Ke. 5 lö. Naez lp£4 Vellage öes vorwärts Gesthlchte. Xadokf Xocken Johann Most. Da« Lebe« eine« Re» Sellen. Verlag:.Der Syndikalist". Verlin 1924 In dem Buch« R. Rockers rollt sich dramatisch d« Leben eines Ziebellen, eines Gewaltrevolutionärs Vkmquischer Prägung ab. Mit Mösts Tod scheint auch jene Anschauung entwurzelt zu sein, die sast wundergläubig, von einer spontanen Volkserhebung die Befrewng der Gesellschaft und den Wohlstand flir olle erhofste. Es ist be- zeichnen� daß Rudolf Rocker die Vorrede zu seinein Buch von einem f.ähersn Terroristen. Alexander Verkmann, schreiben läßt, der das viel erörterte Altentat auf den Peiniger und V'utsauqer der eiomsteader Arbeiter, auf Frick. ausgeführt hat. Berkmann schreibt zvörtKch:»Es war die traditionelle Auffassung, die von den meisten Revolutionären jener Tag« geteilt wurde, von einer spontanen, un- vorbereiteten und planlosen Erhebung des Volkes gegen feine Herren — eine Erhebung, welche nach einem kurzen physischen Kampfe gegen die»Handvoll Unterdrücker der Menschheit" ganz automatisch, sozusagen au» sich selbst heraus, Freiheit und Gleichheit auf Erden r-nd W ohlstand Mr alle etablieren könne. Dies« durchaus falsch« und gefährliche Auffassung über den Charakter der sozialen Revolution fand ihren Ausdruck in Mösts wiederholter Behauptung, die ich Wiusig von ihm hörte:»Hätte ich hundert entschlossene Manner zur Bersügung, so würde ich schon morgen eine Revolution in New Park lervorrufen" Die Auffassung Mösts von der sozialen Revolution, hinter der ein heißes, elementar durchbrechende» Temperament stand, weitete nach den ersten großen sozialiftengesetzlichen Hetzjagden die schon destehend« Kluft zwischen Most und den in Deutschland wirkenden sozialdemokratischen Führern so klaffend au», daß sie nicht mehr überbrückt werden konnte. Persönliche Entgleisungen sind von der Mostschen wie von der Liebknecht-Bebelschen Parteigruppe in dem ersten Jahre der Herrschaft des Ausnahmegesetzes sicher festzustellen, e.bsr st« erklären nicht ben schließlich unvermeidlichen Bruch zwischen beiden Richtungen.»Mösts ganzes Temperament drängte ihn." so schreibt Rocker,»nach einer radikaleren Entwicklung seiner Ideen, «ogu ihm durch seinen Aufenthalt im Ausland die beste Gelegenheit boten wurde. Ein Bruch Zwischen ihm mid der alten Partei war daher, unserer Auffassung nach, auf die Dauer unvermeidlich." Anarchist war Most durch Dave geworden— und Terrorist hirrdj Reinsdorf; das Rebellenblut in ihm hatte seinen Schritt zum Ierrarismus sehr erleichtert. Mit den Augen des Gewaltrevolutio- närs betrachtete er die Haltung der deutschen Sozialdemokratie, die sich in der Oeffentlichkeit, tn den politischen Kämpfen der Lett als lebendige, umgestaltend« Kraft betätigen wollte. Mösts re» rolutlonäre Propaganda mußt« die Partei tätigkeit notwendig aus der Oeffentlichkeit in die Konventikel von Neinen Verschwörergruppen legen, Most wurde zum Carbonari, der sich in der allerschärfften und aller person'ichsten Verurteilung der noch gesetzliche Bahnen ein- schlagenden Bestrebungen der Sozialdemokratie nicht genug tun tonnte. Wer nun das harte Ringen zwischen der deutschen So- Aiaidemokrotie und der Mostschen Lerschwörergrilppe sachlich werten will, der muß sich die Ziele und die Kampfesmethoden beider Rich- timgen klar vor Augen stellen. Dann gewinnt er auch erst die richtig« Distanz zu dem persönlichen und«llerp-rsönlichsten Moment de« heftigen sozialistischen Parteistreii». Nach unserer Ansicht ist eine objektive Würdigung diese» Streits nur möglich, wenn man durch charakteristisch« Auszüge aus der Mostschen»Freiheit" zeigt, was und wie Most gegen die Sozialdemokratie schrieb. Und in diesem Punk: weist die Rockcrsche Arbeit über Most wesentliche Lücken auf. Was aus der Sozialdemokratie geworden wäre, wenn sie in die Fußtapsen Johann Most« getreten hätte, das kann man ungefähr ahnen, wenn man die von den Bluttoten der Kammerer und Stell- rnacher befleckt« Geschichte der radikalen österreichischen Bewegung studiert. Und beide Blutmenschen sind van Most verherrlicht worden! Welche» Unheil hoben schon 1880 die machiavellischen Grundsätze des von Nctschaftw verfaßten»Revolutionären Katechismus" angerichtet. Rocker schildert selbst die völlig« Entartung der österreichischen radi- kalen Bewegung, die schließlich da und dort zu Taten führt«,»die man mit einer gesunden Auffaffunq der Dinge überhaupt nicht mehr vereinbaren konnte". Es ist verdienstlich von Rocker, daß er«in klares wenn auch etwas rrtouchiertes Bild des österreichischen sozialistischen Radikalismus gibt, dem nicht zuletzt Johann Most le- Hendiqen Odem eingehaucht halle. Der»Johann Most' Rockers ist mehr als eine wann empfunden« •Biographie dieses temperamentvollen Gewaltrevolutionärs, sie ist fast zu einer Geschichte der modernen anarchistischen Bewegung qe- worden, und als so'che bereichert sie uns durch manche charakteristische Einzelheit über Persönlichkeilen wie John Neue, Reinsdorf, Peukert nfw Es ist«In« vom anorchistisch-syndikalistischen Standpunkt aus gesehen« Beschichte dieser Bewegung, und der Sozialdemokrat wird über st« vielsoch ander« Werturteile prägen als Rocker. Paul Kampffmeyer. Georg Förster. Das Abenteuer seines Levens. Unter Medergabe oieler Tagebuchetntragungen erzählt von Wilhelm Lang«. wiesche. Verlag W, La ngewiesche. Brand, Evenhausen und Leipzig, 1928. Das Leben eines deutschen Intellektuellen, eines Meltenfahrers und Revolutionärs zwischen 1750 und 1793. In früher Jugend schon kann Georg Forster, der fast vergessene und verschollene gläck- zende deutsche Schriftsteller, den Erdumsegler James Cook aus seinen Reisen begleiten. Seine Schilderungen der Südsee, die Bilder pa» radiesisch.glücklichen Lebens in Tahiti begeistern ganz Deutschland. Kaum semals wurde ein Jüngling mit größeren Hoffnungen, mit größerem Ueberschwanq an deutschen Höfen und Universitäten«mp. fangen wie der junge Forster, als er, aus England kommend, mit dem Ruhm des Weltmnfahrcrs, des genialen Wegweisers für neue For- fchungsgebiete im Deutschland der Fürstenhöf« der Vorrevolutions- zeit Unterkunst und Arbeitsmöglichkeit sucht. Der Mann, von dem Goethe mit Achtung sprach, der allen deutschen Geistigen des aus- gehenden achtzehnten Jahrhundert als ein« Hoffnung galt, endet, kaum vierzigjährig, einsam und verlassen, vergessen und verschmäht. als„Vaterlandsverräter" verleumdet, im revolutionären Paris, wo er für die Revolution kämpft und stirbt, ohne doch in ihren Wirren und In ihrer Entwicklung festen Fuß zu fassen. Forsters Schicksal, sein Aufstieg und Niedergang, gewiß ver- bunden mit vielen personlichen Zügen, verquickt mit Menschlich-All- zumensch'ichem. enthüllt doch den ganzen dcrnschen Jammer. Di« Heimatlosigkeit, das rastlos« Hin- und Herwandern von Ort zu Ort. die Unmöglichkeit, zu festen Leistungen und festen Bindungen zu kommen, entspringen nicht nur der bei Forster gewiß nicht megzu- leugnenden Undisziplinierthett, sie spiegeln auch das Schicksal eines weit über den Durchschnitt hinaus begabten Intellektuellen wider. Di« Abhängigkeit von Fllrstengunst, das Elend deutscher Kleinstaaterei, proletarisiert und revolutioniert den von Haus aus schon von unruhigem Wondertrieb Erfüllten. In seinen Briefen und Tage- büchern, die liebevoll und geschickt in der Langewieschen Sammlung zusammengestellt sind, spürt man den Geist der Zeit, fühlt man deu:- lich den Untergrund heraus, den Schüler in feiner„Kabal« und Liebs" so lebendig gezeichnet. Wer am Schicksal eines einzelnen sich in deutsche Vergangenheit oertiefen, die Hemmnisse unserer Auf- wärtsenttvicklung in ihren Quellen aufspüren will, wird in diesen Zeugnissen eines Opfers deutschen Elends viel Anregung finden. E. Reuter. Politik. Hans yerzfeld: Die deutsche Rüstnngspolltik vor dem Kriege. Kurt Schroder-Verlag, Bonn und Leipzig, 1923. Lurt Hesse: Der Triumph des Militarismus. Um Rüstung uud Abrüstung. Verlag E. E. Mittler und Sohn, Berlin 1923. Diese zwei fast gleichzeitig in die deutsche Bücherwelt getretenen Schriften stehen in eigentümlichstem Gegensatz. Di« erste wendet sich ausschließlich zur Vergangenheit, ohne daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen: die zweite behandelt das Geschehene nur soweit, wie es zum Verständnis des Geschehenden notwendig ist. Die Dar- stellung des Hallenser Prioatdozenten über das rüstungspolitisch« Problem der gestürzten Monarchie steht Menschheitsftagen fremd gegenüber: dem Verfasser scheint nicht einmal der Weltkrieg um- stürzendes Erlebnis geworden zu sein. Die Darlegungen des Ober- leutnanis der republikanischen Reichswehr atmen die menschliche Tragik des Berufssoldaten, der das tödliche Waffenhandwerk ausübt. Beide Studien beruhen auf gründlicher Kenntnis und Auswertung eines umfangreichen und schwer zu beschaffenden Stoffes, und beide gliedern ihn anschaulich vor dem Leser: in dem scharf pointierenden Stil des einen drückt sich die unprablematisthe Sicherheit des bewußen Nationalisten aus; aus der warmherzigen Ausdrucksweis« des anderen erkennt man das tastend« Suchen eines Militär», der nach einem klaren Standpunkt in den internationalen Problemen ringt. Herzfeld kritisiert die deutsche Rüstungspolitik nicht an sich, sondern weil er sie von seinem Standpunkt eines Nationalisten und Militaristen als ungenügend betrachtet. Er kommt hierbei zu einer scharfen Verurteilung der»Halbheiten" und„Unzulänglich- kellen" der Politik Dethmann Hollwegs, während er auf der anderen Seite Ludendorss lobt, der tn nicht eigentlich leitender Stellung als einzig Energischer sich der Forderung annahm,»alle vorhandenen Kräfte militärisch auszunutzen". Bethmanns„Willkür aus Schwäche" und des Kaisers„unheimliche Plötzlichkeit" hätten den Ausschlag in dem Krieg des Generalstabes gegen das Kriegsministerium gegeben. Jnreressant ist folgende Mitteilung des Verfassers: Ludendorff wurde vom General v. Wandel einmal ins Gessch' gesagt, wenn er es mit feinen Forderungen fo weiter treib«, werde er es in wenigen Jahren zur Revolution bringen. Nicht minder interessant sst da» Urteil Herzfelds: kein materieller Wohlstand hätte— auch ohne Krieg— noch sehr lange dies kaiserliche Deutschland über die Schäden Hinweg- täuschen können, die es moralisch durch seine.schlaff« Zügelfuhrung" erlitt. In den Ländern der Emente ist e» kein« Frag« gewesen, daß die deutschen Rüstungen sofort durch neue umfassend« Maß- nahmen überboten wurden. Frankreich rafst« all« ZI rüste zusammen, um trotz seiner sinkenden Menschenzahl seine Großmachtstcllung bis aufs äußerste zu bewahren. Ueber die Grundgesinnung der fran- zösischen Regierung unter dem maßgebenden Einfluß Poincares beftelst historisch nicht der Schatten eines Zweifels. Ihr gegenüber hat der französische Sozialismus der Bewegung gegen die Heeresvermchrung«ineb einheitlich: n Schwung zu geben ver- macht. Freilich unterlag sie der chauvinistischen Hcchflut, die in ge- schickter Ausnutzung der Blöße der deutschen Press« mtt einer An- erkennung erzwingenden Geschicklichkeit.erzeugt wurde. Am schlimmsten für die Rettung des Wettfriedens in letzter Stunde ist wie in Deutschland so auch in Frankreich gervesen, daß der an Zahl größere Teil des. Volkes sich immer wieder mit Illusionen über den unerbittlichen Ernst der Stund« hinwegtäuscht« Au» dieser Elim- mung heraus wurde dem Nationalismus das Arbeitsfeld überlassen. Das Buch Herzfelds endet mit folgendem charakteristischen Satz: „Nicht aus einem Uebennaß selbstvertrauender Kraft. sondern durch Schwäch« und Hilflosigkeit innenpolitisch eingestellter leitender Persönlichkeiten ist Deutschland ungenügend gerüstet in den Schick- iolskampf getreten, den dos gleich« System der Unzulöngllchked hat vertieren lassen. Das Volk aber hat es furch'bar gebüßt, daß es aus Gleichgültigkeit, Vertrauensseligkeit und polittscher Unfertigkeit nicht oerständen hat. seine Lag« rechtzeitig zu durchschauen." Hesse faßt das durch den„Triumph des Militarismus" ge- schaffen« Problem in der Einlei'ung über die Beziehungen Mischen Heer und Wtttschast wie folgt zusammen: Deutschland hat ab- gerüstet. Es ist an der Zett, daß die anderen Mächte folgen. Oder wir verlangen um unserer wirtschaftlichen Eristenz willen, daß man einsieht, daß auch bei uns der Machtfaktor für die Abrechnung im Hauptbuche nich' fehlen darf. Er zeichnet das militärische Bild Europas, stellt dann Dreibund und Dreiverband militärpolitisch neben- einander und ski.zziert schließlich Europa n a ch den Fnebensverttägen mit seiner militärischen Friedensgruppierung und seinen Militär- tcmventionen. Wie die Bölkerbundsabrüstungskommission. ans deren Veröffentlichungen die Schrift das meist« schöpft, legt er der»Orga- nisatton der Rüstungen" da» Jahr 1922 zugrunde. Der sich daran schließende Gesamtüberblick über die Rüstungen der«uropätscheu Staaten auf Grund de, Völkerbundmaterial» stimmt in großen Zügen mtt den kürz'Ich im englischen Oberhaus gemachten Angabe» überein. Da« vuch schließt mit folgenden leidenschaftliche» Worten: „Nach Sonn« sehnt sich ein« Menschheit.. noch nicht genug des einen Wettenbrandss. zieht schon das zweit« Wettengewitter auf.. den Unternang der Kultur zu hindern, ist jetzt unser einziger und letzter Gedanke. Es geht der Schrei in die Wett hinaus: seht die Gefahr, die von Frankreich droht! Werft Euch mtt letzter Kraft«ia«r wahnwitzigen Politik entgegen! Rettet Frankreich oar sich selber«nd rettet damit die Menschheit!" Während Herzfeld aus anderen Gesichtspunkten wie die Sozial- demokntti« zu einer Verurteilung des alten System» gelangt, lehrt uns Hess«, daß die deutsche militartsttsch« Strömuno der Jetztzeit nur durch internationalen Kampf für die Abrüstung zurückgeschlagen werden kann. Beide Bücher au» dem bürgerlichen Lager zeigen dem Pro'etariat die Wirklichkeit, in der e» lebt, und stärken den Willen, durch eine aktive international« voll- t i k im Geist« des Soziallsmus und de» Völkerbunde» Deutschland den Weg aus dem europäischen Gefängnis zu bahnen. Wolfgang Schwurt Strafrecht. Joseph Popper-eyn?««»: Philosophi«»«, Strafrecht» R. Lowitz-Veriag, Wien u-nd Leipzig. 1924. Dem Sozial- und M alphilosophen Popper-Lynkeu» war m- fruchtbare Spekulation zuwider. Die Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge und der sozialen Nöt« unserer Zett ging bei ihm Hand in Hand mit der schöpferischen Gestaltunq neuer gesellschoft- l icher Formen. So unternahm er es, den wissenschosttich gut be- grün beten Nachweis zu führen, daß bereit, in einem gewissen Ueber. tzcmgsstadium zur sozialistischen Ge�ellschastsordnung ein« Dienst- Pflicht einiger Jahrgänge genügen wurde, allen Mensche» Nahrung, Wohnung, den nötigen Komfort, ärztliche Behandlung und die Be- fricdigung geistiger Bedürfnisse zu gewähren. Am verbrechen, als krassestem Ausdruck einer am sozialen Widersinn trankenden Zeit, konnte er natürlich nicht stillschweigend vorübergehen: die Straf«. die durch ihre Ausgestaltung und Auswirkung selbst zur nie oer» flegenden Quelle des Berbrechens geworden ist, mußte von ber fozialen und fittlichen Seite her feine Aufmerksamkeit fesseln. Was in feiner Schrift leter die notwendige Berbesserung unferer Strafgesetzgebung" zu lefen ist, ist bewunderungswürdig. Popper- Lynteus hat bereits im Jahre 1878 Gäge aufgestellt, die der frziali.ische Profeffor Enrico Ferri im Jahre 1921 in dem " Borentwurf eines italienischen Strafgesetzbuchs" zum ersten Male als durchgearbeitetes, planmäßig aufgebautes System der Oeffentlichteit übermittelt hat. Bon der Strafe als llebelzufügung bleibt nich s übrig. Mit der Bergeltungstheorie, die nichts anderes als ein Ueberbletofel von Rachegelüften ist, und der Abschredungstheorie, die heute weber die Zahl der Verbrechen noch ihre Grausamkeit per mindert hat, wird endgültig aufgeräumt. Als einzige würdige Aufgabe des Strafgefeges und Strafvollzuges bleibt der Gesell fchaftsschuh. In fnappen Worten formuliert Bopper- Bynkeus die nur langsam in das Bewußtsein der Strafrechtslehrer einbringende fortschrittliche Auffassung von Berbrechen und Straje. Die Frage, wie find in Anbetracht des Sicherheitszwedes jene Menschen zu behandeln, die froß der vorbeugender und warnenden Maßregeln dennoch andere Menschen verletzt haben", beantwortet er dahin, daß das Magimum der S.cherheit bei gleichzeitigem Minimum der den Uebeltätern auzu fügenden Uebel gewahrt werden muß, wobei die Sicherheit stets den ausschlaggebenden Borrang hat. Tedes dem Verbrecher zugefügte Uebel foll ste s nur eine fefundäre Folge des Schutzes der Gesellschaft fein. Gelehrte Richter müssen die Tatsache der Rechtsverletzung fest ftellen; eine Sicherheitsjurn soll aber darüber zu entscheiden haben, de gegen den Rechtsverleger Schutzmaßnahmen nötig sind. Ebenso soll ein Revisionstribunal, dem Jahr für Jahr alle Sachen derjenigen Bersonen vorgelegt werden, gegen die Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, darüber zu bestimmen haben, ob diese Maßnahmen noch länger aufrechterhalten werden müssen. Diese Borschläge wären zum Teil schon heute durchführbar, wenn nicht der Unverstand der Herrschenden es vorziehen würde. jährlich Hunderttausende von Men schen dem Verbrechen und der Strafe zu opfern, statt aus dem Sumpf Der Gegenwart auf Neuland zu treten. Die unterdrückten Klaffen müssen dem Problem des Strafrechts und des Strafvollzuges viel mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen. Die Seelenqual von tausenden Arbeitslosen, die, durch das grauenhafte Elend der legten Zeit schuldios schuldig geworden, Anklagebant und Gefängnis fennen gelernt haben, muß an ihre Ohren schlagen. Das Buch Bopper- Lynfeus' genügt nicht als Einführung in Siefe Probleme, aber fein heiliger, fittlicher Zorn gibt dem Lefer viele An. regungen. Wer in diese Fragen tiefer eindringen will, findet in der Schrift von Prof. 2fchaffenburg: Die sozialen Urfachen des Berbrechens und ihre Betämpfung und von Dr. Kriegs. mann:„ Einführung in die Gefängnistunde die nötige Anleitung. Sozialpolitik. Justus. amt in Genf. Bisher tagten internationale Arbeitsfonferenzen 1919 in Washington, 1920 in Genua und 1921, 1922 und 1923 in Genf. Es wurden insgesamt 16 Entwürfe internationaler lebereinkommen und 20 Borschläge beschlossen. Bis Dezember 1923 maren in 91 Fällen internationale Uebereinkommen von Mitgliedsstaaten ratifiziert und in weiteren 17 Fällen waren solche von Mitgliedsstaaten genehmigt, jedoch noch nicht angemeldet. Die Ratification von Üebereinkommen ist in 140 Fällen empfohlen worden. Eine Tabelle zeigt den Stand der bis 1. Dezember 1923 erfolgten Rati fitationen an. Die meisten Uebereinkommen, 14 an der Zahl, be treffen die Arbeitsicfigteit, 12 das Phosphorverbot, 11 die gewerb liche Nachtarbeit der Frauen und die der Jugendlichen. Breumbe für bie Zeffynff, bie je moj Anmer weer gerbege glaublichen Verständnislosigkeit bet einem großen Tell der Menschen zu ringen hat. Einzelheiten allerdings, wie z. B. die sonderbare Ansicht, die Coudenhove- Calergi in feinem Auffah Technische Wel tenwende" über den Sozialismus entwidelt, bieten Anlaß au ernfter Stritit. So sehr bie Technik Schäßung verbient, fo unangebracht en fcheint es aber auch, sie zu überschätzen. F. Fachs: Grundriß der Funfentelegraphia. Ben lag Dot R. Oldenburg, München und Berlin, 1924. Die Literatur, die über das funtmefen unterrichten mill, wächst in gleichen Verhältnis wie das Intereffe der Deffentlichkeit an diesen Dingen. Die Arbeit von Fuchs gibt in flaret, tnapper, Tehrbuchartiger Form Fehlinger gibt im ersten Teil seiner Schrift eine geschicht eine gute Uebersicht über die Funtentelegraphie. Sie feht jedoch ge tiche Uebersicht der ersten Bestrebungen auf Internationali nügende physikalische Borbildung voraus. Das 94 Selten farte fierung des Arbeiterschutzes und über die Gründung der internatio- Heft ist insbesondere benen zu empfehlen, die tiefer in die Geheim nalen Arbeitsorganisation. Der zweite Teil behandelt die rechtlicheniffe der Funterei einbringen wollen, ohne größere Mittel zur Bes Stellung und Mitgliedschaft derselben, der dritte schildert deren Dr- fchaffung umfangreicher und teurer Werte zur Berfügung zu haben, gane und den Berlauf der fünf ersten Konferenzen, während der Billy Mobus.. vierte Teil die Borbereitung ber internationalen Arbeiterfchuhgefeh gebung aufzeigt. Der fünfte Teil enthält als Anlagen die Sakungen der internationalen Arbeitsorganisation und die von den Konferenzen bisher beschlossenen Entwürfe von Uebereinkommen und Borschlägen, darunter den Entwurf über die Festsetzung der Arbeitszeit in gewerbfichen Betrieben auf acht Stunden türlich im Wortlaut. Literatur und Schlagwortverzeichnis bilden den Beschluß. Jedem, der sich auf diesem Gebiete informieren will, fei die Schrift Fehlingers empfohlen. F. Entorn. Technik. W. Cinbner und G. Steinmetz: Die Ingenieurbauten in ihrer guten Gestaltung, Berlag Ernst Wasmuth A.-G., Berlin 1924. In diesem Werke ist der Versuch unternommen, zut zwed- unb formgerechter Gestaltung der Ingenieurbauten anzuregen. Troß der Erkennt nis, daß die Ingenieurbauten, wie überhaupt alles bauliche Schaffen, umwandelbaren Gesetzen unterliegen, ist es flug vermieden worden, diese Gefeße in Formeln zu preffen. Formein können oft recht brauchbar sein, hier aber wären sie läftiger 3wang, ja eine Rette, bie bas freie Schaffen behinderte. Berhältnisse, Zwed und limwelt müssen die jeweilige Form der Bauten bestimmen. Das Buch wendet fich in erster Linie an den geborenen Ingenieur, jenen feltenen Menschen, der sowohl Rechner als auch künstler ist, der aus dem Innern heraus seine Werte so zu gestalten vermag, bak Stoff und Form mit der Landschaft ein harmonisches Ganzes bilden. Es ist das Verdienst unserer Zeit, Ingenieurbauten geschaffen au haben, die nicht nur zweckmäßig, fondern auch hygienisch und ästhetisch gestaltet wurden. Reben ihnen gibt es genug abschreckende Bilder aus der Jugendzeit des Industriealismus, bei denen selbst die Romantil" nicht über das Mangelhafte ihrer Gestaltung hinwegsehen läßt. Ueber die Wirkung der Ingenieurbauten in der Landschaft unterrichtet das reiche und auch von furzen Erklärungen begleitete Bisbermaterial des Werfes beffer als die eingehentste schriftliche Darbellung es vermöchte. Diefe Bilder waren im vergangenen Jahre u. a. auch im Berliner Kunstgewerbemuseum in der Bring- AlbrechtStraße zu einer Sou vereiniat, über die im Borwärts" eingehend berichtet wurde. Schon damals ließ sich das beabsichtigte Bert ahnen und man muß den Berfaffern Glück wünschen, daß die Zeit der Inflation überwunden und so die Herausgabe des Wortes er möglicht wurde. Das Streben, auch die Arbeitsstätten der Menschen menschlicher", d. h. hygienisch und ästhetisch einwandfrei zu ge stalten, liegt im Sinne aller Schaffenden. So ist es zu wünschen, baß dieses Buch weit über die Grenzen der engeren Fachkreise hinaus Verbreitung finden möge. Seber, der es zur Hand nimmt, wird an ihm seine Freude haben. P fchrift„ Schiffbau, Reinhold Strauß R.-G., Berlin. Schiffsäfthefit von Christoph Boigt, Berlag der Zeit Dieses aut illustrierte Mert foricht von der Shönheit des Schiffes in 5. Fehlinger: Die internationale Arbeitsorgani. fation und ihre Ergebnisse, Berlagsgesellschaft des All. gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes m. b. H., Berlin 1924. Die deutsche Arbeitnehmerschaft hatte einige äußere Ursachen, fich der von den Siegerstaaten ins Leben gerufenen Einrichtung der internationalen Arbeitsorganisation zunächst etwas ffeptisch gegen überzustellen. Die Fernhaltung Deutschlands aus dem Bö.lerbunde, jomie bie mißglücke hinzuziehung" der deutschen Bertreter zu der Ronferenz in Washington, die Ausschaltung der deutschen Sprache bei den ersten Beröffentlichungen des Internationalen Arbeitsamts, das alles war nicht dazu angetan, von vornherein allzu große Hoffnungen auf das Internationale Arbeitsamt zu fetzen. Auch als dessen Leiter Albert Thomas vor den Berliner Gewerkschaftsvertretern die Aufgaben des Amtes darlegte und um größeres Butrauen warb, wurde ihm bei aller Würdigung seiner guten Absichten tipp und flar erklärt, daß seine Borschußlorbeeren gespendet werden fönnen. Wir tun auch jetzt noch gut daran, uns feinen Illusionen über die Wirksamkeit des Internationalen Arbeits- alter und neuer Zeit sowohl vom technischen wie auch vom fünfte amtes hinzugeben. Doch um so mehr Ursache haben wir, dessen rischen Standpunkt aus. Es versucht das Werden des Schriffes ous Tätigkeit so weit als irgend möglich 3 u fördern. Nur die genaue der Auffassung und dem Stilempfinden der Beiten zu erflären. Es politik fann verhindern, daß wir sie falsch einschäßen und daß unsere Pritische Einstellung zu einer rein negativen Stellungnahme ausartet Fehlinger vermittelt uns die nötige Kenntnis der Dinge durch seine fachkundige Schilderung des Charakters dieser Institution, an der nicht weniger als 57 Staaten beteiligt find.( Bon diefen Staaten ist nur Deutschland noch nicht Mitglied des Bölfer bundes.) Bei der Schilderung der Aufgaben des Internationalen Arbeitsamtés weist Fehlinger darauf hin, daß ein so großer inter nationaler Apparat felbstverständlich verwaltungsmäßigen und technischen Schwierigkeiten begegnet Man wird dieser Einrichtung nicht gerecht, wenn man Mängel im einzelnen, die selbstverständlich gerade in den ersten Jahren des Bestehens unvermeidbar waren, über Gebühr fritisiert." Für die Beurteilung der internationalen Arbeitsorganisation tomme es legten Endes darauf an, was fie fachlich leistet. Die Tatsache an sich, daß die Arbeitskonfes renzen alljährlich Brobleme der Sozialpolitik behandeln, die dann burch die Bresse aller Länder der öffentlichen Meinung der ganzen Belf vorgeführt werden, bildet eine nicht zu unterschätzende Anregung für den fozia politischen Fortschritt. Kenntnis diefer eigenartigen internationalen Organisation für Sozial Bon den großen Ideen Wilsons scheint sich in der Einsetzung eines Ausschusses für internationale Arbeitsgesetzgebung auf Be schluß des Obersten Rates zu Baris am 31. Januar 1919 ein fleiner Kern fruchtbringend erhalten zu haben. Der Sagungsentwurf dieses Ausschusses zur Bildung einer internationalen Arbeitsorganisation, wie sie bis dahin die internationale Bereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz darstell'e, wurde von der Friedenskonferenz am 11. April 1919 gutgeheißen und so zu einem Bestandteil der Friedensverträge. Organe dieser Organisation sind die internationalen Arbeitskonferenzen und das Internationale Arbeitsn Neue Bücher. ( Besprechung der eingegangenen Schriften bleibt vorbebaften) Johannes R. Becher, Drel byen, Merlag Datar brie, Ronfans Herbert Eulenberg, Bionenbilder, Bruno Caffirer, Berlin. R. R. Coudenhove- Ralergi, Ban- Europa, Ban- Europa- Berlag, Blen Hans W. Fischer, Das Tanzbuch, Albert Langen, München. Georg Engelbert Graf, Bon Mofes bis Dartin. Stammt der Mensch vom Affen ab, büringer Berlagsanftult, Bena, Ernst Haedel, Kunstformen der Natur, 2. Auflage, mit 80 Safein, Biblios graphisches Inftitut, Leipzig. Lubo M. Hartmann, Kurzgefaßte Gefsite aliens, 8. K. Berthes, Goths. 0. Hanjer. Die Urentwidlung der Menschheit. Gebräuche der Urgelt. Dort, wo der Menschheit Wiege ftand. Der Aufstieg der ältesten Kultur, Thüringer Berlagsanftoft, Sena 5. Kawerau, Alter und neuer Geschichtsunterricht, Ernst Dlbenburg, Pelpaty Bani Kornfeld, Palme oder der Getränkte, Schauspiel, Crnit Nowohlt, Der line. . v. üügelgen, Lebenserinnerungen, R. Roehler, Leipzig. Heinrich Mann, Das gaftliche Haus, Komödie, Bünther Lange, Münden. W. Nicolai, Geheime Nächte, S. 3. Soehler, Leipzig. Politisches Handwörterbuch, 2 Bande, herausgegeben von Brof. Dr. Bank Herre. R. F. Roehler, Leizig. 3. Salomon, Englische Geschichte von ben Anfängen bis zur Gegenwart, 3. Sanabel, 1789 bis 1919, Eine Einführung in die Geschichte der neuesten 2. Baerling, Wahrheit und grrium in der Geschlechtspsychologie. Die weibliche Eigenart im Männerftant, G. Braun, Karlsrube Fr. Well, Eschechoslowakei, XI. Band der Kleinen Bölker- und Länderkunde, A. Pertbes, Gotha, Stuttgart. St. F. Koebler, Leipzig. Beit, B. G. Teubner, Leipzig. M. Williams, Die soziale Geschichtsauffaffung, Aromitic& Sohn, Berlin Frauen des Morgenlandes, Die schönsten Märchen aus 1001 Rad Died& Co, Stuttgart. Die Sozialdemokratie im Frankfurter Rathaus, Union Druderet und Be lagsanstalt, Fantjurt a. M. • 3reltes falfifches Jahrbuch des Internationalen Gewerkschaftsbundes, 1923/24, Amiterdam, 1924. der wirtschaftliche Wiederaufbau der Union ber foglalischen Sowjetrep blilen, Gerausgegebett bort der Handelsvertretung in Deutschland. Gegen rauhe aufgesprungene Haut CREME MOUSON vollkommenstes Hautpflegemittel Verlangen Sie in Ihrem interesse Kostenanschlag von uns, M. SCHULMEISTER MSchulmeister Hochbahnstation Kottbuser Tor mit zwei 98.Creme Mouson Seife* Creme Mouson Rasierseife gibt keinen frafferen Gegeniak als zwischen den Schiffen der Barod Büro- u. Kartothek- Möbel- Fabrik zeit mit ihrem äußerlichen Aufpuk an Hed und Gallion, ihren hohen 2ufbauten und ihren uns fo feltsam anmutenden Formen. Nur Fr. Fischer& Co. S026, Elisabeth Ufer 58, Tel. Mpl. 4843. die pomphaften goldüberladenen Bergierungen, die oft von ersten Künstlern frer Seit entro fen und ausgeführt wurden, erhoben damals den Schiffbau über das rein handwerksmähine hinaus. Die Sachlichyteit unserer Tage tommt auch in den Schiffsformen zum Ausdrud. Nur befcheibene Hier ist an Hed und Bua zu fehen. Dafür aber zeichnen fich die Schriffsbauten durch ihre Linienführung und vor allem auch durch die Zwecdmäßigkeit und oft auch Schönheit der inneren Einrichtungen aus In früheren Seiten war das Schiff faft immer Kriegsschiff. Die Handelsschiffe hatten oft gegen Freibeuter anzulämpfen und waren deshalb mit Kanonen und anderen Woffen ausgerüstet. So flingt benn auch in den Ausführungen des Berfaffers immer wieder ein Hauch jener friegerischen Ueberlieferung durch. Die Entwicklung hat heute eine scharfe Trennung zwischen Kriegs- und Handelsfahrzeugen gebracht, ja die Zahl der unbewaffneten Handelsschiffe ist weitaus größer als die der Kriegsschiffe. Das man ein Reichen dofir fein, bok trok offer Rüdichläge der Weg dennoch vom friegerischen zum friedlichen Wettstreit führt. Im ganzen gibt das vorliegende Bert, das auch buchtechnisch gut ausgestattet ist. nicht nur geschichtliche Darstellungen, sondern auch manche beachtliche Anregung. Jahrbuch der Technir. 10. Sahraang( 1923/24), Franchs Tech nischer Berlag, Died u Co., Etuttgart. Der vorliegende Sammelband. der in den letzten 12 to. naten erfchienenen Tedmifchen Monatshefte" gibt wiederum eine recht umfassende Uebersicht über die technische Arbeit, die inzwischen geleistet wurde. In einfach geschriebenen Auffäßen, die vielfach von guten Abbildungen erläutert werden, wirbt der Band um neue ervent Knaben Redund Sportan portanzug Hosen Regenmäntel 20.- D Herren- u. Damen- Stoffe Billigste Preise! in neuesten Mustern, 7.50 325 Größte Auswahl! Imprägn. Gabardine, reine Wolle, modern. Homespun a. Donegals 140 br., Meter 5,25, 4,25 Herren- Anzugstoffe, neueste Strelfen, reine Wolle, 673 Paul Karle Geschäft: Frankfurter Allee 49 150 breit 1. Geschäft: Warschauer Str. 79 2. Neueröffnung! Achtung! Detailverkauf! 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