Nr. 11 15. November 1925 �Klick in öle �Hücherwelt Seilage öes vorwärts Erzählende Literatur. m» vaulhendey: Gesammelte lag All"--- Werke, k Bände. Verlag Albert Langen. München. Bor wenigen Jahren starb Dauthendey auf Java: heimatfern endete ein Leben, dessen Früchte so unendlich viel malechtes an sich hatten. Aber mehr darf man bei diesem Dichter kaum verall- gemeiuern. denn genau so mannigfaltig wie seine Themenwahl war auch die Kraft dichterischer Gestaltung. Dauthendey ist keiner aus unserer Lest, doch die Gläubigen unserer Epoche unterhasten zu ihm eine'' M den ober wenn er nicht so sehr zwischen den Jahrzehnten, zwischen den .Stilen", zwischen den Großen stehen würde. Hauptmann ist .typisch" und Rille ist es und Werfe! ist es und fast jeder ist es— aber Dauthendey? Di« Ordnungssucht ist der Segen des Deutschen und sein Fluch zugleich, die Schwere des Fluches in literarischer Hinsicht zu lockern,«st mancher mutoolle deutsche Verleger bestrebt; zu dieser Gruppe darf man Albert Langen seit je zählen. Die sechsbändige Dauthendey-Ausgabe ist Bestätigung, daß der Mut lohnt. hochwertiges findet sich neben Geringerem, Heißes neben Lauem; Mischhafttges. aber gerade darum Menschliches. Seltsam deulltch, wie hier zwischen Vers und Prosa und Versprosa, zwischen Rhythmischem und Holprigem eine Persönlichkeit wächst. Da ist .£ i n j a m".«in asiatischer Novellenkranz..Raubmenschen, ein Urwaldroman,.Das Märchenbriefbuch der heiligen Nächte im Jovanenlande",.Die geflügelte Erde". Und es ist noch viel mehr da, und immer etwas anderes. Und doch irgendwie Aehnliches. Dauthendey liebt das Gleichnis, den Unterklang, den Neben» klang. Er könnte den Musikalischen an Richard Strauß erinnern. Des Dichters Melodie ist selbst, wo sie optimistisch ist. unendlich: wenn ein Lied aufhört, fängt es eigentlich erst an. Philosophische Lyril, und trotzdem im allgemeinen gute Lyrik— eine Seltenheit. Philosophisches Schreiben. Reisen und Lieben ergab bei ihm meistens nicht pedantische Schalheit. Das beweist einen Dichter, der ein großer Reifer und Liebender war. Nicht jeder ist Künstler genug, Welterlebnis größtes Reifeerlebnis werden zu lasten; viele bereisen den ganzen Erdball und bleiben doch draußen.—.Wohl kommen mit unseren Kleidern unsere Knochen, unsere Muskeln in liemden Ländern an, aber nicht unser« Herzwelt, nicht die Jahr» tausende von heimatlichem Vorleben, die wir im Blute haben." � Und so war diesem Seele geworden. als todesbitter,....... warum sie es war. Große Männer sind stets Fanatiker de» Rechts Große Männer und fromme Männer. Immer wieder kommt man also auf den religiösen Dauthendey, obwohl der Dichter.frei" war wie festen einer. Sein«vestes Empfinden gestattete ihm ein weites Schreiben, nie hat man den Eindruck der Prüderie. Ein Dichter, der den Mut hat zur Farbe, zum Bild, zum Wort: ein Aktivist, der heute lesbarer ist als gestern. Es ist fast wundersam, liest man z. B. dos wieder ausgegrabene, einst tollkühne Buch.U l t ra» D i o l e t t". Dokumente des Im presstonismus gibt es mehr, dieses ober ist einzigartig mst feiner Farbenkraft und Farbenschlacht, mit seinen zaub er bunten Distons» liildern. Man hat hier wirklich den Eindruck, als ob die Lyrik nicht �....-------- chti Schreibtisch entstanden war«, sondern auf jene Weise, in der Maler in der Landschaft ein« Landschaft, vor stillem Leben«in Stilleben schaffen. Wortmusik und Farbenprunk wecken Seelisches, schaffen Leben, lehren beinah lieben... „Dauthendey als Liebesdichier"— darüber kann man nicht besonders schreiben. Alle» erfüllt sich bei ihm in Eros, in Sinnen» luft— man darf hier nicht sündigend zergliedern. Man darf es um so weniger tun, well die Erlebnieschilderung Erlebnisgestallung ist. Viele leben zwar Liebe, dann aber s ch r e i b e n sie sie; Dauthendey alutet sie nach. So kommt es. daß wir zittern, wenn wir lesen vom Liebestag zwischen Himmel. Schilf und Wasser Japans.— Unsere Zeit entnmndert dem Lyrischen, und so wird es auch kein« Dauthendey-Renaistance geben. Aber das Denkmal, das durch die schöne Gesamtausgabe seiner Werke dem Dichter gesetzt wurde, wird mancher zu finden wisten. Und was das Schönste ist: nicht nur die sogenannten„Feinschmecker" werden konnnen, sondern auch solch« die mst der Literatur nicht viel zu tun haben wollen, aber an Leben und Lieben um so mehr dafür hängen. Erich Gottgetren. Z«m Paul: Ausgewählte Werke. S Bände, verlog Otto chendel. Berlin. In dankenswerter Weife hat sich der Verlag Otto Hendel«nt» schlössen, unter der Redaktion des Dürer-Bundes ein« An,zahl von Klassikern in volkstümlicher Bearbeitung herauszugeben. Di« von ihm oeranftastete Ausgabe der Werke Jean Pauls bietet infolge ihrer Beschränkung aus die wesentlichsten und wertvollsten Arbesten de» Dichters die Möglichkeit, sie auf ihren zettgemäßen Wert zu prüfen. Warum wohl das Volk ihn geliebt hat? Und warum er trotz aller Anerkennung weniger von den großen führenden Geistern seiner Zeit verehrt wurde, obwohl er in späteren Iahren ihren Um- qang genoß? Goethe schreibt von ihm:„Man schätzt ihn bald zu hoch und bald zu tief." Das aber gerade hat Gründe, die in seiner Per» sänlichkeit beschlossen liegen. Er hat es nie verstanden, seinen Werken eine ausgewählte, künstlerische Form zu geben. Aber dafür ist er dem Leben des Volkes um so näher gewesen. Und dieses Leben erschien ihm so unendlich mannigfaltig, so reich so wenig in Fonneln zu fasien, daß sein allzeit warme« Herz immer auch in seinen Schriften mit ihm durchging. Und ihm das Leben als solches wichtiger war als eine künstlerische Fasiung. Wer mft diesen Voraussetzungen an d«e Schriften des Dichters herangeht, wer bereit ist. den Kerry das quellende Leben an sich vor» überleben ut lasten, der wird sich gern mst chm auseinandersetzen über die Probleme dieses Daseins und merken, wie gar vieles uns heute mehr denn je bewegt, was auch diejem reichen Geist« Ziel der Sehnsucht war.,... Alle Persönlichkeiten Jean Pauls losen ,n irgendeiner Form. und sicher besser als die meisten Großen seiner Zeit, die dre. Auf» gab«,, die das Leben uns ausgibt. �s Pr� gegenuber ber Ar. beft. der Gemeinschaft und gegenüber dem anderen Geschlecht. Und selbst der Armenadvokat Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuh- Ichnappel, so bescheiden er leben muß und sich in seinem kümmer» lichen Dasein plagen, weiß doch dieses Leben als ein Ganzes anzu» packen. Mehr als 30 Jahre hat Jean Paul, der ursprünglich I. F. Richter , als Unbekannter gelebt. Erst nach vielen Iahren unermüdlicher rbeit, in denen er viel Ablehnungen erfuhr, wurde er bekannt und anerkannt. Sein größtes Werk ist der„Titan", das neben den „Flegeljahren" uns am besten die Eigenort des Dichters offenbart: seinen tiefen Humor, dem es gelungen ist, die Hemmungen, die das Leben einem jeden von uns entgegentrögt, durch die Kraft der Ar» best, der Liebe und des Wohlwollens zu überwinden. In den Bor» stellungen über Silllichkest ist der Dichter natürllch das Kind seiner Zest, aber seine Strenge ist nie Verurteilung. Was er uns im tiefften ist dies: daß alles Titanenhafte, das auf Kosten anderer geht. dem Untergang geweiht ist, und daß nur der sein Leben richtig führen kann, dem es wie dem Jüngling Albanos gelingt, jenen schmalen Streifen zwischen Selbstbehauptung und Gemeinschaft zu finden, der allein den sicheren Weg des Lebens verbürgt. Ada Beil. Politik. Emst Ludwig: Wilhelm der Zweite.(Den Untertanen gewidmet.) Berlin, Ernst Rowohlt Verlag, 1926. 494 Seiten. Preis gebunden 14 Mark. Emst Ludwig machte sich durch Heldenbilder au» Mosaik einen Namen. Auch in diesem Buche sprechen nur Dokumente. Bon des Kaisers politischen Gegnern kommt„um der Cerechtigkest willen" keiner zum Wort. Es reden und schreiben nur Wilhelm, seine Der» wandten und Freunde, seine Kanzler, Ministor. Generale und- Hofleute. Dem Derfasier ist, zumindest beim Schreiben, das künstlerisch« Herz von der Hohenzollernmonarchi«—„diesem tüchtigen Geschlecht"— voll. So vorbehaltlos ist er seinem Stoffe hingegeben, daß dessen Affektiertheit fast sogar auf den Etil etwas abfärbt. Mit dieser" WW nach Abi bleibt(S W>. Buch seiner Ausgabe gerecht geworden. Es ist ein Porträt, keine Karikatur. Weil es ähnlich und echt ist, muß jeder Monarchist in ihm eine Lästerung des monarchischen Gedankens sehen. Eine Blasphemie' nannte es die.Kreuzzeitung". Es ist zum Republikanerwerden. Der echte Legitimist freilich wird, wie jeder Gläubige, auch hier unbelehrbar bleiben, wenn er auch mit Gott seit langem gegen dielen König ist. Es streift die Tragik der antiken Tragödie, was dt« gesellschast» lichen Verhältnisse einer so gut wie absoluten Monarchie aus einem „geistig begabten, körperlich geschwächten, vom besten Willen be- scelten Jüngling gemacht haben, der nach harter Jugend plötzlich zur Macht gelangt, als Herr unter Höflingen zur Ucberschätzung und Autokratie getrieben wird, während in allen Lebensfragen der Aktion feine Meinung und sein Wille entscheidend werden". Der verkrüppelte Arm erzeugt bei dem Kinde die natürlich« Furcht vor dem Stärkeren, ja vor dem Gesunden. Und doch muß der Kleine den Mut und die iapjerkeit des Soldaten herauskehren;„jeder Zoll ein König", so soll er werden. Also trieb ihn zeitlebens zu scheinen, was �ieht Den Kopf des sechs«, acht- bis zwölfiährigen Jungen erfüllen Krieg und Sieg(1864. 1866, 1870), das geschlagene Frankreich und da» deutsche Kaiserreich,«ine Bilderreihe mft dem Herrn Dater und dem hochseligen Herrn Großvater als Hauptfiguren. Die harte Mutter, die das verunstaltete Kind nicht leiden mochte, drängt seine polftischen Ideen in natürlichen Gegensatz zu denen der Eltern. Zeft seine« Lebens bestimmen Iugendeindrücke fem politische« Verbalten gegenüber England als dem Lande der ungeliebten und heimlich beneideten Verwandten. Das Verhältnis dieses Menschen zu seinen Mitmenschen war von klein auf gestört. Mft der Mutt-»rfeindschaft im Herzen war er zur Hingabe an eine Frau nicht recht sähig. Zum Ausgleich suchte der passive Teil seines Wesens weichliche Männersreundschaften. Mft 27 Iahren verschenkte er zum ersten Male sein Herz, an Philipp Eulenburg. Dreißig Jahr« war„der ewig« Primaner" in ihn will. schreckt die sei verliebt wie«in verzauberter Backfisch. Bor jeder Persönlichkeft nervöser Charakter zurück. Nur Nullen oder Menschen, seinen Drang nach Anerkennung durch Schmeichelei, Lobhudele« und Unterwürfigkeit befriedigen, kann er in leine Nähe dulden. Di« Männer aber, die durch solche Mittel sich»n seiner Gunst und in ihrem Amt erhalten, sollen den Staat leiten. Nicht Führerwille, sondern Intrigen und Kabalen herrschen und es spielen sich Szenen ab, die der Bürger auf einem Theater noch heut« mcht für die Abbllder geschichtlicher Wirklichkeit hallen könnte. Das Urteil über den Mann und seine Männer hat die Geschichte gefällt. Dies Buch liefert die zusammenfassende Urteilsbegründung. Wolfgang Schwarz. Kriegsgeschichte. Der Weltkrieg in seinen großen Linien. Heft 1 und 2.(Preis 1,50 M.) Bielefelds Verlag, Freiburg i. Br. Es ist nicht jeder milftärisch« Laie in der Lage, sich die ersten Bände des offiziellen„Generalstabswerkes". jene vom Reichsarchio herausgegebene Schriftenreihe„Der Wellkrieg 1914 bis 1918" zu be- schaffen und die entscheidenden operativen Zusammenhänge aus der Ueberfülle des gebotenen Materials herauszulesen. Da ist nun die mutige Tat des Bielefelds Verlag, die Bände des Generalstabswerkes in kurze, gemeinverständlich geschriebene Hefte zusommenzuiassen, leb, hast zu begrüßen. Vor ollem die ehemaligen Kriegsteilnehmer wer- den mft Interesse die Hefte in die Hand nehmen, die ohne Krieg«. Verherrlichung und ohne den Schwulst der„Stahlhelm"-Kriegsberich!« und der Regimentsgeschichten die operativen Zusammenhänge der großen Schlachten, des Aufmarsches und des Donnarsches 1914 zur Darstellung bringen. Mancher wird vielleicht jetzt erst, nach elf Iahren verstehen, warum sein Regiment in Lothringen, an der Somme oder an der Aisne mft dem Höchstmaß an Rücksichtslosigkeit in die Schlacht gejagt wurde. Ist schon das amtliche Generolstabswerk von einer erfreulichen Objektivität und von einem schätzenswerten Wahrheitssanatismus e» fülll, den man leider in polftischen Fragen beim deutschen Offizier- korps so wenig anzutreffen gewohnt istjo ist dies um so mehr von dessen strategischem Extrakt, dem„Weltkrieg in seinen g r o ß« n Linien" zu rühmen. D-e ersten beiden Schriften:„Der Kriegsausbruch— Kriegspläne" und„Die Grenzschlachten. Die Ver- solgung", zeigen ziemlich deutlich für jeden, der In und zwischen den Zellen zu lesen versteht, vor allem für den proletarischen Leser, der die Zusammenhänge zwischen Politik und Strategie meist besser zu erfassen vermag, wie ein preußischer General, daß der deutsche Aufmarschplan(trotz aller gegenteiliger Versicherungen des Generalstabswerkes) ein wichtiger Antrieb zum Kriegsaus- b r u ch war und daß der Krieg schon in den ersten Marsch» tagen verloreo war. Denn die deutsche Heerführung hatte es nicht verstanden, strotz der taktischen Siege an alten Fronten entsprechend dem Schlieffenschen Aufmarschplon„zur Operation zu kommen". Trotz mancher äußerlichen Konzessionen an die Rechte ge- hört die Schriftenreihe in Massen ins Volk. Der I n h a l t erschlägt das alte Regime! Hermann Schützing er.' Gewerkschaftsbewegung. Dr. Theodor Caffau: Die Gewerkschaftsbewegung, ihr« Soziologie und ihr Kampf. Verlag H. Meyers Buchdruckerei. Halberstadt 1925. 355 Sellen. Cassau verfolgt die Entwicklung der deutschen Gewerkschaftsbe- wegung von ihren Anfängen bis auf den heutigen Tag. Er beginnt mft einer historischen Einleitung, die knapp und treffend die allgemeine Linie des Werder.- J. � und Grundsätze der On erdens der Bewegung zeichnet: behandell F> ._ r Organisation; untersucht das innere Tri« des Verbandslebens in Betrachtungen über die Führer, die Auslese, das Bildungsproblem, den GewerksiLaftssyndikus und über Masse und Führer: beschreibt dann den Kamps um Lohn und Arbeitszeit, wobei er die Mittel des Kampfes erwähnt und die wechselnden For- men ihrer Anwendung schlldect; erörtert die Fragen der Sozial- polftik. prüft die Beziehungen zwischen der Sozialdemokratie und den freien—........'»»' ten und endet schließlich in einem Kapitel! rbeit" bei den wirtschaftspolitischen Zlufgaben über„Wirtschaft und der jüngsten Gegenwart. Altes das bietet das Buch auf engem Raum. Es ist daher«ine ilys« des Werdens und Sein» der Bewegung ün will, kommt dieses Mehr in dem engen Raum« vielfach zu kurz. So, wenn Cassau darlegt, die Gewerkschaften hätten ihre Daseins- bedingungen zu wenig theoretisch erforscht und sich meist dem in- tuitiven Erfassen der Dinae anvertraut, stall ihr Handeln aus in- tellektuellem Folgern zu bestimmen. Diese Klage ist der„rote Faden" des Buches. Daher erblickt der Verfasser tadelnswerte Versäumnisse der Bewegung und ihrer Führer, wo in Wirklichkeft soziologisch be- stimmbare, vom Willen der Führer unabhängige Ur» fachen den beklagten Mangel erklären. Cassau weiß, daß die Ge- werkschaftsbewegung vom Erfolg abhängig und daß die sichtbaren Ziele, on deren Erreichung die Mitgliedschaft den Erfolg mißt— zumal in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Verbände und ebenso wieder im gegenwärtigen Abschnitt ihrer Geschichte— vornehmlich Togesziele waren. Er unterläßt es ober, darzulegen, daß. in einer solchen auf die Tot gestellten Bewegung die Neigung zur theoretischen Arbeit aus ganz natürlichen Gründen gering sein muß— und so kling,' sene Klage wie eine Anklage. Unser Der- fasser kennt und schildert oorzügllch dl« nahen Beziehungen zwischen Partei und Gewerkschaften, folgert aber daraus nicht, daß die theore. tische Arbeft jener auch diesen zugute kam, und zieht nicht in Be- tracht, daß die Führer der Gewerkschaften die theoretischen Debatten stets als Angelegenheiten beider Zweigs der Bewegung aufgefaßt >en. Und daher wird aus gerode angesichts dieser engen ..... WW. m und Sozialdemokratie, ja an- lesichts der ursprünglichen Abhängigkeft der Gewerkschaften von der rtei— die nach der Aushebung des Sozialistengesetzes erfolgt« geistige Berfelbständigung der Gewerkschaften, organisatorische und die noch dazu im um so höher anzus Aus dem glei zur Partei erfolgen mußte, als Tat ist. Grunde, daß neben der vortrefflichen Goch- darstellung die' soziologische Analyse doch zu kurz kommt, ergeben sich wohl wettere Schiefheften im Urleil, die wir an dem Buch« be» klagen. Di« unbesoldeten Funktionäre der Verbände haben, wie es noch Cassaus Darstellung erscheinen muß, keineswegs nur die Aufgabe, ein bureoukratijches System mit einem Scheine von Demokratie zu umkleiden. Sie stehen aus innerer Notwejtdigkeft an ihrem Platze und find als Mittler zwischen den angestellten Beamten und der Mitglledschost wichtige Organe eines organisatorischen Kör» pers, der, obwohl er seinem ganzen Wesen nach demokratisch ton- stituiert ist, doch die hauptamtliche Führung nicht entbehren kann. und die Rolle der unbesoldeten Funktionäre ist darum nicht so un» bedeutend, wie Cassau sie darstellt. Es mag richtig sein, daß dm Schlichtungswesen, wie Cassa» meint, in der kommenden Zei. weniger in Anspruch genommen wird als in den Jahren der In flation. Aber über die grundsätzliche Bedeutimg des Schlichtung«- wcsens im Rahmen des gesamten kollektiven Arbeitsrechts ergibt sich aus solcher Feststellung wenig, denn diese tiefere Bedeutung, die bei Cassau wieder schlecht wegkommt, wird nicht bestimmt durch den Umfang der Schlichtungstätigkeit. Neben solchen Fehlurteilen, die wir, da für ausführlichere Wider- legungen hier nicht der Ort ist, nur als Stichproben geben, stehen Ausführungen, die wir mit Vergnügen zu dem Testen rechnen, dos wir an Literatur über die Gewerkschaftsbewegung besitzen. Die Ka- pitel„Soziologie der Gewerkschaftsbewegung und„Der Kampf um Lohn und Arbeitszeit" gehören fast durchweg zu diesen Bestandteilen des Buches, der Abschnitt„Wirtschast und Arbeit" tadelt wieder ge- wisse Schwächen der Bewegung zu allgemein, statt ihren Ursachen nachzuforschen. Wenn wir das Buch daher auch nicht in allen seinen Teilen gleich hoch zu schätzen vermögen, so überwiegt doch die Güte großer Teile die Bedenken, die wir gegen die anderen haben. Wer kritisch lesen kann, wird aus einer Auseinandersetzung mft dem Buche großen Gewinn erzielen, manchen Aufschluß über die Bewegung und zahlreiche Anregungen für seine eigene Betätigung In den Gewerk- schaften empfangen. Richard Seidel. Religionsphilosophie. Frik Mauthner:„ Gottlose Mystit." Verlag Karl Reißner, Dresden. OU Die Verleger- Mitteilung, daß die„ Gottlose Mystit" Mauthners Bermächtnis und legte Gabe an seine Gemeinde sei, stimmt nicht ganz. Denn fünf von den fieben Kapiteln oder 114 von den 120 Seiten des Buches sind schon in anderem Zusammenhang ver öffentlicht worden: im" Philosophischen Wörterbuch", im" Lezten Tod des Gautama Buddha und in der Geschichte des Atheismus. Schon diese Tatsache weist darauf hin, daß der Leser keine systema tische Behandlung des Themas, sondern feuilletonistische Aphorismen zu ihm zu erwarten habe, und der leichte Plauderton des Wertes bestätigt diese Vermutung. Gleichwohl hält die ausgeprägte Persönlichkeit Mauthners doch alles fest zusammen. Gestützt auf den Grundgedanken seiner Kritik der Sprache, daß der Zwang, in Borten und Vorstellungen zu denten, die Einheit des stummmen Schauens und Erlebens zerstöre. erflärt Mauthner die Mystit als den tiefinnerlichen Drang des Menschen zur Einheit, zum Alleingefühl, und für diesen sei die Vorftellung" Bott nur ein Symbol. Nicht die Gottheit sei für den Mystiker das Brimäre, was die auffälligen Uebereinstimmungen zwischen Buddhismus und Urchristentum, zwischen Dionyfios Areopagita und Meister Eckhart und Spinoza bewiesen, sondern eben jener sehnsuchtsvolle Drang, und darum brauche auch eine entgottete Zeit die Mystit nicht zu verabschieden. Im Gegenteil münde alles auch heute noch in fie ein, was fich, angewidert von der Mechanifierung und Entseelung des Daseins, irgendwie in Traum und füßes, themalojes Sinnen verliere. Man darf sagen, daß Mauthner damit die geistige Struktur der wenigen Berufenen und der vielen Nachbeter van heute trefflich festhäft, die aus Bedürfnis oder Mode wieder in mystischen Bahnen wandein und die diesem Weg zuliebe fogar wieder fromm" und christlich" werden zu müssen meinen. Die soziologischen Vorausschungen der Erscheinung, die uns vielleicht noch mehr interessieren als deren Beschreibung, läßt er unerörtert. Bis ans Ende verfolgt, würden sie zeigen, daß Mauthners Ruf nach einer gottlosen Myftit ungehört verhallen wird und muß. Denn die Anhänger der modernen Myftit find im allgemeinen nicht Pfadfinder ins Reich tes Morgen, fondern Depoffedierte und Entwurzelte, die faszinieri ins verlorene Gestern starren und die dieses darum mit allem und jebem, auch mit seinem toten Kirchengott, wiederzubeleben trachten. Grund genug für uns, allem mystisch Betonten fritisch und zurüd haltend gegenüberzustehen und uns nicht Talmiware für echtes Gold und solches gibt es zweifellos in der Mystik und gab es noch mehr aufschwägen zu lassen. Dr. Alfred Kleinberg. suis in a Technit. Das Deutsche Museum". Geschichte, Aufgaben, Ziele. Im Auftrage des Vereins deutscher Ingenieure unter Mitwirkung hervor. cagender Bertreter der Technit und Naturwissenschaften bearbeitet non Konrad Matschoß BDI. Berlag, Berlin. 364 Seiten. Preis 20 m. Dieses Wert ist als Denkschrift zur Fertigstellung des Deutschen Museums in München gedacht. Nicht weniger als 32 Männer der Wissenschaft und Technif haben sich vereinigt, um über den Inhalt Berlin. 12 Frank Jut lepten Bagen.( Nobelle.) E. Rowohlt, Berlin R. Grottewiß. Sonntage eines Großstädters in der Natur. J. H. B. Dies, M. Greil. Das Reichsschulgeset. Oftthüringer Tribüne, Gera. Knut Hamsum. Gesammelte Werke, Bd. X. A. Sangen, München. C. Hartung. Jean Baul.( Lebensroman in Briefen.) Wilhelm Lange wiesche Brandt, Ebenhausen b. München. Hans Henning, Bsychologie der Gegenwart. Mauritius- Verlag, Berlin. Dr. B. Henry. Das Bildungsproblem. Quelle u. Meher, Leipzig. S. Heffe. Hölderlin, Dokumente feines Lebens. S. Fischer, Berlin. 8. Bejle, Novalis, Dokumente feines Lebens und Strebens. S. Fischer, 3. Sofmiller. Der Meier Helmbrecht. A. Bangen, München. Arno Holz. In meine Dachlammer. J.§. B. Diek, Berlin. R. Kipling. Schlichte Geschichten aus den indischen Bergen. G. Kiepenheuer, Potsdam. Berlin Berlin. B. Kulemann. Die Genossenschaftsbewegung. II. Band. Otto Liebmann, Th. Leffing. Sindenburg. Hapke u. Schmidt, Berlin. F. Linte. Die Verwandtschaft der Welten. Quelle u. Meber, Leipzig. B. Margueritte. Le Couple.( Der Weg der Frau.) Kurt Ehrlich, Berlin. $. D. Meißner. Kaiser Friedrich III. Riegstagebuch 1870/71... dieses größten deutschen Museums der Technik zu berichten. Irok der großen Mitarbeiterzahl, von denen jeder einzelne das von ihm beherrschte Fachgebiet behandelte, fonnte nur ein ganz allgemein gehaltener Ueberblick von dem Inhalt des Museums gegeben werden. Und das ist gut so. Nirgends werden dem eigenen Beobachten und Erkennen Schranken gesetzt. Die Denkschrift versucht, in den Geist des ganzen Werkes einzuführen, nicht aber eine detaillierte Schilde rung zu sein. Man will dem Leser begreiflich machen, warum das Museum so und nicht anders werden mußte, man will seine innere 2inteilnahme und fein Verstehen wecken. Eine Sammlung der Technif, die an einer Gesamtstrecke von 14 Kilometer aufgestellt ist, fann man nicht im Sturmlauf erobern, aber man famn schon bei einem ersten Durchschreiten etwas von ihrem Wesen spüren, und sich in der Folge dazu angeregt fühlen, fie fich Stüd um Stüd innerlich zu eigen zu machen. Nach dieser Richtung hin vermag bereits die Deutschrift zu wirken. Der Plan zum Deutschen Museum wurde im Jahre 1903 öffentlich bekannt. So ift es erklärlich, daß in der Geschichte dieser Schöpfung auch der kaiserlichen und föniglichen Hoheiten" gedacht wird, die als Schützer und Gönner des Wertes gewonnen wurden. 22 Jahre vergingen, ehe der Plan zur vollendeten Koehler, Berlin. Wirklichkeit wurde. 15 Jahre des alten Reiches sind mit seiner Ent. Müller. Der Bürgerkrieg in Deutschland. Thöbus- Verlag, Berlin. stehungsgeschichte verknüpft. Die Republik sah seine Bollendung. D. Nägele. Der Erziehungsgedanke im Jugendrecht. E. Oldenburg, Leipzig Dieses Hervorheben der Schüßer und Gönner mag für die Schöpfer M. Andersen- Nero. Der Botterieschwebe. J. 5. W. Dick, Berlin. sogar menschliche Notwendigkeit sein. Darüber hinaus aber hebt sich Oba Olberg Die Entartung in ihrer Kulturbedingtheit. C. Reinhardt, dieses Museum zu einem Denkmal menschlichen Schaffens, das fern. Offendowift. Im sibirischen Zuchthaus. Frankfurter Societätsbruderet. steht von jeder politischen Einstellung. Das wird auch beim Studium. Röder. Der Weg des Zentrums. Germania.- G., Berlin. der Denkschrift flar, sowie man die Beschreibung der Sammlungen Colin Roß. Seute in Indien. F. A. Brockhaus, Leipzig. lieft. Dann wirkt das Ganze wie das hohe Lied vom unermüdlichen. Sanger. Versöhnung.( Roman.) Crell Füßli, Zürich. Forschen und Vorwärtsdringen. Wem es aber vergönnt ist, über das 6. Schmidthenner. Chinesische Landschaften und Städte. Streder und rein Wissenschaftlich- Sachliche hinaus zu einer Verknüpfung der hier G. Schreiber. Politisches Jahrbuch 1925. Politik des Deutschen Reichs. behandelten Dinge mit dem Werden der menschlichen Gesellschaft zu Bolkavereins- Verlag M.- Gladbach. gelangen, der wird beim Lesen der Denkschrift und erst recht im Stier- Somlo. Politit. Quelle u. Meher, Leipzig. Museum selber die Größe des menschlichen Ringens, das über die Be herrschung der Naturfräfte zu wahrer Kultur führen soll, erfaffen. Leider wird der relativ hohe Preis das buchtechnisch vollendet ausgestattete Werf nicht im Bolte heimisch werden laffen, es sei denn, daß es durch die zahlreichen öffentlichen Bibliotheken der Allgemein. Beisl. Der Kampf um das Heilige Band. Unſtein, Berlin. heit in ausreichendem Maße zugänglich gemacht wird. Neue Bücher. M. Mobus. ( Besprechung der eingegangenen Bücher bleibt vorbehalten.) E. Arnet. Emanuel.( Roman.) Orell Füßli, Zürich. Leipzig. Alice Bloch. Kindergymnastik im Spiel. Died u. Co., Stuttgart. Lore Bodmer. Die englische Gewerkschaftsbewegung in ber Striegs- und Nachkriegszeit. A. Rudolf, Zürich. R. Bucharin. Karl Kautsky und Sowjetrußland. Berlag für Biteratur und Politik, Berlin. 3. B. Edermann. Gespräche mit Goethe. F. A. Brodhaus, Beipaig J. Ermaniti. Bissenschaftliche Betriebsorganisation und Taylorsystem. J. H. W. Dies, Berlin. R. Gen. Zwischen der Ostsee und dem Stillen Ozean. Frankfurter Sozietäts- Druderei 8. Enlenburg. Neue Grundlagen der Handelspolitit. 2. Teil: Ausland. Dunder u. Humblot, München. G. I. Find. Der Kampf um den Everest. F. A. Brodhaus, Leipzig. Th. Boniane. Das Cderland. J. G. Cotta, Stuttgart 2. Frant. Die Schidfalsbrüde.( Erzählungen.) E. Rowohlt, Berlin 2. Frant. An der Landstraße.( Erzählung.) E. Rowohlt, Berlin. München. 1 Schröder, Stuttgart. ulik. Barbaren. A. Langen, Münden. S. Undset. Kristin Lavrans Tochter. Rütten u. Loening, Frankfurt a. M. Clara Vickig. Die Passion.( Roman.) Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. R. Borländer. Von Machiavelli bis Lenin. Quelle u. Meyer, Leipzig. J. Waffermann. Laudin und die Seinen.( Roman.) S. Fischer, Berlin. F. Westermann. Amerika, wie ich es sah. S. Meyers Buchdruderei, Halberstadt. R. Wilbrandt. Die Entwidlungslinie des Sozialismus. Quelle u. Meyer, Leipzig. R. Wilbrandt. Das Problem der Volkswirtschaftspolitik. Bd. IV. E. H. Morib, Stuttgart. D. Wilbe. Leste Briefe. S. Fischer, Berlin. B. Wirz. Im Herzen von Neu- Guinea. Rascher u. Cie., Leipzig Zietursch. Politische Geschichte des neuen deutschen Kaiserreichs. Bd. L Die Reichsgründung. Frankfurter Societätsdruderei. Die Kriegsdienstgegner der ganzen Welt. Internationale der Kriegsdienst gegner. Enfield Middlesex( England). Brototoll der Verhandlungen des 12. Kongresses der Gewerkschaften Deutschlands in Breslau. Algemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Berlin. Tagebuch eines Betriebsrats. Deutscher Textilarbeiter- Verband, Berlin. Bon einem Deutschen. Die Tragödie Deutschlands. Bierte erweiterte und berbesserte Auflage. E. H. Moris, Stuttgart. Sämtliche hier angezeigten und besprochenen Bücher tönnen durch die Buchhandlung 3. H. W. Dieh, Berlin SW. 68, Linden. Straße 2( Laden), bestellt werden. Sonderangebote in Damen Bekleidung GlockenMäntel gute reinwollene Stoffe 1975 Mengenabgabe vorbehalten Wintermäntel aus guten, gemusterten Stoffen....... 6⁹⁰ Jugendi. Mäntel 1375 flotte Faltenform. Wintermäntel beste Verarbeitung, ganz auf reiner Seide.... Mäntel Velours de laine, sehr aparte Form, mit Pelzkragen... Mäntel aus Sealpläsch, ganz gefüttert..... Mäntel Nutria- Wollplüsch ganz mit Foulardine gefüttert... Jacken aus ganz gefüttert. Echte NutriaNutria- Wollplüsch Echte 750 59⁰⁰ 69⁰⁰ 59⁰⁰ 3950 Echte Maulwurf- Bisam- od. Mäntel Mäntel Persianervon von Mäntel 39000 59000 Damen- Hüte Seidenplüschhüte mit eleganter Bandgarnitur, schwarz und braun Elegante Samthüte mit fescher Bandgarnitur...... Elegante Samthüte mit Straussfedergesteck.. 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