Berliner Volks- Tribüne. Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg.( frei ins Haus).- Einzelne Nummer 15 Pfg. Vom 1. Oktober ab durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.- Bei direkter Zusendung unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mt. 60 Pfg. Redaktion und Erpedition: S. O.( 26). Oranien- Straße 23. №o. 2. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 13. August 1887. Ausgabe für Spediteure: " Merkur" Zimmer- Straße 54. I. Jahrgang. Der Stickerei- Verband in der Schweiz. unnachsichtlich und strenge ihres Amtes walten, strenger nur aus dem Grunde fernbleiben, weil sie, geschützt durch die Lohnals Fabrik- Inspektor und Behörden. Ju die elfstündige beſtimmungen des Verbandes, den verbandstreuen Häusern eine Die Planlosigkeit, die unter der Herrschaft der freien Arbeitszeit eingerechnet sind die Arbeiten der Fensterreini: furrenz der Verband in furzer Zeit unhaltbar würde und zusammenruinöse Konkurrenz machen können; b) daß durch diese KonKonkurrenz" in der Produktion ihr Unwesen treibt, hat gung, der Säuberung der Arbeitslokale, das Pußen der brechen müßte; c) daß wir den Zusammenbruch des Verbandes bekanntlich in mehreren Industriezweigen schon dazu ge- Maschinen, der Frühstücks- und Nachmittagspausen. Außer- für ein Landesunglück von unberechenbarer Tragweite halten, weßhalb führt, sogenannte Kartelle abzuschließen, um durch gegen- halb der 11 Stunden giebt es also in der Fabrik gar wir beschließen: sämmtliche Nichtverbands- Exportfirmen mit allen uns seitige Verpflichtungen einigermaßen Ordnung zu schaffen feinen Aufenthalt. Die Wirkung dieser Maßregel ist eine zu Gebote ſtehenden Mitteln zu zwingen, entweder dem Verbande beizutreten oder ihre Geschäfte aufzuheben. und so viel wie möglich einer Ueberproduktion vorzubeugen. so günstige, daß vielleicht in nächster Zeit eine weitere Gestützt hierauf verpflichten wir uns mit Unterschrift, jeden, der Die natürliche Folge davon ist vielfach für Unter- Arbeitszeitreduktion stattfindet und dürfte dann der Sonn- mit diesen Firmen arbeitet( Brenner, Bleicher, Appreteure, Färber, nehmer ganz angenehm ein Steigen des Preises der abend- Nachmittag freigegeben werden. Was aber den Ver- Ausrichter, Zeichner, Schreiner, Spediteure 2c.), unsere Arbeit und betreffenden Waare, ein Ueberwiegen der Nachfrage nach dienst der Sticker anbelangt, so fann derselbe allerdings über 3 Monate bei denselben verbleiben, bei eventuellen späteren Anunsere Aufträge zu entziehen und Angestellte dieser Häuser, die noch Produkten über das Angebot derselben, in vielen Fällen nicht glänzend genannt werden; sie verdienen 5-6 Frcs. ftellungsgesuchen abzuweisen". aber auch eine Verminderung der Arbeiterzahl, so daß pro Tag, wovon sie aber einen Hilfsarbeiter oder eine Zur Ausführung dieser Beschlüsse wurde ein fünfderen mehr oder weniger arbeitslos gemacht werden. Was Arbeiterin, verschiedene Materialien und Ratenzahlungen gliedriges Comitee gewählt. Dieses Vorgehen involvirt dem Unternehmer nüßlich, ist auch hier dem Arbeiter oft auf ihre Stickmaschinen zu leisten haben. Man schäßt das einen Boykott in energischster Form und in der That verhängnißvoll. Die heute übliche„ Ordnung der Produk Lohneinkommen eines Stickers auf 900 Fres.(= 750 hat er soviel genutzt, daß seitdem weitere Firmen dem tion" geschieht also durchaus im Interesse der Unter- Mark), welches bei den bedeutenden Lebensmittel-, Woh- Verbande beigetreten sind. nehmer aber sie bietet doch mitunter manche Vortheile nungs- nnd Kleiderpreisen 2c. sehr, sehr geringfügig ist. Daß aber bei der Herrschaft des Stickerei- Verbandes auch für die Arbeiter. Im Verbande befinden sich drei Klassen: Unternehmer, und seiner sonst anerkennenswerthen Thätigkeit der Sticker, Im Dezember 1884 war es, daß einige Stickerei Fergger( Werkführer, Vermittler) und Sticker( Arbeiter). der Arbeiter doch immer nur ein armer Teufel, ein vom Fabrikanten in Werdenberg im Kanton St. Gallen die Die Fergger als Mittelspersonen betrieben ehedem das Elend verfolgter Proletarier bleibt, liegt in unserem kapiGründung eines Stickerei- Verbandes in der Schweiz und Profitmachen von den Arbeitslöhnen so unverschämt, daß talistischen Wirthschafts- System. Die Arbeiter haben aber eventuell darüber hinaus anregten. Diese Idee fand all- der Verband ein eigenes Reglement für sie aufstellen mußte, nun Veranlassung genommen, einen eigenen Fabrikseitig günstige Aufnahme und so konnte nach mehrfachen das natürlich nicht überschritten werden darf, denn die Sticker- Verband" zu gründen und ist dessen ZentralVorbesprechungen und Berathungen im Juni 1885 der Arbeiter sollen gute Kontrolle üben. Für die dem Sticker leitung in Goldau, Kanton St. Gallen, unablässig thätig, Verband schon ins Leben treten. Fast in allen betheiligten zurückgeschlagenen schadhaften Arbeiten ist vom Verbande denselben in seinem Innern auszubauen. So ist bereits Kreisen wurde der neue Verband mit Freuden begrüßt und eine Verkaufsstelle errichtet, derselbe hat ferner eine Unter- ein zentralisirtes Arbeitsnachweis- Bureau, ähnlich denen man knüpfte daran die weitgehendsten Hoffnungen. Der stüßungskaffe gegründet, ein Schiedsgericht errichtet und der englischen Gewerkschaften, eingerichtet und ebenfalls größte Theil der Sticker trat dem Verbande sogleich bei giebt sein eigenes Verbands- und Fachorgan„ Die Stickerei das Institut des Schiedsgerichts schon begründet, dessen und so zählt gegenwärtig derselbe mit Einschluß von Industrie" heraus, das in St. Gallen wöchentlich erscheint. statutarische Bestimmungen ihrer zweckmäßigen Einfachheit Sachsen, Württemberg, Bayern und Vorarlberg nahezu An der Spiße des Verbandes steht ein Central- Comitee, wegen alle Anerkennung verdienen. 22 000 Stickmaschinen. Dieser geradezu überraschende Er- das alle Obliegenheiten des Verbandes regelt. Wie es mit der ökonomischen Lage des Stickers steht, folg kann erst genügend gewürdigt werden, wenn man die Um eine gewisse Einheitlichkeit in der Produktion, darüber lassen wir zum Schlusse diese Arbeiter selbst Verhältnisse in der Stickerei- Industrie etwas näher be- den Arbeitslöhnen und den Waarenpreisen herbeizuführen, sprechen, indem wir die Schlußworte eines im„ St. Galler trachtet. reisten zwei Mitglieder des Central- Comitees nach Sachsen, Stadt- Anzeiger" veröffentlichten Aufrufs zitiren. Es heißt Zu diesem Behufe wollen wir einen Rückblick auf die um daselbst ein gleiches Vorgehen zu veranlassen. Auch da unter anderem: Wie steht es mit den Arbeitern und Entwicklung dieses Gewerbszweiges werfen. Wie in jeder diese Versuche in Sachsen waren von Erfolg begleitet. ihren Familien? Die Noth und das Elend ist groß, nur anderen Branche ging es auch hier nur stufenweise vor- Die großen vorhandenen Waarenlager sind zum durch vereinte Kraft, durch einträchtiges Vorgehen ist es wärts und datiren die mechanischen Fortschritte in größten Theil erschöpft, so daß der Ueberproduktion mit möglich, den richtigen Weg in kürzester Frist zu finden. derselben nicht weit zurück. So wurde erst im Jahre 1851 Erfolg entgegengewirkt worden ist. Natürlich sind in der Um aber alles zum guten Ziele zu führen, ist die Betheieine brauchbare Stickmaschine erfunden und in St. Georgen Folge auch die Preise der Stickereiwaaren gestiegen. Bei ligung aller Arbeiter nothwendig. Säume deshalb kein bei St. Gallen fabrizirt, die indessen seitdem bedeutende vielen Aufträgen wird jedoch die Arbeitszeit verlängert, wo- Sticker( Einzel- oder Fabrikarbeiter), sich der Vereinigung Verbesserungen erfahren hat. Im Jahre 1872 waren der durch allerdings die wohlthätigste Bestrebung des Verbandes anzuschließen, dann ist der Sieg unser. Genossen, reicht artige Maschinen in der Schweiz im Betriebe 6000, 1882 paralyfirt wird. die Hand zum Bunde In dieser Noth- und Trübsalsderen schon 14 000 und 1884 18 000. In Sachsen sind Das ist im Wesentlichen die Entwickelungsgeschichte stunde." im Betrieb über 4000, in Vorarlberg 2600, in Frank- und Thätigkeit des schweizerischen Stickerei- Verbandes bis Ueberblicken wir nochmals die gegebenen Ausführeich 1500, in Böhmen 300 und einige weitere Hundert etwa zu Anfang des Jahres 1887. Seitdem ist mancher rungen, so kommen wir also zu folgenden Ergebnissen: in Bayern, Württemberg, Belgien, Nordamerika u. s. w. Fortschritt gemacht worden. Die Anarchie, die Regellosigkeit der Produktion ist Gegenwärtig sind in dieser Industrie, die sich in der Zunächst wurde der Hebel angesezt gegenüber jenen heute eine so große, daß sich selbst den Unternehmern die Schweiz auf neun Kantone ausdehnt, 40 000 Personen Fabrikanten und Kaufleuten, welche es bis dahin aus Nothwendigkeit einer einheitlicheren Leitung aufbeschäftigt und gehört somit diese Induſtrie mit zu den irgend welchen Sonderinteressen verschmäht hatten, dem drängt. hervorragendsten dieses Landes. Verbande beizutreten. Es war in einer Versammlung am Diese einheitlichere Leitung durch und für die konInteressant ist nun zu sehen, wie sich mit der Aus- 26. Juni in St. Gallen, in der ca. 150 Vertreter von furrirenden Unternehmer kann freilich sehr leicht jeden dehnung dieser Industrie in der Schweiz die Arbeitslöhne St. Galler Häusern anwesend waren. In dieser Zusammen- Augenblick durch das Widerstreben gewinnsüchtiger Einverringerten. Im Jahre 1872 wurden für 100 Stiche funft wurden die Verhältnisse, wie sie in der Stickerei- zelner wieder zusammenbrechen. Bleibt sie aufrecht erhalten, 52 Centimes(= 41 Bf.), 1884, nachdem in der Zwischen Industrie bestehen, erörtert und die Uebelstände hervor- so erspart sie aber dem Kapital manche Verluste, indem zeit bedeutende Schwankungen stattgefunden, nur noch 26 gehoben, wie sie durch das Fernbleiben einer größeren durch die Beschränkung der Produktion unnüße KapitalEts. Lohn gezahlt, also ein Rückgang von vollen 50 pct. Anzahl von Firmen von dem Verbande hervorgerufen anlagen und durch die Regelung des Absages und der Als 1878 das Fabrikgesez in Kraft trat, flüchtete wurden. Hauptsächlich schädigten die fernstehenden Firmen Preise unnüße Reibungen unter den Konkurrenten verman sich mit seiner Maschine aus der Fabrik in's Haus, die ganze Stickerei- Industrie dadurch, daß sie unter den mieden werden. 11 um als Hausindustriearbeiter dem Normalarbeitstage vom Verbande vereinbarten Preisen verkaufen, geringere Für die Arbeiter ergiebt sich aber im allgemeinen zu entfliehen; es wurden jeden Tag 15, 16, 17 Löhne zahlen, die Arbeiter dem Verbande abtrünnig machen nur der Vortheil, daß der wilde Wechsel zwischen UeberStunden gearbeitet. Die ausgedehnte Hausindustrie und das Ansehen des Verbandes im Auslande mit allen arbeit und Arbeitslosigkeit gemildert, die Arbeit eine dieser Schluß ist erlaubt hat den kolossalen Lohnfall Mitteln zu untergraben suchen und das Land mit neuen stetigere wird. Der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit zur Folge gehabt. Diese nunmehr so gesunkenen Arbeits- Maschinen überschwemmen. Eine und zwar die wichtigste bleibt jedoch voll und ganz bestehen, der Lohn überschreitet Löhne weckten die Spekulation und diese rief sodann eine der Nicht- Verbandsfirmen hatte in Vorahnung der Be- daher auch hier die Grenze des nothwendigen Lebensunterimmer wildere Produktions- Anarchie hervor. Diese zu schlüsse, die da gefaßt werden dürften, eine Stunde vor haltes nicht. Ja, die Vereinigung der Unternehmer stärkt stände waren es, welche die Gründung eines zentralisirten Eröffnung der Versammlung kapitulirt und den Eintritt fogar deren Macht und sie fordert daher mindestens als Verbandes wünschenswerth erscheinen ließen, ja nothwendig in den Verband mit sämmtlichen Maschinen, ca. 400, be- Gegengewicht die Bildung starker Organisationen der bingungslos erklärt. Für den Fall, daß diese Firma ihren Arbeiter. machten. Sehen wir uns einmal die bisherige Wirksamkeit Verpflichtungen nicht ganz und voll nachkommen sollte, Das Endziel muß aber auch hier bleiben: die dieser Vereinigung an. Der erste und größte Erfolg und wurde beschlossen, ihr eine Conventionalstrafe von 10 000 Fr. die Beherrschung und Regelung der Produktion durch und zugleich ein Erfolg für die Arbeiter bestand in der strengen aufzuerlegen. Gegenüber den anderen Nicht- Verbandsfirmen für die Arbeiter. Dann erſt werden wir zu haltbaren Durchführung der 11stündigen Arbeitszeit, gegenüber wurde das Vorgehen des Verbandes in folgender Resolution Buständen gelangen. dem bis dahin herrschenden Normalarbeitstage von ausgesprochen: 16 Stunden. Ferner wurde der Lohn erhöht von 26 Wir Kauflente von St. Gallen und Umgegend sind nach Anauf 28 Gts. pro 100 Stiche. In allen Orten bestellte hörung eines bezüglichen Referats und nach Prüfung der Sachlage nunmehr der Verband Mitglieder als Kontrolleure, welche überzeugt: a) daß die Nichtverbands- Exporthäuser dem Verbande Arbeiter-Wittlven. In einem Staate der nordamerikanischen Union, Massachusetts, gießt es nach dem letzten Census 76 373 mehr Frauen als Männer und davon sind 65 004 Wittwen. Die Gesammtzahl der Wittwer im Staate beziffert sich auf 32 154, die der Wittwen auf 97 158, mehr als dreimal so viel! Mehr als die Hälfte davon ist noch nicht 40 Jahre alt und 29 004 weitere zählen erst zwischen 20 und 30 Sommern, sind also Frauen, welche eifft wenige Jahre Gattin und Mutter waren, als sie durch den Tod des Mannes und Ernährers schon — überflüssig und verlassen wurden. Woher dieses gewaltige Uebergewicht an Wittwen? Der„Herold", ein angesehenes amerikanisches Blatt gießt folgende Antwort darauf: „Ein sehr großer Theil dieser Frauen sind die Witlwen von Männern, über deren j ähen Tod in tausend verschiedenen Arten wir Morgens und Abends in den Zeitungen lesen — den jungen Lohnarbeitern. Das Bild, welches sachkundige Beobachter für diese Behauptung entwerfen, ist ein erschreckendes und wohl geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen und eine weise Gesetz- gebung als ein Mittel zur Beseitigung der Ursachen zu fordern. Als Hauptursache des frühen Todes so vieler Männer finden wir das Gefährliche der Beschäftigung eines sehr großen Theils der Lohnarbeiter von Massachusetts. Bon den Fifcherleuten, die von Gloucester aus in See stechen, kommen jährlich 90— 160 nicht mehr zurück; 116 derselben fanden letztes Jahr ein nasses Grab, nachdem ihre Boote an den Bänken von Neufundland zerschellt waren, und kaum besser fahren die Seeleute, die von der Massachusettser Küste aus den überseeischen Kauffahrteidienst u. s. w. besorgen. Schrecklich wie das Laos dieser Leute ist, noch größere Opfer an Menschenleben fordern jährlich die Eisenbahnen und Jndustriewerke des Staates. Während der zehn Jahre von 1875 bis 1885 kamen auf den Eisenbahnen im Staate im Durchschnitt jährlich 34,1 Bahnbedienstete um; die Durchschnittszahl der Verletzten betrug für dieselbe Periode 130 und diesen ist ihre Verletzung unzweifelhaft in vielen Fällen auch die Ursache eines vorzeitigen Todes geworden. Von dem Bahndienst fernstehende Personen fanden während dieser zehn Jahre im Durchschnitt jährlich 97,9 allein beim Uebergang über die Bahngeleise ihren Tod, meistens Arbeiter, die auf dem Wege zu oder von der Arbeit den Bahnwcg benutzten, weil derselbe sie ihrem täglichen Ziele in geraderer Linie zuführt als die Landstraße. Zählt man dazu noch die vielen Opfer an Arbeitern, welche der Betrieb von Minen, von Mühlwerkcn und Fabriken jährlich fordert, dann erklärt sich zum Theil der stetig sich inehrende Ueberfluß an Witlwen in Masiachusetts; jeder dieser Unfälle macht Wittwen und Waisen. Läßt man sodann nicht aus dem Auge, daß gerade um der gefahr- vollen Art solcher Beschäftigungen zu entgehen und weil ihnen die heimische Scholle wenig mehr bietet, die jungen Massachusettscr in hellen Haufen auswandern, um im Westen ihr Glück zu suchen, dann ergiebt sich auch, wie es kommt, daß der Bai-Staat bei einer Be- völkerung von weniger als 1500 000 Seelen über 76 000 mehr Frauen als Männer hat." Diese Erklärungen erschöpfen zweifellos die Ursachen der besprochenen Erscheinung noch nicht. Zahlreich, wie die gewaltsamen Todesfälle unter den Arbeitern sind, reichen sie doch nicht aus, um eine so riesige Zahl von Wittwen zu erklären. Hier kommt die kurze Lebens- dauer der Jndustrie-Arbeiter überhaupt in erster Linie in Betracht. Die Fabrik-Arbeit bei langer Dauer der Arbeitszeit und bei den schlechten sanitären Bor- kehrungen in den Fabriken; die ungeheure Leistung, welche verlangt wird, reibt den Körper rasch auf, namentlich wenn ihm bei kärglichem Lohn nicht genügender Ersatz für die verbrauchten Kräfte zugeführt werden konnte. Daß das in den Bereinigten Staaten so gut wie in Europa sehr häufig der Fall ist, weiß jeder Kundiger. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Lohnarbeiters in den Bereinigten Staaten wird auf 35 Jahre ange- nommen. Der Kapitalismus schmälert nicht nur künstlich das Einkommen des Arbeiters, sondern auch seine Lebens- daner. Die entsetzlich große Anzahl von Wittwen in jenem Industriestaat— und dasselbe Berhältniß muß wohl bei ähnlichen Zuständen auch anderwärts vorhanden sein— ist also handgreiflich zurückzuführen auf soeiale Einrichtungen. Es ist ein„unnatürlicher" Zustand, wie er„unnatürlichen" Einrichtungen entspringen muß. Mögen sich die Arbeiter-Frauen diese Thatsachen fest einprägen und daraus erkennen, welches hohe In- teresse sie und ihre Kinder an der Umänderung des heutigen Systems des Kapitalismus haben. Bon nahe liegenden Gründen ausgehend, trachten sie nur zu häufig darnach, ihre Gatten von der Arbeiter- Bewegung zurückzuhalten. Mögen sie sich fragen, was ein kleines Opfer an Zeit und Geld bedeutet, wenn es sich darum handelt, solche schädliche Verhältnisse zu be-- seitigen, die ihnen den Gatten in der Blüthe der Jahre. rauben und ihre Kinder zu bemitleidenswerthen Waisen' machen! fähr 10 bis 11 Millionen Hektoliter. Jetzt dagegen ge- langen jährlich nicht weniger als 260 bis 270 Millionen Hektoliter Getreide und 14 bis 15 Millionen metrische Centner(1 metrischer Centner— 100 Kilo, also 200 alte Pfund) Mehl zur Ausfuhr und nahezu ebenso viel umge- kehrt zur Einfuhr, so daß man den Gesammthandel auf mindestens 550 Millionen Hektoliter Getreide und 25 Millionen met. Ctr. Mehl veranschlagen kann. Während Rußland zu Anfang unseres Jahrhunderts jährlich 3,5 Millionen Hektol., um die Mitte des Jahrhundens etwa 11 Millionen Hektol. Getreide ausführte, hat es in den Jahren 1880 bis 1884 jährlich zwischen 50 und 83 Millionen Hektol. Getreide und Mehl in alle Theile Europas abzugeben vermocht. Nordamerika exportirte noch zwischen 1840 und 1850 jährlich im Durchschnitt nur 5 Millionen Hektol., jetzt ist es mit 70 bis 100 Millionen jährlich am inter- nationalen Getreidehaudel betheiligt. Britisch Ostindien hat seinen Weizenerpon von 1 069 076 engl. Ctr. im Jahre 1874 bis 1875 auf 15 831 754 im Jahre 1884/85 gesteigert. Umgekehrt hat England in den Jahren 1800 bis 1810 nur etwa 1,6 Millionen Hektoliter Weizen und einige hunderttausend Centner Mehl eingeführt, während es jetzt durchschnittlich 36 Millionen Hektoliter Weizen und 8 Millionen Ctr. Mehl vom Auslande kaufen muß. Thatsächlich ist dadurch das Getreide das weitaus wichtigste Handelsgut im internationalen Verkehr geworden. Die Folgen dieses Umschwungs find geradezu im- geheure. Darauf wollen wir hier nur kurz hinweisen, daß Europa nunmehr vor jeder Lebensmitteluoth und Hunger- epidemie geschützt ist; sollte feine eigene Ernte zu kärglich ausgefallen sein, so stehen ihm stets die reichen Hülfs- quellen der überseeischen Länder unumschränkt zur Verfügung. Viel wichtiger scheint uns jedoch die bedeutsame soziale Umwälzung, daß nunmehr auch die Landwirth- schaft in den Strudel der Wellwirthschaft hineingerisien und darauf angewiesen ist, entweder zu Grunde zu gehen oder denselben fpekulativ-internationalen Charakter anzu- nehmen, den der Kaufmannsstand schon seit Jahrhunderten, der industrielle Stand bereits seit vielen Jahrzehnten be- sitzt. Mit anderen Worten: je mehr der internationale Charakter der Landwirthschaft wächst, desto näher rückt die letzte Stunde für den Bauer des alten Schlages, der nur mit der nächsten Nachbarschaft zu verkehren brauchte und darum ganz in bornirten provinziellen und„nationalen" Vorurtheilen aufging. Ter alte harte Baueruschädel mit seinen konservativen Schrullen stößt jetzt mit den über- mächtigen Thaisachen der modernen Welt zusammen und er wird entweder in Stücke gehen oder seine Vorstellungen der modernen Welt anpaffen. Gleichviel, wie die Tinge hier verlaufen werden, das letzte und stärkste Bollwerk der alten Welt- und Gesellschafts- auffassung ist auf die eine oder die andere Weise zum Untergang verurtheilt, gerade wie der Stand der Hand- werker mit seiner eigenen Ideenwelt und Politik ebenfalls zu Grunde geht und zu immer größerer Einflußlosigkeit herabsinkt. Wir unterschätzen die Schwierigkeiten der Uebergangs- zeit gewiß nicht, so wenig wie wir etwa die Qualen des untergehenden Handwerks bestreiten oder gar beschönigen wollen. Aber wir sehen keinen Grund, warum wir uns um gewisser Uebergaugsschwierigkeiten willen eine Zukunft versperren sollten, in welcher die politische und soziale Entwickelung des Menschengeschlechtes einen ungeahnten Aufschwung nehmen muß. Ueberlaffen wir die verlorene Liebesmühe, einen alten, durch seine Wirthschastsgewohnheiten in Vorurtheilen beschränkten und darum fortschritts- und freiheitsseindliclirn Stand zu erhalten, den Leuten, welche ein politisches und soziales Interesse daran haben. Wir haben nur Ursache, uns darüber zu freuen, daß das festeste Bollwerk der konserva- tiven Bestrebungen durch die immer höher steigenden Wellen des modernen internationalen Verkehrs zernagt und unter- waschen wird. Zehn Millionenslhenkung! Die Znternationalität in der Land- niirthslhajt. Die enormen Fortschritte der Jntentationalität im Wirthschaftsleben spiegeln sich vielleicht am schärfsten wieder in den Wandlungen des Verkehrs mit Lebensmitteln. Noch vor wenigen Jahrzehnten hielt man im all- gemeinen dafür, daß die Lebensmittel in möglichster Nähe der Orte des Consumes erzeugt werden müßten; hätte man etwa Getreide weither transportiren wollen, so würden die Transportkosten allein sehr bald den Werth des ganzen ursprünglichen Produktes überschritten haben. Als andere Gewerbszweige schon längst einen internationalen Charakter angenommen hatten und für den Weltmarkt zu arbeiten begannen, da war und blieb die landwirthschaftliche Pro- duktion, insbesondere die Produktion von Getreide, noch immer eine nationale, ihre Erzeugnisse überschritten nur selten die Grenzen des Staates, in dem sie ihren Ursprung hatten. Noch vor etwa hundert Jahren schätzte Turgot den ganzen internationalen Getreidehandel auf jährlich unge- □ Ter alte Krupp hat, als er starb, seinen Arbeitern eine Million geschenkt, natürlich Mark, das sind Zehn- Millionen Groschen. Denke:„Zehumillionen!!" Das klingt noch besser. Diese Zehnmillionen sollen für das Wohl der Arbeiter verwendet werden. Wie, scheint nicht weiter bestimmt, das ist dem Nachfolger, Krupp junior, überlassen. Warum hat Krupp der Aeltere dieses Geld nicht schon bei Lebzeiten für das Wohl der Arbeiter verwendet? Er hatte dazu ja Zeit, Geld und Gelegenheit genug. Warum fiel ihm„das Wohl der Arbeiter" hauptsächlich nur dann ein, wenn er Einrichtungen treffen konnte, die Arbeiter mehr an sein Etablissement zu fesseln? Mögen „seine Häuser", in welchen die Arbeiter gewisse Zeitungen nicht halten und lesen dürfen bei Strafe der Kündigung, nicht auch so etwa zehn Millionen Groschen gekostet haben? Wenn nun diese 10 Millionen auch zu ähnlichem„Wohle" angelegt werden, was haben dann die Arbeiter davon? Die Sache scheint in sehr gutem Gang. Krupp der Jüngere hat durch Ukas den Arbeitern die frohe Botschaft verkündet. Die Verwaltung der zehn Millionen übernimmt ein Ausschuß aus Arbeitern und Beamten, die Krupp junior beide ernennt. Aber lieber Herr Krupp der jüngere, wozu denn noch dieser Ausschuß? Bestimmen Sie doch gefälligst selbst, welche neue„Wohlthaten" für die zehn Millionen ihren Arbeitern zu Theil werden sollen. Die Frage, warum hat Knipp der Aeltere nicht bei Lebzeiten in den Beutel gegriffen? haben wir nicht recht beantworten können. Sollten vielleicht die Gestalten der um ihrer politischen und kirchlichen Gesinnung willen gemaßregelten Arbeiter..? Doch fort damit, die Krupp'schen Arbeiter werden schon sehen, wozu 10 Millionen Groschen, die ein er- nannter Ausschuß verwaltet, gut sind. Wir haben in anderen Kreisen einmal einen Fall gehabt, der uns nachdenklich stimmt. Ein als sehr geizig bekannter, sehr reicher, nicht jüdischer Banquier feierte ein sehr seltenes Famlienfest in sehr hohem Alter.* Mau glaubte allgemein, es werde die Erinnerung au dieses Fest durch eine reiche Stiftung irgend welcher Art für immer feststellen. Man machte darauf hin Andeu- tungen und er sagte endlich:„Nun was denkt Ihr, 100 000 Mark, das wäre doch anständig." Der Mann besaß so ein Dutzend Millionen Mark im Vermögen und man hatte wohl mehr erwartet, gab sich aber zufrieden. Er sprach nicht weiter darüber, man war also gespannt auf die Ueberraschung. Ter Festabend kam, das Familien- Haupt erhob sich und erklärte feierlich, er habe 100 000 Mark in seinen Büchern seinen nächsten Leibeserben gutschreiben lassen, auch für jede dieser Personen ein Conto augelegt, aber abheben könnten ste das Geld nicht. Nicht wahr, es gießt auch recht billige Geschenke! Mögen die Krupp'schen Arbeiter besser fahren, das ist unser Wunsch. Bis jetzt liegt aber, trotz aller schönen Redewen- düngen, weiter nichts vor, als daß Krupp junior eine Million zu freier Verfügung geerbt hat. Ausnahmegesetze. Wenn jemals die Geschichte eines Landes bewiesen hat, daß man durch polizeiliche Zwaugsgesetze weiter nichts erreicht, als daß man die Lösung einer Frage hinausschiebt, um dann, wenn sich der Zündstoff um so massenhafter an- gehäuft hat, zu um so heftigeren und tiefergreifenden Zugeständnissen genöthigt zu sein— so hat es die Geschichte Irlands, der von der Natur so reich ausgestatteten„grünen Insel" bewiesen, deren bäuerliches Volk heute seiner Be- freiung näher steht als jemals, obwohl ein Ausnahme- gesetz seiner harrt, das vielleicht härter ist als jedes frühere. Welche Gewaltakte sind in Irland seitens der Herr- schenden verübt wordeil, wie viele Tausende haben lange Jahre ihres Lebens in Gefängnissen vertrauert, wie viele Hunderttausende sind von ihrem väterlichen Boden ver- trieben worden oder elend des Hungers gestorben— und doch, in welchem Maße ist der politische Einfluß der irischen Bevölkerung gewachsen, wie nahe sind heute alle, auch die ehemals mit Blut und Eisen verfolgten irischen Forderungen ihrer Erfüllung! Alle Ausnahmegesetze zusammen haben auch nicht eine gereckte Forderung der Iren abschwäcken können, dagegen haben sie einen Haß großgezogen, ohne den die Stellung der englischen Macht- habet heute eine wesentlich leichtere sein würde. Wenn die Geschichte der Vergangenheit dazu da ist, um für die Gegenwart daraus zu lernen, dann sollten unsere deutschen Befürworter von Ausnahmemaßregeln ein- mal die Wirkungen der irischen Ausnahmegesetze studiren. Es würden ihnen alsdann wohl einige Bedenken aufstoßen. Wir bringen— unfern Gegnern zum Verdruß, unseren Freunden zum Trost— über die nutzlosen Ver- folgungen und Leiden der Jrläuder eine Uebersicht nach der liberalen Londoner„Pall Mall Gazette." Tieselbe beginnt mit dem Jahre 1837, dem Zeitpunkte des Regie- ruugsanlritts der Königin Viktoria: 1837: Gust. de Beaumont, der französische Schrift- stellet, sagt:„Ich sah den Indianer in seinen Wäldern, den Neger in Ketten, und ich wähnte den niedrigsten Grad menschlichen Elends gesehen zu haben; ich kannte jedoch noch nickt die Lage Irlands...." 1838: Der Herzog von Wellington erklärt, daß es niemals ein Land gab, in welchem eine solche Armuth besteht wie in Irland.—(1) Ein Gesetz gegen Besitz von Waffen wird erlassen. 1839:„Zum Nutzen und Frommen einer kleinen Zahl von übermülhigen, gefühllosen, habgierigen Grundbesitzern opfert man das Wohlergehen von Millionen." Times über Irland, 25. Oct. 1839.—(2) Gesetz gegen unerlaubte Eide wird angenommen. 1840:(3) Verlängerung des Gesetzes über Besitz von Waffen. 1841:(4 und 5) Zwei Zwangsgesetze gegen Ausschreitungen und Besitz von Waffen. 1842: Unruhen wegen Mangel an Lebensmitteln. Zahlreiche Ausschreitungen. 1843:„Menschen leiden und sterbeil nach Millionen", Thackeray, Irisches Skizzenbuch.—(6 u. 7) Neues Gesetz gegen den Besitz von Waffen und ein alle vorher- gehenden Zwangsgesetze vereinfachendes Ausnahmegesetz. 1844: Kohl, ein deutscher Reisender, beschreibt dieses Jahr:„Ich zweifele sehr, ob in der ganzen Welt ein Volk zu finden ist, welches solche Entbehrungen zu tragen hat wie die Pächter in Irland." Reisen in Irland.—(8) Gesetz gegen ungesetzliche Eide.—„Wir haben eine verhungernde Bevölkerung, eine außer Landes lebende Aristo- kratie, eine andersgläubige Staatskirche und zu alledem die hilfloseste exekutive Gewalt in der Welt: darin besteht die irische Frage." Disraeli, Haus der Gemeinen, 16. Febr. 1845:„Das Volk hat nichts zu essen. Dasselbe leidet eine wirkliche, aber künstliche Hungersnoth." Times, 26. Juni.—(9) Gesetz gegen ungesetzliche Eide. 1846: Hauptmann Wynne, ein Regierungsbeamter, berichtet zu Anfang des Jahres:„Hungersnoth nähert sich uns mit Riesenschritten."— Anfang der großen Hungersnoth.—(10) Wie als Antwort darauf: Gesetz zur V er- mehrung der Polizei.—„Wir haben Irland, ich erkläre es mit Ueberlegung, zum niedrigsten und Unglück- lichsten Lande der Welt gemacht." Lord John Rusiell. 1847:(11) Ausnahme-Gesetz.—„Wir treiben sechs Millionen Mitbürger zu Verzweiflung und Wahnsinn." Mr. Brougham, Haus der Gemeinen.— Große Hungersnoth.—„Das Volk von England hat mit großer Schuld uud Thorheit eine nationale Schaudthat geschehen lasien. Die Grundbesitzer handhaben ihr Recht mit eiserner Hand und verleugnen ihre Pflichten mit eherner Slirne." Times, 27. Febr.— 89,738 Auswanderer schifften sich ein uach'Canada.„Vor Ende des Jahres war jeder Fünfte von ihnen im Grabe." Bericht des Census- Beamten 1851, Seite 805. Der Hungersnoth folgte die große Auswanderung und Masien-Ausweisuug der Pächter von Haus und Hos....„Das war ein Viertheilen und eine Zerstreuung, wodurch in jedem Winkel der Erde ein Feind gegen euere Herrschaft geschaffen wurde." Mr. John Morletz, Haus der Gemeinen, 3. Juni 1886.— „Jedermann gibt zu, daß Irland mißregierl wurde. Und wer that es? Der Staat." Disraeli, Haus der Gemeinen, 5. Febr. 1847. 1848: Das große Hungersieber.— Das Parlament sieht sich in der Zwangslage, ein Gesetz zu machen zur Beschützung und Unterstützung der verhungernden Armen, welche aus ihren Hütten verjagt waren.— Aufstand.— (12) Verschärfung derAusnahmegesetze.(13) Außerkraftsetzung der Habeas- corpus-9Hte.(14) Neues Eidesgesctz.— Mitebel wird unter dem erstem Gesetz(12) zu 14 Jahren Transportation verurtheilt. 1849: Das Hungersieber dauert an.— Die Census- Beamlen erklärten, daß seil 1846 über l'/z Millionen am Hu ngerfieber gestorben seien, uud fügen hinzu: „Keine Feder jedoch hat die Zahl der Verlaffenen und Verhungernden aufgezeichnet, welche am Wege und in den Gräben zu Grunde gingen."— 90,440 Personen wurden in diesem Jahre aus Haus uud Hof vxrjagt, weil un- fähig, die Pacht zu zahlen. In dem Kreise vnn Kilrush allein wurden 15,000 Leute obdachlos gemacht.—„Ich glaube nicht, daß irgend ein anderes Land, sei es nun civilisirt oder barbarisch, Züge bietet zu einem solchen Ge- mälde." Sir R. Peel über die Kilmsh-Ausweisungen, 8. Juni.—' Das Niedermetzeln in Ballingarrtz, 29. Juli. James Stephen's Verwundung. 1850:(16) Ausnahmegesetz.— 104,163 Personen ans den Häusern ausgetrieben. 1851: Während der letzten zehn Jahre wurden durch die Evictions-Brigade 282,545 menschliche Wohnungen niedergeriffen. In diesem Jahre 68,032 Personen aus ihren Häusern ausgetrieben.—(17) Gesetz gegen ungesetzliche Eide. 1852: 43,494 Personen aus ihren Häusern ausge- trieben.—„Der Name eines irischen Pachtherrn ist Gegenstand des Abscheues in der ganzen Christenheit."(„Stinks in the nostrils of Christendom"), Times. 1853:(18) Ausnahmegesetz erneuert.— 24,589 Personen obdachlos gemacht. 1854: Es gibt Gegenden in Irland, durch welche man nicht reisen kann, ohne zu fühlen, daß ein himmelschreiendes Verbrechen begangen wurde von der Regierung, unter welcher das SBoK lebt. Jo# 1854. — Das Elend wurde dieses Jahr noch erhöht durch die Vertreibung von 10,794 Pächtern von Haus und Hof. (19) Neues Zwangsgesetz. 1855:(20) Zwangsgesetze in voller Kraft.— Pächter ausgetrieben.„.... �. 1856: 5114 Pächter ausgetrieben.—(21) Gesetz für die Erhaltung des Friedens(Zwaugsgcsetz). 1857: 5475 Pächter ausgetrieben. 1858: 4643 Pächter ausgetrieben.—(22) Gesetz für die Erhaltung des Friedens(Zwangs- und Ausnahme- gcsetz).— Während der letzten sechs Jahre gab es tu Irland keine politischen Vereinigungen mehr, je i politische Vereinigung war untersagt. Geheime Vervtn- dungen waren die Folge.„Die letzten Versuche be% irischen Volkes, mit konstitutionellen Mitteln Verbesserung ihrer Lage zu bewerkstelligen, waren vereitelt und unterdrückt worden." New-Jreland S. 196.— O'-t onovan Roffa und James Stephens gründeten aus Verzweiflung die Gesellschaft der genier. 1859: 3872 Pächter ausgetrieben. 1860: Der Obersekretär für Irland sieht sich an: 17. April zu seinem Leidwesen zu dem Bekenntniß gezwungen:„Es besteht in Wirklichkeit im Westen von Jr- land ungeheuerer Mangel an allem."- 2985 Pächter ausgetrieben. Ter protestantische Erzbischos vonTuam wird zum Vertreibet,„ein scheußliches Aeraerniß" nennt die Times dieses Vorgehen des Erzbischoss.— 27. November: Lord John Ruffell beschreibt mie ein ganzes irisches Dorf, welches 270 Personen behauste, dieses Jahr dem Erdboden gleich gemacht worden sei(Wohl zu verstehen, geschah dies auf Befehl des Pachtherrn, damit die verhungernden Pächter, welche den Pachtzins nicht bezahlen konnten, nach ihrer Vertreibung aus den Hutten dieselben nicht wieder beziehen könnten.)(23) Gesetz zur Erhaltung des „Friedens." t., 1861: 5288 Pächter ausgetrieben. Die furchtbaren Ausrottungen der Bewohner von Glenveigh j,, Doneqal 1862: 5617(24) Gesetz zur Erhaltung des Landfriedens(Ausnahme-Gesetz).— (25) Gesetz gegen unerlaubte Eide. 1863: 8695 Pächter ausgetrieben. 1864: 9201 Pächter ausgetrieben. 1865: 4513 Pächter ausgetrieben.—(26) Gesetz zur Erhaltung des Friedens.—„Ich fürchte, das eigentlich Eigenthümliche in Bezug aus Irland ist die Regierung Englands." Lord R. Ceeil(jetzt Lord Salisbury) Haus der Gem. 24. Februar:—„Eine Zeit der Sorge und Angst... Mitternächtliche Gefangennahme und Beschlag nähme; schleunige Flucht und gefahrvolles Entkommen; wilde Gerüchte und angstvolle Warnrufe hielten jede größere Stadt und Gemeinde in Aengsten." New-Jreland S. 261.— O'Donovan Roffa wird zu lebenslänglichem Kerker mit schwerer Arbeit verurtheilt. 1866: 3571 Pächter ausgetrieben.—(27) Gesetz zur Aushebung der Habeas-corpus-Akte. 1867; 2484 Pächter ausgetrieben.— Mißglückter Aufstand.—(28) Erneuerung des obigen Gesetzes 27. 1868; 3002 Pächter ausgetrieben.—(29) Habeas corpus-Akte wieder aufgehoben.—„Seitdem ich in das Parlament eingetreten bin, sah ich nichts in Bezug auf die irische Frage geschehen, was auch nur im entferntesten Staatsmännern würdig gewesen wäre." Mr. Bright, Haus der Gem., December 1868. 1869: 1741 Pächter ausgetrieben.— Von 1829 bis 1869 wurden von den irischen Abgeordneten 27 Gesetzes-Vorlagen und Resoluti onen in Bezug auf die irische Bodenfrage eingebracht— aber alle verworfen.—„Ich behaupte, daß die Zustände, welche in Irland bestehen seit den letzten 200, seit den letzten 100, seit 50 Jahren gar nicht möglich gewesen wären, wenn Irland entrückt gewesen wäre dem Schutze, dem Einfluß, der Macht Englands. Die Zeit ist gekommen, wo bloße Zwangsgesetze unrecht und böse, und von wo an Zwangsgesetze nicht mehr erlassen werden sollten, ohne begleitet zu sein von heilenden und tröstenden Vorschriften." John Bright, Haus der Gem., 30. April 1869. 1870: 2616 Pächter ausgetrieben.(30) Gesetz zur Erhaltung des Friedens.„Die Unterdrückung einer Mehrheit ist verwerfbar und hassenswerth, die einer Minderheit aber nur um einen Grad weniger so." Mr. Gladstone, Haus der Gem. 11. März 1870. 1871: 2357 Pächter ausgetrieben.—(31) Verschärftes Zwangsgesetz.—(32) Gesetz für Aufrechterhaltung des„Friedens." 1872: 2476 Pächter ausgetrieben. 1873: 3078 Pächter ausgetrieben.—(33) Gesetz für Erhaltung der„Ruhe." 1874: 3571 Pächter ausgetrieben. 1875: 3323 Pächter ausgetrieben.„Ich gestehe, ich kann mich nicht wundern, daß solche Leiden einen Durst nach Rache erzeugen." Pros. Cairnes, Pol. 1, Schr. Seite 197.—(34) Gesetz für Erhaltung der„Ruhe." 1876: 2550 Pächter ausgetrieben. 1877; 2177 Pächter ausgetrieben. 1878: 4679 Pächter ausgetrieben. 1879: Hungersnoth. Die Armen- Unterstützung erfordert eine Summe von 1,011,888 Pfd. St.— 6239 Pächter ausgetrieben. 1880: Hungersnoth dauert fort. Die Zahl der Armen in den Armen-Häusern erreicht die Höhe von 59,870 gegen 51,302, die höchste Zahl in dem Hungersnolh-Jahre 1846. Dazu kommen noch Unterstützungen von 117,454 Armen außerhalb der Armenhäuser. Ferner wurden vom Dubliner Sladthaus-Comitee 512.625 Arme unterstützt.— In diesem Jahre des Elendes nahmen doch die Grundbesitzer keine Austreibungen vor? Antwort: 10,457 Pächter ausgetrieben. 1881: 17,341 Pächter ausgetrieben.—(35) Gesetz zur Aufrechterhaltung der„Ruhe."—(36) Habeas-cor- pus-Akte aufgehoben.—(37) Waffengesetz. 1882: 26,836 Pächter ausgetrieben.„In diesem Augenblick werden in einem Theile des Landes die Leute, ohne Uebertreibnng, schaarenweise aus ihren Häusern getrieben, und zwar wegen Nicht-Bezahlung einer Pacht, welche sie eben so wenig zu bezahlen im Stande sind, wie etwa die Nationalschuld." Mr. Trevelyan, Hansard, Seite 1, 328— 9.—(38) Gesetz zur Auftechterhaltung der„Ruhe" und Waffengesetz. 1883: 17,855 Pächter ausgetrieben.— Obige Gesetze erneuert. 1884; 20,025 Pächter ausgetrieben.— Obige Gesetze erneuert. 1885: 15,423 Pächter ausgetrieben.— Obige Gesetze erneuert.— 1000 Personen ohne Untersuchung einge- kerkert.„Das gegenwärtige Regierungs-System stützt sich auf die Gewehre von 30,000 Soldaten, welche in Irland wie in feindlichem Lande einquartirt sind." Mr. Cham- berlain, West Jslington. Juni 17.„Irland— das letzte halbe Jahrhundert ist seit Elisabeth das an Elend reichste von allen gewesen, wie die folgende Zusammenstellung »eigen wird: 1,225,000 Personen starben während der Hungersnoth;— 4,186,000 Personen wanderten aus;— 3 668 000 Personen wurden aus ihren Häusern vertrieben." Mulball„50 Jahre nationalen Fortschritts".— Im Oktober sagte Lord Aberdeen in Leith:„Die Zahl der aus ibren Häusern Vertriebenen macht 75 pCt. der ganzen Be- ütfrnma aus. In keinem Lande, weder in Europa noch n.,n.'t«wo hat eine solche Massen-Vertilgung stattgefunden." ?Mnlball's National Progreß.)—„Wir sind Mitschuldige Einbrechen; wir, mit der Gewalt in Händen haben wir zugeschaut." Mr. Gladstone, im Hause der Gem. 16. Apnl- Parlament beschäftigt mit einer neuen welche Neununddreißig Ausnahmegesetze und doch nicht die Spur eines Erfolges! Im Gegentheil:, die Selbstregierung Irlands und die wirthschaftliche Emanzipation der irischen Pächter heute der Verwirklichung näher stehend, als jemals früher— ist das für denkende und weitsichtige Staats- männer nicht der schlagendste Beweis dafür, daß politisch- soziale Bestrebungen,' die aus der Wirthschaftslage mit Naturnothwendigkeit entstehen, niemals mit Gewalt zu unterdrücken sind, weil sie mächtiger und lebenskräftiger sind als alle Gesetze und äußerliche Herrschaftsmittel zu- sammen? Sollte das, was für die irischen Pächter in ihretn Verhältniß zu England und den Landlords zutrifft, nicht erst recht zutreffen für die heute ebenfalls unter Ausnahme- gesehen befindlichen Arbeiter in ihrem Verhältniß zur Regierung und zu dem gesammten Unternehmerthum— um so mehr, als die Bestrebungen der Arbeiter noch viel tiefer und unausrottbarer in unseren gesammten wirth- schaftlichen Zuständen wurzeln und aus diesen heraus sich immer neue Kraft und neues Leben saugen? Die jetzige(konservative) englische Regierung hat noch einmal einen Pyrrhussieg über die irischen Pächter er- rungen, aber jeder Tag, jede Stunde kann die endgültige Entscheidung zu Gunsten der heute Unterlegenen bringen. Und diese besiegten Sieger werden triumphiren, ob- wohl sie seit mehr denn vierzig Jahren beständig an Zahl schwächer geworden sind. Dasselbe Irland, das 1841 noch über 8 Millionen Einwohner besaß, umfaßt deren heute noch nicht fünf! Trotz alledem diese glänzenden Erfolge! Um wieviel rascher werden die Arbeiter zu ihrem Ziele gelangen, deren Reihen durch die Zunahme des Großbetriebs und die Zersetzung des Mittelstandes immer rapider anschwellen? Wenn, wie es die irische Geschichte lehrt, eine gerechte Sache trotz der abnehmenden Zahl ihrer Streiter über alle Verfolgungen triumphirt— welche Gewalt wollte dann einer gerechten Sache widerstehen, deren Anhängerschaft stetig wächst und wächst? Aus der Vergangenheit der irischen Ausnahmegesetz- gebung kann man aus die Zukunft der deutschen schließen! Und wir fürchten diese Zukunft nicht! Aber wir wünschen — um des Friedens willen— daß man noch zur rechten Zeit von dem heute betretenen, abschüssigen Weg zurückweichen möge. Aus England. London, 9. August. Am nächsten Sonntag findet hier wieder eine der großen sozialdemokratischen De- monstrati onen auf dem Trafalgar Square statt. Es handelt sich diesmal um einen Protest gegen die wegen Beamtenbeleidigung erfolgte Verurtheilung eines Partei- genossen. Bei solchen Anlässen zeigt sich so recht, wie stark die sozialdemokratische Partei hier in London während der letzten Jahre gewachsen ist. Denn die Tausende, die zu solchen Versammlungen aus allen Vierteln der Riesen- stadt herbeiströmen, sind nur zum allergeringsten Theile durch die Neugier herbeigelockt— der Londoner ist ja an solche Sachen bereits gewöhnt— es sind mindestens zu neun Zehnteln ernste Männer und Frauen, die ihr ge- meinsames Interesse erkannt haben und für dasselbe einzu- treten bereit sind. Und das kann angesichts der energi- scheu Agitation, die hier von Seiten der Sozialdemokratie betrieben wird, auch kaum anders sein. So werden bei- spielsweise jetzt im Sommer jeden Sonntag mindestens ein paar Dutzend sozialdemokratischer Versammlungen allein im Hyde Park und Rcgent's Park abgehalten. Die in Berlin so brennende„Lokalftage" wird dabei in der denkbar einfachsten Weise gelöst; jemand, der gerade Lust und Geschick zum Reden verspürt, stellt sich unter einen Baum und beginnt; nach und nach sammeln sich dann die Leute um ihn an und hören ihm zu. Nachher folgt die Discussion, die oft genug eine sehr lebhafte wird, aber nie zu Unzuträglichkeiten führt. Am rührigsten ist in dieser Agitation die„Soeialdemokratie Federation", die unter der Leitung des sehr redege- wandten und schlagfertigen Herrn Hyndman steht. Im letzten Jahre hat diese eine Organisation nicht weniger als 31 neue sozialdemokratische Vereine gegründet, davon 18 in den Provinzen und 13 in London. Und die andern Organisationen kämpfen wacker mit, wenngleich meistens nicht mit demselben Erfolge, wie die starke und finanziell votrefflich ausgerüstete Föderation. In diesem Kampfe tritt wieder deutlich die Erschei- nung zu Tage, daß die anarchistische Arbeiterbe- wegung immer schwächer wird, je stärker sich die sozialdemokratische entfaltet. Most und seine An- Hänger sind in den letzten Jahren unendlich viel zahmer geworden; er redet jetzt schon dem„Lohnsystem nach durch- schnittlichem Arbeitszeitmaß", den„Eigenthumsbestim- mungen der Konsumgegenstände", dem„halben Papier- geld" und anderen antianarchistischen Einrichtungen das Wort. Die Anhänger Peukerts und der„Autonomie" betrachten ihn deswegen auch kaum als echten Anarchisten mehr, aber das ändert an der Thatsache nichts, daß er ihnen gegenüber weitaus den größten Theil der hiesigen Anarchisten auf seiner Seite hat. Auch die Lehre von der „Propaganda der That" scheint nicht mehr so eifrige Jünger zu haben wie vordem; wenigstens haben mir An- Hänger der Most'schen Richtung mehr als einmal versichert, daß sie von einer derartigen Propagirung ihrer Ideen nichts wissen wollten. Im übrigen bieten die Anarchisten alles auf, um sich nach besten Kräften gegen die drohende Zersetzung ihrer Partei zu wehren. Aber der Kampf wird allem Anschein nach ein erfolgloser sein, denn auch inner-- halb ihrer eigenen Reihen herrscht eine ziemlich tiefgehende " " ,, Kapitalien den jetzigen Rebateuren desselben auf keinen " Fall eine schärfere Sprache geft.tte." Diese in allen Theilen erlogene, r dem DenunziantenZersplitterung. Als nämlich im Februar d. J. in Lüttich| Ermordung Rumpf's nicht betheiligt gewesen sein kann. ein Mann verhaftet wurde, von dem die Polizei behauptet, Uuter solchen Umständen darf man wohl auf den Ausdaß er der längst gesuchte John Neve ist, erschien im gang der Verhandlung gegen den in Leipzig Inhaftirten handwerk der„ Kreuz- 3tg." entsprechende Behauptung giebt mir Sozialdemokrat" ein Artikel, in welchem zwei hiesige gespannt sein, von dem übrigens immer noch manche be- zu der Erklärung Veranlassung, daß ich zu dem Berliner Boltsblatt" weder in einem formellen noch thatsächlichen EigenthumsAnarchistenführer, Peukert und Reuß, beschuldigt wurden, haupten, daß er gar nicht mit Neve identisch ist. diesen Mann der Polizei in die Hände gespielt zu haben. Soweit unser Londoner Correspondent, dessen leyte Ausführun- verhältnisse stehe und daß ich den Redakteuren des Bla... weder Im anarchistischen Lager hatte man aber zunächst andere gen mehrfach ergänzt werden durch eine Londoner Zuschrift an die irgend etwas zu gestatten noch zu verbieten habe. Paul Singer." Ansichten über die Sache; man schob die Schuld an der off. 3tg." Aus derselben heben wir noch Folgendes hervor:„ Was das vielberufenen Buch Der Anarchismus und seine Träger" anbe= Herr Christensen sendet uns aus London folgende Verhaftung in erster Linie auf Viktor Dave', den bis- trifft, so wird man einem ernsten Manne kaum zumuthen können, Erklärung: herigen Expedienten der Freiheit" unh Hauptmacher im sich mit dieser unglaublich thörichten und oberflächlichen Die„ Post" behauptet, daß ich nach Berlin geschrieben habe, Klub der Mostianer, und Dave wurde aus der Partei Arbeit" eingehender zu befassen. Er habe, so schreibt der ich würde nicht mehr im Shcing- Mahlow- Prozeß auftreten, und ausgeschlossen. Dann aber wurde auf Drängen des hie- Berfaffer,„ nicht ein einziges Mal Ursache gehabt, Namen und ich sei im Auftrage der Berliner Genossen nach London gereift, Stellung zu verleugnen außer gerade allerhand Diebsgesindel um für die„ Autonomie" thätig zu sein. Alle diese Behauptungen figen deutschen sozialdemokratischen Klubs eine Unter- gegenüber". Ich frage ihn, wo und wem gegenüber er sich denn sind vollständig aus der Luft gegriffen: ich habe, wie der in der suchungskommission niedergesetzt, welche die Sache gegen eigentlich mit seinem Namen und seiner Stellung eingeführt hat. vorigen Nummer dieser Zeitung abgedruckte Brief beweist, das Beukert und Reuß untersuchen sollte, aber schließlich wegen Beim Fürsten Krapotkin war er zwei Mal. Das erste Mal sah direkte Gegentheil nach Berlin geschrieben, fein einziger Berliner eines Streites zwischen den Anarchisten und den Sozial- er nur deffen Gattin, auf die er aber einen so schlechten Eindruck" Genosse hat auch nur eine Ahnung davon gehabt, daß ich nach gemacht hat, daß Krapotkin ihn, als er zum zweiten Male kam, mit London gehe, und mit der„ Autonomie" habe ich nicht das Gedemokraten obne ein positives Resultat auseinandergehen den Worten:" Was wollen Sie, gehen Sie Ihrer Wege!" ohne ringste zu schaffen, legtere ist überhaupt ein anarchistisches Organ, mußte. Nur so viel wurde mit Sicherheit festgestellt, daß Weiteres von der Schwelle wies. Ebenso ist er von Engels nicht ich bin aber nicht Anarchist, sondern Sozialdemokrat." Von dem Herrn Abgeordneten Paul Singer geht Beukert und Reuß gemeinsam zum Schlupfwinkel Neve's empfangen worden. Bei dem Schankwirth Daubenspeck aber, den er gereist waren, und daß Peukert sich mindestens eine selbst als einen„ Gentleman mit tadellosem Anzuge und feinem nns folgende Erklärung zum Abdruck zu: Zylinder" schildert, hat er sich von dem christlich- sozialen Herbergs-- Behördliche Maßregelungen von Vereinen und habe grenzenlose Leichtsinnigkeit-wenn kein Verrath vater Müller vom Finsbury- Square als dessen Vetter" vorstellen zu Schulden kommen laffen. Reuß wurde von allen laffen und als Studenten der Sozial- Dekonomie. Zur Erprobung Sozialdemokraten. In dem Breslauer Sozialistenprozeſſe Seiten, und selbst von seinem Reisegenossen Peukert, als der von Herrn X. in so sensationeller Weise durch die Köln. 3tg." find von den in Haft befindlichen Personen sechs am vorigen Mensch bezeichnet, der zu jeder Schurkerei fähig sei und weitesten Kreisen übermittelten Dave'schen„ Enthüllungen" hier nur Sonnabend entlassen worden, und zwar: der Schriftsteller und ein Beispiel. Diesen Enthüllungen zufolge soll John Neve während frühere Reichstagsabgeordnete Geiser, Jungfer( Drechsler), ein Beispiel. Diesen Enthüllungen zufolge soll John Neve während auch Beukert hat bei seinen früheren Parteigenossen sehr der Ermordung Rumpff's auf dem Rontinent gewesen sein: ja er Polazti( Tischler), Hennemann( Stellmacher), Schriftgießer W. -Mainz, 9. viel eingebüßt. Der Klub Autonomie" allerdings, dem soll, wie Herr X. auf Grund der ihm von Dave gewordenen Mit uns Restaurateur P. Kräcker ist noch in Haft. er als Mitglied angehört, hält noch an ihm fest und weist theilungen aufs Deutlichste zu verstehen giebt, ein, wenn nicht der Auguſt. Der bekannte, bereits mehrfach erwähnte Sozialistenfammer des Landgerichts zur Verhandlung gelangen. Angeklagt jeden Gedanken an eine Verrätherei seinerseits energisch eigentliche Mörder Rumpff's ſein. Es ist das der Kernpunkt der Prozeß wird nunmehr am 28. September vor der Strafin der Köln. 3tg." gemachten ,, Enthüllungen." Wie hat sich die zurück, aber auf wie lange? Sache nun aber in Wirklichkeit verhalten? John Neve wurde am sind 8 Personen wegen Theilnahme an einer geheimen Verbindung Da wir nun gerade bei den Anarchisten find, so 15. Dezember 1884 aus der Schweiz ausgewiesen. Am 20. oder und Verbreitung sozialistischer Schriften; unter den Angeklagten wollen wir auch gleich die Gelegenheit benußen, um dem 21. Dezember fam er nach London, trat hier sofort nach Weihnachten befindet sich auch der Landtagsabgeordnete Jöst.- Ludwigshafen, 10. Auguſt. heute Orford- Street bei dem Tischlermeister C., 18. Barners Mewes, Drford Street W.. hafen, 10. Auguſt. Durch die Polizei wurden Verfasser des„ Anarchismus und seine Träger" ein paar in Arbeit und erhielt laut Buch vom 3. Januar 1885 seinen erſten furtern, 53 aussuchungen vorgenommen. Die Hausbei Sozialdemokraten, zum Theil ausgewiesenen FrankWorte zu widmen. Vor einigen Monaten erschien be- Wochenlohn. Er blieb in dieser Stelle bis Herbst 1885. Aus der kanntlich zuerst in der Kölnischen Zeitung" eine Reihe Buchführung des Tischlermeisters C. ergiebt sich nun zweifellos, daß suchungen wurden nach der" Franks. Stg." auch auf die Nachbars von Londoner ,, Anarchistenbriefen", die von vornherein den Neve, zumal am 13. Januar 1885, dem Tage von Rumpff's orte ausgedehnt. Der Erfolg war fein besonders großer. Bu Eindruck machten, als ob sie aus einer Polizeifeder Ermordung, sowie die Tage vor und nach dieser Schreckensthat, in meist wurde der Züricher Sozialdemokrat" vorgefunden. Ob den Leuten wegen der vorgefundenen Schriften der Prozeß ges der Werkstatt des genannten Meisters gearbeitet hat. Ferner be: stammten. Dieselben wurden später unter dem oben er- ftätigt Mr. N. Aldenham Street, Somers Town, bei dem Neve macht werden kann, ist fraglich, ba bekanntlich nur die Verbreitung wähnten Titel in Buchform herausgegeben und fanden wohnte, daß dieser in jenen Tagen keine Nacht gefehlt hat, daß nicht der Besik der Schriften strafbar ist. Auch in Freiburg das ungetheilte Kob einer gewissen Art von Zeitungen. gerade Dave aber in der in Rede stehenden kritischen Zeit bei Neve wurde an verschiedenen Stellen gehaussucht. Gefunden wurde nichts. Die Anarchisten behaupteten, daß diese sogenannten„ Ent- und mit Neve zusammen übernachtet hat. Es ist somit klar, daß Irrthümlich war gemeldet worden, daß die dreizehn unter der Anklage des Vergehens gegen das Sozialistengeset inhaftirten Herr stud. jur. X., der Sensation machende Anarchisten- Korrespon- Altonaer Sozialdemokraten aus der Haft entlassen worden seien. hüllungen" nur von einem jungen, etwa zwanzigjährigen dent des rheinischen Blattes, gründlich angelogen worden ist. Dem ist nicht so: Zwar ist die Anklage wegen Vergehens wider das Manne herrühren könnten, der vor einiger Zeit in ihren Sozialistengeset fallen gelassen worden, dagegen wird Klage wegen Vereinen herumgehorcht habe, aber so unglaublich naiv geVerstoß gegen die Paragraphen 128 und 129 des Strafgesetzbuches ( Geheime Verbindung) aufrecht erhalten. Die Namen der Berhafteten wesen sei, daß man ihm die größten Bären habe auffind: Cigarrenarbeiter Fichtner, Cigarrenmacher Frank, Küper Abel, binden können, die er dann getreulich in die„ Kölnische Cigarrenarbeiter Böhle, Cigarrenmacher Chevalier, Cigarrenarbeiter Zeitung" apportirt habe. Dieser junge Mann ist jetzt Mühe, Klempner Otte, Schreiber Hud, Cigarrenmacher Molkenbuhr Müller, Reporter Steinfatt, Maurer Schumacher, Cigarrenarbeiter allgemein bekannt; er heißt, wie er in einem Briefe an und gegen die Ehefrau Mußfeldt. Triumphirend melden sächsische einen hiesigen Journalisten selber sagt, Rudolf Martin, geht uns folgende Erklärung zum Abdruck zu: Die Kreuz- 3tg." füllt die saure Gurkenzeit damit aus, daß Ordnungsblätter aus Leipzig vom 10. August: Beim Vorbeiift stud. jur. und wohnt in Leipzig. Er gesteht in jenem Briefe selber zu, daß er seine vermeintlichen Enthüllungen sie, dem Beispiel der" Post" folgend, täglich neue Enthüllnngen" patrouilliren an dem Garten des Apollosaales bemerkte gestern Abend über die Spaltung" innerhalb der sozialdemokratischen Partei in der zehnten Stunde ein Schußmann im dortigen Kegelschub eine ,, dem Herrn Reichskanzler zur Verfügung gestellt" habe, bringt. ihm verdächtige Vereinigung junger Leute, deren geheimnißvolle Soweit diese Enthüllungen über die angebliche Spaltung Unterhaltung ihn zur polizeilichen Meldung veranlaßte. Daraufund daß er dafür von verschiedenen Autoritäten belobt wohl den hin wurde die Gesellschaft noch in der Nacht von der Polizei worden ist. Außerdem will er bereits vor dem Unter- unter meinen Parteigenossen sich auf allgemeine suchungsrichter, der am Reichsgericht die Sache gegen wünschen der„ Kreuz- 3tg." und ihrer Kollegin, nicht aber den aufgehoben, nachdem sich ergeben, der die Versammlung eine sozialthatsächlichen Verhältnissen entsprechende Berichte und Mit- demokratische, zum Zwecke daß Belehrung jüngerer Elemente in Neve zn leiten hat, in einem Verhör beschworen haben, theilungen beschränkten, konnte man mit stillem Lächeln daran den Geheimnissen der Sozialdemokratie veranstaltete war. Es wurden dabei verschiedene verbotene Druckschriften beschlagnahmt." Einer daß Dave ihm gesagt habe, Neve sei an dem Attentat vorübergehen. In einer der legten Nummern wagt es jedoch die Kreuz- sozialistischen Verbindung von Arbeitern, namentlich Steinbruchgegen den Polizeirath Dr. Rumpf in Frankfurt a. M. betheiligt gewesen. Neve's früherer Logiswirth, sowie sein Beitung", mit einer ihrer zuverlässigen Quelle" alle Ehre machen arbeitern, ist, dem„ Neuen Görl. Anz." zufolge, die Polizeibehörde den Bestimmtheit folgende Behauptung aufzustellen: bei Strehlen ,, auf die Spur" gekommen. Vorläufig seien ca. 30 beArbeitgeber sollen aber beschwören wollen, daß Neve am theiligte Personen ermittelt. Der Schriftseter Bauer ist aus 13. Januar 1885 in London gewesen ist, also an der Leipzig ausgewiesen worden. Politische Nachrichten. " Von dem Herrn Abgeordneten Paul Singer " " ,, daß ich als der thatsächliche Eigenthümer des Berliner Volksblatt" in Rücksicht auf die in dem Blatte angelegten " Allen Arbeitern empfehle ich mein Lokal, sowie guten Frühstück, Mittag- und Abendtisch. Für ausgezeichnetes, stets frisches Bairisch Bier ist bestens gesorgt. Besonders empfehle ich meine Weiße. Cigarren G. Kliemt Admiralstraße 22. und Taback Leigener Fabrik. A. Dumdey Anzeigen. 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O., Dranienstraße 28. №o. 2. Beiblatt zur„ Berliner Volks- Tribüne". Ein verschollener deutscher Volksdichter.") Ich dachte: Büchermacher, Das schreibt euch hinter's Dhr! Dem Bolt gilt als Drakel, Was ihr in Büchern sprecht, Drum sei es ohne Makel, Rein, unverfälscht und echt: Geschichten und Gedichte, Sie seien rein und wahr, Wie echte Schönheit schlichte, Bei stiller Tiefe klar! Die ihr dem Volke bringet Kalender, Zeitung, Buch Das Beste, was gelinget, Ist eben gut genug! B. Sigismund, Asklepias. Wer kennt außer in seiner engsten Heimath im Schwarzburger Ländchen, mitten in Thüringen, sonst den Verfasser obiger volksthümlicher Strophen, Berthold SigisSonnabend, den 13. August 1887. Heisa, juchheisa! i Ein Stromer ich bin! Leicht ist mein Bündel, Noch leichter mein Sinn. Hab' ich kein Kreuzer, So mauſen's mir fein'. Glücklich auf Erden Sind Stromer allein. Schwärmen, fich härmen Um Gruß und um Kuß, Ringlein am Finger Und Ketten am Fuß Profit die Mahlzeit, Das nennet ihr Frei'n? Frei sind auf Erden Die Stromer allein. Fröhliches Wandern, Stets bleib' ich dir treu, Neu wird die Gegend, Die Freude wird neu. Wein oder Wasser Ein Trunk wird doch mein. Glücklich auf Erden Sind Stromer allein! Handwerksburschenabschied. ( Nach einer alten Weise.) Es und es und es Es ist eine harte Nuß, Daß und daß und daß Jch aus dem Städtchen muß! Was Liebliches kaum hatt' ich dort Mir angeschafft, da mußt ich fort Und muß den Schah verlieren, Marschiren. Da und da und da Da liegt das alte Nest. Wohl und wohl und wohl Ist mir's darin gewest. I. Jahrgang. ,, Er hütet fort nach alter treuer Art, Bewacht das Dorf zur Nacht, und spart und spart. Sein Ulmer Pfeifchen gräbt im Wald er ein, Es lebt sich wohl auch so, es muß nicht sein! Er spart und spart, in seiner bunten Truh Fügt er den Gulden jährlich neue zu. Und jede Nacht singt er trotz Sturm und Graus Sein Hoffnungsverslein in die Nacht hinaus." In diesem einfachen Bilde ist die Uebermacht des Befißes der Armuth gegenüber beredter geschildert, als es lange Reden vermögen. Aber unser Volksdichter fühlt noch weiter mit dem Arbeiter das Wirken jener Mächte, die den Armen ins Leben hineinstoßen, ihn schuldig machen und dann der Pein überlassen", wie bereits Göthe so schön gesungen hat. Wenn wirklich alle jene Hindernisse überwunden sind, wenn der Proletarier die Erwählte feines Herzens heimgeführt hat und über kurz oder lang kleine Wesen den Eltern aus der Wiege entgegenlachen, dann überkommen unseren Bauerndoktor" gar traurige Gefühle an dieser Wiege: ,, Du armes Proletarierkind, Wie lebensfroh seh' ich dich liegen! Komm, laß mich, wie der Schaukelwind Das Weinlaub wiegt, dein Bettlein wiegen! Wle haschest mit den Händchen klein Du nach dem goldnen Sonnenschein Und strampelft mit den runden Füßen, Die liebe schöne Welt zu grüßen! Wie lächelst du in's milde Licht Mit deinen Aeugelein, den frommen! Ach, armer Schelm, dir ahnet nicht, Daß du hier ankamst unwillkommen. Dein Vater blickte düster drein, Die Ahne sprach: es muß halt sein! Die Mutter hat dich bangbeklommen, Mit Sorgen an die Brust genommen. Noch quillt dir füßer Lebenswein So reich wie eines Königs Söhnen, Noch dringt dir in das Dhr hinein Nur sanfter Wiegenlieder Tönen; Noch weißt du nicht, wie arm, blutarm, Du bist sammt der Geschwister Schwarm; Noch meinst du, was die Augen fanden, Das sei für dich, mein Kind, vorhanden. Doch bald wirst du im Felde geh'n Mit deinen nackten rothen Füßen, Und lecker nach den Rüben seh'n, Die dein nicht sind, die zuckersüßen. Der Hunger lockt. D halte Stand! Du stehst an eines Abgrunds Rand, Der Tausende von deines Gleichen Begraben als entstellte Leichen! Freilich gestaltet sich das Leben wandernder Arbeiter mund? Wohl nur Wenige überhaupt und vermuthlich heut zu Tage so rofig nicht mehr! Es hatte auch damals Keiner aus der Zahl unserer Leser. Er ist also in der schon seine schmerzlichen Seiten, die unser Volksdichter That ein„ verschollener" Dichter, obwohl manche seiner in seinem bekannteren ,, Handwerksburschenabschied" besingt; Lieder im Volksmund sind. Und doch lebt" fast Reiner wir geben auch dieses Gedicht unverkürzt wieder und unserer zeitgenössischen Boeten so wie unser Volksdichter, werden noch eine ganze Anzahl der schönen Poesien Sigisder bereits vor nunmehr zwanzig Jahren verblichen ist. mund's im Wortlaute bringen, weil sie eben vorläufig Wenn man nämlich unter leben" bei einem Dichter den so selten sind, daß schwerlich Einer unserer Leser dieselben Zusammenhang mit dem wirklichen Volksleben vollständig kennen wird. versteht. Daß nach dieser Richtung unsere gegenwärtige Dichtkunst in Deutschland einen wenig erfreulichen Anblick bietet, läßt sich leicht erweisen. Wohl spiegelt sich in gewissen Werken unserer modernen" Dichter, wenn diese sich nicht überhaupt vom realen Leben weg in die Romantik flüchten, das Haschen und die Jagd nach Glück und Genuß ab, wie es den oberen Zehntausend, jenem Geschlechte, das nach dem Urtheile eines Genossen, nur noch Sinn für das Leerste hat"( Graf Schack), eigen ist. Aber von dem mächtigen Leben, das sich gegenwärtig in den breitesten Volksschichten regt, von dem ganz eigenthümlichen und neuen Geiste, den die Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch die großartigen technischen Erfindungen der Neuzeit in den Massen des werkthätigen Volkes erweckt hat und täglich wehr erweckt, davon pulsirt sehr wenig in unserer modernen Poesie". Manfried Wittich hat im vorlegten Jahrgange der„ Neuen Zeit"( Stuttgart, Dieß), Arthur Fitger mit seinen Winternächten" als eine Ausnahme hiervon vorgeführt, einen Dichter, der bei vollkommener Beherrschung seines Handwerkszeuges auch den Inhalt seiner Zeit, das gegenwärtige Leben, wie es an allen Ecken und Enden mit wirthschaftlichen Fragen ringt, wiederzugeben und künstlerisch zu gestalten versteht. Das selbe gilt aber noch in viel höherem Maße von dem verschollenen deutschen Volksdichter, mit dem wir die Leser bekannt machen wollen: denn zu seiner Zeit, in den vierHier ist der Zusammenhang zwischen Elend und Verziger und fünfziger Jahren, rangen sich das neue Leben brechen ganz meisterhaft erfaßt und dichterisch verwerthet. und der neue Geist, die gegenwärtig unsere Volksmassen Wir kennen keinen einzigen modernen Dichter, der so in Durch diese Wanderlieder geht, auch wenn sie weh- die Tiefe des Problems eingedrungen und dabei so hochfast schon beherrschen, erst aus den Wehen ihrer Geburt und doch erfaßte und schilderte er sie in hochdichterischer übermüthiger Ton. In den Bildern aus dem Leben für den durch Elend herangereiften Verbrecher, wie sie ja müthig anheben, doch immer bald wieder ein luftiger, poetisch geblieben wäre. Es ist ein hochherziges Plaidoyer Weise. eines Landarztes" kennt jedoch unser Dichter das Volks- die meisten sind, das noch über ähnlichen Stellen aus Was Berthold Sigismund im Leben war, nachdem er leben auch von seinen ernſteſten Seiten. Er entrollt uns Viktor Hugo's Werken steht. Die liebevolle Beobachtung sich auf vielen Studienreisen draußen in der Welt umge ein lebenswahres Bild vom Familienleben des Arbeiters, der Lage der Hausindustriellen aus dem thüringer Walde, sehen, das sagt er am schönsten selber in seiner„ Grabſchrift". den Leiden und Freuden, die ihm ganz besonders eigen des kleinen Bauers, Forstarbeiters und Tagelöhners, die Hier liegt ein schlichter Bauerndoktor nur, Der wacker sich geplagt hat Jahre lang, Jedoch auf keinen grünen Zweig sich schwang Und hinterließ von Schäßen keine Spur. Er nannt' es seine einz'ge große Kur, Als er den Knaben, den der Fluß verschlang, Beim Haare faßt, und aus dem Strudel rang; Sonst ließ er alle Ehre der Natur. Er war ein simpler treuer Krankenwärter, Der theilnahmsvoll die arme Leute pflegte Und weicher ihre Schmerzenskissen legte. Sei ihm sein letztes Rubbett denn nicht härter, Als es den schlichten Menschen ist gebreitet, Die er voreinst zur ew'gen Ruh geleitet! In seinen letzten Lebensjahren machte ihn ein ehrenvoller Ruf zum Lehrer der Naturwissenschaften an der Realschule in der Hauptstadt seiner Schwarzburger Heimath; dort wirkte er so segensvoll, daß noch heute sein Andenken bei Allen in hohen Ehren steht. Sein Vaterländchen verdankt ihm eine Heimathskunde, die das wissenschaftliche Muster einer derartigen Monographie genannt werden kann. Seine volksthümlichen Aufsätze in den damals am weitesten verbreiteten Zeitschriften standen unter den besten solcher Arbeiten. Er gab seine Poesien nur in zwei kleinen, längst vergriffenen Bändchen heraus; in:„ Lieder eines fahrenden Schülers"( Hamburg, Hoffmann und Campe, 1853)-und in: Asklepias. Bilder aus dem Leben eines Landarztes"( Leipzig, Jm. Tr. Wöller, ohne Jahreszahl, etwas später erschienen). Sigismund's letter Wirkungsort hat ihm ein schlichtes Denkmal in der Nähe der Stadt errichtet. Das Verständniß für das echte, rechte Volksleben, das er aus dem einfachen väterlichen Hause mitbrachte, scheint Berthold Sigismund ganz und voll auf den Wanderzügen seiner Jugend aufgegangen zu sein. Da mischt er fich unter die wandernden Arbeiter und singt ein „ Stromerlied": Die Woche wurde brav geschanzt, Doch jeden Sonntag flott getanzt, Wir waren meiner Seele Fidele. So und so und so So geht es in der Welt. Fort und fort und fort Bom Ort, wo's uns gefällt. Und ist kein Nest so schlecht und klein, Warst du ein Wochener viere drein, Da dünket dich das Scheiden Ein Leiden. Nun und nun und nun Leb' wohl mein Bruderherz! Es und es und es Giebt Meister allerwärts, Dazu auch Meisters Töchterlein, Und eines, gut Bier oder Wein, Will alles mir probiren. Marschiren. " Schon bangt dem Schulzen vor dem Haus Des Armen mit den vielen Kleinen, Bald stößt als Diebespack dich aus Die Jugend aus den Spielvereinen. Du lernst sie hassen, die da reich, Das Fauftrecht gilt, drum Streich für Streich! Bis sie dich wie ein Raubthier hetzen Und hinter Schloß und Riegel setzen." sind. Damals bestand noch das grausame ,, Heimathsrecht", in seinem Thätigkeitsbezirke wohnten und mit denen er das armen Liebenden aus zweierlei Ortschaften unmöglich nicht selten aus einer Schüssel aß, führten unseren Volksmachte, sich zu heirathen, weil der Bräutigam sich mit dichter zu solch' klarer und freilich trauriger Erkenntnis einer erheblichen Summe in dem fremden Ort ,, einkaufen" des Volkslebens. Im Weiterverlaufe seines Gedichtes ermußte eine Vorschrift, mit der sich die Gemeinden die hofft Sigismund für das Proletarierkind eine bessere und Armenlast Fremder vom Halse halten wollten. Welche schönere Zukunft über dem Meere, in Amerika; dahin Schranken dieses Heimathsrecht" für den Besißlosen aufweisen auch noch einige andere seiner Gedichte: richtete und wie es ihm sogar oft unmöglich machte, die Erwählte seines Herzens heimzuführen, das besingt Sigismund rührend in folgendem Gedichte: ,, Es war ein Hirt, so brav und treu, wie nur Seit David's Zeit geweidet auf der Flur. Wenn er am Tag die Heerden treu bewacht, Behütet er das Dorf in finstrer Nacht. Zu Ehren liebt er lange treu und rein Bom Nachbardorf das Hirtentöchterlein. Der Schulze sprach: Du bist ein guter Knecht, Allein zum Freien kriegst du nicht das Recht. Wir nehmen keine armen Fremden ein. Einstimmig sagte die Gemeinde Nein." Den braunen Hut in braunen Händen dreht Der arme Hirt und bittet und er fleht. ,, Gespart hast du? An Fünfzig? Brav und flug, Allein zum Einkauf lange nicht genug." Und traurig schleicht auf's Feld der braune Mann, Fühlt nicht die Thräne, die dem Aug entrann. Er setzt sich schweigend auf den gras'gen Rain, Wo unterm Schlehndorn ragt der Schwedenstein. ,, Hartherzig Volt! Der Mammon ist ihr Gott, Der Armen Lieb' ist ihnen nur ein Spott. Sie brüsten sich mit dem, was sie geerbt; Jhr, die ihr nichts erbt, lebet oder sterbt!" Haben diese Worte nicht noch heute oft ihre fürchterDer arme Hirt aber baut auf die *) Dieser Aufsatz von Dr. Duard wurde ursprünglich in den liche Berechtigung? Treue seiner Lore: Wiener ,, Deutschen Worten" veröffentlicht. Und doch, mein Deutschland, mußt du's tragen; Die Sonne wandert abendwärts; Der Herr der Welt in unsern Tagen Schmelzt dort ein neu korinthisch Erz. Ein neues Volk soll dorten werden, Der Weltherr will ein neu Gemisch, Und einen neuen Theil der Erden Erobert er sich kühn und frisch. Unser Dichter, getäuscht von dem augenblicklichen Erfolge auch gar vieler ausgewanderter thüringer Wäldler in dem jungfräulichen Lande, erhoffte von der großen Republik über dem Meere, deren Freiheiten ihn mit Be= geisterung erfüllten, das Glück für alle Elenden und Vertriebenen der alten Welt. Es ging ihm so wie dem alten Jacobi, Kinkel u. A., denen er in Gesinnung und Freundschaft nahe stand. Er wäre aber, so wenig wie jene Veteranen des alten, echten Liberalismus, bei diesem Glauben stehen geblieben, hätte er es, wie wir, erleben können, daß auch die amerikanische Republik trotz aller bürgerlichen Freiheiten ihre Arbeiter- und Proletarierfrage bekommen hat, nur etwas später, als die alte Welt. Er hätte dann ebenfalls eingesehen, daß nicht bürgerliche Freiheiten sondern nur volksthümliche Wirthschaftsreformen all' das moderne Volkselend lindern können. Daß er dies bereits ahnte, wird das Gedicht belegen, welches wir an letzter Stelle wiedergeben wollen. Sigismund weiß die volle Kinderstube des Arbeiters aber auch von der gemüthlichen, humoristischen Seite zu betrachte. Einem kindergesegneten Arbeiterpaare ruft er fröhlich zu: Euer Häuslein, liebes Bärchen, Gleicht dem vollen Schwalbennefte. Gold'ne, braune, schwarze Härchen, Alle Muster auf das Beste. Welcher Jubel, welcher Trubel, Eines lacht und eines weint. Auf den Bänken, auf den Stühlen, An den Fenstern, auf den Pfühlen, Auf der Diele, welch' Gewimmel! -lo Und unser Dichter schließt, nachdem er die lustige Zeichnung noch weiter ausgeführt hat, mit einem Hinblicke auf die böse Magenfrage: Mögen eure schmalen Töpfchen, Stets genügen all' den Köpfchen, All den Händchen, die sich recken, All den Zünglein, die da schlecken! Mög' das Völkchen sich entfalten, Daß an redlichem Gemüthe Einst sie gleichen ihren Alten! Auf Schritt und Tritt stoßen dem mitleidigen Landarzte weitere soziale Probleme auf. Er wird in ein anderes Proletarierhaus gerufen, in dem die erwachsene, frisch blühende Tochter ganz plößlich gestorben ist. Dort, an der noch rosigen Leiche, sagt die alte Leichenfrau, während die Mutter jammert und klagt, die traurige Wahrheit: Daß doch die Mütter doppelt bitter klagen, Wenn schöne Kinder sie zu Grabe tragen! Viel besser ist's für sie im Leichentuch: Schön sein und arm, das ist ein böser Fluch. Jhr, guter Doktor werdet mich nicht höhnen, Ich glich auf's Haar der Muhme da der schönen. Bildschön, so rühmten sie; ich glaubt' es gern, Wenn sie mich priesen in der Stadt die Herrn. Blutarm war ich, und mußt' hinaus zu dienen, Mein einzig Erbtheil waren schöne Mienen. Sie lobten mich, ich war erfreut, beschämt, Sie lockten mich, wie hat mich das gegrämt! Schön sein und arm- wer kann denn stets erröthen? Ach, wer hält Zucht und Ehrbarkeit vonnöthen, Wo eine arme Magd kredenzt? Die Scham Von meinen Wangen zögernd Abschied nahm, Und dann so weiter." Entehrt ist sie in's Heimathsdorf zurückgekehrt, ihr Bruder hat sie aus dem Hause gejagt; von einer Krank heit im Hirtenhause genesen, wurde sie dann Leichenfrau. Sie schließt: ,, So hab' ich nun seit jenen Unglückstagen, Das Leben fünfzig Jahre lang ertragen, Und nichts errungen als den öden Spruch: Die Schönheit ist der Armuth herbster Fluch!" Hier hat der Dichter in einem ergreifend wahren Bilde die moderne Prostitutionsfrage poetisch dargestellt und verklärt: all' die moralischen Gräuel, die erst in letzter Zeit wieder durch jene„ Enthüllungen" aus den modernen Babels der erschreckten Welt geoffenbart wurden, fie sind erklärt mit unseres Dichters Worten: ,, Die Schönheit ist der Armuth herbster Fluch!" Er giebt uns aber auch ein versöhnendes Todtenbild er tritt an den Sarg eines Taglöhners und redet ihn wie zu seinen Lebzeiten, an: ,, Du altes, ehrliches Gesicht, Da liegst du nun und kennst mich nicht. Du faltest deine harten Hände Zur süßen Ruhe ohne Ende. Behaglich, Alter, liegest du, Wie bei der kurzen Ernteruh', Wenn hinter einem Garbenhaufen, Du dich gelagert zu verschnaufen; Behaglich wie am Nachmittag Des Sonntags du am grünen Hag Verspottetest die jungen Leute, Die statt der Ruh', der Tanz erfreute; Behaglich, wie man muß verzeih'n Du in der Kirche schliefest ein Trot deines Straußes, der den Alten Zur Predigt sollte munter halten. Du treuer Knecht im Weinberg, hast Getragen saurer Jahre Last, Getagelohnt dein langes Leben, Nun wird zum Lohn dir Ruh gegeben." Wer hat das Los eines Dorfschullehrers schon so wahr und zugleich schön besungen, wie Berthold Sigismund in seinem Gedichte Vor einer Dorfschule"? ,, Horch, aus jener Hütte Klingt ein froher Kindersang, Und die klaren Stimmlein führet Eines Basses dumpfer Klang! Kleines Gärtchen mit Aurikeln In den Fenstern trüb' und klein, Roth und weiße Balsaminen Ja, es muß die Schule sein! Horch nur! Freuet euch des Lebens!" Singt die Kinderschar mit Luft! Db's wohl auch so hell und freudig Klinget aus des Lehrers Brust? Singet, finget! frohe Kinder, Singen machet Alles gut! Wecket eurem armen Lehrer Singend frischen, frohen Muth! Singet, singet! beim Gesange, Fühlt er nicht der Sorgen Laft, Und er fühlt im Kinderkreise Sich ein sorglos Knäblein fast. Singet! wer im Kinderkreise ,, Der Morgen dämmert grau und fahl, Und schaurig fühle Lüfte wehen, Da sausen wir durch's arme Thal, Wo sie beim ersten Morgenstrahl Jn Scharen an die Arbeit gehen. Sie spinnen und weben, Zu fristen ein färgliches, trauriges Leben. An Schlöten und an Fenstern reich, Ragt die Fabrik mit hohen Zinnen; Zu ihr zieh'n freudlos, kummerbleich, Zwerggreisenhaften Gnomen gleich, Die armen Leute, um zu spinnen. Sie spinnen und weben, Zu fristen ihr färgliches, trauriges Leben. Der Kessel zischt, das Triebwerk schnurrt, Es sauft die dampfgedrehte Spindel, Die höhnisch auf die Menschen surrt; Und wenn die bleiche Lippe murrt, Da heißt's: empörerisch Gesindel! Sie spinnen und weben, Zu fristen ihr färgliches, trauriges Leben. Jm tiefen Purpur glüht der Ost, Schon flammt empor der Sonnenwagen. Ist dir auch Herbes zugelost, Trag', armes Völklein, nur getroſt, Es muß ein bess'rer Morgen tagen. Es spinnen und weben, die die Böschungen der Schüttung reguliren und vielleicht auch dem Vorfarrer, der als erster in der Kolonne läuft. Diese erhalten aus dem gemeinsamen Verding vorweg eine gewisse Summe, und der Rest wird zu gleichen Theilen vertheilt. Dies System ist im Ganzen für die Arbeiter das vortheilhaftere, wenn Betrügereien ausgeschlossen find. Viel mehr werden sie belastet, wenn das andere System zur Anwendung kommt, wobei mit dem Kolonnen führer der Akkord abgeschlossen wird, und es diesem überlassen bleibt, sich nach Belieben mit den Arbeitern abzufinden. Er pflegt dann entweder die Arbeiter zu einem möglichst geringen Tagelohn anzustellen und sie durch brutales Treiben zur höchstmöglichen Leistung zu zwingen, als ob sie in Akkord arbeiten, oder er giebt ihnen auch einen Unterverding, der meistens von Tag zu Tag geändert wird, sowie die Arbeiter zu viel" verdienen, oder wegen zu geringen Verdienstes fort laufen, so daß oft niemand weiß, welchen Lohn er bekommt. Bei Ausführung von Erdarbeiten ist die Akkordarbeit die Regel, bei anderen Arbeiten wird Lohnarbeit besonders da vorgezogen, wo man etwas auf gute Ausführung giebt. Mauerwerk, das besonders leistungsfähig und gut sein soll, wird kein gewissenhafter Bauleiter in Akkord machen Die Schädlichkeiten der Affordarbeit treten bei vielen Nicht Menschenhände das irdische Leben." Wir hoffen mit diesen leider zum Theil verschollenen Proben echt volksthümlicher Dichtkunst, die das wirkliche Leben nicht flieht, sondern es da aufsucht, wo es am lassen. trübsten ist, um es dann wenigstens mit dem leiſen Glanze Arbeiten gerade darin hervor, daß sie den Arbeiter verder Poesie zu verklären, unseren Lesern einen Genuß bereitet zu haben. Jedenfalls kann die lange Reihe moderner leiten, so schlecht als möglich zu arbeiten, es an Sorgfalt Dichter, die jährlich den Büchermarkt mit ihren Erzeugnissen fehlen zu laffen, was die strengste Aufsicht oft nicht verüberschwemmt, und die unser schlichter Sänger zum großen hindern kann. Theile sehr treffend im Voraus mit folgenden Zeilen charakterisirt hat: ,, Unfrei und schwach verkommt die Nation Dahin ist selbst die Zeit der großen Dichter, Im Kleinen groß ist nur der Epigon. Kleingeist'ger Sammler, eitler Splitterrichter, Wie bläht er sich, wenn er geerbte Güter Verzehrt und dankt als Leichenstein- Errichter!" jedenfalls können diese unsre modernen Dichter mit wenigen Ausnahmen aus den Schöpfungen Berthold Sigis mund's ersehen, wo der Born wahren, echten Lebens fließt, aus dem die Dichtkunst wieder mehr schöpfen muß, wenn sie ihre schönsten Aufgaben erfüllen, das heißt, wirklich volksthümlich werden will. Akkordarbeit in Kolonnen. Bei einer Erdschüttung ist freilich nichts zu befürchten; wenn sie planmäßtg aufgekarrt und nach richtigen Profilen eingeebnet ist, dann ist in der Regel alles geschehen, was geschehen kann. Wie aber das Innere eines Mauerkörpers aussieht, das weiß meistens nur der, der ihn gemacht hat. Abgesehen von diesen Schädlichkeiten, die die Beschaffenheit der Arbeit betreffen, ist die Akkordarbeit in den Kolonnen für die Arbeiter besonders schädlich. mit einem Kolonnenführer abgeschlossen wird, zeigt ihre Die zweite Art des Verdingens, wo der Akkord nur Schädlichkeit im nackten Lichte. Sie läßt sich daher auch im Allgemeinen nur da durchführen, wo die geistige Entwickelung der Arbeiter noch eine ganz geringe ist. Es sind besonders die Erdarbeiter, die aus den slavischen Provinzen kommen, die sich in solcher Art ausnußen lassen. Schon alle Schlesier gehen auf solche Arbeit nicht ein, es sei denn, die Noth zwinge sie. Ein Beitrag zur Kenntniß des Lohnsystems. Jede Akkordarbeit bei Kolonnenarbeit setzt die älteren Gewisse Arbeiten lassen sich nur ausführen, wenn und schwächeren Arbeiter ohne alle Gnade aufs Pflaster. eine größere Gemeinschaft von Arbeitern in Ordnung und Die einzelnen Kolonnen leiſten freilich nach ihrer ZusammenVerband sie unternimmt. So ist z. B. das Einrammen segung und der mehr oder weniger großen Tüchtigkeit von Pfählen durch Zugrammen nur zu bewirken, wenn ihrer Mitglieder verschiedenes. Der Lohn wird aber von eine größere Anzahl Arbeiter in gleichmäßigem Taft nach den stärksten und besten Arbeitern bestimmt. Die Unterbestimmtem Befehl an Tauen zieht. Bei Erdarbeiten, nehmer ſuchen einzelne solcher, besonders durch gut aus die mit der Handkarre ausgeführt werden, müssen die gewählte Arbeiter sehr leistungsfähige Kolonnen, häufig Arbeiter, um sich gegenseitig nicht zu belästigen oder zu unter Zuwendung besonderer Vortheile, fest zu halten, behindern, in einer geschlossenen Kolonne ihre Karren weil diese den Preis für die übrigen machen. Wenn dann schieben, fie gleichmäßig vollladen und ausstürzen. Beim die Behörden oder sonst wer fragt, was wird bei der Ausführen von Maurerarbeit müssen die Arbeiter schichten- Arbeit und bei den Akkordfäßen verdient, dann werden weise die Mauer gleichmäßig hoch führen, sonst ist ein immer die Lohnbücher dieser Kolonnen vorgezeigt, um Mauern in Wage und Loth nur sehr schwer zu erreichen. zu beweisen, wie gut es die Arbeiter haben. Dabei verNoch bei sehr vielen anderen Verrichtungen ist solch ein dienen schon diese besten Arbeiter kaum soviel als nothgleichmäßiges Arbeiten aller mitwirkenden Kräfte er- wendig ist, alle andern müssen sich mit weniger begnügen, forderlich. also geradezu darben. Wer Wenn nun dergleichen Arbeiten in Stücklohn oder Sowohl die Kolonnenführer als die Mitglieder der Akkord ausgeführt werden sollen, so wird man den Ver- Kolonnen haben ein Interesse daran, alle schwächeren ding auch nicht mit dem einzelnen Arbeiter ab- Personen abzuschieben, sie auszumerzen. Je niedriger schließen, sondern nur mit der Kolonne oder mit dem die Arbeitspreise werden, desto höhere Ansprüche müssen Kolonnenführer. an die Leistungsfähigkeit und Ausdauer der Arbeiter ge= Wir wollen hier den bei Bauarbeiten vorkommenden ſtellt werden, desto sorgfältiger muß die Auswahl sein, Unterschied zwischen Regiebau, wo der Bauherr oder seine desto schneller werden die Kräfte ausgenutzt. Was wird aus den abgenußten Arbeitern? Beamten ohne weitere Mittelperson mit den Arbeitern verhandeln, und dem Unternehmerbau, wo eine Zwischen- fragt danach, wenn nur bei billigen Akkordsäßen von den person, ein Unternehmer, einerseits mit dem Bauherrn, Kolonnen noch ein erträglicher Verdienst erarbeitet wird. andererseits mit den Arbeitern verhandelt und sich aus Selbst wenn der schwächere Arbeiter mit geringerem beiden möglichst viel Vortheile herauszuwirthschaften sucht, Verdienst sich begnügen will, er kann kein Unterkommen nicht weiter berühren. Die Art des Verdings mit den finden bei der Kolonnenarbeit. Arbeitern ist in beiden Fällen in den Hauptsachen ziemlich gleich, wenn auch beim Unternehmerbau die Aussichten des Arbeiters, gedrückt und hintergangen zu werden, in der Regel größer find. Bei den Erdarbeiten freilich findet man Kolonnen, die sehr erheblich viel weniger leisten als andere. Man könnte da sagen, warum geht der Mann, der in einer sehr kräftigen Kolonne nicht mehr mitthun kann nicht in Es giebt beim Einrichten des Stücklohnes zwei eine solche, die schon so wie so weniger leistet? Er kommt hauptsächliche Systeme: Entweder man verhandelt mit dabei vielleicht noch mit. Diese Annahme muß man aber der ganzen Kolonne, die sich frei gebildet und ihren Ob- aufgeben, wenn man die wirklichen Thatsachen kennt. mann und Geschäftsführer( mag er Vorarbeiter, Schacht- Die Art zu arbeiten, die Sitten und Gebräuche der aus meister oder Polier heißen) sich selbst gewählt hat, oder verschiedenen Landsmannschaften gebildeten Kolonnen veres wird die Abmachung nur mit diesem Vormanne bieten einen solchen Wechsel. Große Unterschiede in der seitens des Unternehmers abgeschlossen und ihm dann über- Leistungsfähigleit bei Erdarbeitern find fast ohne Auslassen, sich nach seinem Geschmack die Arbeiterkolonnen zu- nahme mit großen Unterschieden in der nationalen Zusammenzusetzen und sie nach einem mit den Arbeitern sammensetzung der Kolonnen verbunden. Fremde Elemente abermals zu treffenden Uebereinkommen auszulohnen. find da nicht aufnahmefähig. Obgleich die Kolonnen verDie erstere Art des Affordabschlusses finden wir meist schiedenes leisten, bestehen sie in ihrer Zusammensetzung überall da, wo etwas höher geistig veranlagte Arbeiter doch jede für sich aus ausgewählten Arbeitern ihres in Betracht kommen oder solche, die einer fest zusammen- Stammes, die immer wieder die Schwachen ausstoßen. gefügten, nicht nur durch den Zufall gebildeten Kolonne Bei anderen Gewerben, die an einem Drte arbeiten, angehören. Sie arbeiten gemeinsam und theilen sind meistens solche große Unterschiede in der Leistungshin noch idyllischen und vom Weltgetriebe abliegenden den Lohnertrag der Arbeit gemeinsam, nachdem sie fähigkeit, wie bei den Erdarbeitern nicht zu bemerken. Sie Waldthälern einmal hinaus in das Haften und Treiben für besonders schwierige Leistungen, oder für solche, die scheiden um so eher jeden Schwachen aus, dem dann nur des großen Verkehrs kömmt. Die Eindrücke, die er auf eine größere Geschicklichkeit erfordern, auch wohl wo be- übrig bleibt, den Ort zu verlassen. einer solchen Reise empfangen, hat er in einem gedanken- fondere Gefahr vorhanden ist, eine angemessene Vergütung Die Kolonnenarbeit in Akkord, wobei immer der reichen Cyklus Auf der Eisenbahn" geschildert. Diesem vorab bezahlt haben. stärkere Arbeiter den schwächeren treibt, verwüstet in Cyklus entnehmen wir das leßte Gedicht, das wir unseren So ist es bei Erdarbeiten Gebrauch, daß eine Vor- taum glaublicher Art die Arbeitskraft, besonders Lesern vorführen wollen, und das ein Stückchen modernsten zugsvergütung gezahlt wird dem Schachtmeister, den wenn beim beginnenden Ermatten die Kräfte durch BranntArbeiterlebens mit tröstlicher Aussicht am Schlusse wahr Leuten, die den Karrlauf, die Holzbahn, auf welcher die weingenuß angefeuert worden, um nicht zurück zu bleiben. und ergreifend schildert. Karrenschieber gehn, in Ordnung halten, den Planirern, Was helfen alle schönen Rebensarten gegen Branntwein Beim Gesang sich nicht vergißt, Dem hilft nur die Todesruhe, Die für alles Helfer ist." Das Verständnis für die Leiden seines Volkes verläßt unsern Dichter auch nicht, wenn er aus seinen immer pest, wenn durch ein solches Lohnsystem die Arbeiter zum von Körben und Kränzen der prachtvollsten Pflanzen wurde| Stadträthe verwundert spricht. Auch sonst ist ihre Stellung Trinken unter erschwerenden Umständen gezwungen ihm als Gabe gereicht. mit großen Annehmlichkeiten verbunden. So eine Art werden, nicht zum Trinken aus Genuß, sondern um aus Nachdem sich der stets erneute Applaus ein wenig Minister im Kleinen, haben sie und üben sie eine Selbstdem Körper den letzten Hauch von Leistungsfähigkeit heraus gelegt hatte, sagte der Vorsitzende, daß anstatt Peters- ständigkeit, die nur wenig oder gar nicht von der Stadtzu holen. Ist dann der Körper an den Branntwein erst Pfennige zu sammeln, man lieber Pfennige zur Bekämpfung verordnetenversammlung beeinflußt wird. Wie glücklich gewöhnt, dann ist der Gewohnheitstrinker schnell fertig. der Armuth sammeln sollte. Das würde vielleicht Rom würde mancher Minister sein, wenn er eine so gefügige Da es besonders die schwächeren Arbeiter sind, die bei der nicht vergessen, desto mehr aber wäre Amerikas Armen Majorität für alle seine Pläne hätte, wie die Majorität Kolonnenarbeit eines solchen Anspornes bedürfen, so ver- damit gedient. der Stadtverordnetenversamminng sie für unsere Stadträthe fallen sie um so leichter den Wirkungen des Branntweins Als sich Dr. Mc Glynn erhob, erneute sich das Beifalls- bildet. Diese Uebereinstimmung hat natürlich auch seine und werden bald zu Grunde gerichtet. getöse und wurde ununterbrochen volle 10 Minuten fort- Vortheile. Erst kürzlich war es einem Stadtverordneten Wenn wir eine Volkswirthschaft hätten, die das wich- gefeßt. Endlich gelang es Herrn Gahan, Dr. McGlynn vergönnt, einige seiner lieben Verwandten im Gemeindetigste Volksgut, die Gesundheit des Volkes, auch nur als den amerikanischen Ideal- Priester" vorzustellen. Dieser dienst unterzubringen. einigermaßen zu schäßen wüßte, die nicht alles dem Kapital- Redensart folgten 3 Hochs auf den besten amerikanischen Man würde Unrecht thun, wollte man glauben, die profit unterordnen wollte, dann würde man die Akkord- Bürger". McGlynn sagte unter Anderem: anderen Kategorien der städtischen Arbeiter hätten sich arbeit in Kolonnen verbieten, weil sie noch schädlicher ist, In den katholischen Lehranstalten, und zwar im Schatten deffelben seitens der Stadtverordnetenversammlung der gleichen zärtals jede andere Akkordarbeit. Wenigstens müßte für solche Rom's, welches ihn jetzt von der Gemeinschaft der gläubigen Katholichen Rücksichtnahme zu erfreuen. Es braucht nur darauf liken und der Theilnahme an den Sakramenten ausschließe, habe er Affordarbeit in Kolonnen, in welcher nicht nur die Sucht gelernt, daß ein Mensch, welcher gegen sein eigenes Wissen und hingewieſen zu werden, daß an dieser Stelle schon des nach hohem Verdienst, sondern die fortwährende Furcht, Gewissen spricht, eine Sünde begehe. Zurücknehmen sollte er, was Ausführlichen dargelegt wurde, wie an Lohnerhöhungen wenn man nicht mehr ganz mit kann, ausgeschlossen und er bei manchen Gelegenheiten gesagt und gelehrt habe. Er könne bei der jetzigen Zusammensetzung der Stadtverordnetenvollständig verdienstlos zu werden, zu widernatürlicher An- nichts zurücknehmen und wollte sich lieber der Theilnahme an den versammlung nicht zu denken ist, trotz der außerordentlichen strengung treibt, der Arbeitstag auf allerhöchstens 9 Sakramenten berauben laſſen, als feig seiner Manneswürde entsagen Mehrleistungen, die jeder einzelne dieser Arbeiter zu verund gegen die Wahrheit sprechen. Stunden festgesetzt und durch strenge Strafen jede Nur in Ländern, in welchen sich die Katholiken und ihre Geist richten hat. Gegenwärtig beträgt die Gesammtlänge der Ueberschreitung verboten werden, wenn man sie, wie mit lichkeit von Rom etwas unabhängig zu machen verstanden haben, innerhalb des Weichbildes belegenen, gepflasterten oder einigem Recht bei der Erdarbeit, nicht ganz glaubt ver- nehme die katholische Kirche eine geachtete gesellschaftliche Stellung anderweitig befestigten Straßen, soweit solche regelmäßig ein. Vom Papst und von Rom ist nichts zu bekommen. Diese bieten zu können. Wir meinen, es wäre für das Volks- wollen nur immer haben. Wer von Nom oder dem Papst etwas gereinigt werden, ungefähr 50 deutsche Meilen, die eine wohl besser, eine Eisenbahn oder ein Kanal kofte einige haben will, muß ihnen die Zähne zeigen. zu reinigende Straßenfläche von 4 654 000 qm repräsenMillionen mehr, als daß bei der Ausführung viele Tausend Der Papst sendet jest zwei Würdenträger nach Jrland, welche tiren. Im Jahre 1876 hatten dieselben eine Länge von Arbeiter körperlich, und durch den Trunk auch moralisch zu eine Allianz zwischen England und dem Papst zu Stande bringen ca. 30 Meilen und eine Straßenfläche von 3 230 000 qm. Grunde gerichtet werden. sollen. Eine solche Allianz wäre für die britische Regierung Millionen sollen. Eine solche Allianz wäre für die britische Regierung Millionen Im Laufe der Zeit ist also eine ganz außerordentliche werth und wenn die beiden italienischen Mönche dieselbe fertig Ganz nebenher wollen wir nur noch der Gelegen- brächten, dürften sie selber reich dabei werden. Vielleicht falle aber Mehrthätigkeit nothwendig geworden. Im Jahre 1876, heit zum Betrug gedenken, die der Akkord bei Kolon- auch im entgegengesetzten Falle etwas für sie ab, denn römische bei der geringen Kehrfläche, find 750 Arbeiter mit 42 Manenarbeit den Kolonnenführern bietet und von ihnen Sendlinge sind noch immer an ihren Missionen reich geworden. Hat man nicht von Rom aus auch versucht, die Katholiken 40 Maschinen eine bedeutend größere Straßenfläche reinigen. reichlich ausgenutzt wird. schinen thätig gewesen, jeßt müssen 580 Arbeiter mit Amerika's unter eine schärfere Controlle zu bringen und zu diesem Die Abnahme und Abrechnung der gefertigten Arbeiten Zweck einen päpstlichen Nuntius nach Washington geschickt? Wehe Die täglich zu reinigende Straßenfläche betrug: und die Vertheilung des verarbeiteten Geldes, besonders unserem Lande und der amerikanischen Bürgerfreiheit der hiesigen 1876 2 000 000 qm bei 750 Arbeitern und 42 Maschinen, wenn zwischenunter nur theilweise Abschlagszahlungen, Aus ganz zuverlässiger Quelle weiß ich, daß beträchtliche Anstrengungen Es hatte mithin jeder Arbeiter täglich durchschnittlich 1876 Katholiken, wenn diese Versuche jemals erfolgreich werden sollten! 1885 2 762 960 Vorschüsse und Naturallieferungen an die Arbeiter geleistet von Seiten hiesiger, hoher Geistlichen gemacht worden sind, Präsident 2661 qm, 1885 4591 qm zu reinigen. Wenn man diese sind, ist eine so verwickelte Arbeit, daß der gewöhnliche Cleveland für eine solche Idee günstig zu stimmen! Vorläufig hat Arbeiter in diesem Labyrinthe sich nicht zurechtfinden Herr Cleveland indeß keinen solchen Ehrgeiz. Zahlen liest, begreift man erst, welch reges Interesse da fann. Die Predigt, welche ich Ihnen heute halte, würde ich nicht von oben im rothen Hause vorhanden ist für die Verbesserung" Reserve zu. Hätte ich es je gethan, so wäre es auch die erste und der Kanzel in der St. Stephanskirche aus halten, das gebe ich ohne der Lage der städtischen Arbeiter. Die Anzahl der Arbeiter die letzte Predigt dort gewesen. Doch in Rom hat man einen groben ist verringert, der Lohn ist verkürzt und die Arbeitsleistung, Irrthum begangen. Man hat mir die Freiheit wieder gegeben welche der Einzelne zu verrichten hat, ist beinahe auf ia, in dem gänzlichen Unverständniß für unsere Verhältnisse, hat man das doppelte gestiegen. Es ist doch etwas GroßFreiheit wieder gegeben. Ich bin glücklich, daß dies geschehen, lichkeit. Der Bericht sagt denn auch wörtlich:„ Die Leimich von meinem Amte entbunden und mir die ganze ungebundene artiges und Erhabenes um solch' freisinnige Arbeiterfreunddenn mein Wirkungskreis kann nun ein viel gedeihlicherer werden. 580 " " 11 " 1 40 Wo eine gewissenhafte und um das Wohl der Arbeiter nur einigermaßen besorgte Bauleitung vorhanden ist, da unterziehen sich die Beamten wohl der mühsamen Arbeit, dafür zu sorgen, daß Jeder zu seinem Recht kommt und sehen dem Kolonnenführer scharf auf die Finger, revidiren seine Abrechnungen und Zahlungen. Das kommt aber nur recht selten vor. Im gün- Es ist wahr, daß ich seit Jahren all diese Dinge, die ich heute stungen, welche von diesen Arbeitern gefordert werden, sind stigsten Fall schreitet die Bauleitung ein, wenn die Arbeiter sage, schon kannte, aber ich unterdrückte es, darüber zu sprechen, in- bedeutend. Wenngleich die Dauer der regelmäßigen Reinigungsschon die Beschädigung gemerkt haben und sich beschweren. überall zu predigen. Ich ging zu politischen Versammlungen, nur dem ich hoffte, dafür die Freiheit zu haben, andere Wahrheiten arbeiten nur etwa 9 Stunden pro Tag beträgt, so bilden Nicht zu selten werden sie auch in solchem Falle als„ Auf- aus moralisch- religiösen Gründen, die ich in den dort vertretenen doch die noch außerdem vielfach vorkommenden Dienstwiegler" und„ Ruhestörer" behandelt und schnöde ab- Principien, in der Lehre, daß das Land dem Volke gehöre, fand. Leistungen aller Art eine nicht unerhebliche Arbeitszulage. gewiesen, nachdem man der Sache nur eine oberflächliches ist eine Berläumdung, mich einen Politiker zu nennen, weil ich Vorzugsweise bei schlechtem Wetter müssen die Arbeiter Aufmerksamkeit geschenkt hat. Der Kolonnenführer hat heit und Brüderlichkeit der Menschen. diese Wahrheit im ganzen Lande lehre. Es ist die Lehre der Gleich oft unbegrenzte Zeit hindurch thätig sein, ohne Zeit, seine Beute in Sicherheit zu bringen. Wenn die Kirche sich brüstet Armenhäuser errichtet zu haben, daß ihnen hierfür besondere Entschädigungen gewährt werWenn er seine Sache versteht und nicht zu grob zu- so sage ich, woher hatte sie das Geld? Die Armen hatten es den. Allein die Reinigung der Märkte bedingt eine greift, kann er es in vielen Fällen ziemlich weit treiben, fünfzigfach bezahlt. Ich will lieber lebendig begraben werden, als Arbeitsleistung, welche die gewöhnliche Arbeitszeit jedes bevor überhaupt eine Beschwerde kommt, bevor die Mehr- St. Stephan sein. Aber man bot mir die Pfarrei in Middlediese Wahrheit zurücknehmen. Ich sollte nicht mehr der Pfarrer von eines einzelnen Arbeiters mindestens 1 Stunde pro Tag heit der Arbeiter es merkt, wie ihnen mitgespielt wird. ton an der Eriebahn an, für die Leute dort war ich moralisch verlängert." Einzelne Klügere und Aufgeklärtere werden als„ Wühler" gut genug. Ist das Logik? Ich habe das schwarz auf weiß in Oft unbegrenzte Zeit thätig sein, sagt der Bericht, und Sozialdemokraten" beseitigt und entlassen. Erzbischof Corrigan's Handschrift, und wenn er es bestreitet, ist er und das bei einem Lohnsaß von 2,50 Mt. bis höchstens Geht es schief, dann ist eines Tages der Herr ein katholisches, dem Brooklyner Bischof nahe stehendes Blatt, mit ein Narr oder ein Lügner. Der wahre Grund soll sein, wie heute 3 Mk., ohne daß für die Ueberarbeit irgend welche VerKolonnenführer verschwunden. Die Arbeiter lärmen und theilt, daß ich mich mit einer Wittwe zu verheirathen gedente. Ich gütung einträte. Früher wurde die Straßenreinigung des fluchen einen oder zwei Tage, dann verläuft sich die hatte allerdings eine Geliebte, die St. Stephans- Kirche, sonst aber Tages besorgt, jezt geschieht dies des Nachts. Es soll Kolonne. Die Beamten und Unternehmer sind zufrieden, feine. zugegeben werden, daß hier die Nachtarbeit manches für daß wieder alles in Ruhe ist und an den Urheber, den ist, weil ich die George'sche Landtheorie vertheidige, und durchaus schädliche Arbeitszeit eine entsprechend hohe VerDer einzig wahre Grund, weßhalb Corrigan mich suspendirt hat, sich hat, allein dann soll auch für eine solche, dem Körper unehrlichen Kolonnenführer, denkt meistens kein Mensch wenn er etwas anderes angiebt, lügt er. Ich kann die Pfarre weiter. Es handelte sich ja nur um betrogene Arbeiter. wieder bekommen, wenn ich die Lehre als falsch bezeichne, aber ich gütung eintreten. Der Magistrat findet dies nicht für Das ist das Wesen der Kolonnenarbeit in Verbindung verachte es. nöthig. Vermißt man auch hier die so nothwendige Fürmit der Akkordarbeit. Man suchte mich auf jede Weise bloßzustellen. Schließlich besorge, so ist doch nicht so leicht hin anzunehmen, dieselbe schwerte man sich sogar, daß die St. Stephans Kirche von Morgens wäre überhaupt nicht vorhanden. Die folgende Stelle in fünf Uhr bis Abends neun Uhr geöffnet und so ein Platz für Tramps( Pennbrüder, Vagabunden) jei. Wenn fein anderer Plat dem Bericht von 1881 liefert eine Illustration dazu: dem Tramp gehört, dann ist es die Kirche, um dort in Frieden die Nichts zieht in der Nacht die Arbeiter von ihrer Thätigmüden Glieder ausruhen zu können und sich zum neuen Kampfe feit ab, Schanklokale laden sie nicht ein, einen unbe= Der streitbare Priester ist, wie man sieht, nicht gewillt, entziehen." Solche Aeußerungen müssen das Gefühl jedes wachten Augenblick zu benutzen, um sich der Arbeit zu mit vollstem Freimuth für den George'schen Plan der für seine kirchliche Stellung seine politische Meinung zu Arbeiters auf das Aeußerste verletzen. Derselbe Grad von Bodenverstaatlichung eintrat und darum nach Rom opfern und er erfreut sich offenbar der stärksten Sympathien Achtung, der jenen depossedirten Reichstagspräsidenten vergefordert wurde, um sich wegen seiner politischen Reßerei auf Seiten vieler amerikanischer Katholiken. Dem Papfte und anlaßte, stets, wenn ein Vertreter der Arbeiter im Reichszu vertheidigen, und den der päpstliche Bannstrahl traf, seinen Anhängern steht darum noch ein schlimmer Strauß tage das Wort ergriff, sich zu erheben um mit der Schelle weil er Rom das Recht abstritt, ihn um seiner politischen bevor, der um so schwieriger sein wird, als der päpstliche in der Hand sich in ostentativer Weise hinter den Redner zu Ueberzeugung willen vor den Richterstuhl zu laden. Einfluß sich nicht nur gegen die Freiheit des politischen stellen, derselbe Grad von Achtung, der da den Vertretern Mc Glynn. Aller Augen find jetzt in den Vereinigten Staaten um's Dasein zu stärken. auf den katholischen Geistlichen Mc Glynn gerichtet, der " Die päpstliche Erkommunikation wird jetzt in allen Denkens und der politischen Agitation wendet, sondern der Arbeiter gezollt wurde, in jenen citirten Aeußerungen katholischen Kirchen bekannt gemacht werden, mit all dem zugleich gegen ein wirthschaftlich- soziales Programm, des Verwaltungsberichts des Oberbürgermeisters wird er Ceremoniell, welches die Klerisei bei solcher Gelegenheit das täglich mehr Anhänger gewinnt. Wir in Deutschland den Arbeitern selbst dargebracht! Welch tröstliche Zuverentfaltet der frühere Priester und jetzige einfache Dr. mögen ja über unser Häuflein der Landligisten" und der sicht: nicht einen unbewachten Augenblick möchte der Arme, Mc Glynn beharrt aber auf seinem Standpunkt und ist" Freunde der Bodenverstaatlichung" spotten in Nordvon dem strömenden Regen und dem Sturme gepeitscht, dadurch gegenwärtig zu einer der populärsten Persönlich- amerika erfreut sich die George'sche Theorie bereits einer oder von den versengenden Strahlen der Julisonne gequält, großen Popularität, und wenn McGlynn als Märtyrer benutzen, um sich zu gerade für diese Idee erscheint, so trägt das nicht wenig unerhört, aber wahr! keiten der Union geworden. Das bewies auch die große Volksversammlung, welche bazu bei, sein Ansehen und die Theilnahme an seinem unerhört, aber wahrtholen und zu erfrischen. Es ist am 10. Juli Abends in New- York stattfand. Die George'sche Anti- Armuth- Gesellschaft" hatte dieselbe in die Academy " Schicksale zu erhöhen. Die Arbeitsleistungen der städtischen Arbeiter. Bei den anderen städtischen Arbeitern sieht es nicht beffer aus. Die Laternenanzünder haben heute durchschnittlich 2-3 Laternen mehr zu bedienen und dabei sind viele derselben größer und prächtiger geworden, daher be= deutend langwieriger zu reinigen. of Music und in die daneben liegende Irving Hall einberufen und beide Localitäten waren viel zu klein, um die Masse der Hinzuströmenden zu fassen. Kein Pläßchen war leer und Hunderte und aber Hunderte mußten, ohne EinIn der Garten- und Parkverwaltung treffen wir dietritt zu erlangen, wieder heimkehren. Eine starke AbtheiJm Berliner Gemeinwesen sind die Arbeitsleistungen selben Zustände an. Diejenigen Arbeiter, welche bei lung Polizisten war beordert, die Ordnung und den Ver- der einzelnen beschäftigten Arbeiter sehr anstrengende, mit Unternehmungen beschäftigt sind, die von der Stadt an kehr auf der Straße aufrecht zu halten. Die erdrückende nur wenigen Ausnahmen. Diese Ausnahmen sind auch private Unternehmungen abgegeben wurden, find womöglich Atmosphäre im Saale war nicht im Stande, den Enthu- nicht bei den wirklichen Arbeitern zu finden, es sind viel noch schlimmer dran. Die armen Kutscher, welche die fiasmus zu dämpfen. Das Applaudiren mit Händen und mehr jene Stellungen, die Stadträthe, Directoren und städtischen Sprengwagen leiten, haben eine ununterFüßen, das Beifallsgeschrei, das Wehen der Taschentücher andere höhere Verwaltungsbeamte" einnehmen. Die brochene Arbeitszeit von 5 Uhr Morgens bis 10 Uhr wurde ohne Pause bis an's Ende fortgesetzt. Arbeitszeit derselben ist nicht an gewisse Stunden gebunden, Abends, Sonntags bis Mittag, bei einem Lohn von 16 " Als Dr. McGlynn erschien, war der Beifall betäubend wenn sich auch der Gebrauch eingebürgert hat, daß die Mark wöchentlich. Da wo die Natur ihnen durch Regen und begann stets wieder von Neuem. Kleine Kinder Herren Stadträthe" stets gegen Mittag zu sprechen sind. zu Hülfe kommt, wird die ihnen so gewordene freie Zeit streuten Blumen über die Bühne; in wenigen Minuten Sie arbeiten viel zu Hause" hört man immer, wenn im Hof und Stall im Interesse des Unternehmers ausge= war dieselbe in einen Blumengarten verwandelt. Dußende man einmal gelegentlich über den Normalarbeitstag unserer nüßt. Bei der Vergebung solcher Unternehmungen wäre Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonnabend,| Folgendes an: I früheren Zeiten hatten sich die Handwerker in den 13. August, Abends 8 Uhr, Versammlung, Beuthstraße 8. Bünften vereinigt, und bildeten auf diese Weise eine nicht zu unterTagesordnung: 1. Abrechnung von der Dampferpartie. 2. Vereins- schäßende Macht, die sie bei jeder Gelegenheit zur Geltung brachten. angelegenheit. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Und es war dem Unternehmer und Kaufmann nicht möglich, wenn es doch eine unabweisbare Pflich: des Magistrats, dafür zu sorgen, daß die dabei beschäftigten Arbeiter wenigstens einen einigermaßen anständigen Lohn erhielten. Die städtische Verwaltung von Paris trägt Sorge dafür, daß Fachverein der Steinträger Berlins. Versammlung derselbe nicht das Handwerk zünftig erlernt hatte, irgend eines derbei den Arbeiten, die für dieselbe angefertigt werden, den am Sonntag, den 14. Auguft., Vormittags 11 Uhr, in Scheffer's selben geschäftsmäßig, wie heutzutage, zu betreiben; jeder konnte nur Arbeitern ein Mindestlohn gezahlt wird, dessen Höhe zu Salon, Inselstraße 10, 2 Treppen. Tages- Ordnung: Innere Ver- in seinem erlernten Fache thätig sein. Die Innungen haben sich einsangelegenheiten; Verschiedenes; Fragekasten. Neue Mitglieder überlebt. Wenn auch einige topflose Schwärmer dieselben wieder aufbestimmen sich die Verwaltung vorbehalten hat. Eine werden aufgenommen. Das Mitgliedsbuch legitimirt. Carl Wallen- frischen möchten, so ist dieses entschieden zu verwerfen. Die fortsolche Bestimmung hat auch für die anderen Arbeiter sehr thin, Borsigender. während vervollkommnete Technik des Maschinenwesens, welche schon bedeutende Vortheile. Was in Paris möglich, sollte das Fachverein der Buchbinder und verwandter Berufs- in allen Handwerken Platz gegriffen, und so dem Handwerker enorme hier nicht auch durchführbar sein? Gewiß, wenn nur der genoffen( Verbandsverein). Generalversammlung. Sonnabend, Konkurrenz bereitet, hat uns in die Lage gedrängt, den heutigen den 13. August, Abends 82 Uhr im Restaurant Reyer, Alte Jakob: Wirkungen dieser Konkurrenz, um unsere Eristenz zu sichern, mit Wille dazu vorhanden wäre. So wie die Sachen jezt straße 83. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Statutenänderung. allen uns zu Gebote stehenden Mitteln entgegen zu treten. Das liegen, können sie nicht mehr länger weiter gehn, Mögen 3. Ersazwahl zum Vorstand. 4. Wahl eines Revisors. 5. Ver- tönnen wir nur dadurch erreichen, daß wir uns ein Beispiel an den die Schönredner von heute auch noch so sehr die städtische schiedenes. Unternehmern nehmen, daß wir uns einer Fachorganisation Verwaltung preisen, der aufmerksame Beobachter, der sich Bersammlung am Montag, den 15. August, Abends 9 Uhr, bei wir mittelst dieser Organisation jede Lohnerhöhung, welche den ZeitVerein Berliner Hausdiener. Außerordentliche General- anschließen. Läßt uns das Gesez freien Spielraum, so können nicht durch die glänzenden Aeußerlichkeiten täuschen läßt, Jordan, Neue Grünstraße 28. Tagesordnung: 1. Mittheilung. verhältnissen angemessen ist, erreichen. Ist es doch den ,, Arbeitgebern" wird erschrecken vor dem Bild, das sich ihm darbietet. 2. Nochmalige Abstimmung über das Statut der Invaliden- und sogar gestattet, schwarze Listen zu führen, in welchen diejenigen GeSuchen wir ein ungefähres Zahlenbild dessen zu ge- Altersversorgungskaffe, bezw. Beschlußfaffung über Annahme desselben. sellen, welche noch den Muth haben, ihre Kameraden zu vertreten, eingezeichnet werden. Mit einem träftigen Schlußwort endete der winnen, was ein Familienvater bedarf. Eine Familie 3. Verschiedenes. 4. Fragetaften. Fachverein der Metallschrauben- und Facondreher Referent seinen Vortrag. In der hierauf folgenden Debatte erhielt braucht zu ihrem Unterhalte, die Durchschnittszahl von Berlins. Sonntag, den 14. August, Vormittags 10% Uhr, im zunächst Herr Hugo Lehmann das Wort. Der Redner erklärte, 5 Köpfen angenommen, wöchentlich zum allermindesten: Lokale des Herrn Weick, Alexanderstr. 31, Generalversammlung. daß er im großen und ganzen mit dem Referenten einverstanden sei. Tagesordnung: 1. Antrag der Fachkommission: Sollen Mitglieder, Wenn aber der Referent meint, daß uns das Gesetz das Recht giebt, eine 1 Mt. 80 Pf. welche in der Bewegung stehen und als solche gemaßregelt werden, Lohnerhöhung, welche zu unserem nothwendigen Lebensunterhalt ge= 2 20 " während der Dauer ihrer Arbeitslosigkeit in Höhe ihres bisher er hört, anzustreben, so mag dies früher gewesen sein. Heute ist dies zielten Verdienstes unterstüßt werden?" 2. Wie denten die Mitglieder nicht mehr der Fall, man spricht ja viel von den Freiheiten des über die Anlegung des Vereinsvermögens? 3. Verschiedenes. Coalitionsgefetes. Das ist aber für uns Arbeiter seit 1878 und Metallarbeiter Krantentasse. Am Sonntag 14., Vor- seit dem Streikerlaß nur ein schöner Traum. Wir haben ja die Bemittag 10 Uhr, bei Deigmüller, Alte Jakobstr.: Versammlung der weise durch die Auflösung der Fachvereine der Maurer und Töpfer, Filiale II der Metallarbeiter- Krankenkasse. Tagesordnung: Berathung der Lohnkommission der Maurer und Zimmerleute, welche doch nur über Anträge zur Generalversammlung behufs Abänderung des Statuts. eine Lohnerhöhung anstrebten. Also muß doch die Behörde angeDie Filiale Berlin IV" hält Sonnabend, Abends 82 Uhr, Koppen- nommen haben, daß jede Lohnerhöhung für die Bauhandwerker vom Straße 75, bei Heidt eine Versammlung ab. Tagesordnung: Rassen- Uebel sei. Nun sei hier ein kurzes Rechenerempel angeführt, zu Nuz bericht und Verschiedenes. und Frommen für alle diejenigen, die sich dafür interessiren: Ein 40 Wochen, wovon die Feier- und Regentage noch eigentlich abgeMaurer nnd Zimmerer arbeitet das Jahr durch höchstens Brod( incl. Schrippen) Butter 2 Pfd. à 1 Mt. 10 Pf. Belag( Käse oder Wurst) pro Tag 20 Pf. Kaffee 1/2 Pfd. à 1 Mt. 20 Pf. Cichorien Zucker 1 Pfd. Mehl 2 Pfd. à 20 Pf. Kartoffeln( 15 Liter à 4 Pf.) Gemüse und Hülsenfrüchte Fleisch, 5 Pfd. à 60 Pf. Salz und Gewürze Milch, 6 Liter à 15 Pf.. Bier, 8 Glas à 10 Pf. Petroleum( 2 Liter à 20 Pf.) Feuerung. Seife . Für den Mann wöchentlich für ExtraAusgaben*) " " 1 40 " 60 " " 10 " " 35 " " 40 " " 60 " " 60" " " 20" 90 " " 80 " " 40 " " 20 " " 30 " " 4823488122842| 2" Summe 16 Mt. 85 Pf. " " Landparthieen, Stiftungsfefte. Der Verein zur Wahrung der Interessen der in der Hut fabrikation beschäf= tigten Arbeiter unternimmt die diesjährige Herrenpartie nach rechnet werden müssen. Der Lohn beträgt 40-50 Pfg. pro Stunde. Erkner- Rüdersdorf nnd zwar am 14. August. Treffpunkt: Nehmen wir den Durchschnittslohn 45 Pfg. pro Stunde, und nehmen Bahnhof Alexanderplatz, Morgens 7 Uhr. Nachzügler werden bis wir 20 Wochen zu einer 10 stündigen Arbeitszeit, pro Woche also 11 Uhr im Restaurant Kaisergarten, Woltersdorfer Schleuse, 30 Bfg., ferner 10 Wochen zu 8stündiger Arbeitszeit, pro Woche 27 Mt.; 10 Wochen zu 9 stündiger Arbeitszeit, pro Woche 24 Mr. erwartet. Gäste willkommen. Die Allgemeine Stuhl( Siehe auch Fachverein der Tischler".) politisch überzeugten Männern zu machen, damit, wenn die Zeit der Wahl da ist, ein Jeder seine Schuldigkeit thut. Ein Jeder weiß, auf welche Seite er dann gehört. Hierauf erhob sich der überwachende Beamte und löste die Versammlung auf. also jährlich 876 Mt. 20 Pf. arbeiter Vereinigung feiert ihr diesjähriges Stiftungs- 21 t. 60 Pfg., so würde. das zusammen einen Verdienst von 1006 Mr. fest am Sonnabend, den 13. August, im„ Berliuer Prater", pro Jahr ergeben. Hiervon rechne man folgende Ausgaben ab: Hierzu kommen für Miethe 240 Mt., Steuern 25 Mt., Kastanien Allee 6-9. Die Festlichkeit besteht in Stonzert, Theater Miethe für Stube und Küche 240 Mt., Steuer 40 Mt., Erneuerung vorstellung und Ball. Anfang des Konzerts Nachmittags 4 Uhr. des Handwerkszeuges 20 Mt., Krankenkasse( Hülfskaffe) pro Jahr Kleidung 100 Mt., Wäsche 30 Mt., Schuhwerk( 1 Baar Die Staffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. Der Fachverein 20 mt. und 80 Pfg., Zeitung 16 Mt. 20 Pfg., zusammen eine Ausneu für den Mann 9 Mk., 1 Paar neu für die Frau sämmtlicher im Drechslergewerk beschäftigten Ar- gabe von 337 Mt., so bleibt von der Einnahme 667 Mt. Also hat 7 Mt., 3 Paar neu für je 1 Kind( à 3 Mt. 50 Pf.) beiter Berlins will morgen Sonntag einen Familienausflug" der Betreffende für Kleidung, Kost, für Arzt und Medizin pro Tag 10 mt. 50 Pf., für Reparaturen der Mann 3 Paar nach Haffelwerder( Station Johannisthal, Görlizer Bahn) ver- 1 Mt. 82 Bfg. zu verwenden. Das ist die glänzende Stellung der anstalten. Abfahrt Nachmittags 2 Uhr 15 Min. vom Görlißer Bauhandwerker! Der Redner führte unter Anderem noch an, daß Sohlen( à 3 Mt.) 9 Mt., die übrigen Familienglieder Bahnhof. Treffpunkt daselbst Nachmittags 14 Uhr. Außerdem seiner Ansicht nach die Fachvereine unter den heutigen Verhältnissen je 2 paar Sohlen macht 8 paar Sohlen mit kleineren fönnen auch die Züge der Stadtbahn resp. die Vorortzüge Schle- nichts nüßen könnten, sondern unsere Aufgabe müsse es sein, unseren Reparaturen( à 2 Mt.) 16 Mt.) 51 mt. 50 Pf., Doktor fischer Bahnhof- Grünau" benugt werden! Mitglieder und Freunde Freunden und Kameraden außerhalb des Fachvereins über ihre wirthschaftliche Lage Aufklärung zu verschaffen, und diefelben zu und Apotheker 30 Mt., Schulbücher und Zeitungen 12 Mt., mit ihren Damen sind zu zahlreicher Betheiligung eingeladen. zusammen 1364 Mt. 70 Pf. Wer auch nur einigermaßen Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins sämmtlicher die Ernährungsverhältnisse kennt, wird zugeben müssen, Berufsklassen. Die Filiale„ Berlin I" hält Sonnabend, den daß obige Zahlen das Minimum darstellen von dem, was 13. d. M., Abends 8 Uhr, Blumenstr. 78 eine Versammlung ab. Eine öffentliche Versammlung der Drechsler tagte, wirklich gebraucht wird. Ja, der Arbeiter selbst wird Die Filiale„ Berlin II" hält ebenfalls Sonnabend, Abds. 8 Uhr, leider nur schwach besucht, am Sonnabend, den 6. d. M. in Grateine Versammlung im Lokale von Löskow, Prinzenstraße 79, ab. erstaunt sein, daß man ihm solche Enthaltsamkeit zu mir fügen hier gleich noch folgendes hinzu: Die Kranken- und Be- 30. August zu Naumburg a. S. stattfindenden Kongreß vorzunehmen. weil's Bierhallen, um die Wahl von Delegirten zu dem am 28. bis muthet. Außerdem sind einige Ausgaben, wie Versiche- gräbnißtasse des Vereins sämmtlicher Berufsklassen( E. H. Nr. 2) hat Herr Sündermann empfahl, sofort zur Wahl der Delegirten zu rung der Mobilien, gegenseitige Geschenke zu den üblichen nach dem letzten Monatsabschluß einen Vermögensstand von schreiten. Hiergegen erklärte sich jedoch Herr Schrader, welcher Festlichkeiten 2c. gar nicht in Anrechnung gebracht. Kurz 13 138,28 Mt. oder pro Mitglied von 18,45 Mt. Die gut fundirte darauf hinwies, daß die Hamburger Zentralisations- Kommiſſion ein und gut, bei der Aufstellung sind Zahlen gebraucht worden, schied des Berufes, von 14-15 Jahren ab jederzeit auf, Unterstügungsverband der Drechsler über ganz Deutschland zu grün Kasse nimmt Personen beiderlei Geschlechts, ohne Unter Statut genehmigt erhalten habe, auf Grund dessen dieselbe einen die weit hinter den nothwendigsten Bedürfnissen zurückbleiben, und bestehen verschiedene Versicherungsklaffen. Für die geleisteten den gewillt sei. Hierauf verlas Herr Suchantte( Hamburg) zwei und trotz alledem welch' betrübendes Resultat. Die aller- Wochenbeiträge von 18-60 Pfg. wird bei Erkrankungsfällen eine Statuten- Entwürfe, von welchen der letztere von der Hamburger nothwendigsten Ausgaben erfordern eine Summe von Unterſtüßung von 4,50 Mt. bis zu 15 Mt. pro Woche gewährt; bei Behörde genehmigt worden ist, und ersuchte die Berliner Kollegen 1364 Mt. 70 Pf. Bei unbegrenzter Arbeitszeit, bei Nacht gezahlt. Für Berlin sind vier örtliche Berwaltungsstellen errichtet, nehmen. Hierauf entspann sich eine lebhafte Debatte, in welcher Todesfällen den Hinterbliebenen ein Begräbnißgeld von 45-150 Mt. von der Beschickung des Kongresses der Unkosten halber Abstand zu arbeit, bei vollständiger Schußlosigkeit der Arbeiter gegen wo jederzeit Beitrittserklärungen entgegen genommen werden, und sich die Herren Sündermann und Hildebrandt gegen die Gründung die Einflüsse der Witterung, zahlt der freisinnige, arbeiter- zwar: Berlin I" Kassirer E. Schilling, Koppenſtr. 48; Berlin II" eines Unterstützungsverbandes, jedoch für Gründung eines Verbandes freundliche Magistrat den best bezahlten Arbeitern( nicht Raffirar J. Schuhmacher, Mariannenſtr. 8; Berlin III" Rafsirer auf Grund des§ 152 der Gewerbeordnung( Bestimmungen über Vorarbeitern) 1095 Mt. Es bleibt mithin selbst hier ein Teltowerstr. 45; ferner beim Vorsitzenden W. Saffe, Blücherstr. 34 Schrader, Buchmann und Suchantke der Meinung waren, daß man 5. Rudolph, Kolonienstr. 150a; Berlin IV" Raffirer M. Zeifig, das Koalitionsrecht der Arbeiter) aussprachen, während die Herren Ernährungsdefizit von 268 Mt. 30 Pf. Was für Zu- bis 35, und beim Hauptkassirer E. Kühnelt, Kreuzbergstr. 63, wo es mit dem Hamburger Statut erst versuchen solle. Die Versammstände müssen schließlich die Wirkungen solcher Verhält- auch jede gewünschte Auskunft ertheilt wird. Außerdem werden in lung entschied sich dafür, den Kongreß nicht zu beschicken und die nisse bilden? Es ist leider nicht möglich, ziffernmäßig den Versammlungen neue Mitglieder aufgenommen. Collegen Deutschlands zu ersuchen, den Congreß bis frühestens zu diese Wirkungen zu schildern, der Magistrat liefert kein Der Fach verein der Tischler hielt am Sonnabend, den Weihnachtsfeiertagen zu vertagen. Herr Sündermann proteſtirte Material in seinen Berichten. Er läßt jedenfalls sehr den 6. August, eine Generalversammlung in Jordan's Salon, namens der Fünferkommission dagegen und will eine neue Versammjedenfalls ſehr Neue Grünstraße 28, ab. Der Rendant Herr Merkel erstattete lung einberufen.( Anzeige siehe oben). bequem sich und andere darüber im Unklaren, wie viel zunächst den Kassenbericht für das zweite Quartal 1887. In Streit befinden sich augenblicklich in Erkrankungs-, Sterbefälle 2c., bei den städtischen Arbeitern Demnach betrugen die Einnahmen 546,05 mt., alter Bestand Deutschland nach den uns zugegangenen Nachrichten: die eintreten, wieviel Entlassungen nothgedrungen gefordert oder 2500,11 Mt., in Summa 3046,16 Mr. Die Ausgaben betrugen: Bimmerer in Leipzig, die Maurer in Göttingen, die Schieferdeckergegeben werden müssen, weil der Verbrauch der Kräfte für den Arbeitsnachweis 40,25 Mr., für die Bibliothet 38,10 t., gehilfen in Dortmund, die Erdarbeiter bei den Eisenbahnarbeiten gegeben werden müssen, weil der Verbrauch der Kräfte für Rechtsschutz 31,50 Mt., für Reiseuuterſtüßung 33 Mt., zu in der Nähe von Barmen, die Handschuhmacher in Haynau in Mt., keine Ergänzung finden kann bei dem niedrigen Lohnjab. Unterrichtszwecken 33 m., für die streifenden Tischler in Ham- Schlesien, die Böttcher in Dresden und Harburg, die TabakNachdem der Arbeiter in den Tagen seiner Gesundheit und burg 200 mt, für die ftreifenden Tischler in Frankfurt a. D. arbeiter in uslar am Harz, die Metallschläger in Fürth. Die seiner Kraft der Gemeinde täglich unbegrenzte Zeit" hin- 50 Mt., soustige Ausgaben 134,20 Mt.; in Summa 560,11 Mt. Maurer Querfurts warnen vor Zuzug, weil ein Streit bevorsteht. durch seine ganze Arbeitskraft gewidmet hat, bringt es der s bleibt demnach am 1. Juli 1887 ein Bestand von 2486,05 Mt. Von ausländischen Streits wären zu regiſtriren: die der Im Unterstüßungsfonds für franke und hilfsbedürftige Mitglieder Cigarrenarbeiter in Stein( Oesterreich), der Kohlenarbeiter im niedrige Lohnsatz mit sich, daß er frühzeitig einem Greisen- befanden sich außerdem 436,60 Mt. Nachdem dem Rendanten Falkenquer Becken, der Schreiner in Bern, der Bäcker in Venedig, thum entgegen geht, das aller Pflege bar und voller Decharge ertheilt war, wurde von der Versammlung beschlossen, der Heizer des österreichischen Lloyd. Der Streit der LokomotivSorgen ist. Wäre es möglich, diese Zahlen zu ermitteln, den Ueberschuß vom legten Stiftungsfeste der Vereinskaffe zu führer und Heizer der Widlandeisenbahn in England soll bediese Zahlen würden düstere, beredete Zeugen sein des überweisen und das Defizit von der Dampferpartie aus derselben endet sein. zu decken. Alsdaun erstattete der Vorsitzende Herr Tuyauer BeAn die Buchbinder Berlins! Collegen! In der GeElends das man durch äußern Schein zu verdecken trachtet. richt über die von Vereinsmitgliedern gegen ihre Unternehmer an- schäftsbücherfabrik von F. Eilers in Bielefeld ist ein Streit ausge Heute gelingt dies noch theilweise, aber schon mehren sich gestrengten Prozesse in gewerblichen Streitigkeiten brochen und bitten wir, Zuzug von dort fern zu halten. Zudie Anzeichen, daß sich die Nebel senken und dann wird während des letzten Quartals. Der Bevollmächtigte der Arbeits- sendungen sind zu richten an M. Merzenich, Bielefeld, Damm 6. man das heutige System in seiner ganzen erschreckenden 2. Quartal 315 Adressen an Arbeitsuchende ausgegeben wurden. für den 11. Auguft geplanten Bersammlung der Bauinteressenten vermittlungskommission berichtete hierauf, daß im Die polizeiliche Genehmigung wurde in Berlin einer Nacktheit erkennen. Hierauf wurden die Ersazwahlen der genannten beiden Kom- versagt. Einberufer war Maurer Schulz; Maurer Bock sollte über missionen vollzogen. Zur Herbergsangelegenheit berichtete die neue Baupolizeiordnung" sprechen. der Vorsitzende, daß seitens des Herbergswirthes die Kündigung Den Vergoldern Berlins zur Nachricht, daß in der der Herberge und des Arbeitsnachweises zum 1. November d. J. Goldleistenfabrit von Adolf Wertmeister, Schmidstr. 8a, erfolgt sei. Die Versammlung beschloß, den Vorstand zu beauf dem größten Geschäft in dieser Branche, in der Abtheilung für tragen, geeignete Lokale zur Errichtung einer neuen Herberge, Barockvergolder wegen Lohnabzügen von sämmtlichen Kollegen Große öffentliche Versammlung der Drechsler und sowie für den Arbeitsnachweis zu ermitteln. Nachdem noch einige die Arbeit niedergelegt worden ist. Nachdem vor nicht langer Zeit verwandten Gewerksgenossen Berlins, Mittwoch, den 17. August, interne Vereinsangelegenheiten geregelt waren, beschloß die Ver- die betreffenden Arbeiter sich auf verschiedene Sorten von Leisten Abends 8½ Uhr, in den Gratweil'schen Bierhallen, Beuthstr. 8. ſammlung, die nächste Versammlung, welche am 20. August beträchtliche Abzüge gefallen lassen mußten, wurde jetzt die Anforde Tagesordnung: 1. Der Kongreß der Gewerkskollegen am stattfinden würde, ausfallen zu lassen und dafür am Montag, rung an sie gestellt, die gangbarste Leiste( den Vergoldern als 1313 28.- 30. Auguſt d. J. in Naumburg a. d. Saale; a) Zweck des den 22. August, ein gemüthliches Zusammensein der Mitglieder bekannt), für welche bisher für 100 Fuß 80 Pfg. gezahlt wurden, Kongresses; b) können wir auf Grund des in Hamburg genehmigten im Vereinslokale zu veranstalten. Ferner beschloß die Versamm für den Preis von 65 Pfg. herzustellen. Dieser Abzug würde bei Centralisations Statuts eine Vereinigung der Drechsler und lung, am Sonntag, den 14. Auguſt, für die Mitglieder und angestrengter Thätigkeit( bei Herstellung von 500 Fuß pro Person verwandten Gewerksgenossen Deutschlands erzielen?! 2. Endgiltige deren Familien einen Ausflug nach Johannisthal zu ver- und pro Tag) einen Mindestverdienst von 75 Bf. täglich ausmachen, Beschlußfassung zu dem Obigen; 3. Wahl der Delegirten; 4. Veranstalten. Treffpunkt in Johannisthal im Lokal von Senftleben. auf die Woche also 4,50 M. Bei dem schon geringen Verdienst war schiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Die Theilnehmer können sowohl die Vor- und Nachmittagszüge es den Arbeitern nicht möglich, diesen Abzug zu tragen. Im AnPflicht der Kollegen recht zahlreich zu erscheinen! Die Fünferkommission. vom Görlizer Bahnhof, als auch die von den Bahnhöfen Friedrich- schluß an das oben Angeführte ersuchen die Arbeiter alle Kollegen -Verein zur Wahrung der Interessen der Klavier: straße, Alexanderplaß und Schlesischer Bahnhof abgehenden Vorort des Vergoldergewerks, fie in ihrem Bestreben, die bisher bezahlten arbeiter. Sonnabend, den 13. August, Mitgliederversammlung züge benußen.( Wir mußten den Bericht wegen Raummangel Preise beizubehalten, nach Kräften zu unterstüßen und die ver in Gratweil's Bierhallen, Beuthstraße 8. Tagesordnung: 1. Vereins fürzen. D. R.) lassenen Arbeitspläge nicht zu beseßen. angelegenheiten. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. Friz Gördi. Vereine und Versammlungen. Die Die Versammlung des Verbandes deutscher Zimmer Der vom Tischlerfach verein begründete Arbeits leute( Lokal- Verband Berlin N.), welche am Mittwoch, den 3. Auguft nachweis befindet sich Blumenstr. 56 im Restaurant. in Lemke's Salon, Hochstr. 32 a, tagte, endete mit der polizeilichen Arbeitsvermittelung geschieht für Meister und Gesellen( auch NichtAuflösung. Das Referat über Die Nothwendigkeit der mitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe *) Rasieren, Baden, Sonntags mit der Familie der Spazierfach gewerblichen Bestrebungen" hatte Herr Meyner über- folgt an Wochentagen von 8 bis 10 Uhr Abends, Sonntags von nommen. Redner führte in seinem 12 stündigen Vortrag ungefähr 9-11 Uhr Vormittags. gang 2c. " Verantwortlicher Redacteur: Max Schippel, Berlin. Drud und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Cranien- Straße 23. er