Nr. 4 15. April 1928 �Hlick in öie �ücherivelt Vellage des Vorwärts Erzählende Literatur. Karl Schröden Aktiengesellschaft chammerlugk. Lüchergilde Gutenberg, 204 Seiten. Das Schrifttum unserer Tage hat keinen Mangel an antikapita- listischen Dramen, Romanen und Novellen. Wenn in der Fülle solcher Dichtungen eine Erzählung, wie diese„Aktien-Gesellschaft nammerlugf" in besonderer Weise hervorsticht und den Leser sessell bis zur letzten Zeile, so bekommt die Frage nach dem Geheimnis der Wirkung tieferen Grund. Das Geheimnis des Erzählers Schröder ist dieses: er gibt einen Einblick in das innerste Getriebe der kapita- listischen Wirtschafts Mechanik. Cr verzichtet auf kunstvoll- romaneske Fabulierung eines Einzelschicksals, und hält sich dafür an die Schilderung der Dramatik einer Wirtschaft, die dia. Phantasie eines Poeten in den Schatten zu stellen vermag. Er gibt eine verblüffende Schilderung vom Raffinement eines Systems, in dem fiktive Werte bösartige Realitiäten werden, in dem hinter dem so hannlos an- mutenden Papier der Aktie sich Knäuel von Lumperei und Schäbig- Zeit zusammenwirren, in dem Finanzämter sowohl wie Konten privater Jnteresienten nach allen Regeln der Kunst begaunert werden, und zwar völlig„legal". Schröder erzählt uns, wie man Sanierungen vornimmt, indem man Krankheitsstoff« aus dem einen Werkkörper herausnimmt, um sie in den anderen zu übertragen; er erzählt von der pfiffigen Schiebung der Tochter- und Schachtel-Gesellschasten, und vor allem macht er uns mit der fo oft überfehenen Tatsache bekannt, wie dieses ganze kapitalistische Geschiebe und Getriebe wirtschaftlich und mo- raiisch verheerend in der Klaff« der Kapitalisten selber sich auswirkt, wie auch der Ausbeuter und Raffer keinen Augenblick vor dem Biß dessen sicher ist, der noch besser und raffinierter auszubeuten und zu raffen vermag als er. Ein überaus praktischer Anschauungsunter- rjcht ist es, der in dieser Erzählung dem Arbeiterleser vom Wesen d«s Kapitals gegeben wird, so anschaulich und praktisch, daß man wünschen möchte, das alles wäre noch um ein paar Bogen weiter verfolgt worden. Die.Handlung" ist einfach geschürzt: Ein junger Dr. Erwin Grünberg muß das beabsichtigte Lebensziel eines akademischen Lehrers fallen lassen und umsatteln. Mit allen guten Borsätzen kommt er in die Stellung eines Privatkekretärs des Direktors Ma- lente der A.-G. Hammcrlugk, lernt hier den oben skizzierten Schieber- betrieb gründlichst kennen, sieht aber auch das Elendsdasein der Ar- b«iter und die nicht Minder skandalöse Existenz der Angestellten und landest schließlich bei der Notwendigkeit, die sich noch immer für jeden anständigen Menschen ergab: lieber knappes Brot essen, aber reine Luft atmen zu wollen. Eine zarte Liebesgeschichte flicht sich hinein. Das Ganze wird mit künstlerisch reifen und kulttvierteu Mitteln vorgetragen. Das in jeder Beziehung empfehlenswerte Buch ist vom Verlag der Büchergilde Gutenberg in bekannt guter Ausstattung heraus- gebracht worden. Es ist die erste dichterische Zlrbeit, die Karl Schröder vorlegt. Sie bedeutet für ihn einen vollen Erfolg. Mit Recht kann man auf den vom„Bücherkreis" angekündigten, dem- nächst erscheinenden ffkoman Schröders„Der Sprung über den Schallen" gespannt fein. Friedrich Wendel. Martin Andersen ZfcxS: Lauern. Novellen. Verlag Albert Langen, Minchen. 290 Seiten. Preis 6 M. lieber achtundzwo nzig Jahre erstreckt sich die Entstehungs- geschichte dieser Novellen. Die erste dieses Bandes wurde 1894 ge- schrieben, die letzte 1922- Aber alle zusammen sind sie fest verwoben zu� einem starken, haltbaren, wenn auch nicht immer ganz gleich- müßigen Faden, der uns durch das Labyrinth einer Volksseele führt. Was uns Nexö hier verstehen lehren will, ist der dänische Bauer, und sein Gegenstück, der dänische Landarbeiter. Was er zeigt, ist mehr, ist ein Zlnsschnitt aus dem großen Weltkapitel„Mensch". In Scelenphotographien hält Nexö bald dies, bald das fest. Er lobt kaum und er tadest kaum: er enthüllt nur die Dinge wie sie sind, ihre Wahrheit und die Ursachen, die sie entstehen ließen. Mit so billigen Begriffen wie„gut" und„böse" läßt sich da nichts anfangen. Die Frau, die ihren alten, ein wenig trottelhasten Mann ermorden läßt, weil ihr« buchstabengläubige Moral es ihr verbietet, an ihm zur Ehebrecherin zu werden, die aber noch in der Mordnacht den Mörder in ihrem Bett aufnimmt, ist ebensowenig schlecht wie der Einarmige, der sich trotz einer gesicherten Lebensstellung aus verletzter körper- sicher Eitelkeit erhängt, ohne auch nur einen Gedanken für feine Braut zu haben, die Jugend und Geld für ihn opferte. Auch der Schmied, der sein Neugeborenes fallen läßt, um zu sehen, ob es „von rechtem Holze sei", der aus demselben Grunde den heran- wachsenden Knaben grauenvoll plagt und ihn damit zu einem heim- tückischen, boshaften Scheusal macht, ist nicht schlecht. Nur eine Triebfeder steckt in allem: Dummheit, die in einem satten Bauch, in einer vollen Geldtasche ihren Nährboden findet. Wo dieser Boden fehlt, da trägt sie nicht ihre fetten, tollen Früchte, sondern sie treibt die leere, verkümmerte Aehre der Dumpfheit. Beide, die Dummheit und die Dumpfheit, sind Moderpflanzen des Dunkels. Man kann sie nicht ausroden. Man muß die Bretter niederreißen, die dem Lichte der Erkenntnis den Weg versperren, wenn man sie zum Absterben bringen will. Der einzelne geht an diesem Versuch zugrunde. Aber trotzdem wissen immer mehr und mehr um das Licht, und immer wieder findet sich ein Mutiger. Und einmal werden die Bretter fallen. Die Zähigkeit der Bauern- schädel, die sich für soviel Sinnloses und Schädliches einsetzt, wird eines Tages auch ihre Kraft am Guten, Nützlichen erproben. Eines sehr fernen Tages vielleicht erst. Aber kommen wird dieser Tag. Das ist der große Glaube dieses Buches. Trude E. Schulz. Joseph Eonrad: Sieg(Roman). 476 S.— N o st r o m o (Roman). 617 S. S. Fischer Berlag, Berlin. Conrads Romane stehen außerhalb jedes Schemas, sie behan- dein Abenteuer, sie schildern die See, die Tropen, ferne Länder, sie geben Porträts seltsamer Menschen mit der Treffsicherheit des photo- graphischen Apparats, sie malen daneben die Alltäglichkett, sie sind manchmal von stiller Melancholie und manchmal überlegen iranisch, aber alle Elemente mischen sich, kinematographisch schnell huschen die Situationen vorüber, die Menschen sind wirklich und unwirtlich, bald scharf umriffen, bald von verschwimmenden Konturen, bald un» Neuere Geschichisliteratur. Zwei wichtige Reuerscheinungen. Hans Delbrück: Weltgeschichte. 1. Teil. Das Altertum, 671 S. 2. Teil. Das Mittelalter. 84S S. 3. Teil. Neuzeit bis zum Tode Friedrichs des Großen, 676 S. 4. Teil. Neuzeit. Die Revo- lutionsperiod« von 1789 bis 18Z2. 800 S. Preis je Band, Halb- leder, 25 M. Johannes Ziekurfch: Politische Geschichte des neuen deutschen Kaiserreiches. 2. Band: Das Zeitalter Bis- morcks(1871—1890). Frankfurter Sozietätsdruckerei, Frankfurt o. M. 1927. 484 Seiten. Bon Delbrücks monumentaler Weltgeschichte liegen nun vier Bände vor. Ein durchaus persönliches Werk, die Zusammenfassung einer Lebensarbeit, begründet auf einem erstaunlichen Detailwiffen, zugleich Erbe und Zeugnis einer aussterbenden Gelehrtengeneration, die noch den ganzen Umfang einer Wissenschaft von Grund auf zu erfassen versuchte, einen Stamm zahlreicher Schüler aussandte, die richtunggebend für herrschende Auffassungen und Lehrmeinungen wurde. Solche Männer wie Kuno Fischer, Schmoller, Lamprecht wird unsere, auch in der Wisfenschast pragmatisch sich einstellende Zell nicht mehr hervorbringen. Die Kluft zwischen der Fülle des Einzelwiffens und dem Streben nach philofophifchcr Synthese tonnte noch von Hegel durch die dia- lektische Konstruktion, von Raak« durch die metaphysisch-idealisttsche Grundauffassung überbrückt werden. Auch Delbrück sucht diese Brücke; aber nicht auf dem Wege zweckmäßiger Rationalisierung, wie etwa Lamprecht, Breysig, Aulard, sondern rückwärts gewandt in einer SynilPse von Hegel und Ranke mit stark protestaniisch-gläubigem Hintergrund. Von Ranke übernimmt er die Ideeulehre, die er aber stärker empirisch zu begründen versucht, befonders durch die Einschal- tung des Perfönlichen. Mit Hegel sucht«r die„Selbstoffenbarung des Geistes" als Zweck der Geschichte und den Staat als Urgrund aller menschlichen Erscheinungen zu begreisen. Nicht in historischen Gesetzen und soziologischen Entwicklungsrechen, sondern durch die Polarität gegeneinander wirkender Ideen wie Individuum und Gemeinschaft, Persönlichkeit und Masse, Staat und Kirche, Staat und Gesellschaft möchte er die Fülle der Erscheinungen fassen. In der Ausführung entgeht er jedoch nicht der Gefahr, die gefchichttiche Bewegung zu einem..bloßen Durcheinander von Vorgängen" werden zu lassen (Brie ä brec des Hittorismus, wie es Lamprecht genannt hat), be- sonders in der Ueberoetonung des Persönlichen, das im dritten Band ein auch durch die Notwendigkeit des Zusammenhangs nicht gerecht- fertigt« Vereinzelung erfährt(vgl. die beinahe wie eine Satire wirkende Stelle III. S. 447, in der eine legendäre Klatschgeschichte in unmittelbare Nähe von ganz abstrakten Zweckgedanken gebracht wird, ähnlich III. S. 450). In der Bewunderung für Persönlich- ketten, die sich besonders bei Napoleon beinahe enthussastisch äußert. Legen so starte subjektive Elemente, daß die Kritik auf Einzelheiten verzichten muß. Di« Wirkung der Ideen wird nicht aus materiell greifbaren Ursachen abgeleitet. Die dualistische Auffassung Delbrücks gibt ihnen eine Eitzeneristenz, die für die Wertgesichtspunkte entscheidend ist. Z. B. sind für ihn der Kölner Dom und das Nibelungenlied„die beiden grandiosesten Schöpfungen des Mtttelallers". Selbst die Wissenschait, sogar die Naturwissenschaft, spielt eine untergeordnete Rolle. Kein Wunder, daß er jede monistische Erklärung, die aus der Naturverbundenheit des Menschen die gesellschaftlichen und recht- lichen Formen zu verstehen sucht, hartnäckig ablehnt. Mit Vorliebe wendet er sich gegen die„sozialdemokratische Geschichtsauffassung", wie er sie versteht. Mit den von den soziologisch und ökonomisch ge- richteten Historikern aufgeworfenen Problemen der Zusammenhänge zwischen Produktionsverhältnissen, sozialen Stufen, Klassenbildung und geistigen Bewegungen beschäftigt er sich ausfallenderweise nur gelegentlich im römischen Altertum� wo ihn die recht einseitigen untersuchuntzen Pöhlmanns leiten. Seine Auseinandersetzungen mit Mehring und Cunow I. S. 577, IV. S. 197, weisen auf die Schwäche und Einseitigkeit seiner Stellunjj. Wenn Mehring ihn nach dem Er- scheinen der„Geschickte der Kriegskunst" für die materialistische Ge- schichtsauffassung reklamiert hat. wogegen Delbrück, sich sträubt, zeigen in der Wellaeschichte Stellen wie III. S. 250 f.. 343 f.. 392, daß solche Betrachtungsweisen ihm nicht fremd sind, sobald er auf seinem Spezialgebiete, der Kriegsgeschichte, nach tieferen Zusammenhängen sucht. Nur daß er das historisch Wirtsame dieser ökonomisch-tech- Nischen Ursachen in dem Genius der„Helden" steht. Bei der Analyse des Begriffs„Masse" kommt er auffallenderweise gerade In der neueren Zeit über die ständisch-rechtlichen Unterschiede nicht hinaus. Den Ausdruck„Klassenkampf" oerwendet er nur in der Polemik gegen Marx, der für ihn„als Demagoge«in Heros, als Denkerein Sophist, als Gelehrter ein Scharlatan" ist. Diese der heutigen Generation un- begreifliche Horizontenge, dieser zünftlerische Hochmut erregt Mit- leid. Eine absterbende Generation! Im Rahmen der zünftigen Unioersitätshistoriter bleibt Delbrück trotzdem eine imponierende Erscheinung. Er hatte den Mut. seinen eigenen Weg zu gehen und das„Preußeittum", den Treiffchkekult, die Hohenzollernlegende zu bekämpfen; ziemlich einsam, wie Max Leh- mann, der ihm in der Grundanschauung verwandt, aber offiziös kollgestellt war. Inzwischen sind ihm Meinecke und� Brandenburg auf diesem Weg nachgefolgt. In Bd. III und IV mögen die durch die„borussizistische" Geschichtsauffassung(Duncker, Droysen) verbildeten Geschichtschrerbcr und Lehrbuchverfasser ihr« Prunk- uvS Schaustücke begraben. Es sei auf die grundsätzliche Ausemander- setzung Bd. III S. 69 f. hingewiesen. S. 88 wird die Legende vv« der deutschnationalen Haltung des großen Kurfürsten zerstört.„M» den Worten: Gedenke, daß du ein Deuffcher bist!, die er gelegeni- sich' einmal gesprochen, darf man ihn nicht charakterisieren wollen, als ob er bewußt seine Politik in den Dienst des deutschen Reichs- gedantcns gestellt".(III. S. 526) Die vielbeliebten, neuerdings durch die Filmpropoganda popularisierten Fridericusgeschichten werden ihres Nimbus entkleidet und damll der vielverlästerte Hege- mann gerechtfertigt. S. 600 werden die persönlich egoistischen Mo- tive sür den ersten schlesffchen Krieg zugegeben, S. 601 die Fluäst aus der Molwitzer Schlacht. S. 610 wird Max Lehmanns Ansicht über den Ausbruch des Siebenjährigen Krieges(gegen den Präventiv- krieg),„die in der Zunft der deutschen Historiker einen Sturni patriotischer Entrüstung erregte", als völlig durchschlagend bezeichnet. Die Widersprüche zwischen Theorie und Praxis bei Friedrich werde:» deutlich herausgearbeitet(besonders im Hinblick aus den Anti-Mac» chiavell). Der Generationen lang als byzantinische Legende verbreitet« Müller-Arnold-Prozeß„dem er seine Popularität fast nicht weniger als seinen Heldentaten verdankt", wird durch politische und Wirtschaft- liche Motive, nicht durch Humanität oder Rechtsgefühl begründet. Die Bedrückungen des Volks durch Steuern und Verwallungsschikane werden zugegeben, ebenso die einseitige Bevorzugung des Adels. „Der Siebenjährige Krieg hat dem Staat Preußen nichts eingetragen als den Ruhin." Besonders wertvoll sind die Abschnitte über das Fiasko des deutschen Bundes und die Reaktion in Preußen. Wenn auch versucht wird, zu verstehen, warum dieser aus den verschiedensten Landschasts- und Bevölkerungsteilen zusammen gewürfelte Saat„eine klägliche Figur" machen müßte. Die Widerstände Friedrick WU- Helms III. und der junkerlichen Kreise gegen den Derfassungs- oedanken und gegen die Reformer werden ähnlich wie bei Mar Lehmann charakterisiert Die Ablehnung der Volkssouveränität durch Friedrich Wilhelm IV. wird aus dessen Brief an E. M. Arndt illustriert. Es wäre zu wiin-schsn, daß der noch zu erwartende fünfte Band diese ersreuliche Klärung für die Geschichte des Kaiserreiches fortsetzt. Bei der Einstellung Delbrücks ist jedoch zu befürchten, daß die Persönlichkell Bismarcks eine überragende Rolle svielen wird. für diese Zeit gibt ober die soeben erschienene Darstellung von i e k u r s ch die heute von vielen begehrte Ergänzung. Der zweite Band von Zieiurschs Gcschidste des Kaiserreichs(vgl. die Besprechung des ersten Bandes vom 4. April 1926) hält, was vom ersten Band her zu erwarten war. Die schwierige Aufteilung der an Stoffülle und Problematik überreichen Zeit sucht Ziekurfch durch eine getrennte Behandlung der Außen- und der Innenpolitik zu lösen. Die sachlichen Bedenken gegen eine solche Trennung werden durch den Gesamteindruck bestätigt, daß, abgesehen von der stark persönlichen Motivierung, die legten materiellen Triebkräfte und die Zwangsläufigkeit der Außenpolitik Bismarcks nicht völlig über- zeugend hervortreten. Gegenüber den gründlichen Darstellungen Brandenburgs und R a ch f a h l s bringt feine Darstellung nichts wesentlich Neues. Immerhin ist wertvoll, daß die Rechen- fehler Bismarcks beim Berliner Kongreß, beim Abschluß des Drei- bunds und der lleberschätzung des RückVersicherungsvertrags, sowie der Ilnterschätzung der deutsch-englischcn Bezishungen deutlich gekenn- zeichnet werden. Die letzte Quelle der Bismarckschen Irrtümer liegt in dem Bestreben, die Außenpolttik in den Dienst des monarchischen Gedankens zu stellen. Hier ist nach Ziekursch die Brücke zwischen Bismarcks Außen- und Innenpolitik. In diesem Sinne ist die durch die Verfassung des norddeutschen Bundes und die erste Reichsverfassung geschaffene Alleinherrschaft des Kanzlers die Ursache des außenpolitischen Fiaskos und des innen- politischen Zusammenbruchs. Der fruchtlose Kampf gegen die katho- lische Kirche, die Polenunterdrückung und das Sozialistengesetz mit seiner völligen NMennung der sozialen Frage sind die Symptome des innenpolitischen Mißerfolgs. Sein Sturz ist nach Ziekursch also ein« Folge verfehlter Innenpolitik. Seit dem Auftauchen der so- zialen Frage war sich Bismarck im klaren, daß entweder gewaltsamer Sturz der Verfassung oder sein eigener Sturz die Lösung war. Es ist des Verfassers besonderes Verdienst, daß er auf diesen Konflikt mit ausführlichen Belegen über Bismarcks Staatsstreich- absichten hingewiesen hat(vgl. S. 359, 363, 436, 447). So kommt Ziekursch zu dem Ergebnis:„Der Sturz Bismarcks konnte nur durch einen Bruch mit Bismarcks Staatsfonn gerechtfertigt werden, der 18. März 1890 mußte zur Revolution wie der 18. Mörz 1848 werden" Daß diese Revolution weder im Volke für notwendig ge- halten, noch von dem jungen Monarchen als Gefahr erkannt wurde, weist wieder auf die letzte Ursache für den Zusammenbruch des Kaiserreichs hin. Damit gibt Ziekursch das Leitmotiv für den noch zu erwartenden Band(Das Zeitalter Wilhelms II.), der hoffentlich bald folgen wird. Erwin Marquardt. erträglich banal, bald voll mystischer Sehnsucht. Vielgestaltig und vielgesichtig ist die Well dieser Romane, so vielgestalttg und ständig fließend, wie das Leben selber. Was ist dieser Varon Heyst in„S i e g"? Ein Abenteurer, der keine Abenteuer sucht, der zwecklos zwischen den Inseln der malayischen Archipele herumgondelt und hin und wieder vom Grün- dungsfieber geschüttelt wird, ein Mensch von korrekt gesellschaftlicher Haltung zwischen Leuten, die im heißen Klima wieder zum Tier herabsinken,«in Wohlläter, dem niemand die Wohllaten glaubt, und ein skeptischer Philosoph, der die Menschen verachtet, weil er hinter ihre Masken schaut. Und dann erlebt dieser alle menschlichen Bin- düngen ablehnende Weltmann sein Damaskus, als er die kleme Tän- zerin aus Surabaja mtt sich in die Einsamkeit nimmt. Hier durch- bricht er die starr« Haltung, und im Augenblick der höchsten Gefahr verwachsen die beiden Menschen miteinander und finden gemeinsam den Tod. Und was ist N o st r o m o, der kühne Nachkomme der Kon- quistadoren und Kondottteri? Ein Abenteurer? Vielleicht. Auch bei Nostromo eine Wandlung, aber zu einem anderen Ziel hin. Dieser Vorarbetter in den Häsen einer südamerikanischen Republil. kühn und ungezügelt, de» Mächtigen ergeben, nicht nach Geld strebend, sondern sich mit dem Ruhme des kühnsten Mannes beschei- denk», erkennt eines Nachts, als er unter Todesgefahr aus der belagerten Stadt einen Silberschatz auf einem Boot rettet, daß er letzten Endes ein großer Narr ist. Was bedeutet er den Reichen? Weniger als nichts. Er schafft den Schatz auf eine Insel und gibt nur r Sigapette euooen' inoni&n? thn als verloren aus. Und nun wandelt er sich, jest will er fteigen, in die Geldaristokratie aufrücken. Er fann, um teinen Verdacht zu erregen, nicht plötzlich reich werden, allmählich verkauft er die Silberbarren, allmählich wächst sein Reichtum noch immer steht er mit dem Herzen auf feiten des Proletariats, jetzt mehr als früher, da er auch gesellschaftlich zu ihnen gehörte. Ein Bruch fommt in die ehe mals geschlossene Bersönlichkeit. Der Mann zerfällt mit fich, er, der unbedingte, sieht sich zu Konzeffionen genötigt, und ein Schuß, der einem anderen gelten sollte, endet das ziellos gewordene Leben. Um Heyst und Nostromo, die in den Romanen keineswegs eine prononcierte Stellung einnehmen, reihen sich die anderen, eine Galerie von Merkwürdigkeiten, denn hinter dem gleichgültigsten Ge ficht sieht Conrad doch das Individuelle, das von der Regel Ab. weichende. Conrad schildert die Menschen nicht, er offenbart ihren Wesenstern durch Rede und Handlung. Er setzt alles in Handlung um, deshalb spannen diese Romane bis zur letzten Seite, deshalb lefen sie sich wie die abenteuerlichen Schilderungen eines fühnen Phantasten. Aber die Menschen schweben in feinem luftleeren Raum. In ein paar Nebensägen frizziert Conrad das ganze Milieu, umreißt er turz politische und wirtschaftliche Fragen, entwirft das Bild der Landschaft, ihr Gesicht, ihr Wesen. Es entsteht ein in sich geschlossener Kosmos, eine Welt poll intensivsten Lebens, und auch in Deutsch land wird in die Zeit fommen, da man Joseph Conrad zu den Großen rechnen wird. Felig Scherret Anthologie jüngster Profa. Herausgegeben von Erich Ebermaner, Klaus Mann, Hans Rosentranz. Berlag 3. M. Spaeth, Berlin. 282 6. Preis geb. 6 M. schön zu finden, welt es oft f. Er zeigt uns, wie vieles zu feiner Beit wohl berechtigt und darum schön war, in die heutige Zeit aber nicht übernommen werden darf. Eine der Forderungen, die an bent modernen Menschen gestellt werden muß, ist diese: mit Bernunft zu mohnen, bewußt an der Rationalisierung, Bereinfachung, Bermensch lichung feines Wohnens zu arbeiten". Er verlangt vollkommene Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit in der Gestaltung des Wohnraumes und der notwendigen Gebrauchsgegenstände. Wenn auch nicht jeder ein Haus bauen tann, so fann doch jeder in seinem Lebensfretſe an der Erneuerung der Kultur mitwirken. Ms bas entfcheibende Buch über die Judenfrage wird das Buch des Engländers Hilaire Belloc über„ Die Juden" angekündigt. Bei näherem Zusehen aber muß man feststellen, daß diese Schrift diese anspruchsvolle Empfehlung nicht verdient. Mit Recht wendet fich zwar Belloc gegen diejenigen, die das Bestehen eines Judenproblemts überhaupt leugnen wollen. Die letzten Jahre haben die Notwendigkeit erwiesen, auch hier den tieferen Gründen nachzugehen. Die Analyse jedoch, die wir in diesem Buche finden, fanm nicht den Anspruch erheben, eine auch nur annähernd befriedigende Untersuchung darzustellen. Obgleich der Verfasser den Antisemitismus ablehnt, holt er deffen abgegriffenften Argumente hervor, um feine Thefe, baß die gänzlich verschiedene Kultur, Tradition, Raffe und Religion Europas aus Europa einen dauernden Gegner Ifraels machen, zu stützen. Nicht einmal die widerspruchsvolle und abfurde Behauptung vom jüdischen Kapitalismus und jüdischen Bolschewis mus fehlt. Der entscheidende Irrtum Bellocs liegt wohl darin, daß der primitive„ Differenzaffeft", der die Fremdheit der Feindschaft Erwin Clef: Die Schäden der sozialen Berfichei gleidyfekt, offenbar unbemukt feiner ganzen Untersuchung zugrunde liegt. Es bleibt nur zu hoffen, daß das Buch nicht das Gegenteilungen und Wege zur Befferung." Berlag D. F. Lehmann, München. Breis gebunden 4 mart. bes beabsichtigten Erfolges( Friebe fei Israel!" ist das Motto) er. reicht, vielmehr die Leser zu einer unvoreingenommenen Prüfung des jüdischen Problems anregt. Dr. Rudolf Levy. Urgeschichte. Prof. Dr. Edgar Dacqué: Irwelt, Sage und Mensch Ein verdienstliches. Unterfangen, gleichwohl mit burchaus geheit Eine naturhistorisch metaphnische Studie. Bierte, ergänzte Ein verdienstliches. Unterfangen, gleichwohl mit durchaus ge ringem Ergebnis. Ungeachtet aller Bereitwilligkeit und Wohl Auflage. R. Odenbourg- Berlag, München 1927. 368 5., Preis meinung, die der Kritifer jebem jungen Talent der schreibenden Welt geb. 12 Mart. entgegenbringt, ungeachtet aller Anerkennung, die dem Berlag und den selbst noch am Beginne ihres Weges stehenden Herausgebern für ihre Arbeit und Mühe gebührt, ist diese Feststellung unerläßlich. Und doch wurde es fein überflüssiges, vielmehr ein nüzliches Buch, bas unter dreizehn aus einer Unmenge von Einsendungen erwählten, teils längeren, teils türzeren Erzählungen zwei dichterische Be gabungen offenbart, die zweifellos ihren Weg machen werden. Es find dies Manfred Hausmann mit feiner nahezu meister haften Novelle 3wei Mörder grüßen das Leben" und Werner Türt mit feiner Geschichte Rellernächte". Diese beiben Autoren verfügen nicht nur über starten Stoff, fondern fie vermögen auch zu gestalten, zu ſchildern, zu paden, Dom Stoffüchen abgefehen. Ihrer Arbeiten megen ist das Buch empfehlenswert. Lyonel Dunia Völkerfunde. Sun Yat- Sem: Die Grundlehren oon bem Boltstam Jns Deutsche übertragen von Than Wan, Lettor am Oft. asiatischen Seminar zu Leipzig. Schlieffen- Berlag, Berlin 1927. 200 S. Preis broschiert 3,50 m. Dacqué ist durch paläontologische Studien zu dem Ergebnis gefommen, daß der Bau der Lebewesen in den verschiedenen Grdzeit altern einem Beitgeist unterliegt, daß beispielsweise in der Perm periode( in ber die Säugetiere entstanden) auch die anderen Tiergruppen, wie Reptile und Amphibien fäugetierhafte Züge in äußerem Aussehen oder im Gebiß entwidelten. In einem etwas älteren Erd zeitalter zeigen die verschiedensten Tiergruppen( Krebse und Fifche) ein sogenanntes Barietal oder Scheitelauge, beffen Reste bei manchen lebenden Reptilien wie der Brüdenechie Don Neuseeland, den Leguanen der Galapagosinseln, der Blindschleiche noch vorhanden find Dacqué hält es min für angängig, einfach das Entstehungs after ingenbeines Tieres, bas ein berartiges Beitgeiftmertmal" zeigt. in die Zeit zu setzen, die das Organ schuf. So tommt er dazu, bie Menschwerbung bis in die Steinfohlenzeit zurüdzubafieren, im Begenfag zu allen anderen Wiffenfchaftlern, die als Seitalter der Menfchwerbung die Tertiärzeit anfeßen, mit Ausnahme der Forscher Riaatio, Steinmann und neuerdings eftenhafer, bie aber bei weitem vorsichtiger als Dacqué waren. Davon ab gefeben, hält Dacqué alle bisherigen Stammbäume für falsch und ist der Ueberzeugung, baß es nicht einen zusammenhängenden Stammbaum gegeben habe, fondern mur eine Reihe von begrenzt flüffigen Inpen, die durch Ueberschneidungen Berwandtschaften DOT widlungslehre auf den Kopf zu stellen und alles vom Menschen abzuleiten, der nach ihm ja ,, wenn auch nicht als Form, so doch als Wefen in allen Erbzeitaltern gelebt hat. Beweis find Dacqué gewiffe alte Sagen, deren Deutung aber, um zu der Theorie des Berfaffers zu paffen, oft start verzerrt werden muß. Die erste Unregung zu feiner Auffassung gab ihm, mie er felbft fagt, bie theosophische Lehre von 5. P. Blavatsty.Am 12. März fährte sich zum dritten Male ber Sterbetag bestäuschen. Seine Ausführungen gipfeln darin, die gesamte Ent. großen Führers der chinesischen Revolution, Dr. Sun Dat- Sen's, des Reformators Don Kanton Gein Rame hat über die ganze Welt bin Klang, ble von ihm gefchaffene chinesische Erneuerungsbewe. gung, organisatorisch als Kuomintang( Boltspartei) zufammengefaßt, tennt fast feder. er aber tennt den Geift, die Ideen jenes Mannes und feiner Gefolgschaft? Außer wenigen Ostafienspezialisten taum einer! Es ist daher zu begrüßen, daß einer der Führer der Kuomintang- Bruppe in Deutschland, Lettor Than Wan, des großen Re polutionärs Schriften ins Deutsche zu übertragen begonnen und baß der junge Schlieffen- Berlag die Herausgabe übernommen hat. So werden mancherlei aus Unfenntnis chinesischen Wesens und chinesischer Berhältnisse entstandene 3erebilder von den Gefchehnissen und Bestrebungen im Fernen Often beseitigt werden und ein ganz neuer Einblick in jene uralte Kultur und Gesellschaft, beide in gären der Umbildung begriffen, wird erschlossen. Die Grundlehren von dem Boltstum bestehen aus einem Bormort Sun Yat- Sen's und 6 Reben, welche er nach Bernichtung feiner ursprünglichen Manuskripte bei einem Aufstand in Kanton zur Aufklärung seiner Parteigenossen gehalten hat; die Vorträge murben von einem der Hörer nachgeschrieben. Weberaus flar und eindringlich in der Sprache zeichnet Sun Yat- Sen in ihnen zunächst die Welt und dann die innenpolitische Lage unter dem Gesichtswintel der chinesischen Nationalibee, zeigt er meiter die engen Berbindungen zwischen alter chinesischer Staats- und Gesellschaftslehre und den modernen antiimperialistischen Bewegungen sowie bem Sozialismus, zieht er schließlich daraus seine Folgerungen für die Biederbelebung chinesischen Bolfstums und die Organisation eines fraftvollen neuen China. Deffen vier Tragepfeiler müssen nach feinem Dafürhalten sein: innere und äußere Freiheit, innere und äußere Gleichheit, innere Sammlung und endlich äußere Berbindung mit allen antiimperialistischen Mächten. Dem Sozialisten bringt die Leftüre diefer Reden Sun Yat- Sen's die flare Erfenntnis, daß es falsch ist, die Dinge im Fernen Often unter die landläufigen mesteuropäischen Begriffe einzuordnen. Mit Arbeiterbewegung, Sozialismus oder Kommunismus in unserem Sinne hat die chinesische Bewegung fast nichts zu tun. Sie iſt eine allgemeine Boltsbewegung ohne Klaffentampfbestreben. Dennoch bestehen zwischen ihr und der neuzeitlichen Arbeiterbewegung gewiffe Barallelen. Beide haben das gleiche Biel Neugestaltung der Gefellschaft, beide gehen den gleichen Weg- Kampf gegen die wirtschaftlichen und damit politischen Unterdrüder! Es flechten sich also trɔg der ideologischen und soziologischen Berschiedenheiten beider Bewegungen dod; enge Bande zwischen ihnen. " Ueberfezer und Berlag taten ein gutes Wert mit der Herausgabe dieses ersten Teiles der Drei nationalen Grundlehren". Hoffentlich folgen bald die beiden anderen Teile des Gesamtwerts, die Grundlehren von den Volksrechten" und die Grundlehren von dem Bolksleben": auch die anderen Schriften Sun Yat- Sen's Dom Plan für den Aufbau des Reiches" sollten übertragen und so deut schen Lesern erschlossen werden. Alle diese Schriften müßten dann in möglichst viele private und öffentliche Büchereien, vor allem aber in Arbeiterhände wandern, zur authentischen Aufklärung über die wirtschaftlichen, politischen und geistigen Grundlagen für die Wandlungen in Asiens Kernland. Dr. Otto Raruß. " Hilaire Belloc: Die Juben. Ueberlegung und Nachywort von Theodor Haeder. Verlag 3. Kösel u. F. Buftet, München 1927, XV und 232 S. Die Rüdbatierung der Entstehuna eines Tieres in die Zeit feines Beltgeistmertmals enthält einen Dentfehler, denn die Refte biefes Ongans tann das Tier einfach von älteren, aber ganz anders gearteten Borfahren aus der älteren Epoche geerbt haben. Die Inpentheorie ist ein wohlfeiler Ausweg, um den Mittelpunktswert des Menschen zu retten. Alle die mystisch- metaphnfischen Ueber legungen und Schlüsse, die den ganzen zweiten Teil ausfüllen, gehören nicht in eine ernste Naturforschung, die diese Berfälschungs fendenz Daqués auch rundweg ablehnt. Die heranziehung der Welteislehre Hörbigers ift gleichfalls unzuläffig. Der bisherige Publitums erfolg des Buches, der sich in der Auflage ausbrückt, barf leider nicht erfolg des Buches, der sich in der Auflage ausbrückt, barf leider nicht als Beweis für Güte angesehen werden, ebensowenig die Schreibweise, die fich bemüht, allgemeinverständlich zu fein und eine äußerlich eratie Form( durch genaue Literaturangaben usw.) zu wahren. Willy Len Baukunft. Adolf Behne: Neues Wohnen Heffe u. Becker Verlag, Leipzig 1927. Neues Bauen. Adolf Behnes Buch„ Neues Wohnen Neues Bauten ist Heinrich Bille gewidmet, dem schöpferischen Darsteller des Berliner Miljöhs In Gedanken an diefes Milljöh erfüllt uns das Buch Es erscheint geeignet, gerade in Kreisen der mit Hoffnung. Mietshausbewohner das Erkennen der Möglichkeit zu bewirben, daß man auch mit wenig Mitteln feine Umgebung würdig und schön geftalten fann. Das Buch ist geschrieben, um dieses Erkennen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Die Schaffung wirklich guter Wohnungen in Stadt und Land hält Adolf Behne für die lehte Aufgabe alles Bauens. Diese Aufgabe fann aber nicht durch den Architekten allein gelöst werden. Er braucht dazu Berständnis und Mitarbeit möglichst aller Kreise. Eine topernikanische Wendung in der Weltbetrachtung, eine Erneuerung der Gedankengänge ist nötig, bamit nicht von außen her ein neuer Stil entstehe und die neuen Bauformen als eine Diftatur bes Architekten empfunden werden. Neue, allgemein- menschliche Grundlagen der Lebensweise werden gefordert, aus denen heraus sich dann die neue Bauart ganz selbstverständlich ergibt und entwidelt. Im dritten Kapitel des Buches wird dargestellt, wie bei der Gestaltung des Wohnraumes und der den Menschen umgebenden und dienstbaren Gegenstände heute noch wenn auch fast immer unbewußt Einstellungen wirksam sind, die vor Jahrhunderten vielleicht Berechtigung hatten. Er spricht in diesem Kapitel von dem unsterblichen Ritter, der als ein noch immer in uns allen wirffames Gespenst" herumfputt. Diesen zuerst so unfaßlichen Gedanten macht er uns vollkommen zugänglich und überzeugt durch bildliche Beispiele. Wir lernen sehen und erkennen, warum viele Städtebilder, Straßenzüge, pomphafte Billen, Mietswohnungen un harmonisch und unbefriedigend wirken müssen. Abolf Behne sucht von dem verderblichen Gebanten abzubringen, das Mte nur deshalb Meine Damen! Meine Herren! Die dem Buch beigegebenen Abbildungen unterstützen die sachlichen und von tiefem Ernst getragenen Ausführungen Adolf Behnes E. B. auf das Birkhamste. *** Sozialpolitik. Ein übles Machwert, das von feinerlei Sachfenntnis über das Wesen der Sozialversicherung zeugt. Herr het hat feinen Schimmer Don ber modernen Sozialbiologie. Deshalb darf er folche Säße schreiben:„ Die Krantenversicherung hat viele Bolfsgenossen unnötig frant gemacht, das Krankfein zum Beruf erhoben, die Invalidenver ficherung viele Menschen vorzeitig arbeitsunfuftig und damit arbeitsunfähig gemacht, die Unfallgefehgebung Begehungsfucht, gerrüttenden Rentenfampf und Simulantenunmesen geschaffen." An anderer Stelle: Die Arbeitslosigkeit als Beruf die Anfäße dazu sehen wir schon allenthalben. Sie ist noch verderblicher als die Krankheit, als der Unfall als Beruf. Sie bedeutet eine negative Auslese, die unserem Bolte den Reft geben fann. Sind wir doch in dem neuen Deutschland schon so weit, daß eine freiwillige Arbeit unter Strafe gestellt werden soll. Zu den Kronzeugen Liefs gehört ber berüchtigte Nis Peterſen, Bon diesem hat ein wirklicher Sachtenner unserer Sozialversicherung, Ministerialbirettor Griefer, in einer Bolemit treffend gefagt: Nis Petersen ist ein Mann, der für das deutsche foziale Recht blind ist, fich aber für berufen hält, dem deutschen Bolte die Augen zu öffnen, indem er das deutsche foziale Recht öffentlich schmäht und mit Füßen fritt. Und die stillen Nugnießer seiner geistigen Erzeugnisse machen fich ber Begünstigung schuldig. Ein mirbiger Kronzeuge. Wir find weit davon entfernt, an der deutschen Sozialver ficherung alles gut zu finden. Sie bedarf einer Reform an Haupt und Gliedern Nur liegen die mirklichen Schäden nicht dort, wo Sie Herr Lieft fucht. Mit einer Ausnahme vielleidt: was er über arztliche Braris fagt. Bieles würde anders und beffer werden, menn insbesondere die Krantenversicherung mehr Freiheit in der F. Schröder. Regelung der ärztlichen Bersorgung befäße. Neue Bücher. ( Besprechung der eingegangenen Bücher bleibt borbehalten.) 9. Ablez. Heber psychologische und ethische 2äuterung bes Marrismus Saub, Berlin Albrecht. Jugendliederbuch. Arbeiterjugendberlag, Berlin A. Blos. Frauen der deutschen Revolution 1848. Raben u. R., Dresher, B. 6. Bürgel Dr. lebuhles Abenteuerbuch. Ulstein, Berlin 5. Donner. Die Borgeschichte des Weltkrieges. Deutsche Berlagsgesell schaft für Bolitik u. Geschichte, Berlin. Duncan, Memoiren. Amalthea- Berlag, Surich. Durian. Roman eines Wolfes. B. Schneider, Belpsig 8. Engels. Grundsäße des Kommunismus. Jnternationaler Arbettera Berlag, Berlin D. Flate. Die erotische Freiheit. S. Fischer, Berlin & Frant. Big in die Beische. R. Sipinfti, Leipzig 8. Fraut. Zur Sonne, zur Freiheit. N. Lipinfti, Selpsig. Dr. H. Freund. Das Außenhandelsmonopol der Sowjetunion. St. 8. Brager, Berlin. 2. Frobenius. Das sterbende Afrika. Frankfurter Frankfurt a. M. Giefe Blochotechnik. F. Hirt, Breslau. Societätsbruderet, M. Gorki. Erinneringen an Zeitgenossen. Malt- Berlag, Berlin 5. Singe. Staatseinheit und Föderalismus im alten Franfreich unb te ber Revolution. Deutsche Berlagsanstalt, Stuttgart. B. v. Hollander. Jezt oder nie! Ulstein, Berlin. H. Gorlht. Inge mug in die Welt. F. Schneider, Selpsig 5. Hornung. Zur Soziologie der Bürger- Funktionäre, E. Baub, Berlin. 2. b. Koerber. Meine Erlebnisse unter Strafgefangenen. 2. Hacbede, Stuttgart. Dr. Külz. Deutschland- Jahrbuch für das deutsche Wolf 1928. Belingsche Berlagsanstalt, Leipzig. S. Bewis. Mantrap. E. Rotoohlt, Berlin $. Lofting. Dottor Dolittles Birtus. Williams n. Co., Berlin- Grimealb. . b. Loon. Die Geschichte der Menschheit. R. Moffe, Berlin, 2. R. Löwenstein. Das Kind als Träger der werdenden Geselsoft. Jungbrunnen" Verlagsbuchhandlung, Wien. R. Michels. Sittlichkeit in Ziffern? Dunder u. Humblot, München. P. Morgan. Stieftind der Grasien. Universitas, Deutsche Verlags- A.- G., R. Radolny. Germanisierung oder Slabisierung? D. Stollberg, Berlin. . Reſtrieple. Das Theater im Wandel der Zeiten. Deutsche Buchgemein schaft, Berlin Berlin. M. Quard. Ein Frankfurter Borläufer des Kommunismus. Union Druderei und Berlagsanstalt, Frankfurt a. M. J. Reed. 10 Tage, die bie Welt erschütterten. Berlag für Siteratur und Politil, Berlin. S. Reinheimer. Lustige Gaben für Mädel und Knaben. F. Schneider, Leipzig. J. Romanus. Mussolini und fein Gefolge. Wiener Boltsbuchhandlung. D. Rühle. Die Rebolutionen Europas. 2. und 3. Band. Rabeu u. Ro., Dresden. Q. Rühle. Karl Mart, Reben und Wert. Abalun- Berlag, Hellerau. Dr. C. Schmitt. Berfassungslehre. Dunder u. Sumblot, München. 6. Schöttler. Bescheidene Weltgeschichte. Dürr u. Weber, Leipzig Stein. Jungfozialisten und Arbeiterbewegung.. Laub, Berlin. W. Steinbach. Die Arbeitslosen. R. Lipinsti, Leipzig. Dr. B. Tieße. Der Streifbefehl der Organisationen. G. Stille, Berlin. F. b. Tschudi. Tierleben der Alpenwelt. Rascher it. Cie., Zürich. M. de Unamuno. Die Agonie des Christentums. Meyer u. Jessen, München. H. Wagner. Im Zeichen der roten Nelle. Linzer Volfsbuchhandlung, Lina M. Weftphal. Sandbuch für sozialistische Jugendarbeit. Arbeiterjugendverlag, Berlin. sämtliche hier angezeigten Bücher Connen durch die Buchhandlung 3.$. W. Dies Raf., Berlin SW 68, Lindenstr. 2, bezogen werden. nicht die Kenntnis der Orte interessiert Sie, wo der Tabak wächst, auch nicht die internen Einzelheiten der Mischung und Herstellung einer Zigarette Sie wollen einzig und allein von einer Zigarette wissen, dass sie Genuss bereitet und bekömmlich ist. Rauchen Sie daher die weit verbreitete ENVER BEY GOLD Die Zigarette des gülen Geschmacks 58 1