Nr. 9 10. August 1930 Blick in die Bücherwelt Neuauflagen sozialpolitischer Werke. Eine Uebersicht. Ludwig Heyde, Abriß der Sozialpolitit, 6. Auflage, 1930, Leipzig. Quelle u. Meyer. 159 Seiten. Th. Cassau, Die Gemertschaftsbewegung, ihre Soziologie und ihr Kampf. Halberstadt, 2. Auflage. 1930, H. Meyers Buchdruckerei. 352 Seiten. Ad. Weber, Der Kampf zwischen Rapital und Arbeit, 5. Auflage, 1930, Tübingen. J. C. B. Mohr. 547 S. Wenn bei der heutigen schwierigen Lage des Büchermarktes unveränderte oder wenig veränderte Neuauflagen wissenschaftlicher Werte erscheinen, so ist das schon an sich ein Bemeis für ihre Zugfrajt. Die drei uns vorliegenden wirtschaftspolitischen Schriften sind oft und eingehend besprochen worden, und wir beschränken uns hier auf kurze Anzeigen. I. D Das Buch von Heyde Abriß der Sozialpolitit" ist infofern eine Jubiläumsausgabe, als seit seinem ersten Erscheinen 10 Jahre verflossen sind. Als führender Sozialpolitiker und Schriftleiter der ,, Sozialen Praxis" ist der Verfasser wie faum ein anderer berufen, in einem kurzen Abriß ein Bild zu geben vom jeweiligen Stande der flüssigen deutschen Sozialpolitik. Unter dieser versteht Heyde den„ Komplex" der planmäßigen Bestrebungen und Maßnahmen, die primär den Zweck verfolgen, das Verhältnis der Klassen( und Stände) zueinander und zu den Staatsgewalten nach Maßgabe von Wert( insbesondere oft Gerechtigkeits-) Vorstellungen zu beeinflussen". Im heutigen, engeren Sinne" ist als Sozialpolitik das ,, bewußte Einwirken auf das Verhältnis der Arbeiterklasse zu den anderen Klassen sowie zum Staate zu bezeichnen, wobei vorausgesetzt werden soll, daß dieses Einwirken vom Urteil über Standes, Klaffen-, Bolts- oder Menschheitswerte geleitet wird". Heyde sieht demgemäß seine Aufgabe darin, die Arten dieser Beeinflussung", dieses ,, Einwirtens" flarzustellen und an bestimmten Werten, insbesondere an der Idee der Gerechtigkeit und den Kultur idealen der Zeit zu messen. Die Analyse der Tatsachen, welche für das Einwirken bestimmend sind, ist Gegenstand der Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Für eine Theorie der Sozialpolitik- wie sie neuerdings Günther und besonders Ed. Heymann aufzubauen versuchen, nach welcher diese den gesamten Erscheinungskompler der Umbildung des Kapitalismus durch die Arbeiterbewegung umfaßt, ist bei dieser Auffassung und schon wegen der Kürze des Abrisses auch kein Raum. Heyde gibt eine systematische Uebersicht der wesentlichsten sozialpolitischen Maß nahmen und Einrichtungen. Er beschränkt sich aber hierbei nicht auf eine Zusammenstellung der einschlägigen Gesetze und Verordnungen. In den ersten beiden Abschnitten des Buches behandelt er furz die soziologischen Grundlagen und die Geschichte der Sozialpolitif. Im dritten Teil wird dann der gegenwärtige Stand derselben auf drei Gebieten dargestellt und kritisch gewürdigt: der Schuß der Arbeitskraft, des Lebens und der Persönlichkeit des Arbeiters( innerhalb und außerhalb des Arbeitsverhältnisses). Trots der summarischen Darstellungsweise bietet das Buch eine Fülle von Stoff und ist eine wertvolle und anregende Einführung in die Sozialpolitik. II. Beilage des Vorwärts Von deutscher Romantif. Zu Friedrich Gundolfs neuem Buch„ Romantiker". Fünf Essays über Friedrich Schlegel, Schleiermacher, Brentano,| Arnim und Büchner, die bereits vorher in wissenschaftlichen Zei.schriften erschienen waren, vereinigt das neue Buch ,, Romantiker"( Heinrich Keller Verlag. Berlin- Wilmersdorf) des Heidelberger Literarhistorikers Friedrich Gundolf. Wer eine systematische, lückenlos zusammenhängende geisteswissenschaftliche Arbeit erwartet wie„ Shakespeare und der deutsche Geift" desselben Verfaffers, wird enttäuscht. Im Vorwort zu den„ Romantiker" erklärt Gundolf, daß ihm geschichtliche Bewegungen nur in Menschen und an Menschen faßbar erscheinen. In ihnen offenbart sich der Geist einer 3eit, sie sind seine Träger und Ausstrahlungen. Nach diesem Prinzip ist in erster Linie Shakespeare und der deutsche Geist" gestaltet. In der Art des Wirkens der Persönlichkeit Shakespeare auf die einzelnen deutschen Dichter und Schriftsteller bis zur Romantik zeigt Gundolf das Erwachen, die Variationen und die Entwicklung deutschen Geistes und Schrifttums. Es ist eine Literaturbetrachtung, die das Werk, die geistigen Gehalte in den Brennpunkt stellt und absieht von den näheren, äußeren Lebensumständen der künstlerischen Persönlichkeit. Literaturgeschichte ist für Gundolf Geistesgeschichte, Ideengeschichte. Diesem Prinzip ist ebenfalls das neue Buch unterstellt. Ein anderes Moment fommt hinzu. In der Einleitung zu seinem „ Goethe" erklärt Gundolf, daß sich das Wesen einer geistigen Schöpfernatur am reinsten in den großen ursprünglichen Werfen offenbart und nicht in den Zufallsarbeiten oder in den persönlichen Bekenntnissen wie Briefen und Unterhaltungen. Gundolf arbeitet von innen nach außen. Aus dem Wert formt sich allmählich das Bild der Persönlichkeit. So im ,, Goethe", so im Kleist", so im„ Stefan George" und so in den„ Romantifer". Ricarda Huch geht etwa in ihrem Kapitel über Friedrich Schlegel von den privaten Lebensumständen aus und fügt daran Betrachtungen und Analysen des Werkes. Beide Teile wollen sich nicht völlig zusammenschließen, während Gundolf auf seinem Weg zu einer Einheit gelangt. Es ist eine andere Art der Betrachtung, der Durchdringung und der Form, die Gundolf anwendet und die überhaupt zum erstenmal bei der Behandlung deutscher Roman tifer in die Erscheinung tritt. Aber außer dieser bestehenden Form bringt Gundolf diesmal wenig neue richtunggebende Erkenntnisse. Er geht kaum über das hinaus, was schon Ricarda Huch oder er selbst im legten Kapitel von„ Shakespeare und der deutsche Geist" andeutend sagte. Es bleibt bei einer Zusammenfassung. Nur Schleiermacher und Büchner erscheinen in neuem Licht. gegenüber, ihre Kunst- und Lebenstheorien. Mit ein paar Säßen umreißt er die formalen und geistigen Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Romantit, die Uebergänge von der Bildungsund Sinnenromantik zur Spiel und Reizromantik, von der klassizistisch- humanitären zur nationalen." Noch niemals ist das Profil Brentanos und Arnims ausgeprägt gezeigt worden. Und doch befriedigt das Buch nicht, selbst wenn man auf Gundolfs Standpunkt steht. Es macht den Eindruck des Zufälligen. Sicherlich sind die Auffäße, wie Gundolf im Vorwort bemerkt, aus einem einheitlichen Gesicht der Gesamt- Romantik hervorgegangen und wollen aus dieser Einheit verstanden werden", aber von dem Verfasser des Buches Shakespeare und der deutsche Geift" erwartete man das große umfassende Wert über die Romantik, umfassend wenigstens im individualistischen Sinne. " 1 Einmal ist es in den äußeren Umrissen geschrieben worden von Georg Brandes im dritten und vierten Band seiner ,, Hauptströmungen", doch Brandes wertet die Romantik zu rationell. Er hat nicht das Gefühl für ihre transzendentale Haltung, für ihre vergeistigenden Tendenzen, er erlebt sie nicht. Und ihr Weg müßte bis in die Gegenwart verfolgt werden, wie es einmal Bab schüchtern in seinem Fortinbras" unternahm. Der Begriff Romantik müßte gereinigt werden von aller muffigen, fleinbürgerlichen Sentimentalität, die ihn in der heutigen Durchschnittsanschauung umgibt. Romantik ist ein spezifisches Weltgefühl, das in der deutschen romantischen Schule des Jenaer Kreises am Anfang des neuzehnten Jahrhunderts seine schärffte und philosophisch fundierte Ausprägung erfuhr, das sich dann in vielen Variationen auf allen Gebieten wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens bis heute geäußert hat. Romantit ist ein soziologisches Element. Auch dies erwähnt Gundolf, aber vielleicht nur der Vollständigfeit halber, er legt kein Gewicht darauf, er fann es seiner ganzen Haltung nach nicht tun, denn Gundolf, der Aesthet, der Freund und Herold Stefan Georges, ist ausgeprägter Individualist. In ihm, dem glanzvollsten lebenden Bertreter individualistischer Literaturwissenfchaft lebt allein der Glaube an die große, einmalige Persönlichkeit, die ihrer Zeit den Stempel aufdrückt, dies zeigen von neuem die Romantiker", und in der wiederum die geistigen Tendenzen Gestalt gewinnen, Die individualistische Biographie erfährt bei Gundolf die letzte Durchgeistigung und Beseelung, indem nur noch das geistige Porträt des Menschen gilt. Ein Emil Ludwig wirkt äußerlich klein und ärmlich dagegen, und doch wandern beide in dieselbe Richtung. Ein Buch über Romantit sollte ein soziologisches, tulturgeschichtliches und geisteswissenschaftliches Wert sein, es sollte vor allem zeigen, welche Tendenzen heute noch wirksam sind, in welchen Er. fcheinungen sich der romantische Geist offenbart. Gundolfs RomanFelix Scherret. Faszinierend ist die Sprache und die Gestaltungskraft. Bei der Analyse und Einordnung von Friedrich Schlegels Athenäum- Frage menten gibt er prägnant und scharf herausgemeißelt den gesamten Ideentomplex der ,, Romantischen Schule", ihre Einstellung der Welttiker leben dagegen in einem isolierten Raum.. listischen Gedankenwelt het sich nach der Meinung des Verfassers als unzureichend erwiesen. Sie braucht ein eigenes Wirtschaftsideal, besonders eine eigene Theorie der Gewerkschaftsarbeit und eine selbständige Wirtschaftspolitit. de m III. sowohl die Grundlehre über das Wesen und die Schranken der cifernen Notwendigkeit"; welche das Ausmaß der sozialen Gegen leistungen für die gesellschaftlich nützliche Arbeit bestimmen, als auch die Einzelheiten der Auswirkung einer Erhöhung dieser Gegenleistungen auf die Wirtschaft. Im letzten Abschnitt werden die bereits beschrittenen Wege zum Frieden"( Tarifvertrag, Schlichtung, Arbeiterbeteiligung, Werkverbundenheit) furz besprochen. Dank dem Umfang des Materials, der streng wissenschaftlichen Methode und Klarheit der Darstellung befißt das Webersche Wert sehr hohen Bildungswert für jedermann, besonders für jeden volkswirtschaftlich geschulten Gewerkschafter, der imstande ist, die vom Verfasser vertretene Lehre fritisch nachzuprüfen. Friedrich Engels Werke. ( Bis Anfang 1844). Dr. L. Thal. Nunmehr ist auch der zweite Band der im Auftrage des MaryEngels- Institutes Moskau von D. Rjazanov veranstalteten Mary Engels Gesamtausgabe erschienen. Er enthält Friedrich Engels Werke und Schriften bis Anfang 1844, nebst Briefen und Dokumenten, Die Schrift des berühmten Münchener Nationalökonomen 2 d. Weber, welche nunmehr in fünfter( verbesserter und erweiterter). Weber, welche nunmehr in fünfter( verbesserter und erweiterter) Auflage vorliegt, gehört, wie der Verfasser selbst betont, nicht eigentlich in das Gebiet der Sozialpolitit, sondern in dasjenige der So. zialökonomie. Seine Untersuchungen umfassen aber auch das Sollfein...", insofern die Vorstellungen, die sich darüber gebildet haben, als Ursache oder als Wirkungen sozialökonomischer Geschehnisse in Betracht kommen, greifen also in die Sozialpolitik hinüber. Die Tendenz des Buches, welche gegen den organisierten Kampf als zweckmäßiges Mittel zur Besserung der Lage der Ara beiterschaft und zu ihrem Aufstieg gerichtet ist, hat die heftigste Gegnerschaft hervorgerufen, die in zahlreichen kritischen Besprechungen namhafter Sozialpolitiker und Sozialöfonomen zum Ausdruck gekommen ist. Der Verfasser wehrt sich aber sehr entschieden gegen die Beschuldigung, er sei Gegner der Arbetterbewegung und der Gewerkschaften. Er verneine feineswegs grundsäglich die Notwendigkeit des Kampfes als Mittel zur Verwirklichung der Ziele der Gewerkschaftspolitit, aber diese Ziele fönnen, nach seiner Lehre, nur dann und nur in den Grenzen erreicht werden, als sie innerhalb der ökonomischen Wert, Preisund Verteilungsgefeße liegen. Der Kampf der Arbeit mit dem Ka pital ist nicht in erster Linie Kampf um Macht, denn diese kann, so start sie auch sei, jene Gesetze nicht ändern; er ist eine Frage der flaren unbefangenen Erkenntnis des volkswirtschaftlichen Seins und Werdens", der ökonomischen Zusammenhänge. Werden diese miß achtet, so kann und wird der scheinbare Sieg die Lage des Siegers wirtschaftlich nicht bessern. Das Plus fann zu einem tatsächlichenwald, hinter dem sich der junge Engels verborgen hatte, wurde Minus für die Gesamtarbeiterschaft werden. Das Buch von Th. Cassau ist tein Lehrbuch, sondern eine Monographie. Es ist ein unveränderter Reudrud der im Jahre 1925 erschienenen ersten Auflage. Nur die beiliegenden statistischen Tabellen sind auf den neuesten Stand gebracht( die Literaturausgaben leider nicht). Der große Vorzug des Cassauschen Werfes besteht in der Vielseitigkeit der Gesichtspuntte, unter denen er die Gewertschaftsbewegung darstellt. Nach einer furzen geschichtlichen Einführung behandelt er die Grundzüge der Degani sation der deutschen Gewerkschaften. Sie ist nicht nur eine Organifation zur Erfüllung bestimmter Aufgaben innerhalb der Wirtschaft und des Staates, sondern die maßgebende Klassenorganisation der um ihren Aufstieg fämpfenden Arbeiterklasse". Cassau sieht das Charakteristische der Gewerkschaftsbewegung erstens darin, daß fie fich zwar auf ihr zahlenmäßiges Uebergewicht stüßt, somit für die politische Demokratie eintreten muß, aber mit Hilfe politischer Mittel um den Erwerb wirtschaftlicher, nicht politischer Macht kämpft; zweitens, daß sie vorläufig ,, bildungsmäßig noch ein Anhängsel des Bürgertums ist", trotzdem sie eine ganz neue Ideologie, ein neues Gedankenbild fünftiger Wirtschaftsgestalten in sich trägt. Die Gewerkschaften tämpfen daher gleichzeitig um die Erweiterung der Bildungsmöglichkeiten, eben der Erweiterung des Einflusses der Arbeiterschaft auf die Führung der Wirtschaft. Die Gewerfschaftsbewegung als Arbeiterbewegung ist in erster Reihe ein soziologischer Borgang. Der Berfasser behandelt eingehend die innere Schichtung, das Führerproblem sowie das Verhältnis der Arbeiter schaft zu den Intellektuellen und zur Bolitif. Die Gemeinschaft, auf der sich die Gewerkschaften aufbauen, beruht zwar auf dem Berufszusammenhang, aber in Deutschland ist das poli. tische Erwachen der Arbeiterschaft dem gewerkschaftlichen vor ausgegangen. Das Kernproblem der Gewerkschaftsbewegung ist trotzdem die Erweiterung des Einflusses auf die Gestaltung der Wirtschaft. Demgemäß werden der Kampf um Lohn und Ar- Von dieser Grundanschauung ausgehend, stellt der Verfasser beitszeit eingehend dargestellt. Hier hat die Nachkriegszeit für die ökonomische und soziologische Struktur der fämpfenden Barteien, die Gewerkschaften eine wesentliche Ausdehnung des Aufgaben ihre Organisation und Kampfmittel dar, um dann zu seinem Haupt. freises über ihre allereigensten Ziele hinaus gezeitigt. Zum Schluß thema überzugehen: der Aufklärung der volkswirtschaft behandelt Cassan das Verhältnis der Sozialdemokratie zu lichen Zusammenhänge, mit denen die Kämpfenden zu den freien Gewerkschaften, und in einem Wirtschaft und Arbeit" rechnen haben und von denen der Erfolg abhängt. Um hier zu betitelten Abschnitt die wesentlichsten Probleme, welche fich aus der seinen Ausführungen fritisch Stellung nehmen zu fönnen, ist gründ. Verknüpfung der Arbeit mit der wirtschaftlichen Entwicklung erliche Renntnis der nationalökonomischen Lehren erforderlich, gegen geben. Der Aufbau der Gewerkschaftsbewegung auf der fozia die der Berfasser polemisiert. Hier ist vieles ffreitig und bestritten டீ " Saison- Ausverkauf SADAM LEIPZIGER STR. 27-28 ADAM- ECKE Auch dieser Band der Gesamt- Ausgabe bringt viel neues Material. Dennoch erfährt das Bild vom Leben und Wirken des jungen Friedrich Engels, wie es Gustav Mayer im ersten Bande seiner Engels- Biographie meisterlich gestaltet hat, taum neue Züge. Die Geschichtsschreibung des Sozialismus befindet sich dem jungen Engels gegenüber in einer ganz anderen Situation als gegenüber dem jungen Marg. Während noch bis zu Mehrings Nachlaß- Edition die Jugend von Friedrich Engels vollständig verschüttet gewesen ist, hat sie G. Mayer durch nachhaltige Forschungen wieder entdeckt. Namentlich durch die Enthüllung des Pseudonyms Friedrich Osdiese auführliche Jugendgeschichte von Engels möglich. Dies unbestrittene Verdienst G. Mayers wird auch keineswegs durch den gewiß wichtigen Brief von Engels an Ruge( vgl. diesen Band S. 631), den der Herausgeber Rjazanov wiederaufgefunden hat und den dieser als den letzten juristisch unanfechtbaren Beweis" für die Geichung Oswald gleich Engels bezeichnet beeinträchtigt. Gustav Mayer batte 1920 feiner Engels- Biographie einen Ergänzungsband beigegeben, der einen Teil der von ihm aufgespürten frühen Engelsschen Arbeiten reproduzierte. Berglichen mit diesem Ergänzungsband, enthält die Rjazanovsche Edition rund doppelt soviel Terte. Da jedoch EINIGE BEISPIELE: 75: 48.89.81Herren- Kleidung Sacco- Anzug, farb, 1- u. 2- reih. 88. dto. blau, 1- und 2- reihig 85.Gabardine- Mantel, impr.75.dto. ganz auf Futter dto. Impr., auf Regenfutter, Marke Nicholson- London"... 118.Sport- Kleidung Sport- Anzug, 2- tig.... 64. 54. Qualitäts- Ware zu unerhört niedrigen Preisen! 20 SAdam Ausserdem Ermäßigung dto. 3- tig. auf alle fertigen Waren Knickerbocker 105..89. 74. mit Ausnahme Pullover o/ Arm, reine Wolla 10.50 der Sonder. Angebote sportstrümpfe, reine Wolle.. 22.50 Junge Herren- Kleidung Sacco- Anzug, farbig 55.- 42.Sport- Anzug, engl. gemust. 49. Winter- Ulster. 39. 49.- 39.Knaben- Kleidung Sport- Anzug Jahre 6-8 9-11 12-14 19.- 22.- 25Ulster, 2-8 Jahre 14.- 25,- 34.Herr.- Wäsche/ Modeartikel Popeline- Hemd mit Krag. 9.75 6.50 Sport- Hemd, uni, m. fest. Krag.. 8.75 Hemd, reine Seide 9.75 Schlafanzug, Popeline 4.50 Selbstbinder, reine Seide ... 14.50 11.50 2.25 1.25 die meisten G. Mayer schon bekannt waren, erfährt, wie schon gesagt, der junge Engels durch die vorliegende Ausgabe teine wesentlich neue Akzentuierung. Damit soll und kann selbstredend das Verdienstvolle der neuen Ausgabe nicht eingeschränkt werden. Sie vereinigt auf 692 Seiten tatsächlich alles Wissenswerte an Urkunden, Dokumenten, Briefen und Schriften, von Engels Geburtsurkunde bis zu seinen Beiträgen für die Deutsch- Französischen Jahrbücher." Als die ,, Umrisse zu einer Kritik der National= ökonomie" in diesen Jahrbüchern erschienen Mary nannte später im Vorwort seiner Schrift zur Kritik der politischen Dekonomie" diese Arbeit eine geniale Stizze" war Engels einundzwanzig Jahre alt; und trotz dieser Jugend hatte Engels schon eine reiche publizistische Tätigkeit entfaltet. Auffäße über Anastasius Grün, Ernst Moriz Arndt, Immermann, philosophische Streit schriften, gegen den damals in Berlin lehrenden Philosophen Schelling gerichtet, Briefe aus England, die die Lage der arbeitenden Klaffe analysierten, usw. usw. Von den abgedruckten Briefsammlungen find die Briefe an Engels Schwester Marie und an die Brüder Graeber die wichtigsten. Börners Verherrlichung der radikalen politischen Tat, Hegels universalgerichtetes dialektisches Welt- und Geschichtsbild, die unmittelbare Anschauung des deutschen und englischen Proletariats der vierziger Jahre waren die entscheidenden Erlebnisse, die den jungen Sozialisten Friedrich Engels formten. Viele der Jugendarbeiten sind allerdings dilettantische Uebungen eines genialen, begeisterten Autodidakten. Zweifellos sind die Marrschen Jugendarbeiten, von den poetischen Ergüssen abgesehen, disziplinierter und strenger. So vorbereitet begegnete Friedrich Engels: Karl Marg. Ein Freundschaftsbund fürs Leben entstand. Bis an die Schwelle dieses Freundschaftsbundes führt uns der vorliegende Band. Eine ausführliche philosophische Einleitung des Herausgebers, ein sorgfältig gearbeitetes Namenregister, ferner mit Atribie und Umficht angelegte Zitaten- und Titelnachweise verbunden mit tertKritischen Anmerkungen, von Rjazanovs Mitarbeitern verfaßt, machen auch diesen Band zu einem wichtigen Glied der Gesamtausgabe. J. P. Mayer. Eine volkstümliche Raffenfunde. Prof. Dr. Hugo Iltis( Brünn) gibt in seiner Bolts # ümlichen Rassenkunde", Buchbeigabe der„ Urania" Berlagsgesellschaft m. b. 5., Jena 1920( 80 S., 41 Abb.), zunächst einen leberblick über die Entstehung der Rassenlehre überhaupt; er geht zurück bis zum Jahre 1855, als der französische Graf Gobineau erstmalig mit viel Phantasie, aber mit wenig Selbstkritik, das Leben Der Völker und ihre Schicksale vom Standpunkt einer besonderen Einstellung zur Rasse schuf. Die Arbeiten des Franzosen fanden nur in engem Kreise gewiffe Beachtung, aber die schlimme Saat ging dann auf, als der Engländer H. St. Chamberlain die Ideengänge einer neuen Raffenkunde verhängnisvoll ausbaute. In der vorliegenden volkstümlichen Rassenkunde zeigt uns aber Iltis, wie getrennt voneinander arbeitende Wissenszweige feit 50 Jahren ein ungeheuerliches Tatsachenmaterial entdeckt und angesammelt haben, das eigentlich den unkritischen und voreingenommenen Ergüssen der Rassenlehre den Boden zu entziehen geeignet wäre. Vererbungslehre und Rassenhygiene, die Ur- und Vorge= schichte und Völker- und Menschenkunde, die Beweismittel über den Werdegang der Kultur überhaupt, zeigen heute ein Bild, das den Glorienschein des falschen Rassismus zerstören muß. Iltis erweitert dann unsere Kenntnis der Menschenrassen überhaupt, um uns so Die Möglichkeit an Hand zu geben, selbst in der Vielfältigkeit die Einheit, die gemeinsame Abstammung kennen zu lernen. Rassenmischung ist niemals gleichbedeutend mit Tod einer Rasse. Ganz andere Elemente führen eine Raffe zum Untergang, und das ist erfrischend flar in der„ Volkstümlichen Raffenkunde" von Iltis nachgewiesen. In den Grundlagen der Rassenforschung finden wir ein erstes Kapitel zur Erklärung, was der Begriff Bolk überhaupt zu beDeuten hat. Iltis zeigt in guten Bildern verschiedene Schädelformen und wie nun doch endlich die Lehre von der Abstammung des Menschen Allgemeingut der ernsten Wissenschaft geworden ist. Wie wichtig Kreuzung, Mutations- und Urweltbedingungen für die Entstehung äußerlich verschiedenartiger Menschtypen wurden, weiß der Verfasser trefflich zu erklären. Zu den menschlichen Rassenmerkmalen seines II. Rapitels gibt Die Schädelmeßkunde ausreichende Anhaltspunkte und Bergleichswerte, die jedem Leser einleuchten müssen, weil sie ja zu zahlenmäßigen Belegen werden. Rundköpfigkeit oder Langschädel dürfen keineswegs als untereinander minderwertig abgestuft werden. Wenn man hört, wie Säuglinge dadurch, daß man sie längere Zeit hindurch dauernd auf den Rüden legt, zu Kurztöpfigkeit kommen, bei ausgedehnter Seitenlagerung aber Langköpfig werden, so fällt wirklich die Berechtigung dahin, aus der Schädelform höhere oder geringere Wertigkeit ablesen zu wollen. Wie auch urzeitliche Rassen schon durch Umweltein flüsse zu körperlichen Verschiedenheiten kommen, habe ich selber in meinen Büchern mehrfach betont. Hungerjahre haben felbft an den menschlichen Gliedmaßen und Skeletten viele Veränderungen hervorgerufen, die nur Oberflächlichkeit zu rassischen Unterscheidungsmerkmalen stempeln fann. Auch Hautfarbe, Haar und Augenfarbe kann nur unter den sorgfäligsten Kriterien zur Raffenwertung Verwendung finden. Schlimm steht es heute auch mit einer bestimmten Blutgruppenforschungsart; auch da haben wir beflagenswerte Auswüchse, die einem frankhaften Raffismus dienen sollten. Ein Rassenmäzen hat von mir 3. B. vor wenigen Monaten gewünscht, daß ich ihm Blutgruppenformeln schaffe, die Zusammenhänge auf zeigten zwischen den in so vielen Köpfen frankhaft sputenden AtLantikern, den„ von ihnen abstammenden Urmenschen und den heutigen Indianern!! Die Lösung ist nicht erfolgt. Es sei dies nur Deshalb hier angeführt, weil daraus hervorgeht, wie notwendig und dankenswert es bleibt, wenn Iltis einmal, und in volkstümLicher Weise, das unfelige Problem unserer Tage mit sicherer Hand anschneidet. Die 40 Bilder des Büchleins belegen auf Schritt und Tritt den Tert. Die Einteilung der Menschenrassen und ihre Beschreibung wird den wertvollen Zwed nicht verfehlen. Das Buch von Iltis verdient in einer Massenverbreitung gelesen und beherzigt zu wer ben. Es kommt gerade zur rechten Zeit, um eine gesunde Klärung zu festigen und noch unsichere Köpfe von bösem Alpdrud zu erlösen. Dr. O. Hauser, Um die Todesstrafe. Historische Entwicklung eines aktuellen Problems. Von Dr. Frizz Corsing, Ministerialrat beim Preußischen Staats-| Diderot als Anhänger der Todesstrafe: well fie fich auf eine ministerium, ist eine Schrift erschienen( Berlagsbuchhandlung Al- Ronvention und den gemeinen Nußen gründe", und in Goethes fred Mezner, Berlin S. 68), die unter dem Titel„ Soll die Dissertation vom Jahre 1771 lautete eine These: Poenae capitales Todesstrafe bleiben?" einen erschöpfenden Beitrag zu ihrer non abrogandae"( die Todesstrafen dürfen nicht abgeschafft werden). Entwicklungsgeschichte gibt. An Hand einer historischen Uebersicht, Herder, Klopstock und Lessing waren Gegner der Todesdie durch eine parallel laufende Darstellung der literarischen Be- strafe, und die vielleicht schönste Formulierung findet Schiller handlung des Problems ergänzt wird, zeigt Dr. Corsing, welche in folgenden Worten:" Drakons Gesetze sind der Versuch eines AnSchrecken ist das Stellung die Menschheit seit ihren geschichtlichen Anfängen bis zur fängers in der Kunst, Menschen zu regieren. Gegenwart eingenommen hat. Hierbei kommen die erstaunlichsten einzige Instrument, wodurch er wirkt. Er straft nur begangenes Ergebnisse zutage. Persönlichkeiten, die wir als die geistigen Führer Uebel, er verhindert es nicht. Er befümmert sich nicht darum, die der Menschheit zu bezeichnen gewohnt sind, bekannten sich als An- Quellen desselben zu verstopfen und die Menschen zu verbessern. hänger der Kapitalstrafe und verteidigten sie mit juristischen und Einen Menschen aus dem Lebendigen zu vertilgen, weil er etwas philosophischen Argumenten. So Martin Luther, Erasmus Böses begangen hat, heißt ebensoviel als einen Baum umhauen, Calvin, Hugo Grotius, der große Bölkerrechtler, Spi- weil eine feiner Früchte faul ift." noza und Kant, der ähnlich wie Hegel die Todesstrafe als Bei der Schaffung des deutschen Strafgesetzbuches wurde die Aequivalent für den Mord ansah. Auf der anderen Seite die Rechts- Beseitigung der Todesstrafe vom Reichstag des Norddeut lehrer und Philosophen der Aufklärungszeit, wie Beccaria, der schen Bundes am 1. März 1870 mit 118 gegen 81 Stimim Jahre 1764 in seiner Schrift„ Von den Verbrechen und Strafen" men beschlossen. Bei der dritten Lesung des Gesetzwerkes die Berechtigung des Staates zur Vollziehung der Todesstrafe leug- erklärte der Justizminister Leonhard im Auftrage der Verbünnete und, ausgehend von der damals Staatsrecht und Philosophie deten Regierungen, daß diese von der Zurücknahme mehrerer der beherrschenden Theorie vom Staatsvertrage nachzuweisen versuchte, in zweiter Lesung gefaßten Beschlüsse des Reichstages das Zudaß der Staat fein Recht auf die Todesstrafe habe, weil der Ge- standekommen des Strafgesetzbuches abhängig machen müßten. Zu sellschaftsvertrag zwischen dem Staat und dem Einzelnen die Ein- diesen Beschlüssen des Reichstages gehörte vor allem der über die willignug des Individuums, sich töten zu lassen, nicht enthalte. Im Todesstrafe, die die Bundesregierung unter allen Umständen beiSelbst ein von Pland eingebrachter ZusatzZuge dieser Gedanken erklärte er die Todesstrafe nicht für ein behalten wollte. Recht, sondern für einen Krieg des Staates gegen den einzelnen antrag: In denjenigen Bundesstaaten, in welchen die Todesstrafe Bürger und damit für eine Abart des Mordes. Im gleichen Jahre, gesetzlich bereits abgeschafft ist, bewendet es hierbei" genügte der aber unabhängig von Beccaria, verteidigte der österreichische Pro-| Bundesregierung nicht. Er wurde vom Antragsteller zurückgenomfeffor der Politik Joseph von Sonnenfels in einer öffent- men, und nach einer großen Rede des Bundeskanzlers Bismard lichen Disputation zu Wien den berühmt gewordenen Satz:„ Die wurde die Wiederherstellung der Todesstrafe mit 127 Todesstrafen sind dem Endziel der Strafen entgegen: schwere an- gegen 119 Stimmen beschlossen. haltende öffentliche Arbeiten sagen demselben mehr zu und machen die Bestrafung des Verbrechers für den Staat nutzbar." Doch auch unter den Aufklärern war die Stellungnahme durchaus nicht einheitlich, bekannten sich doch Montesquieu, Rousseau und Karl Proteus GSteinmeh. Das Werden hervorragender Menschen und ihrer Arbeilen zu verfolgen, ist immer reizvoll, namentlich wenn die Darstellung den Zusammenhang mit den Zeitumständen und den besonderen Verhält niffen erkennen läßt, durch welche die Menschen geformt und zu den ihnen eigentümlichen Leistungen befähigt wurden. Es ist ja nicht so, daß irgendwelche geistige Großtat urplöglich aus dem Kopfe eines Genies entspringt wie in der griechischen Sage Pallas Athene aus dem Haupte des Göttervaters Zeus, sondern auch in Wissenschaft und Technik ist jede Leistung durch den gesamten Zustand der Zeit bedingt, und es ist immer mehr oder weniger zufällig, mit weichem Namen die Leistung in der Geschichte verbunden bleibt. Wäre 3. B. das schwächliche Siebenmonatskind Isaac Newton nicht zur Entwicklung gekommen, so wäre das allgemeine Massenanziehungsgesetz nicht etwa unentdeckt geblieben, sondern zu ungefähr derselben Zeit aufgestellt, in der Geschichte aber mit einem andern Namen verknüpft worden. Daß in unsern Tagen die Relativitätstheorie an den Namen Einstein gebunden ist, ist in gleicher Weise zufällig, der allgemeine Zustand der physikalischen Wissenschaft verlangte die Aufstellung dieser Lehre, die Zeu war für sie reif. Das tut natürlich dem Verdienste der betreffenden Männer nicht den mindesten Eintrag, und es ist, wie gesagt, stets überaus reizvoll, ihren Lebensweg und die oft seltsam verschlungenen Pfade zu verfolgen, auf denen sie zu ihren Entdeckungen und Leistungen gekommen sind. Die vorliegende Lebensgeschichte*) erfüllt die oben geforderte Aufgabe in keiner Weise. Der naive Leser muß vielmehr den Eindrud gewinnen, daß ohne Steinmetz die gesamte Elettrotechnik heute sehr erheblich hinter ihrer wirklichen Höhe zurückgeblieben wäre. Bei aller Anerkennung der großen Leistungen von Steinmetz ist das natürlich eine lächerliche Uebertreibung. Die Entwicklung hat gezeigt, daß die alte Abschreckungstheorie jeden Schein von Berechtigung verloren hat, und daß das Problem mit dem läppischen Scherzwort„ die Herren Mörder mögen anDr. Werner Peiser. fangen" nicht gelöst wird. Als Lebensgeschichte eines bedeutenden um die Entwicklung der Elektrizitätslehre und der Elektrotechnik hoch verdienten Mannes kann das Buch in keiner Weise empfohlen werden. Dr. Bruno Borchardt. Die Geschichte einer Kindheit. Im Bücherkreis sind jetzt drei Bände eines Kindheitsromans*) erschienen, die die Epoche jenes rätselhaften Ueberganges aus der Kindheit in das Land der Erwachsenen schildern. Man bekommt jedoch keine der heute modernen kunstvollen Seelenanalysen, die den inwendigen Mechanismus des Menschen säuberlich in seine Bestandteile zerlegen, ohne damit die Triebkraft zeigen zu können, die dieses Schicksal in Bewegung setzte. A. M. de Jong versucht sich nicht an gelehrten Geheimnissen; er schildert die Ereignisse, die im Ablauf einiger Lebensjahre für den kleinen Bauernjungen Meryntje Gensen bedeutungsvoll waren. Das Kind steht in einem färglichen, wenn auch von Not, die ihm fühlbar wird, kaum beschwerten Alltag, in der Enge einer bäuerlichen Welt, die von der Religion beherrscht wird. Eine Mauer von Geboten und Verboten türmt sich um Meryntje auf, und das Rind, natürlich fromm aus seinem großen Liebesbedürfnis heraus, ist bereit, diese Mauer als einen Schutzwall anzusehen, den ein strenger, aber gerechter Gott und seine irdischen Stellvertreter, die Erwachsenen, um sein fleines Dasein errichten. Denn Worte find für ihn noch Begriffe, und die Welt ist daher erfüllt von Wohlwollen und Aufrichtigkeit, Liebe und Gerechtigkeit. Stock- und Schick= falsschläge können in dieser Welt nicht unverdient fommen; und wenn fie Meryntje anscheinend grundlos heimsuchen, so grübelt er solange nach, bis er entdeckt hat, für welche verborgene Tat, zu welchem geheimnisvollen Zweck die göttliche Allwissenheit sie aus teilte. An dieser Schwelle der Erkenntnis beginnt Meryntjes persönAuch von den Beziehungen Steinmetz' zu seiner Familie erfährt man aus dem Buche nichts; das erste Viertel schließt mit der Fluchtliche Entwicklung, die ihn in Zwiespalt bringt mit den Erwachsenen, die seine Umwelt beherrschen. Er fügt sich nicht stumpf und artig Steinmez' aus Deutschland, er floh als junger Student heimlich dem Trott des Alltags ein, sondern er rettet sein eigenes Fühlen des Nachts aus seiner Vaterstadt Breslau, um einer ihm drohenden und Denken über die Grenzen der primitiven Kindheit herüber; er Berhaftung als Sozialiſt zu entgehen. Bon seinem schlafenden fann nicht begreifen, daß das Leben der Erwachsenen sich aufbaut Vater verabschiedete er sich, ihn weckend, mit den Worten: Ich fahre aus Aeußerlichkeiten, die sie Notwendigkeiten nennen und die doch für ein paar Tage zu einem Freunde", worauf der Vater lächelte, nichts anderes sind als Schutthaufen von Tradition und Egoismus, nickte und bald wieder einschlief. Leonard fügt hinzu:„ Er sollte Unverstand und Gedankenlosigkeit. Meryntje sucht in allem Geseinen Sohn nie mehr wiedersehen". Im ganzen folgenden hört man dann von irgendeiner Familienbeziehung nichts mehr, so daß der schehen die Zusammenhänge, er sucht die innere Notwendigkeit für jedes Tun und Lassen. Eindruck entsteht, der in Amerika erfolgreiche und mit Anerkennung und Ehren überhäufte Steinmetz habe nie wieder in Verbindung mit seiner Familie gestanden. Tatsächlich ist der Vater nicht lange nach der Flucht gestorben, aber mit Mutter und Schwestern stand Steinmetz in dauerndem brieflichem Verkehr, eine seiner Schwestern ließ er nach Amerika kommen und sie besorgte einige Zeit seinen Junggesellenhaushalt. Die Verhältnisse auf den höheren preußischen Schulen und die politischen Zustände der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sind sehr verzerrt und oft geradezu falsch dargestellt. Daß Lassalle 20 Jahre nach seinem Tode einer der Führer der deutschen Soziai demokraten genannt wird, zeigt, wie wenig Sorgfalt der Verfasser aufgewendet hat, sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen, von denen er spricht. Auch der Sat:„ Die Verfolgung der Sozialisten war sehr milde. Die Höchststrafe war ein bequemer Aujenthalt im Gefängnis, der keine Schande nach sich zog", wird von denen, welche die ganze Brutalität der preußisch- deutschen Verfolgungen unter dem Bismarckschen Schandgesetz mit erlebt und am eigenen Leibe zu spüren bekommen haben, nur mit Kopfschütteln aufgenommen werden. *) Jonathan Norton Leonhard, Das Leben des Karl Proteus Steinmez. Aus dem Amerikanischen überseht von Rudolf Nutt. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Berlin, Leipzig, 1930. 242 Gehen, In Leinen geb. 7,50 m. Meryntjes Weg in die Einsamkeit beginnt. Ergreifend schildert de Jong die Freundschaften, die das Kind auf der ersten Strecke dieses Weges findet: Menschen, die wie er den Wundern der Welt mit offenen Augen gegenüberstehen, die aber immer wieder blind in die Fallen menschlicher Bosheit und Dummheit hineintaumeln. Und dann verwehen die Stürme des Schicksals einen nach dem anderen; der Bagabund Krug sigt im Gefängnis, der alte Pfarrer ist tot, Fliereflöter, sein seltsamer Küster, der nur aus Liebe zu dem franken Pfarrer das ihm widerstrebende Kirchenamt annahm, durchzieht wieder die Welt; Meryntjes Schüßling, der furchtsame, bärenstarke Idiot Fons wird von dem natürlichen Verlangen nach dem Weibe in Schuld und Verbrechen gestürzt. Ein junger Geistlicher kommt ins Dorf; er verkündet wieder den Gott des Zornes und der Rache, vor dem sich schon seit Generationen die Bauern demütigten und von dessen engherziger himmlischer Weltanschauung sie ihre irdische bezogen. Meryntjes Gott der Liebe, den der alte Pfarrer predigte und für den die Atheisten Krug und Fliereflöter mehr Verständnis aufbrachten als die Dorfbewohner, wird entthront. Das Kind sieht die Welt, die dieser Gott zu regieren schien, zusammenbrechen, nachdem die wenigen Menschen, die sie gestützt haben, daraus verschwunden sind. Trude E. Schulz. 2. M. de Jong: Meryntje Gensens Rindheit ( 3 Bande: Berrat; Der feltfame Küfter; Einfältige Kinder). SalEPS vo APOMENER IN FORTINGA Erfinder des Original Bul Markengeich 1827 851 N- 58158 NA Erhältlich LApotheken uDrogerien Vertrieb fUS.A. Glogau& Co vorzüglich Sodbrennen Bullrich- Salz bei 250 gr 0.50 Tabletten 0,25 u.1,50 Chicago