Nr. 1 ?0. Iaaaar 1�26 Mllcklnöie�ücherwelt Sei löge öes vorwärts Literaturgeschichke. Vkberl Soergel:„Dichtung und Dichter der Zeit. Neu« Folg«.' Leipzig, R. Voigtländer. LS6 Seiten. Preis gebunden 24 Marl. Sie erste Folge des Werkes, weiche die für«Ine Literaturgeschichte ungewöhnliche Auflagenhöhe von 70 000 Stück erreicht hat, wurde kaum je Irgendwo erwähnt, ohne daß die bedauernde Frage auf- tauchte, warum Soergel feine Arbeit nicht bis zur Gegenwart fort- fetze. Das ist nunmehr geschehen. Der zweite, selbständige und in sich geschlossene Band schildert zunächst die Vorbereiter und Vor- laufer des Expressionismus, die, wie Conradi. cheinrich Mann und Przybyszewsti, wie Peter Hille. Wedekind und Strindberg, schon in den neunziger Jahren und dann verstärkt im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts dem Drama, der Erzählung und der Lyrik neuen Inhalt und neue Formen gegeben haben. Der entscheidende Hauptteil des Buches gilt— bei ähnlicher Gliederung des Materials — der Vordergrundliteratur der letzten anderthalb Dezennien. Noch einmal wird hier das Fundament gelegt, indem die veränderte Art der Lugend, die Welt zu sehen, zu wollen und zu handeln, uns in einem verwirrend bunten Mosaik von Aussprüchen nahegebracht. das Bedürfnis nach Aktion und Formung des Seelischen an desien Vcrkündern Pinthus, Max Herrmann-Neitze, Pfemfert, Hiller. Rubiner u. a. erläutert und der Anteil der Wissenschaftler Freud. Bergson und Husserl knapp nachgewiesen wird. Entsprechend dem Anteil, welchen die Lyrik am Durchbruch des neuen Geistes gehabt bat, eröffnen die drei Toten Heym, Trakl und Stadler den Reigen der Expressionisten, die Sucher einer künftigen Gemeinschaft, die Rebellen gegen Krieg, Staatsordnung und alte Kunstsonnen führen auf die Höhen der literarischen Revolution, die dann in ihrer ganzen Breite und Tiefenwirkung, aber auch in chrem Abstieg an den Wort- führern de» Dramas und des Romans veranschaulicht wird. Wie nicht anders möglich, stehen dabei vom Dämon Besessene dickt neben kühlen Rechnern, junge Stürmer, deren Leben im Dichten nersträmte, neben wägenden Arbeitern und formenden Künstlern, Erfolgreiche neben Gescheiterten.— Der Gesamtertrag der fünfzehn bi» zwanzig Jahre aber erscheint jedenfalls neben dem Kraftaufwand und Lärm, neben dem Martyrium der einzelnen und der Geschäftigkeit der Cliquen betrüblich klein. Denn wieviel lebt noch von dem, was Soergel mit soviel Liebe und Teilnahm« oerzeichnet, welcher von all diesen Dichtungen ist es bestimmt, mehr als Dünger der Zukunft zu ifein? Es fragt sich, ob angesichts eines so gearteten Stoffes Soergel» an der Dichtung der„Modernen" und der„Reuromantik" so wohl» bewährten Verfahren durchaus am Platze war. und die Antwort fi kann nur bedingt aus„ja" lauten. Die verschiedenen Persönlichkeiten, die er schildert, haben vielfach nicht in ihrer individuellen Einmalig- teit, sondern als Vertreter von ganzen Gruppen und Gattungen für die Literatur Bedeutung, nicht ihr Gesamtwerk, sondern ein be- stimmter Wesenszug gib« ihnen ein Anrecht auf Beachtung. Soergel ober zeichnet die Menschen mit all ihrem Drum und Dran und unter- sucht ihr ganze» literarisches Gepäck, sein Buch zerfällt zum großen Teil in Künstlerbiographien und-chorakteristiken. Es wäre unge- recht, sich den Vorteilen dieser Methode zu verschließen Nur sie ermöglicht es. Fernstehenden ein Bild der Vorgänge und Leistungen zu geben, und man darf sagen: wer die 900 Seiten Soergels mit hren planvoll ausgewählten Belegstellen, Gedichten, Bildern, Skizzen, Druck- und Jllustrationsproben, ihren Inhaltsangaben und muster» haft-sachlichen. alle Parteilichkeit meidenden Betrachtungen gelesen hat. der kennt die Literatur des letzten Vierteljahrhunderts, zur gründlichen Orientierung, und als Nochlchlogewerk gibt es nichts Besseres als diese„Neue Folge" von„Dickning und Dichtern der Zeit". Aber Geschichte im höheren Sinn» bietet sie gleichwohl nur bier und dort. Der Einzelstrich« sind so viele, daß die große Linie unter ihnen fast verloren geht. Und wenn einer Epoche, so tut gerade Epochen de» Ueberganges. wo die dunkle oder heiße Sehn- sucht nach einem Wandel mehr bedeutet als die zufällige Einzelheit, wo sich die tausend Schreie zum Ehor zusammenschließen, die groß- Linie not, die Expressionisten werden verschwinden, aber einige Leit- gedanken des Expressionismus werden als Ferment in die Zukunft eingehen. Soergel hat so gewählt, wie Ihn der erste Band seines Werkes zu wählen oerpflichtete: er bewährte sich als treuer Diener am Wort und an der Leistung und lieferte fa ein reiches und umfassendes, fedem literarisch Interessierten unentbehrliches Gemälde. Den Sinn des Getriebes zu enthüllen, was übrigens heute zu versuchen zu früh wäre, überließ er den Männern der Synthese, die auch einen Irrtum nicht scheuen, um in der Erkenntnis weiter vorzudringen. Dr. A l s r e d K l e i n b e r g. Erziehung. Eduard Spranger: Psychologie de» Jugendalters. Verlag Quelle u. Meyer. Leipzig. vsrsität, Buch ül.. von Exemplaren gehend« Verbreitung gefunden. Spranger nennt(eine Psychologie im Gegensatz zu der alten Psychologie des Denkens, Fühlens und Wollen», die nur seelische Zustände in ihren einzelnen Elementen registrieren kann, im Gegensatz zu einer physiologischen Psychologie, die seelische Erscheinungen durch korxer- sich« Veränderungen erklären zu können glaubt, Psychologie des V e r st e h e n s. Sie beschreibt nicht seelische Erlebnifle, sondern versteht sie aus ihrer Stellung in einein übergreifenden Sinnzusammenhang. Sie weiß, daß Seelisches nicht aus Körper- lichem, sondern nur aus Seelischem zu begreifen ist. In letzter Hinsicht findet sie sich grundsätzlich mit der Psnchana- syse. Mst Alfred Adlers sogenannter Individualpsychologte geht Spranger ein gutes Stück zusammen.— Nacheinander betrachtet er die Auseinandersetzungen des jugendlichen Menschen mit den verschie- denen Wertgebieten. Er verfolgt das Phantasieleben und Phantasie- schaffen des Jugendlichen, feine Erotik, seine Sexualität, sein Hinein- wachsen in die Gesellschast, seine sittlich« Entwicklung, sein Rechts- bcwußtsein, seine Stellung zur Politik, zum Berus, sein« wissen- schaftlich- philosophische, seine religiöse Entwicklung. Er versteht also den Jugendlichen in den von ihm aufgestellten typischen menschlichen Grundhaltungen oder Lebensformen", wie sein bekanntes früheres Werk heißt. Voran stellt Spranger der Einzelerörterung«ine psychologisch« Gesamtcharaktcrtstik des Jugendalters. Als entscheidend für diese Lebenszeit erklärt er drei Züge: die Entdeckung des Ich, die allmäb- liche Entstehung eines Üebensplans, das Hineinwachsen in die«in- zelnen Lebensgebiete. Ob er nun in dein Absatz über das Phantasie- schaffen des Jugendlichen über den Lorrang des Subfektiven und Affektiven vor dem Gegenständlichen: ob er von der Abneigung dieses Alters gegen die fälschlich gerade dann in der Schule traktierte naive Dichtung spricht: ob er im nächsten Abschnitt die idealisierende Funktion der jugendlichen Erotik schildert und die Leistung der Erotik als Erhöhung der Innerlichkeit bestimmt:, ob er von dem Grauen beim ersten Innewerden des Sexualtriebes spricht: ob er unter Ablehnung billiger Theorien die Erkenntnis ausspricht, daß nur durch große Gegenstände, die die Seele ganz erfüllen, der sexuellen Not der Jugend eine selbst erzeugte Schutzwehr entgegen- gesetzt werden kann: ob er von der notwendigen Auseinandersetzung des Jugendlichen mtt der älteren Generation berichtet: ob er das jugendliche Asketentum, den moralischen Radikalismus des iungen Menschen schildert: ob er das Werden der Berusseinstellung aus den kindlichen Berufsträumen, den jugendlichen Berufsplänen und den ersten konkreten Berufserfahrungen entwickelt: ob er das Erwachen des Menschen zu seiner persönlichen Lebensrichwng und Weitanschau- ung unter den verschiedenen Einflüssen sieht und besonder» die Rolle des Meisters hervorhebt: ob er endlich das Ringen des Jugendlichen um die Religion unter den verschiedensten Formen als das Ringen um den Zentralsinn begreift:— überall findet sich eine Fülle oft verblüffend richtiger Beobachtungen. Nach zwei Richtungen wäre dennoch eine Ergänzung notwendig. Man vermißt manchmal die genauen Grundlagen, auf denen Spran- ger baut. Er besitzt eine stark« Intuition. Für den, der in sich die Stimmungen seiner Jugend nicht wieder lebendig machen kann, kann da» Buch aber ähnlich wie ein Kunstwerk ohne letzte zwingend« Kraft sein. Und dann, sogt Spranger selbst, daß er im wesentlichen das Jugenderleben der gebildeten bürgerlichen Jugend Deutschlands darstellt: tatsächlich gibt er allerdings weit mehr und verfolgt auch die Auseinandersetzungen der proletarischen Jugend, namentlich mit dem gesellschaftlichen Leben, mit viel Verständnis. Wer man merkt besonders in dem Kapitel über die Phantasie(Schwärmerei für Theaterbesuch und Iheaterspielen. Sterben der jugendlichen Bild- Hauerei, Unsählczkeit zu objektiver Gestaltung usw.) und dem über jugendliche Erotik, daß ihm hier zur Ergänzung seiner Anschauungen der Erlebnisboden in der proletarischen Jugend unserer Zeit fehlt. _ Fritz Karsea. Völterrechtslikerakur. Karl Strupp: Theorie und Praxi» des Völker- rechts. Berlin. Verlag von Otto Liebmann, 1925, 206 S. Geb. 8,50 M. völkerrechtssrogen. Eine Sammlung von Borträgen und Studien. Herausgegeben von H. Pohl und M. Wenzel. Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung. 192S. 1. Heft. Philipp Zorn: Weltunionen, Haoger Friedenskonferenzen und Völkerbund. KO 6. 2,25 M. Z. Heft, han, vomhoss: Die Revision der Mann- heimer Rheinschissahrtsakte. 104 S. 3,50 M. 4. Heft. ft. J. v. Grävenih: Die Tanger-Frage. Ein« völkerrechtsge'chichtliche Studie. 85 S. 3,50 M. 5. Heft. w. Mettgenberg: Ein Deutscher darf nicht aus- geliefert werden!(58 S. 3,50 M. 6. Heft. 3. JIC Vumlller: Die Eisenbahnen Elsah-Lothringens. 78 S. 3,50 M. Das Struppsche Buch stellt den Stand des Völkerrecht» im Frühjahr 1925 dar. Von 200 Seiten sind 15 dem.Völkerrecht im Frieden", 30 dem.Kriegsverhüiungsrecht", 00 dem.Kriegsrecht" ge- widmet. Diese drei dürren Zahlen spiegeln Fortschritt und Aufgab« heute ist l...______——.—— � W., gedacht überlegt und geplant worden als über das Recht des Fne- dens. Locarno ist nicht zu Ende und nicht Anfang, es ist ein Kilometer- stein der Bölkerrechtsentwicklung. Das zuverlässige Buch gibt auf alle Fragen Auskunst. Freilich wird sich in ihm nur zurechtfinden, wer das Stofsgebiet einigermaßen kennt. Das immer mehr in wesentlichen Teilen veraltende Buch Liszts übertrifft den Strupp freilich an Lesbarkeit. Strupp ist zum»ata- '" bestimmt: darüber hinaus ist es nur für den suristisches Fachstudium als Journalist oder artamenlarier mit guter Kenntnis der Außenpolitik sich in die dcmischen Gebrauch geeignet, der ohne Normen und Gesetze vertiefen will, nach denen sich der Berkehr der Staaten untereinander reg-lt. Zorns Vortrog vor Lehrern, Studierenden und Freunden der Universität Tübingen gibt zunächst einen anschaulichen und da» Wesentliche kräftig herausarbeitenden Ueberblick der internationalen Rechtsentwicklung, die von Anarchie zur Organisation durch.Welt- Unionen, Haager Friedenskonferenzen und Völkerbund" führt. Da. bei tritt die Eigengesetzlichkeit der das internationale Leben regeln- den oder sie ausdrückenden Normen in den Vordergrund, wie es für einen Juristen sich fast von selbst versteht. Was die Behandlung des Volkerbundes selbst angeht, so sieht Zorn richtig, daß alle bisherigen Gedankengänge in ihm münden. Seine Darstellung selbst aber ist gänzlich verunglückt. Er bricht aus dem Rohmen sachlicher Dar- stellung: Lloyd George und Clemenceau erscheinen voll .teuflischer Schlauheit", der Bölkcrbund alz ein.Monstrum", „voll von zynischem Materialismus. lediglich Werkzeug der französischen Rache und Ränkepolitik". Zorn erliegt völlig der einseitigen und überholten Darstellung Bülows. Das Wichtigste sind ihm am Völkerbund die Punkte,„die den Vöikerbundsral geradezu zu einer Vernichtung des Völkerbundgedankens machen". So wird be- dauerlicherweise das sonst alle Ernpsehlung verdienende Heft durch diese jeden Augenmaßes entbehrende, an jaljcher Stelle ansetzend« Kritik wertlos und führt in die Irre. Auch in den übrigen uns vorliegenden Monographien der an und für sich begrüßenswerten Sammlung.Vülterrechtsfragen" bricht die nationalistische Tendenz durch, die sich nicht scheut, durch politische Urteile und Urteilslosigkeiten die klare Entsaltuna der Rechtsgedanken zu zerstören. Insbesondere gilt das für die Studie über die Elsaß-Lothringischen Eisenbahnen, die sich über das Niveau einer besseren Doktorarbeit nicht erhebt: im geringeren Grade für die Arbeit über die Rheinschissahrtsakte. An Stelle des Heftes über das deutsche Ausliesorungsrecht mit allerhand belanglosen Einzel- Helten wäre eine flüssige Darstelluno des internationalen Rechts der Auslieferung von Verbrechern erwünscht gewesen. Die Darstellung der Tanger-Frage hingegen— bei der allerdings ver- meintliche deutsche Belange nicht zu wahren sind!— ist«ine gelungene rechtegeschichtliche Arbeit. Wolfgang Echwar- Sittengeschichte. 3w0 V � Ol** QM® <... �4® eva*0 JU®* *(W*** � k vei®� Berliner Verkauf8«tellen: Horch-Flliale. Unter den Unden 40-41/ Albert Leopold. Hardenbergatr. 27/ Budapestor Str. 8a/ Halensee, Heilbronner Str. 1-6 Länderkunde. Dr. Rudolf Asmis: Als wirtschaftspionier in Russisch Asien. Mit 96 Abbildungen und einer Karte. Verlag Don Georg Stilte, Berlin. 1925. Preis 15 m. Ein interessantes und lehrreiches Buch, das geeignet ist, dem Leser in großen Zügen ein anschauliches Bild von den inneren Zusammenhängen der verschiedenartigen Erscheinungen des Lebens in denjenigen Teilen des gegenwärtigen Sowjetstaates zu geben, welche der Verfasser auf seiner Reise besucht hat. In seiner Zum Geleit" überschriebenen Borrede betont er, daß feine veröffentlichten Tagebuchblätter durchaus tein wissenschaftliches Reisemerf, audy fein wirtschaftliches oder handelspolitisches Nach Schlagebuch sein sollen; sie wollten vielmehr lediglich dazu beitragen, die Kenntnis jener Gebiete, wie sie sich nach der Revolution dem Ausländer darstellen, zu verallgemeinern und damit die Auf nahme wirtschaftlicher Beziehungen zu erleichtern". Der so um grenzten Aufgabe wird das vorliegende Buch in vollem Umfange gerecht. Denn abgesehen von der lebendigen Schilderung der Erleb nisse und Schwierigkeiten der Reise enthält es soviel Wissenswertes über geographische, tulturelle und wirtschaftliche Berhältnisse und besonders über die politischen Vorgänge, die mährend der letzten Jahre in einigen der bereiften Gegenden stattgefunden haben, daß auch ein Renner Ruffisch- Asiens das Buch mit Interesse lesen wird. Die in tnapper, flarer Sprache gegebenen Schilderungen wirken um so mehr, als der Berfasser es vermeidet, dem Urteil des Lesers durch seine eigene Kritit vorzugreifen, fondern rein objektiv berichtet. Und gerade in dieser fühlen, objektiven Betrachtungsweise, die es dem Leser überläßt, aus dem Gegebenen seine Schlüffe zu ziehen, liegt einer der Borzüge der Tagebuchblätter" vor einer großen Zahl anderer Reiseberichte aus Sowjetrußland. Inhaltlich bietet das Buch mehr als sein Titel verspricht, indem es außer dem eigentlichen Russisch- Asien auch die völkerrechtlich selb ständige, aber unter startem ruffischen Einfluß stehende Mongolei und weiterhin auch die Mandschurei in den Bereich seiner Schilde rung einbezieht. Diese Erweiterung des ursprünglichen Plans des Berfaffers wurde durch die Erklärung der Unabhängigkeit der Mongolei und feine Annäherung an Sowjetrußland wünschenswert gemacht. Benn schon die Beschreibung dieser Reisen an und für fich für jeden ein großes Interesse bietet, so wird dieses noch bedeutend erhöht durch die zwischen die einzelnen Kapitel eingeschalteten Auffäge über politische und wirtschaftliche Fragen, welche die bereisten Provinzen betreffen. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die folgen den: die Zustände in der Republik des Fernen Oftens; die politischen und wirtschaftlichen Brobleme des russischen Fernen Oftens; die Seite 68 ff. in wörtlicher Ueberlegung gegebenen Afte der Unab. hängigkeitserklärung der Mongolei und des Abkommens zwischen der russischen Sowjetrepublik und der mongolischen Boltsregierung; die Landwirtschaft im Amurgebiet; der Goldbergbau im Fernen Often; der Belzhandel im Fernen Often; die politische Lage in Russisch- Zentralafien; die Baumwollfrage. In dem Schlußfapitel seines Buches gibt der Berfaffer einen Rückblick auf die Ergebnisse seiner Reifen in politischer Beziehung. Er erwähnt zuerst die zweifellos richtige Tatsache, daß im Sommer 1923 die Sowjetmacht in ganz Russisch- Asien sich soweit gefestigt hatte, daß die andere, in Asien interessierten Mächte den Weg der Intervention verlassen und den der Verhandlungen mit Sowjetrußland beschreiten mußten. Der Einfluß der Ideen der russischen Revolution auf die Bölfer Afiens ist offenbar ein starter, aber, wie Asmis mit Recht bemerkt, bei den einzelnen Bölfern sehr verschieden. War es, wie er feststellen fonnte, in Japan der soziale Gegensaz, welcher den japanischen Arbeiter gegen die herrschende Klasse revolutionierte, so war es bei den Koreanern der Wunsch nach Befreiung von der japanischen Gewaltherrschaft, bei den Mongolen, Burtäten, Kirgisen und anderen nationalistische Selbständigkeitsbestrebungen, denen die Ruffen flugerweise meitestgehende Konzessionen machen. Allen Bölkern Afiens aber ist der Bille gemeinsam, die Gleichberechtigung mit der bisher herrschenden europäischen Raffe zu erzmingen. Nur bei den Mohammedanern des Südens. in Turtestan, stieß der Bolfchemismus als Idee, nach Asmis' Beobachtungen, auf schroffe Ablehnung. Und daß er sich auch hierin nicht geirrt hat, beweist der seither in beständigem Bachsen begriffene Rampf der Basmatschi" gegen die Sowjetherrschaft, denn der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern auch ein soziales System, dem die sonst jo anpassungsfähige Sowjetpolitit nicht gewachsen ist. Es find gerade in unseren Lagen für die Politit in Aften beherzigensmerte Worte, daß nur die Nation wirklich dort Einfluß behalten wird, die nicht mehr vom Standpunkt des Herrenboltes aus, sondern von dem des älteren und erfahreneren Freundes dem jungen auftommenden Bolte zu helfen sich bemüht; Führung und Leitung auf wirtschaftlichem und tulturellem Gebiet unter Vermeidung jeglicher strupellosen Ausbeutung werden ihr fünftig dauernden Einfluß in Asien verschaffen. Da fann Deutsch land mithelfen, ohne fremde Rechte zu verlegen oder zu beein trächtigen". Das Buch von Asmis wird ohne Zweifel in denjenigen Kreisen, die ein ernstes Interesse für die geschichtlichen Borgänge im gegen wärtigen Rußland haben, eine gute Aufnahme finden. Schade, daß der hohe Preis der Berbreitung in weiteren Kreisen ein wenig hinderlich ist. Prof. Erich Bernstein. Sozialpolitik. Helene Simon: Landwirtschaftliche Kinderarbeit. F. A. Herbig Berlag, Berlin 1925. 378 Seiten. Preis geb. 8 M. In letzter Zeit ist über mehrere Borträge berichtet worden, in denen Genoffin Dr. Simon die Notwendigkeit des Schuges der land wirtschaftlichen Kinderarbeit besprochen hat. Das außerordentlich wertvolle Material, das fie in ihrem nunmehr vorliegenden Buche nerarbeitet hat, ist enthalten in einer staatlichen Erhebung über die Lohnbeschäftigung von Schulkindern in der Landwirtschaft im Jahre Jn Jn438 Ven tur 1904( also kurz nach dem Infrafttreten des Kinderschutzgesetzes), die bezeichnenderweise bis dahin unbekannt in einem Ministerialarchio verborgen lag, und in einer Umfrage des Deutschen Kinderschutzver. bandes über Kinderlandarbeit aus dem Jahre 1922. Das Buch bat fich zur Aufgabe gesetzt, zu prüfen, ob auch in der Landwirtschaft ein besonderer gewerblicher Kinderschutz notwendig und durchführ bar ist. Auf die ungemein interessanten Ergebnisse der beiden Um fragen hinsichtlich des gewaltigen Umfangs der landwirtschaftlichen Kinderarbeit, ihrer Bedeutung für Volts- und Einzelwirtschaft, ihrer Beeinflussung in erziehlicher und ökonomischer Wechselbeziehung fann hier nicht näher eingegangen werden. Es sei auf das besprochene Buch nachdrücklich hingewiesen, das allen Genossen, die in der Sozialpolitik, Wohlfahrtspflege und Bermaltung tätig sind, besonders auch den Ortsausschüssen für Arbeiterwohlfahrt dringend empfohlen werden kann. Die Arbeit tommt, zu dem Ergebnis, daß eine gefegliche Regelung auch der landwirtschaftlichen Kinderarbeit dringend erforderlich ist, obschon die zahlreichen Schwierigkeiten erkannt sind, die sich solchen Schußbeſtimmungen entgegenstellen, und daß zunächst die Beaufsichtigung dieser Arbeit von den Jugendämtern auf dem Lande durchgeführt merden müßte. Die sorgfältig geordneten und klar zusammenge faßten Resultate der Umfragen werden gewiß wertvolle Borarbeit fi die bevorstehende Gesezesarbeit sein. Walter Friedländer. Kriminalpsychologie. Dr. Erich Wulffen: Die Psychologie des hostap. lers. Verlag Dürr u. Weber, Leipzig 1924. 89 6. Wer Dr. Wulffens Berte tennt, den nimmt es nicht wunder, daß er gerade den Hochstapler zum Gegenstand einer besonderen friminal- psychologischen Studie gemacht hat. Es ist der selbe Grund gedante, der alle seine Werke durchdringt. Ganz gleich, ob es sich um seine äußerst lehrreichen kriminal- psychologischen Schilderungen der Helden Shakespeares und der Hauptmannschen Dramen oder um seine wissenschaftlichen Schriften die zweibändige Psychologie des Berbrechers" und die didleibigen Bände Der Serualverbrecher und„ Die Serualverbrecherin" handelt, stets zeigt er in ebenso überzeugender wie spannender Weise, daß bereits im Kinde all die Eigenschaften zu finden sind, die aus dem erwachsenen Menschen später unter Umständen ein asoziales Individuum, in diesem Falle einen Betrüger entstehen lassen.( Näheres darüber siehe in dem aufschlußreichen Buche Wulffens„ Das Rind".) Durch die Aufdedung dieser Entwicklungsstufen werden gewissermaßen Fingerzeige gegeben, mie den zur Ausartung neigenden Eigenschaften vorzubeugen ist. Der Berheimlichungsinstinkt des Kindes, seine Berstellungskunst, feine interessierten Aussagefälschungen, seine Schwindeleien, das Doppelleben, zu dem es durch die Umgebung so oft gezwungen wird alles das fann unter ungünstigen Bedingungen ins Berbreche rische hinübergleiten. Man versteht, wie aus Beranlagung und Erziehung schließlich der Charakter des Hochstaplers entsteht. Der fertige Hochstapler will sich nicht den ihm vom Schicksal vorge schriebenen Bahnen fügen, es drängt ihn höher hinaus. Kann er fein Ziel nicht mit gewöhnlichen und erlaubten Mitteln erreichen, so fällt er seinen Wunscherfüllungsträumen zum Opfer. Er bedient fich seines Schauspielertalents, seiner Aufschneidekunst, um als Hochstapler Erfolg zu haben. Wie kompliziert die Psychologie eines solchen Menschen ist, weist Dr. Wulffen an der Hand einer Reihe be rühmter Hochstapler nach, unter denen der Hauptmann von Köpenid, der falsche Bürgermeister Alexander, der Hoteldieb Manulestu Alias Fürst Schwarz, der Abenteurer Cagliostro, falsche Mediziner und Geistliche nicht fehlen. Nicht weniger interessant ist die Galerie der Hochstaplerinnen, die vorgeführt wird: die Heiratsschwindlerin nen, die Berlinerin Martha Kupfer, die Pariserin Therese Humbert, die Goldprinzessin Henriette Bauline Wilte, die erotischen und psychopathischen Hochstaplerinnen, hysterische Schwindlerinnen u. a. m. Mit gewohnter Schärfe deckt Dr. Wulffen die Berührungspunkte auf, die zwischen der Psychologie des Hochstaplers und der Aus. brudsform des Künstlers bestehen. Werte von Händel und Hebbel, teller und Goethe merden als Beweise angeführt, aber auch die Betrüger in den Bolksmärchen, Tartarin und Beer Gynt tommen zu ihrem Recht.- Das Büchlein tann einem jeden, der sich für das Verbrecherproblem interessiert, warm empfohlen werden. Leo Rosenthal Erzählende Literatur. Miguel de Unamuno: Abel Sanchez, die Geschichte einer Leidenschaft. Berlag Meŋer u. Jeffen, München. Wenn Philosophen Romane schreiben, so werden es meist so. zusagen, Stelettromane, d. h. es ist ein solides tragfähiges Gedankengerüst da, eine saubere bewußte Problemstellung, eine Ideologie, die fertig war, ehe an ihre Bersinnbildlichung durch handelnde und widerhandelnde Personen geschritten wurde. Aber diese Personen bleiben gedankliches Prinzip, werden nie zu Dollsaftigen, haut- und fleischüberzogenen Einzelmenschen, und lassen in feinem noch so dramatischen Augenblick vergessen, daß es nicht ihr eigenes individuelles, sondern allgemein menschliches Schicksal ist, das sie zu erleben perpflichtet sind. So überdauern diese fostümierten Gedankengespenster Generationen, deren gefühlvolle Begeisterung sie nicht erweden fonnten. Der spanische Philosoph Unamuno behandelt in diesem Buch das Kain Motiv in paradigmatischer Weise. Er schildert die Trogödie eines Menschen, dem es nur mit ungeheurer Mühe möglich ift, die Liebe und Achtung seiner Mitmenschen zu erwerben, und der zeitlebens einen anderen vor Augen hat, dem beides tampflos in den Schoß fällt( unser modernes Gefühl märe zufriedener, wenn der Autor den Beweis erbracht hätte, daß ein jeder beides, zugleich Rain und zugleich Abel, ist). Nach einem Lebent des Kampfes gegen die brudermörderische Gewalt des Neides, und nachdem seine großen 5.90 13° Bemühungen beinahe einen Ausgleich im äußeren Erfolg geschaffen haben, erbringt das gemeinsame Enfeltind noch einmal den Beweis der ewigen Ungerechtigkeit, indem es den anderen Großvater vor. zieht. Da mordet der greise Kain den greisen Abel. Wie eine Krankengeschichte zeigt das Buch die seelenmörderische Kraft des Reides, eines unberechtigten Neides, weil er feineswegs sozialer Ungerechtigkeit entspringt, sondern dem Bedürfnis eines unsicheren Menschen, sich unablässig mit anderen zu messen, jeden Erfolg des anderen als eigene Niederlage zu empfinden. Daß ein folcher Mensch nicht zur Freude seiner Umgebung werden kann, daß selbst seine sozialen Leistungen nicht als Auswirkungen der Nächstenliebe, sondern als erfolghungrige Streberei empfunden werben, ist ebenso flar, wie daß er aus dieser Wirkung seiner Person und seiner Leistungen immer neue Bestätigungen seiner unverdienten Benachteiligungen durch Natur und Geschid erblicken wird. Es ist Unamuno mit großem psychologischen Scharfblid gelungen, den alten Kainmythos zu durchdringen und neu zu beleben. Wie Gott das Opfer Kains verwarf, so verwirft die Menschheit iede Leistung, die dem persönlichen Ehrgeiz entspringt, anstatt dem Gemeinschaftsgefühl. Dieses tiefe und in seiner Darstellung ungemein prägnante Buch ist innerhalb der von Otto Buet besorgten Gesamtausgabe der Berte Unamunos in ausgezeichneter Uebersetzung erschienen. Gina Raus. Knut Hamfun: Gesammelte Werte, Band X( Novellen). Albert Langen Verlag, München. Knut Hamsun steht außerhalb jeder Mode, jeden Stils, jeder Epoche; er gibt nur Natürliches, Persönliches, Herzhaftes. Niemals ift er Betrachter aus der Vogelschau, überlegener Philosoph, Globetrotter durch Europas Zivilisationsgemengsel. Magister. Hamsun erzählt. So wie ein ehrlicher Mensch redet. Hat er zu diesem und jenem eine eigene Meinung, so wird er sie dem Leser niemals aufbrängen, sondern höchstens andeuten. Er weiß, daß Pathos und Bhrafen ganz überflüssig find. Er hat mir das heilige Pathos der Sachlichkeit. Wie ein guter Arzt. Hamfum gibt nur Natürliches, Persönliches. Echtes, Herzhaftes. Niemals ist er wie z. B. Thomas Mann, den man deswegen Betrachter aus der schäßen und mißschäßen fann, am extremſten Bogelschau, überlegener Philosoph, Globetrotter durch Europas ZiviliMensch redet. Hat er zu diesem und jenem eine eigene Meinung, so fationsgemengsel, Magifter. Hamsun erzählt. So wie ein ehrlicher wird er sie dem Leser niemals aufdrängen, sondern höchstens andeuten. Er weiß, daß Bathos und Phrasen gang überflüssig sind. Er hat nur das heilige Bathos der Sachlichkeit. Wie ein guter Arzt. Der X. Band der Hamsun- Ausgabe des Berlages Langen( zwölf Bände find im ganzen geplant) bringt Novellen. Siesta( 1897), Geftrüpp( 1903), ämpfende Kräfte"( 1905) find die Titel der Bücher, die der Band enthält. Ernst Braufemetter, Mathilde Mann und Hermann in waren sprachfühlige lleberseger, die viel von standinavischer Kühle und Wesensschwere zu bannen verstanden. Ihre Menschen bleiben Menschen, werden nie mals Schemen, gleichgültig welche Sprache sie sprechen oder welche Leser sie lesen. Wie dem armen Erzähler die Königin von Saba", ein fühnes Mädchen nämlich, das er liebt, immer wieder durch die Lappen geht, wie er ihr nach Jahren, nicht minder liebesfüchtig, im Städtchen Kalmar begegnet und dort feststellen muß, daß seine δα Königin längst zu einem andern fand und ihn verleugnet werden auch wir mehselig, wir ,, Ausländer". Wie sich ein föstlicher Kampf mit einer ganz gewöhnlichen Fliege mittlerer Größe" ent Ipinnt da müssen auch wir lächeln, wir ,, Ausländer". Wie der dunkle Fall erzählt wird von einem gequälten Manne, der darunter leidet, daß ein Geheimnis, das ihn ins Verderben bringen tönnte, niemals offenbar wird da packt auch uns ein Grauen vor den Tiefen der Seele, uns Ausländer". Erich Gottgetreu S. Dembiger: Holländische Nächte. Verlag Erm Oldenburg, Leipzig. Haag und einigen Landstädten und Dörfern Hollands. Immer verEine Reihe persönlicher Lebensschilderungen aus Amsterdam, dem fnüpft mit dem Leben und Leiden des überempfindsamen Autors, der zwar die Kriegsjahre in dem neutralen Auslande verlebt, aber dort wie nirgends seinen Frieden gefunden hat. Melancholisch, felbft dramatisch, wie das Leben von Dembigers heimatlichen Ditjuden, is schreibt er, und der launige Wig, dieses bißchen Ausgleich der ge brüdten Judenseele, funtelt nur selten in Dembigers Stizzen auf Bedachtsame Menschen werden sie mit Anteilnahme lesen. R. B Neue Bücher. Besprechung der eingegangenen Bücher bleibt vorbehalten.) E. Bergmann. Einführung in die Philosophie. Zwei Bände. Ferd. Hirt, Breslau. Sten Bergman. Bulkane, Bären und Nomaden. Streder n. Schröder, Stuttgart. Dr. W. Bloch. Vom Kienspan bis zum künstlichen Tageslicht. Died x. Ca Stuttgart. 2. Brulez. Holländische Philosophie. Ferd. Hirt, Breslau. C. Colbert. Das goldene Ralb.( Roman.) Wiener Boltsbuchhandlung, Wien. 3. G. Fichte. Politische Fragmente. Herausgegeben von Reinhold Streder. A. Feiler. Amerita- Europa. Frankfurter Societäts- Druderei m. b. 5. R. S. France. Das Land der Sehnsucht. J. H. W. Diez Nachf., Berlis. M. Gorki. Der Sohn der Nonne. J. 5. B. Diez Nachf., Berlin. W. Hagemann. Das erwachende Asien, Germania, Berlin. H. Holet. Der graue Film. Wiener Volksbuchhandlung, Wien. A. Holz. Ecce Boeta. Ignorabimus. Die neue Wortkunst. . Ripling. Das neue Dschungelbuch. tafus I- III. Teil. J. H. W. Diez Nachf., Berlin. Feliz Meiner, Leipzig. Rim. schichten aus den Bergen. Paul List, Leipzig. Bhan Bud. Kleine Ge Sämtliche hier angezeigten und besprochenen Bücher sind in der Buchhandlung 3. H. W. Die Nachf., Berlin SW. 68, LindenStraße 2( Caden), erhältlich. 139 17669 Wäschestoff Uberlaken Großes Oberbett Metallbettstelle Daunendecke starkfädig, 80 cm breit Fertige Betten Echt türk- rot Inlett m. Halbdaunen Oberbett. .... 41.00 Wäschestoff mit Hohls. versiert Bettwäsche Damast- Bezüge Oberbett.. Unterbett...... 33.90 Kissen Kissen... Daunen- Oberbett echt türkischrot, lila, • Linen- Bezüge ... 10.25 2.75 Oberbett 130x200 6.35 Kissen... Bettlaken 14.30 1.95 2.25 3.65 Wäschestoff, 49.50 fraise Inlett mit Mo- 49.50 nopoldaunen. Handtücher Reinleinen- Drell..65Pt. 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