Mr. 2 17. februar 1924 Blick in die Bücherwelt Theorie des Sozialismus. Albert Kranold: Die Persönlichkeit im Sozialis mus. Thüringer Berlagsanstalt, Jena, 1923. PP lismus und Margismus hinzuweisen. So wirft er Spengler vor, daß er den Sozialismus lediglich als eine Technit des gesellftreiche, das hinter jener Technik steht und ihr erst Richtung und schaftlichen Lebens auffaffe, aber das geistige und sittliche Erlebnis Biel gibt, jenes aufwühlende Mitleid mit allem menschlichen Elend einerseits, und jene unstillbare Sehnsucht, sich aus diesem Elend her auszuarbeiten." dem Denken, Fühlen und Wollen des modernen Abendlandes wie der ideale Inhalte zu geben:„ Und so ist denn auch das Problem der Gegenwart tein psychologisches, sondern ein ethisches Problem." " Der Sozialismus ist also sowohl eine Ethil, eine Lebensauffasfung, als auch ein Wirtschaftssystem. Die Ethit, das Kulturideal aber ist sein eigentlicher Sinn, der Kern seiner Lehre, und als solcher ist er ein System des Idealismus." Dieser Idealismus bewährt sich nach Kranold gerade im proletarischen Klassen lampf, der eine psychologisch- geschichtliche Notwendigkeit darstellt, wenn es auch das Ziel des Sozialismus ist, mit der wachsenden Erfüllung seiner ökonomischen Voraussetzungen seinen Klassentampfcharafter immer mehr abzuftreifen. Heinrich Ströbel Der Inhalt des geistvollen, von außerordentlicher Literatur. beherrschung zeugenden Buches deckt sich nicht ganz mit dem Titel. Denn die Probleme Individualismus und Sozialismus oder PersönIrchkeit und Geschichtsverlauf werden nur in einzelnen Teilen behanden. Das kommt daher, daß dem Buche, das aus mehreren zeitlich auseinanderliegenden, unabhängig voneinander entstandenen Abhandlungen besteht, die für die Publikation in Buchform freilich eine start ergänzende Ueberarbeitung erfuhren, ein Sammeltitel gegeben wurde, der den Gesamtinhalt erst scharf unter die feitende Idee rückt. Der erste Teil des Buches ist Fichte, dem Philo fophen des Sozialismus", gewidmet, der zweite Teil handelt von Marg und Engels als Philosophen, von Marrismus und Kritiaismus und enthält einen Anhang: Der Untergang des Abendlandes. Ein furzes Schlußkapitel spricht vom Marrismus und Idealismus. Der erste Teil will, nach dem Vorwort des Verfassers selbst, vor allem das Verhältnis zwischen Zwang und Freiheit in der soziafistischen Lebensordnung Klarstellen, das Verhältnis zwischen Einzelwefen und Gemeinschaft. Der zweite Teil will zeigen, daß die Ge schichtsauffassung des Marrismus die fonfequente Anwendung der Wissenschaftslehre Rants auf die Geschichte ist"," um dadurch Marg als den Begründer einer wissenschaftlichen Geschichte im Sinne von Kants Erkenntnistritit zu erweisen". Zugleich sollen die Miß deutungen von Marg' Geschichtstheorie zurückgewiesen werden. Kranold betrachtet Fichte nicht als den Apostel und das Sprachrohr des Geistes seiner Zeit, nämlich als den Individualisten, sondern als den Propheten der erst von ferne fich anfündigenden neuen Zeit. Er geht die ganze Reihe seiner Schriften durch, um daraus die Einheitlichkeit der Auffassung dieses Philosophen des Sozialis mus" zu erweisen. Er berichtigt die falsche Annahme, daß Fichte an der alten dogmatischen Naturrechtslehre festgehalten habe das Staturrecht sei ihm feine vergangene und wiederherzustellende Realität, sondern eine Idee gewesen. Ein gerader logischer Weg gehe von Fichtes Wissenschaftslehre in ihren frühesten Fassungen bis zum Geschlossenen Handelsstaat" mit seiner sozialistischen Wirt haftsorganisation und bis zu den Reden an die deutsche Nation" mit ihrem radital fozialistischen Erziehungsprogramm. Den Inhalt feines fozialistischen Ideals begründe er religiös- metaphysisch: der Inhalt des Guten fließe ihm aus der göttlichen Vernunft. Für ihn gebe es im Gegensatz zu Kant auch inhaltlich etwas absolut Grzialismus bezeichnet werden. Mit Unrecht hat man, so hebt Kranold immer wieder hervor, Fichte einen Individualisten genannt. Freiheit gibt es für ihn nur in der Verbundenheit mit der Gemeinschaft. Aber auch unter innerer Freiheit versteht er nur die Unabhängigkeit des Wollens von den Trieben der Sinnlichkeit und die Bestimmtheit des Wollens von den Grundgesehen des Geistes, der Bernunft. Rudolf Abraham: Die Theorie des modernen Sozialismus. Für die Jugend dargestellt. Arbeiterjugend- Berlag, Berlin. -Beilage des Vorwärts Geschichtslehrbücher. langem einer Aenderung nach Inhalt und Form," heißt es in dem „ Die Lehrbücher für den Geschichtsunterricht bedürfen schon seit vorjährigen Erlaß des preußischen Unterrichtsministers, im übrigen werden sehr dehnbare Richtlinien für das neue Geschichtsbuch gegeben. Die nationale Erziehung des heranwachsenden Staatsbürgers zu lebendiger Staatsgesinnung" bedeutet eine rücksichtsvolle Ümschreibung des Wortes Republik", das den meisten Philologen betanntlich immer noch auf die Nerven fällt. Nun sollen bis Ostern die neuen Geschichtsbücher genehmigt und eingeführt werden. Die Lehrbuchindustrie ist am Wert, Waschzettel fliegen in die Welt, neue Bände werden zusammengehauen, alte Auflagen( bisher verbotene, aber doch stillschweigend- benußte) umgearbeitet und umgetauft. Neuer Geift? Gelten auch nur ein Tropfen demokratischen Dels. Neue Auffassung? Naive Erfolgsanbetung, die alten Legenden"( Friedericus und Bismard im Strahlenfranz haben alles gemacht), die alte mythologische Sprache von„ Haß, Neid, Eifersucht der Völker", ebenso unwissenschaftlich wie in der Tendenz verlogen, im übrigen italienischer Salat von europäischen Ratzbalgereien", Aussprüchen, Charaffecistifen, ein bißchen Soziales, ein wenig von Wirtschaft, notgedrungen die Weimarer Verfassnug( mehr oder weniger verwisch), nichts Erdgebundenes, selten statistisch Greifbares, teine Zusammenhänge von Arbeit, gefellschaftlichem Aufbau, Volkstum, Staatsform und Staatenpolitik, feine Möglichkeit für selbständiges Erarberen", eigene Urteils. bildung. Der Kanon ist gerettet, man fann wieder sein Pensum einteilen, paufen, abfragen. Man sucht feine Erkenntnisse" aus der Vieldeutbarkeit der sogenannten„ Tatsachen", deren zufällige oder tendenziöse Auswahl dem Schüler in erster Linie zu Bewußtsein fommen müßte, sondern lernt" Neubauer, Koch, Reimann oder wie der eingeführte Kanon gerade heißt. " Wer, wie der Verfasser, sich als Aufgabe stellt, Führer durch die verschlungenen Gedankengänge des Marrismus" zu fein, muß neben reichen Kenntnissen viele vortreffliche Fähigkeiten besigen. So die Fähigkeit, das vielfältige Gedantengeflecht zu gliedern und die einzeinen Bestandteile in gleichmäßiger Beleuchtung zu zeigen. Auch dann, wenn die Zeit und der Streit der Meinungen ein zwiespältiges Licht auf die Teilprobleme geworfen hat. Ein Führer" müßte hier die verschiedenen Meinungen mit gleicher Liebe zur Darstellung bringen, wenn ein vollkommenes Bild entstehen und den Geführten einen Ausblick eröffnet werden soll. Tatsachenbücher" sollen sie alle sein. Glauben die Verfasser Bei dem Berfasser gebricht es hierin an mancherlei Enden. Er selbst daran, daß die„ Laten", die sie herausheben, allseitig sa cha scheint nicht unbefähigt, ziemlich komplizierte Gedankengänge aufliche Busammenhänge darstellen? Etwa die Emser Depesche oder zunehmen und in einfacher Form gemeinverständlich zu machen. In Ludendorffs Waffenstillstandsangebot, wenn man notwendige Bormanchen Teilen, wo sich der Verfasser rein referierend verhält, ist ausfegungen und Folgen verschweigt! Kann men von einem Neufeine Arbeit erfreulich. Wo er dagegen fritisch vorgeht, ist sie es weniger, und zwar aus verschiedenen Gründen und auf verschiedene anderen Sinn bekommen, die vorher faiserlichen Erlassen gedient bauer erwarten, daß seine Tatsachen" auf einmal einen ganz Weise. Wo Abraham aus eigenen Mitteln fritische Anmerkungen Weise. Wo Abraham aus eigenen Mitteln kritische Anmerkungen haben? Selbstbetrug oder Geschäftsfinn? Die Fürstenlitanei und einstreut, ist eine gewiffe Unsicherheit allzu deutlich. So ist es nicht einstreut, ist eine gewisse Unsicherheit allzu deutlich. So ist es nicht die dynastischen Stammtafeln, die in einem Band von 80 Seiten gut möglich, den ganzen Kompler der russischen Revolution als ein allein 10 wegnehmen, sind auch„ Tatsachen"( in dem durchaus re gewaltfames soziales Experiment abzutun und, im Anschluß daran, aktionären Bölferschicksal" des Diesterweg- Berlags). Tatsache ist, den Revolutionspedarfen" furzerhand in die„ Geisteswelt des daß die Sozialdemokratie die Bismardſche Sozialgefeßgebung ab. gelehnt hat, aber nur nicht so wie bei Kumiteller- Haadeentsteht, fann man auch durch eine Fußnote, in der man auf die Schneider S. 230( einem Buch, das die Aufgabe des Geschichts. Schwierigkeiten des Problems verweist, nicht wieder zurechtrüden. unterrichts völlig verkennt). Daß ein offensichtlich deutschnational Wieder anders erscheint der Verfasser. wenn er auch als Kritifer parteipolitisch gefärbtes Geschichtswert für höhere Schulen" des nur referiert. So zum Schlusse seines Buches. Hier geht er auf früheren Stadtschulrats Reimann in der Neuzeit von Bebel gedie von dem Revisionismus der neunziger Jahre aufgeworfenen rade nur zu sagen weiß:„ Es fand sich fein ihm( Lassalle) gewachsener Fragen ein, um sich rückhaltlos für ihre Brantwortung im Sinne Nachfolger. Das hat dann zusammen mit der unginigen e dieser geistigen Bewegung zu entscheiden. Der Revifionismus stelle staltung des Arbeitsmarktes nach dem Zusammenbruch der Gründereinen von allen revolutionistischen und utopistischen Schladen zeit dazu geführt, daß die von Bebel und Liebknecht geführte intergereinigten Marrismus dar". Diese tritiflose Kritit am Marrismus nationale, den bestehenden Staat bekämpfende Richtung in der bemängeln wir nicht, um uns an der geistigen Richtung zu reiben, deutschen Sozialdemokratie die Oberhand gewann", ist wohl auch die Abraham, als sei inzwischen nichts geschehen. schlechtweg als eine Tatsache. G. 85 steht als Tatsache":" Wenn Wilhelm II. ein den Revisionismus bezeichnet. Ein solcher Verfuch würde uns Arbeiterfönig hatte werden wollen, so fah er ba d, drß er fich in fehr unzeitgemäß erscheinen. Aber ebenso zur Unzeit erscheinen in feinen Hoffnungen getäuscht hatte... Abrahams Arbeit die Erkenntnisse der Revisionisten als die legten, man dabei, gegen die Sozialdemokratie eine Verteidigungsstellung Aber im wesentlichen blieb unumstößlichen Ernebnisse warristischer Forscherarbeit. Das paßt einzunehmen" Fängt hier nicht die politische Brunnenvergiftung an nicht zum Zwecke eines Bucys, das den Geist der Jugend wa ch machen foll; es raßt nicht in eine Peit. mo viele Fragen neuer Erforscuma barren mit den Methoden des Marrismis. aber Butes, fein Sozialismus fönne deshalb durchaus als reliniöfer Utopismus" au parweijen.( G. 52. Das schiefe Bild, bas dadurch Auch Fichtes Beariff des Deutschtums, der Nation entfaringt seiner sozialistischen Plilosophie. Das Deutschtum ist ihm ein Ideal, es foll erft werden. Was an Geistiot it und Freis heit dieser Geisti toit glaubt und die ewige Fortbildung dieser Geiftigkeit durch Freiheit mill,„ das, wo es auch geboren sei und in welcher Sprache es rede, ist unseres Geschlechtes, es gehört uns an und wird sich zu uns tun. Was an Stillstand, Rückgang und Zirteltanz glaubt, oder gar eine tote Natur an das Ruder der Weltrenierung fetzt, dieses, wo es auch geboren sei und in welcher es aud) geboren set und in welcher Sprache es rede, iſt undeutsch und fremd für uns." Und das Berhältnis der Nation zur Menschheit ist ihm durchaus das gleiche, wie das des Individuums zur Gemeinschaft. Aktueller für uns, als diese an sich wertvolle Untersuchung der ethischen Grundelemente der Philosophie Fichtes ist Albert Kranolds Abhandlung über Marg und Engels als Philosophen und über Margismus und Kritizismus. Er trägt hier sorgfältig alles zusammen, was von sozialistischen, aber auch von bürgerlichen Autoren in der letzten Zeit über dies Thema veröffentlicht worden ift, aber er tritt diesen philosophischen Kollegen auch mit voller Selbständigkeit entgegen. So fett er sich an vielen Stellen mit Vorländer, Mar Adier, Braunthal, Troeltsch und anderen kritisch auseinander. Er lehnt Borländers Bersuch, Marr und Engels historisch pinchologische Gesellschaftsanalyse philosophisch- erkenntnistheoretisch aufzufassen, als großen Irrtum ab. Es sei eine Verkennung des historischen Materialismus, in ihm eine Erkenntnistheorie zu sehen. Marg und Engels feien fachlich lediglich Bertreter der Sozialwiffen schaft und Geschichte, und die Lehre von der Dialettit und die Theorie der materialistischen Geschichtsauffaffung seien methodologische Erörterungen im Bereich der Sozialwissenschaft und Geschichte gewesen. Ein Denker fei dann Philosoph, wenn er, gleichviel welches Gebiet er bearbeite, feine Tätigkeit im Bewußtsein der Abhängigkeit jeder Einzelerfenntnis von den obersten Ordnungsprinzipien aller Erkenntnis überhaupt betreibe. In diesem Sinne feien Marg und Engels zweifellos hervorragende Philofophen gewesen. " Sehr interessant find, Kranolds Untersuchungen über die Frage, inwieweit der Mary- Engelssche Geschich'smaterialismus die psychologischen Triebfräfte würdigt und in sich schließt. Er fommt zu dem Ergebnis, daß der historische Materialismus, obwohl ein System des historischen Determinismus, den sozialen Fatalismus in feiner Beise begründe. Unter Berufung auf Marx, auf Mar Adler und andere Margisten weift er Erich Sterns. Behauptung, daß die Ge schichtsauffassung Margens den fozialen Fatalismus lehre, entschieden zurück. Er nennt mit Recht den Marxismus die gewaltigste Prophetie der Neuzeit". Troßdem fann nicht bestritten werden, daß einzelne Marginterpreten und Margepigonen, die von dem Feuergeifte der Merg und Engels nichts geerbt haben, in der Tat einem historischen Fatalismus verfallen find. Eine einseitige ökonomisch- historische Analyse diente ihnen dazu, die kapitalistischen und imperialistischen Expansionsträfte als unabänderliche Gesetze des Geschichtsverlaufs anzuerkennen und zu verherrlichen, statt ihre Ueberiwindung durch die ökonomischen und ethischen Kräfte des proletarischen Klaffenfampfes zu proffamieren. Demgegenüber ist es die stärkste Seite des Kranoldschen Buches, diefem zum Fatalismus entarteten Geschichtsmaterialismus gegen über immer wieder auf die sittlichen Urkräfte des Sozia ohne Rücksicht auf die eine oder die andere Richtung". Abraham würde seiner Arbeit und der Fache der Junend einen Dienst er weisen, wenn er bei weiteren Auflagen diese Teile des Buches einer Neubearbeitung unterziehen würde. Rich. Seidel Sozialpolitik. Lujo Brentano: Der Ansturm gegen den 2cht studentag. Verlagsgesellschaft der Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes m. b H., Berlin 1924. Der als Verfasser der Arbeiterfrage befannte Professor der Staatswissens haften an der Universität in Berlin, Dr. Heinrich Hertner, het betanntlich eine sozialpolitische Wandlur vollzogen, die er als„ Sozialpolitische Bandlungen in der wissenschaftlichen Nationalötonomie" ausgab. 21s Geheimrat Herkner, der Vorfihende des Vereins für Sozialpolitit, in dem Stinnes- Blatt„ DAZ." den Achtstundentag als eine Frucht des Zusammenbruchs preisgab, proflamierte er bamit nicht nur seinen eigenen Zusammenbruch. fondern den Zusammenbruch der voraussetzungslosen Wissenschaft, der Sozialwissenschaft und diskreditierte das Leberswert bir bürgerlichen Sozialpolitiker: den Berein für Sozialpolitik und dessen So ziale Braris". Sollte mit Dr. Frande der letzte bürgerliche Sozialpolitiker dahingegangen, aus dem Berein für Sozialpolitik ein solcher gegen Sozialpolitik geworden sein? " Das wird sich das Unterrichtsministerium vor der Genehmigung dieses schon gedruckten„ Tatsachenbuches", das auch sonst von Entstellungen wimmelt, gewissenhaft überlegen müssen. Die Arbeiterbewegung hätte damit nicht gar viel verloren, das Ansehen der Sozialwissenschaft aber und ihrer Vertreter unter der breiten Masse des Volkes auch den letzten Rest. Geheimrat Herkner suchte in einer Artikelserie der Sozialen Praris" den Umfall wissenschaftlich zu begründen. Da trat der 79jährige Profeffor Lujo Brentano in die Schranken. Er, der stets Gegner einer gesetz lichen Festlegung des Achtstundentages war, erhob das Banner des Achtstundentages und damit das preisgegebene Banner der bürger. lichen Sozialwissenschaft und seiner Schöpfung, des Vereins für Sozialpolitit. Seine Abrechnung mit Hertner enthält jo treffliches Beweismaterial für den Achtstundentag und eine so glänzende Rechtfertigung der Bergangenheit des Vereins für Sozial politit, daß der ADEB. sich entschloß, die Artikelferie Brentanos der Arbeitnehmerschaft in einer besonderen Broschüre zugäng lich zu machen Sie verdient die meiteste Verbreitung in unseren Kreisen und einige Beachtung auch in den Kreisen der fozialistischen Sachverständigen" gegen den Achtstundentag. F. Eztorn. UE DIE NEUE Manoli IN DER ROM TR Virginia Neubauer arbeitet mit den Mitteln tonservativer, christlich sozialer Färbung. Nach ihm ist z B. das Sozialistengelei nur deswegen zu mißbilligen, weil es nichts genügt hat. Das ganze Buch ist Mach'anbetung, Heldenphrase, Bismard- Mythologie! weit über diesen tendenziösen Machwerten und Baufbüchern steht als Bersuch der Teubnersche Grundriß für die Oberstufe( Bd. II: Mittelalter, Bd. IV: Neueste Beit) von Schnabel. Letzterer bringt nach Inhalt und Form ein wissenschaftlich hochstehendes, politisch ziemlich einwandfreies Arbeitsbuch. das geeignet ist, dem Geschich's unterricht die ihm notwendige Höhe und Bedeutung zu verleihen. Erwin Marquardt. Literatur und Kunst. Ludwig Marcufe: Strindberg. Das Leben der tragischen Seele Franz Schneider Verlag, Berlin, Leipzig. Eine philosophische Biographie" nennt Marcuse sein StrindbergBuch. Es gibt nur einen ähnlichen biographischen Versuch, Simmels Goethe- Buch. Man darf den Bergleich wagen, der zugleich ein Urteil ist. Auf acht Bogen ist mit bewundernswerter Konzentriertheit das Wesentliche über das Phänomen Strindberg gesagt, demgegenüber alle früheren Interpretationen flach erscheinen. Marcuse erfaßt den Dichter als Inpus, als Typus des tragischen" Menschen( im Gegenjag zum gläubigen" und ungläubigen"), als Typus des Menschen der unauflösbaren Gegensäge, des Menschen mit mehreren Jchen, die zeitlebens im Kampf liegen. Am Got'fucher, am Politiker, am Künstler und am Manne Strindberg weist Marcuse die Erscheinungen dieser Tragit nach. Man tönnte gegen Marcuse einmenden: er schreibe zu kompliziert, er hätte manches einfacher ausdrücken fönnen. Doch dann ginge ein Hauptreiz seines Buches, das Mitschwingen von Hunderten von Fachausbrüden, die gewiß nur dem Fachphilofophen mit ihrer ganzen Atmosphäre zugänglich sind, verloren. Mar cufe hat erfreulicherweise so viel zu sagen, daß er manches nur durch Anschlagen eines Terminus technicus andeuten fann. So gehen dem mitproduzierenden Lefer nur viele neue Berspektiven auf, die er selbständig verfolgen kann. Der anspruchsvclle Titel: Das Leben der tragischen Seele wird gerechtfertigt. Das Buch wächst am Fall Strindbern über den Fall Strindberg hinaus zu einer Analyse der Gegenwart und des Gegenwartsmenschen überhaupt imd wird zu einer philosophisch- psychologischen Zeitkritit, die man den ZIGA RETTE Nr.77 MEL- PACKUNG 3 PFENNIG tiefft schürfenden Büchern der letzten Jahre an die Seite stellen darf. Wohlgemerkt: die Kenntnis des Lebens wie des Werkes Strindbergs find Voraussetzung für die Lektüre. Wer sie erfüllen fann, wird das Buch nicht rasch beiseite legen. Dr. D. E. H. Frih Karpfen: Desterreichische Kunst. Literaria- Berlag, Leipzig- Wien. Gibt es eine öfterreichische Runft? Wir sind glücklich, eine deutsche Kunst, eine wirklich deutsche Kunst seit dem Kriege zu befizen, und es soll unsere Sorge sein, zu verhindern, daß sie durch wesensfremde Einflüsse von außen her denaturiert wird. Aber eine öfterreichische Kunst? Ich geftehe, daß ich mir nicht viel darunter denken kann. Das schön ausgestattete, mit 111 guten Abbildungen geschmückte und flott geschriebene Buch von Fritz Karpfen will uns von einer folchen Kunst erzählen. Es berichtet von Ostar Rotoschta und Egon Schiele, die zwei ganz große Künstler find, von Gustav Klimt, der ein geschmackvoller und fultivierter Deforateur war, und von anderen, die als mehr oder weniger guter Durchschnitt gelten fönnen. Was an allen diefen spezifisch österreichisch ist, wird aber nicht deutlich gemacht. Schade. Bielleicht steckt doch etwas dahinter und man würde die besondere Note erkennen, wenn man Gelegenheit hätte, die Faistauer, Fischer, Zülow, Ambrofi ufw. in Originalarbeiten zu genießen. Nach den Worten des Berfassers find fie eigenartige Genies, nach den Abbildungen erscheinen sie bestenfalls als geschickte Nachahmer berühmter Muster. Eine Ausstellung österreichischer Rünstler fönnte uns wiffensdurstigen Berlinern die Aufklärung geben, die wir in dem Buche Karpfens nicht gefunden haben. J. S. Philosophie. David Friedrich Strauß: Der alte unb der neue Glaube. Ludwig Feuerbach: Die Unsterblichteitsfrage. Ludwig Feuerbach: Das Wesen der Religion. Dr. Heinrich Schmidt: Philosophisches Wörterbuch. Sämtliche Bände im Verlage von Alfred Kröner, Leipzig. 1923. Die Taschenausgaben des Kröner- Berlags haben den Vorzug, in einem ausgezeichneten und gut leferlichen Drud, fowie haltbarem Einband bei verhältnismäßig billigen Preisen bekannte Hauptwerte der Philosophie zu umfassen. Die einleitenden Borbemerkungen halten sich durchaus in den notwendigen Grenzen. Das Wichtigste ist, daß die Ausgaben sorgfältig bearbeitet und herausgegeben sind. Ueber die 3medmäßigkeit und Güte des Philofophischen Wörterbuchs wird das Urteil je nach dem Bildungsgrad und den Bedürfniffen des Lesers verschieden ausfallen. Das vorliegende Wörterbuch bemüht sich, denkbar populär zu sein, und wird sicher viclen, die versuchen, in die philosophische Literatur einzubringen, Möbel- Cohn verkauft gegen bar oder bequemste Teilzahlung zu billigsten Preisen: Möbel Teppiche Schlafzimmer, Speise-, Herrenzimmer, Klubgarnituren, Küchen, Einzelmöbel Portieren, Gardinen Stores, Tischdecken, Steppdecken, Ruhebettdecken Anzahlung nach Uebereinkunft.= Im Osten Gr. Frankfurter Str. 58 Im Norden: Badstr. 47-48 of Gesundbrunn. Minut. vom Bahn( 5 Minuten vom Alexanderplatz) Verkäufe neue Sofen liefert billig Rothstein, Bernauerstraße 40. Gefell | eine dankbar begrüßte Unterstützung bieten. Bet tieferem Einbringen in den Stoff wird es freilich bald als unzulänglich em funden werden. Völkerkunde. emp Neue Bücher. ( Besprechung der eingegangenen Schriften bleibt vorbehalten.); J. Bryce, Moderne Demokratien, Drei- Masten- Berlag, München. Dr. W. Cohn, Ein Lebensbild von Karl Marx, Verlag Bollswacht- Buch handlung, Breslau. A. Döblin, Berge, Meere und Giganten, Berlag S. Fischer, Berlin. Dr. L. A. Hahn, Unsere Währungslage im Lichie der Geldtheorie, Frank furter Sozietätsdruckerei, Frankfurt a. M. Dr. D. Haufer, Urwaldtiere, Thüringer Verlagsanstalt, Jena. Prof. J. Hermann, Das Neue Baterunjer, Thüringer Verlagsanftalt, Jena. Graf M. Karoly, Gegen eine ganze Welt. Mein Kampf um den Frieben, Verlag für Kulturpolitit, München. B. Kropoitin, Gerechtigkeit und Sittlichkeit, Verlag Frizz Kater, Berlist. G. Landauer, Beginnen. Auffäße über Sozialismus, Marcan- Bloc Berlag, Köln a. Rh. Lehner, Die Eroberung der Alpen. Hochalpenverlag, München. 6. Mann, Der Jüngling, Novellen, Verlag Günther Lange, München Diktatur der Bernunft, Berlag: Die Schmiede, Berlin. Prof. H. Naumann, Die deutsche Dichtung der Gegenwart, Berlag J. B. Meşler, Stuttgart. Karl Sapper: Die Tropen. Natur und Mensch zwischen den Bendetreifen. Streder u. Schröder- Berlag, Stuttgart. 1923. Sappers Darstellung, die von zum Teil vortrefflichen photographischen Aufnahmen unterstüßt wird, bemüht sich in ausgezeich neter Weise, die charakteristischen Eigenschaften der tropischen Natur, der Pflanzen und Tierwelt wie der in den Tropen wohnenden Bevölkerung zu schildern Das Buch gehört zu den wenigen Werten, die wissenschaftliche Zuverlässigkeit mit populärer und lebendiger Schilderung zu verbinden verstehen. Es gibt zwar, da es die Tropens gebiete aller Erdteile behandelt, teine erschöpfende Darstellung. An manchen Stellen empfindet man die Betrachtung aller durchaus nicht. immer gleichartiger Tropengebiete als Mange. Vor allen Dingen fehlt eine genügende Ergänzung der geographischen Schilderungen Immerhin durch ausreichendes volkswirtschaftliches Material. geben die Schlußkapitel doch einen Überblick über die wirtschaftliche Ausbeutungsmöglichkeit der Tropen. Alles in allem fann das Bert durchaus empfohlen werden. Technik. E. R. Eine Einführung in die Empfangstechnik der drahtlosen Runft will das handbuch des Rundfunfteilnehmers" im sein, das Walter H. Fiße zum Verfasser hat und Berlag von Rothgießer u. Diefind A.-G., Berlin, erschienen ist. Ein Borzug des Buches sind die einfachen und gut erläuterten Schaltthemata. Auch die Erläuterung der Elektronenröhre ist durchaus gemeinverständlich geglüdt. Dagegen ist der Abschnitt über die Antennen recht stiefmütterlich behandelt. Es fehlt hier völlig der Hinweis auf die Zimmer und sonstigen Erfaßantennen, mit denen unter Umständen redyt gute Empfangsergebnisse erzielt werden, die denen der teueren Hochantenne nicht nachstehen. Bum mindesten sollte ein Handbuch für den Rundfunkteilnehmer" auf diese Mög lichkeit, die Anlagekosten zu vermindern, hinweisen. Zur Anlage einer Hochantenne ist immer noch Zeit, wenn mit den einfacheren Mitteln fein genügender Empfang erzielt wird. Heute zwar ist in Deutschland der Rundfunt noch fast ausfchließlich eine Angelegenheit der wohlhabenden Kreise, denen einige Mart höherer Anlagefoften wenig bedeuten. Die Entwicklung wird hoffentlich eine Berbreiterung des Hörerkreises für die Rundfunkbarbietungen bringen, und wenn dann das fonft für eine Ein führung in die Radiotechnit recht brauchbare Buch diesem Umstande Rechnung trägt, wird es eine stets willkommene Gabe sein. W. M. Klubgarnituren, Tischdecken " M. Scheu, Umfiurzfeime, 3 Bände, Wiener Bolfsbuchhandlung, Wien. Prof. C. Schmidt, Geld und Schivundgeld" zauberei. Silvio Gesells Er lösungsbotschaft, Verlag J. H. W. Diez Nachf., Berlin. 2. N. Tolstoi, Auferstehung, Verlag Bruno Cassirer, Berlin. Troeltsch. Speftator- Briefe, Auffäße über die deutsche Revolution und die Weltpolitit 1918/22, Berlag J. 6. B. Mohr, Tübingen. W. Wilson, Memoiren und Dokumente, herausgegeben von R. St. Baler, III. Band, Verlag Paul List, Leipzig. Das neue Schlichtungswesen, Ein Wegweiser für Betriebsräte und Bei fizer. Industrie- Beamten- Verlag, Berlin. Die internationalen Arbeiterbildungsbeftrebungen. Bericht über die Arbeiterbildungskonferenz in Brüssel am 16. und 17. August 1922, herausgegeben vom Internationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam. Gegen rauhe aufgesprungene Haut CREME MOUSON vollkommenstes Hautpflegemittel Creme Mouson Seife* Creme Mouson Rasierseife * 7.90, Fahrrabhändler. Borteilhaftefte Be- ietsfachen, Beratung, Bertretung!| Diwandeden 9,50, Rorbfeffel 7.50. Läufer augsquelle. Schlawe, Beinmeisterstraße Mietssyndikat, Lothringerstraße 47. Che123/3 maliger Cinigungamtsvorfigender. ftoffe 1.75, Teppiche, Brüden. Siebert, pier. Große Frankfurterstraße 33. Rabreparaturen fhnellftens, preis Straf, Rivil, Mietftr., Unterhalts. Batenimatragen 12.75, Auflege- würbig. Schlawe, Beinmeisterstraße tlagen und Ehescheidungen. Rat und matragen, Metallbetten. Chaiselongues. vier. 123/5 Auskunft fostenlos. Reichsverband d. 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