hungernden mit billigem Material den Magen zu stopfen und— ein brillantes Geschäft wär in Aussicht von dem Einige wieder Milliönchen davon tragen könnten.■ Und die deutschen Kurpfuscher des kranken Gesellschafts- körpers, die sich bereit hatten finden lassen, den, Volke Fleisch und Brot zur theuren Delikatesse zu machen, zu Gunsten der armen Reichen, sie sind auch jetzt bereit, dem amerikanischen Unternehnlern entgegen zu kommen und das Volk mit einem neuen Fütterungsmirtel zu beglücken. Mußte bisher die an Nährwerth sehr niedrig stehende Kartoffel den besitzlosen Klassen so manches werthvolle aber unerreichbare Nahrungsmittel ersetzen, so war doch im Brod noch Nährstoff; doch ein Maisbrod würde nicht viel mehr haben als die Kartoffel. Doch hören wir, was die Zeitungen darüber sagen: Maisbrod. Nach Mittheilungen Berliner Blätter hat das landivirthschaftliche Departement der Regierung in Washingten einen Herrn Charles I. Murphy nach Berlin gesandt, um dem Mais als Ersatz für andere Brotstoffe Eingang zu verschaffen. Herr Murphy hat in einer Bäckerei in der Schützenstraße ein Brot aus einem Pfund Roggen- mehl und einem Pfund Maismehl herstellen lassen, welches durch Absorbirung von Waffer ein Gewicht von 4>/z Pfund hat und sich unter Zugrundelegung der jetzigen Roggen- und Maispreise auf 20 Pf. im Preise stellt. Herr Murphy wurde von dem landwirthschaftlichen Minister empfangen. Auch will die Proviankabtheilung des Kriegsministeriums aus amerikanischem Maismehl eigene Prüfungen mit der Herstellung von Mischbrod anstellen. Recht nett. Da sind wir also auf dem besten Wege, zur Polenta und Mamalika, im Waffer gekochten Maismehl, zu gelangen. In Italien und Rumänien lebt ein großer Theil zahraus jahrein von diesem geschmacklosen Mais- oder Kukeruzbrei. Aber in eben diesen Gegenden ist auch die scheußliche Pelagrakrankheit verbreitet, von der viele Aerzte behaupten, sie habe ihren Grund in dieser Ernährungsweise. Es wäre gewiß eine feine Sache, wenn der Name eines un- serer Staatsmänner mit der Einführung einer neuen Krank- heit nach Deutschland für ewig verbunden iväre. Und alle diese Experimente, warum? Damit eine Handvoll Groß- grundbesitzer in Saus und Braus und Gloria nach ihrer Väter Weise weiter leben kann. Ueber dos Murphysche Maisbrod schreibt ein Fachmann aus Ludwigshafen der„Volkstribüne": Amerikanischer Humbug! Unwillkürlich kam mir dieses Wort in den Sinn, als ich in der vorigen Nummer den Artikel über das gute und billige Maisbrod nach dem Rezept des Amerikaners Murphy las. Als Humbug ist es zu be- zeichnen, wenn genannter Herr behauptet, aus 2 Pfd. Mehl ä'/z Pfd. Brod herstellen zu können. Wenn dies wirklich möglich wäre, dann wäre es mit unfern Brodpreisen noch nicht schlimm, da sich dieselben dann um ein Drittel billiger stellen müßten. Wir deutschen Bäcker haben nämlich zur Herstellung von 4 Pfd. Roggen- oder Weißbrod 3 Pfd. Mehl nöthig, währenddem Maismehl, das keinen Kleber hat und infolgedessen weniger Wasser annimmt, auch weniger Brod ausgeben muß. Auch mit dem Preis von 20 Pf. wird es nicht ganz stimmen, da 1 Pfd. Roggenmehl und 1 Pfd. Mais- mehl ohne die Brodherstellungskosten gerechnet, sich höher stellen als 20 Pfg., wenigstens nach hiesigen Preisen. Was den Geschmack des mit Maismehl vermischten Brotes anlangt, so ist derselbe sehr zweifelhafter Natur und auch nicht annähernd mit dem eines guten Stück Roggen- oder Werzenbrodes zu vergleichen. Möglich schon, daß es von den großen Herren, die eben an der Nothstandskalamität herumdoktern, und die es ja im Nothfall mit Butter und Schinken belegen können, gut geheißen wird, etwas Anderes ist es aber mit dem Arbeiter, der es oft zu einer dünnen Tasse Kaffee genießt, wie es ja in vielen Gegenden Deutsch- lands Gebrauch. Ich habe vor ungefähr Jahresfrist im Auftrage einer hiesigen Fabrik, die ebenfalls die löbliche Absicht hatte, ein billiges Arbeiterbrod herzustellen, verschiedene Verfuche mit Mais- und Roggenmehl gemacht, und zwar anfänglich% Roggen und 1/3 Mais, und nachdem dies herzlich schlecht ausgefallen war,»/« Roggen und«/< Mais. Trotz dieser kleinen Beimischung fand das Brod in hiesigen Arbeiterkreisen keinen Anklang, indem sich jeder sagte, lieber will ich für ein gutes Brod 4 oder 6 Pf. mehr bezahlen. Bei diesen Versuchen habe ich gefunoen, daß das kurze, sandartige Maismehl eher zu allem andern als zur Brod- bäckerei geeignet ist, und glaube ich, daß derjenige, der ein gutes Brot davon herstellen will, schon ein Hexenmeister a la Murphy sein muß. Diese Proben genügen wohl den Arbeiterfrauen zun, Beweis, daß man die ohnedies niedrigstehende Ernährung des deutschen Arbeiters noch iveiter herunter drücken möchte auf jdie Stufe der italienischen Arbeiter, welche in Bezug auf Ernährung den chinesischen Kulis am nächsten sind. Es wäre dann ein so körperlich heruntergebrachtes Volk auch geistig kaum noch fähig, sich zu rühren; je schlechter die Lebenshaltung, desto mehr wird das Denken erstickt und so wäre auch die Gefahr in die Ferne gerückt, daß das Volk sich selbst hilft gegen Bedrückung aller Art. Zar Fraueaftage. England. Die Anstellung von Frauen zur Bedienung der Schreibmaschine im Kriegsministerium hat sich so gut bewährt, daß daselbst bereits zwei Kopistinnen-Abtheilungen unter Leitung einer„l-acty Superintendent" errichtet worden. Miß Urania Latham, die hinterlassene Tochter eines Pfarrers, hat in diesem Jahre den ersten der von der Londoner medizinischen Schule für Frauen ausgesetzten Preise gewonnen und das„Fanny-Butler-Stipendium"— 28 Lstrl. aus vier Jahre— ist einer Deutschen, Fräulein Valeska von Himpe, der Tochter des verstorbenen Obersten von Himpe aus Leipzig, zu- erkannt worden. Die siegreiche Bewerberin muß sich verpflichten, ihre Dienste als Arzt eine Zeit lang der Zenana-Mission der englischen Kirche in Indien zu widmen. Portugal. Nach einer zweijährigen Thütigkeit als Assistentin im Hospitale St. Joseph ist Fräulein Amelia Cardia von der medizinischen Hochschule in Lissabon in feierlicher Weise zum Doktor promovirt worden. Rußland. Frau Jwanschytz hat in Petersburg eine Handels- schule für Frauen mit zweijährigem Kursus eröffnet, den Schülerinnen der staatlichen Gymnasien ist der Befuch dieser Anstalt unentgeltlich gestattet. In Riga sind medizinische Lehrkurse für Frauen eingerichtet worden. Deutschland. Der Dozentin der Mathematik, Miß Gentry aus Nordamerika ist es gestattet worden, den Vorlefungen einiger Professoren der Mathematik an der Berliner Universität als Hospitantin beizuwohnen. Man darf gespannt sein, ob vor- kommenden Falls den Töchtern Deutschlands mit gleichem Maße gemessen wird, wie der Ausländerin. Das Recht, an der Uni- versität Examina zu machen, ist allerdings mit dieser Zulassung nicht verbunden. Berlin. Frau Lina Morgenstern ist zum Mitglied der be- rathenden Behörde der Abtheilung für Frauenarbeiten auf der Weltausstellung in Chicago gewählt worden. Das Mädchenschulwcsen auf dem Lande soll nach dem Organ Bismarcks die Schuld an dem Zuhälterthum tragen. Die hohe BUdung, welche die Mädchen in der Dorfschule er- halten, steigere ihr Selbstgefühl; sie fänden ländliche Arbeit in Wind und Wetter oder im Viehstall nicht mehr ihrer würdig, die Aussicht aus eine Nähmaschine und die Freuden des Tingel- Tangel lockten sie nach der großen Stadt. Ihr Verdienst an der Nähmaschine entspräche nicht ihren durch Vergnügungssucht gesteigerten Ansprüchen, sie verfielen der Prostitution und den,- nächst dem Zuhälter. Selten ist wohl ein größerer Unsinn zu Tage gefördert worden. Denn jedein Einsichtigen ist wohl klar, daß viele von den zu Grunde gehenden Mädchen, eben zu wenig gelernt haben, daß Schule und Erziehung nicht hinreichend waren und sind, um alleinstehenden Mädchen auskömmliches Brod zu sichern. Was wird denn z. B. heute von einem Hausmädchen alles ver- langt? Sie soll schneidern, frisiren, bügeln können. Wer soll sie das lehren, wenn die Eltern zu arm waren, um Lehrgeld zu zahlen? Und was erhält ein so vorgebildetes Mädchen an Lohn? 130 Mark im höchsten Fall, davon soll sie womöglich noch eine arme alte Mutter erhalten! Also nicht zu viel, sondern zu wenig lehren die Schulen die Mädchen. Und ihre Fähigkeiten werden von den Besitzen- den für ein elendes Entgelt gründlich ausgebeutet. Wenn sie also bei so hohen Anforderungen von Seiten der Herrschaften — ein Mädchen für Alles soll z. B. fertig kochen können— es vorziehen. Fabrikarbeit in der Stadt zu suchen, wozu ihre geringen Kenntnisse ausreichen, so sind die„Herrschaften" mit ihren hohen Anforderungen und demgegenüber schlechten Löhnen schuld, wenn die Mädchen sich vor dem Dienstbotenstand scheuen. Und wir haben gerade in voriger Nummer der„Arbeiterin" darauf verwiesen, wie Prostituirt« gemacht werden von den Herren und ihren Söhnen, welche die Welt stets nur durch die eigene Brille des Egoismus und der falschen Sittlichkeit an- sehen. Bewerkschaftliches. Die Zeitungen melden, daß bezüglich der Vorbereitungsarbeiten für das Inkrafttreten der neuen Gewerbeordnungsbe stimmungen die Zentralstellen in Berlin ,, bei den Unternehmern angefragt haben, welche Ausnahmen vom Verbot der Nachtarbeit weiblicher Beschäftigter wünschten." Ob man dieser Anfrage eine gleiche an die Arbeiterinnen folgen lassen wird, stellen wir vorläufig in Frage und warten es ab. Hauptsächlich handelt es sich hier um die Arbeiterinnen, welche bei der Zuckerrübenindustrie und im schlesischen Bergbau beschäftigt sind. Früher hatte man an Regierungsstelle Furcht vor Bestürzungen mit Ansuchen der Unternehmer um Ausnahmeverwilligungen jetzt fragt man die Herren, welche Ausnahmen sie wünschen! Sehr zartfühlend! Das rügt selbst die Sonnemannsche Franfurter 3tg.", welche ihren Segern gegenüber ebenso handelt, wie sie es den Zucker- und Kohlenbaronen zum Vorwurf macht! Sie schreibt: Dem„ Correspondent" entnehmen wir sehr wichtige und interessante Vorschläge: Die Gewerkschaften haben ihren Mitgliedern Rechtsschutz zu gewähren. Derselbe muß über die eigentliche Prozeßführung hinaus, namentlich auf die Auskunftsertheilung und die Vertretung vor den Genossenschaftsvorständen erstreckt werden, durch welche in vielen Fällen das Schiedsgerichtsverfahren überflüssig gemacht werden kann. Dazu müssen seitens der Gewerkschaften besondere Institutionen eingerichtet werden, sei es, daß man gemeinsame Sekretariate mit besoldeten Leitern errichtet, die vielleicht( nicht nothwendiger Weise) den Arbeitsnachweis, die Wanderunterstüßung 2c. mit besorgen könnten; sei es, daß man einen juristisch gebildeten oder sonst genügend fundigen Mann anstellt, der die sämmtlichen Hülfesuchenden zu instruiren und deren Beschwerden zu fertigen hätte. Da gewerkschaftliche Vereine den Rechtsschutz nur ihren Mitgliedern zu Theil werden lassen, so wären selbstverständlich alle Diejenigen, die mit einem Gesuch in Unfall- oder anderen Versicherungsfragen an das Auskunftsbureau tommen, zunächst über die Zugehörigkeit zu einer Organisation zu examiniren, und würde Jeder, der einer solchen nicht angehört, zu veranlassen sein, zuerst seiner Gewerkschaft beizutreten, ehe ihm irgend welche Hülfe geleistet wird. Daß dadurch eine große Anzahl jetzt noch indifferenter Leute den Organisationen zugeführt werden würde, bedarf wohl feiner ausführlichen Beweisführung. Wir verkennen feineswegs, daß die hier angeregte Sache mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft ist, aber sie ist sehr wohl durchführbar, und sie ist außerdem eine äußerst dringende Frage. Ueber das„ Wie" ließe sich wohl unschwer eine Einigung erzielen. Alle in der Gewerkschaftsbewegung praktisch thäti gen Genossen werden gewiß zugeben, daß die Organisationen auf diesem Gebiete eine sehr fruchtbringende Thätigkeit ent wickeln könnten, und daß dieselbe nützlicher wäre, als diverse andere Dinge, mit denen manche Gewerkschaften sich gegenwärtig höchst überflüssiger Weise befassen. Allerlei aus aller Welt. Wie wär's? Hättet Ihr nicht Luft, die Ausnutzung der Frauen während der Nacht noch ein Stückchen weiter zu treiben, statt sie Euch im Jahre 1892 durch unser Reformgeset" grausam abschneiden zu lassen? Es müßte wunderbar zugehen, wenn die gefragten Unternehmer auf diese freundliche Frage nicht mit Antworten und Eingaben aufwarteten, welche ihren sicheren Ruin für den Fall voraussagen, daß die Beibehaltung der weiblichen Nachtarbeit nicht im weitesten Umfange gestattet werde! We ist je eine solche Ausführung" eines Arbeiterschuhreform geseges erlebt worden?? Und wenn die Behörden ihie Findelhäuser. Dem bürgerlichen Moralphilister gehen die schönsten Hoffnungen auf. Berlin, von den Stöcker und Ge noffen als ein Sündenpfuhl, als ein modernes Sodom und Gomorrha dargestellt, wird nun bald entsündigt und in ein Klassisches Arkadien voll paradiesischer Unschuld verwandelt sein. Denn nicht nur soll die Prostitution ,, kasernirt", es sollen auch Findelhäuser errichtet werden, wo die unglücklichen ,, Kinder der Liebe" in einer" Drehlade" nach mittelalterlichem Muster oder in einer modernen Versenkung" verschwinden können. " " erhöht wird. An dieser Steigerung der Lebensmittelpreise trägt aber, wie Liebknecht ganz richtig bemerkte, die Regierung schuld. Sie ist eine Stütze der Bismarckschen Zollpolitik, die den Armen das Leben erschwert, den besigenden Klassen aber neue Vortheile zur Verschönerung des Daseins bietet. Und die Minister dieser Regierung stellen dem Landtag var, er möchte ihnen selbst bei den beabsichtigten Gehaltserhöhungen den größten Antheil be willigen! auf die Herbeiführung möglichster Ausnahmen gerichteten Anfragen wenigstens noch gleichmäßig und gerecht nach allen betheiligten Seiten ergehen ließen! Da besagt z. B. der§ 139 a, mit dessen Ziffer 2 den Unternehmern der Mund wässerig gemacht wird, in Ziffer 1, daß für gewisse Fabrikationszweige, welche besonders schädlich auf die Arbeiter wirken, die Kinderund Frauenarbeit gänzlich untersagt werden kann. Hat die Regierung wenigstens auch an die Ausführung dieser Bestimmung gedacht und bei Sanitätsbehörden, Krankenkassen, Gewerbeinspektoren und Arbeitern nach solchen besonders schädlichen Beschäftigungen gefragt, um hier allerdings keine Unternehmer, aber doch Frauen und Kinder zu schüßen? Wir haben noch kein Sterbenswörtlein davon gehört. Die Vorbereitungsarbeiten scheinen vorläufig hauptsächlich zu Gunsten der Unternehmer vor sich zu gehen. Die Findelhäuser haben die Sympathie der oberen Zehntausend" für sich. Sogar die sittsame Tante Voß hat sich ent schloffen, sich dafür auszusprechen, und zwar mit dem Hinweis, daß dann bie ,, Engelmacherei" und die Kindesmörderei ver= schwinden würden. Das mag sein und wir wollen uns auch nicht wundern, wenn der Philosoph Jean Jacques Rousseau herangezogen wird, um einen etwaigen Widerwillen gegen das immerhin bedenkliche Institut der Findelhäuser zu beschwichtigen, denn auch dem hartgesottenen Bourgeois kommt die Sache etwas unheimlich vor und die Gründe für dieselbe erscheinen mehrfach krampfhaft an den Haaren herbeigezogen. Es ist wahr, daß Jean Jacques Rousseau seine Kinder in das Findelhaus brachte, weil ihm seine traurige materielle Lage teine Hoffnung gab, fie zu brauchbaren Menschen nach seinen Begriffen erziehen und ihnen eine angemessene Lebensstellung bieten zu können. Welchen Kampf mag dies einem Manne ge= kostet haben, dessen Gemüth, wie seine Schriften hundertfach be weisen, der zartesten Empfindungen fähig war. Daß ein Rousseau sich solche Gewalt anthun mußte, bildet eine der schwersten Anklagen gegen die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, die sich an seinen Gedanken entzückte und berauschte, ihn aber barben ließ. Weiter jammert sie recht herzbrechend und mit Recht: Haben die diesjährigen Landtagswahlen in Sachsen die doppelte Stimmenzahl ergeben für die Sozialdemokratie, so scheint das für die Mehrzahl der sächsischen Abgeordneten ebensowenig wie für die Regierung ein Mene: Tekel gewesen zu sein. Wir wollen doch gegenüber den geforderten Summen für einen Haushalt einmal den Verdienst der begehrlichen" Arbeiter, unter denen bekanntlich kein Nothstand herrscht, geben: Das„ Leipziger Tageblatt" läßt sich aus dem Herzogthum Gotha über die traurige Lage der dortigen Weber berichten und schildert dieselbe mit folgenden beredsamen Worten: Diese armen Leute, welche zumeist Möbelgurte, Sattel, Decken, Feuerwehr-, Halfter, Jalousiegurte herstellen, verdienen bei einer täglichen 14-15 stündigen Arbeitszeit die wahrhaft tlägliche Summe von 5-7 Mt. in der Woche. Und um diesen mehr als bescheidenen Betrag zu erzielen, müssen noch die Kinder oder die Frau das Spulen besorgen; man kann sich leicht er: klären, daß bei einem so färglichen Verdienste und unter den heutigen Verhältnissen das Leben einer solchen Weberfamilie ein im höchsten Grade trauriges und beklagenswerthes zu nennen ift.... Die Leute sind arbeitsam und zuverlässig und verdienen es im höchsten Grade, daß die öffentliche Theilnahme sich ihrer traurigen Lebenrlage zuwendet. Mr. Dies alles trifft in sogar verstärktem Maße auf die sächsischen Weber im Erzgebirge und in der Lausitz zu. Aber diese Noth im Lande wird vom Tageblatt" geleugnet. Erfreulicher Weise kommen nun von überall die Antworten der Arbeiter auf die Verneinungen des Nothstandes. Zuerst war es Berlin, wo bei der Wahl der Stadt verordneten ungeahnte Siege bekannt wurden. Von den um strittenen 15 Mandaten errangen die Sozialdemokraten 6, die Liberalen 3 Mandate; außerdem finden 6 Stichwahlen statt und tommen die Sozialdemokraten in zwei Kreisen zur Stichwahl und 4 Stichwahlen finden stat zwischen den Liberalen und der Bürgerpartei. Von den 15 Mandaten hatten früher in Besit S.-D. 3, Lib. 8, B.-P. 4. Gewählt wurden die Genossen: P. Singer, A. Stadthagen, Höhne, G. Sabor, J. Henke und H. Borgmann; in Stichwahl kommen die Genossen Zadeck und Megner. Stimmen wurden abgegeben: In welchen Jammer weiblicher Arbeit läßt diese unverfrorene Bitte einen Blick thun! Zu welchen unweiblichen harten Verrich tungen wird in den oberschlesischen Gruben und Hütten das Arbeitsweib herangezogen! Sie schafft eben für einen„ Durchschnittslohn" von 80 Pfennigen das Schwerste, wie ein amtlicher Bericht unter sorgfältiger Vermeidung näherer Angaben über die wirklichen, auch die niedrigeren Lohnjähe angiebt, und das erklärt alles! Und um welche Armeekorps werdender oder festiger Mütter des Volkes" handelt es sich dabei! Beim Steinkohlenbergbau allein um beinahe 4700, die vor fünf Jahren erst 3700 waren, sich also in der kurzen Zeit schon um mehr als 25 Proz. vermehrten! Um erbärmliche Jahreslöhne, die um 200 Mart herumschwanken, leisten diese Frauen in den Großbetrieben harte, unnatürliche Dienste. In den oberschlesischen Eisenerzgruben schaffen rund 1750 Arbeiterinnen, in den 3inf- und Bleierzgruben nicht weniger als 3005, in der Koats- und Cinderfabri fation, wo sich ihre Verwendung seit 1885 geradezu verdoppelt hat, beinahe 4000, also in oberschlesischen Montanindustrie insgesammt ein Heer von etwa 14,000 Arbeitermädchen und Frauen, wohl die Hälfte von ihnen abwechselnd Tag und Nacht beschäf tigt, eine einzigartige grauenhafte Erscheinung, die späteren Jahrhunderten umsoweniger begreiflich erscheinen wird, als sie nur in Oberschlesien, in feinem anderen Montanreviere Deutschlands auftritt, dort mit einer besonderen Rohheit und Unbildung des Volkes zusammenfällt und jetzt noch fünstlich durch besondere Ausnahmemaßregeln erhalten werden soll, als ob die reichen Herren in Oberschliefien kein Geld hätten, um männliche Arbeiter einzustellen, und als ob die maschinelle Entwicklung nicht auch im Bergbau die Verwendung der Frauenarme desto eher wett machen würde, je schneller man die letteren beseitigt. Angesichts solcher Zustände, die, wenn auch nicht so unerhört, auch in anderen Gegenden Deutschlands aufzufinden wären, erscheint das Vorgehen der Behörde bei der praktischen Durchführung der Arbeiterschuzreform erst im rechten Lichie und giebt denjenigen Recht, welche der offiziellen Sozialpolitik von vornherein das Motto vorgesezt haben! Wasch' mir den Pelz aber mach' ihn nicht naß." Der moderne Proletarier ist für die Gesellschaft wichtiger als Jean Jacques Rousseau; die Arbeit seiner Klasse schafft der bürgerlichen Gesellschaft ihre Pracht, ihren Reichthum und das ganze Wohlbehagen für die herrschenden Klassen. Aber wie der moderne Proletarier selbst bis jetzt vergebens um Gleichberechti: gung gerungen hat, so sollen seine ,, Kinder der Liebe" oder auch die legitimen", je nach Umständen, zum Findelhause verdammt sein; sie sollen Vater und Mutter nicht kennen und nur eine Nummer" darstellen in derselben bürgerlichen Gesellschaft, die sich so heftig gegen den Sozialismus fträubt, weil derselbe angeblich„ Ehe und Familie" zerstören will. Die Findelhäuser sind in der That ein Schußwall für die bürgerliche Moral, würdig, vom Iachenden Philosophen" behandelt zu werden. Es ist für uns fonach eine untergeordnete Frage, ob die Findelhäuser eine moralische" Situation schaffen werden, die der gegenwärtigen vorzuziehen ist oder nicht. Wir wollen garnicht bestreiten, daß einzelne Vortheile damit verbunden sind. Aber zur Linderung des allgemeinen Elends und zur Hebung der allgemeinen Moralität werden die Findelhäuser so wenig beitragen können, wie etwa die ,, Rasernirung" der Prostitution, und die Regierung wird bei Zeiten darüber belehrt werden, daß sie mit diesen aus dem Mittelalter stammenden Maßregeln die Eiterbeulen am Gesellschaftskörper nicht beseitigen kann. Das Bezeichnende der ganzen Sache liegt für uns eben darin, daß die bürgerliche Gesellschaft keine anderen Mittel weiß und keine anderen Mittel hat. Dem Kern der ganzen Frage, der doch Jedermann fichtbar daliegt, geht sie ängstlich aus dem Wege, und will ein neues Almosen auswerfen, um hinter den vier Wänden der Findelhäuser fümmerlich die Schäden zu verhüllen, welche die kapitalistische Ausbeutung und die Massenarmuth in ihrem Gefolge haben. Sozialdemokratie 15791( 9883 mehr gegen 1885) Liberale 11662( 2235 Bürgerpartei 5463( 49 17 11 1885) " " 1885) Et Wir on i uf 5. W. Blat nom Jm 1 ford tsge ttes Fr. Bei der Gemeinderaths- Wahl in Gera wurden 7 Sozial ende demokraten gewählt. 3wößen bei Gera. Bei der am 18. d. M. stattgefundenen Gemeinderathswahl wurden 5 Sozialdemokraten gewählt. e feb Die der eine a Spandau, 17. November. Bei der heutigen Stadt: verordnetenwahl wurden die Arbeiterkandidaten, darunter zwei Sozialdemokraten, gewählt. Und noch verschiedene andere Drte haben solche Siege zu verzeichnen oder bei der Stichwahl in Aussicht. Für uns ist es zwar gleich schlimm, ob männliche oder weibliche Arbeiter ausgebeutet werden, denn Jeder muß diejenige Arbeit ergreifen, zu der seine geistigen oder förperlichen Fähig feiten ausreichen. Es ist Alles nur der Beweis, wie verkommen die Bevölkerung im oberschlesischen Revier der Kohlenbarone bereits ist. Hier können keine gesetzlichen Verbote der Arbeit helfen, sondern nur eine geregelte Arbeitszeit und geistige Auf flärung. So lange noch bei Gesetzbestimmungen die Rücksicht auf die Ausbeuter waltet, und diese gefragt werden, wie viel sie wohl von ihrem Profit aufgeben möchten, so lange giebt es teinen Arbeiterschuß. Darum ist es aber unbedingt nothwendig, daß daran gegangen wird, in die Geistesnacht in Oberschlesien das Licht der Aufklärung zu tragen und für die Organisation der Bergarbeiterinnen zu sorgen. Das ist vor allem Sache des Deutschen Bergarbeiter Verbandes. Das Mittelalter hatte bei den Findelhäusern noch einen besonderen Zweck; die Bevölkerung war dünner und die Menschenleben darum in mancher Beziehung werthvoller denn heute, wo die industrielle Reservearmee" auf der Straße liegt. Darum hatte das Findelhaus damals einen mehr humanen Anstrich. Der Bourgeois von heute sieht solche Anstalten schon darum nicht gar so ungerne, weil sie ein massenhaftes Material von Arbeitskräften heranbilden, die so erzogen werden, daß ihnen die Begehrlichkeit" fernbleibt. Sie verstärken dann das große Arbeitsangebot und verschärfen die Konkurrenz der Arbeiter unter einander. Insofern können, gleich den Arbeiterfolonien, diese Findelhäuser auch einmal sehr brauchbar für den modernen Kapitalismus werden und können vielleicht in Zukunft ein " Material" liefern, das die chinesische Konkurrenz aushält. Denn bei den Arbeiterkolonien zahlen fromme und mitleidige Seelen, bei den Findelhäusern der Staat den Zuschuß, der die aus jenen Anstalten zu gewinnenden Arbeitskräfte so billig macht. H Da d das Besonders Gera hat durch diese Wahlen die gebührende Antwort gegeben auf die vielen Ungerechtigkeiten, welche die böhe Sozialdemokratie dort von den Stadtvätern" hat erdulden müssen. Hätten die Frauen wenigstens Gemeindewahlrecht, so dürfte nicht fehlgegangen sein, wenn wir sagen, dann bätte die Sozialdemokratie an verschiedenen Orten bereits die Hälfte der fo Macht in Händen. Hauswirthschaftliches. te M Aber We uß, h altig. tende achtet Weil nicht urfnif Waschen von Fleisch und Gemüsen. Fleisch und Gemüſe vor dem Kochen längere Zeit in Wasser zu legen, ist ein verkehrtes Verfahren, das nur dazu beiträgt, die Nahrungs mittel zu verschlechtern. Das Wasser besitzt nämlich in weit höherem Maße, als man gewöhnlich annimmt, die Kraft, die Stoffe auszulaugen, und sind es gerade deren feinste Bestandtheile, welche immer zuerst ausgezogen werden. Je mehr ein Brunnenwasser Salze enthält und giebt kaum eines, welches davon frei wäre um so größer ist seine Einwirkung. Der mehr oder minder große Kalfgehalt, den fast alle Brunnenwasser besitzen, trägt auch dazu bei, die Thier- und Pflanzenfaser hart zu machen. Man sollte des halb Pflanzen und Fleisch nie länger im Wasser lassen, als gerade nothwendig ist, um sie zu reinigen. Manche Haus frauen wissen ja auch aus Erfahrung, daß Spargel, Salat, Wirsing usw. an Zartheit und Geschmack verlieren, wenn sie nicht ei vor der Zubereitung mehr als unumgänglich nothwendig ist, mit Wasser behandelt werden. Der sächsische Landtag. Die Etatsberathung im sächsischen Landtage ergab ein vortheilhaftes Resultat für bie Sozial demokratie. Die Ansführungen der sozialdemokratischen Redner Liebknecht und Geyer fanden die gespannteste Aufmerksamkeit der Kammer. Provozirt durch den Abgeordneten v. Dehlschlägel, der da meinte, die aus Anlaß der Vermählung des Prinzen Friedrich August im Etat ausgeworfene Dotation werde wohl in der Rammer keinen Widerspruch finden, erklärte Liebknecht im Namen der sozialdemokratischen Fraktion, daß diese dagegen stimmen werde. Wir sehen diesen verzweifelten Experimenten ohne Gemüthsbewegung zu, denn in Wirklichkeit sind sie nur dem Sozialismus nüglich, indem sie die Unhaltbarkeit und Unzulänglichkeit ver alteter bürgerlicher Einrichtungen von Neuem beweisen. ( Vorwärts.) Besonders peinlich war es aber für die ministertreuen Konservativen, als Liebknecht ihnen vorrechnete, daß die Erhöhung der Beamtengehälter auch den Ministern, deren Gehalt 21000 Mt. beträgt, eine Erhöhung auf 30000 Mart, also 9000 Mk. mehr bringen sollte und diese Erhöhung über 42 Prozent beträgt. Als weiter Liebknecht forderte, man solle nur die Ge hälter bis zur Höhe von 3600 Mark mit einer Zulage bedenken, da machter die Minister keine freundlichen Gesichter. Literarisches. in sche bittlic ben. men? fein Fre en. S Bu let noch an d uüber Porzug Dahi men M fung igung iterun tellun e ber Lin hat Der„ Neue Welt- Kalender für 1891" ist erschienen und in allen Zeitungsausgaben zu haben zum Preise von 50 Pfg Im Verlage der Buchdruckerei„ Gutenberg" in Zeit erscheint eine 4 Bogen( 64 Seiten) starke Broschüre unter dem Titel: Die zehn Gebote und die befizende Klasse. Nach dem gleich namigen Vortrage von Adolph Hoffmann, Redakteur des Zeiher " Boltsboten". Dem Drängen der Genossen aus allen Orten, wo der Verfasser diesen Vortrag gehalten hat, denselben in einer Broschüre herauszugeben, ist derselbe nachgekommen, indem er den Inhalt bedeutend vervollständigt und ergänzt hat, sodas diese Schrift auch für diejenigen, welche den Vortrag selbst gehört haben, ein hohes Interesse bietet. Preis der Broschüre 30 Pfg. Soeben erschien im Verlage von Wörlein u. Comp. Nürnberg: Der deutsche Handwerker- und Arbeiter- Notiz Kalender für das Jahr 1892. Der nunmehr seit 14 Jahren von genanntem Verlag herausgegebene Kalender ist auch in diesem Jahre derart ausgestattet, daß er zahlreiche Abnehmer finden igkeit wird. Als ganz besonders werthvoll aus dem Inhalt des Kalenders wollen wir hauptsächlich„ Das Gesetz betr. die Abänderung der Gewerbeordnung" hervorheben. Die Kenntniß der Gewerbeordnung ist für jeden Handwerker und Arbeiter absolut nothwendig und dürfte also schon dieser Umstand Veranlassung geben, dem Kalender einen großen Absatz zu sichern. Der weitere Inhalt des wiederum 16 Bogen starken Kalenders ist folgender: Kalendarinm mit Geschichtskalender. Post- und Telegraphen Tarif für Deutschland und das Ausland. Das neue Geset, die Gewerbegerichte. Die wichtigsten Bestimmungen aus den in Deutschland geltenden Vereinsgefeßen. Das neue Patent- Geset Maaß und Gewichtstabellen. Münzgewichte in Deutschland. Münzwesen- Tabellen. Einnahme- und Ausgabe- Tabellen. Schreib Papier mit Datum für Tages- Notizen. Der Kalender ist also Kalender, Notizbuch und Gefeßessammlung zu gleicher Zeit, was ihm gegenüber anderen erscheinenden Kalendern einen bedeutend erhöhten Werth verleiht. Zu beziehen ist der Kalender zu den Preisen von 75 Pfg.( 1. Dualität) und 50 Pfg.( 2. Dualität) Und gleichwie die Minister, die bei ihrem jezigen Gehalt nichts von einer durch außerordentlich gesteigerte Lebensmittelpreise erzeugten Nothlage verspüren, so benöthigen auch die Geistlichen keiner Gehaltserhöhung. Es ist wahrhaftig erstaunlich, nachdem erst in der letzten Landtagssession den Geistlichen durch den Erlaß der Pensionsbeiträge eine Summe von über 109000 Mt. jährlich aus Staatsmitteln zugeschoben worden ist, daß jetzt diese um ihre sorglose Lage in dieser Zeit der Noth Beneidenswerthen abermals mit fetten Gehaltserhöhungen und außerdem mit Pensionserhöhungen bedacht werden sollen. Und auch hier sollen die höheren Geistlichen, Superintendenten 2c. die höchsten Zulagen erhalten. Es wird jedenfalls den Beifall des weitaus größten Theils der gesammten Wählerschaft finden, wenn die sozialdemokratische Landtagsfraktion gegen eine berartige, in Zeiten der Noth unverantwortliche Beschenkung gutgestellter, reichlich bezahlter Beamten stimmen wird. Nur der kleine und mittlere Beamte verspürt die Noth, welche durch die hohen Lebensmittelpreise durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. Briefkasten. betr. 35. München, Fr. Sch. Die Bücher gehören Ihnen. Besten Gruß Druck von Fr. Meyer& Hinkpeter, Hamburg, Rosenstr. ter ei der end eine hen. er, fie msmi fur 2 Wenn en 11 höhe pel 1 er be ten. Bie erung