Ar. 6 10. Juni 1928 Blick in die Bücherwelt Länderkunde. Karl Schrader und Franz Josef Furtwängler: Das werttätige Indien. Sein Werden und sein Kampf. Auf Grund der Indienreise der deutschen Textilarbeiterdelegation verfaßt im Auftrage des Deutschen Textilarbeiterverbandes. Berlin 1928. Ver= lagsgesellschaft des ADGB. 442 S. Preis geb. 10 Mt., gewerk schaftlicher Organisationspreis 6,50 Mt. Dieser Bericht über die Indienreise deutscher Gewerkschaftler ist ein nüchternes und zugleich ein leidenschaftliches Buch. Eine gut geschriebene Einleitung teilt auf etwa 140 Seiten alles Notwendige aus Indiens Geographie und Geschichte, aus der Dekonomik und Politik des Riesenreiches mit. Der Schwerpunkt des Werkes liegt in einer ausführlichen Darstellung der indischen Gewerkschaftsbewegung und der sozialen Lage des indischen Proletariats. Die Verfasser haben die wichtigsten Industriezentren Indiens besucht, und zwar nicht nur die großen Welthäfen wie Bombay oder Madras, sondern auch die weniger bekannten Binnenorte wie Gawnpur, Indore, Nagpur usw. Im Laufe von knapp 5 Monaten haben sie erstaunlich viel gesehen, haben das Leben der indischen Arbeiter studiert, das soziale Elend, das der indische Frühkapitalismus hervorgerufen hat, unmittelbar auf sich einwirken lassen. Dieses rasche Sicheinfühlen in ein völlig fremdes Milieu war nur dadurch möglich, weil die Berfaffer ihr Untersuchungsgebiet ganz genau abgesteckt und ihre Forschungsmethode ganz präzise festgelegt hatten: sie wollten als Sozialisten und Gewerkschafter die soziale Lage des indischen Proletariats und feinen wirtschaftlichen Klassenfampf studieren. Als geschulte Gewerkschafter haben die Verfasser es verstanden, das Wesentliche festzuhalten und sich nicht in Einzelheiten zu verlieren. Das Buch bietet eine Fülle von interessanten Einzelbeobachtungen besonders wertvoll ist in dieser Hinsicht der Abschnitt über die Lage der indischen Arbeiter aber alle diese Teilbeobachtungen schließen sich zu einem großen Bilde zufammen. Das Buch ist eine große Anflageschrift gegen das unmenschliche Ausbeutungssystem, unter dem die Arbeiterklasse Indiens leidet, und zu gleich ein warmer Appell an das europäische Proletariat, sich der jungen indischen Arbeiterbewegung anzunehmen. Abgesehen von feinem wissenschaftlichen Wert u. 2. gibt es in der deutschen Literatur keine solche Schilderung der sozialen Lage und der gemerk fchaftlichen Bewegung des indischen Proletariats hat das Buch eine große agitatorische Bedeutung. Es mirbt für die große Bewe gung der werktätigen Massen Indiens, es tritt für eine Zusammenarbeit des europäischen und asiatischen Proletariats ein. Als ein Mangel des Buches muß das Fehlen von Hinweisen auf benutzte Literatur angesehen werden. In dieser Hinsicht bedarf das Buch bei der nächsten Auflage, die hoffentlich bald fommen wird, einer Ergänzung. Zahlreiche Abbildungen, die größtenteils aus eigenen Aufnahmen der Verfasser stammen, erhöhen den Wert des auch äußerlich sehr gut wirkenden Buches. G. Biensto d. Jakob Job: Neapel. Reisebilder und Skizzen. Verlag Rascher u. Co. A.-G., Zürich. 255 S. Wenn der Autor im Vorwort betont, sein Buch solle Wegbereiter dem Südenfahrer und Erinnerungsbuch dem Heimkehrenden sein, so umreißt er damit ziemlich genau den Aktionsradius feiner Arbeit, aber mit einer Bescheidenheit, die den Inhalt nicht ganz erschöpft. Text und Bilder, die sich gut ergänzen, geben ein wenig mehr als mur den äußeren Widerschein der Dinge, sie dringen etwas tiefer, wenn sie auch an den sozialen Fragen, die sich dem Reisenden in jenen Gegenden mehr als sonstwo ausdrängen, falls er zu sehen versteht, nur ganz vorsichtig rühren und keineswegs rücksichtslos die kritische Sonde anlegen. Die Schilderung der Landschaft gehört zu den guten ihrer Art, ist anschaulich, ohne zu malerisch zu werden, und impressionistisch, ohne in Lyrik zu schwelgen. Die Reihe der Feste, die Job mit leuchtenden Farben schildert, ist beste Reportage, aber ermangelt der Stellungnahme zu den Grundproblemen, die sich gerade auf religiösem Gebiet bei der Beurteilung des Südländers dem Betrachter aufdrängen. Job hat die Landschaft erlebt und auch die Gebärden der Menschen, doch selbst wo er intimer hinter die Türen geschaut hat, hat er das Wesentliche nicht gesehen. Das Buch liest sich flott und angenehm, man langweilt sich auf feiner Seite, aber wenn man es aus der Hand legt, denkt man nicht mehr daran. Es ist einwand freies Feuilleten, unterhaltsam in jeder Zeile, es erinnert an die Reiseandenken, die man heimbringt und von Zeit zu Zeit gedankenlos befriedigt wieder zur Hand nimmt, um dabei schon an die nächste Reise zu denken. Wer von der Gegend nichts meiß, wird, ehe er fie aufsucht, Gewinn von der Lektüre haben, und wer zum Reisen zu müde ist, wird beim Lesen sich gern an liebgewordene Stätten zurückversetzen. Sofern der Autor nicht mehr beansprucht, hat seine Arbeit ihren Zweck erfüllt. Curt Biging. Jugendschriften. Bengt Berg:, Arizona Charleys Junge. Verlag Dietrich Reimer. Berlin 1928. 338 G. Bengt Berg, der Kenner der Tierseele und feine Beobachter der Bogelwelt, der so manche abenteuerliche Reise hinter sich hat, ging unter die Verfasser von aufregenden Geschichten für die Jugend. Das ist schwieriger, als es scheint, denn so unendlich viele Abenteuertücher für Jungens es gibt, so wenig gute find darunter. In den meiſten ſpuft eine Ideologie reaktionärster Färbung, oder die Spekulation auf die Roheitsinstinkte unerwachsener Rauhbeine macht sich heimlich zwischen den Zeilen breit. Bengt Berg ist geschmackvoll genug, diese Klippen zu vermeiden; es wird zwar auch bei ihm gehauen, gestochen und geschossen, aber wenn das nicht der Fall wäre, dann wäre das Ganze eben fein Abenteuerbuch. Die Jugend verlangt danach, sich wenigstens in der Lektüre ihre atavistischen Instinkte ab: zureagieren, und sicherlich ist eine mit einigem Taft konstruierte Räuberpistole" ein gewisses Sicherheitsventil für die Gärungen der Jungenseele in den Rüpeljahren. Von diesem Standpunkt aus ist cine gute Abenteuergeschichte als Jugendlektüre durchaus zu empfehlen, zumal wenn in ihr, wie bei Bengt Berg, eine Fülle naturwissenschaftlicher und geographischer Belehrung vorhanden ist. Der Held der Geschichte ist ein Proletarierjunge Ulle, weder groß noch stark noch tollfühn, ein richtiger Durchschnittsjunge wie Millionen andere, und das sichert ihm die Sympathie aller derer, die auch nicht anders sind und sich so am leichtesten mit ihm indentifizieren fönnen. Er ist ein ehrlicher Kerl, der auch seine Dummheiten bloß aus der Anständigkeit seiner innersten Seele macht und dabei, mas leider im Leben nicht immer vorkommt, stets Glück im Reisen und Abenteuer. Beilage des Vorwärts Anordnungen der verantwortlichen Offiziere. Nach dem, was der Schweizer erzählt, ist es tein Wunder, daß, wie fürzlich gemeldet murde, das Indianeramt in Brasilien seine auf friedliche Verständigung mit den noch wilden Indianerstämmen gerichtete Tätigkeit wegen der Desorganisation der Zentralftellen aufgeben mußte. Damit ist die kulturell so wertvolle Arbeit von Jahren, die Charles Domville- Fife ausführlich in seinem Reisewerk ,, Unter Wilden am Amazonas. Forschungen und Abenteuer bei Kopfjägern und Menschenfressern" schildert( Berlag F. A. Brockhaus, Leipzig, 270 S.) umsonst gewesen. Das ist um so bedauerlicher, als hier zum erstenmal mit Erfolg der Bersuch unternommen wurde, die Militärmacht in den Dienst der friedlichen Verständigung zu stellen und ihren Angehörigen den unbedingten Nichtgebrauch der Waffen zur Richtschnur des Handelns zu machen. Es gibt auch friedliche Eroberungen, und darum handelt es sich, Endes alles gut ging, war mehr Zufall als Resultat zielbewußter in Ejnar Mikkelsens Buch nach barn des Nordpois, Eine Koloniegründung in Ost- Grönland"( Verlag Ph. Reclam, 286 Seiten mit 31 Bildtafeln). Mikkelsen ist einer der bekanntesten Forscher, der als ,, arktischer Robinson" sich einen großen Ruf erwarb und es durchsetzte, daß nach Ueberwindung zahlreicher diplomatischer Schwierigkeiten eine Estimokolonie im Lande seiner alten Liebe, in Ostgrönland, gegründet wurde. Freigebige Spender ermöglichten die Ausrüstung eines Schiffes, das die Ansiedler und ihre Helfer an den Scoresbysund brachte, und nach mancherlei Störungen durch die Unbilden der Witterung konnte endlich der Bau der Kolonie vor sich gehen, um Leuten, die an Land und Klima gewöhnt waren und moanders gar nicht hätten gedeihen können, eine Heimstatt zu bieten. Ein Stück Erde, das bis dahin tot und unfruchtbar gelegen hatte, wurde in emfiger Arbeit dem Nutzen erschloffen, ohne daß man einen früheren Befizer von seiner heimatlichen Scholle zu vertreiben brauchte. Von dem unfriegerischen Kampf und Sieg der Ansiedler erzählt der Forscher und weist damit Wege zu Eroberungstaten der Zukunft, die ohne Blut und Menschenopfer zu erwirken sind. Wilder geht es in dem Buche zu, das die Witwe des Sibirienforschers Oskar Iden- 3eller nach den Aufzeichnungen ihres Mannes und eigenen Beobachtungen herausgab( Ostar Iden- Zel ler und Anita Iden Zeller: Der Weg der Tränen. Elf Jahre verschollen in Sibirien". Berlag Ph. Reclam, Leipzig). Beide wurden nach Ausbruch des Weltkrieges von den politischen Ereignissen im fernen Osten hin- und hergeworfen, erlebten ein abenteuerliches Schicksal und fanden inzwischen noch immer Zeit, auch den Aufgaben als Forscher nachzugehen. Sie gerieten in die Kämpfe zwischen Weißen und Roten und streiften mehr als einmal den Tod. Die temperamentvolle und eigenwillige Schreibart der seltsamen Frau fesselt auch da, wo man sich nicht mit ihr einverstanden fühlt. Bei dieser Gelegenheit sei an das spannende fleine Buch 3 wölftausend Kilometer durch Sibirien" erinnert, das Iden- Zeller vor dent Kriege schrieb und das in Reclams Universalbibliothet erschien. Hier wird das mühselige Leben des Forschungsreisenden, der ganz auf sich allein gestellt ist, anschaulich geschildert. Auf eine ganz andere Tonart ist das Werf Sten Bergmanns im wilden Ramtschatka",( Berlag Streder u. Schröder, Stuttgart, ,, Bulkane, Bären und Nomaden", Reisen und Erlebnisse 280 Seiten) abgestimmt. Bon seiner Frau begleitet, hat der schwe dische Forscher unter oft sehr ungünstigen Bedingungen das Innere der gewaltigen Halbinsel, die die größten Vulkane der Welt trägt, durchforscht und wertvolles naturwissenschaftliches und völkerfund liches Material beigebracht. Auch literarisch stellt das Wert eine anerkennenswerte Leistung dar; flott und schmiffig geschrieben, mit Humor gewürzt, bietet es eine gute Unterhaltungslektüre auch für Leser, die sich sonst aus wissenschaftlichen Werken menig machen. Wer sich für die wirtschaftlichen Möglichkeiten jener Gegenden, die durch die neuesten politischen Ereignisse immer mehr in den Blidpunft Europas gerückt werden, interessiert, wird in Bergmanns Buch viel Wissenswertes finden. In die Tropen führt der Reisebericht des Schweizer Forschers Heinrich Hintermann Unter Indianern und Riesen fchlangen"( Verlag Grethlein u. Co., Leipzig- 3ürich, 330 S.). Hintermann begleitete eine Gesellschaft brasilianischer Offiziere ins Innere des Landes und schildert in dem Buch die mannigfachen Landschaft und des Klimas bereitet wurden. Völkerkundlich war Strapazen und Gefahren, die der Expedition durch die Ungunft der die Ausbeute der Reise einigermaßen zufriedenstellend; fehlerhaft an der Organisation des Unternehmens war die lage Art, mit der die brasilianischen Offiziere die ganze Sache betrieben, der Mangel an Corpsgeist, den manche Teilnehmer an den Tag legten. Im großen und ganzen kann man aus Hintermanns Bericht lernen, wie eine Urwalderpedition nicht aufgezogen werden darf. Das legten Unglück hat. Ulles Bater, der Hafenarbeiter, verunglückt tödlich, Kalifornien für den Film Pferde dressiert. Mit diesem Onkel, der Ulle selbst kommt zu seinem Onkel, dem Arizona Charlen, der in natürlich als richtiggehender Wildwestmann reiten und Lasso werfen fann, daß es eine Art hat, acht Ulle schließlich als Begleiter einer Tierfängerexpedition nach Afrika, wo es am schwärzesten ist, und erlebt dort so viel Spannendes, daß der Bedarf an Aufregungen für den humorvoll beschrieben und für die Jugend nicht minder unterhaltsam Reft feines Lebens gedeckt sein dürfte. Das alles ist schr flott und als für Erwachsene, die, wie gemuntelt wird, bisweilen auch ganz gern zu Abenteuergeschichten greifen. Bernhard Roth. Bilhjamur Steffanffon und Biolet Irvin: Des 3auberers Rache. Abenteuer eines Estimojungen. Adolf Sponholz Berlag, Hannover. 300 S. Preis 5 M. Ein Jugendbuch, wie es sein soll, ein Jugendbuch, das auch ein Erwachsener noch mit Bergnügen lejen fann. Den Stoff bilden die Abenteuer des Eskimojungen Kel, der alle Mühjal und Opfer auf fich nimmt, um dem von ihm verehrten Forscher zu helfen, die Streiche des schlimmen Bazella, des füdamerikanischen Steuermanns, zunichte zu machen. Denn der hat sich mit dem Eskimozauberer Uloffat verbündet, um dem Forscher die Rückkehr unmöglich zu machen und Schiff und Ladung an sich zu reißen. Er vernichtete sogar das zweite Hilfsschiff der Expedition. Das ist der Rahmen. Biel wichtiger aber ist das Bild, das das Buch von dem Leben der Eskimos gibt, von ihrem Leben und noch viel mehr von ihrem Denn das ist das Beste an dem Buch, daß es nicht Europäer hinstellt, die zufällig Eskimokleider tragen, sondern daß diese Menschen in ihrer Begrenztheit gezeigt werden, ohne darum doch zu den fühllosen Wilden" der früheren Abenteuergeschichten zu werden. Wir begreifen, warum Taftut, der stolze und liebende Bruder der schönen Avranna, doch ehrlich zum Schluß fommt, daß er sich selbst von dieser schönen und geschickten Schwester noch leichter trennen würde, als von seinem Lieblingshund Situ, und wir erleben das Unglück und das qualvolle Sterben Sifus an dem verDenken. Einen Ratgeber für Leute, die berufsmäßig sich im tropischen Busch bewegen müssen, schrieb Offo Stuzzer: Tropisches Busch leben. Leben und Ausrüstung auf großen und fleinen Expeditionen in Afrika und Südamerika".( Berlag Dietrich Reimer, Berlin 1927. 146 S.). Mit Rücksicht auf die immer mehr sich aus: breitende heimatliche Zeltlagerbewegung hat das Buch auch für diejenigen seine Bedeutung, die ein länger dauerndes Freiluftleben in der sommerlichen Heimat beabsichtigen. Die Ratschläge, die Stuzer erteilt, stammen aus der Praxis eines Mannes, dem piele Jahre hindurch der Busch und das Zelt die Häuslichkeit haben ersehen müssen und sind bis auf einige Punkte, die mehr Geschmackals Brinzipienfrage bedeuten, durchaus zu unterschreiben. Namentlich der Wasserwanderer wird aus Stugers leicht lesbarem Buch manche Anregung schöpfen. Der Ozeanüberflieger Charles Lindbergh verfaßte für seine Verehrer die Biographie seines noch jungen Lebens, weil er nicht wollte, daß ein allzu geschäftstüchtiger Berufsschreiber sie ihm reflamehaft verpfuschte.( Charles A. Lindbergh, Wir zwei. Im Flugzeug über den Atlantik". Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1928, 159 S.). Der Ozeanflieger schildert seinen Entwicklungsgang fnapp, fachlich und ohne Wichtigtuerei und zeigt damit zugleich, daß aus einem tüchtigen jungen Kerl ein tüchtiger Mann werden kann, auch wenn er nicht all den überflüssigen Kram gelernt hat, der in Deutschland tung für den Kampf unis Dasein betrachtet wird. Jedenfalls wäre auf den höheren Bildungsanstalten noch als notwendige Vorberei Heimat wurde; schulmeisterliche Beschränkheit hätte feinen Weg mit Lindbergh in Deutschland nie das geworden, was er in feiner Hilfe verwaltungstechnischer Schranken verbarrikadiert, bevor er dazu gekommen wäre, überhaupt das Steuer eines Flugzeuges in die Hand zu nehmen. Um jeden Anschein von Ausschneiderei zu vermeiden, berichtet Lindbergh gerade über seine aufregendsten Abenteuer mit denkbarster Kürze und ohne feuilletonistischen Ambitionen, indem er einfach mörtlich seine dienstlichen Meldungen über die Borgänge reproduziert. Das Buch ist eine vorzügliche Lektüre für die Jugend, aber auch die Aelteren können daraus lernen, mie verkehrt es ist, die Jungen immer an der Leine halten zu wollen. In eine entfernte Bergangenheit verseht uns ein auszugsmeise wiedergegebenes Wert aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges,„ Die erste deutsche Expedition nach Persien" von Adam Olearius.( Nach der Originalausgabe bearbeitet von Dr. Hermann v. Staden. Berlag F. 2. Brockhaus, Leipzig 1928, 159 G.). Die Einführung durch den Herausgeber ist ebenso intereffant, wie der wörtlich zitierte Teil kulturhistorisch bedeutsam ist. Bas der alte Autor über das Despotentum der damaligen orientamenschlicher Verworfenheit, daß selbst die angeblichen Greueltaten lischen Fürsten zu berichten meiß, ist ein derartiges Dokument römischer Kaiser dagegen verblassen. Man legt das Buch aus der Hand nicht ohne Verwunderung darüber, daß es Zeiten gab, in denen Völker solche Dinge erduldeten, ohne solche Bestien auf dem Throne sofort auszurotten. Johann Karlsson. wünschten Abwaschlappen als eine wirkliche Tragödie. Und auch, daß die schöne Avranna fast einwilligen wollte, den reichen und alten Zauberer Uloffat zu heiraten, tut ihrem Liebreiz keinen Abbruch, jie bleibt drum doch bezaubernd, diese Eskimoschöne in ihrer schmucken Tracht; daß ihr höchstes Gut ein alter, baumwollener Regenschirm ist, mit dem sie vor der Mannschaft des Expeditions= schiffs tokettiert, macht sie nur liebenswürdiger. Wenn man bei diesem nett illustrierten und hübsch gebundenen Buch noch einen Wunsch äußern könnte, so wäre es der, Büchern dieser Art immer eine Karte mitzugeben, da die Schulatlanten taum zur Verfolgung dieser Reisen ausreichen, der Wert dieser Bücher aber gerade in dem Anreiz zur Beschäftigung mit geographischen und völkerkundlichen Fragen liegt. Rose Ewald. Bruno H. Bürgel: Doktor Ulebuhles Abenteuerbuch. Erzählungen für Jugend und Volt. Verlag Ullstein, Berlia 1928. 230 Seiten. Die Art Bürgels, naturwissenschaftliche Belehrung im Gewande der Erzählung zu vermitteln, hat vieles für sich, wenn sie auch in der Form hin und wieder überholt erscheint: ein bißchen weniger Jungnidel" wäre angenehmer. Immerhin lernt der jugendliche Leser, für den das Buch ja in der Hauptsache bestimmt ist, spiele: d Wissensgebiete fennen, die ihm jonit fremd geblieben wären und von denen auch mancher Erwachsene keine Ahnung hat. Die Geschichten von dem Saurierurwald( Die Abenteuer des Balthasar Schaumlöffel") und von Atlantis bieten dem Lejer genügend Anregung, sich über den Rahmen der Erzählung hinaus anderweitig nach dem Problem umzutun. Die Entstehung der Salzlager der Erde ist ganz furzweilig geschildert, die„ Chronik des Ling- huan- tso" rührt an tiefste Fragen der Welterkenntnis und reizt den unorientierten Leser sicherlich zum Nachdenken und weiteren Studium. Der Colonel Bombardon" allerdings stellt einen stark verwässerten Jules Berne dar, dessen Reise nach dem Mond bisher noch von feinem seiner Epigonen erreicht worden ist. Die letzte Erzählung ,,, Trugbilder", die eine beherzigenswerte Warnung vor der FremdenSALAMANDER kennt jeder! DAS ERZEUGNIS DER GROSSTEN DEUTSCHEN SCHUHFABRIK MARKE E Jeder SalamanderSchuh trägt die Marke GLAMAN Yegion, ist allerdings reichlich rührselig und wird in dieser Form auf Jungens wenig Eindruck machen. Für Jugendliche bis zu fünfzehn Jahren ist„ Doktor Ulebuhles Abenteuerbuch" brauchbar und zu empfehlen, Jugendliche der höheren Jahrgänge sind schon eine etwas anspruchspollere Kost gewöhnt. Bürgel geht brenzlichen sozialen Fragen, die sich an verschiedenen Stellen des Buches dem unbefangenen Leser aufdrängen, vorsichtig aus dem Wege und hütet sich, Stellung zu nehmen. Der fritische Leser aus der sozialistischen Jugend wird hier sicherlich an solchen Stellen an zu denken anfangen, wo Bürgel ihm zumutet, damit aufzuhören und den lieben Goft einen guten Mann sein zu laffen. Karl Haupt. Erzählende Literatur. Josef Kastein: Melchior.( Roman.) Friesen- Verlag, Bremen. 420 Seiten. Ein Kaufmannsroman aus Bremen. Die Entwicklungsgeschichte eines reichen jungen Menschen in der Art der Entwicklungsromane von Wilhelm Meister" bis zum Grünen Heinrich". Dieser Melchior ist der typische epische Mensch, der der Welt nicht seinen Stempel aufdrückt, sondern von den Ereignissen getrieben und geformt wird, ein Mensch, der aus den Irrungen und Wirrungen des Lebens seine Persönlichkeit in den sicheren Hafen hineinrettet. Immer endet der Entwicklungsroman mit der Verankerung des Helden im gesicherten, d. h. im bürgerlichen Leben, und eigentlich kehrt der Held bloß zu seinem Ausgangspunkt zurück, denn sie alle, die Wilhelm Meister oder Melchiors, stammen aus dem Bürger tum und machen nur eine Sturm- und Drangperiode durch, gehorchen dann aber der Stimme ihres Blutes, der vererbten Veranlagung, und werden Bürger wie ihre Vorfahren. Jeder Entmicklungsroman bedeutet neben der Hochschäzung der bürgerlichen Ordnung einen Verzicht auf das Leben da draußen, auf das Leben, das noch nicht in den Katalogschrank bürgerlicher Wertungen eingefangen worden ist, und dieser Verzicht charakterisiert auch Kasteins ,, Melchior". Der reiche Kaufmannssohn fühlt seine Individualität durch die vornehme Konvention in seinem Baterhaus, durch die Schematisie rung und Gleichförmigkeit seines Berufs an der Entfaltung gehindert. Er verfehrt mit Sozialisten und Literaten, erlebt die erſte große Liebe mit einem Proletariermädchen, er versucht sogar auf cigene Fauft ins Ausland zu gehen, doch die Bindungen an die Familie erweisen sich als stärker. Melchior läßt sich durch die Tradition einfangen, und nach dreijähriger Volontärepisode auf einer großen füdamerikanischen Blantage kehrt er nach Bremen zurück in den Schoß der Großkaufmannschaft. Sein Drang nach Abenteuern ist befriedigt, aber er foigt nicht der Tradition seines Hauses, er gründet vielmehr eine eigene Firma. Und hier erweitert Kaſtein den Roman über das Interesse an der Entwicklung des jungen Melchior hinaus zu einem Zeitroman. Die alte Kaufmannsgeneration wollte von Spekulation nichts wissen, Melchior aber ist nur Spekulant, allerdings großen Formats, bald hat er einen fleinen Trust gebildet, der Plantagen, Schiffswerften und Eisengießereien umfaßt, einen Trust von horizontaler Lagerung im Sinne eines Hugo Stinnes. Melchior ist also in den Schoß der Familie zurüdgefehrt; betreibt er auch den Handel in anderer Form, so bleibt er doch beim Handel, und schließlich ist die neue Form durch die ver änderten wirtschaftlichen Verhältnisse bedingt. Der Kreis hat sich geschlossen, und die Familie, die Tradition ist mächtiger als die Individualität, die sich nur noch in stillen Stunden nach Freiheit fehnt. Kastein bejaht nicht diese Lebensform, er verneint sie auch nicht, dringlich untermalt. Dieses erste Werk des Bremer Schriftstellers zeigt die Fähigkeit, Menschen zu gestalten ohne jede Verzerrung und ohne jede Tendenz, Menschen, die aus ihrem Milieu und aus der Zeit erklärt werden. Manchmal erinnert er an Thomas Mann. Bielleicht ist der Rahmen noch zu eng gespannt, das Geschehen zu sehr vom Lokalfolorit abhängig, und vielleicht werden die Verhältniffe im Bremer Großhandel zu ernst genommen. Jedenfalls aber fann man an diesen ersten Versuch Hoffnungen fnüpfen. er fonstatiert sie nur mit leiser Ironie, die überhaupt alles aufFelig Scherret. Franz Grundmann: Aus'm Schleiferland. Ernste und heitere Erzählungen. Verlag des Parteivorstandes der Deutfchen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei. Brag 1928. 141 Seiten. Der als Erzähler und Dramatiker in seiner Heimat wohl bekannte und hochgeschäzte, als Redakteur des Rübezahl" um die Kunst des Isergebirges verdiente, vor sieben Jahre verstorbene deutschböhmische Arbeiterdichter hat in diesen von guter Beobachtungsgabe zeugenden, mit viel Humor geschriebenen Erzählungen Typen aus seiner Heimat festgehalten und die ersten schüchternen sozialen Aufstiegsbestrebungen der blutarmen Glasschleifer des Isergebirges aufgezeichnet. Es wird von einem mur zögernd gewagten Streif erzählt, der den Schleifern und ihren hungernden Familien menigstens halbwegs erträgliche Lebensbedingungen sichern sollte, es mird vom Erwachen des sozialistischen Bewußtseins unter diesen ins Gebirge versprengten Proletariern berichtet. Den Hauptteil des Buches nehmen aber Schnurren und Schwänke ein, in denen der seltsame Menschenschlag des Isergebirges mit ansehnlicher Erzählerfunft lebendig gemacht wird. Es ist echter, fernhafter Humor in dem Buch, viel Freude an der Schilderung aller Details, und ein wehmütiger Ton sozialen Unterdrücktseins, der auch durch die tollsten Humoresken des Bandes verhalten, aber vernehmlich hindurchklingt. Ein Wortregister will die Schwierigkeiten verringern helfen, die der Es scheint Jfergebirgsdialeft dem Arbeiterlefer bereiten fönnte. jedoch ratsam, bei den weiteren Auflagen dieses Register noch auszubauen, damit die Sprache des Dichters der Arbeiterschaft die Freude an seinem ursprünglichen, aus warmem Menschenherzen, aus Sozialistenherzen fließenden Wert nicht schmälert. Friz Rosenfeld. Gunnar Gunnarsson. Der Geächtete. Roman. Universitas Deutsche Verlagsanstalt, Berlin. Eine Geschichte aus einer fremden Welt, uns fremder als Afrika und Asien, und fremd sind uns die Menschen, Menschen des Island von heute. Alle tragen fie, für unser Gefühl, schwer an ihren Namen, die für sie zu groß sind, meil mir unwillkürlich mit diesen Namen den Begriff des Wikingerhaften, Riesenmäßigen verbinden. Wie sonderbar erscheint es uns, daß jemand Geir Thorgeir heißt und doch ein recht fleiner Mensch ist... und daß in der riesenhaften Natur Islands die Menschen und ihr Werk so zwergenhaft winzig erscheinen. Wenige nur haben wirklich das Format, das ihr Name ihnen vorschreibt, und in der Enge und Kleinheit zerbricht der, dessen Kraft ihn nicht über sie hinaustragen tann und dessen Sehnsucht nach Größe sie ihm doch unerträglich macht. So wird Ulfur Ljotsson zum ,, Geächteten", dem nur der Alkohol Tröster ist: Ulfur trinkt, um sich zu betäuben und zu belügen, er, der Sohn des gütigsten Baters und einer irren Mutter, die ihn als Adler mit Spazzen flügeln" zur Welt brachte. Trinfer im trockengelegten" Land, allem Spott und der barbarischsten Strafe, dem Abtransport im ,, sten", dem fargähnlichen Fesselungskarren für Trinfer, ausgesetzt. Doch gerade diese tiefste Schmach wandelt ihn, und er, der Sohn des Dompfarrers, bis dahin Angestellter des Ministeriums, wird zum einfachen Matrosen, glücklich, noch die Liebe eines Mädchens in dieses neue Dasein herüberzuretten. Alles ist bereit zum„ happy end", da scheitert sein Schiff, im Angesicht der heimatlichen Küste, faum hundert Meter von ihr getrennt, und doch sind Schiff und Menschen rettungslos verloren; und vor den Augen all der andern, die jetzt und zeitlebens ,, auf der richtigen Seite der Brandung" standen, flammert er sich verzweifelt an den Mast des sinkenden Schiffes, bis er nach Stunden hoffnungsloser Qual sich in die Fluten fallen läßt.. glüdlich. trotz allem, denn endlich hat er seinen Blaz im Leben gefunden und auf ihm das Leben besiegt: Er fürchtet den Tod nicht mehr. Rose Ewald. John Ersline: Adam und Eva.( Roman.) Kurt- WolffVerlag, München 1928. 354 Seiten. In seinem schnell berühmt gewordenen Buch„ Das Privatleben der Helena von Troja" verkleidete John Erskine die modernen Menschen, die sich über Fragen der modernen Ehe und der Liebe von heute unterhalten, in Gestalten der griechischen Sage. In Adam und Eva" kleidet er sie ganz aus und setzt sie ins Paradies. In ein sehr fomfortables Paradies, in dem sie durchaus nicht die ersten Menschen zu sein scheinen. Erst findet sich Adam, das unkomplizierteste Wesen des Romans, mühsam in der Welt zurecht, in die er da gestellt wurde, macht Bekanntschaft mit Blumen und Tieren, und trifft ein anderes Wesen seiner Art: Lilith. Eine in ihrer Unbekümmertheit ganz reizende, triebhafte Frau, so recht geschaffen zur Gefährtin, zur Kameradin. Sie läßt Adam alle Freiheiten, fie fesselt nur seine Sinne. Dann aber begegnet er Eva, einer verwöhnten, intellektuellen, hypersensiblen amerikanischen Dame, die ihm nicht nur Gefährtin, sondern Gattin sein will und ihm alle Freiheit nimmt, indem sie vorgibt, mit ihm eine Seelengemeinschaft zu haben. Die Synthese der beiden, Lilith und Eva, wäre das Richtige, sagt Erskine zwischen den Zeilen seines Buches. tirischen Nebenhieben strohenden Gespräche über philosophische und Diese drei Menschen führen nun sehr witzige, von fleinen fagesellschaftliche Themen. Sie sehen die Fragen nach dem Sinn und Werden des Lebens, die Fragen der Ehe, Liebe und Kameradschaft halb aus der einfachen Perspektive des Primitiven, halb aus der mit festen abstrakten Begriffen begrenzten, von gesellschaftlichen Konventionen beengten, mit überkommenen Borstellungen belasteten des heutigen Amerikaners. Diese Mischung primitiven und modernen Fühlens und Denkens, diese Doppelperspektive, macht den großen Reiz des Buches aus. Es besteht hauptsächlich aus Dialogen; aber diese philosophierenden Zwiegespräche werden nie langweilig, fie fesseln durch ihre geistige Eigenart, und zwingen den Leser un miderstehlich in die seltsame, phantastische und doch modern- realistische Romanwelt, die Erstine sich geschaffen hat, um Fragenkomplere der Gegenwart abzuhandeln. Friz Rosenfeld. Urgeschichte. Albrecht Erich Günther: Tote m. Tier und Mensch im Lebenszusammenhang. Hanseatische Berlagsanstalt, Hamburg und Berlin 1928. 294 S. Preis geb. 6,50 M. arm. Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, Tier und Mensch über seine Kräfte hinaus, das ganze Buch ist merkwürdig materialim Lebenszusammenhang zu schildern. Diese Aufgabe geht ein menig scheint, liest man nur wenige Zeilen, doch kann die Einführung in Bom eigentlich Totemismus, auf den der Titel hinzuweisen das magische, von Naturdämonen erfüllte Denken der primitiven Völker als gelungen gelten. Von diesem magischen Denken ausgehend, zeigt Günther, wie vieles( legten Endes sogar das Düngen der Felder) auf abergläubische Vorstellungen ursprünglich zurüdgeht. Auch die Jagd soll nach Günther magisch- dämonischen Motiven entspringen, doch ist das sicherlich übertrieben. Die Berwendung des sogenannten Buschmannrevolvers, eines nur handgroßen Bogens, der nicht als Waffe dient, zu zauberischen Zweden ist übrigens falsch wiedergegeben, der streichholzgroße Pfeil, der nicht vergiftet ist, wie man früher glaubte, wird nicht in Richtung auf das vermutete Wild abgeschossen, um es magisch zu bannen, sondern sentrecht nach oben und zeigt beim Niederfallen in die Richtung, in der fich Wild aufhält. Ein großer Nachteil des Buches ist das fast vollständige Fehlen von Quellennachweisen und das Nichtvorhandensein eines Sachregisters. Im ersten Teil hält es der Verfasser für nötig, einen total mißglückten und unsachlichen Ausfall gegen die Abstammungslehre zu machen, in dem er auch über die sozialistischen Parteien herfällt, weil sie ihre Blätter entwicklungstheoretischen Arbeiten öffnen. Zum Schluß gibt Günther aber zwischen den Zeilen die Berech= tigung der Abstammungslehre doch wieder zu, mit einer Infonsequenz, die sich auch noch an anderen Stellen bemerkbar macht. Willy Ley. Politif. Politisches Jahrbuch 1927/28. Unter Mitwirkung Universitätsprofessor Dr. Georg Schreiber, M. d. R. Bolitik des zahlreicher Zentrumsabgeordneter bearbeitet und herausgegeben von Deutschen Reiches. Mit einem Anhang: Nachtrag zur Bücherfunde der Deutschen Demokratischen Partei, Bücherkunde der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung. 829 Seiten. M.- Bladbach 1928. Voltsvereins- Verlag. Preis fart. 6 Mart, geb. 7,50 Mart. Diese dritte Folge des Zentrumsjahrbuchs gibt einen Ueberblic über die Politik des Jahres 1927 bis zum März 1928, vom Bentrum aus gesehen. Noch stärker als das Jahrbuch der Sozialdemokratie für 1927 fucht es dabei über den Charakter der politischen Chronik hinauszukommen. Von den 43 Beiträgen verdienen unter diesem Gesichtspunkt u. a. besonderes Interesse: Die Zentrumspartei in Koalitionen"( zur Psychologie der Koalitionen) von Joos; Stegerwald: Der Weg des modernen Arbeiters"; Brauns: Der deutsche Sozialetat"( eine Verteidigung seiner Höhe); Christine Teusch:„ Die Sozialpolitif des Zentrums"( historische Entwicklung und geistige Grundlagen). Zur Parteibewegung gibt Schreiber in seinem Artikel über die Innenpolitik des Reiches fleine Notizen über die geiftesgeschichtliche und organisatorische Entwicklung der Parteien. Berdienstvoll sind auch die ausführlichen Literaturangaben zu den meisten Spezialartikeln. Die Gefahr dieses Jahrbuches, die diesmal noch stärker ins Auge springt, ist nach wie vor seine ungeheure Weitschweifigkeit, die es stellenweise zur Dokumentensammlung ausarten läßt. Ganze | Gesetzentwürfe werden im Wortlaut gebracht, z. B. das Reichsschul geseh nebst Ausschußbeschlüssen in erster Lesung!), was das Buch troh eines Sachregisters von annähernd 50 Seiten zur Lektüre beiCarl Mierendorff. nahe unbrauchbar macht. Volksbühnen- Klassiker. Ihre mustergültigen Klaffiterausgaben hat die Boltsbühnen Verlags- und Vertriebsgesellschaft um zwei Autoren vermehrt: Kleist und Büchner. Kleist's Werke hat Julius Bab herausgegeben ( zwei Bände, Preis 5 M.), Büchners Werke Adam Kudhoff in einem Bande( Preis 2,50 M.). Einleitungen, die eine kurze Darstellung des Lebens geben, Einführungen zu den einzelnen Werken und erklärende Anmerkungen wollen die Lektüre erleichtern und vorbereiten. Bab gibt Kleist's Leben in seinen Briefen, Kuckhoff erörtert das Büchnerproblem ausführlicher. Kleist wie Büchner sind beide jung gestorben: jener mit 34, dieser mit 23 Jahren. Beide tragen den Stempel ewiger Jugend an der Stirn, beide find revolutionär, Kleift als Künstler, Büchner in seiner Gesamtpersönlichkeit Die erste deutsche sozialistische Flugschrift,„ Der hessische Landbote", steht in Büchners Wert und interessiert den Sozialisten nicht minder als sein Danton und Woyzeck. Während Auswahl und Textgestaltung bei Kleist feststand, war bei Büchner manches neu zu leisten hat sich mit Geschic seiner Aufgabe entledigt, eine populäre Bücherausgabe zu gestalten, wenn man auch in Einzelfragen mit ihnen K. H. D. rechten kann. Neue Bücher. Kuchoff ( Besprechung der eingegangenen Bücher bleibt vorbehalten.) Afiaticus. Von Kanton bis Shanghai 1926/27. Agis- Verlag, Wien, Berlin. R. G. Baumann. Aus Dschungel und Urwald. Drell Füßli, Zürich. E. Benesch. Der Aufstand der Nationen. B. Cassirer, Berlin. A. Briand. Frankreich und Deutschland. C. Reißner, Dresden. K. Bühler. Abriß der geistigen Entwicklung des Kindes. Quelle u. Meyer, Leipzig. van Calfer. Wesen und Sinn der politischen Parteien. J. C. B. Mohr, Tübingen. R. Deutsch. Parlamentarische Frauenarbeit. F. A. Herbig, Berlin. B. Diebold. Habima, Hebräisches Theater. H. Keller, Berlin- Wilmersdorf. H. Eulenberg. Casanovas leztes Abenteuer. C. Reißner, Dresden. Dr. W. Frank. Hofprediger Adolf Stoeder und die christlich- soziale Bewegung. R. Hobbing, Berlin. Leipzig. Leipzig. . Gelesnoff. Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. B. G. Teubner, E. Hauer. Chinas Werden im Spiegel der Geschichte. Quelle u. Meyer, Dr. D. Kleinschmidt. Die Eingvögel der Heimat. Quelle u. Meyer, Leipzig. H. Kohn. Geschichte der nationalen Bewegung im Orient. R. Vowindci, Berlin- Grunewald. Ludwig Leibfried. Der Rechtsberater. Hausbuch für das Bürgerliche Recht. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. F. K. Kellermann. Um das Kind. J. H. W. Diez, Berlin. A. Mann. Denfendes Volt. Volfshaftes Denken. Neuer Frankfurter Ver. Tag, Frankfurt a. M. A. Mensel. Lift und Mary. G. Fischer, Jena. A. Moll. Stimme und Sprache im Bilde. Quelle und Meyer, Leipzig. A. Rev. Das drohende Zuchthausgesetz. Leipziger Buchdruckerei A.-G., Leipzig. M. Oftenso. Die tollen Carews. F. G. Speidel, Wien, Leipzig. Dr. R. Streder. Die Pflicht, zu wissen.( Alkohol und Erziehung.) NeuLand- Verlag, Berlin. Dr. B. Waller. Probleme der deutschen chemischen Industrie. H. Meyer, Halberstadt. 2. Waibel. Vom Urwald zur Wüste. F. Hirt, Bresla.u Dr. B. Weil. Die jüdische Internationale. Verlag für Politik und Wirts schaft, Berlin. Ge E. Beitsch. Ceterum Censen( 20 Fragen zur Volkshochschulpolitik). spräche mit Siebzehnjährigen. Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt a. M. Dr. W. Ziegler. Einführung in die Politik. Zentralverlag, Berlin. Sämtliche hier angezeigten Bücher könner durch die Buchhandlung J.$. W. Diez Nachf., Berlin SW 68, Lindenstr. 2, bezogen werden. Unternehmen der Gewerkschaften ENDCAR Ohne Anzahlung 0 Wochenrate 3. Mk. 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