�Hlick in öie �üchertoelt Dem Derfasser ist es gelungen, ohne Anwendung der Mathe- matik in das schwierige Gebiet der Relativitätstheorie einzuführen: freilich liegt es in der Natur der Sache, daß man einen solchen Stoff nicht durch einfaches Lesen, sondern nur durch eindringende Denk- arbeit beim Lesen bewältigt. Wer solche Arbeit nicht scheut, sie viel» mehr geradezu sucht, dem kann das Buch auch in der neuen Auflage aufs beste enipfohlen werden. Dr. Bruno Borchardt. Technik. Alfred Jlaud: Der wissenschaftliche Schlosserbetrieb. Verlag der Deutschen Schlosserzeitung, Berlin. 92 Seiten. Das knapp, aber übersichtlich gefaßte Werk spricht in überzeugen- der Weise vom Klein- und Mittelbetrieb. Die Krebsschäden der „Kundenkrauterei" werden mit rücksichtsloser Schärfe ausgedeckt. Dann aber macht der Verfasser den Versuch, den Kleinmeister zum Nachdenken zu veranlassen. Er zeigt ihm Wege zur Produktions- steigerung, er gibt die Mittel zur Unkostenverminderung an, macht ihn mit dem Wesen der modernen Reklanie vertraut und sagt ihm endlich, daß er die Pflicht habe, an den Errungenschaften der modernen Technik nicht nur schlechthin teilzunehmen, sondern, daß er sie auch geistig zum Nutzen seines Betriebes zu verarbeiten und zu verwerten habe. Handelten die Kleinmeifter im Sinne dieses Buches, so könnten sie auch in der Zeit des Hochkapitalismus sich manchen Freund gewinnen, denn sicherlich bleibt auch für sie noch genug zu wirken übrig. Willy M ö b u s. Erzählende Literakur. Arnold Ulih: Barbaren. Verlag A. Langen, München. Das sinnvoll-unsinnige Leben hat es Arnold Ulitz angetan. j£ein Roman..Barbaren" ist ein grausames Buch. Barbaren— das ist ja eigentlich nur eine leere Vokabel:„Anderssprachige" bedeutete sie den Griechen, Menschen, die sich ihrer Zivilisation verschlossen, den römischen Eroberern: für Ulitz heißt sie nur„Menschen" schlechthin. Präziser noch- der Mensch als Sammelbegriff. Und daß sein Roman um mehr als einen Menschen kreist, hat seinen Grund vielleicht nur darin, daß eine erdachte Gestalt unmöglich die Vielseitigkeit einer wirklichen haben kann, wenn sie glaubhast sein soll. So stellt er sie nebeneinander: Falton, den Gelehrten, der als Rest einer untergegangenen Polarexpedition zu dem Nomadenstamm kommt, und Wigwag, den verseuchten Europaaus- nmrf. der, von den Gesetzen verfolgt, hier Zuflucht suchte, Pantuk, den Herren- und Turrwull, den Usurpator, und schließlich das Weib Lüma, die Lächlerin. Unendlich weit scheint die Entfernung zwischen ihrer kindhaften Demut und der unflätigen Niedrigkeit Wigwags, aber grausam läßt Ulitz alle Seelenregungen schillern— und wo bleibt„Gut" und„Böse"? Das bist du: eins wie das andere. Der Mensch als Geschöpf ist Ulitz undefinierbar und elementar, tiernah und doch nicht Tier. Er findet die Vokabel„Barbar" jür ihn,- ober das Wort ist hier fast ohne Anklänge, ein schönes, neues beinahe geworden. Ein trauriges zugleich: denn dunkle Sehnsüchte klingen daraus, die unerfüllt zwar Reichtum sind, aber durch törichte Zielsetzung eng und arm machen. Wissen, Reichtum, Macht—'was ist daran? Wenn ich befehlen kann: was gewinne ich dabei? Aus Quecksilber Gold machen, wie Falton: wozu? Reichtum: kann man mehr als esien, als ausschlafen, als sich kleiden? Was hilft dann Ueberfluß? Und trostloser noch als all die Fragen ist die Antwort, daß nicht der Gewinn für den einen, sondern der Verlust für den anderen das Ziel ist, daß die Furcht die Welt regiert, die den Haß gebiert. Haß aber bezwingt das Leben, verkehrt es in Widersinn, läßt die Menschen für die kurze Spanne Zeit ihres Daseins sich bekriegen und unterjochen, und die Wissenschaft ist gut, um dabei zu helfen. Vier Jahre hat der Gelehrte Falton im Eise verbracht, er weiß nichts vom Weltkrieg, der vorübertobte. Aber sein Gift- gas, das er in zielloser Gelehrtenleidenschaft erfand, tötete an einem Tag vierzehntausend Menschen. Er hört es und erschauert einen Augenblick, um dann die erlösende Formel zu finden, daß Stephen- son, der Erfinder der Lokomotive,-ja auch kein Massenmörder sei, obgleich die Eisenbahn dem Kanonentransport diente. Das klingt nach Zynismus und ist in der Umkehrting doch nur eine einfache Wahrheit: daß Kultur und Massenmord, infolge des Widersinns der bestehenden Gesellschaftsordnung, Hand in Hand gehen. Ulitz philo- fophiert nicht viel darüber, er stellt es nur im Geschehen der Hand- lungen fest. Und in all diese Sinnlosigkeiten hinein leuchtet eine schöne, köstlich schöne Welt. Denn Ulitz ist ein Dichter, wenn auch sein Buch ihm und dem Leser oft nicht Zeit läßt, daran zu denken, da Grauen vor der Menschheit, die hier so sachlich und beinahe anatomisch appetitlich zerlegt wird, rastlos vorwärts peitscht, durch schillernde Sagen und glänzende Sätze und harte, rauhe Wahrheiten, wie es eben kommt. T. E. Schulz. Likeraturgeschichie. „Epochen der deutschen Literatur." Herausgegeben von Pros. Dr. IuÜus Z e i t l e r. 1. Band: Wolfgang G o l th e r;„Die deutsche Dichtung im Mittelalter. 890— 1500", 3. Band: F. I. Schneider: „Zwischen Barock und Klassifizismus. 1700— 1785", 6. Band: Hans Naumann:„Die deutsche Dichtung der Gegenwart, 1885— 1923". (Stuttgart, Verlag 3. B. Metzler.) Eine Sammlung literarhistorischer Einzelschristen, die sich pro- grammatisch„Epochen der Literatur" nennt, muß vor allem den Charakter der einzelnen behandelten Epochen herauszuarbeiten trach» ten, sie darf also nicht im engen Sinne„Literaturgeschichte" bleiben. Zum„Epochalen" gehört die„Kultur" im weitesten Sinne mit dazu, die sozialen, politischen und weltanschaulichen Voraussetzungen ge- statten überhaupt erst, von Epochen als einem organisch gerundeten Ganzen zu sprechen. So betrachtet, kann die Einteilung des Werkes nicht befriedigen: Das Jahr 1500 hat weder in der Geschichte noch in der Dichtung jene Bedeutung, die man ihm gewöhnlich der En!» deckung Amerikas wegen zubilligt: was um 1500 eintrat, waren Höhenerscheinungen einer Entwicklung, die lange vor jenem Jahr eingesetzt hatte und erst viel später ablief. Darum muß G o I t h e r s Darstellung ziemlich plötzlich abbrechen, und ähnliches gilt von dem Punkte, bei welchem Schneiders Buch beginnt. Einschnitte or- ganischer Art ergaben sich weit eher beim Uebergang von der feudalen zur srühkapitalistischen Ordnung des ersten Kaufmannskapitals, dann bei den Ansängen des Merkantilismus, des bürgerlichen Mittel- standes, des Jndustrialismus und Spätkapitalismus, mögen auch die geistes- und formgeschichtlich gerichteten bürgerlichen Gelehrten bei diesem„wirtschaftlichen" Einteilungsgrundsatz Aerger und Entrüstung erfasien. Auch in der inneren Anlage der einzelnen Bände stört der gleiche Mangel: Jede Seite bezeugt wohl, daß hier sachkundige, aus eigenem Wissen und Schauen aufbauende und den Stoff vollkommen beherrschende Forscher an der Arbeil sind,«christsteller zugleich, die klar und anschaulich zu schildern und Gedanken einleuchtend zu em- wickeln wissen— aber mehr, als gediegene und exakte Literaturgeschichten alten Stils kommen dabei, wenigstens was Golther und Schneider anlangt, nicht heraus, neue Beschreibungen und neue Gruppierungen sind der ganze, für Fachgelehrte gewiß sehr beträchtliche Ertrag. Vielleicht dürste man den Band über die fruchtbaren Jahrzehnte von 1700— 1785 anders beurteilen, wenn Professor Schneider, seinem ursprünglichen Plan getreu, die Auseinandersetzung der Deutschen mit dem barocken Erbe des 17. Jahrhunderts zum einzigen Gegenstand des Buches gemacht hätte, denn damit wäre der ganze Gesellschaftswandel jener Tage, soweit er sich in der Kunst- form ausdrückte, mit zur Darstellung gelangt. Aber das zeitliche Prinzip, nach welchem Schnejder seinen Bericht schließlich doch an- ordnete, schädigt die große Linie allzusehr durch Einzelheiten. Hans Naumann ist seinen Kollegen gegenüber dadurch un- bestreitbar im Vorteil, daß er einen wissenschastlich noch nicht' so durchpflügten Boden bearbeiten und aus die lebhafteste Teilnahme der Leser rechnen darf, und, was das Wichtigste ist: er hat uns über Naturalismus, Neuromantik und Expressionismus wirklich Neues, Eigenartiges und Tiefes zu sagen. Von vornherein und grundsätzlich der Entwicklung der Formen als dem charakteristischen Ausdruck seelischer Umstellungen zugewandt, führt uns Naumann zuerst den Weg, den das Drama zwischen 1885 bis 1923 ging, um nach den hier gefundenen Gesichtspunkten die Gestalhingsgesetze von Erzählungskunst und Lyrik zu untersuchen. Kunsterzieherisch leistet Naumann dadurch sehr wertvolle Dienste. Denn er erzieht dazu, statt auf das Roh-Stofsliche und dessen Verfeinerung, die psycholo- zische Kunst, auf die Art des Dichters im Schauen und Gestalten zu achten, er schärfst das Ohr für die Plastik des Ausdruckes, der Ge- fühle und Leidenschaften. Beispielsweise verfolgt er, so hellhörig wie überzeugend, wie in den Dichtern des Expressionismus das Verant- wortungsgefühl für ihre Zeit erwachte und wie sich damit der Rhyth- mus von Gefühl und Sprache notwendig änderte. Desto störender fällt allen diesen Vorzügen gegenüber Naumanns Mangel an sozio- logischem Tiefblick aus. Ganz eingesponncn in die gcistesgeschichtlichen Vorgänge, in den Wandel und Ausbau der realistischen und roman- tischen Zeitidee, verleiht er diesen Ideen ein völlig selbständiges, un- abhängiges Leben, als ob nicht der Wandel der gesellschaftlich-wirt- schaftlichen Grundlagen den letzten Anlaß zur Zurückdrängung des Realismus hinter die Seelen- und Phantasiekunst geboten hätte. Was hat denn in Wahrheit die Kunst des inbrünstigen Aufschwunges, des neuen Menschheitsverbindenden Ethos ausgelöst, wenn nicht die Triebkräfte eines starken, früher nie vorhandenen Gemeinschafts. gefühles, dieses ersten Boten künstiger Massenkultur? Der Sozialis- mus hat begonnen, die eng-polittsche Umhegung zu überschreiten und die Geister nach seinen Bedingungen zu formen, das Zeitalter des Egoismus läuft, mag uns gegenwärtig der Eigennutz in noch so widerlichen Formen umdräucn, mit Naturnotwendigkeit seinem Ende entgegen und in der Ahnung kommender Gemeinschaft saugt sich die Dichterseele, die ihrer Zeit immer um eine Generation voraus ist, mit den Idealen der Zukunft voll. Der Ltterarhistoriker, der wirklich Gcistesgeschichtc'betreiben will, hat da die Pflicht, nicht nur die in der Dichtung sichtbar zutage tretenden Veränderungen zu vcr- zeichnen, sondern auch deren treibende Ursachen aufzudecken, „Literaturcpochen" gerade lassen sich nur darstellen, wenn man sie als Ueberbau über sozialen Epochen erkennt. Dr. Alfred K l e i n b e r g. Aaturkunde. Roberl henseling: Mars: feine Rätsel und seine Ge- schichte. Stuttgart, Verlag Franckh. 78 S. mit 54 Abbildungen. Geh. 1,50 M.. geb. 2,40 M. Ein empfehlenswertes Büchlein, das einen klaren Ueberblick über die Geschichte und den gegenwärtigen Stand der Mars- soxschung gibt, sich dabei jeder phantastischen Uebcrtrcibung enthält, sondern deutlich aus die Schwierigkeiten aufmerksam macht, die sich einer sicheren Deutung dessen, was man im Fernrohr auf dieser uns benachbarten und doch so fernen Welt— in seiner größten Erd- nähe ist der Mars noch 8 Millionen Meilen von ims entfernt— erblicken kann. Von einer einheitlichen Ausdeutung der Gesamtheit der Beobachtung sind wir noch weit entfernt. Friedrich Becker: Eine Fahrt durch die Sonnenwelt. Berlin und Bonn. Ferd. Dümmler, 1925. 131 S. mit 29 Ab- bildungen. Das empfehlenswerte Büchlein setzt keine besonderen Vorkennt- nisse, sondern nur die gewöhnliche Volksschulbildung voraus und wendet sich an Leser, die zum Durcharbeiten eines umfangreicheren Werkes über astronomische Dinge weder die Zeit noch die genügende Vorbildung haben, ober sich für diese Dinge lebhaft interessieren und sich gern darüber unterrichten wollen. Das Buch gibt keine Phantasie- vollen Schilderungen, sondern die Resultate des nüchternen wissenschaftlichen Forschens, diese aber in unterhaltender, anregender Weise. Paul kirchberger: Was kann man ohne Mathematik von det Relativitäts lehre wissen? Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. Karlsruhe, C. F. Müller. 1925. 104 S. Lustfahrlwesen. Hans Poeschel: Einführung in die Luftfahrt. R. Voigtländer, Leipzig. 1925. 162 Seiten mit 31 Abbildungen und drei Karten. Preis geb 2,30 M. Im Auftrage des Deutschen Luftfahrtverbandes hat Hans Poeschcl eine Reihe im Luftsahrtwesen bekannter und bedeutender Persönlichkeiten zur Bearbeitung der einzelnen Teile des großen Gebietes der Luftfahrt gewonnen, die dann systematisch geordnet sind. Ans die Luft- und Wetterkunde von Kurt Wcgener und Karl Schneider folgt eine Vorgeschichte der Lustfahrt von Poeschel selbst: er behandelt auch die Fahrt mit dem Ballon, während die mit dem Luftschiff von Eberhard Lempertz, einem Mitarbeiter des Dr. Eckener. bearbeitet ist. Diesem Abschnitt, für den ursprünglich Dr. Eckener vorgesehen war, hat dieser ein kurzes Geleitwort mitgegeben. Die Entwicklung und die verschiedenen Arten des Fliegen? werden von Walter Georgii, Kurt Wcgener, Hugo Kromer behandelt. Es folgt ein kurzer Abschnitt über Modellbau und Modellflugzeug von Oskar Urstnus, worauf Hermann von Wilanowitz-Moellendorf den Luftver- lehr schildert. Die Bedeutung der Luftfahrt im Dienste erknndlichcr Forschung und der Vermessung schildert Erich Ewald: den Abschluß bildet eine kurze Aufforderung von Ernst Brandenburg an die Jugend zum Flicgcnlernen. Das Buch will die Bedeutung der Luftfahrt im Weltwirtschaft- lichcn Verkehr zeigen und betont ganz besonders die wichtige, gerade- zu ausschlaggebende Rolle, die die Entwicklung dieses modernsten Zweiges der Technik beim Wiederaufstieg Deutschlands zu spielen be- nifcn ist, weshalb es«für jedermann', der lebendigen Anteil am wirt- schaftlichen Leben der Nation nimmt, eine Notwendigkeit ist, sich-fj damit zu beschästigcn.« Es liegt in der Natur der Anlage des Werkes, daß nicht alle Abschnitte"gleichmäßig anregend geschrieben sind, auch wird nicht jeder mit allen einzelnen Wendungen einverstanden sein können. besonders, wo sie das politische Gebiet streifen, aber als ganzes kann das Buch warm empfohlen werden. Dr. Bruno Borchardt. Volarforschung. Lutz Mücken: Der Flug zum Pol. grancksche Verlags- Handlung, Stuttgart. Das Büchlein schildert in fesselnder Weise nach einer kurzen ilcbcisicht über die Geschichte der Polarreisen und einer Darlegung ihrer Bedeutung etwas eingehender Amundsens Schicksale und seinen berühmten Flugversuch zum Nordpol vom 21. Mai d. I., der bekanntlich mißlang und mit dem Verlust des einen seiner beiden Flugzeuge endete, während das andere sich vom Eise wieder erheben und die Rücksohrl antreten konnte. In Würdigung der Erfahrungen dieses Fluges spricht sich der Versasscr für das Lustschifs als das für Polfiüge geeignetere Instrument aus, und gibt der Hosfnung Raum, daß in Deutschland die Mittel für Dr. Eckcners Plan zum Bau eines Riesenluftschiffes zusammenkommen und Eckener der Flug über den Nordpol gelingen werde. Allen, die eine knappe Einführung in die in Frage stehenden Probleme wünschen, kann die Lektüre des siisch geschriebenen Büchleins empfohlen werden. ennerj&ezeic/men die Marke JToseiti CC/en oPfcj. als die hei weitem beste Cigereite dieser Preisläge. Jhre Vorzüge rechtfertigen dieses Urteil aber auch vollkommen. JOSETTI CIGARETTEN Das Heer öer/lrbeitslosen wachst weiter ttOOO nen in Berlin— Verschlechterung anch im Rheinland Die Entwicklung des Arbeitsmarktes straft allen Krisenopti- mismus Lügen. Alle Symptome einer Besserung der Wirtschafts- läge, in deren Auszählung man sich in den letzten Wochen auf allen Seiten überboten hat, stehen im Widerspruch mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Der Berliner Arbeitsmarkt weist in der letzen Woche wiederum eine recht erhebliche Verschlechterung auf. Die Arbeitslosigkeit er- höhte sich um rund(3000 Personen, so daß sie sich gegenwärtig auf 260 826 beläuft. Für die letzten drei Wochen beträgt der Zugang Arbeitsuchender somit 14 000 Personen. Dieses starke Anschwellen der Arbeitslosenziffern fällt insofern noch schwerer ins Gewicht, als die Arbeitslosigkeit sich bereits seit Be- ginn des Jahres auf einer unverhältnismäßig bedeutenden Höhe bewegt und Anzeichen einer Besserung so gut wie gar nicht vor- handen sind. Es har im Gegenteil den Anschein, daß die Cnt- lassungen ihren Fortgang nehmen werden. So werden besonders in der Metallindustrie noch Entlassungen für die nächsten Wochen er- wartet. Gegenwärtig stellen den ch a u p t a n t e i l an der Erhöhung der Arbeitslosenzahlen das Bekleidungs- und Baugewerbe. Die an sich schon geringe Bautätigkeit weist einen recht erheblichen Rück- gang auf, der sich insbesondere in den Hauptberufen der Maurer, Maler und anderen bemerkbar macht. Der restliche Zugang Arbeitsuchender setzt sich fast gleichmäßig aus allen Berufsgruppen zu- sommen. Gut beschäftigt sind nur einige kleinere Berufszweige, die aber für den allgemeinen Arbeitsmarkt ohne Bedeutung sind und den starken Zugang Arbeitsuchender auch nicht zu beeinträchtigen oermögen. Selbst für Jugendliche, denen sich immer noch am leichtesten Beschäftigungen bieten, sind die Aussichten aus Unter- bringung nahezu trostlos, da auch hier die Arbeitslosigkeit in verhältnismäßig hohem Umfange steigt. Es waren 260 826 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen gegen 234 623 der Vorwoche. Darunter befanden sich >60 325(166 305) männliche und 91301(88 118) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 134 935(132 943» männliche und 64 384 162 641) weibliche, insgesamt 199 539(193 404) Personen. Außerdem wurde noch an 30 586(30 411) Personen Erwerbslosenhilfe gezahlt und 3998(3999) Personen bei Nolstandsarbeiten beschäftigt. Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten Ucberwiesenen betrug 52 gegen 84 der Vorwoche. An dieser Entwicklung hat der Prozeß der Rationalisierung zweifellos erheblichen Anteil: Besonders deutlich wird das aus dem letzten Bericht des Landesarbeiksamts Rheinprovinz In Düsseldorf: Die Berichtswoche brachte wieder Beispiele dafür, daß die Krisis des Arbeitsmarktes im Ruhrkohlenbergbau und in der eisen- und stahloerurbeitenden Industrie den Ties st and noch nicht erreicht hat. Im Ruhrkohlenbergbau wurden rund 2500 Mann ent- lassen, ohne daß die Möglichkeit besteht, sie auf anderen Zechen unterzubringen. Im Arbeitsnachweisbezirk Düsseldorf wurde ein Walzwerk mit rund 700 Mann, die noch nicht in der oben angc- führten Zahl enthalten sind, stillgelegt. Die Konzerne sind durch den Austragsmangel gezwungen, die Arbeit auf einzelne Betriebe zu konzentrieren, die dann voll arbeiten können und die nur teilweise beschäftigten Betriebe stillzulegen, da es nicht tragbar ist, z. B. ein Walzwerk 12 Schichten unter Feuer zu halten und nur 6 oder sogar 3 Schichten zu walzen. Es handelt sich hier um die Einwirkung der organisatorischen Rationalisierung auf dem Arbeitsmarkt, die In engem Zusammenhang mit dem Zusammenschluß der Stahl- industrie steht. Allen Anzeichen nach stehen wir hier am A n f a n g einer Entwicklung, deren Bedeutung für den Arbeitsmarkt noch nicht abzusehen ist. Der Uebergang von der gestreckten, ge- wissermaßen verdünnten Arbeit zur konzentrierten Arbeit durch Still- legung auf der einen Seite und volle Beschäftigung einzelner Be- triebe aus der anderen Seite ist ein hervortretender Zug in der Entwicklung der Wirtschaft. Diese Bewegung greift, wie die bis- herige Entwicklung zeigt, langsam weiter um sich und wird für die weitere Entwicklung des Arbeitsmarktes von wesentlicher Beden- tung sein. Danach ist in der Zukunft eine noch schärfere Auswirkung der Nationalisierung aus die Arbeitsmarktverhältnisse zu erwarten. Diese Auswirkungen werden um so ungünstiger sein, je stärker die Arbeits- losigkcit selbst auf die Beschäftigung und die Aufträge der Industrie zurückwirkt. Täuscht nicht alles, so wird die zunehmende Arbeits- losigkeit den Austragsmangel und der Auftragsmangel die Arbeits- losigkeit vermehren: alle Rationalisierung aber wirkt, da sie durch Kosten- und Preissenkung den Auftragsrückgang nicht ersetzen kann, ins Leere. Damit eröffnen sich gefährliche Perspektiven. Die verantwort- lichen Regierungsstellen sind bisher untätig geblieben. Wollen sie weiter abwarten? Was gedenken sie zu tun? _ Die Subvention für üas Siegerlanö. Das Reich und die beteiligten Länder(Preußrn und Hessen) )aben bekanntlich eine Subvention der Siegerländer Eisengruben beschlossen. Die Subvention hat die Form einer Absatz- »ergütung von 2 M. pro Tonne Erzförderung. Die Ausführung »nd Ueberwachung dieser Hilfsaktion liegt in den Händen der ort- lichen Landesaufsichtsbehörden: außerdem soll ein besonderer Aus- lchuß unter Beteiligung des Reiches gebildet werden. Für das Lahn-, Sieg- und Dillgebiet kommt die preußische, für das Vogclsberg- »ebiet die hessische Aufsichtsbehörde in Betracht. Wie gemeldet wird, ist die Subvention mit drei Gesichtspunkten motiviert worden: das Siegerlynd bergp das einzige Mangan- irzvorkommen auf deutschem Boden, die bodenständige Bevölkerung sei traditionell aus die Erzförderung eingestellt und in ihrer Berwen- »ung und Beschäftigung nur sehr schwer umstellbar: endlich sei der Notstand außerordentlich, wie sich aus der Stillegung von zwei Dritteln der früher betriebenen 60 bis 65 Gruben ergebe. Schließlich seien die Gebiete schon immer durch Befreiungen und Stundungen von sozialen Lasten und Steuern, duich Staatslieserungen und Fracht-' rrmäßigungen gestützt worden. Die gegenwärtige Förderung betrage monatlich 55 000 Tonnen: der Gesamtauswand der Subvention be- laufe sich auf 2 Millionen Mark. Die Regierungen gehen von der Erwartung aus, daß innerhalb eines halben Jahres der ge- samte Bergbau von den nur noch vegetierenden oder lebensunfähigen Betrieben bereinigt sein wird. Die Aufgabe der Landesbehörden ist, daraus und auf eine Rationalisierung der Betriebe hinzuwirken. Wirksame Garantien dafür, daß diese Rationalisierung bei den subventionierten Gruben auch erfolgt, haben die Reichs- und Landesbehördcn sich offenbar nicht gesichert, so daß es wohl im wesentlichen bei einem Geschenk an die Grubenbesitzer sein Bewenden haben wird. Nach immer wiederholten Erfahrungen wirken diese Geschenke, solange sie gewährt werden, nur gegen die Berbesse- rung der Betriebe, so daß bei ihrer E i n st e l l u n g die Belegschaf. ten, denen im Augenblick etwas stärkere Arbeitsgelegenheit geboten wurde, schlechter daran sind, als vorher. Es kommt hinzu, daß Neunzehntel der Siegerländer Förderung direkt Montankonzernen zufließen, die als solche nicht unterstützungsbedürftig find und denen nur die Einstandspreise für die Verhüttung und Verarbeitung der Erze verbilligt werden. Die preußischen Sparkassen im März unü sipril 1926. Pro Kopf ein Neuntel der Borkriegseinlagc. Die seit der Stabilisierung der deutschen Währung beobachtete Aufwärtsentwicklung der Einlagenbestände im Spar- sowie der Geschäftstätigkeit im bankmäßigen Sparkassenverkehr hat auch in den beiden Berichtsmonaten angehalten. Wie aus den Ueberfichten hervorgeht, hat sich der Gesamtspareinlagenbestand im März um 62,6 Millionen Mark— 4,8 Proz. und im April um rund 70 Mil- lionen Mark— 5,2 Proz. vergrößert. Der absolute Märzzuwachs rst allerdings um 28.2 Millionen Mark oder um 31,1 Proz. hinler demjenigen des Vormonats und um 5,2 Millionen Mark, d. h. um 7,7 Proz., hinter dem des März 1925 zurückgeblieben. Der April- Zuwachs hat dafür die entsprechenden Zuwachsziffern des vorher- gehenden Monats und auch des Aprils 1925 um 7.4 Millionen Mark— 11,8 Proz. bzw. um 9,4 Millionen Mark~ 15,5 Proz. übertroffen. Vom Jahresbeginne an bis Ende April sind den Kassen allein 330,2 Millionen Mark, also fast ein Drittel Milliarde. an neuen Spareinlagen zugeflossen. Ihre Ende 1925 vorhanden gewesenen Spargelder haben sich dadurch in vier Monaten um 30,1 Proz. vermehrt. Der beachtenswerten Zunahme des Spar- einlagenbestandez entsprechen die langsam ansteigenden Kopfquoten, die jedoch noch weit hinter den Vorkriegsquoten zurückbleiben. Auf einen Einwohner kamen Anfang 1925: 10,63 M.. Ende 1925: 88,74 M.. Ende Februar 1926: 33.08 M.. Ende März 1926: 33,67 M. und Ende Apru 1926: 37.48 TO.; Ende 1913 dagegen 354,74 M., d. h. fast neuneinhalbmal soviel wie am Schlüsse de.' letzten Berichtsmonats. Ebenso w.- im Gesamtstaate lagen die Verhältnisse auch in den einzelnen Landes, eilen, nur daß hier die auf den Kopf der Be- völkerung berechneten Lluotcn mehr oder weniger voneinander ab- wichen. Die beiden n'edrigsten Februar-Kopfquoten hatten sich von 15,88 M(Oberfchlesi-n, und 16,31 M.(Dstpreukien) auf 16,30 und 17,42 M. zu Ende März, auf 17,45 M. und 18.37 M. bis Ende April erhöht, während die beiden bisher höchsten Quoten in den beiden Berichtsmonaten von 47,06 M.(Hannover) auf 49,40 M. und 52,01 M, und von 48,80 M.(Rheinprovinz) auf 50,71 M. bzw. 53,25 M. gestiegen waren. Am Schlüsse der Berichts- zeit entfielen in Ostpreußen und der Rheinprovinz ungefähr ein Achtel, in Oberschlesien und Hannooer etwa ein Zehntel der Vor- kriegssätze auf einen Bewohner. Ebenso wie der Sparverkehr hat auch der bankmäßige Ver- kehr der Sparkassen eine bemerkenswert« Entwicklung genommen. In den beiden genannten Monaten beliefen sich die Einzahlungen auf 1 496,6 bzw. 1 460,7 Millionen Mark, die Auszahlungen auf 1 485,8 bzw. 1 467,1 Millionen Mark, die Guthaben auf 682,7 bzw. 688,1 Millionen Mark und die Vorschüsse auf 944,5 bzw. 962,6 Mil- lionen Mark. Konstituierung der Enqueteausschüste. Die Kommissionen des Enqueteausfchusses sind inzwischen wie folgt konstituiert: Allgemeiner Ausschuß: Vorsitzender Professor Dr. Har m s. Ausschuß für Agrarwirtschaft: Vorsitzender Reichs- minister a. D. Schiele, stellvertretender Vorsitzender Reichs- minister a. D. Dr. H e r m e s. Gewerbeausschuß: Vorsitzender Rechtsanwalt L o m- m e r s, stellvertretender Vorsitzender Staatssekretär a. D. Professor Dr. Aug. Müller. Berichterstatter Geheimrat Dr. B ü s ch e r und Prof. Eulenburg. Ausschuß für Arbeitslei st ung: Vorsitzender Prof. Dr. H e y d e, stellvertretender Borsitzender Tornow. Ausschuß für Gold- und Finanzwesen: Vorsitzen- der Dr. H i l f e r d i n g, stellvertretender Vorsitzender Dr. D e r n- bürg. Berichterstatter Staatssekretär a. D. Dr. Bergmann und Chefredakteur G. Bernhard. Generalversammlung der GEG. Die 32. ordentliche Generaloersammlung der Großeinkaufs- gesellschaft deutscher Konsumvereine fand am 17. Juni in München unter Vorsitz von Miras(Berlin) statt. Den Geschäfts- und Reoisionsbericht erstattete Geschäftsführer Zl ß m a n n(Hamburg). der über ein sehr erfreuliches Ergebnis berichten konnte. Namens der Revisionskommission gab B ä st l e i n(Hamburg) den Revisions- bericht und beantragte Entlastung des Vorstandes und Aussichtsrats. ebenso der von der Generalversammlung bestellte Revisor Junger (Hamburg). Die Berichte wurden durch Kenntnisnahme erledigt, dem Vorstand und Aufsicht-rat nach Genehmigung der Jahres- rechnung Entlastung erteilt, und die Verteilung des Ueberschufses vorschlagsgemäß beschlossen.'An Stelle des in den Ruhestand tretenden Geschäftsführers A ß m a n n, dem der Vorsitzende mit warmen Worten der Anerkennung für seine Tätigkeit den Dank aussprach, wurde auf Vorschlag des Aussichtsrats der stellvertretende Geschäftsführer Büchlein(Hamburg) gewählt. Zu P r o k u- r i st e n wurden bestellt: Brandt, Thies und F r o h m e, sämtlich in Hamburg. Zum Revisor wurde Junger(Hain- bürg) wiedergewählt. In den Aussichtsrat wurden H ü b n e r (Gersdorf), Bauer(Mainz), M i r u s(Berlin), F e l l e r(Sagau), K a l d a u k e(Hann.-Münden), Fr i e d r i ch(Bochum) und Fischer (Leipzig) wiedergewählt. Anwesend waren 420 stimmberechtigte, 318 nicht stimmberechtigte Delegierte. Forldauer der Stagnation der ReichsbankgcschSste. Der dies- malige Wochenbericht der Reichsbank ist der erste nach der D i s- k o n t e rm ä ß i g u n g. Wie zu erwarten war, blieb die Herab- setzung auf die Geschäfte der Reichsbank ohne erkennbare Wirkung. Die gesamte Kapitalanlage hat sich um 43,0 aus 1378.6 Mill. erhöht. Die Steigerung entfällt fast restlos auf die Vermehrung des Wechsel- und Scheckbestandes, der um 42,8 nuf 1283,1 Mill. anwuchs. Da aber 34,5 Mill. bei öffentlichen Stellen rediskontierte Wechfel zurück- flössen, beträgt die eigentliche Vermehrung der gesamten Aktiv- geschäfte nur 8,3 Millionen Mark. An Kundschastsgeldern auf Giro- konto flössen 115,7 Mill. neu zu(Bestand 763 Millionen). Auffällig ist der Rückgang des Bestandes an deckungsfähigen Devisen um 150 Millionen: ein Grund für diesen Rückgang ist nicht angegeben. Da aber der Rückfluß, an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen (228,4 Mill.) die Veränderung in den übrigen Geschäften stark über- steigt, ist die Abgabe ans Inland möglich. Der Reichsbanknoten- Umlauf ging um 182,1 auf 2612,8 Millionen, der Umlauf on Renten- bankscheinen um 46,3 auf 1264,3 Millionen zurück. Die Gold- bestände sind mit 1492,2 Mill. wieder fast unverändert. Gold und deckungssähige Devisen zusammen sanken um 150,3 auf 1697,5 Mil- lionen und bedeuten gegenüber dem Notenumlauf eine Deckung von 65 Proz.(gegen 66,1 Proz. in der Vorwoche), Die Zeche Hermann in Bort doch stillgelegt? Wenn die vor-- liegenden Nachrichten zutreffen, ist das Schicksal der drei Zechen der Gewerkschaft Hermann besiegelt. Danach soll der preußische Minister für Handel und Gewerbe dem Spezialgutachter über die Verhäll- nisse der Hermannzechen. Oberbergamtedirektor Dr. Weise-Dort- mund mitgeteilt haben, daß eine Hergabe staatliche r G e l- der für Zwecke des Ausbaus oder Wciterbetriebs nich�t in Frage komme. Der Betriebsabbruch soll mit Ablauf der Sperr- frist am 26. Juni in Angriff genommen werden. Die 2000 Mann Belegschaft wird also brotlos gemacht. Ueber eine Aussrpache rm Oberbergamt Dortmund wird berichtet, daß Dr. Weise Austrag er- hielt, mit den in der Nähe legenden Konzernen über die Ueber- leitung der Belegfchaften zu verhandeln. Mit her Reichsbahn soll über die Einlegung von Arbeiterzugen verhandelt werden, damit die Belegschaften ihren Wohnsitz in Selm-Bork der- behalten können, falls die Ueberleituyg gelingt. Im Austrage des M o n t a n t r u ft s, der die Hermannquote bekanntlich übernimmt, wurde erklärt, daß die Frage der Errichtung einer Produktlonsstatte durch den Montantrust bis zum Monatsende voraussichtlich ent- schieden werde. Es ist zu fürchten, daß aus all diesen Planen nichts wird. Um Gründe werden die Werke und auch der Montan. trust nicht verlegen sein. Das Ergebnis des famosen Ouotenschachers wird wieder sein, daß die Eigentümer der abgebrochenen Zechen ihr Kapital erhalten, obwr/ die Substanz privat- und Volkswirt» schaftlich kaputt ist: das Heer der Arbeitslosen aber wird um neue Tausende oermehrt. Die Aenderung de- vankgesetze-. Schahwechsel des Reiches. Die letzten Bedenken, die gegen die Diskontierung von Schatz* wechseln für den R e i ch S k a s se n a us g l e i ch s b e d a r f noch gellend gemacht werden konnten, sind durch einen verdienstlichen Beschluß des ReichswirlschaftsratS beseitigt. Danach soll die Ver- Wendung der Reichsschatzwechselbestände als Unterlage zur Noten« dcckung oder Notenausgabe untersagt werden. Außerdem wird die Reichshank, wie wir bereits mitteilten, die Schatzwechfel de« Reichs wöchentlich gesondert ausweisen. Der Reichstag dürfte.dwjsn Anträgen mit Sicherheit zustimmen. Sie sind aus zwei Gründen wichtig: einmal psychologisch, um jedes Mißtrauen gegen die Währung wegen der Schatzwechsel auszuschließen. Sodann, um auch zu den relativ geringen Beträgen der Schatzwechselemllston jede Erweiterung des Notenumlaufs auszuschließen. L. Tieh A.-G., Köln. 6 proz Dividende. Kürzlich ging die Mel« dung um, daß der Karstadtkonzern und die L. Tietz A.-G. sich zu einem W a r e n h a u s t r u st zu verschmelzen beabsichtigen. Ver- schmelzungen werden heute vorwiegend als Zeichen der Schwache gedeutet. Die Tietz A.-G. hat sehr scharf und schnell dementiert. Was ihre Abschlußbilanz für 1925 angeht, offenbar auch mit mehr Recht, als etwa der Karftadtkonzern hätte dementieren können. Im- merhin ist auch Leonhard Tietz erheblich in Schulden gegangen, schon bis Ende 1925; wie es heute, sechs Monate später aussteht, kann man natürlich nicht wissen. Die Waren- und Bankschulden sind von 15,12 auf 17,64 Millionen,„verschiedene" Schulden von 2,66 aus 4,76 Millionen gestiegen. Außerdem sind die rückständigen Steuern von 0,32 auf 1,34 Millionen vervierfacht. Und endlich erscheint ein Amerika d a r l e h e n von 1 Million Dollar neu in der Bilanz, das im März dieses Jahres durch eine Z-Millionen- Anleihe abgelöst wurde. Die Außenstände(5,04 gegen 2,68 Millionen), Kasse und Bankguthaben(4,39 gegen 5,25 Millionen). Waren(26,29 gegen 20.16 Millionen) stiegen nicht enisprerhend. so daß stille Reserven aufgelöst wurden. Beim Grund- und Haus- besitz um 1 Million, bei Maschinen und Utensilien um 1.4 Millionen. Von echten Zugängen dürfte hier wohl nicht viel zu sprechen sein. Auf der anderen'Seite kamen 1.4 Millionen Vorzugsaktien, die noch bei der Verwaltung lagen, zum Verschwinden, so daß das Kapital heute mit 25,2 gegen 26,6 Millionen im Vorjahr niedriger ist. Der Rohgewinn auf Warenkonto beträgt 32,52 Millionen(28,14), ist allo höher. Die Unkosten sind aber ziemlich um denselben Betrag gestiegen(von 21,66 aus 25,34 Millionen), die Abschreibungen von 0,64 auf 1,03 Millionen erhöht, so daß trotz der erhöhten II Mr s ä tz e ein etwas niedriger Reingewinn als im Vorjahr herauskommt (1,89 gegen 2,04 Millionen). Die Dividende bleibt mit 6 Proz. aber dieselbe. Ueber dieErfahrungenmltdenEinheitsprei»- lüden, die L. Tietz als erste Warenhausgesellschast in Deutschland selbst aufgemacht, gibt der Geschäftsbericht noch keine Mitteilung. Wirkungen des Kohlenstreiks aus die englische wlrtschasl. Die Eisenproduktion Englands belief sich im Mai auf 88 000 Tonnen gegen 539 100 Tonnen im April und 574000 Tonnen im Mai vorigen Jahres. Die Stahlproduktion betrug im Mai 57 000 Tonnen, gegen 681 000 Tonnen im Vorjahre. Ende Mai waren 23 Hochöfen in Betrieb gegenüber 47 Ende April. Auch im englischen Außen- Handel sind die Wirkungen deutlich fühlbar. Die E i n s u h r stellt« sich im Mai 1926 auf 81,1 Millionen Pfund Sterling und war damit um 21,2 Millionen Pfund Sterling niedriger als im April 1926 und um 23 Millionen niedriger als im Mai 1925. Der Export betrug im Mai 1926 45,7 Millionen Pfund Sterling und war damit um 6,9 Millionen niedriger als im April 1926 und um 18,4 Millionen niedriger als im Mai des Vorjahres. Der Reexport stellte sich auf 7.5 Millionen Pfund Sterling und war damit um 3,7 Millionen niedriger als im April 1926 und um 6,9 Millionen niedriger als im Mai 1925. Der Ausfuhrrückgang betrug bei Kohle 3,4, bei Fertigfabrikaten 11,9, bei Garnen und Textil- fabritkaten 5,5, bei Eisen- und Stahlfabrikaten 1,1 und bei Maschinen 1,2 Millionen Pfund Serling. Bei dem Rückgang der Einfuhr fällt der Ausfall bei Rohstoffen mit 6,7 Millionen Pfund besonders auf. Ein- und Ausfuhr Frankreich». Die Einsuhr nach Frankreich belies sich in den ersten fünf Monaten des Jahres 1926 auf 19 510 487 Tonnen im Werte von 24 233 361000 Fr., was gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres eine Steigerung von 542 807 Tonnen im Werte von 8 347 330 000 Fr. bedeutet. Die Ausfuhr in der gleichen Periode 1926 belief sich aus 13159 833 Tonnen im Werte von 22 051 347 000 Fr., was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 641955 Tonnen im Werte von 3 955 062 000 Fr. ausmacht. I Eine norwegische Fischereikonzession in Ruhland. In Moskau wurde kürzlich der Konzessionsvertrag mit der Aalesunder Schiff- fahrtsgesellschast über den Fischfang in den nordeuropäischen Ter- ritorialgewässern der Sowjetunion von der Sowjetregierung be-� srätigt. Die norwegische Gesellschaft erhält da» Recht, in diesen Ge- wässern Fischfang zu treiben. Die Gesamttonnage sämtlicher im Kon- zessionsgebiet fischenden Dampfer darf 4000 Tonnen nicht übersteigen: jeder Dampfer darf jährlich nicht mehr als zwei Touren unter- nehmen. Die Gesellschaft zahlt eine jährliche Abgabe an die Sowjet- regierung pro Tonne der in Betrieb befindlichen Fischdampfer: die Gesamthöhe der Abgabe muß mindestens 25 000 Dollar jährlich be- tragen. Die Tätigkeit der Gesellschaft unterliegt den Gesetzen der Sowjetunion. Die Sowjctregicrung behält sich das Recht vor. die Schisse der Gesellschaft zu kontrollieren. Sämtliche Streitfälle wer- den von einer paritätisch zusammengesetzten Kommission geschlichtet. Falls die Kommission sich über die Wahl eines Obmannes nicht einigen kann, wird dieser von der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion ernannt. � Keine Schmerzen im Magen mehr, denn ein halber Teelöffel Bil'erirte Magnesia in etwas Waffer ein- genommen vertreibt alle VerdauungSbefchwerden in fünf Minuten. Gleichviel, ob sie in Sodbrennen oder Ucberarbe». Blähungen, ver« .dorbencin Magen. Dyspepsie ii'w. bestehen, Bisenite Magnesia verschafft sofort Erleichleiung. Befriedigung wird gewährleistet oder das gezahlte Geld zurückerstattet. In allen Apotheken zu haben. Biserirte Magnesia kommt in Flaschen gefüllt zum Verkauf und ist daher unbegrenzt haltbar.