Nr.S 6. Iuli 1930 �lick in öle Hücherwelt Deilage des Vorwärts Offiziere. Die Soziologie eines Standes. Heber keinen Dernfsstand hat man in den letzten Iahrzchnten soviel orakelt, wie über die Benissgruppe der Bernssmilitärs. Dos Ositzierskorps hat sich in den modernen Kulturstaaten de» europäischen Kontinents an der Wende vom Fendalstaot des Spätmittel- alters zur modernen Demokratie— je nach der Struktur des be- tretenden Staates— mehr oder minder langsam gewandelt. Wäh- rcnd in Frankreich, dem klassischen Lande der grotzen bürger- lichen Revolution, das Ossizierskorps bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts seinen Entwicklungsprozeß zum Träger der dem»- kratischen Staatsgewalt durchmachte» während das e n g l.i s ch c Ojsizierskorps sowohl wie das Bernfsmilitär der überseeischen angel- sächsischen Staaten schon seit Johrzshnten im Sinne der demo- kratischen Staatside« erzogen ist, ist das deutsche Offizierskorps durch den jähen Sturz der Monarchie im November 1918 aus einem halbfeudalen Militär- und Kiassenstaat in die modern« Demokratie hineingestürzt. Kein Wunder, daß man sich in Kreisen der«he- moligen Osfizicre einigermaßen über diesen jähen Wechsel der Stellung des Ossizierskorps im Staat zu orientieren versucht. Nun hat das Reichsarchio, die dem Reichsinncnministerium unterstellte militärwisscnschaftlichc Abteilung, die sich mit der Aus- Zeichnung der Weltkriegsproblem« und der Erstellung des sogenann- tcn Gcneralstabswerks zu beschäftigen hat, ein Buch herausgebracht l„D as deutsche Offizierskorps" von Dr. Karl Demeter, Archivrat am Reichsarchio, Verlag von Reimar Hobbing in Berlin), das über diesen jähen Sturz des deutschen Ofsizierskorps vom fridericianischen Militärstaat zur demokratischen Republik einen soziologischen Bericht erstatten soll. Das interessante Werk ist mit einem Borwort des Reichsarchivs ausgestattet, in dem dessen Präsident General a. D. Dr. b. c. von M c r tz versichert, daß das Reichsarchio dies« Arbeit weitgehend unterstützt und ungeachtet der amtlichen Stellung de» Bearbeiters keinerlei irgendwie gearteten Einfluß aus dessen wisseirschastliche Freiheit ausgeübt habe. Ein wissenschaftliches Werk über die soziale Schichtung und die militärpolitische Stellung des Ofsizierskorps im Staat, das der Prä- sident des republikanischen Reicharchivs mit einem ossiziellcn Vorwort versieht, kann natürlich nicht als Propagandainstrument für den wilhelmischen Militärstaat aufgebaut sein. Andererseits würde ein Buch über das Offizierskorps wohl sehr wenig Leser in den Kreisen des alten und des neuen Offizierskorps finden, das einen radikalen Trennungsstrich zwischen der gesellschastlichen und staats- rechtlichen Stellung des Offizierskorps im neuen und alten Staat dienen würde. Das Buch ist demgemäß geschrieben für die alten Osfizicre, denen es sehr schöne Dinge über die.Herkunft", die „Bildung", die„Ehre", die„Staatsidee" und die„gesellschaftliche Stellung" des Offiziers in den letzten beiden Jahrhunderten erzählt, und für die neuen Offiziere der Reichswehr, die nach der Meinung des Verfassers„trotz vielfach neuer Einrichtungen und veränderter Einstellungen" dieselben Grundlagen wiederfinden, aus denen das alte Ofsizierskorps aufgebaut worden ist. Der Verfasser hält also mit viel Vorficht und sogar etwas Takt gegenüber der Republik die militärpolitisch« Mittellini« ein, die allein seinem Werk einen gewissen Widerhall in militärischen Kreisen garantiert. Im übrigen ist es sehr ergötzlich, zu lesen, wie in den drei Königreichen Preußen, Bayern und Sachsen im Lause der vergangenen Jahrhunderte das Offizierskorps ausgebaut worden ist: In Preußen von Friedrich dem Großen als Monopol der militärisch gedrillten Adelskaste, deren militärisches Vorrecht um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert immer mehr von der besitzenden Bürgevschicht bestritten worden ist. In Bayern ein Gemisch aus dem militärisch wenig interessierten Adel und dem mittleren und höheren Beamtcnstand. In Sachsen aus einer gesellschastlichen Zusammenschichtung des ebenfalls nicht sehr militärisch besessenen Adels und der Jndustriellenschicht. Zu Zeiten wird kräftig Kritik geübt an der„Adels- i n z u ch t" Im preußischen Heer und z. B. berichtet, daß der General von Manteufsel als Chef des Miliiärkabinetts von 18S0 bis 1867 der„Bevorzugung unfähiger Adeliger" habe ein Ende machen müssen. General Manteufsel soll oft gesagt haben:„Das war meine größte politisch« Tat: ohnediese Reinigung wären die Siege von 1364, 1866 und 1870 nicht er- folg!: das Offizierskorps war Anfang der öller Jahre viel schlechter als 180 6." Im übrigen betont der Verfasser zum Schluß, daß das Haupt- kennzeichen des deutschen Offizierskorps sein unerhörtes Soli- daritätsgefühl gewesen sei. Sein ausgeprägter Korpsgeist sei bald fördernd, bald hemmend hervorgetreten und habe seine grundkonfervative Färbung bestimmt und gekennzeichnet:„In der ganzen neuzeitlichen Gesellschaft bemerken wir ein ähnlich aus- geprägtes Solidaritätsgejühl und-bewußtsein, vielleicht nur bei der sozialistischen Arbeiterschaft. Nur daß man es hier Klassenbewußtsein, dort Korpsgeist nennt." Damit macht der Verfasser— sicherlich nicht gegen den Willen des Präsidenten des Reichsarchivs— sein« Verbeugung vor der demokratischen Republik und vor der Sozialdemokratie, die diesen Staat nach dem Zusammenbruch des alten Heeres aus den Trümmern der Monarchie geschaffen hat. Immerhin ein gutes Zeichen, daß im alten Ofsizierskorps der Gedanke zu dämmern be- ginnt, daß das Klassenbewußtsein des Arbeiters soziologisch und ökonomisch vielleicht ebenso berechtigt ist, wie der„Korpsgeist" der alten Militärs. Hauptmann a. O. vr. 8ckütrinxer. Oeuifchkunde. Der zweite Bond des großangelegten Werkes Malter hosstoedter und Ulrich Peters:„Sachwörterbuch der Deutschkunde." (Zweiter Band, Leipzig. B. G. Teubner, 7.14 S., Lxform., 34 M, dos Gesamtwerk 63 M.) hält durchaus, was der hier bereit» angc- zeigte erst« versprochen hat, mit ihm schließt sich da» Sachwörter- buch tatsächlich zu einer kaum je versagenden Enzyklopädie der Mensch und Wirtschast. Eine soziologische Giudie. i. Die erschreckend große Zahl d«r Arbeitslosen, die Krise in den meisten Wirtschaftszweigen und die Not, die beimahe alle Bevölkc- rungsschichtc» erfaßt hat, gibt den wirts chastlichen Problemen heute «ine besondere Bedeutung. Die Einsicht, daß unser Wirtschasta- system änderungsbebürstig ist, hat auch in nicht-marxistiischen und nicht-sozialistischen Kreisen Fuß gefaßt. Jeder«rnstc Beitrag zur Lösung und Klärung dieser schweren Fragen ist willkommen. Aber es ist geradezu«in 5?ohn auf die Wirklichkeit und auf die schwer« Not großer Telle unseres Volkes, wenn immer wieder unter dem Mantel angeblicher Wissenschast der Nachweis versucht wird, der Kapitalismus sei das l)«rrlichste und beste System, und er sei geeignet, alle Probleme aus der Welt zu schassen. Im Verlage von Quelle und Meyer in Leipzig ist eine Schrift von Dr. Jacob Herlc erschienen, die den vielversprechenden Titel führt:„Wirtschaftsgestaltung als geistiges und kulturelles Proble m." Der Leser wird aber in seinen Erwartungen enttäuscht. Die Schrift enthält nichts weiter als ein Loblied auf den Unternehmer und auf die herrlichen Zeiten, die der Kapitalismus herbeiführt. Von den großen Problemen, die heute das Wirtschaftsleben erschüttern, ist mit keinem Wort die Rede und über die Arbeitslosigkeit findet man in der Schrift nicht eine einzige Zeile. Di« Einrichtungen der Betriebs- räte sind dem Verfasser ein Dorn im Auge. Auf diese Einrichtungen führt er die Krise in der Textilindustrie zurück.(!) Er meint, ein Einfluß der Arbeiter müsse zu einer Bürokratisierung führen. Dabei ist vergesien, daß die privatkapitalistischen Unternehmungen selbst mit der Zunahme ihrer Größe bürokratischer werden: über die Bürokratisierung durch die Ucberzahl der industriellen Spitzen- verbände klagen sogar die Unternehmer. Der Verfasser meint, man könne die künstig« Gestaltung der Wirtschaft den„weitblickenden. verantworlungsvollen Untecn-ehmerpsrsönlichteiten" überlassen. Dieses Bertraucn auf den Unternehmer wird verständlich, wenn man erfährt, daß der Verfasser der Schrift der Geschäft»- führer des R c i ch s v e r b a n d s s der deutschen In- dustri« ist. Der Autor, der von einer Beteiligung der Arbeiter- schaft an der Wirtschaftsgestaltung einen einseitigen Einfluß des „Gewerkschaftsbürokratismus" befürchtet, vertriti also selbst einen einseitigen Jnteressenstandpunkt, er läßt die schweren Schäden des heutigen Wirtschaftssystems einfach unter den Tisch fallen, um das Lob der von ihm vertretenen Unternehmerkreif« zu singen. Ueder das kulturelle Problem der Wirtschaftsgestaltung hat der Autor nur zu sagen, daß die Großindustrie sich große Der- dienste um die Wissenschast erworben habe. Er hebt mit beson- dcrem Nachdruck l/ervor, was Carl Dulsberg„in nimmer er- müdender Arbeit und unter großen persönlichen Opsen,"(!!) zum „Durchhalten des akademischen Nachwuchses" gerade in den„wirt- schoftlich schwierigsten Zeitläuften" getan habe. Daß es für Herrn Dulsberg offenbar keine„schwierigen Zeitläufte" gewesen sind. welche Gewinne die chemische Industrie gemacht hat und wie hoch die P r e i s e z. B. für wichtige Arzneimittel sind, vergißt der Autor festzustellen. Das kulturelle Problem der Wirtschast vornehmlich in den Unterstützungen zu sehen, die die Industrie der Wissenschaft zukommen läßt, ist ein so bornierter Standpunkt, daß ein« weitere Kritik llberslüssig ist. Jeden, der sich über die Leicht- fertigkeit orientieren will, mit der in gewissen Kreisen über wirt- schaftliche Probleme geredet wird, sei das Studium dieser Schrift warm empfohlen. II. Die Einsicht, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse die Gestaltung des sozialen und kulturellen Lebens wesentlich bestimmen, ist durch die materialistische Geschichtsauffassung von Karl Marx be- gründet und gesichert worden. Wenn auch heute noch weite Kreise der Wissenschast nicht zugeben wollen» daß diese Lehre die richtige Grundanschauung darstellt, so steht doch die gesamte Geschichts- und Kultursorschung im Banne des marxistischen Gedankens: die großen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte, die Zerreißung des Mittel- siandes durch Krieg und Inflation haben die Bedeutung der wirt- schastlichen Zustände für die Gesamtkultur besonders stark hervor- treten lassen. Wenn heute die Soziologie(die Lehre von der Gesellschaft) und die Wirtschestswissenschast im Vordergrund des Interesses stehen, wenn die Geschichtsforschung in weit stärkerem Maße als früher die wirtschaftlichen Uingestaltungen ersorscht, so sind das alles Anzeichen für die Macht der materialistischen Go- schichtsanssassung. Die Erkenntnis wird immer deutlicher, daß der Mensch durch seine Stellung im Wirtschastsprozeh wesentlich bestimmt ist. Es ist für jeden von großer Bedeutung, diesen Fragen nachzu- gehen. Die kleine soeben erschienene Schrist von Gerhard Eolm„Der Mensch im wirtschaftlichen Kreis- lauf"(Verlag I. C. B. Mohr, Tübingen) gibt eine Eimührunz in dieses Problem. Eolm legt zunächst in einfacher und verstand- sicher Weis« die Grundlagen der modernen Wirtschaft dar und zeigt den Unterschied zwischen früheren Wirtschaftssystemen und dem heutigen Kapitalismus. Die Gesetze, die den Waren-, Kapital- und Arbeitsmarkt beherrschen» finden eine kurze Darstellung. Di« grundlegende Bedeutung der Gewerkschasten und der Arbeiter- organisatianen hebt Eolm mit Recht hervor:„Der Arbeiter als Verkäufer seiner Arbeitskraft ist aber in einer schlechteren Lage als der Verkäufer einer Ware auf dein Waren- markt. Wenn die Preis« für eine War« fallen, so werden die Erzeuger weniger von dieser Ware herstellen, wenn die Löhne sinken, kann trotzdem nicht... da- Angebot an Arbeitstraft auf die Dauer eingeschränkt werden, denn die Arbeiter sind da und n> ü s s e n leben." Durch die Zusammenschlüsse der Ar- bciter wird dies« an sich schlechtere Stellung auf dem Arbeitsmarkt verbessert und ausgeglichen. Auch das Sozialrecht und die Sozial- positik find notwendige Maßnahmen zum Schutze des Arbeiiers, die mit der modernen Wirtschaftsform unlöslich verknüpft sind. In einem zweiten Fall zeigt dann Eolm, wie der wirtschaftlich« Kreislauf die sozialen Beziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiter, zwischen Produzent und Verbraucher beeinflußt. In früheren Wirtschastsstusen herrschte das patriarchalische Verhältnis: die Anerkennung der patriarchalischen Autorität war verbunden mit der patriarchalischen Fürsorge etwa des Sippenhauptes für alle Mitglieder der Sippe. Der Kapitalismus und die moderne Technik hat diese Beziehung Zwilchen den Menschen des Wirtschaftsprozesses zerstört, heute herrsch* nicht mehr eine pa- triarchaltsche Bindung, sondern das Ineinander und Gegeneinander der M a r k t p a r t e i c n: Der moderne Produzent kennt den Menschen nicht als Mitmenschen, sondern mir als Marktpartei, fei es als Konkurrent, als Lieferant oder Kunde, immer als«inen Funktionär entgegengesetzter Interessen. Ebenso geht der Arbeiter nicht al« Mensch, sondern als„Arbeitskrast" in den Gesichtskreis des Unten, ehmers ein. Er rechnet mit der Arbeitskraft und kann mit ihr nicht anders rechnen als mit technischen Einrichtungen, mit Pferdekräften und Kilowattstunden. Diese Versachlichung und Mechanisierung der menschlichen Beziehungen hat die größte Bedeutung für das soziale und politische Leben. Die moderne Entwicklung hat die frühere inner« Bindung des Arbeiters oder Handwerkers an seine Arbeit aufgelöst: eine Mitverantwortung des Arbeiters«ruf wirtschaftlichem Gebiet ist notwendig, damit er nicht nur untergeordnetes Glied des Wirtschaftsprozesses bleibt. Die Bestrebungen der Wirtschaftsdemokratie sind demnach nach der Ansicht Eolm» zu fördern. Die kleine und klare Schrift wird jedem reiche Anregungen geben, der über diese wichtigen Fragen nachdenkt. vr. 8. Weinberg. deutschen Kulturleistungen, der deutschen Geschichte und Natur zu- sammen. Dem Bedürfnis, alles Notwendige über den Staat bei- sammenzufinden, tragen u. a. die Ueberfichlsartikel Staat, Recht, Verfassung, Bolkswirtschast, Sozialpolitik, Mittelalter, neudeutsches Kaiserreich, Nachkriegszeit und Parteien Rechnung, dem Kultur- ganzen gelten dl« Aufsätze Kultur, Kulturkunde und Kulturthcorie, Kunst, Kunstgeschichte und Kunstphilosophie, Literaturwissenschaft, Malerei, Musik, Philosophie, Religion, Sittenlehre, Soziologie, Wissenschaften usf. mit den dazugehörigen Unterartikeln, und ebenso wenden die Entwicklung der Sprache und ihrer Erscheinungen, die Epochen der Dichtung, die Nachbarvölker und Nachbarstaaten nach systematischen Gesichtspunkten behandelt. Jedesnial findet man nur das Wichtigste in knappster, konzentriertcster Form, aber gerade so entspricht es dem praktischen Bedürfnis. Ungleichmäßigkeitcn wie die, daß das Thema„Revolution" auf einer halben,„Sakrament" dagegen auf zwei Spalten be- handelt wird, oder daß allgemeine Kulturthemen von der Bedeutung der„Schauspielkunst"(vier Spalten), des„Theaters"(neun Spalten) und der„Wissenschaften"(drei Spalten) zu kurz davon kommen, lassen sich bei der Kröß« des Mitarbeitelstabes kaum vermeiden. Was in diesem Zusammenhang wiederum ausfällt, ist die starke Betonung de» religläs-kirchlichcn Elements: der Katholizismus erhält 24 Luther und der Protestantismus 22, die Kirche mit allem Zugehörigen 38. die Religion 30 Spalten, und nicht genug daran, spielt da» Konfessionell« auch noch in den Artikeln Schulwesen. Sittenlehre und anderen eine übergroße Rolle. Nicht, daß darum andere, weniger oder ontiidcalistische Rich- tungen ungerecht behandelt würden— der Marxismus findet bei- spielsweis« in den Artikeln„Soziologie",„Staat" und„Wirtschafts- fysteme" eine durchaus sympathisch« Würdigung—, aber die verschiedene Akzentuierung ist doch sichtbar vorhanden, wirkt sich u. a. auch in der besonderen Kürze des Artikels„Rußland" aus und ebenso im Fehlen der Artikel Marx und L a s s a l l e. Sind die beiden etwa weniger wichtig als Nietzsche(fünf Spalten) und Schel« sing(sechs Spalten), die doch auch noch außerdem in den Ueber- sichtsartikeln ihren gebührenden Platz haben, oder gar als Lang- behn, Lagarde und Riehl? Dos wird nicht gesagt, um zu nörgeln, denn der g»tc Wille, die Olyeklioität und Höhe der Leistungen stehen außer Frage, sondern damit in den folgenden Auflagen der notwendige Ausgleich zwischen der Einstellung der Herausgeber und den Bedürfnissen anders- gerichteter Lesergruppen getroffen wird. Or..Allrecl Kleinberg. Ein Zille-Buch. Adolf Heilborn: Heinrich Zille.(Die Zeichner des Volkes II.) Mit 73 Abb. Berlin, Rembran-dt-Verlag.— Ein liebenswürdiges Buch voll menschlicher Wärme und tiessten Ver- ständnisses für Meister Zille. Slbolf Heilborn war 30 Jahre lang sein nächster Freund, in Hunderten von Briefen hat Z>lle ihm sein Herz ausgeschlittet: sa ist er berufen vor allen anderen, die Bio- graphie des Volksfreundcs zu schreiben. Diesmal ist es freilich nur ein schmaler Band, in dem Hestborn die notwendigsten Tatsachen erzählt und über Wesen und Kunst Zilles plaudert, und der Nach- druck liegt auf den vortrefflich ausgewählten und schön reproduzier- ten Zeichnungen. C» sind nur wenige der bekannten Illustrationen darunter, im wesentlichen sind es unbekannte Studienblätter ohne /Mmfi m®€hf unsere Bruuse selbst £i Ist Ja so einfach, eine wohlschmeckende Brause zu bereiten. 1 Teelöffel„Bullridi-Salz" wird in einem Glase ZuckerwasserfFruchtsaft nach Belieben) unter Zusatz von ein wenig Essig oder Zitronensaft aufgelöst. Dieses erfrischende, durststillende Getränk wird in dar ganzen Weit, speziell in heißen Ländern, wegen seiner Bekömmlichkeit geschätzt. Uullrieh•Satz. die bezeichnenden humorvollen bitteren Unterschriften� Aber gerade die? bringt uns den Künstler, den großen Menschenkenner und ein- dringlichen Beobachter der Wirtlichkeit um so näher. Man soll Zille nicht«inseitig als Illustrator und Humoristen ansehen: was für eine kraftvolle, an Daumier erinnernde Wahrheit der Versinn- kichunq in seinen Zeichnungen steckt, erlebt man immer wieder mit Erschütterung.?aul?. Scbmi-tt. Doc-Ez. Ein Spaziergang im Ärockhaus.' Der 5. Band de? Großen Brockhaus ist erschienen, und damit«in Viertel des Gesamtwerkes. Ich nehme den neuen Bond an einem Abend zum Lesen vor und schlag« auf gut Glück auf. Und doch beginnt, wie in einem guten Roman, auch der Griff ins Un- bestimmte eine Spannung auszulösen. Im Lexikon zu lesen ist ein Vergnügen für sich. Die Tatsachen sind spannender und oft erregender als die Behandlung durch Individualitäten sie machen können. Was wird der 5. Band bringen? frag« ich mich. Ich denke eins» Augenblick nach, und mir fallen kein« Schlagworte von Bedeutung ein, die ins Alphabet zwischen Doc bis Ez gehören, aber erst beim Blättern wird die Ueberlegung fruchtbar, und mir sällt zuerst Eisner, dann Engels ein. Bei Eisner gibt es allerdings gleich einen Anstoß. Das Lexikon behauptet nämlich, daß er„e n t st e l l t e" Gesandtschaftsberichte veröffentlicht habe. Es ist schade, daß diese Behauptung in ein Lexikon geschleppt und Generationen überliefe-t wird. Eisner hat die Gesandtschaftsberichte für einen kurzen Auszug redigiert, nicht um die Wahrheit zu fälschen, sondern um sie deutlich zu machen. Kann von einer„Entstellung" gesprochen werden, so paßte dieses Wort viel mehr auf Bismarcks Emjer Dcpesch«. Engels erfährt eine Würdigung, die seiner geistigen und sittlichen Persönlichkeit gerecht wird. Aber da habe ich zwei für uns interesiante Abschnitte heraus. gegriffen, während der Band selbst durch zwei ganz andere Schlag. wart« beherrscht wird, und dos sind die Schlagworte„Eisenbahn" und„Elektrizität". Die Abschnitt über Eisenbahnwesen um- fassen 48 Spalten mit zahlreichen Tafeln, Textabbildungen, Plänen, Tabellen, Statistiken. Da sehen wir z. B. auf einer Tafel den Per. schiebe- und Sicherungsdienst abgebildet, auf einer andern Tafel den Betriebs- und Bewachungsdicnst. Der Eifcnbahnbau wird durch zwei Tafeln illustriert: das Eisenbahnsichcrungswesen durch Zeich- nungen, Grundrisse, photographische Aufnahmen. Das Eisenbahn- •signolwefen ergänzt dieses Kapitel und wird selbst durch zwei Tafel- feiten und 20 Abbildungen illustriert. Die Eilenbahntarifc werden grundlegend dargestellt. Für die Eisenbahnmagen sind fünf Ab- 'bildungstafeln, mit 44 Abbildungen vorgesehen. Man lernt dos Innere eines Pferdewaoens, das Inner« von Fischtransportwogen, ferner Krankenwagen und amerikanische Luxuszügc innen und außen kennen. Van der Eisenbahn führt das Lexikon zu allen mck Eisen zusammenhängenden Schlagmarten weiter. Auch hier ist die Gliederung des Stoffes und die Fähigkeit, wisienschaitlichc Behandlung mit populärem Zlnschouungsbedürfnis zu verbinden, zu rühmen. In der Begriffswelt Elektrizität ist die Aufteilung des Stoffes und die Berücksichtigung praktischer Bedürfnisse vollständig geglückt. Di« wichtigsten mit Elektrizität betriebenen technischen Mittel sind in reich illustrierten Ein'elkapiteln dargestellt. Es gibt Sonderabfchnftte über elektrische Beleuchtung, über elektrisch« Heizapparate freich illustriert), über Bäder, Oefen, Sicherungen, Uhren, Zünder, Zähler, soweit sie mit Elektrizität betrieben werden. In den Elektrizitä�kapiteln such« ich einen Abschnitt über die Eleklrala-Schallplatten. warum soll«in Lexikon über ein llnternehmen, das durch einen Millianenumlaß populär ist, nicht Auskunft geben? Ich linde nichts und stelle bei dieser Gelegenheit auch in den früheren Bänden fest, daß Wirtschafts- und Industrie- Unternehmungen recht stiefmütterlich behandelt sind. Ein Riesen- unternehmen wie die Deutsche B a n k ist jn elf Zeilen abgespeist. Liegt hier nicht ein Vorurteil vor? Gerade eine sozialistische Zeitung darf es sich leisten, Brockhaus zu sagen, daß eine obfektive kritische Darstellung von großen Wirtschaftsunternehmungen durchaus in ein Lexikon gehört. Handel und Industrie ebenso neutral zu behandeln sind wie strittige Persönlichkeiten der Politik und Kultur. Die Abschnitt« über auswärtige Politik, auf die ich in früheren Besprechungen hinwies, bieten erfreulicherweis« in diesem Band keinen Anlaß zum Widerspruch. Das Kapitel„D o l ch st o ß" stellt«inwandfrei den englischen Ursprung des Begriffs, die Theorie der Rechtsparteien und fast doppelt so umfangreich die Widerlegung von links dar. In den Abschnitten Elsaß- Lothringen finden sich.zwar einige Widersprüche, aber der Ausgang des Elsaß in das sronzösischs Wesen, das durch die große Revolution bewirkt worden ist, wird unumwunden dargestellt.®o ist auch der neue Band des Brockhous ein Werk, das bei größter wissenschaftlicher Korrektheit und Neutralität die Dinge unter Berücksichtigung der Auffassungen darstellt, die der Geist der deutschen Republik von der Gegenwart fordert. Eelix Stössinger. Ao yia y die sich„Orden vom heiligen Gral" nennt(Hauptsitz Paris) und der auch der bekannte Schriftsteller Gustav Mcyrink in irgendeiner Form nahestehen soll. Jn den meisten seiner Bücher spricht Bo Pin Ra von einem Reich des Uebermenfchentums, das sich im Stufenbau der Aus- Prägungen sich entwickelnden Lebens im selben Sinne über das Menichcnrcich schiebt, wie dieses selbst den Abschluß und die Krönung der Ticrentwicklung darstellt. Er versteht also unter dem Ausdruck „Uebermcnfchentlim" etwas durchaus anderes als etwa der große deutsche Philosoph Nietzsche. Diese Wesenheiten nun, die auf dem Wege großer seelisch-geistiger Entwicklungspcriadcn menschliche Vollkommenheit erlangt habe» und in das Reich des Ilcberinenschen eingegangen sind, nennt Bo Pin Ra mit dem indischen Namen„Mahatmas"(Groß-Seelen), eine Bezeichnung, die von der Russin Helena Petrawna Blavotsky, der be- kannten Gründerin der Thcasophischcn Gesellschaft, in ihren bereits um das Jahr l87Z erschienenen Hauptwerken„Die entschleierte Isis" und„Die Gchcimlehre" für den gleichen Sachverhalt in Europa zum ersten Male verwendet worden war. Um sa befremdlicher wirkt bei dieser westgehenden Ilebcrein- stimmung die Tatsache, daß Bo Pin Ra trotz seiner auch in diesem seinem neuen Werk„Das Gespenst der Freiheit" obgege- benen Versicherung, daß keiner der in„diesen Ländern der Seele bewußt Lebendigen gesonderter Erkenntnis sich vor anderen rühmen könnte", in seinem alleren„Buch vom lebendigen Gott" von den Lehren der Blovatsky spricht als von einem„aus aller Völker mysti- scher Lehre bereitetem Ragout", welche Speise man dann„Gostes- weisbcit",„Thcosophie" benennt. In dem Buche„Das Gespenst der Freiheit" selbst versucht der Verfasser, dos Zerrbild der Freiheit, das als Gespenst in den Köpfen so mancher lieber Zeitgenossen spukt und sein Unwesen treibt, zu zerstören. Ausgehend von der Notwendigkeit, der„Ananke" der alten Griechen, der sse sich selbst ihre Götter untergeordnet dachten, zeigt Bo Pin Ra, daß Freiheit nicht mit Willkür und die Erfüllung des Gebotes der Notwendigkeit, die die gesetzte, höchste geistige Orb- nung des Allgefüges darstellt, dem der einzelne einbezogen ist, nicht mit Zwang verwechselt werden darf, wenn nicht aus dem leuchtenden Bild der Freiheit ihr fratzenhaftes Zerrbild, ihre Karikatur ent- stehen soll. Im weiteren Verlauf wandelt Bo Pin Ra'dann dieses Prinzip der Notwendigkeit wie ein musikalisches Thema ab und wendet es an auf viele der heute besonders aktuellen Zeitprobleme, wie„Gemeinsamkeit",„Konkurrenz",„Autorität",„Schlagwortwahn" usw. und vermittelt auf diese Weise wertvolle Erkenntnisse, die die Mühe reich- lich lohnen, sich durch seine ein wenig fremdartig, um nicht zu sagen gesucht und schwulstig anmutende Ausdrucksweisc hindurchgearbeitet zu hoben. Hans Zeuger. Leben vor 60 000 Jahren. Auf 94 Seiten und mit 82 Abbildungen erschließt Leonhard Franz in seinem Büchlein„Borgeschichtliches Leben in den Alpen"(Verlag Anton Schroll u. Co., Wen) die Uranfänge ästest en Wirtschaftslebens, das sich als erfolgreiches Iägertum zeigt. Wo wir heute, oft auf beschwerlichen Wegen, den lichten Höhen erhöben«r Bergwest nahekommen, war lange vor vn» schon Menschenleben. Der Autor gliedert sein Büchlein in„Bären- säg er" und in die„Zeit der B e r g in ä n n e r", eine neu. und eigenartige Gruppierung, die geschickt und recht volkstümlich durch. geführt wird. Nicht volkstümlich allerdings ist der hohe Preis von 10 M. für das geheftete Stück. Aber der Freund der Urzeitforschung, die Jugend und der Lernbegierige überhaupt werden das Büchlein nicht ohne Nutzen lesen. Di« Lektüre ist leicht und gut. Wir steigen zu den drei höchsten Urzeitstationen hinauf: Zum Drachenloch im oberen Rhein- tal, zum Wildkirchli am Särrtis, zum Wildemannsloch im schweize- rischen Toggenburg. Auf 2445 Meter Höh«, bei 1477 Meter und wieder in 1028 Meter Seehöhe erleben wir«in überraschende« Bild an Urzeitgedräuchen. Schädel junger Höhlenbären siegen zu Kuv- zwecken gehäuft: mehr als dreihundert Bärenzähns an anderer Stelle als Opfergobe ausgebreitet: Langknochen vom Höhlenbären gehäuft, mit Absicht geordnet, dem Iagdgott ein gefälliges Opfer. daß Getier und Erfolg erhalten bleibe. Und all dos auf stiller Bcrgsshöhe, vor mindestens 60 000 Iahren, in jener großen Zwftcheneiszcit, die überoll neue Menschenart auskommen ließ. Bärenjäger, nichts als höchst primitive Iägernomaden, die zweimal des Jahres auf die Höhen stiegen und immer nur junges Getier bevorzugten, immer nur Bären! Eine andere Zeit, die B e r g ni ä n n« r. Das Kupfer ist erkannt, man gewinnt durch einfachst« Verhüttung Eisen, der Bergbau hebt an: das weltberühmte Salzbergwerk von Hallstatt und die Solz- gewinung in Hallein zeugen von den Jahrtausenden langsam werdender Kulb.ir. Der Friedhof einstiger Salzherren oorgeschicht- lick>cr Zeit in Hallstott redet in seinen prachtvollen Funden von frühem Tausch und Handel, als Auftakt zu ersten wirtschaftlichen Regungen. Otto Häuser. Heimaischuh. „Der deutsche Heimatschuß". Sammelband Mit Bei- trägen von bekannten Führern aus der Heimatschutzbewegung. Herausgegeben von der Gesellschaft der Freunds des deutschen H c i m a t I ch u tz e s.(Karl. 4,80 TO.; zu beziehen nur durch den Bund Deutscher Heimatschutz. Berlin-Schöneberg, Grüne- waldstr. 6 7.) Das Buch bietet zugleich einen Rückblick auf die 25jährige Tätigkeit des Bundes Deutscher Heimats6?utz. Die zur finanziellen Förderung des Bundes zu Beginn des Jahres gesck/if- fene Gescllsckiaft der Freunde des deutschen Hcimotschutzes will künftig jedes Jahr mit einem solchen Jahrbuch herauskommru In dem vorliegenden Band find theoretisierende, mit klar geschriebernn, auf die Fragen der Gegenwart eingehenden Aussätzen vereinigt. Heinrich Kraft erörten eingangs die Frage Natur und Mensch und kommt zum Schluß, daß der Mensch in jeder Beziehung mit der Natur in Harmonie bleiben muß. Offensichtlich wird Vr Gegensag zwischen dem Leben der Naturvölker und den Schein- segmingen der Kultur. Freilich so einfach ist das Problem«cht. da sich unter dem Deckmantel der Natur die gleiche politisch« Rück. ständigkeit verbergen läßt wie unter dem den Kultur. Heber die Beeinflussung von Mensch lind Bolk äußert sich A. Helbok. Der Verfasser sucht einen Gegensatz zu konstruieren zwischen dem beut- schen, von Luther beeinflußten. Subjeksioismus und dem von Frank- reich zu Beginn des 19. Jahrhunderts«ingedrungenen demokrasi- schen Gedanken der Gleichberechtigung aller Individuen. Das gleiche Wahlrecht nennt er in diesem Zusammenhang eine nichtdeutsche Gleichmacherei und Uniformierung des Lebens. Dos ist ein volk- sicher Standpunkt, der elementaren Triebkräften der Soziologie nicht gerecht wird. Ein solches rein von nationalen Gesichtspunkten oefälltes Urteil zeigt aber auch mit oller Deutlichkeit die Gefahr, in de sich die Heimaschutzbewegung begibt, wenn sie sich in politssche Spekulationen verliert. Einen frischen Gedankenzug bringt Her- mann Cris Suffe, badischer Dichter von aufgeschlossenem Wesen, in die Diskussion hinein, wenn er in-seinem Aufsatz„Heimat- bildung" feststellt, daß„das Ziel der Volksbildung beileibe nicht in der Speicheratmosphäre und bei den Symbolen der„alten guten Zeit" sitzen bleiben darf". Denn auch die Gegenwart vermag Güter der Heimat zu schaffen. Karl Wagenseld äußert sich sehr pessimistisch über die Aussichten, Volkstum in die entwurzelte Jn- dustriebevölkerung der Ruhr zu pflanzen. Einen Weg steht er: Si d- lung und Anbau von Grünflächen. Man vermißt in dem ganzen Buch dieStlmmedesPro- l e t a r i e r s, also des Mannes, der am zuständigsten über die Frage hätte sprechen können, wie sich Volkstum und Arbeiterschiit miteinander vertragen. So hat man nach der Lektüre der gewiß recht interessanten Artikel den bedauerlichen Eindruck, daß die Heimatschutzbewegung einzig von den intellektuellen Kräften des Mittelstandes getragen wird und daß sich die Arbeiterschaft von ihr fast gänzlich fernhält. Dr. Paul Herzog. Samen ani Her Heise die fetzt Berlin besuchen, müssen außer anderen Sehen*. Würdigkeiten auch unser Hau* besichtigen. Sie werden sich dabei überzeugen, daß sie eine solche unermeßliche Auswahl der modernsten und schönsten Damenkleldung noch nirgends vorgefunden haben. Die unvergleichlich billigen Preise hierfür werden die angenehmste Ueberraschung bereiten. Unsere Spezialität ist es, auch für besonder» große und starke Figuren stets Passendes am Lager zu halten. 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