3 ..as 34 117 t B i T I T } . Berliner Volks- Tribüne. Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg.( frei ins Haus). Einzelne Nummer 15 Pfg. Vom 1. Oktober ab durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen. Bei direkter Zusendung unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mt. 60 Pfg. Redaktion und Expedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. №. 3. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 20. August 1887. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. I. Jahrgang. Die Industriearbeiter und die kaufmännischen ganz dieselben Nothstände, wie den lebenslänglich an die nicht zu zahlreichen„ gelernten" Kaufleute gebraucht werden Arbeiter. " Lohnsklaverei gefesselten Arbeiter. aus= konnten, da infolge dessen alle anderen Konkurrenten von Es ist bekannt, wie mit dem Fortschreiten der modernen selbst hinwegsielen, so waren die Anstellungsbedingungen Großproduktion die Spezialisirung der Thätigkeiten gute. Heute kann jeder aus der Schule Entlassene rasch Zur Handlungsgehilfenbewegung. fortgeschritten und der Arbeiter immer mehr an eine ein zu einer der kaufmännischen Theilarbeiten abgerichtet werden; Noch vor wenigen Jahren war von einer öffentlichen fache Theilarbeit gekettet worden ist, während er früher darum haben die Unternehmer die Lehrlingsausbildung Agitation unter den Handlungsgehilfen in den größeren vielseitiger thätig war. verfallen lassen sie ist für Unternehmer nicht mehr und kleineren Städten Deutschlands nicht die Rede. Es Ganz der gleichen Erscheinung begegnen wir im so nothwendig und kostet Zeit und Geld! Darum tritt gab wohl Vereine, welche sich die geistige Aufklärung und kaufmännischen Berufe. Wir wollen uns dies, statt durch heute jeder, der etwas rechnen und schreiben kann, mit Hebung oder die materielle Unterſtüßung und Förderung lange Ausführungen, durch ein paar Beispiele aus der dem gelernten Kaufmann in Konkurrenz, und diese verder Kaufleute zur Aufgabe gemacht hatten, aber es gab täglichen Erfahrung klar machen. schärfte Konkurrenz drückt den Lohn, sie zwingt auch den feine öffentliche Bewegung, welche an Staat und Wir haben heute noch in kleineren Städten ,, Bankiers", Widerstandsfähigsten, auf die unwürdigsten Bedingungen, Gemeinde bestimmte Forderungen gestellt hätte, die von welche mit ihren zwei oder drei Gehilfen sämmtliche welche die Arbeitszeit, die Kündigungsfrist und das ganze den Forderungen der herrschenden Parteien wesentlich ver- Geld-, Kredit: nnd Spekulationsgeschäfte soweit sie Arbeitsverhältniß betreffen, einzugehen. schieden gewesen wären und darum einen bewußten unter kleineren Verhältnissen überhaupt vorkommen-ver- Das ist alles ganz wie bei den Arbeitern. Bei den Gegensatz gegen die Interessen des Unternehmer- mitteln und ausführen. Solche Geschäfte haben gewiß, Kaufleuten haben aber noch einige Besonderheiten diesen thums bekundet hätten. wie auch die handwerksmäßigen Kleinbetriebe, ihre dunklen wirthschaftlichen Zersetzungsprozeß, der mit dem technischen Hierin ist nun seit einiger Zeit eine gründliche Wand- Schattenseiten. Aber für den Gehilfen ergiebt sich doch parallel geht, verschärft und beschleunigt. lung eingetreten. Die große Krisis der siebziger Jahre, der Vortheil, daß er vielseitig ausgebildet wird und daß mit der furchtbaren allgemeinen Arbeitslosigkeit in ihrem ihm, nach vollendeter Ausbildung, gänzlich Unerfahrene langern der Maschinen herabgewürdigt wurden, wuchs Judem die Arbeiter immer mehr zu bloßen HandGefolge, brachte es mit sich, daß man der Ueberfüllung feine Konkurrenz machen können: der„ Chef" kann einen wie gesagt die Konkurrenz unter den Arbeitern, weil des kaufmännischen Berufes" plößlich größere Aufmerksam einfachen Schreiber oder Rechner nicht gebrauchen. Wie dem Unternehmer für seine lohndrückerischen Zwecke nicht keit zuwandte und daß man die elende Lehrlingswirthschaft anders in unseren großen Bankhäusern und Bankgesell- allein die Tausende der gelernten Arbeiter seines Gewerbszu bekämpfen begann, der man zu einem guten Theil die schaften. Einmal pflegt hier die Bank von vornherein zweiges zur Verfügung standen, sondern auch die HundertSchuld an dem Verfall des kaufmännischen Berufes zuschrieb. eine ganz bestimmte Seite des Bankgeschäftes die eine tausende von ungelernten Arbeitern, die jetzt rasch anAls die Bewegung erst einmal in Fluß war, wandte sie den Hypothekenverkehr, vielleicht auch nur für städtische gelernt werden konnten. Aber daß diese Hunderttausende sich naturgemäß auch anderen Fragen zu: man trat für Grundstücke oder nur für ländliche Anwesen, die andere auch noch für die Theilarbeiten beffer beanlagt wären, die allgemeine Krankenversicherungspflicht auch für die das Wechselgeschäft, auch hier wieder in den verschieden wie früher, wird niemand behaupten wollen. Aber bei Handlungsgehilfen ein; man erwog die Mittel, wie man sten Abarten, eine dritte gründet, eine vierte vermittelt vielen kaufmännischen Theilarbeiten trifft das zu infolge die Gehaltsverhältnisse aufbessern könne; man dachte an größere Anleihen aller Art u. s. w. Und innerhalb eines der Fortschritte der allgemeinen Bildung. Rechnen, eine andere gefeßliche Regelung der Kündigungsfrist; man jeden solchen Zweiges wieder welche Spezialiſirung der Schreiben, vielleicht auch etwas Uebersetzen und Stenoforderte die Beschränkung und Abschaffung der Sonntags- Thätigkeiten! Wie in einem großen industriellen Etablisse- graphiren kann heute jeder, und so treten heute viele arbeit; energischere Männer plädirten zuletzt auch für den ment einer geringen Zahl von Direktoren und Technikern mit in Wettbewerb, die früher bei der gleichen Geschäftsgefeßlichen Normalarbeitstag, welcher den Kaufleuten die die ganze kaufmännische und technische Leitung zufällt und theilung aber bei geringerer allgemeiner Bildung nöthige Muße verschaffen sollte, um sich erholen und fort- alle anderen Arbeiter mehr und mehr auf wenige gleich geschlossen gewesen wären. bilden zu können. förmige Handgriffe sich beschränken müssen, so ist auch im Man sieht, sehr zielbewußt war die Bewegung der modernen Bankgeschäft die eigentliche Leitung in wenigen rufes den man leider um gewisser lächerlicher AeußerAuch die Ueberschätzung des kaufmännischen BeKaufleute nicht; sie irrlichterirte bedenklich hin und her eigens dazu geschulten und gebildeten Männern vereinigt, lichkeiten willen immer noch für etwas Höheres hält wie und konnte es vorerst zu einem einheitlichen, geschlossenen während die Mehrheit der Angestellten immer mehr zu den industriellen treibt gerade dem Handelsstand eine Vorgehen nicht bringen. Aber sie hat nach Kräften nach- bloßen Rechnern, Schreibern, Ueberseßern und ähnlichen ausnahmsweis große Zahl von Stellungsuchenden zu, geholt, was ihr fehlte. Und wenn man ihren Bemühungen, Theilarbeitern verkrüppelt, die wohl ihre Theilverrichtung, welche den wilden Kampf um das Brod uoch heftiger zu einer festen und klaren Richtung zu gelangen, folgt, so aber niemals mehr die gesammten Grundlagen des ganzen macht. muß sich jedem ernsten Beobachter sofort die Erkenntniß vielverzweigten Bankgeschäftes ordentlich kennen lernen. Das sind kleine Besonderheiten, welche im Kaufmannsaufdrängen, Blicken wir auf die Wandlungen im Ladengeschäft, stande noch in etwas die Krisis verschärfen, die sonst aus daß die kaufmännische Bewegung mehr und mehr so werden wir sofort ähnliche Erscheinungen gewahren. ganz den gleichen Ursachen entspringt, wie sie auf den Anschluß an die große soziale Bewegung der Gewiß, der kleine Kaufmann, der eine Menge verschieden- Arbeiterstand so verhängnißvoll wirken. Arbeiter sucht und findet, fter Waaren führt, ist ebensowenig ein Ideal, wie der Die wichtigste der gemeinsamen Nothstandsursachen und beim weiteren Verfolg dieser Beobachtung wird man, handwerksmäßige Tischler, der alle möglichen Tischlerarbeiten haben wir aber noch gar nicht berührt und wir können glauben wir, auch zu der Einsicht gelangeu müssen, verrichtet. Aber vielseitiger mußte der Kaufmann in solcher sie auch kürzer behandeln, weil kein Mensch ihre furchtbaren daß die Handlungsgehilfenbewegung mit der Ar- Stellung unbedingt sein, er mußte eine ausgebreitetere Folgen verkennen wird: das ist die periodische Wiederkehr beiterbewegung in gleichem Schritt und Waarenkenntniß befißen, er mußte fich auf Einkauf und und die wachsende Verschärfung der Wirthschaftskrisen, Tritt vorrücken muß, weil sie beide den gleichen Verkauf in gleicher Weise verstehen, er mußte die Buch- welche den auch in besseren Jahren fortglimmenden NothGegner mit den gleichen Waffen zu treffen haben. führung kennen, er mußte die Correspondenz, das Reisen stand plößlich in lichterlohe Flammen sezen. Da hierüber noch so viele schiefe Auffassungen herr- übernehmen. Heute weiß der Gehülfe im Verkauf vielleicht Daß bei jeder Krisis auch die kaufmännische Thätigschen, so möge uns eine breitere Begründung dieser Be- gar nichts von den Geheimnissen der Waarenverfertigung keit, wie vom Schlage getroffen, stille steht, daß hunderte hauptung gestattet sein. und des Einkaufes; vielleicht verkauft er sein Leben lang von kaufmännischen Geschäften zusammenbrechen und daß Eine Arbeiterfrage im modernen Sinne gab es solange in einer„ holländischen Lagerei" nichts als Zucker und tausende von angestellten Kaufleuten entlassen werden, das nicht, als die Produktion noch im Kleinbetriebe sich be- Kaffee, von jedem ein paar Sorten, und er kann in einem weiß nachgerade jedes Kind. Jedes Kind weiß ferner, wegte und jeder Geselle Aussicht hatte, selbständig zu großen Geschäft zur vollen Zufriedenheit des Chefs Tag daß bei der gegenwärtigen Wirthschaftsstagnation Schaaren werden. Der Geselle, der jeden Tag aufhören konnte, für Tag hinter dem Ladentisch stehen, ohne daß ihn jemand stellenloser Kaufleute im Lande umherbetteln und ArbeitsGeselle zu sein, schielte immer mit einem Auge nach den lehrt, wie Buch zu führen oder auch nur ein korrekter kolonien und Arbeitshäuser füllen, und dieser unerträgliche Meistern und ihren Ansichten hinüber. Erst als ihn das Brief zu schreiben sei. Das besorgen wieder andere Theil- Zustand wird natürlich nicht eher aufhören, als bis die Schicksal traf, Zeit seines Lebens Lohnarbeiter zu sein und arbeiter, die vielleicht wieder vom Verkauf gar nichts ver- letzte Stunde der Krisen geschlagen hat. Jede„ Ueberzu bleiben, da schloß er sich untrennbar fest an seine Lei- stehen. produktion" einer Waare wird auch in den kaufmännischen bensgenossen an und trieb Arbeiterpolitik und weiter nichts. Wie der Fabrikarbeiter nur ein Bruchstück Unternehmungen, welche diese Waare beziehen und abſeßen, Erst von diesem Augenblicke an war eine starke Arbeiter des früheren Handwerksgesellen ist, so ist also ihre Verheerungen anrichten; jede allgemeine„ Ueberbewegung möglich. auch der kaufmännische Gehilfe heute nur ein produktion" wird auch den ganzen Kaufmannsstand treffen. Genau so bei den Handlungsgehilfen. Eine Hand- Theil des früheren Kaufmannes: in seinem engen Darum haben die kaufmännischen Arbeiter an einer planlungsgehilfenbewegung vermochte es und brauchte es nicht Thätigkeitskreise ist er allerdings viel besser gedrillt und mäßigen Regelung unserer Wirthschaftsverhältzu geben, solange jeder Kaufmann nur einen Theil seines- ausgenußt als früher. nisse ganz das gleiche Interesse wie die industriellen. Lebens Angestellter", den anderen Theil aber unabhängiger In dieser fortschreitenden Theilung und Und weil diese große Reform nur durch die Arbeiter Unternehmer war. Das hat aber, ebenso wie bei den Vereinfachung der kaufmännischen Arbeit liegt erkämpft werden wird, so haben sie sich auch durchaus Arbeitern, aufgehört, und seitdem hunderttausende junger nun wie bei den Industriearbeitern- ein Haupt- der Politik der Arbeiter anzuschließen. Kaufleute dazu verurtheilt sind, ihr Leben lang in„ Dienst" grund der ganzen Gehilfen- und Lehrlingsmisere. Wir fassen also unsere heutigen Ausführungen dahin zu sein, seitdem ist eine Handlungsgehilfenbewegung nicht Früher konnte man im Kaufmannsberufe nur vielseitig zusammen: nur möglich, sondern auch unbedingt nothwendig, denn gebildete, qualifizirte Arbeiter gebrauchen. Darum mußte Es giebt keine besondere Handlungsgehilfenfrage, seit dieser Zeit der Ausbreitung des Großbetriebes auch im die Lehrlingsausbildung eine gründliche sein und darum ebenso wie es keine besondere Tischler-, Schuster- oder kaufmännischen Beruf treffen den„ ewigen Commis" auch war sie eine gründliche. Und da nur die verhältnißmäßig Schneiderfrage, sondern nur eine allgemeine und gleiche Arbeiterfrage, einen gleichen Gegensatz aller Arbeiter gegen das Kapital giebt. Auch der Kaufmannsstand wird, wie der gewerbliche, mehr und mehr proletarisirt; wenige große kapital- kräftige Unternehmer stehen immer mehr abhängigen kauf- männischen Arbeitern gegenüber, die ihr ganzes Leben Arbeiter, besitzlose und abhängige Arbeiter bleiben. Auch im Kaufmannsbenlf werden durch die fort- schreitende Spczialisinmg der Thätigkeiten alle alten Aus- bildungs- und Lehrlingsverhältnisse über den Haufen ge- worfen, die qualifizirte Arbeit wird mehr und mehr durch die einfache verdrängt. Darum können die Unternehmer heute— im Kaufmannsberuf wie in der Industrie— viel mehr„ungelernte" Arbeiter beschäftigen, darum ist die Lehrlingswirthschaft eine so schamlose, darum ist die Konkurrenz um die Stellen eine so tolle(weil auch die „Ungelernten" mit in Wettbewerb treten), darum sinkt der Lohn, steigt die Arbeitszeit, darum wächst die Uebermacht des Kapitals— auch den kaufmännischen Arbeitern gegenüber. Auch im Kaufniannsstande forden: die Krisen die gleichen Opfer wie in der Industrie, und da die Krisen in allgemeinen Wirthschaftsverhältnissen wurzeln, so haben die kaufmännischeu Arbeiter das gleiche Interesse an einer allgemeinen Wirthschaftsreform. Reformen speziell im Kaufmannsberufe helfen hier offenbar gar nichts. Kurzum: die Mißstände im Kaufmannsstande sind dieselben wie in allen anderen Berufen irnd wurzeln wie die letzteren in dem Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit. Nur wenn dieses geändert wird, wird es auch bei den kaufmännischen Arbeitern besser werden. Allein vermögen sie aber nichts, hier giebt es, wenn sie nicht ganz in Jndifferentismus und unhaltbaren Bestrebungen zu Grunde gehen wollen, nur einen Ausweg: Anschluß an die große soziale Refonnpartei der Arbeiter und Unter- ftützung ihrer Forderungen, welche auch die Forderungen der Handlungsgehilfen werden müssen. Die letzte Vergangenheit läßt uns hoffen, daß die Handlungsgehilsen auch mehr und mehr und immer zielbc- wußter diesen einzigen Weg der Rettung einschlagen werden. Heute bilden sich leider noch immer viele von ihnen ein, daß sie keine Proletarier seien, weil sie nicht in der Arbeits- blouse stecken, und daß sie an die Seite der Unternehmer gehören, weil sie mit Letzteren den Rock nach dem gleichen Schnitt tragen. Hat das Vaugewerbe von der Wieder- einsührung des Vesähigungs-Nachweises � Vortheile fn erwarten? □ Die Herren Zünftler haben angekündigt, daß dem nächsten Reichstage eine Vorlage zugehen werde, die für das Baugewerbe einen„Befähigungsnachweis", eine Prüfung derjenigen anordnen wird, die Bauten selbst- ständig ausführen. Bei der heutigen Zusammensetzung des Reichstages ist es auch ohne allen Zweifel, daß diese Vorlage angenommen wird, sie mag aussehen, wie sie will. Daß die Regierung, d. h. der Bundesrath, dann später dieser Vorlage zustimmt und sie so Gesetz wird, ist nicht ganz ausgeschlossen, da man den Zünftlern gerne in solchen Kleinigkeiten zu Willen ist.— Wir können etwa über ein Jahr also den Prüfungszwang für einige Baugewerbe bereits besitzen. Es möchte daher nicht ohne Interesse sein, der Frage näher zu treten, ob ein solcher Prüfungszwang für die Baugewerbe an den heute bestehenden Verhältnissen etwas er- hebliches ändern wird. Die Zünftler, welche nach dem Prüffingszwange streben, stützen sich auf folgende Gründe: 1. Sie erwarten von dem Prüfungszwang ein Er- starken der Jnnugsbewegung. Sie hoffen, daß die geprüften Meister, getrieben durch ein gehobenes Selbstbewußtsein, durch den Stolz, eine Prüfung bestanden zu haben, sich den Innungen, die auch im Baugewerbe bis heut zu keiner rechten Bedeutung kommen können, anschließen werden. 2. Sie erwarten, daß durch den Prüfungszwang, wenn nun ferner nicht jeder beliebige Unternehmer oder gar Geselle sich als selbständiger Bauhand- werker hinsetzen kann, die Zahl der Konkur- renten sich vermindern wird. Deshalb for- dem sie den Prüfungszwang immer mit Hinweis auf die angeblich seit Einfühmng der Gewerbe- freiheit gedrückte Lage der Baugewerbe. 3. Sie envarten, daß durch den Prüfungszwang das Baugewerbe in solidere Hände kommen werde. Sie weisen auf die vielen Schwindel- und Pfuschbauten hin, auf die Gefahr, die durch die- selben zuweilen für Gesundheit und Leben von Bewohnem und Arbeitem entstehen kann, und meinen, ein geprüfter Meister werde so etwas nicht machen, weil er es besser verstehen müsse. Wir sind der Ansicht, daß die Zünftler, die ja die ersten beiden Gründe immer nur so nebenbei durchblicken lassen, sich in allen drei Annahmen einer ganz gründlichen Täuschung hingeben. In Betreff der ersten Annahme, daß durch den Prüfungszwang die Jnnungsbewegung sich verstärken werde, müssen wir vorausschicken, daß wir durchaus keine Feinde von Untemehmervereinigungen sind und es uns auf den Namen, welchen sie führen, durchaus nicht an- kommt. Wir wünschen recht sehr starke Vereinigungen der Untemehmer wie der Arbeiter in den Gewerben, Genossen- schaften, ob sie durch Zwang oder durch freiwillige Ver- einigung gebildet sind, in welchen ein kästiges Streben zum Heben des Handwerks zum energischen Ausdruck kommt, wenn diese Vereinigungen durchtränkt sind von dem rechten Geiste für Recht und Menschlichkeit, wenn sie jedem anderen sein Recht lassen und nur auf dem Boden der Freiheit und der Gleichheit der Rechte ihre Wirksam- keit entfalten wollen. Wir halten solche Vereinigungen für durchaus nothwendig, um zum socialen Frieden zu ge- langen. Wir können in den Innungen aber leider solche nützliche Vereinigungen nicht erblicken. Sie sind nur Ver- einigungen des rückschrittlichen und engherzig selbstsüchtigen Meistcrthumes. Ihnen stehen auf ber einen Seite freilich alle die Theilnahmlosen und Trägen ferne, die sich überhaupt aus eigenem Antrieb keiner Vereinigung an- schließen, die aber auch keiner Vereinigung, wenn sie hineingezwungen werden, zum besonderen Segen gereichen; auf der anderen Seite stehen der Innung aber fern alle die Meister, die einer freieren Auffassung des Lebens in Staat und Gesellschaft huldigen, vom Manchestermanne an, der überhaupt keine Vereinigung will, weil Alles sich von selbst nach Angebot und Nachfrage regeln wird, durch das freie Spiel der Einzelkräfte, bis zum wirthschaftlichen Reformer, der nur von einer gründlichen Uniform der Verkehrsverhältnisse ein Heil erwartet. Die letzteren sind heut auch unter den Meistern, besonders unter den kleine- ren Meistern, die von den heutigen Verhältnissen vorzüglich gedrückt werden, durchaus nicht selten. Sie werden der Innung nur dann beitreten, wenn diese ihren alten Adam vollständig auszuziehen gewillt ist. So lange die Jnnun- gen ihre hauptsächlichste Thätigkeit darauf richten, Zwangs- maßregeln gegen die Gesellen und Arbeiter zu erfinden und einzuführen, so lange sie ein Sammelplatz für politi- sche und wirthschaftliche Rückschnttler sind und bleiben, wird sich ihre Mitgliederzahl auch durch die Prüfungen nicht vermehren, nachdem man doch den Befähigungs- Nachweis von gut reaktionärer Gesinnung nicht wird ab- hängig machen können und die Prüfung einen Gesinnungs- Wechsel nicht hervorbringen möchte. Der Titel„Jnnungs- meister" ist selbst dem ausgesprochensten Dünkel doch eine zu geringe Morgengabe, um dieserhalb der reaktionären Innung beizutreten, und die kleinen Vorrcchtchen, Aus- beutung der Lehrlinge und was sonst in den Zusätzen zur Gewerbeordnung den Innungen geboten ist, machen den Kohl auch nicht fett. Wenn die ungeprüften Meister heut dieserhalb der Innung nicht beitreten, werden die geprüften es später auch nicht thun. Was die zweite Erwägung anbetrifft, daß die Prü- fungen die Zahl der Milbewerber vermindern wer- den, so möchte das wohl die ärgste Täuschung sein, der sich die Prüstmgsfreunde in allen Gewerken hingeben. In Oesterreich, wo seit 1883 der Befähigungsnachweis besteht, ist man zu der Ueberzeugung gekommen, daß durch den- selben der Wettbewerb im Gewerbe selbst nicht vermin- dert, die Zahl der Gewerbetreibenden nicht verkleinert wird. Es ist in den Gewerben eine Besserung des Verdienstes durch den Befähigungsnachweis nicht eingetreten.— Die Sache geht auch ganz natürlich zu. Der Befähigungs- Nachweis kann sich doch nur auf das Allernothwendigste erstrecken. Besonders im Baugewerbe liegen die Sachen so. Bei einigerniaßen bedeutenderen Bauten, bei allen Staats- und Communal- und in neuerer Zeit vorwiegend auch bei besseren Privatbauten liegt die Bauleitung in der Hand eines technisch höher gebildeten Architekten oder Baumeisters. Der Maurer- oder Zimmermeister ist da eine ziemlich überflüssige Person, wie es auch schon öfters von sehr sachkundiger Seite ausgesprochen ist. Es genügt außer dem Architekten und dem Bauführer vollständig ein gehörig praktisch befähigter Polier. Es bleibt fiir die Thätigkeit, von welcher die Sicherheit der Bauwerke in erster Linie abhängt(das Entwerfen der Gebäude, das Angeben der Konstruktionen und ihrer Stärke) den „Meistern" nur ein beschränktes Feld und es wäre also ungerechtfertigt, ihnen eine Prüfung aufzulegen, in welcher von ihnen Sachen gefordert werden, die sie niemals ver- werthen können. Man kann und wird die Prüfun- gen nicht zu schwer machen, es würden also nur sehr wenige die Prüfung nicht bestehen, selbst wenn überall das höchste zulässige Maaß von Wissen und Können verlangt wird. Aber auch in diesem bei den Prüfungen verlangten Maaß von Wissen und Können müssen sich aus der Natur der Sache große Ungleichheiten ergeben. Die Prüftings- kommissionen, die die Meister für Berlin, Hamburg, Breslau, Frankfurt a. M. und dergleichen große Orte prüfen, werden sich wohl ihrer Verantwortlichkeit immer bewußt bleiben, und von den Prüflingen Alles verlangen, was die Vor- schrifl erlaubt. Wer aber für Stallupönen, Pillkallen, Könitz, Heide, Ratibor u. s. w. die Meister zu prüfen hat, der müßte eben kein Mensch sein, wenn er sich nicht sagte:„Warum soll ich zu strenge sein, der Mann weiß für seine künftige Praxis vom Bauen genug." Bald wird im ganzen Reiche bekannt sein, wo die Prüfung leicht und wo sie schwer ist, wer in Berlin nicht besteht, besteht vielleicht in Gumbinnen mit Auszeichnung. Aehnlich war es vor Aufhebung der Prüfungen durch die Gewerbe- ordnung, es bestanden im Meisterexamen so ziemlich alle * In diesem Punkte stimmen wir mit unserem geehrten Mitarbeiter nicht ganz überein. Bei dem heutigen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit werden die Unternehmerverbände immer zu Kampforganisa- tionen gegen die Arbeiter. Das können wir. als Vertreter der Ar- beiterinteresien, nicht hindern, aber unter solchen Verhältnissen Unter- nehmer-Vereinigungen zu wünschen, liegt kein Grund vor. D. R. Prüflinge. Es gab trotz der Prüstlngcn sehr viele be- schäftigungslose Meister, die als Gesellen und Poliere arbeiteten oder Anfseherstellen bekleideten und in den Sub- Missionen wurde ebenso heruntergeboten wie heute. Also au„Meistern" wird es auch nach Wiedereinführung des Befähigungsnachweises nicht fehlen. Ja, sagen die Zünftler, es muß doch jeder, der die Prüfung macht, auch das Handwerk einigermaßen verstehen, er muß als Lehrling und Geselle gearbeitet haben. Jetzt treiben viele das Gewerbe, die es gar nicht gelernt haben. Hierauf ist zu erwidern, daß der Prüfun gs- zwang die Unternehmer, die nicht geprüfte Meister sind, keineswegs beseitigt. Sie werden ihr Gewerbe nach wie vor betreiben. Der große Bauunternehmer, der einen ganzen Stab von Ingenieuren und Technikern hat, wird sich leicht einen oder einige geprüfte Meister ver- schaffen können, welche die verantwortliche Leitung der Bauten übernehmen. Das System der Schutzmeister, das vor der Aufhebung des Prüfungszwanges bestand, wird wieder aufleben. Der Prüfungszwang hat nicht ver- hindern können, daß schon damals die kleineren Bau- gewerksmeister von den Unternehmen: an die Wand gedrückt wurden. Es ist durchaus falsch und zeugt von ganz geringer Kenntniß der Verhältnisse vor Erlaß der Gewerbefreiheit, wenn man annimmt, damals wäre es besser gewesen für das Bauhandwerk als heut. Es fand vor etwa 30 Jahren freilich ein großer Auffchwung der Bauthätigkeit in Deutsch- land statt, hervorgerufen durch die sehr beschleunigten Eisenbahnbauten, welche wieder viele Fabrikbauten und andere Privatbauten hervorriefen. Aber auch damals schöpften die nicht geprüften Bauunternehmer das Fett ab, die ganze Bahnstrecken mit allen Bauwerken übernahmen. Wenige„Meister" nur, die besonders durch Umstände be- günstigt wurden, hatten einigen Vortheil aus dieser Zeit. Die Einführung der Gewerbesreiheit traf zusammen mit dem Eintritt der schlimmen Wirkung der kapitalistischen Herstellung auf das Gewerbe. Die Kurzsichtigkeit verwechselt die Ursachen. Schon vor Einführung der Gewerbefreiheit konnte„ein Jeder", wie die Zünftler gern sagen, Maurer- und Zimmerarbeiten übernehmen, und die Einführung des Prüfungszwanges wird an den heutigen Zuständen nichts ändern. Was nun die Schaarwerker betrifft, die den klein- lichen Meistern so vielen Kummer machen, so ist die Sache nicht schlimm, und wird sich auch nicht ändern. Schaar- werker nennt man Gesellen, die für gemeinsame Rechnung kleine Bauten übernehmen, oder auch einzelne Gesellen, die zwar für ihre alleinige Rechnung Bauarbeiten annehmen und ausführen, auch dazu sich Gesellen halten, aber dabei selbst mitarbeiten, die also Baugcwerbetrcibende im kleinsten Maaßstabe sind. Sie finden sich besonders in kleineren Orten, repariren den Bauern und Gutsbesitzen: die Bau- lichkeiten und führen kleine und einfache Gebäude neu aus. In Berlin erscheinen sie unter der Form der Putzmeister und der für eigene Rechnung arbeitenden Poliere. Sie sind auch kein Erzeugniß der Gewerbefreiheit, wie die Zünftler sich einreden. Die Zeit vor der Gewerbcfteiheit kannte eine Art Landmeister, die nur für solche kleinere Bauten berechtigt waren, und deren Prüfung sehr einfach, lediglich eine Form war. Für größere Bauten erhielten diese Landmeister und auch die eigentlichen Schaarwerker leicht Meisterscheine von zünftigen Meistern. D. h. zünftige Meister, die wenig Einnahme hatten— und deren gab es auch damals genug— gaben für eine geringe Geldvergütung gern ihre Namen her, um der Polizei gegenüber als Bauleiter zu gelten, kümmerten sich aber um den Bau sonst garnicht. Polizei und Gerichte führten einen recht vergeblichen Feldzug gegen diese Schutz meister, ihnen war nicht bei- zukommen, und wir glauben nicht, daß es jetzt besser glücken wird. Die Schaarwerker sind übrigens meistens sehr tüchtige und praktisch sehr erfahrene Männer, bei welchen viele Jnnungsmeister ganz gut in die Lehre gehen könnten, um das Handwerk gründlich zn erlernen. Was die Meister besonders zun: Haß gegen die Schaanverkerei treibt, ist außer dem Neid um das entgangene Meistergeld, der Aerger, daß gemaßregelten Arbeitern Gelegenheit geboten ist, sich über den Zorn der Jnuung hinweg zu setzen. Und das ist wohl der schwerwiegendste Grund. Wir glauben also gezeigt zu haben, daß die„Meister" sich verrechnen, wenn sie von der Wiedereinführung der Prüfung eine Verbesserung ihrer Lage erwarten. Es wird sich weder die Innung heben, noch werden sie die Unter- nehmer und Schaarwerker los werden, es wird nach wie vor„Jeder" Bauarbeiten übernehmen, der dazu Lust hat. Die Konkurrenz wird durch den Prüfungszwang nicht vermindert werden. Wie es mit dem Nutzen des Befähigungsnachweises für das Baugewerbe in Ansehung der Allgemeinheit, des Staates und des Publikums, der Sicherheit und Solidität der Bauten bestellt ist, wollen wir in einem weiteren Auf- satz zeigen. Schnapsbrenner aller dentschen Staaten, vereinigt euch! Während die Arbeiterverbindungen, deren Bestreben lediglich dahin geht, die Lohnhöhe nicht unter das Niveau des nothdürftigsten Lebensunterhaltes sinken zu lassen, durch die Maßnahmen der Behörden dahinwelken und ver- fallen, treiben die Unternehmerkoalitionen zur Erhöhung der Renten des Besitzes immer üppigere Schößlinge. Daß irgend eine deutsche Regierung irgend einer noch Marine so anmaßend auftretenden Unternehmerkoalition Schwierig-| wir, ebensowenig wie andere europäische Staaten, dauernd Man stelle sich vor, das Haus der Lords, die Burg keiten bereitet hätte, wird gewiß Niemand behaupten wollen. die bisher beschrittenen Wege weiter gehen können. des feudalen Befißes, dessen 525 Mann Besagung mehr Im Gegentheil, wenn z. B. die vereinigten Schieneu- Schlagen wir das Kapitel der„ Ausgaben" auf, so als ein Fünftel des ganzen Landes von England besißen fabrikanten in ihrer nationalen Begeisterung für die alles interessiren uns natürlich in erster Linie die Summen für diese Körperschaft beseitigt gerade diejenige Institution, überragende Herrlichkeit des Deutschen Reiches den deutschen die„ Verwaltung des Reichsheeres" und der„ Marine". auf welcher es selbst und die individuelle Bedeutung seiner Reichsbürgern und Staatsbahnverwaltungen mehr abnahmen Wir finden da unter den fortdauernden Ausgaben: Mitglieder, die Bedeutung der britischen Aristokratie zu wie den geringer geschäßten Ausländern, so ist stets prompt beruhen scheint. Sie begeht Selbstmord scheint das bezahlt worden, und wenn ja einmal eine kleine denkbar bei einer ganzen Klasse? Und doch ist es so. Reibung vorkam, wie beim Bau der subventionirten strategischen Linien an der Südgrenze, so machten die Blätter des Eisenringes den maßgebenden Personen sehr bald deren Irrthümer klar, und über allen ausländischen Mitbewerbern triumphirte immer wieder das nationale" Eisen es konnte so theuer sein, wie es wollte. Reichsheer 1873: " " " " 1 259,1 Millionen Mt. 8,3 Millionen Mr. 1874: 270,8 16,7 1875: 318,9 1880/81: 327,1 1881/82: 343,9 " " " " 17,7 " " 24,7 " " " " 1887/88: 364,3 26,8 38,3 " " " " " " Die Primogenitur ist das seit Jahrhunderten gültige Recht der Nachfolge im Landbesitz der englischen Aristokratie und zugleich im Besiz des Titels. So kommt es beispielsweise, daß durch einen Todesfall ein armer Das heißt also: die dauernden Kosten unserer Rüstung Schlucker, der seine Eristenz durch Schriftstellerei fristet, betragen heute bei der Marine das 41/2 fache wie 1873, wie Lord Cecil, auf einmal zum reichen Marquis SalisSolche Kartelle haben die gutmüthigen deutschen Kon- oder jährlich 30 Millionen mehr, bei der Reichs- bury wird. Der Grundbesiz vererbt sich nämlich so, daß sumenten und Steuerzahler schon ein schönes Stück Geld armee aber Jahr für Jahr 105 Millionen mehr. Die der älteste von der ältesten Linie in einer Familie zur gekostet, aber wenn mau das auch wußte und merkte, man Ziffern zeigen ein stetiges Steigen und die ganze Halt- Erbfolge gelangt. Er darf diesen Grundbesitz nicht tröstete sich noch immer damit, daß dem Gewinn der losigkeit unserer politischen Zustände zeigt sich darin, daß ohne Zustimmung des Oberhauses vermindern, Fabrikanten eine bestimmte oberste Grenze gezogen sei, bei kein Mensch daran glaubt, diese steigende Tendenz werde wohl aber kann er ihn vermehren. Daher ist die Primoderen Ueberschreiten, durch die ungewöhnlichen Gewinne aufhören oder gar in ihr Gegentheil umschlagen. Wie genitur die Ursache, weßhalb die englischen Güter angelockt, sich Konkurrenzunternehmungen bilden würden, lange ist eine solche verhängnißvolle Entwickelung er- so zusammengehalten wurden, obwohl viele der welche die Preise herunter bringen müßten. träglich? Lords, Viscounts, Earls und Duke's Lumpaziuse und Daß bei irgend einer Waare jedoch die Parteien des Diese Frage drängt sich um so mehr auf, als auch Verschwender ersten Ranges waren und sind. Sie konnten Reichstages selber die Hand bieten würden, die Gründung die einmaligen Ausgaben( zu Festungs-, Kasernen-, ihr Einkommen verschwenden und noch Schulden dazu solcher Konkurrenzunternehmungen das einzige Gegen- Magazin- und anderen Bauten, zur Erweiterung von machen, aber von dem ihrer Verwaltung unterstehenden gewicht gegen allzu schamlose Ausbeutung zu ver- Schieß- und Ererzierpläßen u. s. w.) zu einer ungeahnten Grundbesiz durfte zur Deckung derselben ohne Zustimmung hindern, das nahm wohl Niemand an. Bei einer Waare Höhe emporgewachsen sind. Sie betrugen bei der Heeres- des Oberhauses nicht ein Fußbreit verkauft werden. In ist das unwahrscheinliche aber Ereigniß geworden, und verwaltung: in der ersten Hälfte der siebziger Jahre noch anderen Ländern hat man, aber nicht in so systematischer - bei dem Schnaps. Der Schnaps ist bekannt- nicht 50 Millionen und hier ließ man es doch gewiß Weise, durch Majorate und Fideicomisse ähnliche Zustände seinem Ursprung nach, weniger in seinem Lebens- nicht an Bauten und Erwerbungen fehlen! Sie betragen geschaffen. wandel und in seinem schließlichen Ende ein sehr aber nach dem Etat von 1887/88 211 Millionen! Wie Diese Institution nun schafft das britische Oberhaus aristokratischer Herr und darum verdient er zweifellos ein lange kann ein Volk solche Bürden tragen? ab. Das bedeutet nichts anderes als eine große sociale besonderes Entgegenkommen in seinem Bestreben, möglichst Der vermehrte Bedarf des Reiches und der Staaten Revolution, die sich ganz im Frieden vollzieht. Diese Der vermehrte Bedarf des Reiches und der Staaten Revolution besteht darin, daß der zu einem Anachronismus viel Geld natürlich- aus sich zu machen. ist bekanntlich hauptsächlich durch Zölle und indirekte auch durch das neueste Branntweinsteuergesetz eine Art Volkes abgewälzt worden. Auch hierfür bietet das" Sta- in Kraft, so wird beim Todesfalle des Inhabers der Den Produzenten dieses edelen Getränkes ist denn Steuern aufgebracht, also auf die breiten Massen des gewordene feste feudale Besiz in bewegliches kapitalistisches Eigenthum verwandelt wird. Tritt das Gesetz Privileg zum ausschließlichen Betrieb ihres Gewer- tistische Jahrbuch" ebenso schlagende wie niederdrückende bes verliehen worden. Es wurde zwar Niemandem ver- Belege. Im Zollgebiete betrug die Einnahme( in Millionen Familiengüter der in Land bestehende Nachlaß vertheilt boten, eine Brennerei anzulegen, aber die alten Brenner Mark): zahlen für einen großen Theil ihres Produktes pro Hektoliter nur 50 Mark Steuer, während neue Brenner den vollen Saß von 70 Mart entrichten müssen. solchen Nachtheilen sich in eine Konturenz einzulassen, fällt natürlich keinem ein: ein Monopol der alten Brenner besteht also thatsächlich. zwar lich Unter 0,9 Tabat: Zucker: Salz: BranntweinZölle steuer steuer steuer Steuer. 1872: 94,9 1,3 4,1 24,6 23,5 1873: 122,6 1,1 45,5 33,1 1878/79: 101,1 0,8 41,0 1879/80: 135,3 36,1 35,4 37,5 45,9 35,9 36,9 1880/81: 163,6 1,3 36,6 35,4 49,3*) 1881/82: 181,3 6,6 36,7 35,3 8,2 35,4 38,6 38,2 werden wie anderer Besiz und so müssen binnen einer Generation die ungeheuren Güter der britischen Aristokratie in ihrer gegenwärtigen Gestalt verschwinden mit ihnen verschwindet aber auch die Grundlage der„ historischen Familien" selbst, die ein halbes Jahrtausend die Geschicke des Landes bestimmten. Und um die Umwälzung noch recht zu beschleunigen, sind in demselben Gesetze auch Beftimmungen getroffen, welche die Uebertragung von Land recht erleichtern. Eine Menge gefeßlicher Förmlichkeiten Für einen Unternehmerring ist hier der Boden natür-( Boranschlag) 1887/88: 245,7 lich wie geschaffen und so kann es nicht Wunder nehmen, daß eine große( Aktien-) Gesellschaft die Ausbeutung der im Reiche: günstigen Gelegenheit nunmehr übernehmen will. Alle Brenner sollen ihr gesammtes Produkt an die Gesellschaft Natürlich muß man nach den Gründen fragen, welche die Lords veranlaßten, das Fundament ihrer Herrabliefern, welche dann, bei dem hohen Eingangszoll, innerlichkeit zu zerstören, das sie, der langjährigen Agitation halb der schwarz- weiß- rothen Grenzpfähle unumschränkter der liberalen Kapitalisten wie Bright, Göschen, Chamberlain Herr des Marktes sein würde und im Großhandel einen zum Troß, mit der äußersten Zähigkeit vertheidigt haben. Branntweinwucher treiben könnte, viel unerhörter wie Für den Augenblick lag für sie gar keine Nöthigung zu derjenige, der im Kleinhandel so oft von denselben Herren Also eine Steigerung auf das 21/2 fache, und diese diesem Zugeständniß vor; in der That, die Landagitation getadelt wird weil dieser Gewinn des Kleinhandels in Steigerung hauptsächlich getragen von der ärmeren Masse der Liberalen ist fast eingeschlafen und das aus demselben andere Taschen fließt. des Volkes! Etwa 150 Millionen mehr durch Zölle, Grunde, welcher die Lords veranlaßte, das Land preisAlle Zölle und Verbrauchssteuern zusammen betrugen und Abgaben, die bis jetzt damit verbunden waren, wurden abgeschafft. 1872: 164,0 Millionen Mark 1873: 257,8 1878/79: 235,5" 1879/80: 274,9 1880/81: 286,5 " " " " " " " 1881/82: 353,8 Voranschlag 1887/88: 392,1 " " " " Jm Bunde mit einigen Bank- und Börsengrößen, 7 Millionen durch die Tabaksteuer, 31 Millionen durch zugeben. Er lautet höchst einfach und prosaisch: Die gegen welche die Agrarier sofort keine Bedenken mehr die Zuckersteuer,( neben den vielen Millionen, welche an Geschichte bezahlt sich nicht. Das und nichts anderes hegen, wenn sie mit ihnen Geschäfte machen können, die Zuckerprinzen mehr als früher bezahlt werden), ist es, was die britischen Aristokraten veranlaßt hat, Lord würden die privilegirten Brenner nach einer Berechnung 14 Millionen mehr durch die Salzsteuer, 15 Millionen Halsbury's Bill anzunehmen. Die ökonomische Entwickelung, der ,, Freis. Ztg." im Stande sein, jährlich 63 Millionen durch die alte Branntweinsteuer, die nunmehr noch eine speziell in diesem Fall die Weltwirthschaft, der Mitbewerb zu verdienen. Die Freis. 3tg." begründet das folgender- Erhöhung auf etwa 150 Millionen erfahren wird! Ist der neuen Länder, die als fürchterliche Konkurrenten auf maßen: dieses Bild der finanziellen Entwickelung des Reiches nicht dem Lebensmittel- Markte, auftreten, die Dampfschiffe und Da der Normalsaz der neuen Konsumsteuer 70 Mt. beträgt, ein recht niederdrückendes für den armen Mann, der bei die in den letzten Jahren erfundenen Methoden der Verwird den Brennern schon nach dem neuen Steuergesetz bei einer jedem Bissen und jedem Schluck seinen gesteigerten Tribut packung und Präservirung von Lebensmitteln, durch welche Steuer von nur nur 50 mt. für das kontigentirte Quantum von entrichten muß? 1710 000 Heftl. in der bisherigen Brantweinsteuergemeinschaft eine sie über den ganzen Erdball und alle Zonen transportirt Steuervergünstigung von 20 x 1 710 000 34 Millionen Mk. zu Man hat der deutschen Schußzollpolitik seitens ihrer werden können, das ist es, was die Lords zu diesem Theil. Bei den Reichstagsverhandlungen versicherten die Interessenten, Befürworter gern eine große Mäßigung nachgerühmt. Es Beschlusse brachte. Ihre Niesengüter bezahlen sich nicht, daß es den Brennern nicht gelingen werde, den Spirituspreis um ist aber leicht nachzuweisen, daß seit dem Bestehen des werfen wenig, sehr wenig Rente ab. Viele Pachtgüter den Normalbetrag der neuen Konsumsteuer von 70 Mark zu steigern. Zollvereines die Belastung der Bevölkerung durch Zölle stehen ganz leer, kosten noch, anstatt daß sie etwas einNunmehr aber, nachdem das Gesetz zu Stande gekommen ist, belehrt uns das neue Konsortium, daß es möglich sein wird, den Preis nicht noch niemals eine so große war wie heutzutage. Die bringen. Daher finden es die Lords profitabler, an die bloß um diese 70 Mt. Konsumsteuer, sondern auch noch um weitere Bruttoeinnahme aus Zöllen betrug nämlich pro Kopf der kapitalistischen Emporkömmlinge so günstig als möglich 12 Mr. in die Höhe zu treiben, denn die Aktiengesellschaft soll sich Bevölkerung: 1834: 1,90 mt., 1835: 2,14 Mt., sie er- auszuverkaufen und von ihren Zinsen zu leben. ja verpflichten, exfl. Konsumsteuer eiuen Spirituspreis von 50 Mt. reichte dann ihren Höhepunkt in 1844 und 1847 mit zu bezahlen, während dieser Preis bis zu dem neuen Gesetz nur 38 Mt. betrug. Aber noch mehr! Die Aktiengesellschaft verpflichtet sich auch, den Preis von 50 Mt. noch für 40 pCt. über das kontingentirte Quantum hinaus, also für weitere 684 000 Hektl., zu zahlen. Die Koalition fichert also den Brennern nicht nur die Steuervergünstigung des Gesetzes in Höhe von 34 Millionen Mt., sondern auch noch für 1710 000+684 000 2394 000 Settl. eine Preissteigerung um Vielleicht trug auch die Aussicht dazu bei, daß sie 2,80 Mt., sie sank dann wieder auf etwa 2 Mt. in dem möglicherweise bald gar nichts bekommen können. Wenn Jahrzehnt 1861-1870. Sie stand aber " " " " 1879/80 auf 3,21 Mark. 1880/81 4,08 1881/82 4,38 " 1882/83 4,62 1883/84 4,57 1884/85 5,04 1885/86 5,08 " " " " " " " ihre eigene Tory- Regierung, wie jeßt das Cabinet Salisbury, einmal, nur um sich am Ruder zu halten und noch schlimmeres zu verhindern, zugestehen muß, daß die Renten von drei zu drei Jahren gerichtlich festgestellt werden sollen, wie es in der neuen irischen Land- Bill geschieht 12 Mt. Der Gewinn der Kartoffelbrenner von 34 Millionen Mt. wieviel fehlt da noch bis zu gar keiner Rente überhaupt? aus dem neuen Branntweinsteuergesetz wird also noch gesteigert um 12 x 2394 000= rund 29 Millionen Mt., so daß eine künstliche Hinaufschraubung der Spirituspreise zu Gunsten von etwa 3000 KarKampf gegen die den größeren Einkommen unange- nichts von der Auflösung der aristokratischen Fideikommisse. Die besiglosen Klassen haben natürlich unmittelbar toffelbrennern um jährlich nicht weniger als 34+ 29= 63 Millionen nehmen direkten Steuern, dafür aber die maßloseste Inan- Aber mittelbar hat lettere doch den Vortheil, daß der spruchnahme der Zölle und Verbrauchsabgaben das Gegensatz zwischen feudalem und kapitalistischem Besitz mit In Dresden, Posen, Berlin, Stettin, Frankfurt a. D., hat man seit Lassalle immer für ein Zeichen der politischen seineu Reibungen und Hemmungen verschwinden wird, und Breslau, Dirschau, Magdeburg, Insterburg und Stolp, Alleinherrschaft des Besizes gehalten. Unter welchem daß die Blicke aller Politiker immer ausschließlicher auf in Bayern und Württemberg, überall wollen die Schnaps- Zeichen steht dann das politische Leben in Deutschland? Mark erfolgt. brenner zusammentreten, um den großen Spiritusring zu Stande zu bringen. Kommt er zu Stande, so brauchten wir wenigstens nicht mehr nach Amerika zu gehen, um einige der trasfesten Auswüchse des modernen Kapitalismus kennen zu lernen. Eine friedliche Revolution in England. den einen großen Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit gezogen werden. Wie bei uns das Handwerker- und Kleinbürgerthum vielfach ein rasches Vorwärtsschreiten verhindert, so thut es in England der große Grundbesiz. Unter dem Lärm, den die Verhandlungen über die Wird er erst ganz in den Strudel des modernen Wirthirische Zwangs- und nachher die Landbill im britischen schaftslebens hineingerissen, so ist die Bahn für die AusUnterhause verursachten, ist eine Maßregel übersehen worden, einandersetzung zwischen besiglosen Arbeitern und arbeitssagen, ohne Sang und Klang beschlossen wurde. Ja, was Demokratie- die sich in England mit Vorliebe gegen die ebenfalls von größter Bedeutung ist und doch, so zu freien Besißern erst vollständig frei. Die bürgerliche noch merkwürdiger ist, von dem Haus der Lords beschlossen die Privilegien des Großgrundbesißes wendete Wir meinen damit Lord Halsbury's Bill, welche dann kein Wirkungsfeld mehr, und alles, was weiter Das eben erschienene Statistische Jahrbuch für das die Primogenitur in Land abschafft und außerdem strebt, wird sich dann der sozialistischen Demokratie Deutsche Reich"( 8. Jahrg. 1887) bietet einige recht lehr- sehr bedeutende Erleichterungen in der Uebertragung zuwenden. Die Entwicklung des Deutschen Reiches in Ausgabe und Einnahme. reiche Uebersichten über die Entwickelung unserer Finanzen von Land von einer Person auf die andere gewährt. hat Uebersichten, die zum Theil recht wenig erhebender Art sind und die zweifellos die Ansicht verstärken müssen, daß*) Durchschnitt. Zur Frage der Praduktiogeaaiscnslhaftea. Einer der Apostel der Consumvereine und Prodnktiv- genosienschaften in England, Thomas Hughes, erklärte bei dem letzten abgehaltenen Congreß der Genossenschaften in drastischer Weise, wie die Cooperativ-Untemchmungen — sehr zu seinem Beileid— ausarten. Er erzählte unter anderem, in den Consum-Vereinen sei man öfters zu dem Entschluß gekommen, die Waaren lieber selbst zu verfertigen als sie zu kaufen, weil sie so billiger zu erlangen wären. Zwei große Gesellschaften rich- teten Schuhfabriken ein mir tausend Arbeitem und einem jährlichen Produft von vier Millionen Mark. Die Waaren haben sie sowohl in ihren Läden als an das allgemeine Publikum abgesetzt. Bei dem Betrieb der Fabriken aber ist das Cooperativ-System fallen gelassen worden. Tic Arbeiter erhalten dieselben Löhne wie in anderen Fabriken und haben keinen Antheil am Gewinn. Das Berhältniß zwischen„Arbeitgebern" und Arbeitern ist dasselbe wie in anderen industriellen Etablissements und es fehlt deshalb dort auch nicht an denselben Streitfragen; es sind auch Strikes zu verzeichnen gewesen. Herr Hughes knüpfte daran die Bemerkung: Wenn Cooperativ-Genossenschaften einfach zu Corporationen wer- den, welche eine Anzahl gedingter, nicht antheilsberechtigter Arbeiter beschäftigen, wie soll dann der ganzen Arbeiterklasse Vortheil aus der Cooperation erwachsen? Dieses Abweichen vom Prinzip hal auch schon andere Nachtheile gebracht. Kleinere Genossenschaften haben derartige Fabrikationen unternommen, die größeren haben die Conkurrenz nicht aufkommen lassen wollen und das Resultat ist, daß auch hier dieselbe Erscheinung auftritt, wie auf allen Ge- bieten der Industrie: die Großen drücken die Kleinen an die Wand. Herr Hughes hätte nur bedenken sollen, daß es gar nicht anders kommen konnte. Diese Genossenschaften waren in die kapitalistische Welt hineingestellt und hatten sich deren Konkurrenzgesetzen, die wie ein Zwang wirken, an- zupasien oder sie mußten untergehen. Es ist einfach nichts mit solchen Privat-Associationen, die wieder in Kampf gegen einander und gegen die Unternehmungen privater Kapitalisten stehen. Wir heben das hier hervor, weil in den letzten Tagen freisinnige Blätter wieder einmal an den Genossenschafts- congreß anknüpften, um der Selbsthilfe ein neues Loblied zu singen. Einrichtungen, welche von bürgerlichen Blättern gepriesen werden, müssen überhaupt von vornherein wenig geeignet erscheinen, die bürgerliche Produktionsweise all- mählich aus den Angeln zu heben. Fortschritte der Arbciterschiltzgtschgkdmz m de» vcrcioigtcn Staden. Das parlamentarische Komitee der Vereinigten Ge- werkschaften von Boston reichte vor einigen Tagen seinen Bericht an diese Körperschaft ein. Nach diesem Bericht wurden in der letzten Session der Legislatur von Maffa- chufetts 19 Arbeitergesctze und auf Arbeiter-Reformen hinzielende Beschlüsse angenommen. Folgende Gesetze haben die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit zum Zweck: ein Gesetz, welches die Anstellung von Kindern bei Reinigung gefährlicher Ma- schinerie verbietet; ein Gesetz, welches für Kinder, Frauen und jugendliche Personen, die in Werkstätten und Fabriken angestellt sind, eine angemessene Zeit zum Einnehmen der Mahlzeiten vorschreibt; ein Gesetz, welches zur Durchfüh- rung des bestehenden Gesetzes über die Arbeitszeit von Frauen und Kindern strengere Maßregeln anordnet; ein Gesetz, welches die Anstellung von Personen unter 16 Jahren, die nicht englisch lesen und schreiben können, regelt. Gesundheitlichen Schutz der Fabrikarbeiter haben folgende Gesetze im Auge: ein Gesetz zur Durchführung gesundheitlicher Maßregeln in Fabriken und Werkstätten; ein Gesetz, welches geeignete Ventilation in Fabriken und Werkstätten vorschreibt. Die strenge Durchführung der Fabrikgesetze ist der Zweck zweier Gesetze, welche die Distriftpolizei mir der Durchführung dieser Gesetze beauftragen rmd diese Polizei verstärken. Die Gefängniß-Contraktarbeit(Arbeit für fremde Pnvat-Unternehmer) ist durch ein Gesetz für Corrections- Häuser und Besserungsanstalten abgeschafft worden, und es wurde eine Commission ernannt, um gemeinsame Maß- regeln für alle Länder der Vereinigten Staaten zur Ab- schaffung dieses Systems anzuregen. Die Haftpflicht der Unternehmer ftir ihren Arbeitern während der Arbeit zustoßende Unfälle wurde erweitert. Als Arbeilerfeiertag wurde der erste Montag im September festgesetzt. Zilr Verhinderung der Sonntags-Arbeit wurde ein Gesetz angenommen, das auch die Schließung der Bar- bierstuben am Sonntag vorschreibt. Um den Arbeitern die Betheiligung an der Wahl zu erleichtern, wurde ein Gesetz angenommen, welches am Wahltag die Schließung aller Werkstätten und Läden während der ersten beiden Stunden nach Oesftuing der Wahlplätze vorschreibt. Dies ist eine ansehnliche Zahl von Arbeiterfchutz- maßregeln, und das Comitee berichtet mit Stolz von dem Erfolg seiner Thätigkeit. Da wir nickt den Wortlaut dieser Gesetze vor uns haben, so können wir nicht beur- theilen, ob dieselben die nöthigen Bestimmungen, um eine strenge Durchführung zu garantiren, enthalten. Aber auch angenommen, daß die erwähnten Gesetze in dieser Hinsicht vollkommen sind, so haben die Arbeiter doch wenig Ur- fache, zufrieden die Hände in den Schooß zu legen. Alle diese Gesetze berühren nur einzelne Auswüchse unseres ökonomischen Systems. An diesem selbst ändern sie nichts. Das Elend, das unter den Arbeitern des Staates Massachusetts wie unter jeder andern Arbeiterschaft herrscht, lassen diese Reformen unberührt. Und in dieser Hinsicht kann sie auch von den arbeiterfrcundlichsten Politikern der alten Parteien keine Hülfe erwarten, da muß sie sich selber helfen durch selbstständige politische Organi- sation. politische Machrichten. — Der in Paris kürzlich tagende Arbeiter- kongreß nahm nach der„Nordd. Allg. Ztg." folgende Beschlüsse an: 1. Die Arbeiterpartei wird bis zuin definitiven Triumph der ökonomischen und politischen Gleichheit ihre Taktik nicht aufgeben. Sie wird den Kampf ohne Kompromiß und Schwäche gegen alle Fraktionen der Bourgeoisie fortführen. 2. Sic wird die öffentlichen Gewalten zwingen, in die Sphäre ihrer Thätigkeit die Sorge für Wohnung, Produktion und Konsum einzuführen und sich zu diesem Zweck mit den Arbeiterorgani- sationen zu verständigen. 3. Das Ende des Kapitalismus erwartend, wird sie die Unter- drückung der indirekten Steuern und ihre Ersetzung durch eine Auf- läge beanspruchen, welche mehr als alle Anderen die Arbeiter gegen die Unterdrückung durch die Kapitalisten schützt. 4. Sie wird mit Energie die Unterdrückung der Submissionen und der Akkordarbeit fordern, ferner die Ueberweisung der Gemeindearbeiten an die Syndikalkammern und die Ge- werkschaften und die Basirung der Preise für Arbeiten auf die gewerkschaftlichen Arbeitertarife. 5. Sie wird unausgesetzt die sozialistische und wissenschaftliche Organisation der Arbeit in der Kommune, dem Departement und dem Staat betreiben, während sie sofort die Reduktion der Ar- beitszeit auf 8 Stunden fordern wird. 6. Sie wird von der Gemeinde verlangen, daß die Lokale, das Handwerkszeug und die ersten nothwendigen Materialien zur Aus- führung der städtischen Arbeiten zur Disposition der Arbeiterorgani- sationen gestellt werden. — Von den Freiberger Verurtheilten. Daß Bebel am Sonntag der Partei und seiner Familie zu- rückgegeben wurde, konnten wir bereits zu unserer Freude früher melden. Vollmar wurde am 15. Mittags aus seinem bisherigen Jnternirungsort(Landgerichtsgesängniß an der Baaderstraße in München) entlassen und in aller Stille von seiner Frau in einer Droschke abgeholt und nach Schwabing überführt. Der bewährte Volksmann ist in seiner Gesundheit durch den ohnehin bekannten lebens- länglich leidenden Zustand sehr angegriffen und bedarf jetzt dringend der Ruhe und Schonung.— Frohme, der seine Hast bei Frankfurt a. M. verbüßt, kommt in den ersten Tagen des September aus der Haft. Ulrick, der erst am letzten Tage des vorigen Jahres seine Hast antrat, bald daraus aber infolge schwerer Erkranfttng seiner Frau abennals genöthigt wurde, einen mehrwöchentlichen Urlaub zu nehmen, wird erst am 3. November entlassen. — Sozialdemokratisch es. B eh ör d liche Maßrege- lungen. Aus Sachsen, 17. August, schreibt ma» der„Voss. Ztg.": Das vor mehreren Monaten gebildete sozialdemokratische Zentralkomitee für die bevorstehende» Landtagswahlcn, welches aus 3 Personen besteht, ist kürzlich seitens des Polizciamts der Stadt Chemnitz aufgefordert worden, seine Statuten(!) einzureichen, weil die genannte Behörde der Ansicht ist, daß jenes Comitee als ein politischer Verein(!) im Sinne des§ 19 des sächsischen Vcreinsgesetzes zu betrachten sei.— Die Nachricht des„Leipz. Tagebl.", daß eine„geheime Sozia listenversammlung" in Leipzig„ausgehoben" worden sei, entbehrt einer jeglichen Begrün- dung. Die Namen einiger Sozialisten, die sich in einem öffentlichen Lokal etwas laut unterhielten, wurden polizeilich»otirt— das ist Alles. Keine Verhaftungen, keine Beschlagnahme von Papiere», keine Haussuchungen.— Den Mannschaften des in Würzen garni- sonirenden neuen Jägerbataillons ist neuerdings der Besuch der Ver- kaufsläden des dortigen Cigarrenfabrikante» Gitte, der selbst in politischer Beziehung noch in keiner Weise öffentlich aufgetreten ist, verboten worden. Diese Maßregelung ist später dadurch begründet worden, daß das Neben geschäsr des Herrn Gitte durch einen An- Hänger der sozialdemokratischen Partei verwaltet wird, nach deffen Rücktritt man die sofortige Aushebung der Sperre in Aussicht gestellt hat.— Wegen eines Hochs auf dieSozialdemo- kratie ist ein zur Hebung eingezogener Reservist seitens des KriegSge- richts zu Dresden wegen„öffentlicher Beleidigung und VerÜbung groben Unfugs" zu 4 Monaten Gesängniß und 6 Wochen Hast verurtheilt worden. Der Kasseler Sozialistenprozeß wird in den nächsten Wochen stattfinden. Dem Vertheidiger des Angeklagten Hegemon», Herrn Rechtsanwalt Wilhelm Belle? in Düffeldorf, ist die Anklage bereits zugestellt worden.— Auf Grund des Sozialistengesetzes ist das Komitee zur Gründung eines Arbciterbauvereins zu Neu- münster, Vorsitzender Tapezierer Grünberg, von der König!. Regierung zu Schleswig verboten worden.— Das rothe Gespenst im Strehlener Steinbruch, das in den Zeitungen umging, war nichts, als ein Produkt der Hundslagshitzc. Der ganze Vorgang, um den es sich handelt, war folgender: Auf die Denunziation eines jämmerlichen Anonymus hin nahm die Polizeiverwaltung in Strehlen Haussuchungen bei einer ganzen Anzahl Arbeitern nach verbotenen Schriften vor. Gefunden wurden einige Eremplare der„Bresl. Volksst." und des„Gewerkschafter", zweier unverbolener Blätter! Von einer geheimen Organisation aber keine Spur.— In der vorigen Woche fand bei drei„angesehenen" Bürgern der Stadt Königsberg i. Pr. eine Haussuchung nach verbotenen Schriften statt. Der einzige Grund für diese polizeiliche Maßnahme ist der, daß der Sohn des einen der Herren, zugleich Neffe der beiden anderen, ein Doktor der Staatswifienschaften aus London, wo er sich jetzt Studien halber aufhält, eine Kiste mit Büchern geschickt hat, unter welchen sich ein auf Grund des Sozialistengesetzes verbotenes Werk befand(es war dem Herrn vom Verfasser, Friedrich Engels, selbst geschenkt). Die Haussuchungen, welche refultatlos verliefen, haben um so mehr Aufsehen erregt, als die dadurch betroffenen Herren notorisch nicht Sozialdemokraten sind.— Vom badischen Landeskommifiar in Konstanz ist auf Grund des Sozialistengesetzes der Wiederabdruck einer im Jahre 1871 erschienenen Broschüre von Joh. Jacoby„Die drei Zauberformeln" verboten worden.— Die Kreishauptmannschaft Bautzen verbot ein Flugblatt. Briefkasten. R. W. Da wir als Arbeit-rblatt die Arbeiterintcreffen nach Möglichkeit fördern wollen, so berechnen wir von jetzt ab Geschäfts- annoncen pro 4spaltige Zeile mit 20 Pf., Vereinsanzeigen mit 15 Pf., Arbeitsmarkt mit 10 Pf. Abonnent Sie fragen, ob wir uns nicht sofort zum mehr- maligen Erscheinen dieses Blattes entschließen wolle». Wir werden uns darüber in Kürze schlüssig werden. Sie können den Uebergang erleichtern, indem sie nach Kräften zur Steigerung der Abonnenten- zahl beitragen. Wir bekommen noch immer zahlreiche Nach- bestellungen. Da wir die Besorgung auch wieder einzelnen Spediteuren überweisen müssen, so wäre es für uns wie für die Betroffenen eine qroße Erleichterung, wenn sich ein Jeder mit Abonnements, Reklamationen u. s. f. einfach an den nächsten Spediteur wenden wollte. Die Spediteure liefern bei Abonnements auch nach. Verantwortlicher Redakteur: Mai Schippet, Berlin.— Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. 0., Oranienstraße 23. Aeiblatt zur„Jerkiu.r JolKs-HriSaue«. Sonnabend, den 20. Slufluft 1887. 1. 3a5W Achuchtslm« unii godimt.*) Bon Dostojewski. In diesen Tagen habe ich eine Hochzeit gesehen... aber nein! Ich will euch lieber von einem Weihnachts- bauin erzählen. Die Hochzeil war prächtig: sie hat mir sehr gefallen, aber die andere Begebenheit ist doch bester. Ich weiß nicht, auf welche Art, als ich die Hochzeit sah, ich mich des Weihnachtsbaumes erinnerte. Das hat sich nämlich so zugetragen. Fünf Jahre sind es gerade her, am Sylvesterabend lud man mich zu einem Kinderball. Der, welcher mich einlud, war eine in der Geschäftswelt wohlbekannte Per- sönlichkeit, die ihre Verbindungeu, Bekanntschaften, In- triguen hatte, so daß mait denken konnte, dieser Kinderball sei ein Vorwand für die Eltern, um zusammen zu kommen und von allerlei interessanten Dingen ans eine höchst un- schuldige, zufällige Weise zu plaudern. Ich war ein Fremder, hatte kein Anliegen, und deshalb habe ich den Abend ziemlich unabhängig zugebracht. Da war noch ein Herr, welcher, wie es mir wenigstens schien, weder die Familie kannte noch mit dem Hausherrn in geschäftlicher Verbindung stand, der gleich mir in dieses Familienfest hineingeschneit kam... er ist mir vor allen anderen in die Augen gefallen. Ein hoher magerer Mann, sehr ernst, sehr anständig gekleidet. Es war ihm anzu- sehen, daß er sich inmitten der Familienfreude nicht heimisch fühlte; wenn er sich in eine Ecke zunickzog, so konnte man bemerken, daß er aufhörte zu lächeln, daß sich seine schwarzen dicken Brauen zusammenzogen. Außer den Hausherrn kannte er keine Seele aus dem Ball. Aus seinem Gebahren war es abzulesen, wie abscheulich er sich langweilte, und doch hielt er tapfer aus, so gut oder so schlecht es eben gehen mochte, bis zum Schlüsse die Rolle eines heiteren und glücklichen Menschen zu spielen. Nachher erfuhr ich, daß er aus der Provinz sei, irgend eines kopfzerbrechenden Geschäftes wegen war er in die Residenz gekommen; unser Hausherr, dem er ein Empfehlungsschreiben überreicht hatte, protegierte ihn nicht eben sonderlich, hatte ihn jedoch Höflich- keits halber zu seinem Kinderball eingeladen. Karten spielte man nicht, Cigarren bot man ihm nicht an, in eine Unterhaltung halte sich Niemand mit ihm eingelassen, viel- leicht daß man den Vogel an den Federn erkannte, weshalb mein Herr genöthigt war, um nur irgendwo seine Hände zu lassen, den ganzen Abend seinen Bart zu streicheln. Und wirklich, sein Backenbart war sehr schön. Aber so eifrig streichelte er ihn, daß man, wenn man ihm zuschaute, unwillkürlich auf den Gedanken kommen mußte, zuerst sei der Backenbart, und hinterher, um denselben zu streicheln, der Herr auf die Welt gekommen. Außer dieser Figur, welche an dem Familienglück des Hausherrn, der fünf wohlgenährte Rangen hatte, auf seine Weise theilnahm, gefiel mir noch ein Herr, der jedoch von ganz anderer Art war. Das war eine Person! Er wurde Julian Mastakowitsch genannt. Auf den ersten Blick sah man es, daß er ein Ehrengast war, der in denselben Beziehungen zum Hausherrn stand, wie der Hausherr zu dem Herrn, der seinen Backenbart streichelte. Hausherr und Hausfrau verschwendeten an ihn eine Fülle von Liebenswürdigkeiten, machten ihm den Hof, liebäugelten mit ihm und stellten ihm die Gäste vor, er aber ward Niemand vorgestellt. Ich bemerkte in den Atigen des Hausherrn eilt Thränchen, als Julian Mastakowitsch sich aussprach, daß er selten auf eine so angenehme Weise seine Zeit verbracht habe. Mir ward so beängstigend in Gegenwart eines solchen Mannes, weßhalb ich, nachdem ich mich an den Kindern satt gesehen hatte, in einen kleinen Salon ging, den ich leer fand, und mich in dem Blumenpavillon der Haus- Herrin niederließ, welcher fast den halben Raum des Zim- mers einnahm. Die Kinder waren erstaunlich munter gewesen und wollten, ungeachtet aller Ermahnungen der Gouvernanten und Mütter, den Großen nicht ähnlich sein. In einem Nu hatten sie den Weihnachtsbaum bis zum letzten Konfekt geplündert und schon Zeit gehabt, die Hälfte der Spielsachen zu zerbrechen, noch ehe sie erfuhren, für wen jedes Spielzeug bestimmt war. Besonders anziehend fand ich einen lockigen schwarzäugigen Knaben, welcher mit seiner hölzernen Flinte immerfort auf mich anlegte und mich erschießen wollte. Die allgemeine Aufmerksamkeit richtete sich indeß auf ein Mädchen von etwa elf Jahren, das wundcrnett war wie eine Amorette, dabei ruhig, sinnig, blaß, mit großen seelenvollen Augen. Die Kinder hatten sie irgendwie be- leidigt und deßhalb ging sie in denselben Salon, wo ich zufällig saß, und beschäftigte sich mit ihrer Puppe. Mit Respekt wiesen die Gäste auf einen reichen Branntweinpächter, ihren Vater, und tuschelnd bemerkte Jemand, für ihre Aussteuer seien schon dreimalhunderttausend Rubel zurückgelegt. Wie ich mich bei dieser Bemerkung um- wendete, um mir die Gruppe anzusehen, in welcher dieses *) Das hier wiedergegebene Bild niedrigster Menschenver- schacherung, wie sie heute üblich ist, stammt aus der Feder eines der größten russischen Dichter. Dostojewski wurde 1822 in Moskau geboren. 1849 wurde er wegen seiner Angehörigkeit zur revolutionären Partei PetroschewskTS zum Tode verurtheilt, als„Begnadigter" lebte er dann bis 1860 in den sibirischen Bergwerken. Er starb 1881. Eine Sammlung kleiner„Erzählungen und Skizzen" erschien in der bestens bekannten Ausgabe von Reklam. Gespräch geführt wurde, traf mein Blick auf Julian Mastakowitsch, welcher, die Hände auf dem Rücken, und den Kopf ein wenig seitwärts geneigt, lauernd das fade Geschwätz behorchte. Ich meinerseits konnte die Schlauheit der Wirthe bei der Vertheilung der Geschenke nicht genug bewundern. Dem Mädchen mit dreimalhunderttausend Rubeln Aussteuer wurde die reichste Puppe aufgebaut. Dann folgten in absteigender Linie die Geschenke je nach dem niedrigeren Range der Eltern aller dieser glückseligen Kinder. Das letzte Kind, ein Knabe von zehn Jahren, mager, klein, mit Sommersprossen, rothhaarig, bekam nur ein Büchelchen Erzählungen, das von der Herrlichkeit der Natur, von rührenden Thränen und dergleichen handelte, ohne Bilder, sogar ohne Vignette. Der Knabe, der Sohn der Gouvernante bei den Kindern des Hausherrn, einer armen Wittwe, war verschüchtert und furchtsam. Er trug ein armseliges Nankingjäckchen. Als er sein Büchelchen erhalten hatte, ging er lange mit sehnsüchtigem Blick um die ande- reu Spielsachen herum; für sein Leben gern wollte er mit den Kindern spielen, aber das wagte er nicht; man sah es wohl, daß er seine Lage begriff. Ich liebe sehr, Kindern zuzusehen: wie ist es so fesselnd, wenn selbstständiges Leben in ihnen ringt und in die Er- scheinung tritt. Ich bemerkte, daß den rothhaarigen Knaben die Spielsachen der anderen Kinder mächtig reizien— er blinzelte die Spielenden an, begann mit ihnen zu schäkern, einem ausgedunsenen Bengel, der schon sein Taschentuch voll Naschwerk harte, gab er seinen Äpfel, und einen trug er sogar Huckepack, und dies alles, damit man ihn nur nicht vom Theater wegjage. Nach einigen Augenblicken aber trat ein frecher kleiner Bursche auf ihn zu und bläute ihn tüchtig durch. Er wagte nicht, zu weinen. Da kam die Gouvernante, seine Mutter, und befahl ihm, den an- deren Kindern nicht im Wege zu stehen. Das Kind schlich sich fort und ging in denselben Salon, wo auch das Mädchen war. Sie ließ ihn neben sich sitzen, und beide waren recht eifrig beschäftigt, die kostbare Puppe auszuputzen. Ich saß schon eine halbe Stunde im Epheupavillon und war fast eingenickt. Als ich so mit halbem Ohr auf das Gespräch des rothhaarigeu Knaben und der Schönheit mit den Dreimalhunderttausend Aussteuer horchte, das sich ausschließlich um die Puppe drehte, trat plötzlich Julian Mastakowitsch ins Zimmer. Er machte eine laute Scene zwischen den Kindern sich zu nutze, um sich heimlich aus dem Saal zu stehlen. Von meinem verborgenen Siand- punkt aus war es mir nicht entgangen, daß er eine Minute vorher sehr eifrig mit dem Papa der künftigen reichen Braut, dessen Bekanntschaft er eben erst gemacht, über den Vorzug irgend eines Dienstes vor dem anderen sich unter- halten hatte. Nachdenklich stand er jetzt, wie einer, der etwas an den Fingern abrechnet. „Dreihundert... dreihundert," flüsterte er.„Elf Jahre... zwölf... dreizehn, und so weiter— fünf Jahre! Wollen wir annehmen zu 4 Prozent— macht 12 auf 5 Jahre— 60, nun, auf diese 60... wollen wir annehmen, das beträgt mit den dreihundert in fünf Jahren— vierhundert. Hm! ja... Aber mit vierhundert begnügt sich der nicht, der Spitzbube! Der nimmt wohl acht, oder gar zehn Prozent. Nun, fünfhundert, wollen wir annehmen fünfmalhunderttausend, wenigstens, das ist sicher; nun, das Ueberschüssige auf Läppereien, hm..." Er beendigte seine Betrachtungen, schnaubte sich und wollte schon das Zimmer verlasse», als er plötzlich das Mädchen erblickte und stehen blieb. Mich sah er nicht hinter den Blumen. Es schien mir, als bebe er vor Er- regung, entweder war es die Berechnung, welche so stark auf ihn wirkte, oder vielleicht irgend etwas anderes, er rieb seine Hände und konnte nicht auf einem Flecke stehen. Bis zum Aeußerstcn aber steigerte sich dieser Zustand, als er es doch endlich über sich vermochte, krampfhaft auf einem Flecke auszuhalten, und nun einen Blick voll Ent- schlossenheit auf die zukünftige Braut warf. Er wollte vorwärts gehen, er blickte sich um, und dann, als ob er ein schuldiges Gewissen habe, trippelte er auf den Fuß- spitzen zu dem Kinde. Er näherte sich ihm mit einem Lächeln, er bückte sich zu ihm, er küßte es auf den Kopf. Das Mädchen, dem der Angriff ganz unerwartet kam, stieß einen Laut des Schreckens aus. „Was machen Sie hier, liebes Kind?" flüsterte er, und dabei sah er sich um und tatschte der Kleinen auf die Backen. „Wir spielen." „Ah, mit dem da? Julian Mastakowitsch schielte auf den Knaben. „Aber du, mein Seelchen, solltest doch in den Saal gehen," sagte er zu ihm. Der Knabe schwieg und blickte mit offenen Augen zu ihm auf. Wieder sah sich Julian Mastakowitsch vor- sichtig um und wieder bückte er sich zu dem Mädchen. „Was haben Sie da? ein Püppchen, liebes Kind?" fragte er. „Ein Püppchen," antwortete das Mädchen, sie sprach leise und schüchtern und ihre Stirn runzelte sich dabei. „Ein Püppchen... wissen Sie auch, liebes Kind, aus was Ihre Puppe gemacht ist?" „Weiß nicht," sagte sie jetzt noch leiser und senkte das Köpfchen. „Ei, aus Läppchen, mein Herzchen.— Du, Junge, geh' in den Saal zu deinen Kameraden," rief Julian Mastakowitsch und blickte den Knaben streng an. Darüber wurden nun das Mädchen und der Knabe unwillig, und sie faßten sich an den Händen, und sie wollten nicht von einander lassen. „Und wissen Sie, weshalb man Ihnen diese Puppe geschenkt hat?" fragte, seine Stimme mehr und mehr senkend, Julian Mastakowitsch. „Weiß es nicht." „Weil Sie die ganze Woche ein liebes und sittsames Kind gewesen sind." Nach diesem Ergüsse schien Julian Mastakowitsch ein Schwindel ersaßt zu haben, seine Stimme zitterte und wurde noch gedämpfter, als er sagte, indem er sich um- sckaute, ob nicht außer dem Knaben noch ein Horcher in der Nähe sei:„Und werden Sie mich lieben, liebes Mäd- chen, wenn ich zum Besuch zu Ihren Eltern komme?" Dabei wollte er noch einmal das liebe Mädchen küssen, aber der rothaarige Knabe, als er sah, daß dem Mädchen das Weinen nahe war, faßte fester ihre Hände, und aus Mitleid zu ihr schluchzte er laut auf. Da wurde Julian Mastakowitsch sehr böse. „Hinaus! hinaus mit dir! hinaus!" fuhr er den Kleinen an.„In den Saal! zu deinen Kameraden!" „Nein, das darf er nicht, er soll nicht. Gehen Sie doch fort," sagte das Mädchen.„Lassen Sie ihn zuftieden! lassen Sie ihn!" Fast weinend sagte sie es. Da rauschte jemand in der Thür. Julian Mastako- witsch fuhr zusammen und reckte seine erlauchte Person. Und noch mehr als Julian Mastakowitsch erschrak der rothhaarige Knabe, er ließ von dem Mädchen ab, drückte sich an die Wand— so huschte er aus dem Salon in das Eßzimmer. Um kein Auffehen zu machen und keinen Verdacht zu errege», ging auch Julian Mastakowitsch in das Eßzimmer. Roth wie ein Krebs sah er aus, und als er im Vorbeigehen einen Blick in den Spiegel warf, machte er ein Gesicht, als schäme er sich vor sich selbst. Vermuthlich war er ärgerlich auf seine Hitze und Ungeduld. Vielleicht, ungeachtet seiner Solidität und Wichtigkeit, hatte ihn seine vorherige Berechnung an den Fingern aufge- stachelt und lüstern gemacht, so daß er wie ein Knabe zu handeln sich entschloß, der nur gerade auf seinen Gegen- stand losgeht, obzwar sein Gegenstand doch erst in fünf Jahren ein Gegenstand wäre. Ich folgte dem Bieder- mann ins Eßzimmer, und da sah ich ein sonderbares Schauspiel. Julian Mastakowitsch, dem die Bosheit aus den Augen sah, jagte den rothhaarigen Knaben, der vor ihm immer weiter und weiter retirirte und nicht wußte, wohin er sich wenden sollte. „Fort! was treibst du hier! Fort! sage ich. Du stiehlst hier Flüchte? O! Du stiehlst hier Früchte? Packe dick, Taugenichts, Rotznase du!" Der erschreckte Knabe, zu einem verzweiflungsvollen Mittel entschlossen, kroch schnell unter den Tisch. Wüthend zog sein Verfolger sein großes Battisttaschentuch heraus und schickte sich an, vermittelst desselben das Kind aus seiner gebückten Lage aufzuwedeln. Ich muß hier bemerken, daß Julian Mastakowitsch ein wenig feist war: ein gut- genährter, pausbäckiger, kräftiger Mann mit einem Bäuch- lein, fetten Schenkeln, wie eine Nuß so rupd. Er schwitzte und prustete. Schließlich geberdete er sich fast wie ein Rasender: so wirkend war in ihm das Gefühl des Un- willens und vielleicht(wer weiß?) der Eifersucht. Ich lachte aus voller Kehle. Julian Mastakowitsch drehte sich um und verwirrte sich ganz und gar und schien sich im Augenblick seiner immensen Wichtigkeit gar nicht zu er- iunern. Eben kam der Hausherr aus der entgegengesetzten Thür. Der Knabe kroch hervor und wischte seine Kniee und Ellbogen. Julian Mastakowitsch beeilte sich, sein Taschentuch, dessen einen Zipfel er in der Hand hielt, an seine Nase zu bringen. Etwas bedenklich sah der Hausherr uns alle drei an. Jedoch wie ein Mann, der das Leben kennt und stets seinen Standpunkt sich zurecht- zumachen weiß, benutzte er sofort die Gelegenheit, um diesen seinen sehr werthen Gast für sich mit Beschlag zu belegen. „Hier ist der Knabe," sagte er, indem er aus den Rothhaarigen wies, von dem ich mit Ihnen sprach; ich hatte mir die Freiheit genommen, Ihre Güte für ihn in Anspruch zu nehmen." „Ah!" antwortete Julian Mastakowitsch, noch immer nicht vollständig erholt. „Der Sohn der Gouvernante meiner Kinder," sagte weiter der Hausherr in einem bittenden Ton,„einer armen Frau, Wittwe eines kleinen Beamten; und deshalb... Julian Mastakowitsch, wenn es möglich ist..." „Ach nein, nein!" rief eilig Julian Mastakowitsch. „Entschuldigen Sie, Philipp Alexejewitsch, das ist unmög- lich. Ich habe mich umgesehen; keine Vakanz; und wäre auch eine, so lauern schon zehn Kandidaten, die viel mehr das Recht haben als er... Sehr schade! sehr schade!..." „Schade!" wiederholte der Hausherr:„ein stiller be- scheidener Knabe..." Seinen Mund verziehend, rief Julian Mastakowitsch: „Ein sehr unartiger Bengel, wie ich bemerke.— Geh jetzt, Junge. Was stehst du uock da? Marsch zu deinen Ka- meraden!" Er konnte sich nicht mehr recht bezwingen und schielte Gegnerin des falschen Hervorkehrens vermeintlicher eigener| wart etwas Organisches, aus den socialen Verhältnissen auf mich. Ich meinerseits fonnte mich auch nicht bezwin- Nationalvorzüge im Gegensatz zu den Fehlern der anderen mit eherner Nothwendigkeit Entsprungenes zu sehen. gen und lachte ihm ins Gesicht. Julian Mastakowitsch Nationen; sie ist, das läßt sich nicht leugnen, eine ent- Wohl selten, in der Geschichte der Wissenschaft sowohl kehrte sich von mir ab und fragte, ziemlich deutlich für schiedene Gegnerin des Krieges. Bei jeder kriegerischen als auch in der des alltäglichen Lebens, begegnet man mich, den Hausherrn, wer der sonderbare junge Mann sei. Bewegung ist sie als Anwalt des Friedens aufgetreten, einem Begriffe, der so verschiedenen Auffassungen unterSie tuschelten miteinander und verließen das Zimmer, fie steht auf dem Standpunkte, daß die Arbeit und der liegt wie der Begriff soziale Frage". Das Banale, Oberohne sich weiter um mich zu kümmern. Ich bemerkte, Friede allein den Fortschritt verbürgen, daß die zum Be- flächliche feiert bei der Erklärung dieses Begriffs seine daß Julian Mastakowitsch, während er dem Hausherrn wußtsein ihres eigenen Wohles erwachten Nationen nie- wahren Orgien.rung dieſes mals ein Interesse an einem Angriffskriege haben, daß Der Bierbankpolitiker sieht in der sozialen Frage zuhörte, mißtrauisch den Kopf bewegte. Ich schüttelte mich vor Lachen, dann ging auch ich in jeder Angriffskrieg nur dynastische Interessen verfolge. eine von ehrgeizigen Agitatoren in eine Heerde denkunfähiger den Saal. Da sah ich, wie der bedeutende Mann, von So sehr also auch die Arbeiterbewegung in ihren Menschen hineingeworfene Phrase, welche überall BegeisteVätern und Müttern, vom Hausherrn und der Hausfrau Endzielen international genannt werden kann, so tritt sie rung und Fanatismus erzeugt, wo Unbildung mit socialem umringt, voll Eifer zu einer Dame ſprach, zu der man doch in den verschiedenen Ländern in verschiedener Ge- Neid verbunden ist. Das ebenso einfache als probate ihn eben hingeführt hatte. Die Dame hielt das Mädchen stalt auf. Mittel gegen die Sozialdemokratie und so gegen die ganze an der Hand, mit dem zehn Minuten vorher Julian In Frankreich, dem Lande, welches unter allzu straffer ſociale Frage wäre nach dieser Auffassung, alle Agitatoren Mastakowitsch die Scene im Salon gespielt hatte. Uner- Centralisation unter Napoleon III. litt, folgt sie den Nei- aus Deutſchland auszuweisen, damit stürbe die Arbeiterſchöpflich war er jetzt in feinem verzückten Lobe der Schön- gungen des Volkes für Decentralisation und theilt sich in bewegung eines natürlichen Todes. Diese Meinung richtet heit, der Talente, der Grazie, der Wohlerzogenheit des viele, sich bekämpfende Gruppen. So sehr auch durch eine sich nach der vorausgegangenen Schilderung der interlieben Kindes. So scherwenzelte er um die Mama. Mama Theilung momentane Erfolge häufig illusorisch gemacht nationalen Arbeiterbewegung ganz von selbst. hörte ihn andächtig an, und sie zerdrückte dabei Thränen wurden, die Begeisterung und Thatkraft der Einzelnen Nicht minder oberflächlich ist die in wissenschaftlichem der Freude, Papas Lippen lächelten. Der Hausherr freute wird durch diese Decentralisation erhöht, der Agitation Gewande einherstolzirende Meinung, welche die sociale fich über die allgemeine Freude. Denn alle Gäfte nahmen größerer Spielraum verliehen. Frage der Gegenwart bis auf das Alterthum zurückdaran theil, sogar die Spiele der Kinder wurden unterzerstreuten sich nach verschiedenen Seiten, wie es der " Ist dieser Herr verheirathet?" fragte ich fast laut einen Bekannten, der neben Julian Mastakowitsch stand. Julian Mastakowitsch warf auf mich einen forschenden stechenden Blick. ,, Nein," antwortete mir der Gefragte, betroffen über meine absichtliche Unschicklichkeit. konnte es nicht zerstören. scheiden. brochen, damit nur ja die Unterhaltung nicht gestört In Deutschland, wo die Misere der früheren Klein- führt und die am Ende des Alterthums mit Macht erwerde. Die ganze Luft war erfüllt von Ehrfurcht. Nachher ſtaaterei in allen Klassen die größte Begeisterung für Gen- challende und auch in das Urchristenthum übergegangene hörte ich dann, wie die bis in das tiefste Herz erschütterte tralisation erzeugt hat, trug dieses Gefühl zu dem einheit- Forderung nach Gleichheit der Menschen sich in der Neuzeit Mama des interessanten Mädchens in gewählten Aus- lich geschlossenen Auftreten der Sozialdemokratie das Seinige als Vertreter wissenschaftlicher Nationalokonomie sich wiederholen sieht. Nach der Auffassung dieser, mitunter Aus- lich wiederholen sieht. Nach der Auffassung dieser, mitunter drücken Julian Maftakowitsch bat, ihr die ganz besondere bei. Das Sozialistengesetz hat zwar die centralistische als Vertreter wissenschaftlicher Nationalokonomie sich Ehre zu schenken, ihr Haus mit seiner unschäßbaren Gegen- Organisation der Sozialdemokratie beseitigt, ein erhöhtes gebahrende Männer ist die sociale Frage der Ahasverus Julian Mastałowitsch die Einladung annahm! Die Gäfte feit einer einheitlichen Entwickelung der Sozialdemokratie Forderungen, welche sich vollständig von denen früherer wart zu beehren. Mit welch ungeheucheltem Entzücken allgemeines Bewußtsein der Arbeiter von der Nothwendig der Geschichte. Im Gegentheil! Jede Zeit hat ihre eigenen socialen oder späterer Epochen unterscheiden. Gelingt die Lösung Anstand verlangt und welches Lob sie anhuben, einer In Rußland kämpfen in der Arbeiterbewegung noch dieser häufig mit theologischem oder moralischem Gewande den anderen überbietend, über den Herrn Branntwein- zwei Richtungen, die anarchistische Bakunins und die soziali bekleideten sozialen Fragen einer Epoche nicht, so find pächter, und die Frau Branntweinpächterin, und das kleine ſtiſche, welche, wie in allen Ländern, so auch hier, auf Kultur und Gefittung gefährdet. Mädchen! Und noch ganz besonders über Julian Masta- dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung von kowitsch! Marr steht. Einig sind beide Richtungen nur in ihrer Die soziale Frage des Alterthums war die Frage Auffassung von der Nothwendigkeit eines Hand in Hand nach Entwickelung der Sklaverei, welche, wenn auch in Gehens der propagandistischen und terroristischen Agitation früheren Zeiten ein nothwendiger Faktor der menschlichen für Rußland. Gesellschaft, doch in Hellas und Nom zu einer der EntIn England befindet sich gegenwärtig die Arbeiter Institution geworden war. wickelung schädlichen, das ganze antike Leben vergiftenden bewegung in einer Krisis. England ist das vorgeschrittenste herrschenden Klassen, die Sklavenfrage in einem den daDie Unfähigkeit der damals Land der Industrie; die englische Arbeiterbewegung hat maligen Produktionsverhältnissen entsprechenden Sinne zu die längste Vergangenheit. In Folge der günstigen Auslösen, und die von der Macht systematisch erzeugte geistige nahmestellung, welche England in früheren Jahrzehnten auf Vor kurzem ging ich bei der...- Kirche vorbei. Die dem Weltmarkt einnahm, war es in der Lage, die Preise Impotenz Ausnahmen bestätigen auch hier nur die vielen Menschen und die vielen Wagen fielen mir auf seiner Waaren ohne jede Konkurrenz von Seiten anderer einer Selbstbefreiung vollständig beseitigte, bewirkten den Regel der Sklavenklasse selbst, welche die Möglichkeit Von einer Hochzeit hörte ich sprechen. Trübe und naß- Länder auf dem Weltmarkt auf einer gewissen Höhe zu Zusammenbruch der hohen Cultur des Alterthums unter talt war der Tag. Ich machte mir Bahn durch die halten. Die Folge davon war, daß die Löhne für quali- den Fußtritten der Barbaren. Menge, gelangte in die Kirche und fah den Bräutigam: fizirte( gelernte) Arbeiten bis vor einigen Jahren in Eng- Alterthums unterscheidet sich von der der Gegenwart, wie Die soziale Frage des ein kleines, rundes, fettes Männlein, sehr ausgepußt. land bessere waren, als auf dem Continent. So bildete die Sklaverei sich von der Lohnarbeit, wie die antiken Geschäftig trippelte er hin und her und traf Anordnungen. sich eine Aristokratie unter den Arbeitern aus, deren Be- Produktionsverhältnisse sich von den modernen unterBald erscholl der Ruf, man habe die Braut gebracht. wegung die Plebejer unter den Arbeitern waren socialWie ich mich nach vorn drängte, fah ich eine herrliche politisch ganz ungebildet und indifferent den Schutz Schönheit, deren Lenz eben angebrochen war. Wie aber der einzelnen Mitglieder zur Zeit der Arbeitslosigkeit, der alters bis in das vorige Jahrhundert hinein die Der sozialen Frage, welche am Ende des Mittelerschien sie so blaß und traurig, wie sah sie verstört aus; Krankheit und des Alters bezweckte. Nachdem aber in den Gemüther relativ ebenso erregte wie in der Gegenwart, die Augen geröthet, als hätten sie eben erst geweint. Der letzten Jahren diese Monopolstellung Englands auf dem wenn sie auch nicht so klar zum Bewußtsein kam wie heute Züge antike Strenge verlieh ihrer Schönheit eine ernste Weltmarkt durch Frankreich, Deutschland und Belgien mehr Feierlichkeit, aber durch Strenge und Hoheit leuchteten als erschüttert wurde, machte sich diese veränderte Situation wie den socialen Forderungen der Gegenwart. Die Prolagen ebenfalls ganz andere Verhältnisse zu Grunde, die kindlichen, unschuldigen Züge. Etwas unnennbar bei den Arbeitern mit Macht geltend. Die Preise der duktionsverhältnisse hatten sich im Verlaufe des MittelNaives, Schwankendes, Jugendliches lag über das Antlig englischen Waaren begannen nun auf dem Weltmarkt der alters entwickelt von der Naturalwirthschaft zur kapitagebreitet und schien ohne Worte um Schonung zu flehen. Konkurrenz anderer Länder zu unterliegen. Allgemeine listischen Wirthschaft. Die Naturalwirthschaft, in welcher In meiner Nähe wurde erzählt, daß fie kaum sechs Reduzirung der Löhne und vergrößerte Unsicherheit der nur zu eigenem Gebrauch produzirt wurde, verlieh dem zehn Jahre alt sei. Als ich aufmerksam auf den Bräuti- Existenz in Folge fortschreitender Arbeiterentlassungen folgten Mittelalter den Stempel seines ganzen sozialen, politischen gam schaute, erkannte ich in ihm Julian Mastakowitsch, auf dem Fuße. Diese Entwickelung der Dinge erzeugte und geistigen Gepräges. Allerdings gab es selbst schon im den ich gerade seit fünf Jahren nicht gesehen hatte. Und unter den Arbeitern neue Regungen; die Interessen der Alterthum und noch mehr im Mittelalter kapitalistische wie ich nun wieder auf die Braut sehe Schnell Arbeit im Gegensatz zu denen des Kapitals wurden in die Produktion, d. h. Produktion von Waaren, von Gütern zwängte ich mich aus der Kirche. Ich hörte noch, wie Diskussion geworfen. Gegenwärtig ringen die beiden man in der Menge redete, die Braut sei reich, sie habe Parteien um die Oberherrschaft in der englischen Arbeiter- fapitalistische Produktion nur ein unbedeutender Nebenzweig Gegenwärtig ringen die beiden zum Gebrauche Anderer. Aber in jener Zeit war die fünfmalhunderttausend Rubel Mitgift... und so und so bewegung die Alten, welche die Bewegung nur inner- der Gesammtproduktion. Die sozial- politischen Verhältnisse viel Nadelgeld.. halb der Grenzen von Strikekassen und Versicherung gegen des Feudalismus entsprachen so ganz den Bedürfnissen der Krankheit und Alter wissen wollen, welche vor jeder poli- Naturalwirthschaft und nahmen nur in diesem Sinne tischen Thätigkeit der Arbeiterbewegung warnen und zurück- Rücksicht auf die bescheidene kapitalistische Produktion. schrecken, und die Neuen, welche das Gebiet der Arbeiter- Die Naturalwirthschaft hat naturgemäß das Bedürfbewegung zu erweitern bemüht sind und in der Gewinnung niß nach konstanten, verknorpelten Institutionen. Ihr der politischen Macht den Hebel zur Umwandlung des größter Feind ist der Fortschritt. Anders die kapitalistische y. Die„ soziale Frage" ist zur Lebensfrage der modernen Privateigenthums an Grund und Boden und Produktions- Produktion! Sie kann nur bestehen durch energische FortZeit geworden. Der Ruf nach Lösung der der Gegenwart instrumenten in kollectives( gemeinſames, genossenschaftliches) entwickelung, sie bringt in einem Jahrzehnt eine größere gestellten sozialen Aufgabe ist kein nationaler; er durchhallt Eigenthum der Gesellschaft sehen. technische Revolution hervor, als die Naturalwirthschaft in das republikanische Frankreich nicht weniger als das absolut In derselben Lage befindet sich die Arbeiterbewegung einigen Jahrhunderten. Der Handel sucht sein Gebiet regierte Rußland. Die innere wie die äußere Politik aller Amerikas. Die Produktion dieses Landes war in früheren stets zu erweitern. Die entwickelte Industrie ist gezwungen, Länder Europas wird beeinflußt durch Faktoren, welche Jahren eine vorzüglich auf den inneren Markt gerichtete. die Produktionskosten durch verbesserte Maschinerien stets zu den sozialen Zuständen entsprungen sind. Dieser Ruf hat Insofern konnte bei den eigenthümlichen, von den socialen verringern. Rastlos vorwärts, kein Stillstand! ist die bereits den Ocean überschritten und bethätigt jetzt mit Verhältnissen Europas völlig verschiedenen Grundlagen der Devise des Kapitalismus. Die fruchtbare Entwicklung des beispielloser Gewalt seine dämonische Macht in der demo- Produktion der Lohn eine den Arbeiter mehr befriedigende Kapitalismus bedarf daher vollständig freier Entfaltung kratischen Republik der Vereinigten Staaten. Kurz, wir Höhe einhalten, die Arbeitsverhältnisse konnten dauernd Ser in ihm ruhenden Expansionskräfte. Fesseln werden sehen, daß überall, wo die Sonne der modernen Industrie eine größere Stabilität bewahren. Nachdem aber dieses entweder gesprengt, oder, wenn sie zu stark sind, beeinaufgegangen ist, der Schatten, die Proletarierbewegung, Land in Folge erweiterten Bodenanbaues und energischer trächtigen sie die fruchtbare Entwickelung desselben. nachfolgt. Ausdehnung und Anwendung immer neuer Maschinen geIn ihren letzten Zielen gehen in allen Ländern die zwungen war, seinen Produkten neue Absatzgebiete zu jener festgefügte, der Naturalwirthschaft zuträgliche GesellUnd doch sehen wir, daß zur Zeit des Feudalismus sozialen Strömungen, soweit sie von den Arbeitern selbst verschaffen und so mit dem Weltmarkt in Verbindung zu schaftsbau auch ausgedehnt wurde auf die kapitalistische ausgehen, darauf hinaus, die Arbeit von dem Tribut zu treten, mußte es sich in den Preisen seiner Waaren, also Produktion, deren Lebensnerv die unbedingte Freiheit ist. befreien, den sie an das Kapital in der heutigen Gesell- auch in seinen Löhnen den Geſetzen des Weltmarktes Die Industrie des Mittelalters wurde in Korporationen, schaftsordnung zu zahlen hat. Insofern ist die Sozial- unterwerfen. Seitdem die Löhne von ihrer einstigen Höhe Bünften, Innungen organisirt, Institutionen, welche nur demokratie international; sie kämpft gegen einen Gegner, gefunken, sehen wir die Arbeiterbewegung Ameritas in so lange ertragen werden konnten, als die Industrie in dessen Tendenzen selbst international find- das Kapital. derselben Lage wie die Englands. Auch in der Social- Kinderschuhen einherging. Sie begannen zu schädlichen Von einer grundsäßlichen Verachtung des Vater- wissenschaft gilt der Satz der Naturwissenschaft: Gleiche und lästigen Institutionen zu werden von dem Augenblicke landes ist dabei keine Rede. Die moderne Arbeiter- oder ähnliche Ursachen erzeugen gleiche oder ähnliche Folgen. an, da die Industrie sich zur einfachen Cooperation und bewegung ist nur ebenso international, wie die Interessen Wir sehen, der Ruf der Arbeiter nach Lösung der Manufaktur entwickelte und vollständige Freiheit zu ihrer des Kapitals international find, wie wir ein internationales socialen Frage ist nicht künstlich durch Agitatoren oder mächtigen Entfaltung brauchte. Postwesen besigen, wie selbst von vielen Gegnern der Staatsmänner" erzeugt worden. Die Thatsache, daß er Sozialdemokratie eine internationale Arbeiterschutzgesetz- überall erschallt, wo die moderne Industrie ihren Wohnsiz Reibungen und inneren Kämpfen während des 16., 17. Hierin lag jener Konflikt, welcher zu fortwährenden gebung verlangt wird. aufgeschlagen, deutet auf die Nothwendigkeit hin, die und 18. Jahrhunderts geführt hat. Die Emanzipation Allerdings ist die moderne Proletarierbewegung sociale Frage in einen Zusammenhang mit der Epoche des der Industrie von den Fesseln, welche einer bereits überund dieses hat sie mit vielen ihrer Gegner gemeinsam Kapitalismus zu bringen, in der socialen Frage der Gegen- lebten Institution entlehnt waren, d. h. die Emanzipation Also die Berechnung stimmt! dachte ich, arbeitete mich vollends durch und kam auf die Straße. Soziale Strömungen. der Bürgerklasse von der Herrschast des Feudalismus war die„soziale Frage" des Mittelalters, welche in dem Feuer- schein der englischen Revolution im 18. Jahrhundert gelöst wurde. Daher welche Thorheit, welche Unwissenheit, die soziale Frage, welche das Herz der Gegenwart durch- zittert, auf das Alterthum und Mittelalter zurückführen zu wollen! Die Folge der gelösten sozialen Frage des Altcrthums, der Umwandlung der Sklaverei in Leibeigenschaft, war die Ursache der sozialen Frage des Mittelalters, wie die gelöste soziale Frage des Mittelalters, die Umwandlung der Leib- eigenen in freie Lohnarbeiter die Ursache der sozialen Frage der Gegenwart ist. Wie im Weltall, so auch in der Gesellschaft: Jede Erscheinung ist die Folge einer vorangegangenen und die Ursache einer folgenden. Aber nicht allein diejenigen Klassen, welche durch die Entwickelung in eine leidende Rolle gedrängt, die Frage ihrer Klasse zu einer Frage der ganzen Gesellschaft erheben, sondern auch die herrschenden Klasseu sind gezwungen, sich mit dieser Sphynx zu beschäftigen. Je eingehender, je wissenschaftlicher, je unbefangener sie zu dieser Frage Stellung nehmen, desto eher vermeiden sie eine gewaltsame Umwälzung. Wir sehen, daß die„Lösung der sozialen Frage" zu einem Schlagwort aller Parteien in Deutschland geworden ist. Die katholische Kirche organisirt Arbeiter- und Ge- sellenvereine; sie ist bestrebt, durch gesetzlichen Schutz der Kinder- und Frauenarbeit, dilrch Sonntagsruhe und Nor- malarbeitstag den Druck der modernen Industrie ans die Arbeiterklasse zu erleichtern und so größere Zufriedenheit in den Arbeitcrmasscn zu erzeugen; auf ähnliche Weise sucht die evangelische Kirche die Arbeitermassen der Reli- gion und der bestehenden Gesellschaftsordnung zu erhalten. Das wüste Geheul des Antisemitismus entstammt eben- falls dem sozialen Wcrdeprozeß der Gegenwart. Die Großgrundbesitzer wollen die soziale Frage durch Hebung der Landwirthschaft, Bimetallismus, polirische und geistige Reaktion lösen. Das mobile Kapital versteht unter Lösung der sozialen Frage den mit der Zeit vermeintlich von selbst sich vollziehenden Ausgleich der durch die rapide Entwickelung im letzten Jahrhundert entstandenen Besitzverschiebungen. Die bürgerliche Demokratie neigt sich immer mehr zu der Auf- sassung, die soziale Frage könne nur durch energisch fort- schreitende politische Freiheit und Verstaatlichung des Grund und Bodens gelöst werden. Die staatssozialistischen Pro- fessoren, welche Nationalökonomie und christliche Moral mit einander zu einem wissenschaftlichen Ganzen zu ver- binden suchen, lösen die soziale Frage durch Verstaatlichung der den einzelnen Produzenten über den Kopf wachsenden Produktionszweige und durch eine energische und aus- gedehnte Arbeiterschntzgcsetzgebung. Die gegenwärtige Regierung selbst sieht in der socialen Frage nicht eine Frage der gesunden, sondern der kranken und altersschwachen Arbeiter und löst sie durch Kranken-, Unfall- und Alters- versicherungskassen. Kurz, wir sehen, die sozialen Strö- mungen berrihren und kreuzen sich in bunter Abwechselung. Das Eine aber ist von vornherein zu sagen: alle Bestrebungen zur Lösung der sozialen Aufgabe, soweit sie von anderen als den arbeitenden Klassen ausgehen, haben das Gemeinsame, daß sie die soziale Entwickelung isoliren von der politischen, daß sie in dem Staate eine über den Klassen stehende, von ihnen unabhängige Institution sehen, deren politische Verhältnisse, ob demokratisch oder absolu- tistisch, republikanisch oder monarchisch, in gar keinem Zu- sammenhang stehen mit der zu lösenden sozialen Aufgabe, während der wissenschaftliche Sozialismus in den socialen Verhältnissen einer bestimmten Epoche die Grundlage der politischen sieht und eine Veränderung der socialen Ver- Hältnisse nothwendig mit einer analogen Veränderung der politischen Verhältnisse verbunden glaubt. Der Wissenschaft- liche Sozialismus sieht also, im Gegensatz zu den anderen Richtungen der Vertreter der Nationalökonomie in dem Staate eine von den jeweiligen herrschende» sozialen Klassen abhängige, zu ihren Gunsten organisirte Institution. Eine Entwickelung der sozialen Verhältnisse im Sinne der sozialistischen Geschichtsauffassung steht also, nach der Auffassung des Sozialismus, in Verbindung nut der Nothwendigkeit einer Demokratistning des Staates. Ter wissenschaftliche Sozialismus geht daher sogar soweit, zu behaupten, daß der Staat, dessen Existenz auf dem Gegensatz der Klassen beruhe, eines natürlichen Todes sterben werde, wenn die Gesellschaft nicht mehr auf dem Gegensatz der Klassen ausgebaut sei. An Stelle des«Staates trete die zum Zweck der Produktion organisirte Getellichafr. Staat und Gesellschaft fielen dann zum ersten Male seit Entstehung des produktiven Privateigenthums völlig zu- sammen. Aus diesem theoretisch-prinzipiellen Gegensatz folgt der praktisch-politische, daß, während die anderen Parteien hinsichtlich der Lösung der sozialen Frage mehr oder weniger Ansprüche an die gegebenen Staatsinstitutionen stellen, der Sozialismus dasjenige, was der heutige Staat den Interessen der Arbeiter bietet, als Abschlagszahlung annimmt, weil dadurch zu einer körperlichen und geistigen Hebung der Arbeiterklasse beigetragen werde. Er spricht es mehr als einmal aus, daß das Proletariat daraus bedacht sein müsse, im Kampfe gegen den Kapitalismus sich eine möglichst hohe Lebenshaltung zw erringen, um nicht zu degeneriren tind um ein für die Gesellschaft der Zukunft brauchbares Element zu werden. Was die anderen Parteien als Theile der zu lösenden sozialen Aufgabe an- sehen, wie Arbeiterschutzgesctzgebung, Regelung der Arbeits- zeit u. s. w., betrachtet der Sozialismus nur als Vorstadien zilr Lösung der eigentlichen sozialen Frage. Der Crimmitschiluer Weberstreik ist bekanntlich beendet und zwar nur theilweise zu Gunsten der Arbeiter. In der letzten Versammlung der Crimmit- schauer Weber referirte Herr Langer über die Lage der Betheiligten und die Entwicklung des Streiks. Er ging dabei zunächst auf die Vorgänge früherer Jahre zurück, wo die Hausindustrie von der mechanischen Arbeit ver- drängt wurde und dadurch eine große Zahl überflüssiger Arbeitskräfte entstanden. Schon damals trat eine allge- meine Arbeiterbewegung ein und so sei auch 1882 der allgemeine Weberstreik entstanden, bei welchem es zunächst gelang, die lange Arbeitszeit abzuschütteln.— Redner bc- spricht dann die Folgen des Streiks, die jeder mit sich bringt, und so sei auch aus dem damaligen allgemeinen Streik etwas Gutes entstanden und zwar:„Der Fach- verein für Weber und verwandte Bcrussgenosscn beiderlei Geschlechts." Diese Errungenschaft, deren Werth der Redner hervorhebt, sei hoch zu schätzen, und seien auch seit jener Zeit durch dieselbe manche Vortheile geschaffen worden, wenn solche auch oftmals nicht lange anhielten. — Redner kommt dann auf die Zeit zu sprechen, in wel- chcr die Wcberschaft damit vorging, daß sie eine neue ge- regeltesLohnberechnung eingeführt sehen wollte und schildert dann den Verlauf der Angelegenheit, der schließlich damit geendigt, daß die um eine Rechtsfrage Streikenden und insbesondere die vermeintlichen Führer derselben seitens der Fabrikanten von jeder Beschäftigung ausge- schlössen wurden. Redner erwähnt weiter, daß man Alles ausgeboten habe, die Organisation des Fachvcreins zu nnniren, aber es sei nicht gelungen, die Organisation habe sich bewährt und werde dies auch ferner thun, trotz aller Angriffe, die von Seiten eines Herrn X., der sich scheute, seinen Namen zu nennen, in jeder nur denkbaren Art und Weise im„Crimmitschauer Anzeiger" auf die Vereinigung gemacht wurden.— Aus den weiteren Aus- führungen ging noch hervor, daß zu dem letzten Streik von Crimmitschau 8000 Mk. und von auswärts 6000 Mk. aufgebracht worden und wären dabei vereinzelt ganz er- hebliche Beisteuern, z. B. von Nenmünster 750 Mk. Zum Schlüsse der Versammlung fand folgende Resolution, die wir nach der Crimmitschauer„St. u. L. Ztg." mittheilen, einstimmige Annahme: „Die Weberschaft erkennt als Ursache, daß der Streik für sie verloren ging, Folgendes an: a) daß sich unter der Arbeiterschaft Crimmitschau's, sowie von Auswärtigen eine genügende Anzahl Arbeiter gefunden hat, welche bedingungslos die Arbeitsstellen besetzte, die durch die streikenden Weber verlassen wurden; b) daß sich ein großer Theil Industrieller zu einem Verband vereinigt hatten mit der gegenseitigen Verpflichtung, keinen Streikenden bis Ende Juni in Arbeit zu nehmen; c) daß die Mittel, welche sich am Anfang der Bewegung in den Händen der Weberschaft befanden, zu gering waren, um einem allgemeinen Weberstreik gewachsen zu sein, und somit ein partieller Streik begonnen wurde, welcher zwar nicht so große Opfer zur Unterhaltung und Durchführung veranlaßte, jedoch auch gegen die Macht der Unternehmer von zu geringem Einfluß war, und ferner 6) daß die am Orte bcflndliche Organisation der Weberschaft noch zu neu, überhaupt auch nicht von der Arbeiterschaft genügend unterstützt wurde, vorzüglich aber die Mittel, um eine solche. wirksam zu machen, zu gering gewährt werden, da die Bedeutung über den Werth einer solchen Organisation von den Arbeitern zu wenig begriffen wird. Die Weberschaft erklärt sich die verschiedenen während des Streikes zu Tage getretenen Verhältnisse folgendermaßen: Die so bedauerliche Thatsache, daß gerade Arbeiter es waren, welche den vereinigten Fabrikanten zum Siege verholfen haben, ist eben ein un- bestreitbarer Beweis, daß es selbst bei flottestem Geschäftsgange eine sogenannte Reservearmee von Arbeitern giebt, deren Lage eine so traurige ist, daß sie jederzeit bereit ist, sich sofort da gebrauchen zu lassen, wo es gilt, etwaige Bestrebungen der Arbeiter, und seien diese auch die berechtigsten, zu hintertreiben. Diese Reservearmee wird, wie der jüngste Streik gezeigt hat, gebildet aus solchen Ar- beitern, welche nicht die Fähigkeit in ihrem Berufe haben, die der Unternehmer heutzutage verlangt; weiter aus solchen Leuten, welche gern arbeiten möchten und nicht unterkommen können; ferner aus solchen Leuten, welche infolge ihres Lebenswandels meistens nur kurze Zeit in Arbeit behalten werden, und endlich vorzüglich aber aus solchen Personen, welche in Berufszweigen arbeiten, wo der Verdienst noch geringer ist als in demjenigen, welchem die in der Bewegung befindlichen Arbeiter angehören. Die Weberschast erblickt in dieser sogenannten Reservearmee eine Hauptstütze fiir den Unternehmer, sich eine Macht zu sichern, wodurch er ini Stande ist, jederzeit den Arbeitern selbst die Erfüllung begründetster Rechtsan- spräche zu verweigern. Als Ursache, wodurch diese Reservearmee ent- steht, ist die gewährte Unbeschränktheit bei der Herstellung der Bedarfsartikel der menschlichen Gesellschaft anzusehen, wodurch es dem Unternehmer ermöglicht ist, die Arbeitskraft auf das Denkbarste aus- zunutzen. Um diesem wirksam entgegentreten zu können, ist es Pflicht eines jeden Arbeiters, dahin zu wirken, daß dle Arbeitszeit, die Beschäftigung von Kindern und verheiratheten Frauen an Stelle der Männer u. s. w. staatlich geregelt wird. Diese Ursache lehrt uns, wie nothwendig eine gesetzliche Regelung für alle Arbeiter jeden Berufes ist. Die Thatsache, daß der Weberfchaft die größte Concurrenz be- wirkt wurde durch Leute solcher Berufszweige, welche noch gerin- geren Verdienst haben wie in der Weberei, lehrt sehr deutlich, daß die Interessen der Arbeiter gleiche sind und es sich durch- aus nicht rechtfertigen läßt, daß die Arbeiter anderer Berufe einem solchen, welcher sich im Kampfe befindet, jede Unterstützung verweigern, wie dies so häufig geschieht, mit dem Bemerken:„sie gehen uns nichts an". Wenn die Arbeiter eines Berufes besser bezahlt werden als die eines anderen, so werden sie immer großer Concur- renz ausgesetzt sein, und muß darum jedes Bestreben schlecht bezahlter Arbeiter, sich eine bessere Lage zu verschaffen, von Allen, auch den Besserbezahlten, mit Nachdruck unter- stützt werden, und zwar auch im eigenen Interesse. Aus diesem Allen muß für die Weberschaft sich die Nothwendig- keit herausstellen: sich den Organisationen anzuschließen, dieser mehr Mittel zu gewähren, als wie bisher und sich nicht irre machen zu lasseu durch die vou den Unternehmern erhobenen An- klagen gegen dieselbe. Die Weberschaft muß erkennen, daß, wenn diese über die gehörigen Mittel verfügt hätte, der bessere Theil unserer Unternehmer, welcher nach Recht und nicht nach Macht urtheilt, gesiegt haben würde. Der Streik würde unterblieben und die Opfer nicht nöthig gewesen sein, welche er gekostet. Die Orga- nisation der Arbeiter ist das geeignete Mittel, dem Grundsatz: „Gleiches Recht für Alle!" Geltung zu verschaffen." Diese Resolution ist gerade ihrer schlichten, prakttschen Fassung wegen unübertrefflich und sie wird hoffentlich bei allen Betheiligten einen nachhaltigen Eindruck hervorrufen. Sie wäre auch vielen anderen Arbeitern, die sich noch immer von allen gemeinsamen Bestrebungen fernhalten, zum ernstesten Nachdenken zil empfehlen. Kteine Mittheilungen. Vor zwanzig Jahren wurden in den Vereinigten Staaten im Ganzen nicht einmal 6000 Zeitungen und Zeitschriften gedruckt. Leute ist ihre Anzahl bereits auf 14 706 gestiegen. Die meisten Blätter werden natürlich in englischer Sprache gedruckt. Nächst den englischen nehmen aber die deutschen den ersten Platz ein. Es werden ihrer gegenwärtig 724 herausgegeben. Französische Zeitungen giebt es nur 1 12. Ferner erscheinen: in skandinavischer Sprache 59, in spanischer 34, in böhmischer 16, in holländischer 12, in polnischer 7, in dänischer 4, in wallisischer 5, in finnischer 8, in italienischer 5, in portugiesischer 2, in hebräischer 4, in chinesischer 2 und in ungarischer, indianischer und in der Cherokesen-Sprache je eine. Der puritanische Kampf gegen den Genuß geistiger Getränke, wie er jetzt in den Vereinigten Staaten so fremdartige Blüthen treibt, reizt natürlich alle zum Widerstand, die nicht gern auf dem Trocknen sitzen bleiben, wenn sie Sonntags wieder einmal sich selbst zurückgegeben sind. Daß insbesondere die Deutschen und die Gesangvereine todesmuthig in den vordersten Reihen der Opposition kämpfen, kann keinen überraschen, der den Deutschen und den engen Zusammenhang zwischen einer licderreichen Kehle und einem guten Trunk kennt. Die„Vereinigten Sänger von Philadel- phia" haben denn auch an die mitfühlenden„deutsch-amerikanischen Bürger" der Stadt einen Aufruf erlassen, der ganz durchdrungen ist vom Bewußtsein der Bedeutsamkeit des eröffneten Kampfes, und dessen Stil zuweilen einen Aufschwung nimmt, als wenn es sich um eine neue Proklamation der Menschenrechte handelte. Wir theilen aus dem denkwürdigen Schriftstück einiges mit. Es heißt da:„Mit immer schonungsloserer Strenge werden in neuerer Zeit die zum Theil aus dem vorigen Jahrhundert noch stammenden Sonntags- gesetze durchgeführt und ohne Rücksicht darauf, daß es wenigstens 80 Prozent unserer Bevölkerung nur am Sonntag möglich ist, sich ein wirkliches Vergnügen zu verschaffen. Ohne Rücksicht darauf, daß ein großer Theil unserer Stadtbewohner einen Sonntag wünscht, der ihnen dieselben Rechte gewährt, wie jeder andere Tag, werden wir gezwungen, gerade diesen Erholungstag in einer, den Deut- schen durchaus fremden und unsympathischen puritanischen Weise zu verbringen. Selbst im Fairmount Park, zu dessen Erwerbung, Her- stellung und Unterhaltung wir Alle in direkter oder indirekter Weise beigetragen, verbietet man uns jetzt am Sonntag unser National- getränk— Bier zu genießen! Mitbürger! Wie lange wollen wir solchem schmachvollen, dem Geiste unserer Zeit und unseres Jahr- Hunderts geradezu ins Gesicht schlagenden Treiben der obersten Be- Hörde unserer Stadt noch ruhig zu sehen? Jetzt hilft es nichts mehr, in ohnmächtiger Wuth die Faust in der Tasche zu ballen, oder mit einem grimmigen Fluch das ganze Temperenzgelichter zu ver- wünschen; jetzt muß gehandelt werden, kurz und entschlossen, damit wir die Rechte, die uns als Menschen und Mitbürger zu- stehen, uns ein für allemal sichern. Der Vorstand der Vereinigten Sänger von Philadelphia ersucht deshalb dringend jeden deutschen Verein oder Gesellschaft, ein Mitglied zu autorisiren, um am Donner- stag, den 4. August, Abends 8 Uhr in der Junger Männcrchor-Halle, Ecke 6. und Vine Str., einer Versammlung von Delegaten aller deutschen Vereine Philadelphia's beizuwohnen, um zunächst einen Plan zu entwerfen, in welcher Weise der Kampf gegen das heuch- lerische Temperenzlerthum geführt werden soll.... Und nun Ihr deutsch-amerikanischen Bürger nochmals: Duldet es nicht länger, daß Ihr von Menschen, die, wie Heinrich Heine sagte, öffentlich Wasser predigen, aber heimlich Wein trinken, deren einzige Freude es nur ist, uns Deutschen, die wir so unendlich viel zur Erhaltung und Verbesserung dieses Landes beigetragen, den freien Sonntag zu nehmen, wie willenlose Sklaven moralisch geknebelt werdet. Erhebt Euch mit uns, Ihr Sänger, Ihr Turner und Ihr, die Ihr Logen, Krankenvereinen und sonstigen Gesellschaften angehört. Erhebt Euch mit uns Ihr Arbeiter, Handwerker, Geschäftsleute und Fahrikanten. Erhebt Euch mit uns Ihr Deutsche allesammt und»lacht diese Be- wegung zu einem gigantischen Koloß, unter welchem das Puritaner- thum elendiglich zerdrückt wird. Mitbürger! Das heiligste unse- rer Erdengüter, das freie Recht des freien Mannes ist in Gefahr! Wohlan, rüsten wir uns zum Kampf für das Recht, denn ohne Kampf kein Sieg. Mit brüderlichen, Gruß der Vorstand der Ver- einigten Sänger von Philadelphia. Carl Kühl, Präs. Ernst Luedeckc, Secretär. — London, 15. August. Das Unterhaus hielt am Sonn- abend eine Sitzung, in welcher der Unterrichtsminister, Hart-Dyke, das Budget für den Volksunterricht in England und Wales für das Finanzjahr 1887/88 vorlegte. Dasselbe beziffert sich auf 3 458 870 Lstr. und übersteigt das vorjährige uin 55 885 Lstr. Der Volksunterricht hat im verflossenen Jahre bedeutende Fort- schritte gemacht, nur ist der Schulbesuch hinter dem früherer Jahre zurückgeblieben, was zu einem guten Theile dem Nothstande in der Industrie und der Landwirthschaft zugeschrieben wird. Zur Hebung des Schulbesuchs empfiehlt der Minister eine weitere Ausdehnung des Systems billiger Mahl- z e i t e n, welche Kindern bedürftiger Eltern in den Schulen verab- reicht werden.— Die Verhandlungen lieferten einen neuen Beweis, wie mit der materiellen Roth auch die geistige Ver- kümmerung wächst. Abnehmender Schulbesuch, weil die Eltern das Schulgeld nicht aufzubringen vermögen, vielleicht auch, weil sie sich schämen, ihre Kinder in Lumpen in die Schule zu senden; unge- nugende Erziehungserfolge, weil hungrige Kinder dem Unterricht nicht mit der nöthigen geistigen Regsamkeit folgen können— wer wollte angesichts solcher Erscheinungen noch davon träumen, daß wir in der„besten aller Welten" leben?— Uebrigens sprach sich Mundella, der Leiter des englischen Unterrichts- wesens im letzten Ministerium Gladstone, für voll- ständige Aufhebung des Schulgeldes in allen Volks- schulen aus. Zur Willensfreiheit des„freien" Arbeiters. Die Ham- burger„Bürgerzeitung" schreibt: Den am Kai beschäftigten Arbeitern wurde schon vor längerer Zeit verboten, Flaschenbier an warmen Tagen von auf den Kais Hausirenden Händlern zu beziehen und wurden die Arbeiter angewiesen, dasselbe von dem am Kai befind- lichen Fährhaus, dem sogenannten„Monopol", dessen Besitzerin auch Bier per Karre bei den einzelnen Schuppen umherfahren läßt, zu entnehme». Das Bier des Fährhauses war nun durchaus nicht nach dem Geschmack der Arbeiter, aber was machen? Die Sache kam noch besser. Ende voriger Woche kam auch von den Schuppen-Vor- ständen die Anweisung, daß in Zukunft das Zubrot statt wie bisher von Händlern, entweder mitgebracht, oder wie das Bier vom„Mono- pol" genommen werden solle. Wenn man nun bedenkt, daß die Arbeiter nach dieser Vorschrift sich entweder schon Abends vorher mit Zubrot versehen müssen, welches dann am darauf folgenden Tage entweder vertrocknet oder bei der Hitze verdorben ist, oder daß sie dem guten Willen der Besitzerin respektive Pächterin des Fähr- Hauses unterworfen sind, wird man begreifen, daß diese Maßregel für die Arbeiter einen sehr lästigen Zwang in sich birgt. Wie das „Monopol" die Sache ausnutzt, davon zeugt ein Stücklein Käse, Zu denjenigen Arbeitern, welche, um Arbeit zu suchen, gezwungen sind zu„ wandern" und bei dieser Gelegenheit die Privatwohlthätigkeit anzusprechen, stellt der Handwerkerstand nach wie vor das größte Contingent. So weist das Register des Hamburger Vereins gegen Bettelei" folgende Daten auf: In dem fünfjährigen Zeitraum von 1882-1886 haben bei diesem Verein im Ganzen 60 588 Durchreisende um Unterstützung nachgesucht, und darunter waren nicht weniger als rund 41 000, also ca. 67 pct., Handwerksgesellen, namentlich: 11 welches uns von Arbeitern übergeben wurde, und das jeder sich dafür nahmen derselben die, daß die Tischlergesellen Hamburgs die Arbeit| Treffpunkt bis 9 Uhr in Lichterfelde. Der Arbeitsnachweis Intereffirende gern in Augenschein nehmen kann. Ist es mit dem niederlegten, um die Meister dadurch zu zwingen und ihnen zu befindet sich Mariannen- llfer 4 bei Jähn. Die nächste VersammGesetz zu vereinbaren, daß man den Arbeitern, welche für ihren zeigen, daß die Arbeiter eine entschieden andere Meinung von einem lung findet am Montag, den 29. August, im oben genannten Durchschnittstagelohn von 3 Mt., wobei dieselben durchaus kein gegebenen Ehrenwort haben, wie die betreffenden Unternehmer. Im Lokal statt. Faullenzerleben führen, auch den eigenen Willen über ihre Mahlzeiten posante Versammlungen der Tischler, wie sie Hamburg wohl Der Arbeitsnachweis der Berliner Zimmerer. Die entzieht? Und wie kommt die Besitzerin des Fährhauses zu solcher seit Jahren nicht gesehen, zeigten von dem Interesse und öffentliche Versammlung der Zimmerleute Berlins und Umgegend, Bevorzugung? Mancher kleine Geschäftsmann, manche Frau hatte dem Geist, welcher Alle beseelte und boten die besten welche am Sonntag, den 14. d. M., in der„ Tonhalle" unter Gelegenheit, sich durch Verkauf von Lebensmitteln daselbst einen Garantien für den Sieg der gerechten Sache der Tischler. Leitung des Herrn Jäckel stattfand, nahm nach längeren Debatten kleinen Nebenverdienst zu schaffen; sind diese Leute vielleicht weniger als auch die später eingeleiteten Verhandlungen sich als nuglos er nachstehende Resolution an:„ Die Errichtung und das Weiterbestehen berechtigt? Oder ist diese Maßregel vielleicht zum Wohle der Ar- wiesen, legte sich dann der Polizeichef Herr Senator Hachmann ins des Auskunfts- und Arbeitsnachweise- Bureaus für Zimmerer Berlins beiter erfolgt, damit dieselben nicht übervortheilt werden? Als Mittel und lud soviel Unternehmer als auch Arbeiter zu einer Be- und Umgegend wird als unbedingt nothwendig anerkannt. Antwort verweisen wir auf das Krümchen Käse hin. Bei einer der fprechung ein, welche dann auch zu dem Resultat führte, daß mit Wir Zimmerer Berlins und Umgegend beschließen hiermit heute, daß artigen Monopolisirung ist noch nie etwas Gutes für den Arbeiter einigem Entgegenkommen beiderseits ein fester Lohntarif ausgearbeitet das Bureau derartig einzurichten ist, daß es allen gerechten Anherausgekommen. Die Arbeiter werden selber am besten wissen, wo wurde. Für die Tischlergesellen war hiermit, wenn auch die Be- forderungen, welche von Seiten unserer Meister refp. Arbeitgeber ihnen Essen und Trinken in guter Beschaffenheit und zu soliden dingungen noch keine vollständig befriedigenden sind, doch etwas Bo- an daffelbe gestellt werden, genügt. Wir beschließen, daß von heute Preisen geboten wird. Alle Bevormundung ist hier nicht zu recht- fitives geschaffen, welches nach den jüngsten Erfahrungen von nicht ab sämmtliche Zimmerer, welche in Berlin und Umagegend ihrer fertigende Willkür, weiter nichts. zu unterschätzender Wichtigkeit sein dürfte und vielleicht auch für die Beschäftigung nachgehen, dieselbe nicht mehr durch Zusprechen Folge noch einmal von einem eventuellen Nugen für dieselben sein um Arbeit auf Plägen und Bauten zu erlangen suchen, sondern daß fann. Daß der festgesetzte Minimallohn noch lange nicht den die Arbeit suchenden Zimmerer sich im Bureau zu melden haben, gerechten Ansprüchen derselben genügt, beweist die Thatsache, daß woselbst ihnen Arbeit nachgewiesen werden wird. Zimmerer, welche für Bautischler ein Minimallohn von 40 Pf. und für Möbeltischler tros dieses Beschlusses auf Plätzen behufs Erlangung von Arbeit ein solcher von 35 Pf. pro Stunde festgesetzt ist. In den Werk- erscheinen, werden von den dortselbst anwesenden Zimmerleuten stets stellen, in welchen sich die Tischler auch ihre Hobelbänke 2c. selbst nach dem Auskunfts- und Arbeitsnachweisebureau verwiesen, jede halten müssen, wird denselben pro Stunde 5 Pf. mehr gezahlt. Für andere Auskunft wird aber verweigert werden. Wir Zimmerer werden Affordarbeit wird ein Aufschlag von 25pCt. und für Sonntags- durch freiwillige Beiträge die für die Unterhaltung des Bureaus arbeit ein solcher von 50 pCt. gewährt, doch ist zur Bedingung ge- entstehenden Kosten zu decken bereit sein". Die bis jetzt entstandenen macht, daß am Schlusse jeder Woche einem Jeden mindestens der Kosten betragen ca. 700 Mt., zu denen theilweise auch die ArbeitMinimallohn ausgezahlt wird. Daraufhin ist denn auch in den geber beigeftenert haben, wie dieselben auch das Bureau benußen. Werkstellen die Arbeit wieder aufgenommen worden und sieht man, Das Bureau( Restaurant Schirlis, Beuthstraße) wird fortab daß vorläufig die Tischler Hamburgs mit ihren Erfolgen vollkommen geöffnet sein von 7-12 Uhr Vormittags und von 2-7 Uhr Nachzufrieden sein können. Ein gleiches Interesse beansprucht die mittags, sowie des Sonntags von 9-12 Uhr Vormittags. Der Lohnbewegung der Kohlenjumper, einer Abtheilung der an Geschäftsführer erhält für seine Mühewaltung entsprechend dem den Schiffen beschäftigten Schauerleute. Es möge genügen, zu Arbeitslohn der Zimmergesellen pr. Woche 30 Mt. incl. Sonntag. konstatiren, daß die Mehrforderungen derselben ganz gering- Die Leitung des Bureaus resp. Geschäftsführung bleibt auch fernerfügige und kaum nennenswerth find, und daß es sich für die hin, wenigstens bis auf weiteres, in den Händen des Herrn Jäckel. selben hauptsächlich ebenfalls darum handelt, einen einheitlichen Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. VerLohnsas einzuführen. Nichtsdestoweniger hat dieses eine gewisse sammlung heute Sonnabend, den 20. d. M., Abends 8/2 Uhr, bei freisinnige" Presse( Hamburger Fremdenblatt) veranlaßt, die Gratweil, Beuthstraße 8. Tagesordnung: 1. Vortrag über GrünForderungen derselben als„ unverschämte" zu bezeichnen und einmal dung von Genossenschaften. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. Zahlreicher Besuch wird er wieder in die alte Gewohnheit des Denunzirens zu verfallen, indem 3. Verschiedenes und Fragekasten. dieselbe die Führer verunglimpft, und dieselben als Verführer" der wartet. Fachverein der Former und verwandten Berufsbesonderen Obhut der Behörden empfiehlt. Hinterher giebt dieselbe Presse sich allerdings das für sie sehr beschämende Zeugniß, sich genossen. Versammlung am Sonntag, den 21. August, Vorm. 10 nicht genügend erkundigt" zu haben und läßt den Kohlenjumpern Uhr in Faustmann's Lokal, Invalidenftr. 144. Tagesordnung: 1. Gerechtigkeit widerfahren, indem dieselbe anerkennt, daß doch wohl ist unsere Organisation nothwendig? 2. Der Arbeitsnachweis. 3. die geforderten Lohnerhöhungen berechtigte sind, und daß besonders Anträge zur Sektionskassirerei, Berschiedenes, Fragekasten. Es bittet die Forderung, daß ihnen das Handwerkszeug, als Schaufeln 2c. um recht regen Besuch: Der Vorstand. geliefert werde, eine umso mehr berechtigte ist, als die ,, Arbeitgeber" der Jumper, die Steuer, von den betreffenden Rhedern eine Vergütung für zu lieferndes Arbeitsger äth erhalten. Leider wird der Streik der Kohlenjumper von nur geringem Erfolg begleitet sein, da der Indifferentismus vieler Kollegen ihnen hindernd im Wege steht. Hier hilft in Zukunft nur eine gute und feste Organisation. Schuhmacher Bäcker, Müller, Conditoren Tischler 5418 . 3164 Schlosser, Büchsenmacher 3856 6255 Schmiede, Kesselschmiede 3110 Klempner, Dachdecker 2932 Sattler, Tapezierer, Posamentiere Maler, Lackirer 2930 2918 Schneider 2453 Maurer, Steinhauer. 1719 Rechnet man nun auch von den Schmieden und ebenso von den Schloffern was aber bei diesen entschieden zu viel ist die Hälfte auf die Fabriken, so machen die Angehörigen dieser 14 handwerksmäßigen Gewerbe allein schon über 30 000 Personen aus. Aehnliche Verhältnisse sind in allen größeren Städten und selbst in vielen kleineren, ja, man darf sagen durchweg in Deutschland zu beobachten. Leider sind die Arbeiter auf allen Seiten behindert, sich selbstständig in ihren Vereinigungen der gründlichen Regelung des Wander- Unterstützungswesens zu widmen. Erst mit der Stärkung und allgemeinen Verbreitung der Fachvereine, nach Ueberwindung der ihnen im Wege stehenden gesetzlichen Schwierigkeiten und behörd: lichen Maßregeln, wird diese Regelung möglich sein. Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der in der Hutfabrikation beschäftigten Arbeiter am Montag, den 22. Auguft, Abends 82 Ubr, in Jacob's Lokal, Bartelstraße 1a. Tagesordnung: 1. Besprechung resp. Regelung des Arbeitsnachweises. 2. Bericht über die stattgefundene Herrenpartie. 3. Diskussion, Verschiedenes. 4. Fragekasten. Der Vorstand. - Achtung! Den gesammten Tischlern zur Nachricht, daß die Aufnahme von Mitgliedern in den Deutschen Tischler= Verband, mit dem Sig in Stuttgart jeden Sonnabend Abend von 8-10 Uhr im Lokal Adalbertstr. 16 bei Werschke stattfindet. Das Eintrittsgeld beträgt 20 Pf., der wöchentl. Beitrag 10 Pf. Salonfähige Schamlosigkeit. Die Bourgeoisie behauptet bekanntlich, die Moral für sich allein gepachtet zu haben und nimmt nur zu gern jede Gelegenheit wahr, von der Rohheit und Entsitt lichung der niederen Klassen zu sprechen. Würde sie aber mit der= selben Gewissenhaftigkeit im eigenen Lager Umschau halten, so käme sie zu erbaulichen Resultaten. Wer hätte nicht bereits von jenen Die Former Altonas streiken weiter und warnen ,, Elitetagen" in Schloß Weißensee gehört, wo nach der Ansicht vor Zuzug. Ein Redner( Körften- Berlin) entwickelte in der letzten vieler gebildeten" Leute die sogenannte fashionable Welt ein Rendez- Versammlung seine Ansicht über Streiks dahin, daß dieselben gewisser vous sich giebt? Man postire sich einmal am Abend eines solchen maßen ein Stück Kulturarbeit seien, indem sie eine Aufbesserung der Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Tages vor das Wiener Café am Alexanderplat, um die Droschten Lage der Arbeiter bezweckten und deshalb in allen Fällen thatkräftig Metallarbeiter( E. H. 29, Hamburg), Ortsverwaltung der I. Klaffe, die in langer Reihe die Gäste des Herrn Sternecker dem zu unterſtüßen seien. Insbesondere hätte der Formerstreit durch Filiale 8. Heute Sonnabend, den 20. Auguſt, wird zur Erleichterung Innern der Stadt zuführen, an sich vorüberrollen zu lassen. Im seine lange Dauer und durch das fefte Zusammenhalten der Streiken der Beitragszahlung im Restaurant Schmidt, Grünthalerstraße 6, Fond eines jeden Wagens macht sich neben dem„ Fashionablen" eine den, wie er versichern könne, die volle Sympathie der Former eine neue Zahlstelle eröffnet. Daselbst werden jeden Sonnabend von Demi- mondaine breit; manchmal sind es auch zwei. Auf offener Berlins und wie er glaube, auch aller Former Deutschlands ge: 8-10 Uhr Abends Beiträge entgegengenommen. Straße bereits geschieht der Austausch der Zärtlichkeiten. Durch wonnen, und ermahnt er die Streikenden, fest auszuhalten, damit- Verein zur Wahrung der Inter essen der Tischler. ganz Deutschland ist der„ Ruhm" des Herrn Sternecker gedrungen. der Sieg, der sich sichtlich auf ihre Seite schon jetzt hinneige, auch Heute Sonnabend, den 20. August, Abends 8½½ Uhr, im VereinsDie Zeitungen haben die Lärmtrompete für ihn ertönen lassen und gänzlich zu Gunsten der Arbeiter ausfalle. Ein lebhaftes Bravo tokal, Michaelfirchstraße 39, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: die distinguirten" Fremden pilgern mit derselben Andacht nach folgte diesen Ausführungen des Redners. 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vereinsangelegenheiten und VerEs streiken nach den Nachrichten dieser Woche: die schiedenes. Da wichtige Vereinsangelegenheiten behandelt werden. Weißensee, wie Tannhäuser zur Höhle der Frau Venus pilgerte. Vor uns liegt eine sogenannte Festzeitung, die aus Anlaß eines im Weber der Leipziger- Baumwollweberei- Aktiengesellschaft in Wolkenburg ist es Pflicht jedes Mitgliedes, zu erscheinen. Sternecker" veranstalteten, sogenannten chinesischen Laternenfestes in Sachsen, die Weißgerber in Haynau in Schlesien( Geldsendungen - Zentral- Kranken- und Sterbekasse der deutschen herausgegeben wurde. Als verantwortlich für die Redaktion erklärt an August Fleischer, Weißgerber, Haynau, Hospitalgaffe 292b; es sich Freiherr von Schirp, jener bekannte Allerwelts- Reporter, sind nicht weniger als 31 Verheirathete am Orte zu unterstüßen), Wagenbauer, Bezirk„ Berlin 5". Die Zahlstelle ist von der der tagtäglich bemüht ist, in den ihm nahestehenden Zeitungen die Metallschläger in Fürth, die Maurer in Göttingen, die Maurer Blumenthalftr. 5 nach der Göbenstr. 15 bei Ettlich verlegt worden Herrn Sternecker noch größer zu machen, als er bereits ist. In und Abfuhrarbeiter in Thorn, die Schmiede in Braunschweig. Der und werden dort Beiträge jeden Montag nach dem 1. und 15. jeden dieser Festzeitung" befindet sich ein vielsagendes Feuilleton, in dem utmacherstreit in Ebingen ist beigelegt. Dagegen droht in der Monats Abends von 8-10 Uhr entgegengenommen. Die Krankendie Reize des Riesen- Etablissements Bum Sternecker" in mehr als Schuhfabrik von Schönhof und Söhne in Offenbach ein Streit aus: An- und Abmeldungen haben bei dem Bevollmächtigten A. Kuzte, cynischer Art und Weise gepriesen werden, und in welchem unter zubrechen, sodaß Zuzug fernzuhalten ist. Der Streit der Zimmerer Dennewißstr. 15, part.. zu erfolgen. Die Auszahlung des Krankendem Deckmantel augenscheinlicher Harmlosigkeit„ denen, die es noch Leipzigs danert fort. Zuzug ist fernzuhalten. Briefe und Sendungen geldes erfolgt durch den Kassirer H. Hoffmann, Blumenthalstr. 5. Fachverein der Buchbinder und verwandter Berufsnicht wissen", vortreffliche Anleitung zur Anknüpfung von Berhält sind zu richten an M. Friedrich in Reudnis 6. Leipzig, Kuchengartenniffen" gegeben wird. Wir können es uns nicht versagen, einige straße 20. Der Streik in der Geschäftsbücherfabrik von Eilers in genossen( Verbandsverein). Heute Sonnabend, den 20. August, Abends 82 Uhr im Restaurant Reyer, Alte Jakobstraße 83. Ge= In Desterreich Proben daraus anzuführen:...„ Er hat Glück gehabt, der junge Bielefeld ist zu Ungunsten der Arbeiter beendet. Bonvivant; unter der Legion schöner Weiber, die hier versammelt ist der Streit der Grubenarbeiter im Elbogen- Faltenauer Revier noch selliger Abend. Gäste willkommen. Der Fachverein der Steinmeßen zu Berlin beschloß, und die dem„ Sternecker" den eigenen Reiz verleihen, ist die schlanke nicht beigelegt. sein Stiftungsfest am Sonnabend, den 8. Oktober in Ahlund doch so üppige Confectioneuse die schönste, eine wahrhaft junogrimm's Salon zu feiern. Der Eintrittspreis wurde für Mitnische Gestalt, die wahrlich nicht der Tournüre bedürfte, um den Eine wichtige Versammlung des Vereins deutglieder auf 30 Pf., für Damen auf 15 Pf. und für durch Mitglieder Effekt zu erhöhen. Wer möchte mit solcher Sylphide nicht ewig scher Schuhmacher. Am 15. August fand eine Mitglieder- Ver- eingeführte Gäste auf 1 Mt. festgesetzt. Als 1. Vorsitzender ist Herr durchs Leben tanzen!... Die schöne Confectioneuse schaut verklärt sammlung des Vereins deutscher Schuhmacher statt. Auf der Tages- Peter Denn gewählt. auf den jungen Dandy; ihr Feingefühl sagt ihr, daß er der jeunesse Ordnung stand der Vorschlag der Centralverwaltung betreffs der dorée angehöre und unwillkürlich summt sie Heine's"" Du hast staatlichen Genehmigung Verband deutscher Zimmerleute. Am Sonnabend, als Versicherungs- Anstalt. Diamanten und Perlen".... Ja, dieses Seetheater mit seinen feschen Sämmtliche Redner äußerten sich dahin, daß der Verein als den 10. September, findet in Keller's Hofjäger( Hasenhaide) ein, von Chansonetten vermag den Gefühlen schüchtern Liebender Worte zu Versicherungs- Anstalt nicht in der alten Weise wirken fest statt, bestehend in Konzert. Theater, Tanz u. s. w. Anfang sämmtlichen Lokalverbänden Berlins veranstaltetes großes Sommerleihen, denn hier an dieser geweihten(!) Stätte wird der Begriff könne, weil dann die Grundlage jeder echten Arbeiter- Vereinigung, Nachmittags 4 Uhr. Billets für Herren 50 Pfg., Damen 25 Pfg., Liebe in allen Sprachen und Variationen interpretirt. Immer das Coalitionsrecht und Vereinsgesez fehlt. Dieser feste Boden zärtlicher schmiegt sich Arm in Arm. Alles ist vergessen, die würde der Organisation unter den Füßen weggezogen, und ihr dafür sind zu haben bei den Herren: Kirschke, Arndtstraße 25, v. III; Liebenden sind der Wirklichkeit entrückt und schweben zum siebenten die dehnbaren Versicherungsparagraphen untergeschoben. In einer Klemm, Zossenerstr. 23, H. I, bei Hausch; Jäckel, Weißenburgerstr. Himmel Mohameds Röderer, carte blanche und einem lufullischen Souper, wie es nur glieder auf eine Bereinigung, welche so konstruirt werde, Schilling, Schlegelstr. 15; Poltien, Rheinsbergerstr. 39 v. III und nein, sie sind gescheidter, bei einigen Flaschen einstimmig angenommenen Resolution verzichten die Mit: 77, 5. part.; Lindner, Grüner Weg 28; Schulz, Lübeckerstr, 6; Küche und Keller des„ Sternecker" zu bieten vermögen, erfolgt offi- daß sie nichts als eine reine Attien- Gesellschaft sei. zielles Borstellen Ruben, Maaßenstr. 19. Don Juan mit fingirtem Namen(!)... Da Der Hauptzweck eines Arbeitervereins sei die Agitation sinkt Paula ihrem Don Juan an die Brust und Nelson secundo und Propaganda für die Entwickelung des Solidaritätsgefühls Der Verband der Möbelpolirer Berlins und Um: hat gesiegt über ein jungfräuliches(!) Confectioneusenherz, wie der unter seinen Mitgliedern. Die Reiseunterstützung 2c. sei reiner gegend veranstaltet am Sonntag, den 21. August eine Herrengroße Seeheld von Trafalgar über die spanisch- französische Flotte Nebenzweck. Die Versammlung bedauerte, daß die Central- partie mit Musik nach Schulzendorf- Tegel. Abfahrt vom Schlesifiegte das Pulver entscheidet manchen Sieg! Nur eine Episode verwaltung und der Ausschuß den Vorschlag, die staatliche schen Bahnhof nach Moabit( Nordring) früh 6 Uhr 53 Min., Arbeiterwar es, die wir herausgegriffen aus dem Chaos fröhlicher Menschen, Genehmigung als Versicherungsgesellschaft einzuholen, überhaupt tagesbillet 30 Pfg. Von Moabit Fußpartie über Plößensee nach ihren noblen(!) Passionen und all' den Eigenthümlichkeiten, welche mache. Bei Punkt 2 wurde der neueste von der Innung her- Saatwinkel. Von Saatwinkel Ueberfahrt per Dampfer nach Tegel. dem Leben erst die rechte Würze(!) verleihen u. s. w., u. f. w." ausgegebene Schuhmacherkalender einer Kritik unterzogen, und Nachzügler werden bis Mittag in Saatwinkel erwartet. Auch NichtVerfasser dieser schamlosen Reclame zu Gunsten eines wohlthätigen derselbe als nicht empfehlenswerth bezeichnet, da er nur einigen mitglieder sind willkommen. Treffpunkt um 27 Uhr Morgens in der Zweckes"(!) ist ebenfalls der adlige Reporter Freiherr von Schirp. Haupthähnen der Innung Gelegenheit biete, sich der staunenden Wartehalle des Schlesischen Bahnhofs. Herr Sternecker und der deutsche Adel mögen sich bei ihm für seine Mitwelt photographisch und biographisch zu präsentiren. Außerdem Der Fachverein der Stuckateure hielt am Montag fashionable" Lebensanschauung bedanken. Die konservativen und wurden einige geschäftliche Sachen erledigt. den 15. Auguft eine Generalversammlung bei Nieft. Nach liberalen Zeitungen aber werden nach wie vor für das ,, MusterDer Fachverein sämmtlicher an Holzbearbeitungs: dem Kaffenbericht für das 2. Quartal 1887 ergab sich alter etablissement" in Weißensee das Tam- Tam erschallen lassen Maschinen beschäftigter Arbeiter hielt am Montag, den Bestand 50,90 Mart, die Einnahme 54,90 Mt., die Ausgaben Inserate wegen! 15. August im Lotale des Herrn Säger, Grüner Weg 29 eine 77,95 Mt., so daß am 1. Juli ein Bestand von 27,85 Mt. verblieb. Mitglieder Versammlung ab. Zum 1. Punkt der Tages: Es wurde nun eine Fachschulkommission von 5 Mitgliedern gewählt, ordnung ,, Berufsstatistik" wurde eine aus den bekannten Frage- und soll mithin die Fachschule zum Winter wieder eröffnet werden. lesen. Der Verein beabsichtigt, aus dieser Lifte ein vollständiges mehr zweckentsprechender Form wieder errichtet werden. Scharf verAus Hamburg. Selten ist wohl bei Arbeitern ein der Adreßbuch der Berufswerkstätten für den Arbeitsnachweis zu schaffen. urtheilt wurde der Geschäftsmodus der Firma Lehr, welche in ihrer artig ausgeprägtes Solidaritätsgefühl zu Tage getreten wie bei der Ferner war ein Antrag eingegangen, eine Land parthie auf Werkstatt unter dem vereinbarten Tarif bezahle und auf dem Bau ihre legten Bewegung der Tischler. Die Sachlage dürfte allen unseren Kosten des Vereins zu veranstalten. Es wäre besser, meinte man, Arbeiten von anderen gewerblichen Arbeitern ausführen läßt, welche Lesern genügsam bekannt sein und wollen wir nur kurz erwähnen, wenn wir unser erspartes Geld selbst verbrauchten, anstatt es im Fall doch unmöglich die nothwendige Fachbildung besaßen, während die daß es sich um den Tischlermeister Ehlers handelte, welcher sich einer Krisis der Polizei zu überlassen. Dieser Antrag wurde aus dem Stuckateure umherlaufen und ihre Kräfte vergeblich anbieten. Daß nicht genöthigt sah, sein den bei ihm arbeitenden Gesellen gegebenes Grunde abgelehnt, weil die Vereinskaffe zur Zeit sehr schwach ist. dadurch die Sicherheit des Publikums in Betreff des Abfallens Ehrenwort zu halten, durch welches denselben die Zugeständnisse, Dagegen wurde beschlossen, das Vereinsgeld zur Vergrößerung von Stucktheilen gefährdet wird, ist selbstverständlich. Eine andere welche ihnen bei der Beendigung des Streiks vom März d. J. ge- der Bibliothek zu verwenden, damit immer mehr Aufklärung im Firma wagt es, laut Annonce, Stuckateure zu verlangen, die selbst macht, garantirt worden. Die in Güte zuerst eingeleiteten Verhand- Verein geschaffen werde, und der Verein im Stande ist, den Mit Rüstung bauen, wo solches nur den Maurern, welche es praktisch lungen zur Beilegung der Differenz führten zu keinem Resultat und gliedern eine tüchtige Bildung zu bieten, dann würden sich die erlernt haben, zukommt. Am nächsten Montag, den 22. Auguft scheiterten hauptsächlich an dem Widerstand des Herrn Ehlers und Fachgenossen, die dem Verein noch fernstehen, selbigem immer mehr findet eine öffentliche Versammlung sämmtlicher Studaals dann auch die Tischlerinnung für den betreffenden Herrn und mehr zuwenden. Auch wurde beschlossen, am Sonntag, den teure Berlins und Umgegend statt. Partei nahm, war die nächste Folge und die Antwort auf die Maß- 21. August eine Herrenparthie nach Osdorf zu machen. der Arbeiterbewegung, Vereine n. Versammlungen. bogen entnommene Lifte, behufs Richtigſtellung von Irrthümern, ver- Ebenso soll in kürzester Zeit der Arbeitsnachweis in veränderter, Verantwortlicher Redacteur: Max Schippel, Berlin. Drud und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Oranien- Straße 23.