Nr. 3 7. März 1926 Blick in die Bücherwelt Fürsten- Literatur. Gerth: Die unmöglichen Hohenzollern. Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin. 184 S. Grashoff: Das wahre Gesicht der Hohenzollern Verlag G. Biemsen, Berlin. 189 G. Berlin. 312 S. H. D. Henel: Thron und Altar ohne Schminte. Freidenferverlag G. m. b. S., Leipzig- Lindenau. 162 6. Werner Kautsch: Hofgeschichten aus der Regie rungszeit Kaiser Wilhelms II. Verlag G. Ziemsen, In einem Augenblic, in dem die Hohenzollern und die ganze In einem Augenblick, in dem die Hohenzollern und die ganze fürstliche Kumpanei es magt, einem verarmten und ausgebluteten Bolt das leider verabsäumt hat, sich rechtzeitig seinen Barasiten endgültig zu entledigen schamlos und strupellos mit„ Entfchädigungs" forderungen zu kommen, tann jede Schrift willkommen geheißen werden, die sich der Mühe unterzieht, den Anteil von Bolt und Fürst an der geschichtlichen Entwicklung des Landes in das richtige Bergleichsverhältnis zu rücken. Jeder ernsthafte Ver= such ist zu begrüßen, den Dunstkreis aufzuhellen, mit dem eine hohenzollernhörige, liebedienerische Geschichts, wissenschaft" und Schulerziehung die Massen" einzunebeln verstanden hat. Es ist leicht, von„ Einseitigkeit" da zu sprechen, wo einem Legendenwust von Generationen zunächst nur die nackte Tatsache der wirklichen Begebenheit gegenübergestellt werden kann, um den Boden zu bereiten für ein gerechtes Urteil. Ein Urteil, das freilich, so oder so, ein anderes sein wird aus dem Geist der aufsteigenden Arbeiterklasse, als aus dem Geiſt einer bisher mit der Monarchie interessenverbundenen bürgerlichen Gesellschaft. Ist es ein Wunder, daß jede Untersuchung der hohenzollernschen und sonstigen deutschen Fürstengeschichte zur Feststellung strupelloser Bereicherungssucht führt? Werner Kautsch bringt die mit eigenem ständigem Begleittegt versehene Zusammenstellung der bekannten„ Enthüllungen einer englischen Hofdame" und des Hofzahnarztes Nathan A. Davis aus New York" nebst einem Anhang aus dem Buch des Franzosen Dumur„ Der Fleischer von Verdun", der hauptsächlich den Kronprinzen zum Objekt hat. Der Verfasser, der sich Ausfälle gegen die Sozialisten nicht entgehen läßt, will Wilhelm II. als„ normal" retten und einen wesentlichen Teil der Schuld seiner rückgratlosen Umgebung zuschieben. Das Resultat ist, so oder so, vernichtend. Erwähnenswert besonders ist die ausnahmsweise schäbige Behandlung und Entlohnung aller Dienstangestellten in den hohenzollern schen Schlössern. Eine leicht lesbare Auswahl türzerer Einzelstücke, glossiert vom Standpunkt des Freidenfers, hauptsächlich aus der Fürstengeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts: Ueber Mätressenwirtschaft und Rechtsbrüche, Etikette und Fürstenwahnsinn, fürstlichen Vermögenserwerb und firchliche Habsucht gibt en el. Sein Material entnimmt er hauptsächlich der Behse'schen Geschichte der deutschen Höfe und der( ja schon Lessing zu ihren Mitarbeitern zählenden) Bossischen Zeitung". Einige zeitgenössische Illustrationen beleben den Tegt, besonders die prächtige Karikatur des" Marschalls Druff" aus dem Jahre 1848.( S. 153). Jeder Arbeiter wird das Büchlein gern lesen und Waffen darin finden, blöder Berdummung entgegenzu treten. Die Arbeit von Grashoff ist eine Gesamtgeschichte des Hauses Hohenzollern bis zum Jahre 1850, unter Berufung auch auf Franz Mehrings Urteil. Sie begrenzt sich auf das rein Tatsächliche & und bildet in ihrer Art eine Begleitgeschichte zu den im Schulunterricht bis dato benutzten Unterlagen für den Unterricht in der preußischen Geschichte. Man kann das Buch gut und gern schon dem Bierzehnjährigen zu Hause in die Hand geben zu vergleichenden Zwecken. Bedauerlich ist, daß die Arbeit in einem Zuge geschrieben ist, ohne jede Einteilung. Das muß geändert werden. Gerth behandelt das gleiche Thema, aber geht bis in die Gegenwart. Fast die Hälfte des Buches ist der Zeit seit 1862 Zusammenstellung der zeitgenössischen Urteile über Wilhelm II. gewidmet. Die Einteilung ist geschict; das Ganze lesbar; die ( Friedrich III., Eulenburg, Scheidemann, Rathenau, Erzberger, Tirpitz, Bayer, Hohenlohe, Waldersee), die Auswahl aus seinen Reben, die Selbstcharakteristiken des Kronprinzen und, nicht zum wenigsten, der durchgängige Hinweis auf die zugrunde liegenden Geldinteressen der Hohenzollern, find sehr glücklich für Bropagandazwecke geeignet. So erfüllt jedes der Büchlein seinen 3wed; teinen anspruchsvollen geschichtswissenschaftlichen, aber einen notwendigen gegen wartspolitischen. Man soll alle vier nach Möglichkeit verbreiten. de E. Diederichs. Auswärtige Politif. Gruyter, Berlin. 179 Seiten. Karl Strupp: Das Wert von Locarno. Berlag Wilhelm Heile: Nationalstaat und Bölterbund. 5. Meners Buchbruckerei, Halberstadt. 101 Seiten. Breis 2,50 m. Strupps völkerrechtlich- politische Studie muß auf Wirkung in weiterem Streise verzichten. Nicht nur find dokumentarische Belege des 65seitigen Anhangs, sondern auch viele in den Tegt eingestreute Zitate aus Noten und Ministerreden nur in der Fremdsprache wiedergegeben. Man fönnte sich jedoch mit dem„ akademischen" Charakter der Schrift abfinden, wenn he wenigstens den Vermittler wissen schaftliche Ergebnisse an breitere Schichten eindringlich und tiefschürfend belehrte. Aber auch hier versagt die Arbeit. In der deutschen völkerrechtspolitischen Literatur ist die Unart verbreitet, anfechtbare politische Urteile in den Mantel wissenschaftlicher Objektivi tät zu hüllen. Auch diese Schrift ist nicht frei von politischen Schnellurteilen: so wenn sie schlankweg das ebenso ungeschicht formu lierte wie in einem ungeschickten Augenblick vorgebrachte Sicherheitsangebot Cunos vom Dezember 1922 mit dem vom Februar 1924 vergleicht und es dabei, ohne Begründung, als nicht minder ernst haft gemeint" bezeichnet. Auf der anderen Seite unterläßt die Schrift, den eigentlichen Problernen des Bertragswertes auf den Leib zu rücken. Ob die vier Schiedsverträge von Locarno nicht eben durch ihre Verknüpfung mit dem Völkerbund ein anderer Schiedspertragstyp geworden sind als die früheren deutschen Schiedsver träge, inwieweit die Gebietsgarantie des Rheinpattes einen frei willigen Verzicht auf Elsaß- Lothringen bedeutet oder inwieweit der Charakter des Bölkerbundes durch die Aufnahme Deutschlands gewandelt wird, alles Fragen, deren Beantwortung der Verfasser aus dem Wege geht. Im Vergleich zu der Struppschen Scheingründlichkeit wirkt die feine Schrift des früheren demokratischen Reichstagsabgeordneten Heile durch ihre anspruchslose Sachlichkeit um so hübscher. Das auch äußerlich trefflich ausgestattete Büchlein ist zwar vor Locarno geschrieben, aber nimmt auf den Vertragsabschluß doch immer wieder Bezug und stellt ihn mitten hinein in den Fluß der Entwicklung. Es Schuh Strumpf - Schuh und Strumpf in richtiger Farbe vervollständigen Ihre Frühjahrstoilette. Die richtige Abstimmung der Farbe von Schuh und Strumpf bedarf fachmännischer Beratung. Unser bestgeschultes Personal steht beratend zu Ihrer Verfügung. Die enorme Auswahl in neuesten Schuhmodellen und dazu passen• den farbigen Strümpfen kann Ihnen nur ein derartig grosses und anerkannt leistungsfähiges Haus, wie wir es sind, bieten. Hier einige Beispiele: Dieses neue Modell blond und holzfarbig Chevreau, mit echtem Louis XV.- Absatz 50 19 LODON Beilage des Vorwärts beginnt mit der Bemerkung, daß es sich in Europa nicht um einen Wieder-, sondern um einen Neuaufbau handle und schließt mit dem Ausblick auf den wahren Völkerbund ,,, feinem ideologischen Traum, sondern einem Ziel idealistischer Politik". Fünfzehn kleine fünf- bis achtfeitige flüssig und voltsverständlich geschriebene Abschnitte stellen gewissermaßen anschauliche Schnitte durch das Gesamtproblem einer bewußten europäischen Ordnung dar. Wenn sie auch den soziolo= gisch geschulten Leser nicht völlig befriedigen, so gewähren Heiles ,, Gedanken über Deutschlands europäische Sendung" doch einen guten der Demokratischen Parteien"( eine Art Nachahmung der sozialiEinblick in die Ideologie der von Heile mitgegründeten„ Entente stischen Internationale), gefehen mit den Augen eines eigenwilligen Berfassers. Wolfgang Schwarz. Carl Bergmann: Der Weg der Reparation. Bon Berfailles über den Dames- Plan zum Ziel. Berlag der Frankfurter Sozietätsdruckerei, Frankfurt a. M. 1926. 409 Seiten. Die Darstellung des Reparationsproblems, die der ehemalige Staatssekretär Bergmann jetzt erscheinen läßt, ift eine gute Er gänzung zu dem im vorigen Jahre herausgekommenen Berk des Legationsrats Simon Reparation und Wiederaufbau". Während Simon in seinem Buch den innerpolitischen Vorgängen während der Jahre 1919 bis 1924 mehr Raum gibt, stellt Bergmann die Reparationsfrage unter den Gefichtspunkien dar, die er als Beauftragter der Reichsregierung in den verschiedenen Reparationskonferenzen und während seiner sonstigen Tätigkeit gewonnen hat. Allerdings sind ihm bei seiner Darstellung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse der Inflationszeit einige ungenauigkeiten unterlaufen, die geeignet sind, die ursächlichen Zusammenhänge zwischen industrieller Machtpolitik und negativer Entwicklung der Reparationsfrage undeutlicher zu machen, als sie in Wirklichkeit waren. neben Das Bedeutsamste an dem Werke Bergmanns find einem interessanten Kapitel über den Marksturz und die Bereinigten Staaten die beiden letzten Kapitel, in denen er sich mit dem zufünftigen Problem der Reparationen, mit der Umwandlung der nach dem Dawes- Plan von Deutschland aufzubringenden Reparationsbeträge in fremde Währungen auseinandersetzt. In Erkenntnis des Umstandes, daß diese Umwandlung, der sogenannte Transfer, kaum in Höhe der vollen deutschen Reparationsverpflichtungen möglich sein wird, wenn die Bestimmung des Dawes- Plans, daß die deutsche Währung unter allen Umständen stabil bleiben muß, eingehalten werden soll, schlägt Bergmann vor, den Reparationsbetrag, den Deutschland insgesamt zu zahlen hat, endgültig festzusetzen, und ihn durch die Auflegung einer internationalen Anleihe zu kapitalisierer, Auf diese Weise würde den Gläubigerstaaten die Möglichkeit gegeben sein, ihre Forderungen an Deutschland zunächst aus dem Anleihe. tapital zu decken. Als endgültigen Betrag hält Bergmann nur eine Summe für tragbar, die unter 30 Milliarden Goldmark liegt. Allerdings bringt der Vorschlag Bergmanns immer noch feine vollständige Lösung des Transferproblems, höchstens eine Erleichterung insofern, als die Transferfrage bei einer Kapitalisierung der Reparationen für verschiedene Gläubiger Deutschlands( besonders Frankreich) wegen der sofortigen Berfügbarkeit des Kapitals ihre ausschlaggebende Bedeutung verliert. In den letzten beiden Kapiteln des Bergmannschen Buches sind so viele Anregungen für die zukünftige Gestaltung der Transferfrage enthalten, daß es sehr wünschenswert wäre, wenn sich daraufhin das öffentliche Interesse auch in Deutschland diesem schwierigsten der Reparationsprobleme mehr als bisher zuwendete. So sehr auch die Lack- Spangenschuh mit Leder- oder Lonis XV.- Absatz Brauner Spangenschuh prima Boxcalf, gedoppelt, amerikanischer Absatz. Herren- Schnürhalbschuh mit grauem Naccocalf- Einsatz. 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Die Bedeutung Goldscheids für die sozialistische Bewegung tritt aus diesem kleinen Werf noch deutlicher hervor als aus seinem ersten 1917 erschienenen Hauptwert Staatssozialismus oder Staatstapitalismus". Seine These, daß Staatskapitalismus und Menschenökonomie die zwei Grundpfeiler geordneter Wirtschaft sind, wird in einer tiefgehenden Kritik der Zusammenhänge zwischen den Zwecken des Staatshaushalts im fapitalistischen System und den Zwecken der privatkapitalistischen Wirtschaftsführung verankert und für die Botit praktisch gemacht." Die finanzpolitische Ausbeutung stellt geradezu das unentbehrliche Korrektiv der privatwirtschaftlichen Ausbeutung dar, sie bildet das öffentlich- rechtliche Fundament des Rapitalismus." Die bürgerliche Finanzwissenschaft ist daran vorübergegangen, wie außerordentlich stark Steuerausbeutung und fcpitalistische Ausbeutung, Steuerschraube und Profitschraube einander wechselseitig ergänzen". In Anlehnung an den Philosophen des Als- ob", Vaihinger, wird auch die Sonde an die Gründe gelegt, aus denen die bisherige Finanzwissenschaft statt eine wirkliche Wissenschaft der volkswirtschaftlichen Funktion des Staatshaushalts zu geben, durch willkürliche Tatsachenverschleierung über die wahren Busammenhänge hinweggetäuscht hat. Nicht die Eristenz des Kapitalismus überhaupt, sondern die Expropriation des Staates durch den Privatkapitalismus und seine ausschließliche Dienerrolie den Privattapitalisten gegenüber kennzeichnet die Vernunftwidrigkeit der heutigen Wirtschaftsordnung. Erst die Re propriation des Staates, die Wiedereinsetzung des Staates als Haupteigentümer und Bewirtschafter des werbenden Vermögens vermag die Volkswirtschaft zu einer„ Boffs" wirtschaft zu machen und den Widerspruch zwischen fapitalistischer Wirtschaft und sozialproduktiver Staats. wirtschaft zu beseitigen. Es ist eben in Wirklichkeit solidarische Gesellschafts-, Finanz- und Wirtschaftspolitik, was den innersten Sinn des richtig begriffenen Sozialismus ausmacht."„ Das arme Gemeinwesen ist der schleichende Bankerott in Permanenz und damit das Ende der Demokratie. Das gesellschaftlich fontrollierte, an Reich tum stetig zunehmende, sein wachsendes öffentliches Eigentum immer forgfältiger und tüchtiger verwaltende tapitalfräftige Gemeinwesen ist der Anfang zu ausreichend wirtschaftlich fundierter Demokratie, zu geordnetem Haushalt, zu friedlichem Zusammenleben und frucht barem Zusammenarbeiten der in ihrem lebensnotwendigen Bedarf gesicherten Völfer." Goldscheid hat in dieser Schrift den ersten Versuch gemacht, sein ftaatskapitalistisches Sozialisierungsprogramm als praktisch zu beweisen. Darin beruht ihre Bedeutung. Sie ist wertvolles und höchst beachtenswertes Material für die praktische Durchführung der Sozialisierung. Wer sich mit ihren Problemen beschäftigt, wird die fritische Studie Goldscheids mit in erster Linie berücksichtigen müssen. Gustav Klingelhöfer. Naturkunde. Wilhelm Bölsche: Bon Drachen und Zauberkünften Berlag Diederichs, Jena. 192 Seiten, Preis geb. 6,50 Mart. Bier in sich abgeschloffene Einzelstücke vereinigt Bölsche in dieser Jugend- und Boltsausgabe": a) Der Drache im Schwabenland. b) Geirfugls Glüd and Ende. c) Ein Abenteuer im australischen Busch. d) Das Geheimnis des Südtontinents. Die ersten drei gehören insoweit innerlich zusammen, als sie entwicklungsgeschichtlicher Betrachtung dienen. Im ersten erzählt Bölsche von dem Sauriergrab in der Schwäbischen 21b( dem größtbekannten der Welt, das zeitweise alljährlich 150 bis 200 Fundstücke geliefert hat), vom Werden und Untergang dieser Drachen", von der Wiederherstellung ihrer Stelette und der Herauspräparierung aus dem Juragestein. Die Tragödie des einst mit dem Binguin viel verwechselten Geirfugls, eines Riesenalfs, endete 1844 mit der Erwürgung der beiden legten Exemplare durch isländische Fischer auf einer einsamen Klippeninsel. Eine der vielen Tragödien, beren letter Anlaß tapitalistisches Profitmüten ist. Bom Keratodus( Hornzahn), einem Molch fisch, dem Uebergang zwischen Fisch und Amphibium, einem sogenannten Lungenfisch, der fich nur an einigen wenigen Pläßen Australiens findet, berichtet das britte Stück. Zwei Exemplare des seltenen Tieres befinden sich jetzt auch im Berliner Aquarium. Das längere vierte Stüd ist eine geschichtlich- geographische, romanhaftspannende Erzählung von Träumen und Fahrten nach dem Südkontinent. Eine furze Geschichte der Entdeckungsreisen von der Zeit der Griechen und Phönizier ab bis zu Amundsens Entdeckung und„ Scotts letzter Fahrt". Ein schönes Stüd, wenn man auch manchmal wünschen möchte, daß trop des engeren 3weds der Darstellung auf die Bedeutung der Triebfräfte etwas tiefer eingegangen wäre. Von größter Naturliebe erfüllt, leicht lesbar, wird das Buch zur Einführung in biologische und ähnliche Probleme fehr geeignet fein; ein schönes Lesebuch neben dem Unterricht. Auffällig, oder vielmehr charakteristisch ist, daß Bölsche einigemal auf das Hypothetische des Entwicklungsgedantens hinweisen zu müssen glaubt, ohne daß er selbst allerdings seinen Kern irgendwie aufgibt. Karl Schröder. Henry Hoek: Better, Wolten, wind. Ein Buch für Jedermann. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1926. 250 Seiten, Breis geheftet 6,50 m. Eine Vorausbestimmung des Wetters ift für jeden, welchen Beruf er auch betreiben, wo er sich auch aufhalten möge, in der Stadt, I | auf dem Lande, auf einer Erholungsreife im Gebirge ober an der Graefe unterstreicht die Lebensunmittelbartelt, bas rabifale Betenni See, in gleicher Weise wichtig und erwünscht. Die Wissenschaft vom nis zur einfachen Wirklichkeit, das den Dichter über jede artistische Wetter, die Meteorologie, vermog zwar für große Gebiete den all- Bertung hinaus erhebt und ihn zum Führer adelt, im edelsten gemeinen Charakter der Witterung für einige Tage vorherzusagen, Sinne des Wortes: zum helfenden Ratgeber für wirkliche, leidende für bestimmte Orte indessen muß sie sich mit Anfündigungen für Menschen. höchstens einen Tag begnügen, die aber auch noch feineswegs die Genauigkeit und Sicherheit aufweisen, die wir bei anderen Naturwissenschaften, beispielsweise bei der Astronomie, gewöhnt sind. Es muß für jeden reizvoll sein, die Grundlagen der Wetterbildung und der Voraussage seiner Gestaltung fennen zu lernen. Das will Hoek in dem vorliegenden Buch vermitteln, wobei er auch den gerade bei dieser Materie so vielfach vorhandenen Aberglauben schildert und die allbefannten Bauernregeln auf das ihnen zukommende Maß an Bertrauen zurückführt. Da der Verfasser sich an jedermann wendet, so vermeidet er wissenschaftliche Fachausdrücke und sucht sie überall durch deutsche Worte zu ersetzen, wobei ihm freilich hier und da auch ein Mißgriff mit unterläuft. Richtige Anschauungen über die Wetterbildung und die Better vorausfage möglichst weit zu verbreiten, ist gewiß ein erstrebens wertes Ziel, und deshalb ist dem frisch und klar geschriebenen Buche, das mit einer Reihe wohlgelungener Landschaftsaufnahmen bet verschiedener Wettergestaltung ausgestattet ist, ein großer Leserkreis zu wünschen. Der Preis wird freilich manchen verhindern, es sich anzuschaffen; um so mehr sollte es in Bibliotheken fürs Boll eine Stelle finden. Dr. Bruno Borchardt. Neue Dostojewski- Literatur. Karl Nöhel: Das Leben Dostojewskis. H. Haeffels Verlag, Leipzig 1925. 846 S. Preis 15 M. Julius Meier- Graefe: Dostojews: i der Dichter. Ernst Rowohlts Verlag, Berlin 1926. 531 S. Preis 10,50 m. Dostojewski am Roulette. Herausgegeben von Fülöp- Müller und Dr. Friedrich Eckstein. R. Piper u. Co. Verlag, München, 1925. 267 S. Geh. 5 M. Die Lebenserinnerungen der Gaffin Dostojewskis. R. Piper u. Co., München, 1925. Geb. 5 M. 3. M. Dostojewski. Gesamtausgabe. Das dichterische Wert in 16 Bänden. Bisher erschienen: Ein Berdender, 2 Bände; Die Dämonen, 2 Bände; Der Jdiot, 2 Bände; Aufzeichnungen aus einem toten Hause. Erniedrigte und Beleidigte. J. Ladyschnikows Verlag, Berlin. Preis pro Band Ganzl. 7,50 M. Daß die Wirkung Dostojewskis auf die europäische Geistesent. wicklung von Jahr zu Jahr noch in stetem Steigen begriffen ist, stellt an und für sich ein historisches Phänomen besonderer Art dar, das wesentliche Rückschlüsse auf den Dichter selbst gestattet. Die Bedeu. tung der Tatsache ergibt sich uns allerdings erst, wenn wir auf ge wisse leere Begriffe, deren sich die landläufige Kunstbetrachtung gern bedient, verzichten. Denn mit der bloßen Feststellung der dichterischen Kraft" eder der fünstlerischen Originalität" ist einer so umfassenden Erscheinung gegenüber nicht viel anzufangen. Wir stehen vor einer Entwicklung, die sich auf der breitesten Basis entfaltet und weit über die bloßen Bildungs- und Kunstwerte hinausgreift. In der Wirkung liegt der beste Beweis dafür, daß der russische Dichter jene wesentlichen seelischen Konflikte darstellt, die für den Men schen der Epoche, die wir durchleben, schicksalshafte Bedeutung haben. Dostojewsti erfühlte, in jene stürmische Spanne der ruffischen Entwicklung hineingestellt, welche durch die Bauernbefreiung gefennzeichnet ist, die ganze sittliche Problematit einer in allen Vorauslegungen ihres Bestandes revolutionierten Welt. Er zeichnete den Menschen in jener für das gesamte tapitalistische Zeitalter typischen seelischen Not, welche die ganze Spannweile zivifchen extremem Individualismus und radikalster Gemeinschaftsforderung umfaßt. Alle Helden Dostojewskis find frank in ihrem Gemeinschaftsgefühl, das nach der gültigen Anleitung für eine tragfähige menschliche Beziehung fucht, ohne sie finden zu können. Sie suchen alle den Weg zu einer neuen Daseinsform der Gemeinschaft, die sie niemals zu fassen bekommen. Sie sind, ihrer Seelenstruktur nach, fapitalistische Menschen", Menschen mit der großen Enttäuschung im Herzen, welche die rotionalistische Beherrschung der Welt nicht vor der Erkenntnis bewahren fann, daß Macht und Entfittlichung sich in verhängnis voller Weise gegenseitig bedingen. Wenn man Meier- Graefes und Nözzels Arbeit zusammennimmt, so erscheint die Hoffnung berechtigt, daß die Dostojewsti- Forschung der Pericde des Tastens und Suchens bereits entwachsen ist un einer einheitlichen Formulierung der Probleme entgegenstrebt, die der große Russe in uns anregt, wobei Meier- Graefe allerdings be reits fefte Zielpuntte in bezug auf die gegenseitigen Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen des Gesamtwertes gewinnt, die fein zufünftiger Forscher wird übersehen können. Zur tieferen Einfühlung in Leben und Wert Dostojewstis wird auch die Veröffentlichung des Nachlasses beitragen, mit welcher der Verlag R. Piper, München begonnen hat. Neben den Lebenserinnerungen und dem Tagebuch der Gattin Dostojewskis( siehe„ Borwärts" vom 13. Dezember 1925), die uns eine unmittelbare lebendige Beziehung zu dem Schicksal des Dichters vermitteln, liegt auch ein Band vor( Dosto jemski am Roulette"), der leider weniger hält ais er verspricht. Von der neuen Gesamtausgabe des Verlags Ladnschnitom liegen bereits acht Bände vor. In Uebersetzung und Ausstattung stellt sie dem Verantwortungsgefühl und dem Geschmack der Heraus geber das beste Zeugnis aus. Sie trägt in würdiger Weise dazu Otto Kaus. bei, dem deutschen Leser die Kenntnis Dostojewskis zu vermitteln. Dichtung. ( Tschechoslowakische soziale Poesie.) Anthologie tschechoslowakischer Rudolf Jllovy: Ceskoslovenská Poesie Sociálni Gedichte fozialen Charakters. Verlag des Zentral- Arbeiterverlages ( Ant. Sveceny), Prag 1925. Das vierbändige, über tausend Seiten zählende Wert enthält eine von Rudolf Illovy, Redakteur unseres tschechischen Bruder. blattes Právo Lidu", veranstaltete Auswahl sozialer Dichtungen ( Lyrif und Epif) aus tschechischen Dichtern. Der erste Band bietet sogar Proben tschechischer sozialer Dichtung aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Andererseits ist das Sammelwert mit so einer Gründlichkeit gearbeitet, daß feiner der jüngsten modernen sozialen Dichter des tschechischen Boltes vergessen wurde. Ein längeres Borwort gibt eine Uebersicht über die historische Entwicklung der sozialen Dichtung bei den Tschechen, die Auswahl der Dichtungen ist ebenso, chronologisch nach der historischen Entwicklung der sozialen Poeste unter den Tschechen, getroffen. Dankbar muß man dem Autor dafür sein, daß er sogar tschechische, mährische, Schlesische und flowakische Volkslieder sozialer Tendenz in einem besonderen Kapitel aufgenommen hat. Bedauerlich ist nur, daß das Wert nicht auch eine Uebersicht der reichen sozialen ProsaDichtung der Tschechen gibt. So kommt es, daß Schriftsteller mit ausgesprochen sozialer Tendenz, die nur Prosa schrieben, nicht J. Reismann. erwähnt werden. Neue Bücher. ( Besprechung der eingegangenen Bücher bleibt vorbehalten.) Schalom Asch. Ein Glaubens- Martyrium; Mottle, der Dieb; Die Zauberin von Kastilien; Onkel Moses; Der elektrische Stuhl.( 5 Bände.) J. Ladyschnikow, Berlin. Dr. K. Birgl- Matthiasz. Das Betriebsräteproblem. M. de Gruyter, Berlin. Rudolf Bode. Neue Wege in der Leibeserziehung. C. H. Bed, München A. Bozi und O. Sartorius. Die deutsche Wirtschaft. N. Hobbing, Berlin. . von Braden. Die Prügelstrafe. Verlag Am andern Ufer, Dresden. Laurids Bruun. Van Zantens Abenteuer. S. Fischer, Berlin. Die deutsch- russischen Rechts- und Wirtschaftsverträge, R. Hobbing, Berlin. G. Cleinow. A. Demangeon. Das Britische Weltreich. K. Bowindel, Berlin. Ch. W. Domville- Fife. Unter Wilden am Amazonas. F. A. Brodhaus, Leipzig. 2. Eldersch. Jrrweg des Glaubens. R. Cerny, Wien. F. Fairgrieve. Geographie und Weltmacht. K. Vowindel, Berlin. 2. Feuchtwanger. Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch. Kiepena heuer, Potsdam. 2. Leonow. Wetterleuchten. Taunus- Berlag, Berlin. R. H. Francé. Harmonie in der Natur. Franch, Stuttgart. R. Glanz. Deutsch- russisches Vertragswerk bom 12. Oktober 1925, R. v. Deders Verlag, G. Schend, Berlin. Die unerbittliche Konsequenz, mit welcher Dostojewski diefes F. Gregorovius. Rom in der Renaissance.( 2 Teile.) A. Langen, München. Problem entwickelte, macht feine Größe aus. Sie fann besser nicht. Harms. Weltwirtschaftliches Archiv. 23. Band, Heft 1. G. Fischer, Jena. erfaßt werden als in dieser historischen Zweckmäßigkeit, die gleich- Th. Hartwig. Die Erschaffung der Welt. R. Cerny, Wien. zeitig ihre allmenschliche Bedeutung aufdeckt. Es ändert nichts daran, B. Seller. Nationalökonomie. S. Meyer, Halberstadt. daß die schöngeistig- metaphysische Richtung der Dostojewsti- Forschung G. Senjeleit. Das weibliche Arbeitsinspektorat in Deutschland und Engi land. J. Springer, Berlin. fich mit einer naiven Empörung gegen jede historische" Deutung zur Als W. Herrmann. Das hamburgische Jugendgefängnis Hahnöfersand. J. Bene Wehr setzt, die sie zu grundsäglichen Absurditäten verleitet. heimer, Mannheim. ein solches abstraftes Experiment mit unirdischen Voraussetzungen ist Möbels Biographie anzusehen, die in ihrem brauchbaren Teil. Hesse. Bilderbuch.( Reiseschilderung.) S. Fischer, Berlin. sehr fergfältig alle Daten über das Leben und Schaffen des Dichters D. Roellrentter. Die politischen Parteien im modernen Staate. F. Hirt, 5. Keljen. Das Problem des Parlamentarismus. B. Braumüller, Wien. zusammenträgt, um dann den unmöglichen Bersuch zu unternehmen Breslau. ( den Nözel schon öfter sfizziert hat), Dostojewski zu einer voraussegungslosen", gleichsam ewigen Persönlichkeit zu fublimieren, zu einem Wesen ohne Fleisch und Knochen und daher auch gänzlich unverständlich in seinen Auswirkungen. Nözels Standpunkt muß auch in psychologischer Beziehung versagen, da er nur widerwillig die Bedingtheiten von Dostojewskis Bersönlichkeit zur Kenntnis nimmt. Seine Zusammenstellung ist daher nur in einem beschränkten Sinne eine Biographie zu nennen, als erste übersichtliche Einführung in die Materie leistet sie jedoch eine unentbehrliche VorMeier Graefe hält sich. mit Abficht vor allem an das Wert. Der Untertitel seines Buches(" Destojewski der Dichter") ist programmatisch gemeint. Sein Buch stellt den ersten und in wesent. lichen Beziehungen bereits gelungenen Bersuch dar, an der Hand einer von Wert zu Wert fortschreitenden ästhetischen Analyse den einheitlichen, sich stets wiederholenden Grundgedanken von Doftojewftis Schöpfung darzustellen. Die strenge Folgerichtigkeit der dichterischen Haltung Dostojewskis in der reichen Mannigfaltigkeit der Abwandlungen wird unmißverständlich aufgedeckt. Meierarbeit. Die neue 10 Plück Packung Einfach durch Zusammenlegen von 5 arbeitsgängen in einen Handlich bequemer Karton in jeder Tasche zu tragen Pauber hygienische Verpackung ohne manuelle Berührung 1000 0040 www H. Lofting. Doktor Dolittle und feine Tiere. Williams n. Co., Berlin. R. Mayrider. Der typische Verlauf sozialer Bewegungen. W. Braumüller, Wien. G. Obst. Der Bankberuf. C. E. Boeschel, Stuttgart. Karlsruhe. Oppenheimer und Salomon. Soziologische Lesestüde. 2 Bände. G. Braun, 3. v. Pflugt- Hartung und B. Herre. Weltgeschichte der neuesten Zeit. 1890-1925. 2 Teile. Ulstein, Berlin. . S. Reymont. Die polnischen Bauern. E. Diederich, Jena. Romain Rolland. Das Theater des Volkes. Rotapfel- Verlag, Zürich. B. Roth. Die Entstehung des polnischen Staates. D. Liebmann, Berlin. Otto und Alice Rühle. Das proletarische Kind. Am andern Ufer, Dresden. Stuttgart. 5. Stegemann. Das Trugbild von Versailles. Deutsche Verlagsanstalt, Das Wert der Freunde Romain Rollands. Rotapfel- Berlag, Zürich. Sämtliche hier angezeigten und besprochenen Bücher sind in der Buchhandlung 3. H. W. Dieh Nachf., Berlin SW. 68, Lindenftraße 2( Caden), erhältlich. 10 Hück 5093 BACCARAT GARBATY Fisch faniol- u. 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