TES Лr. 6 11. Mai 1930 Blick in die Bücherwelt Was wird sein? Die soziale Dynamit des Kapitalismus. Ed. Heimann macht in feinem neuesten Bert Soziale Theorie des Kapitalismus, Theorie der Sozialpolitik"( Verlag J. G. B. Mohr, 232 S.) einen großzügigen Berjuch vielleicht den bedeutendsten, der je unternommen worden ist, die, dem Kapitalismus innewohnende, soziale Dynamik, deren Träger die soziale Bewegung ist und deren institutionellen Niederschlag" die Sozial politik bildet, geschichtsphilosophisch darzustellen und zu erklären. Der ungeheure Gedankenreichtum, die Gedrängtheit der Darstellung und vor allem- der besondere realistisch- dialektische" Charakter feiner Theorie madhen eine volle Wiedergabe selbst in großen Linien, im Rahmen einer kurzen Anzeige, unmöglich. Das Buch muß gelesen werden und auch der philosophisch ungeschulte Leser, dem das Mühe macht, wird reich belohnt sein. Die soziale Bewegung ist die Berwirklichung der sozialen Idee der ,, Arbeitswürde" nicht als eines ideellen Gedankenprodufts, jondern in ihrer Eristenz von höchster massiver Realität" als ,, tämpfender gestaltender Kraft des Menschen". Die Arbeiter bewegung ist auf dem Boden des Rapitalismus erwachsen, ist das geschichtliche Produkt der, diesem System innewohnenden, irrationellen Kräfte. Der Liberalismus hat dem Arbeiter die Verfügung über sein Arbeitsvermögen in Gestalt der bürgerlichen ,, natürlichen Freiheit" übereignet. Im kapitalistischen Großbetrieb fiegt aber die Freiheit des Eigentums über die Freiheit des Menschen und erzeugt aus fich die neue Freiheitsbewegung, deren institutionelles Programm dem der alten entgegengejezt ist. Der Kapitalismus glaubt an die Kraft der Vernunft und Freiheit" und will und darf nicht wissen von den irrationellen Mächten des Lebens, von der ihm innewohnenden Dämonie". Aber diese verfälschen sein Werk in das Gegenteil seiner ursprünglichen Absicht. Aus der Freiheit des arbeitenden Menschen machen sie die Freiheit der Herrschaft über den arbeitenden Menschen". Soziale Unfreiheit auf Grund rechtlicher Freiheit" ist ein Widerspruch, der nur durch Aufhebung der einen oder der andern beseitigt werden kann. Gegen die Entwürdigung der Arbeit erhebt sich die Gegenfraft der Arbeiterbewegung, des Willens zur Freiheit und Bürde der Arbeit in der großbetrieblichen Arbeitsorganisation, zur Ordmung des Arbeitslebens nach den eigenen Wertvorstellungen und unter der eigenen Verantwortung des arbeitenden Menschen". Es gilt diese Freiheit zu erfämpfen, ohne die pofitiven organisatorisch technischen Schöpfungen des Kapitalismus zu zerschlagen, diese viel mehr in eine soziale Freiheitsordnung einzubauen. soziale Idee kann auch als Wille zur Gemeinschaft" bezeichnet merden, allerdings nicht im Sinne der die Freiheit bindenden, ihr entgegengesetzten organischen Gemeinschaft, wohl aber im Sinne des gemeinschaftlichen Zusammenhalts als Bürgschaft der Freiheit", der auf die Freiheit bezogenen und mit ihr zur sozialen Freiheitsordnung zusammengefaßten ,, Solidarität". Hervorgegangen aus dem Gegensatz zur natürlichen Freiheit bedeutet soziale Freiheitsordnung Bas Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gemeinschaft" in diefem Sinne. " Die Groener flagt an. Der Reichswehrminister über die Marneschlacht. Der Reichswehrminifter und Generalleutnant a. D. Wilhelm Groener hat in diesen Tagen eine aufsehenerregende militärische Neuerscheinung der Deffentlichkeit übergeben( Der Feldherr mider Willen", Verlag E. S. Mittler& Sohn), die weit über den Rahmen einer militärtechnischen Studie hinaus, das größte militärpolitische Interesse auszulösen vermag. General Groener, der als Leiter des Feldeisenbahnwefens im Jahre 1914 und als Generalquartiermeister im Jahre 1918 die Qualifikation zur Abgabe eines fompetenten militärischen Urteils besitzt, setzt sich in seiner Betrachtung, die Ende August 1914 ein feßt und mit dem Ende der Marnefchlacht abschließt, mit dem deut fchen Generalstabschef zur Zeit des Kriegsbeginns, dem jüngeren General don Moltte auseinander, den er als den wahren Berantwortlichen für den Verlust der größten und wichtigsten Schlacht und damit des ganzen Krieges bezeichnet. In der Form rücksichtsroll und tonziliant, in der Sache stahlhart und erbarmungslos, bricht er über den Wann den Stab, den der letzte Raiser menige Jahre vor dem Ausbruch des Weltkrieges mit der Führung des deutschen Feldheeres beauftragt hat. General Groener fonstatiert, daß ein großer Feldherr zunächst einmal zwei Eigenschaften haben müsse, einmal einen Verft and, der auch in dieser gesteigerten Dunkelheit nicht ohne Spuren des inneren Lichts ist, die ihn zur Wahrheit führen, und dann Mut, diefem schwachen Licht zu folgen." Den Verstand und den Mut aber spricht er dem vom Kaiser ernannten höchsten militärischen Führer zu Beginn des Krieges restlos ab und fragt sich schließlich steptisch:„ Es muß also doch wohl in der Borbereitung des Führertums ein Mangel bestanden haben. Dies war schon vor Beginn des Krieges ab zu spüren." Den jüngeren Moltte nennt General Groener den Feldherrn wider Willen", weil er ganz gegen seine eigene Meinung und innere Berufung vom Kaiser zum Posien eines Chefs des Generalstabs gedrängt worden sei. Bom genialen Geist seines Onfels, des älteren Moltke, habe er feinen Hauch verspürt. Stets set er wäh rend der militärischen Operationen duldend, passiv und pessimistisch gewesen. Nie habe er selbst an den Sieg geglaubt. Beilage des Borwärts den eigenen Willen zu zwingen. Ferner durfte das Oberkommando sich nicht scheuen, den Abgesandten des Generals von Moltke jeftzuhalten, ihm jeden Verkehr nach außen unmöglich zu machen, ja fogar seinen Namen zu einem durch Rundfunk zu verbreitenden Bulletin zu mißbrauchen." Also Revolte gegen den unfähigen militärischen Führer mitten in der Schlacht. Das ist zweifellos sehr tühn gedacht. Leider zieht General Groener nicht die legten Konse quenzen militär- politischer Art, die darüber Klarheit schaffen müßten, wie es möglich war, daß ein völlig unfähiger Führer an die Spize des deutschen Feldheeres gestellt worden ist. Das ebenfalls im E. S. Mittler- Berlag im vergangenen Jahr erschienene deutsche Generalstabswerk Der Weltfrieg 1914 bis 1918" hätte ihm sicher eine derartige Stellungnahme erleichtert. Denn dort hat das im Gremium des Reichsarchivs arbeitende ehemalige Generalstabsoffizierstorps feftgestellt, daß der Kaiser selbst seinen ersten Kriegsgeneralftabschef Moltte sowohl wie jeinen zweiten Falkenhayn unter völliger Nichtachtung der militärischen Ausbildungsgrundsätze lediglich nad perfönlichen Gründen willkürlich ausgewählt hat. Es heißt dort im 4. Band, Seite 583, über den General Molite: ,, Gerade in den Jahren, in denen der reifende Mann lernen mruß in denen die seelischen Kräfte in Stampf und Arbeit gestählt werden sollen war der jugendliche Generalstabsoffizier als persönlicher Adjudant- ohne ernste Berufspflichten und ohne große Verantwortung Als er schließlich in die wichtigste Stellung der deutschen Armee berufen wurde, da waren in ihm manche starten und gefunden Anlagen erstickt." Auch über General von Falkenhayn, der die Marneschacht nach dem Urteil Groeners grundfalsch zu fiquidieren verfuchte, sagt der 5. Band des Reichsarchivs: ,, Auch Generalleutnant von Falkenhayn gehörte nicht zur dem Kreis jener Generalstabsoffiziere, die eine besonders vertiefte operative Ausbildung erfahren hatten. Er fonnte ebensowenig als Vertreter der in strenger Schule strategisch durchgebildeten höheren Generalstabsoffiziere gelten, wie sein Borgänger, Generaloberst von Moltle." Führern seines Heeres bei Kriegsbeginn und während der größter Das heißt doch wohl nichts anderes als: Der Kaiser hat zu Entscheidungsschlacht Leute ernannt, die ihm zwar persönlich angenehm, die aber absolut nicht für ihr wichtiges Amt qualifiziert General Groener geht sogar in seiner neuesten Studie fo meit, als letzte äußerste Aushilfe" gegen diesen völlig unfähigen und verderblichen obersten militärischen Führer, die Gehorsams. verweigerung der ihm unterstellten Generale und die er erweigerung der ihm unterstellten Generale und die Ber haftung des Abgesandten der obersten Heeresleitung, des Oberstleutnant Sensich, festzunageln. Die militärische Lage hatte sich nämlich während des Verlaufs der Marneschlacht General von Moltle nicht bis zum letzten Ende geht und die folgendermaßen zugefpißt: Der Kaiser und fein, Generalstabschef General Moltte haben sich selbst militärisch ausgeschaltet, da fie fernab von der Schlachtenentscheidung in Luxemburg zurückgeblieben sind. Der deutsche Angriffsflügel, bestehend aus der 1., 2., 3., 4. und 5. Armee, stand zwischen den Festungen Verdun und Paris in der entscheidenden Phase der Schlacht. Er hatte in der Front bei der 2. und 3. Armee die Stellung der Franzosen gesprengt und am rechten Flügel den Seitenhieb der Armee von Paris aus der französischen Hauptstadt fiegreich abgewehrt. Er war also siegreich in der Front sowohl wie am Flügel. Lediglich zwischen der 1. und 2. Armee bestand eine sogenannte Heereslücke", in die die englische Armee langsam und vorsichtig vorzustoßen begann. Durch persönliche Einbrüde er schüttert, hat der Abgesandte der Obersten Seeresleitung, Oberst leutnant Hentsch, von Moltke mit einem tiefpeffimistischen Auftrag entsandt, den Rückzugsbefehl an die 1. Armee und damit die ganze Front erteilt, in einem Augenblick, in dem die Schlachtenentscheidung auf des Messers Schneide stand und der Schlachtensieg sich zweifel. los zugunsten des deutschen Feldheeres zu neigen begann. Zur sozialen Freiheitsordnung als dem Gegenschlag gegen die natürliche" Freiheit gehört auch eine soziale Eigentums. ordnung als Gegenschlag gegen die natürliche", gegen das Privateigentum, dessen Wegfall ein Vakuum schafft, das ausgefüllt werden muß. Privateigentum und Arbeitswürde sind Gegensäze ,, real- dialektischen Charakters". Sie sind unablösbare Bestand teile geschichtlicher Sozialgestalten, die als reale lebendige Kräfte mit einander ringen, Den ,, Einbau des Gegenprinzips in den Bau der Kapitalherrschaft und Sachgüterordnung" vollzieht die Sozial. politit. Sie ist im kapitalistischen System zugleich Fremdkörper und Bestandteil und daher mur für das dialiktische Denten ertennbar, das die logisch einander ausschließenden Teilwahrheiten zu einer Einheit zusamenfaßt", ihre gleichzeitige Beziehung zur jozialen bee und zum Kapitalismus sieht. Die Sozialpolitik baut den Kapitalismus stüdweise ab und rettet, indem sie der sozialen Forderung, deren Nichterfüllung seine Eristenz bedroht, nachgibt, den jeweils ver. bleibenden Rest. Darin besteht ihr„ tonservativ- revolutionäres Doppelmesen". Die Erfüllung der sozialen Forderung fann durch Groener stellt sich nun auf den Standpunkt, den bisher noch innertapitalistische Erwägungen gerechtfertigt sein, also der Sicherung fein Militärfritifer einzunehmen wagte und meint, daß damals des Wirtschaftsverlaufes dienen. Sie fann darüber hinaus eine Ver- das Oberkommando der 1. Armee vor den größten Konflitt triegeänderung zugunsten der Arbeiter bezwecken, für die feine wirt- rischen Handelns gestellt war: Bewußt ungehorsam zu sein, die schaftlichen, sondern soziale Gründe bestimmend find, ohne jedoch Führung des Heeres aus den schwächlichen Händen Moltkes zu in den Wirtschaftsverlauf hemmend einzugreifen. Sie fann schließlich reißen und den operativ widerstrebenden Bülow( 2. Armee) unter auch antikapitalistisch sein: bewußt den Wirtschaftsablauf schädigen um sozialer und menschlicher Gesichtspunkte willen. Hier gibt es feine grundsätzlichen Grenzen der Sozialpolitit, sondern nur für jeden fonkreten Einzelfall. Wie weit die soziale Bewegung, die ihr innewohnende Idee der sozialen Freiheitsordnung vorantragen und institutionell verwirklichen kann, hängt von ihrer eigenen Kraft und der des Gegners ab... Die Frage nach der Grenze der Sozialpolitit im Kapitalismus wandelt sich in die andere Frage nach ihrer Beziehung zum Sozialismus". " Worauf es antommt, das ist die lebendige und verständnisvolle Teil nahme an dem Geschehen. Sie ist nur denkbar, wenn jedem und jeder Gruppe von Arbeitenden die verantwortliche Gestaltung des engern Arbeitskreises übertragen ist und ihr Blick durch die Aufgaben und Erfordernisse des engeren Kreises auf die übergreifenden Probleme des Gemeinweiens überhaupt hingelen! t wird". Kristall der Zeit? Dr. L. Thal. Nach einem außerordentlich lehrreichen Ueberblich über die Anwendung des Prinzips auf die Hauptgebiete der Sozialpolitik", behandelt der Verfasser im Schlußkapitel das Verhältnis der Soziale politik zum Sozialismus. Zwischen ihnen besteht ein Gegenjazz. Beide tommen aus dem Kapitalismus und sind auf die inziale Freiheitsordnung gerichtet". Der Margiche Grund gedanke, daß die Arbeiter ihre Freiheit vom Brivateigentum wollen müssen, um sie zu erreichen, ist unbestreitbar, aber die geschicht. lichen Wege zu diesem Ziel sind menigstens in Deutschland anderé als Marg vorausgesetzt hat. Die ,, Reife der Berhältnisse" und die in der einmaligen politischen Kraftleistung der Revolution zutage. tretende Reife des Willens" reichen allein nicht aus. Bedingung der Freiheit ist die Kraft der Arbeiterschaft zur Leithologie heute eine größere Bedeutung als früher. Man wird stung. Es genügt nicht die Freiheit zu erfämpfen, man muß fie auch zu handhaben wissen. Freiheit ist Verantwortung und muß gefonnt werden; sonst wird nicht die Freiheit vermirffidyt, mur die Herrschaft gewechselt," denn die Geschichte bulbet tein Batuum. Sach. und finngemäß ist allein der von unten bauende Freiheitsdrang der Arbeiter, der im Bege der Sozialpolitit sozialisiert und mit der Araft wächst. Es gibt feinen andern Weg zur sozialen Freiheit, oj Auf Warnsch Fahlungs erleichterung Boucle- Teppiche 18.50627moderne Jacquardmuster ca Steppdecken K.S.Damast 200 044muster m. Franse mod Deutschland rühmte fich 100 Jahre, das Land der Lyrik zu sein. Was ist heute aus deutscher Lyrit geworden? Gedichte werden nicht einmal mehr in Zeitschriften und Zeitungen gedruckt. Ganz menige Gedichtbücher erscheinen überhaupt, aber daß sie gekauft werden, ist nicht anzunehmen. Nicht nur das Gedicht, selbst der Bers ist aus der Mode. Eine Form des Gedichtbuches aber ist noch lebensfähig: die Anthologie, die Sammlung von Gedichten verschiedener Dichter. Gerade weil Gedichtbücher zum allergrößten Teil auch in öffentlichen Bibliotheken nicht mehr eingestellt werden, hat die 2 n= pielleicht nur durch sie die meisten Dichter kennenlernen. Sie hat das Richtamt der Zukunft in die Hände genommen. Sie schweigt tot; sie macht lebendig. Sie ist gewiß für große Werte nicht die leßte Instanz, denn die Kritik ift die zweite Instanz, die die Macht der Anthologie zu bestätigen oder zu bestreiten hat. Kristall der 3eit" nennt Professor Albert Goergel eine Auslese der deutschen Lyrit der legten 50 Jahre, die im Um Wollplüsch- Teppiche Diwandecken Wollplüsch- Teppiche hochflorige Qualität, Perser Gobelin 075 Moket mod. 17.50 238 24-20052.Vorlagen 590 250 78.ca. 125 35% 65.-. 60 125. 30089310 voke Größe: 2275 Brücken 1350300105.Handarbeit Verkauf Ur waren. Schade, daß General Groener in seiner Rageschrift gegen schwere persönliche und moralische Mitschuld des ehemaligen Kaisers fonstatiert. Guit Er würde sich sonst in bester Gesellschaft des ehemaligen Gene ralstabschef der 1. Armee, des Generals der Infanterie v. Ruh1, befinden, der in einem vom Reichswehrministerium gedruckten Vortrag die Worte gefunden hat: ,, Einige 6 bis 7 Köpfe haben das ganze Unglück an der Marne verschuldet. Es ist unsere eigene Schuld, menn nicht die richtigen Männer an der richtigen Stelle gestanden haben. Diese Erkenntnis ist nötig, wenn wir aus den Tatsachen lernen wollen!" nennen Das Buch des Generals Gröner ist also ohne den Kaiser zu - eine bitter harte Anflagejchrift gegen den letzten Hohenzollern und sein Militärsystem. Mitschuldig am 3ufammenbruch aber sind diejenigen, die das Unglüd schon Jahrzehnte vorher vorausgesehen haben. Graf Waldersee, der im Kaisermanöver 1890 schon notiert:„ Der Kaiser greift sinnlos in die Führung der Generale ein; wollte er im Krieg das Kommando führen, es gäbe ein Unglück." Der alte Junter von Röller sagt voller Entsetzen über den Kaiser zu Hohenlohe: Gott behüte uns vor dem Krieg, folange dieser Kaiser auf dem Thron fizzt, er würde die Nerven verlieren, er ist ja feige." Der Feldherr wider Willen" trifft also viel mehr den legten Kaiser wie den toten Moltke, der fein militärisches Beth im Lebensnerv getroffen hat. Polizeioberst a. D. Schüßinger. fang von 607 Seiten bei Grethlein u. Co., Leipzig, erschienen ist. Alles weist darauf hin, daß dieses Buch den Anspruch erhebt, eine wirkliche Auslese zu sein. Darum ist mit aller Entschiedenheit zu erklären, daß diese Anthologie ein schlechtes, ein unzulängfiches Wert ist. Es bevorzugt willkürlich das Glatte gegenüber dem Starken, es nimmt unter 800 Gedichten nur ganz wenige sozialistische auf. Die stärksten Leistungen der letzten 50 Jahre fehlen nur bei Stefan George und feinem Kreis mus. Gründen, deren Be seitigung nicht in der Macht Soergels lag. Diese Anthologie ist aber auch teine Anthologie der legten 50 Jahre. Von 193 Dichtern sind etwa 130 Dichter zwischen 20 und 50. Bon diesen 130 Dichtern ist wieder ein sehr großer Teil so jung und unbekannt, daß ihre Gedichte in eine Anthologie jüngster Talente, aber nicht in diese gehört. Noch erstaun licher ist, was in dieser Anthologie alles fehlt: Dichter, deren Abmesenheit man erit gar nicht glauben mill. Bersönlichkeiten, die einen mehrfachen Anspruch auf Berücksichtigung haben, als mindeftens 20 aufgenommene fleine Talente. Während Goergel allerlei Dugendtalentchen als Beweis für seine Behauptung vorführt, daß er mit dem Mitherausgeber 150 000 Gebichte geprüft habe, fehlt ein Genie mie Martin Greif, der mit 12 Gedichten zu den größten Lyrifern deutscher Sprache zählt. Es fehlt, was wie ein schlechter Wig flingt, Theodor Fontane. Es fehlen, um Dichter verfchiedenster Richtungen zu nennen: 3. 3. David, Carl Hauptmann, Gerhart Hauptmann( der mit einigen Strophen aus der Blauen Blume" hätte vertreten fein müssen), Jaco bomiti, Else 2aster Schüler, Arno Radel, August Läuferstoffe Mahal- Teppiche rein Hoorgarn, für Fluru Treppe In unserer sehenswerken ca 190 6.95 a 905.10 a 653.6592-111 GARDINEN- ABTEILUNG br. mtr. br. 61. 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Gern gebe ich aber zu, daß die Auswahl einiger Dichter vorteilhaft ist, mie etwa bei Ernst Lissauer, der dadurch ins rechte Licht gerückt wird. Es ist schade, daß ein fulturell so wichtiges Werk berart mißlungen ist. Es ist eine Gefahr für die Urteilsbildung von Generationen. Darum muß man deutlich sagen: Nein! Felix Stössinger. Die Entwicklung der Menschheit. Brof. Dr. Hermann Schneiders Wert, Die Kultur leistungen der Menschheit"( 2 Bände), 1. Band gebunden 30 Mart, Berlag J. J. Weber- Leipzig, wird als ,, ungeheurer Wurf und als bedeutsamste Großleistung seit Spengler" bezeichnet. Der erste Band zählt 762 Seiten in Leritonformat und behandelt die Mölker des Altertums. Was hier geboten wird, ist der richtige Weg zur geistigen Verwirrung vieler Erkenntnisse, die auf Tatfachenmaterial beruhen. Der Autor meint, der Einzelmensch fühle fich, wenn er in die Welt eintrete, fremd, er müsse sie erst langjam fennenlernen um in ihr leben zu können, und genau so sei es der Menschheit ergangen. Der Tiermensch habe sich in der Welt inftinfimäßig zurechtgefunden und sei dann langsam Kulturmensch geworden. Der Gang der Menschheit und die Ent widlung des einzelnen fönne nicht gleichgesezt werden. Während der Einzelmensch von Kind auf sich wirklich entwickle, jei die Menschheitsentwidlung nur sprunghaft zustandegekommen und alles hänge von den sich folgenden Blutmischungen ab. Die Entwicklung des Menschen bestehe lediglich in seinem Gang vom befruchteten Ei zum Kind, dann zum Jungmenschen und Bollmenschen. Die Menschheitsgeschichte entwidlig" wie psychologisch darzustellen sei eine wissenschaftliche Pflicht, von Deutschen gestellt und müsse von Deutschen gelöst werden. Für die kulturgeschichtliche Darstellung seiner Aufgabe gibt Schneider die Richtlinien, daß fie sur über eine raffisch politische Uebersicht behandelt merden fönne! Ueber die fretische Kultur, über die Kultur der Juden führt der Autor seine sonderbaren Gedankengänge zu Bersern und Griechen und meint sozial" in unserem Sinne, d. h. im Sinne eines deals des allgemeinen Dienstes om Ganzen, seier weder die Heiden noch die Christen, am nächsten kommen der Wohl fahrtsidee die römischen Kaiser, die eine Aristokratie der Staats- und Kulturdiener bilden wollten. Die römischen Stoifer wollten eine Aristokratie der Tüchtigen, der Vaterlandsfreunde und der Besitzenden und das Ideal der Christen sei eine Aristokratie der Frommen gemesen. Er meint dann meiter, in all dem feime der fünftige Sozialismus, aber in feinem ganz. Die Urreligion aus der Steinzeit verfolgt der Berfasser zu den Weltanschauungen der Römer und überall ist für ihn die Blutmischung maßgebend für die Herausbildung der Gottesvorstellungen und jeglicher Stultur. Wohlverstandene, naturgesezmäßige Entwicklungslehre kann diese„ Großleistung" Schneiders recht wohl entbehren. Wir wollen den weiteren Fußspuren dieses Buches nicht folgen; jeder ernsthafte Laie weiß heute, was er von der Entwicklungs geschichte des Menschen und seiner Kultur zu halten hat, und was davon auf Grund tatsächlicher Befunde heute sicher verankert steht. mir bedürfen einer rassisch politischen" Uebersicht nicht, wenn wir den erhabenen Entwicklungsgang des Menschen von tiefstehender zu höherer Form erkennen und wenn wir dadurch zu den sichersten Grundlagen der ältesten Gesellschaftswissenschaft kommen wollen. Dr. O. Hauser. Kinderschutz und Jugendfürsorge. Eine Uebersicht. Eine bedeutsame missenschaftliche Unterstützung für alle in ber öffentlichen und freien Jugendfürsorge Stehenden, vor allem für insere Vertreter in den Provinzial- und Gemeindeparlamenten, in den Wohlfahrts- und Jugendamtern und in der Arbeiterwohlfahrt stellt das soeben neu erschienene Enzyklopädische Handbuch des Kinderschutzes und der Jugendfürsorge" dar, das in 2. vollständig umgearbeiteter Auflage von Amtsgerichtsrat Dr. Clostermann in Bonn, Dr. Th. Heller, Leiter der heilpädagogischen Anstalt Wien- Grinzing und Medizinalrat Dr. Stephani in Mannheim herausgegeben ist.( Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1930, Preis 56 M., geb. 58 M.) Die erste Auflage des Werkes war bereits nach zwei Jahren vergriffen. Durch die Veränderung der gesamten sozialen Berhältniffe im Weltkrieg und in der Nachkriegszeit haben sich die Fragen der Kinder- und Jugendfürsorge vollständig gemandelt. Mit Recht wird im Vorwort des Werfes betont, daß die heutige Kinder- und Jugendfürsorge nicht mehr wie früher auf Wohlmollen, Mitleid Rechtsanspruch anerkannt wird. Die soziale Arbeit auf dem und Barmherzigfeit gestellt ist, sondern jeßt auch gesetzlich als Gebiete der Jugendfürsorge hat sich in ihrem Schwergewicht vornehmlich auf das Drängen der Arbeiterschaft hin von den privaten Vereinen und Einrichtungen auf die Jugendämter und andere be hördliche Stellen verschoben, die nummehr nach gesetzlichen Borschriften nicht mehr nach Belieben eingreifen. Die Tätigkeit der privaten Jugendfürsorge ist nach den heutigen gesetzlichen Bestim lichen Jugendfürsorge eingereiht. In der Bragis hot sich diese Einmungen bestehen geblieben, jedoch in das große System der öffent gliederung noch feineswegs allgemein vollzogen. An dem Handbuch haben nicht weniger als 190 Autoren mitgearbeitet, unter denen wir einige Sozialisten sind., Aus der Fülle der alphabetisch geordneten Darlegumgen soll hier auf einzelne für die Arbeiterschaft, besonders wichtige Fragen hingewiesen werden. Ueber die Gebiete Arbeitsamt, Arbeitsrecht und Arbeitsgerichte mird in gedrängter Kürze von Landgerichtsrat van Dühren vom Landesarbeitsgericht Berlin gesprochen, der in Kreisen der Jugend In Zeiten wirtschaftlicher Not und großer Arbeitslosigkeit tritt fürsorge durch seine frühere Tätigkeit als Jugendrichter in bester die Notwendigkeit eines besonderen Schutzes für Kinder und Jugend Erinnerung ist. Der internationale Arbeiterschutz findet kurze Würdiliche noch deutlicher hervor als in anderen Zeiten. Die Arbeiterging durch Dr. Wilhelm Klaussen vom Internationalen schaft hat seit mehr als drei Jahrzehnten, zuerst in den Kinderschuß- Arbeitsamt Berlin. Ueber Kinderaussagen wird von Prof. Wilfommissionen, nach der Staatsumwälzung in ihrer starken Anteilliam Stern in Hamburg, über Kinderarbeit ohne tiefere Berüdnahme an der Durchführung der öffentlichen Jugendfürsorge durchsichtigung ihrer sozialen Auswirkungen von Hofrat auf berichtet. die Jugendämter und mit dem Ausbau der Arbeiterwohl Die Kindermißhandlungen werden von Magdalene Mulert, fahrt ihre Erfenntnis gezeigt, daß es sich beim Kinder- und der Vorsitzenden des Berliner Vereins zum Schuße der Kinder dar. Jugendschutz inn ihre eigene Sache handelt. Dringend notwendig ist gestellt. lleber Berufsberatung, Berufswahl und Eignungsprüfungen es aber, daß in noch viel größerem Maße breite Schichten der Be unterrichtet der Leiter der Eigmmgsprüfungsstelle bes Berliner völkerung ihr aftives Interesse dieser sozialpolitisch außerordentlich Landesberufsamtes, Helmut Bogen. Das Jugendstrafrecht wird wichtigen Fragen zuwenden. In der Tai würde eine noch stärkere von Amtsgerichtsrat Müller in Hamburg, das ausländische Jugend. Anteilnahme der ganzen arbeitenden Klasse an den Aufgaben der strafrecht von dem früheren Gerichtspräsidenten Silbernagel Jugendfürsorge und Jugendpflege erreichen, daß die heute vielfach aus Basel dargestellt. noch zu wenig beachtete Tätigkeit der Jugendämter viel stärkeren Rückhalt bei den kommunalen Gemeindevertretungen und bei der gesamten Bevölkerung fände, vor allem auch in höherem Maße Hilfsmöglichkeiten erhielte. Gerade die vorbeugende Tätigkeit der Jugendämter, die fürsorgerische Betreuung des Meinen und des heranwachsenden Kindes, die Aufnahme der gefährdeten, ungenügend geschützten Kinder in kommunale Einrichtungen, Krippen, Kindergärten und Hjorte, die ausreichende Unterstützung der proletarischen Jugendbewegung muß unbedingt erhalten bleiben, wenn nicht später meit größerer gesundheitlicher und gesellschaftlicher Schaden entstehen. foll. Trotz der Finanznot müssen die Gemeinden alles dafür ein fchen, daß die Einrichtungen zum Schütze der gefährdeten und geschädigten Kinder, zur Förderung der heranwachsenden Jugend, vor allem auch der Erwerbslosen ihre sozialen Aufgaben weiter erfüllen Er hat 25 Jahre an seiner„ Kulturgeschichte" gearbeitet und mir scheint, daß er dabei selber aus veralteten Quellen schöpft und Zeineswegs mit den Fortschritten der verschiedenen einschlägigen Bissensgebiete Schritt gehalten hat. Vor dem Giszeitalter, meint der Autor, habe es Tiermenschen gegeben, eigentliche Menschen gäbe es erst seit dem Ausgange der Eiszeit, da erst werde aus dem Tiermenfch der Kulturmensch, der zwedbewußt und funstgerecht Wertzeuge hervorbringe, das Feuer beherrsche und es zu seinem Schuh, feiner Jagd und seiner Behaglichkeit benütze. Hier liegen auch die Grenzen zu Tierheit und Menschheit. Dieser Tiermensch sei schon im Tertiär menschenähnlicher gewesen als ein Menschen- frog der allgemeinen Finanznot die unerläßlichen wirtschaftlichen affe. Aber die Steine, mit denen er geschnitten und geschabt habe, feien eine endlose Zeit unverändert und ohne Entwicklung geblieben. An der letzten Zwischeneiszeit sei dann mit einemmal der Tiermenfch zum Suurmenschen geworden und habe so der letzten Eiszeit fiegreich Troh geboren. Alle diese Verwirrungen in der Entwicklung der Kultur innerhalb heute feststehender erdgeschichtlicher Reihen * folge werden dann so weit geführt, daß er aus dem ganzen Wirrjal unberücksichtigt Forschungsresultate drei Stufen für die Urzeit fest legt, 10 000 Jahre und mehr für den Neandertaler und non 10 000 Jahren ab den Aurignacmensben, an den sich seine britte Stufe, der Jungsteinzeitmensch 4000 Jahre v. Chr. anfnüpft. Sorgfältig behandelt find alle Frogen der gesundheitlichen sind die Probleme„ Frauen in der Jugendfürsorge“,„ Settlements" Jugendfürsorge. Von der Genoffin Adele Schreiber Rrieger und„ Sozialdemokratische Jugendfürsorge" erörtert worden. Der Aufbau der Arbeiter wohlfahrt als der Wohlfahrts organisation der modernen deutschen Arbeiterschaft ist von bem Unterzeichneten besprochen worden, der auch einen blid über die geschichtliche Entwicklung, die Organisation und die Arbeit des Jugendamtes gibt. Das hart umstrittene Gebiet der Fürsorgeerziehung wird vor allem von dem Jugendrichter Amis gerichtsrat Blumenthal in Altona dargestellt, Hebers Das umfassende Wert wird für die amtlichen Stellen der Jugendfürsorge wie für die Zentralstellen der freien Jugendhilfsarbeit ein unentbehrliches Nachschlagebuch sein, Walter Friedländer. ofa OFA Der Wäschestoff ohne Füllappretur verändert sich auch nach vielfachem Waschen nicht. OFA Wäschestoff bewahrt die Hausfrau vor Enttäuschungen und ist deshalb im Gebrauch am billigsten! OFA Wäschestoff ist nur bei uns erhältlich AUSNAHME ANGEBOT 80 cm breit, empfehlensw. Ware, Mtr. 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