rägt uld. r. 51. men heile iefer bei Без bie so ensosein. = für eiter, Chum chten ttel, enen chaft teſen Ender Die Hamburg, den 19. Dezember 1891. 1. Jahrg. Arbeiterin Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes. Drgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. Fer den e ein nnen enen ihrer schen Noth orten tabt um die und und der Best ffen: und und Eintracht macht stark Bildung macht frei! Redaktion: Emma Ihrer, Welten( Mark). Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg, Rosenstr. 35. Erscheint wöchentlich einmal und zwar am Sonnabend. Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer Rabatt. 10 Pf. Direkt per Kreuzband Mt. 1.40. Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin"! 99 Wir sehen hiermit unsere Leserinnen und Teler on in Kenntniß, daß die Arbeiterin" mit uf dieses Quartals in den Verlag von . W. Diet- Stuttgart übergeht. Die Redaktion Blattes wird alsdann von Frau Clara Betkin nommen werden. Im Anschluß an obige Mittheilung ergeht die forderung, die noch aussehenden Abonnetsgelder umgehend an den Verlag unseres ttes Fr. Meyer, Rosenstr. 35, Hamburg ozial enden zu wollen. Denen tabt zwei ge zu rende e die ulden t, fo e bie eber Redaktion und Verlag der ,, Arbeiterin". leben die Arbeiter beiderlei Gefchlechts? Die Lebenshaltung des Arbeiters ist einzig und allein der Höhe seines Arbeitsverdienstes abhängig. Dieses eine alleinige Einnahmequelle und bestimmt demgemäß böhe feines Lebensgenusses und seiner Lebensfreude. Da die Arbeit alle Werthe schafft, alles das produzirt, das Leben verschönt, angenehm und begehrenswerth fo follte man meinen, die Arbeiter müssen auch das te Maß von Lebensglück und Lebensfreude genießen. Aber nichts von Alledem! Das Gegentheil ist der Wer da glaubt, die Arbeit sei den Arbeitern höchster uß, höchste Freude, freudige Pflichterfüllung, der irrt altig. Die Arbeit wird von den Arbeitern als eine weit ende Last, die Sorge, Noth und Plage mit sich bringt, raft, achtet und empfunden. Wie kommt das? müfe Fein ngs einfte Je Taum feine Weil der Lohn für die geleistete Arbeit fast durchschnittnicht einmal hinreicht, des Lebens allernothwendigste rfnisse zu befriedigen. Weil so viele kleine bescheidene den fche der eigenen Person und der lieben Angehörigen bittlich immer müssen zurückgedrängt und zurückgewiesen den. Wo soll da für den Arbeiter Lebensfreude herdie des , als Saus Salat, endig und Pfg. heint Titel: gleich eißer Orten, einer em er jodas gehört p. in Cotiz ahren Dieſem UN en? wenn er sieht, daß er trot redlichen Schaffens sein und der Seinigen nacktes Leben durchschlägt, daß icht einen Groschen übrig behält, um seinen Angehörigen Freude bereiten zu können, um sich mit ihnen zu en. Die Arbeiter arbeiten, nur um zu leben, faum zu leben. Es ist schon nicht mehr ein Leben, sondern noch ein Vegetiren. Was dem Arbeiter aber den letzten an der Luft zur Arbeit vergällt, das ist, daß er sie uüben, als eine Gnade, eine Gunstbezeugung, eine orzugung betrachten soll. Die Dahin ist es in der kapitalistischen Gesellschaft schon mmen, daß die Arbeiter sich bei ihrer Einstellung erst Musterung zu unterziehen haben, und wer diese fung nicht bestehen kann, wird unerbittlich von der Begung seiner Arbeitswilligkeit zurückgewiesen. Pfg. terung und Prüfung, deren sich der Arbeiter bei seiner tellung unterziehen muß, bezieht sich aber nicht auf berufliche Brauchbarkeit und Tüchtigkeit, sondern in Linie auf seine politische Gesinnung, seine frühere igkeit im öffentlichen Leben und wehe ihm, wenn er bat beikommen lassen, jemals als der Sprecher oder ter einer Lohnfommission zu fungiren, der Unternehmerder ihm die Vernichtung geschworen, zischelt ihm höflich als Antwort auf seine Anfrage entgegen, einem halben Jahre können Sie einmal wieder vorden. Bei den Frauen und Mädchen geht man noch inden t bes e Ab ß der bfolut ffung weitere nder: phen betr. en in Befet Hland. hreib alfo was cutend ben alität) Bruß 2. 35. Wend sie sollen weder Versammlungen besuchen, noch Fachsmitglieder sein. Wo soll da Liebe, Lust und Freudig ur Arbeit herkommen? Benn die Arbeiter eine passende Gelegenheit wahren und dem Unternehmerthum die Unzulänglichkeit der öhe nachweisen, dann soll an den Wortführern ein bel statuirt werden, daß die anderen sich sobald nicht beikommen laffen, mit ähnlichen Forderungen hervorBie ist nicht in allen Tonarten über die unverschämten rungen der Arbeiter gewettert worden? wie hat man eten. sie nicht als Verschwender und genußsüchtige Menschen verschrieen, die in der Befriedigung ihrer Leidenschaften weder Maß uoch Ziel einzuhalten wissen. Leider fanden diese Verläumdungen der Arbeiterschaft in den Zeiten guten Geschäftsganges bei den engherzigen Zopfphilistern gläubige Ohren. Auch die wußten Wahres mit Erfundenem zu mischen und weiter zu kolportiren, daß man zu der Annahme verleitet wurde, die Gewerbetreibenden ärgerten sich, wenn sie an den Arbeitern ein Stück Geld verdienen und diese sich einen Genuß durch höheren Verdienst verschaffen fonnten. Heute ist das anders geworden. Weite Kreise der Kleingewerbetreibenden sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß, wenn die Arbeiter nichts oder nur geringen Lohn verdienen, auch ihnen die Lebensader unterbunden ist. Die abgedroschene Phrase von dem genußsüchtigen, begehrlichen Arbeiter zieht nicht mehr. Selbst dem vertrauensseligsten Philister ist sie nicht mehr vorzukauen. Nicht nur allein die Thatsache, daß wir uns in einer Periode des geschäftlichen Niederganges bei sinkenden Löhnen befinden, sondern auch, daß wir bereits im Sommer eine in dieser Höhe noch nicht beobachtete Arbeitslosigkeit zu verzeichnen hatten, ist nicht mehr wegzuleugnen, sie ist zu offenfundig. Dazu kommt die Wirkung der fortwährend steigenden nothwendigsten Lebensmittel, welche die Kaufkraft des Arbeiterstandes mindestens um ein Drittel ihres Arbeitsverdienstes herabgesesetzt hat. Die Thatsachen sind jetzt auch den Gewerbetreibenden zum Verständniß gekommen und ihre Wirkungen verspüren sie am eigenen Geldbeutel, indem sie, wollen sie ihre Kundschaft nicht verlieren, dem Kreditbedürfniß der Arbeiter die weitgehendsten Konzessionen zu machen gezwungen sind. Die Kleingewerbetreibenden lernen täglich mehr einsehen, daß ihre Lebenseristenz von der Lebenshaltung des Arbeiterstandes abhängt; sie wissen jetzt, daß es eine erbärmliche Verläumdung ist, wenn man die Arbeiter als unverschämt und genußsüchtig bezeichnet; sie kennen am besten, wie kaum ein anderer, welche Beschränkungen sich die Arbeiterfamilien auferlegen, um ihr Konto nicht über die Gebühr anwachsen zu lassen, um nicht Gefahr zu laufen, daß ihnen die Kreditverweigerung angekündigt wird. Ist unter solchen Verhältnissen das Lohn des Arbeiters nun ein beneidens- oder vielmehr ein bedauernswerthes? Jedenfalls ist das letztere zutreffend. Dem Arbeiter bietet das Leben nur Sorge, Noth und Plage. Sein Eigenthum seine Arbeitskraft ist er nicht in der Lage beliebig verwenden und verwerthen zu können. Die Verwerthung derselben ist abhängig von dem Willen derer, die die Arbeitsinstrumente besitzen. Die Besitzer der Arbeitsinstrumente verwerthen aber die Arbeitskraft des Arbeiters nur unter der Bedingung, daß letterer einwilligt, seine höchste Arbeitsleistung einzusetzen für einen Lohn, der wesentlich geringer ist als der Werth der von ihm vollbrachten Arbeitsleistung. Der Käufer der Arbeitskraft, der Unternehmer, befindet sich in der bevorzugten Lage, je weniger für die Arbeitskraft zu bezahlen, je mehr Arbeiter sich zu der ausgebotenen Arbeitsleistung anbieten. Hieraus folgt, daß so lange das Arbeitsangebot ein ungeregeltes bleibt und Arbeitszeit und Minimallohn noch der gesetzlichen Festlegung ermangelt, das Maß der Lebenshaltung des Arbeiters, wie er leben kann, wie er sein Leben fristen muß, von der einseitigen Willfür der Unternehmer abhängig ist. Die Regelung des Arbeitsangebots wird noch auf lange Zeit hinaus ein Schmerzenskind der Arbeiterschutzgesetzgebung bleiben. Die Versuche, die von der sozialdemokratischen Partei nach dieser Richtung unternommen wurden, haben den hartnädigsten Widerstand der Vertreter des Unternehmerthums gefunden. Die Herren sind sich wohl bewußt, daß, wenn der Staat erst einmal gezwungen ist, genaue arbeitsstatistische Erhebungen zu machen und zwar insbesondere über vorhandene Arbeitsgelegenheit und vorhandenes Arbeitsangebot, die Arbeiterschutzgesetzgebung in andere Bahnen gelenkt werden muß, als die sind, worin sich dieselbe jetzt bewegt. Soll auf dem Gebiete der Arbeiterschutzgesetzgebung ein weiterer Fortschritt erzielt werden, so muß die Arbeiterschaft erst noch größeren Einfluß auf die Gesetzgebung gewinnen. Die Frage, wie der Arbeiter lebt? findet ihre Beantwortung in der Gegenfrage, welchen Einfluß hat sich der Arbeiterstand auf die Gestaltung der Gesetzgebung errungen? Das Maß seiner Lebenshaltung ist gleich dem Maß seines politischen Einflusses. Das Maß des politischen Einflusses des Arbeiterstandes hängt von dem Grad seiner Aufklärung und der Ausdehnung seiner Organisation ab. So findet auch die Frage, wie lebt der Arbeiter? zu guterletzt ihre Beantwortung dahin, er lebt genau so, wie ihm die Anzahl der vereinigten Kameraden Einfluß auf die Gestaltung der Gesetzgebung gestattet. Mit dem fortschreitenden Maß des politischen Einflusses der Arbeiterbewegung, wird auch die Lebenshaltung des Arbeiters sich immer mehr dem Zustand nähern, von dem sich sagen läßt, wir leben nm zu arbeiten. Erst dann wird Lust, Freude und Liebe zur Arbeit ihren Einzug allenthalben halten, wenn die Arbeit der Werthmesser der Werthschätzung der Menschen geworden ist. Der Arbeiter lebt umso schlechter, je mehr Faullenzer zu ernähren sind. Jemehr die Faullenzer auf den Aussterbeetat durch den wachsenden Einfluß der Arbeiterbewegung kommen, umso wohler wird sich die Menschheit befinden. Ebenso müssen Standesunterschiede, sowie die Rechtlosigkeit des weiblichen Geschlechts beseitigt werden. Das Recht darf nicht nur zu Gunsten des Besitzenden und des Mannes bestehen, sondern jedem Menschen muß sein ihm zukommendes Recht zu Theil werden ohne Standesunterschied oder Unterschied des Geschlechts. Aber nur eine Gesellschaft von freien, gleichberechtigten Menschen bietet die Gewähr für ein menschenwürdiges Da sein Aller. Die heutige Gesellschaft bietet nur denen reichliches Auskommen, die, ohne selbst zu arbeiten, eine Anzahl " Hände" für sich arbeiten lassen, die dafür nur so viel stets erhalten, um ein kümmerliches Dasein führen zu können, um nur gerade sich vor dem Verhungern schüßen und sich das Allernöthigste anschaffen zu können. Ganz besonders sind die weiblichen Arbeiter durch die schlechtesten Löhne und längste Arbeitszeit bedrückt und ihre Lebenshaltung steht daher auf tiefster Stufe, was wiederum im Gefolge hat, daß auch ihr Geistesleben äußerst mangelhaft ist. Zeit und Mittel fehlen zur Ausbildung, mit diesen auch die Möglichkeit Lehrinstitute zu besuchen. Die Arbeiter beiderlei Geschlechts darben körperlich und geistig, und die heutige Gesellschaft freut sich dessen, da ihnen dadurch die Möglichkeit erhalten bleibt, diese nach allen Richtungen bedrücken und ausbeuten zu können. Nur den Kindern der Besitzenden sind die Hochschulen zugänglich und dadurch sind diesen zugleich alle hohen Aemter im Staate gesichert. Diese Aemter und Stellungen geben ihnen die Klinke der Gesetzgebung in die Hand, und es ist somit ein Leichtes, daß sie sich die Gesetze zuschneiden, wie es ihnen angenehm ist, zum Nachtheil der Besitzlosen. So leben dir Arbeiter heute eingeengt von allen Seiten. Die Arbeiter haben erkannt, daß ihre Macht in der großen Zahl der Besitzlosen und deren Vereinigung steckt, daß man aber auch die Frauen und Mädchen aus dem stumpfen Dahinleben wecken muß, um energisch und einig zu kämpfen gegen den Egoismus der Besitzenden, denen die Frage Wie leben die Arbeiter?" höchst gleichgültig ist, so lange sie sich im Wohlleben befinden und Hunderttausende geduldig für sie arbeiten und sich mit einem Theil des wahren Arbeitsverdienstes zufrieden geben. " Und wenn sie in nächster Zeit ihr gedankenloses„ Friede auf Erden" herleiern werden, dann sei es allen Arbeitern und Arbeiterinnen eine Mahnung, mitzufämpfen gegen die verrotteten Zustände, daß bald einer neuen Gesellschaft in Wahrheit das Friede auf Erden allen Menschen" entgegen schallen kann und auch allen zur That wird. Aus dem Reidistage. Eines katholischen Feiertages wegen fand am 7. und 8. feine Sigung des Reichstags statt. Auf der Tagesordnung am 9. stand zuerst: Antrag Goldschmidt( freis.) wegen Annahme des folgenden Zusages zu Art. 63 des Handelsgesetzbuchs: Beim Abgange können die Handlungsdiener ein Zeugnis über die Art und Dauer ihrer Beschäftigung fordern. Dieses Zeugniß ist auf Verlangen der Handlungsdiener auch auf ihre Führung und ihre Leistungen auszudehnen." Abg. Goldschmidt begründet seinen Antrag, welcher von anderer Seite nur wenig Opposition begegnet. Vei dem allge= meinen, wenn auch kühlen Wohlwollen, welches der Gegenstand findet, wird von einer Kommissionsberathnng abgesehen. Bedeutender ist der zweite Berathungsgegenstand, Antrag Auer( Soz.); dem Artikel 23a der Reichsverfassung folgenden Zusatz zu geben: " Der Reichstag hat das Recht, behufs seiner Information Kommissionen zur Untersuchung von Thatsachen zu ernennen. Diese Kommissionen sind berechtigt, Zeugen und Sachver ständige auch eiblich zu vernehmen und überhaupt alle diejenigen Erhebungen zu veranstalten, die sie zur Klärung der Thatsachen für nöthig erachten. Die Behörden wohl aber herabgesetzt.) Die Hauptbestimmung der Verträge, die Herabseßung der Getreidezölle von M. 5.- auf 3.50, wird von dem Reichskanzler gegen die Konservativen vertheidigt. Der Schuß der Landwirthschaft lige ihm eben so am Herzen wie jenen. Er rühmt sich die zeitmeilige gänzliche Aufhebung der Kornzölle in diesem Sommer verhindert zu haben, da sie leicht zu deren gänzlicher Abschaffung hätte führen können. Mit der Herabſegung um 1.50 aber sei für den Schutz der Landwirth schaft, den auch er vor Allem erstrebt, genügend gesorgt. Der Reichskanzler hält diesen Schutz für dringend, hauptsächlich wegen der Möglichkeit eines Krieges, welcher Deutschland nöthigen würde, auch ohne fremde Einfuhr genügend Brotkorn zu erzeugen; daß dies möglich sei, ist seine feste Ueberzeugung. Die Herabsegung des Weinzolls kommt hauptsächlich Italien zu Gute und ist von geringerer Bedeutung; seine Wirkung wird für beide Länder förderlich sein. Von Industriezöllen, ist eine große Zahl herabgesetzt worden; lauter nothwendige Konzessionen gegen erlangte Vorteile. Ein Land, in welchem die Industrie so entwickelt ist wie in Deutschland, muß seinen Absazmarkt erweitern, weil sonst nicht alle Arbeiter Beschäftigung findet können. Wenn wir auch nicht möglich in einer Kommission, kein Urtheil über die Vorlag abgeben. Seine politischen Freunde binden sich nicht zu meinsamer Aktion in Wirthschaftsangelegenheiten. Abg. v. Kardorff( Reichsp.) ist gegen die Verträg weil sie die Landwirthschaft ruiniren, verlangt Wiederherstellu des Fleisch und Getreidezolls, vor allen Dingen Einführung Doppelwährung. Abg. Dr. v. Komierofsky( Pole) ist für Annahme d Verträge und findet die Landwirthschaft mit einem Zoll M 3.50 genügend geschützt. bie er A vie Fr Abg. Dr. Kropatschof( foni.) rühmt sich, schon vielen Jahren, als Bismarcks Regierung noch freihändleridge war, schon Schutzöllner gewesen zu sein. Er greift die Hera segung der Kornzelle heftig an. Nicht der Landwirthschaft fo man Opfer auferlegen, sondern der Industrie, welche sie be tragen kann. Gegen einen Angriff des Reichskanzlers auf Kreuzzeitung nimmt er diese in Schatz( er ist Redakteur be ſelben). Es betrifft einen? rtikel, welcher die österreichische Staven auffordert, gegen die Judenliberalen"( die Deutsc in Desterreich), gegen Annahme der Verträge zu agitiren. Wein und Traubenzolles. umhin können, die Menschen, die sich in Erfurt versammelten, Abg. Simonis( Els.) erklärt sich gegen Herabsetzung b die sich dort um die Rednertribüne drängten, mit einer gewissen Mißgunst zu betrachten, so ist doch der Arbeiterstand ein zu Unterstaatssekretär Schrout erklärt, die alkoholreiche italienischen Weine würden gebraucht zum Verschneiden( verbesser sind gehalten diesen Kommiſſionen bei Ausübung ihrer wichtiger, als daß man nicht versuchen sollte, ihn wieder zu ge- der leichtern deutschen Weine, so daß die Herabſegung des Zoll Amtspflicht innerhalb der Grenzen ihrer Aufgaben die geforderte Unterstügung zu gewähren. Die Mitglieder dieser Kommission erhalten für ihre Zeitversäumnisse und Auslagen Entschädigung, deren Höhe reichsgesetzlich festgestellt wird." Abg. Bebel( Soz.): Unser Antrag soll einen Mangel in unserer Verfassung beseitigen. Die Befugniß, welche wir an streben, ist in zahlreichen europäischen Verfassungen gewährt; in England besonders hat sich das Parlament derselben oft mit großem Nuzen bedient. Redner weist nach, wie wichtig eine solche Vollmacht des Reichstags, selbst Erhebungen zu veranstalten, gerade bei der sozialen Gesetzgebung, die uns gegenwärtig be: schäftigt, sein muß. In der preußischen Verfassung besteht gleichfalls eine solche Bestimmung, welche im Jahre 1873 auf Lasters Antrag gegenüber dem damaligen Gründungsschwindel angewendet wurde. Auch heute könnte dieselbe bei der Börsenfrage gute Dienste leisten. Schon im Jahr 1868 stellten wir einen ähnlichen Antrag, der von nationalliberaler Seite unter: stügt wurde und nur scheiterte, weil man nicht bald die Verfaffung abändern wollte. Redner bittet seinen Antrag sachlich zu prüfen, ohne Rücksicht auf die Parteistellung, da es keinerlei Parteifrage einschließt. Abg. Schrader( freis.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zu dem Antrag, und bittet denselben gleich im Plenum anzunehmen. Abg. Bochem( 3entr.) ist gegen den Antrag, weil er eine Verfassungsänderung einschließt. Abg. v. Manteuffel( fons.) erklärt, daß seine Partei gegen den Antrag stimmen wird, weil sie darin einen Versuch sieht, die Exekutive( die ansführende Gewalt) theilweise von der Regierung auf den Reichstag zu übertragen. Abg. Marquardsen( nat.- lib.) ist mit dem Antrag einverstanden, da die Kommission in England gute Erfolge gezeitigt habe und da auch die preußische Verfassung die gleiche Bestimmung enthält. Nach Schluß der Diskussion faßt Abg. Bebel nochmals die Vortheile des Antrags zusammen und entkräftet die Einwürfe der Gegner. Eine Kommissionsberathung wird nicht beschlossen; die zweite Berathung findet im Plenum statt. Die Sigung vom 10. Dezember ist die erste gut besuchte in dieser Saison, in welcher bis dahin das Haus noch niemals wirklich beschlußfähig gewesen( zur Beschlußfähigkeit ist die Anwesenheit von mindestens 200 Mitgliedern erforderlich) und welches daher nur deshalb Beschlüsse faffen konnte, weil niemand eine Auszählung verlangte. Auf der Tagesordnung stehen bie Handelsverträge mit Desterreich, Italien und Belgien, welche den Mitgliedern des Reichstags vor zwei Tagen mitgetheilt wurden. Reichskanzler v. Caprivi legt in einer langen Rede seine Anschauungen und Grundsätze in Bezug auf die Handelsverträge dar. Die Schutzzollpolitik die vor 12 Jahren eingeführt worden, habe zuerst sehr günstig gewirkt, bis die andern Völker zu derfelben Waffe des Schutzolls griffen, und unsere Ausfuhr so empfindlich schädigten, daß Abhilfe geboten war. Die Ver: träge, welche die Folge dieser Nothlage sind, sollen 12 Jahre dauern, damit die Verhältnisse Ruhe und Stetigkeit gewinnen. ( Dh. die Zölle dürfen in dieser Zeit nur nicht erhöht werden; Soziale Bilder aus Berlin. Kommt da neulich ein frisch angekommener Freund aus dem Schwabenland in großer Aufregung nach meinem Zimmer und beginnt zu schimpfen über das Sündenbabel Berlin: es sei ihm eben ein Zettel auf der Friedrichsstraße in die Hand gedrückt worden, dessen Inhalt das Maß des Anständigen überschreite. Nanu, fage ich, zeig' doch mal her. Und er giebt mir eine rothe Karte, auf der zu lesen steht: Neu eröffnet! 2.'s Bierhaus T.... straße 96. Neu eröffnet! Urgemüthliche Kneipe der Residenz. Von 6 Uhr Abends ab Gesangsvorträge. 3 hübsche deutsche Jungfrauen serviren, darunter die ,, blasse Ida". Es wird nicht animirt. Lachend gab ich ihm den Zettel zurück, zog ein Fach meines Schreibtisches auf und holte ein Schock ähnlicher Reklamenliteratur hervor, um einzelne meinem erstaunten Freunde zu zeigen. ,, Wo gehen wir heute Abend hin? Zur ersten Kameruner- Gastwirthschaft, zu unserm Landsmann aus Kamerun, und trinken ein Glas Bier zu 15 Pf., welches zwei hübsche Landsmänninen serviren." Dazu hat man daselbst noch täglich großes Freikonzert, in welchem unter anderem auch der Flötenvirtuose Jack Lambert aus Kamerun sich hören läßt. Was brauche ich da die Singakademie und 5 Mt. ausgeben, winnen. Auf dem Boden der Botschaft von 1881 stehend; welche die sozialen Schäden nicht nur durch Verfolgung der Sozialisten, sondern auch durch Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter heilen will, haben wir auch in diesen Verträgen unser Bestreben zum Ausdruck gebracht, das Wohl der Arbeitgeber und Arbeiter in gleichem Maße zu fördern. Die politische Seite der Frage ist durchaus friedlich in ihrer Tendenz. Mit den Ländern, mit welchen man in enger politischer Verbindung lebt, einen wirthschaftlichen Krieg zu führen, widerstreitet der gesunden Vernunft. Auch ist es in unserer Zeit nicht mehr möglich, daß sich kleinere Staaten mit hoher Bevölkerungsziffer, die ihre Lebensmittel und die Rohprodukte für ihre Industrie nicht selbst erzeugen können, einen Zollfrieg erklären, dessen Folgen sie selbst am schwersten treffen. Denn wir sehen, wie riesige Staatengebilde, deren Umfang es ihnen gestattet, die Produkte aller Zonen hervorzubringen, die Vereinigten Staaten im Westen, Rußland im Osten, es versuchen, sich wirthschaftlich streng abzuschließen, weil sie glauben, sich selbst genügen zu können. Dieser Schädigung ihres Exports fönnen Staaten kleinern Umfangs nur dadurch begegnen, daß sie sich zu einer größern wirthschaftlichen Einheit an einander schließen, wie wir es jetzt für Mittel Europa thun, statt sich in nuglosem Zollfrieg gegenseitig das Herzblut auszusaugen. ( Beifall links.) Der Reichskanzler schließt mit einer dringenden Aufforderung, die Verträge anzunehmen. Abg. Reichensperger( 3entr.) erklärt sich mit der Mehrzahl seiner politischen Freunde für die Annahme der Verträge. Abg. Graf Kanig( fons.) ist entschiedener Gegner der Verträge, insbesondere der Ermäßigung der Kornzölle. Lieber hätte er eine vollständige, zeitweilige Aufhebung derselben gesehen, solange die schlimmste Theuerung anhält, aber der Reichstanzler habe sich dem nur widersetzt, um die bleibende Herabminderung um 1.50 besser durchzubringen. Redner beklagt es schmerzlich, daß der Reichskanzler sich von einem liberalfreihändlerischen Geheimrath leiten läßt. Reichskanzler v. Caprivi weist diese Beschuldigung entrüstet zurück. Rein Liberaler ist bei ihm im Amte. Es sind dieselben Beamten, welche unter Fürst Bismard arbeiteten, denen man diesen Vorwurf gewiß nicht machen könne.( Heiterkeit.) Den 11. Dezember wird die Debatte fortgesetzt; den 12. beendet; inzwischen ist auch der Vertrag mit der Schweiz als der Vierte abgeschlossen und vorgelegt. Staatssekretär im auswärtigen Amt v. Marschall widerlegt die Angriffe des Abg. Kanik auf die Verträge, dann spricht der Abg. Broemel( freis.) für Annahme der Verträge, welche endlich wieder in eine Politik einlenken, die er und seine Partei stets vertreten haben. Er billigt die Politik des Reichskanzlers und betrachtet die Verträge nicht als Abschluß, sondern als einen Anfang zu weiteren Erleichterungen, insbesondere auf dem Gebiet der Kornzölle. Bei der stark zunehmenden Bevölke= rung ist die Ansicht des Reichskanzlers, Deutschland könne zur Noth den Bedarf an Brotkorn allein decken, durchaus hinfällig und wird es mit jedem Jahre mehr. Die jetzt eingeschlagene Politik muß fortgesetzt werden, bis ganz Europa im Zollbund ist. Abg. Böttcher( nat.- lib.) will vor genauer Prüfung, woWenn Dich die Frau will plagen, Wenn Dich die Grillen jagen, Daß alt wird Dein Gesicht: Mensch ärgere Dich nicht! Nimm schleunigst Hut und Stock zur Hand, Kulinas Bierhaus allbekannt Dorotheenstraße 94 ist, Wo man den Aerger meg sich frißt; Ein gut Glas Bier, ein schelm'sch Gesicht Bekommen gut und ärgern nicht. Oder willst Du die schönen Damen in Kostüm feßen, so gehe hin ins Grand- Restaurant, wo diese schönsten Schönheiten schneidig" bedienen. Daß es jetzt noch Restaurant Helgoland giebt, wird vorausgesezt und eine Einladung verfichert mir, daß dieses Lokal nicht nur Be Fr den Die 988 fro bes Ge die gle die den Konsum der deutschen Weine nicht schädigt, sondern beförder Abg. Singer( Soz): Meine Partei sieht die vorliegende Verträge an als ersten Schritt zur Aufhebung des Kampf: Schutzzellsystems; an sich sind die Bollermäßigungen die bieten, lange nicht genügend. Die Rede des Herrn Reichs gef fanzlers, welche das unheilvolle System der letzten 12 Ja streng verurtheilt, verspricht mehr, als die Verträge halten Sar Wenn die Grundbesitzer stark verschuldet sind und deshalb Staatsunterstüßung durch den Getreidezoll verlangen, so müs man zuerst wiffen, ob nicht Berschwendung und üppiges Lebe Re Sch ſtri gef daf Le fan fte zum größern Theil die Schuld daran trägt. Wir werden gege die Kornzölle kämpfen bis sie gefallen find. Viel Nugen werde die Arbeiter von diesen Verträgen nicht haben; weit mehr bedürfe fie des Normalarbeitstages und eines wirklichen Arbeiterschuhe Was wir in Erfurt ausgesprochen, ist nichts Neues; wir find eine revolutinäre Partei, weil wir die gänzliche Umformung der gesellschaftlichen Verhältnisse für nothwendig halten 90 Befferung des Loses der Arbeiter. Wir sehen in den Handels verträgen einen Schritt auf dem Wege der friedlichen ständigungen mit andern Völkern, der freilich mit der Militär politik in grellem Widerspruch steht. mö Ber schr ma Ma f) wil Abg. v. Huene( Bentr.) wird für die Handelsverträg stimmen, spricht aber doch besonders gegen die Kornzoll- Herab fehung.( Er ist Agrarier und Großgrundbesizer.) Er freut fi tre daß der Reichskanzler die Industrie Nähramme nicht b Nährmutter des Staats genannt hat.( Heiterkeit.) Exportindustrie ruinirt das Handwerk. Die moralische beruht auf der christlichen Familie; die Exportindustrie stärkt nicht das Familienleben.( Beifall rechts.) Di we Kraft der aber die zur der Abg. Freiherr v. Manteuffel( tons.) wird die Verträg annehmen, aber sehr energisch für Beibehaltung des Kornzolle Bei von M. 3.50 fämpfen. Redner hofft, die Regierung werde, al Erfaz für Herabsetzung der Zölle der Landwirthschaft genügen Arbeiter verschaffen. Die Löhne auf dem Land, mit Einschluß end der Naturallöhne, sind höher als die der meisten industriellen fri Arbeiter.( Lachen links.) Wir brauchen ein Eintreten de Gesetzgebung auf dem Gebiet des Unterstützungs wohnsizes und der Freizügigkeit( sehr richtig rechts) wir verlangen Einschränkung des Verkehrs. Re die Reichskanzler v. Caprivi erklärt, die verbündeten Regie M rungen würden wohl noch in dieser Session dem Reichstag Vorlage zugehen lassen zur Abänderung des Gesetzes über Unterstügungswohnsiz.( Beifall rechts.) eine ben ma we Abg. Dechelhäuser( nat. lib.) ist für die Vorlage, bring bei aber nichts Neues vor. St Abg. Rickert( freis.) ist für Annahme der Verträge. hofft, daß die Regierung auch für die östlichen Provinzen sorgen wird, welche durch die Politik der letzten 12 Jahre sehr schwe geschädigt find; in 74 Kreisen derselben hat die Bevölkerungszah abgenommen. Das Gesetz über den Unterstüßungswohnsit abgeändert werden; die Freizügigkeit aber soll unter allen Um ständen unangetastet bleiben. fann Reiiskanzler v. Caprivi bittet den Reichstag, die Vorlage noch vor Weihnachten zu erledigen. Abg. Orterer( Bentr.) stimmt für die Vorlage, haupt sächlich, weil wir dadurch in ein Näheres Verhältniß zu Defterrei treten, was in Bayern dringend gewünscht wird. Da sind Zehntausende von Mädchen, die Beschäf tigung suchen und nicht finden. Mag noch der Befi eines Lebenslustigen Temperaments die eine früher, bi andere später zur Schenkmamsell machen, die Noth unerbittlich und ein Schritt in dieser Karriere mach das Betreten jedes anderen Berufsbodens weiterhin unmöglich. In besseren Lokalen beginnt jenes gleißenbe Leben, um später in einem zweideutigen Lokale mi rother Laterne zu enden. ein for ma S fan 201 be ni fol tri an We de Fo Wer will den ersten Stein auf diese Mädchen dü werfen? de Ich möchte für keine unserer sogenannten Töchtet wi sehenswerth ist und einen angenehmen Aufenthalt bietet, daß e aus besserer Gesellschaft, auf eigene Füße gestellt und vie sondern auch, daß zehn junge Damen daselbst bedienen ihr anders erginge. in hocheleganten Galafostümen. Kürzlich aber bekam ich gar ein Freiloos in die Hand: Nro. 1890 Erste Klasse der königl. Bier- Staats- Lotterie. Inhaber dieses hat zur ersten Klasse der vom König Gambrinus im Friedrichsgarten, Friedrichstraße 125, privilegirten Bierlotterie, welche vom 30. Juni 1889 bis Ad infinitum gezogen wird, für das Loos unter Nummer 1890 0,0 Mt., einschließlich der Schreibgebühr entrichtet. Der auf jeden Theilnehmer fallende Gewinn an heiteren Minuten und äußerst gediegener Bewirthung soll ihm gegen Coupirung dieses Looses zum billigsten Preise ausgehändigt werden. Dies Loos ist übertragbar. eir Diese Epistel, die ich meinem Freunde gab, hielt die ich für passend niederzuschreiben und mit ihr zugleid ab eine Reihe Bilder aus dem hiesigen Leben folgen zy lassen, die alle mehr oder weniger den großen, nod bad unorganisirten Existenzkampf der Menschenmasse zeigen Alle Mittel werden angewandt, feines, auch nicht verabscheuungswürdigste fehlt: selbst das Verbrechen ein Kind der Noth. th V P 88 ift Re gegenüber Hier wo die Gegensäße so scharf sich treten, zeigt sich so recht beweisend die Haltlosigkeit heutigen Produktionsweise wie nirgends sonst. ber Und nur ein radikales Heilmittel giebt es zur Nun, hast Du genug Proben dieser Einladungs. Besserung: Es ist die Durchführung der sozialdemokratifchen tarten? Sieh, bester Freund, es ist wahr, hübsch ist es gerade nicht, uns Männer an der schwachen Seite zu packen, um uns ins Wirthshaus zu bekommen. Aber Forderungen. Daß man die Männer an der schwachen Seite wenn ich die Virtuosen so billig umsonst haben tann? tausendmal schlimmer als diese Infinuation ist die Lage packt mit der Einladung durch solche Zettel, das follte In ein anderes Lokal werde ich poetisch einge- der schneidigen" Bedienungsmannschaft, die elendiglich das starke Geschlecht" doch überwinden tönnen laben: verkommnt. meinen wir. me m P be A Re tei K ftr ge Vorlag it zu g Verträg erftellu rung b ahme de Zoll DO hon vo Nach einigen weiteren Reden, die nichts Neues bieten, wird bie Debatte geschlossen; die Kommissionsberathung abgelehnt. Die zweite Berathung der Vorlage findet am Montag statt. Frauenfrage! Die Blaustrümpfe.*) Aus dem Geist der Frau."( Französische Zeitschrift.) In einem Artikel der Justice" hat Herr Leon Millot mit indleris großer Geschicklichkeit alle die Liebenswürdigkeiten wiederholt, die uns schon so oft gesagt worden sind. Und zu dem benutt e Hera er dazu als beste Gelegenheit den Kongreß von Brüssel oder haft fol sie bevielmehr die dort stattgefundene Verkündigung des Rechtes der Frau. Diese große und gerechte That hat offenbar nicht seinen Sauf b Beifall, sonst würde er nicht in seine Reklame für einen guten ceur be Freund eine Frage einflechten, die, was man auch sonst darüber reichische denken möge, die Frauen der ganzen Welt lebhaft interessirt. Deutig n. sung be olreide rbeffer es Boll eförder Liegenbe mpf: un Ist das wohl die Losung für die Presse, jedesmal wenn die Sache der Frauen einen Schritt nach vorwärts thut, das Wort Blaustrumpf den Frauen ins Gesicht zu schleudern? Früher noch vor einigen Jahren sprach man den Frauen Vorstand ab; heute ist dies unmöglich, da der Beweis des Gegentheils geführt ist selbst in Bezug auf das genügende Gewicht des Gehirns heute verspo tet und beleidigt man diesen weiblichen Verstand, der gleichwerthig ist, wenn nicht gleichartig; wie ich fürchte, ist der Redakteur der Justice" die diesen ausgetretenen Geleisen aus Gewohnheit und Kameradschaft Reichs gefolgt. Ich erkenne an, daß er das Recht hat zu tadeln, das Recht seine Abneigung kund zu thun, aber warum greift er das ganze weibliche Geschlecht an? Warum macht er das ganze Geſchlecht verantwortlich für die Blauftrümpfe? 2 Jahr halten shalb bi To müßt 23 Lebe en gege werbe bedürfe rfchutes vir find formung Soll damit angedeutet werden, daß alle Frauen Blaustrümpfe sind? Ich glaube es nicht! Aber es mußte deutlicher gesagt werden. Inzwischen gestehen Sie aber, Herr Redakteur, baß die großartige Abstimmung des Kongresses in Brüssel vielen Leuten recht unbehaglich erscheinen wird! Denn es läßt sich nicht mehr verhehlen, die Frauenfrage kann von nun an nie wieder nmgangen noch verkleinert werden; fie ist jetzt( was wir immer ersehnten) aufs engste mit der ten zu großen Frage der menschlichen Zukunft verbunden, es ist unHandels möglich sie davon zu trennen. Militär Schreibt: Den Ber Sverträge -Herab reut sich micht di Die Sehr bemerkendwerth ist die Stelle, wo Herr Leon Millot " 1 , Es wäre ein noch größeres 89**) als das Erste, wenn man der Frau die männlichen politischen Rechte gäbe wie dem Manne. Das ist auch unsere Meinung, aber nicht nur in Be: treff der politischen Rechte. Es ist klar für jeden, der sehen will, daß die volle Mündigkeit der Frau eine viel größere Tragweite hat. Die Verkündigung der Menschenrechte( eigentlich nur De Kraft der Rechte des Mannes) hat den Einzelnen vorwärts geholfen, rie aber Verträg die Verkündigung der Frauenrechte dagegen wird eine Umwälzung der menschlichen Gesellschaft bedeuten. Wir haben diese unbestreitbare Wahrheit in unserer kleinen Ornzolle Beitschrift in den verschiedensten Formen behauptet. erde, al genügen uftriellen en det Diese Möglichkeit eines noch größeren 89 darf den Freunden der Revolution nicht mißfallen. Um so weniger, da es, als Sinfchlu endgültige Form der menschlichen Gerechtigkeit eine durchaus friedfertige Bedeutung hat was auch nicht zu verachten ist. Und wer weiß, ob nicht gerade die wahren Gläubiger der Revolution bestimmt sind, diese Friedensaufgabe zu lösen? Was aber wird indessen aus den guten alten Redeknüppeln, die man uns so gern zwischen die Beine warf, um uns am ungs rechts Regie Weiterschreiten zu hindern? tag eine iber ben Die Familie? der häusliche Herd? die Moral? Und was man sonst noch von geheiligten Schätzen zusammensucht, die werth sind, geschützt zu werden wie die Prostitution, diese eine alte Baracke zusammenstürzen würde? , bring heilige Organisation, ohne welche unsere keusche Gesellschaft wie ge. G Nachdem sich in Brüssel so viele Stimmen für die vollforgen kommene Gleichstellung der Frau ausgesprochen haben, kann Schwet ungszahl fit fann Ten Um Vorlage haupts efterreid Beschäf Jer, bi loth if e mad weiterhin man nicht mehr gut die Moral gegen uns ins Feld führen. Wie kann man unsere Forderungen mit Schmach und Schande *) Blaustrümpfe ist eine Bezeichnung für gelehrte Frauen r zuerst in England aufkam und sich dann nach Frankreich nd Deutschland verbreitete. In allen 3 Ländern ist es ein Spottname hauptsächlich für Schriftstellerinnen. **) 1789 Verkündigung der Menschenrechte in der Nationalversammlung. Von diesem Tage rechnet man den Beginn der französischen Revolution. Würden diese Kneipen weniger von den Männern Bei besucht, so könnten sich die grünen und rothen Laternen nicht immer noch mehren. Und das„ starke Geschlecht" sollte diesem offen in den Straßen von Berlin getriebenen Menschenhandel nur energisch entgegen treten, anstatt denselben zu unterstüßen. Besonders Jene, welche in großen Reden Front machen gegen jede Art der Sklaverei. sie sollten nicht selbst hier in diesem Falle den Menschenfleischhandel unterstützen. Und das täbchen dürften wir doch wohl verlangen, daß wir Frauen in eißende ale mi dem Bestreben hier Besserung zu schaffen, unterstüt Töchter würden von allen rechtlich denkenden Männern, die llt und vielleicht selbst Töchter haben. daß es Das Berliner Polizei- Präsidium antwortete auf eine Anfrage, daß es nicht einschreiten könne gegen 5, hielt diese Zettelvertheilung auf der Straße. Wir wissen zugleich aber, daß man häufig eingeschritten ist gegen die Verlgen z theilung von harmlosen Flugblättern, Anzeigen von 1, noch Versammlungen und dergleichen, hier ist die allmächtige cht das Besserung der Zustände gethan, richtet sich gegen die zeigen chen enüber ift feit ber es zur atifchen Seite follte tönnen Polizei plöglich ohnmächtig. Alles was sie bisher zur Kellnerinnen, nicht aber gegen die schamlosen Wirthe, welche sich Noth und Elend der Mädchen zu Nutz machen. Dem Breslauer Magistrat ist der Entwurf ciner Polizeiverordnung zugegangen, welche die Schließung der Wirthschaften mit weiblicher Bedienung um 10 Uhr Abends zur Regel macht. Wir verlangen Schuß gegen Ausbeutung der Kellnerinnen. Keine Konzession an Wirthen, welche teinen Gehalt bezahlen und die Mädchen in schamlose Verbot dieser Anpreisungszettel, Kostüme zwingen. ftrenge Kontrolle der Lokalitäten, der geheimen Stübchen. Das sind Mittel, die mehr helfen werden, als Vorgehen gegen die Ausbeutungsobjekte, die Kellnerinnen. zurückweisen, nachdem diese Forderungen gebilligt find nicht von vereinzelten Philosophen und Aposteln, sondern von den erwähnten Vertretern von 17 Nationen. Und wer sind diese Männer, welche für die Gleichstellung der Frau stimmten? Dichter? Müßiggänger? Schwärmer? Nicht im Geringsten! Es sind Arbeiter, Prediger durch die That.... Es sind solche, die das Leben in Wahrheit kennen, und welche die Jdee für die sie stimmten, praktisch erfannt haben. Es sind die Männer der schwieligen Hand, der breiten Schultern, des geraden Blicks, des derben Worts. Die sind es, welche heirathen, Kinder erzeugen, Werthe schaffen. Die sind es, welche die Moral nicht fertig aus mehr oder minder frommen Büchern schöpfen, sondern sie täglich selbst bilden die tapfre, bie echte Moral, aus dem Blut ihrer Adern aus ihrer täglichen Tugendübung. Und aus diesen Händen nehmen wir die Gleichheit als doppeltwerthvolles Geschenk mit doppelter Freude. Wohl wissen wir, daß bis zu einer neuen Weltordnung diese Gleichheit, diese Rechte nur im Reiche des Jdeals bestehen, daß die alte Welt dieselben keineswegs ausführen oder auch nur billigen wird. Aber wir haben neben dem Glauben an die Macht der Jdeen die vollkommene Gewißheit, daß die Zeit bald erfüllt sein wird. Und haben wir uns bis jezt nur frei ge= fühlt, so ist es jegte unsere Pflicht, uns auch frei zu nennen. Und was diesen Namen der Blauftrümpfe betrifft, welcher man uns wie eine Beleidigung an den Kopf wirft, werden wir ihn tragen wie einen Schmuck. Denn an dem Haß, welchen er den Gegnern unserer Rechte einflößt, errathen wir, daß von allen unsern Rechten dies das kostbarste ist die Kunst zu schreiben vor diesem schaudern sie am meisten zurück. Ah! liebe Mitbrüder von der Feder, wißt ihr, wie der ge sunde volksthümliche Menschenverstand den langen Krieg kurz erklärt, welchen ihr mit der Schriftstellerin unter dem Namen des Blauftrumpfes führt? Es heißt so: Es ist der grrrroße Zorn- gegen die Frauen, welche denken und schreiben von seiten der Männer, welche schreiben und dann erst denken. Nicht gerade für Sie, Herr Leon Millot habe ich diese Lesart wiedergegeben. René Marcil. Die Franzöfin vor der Arbeiterfrage. Der Senat, welcher aber jetzt sein Urtheil über die Arbeitergesetzgebung abzugeben hat, bewies wieder, daß alle ungerechtig keiten, deren Zielscheibe die Frau ist, einen gemeinsamen Entstehungsgrund haben, den, daß man sie ungerechtfertigter Weise für geringer hält als den Mann. ,, Eine Frau darf sich nie nach eigenem Willen regieren", sagt das alte chinesische Gesez. Etwas galanter, richtiger gesagt heuchlerischer, verkündet der Franzose nicht laut und offenkundig den Grundsatz der Söhne des Himmels( so nennen sich die Chinesen), wohl aber richtet er sich nach demselben in seiner praktischen Thätigkeit. Denn seine Macht über die Frau gestattet ihm, die Ueberlegenheit, welche er der Ueberlieferung gemäß über die Gefährtin thatsächlich besigt, auch als innerlich begründet anzusehen und diese Annahme figelt auf's Angenehmste seine Eitelkeit. Als geringwerthig, ist sie natürlich unfähig für sich zu denken und zu handeln. Daher die große Menge von Verordnungen, deren Opfer die unglückliche Frau sein muß. Man giebt im Allgemeinen wohl zu, daß jeder nur das richtig beurtheilen kann, was er selbst empfunden hat, aber wie André Leo sagt:„ Wenn es sich um die Frau handelt, verliert der Mann den gesunden Menschenverstand!" Denn er wird es gewiß sehr verkehrt finden, wenn jene für ihn entscheiden wollte und er hätte dazu axes Recht, weil sie eben kein Mann ist aber da er jedoch ebensowenig eine Frau ist, will er trotzdem eigenmächtig beschließen, was zum Wohle des schwachen Geschlechtes gereicht und damit begehen sie ein schweres Unrecht. So sehr, daß Alles, was bisher von der Gesetzgebung für die Frau geleistet worden ist, nur gewissermaßen um sie herum" geschehen ist. Könnte es auch anders sein, da die Hauptbetheiligte gar gefragt worden ist? Ohne die Dazwischenkunst des Senators Beranger, dem die Arbeiterinnen Dank schulden, hätte das Arbeitsgesetz, welches jetzt berathen wird, eine Ungerechtigkeit mehr gegen die industriellen Arbeiterinnen enthalten. Noch bornirter als der Senat meistens ist es umgekehrt hatte die Kammer gleich zu Anfang gerufen: Keine feste Regel für den Mann! der weiß schon selbst, was er zu thun hat. Was aber die Frau betrifft die Unvernünftige so muß man ihr allerdings zurufen, wie dem Meere: Bis hierher und nicht weiter! Und eben so unhöflich wie die Chinesen haben die Herren aus dem Palais Bourbon( in diesem Palast tagt die französische Deputirtenkammer) das schöne Geschlecht auf eine Stufe mit den Kindern gestellt! Wir danken! Und dies geschah unter Angabe von Gründen, welche ganz hinfällig sind, trok ihrer moralischen Maske. Zunächst sollte die Frau, welche Kinder zur Welt bringen muß, nicht überanstrengt werden, um nicht den Kindern zu schaden; dann wieder sollte sich die Hausfrau nicht entfernen dürfen, um die größeren Kinder zu beaufsichtigen und zuerziehen. Man sollte wirklich meinen, die Frau ginge auf Arbeit, blos um sich zu unterhalten! Gemach, meine Herren! Das gerade Gegentheil ist die Wahrheit! Die Frau arbeitet eben nur, weil sie nicht anders kann. Wiffen Sie dann aber auch, ob der Ertrag einer so beschnittenen Arbeit den Bedürfnissen eines Jeden genügen wird? Können Sie behaupten, daß, im Verneinungsfall, der zu ges ringe Ertrag der Arbeit den Kindern nicht mehr schadet als das Uebermaß? Sind Sie sicher, daß diese allgemeine feste Regel nicht unvernünftig ist, da die Verhältnisse so rasch wechseln, daß sie für jeden Fall besondere Regeln zu verlangen scheinen? Die Frau muß eben einen Mann haben, sagen Sie, Ihre willkürlichen Behauptungen zu unterstügen. um Und die, welche feinen haben? Die lare Moral der Männer vermehrt die Zahl der Chelosen. Und die Wittwen mit Kindern, denen sie Vater und Mutter sein, die doppelte Arbeit thun müssen? Ah! Sie glauben unfehlbar zu sein, wo Michel Montrigne sagte: Was weiß ich davon?" Dies lettere dachte auch der Herr Senator Beranger, der durch eine Abstimmung im Senat die Frau in Betreff der Arbeit mit dem Manne gleichgestellt hat. Die vorgebliche Minderwerthigkeit der Frau in diesem Punkt beseitigend, hat er ihr das Recht gegeben, sich nach ihrem eigenen Willen zu regieren" und ihre Arbeitszeit nach ihrem eigenen Gutbünten zu bestimmen. Wieder ein Schritt vormärts zu Vernunft und Gerechtigkeit! Hoffen wir, daß es nicht fein werde! azialen D Aslié de Valsaxre, Allerlei aus aller Welt. Eine Vitrioleuse. Das Pariser Geschworenengericht hat vor wenigen Tagen wieder einmal eine Vitrioleuse freigesprochen. Das Opfer ist ein Kommis Namens Gustave Bobillet die Angeklagte natürlich eine frühere Geliebte des Letteren, eine Fabrikarbeiterin Marie Quillon aus Lyon. Das Liebesverhältniß der Beiden reicht über zwölf Jahre zurück. Bobillet war damals 19 Jahre alt und wohnte in Lyon. Er lernte auf einem öffentlichen Balle die 21 jährige Marie Duillon fennen, knüpfte mit ihr ein Verhältni an und überließ später das Mädchen seinem Schicksal. Eines Tages erhielt er einen Brief, worin ihm Marie Duillon die Geburt eines Töchterchens anzeigte und ihn aufforderte, die Erziehungskosten zu bestreiten. Bobillet antwortete nicht. Hierauf folgte eine Reihe Drohbriefe, die sämmtlich ebenfalls unbeantwortet blieben. Zwölf Jahre lang hat Marie Quillon ihren früheren Liebhaber in dieser Weise verfolgt. Sie schrieb an die Familie des jungen Mannes, machte ihm zweimal eine Heirath unmöglich, ließ ihn in Lons le Sannier vor Gericht laden, verlor aber natürlich ihren Prozeß. Marie Duillou, welche in Lyon in den armseligsten Verhältnissen lebte( sie verdiente als Arbeiterin einen Franken täglich), würde wohl trotzdem nie ihre Drohungen ausgeführt haben, wenn nicht eine andere Ge liebte Bobillet's welche unbekannt geblieben ist, ihr einige anonyme Briefe zugesandt und sie hierin aufgereizt hätte, sich zu rächen. Sie faßte daher eines Tages den Entschluß, den Rath der anonymen Briefschreiberin zu befolgen. Sie füllte zwei Flaschen mit Vitriol, nahm ihre Tochter, ein kränkliches, kleines Mädchen, bei der Hand und machte sich auf den Weg nach Paris. Da sie wenig Geld hatte, legte sie fast drei Biertel des Weges zu Fuß zurück. Nach einer langen, mühseligen Reise von acht Tagen kam sie endlich in Paris an, suchte ihren früheren Liebhaber auf und verlangte von ihm nochmals, ihr zu helfen, die Kleine zu erziehen. Bobillet versprach ihr zuerst eine kleine Pension; aber als sie dies schriftlich verlangte, änderte er wieder seinen Entschluß und verweigerte ihr jede Unterstüßung. Einige Tage später, am 12. April d. J., verließ Bobillet Abends gegen 7 Uhr in Begleitung eines Freundes ein Café auf dem Boulevard Sebastopol, als plöglich Marie Duillon, die ihn an der Thür erwartete, eine Flasche mit Vitriol ergriff und ihm den Inhalt derselben ins Gesicht goß. Bobillet erhielt schwere Brandwunden und mußte sechs Wochen das Bett hüten. Die Geschworenen haben die Marie Quillon nicht nur freigesprochen, sondern unter sich eine kleine Sammlung veranstaltet und den Ertrag derselben 25 Franks der Freigesprochenen durch ihren Bertheidiger überreichen lassen. Das wilde Frankreich! Es ist ein trauriger Beweis von Zivilisation, daß den armen, unglücklichen Mädchen kein Gesetz zur Seite steht, das ihre gerechten Ansprüche festsezt. Es bleibt ihnen fein anderes Mittel, als die Gewalt, um ihre Rechte zu vertheidigen. Wenn französische Richter im Stande sind, in einem solchen Falle auf Freisprechung zu erkennen, so geben sie damit doch zu, daß das Mädchen in seinem Recht war, d. h., daß hier Gründe vorliegen, welche eine Freisprechung rechtfertigen. Sollten diese aber nicht daran mahnen, endlich doch dafür zu sorgen, daß auch die Väter unehelicher Kinder gesetzlich verpflichtet werden, für dieselben zu sorgen? Diese Forderung mögen alle Frauen in allen Ländern an die Gesetzgeber stellen. Keine Mutter tann wissen, ob nicht auch ihre Tochter einmal den Verlockungen eines gewissenlosen Mannes zum Opfer fällt. Ein nettes Genrebild aus Desterreich weist folgende Notiz auf, welche wir der Wiener Arbeiter- Zeitung" entnehmen, die vom Staatsanwalt hoffentlich aus patriotischem Schamgefühl konfiszirt wurde. In den ersten Tagen des November wurde im Verein " Delnicka Beseda" in Prosek bei Prag ein Vortrag ,, Ueber Frauenbildung" abgehalten, an welchem auch zahlreiche Frauen theilnahmen. Der Vortrag wurde ordnungsgemäß bei der Behörde angezeigt. Aus unbekannten Gründen schickte dieselbe aber keinen Vertreter zu dem Vortrage, welcher dessen ungeachtet selbstverständlich abgehalten wurde. Diese Eigenmächtigkeit" wurde mit einer ganzen Reihe von Verhaftungen beantwortet. Am 11. November verhaftete man die Genossin M. Herpet, die den Vortrag gehalten, den Obmann des Vereins Jos. Tatar, die Vereinsmitglieder Johann Livora, Al. Pfeifer, K. Krifil, Al. Nowotny, Al. Pohl. Die Verhaftung wurde bei Nacht vorgenommen. Einige Tage später wurden im nahen Letuan noch zwei Frauen Anna Zoupa und Marie Mraeef, die letztere Mutter von fünf kleinen Kindern, verhaftet und in Ketten zum Landesgericht geschleppt, weil sie dem Vortrage beigewohnt haben sollen. Am 12. November wurde die Genoffin Johanna Mala in Smichov verhaftet, welche auch im Verdachte steht, an dem besagten Vortrage theilgenommen zu haben. Außerdem wurde eine Menge von Haussuchungen vorgenommen, den betreffenden Personen aber bis heute kein richterlicher Haussuchungsbefehl zugestellt. Die Verhafteten befinden sich bis auf einen( K. Krift) Alle in Untersuchungshaft. Die geheime" Versammlung ist also eine der Polizei ordnungsgemäß angezeigte Vereinsversammlung. Daß kein Regierungsvertreter entsendet wurde, kann die Versammlung nicht zu einer unerlaubten machen, nach dem Vereinsgesetz ist diese Entsendung das Recht, aber nicht die Pflicht der Behörde, feinesfalls aber hat ein Verein oder eine Versammlung irgend ein Interesse an der Anwesenheit des Polizisten und keines= falls hat sie die Pflicht, dieselbe abzuwarten. Nehmen wir aber einen Moment an, obwohl das Gegentheil wahr ist, der Vereinsausschuß habe die Anmeldung der Versammlung vergessen; dann hat er, und nur er, sich einer Uebertretung des Vereinsgesetzes schuldig gemacht, die er mit einer kleinen Geld- oder Arreststrafe zu büßen hätte. Die Vortragende, die Zuhörer geht die Sache gar nichts an. Im goldenen" Prag, unter dem glorreichen Regiment des Grafen Thun aber werden zehn Menschen, darunter drei Frauen in den Kerker geworfen; Mütter werden bei Nacht aus den Betten geholt, von ihren Kindern gerissen, in Ketten weggeschleppt weil sie im Verdachte(!) stehen, einen Vortrag angehört zu haben!! Und da giebt es Leute, die pharisäisch auf die Zustände Rußlands hinuntersehen. Die Arbeiterschaft Böhmens war von jeher den größten Provokationen ausgesetzt. Sie hat einen Terrorismus über sich ergehen lassen müssen, der seinesgleichen vergebens sucht. Und wieder steht ihre Organisation kräftiger als je da. Nunmehr beginnen die löblichen Behörden auch die Arbeiterinnen Böhmens zu organisiren. Wir hoffen, daß das edle Werk des Herrn Statthalters gelingen wird. Das Getlirre jener Ketten, in welche man Proletarierfrauen geschlagen, es wird den Stumpfsinn ihrer Genossinnen brechen und das Signal zum Eintritte der Proletarierinnen in die Arbeiterbewegung sein. Wer aber nun noch immer zweifelt, daß wir in einem Rechtsstaate" leben, dem ist nicht zu helfen. " Wenn wir den Raum dazu hätten, würde die Rubrik: Desterreichische Justizgräuel!" täglich ganze Spalten füllen Vereine und Versammlungen. Berlin. Hier tagte eine Versammlung aller in der Papier branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, woselbst Frau Rohrlack über„ Die wirthschaftliche Entwickelung und die Arbeiterbewegung" referirte. Ueber den Vortrag entspann sich eine rege Diskussion, wo besonders die Streitfrage besprochen wurde, welche Organisatiosform die beste sei. Die Referentin vertrat den Standpunkt der Zentralisation, wo ihr von verschiedenen Seiten und zwar von Männern, die sich zu den ,, allweisen" zählen, klar gemacht werden sollte, daß die Frauen mit den Männern schon deshalb nicht dem gleichen Verein angehören können, weil es immer sehr spät wird, wenn Sigungen stattfinden, und die Mädchen dann nicht so allein über die Straßen gehen könnten." Die Referentin widerlegte den Gegner" gründlich, indem sie unter Anderm darauf hinwies, daß die Mädchen ja auch allein gehen müßten, wenn sie bis spät in der Fabrik Ueberstunden" machen, und daß auch in dem empfohlenen Frauenverein die nöthigen Sigungen in den Abendfiunden stattfinden würden. Des neiteren erklärt Referentin alle Entgegnungen des Betreffenden für durchaus nicht stichhaltig, da ja das Vorgehen des Unternehmerthums feinen Zweifel aufkommen laffen kann, daß nur mit vereinter Kraft das arbeitende Volk im Stande ist, der maaßlosen Ausbeutung Aller einen Damm entgegenzusetzen, um so einigermaßen das Volk der Arbeit vor völliger Degeneration zu schüßen, bis einst diese privatkapitalistische Produktionsweise einer sozialistischen gewichen sein wird. Bernau. Hier fand am Sonnabend, den 5. Dezember eine Bersammlung des Fachvereins der Textilarbeiter u. Arbeiterinnen statt, in der Frau Rohrlack aus Berlin referirte. Der Vortrag über Die Prostitution und die anarchistische Produktionsweise" wurde sehr beifällig aufgenommen, doch nahm die Versammlung von einer Diskussion darüber Abstand, da noch verschiedene Wahlen zur Ergänzung des Vorstandes auf der Tagesordnung standen. Wenn nun auch Bernau ein kleiner Industrieort ist, so kann doch die Theilnahme der Frauen in den stattfindenden Versamms lungen sowohl, als auch in Bezug auf die Zugehörigkeit zur Organisation den Arbeiterinnen mancher größeren Stadt zum Muster dienen. Jedenfalls ist es charakteristisch, daß bei den Versammlungen, ob gewerkschaftliche oder öffentliche, die Zahl der anwesenden Frauen die Majorität bilden. 11 " Quedlinburg. Am 20. November sprach Genosse Hoffmann über" Die zehn Gebote und die befizenden Klassen. Der geräumige Saal des goldenen Anter war überfüllt. Es waren auch viele Gegner erschienen, von denen jedoch die meisten schon bei der Besprechung des dritten Gebotes verschwanden. Die Zuhörer folgten mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Redners, welcher in vielen Beispielen und Erläuterungen die Hinfälligkeit der chriftlichen zehn Gebote gegenüber der Produktions- und Wirthschaftsweise der heutigen Gesellschaft bewies. In der darauf stattfindenden Diskussion sprach ein Gegner, Profeffor Hynisch vom hiesigen Gymnasium, seine Meinung über den Vortrag dahin aus, daß er die Religion" als Ausgleich des Kampfes zwischen Arbeit und Kapital, zwischen Armuth und Reichthum empfahl. Genoffe Hoffmann widerlegte scharf und ausführlich jeden Satz des Gegners, troßdem ergriff derselbe zum zweiten Male das Wort, darauf bestehend, daß ein ,, gläubiges Gebet" dem Arbeiter mehr nügen würde, als der stundenlange Besuch öffentlicher Volksversammlungen. Der Unwille der Zuhörer machte sich in lauten Aeußerungen Luft und das mit Recht nach dem flaren, einleuchtenden Vortrage des Genossen eine stundenlange Phrasenpredigt, denn anders kann man es nicht nennen daß immer von Seiten der Gegner der Versuch gemacht wird, das hungrige Volk mit Religion sait zu machen; mit Religion", welche jederzeit dem Mächtigen die Waffen gab, das Volk zu knechten und zu fnebeln. Trotzdem hatten die Worte des Herrn Professors ihren, wenn auch gegentheiligen Zweck erreicht sie belehrten Viele, daß von den herrschenden Klaffen eben nichts anderes zu erwarten ist, als nur:„ Schöne Worte." Neumünster, 27. November. Am Donnerstag fand im ,, Conventgarten" eine öffentliche Frauen und Mädchenversamm lung statt. Frau Kähler- Wandsbeck sprach zunächst über die Gewerkschaften und ihren Nußen für die Arbeiterbewegung. In etwa einstündigem Vortrage führte die Referentin dies in klarer, leicht verständlicher Weise aus. Sie besprach eingehend, wie die Frau stets als minderwerthiges Geschöpf angesehen wurde und auch heutigen Tages noch werde und dadurch in ihrer Bildung zurückgeblieben sei. An der Hand der Statistik wies die Rednerin nach, wie die Frau zur Lohndrückerin werde gegenüber dem Manne und erklärte die Ursachen davon. Sie fordert die Anwesenden auf, sich der Gewerkschaftsorganisation anzuschließen. Eine Resolution, wonach sich die Versammlung mit den Ausführungen der Referentin einverstanden erklärt und für die Gewerkschaftsbewegung einzutreten verspricht, wurde hierauf einftimmig annenommen. Dann gab Frau Kähler nähere Aufschlüsse über den Zentralverband der Frauen und Mädchen Deutschlands und ersuchte hier eine Zahlstelle des genannten Verbandes zu gründen. Nachdem eine Pause von zehn Minuten eingetreten, meldeten sich 74 Frauen zum Eintritt in obigen Verband und 7 zum Schneider- und Schneiderinnenverband. Es wird sofort zur Wahl eines Vorstandes geschritten und wurden Frau Egers ( Borsigende), Frau Wöbse( Kassirerin), Frau Drtmann( Schrift führerin), Frau Naschte und Frau Rohwer gewählt. Dieselben nehmen auch jederzeit Beitrittsanmeldungen entgegen. Sprachen noch die Genoffen Lienau, Horst und Straßburger. Der lettere ersuchte, man solle sich von einzelnen Beamten nicht bange machen lassen, sondern immer wieder frisch darauf los gehen. Nach einem auf die Arbeiterbewegung ausgebrachten Hoch, in das auch die Frauen begeistert einstimmten, wurde die intereffante, zahlreich besuchte Versammlung geschlossen. Dann Verbot eines Arbeiterinnenvereins. Der allgemeine Arbeiterinnenverein für Frankfurt und Umgegend ist polizeilich geschlossen und zwar mit folgender Motivirung: Nach§ 8, Abjazz la des Vereinsgesetzes dürfen Vereine, welche bezwecken, politische Gegenstände zu erörtern, keine Frauenspersonen aufnehmen. Der Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen sei aber nach den obengenannten§§ 1 und 2 seiner Statuten ein solcher, welcher bezwecke, politische Gegenstände in Bersammlungen zu erörtern und habe nicht nur Frauenspersonen als Mitglieder aufgenommen, sondern bestehe nur aus solchen. Auf Grund des§ 8, Absatz 2 des Vereinsgesetzes sei daher, vorbehaltlich des gegen die Betheiligten einzuleitenden Strafvers fahrens, der Verein bis zur ergehenden richterlichen Entscheidung zu schließen. Wer lacht da über solche logische Beweisführung? In London fand am 26. November die Jahresversammlung der Frauengewertschaften statt. Dieselbe beschloß u. A. die Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren zu fordern. Eine neue Auslegung" des Vereins- und Versammlungsgesetzes hat die Berliner Polizei vorgenommen, die alle bisher dagewesenen Auslegungen" in den Schatten stellt und dem polizeilichen Scharfsinn" alle Ehre macht. Eine Bersamm lung des allgemeinen Abeiterinnenvereins, die angemeldet und auch überwacht war, soll sich mit Politik beschäftigt haben. Die Polizei erklärt nun, daß deswegen die Versammlung eine andere als die angemeldete gewesen sei, obgleich sie zur angemeldeten Stunde in dem angemeldeten Lokale abgehalten wurde. Die " 11 angemeldete Versammlung habe nicht stattgefunden und die abge: haltene sei nicht angemeldet gewesen. Die Einberuferin wurde daher in Strafe genommen wegen unterlassener Anmeldung der Versammlung. Daß das Gericht dieser merkwürdigen Auffassung der Polizei beitreten sollte, ist nicht anzunehmen. Lübeck. Am Donnerstag, den 3. Dezember fand in den Räumen der Zentralhalle eine von zirka 600 Personen besuchte Versammlung der Frauen und Männer Lübeck's statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Voltsernährung. 2. Diskussion. Zu Punkt 1 der Tagesordnung war Frau Ihrer aus Velten( Mark) bei Berlin als Referentin erschienen. Nachdem sich das Bureau tonftituirt, erhielt Frau Ihrer das Wort, lettere entledigte sich ihrer Aufgabe zur Zufriedenheit aller Anwesenden. Wir lassen hier die Grundzüge des Vortrages folgen: Die Volfsernährung fei eigentlich ein Gegenstand, dem von allen Seiten viel zu wenig Intereffe entgegengebracht werde. Vor allen Dingen sei es, wenn man über dies Thema sprechen wolle, nothwendig, daß man sich vergegenwärtige, wie die Volksernährung sein sollte und wie sie thatsächlich sei. Die Professoren Pettenkocher Feut und König hätten nachgewiesen, daß zur Erhaltung des Menschenförpers hauptsächlich Eiweis, Fett, Kohlenhydrauthe und Salz nothwendig sei. Auch hatten die Herren ausgerechnet, wie viel von diesen Stoffen in den verschiedenen Mitteln enthalten sind. Schade sei es nur, daß diese Leutchen der Wissenschaft nicht auch dafür eingetreten sind, daß dem Volke diese Nahrung zu Theil werde. Es sei zum Beispiel nothwendig, daß in den Volksschulen Küchenchemie gelehrt werde, anstatt englisch und franzö sisch. Auf der ersten Stufe der Nahrungsmittel ständen die aus dem Thierreich stammenden und zwar in folgender Abstufung: Geflügel, Wild, Rind-, Schweine- und Kalbfleisch und Fische. Doch wüßten wir ja, daß der Arbeiter selten einmal Rinderoder Schweinefleisch, geschweige denn Geflügel und Wild auf den Tisch bekomme. Ein erwachsener Mensch braucht zu seiner Ernährung 1 Pfund Fleisch täglich und zwar sei es am besten in gebratenem Zustande. Wie es in Deutschland unter den Proletariern mit der Fleischnahrung aussehe, daß zeige am besten der Konsum von Pferdefleisch und Heringen. Es sei seiner Zeit von den Zeitungen der Bourgeoisie das Pferdefleisch so gepriesen, trok und alledem sehe man auf den Tafeln derselben diese Leckerbissen nie. Auch dürfe man nicht vergessen, daß man bis heute noch nicht darauf gekommen sei, junge gesunde Pferde zu schlachten. In der letzten Zeit sei es durch die Viehausfuhrverbote und Kornzölle noch weit schlimmer geworden, es beweisen die Kaninchen und Hundeschlachtereien in den großen Städten. Von den vegetabilischen Nahrungsmitteln sei das Brod und zwar Roggenbrod. das beste für einen der angestrengt arbeiten müsse, doch würde der Roggen dadurch, daß er so theuer sei, mit Gerste und schlechtem Weizen untermengt und dadurch minderwerthig. Wie seiner Zeit das deutsche Volk gegen die Kornzölle protestirt hat, habe man auf diesem Gebiete wieder eine neue Erfindung gemacht, man hat nämlich den amerikanischen Mais empfohlen und versucht es für sehr nahrhaft zu erklären, doch sei auch dies nur ein Betrug, den man an dem Proletarier begelen wolle zu Gunsten des Geldsacks der Agrarier. Das Maismehl habe etwas mehr Nährgehalt wie Kartoffelmehl, über diese Sachen solle man hauptsächlich die Frauen aufklären, schlechte Ernährung des Volkes bedeute einen Rückgang in der Kultur. Von den Hülsenfrüchten werde behauptet, daß sie sehr eiweishaltig seien, doch würde dies dadurch sehr vermindert, indem an den Schalen ge= rade die meisten Eiweistheile hängen bleiben, man betrüge seinen Magen damit. Was in Deutschland die so sehr eingebürgerte Kartoffel betreffe, so sehe man am besten an den schlesischen Webern, die ja hauptsächlich von Kartoffeln und Heringen leben, daß deren Nährwerth nicht besonders groß ist. Die Milch habe noch einen ganz besonderen Nährwerth, daß beweise die Muttermilch ja schon, doch sei auch hier wieder der Proletarier im Nachtheil, er würde schon am Tage seiner Geburt betrogen, da seine Mutter ihm nicht die Milch geben könnte, wie sie sein sollte, weil sie eben nicht die nöthige Nahrung, Pflege und Ruhe haben könne, die eine Mutter bedarf. Rednerin kommt dann zu den Genußmitteln, es feien dies Kaffee, Thee, Bier, Taback und Branntewein; den Kaffee, den der Arbeiter trinke, sei ja auch meistens Cichorienwasser, da der Kaffee durch die Zölle zu sehr in die Höhe getrieben sei. Gerade bei den Genußmitteln seien die Fälschungen am allerschlimmsten. Der Branntewein sei ja nach der Behauptung verschiedener Reichstagsabgeordneten haupt sächlich Schuld an den schlechten Verhältnissen in welchen die Arbeiter lebten und seien ja auch deshalb die Herren so für die Zölle des Brannteweins, daß aber gerade die großen Brennereibesitzer diese Zölle, die, wie alle anderen Zölle hauptsächlich der Arbeiter bezahlen muß, in die Tasche stecken, davon sagen diese Herren nichts. Man habe bei der Debatte über die Brannte meinzölle gesagt, daß die Frau Schuld daran sei, wenn sich der Mann dem Trunte ergebe, fie könne nicht kochen usw, man habe aber nicht daran gedacht, daß die Töchter der Proletarier in den Küchen der Bourgeoisie wohl kochen könnten, weil sie da eben alles hätten was man brauche, um eine gute Mahlzeit zu be= reiten, daß habe aber die Arbeiterfrau in den meisten Fällen nicht. Und aus nichts könne auch nicht viel werden. Es sei das aber nicht alles was zur richtigen Volksernährung gehöre, es gehöre auch nach dem Effen noch eine bestimmte Ruhepause in gesunder Luft dazu, auch diese habe der Arbeiter nicht und sei schon von dem Standpunkte aus die. Forderung des Achtstundentages eine gerechte. Was die gesunde Luft betreffe, so sei man von oben herab ja sehr besorgt um die Arbeiter, wenn es sich um Versammlungslokale handle, hier habe jeder seinen bestimmten Raum, die Wohnungen derselben Arbeiter seien manchmal schlechter wie die Viehstelle der Agrarier. Es sei vom Regierungstische bestritten worden, daß ein Nothstand vorhanden sei, daß aber einer da sei, bewiesen uns die vielen Wohlthätigsanstalten, womit sich die Bourgeoisie so gerne brüste, doch sei auch hier der Arbeiter der Bezahler, zwar richte die Bourgeoisie diese Anstalten ein, doch müsse sie nachher der Arbeiter erhalten, weil man den Bettelsack dafür schwinge. Hauptsache sei es nun, daß wir auch das weibliche Geschlecht in die Bewegung einführen. Wenn erst die Frauen geschlossen in unseren Reihen mitkämpfen, dann werde auch eine Zeit kommen, wo das Volk sich und seine Kinder er nähren könnte. Reicher Beifall lohnte die Rednerin für ihren Vortrag. Der Vorsitzende forderte etwa anwesende Gegner auf sich zum Worte zu melden. Da sich nach zweimaliger Aufforderung keiner zum Worte meldete, erhielt Frau Ihrer das Schlußwort. Hierbei verlas Rednerin noch einige Rezepte aus einem Kochbuche, welches Don einer Kommission des Verbandes Arbeiterwohl in München= Gladbach herausgegeben ist und welches hauptsächlich zur Anleitung zum Rochen für Arbeiterfrauen dienen soll. Es waren hiernach Gerichte für 4 erwachsene Personen für 35-40 Pfg. herzustellen, doch waren die Bezugsquellen von all den schönen Sachen, die man so billig kaufen konnte, wie in dem Kochbuch stand, nicht angegeben, auch nicht, wie man es anfangen müsse, mit den verzeichneten Gerichten 4 abgearbeitete Menschen zu sättigen und wieder zur Arbeit fähig zu machen. Zum Schluß wurde noch folgende Resolution eingereicht: Die heute Abend in der Zentralhalle tagende öffentliche Versammlung der Frauen und Männer Lübeks erklärt sich mit den Ausführungen der Referentin voll und ganz einverstanden und verspricht auch die Frauen dahin aufklären zu wollen, daß sie mit den Männern zusammen stehen und kämpfen für unsere Sache, damit endlich bem gesammten Volke ein besseres Dasein zu Theil werde. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und um 10 Uhr 20 Minuten die Versammlung vom Vorfizenden geschlossen. Köln. Am vorigen Sonntag, Vormittags 1012 Uhr, sollte Frau Hedwig Henrich Wilhelmi auf Veranlassung des dortigen Freidenkervereins einen öffentlichen Vortrag über das Thema ,, das Christenthum in Wort und That" halten. Die städtische Verwaltung hatte dazu dem genannten Vereine den großen Gürzenichsaal laut schriftlicher Bestätigung vom 13. Novbr. cr. vermiethet und der Verein eine rege Agitation ins Werk gesetzt, um bei zahlreichem Besuche vermittels eines geringen Eintrittsgeldes die hohen Kosten für den städtischen Saal aufzubringen. Am 28. Novbr., Abends 7 Uhr, also ganz kurz vor Thorschluß, empfing der Vereinsvorstand von der städtischen Verwaltung den Bescheid, daß die Bewilligung des Gürzenichsaales zurückgezogen werde. Als Grund dafür war angegeben werden, es sei unbekannt gewesen, daß es sich um einen sozialdemokratischen Vortrag handele, da dazu die städtischen Gebäude laut Stadtverordnetenbeschluß nicht hergegeben wftrden. Die Rednerin Wilhelmi habe fich vor 2 Jahren öffentlich zur Sozialdemokratie bekannt. Der Borstand des Freidenfervereins erließ daraufhin heute folgende Erklärung: Wie bereits durch Plakatanzeige mitgetheilt, hat das Oberbürgermeister- Amt das uns für Sonntag, den 29. Novbr., ertheilte Benugungsrecht des großen Gürzenichsaales noch Sonnabend, den 28. November, Abends 7 Uhr, zurückgezogen. Diese Zurückziehung erfolgte nnter der Angabe, daß die von uns zu einem Vortrage geladene Rednerin, Frau Hedwich HenrichWilhelmi, sich vor zwei Jahren öffentlich zur Sozialdemokratie bekannt habe, und daß es sich um einen sozialdemokratischen Vortrag handele. Abgesehen davon, daß uns die politische Ueberzeugung der Rednerin als Verein nichts angeht, da wir politische Tendenzen nicht verfolgen, erklären wir diese Behaup tung für unrichtig. Das Thema des in Frage stehenden Vortrages war, wie sodann aus unseren Veröffentlichungen ersichtlich, freireligiöser Natur; im Uebrigen ist Frau Wilhelmi Vorstandsmitglied und beauftragte Agitatorin des deutschen Freidenker bundes. Das Verfahren des Oberbürgermeisteramtes ist also unbegründet und kontraktwidrig; wir empfinden es überdies als unbillig und ungerecht." Wir sind verwundert über diese Erklärung. Wenn Frau H. W. mit der Sozialdemokratie nichts zu thun haben will, warum wendet sie sich denn stets an die Vertrauensleute der selben? Wahrscheinlich nur, weil ihr fein anderes Publikum zur Verfügung steht. Wir haben dann auch nicht weiter Lust, diese Halbheiten der Freidenker zu unterstügen. Für Freidenkerthum braucht man nicht apart Propaganda zu machen. Wir wollen die Frauen zu tüchtigen Sozialisten machen, dann kommt das freie Denken ganz von selbst. Unter falscher Flagge zu segeln ist meist das gefährlichste Beginnen und besonders bei den noch nicht aufge flärten Frauen und Mädchen. Wenn Frau Wilhelmi angestellte Agitatorin ist, dann fallen wohl auch in Zukunft für die betreffenden Orte die hohen Kosten fort, welche bestehen in 30 Mt. für den Vortrag, Reise- und Unterhaltungsspesen. Dann steht doch der Verein für die Kosten ein und haben die Sozialisten auch gar kein Intereffe daran, ihre Mittel für solche Zwecke herzugeben. Hier möchten wir gleich noch auf eine Agitatorin aufmerksam machen, die bei wenig Aufgeklärten recht viel Schaden anrichten tann. Es ist Frau Cl. Muche Berlin. Sie wendet sich mit ihren Ueberspanntheiten ebenfalls an das Arbeiterpublikum und in der Provinz wird es wohl selten vorkommen, daß ihr so ge wandt und schlagfertig geantwortet wird, wie vor mehreren Jahren in einer Versammlung der Arbeiterinnen in Berlin. Ihre Lehren gehen dem Sozialismus ftritte entgegen und es giebt in der Provinz leider Vertrauensleute, die für eine solche Propaganda eintreten, ohne sich von dem Werth oder Schaden derselben überzeugen zu können, weil nur Frauen zu den Vorträgen Zutritt haben. Dazu sind die Kosten für diese Art Vorträge so hoch, daß man staunen muß. Während unsere Agitatorinnen taum ihre Auslagen, von Zeitversäumniß ganz abgesehen, erhalten, wirft man hier mit vollen Händen hinaus. Wir wünschen, daß die Frauen selbst Acht haben auf solche Unfug und selbst darüber entscheiden, was gut für sie und wa schädlich ist. Sprüche. Wir fordern alle Erdengaben, Nur um den Himmel winselt ihr Den Himmel sollt ihr künftig haben, Allein die Erde nehmen wir. * * G. Kinkel. In Deutschland klagt man, daß über Gebühren Sich mehren die krummen, verwachsenen Rücken. Kein Wunder, wo alle Frauen sich schnüren Und alle Männer sich bücken. * * Wenn der Reichthum Freiheit giebt, Laß ich ihn dennoch laufen, Soll ich, um morgen frei zu sein, Heute mich verkaufen? Literarisches. 1 G. Kinkel. G. Kinkel. Hasenclever's Vermächtniß. Jalustrirter deutscher Jugendschat. Schönstes Weihnachtsgeschenk für Knaben und Mädchen. Pracht- Ausgabe M. 2, billigere Ausgabe ebenfalls eleg. geb. M 1.50. Bu beziehen durch Wörlein& Comp., Nürnberg, sowie in allen Arbeiterzeitungs- Expetitionen. Die Organisationsfrage. Ein Beitrag zur Entwicklung ber deutschen Gewerkschaftsbewegung. Herausgegeben von der General- Kommission der Gewerkschaften. Preis 10 Pf. Die Arbeitsverhältnisse der Müller Deutschlands. Sehr inter essante Aufschlüsse über dieses Gewerbe und dessen Arbeits bedingungen enthaltend. Bon Interesse für Alle. Preis 60 Pf. Herausgeber: Redakteur Räppel, Altenburg. Die Einschränkung des polizeilichen Verordnungsrechts mit besonderer Berücksichtigung des Droschkenfuhrgewerbes. Von W. Schütte. Im Verlage des Vereins Berliner Droschkentutscher. Preis 25 Pf. Berliner Arbeiterbibliothek. III. Serie. Preis pro Heft 10, 15-20 Pf. Berlin, Elisabeth Ufer 55. Ferd. Lasalle's Reden und Schriften, pro Heft 20 Pf. Berlin, Vorwärts", Beuthstr, 2. Die Arbeiterinnenfrage der Gegenwart. Von Cl. Zetkin. Preis 15 Pf.( Arbeiterbibliothek.) Bei allen Zeitungs Expeditionen. Bibliothek politischer Reden. In Heflen á 25 Pf. Wörlein& Co., Nürnberg. Druck von Fr. Meyer& Hingpeter, Hamburg, Rosenstraße 35