Nr. 6 ZI. Mai 1925 Hlick in öle Hücherwelt Veilage öes vorwärts Philosophische Politik. Leonard Nelson: S y st e m der philosophischen Ztechts- kehre und Politik. Leipzig 1324. Verlag Der neue Geist, Peter Reinhold. 680 S. Preis 16 M. Der GoUinger Hochschullehrer Leonard Nelson versucht seit sechzehn Jahren in Unioersitätsvorlesungen das Problem der Politik dadurch aus eine neue Grundloge zu stellen, daß er vorerst unter Ausschaltung der verschiedenen Erfahrungstatsachen der Ge- schichte allgemein verbindliche Gesetze der Politik rein gedank- l i ch abzuleiten unternimmt und erst, bis er auf diesem Weg« zu brauchbaren Ergebnissen gelangt ist, die gefundenen Erkenntnisse an der Wirklichkeit mißt. Diese reinliche Scheidung der formal»» und der materiellen— d. h. durch die Wirklichkeit bedingten— Politik scheint ihm deshalb notwendig, weil eine vorzeitige Bermengung der beiden Methoden entweder zum Doktrinarismus oder zum Utopismus führen muß: der Doktrinär nämlich faßt etwas als ollge. meingültig auf, was tatsächlich an die Zufälligkeit gewisser Um- stände geknüpft ist; und der Utopist wieder hält sich einseitig an eine einzige Konsequenz eines Prinzips und oerzerrt so das Leben. Der philosophische Politiker ober, wie Nelson ihn heraufführen möchte, darf erst das gedanklich klar Erfaßte und folgenchtig zu Ende Ge- Sachte auf seine praktische Anwendbarkeit hin prüfen. Die Politik als praktische und zielsetzende Wissenschast gilt nicht dem einzelnen, sondern einer durch einen Zweck verbundenen Viel- heit von Menschen, der Gesellschaft, und setzt ihre Ziele im Rahmen des Staates durch. Nur saßt Nelson den Begriff des Staates mög- lichst well und nennt so jede Form der Gesellschaft, die sich durch einen mit Zwangsgewalt versehenen Willen bestimmt. Lln und für sich kann jeder Zweck mehrere zur Gesellschaft und, wenn«ine wollende Zwangsgewall hinter diesen Zweck tritt, zum Staat ver- einen. Aber ein Staat im ethisch unanfechtbaren Sinne kommt nur zustande, wenn man den unanfechtbaren Obersatz»Es gibt«in Nechtsideal" mit dem aus den Naturgesetzen ableitbaren Untersatz verbindet, daß, um Zwecke durchzusetzen, eine Gewalt notwendig ist. die olle anderen in der Gesellschaft wirkenden Gestalten an Stärke übertrifft. Indem sich diese überlegene Gewall in den Dienst des Rechtsideals stellt, kommt das Ideal des Staates zustande. Träger der Gewall im Staat ist die Regierung. Sie muß politisch unbe- schränkt sein, well sie sonst nicht die allem überlegene Macht wäre, aber sie muß gebunden sein durch das Rechtsideal, mit dem sie steht und fällt. Das Hell der Zukunft erblickt Nelson m dem Durchbruch der Einsicht, daß zwischen der Forderung, die Regierung habe unter dem Gesetz des Rechtes zu stehen, und der anderen, sie habe trotzdem die höchste, durch keine andere Macht beschränkte Gewast der Gesell- schaft zu sein, kein innerer Widerspruch obwalte. Weder was einer, noch was mehrere, noch auch was alle in der Gesellschaft wollen, hat im Staate zu geschehen, sondern allein da«, wovon das Gesetz, die sittliche Einsicht gebietet, daß es Recht sei. Dies« Einsicht ist bei den Weisesten und Gebildetsten zu hoffen, ihnen gebührt daher die Regierung und jene Gewalt, die sie befähigt, das als Recht Erkannte auch durchzusetzen. Sache der Wisienschaft ist es. zu entscheiden, was das Recht objektiv gebietet und wer zur Ausübung des Regentenberufes in der Gesellschaft hinreichend gebildet ist. Nachdem Nelson so, hier an Hegel, dort an Plato erinnernd, die formalen Grundlagen der philosophischen Staatspolitik entwickell hat, geht er daran, sie auf die materiellen Geaebenhellen der tat- sächlich existierenden Gesellschaft anzuwenden. In den drei Haupt- abschnitten»Sozialpolitik�,»Kulturpolitik' und �kriminalpolitik' prüft er die innerstaatlichen Problem«. Den zwischenstaatlichen Fragen(Staatenbund, Völkerrecht, Krieg und Frieden. Gebietsver- teilung) gill das Kapitel.Staatenpolitik' und in der Abhandlung »Parteixölitik' unternimmt er, das Parteiwesen in den Dienst der Idee vom Rechtsstaat zu stellen. Höchster Zweck der Partei muß sein, eine Gewall im Staat« zu ermöglichen, di»dos Recht als Gesetz durchzusetzen vermag, höchstes Ziel der Sozialpolitik, jedem Mitglied der Gesellschaft soviel Wohlstand zu oerschafsen, als für ein menschen- würdiges Leben hinreichend und notwendig ist. Dies«»materielle Staatspolitik', deren Hauptchemen hier em- gegeben wurden, ist zweifellos des Buches schwächerer Teil, weil ihre gutgemeinten und sortschrittfrohen Konstruktionen doch allzu erdfern anmuten. Desto interessanter und beachtenswerter sind die prinzipiellen Auseinandersetzungen der»formalen Rechtslehre und Staatspolitik'. Gegenüber den von der Erfahrung ausgehenden Rechts-, Staats- und Wirtschaftstheorien entwickeln sie absolute, allge- mein güllige Gesetze und bieten so etwas wie den ersten Kompaß. um sich im Meere der widerstreitenden Meinungen philosophisch- kritisch zurecht zu sinden. Sich auf sich selbst zu besinnen und jen- scits der drängenden Tagessragen Entwicklungsziel« und sittliche Zwecke klar zu sehen, muß einen verantwortungsbewußten Politiker locken, und dazu regt Nelson zweifellos an. Die Klarheit, mit welcher er seine komplizierten und tiefgreifenden Schlüsse aus den einfachsten Voraussetzungen entwickelt, ist musterhaft und in der durch einen wissenschaftlichen Jargon besonders arg verseuchten philosophisch- ethischen Literatur außerordentlich selten, der sittliche Ernst, der aus ,edem Worte spricht, ebenso hochstehend wie wohlluend. Wir be- sitzen heute leider nur ganz wenige Hochschullehrer, die so frei, vor- nehm und vorurteilslos den gesellschaftlichen Kämpfen gegenüber- stehen. Dr. Alfred Kleinberg. Bildungsfragen. Fellx Vehrend«: Die Zukunft de» deutschen höheren Schulwesens. Verlag Hirt, Breslau. Georg Witzmann: Probleme de» Bildung« wefen» im Lichte thüringischer Kulturpolitik. Verlag Per» thes, Gotha. Victor Velohoubek: vi« österreichischen Bundes- erziehungsan st alten. Wiener Literarisch« Anstalt. Wien. Felix Behrendt geht von der richtigen Ansicht aus, daß ge- rode in unserer Zeit der polllischen Schwonkun m eine wirklich Dauer oersprechende Schulreform nur gemacht werden könne, wenn man nicht von jeweiligen mehr oder neni er l-gründeten Zwecksetzungen, sondern gleichsam in der Art k«s naturwissenschaftlichen Forschers vorgehe. Deswegen'.esse n n«F e.mal genauer Prüfung standhallende G r u' lag- fü: neue Schulgestaltung gewinnen, müsse all'' im: nemen'.ndenzen der Schul- entwicklung und die r-ale- v, die sie vorwärts treiben, genau seftsrcllen. müsse aus di er usis. Freiheit für einzelne Ver- suche geben, deren Trst.qrvugen oem die haltbare Unterloge für eine wirklich notwendig« rnid richtige Umgestaltung de» Schulwesens gäben. Er'-« auch vor. Er beginnt mtt der Krittk der beiden großer. luliefonrer der letzten Jahr», der thüringischen und der Mit Recht hebt er hervor, daß hinter der in Thüringen Zerschlagung der bisherigen Schultypen und der rein horizc-r Gliederung in Unter-, Mittel» und Oberschulen nur ein'."�ß wichtiger planwirtschastlicher Gedanke stecke, der aber in seuiem Schematismus zu einem Widerspruch gegen den Ge- danken der Bildung führ«. Denn diese werde hier rein quanti- tattv mißverstanden. Ein Mehr oder Weniger an Stoff unterscheid« die Schulreformen und entscheide über die Berechtigungen, di« man in diesem System erlangen könne. Wenn demgegenüber die preußi- sche Schulreform 4 Schullypen unter stärkster Konzentration der für sie in Frage kommenden Bildungsgüter herausgearbeitet habe, so habe sie abgesehen von anderen Einwänden, die gegen sie erhoben werden und eigentlich faktisch schon zu ihrer Zurücknahme geführt haben, eben auch nicht begriffen, daß der Gegensatz der früher verlangten allseitigen Stoffbildung nicht die einseitige Stoffbildung. sondern die allsellige Kräftebildung sei. Demgemäß fordert er in Uebereinstimmung mit den Leitsätzen des deutschen Philologen- Verbandes einen dreijährigen gemeinsamen Unterbau aller höheren Schulen, eine sprachliche Differenzierung(alle oder neue Sprache), aber sonst gemeinsamen Kcrnunterricht aus der Mittelschule und eine fünffache, jedoch nicht starre Differenzierung auf der Ober- stufe.— Di« Kardinalfehler dieser ganzen ungemein klugen Er- örterung liegen in der Behandlung dieser Fragen der höheren Schule, losgelöst von dem Gesamtproblem der einheitlichen Schule überhaupt und in der Orienrierung allein nach objek- t i o e n Gesichtspunkten. Vom Standpunkt des Gesamtproblems au» ist eine mindesten» fiebenjährige einheitliche Schul« mll innerer Differenzierung zu verlangen, für die die Frag« der fremden Sprache nebensächlich ist, von dem jugendpsychologischen Gesichts- punkt aus eine Beweglichkeit des Lehrplans, die sich auf der Mittel- und Unterstuse den engen Fachbindungen und Fachtrennungen ent- zieht und auf der Oberstufe eine Orientierung nach Berufseignungen und Berufsneigungen ermöglicht. Gegenüber Behrendts Schrift kann die Arbeit von W i tz m a n n im wesentlichen nur psychologisches Interesse beanspruchen: Wie spiegell sich die radikale Schulreform Thüringen» im Kopfe der Bürger, die sich ihr fügen mußten?— Er klagt über die staat- sich« Zentralisierung, die da» Gegentell der oerkündeten vemakrati- sierung darstelle, über den unhistorischen Formalismus und Schema- tismus, vor allem über ihren Mangel an innerem Gehalt, worunter er dann im wesentlichen den Mangel an religiöser Gesinnung ver- steht. Daß er dem von ihm mißverstandenen Grundsatz»Dom Kinde aus' abhold ist, daß er die kollegiale Echulverwaltung ebenso wie die neuen Versuchsschulen mit der saffchen Behauptung abtut, daß sie in der Praxis geschettert seien, versteht sich von selbst. Aber interessant ist. daß auch er nicht mehr gegen den Grundsatz des Arbellsunterrichts und die Notwendigkell staatsbürgerlicher Er- ziehung. di« beide» Fundamente einer demokratischen Schule, an- zugehen wagt, wenn er auch milde vor Mißverständnissen warnt. Dies« folgenden Auseinandersetzungen über die Einzelproblem« bieten keinerlei originelle Gedanken: überall verteidigt der Verfasser öchstens eine vermillelnde Lösung wie etwa bei der drängenden Frage der Lehrerbildung, wo er für den preußischen Borschlag be- sonderer Lehrerbildungsatademien gegenüber dem einzig möglichen in Thüringen gegangene» Weg der Universitätsbildung sich ein- setzt. Da weht doch ein ganz anderer Geist durch die kleine Schrift von Belohoubek. In Oesterreich ist man den van Behrendt empfohlenen Weg de» großzügigen, der allgemeinen Schulreform Richtung gebenden Derfuchs gegangen. Mll kühnem Zugriff hat die damalige sozialistische Regierung, in der unser Genosse Glöckel das Unterrichtswesen leitete, die Kadettenanstalten mtt ihren großen räumlichen Möglichkellen für schulreformerische Versuch« größten Ettls an sich genommen. Sechs solche Lnstallen, 4 für Knaben. 2 für Mädchen, hat man eingerichtet und in ihnen all« di« Gedanken eines wahrhast modernen Arbellsunterrichts, einer neuen Gemeinschosts- «Ziehung, die fich im welleften Ausmaß auf Eelbstverantwortung d« Schulgemeinde gründet, ebenso ausprobiert wie einen neuen Schulaufbäu. der den Borteil haben soll, die Entscheidung üb« den besonderen Bildungsweg innerhalb der höheren Schul« b i» in» neunte Schuljahr zu verlegen. Sind auch die Erkennwisse, di« man dort gesammelt hat, in dem kleinen Büchlein nur angedeutet, so geht doch daraus hervor, daß eine reich« Ausbeute für eine wirkliche Jugendkunde von dieser Arbeit zu erwarten ist. Di« Jugend ebenso wie die pädagogische Wissenschaft wird darum stet« dies« sozialistischen Kullurpölitik verpflichtet sein, di« mll so viel Umsicht wirklich Dav hc 0 dauerndes geschaffen hat. Fritz Karsev� Geschichtsphilosophie. Paul Natorp: Sa nt üb er Sri e g und F ri e d«n. Ein ge- schichisphllosophischer Essay. Erlangen. Verlag der Philosophischen Akademie. S6 S. Dem Schriftchen de» greisen. Humanitär gesinnten Marburger Gelehrten wäre eine weite Verbreitung zu wünschen. Don den ein- leiteirden Bemerkungen abgesehen, in denen er von den grundlegen- den Gesichtspunkten des Kantlchen Systems spricht, sind die weiteren Ausführungen über Kants Stellung zur Friedenssrage allgemein verständlich. Das Problem de» völkerfriedens hat den großen Philosophen schon in jungen Jahren beschäftigt. Den Anstoß gab ihm die be- rühmte Schrift des Abb« Saint Pierre über den ewigen Frieden. deren Spuren sich in der ganzen Aufklärungsphilosophie des 18. Jahrhunderts verfolgen lassen. Aber kein anderer hat mit solchem Ernst und solcher Energie des Denkens sich in diese Frage versenkt wie eben Kant. Daß die Vernunft und Ethik wie das Gattungsinter- esse der Menschheit«in Aufhören der Kriege gebieterisch verlangen, darüber besteht für ihn von vornherein kein Zweifel. Aber ebenso gewiß ist ihm. daß der Appell an solche Einsicht für sich allein ohn- mächtig wäre, an dem Gegebenen etwas zu ändern. Macht weicht nur stärkerer Macht und stärkerem Zwange. Soll das Ideal eilies Fricdenszustandes, in dem die Staaten Glieder eines Staatenbundes sind, die sich bei Sttelligteiten dem Schiedsspruch der Bundesgewalt friedlich unterwerfen, für mehr als einen schönen Traum gelten, so muß die denkende Betrachtung in der wirklichen Geschichte jelbst die Herausbildung von Verhältnissen und Tendenzen nachweisen können, deren fortschreitend« Entfallung die Staaten schließlich zwangsläufig zur Konstituierung eines solchen Bundes treiben wird. Da» ist der Standpunkt, den Kant in den Mittelpunkt seiner pazifisti- schen Ueberlegungen rückt. Er nimmt die Menschen, all«« sie w der Geschichte findet, als Wesen, die, auf die Gesellschaft angewiesen, nicht noch Leitmotiven des vernünftigen und des allgemein gesellschaftlichen Wohles, sondern vorherrschend von Trieben ihres eigenen Interesses, ihrer Selbstsucht in Bewegung gesetzt werden. Mll der fortschreitenden Zivilisation ab« werden die Kriege, und vor allen Dingen die Krieg». znrüstungen(d« Unterhall oon stehenden Armeen) notwendigerweise «ür die mlleinand« konkurrierenden Staaten zu einer immer uner« träglicheren Last. So muß, meint er, der Trieb d« Selbsterhallung die Staaten schließlich zu dem Abschluß eines solchen Friedensbundes drängen und ihnen keinen anderen Ausweg übrig lassen. Der Well- ktieg, der, um nichtiger Jnteressenkonflikte entstanden, ganz Europa, Sieger und Besiegte, an den Rand des Abgrunds führte, hat die warnende Boraussage des Philosophen mll blutigem Ernst bestätigt. Kant meint fern«: die Bölk« selber in ihren breiten Massen. auf denen doch letzthin der Druck des Krieges und der Kriegsrüstung am schwersten lastet, müßten» wenn sie nur die Entscheidung darüber hätten, notwendig immer für den Frieden sein. Darum sieht er in einer»republikanischen Verfassung', die dem Volle das Bestim- mungsrecht in dieser Frage sichert, eine der wesentlichsten Vorbedingungen für das Zustandekommen eines Friedensbundes dcr Nalionen. Aber fast kann es scheinen, als habe er bei dieser seiner so einleuch- tenden Rechnung auf die pazifistischen Wirkungen republikanischer Staatsoerfassungen die menschliche Natur noch immer überschätzt. Die immens« Gefolgschaft, die auch heute noch, unmittelbar nach den Schrecken des Wellkrieges, die nationalistisch-militariftischen Parteien in den europäischen Staaten finden, ist ein beschämendes Zeichen. Doch dieser Unverstand, hinter dem, was die große Masse anbelangt. doch reine Phantome der Einblldung und nicht reale Interessen stehen, kann eben darum auf die Dauer nicht unbesiegbar sein. So werng wie der Unverstand der Massen, die heute noch, in offenem Wider- spruch zu ihren Interessen, das Bollwerk kapitalistischer Klassenherr- schaft bilden, unbesieglich sein wird. Vergleicht man(worauf Natorp« gedrängt« Darstellung nicht nöh« eingeht) Kants Geschichtsauffassung, wie sie der Denker in feinem kleinen wunderbar genialen Aufsatz:»Idee zu einer Philo- scphie der Geschichte in wellbürgerlicher Absicht' formuliert hat, mit d« Marxiichen, so springen bei allen llefgrvisenden Unterschieden auch gewisse gemeinsame Berührungspunkte frappierend in die Augen. Wie für Marx der Sozialismus, so gilt sür Kant die Herstellung einer vollkommenen bürgerlichen Rechts- ordnung(die als Ergänzung den Pölkerfriedensbund voraus- fetzt) als Ziel, dem die geschichtliche Bewegung schließlich zustrebt. Beide sind der Ueberzeugung, daß die Geschichte kein bloßes sinnloses Geschehen sei, daß sich in ihr eine Aufwärts- und Empor- entwicklung der Menschengattung durchsetzt. Und in beiden ver- bindet sich dieser Idealismus mit einem Realismus, der, klaren Auges den Kampf und Widerstrell der Interessen als eine Haupttriebsed« d« geschichtlichen Bewegung erkennend, nun die Bedingungen zu ergrunden sucht, unter denen jen« Widerstreit, in immer neuen, fort- geschrittener«» Fonnen des Gesellschaftslebens sich wiederholend, die Menschen am Ende zu einer vernünftigen Regelung ihres gesellschaft- llchen Daseins treiben wird. Wenn jenem oft zitierten Worte Engels', daß d« Sozialismus auch die deutsche klassische Philosophie zu seinen Borläusern zählen darf, Gellung zukommt, so vor ollem auf Grund jen« organischen Verbindung von Idealismus und Realts- mus, deren Möglichkeit in der Geschichtsauffassung von Kant zuerst im allgemeinste» Umrisse gesehen wurde. CouradSchmidt. Finanzpolitik. Alb«t Hahn: Geld und Kredit, Gesammelt« Aufsätze. Lerlag 2. E. B- Mohr, Tübingen. 146 S. Noch dem Rücktrllt und baldigen Tode des Reichsbankpräsidentev Havenstein kam neben Dr. Hjalmar Schacht als ernsthafter Kandidat für die Leitung der Reichsbank nur noch Dr. Alb. Hahn in Frage, d«. Verfasser dieser Aufsätze. Der Grund dafür lag wesentlich m der frühzeitigen, gründlichen und zutreffenden Kritik, die dieser praktische Bankmann und schöpferisch« Forscher an den damals herrschenden vulgärökonomischen Meinungen über die Zusammenhänge von. Zahlungsbilanz und Wechselkurs und besonders an der kredll- inflationistischen Diskontpolllll der Reichsbank seit 1922 übte. Die wichtigsten dieser krttischen Arbeiten, die in der Mehrzahl vor dem endgültigen Währungszusammenbruch im Herbst 1323/ geschrieben wurden, sind in dem vorliegenden Band« zusammengesafft. Schlechthin befriedigend ist der schlüssige Beweis, daß auch in- Inflationsverhältnissen es nie zu einer passiven Zahlung?-, bilanz kommen kann, sowie der Nachweis der positiven Mitschuld der Reichsbank an d er W 2 h r u n g sz e r st ö r u n g. deren� Tempo, Ausmaß und llnausweichlichkeit erst die Folge jener industriellen Privatinflation seit 1922 war, welche die Reichsbank zu eigener Verantwortung neben die Staatsinflotion setzte. Charakteristisch für Hahn war immer, daß er nie den Versailler. vertrag, sondern die Unzulänglichkeit der deutschen Finanz- und' Bankpolittker für das Schicksal der Währung verantwortlich machte. Weniger befriedigend sind die rein theoretischen Bemühungen Hähns� Er übersieht vollkommen, daß das Wesen d« Staatsinfla- t i o n darin liegt, daß der vtaat durch seine unsundierten Noten- schulden das eherne Gcsüge der normalen Preis- und Ertrags- ausgleichung lockert und schließlich die Privatinflation direkt veranlaßt, wenn di« Wirtschast durch autonome Goldrechnung und Goldkonditionen den Kampf gegen die»Mark-ist-Mark'-Fiktion des Staates eröffnen muß. Diese Ui�ulänglichkeit der Hahnschen Bemühungen ist aber keine Spezialität Hahns, sondern kennzeichnet die österreichischen Kredll- und Kapitaltheoretiker überhaupt, auf denen Hahn weiterbaut. Dr. Werner Spohr: DieNeugestaltungderDeutschen Reichsbank. Verlag von Ferd. Ente, Stuttgart. 192S. 96 S. Preis 5,40 M. Die Schrift ist in dem darstellenden und dem kritischen Teile oon fianz verschiedenem Wert. Im darstellenden Teil von der Art einer leißigen Doktorarbeit, ist sie in den kritischen Teilen erstens ziemlich unkritisch, weil sie trotz der Versicherung im Vorwort, keine »Partei(Upolitik zu treiben, die Empörung des Vulgärpatriote» üb« den Zusammenhang der Reichsbankneuordnung mit der Lösung der Reparationsfrage an keiner Stelle unterdrücken kann, und zweitens ist sie von geld- nnd kredittheoretischer Sachkenntnis nicht allzu sehr getrübt. Passive Zahlungsbilanz als notwendige Folge einer passiven Handelsbilanz, ganz naive quantitätstheoretischc Vor- stelliingen bei der Behandlung des Transferproblems,»es wird keiner Zentralnotenbank möglich sein, ihre Währung stabil zu erhallen, wenn sich das wirtschaftliche Leben in einer Krisis befindet oder der Staat bankeroll macht'(S. 92).»Außer der inländischen Inflation durch Noten... gibt es«ine Inflation(I!), die durch Veränderung des Wertverhällnisses der Valuten zueinander entsteht'(S. 33), ähnliche Naivitäten und Ungereimtheiten sinden sich gehäuft. Es wäre vor- teilhaster gewesen, d« Verfasser hätte sich auf die Darstellung der Neuorganisation der Reichsbank beschränkt. Jedenfalls kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß dl« politische Interessiertheit des Privatmannes die krllische Leistung des wissenschaftlichen Publi- zisten hat zu kurz kommen lassen. G. Klingelhöser. Sule Lücher Z0biS?0»»bIl!iaris 1 Sttlongm Sie bitte(olort speien-! I freie gusendunp meine» Aatal-c» I S. Rapoczp's Unwersität»- Buchh.l SZttlbutit i. Br. VIII m � Ä Ocnmrzeiseircnpuiv/er, 1�1 MPFM u v mil- geschnirzelter Kernseife Will rTl 1 1 Das Vollkommenste für die Wäsche X M Qeneral-Verlreter fur_Gross-Berlln j P ßrunsw, ig, SeiFenfabrih, Malchin. ÖOlllOb Meissner, Berlin 0 112 Ami Afexondcr ztso Schnifzelseifenpulver, THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.G. BERLIN W35 Fernsprecher: Nollendorf 56, 57, 58, 59 Telegramm- Adresse: AUTORAATZ Verkäufe Raumann- Nähmaschinen für Sausge. brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re paratur- Wertstatt flir alle Syfteme Emil Halbarth, G. m. b. S., Friedrich Straße 55a. Mertur 6268. Teppiche, Diwandeden, ifadeden, Bettoorleger, Läuferstoffe, prachtvolle Auswahl, extra billige Gelegenheiten. Fischer, Boisbamerstraße 109. Linoleum, Linoleumläufer, 90 Rentimeter, 3.50, Linoleumteppiche. Linoleum. Iegerei, Brinzenftraße 101. Morik plas 168 88 Sohlleber, Schäfte, Leiften usw. pretswert, Lederhandlung B. Rühl. 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