Berliner Volks- Tribüne. " Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg.( frei ins Haus). Einzelne Nummer 15 Pfg. Vom 1. Oktober ab durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen. Bei direkter Zusendung unter Kreuzband vierteljährlich 1 Mr. 60 Pfg. Redaktion und Expedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. №o. 7. Inhalt: Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Naum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg.- Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Zur sozialdemokratischen Taktik. Ausweisungen des Herrn Keßler. Politische Nachrichten. Aus der Arbeiterbewegung, Vereine und Versammlungen. Kunst und Literatur. Sozialismus und Reaktion. ( Zur sozialdemokratischen Taktik). Sonnabend, den 17. September 1887. Ausgabe für Spediteure: " Merkur" Zimmer- Straße 54. I. Jahrgang. wir nicht an, sie in gewissem Sinne offen einzuräumen. feit eine andere Richtung zu geben hätte. Eine solche Gewiß hat der preußisch- deutsche Absolutismus aus Meinung könnte, auch unter den eben genannten VorausDie mehr als einer Wurzel Kraft gesogen: große, die Massen seßungen, nur einer ganz falschen Vorstellung über Die blendende Erfolge der äußeren Politik, die er im Wider- das innerste Wesen der proletarischen Bewegung Leiden des Handwerks. Entwickelung und stande gegen die liberale Bourgeoisie davongetragen, entspringen. Charakter der französischen Arbeiterparteien I. haben sein Ansehen vermehrt, und in der kriegswetter- Wer in ernsten Studien Klarheit über unser WirthDer Sozialismus in England II. schwangeren Atmosphäre, die seit zwei Jahrzehnten über schaftssystem zu erringen gesucht hat, dessen politisches Ein Berliner Sittenbild. Die Entwicke- unserem Kontinent lagert, ist er wie eine Giftpflanze rasch Denken und Handeln wird von der einen überall maßlung der Geschichtsauffassung von der Refor- emporgeschossen, während vom Baume der Freiheit Blatt gebenden Grundanschauung beherrscht sein: daß innermation bis zur Revolution. um Blatt gefallen ist. Aber ihren stärksten Halt hat die halb des heutigen wirthschaftlichen Systems nur miniReaktion in einem anderen Boden gewonnen, und das male Vortheile für die Arbeiter zu erringen sind, und heutige Regiment steht und fällt daher nicht mit der Ent- daß daher jede sozialpolitische Thätigkeit viel weniger nach wickelung der äußeren Lage, sondern mit unseren inneren kleinen praktischen Erfolgen in der Gegenwart, als nach wirthschaftlich- sozialen Verhältnissen. Hier sind großen Reform en des ganzen Systems in der Zu= die starken Wurzeln seiner Kraft." Die leßten Ursachen kunft zu streben hat. Systeme aber ändert man nicht, davon können für den Einsichtigen auch nicht mehr ver- indem man heute, wo man nichts ist, die Zeit und die borgen sein: sie liegen in dem Wachsthnm des Prole- ganze Kraft damit vertrödelt, mit dem Gegner fruchtlose Die natürlichsten Rechte der Arbeiter wie das tariats und in der Verschärfung der Gegensäße Verhandlungen zu pflegen. Systeme ändert man lediglich Koalitionsrecht, Gewerbefreiheit, Versammlungsrecht, Rechte, welche seinerzeit Ferdinand Laffalle für so zwischen Besigenden und Besißlosen, eine Ver- dadurch, daß man zunächst und in erster Linie die selbstverständlich erklärte wie das Recht auf die schärfung, welche Lettere zu einer immer selbstständigeren Macht schafft, welche die einzig dauerhaften Reeigene Nase, würden nicht derart in Deutschland mehr Haltung in wirthschaftlicher und politischer Beziehung formen in der Zukunft durchzuseßen vermag. Auch und mehr in Frage gestellt werden können, wenn drängt und zwingt. wir lösen, wie einst Herr von Bismarck im Beginne nicht die Bildung der Sozialistenpartei als einer besonderen Arbeiterpartei Spaltungen Schon der erste unbewußte Nothschrei, mit dem das seiner Laufbahn, die Fragen der inneren Politik nicht in das Bürgerthum getragen und dieses dadurch in Proletariat sein Dasein ankündet, jeder Streik, jedes noch durch unnüßes Diplomatisiren, sondern durch eine vielseiner Widerstandskraft gegen die Reaktion ge- so unüberlegte Auflehnen gegen die Uebermacht des Unter- jährige Armeeorganisation nur daß wir eine Armee schwächt hätte. Freifinnige Zeitung. nehmerthums weckt in letzterem eine unbestimmte, lähmende geistiger Streiter sein wollen. Sollte uns heute wirklich Es ist nicht das erste Mal, daß Herr Eugen Richter Furcht, und je mehr sich selbständiges Leben unter den ein Parlament oder eine Regierung kleine Konzessionen die sozialdemokratische Partei verantwortlich gemacht hat Arbeitern regt, desto mehr erkennt das Bürgerthum in machen wollen, unter der Bedingung, daß wir mit unserer für die Reaktion, die wie ein Alp mit beängstigender ihnen die künftigen Erben seiner Herrschaft und darum Armeeorganisation für die Zukunft einhalten, so müßten Schwere auf dem öffentlichen Leben Deutschlands lastet. hat es ihnen, wie dem Helden in der Sage, die Schlangen wir dies dankend ablehnen; der scheinbare Vortheil wäre in In Volksversammlungen, in der Presse, im Parlament, der Unterdrückung schon in die Wiege gelegt. Wahrheit ein unendlicher Schaden für uns und unsere Sache. überall hat der Führer des zersprengten Heerbannes der Aber wenn Herr Richter den Sozialisten den VorMit anderen Worten: wir sind viel weniger eine bürgerlichen Demokratie gegen die Vertreter der proleta- wurf macht, daß sie dadurch, daß sie das Proletariat zu Partei kleiner praktischer Augenblickserfolge, eine Partei rischen Demokratie die Anklage erhoben, daß ohne ihr un- immer größerer Selbständigkeit und immer lebhafterem parlamentarischer Wirksamkeit in dem gewöhnlichen Sinne heilvolles Wirken Deutschland heute noch im vollsten Selbstbewußtsein herangezogen, die Reaktion auf der anderen des Wortes, als eine Partei der Aufklärung und Sonnenscheine der Freiheit sich entwickeln würde; daß das Seite geweckt hätten, so möchten wir ihm zunächst einfach Organisation für die kommenden Zeiten. Können wir Bürgerthum seinen ehemals begonnenen Kampf mit dem die Frage entgegenhalten, ob denn ohne die konsequent diese Aufklärung und Organisation der Massen nur erAbsolutismus energisch zu Ende geführt haben würde, denkenden Sozialisten diese Entwicklung hätte verhindert reichen, indem Andere vorübergehend einzelne Volksrechte wenn das Gespenst kommender sozialer Umwälzungen sich werden können. Und nur ein unwissender Narr wird diese vernichten, so können wir, es nicht verhindern, daß diese nicht drohend erhoben hätte und dieses Schreckgespenst Frage mit Ja zu beantworten wagen. Nicht unser Reden Rechte fallen. Wir haben in der Gegenwart sehr wenig sei lediglich von den Vertretern einer ,, besonderen Arbeiter- und Schreiben, sondern die wirthschaftliche Entwick- zu suchen und legen darum, unbekümmert um das Verpartei", d. h. von den Führern der Sozialdemokratie lung, die weder wir noch Herr Richter machen, bringt es halten unserer Gegner, die Grundsteine für eine bessere heraufbeschworen worden. Damit aber- folgert Herr mit sich, daß die Verbindung zwischen Befiß und Arbeit, Bukunft. Richter dann regelmäßig weiter hätten sich die Arbeiter wie sie im alten Kleingewerbe vorhanden war, mehr und Und nun zurück zu Herrn Richter: welchen Verrath schließlich ins eigene Fleisch geschnitten, denn das Wüthen mehr gelöst wird. Nicht unsere Agitation, sondern die an unserer Gegenwart und Zukunft muthet er uns eigentder Reaktion sei für sie noch verhängnißvoller wie für die wirthschaftliche Entwicklung, die tägliche Erfahrung im lich zu, indem er uns die Gründung einer besonderen bürgerlichen„ Freiheitskämpfer" die ja die Freifinnigen Wirthschaftsleben drängt den Arbeiter darauf hin, die tiefe Arbeiterpartei" zum Vorwurf macht? Gewiß, wir hätten noch immer sein wollen, obwohl sie bei den letzten Wahlen Kluft zwischen sich und den besißenden Klassen zu fühlen, heute noch das Koalitionsrecht wenn wir uns nicht manchen Bruder des reaktionären Kartells aus der soziali- sich seiner besonderen Interessen bewußt zu werden und foalirt und nicht gestreift hätten. Gewiß, wir hätten ftischen Umzingelung herausgehauen haben. diese Interessen mit seinen Schicksalsgenossen selbständig heute noch das Recht, uns zu versammeln wenn wir wenn es Wir nahmen bisher niemals Veranlassung, uns mit und gegen die Befißenden zu vertreten, auch gegen die von vornherein darauf verzichtet hätten, es jemals auszuden parteipolitischen Spekulationen und Theorien des Herrn Befißenden des linken Flügels der Bourgeoisie. Hier war üben und unsere Meinung öffentlich zu vertreten. Gewiß, Richter zu beschäftigen, aus dem einfachen Grunde, weil nichts zu verhindern, außer es wollte sich ein Sterblicher wir hätten heute noch kein Sozialistengeset unſeres Erachtens die Lähmung, welche den Freifinn an vermessen, unsere ganze wirthschaftliche Entwicklung niemals Sozialisten gegeben hätte. Wir hätten noch heute allen Gliedern befallen und ihn aktionsunfähig gemacht verhindern zu können. Hier war nur zu verhüten, daß das Recht unserer Meinung, wenn wir niemals eine Meihat, nicht mehr von ihm weichen wird, und weil mit dem das Proletariat, unbelehrt nnd unklar über das nothwen- nung gehabt hätten; unser Kopf säße noch fest zwischen einzigen Organ, dessen Bewegungsfähigkeit ihm erhalten bige Ziel seiner Thätigkeit, Irrwege einschlug, von denen den Schultern, wenn wir ihn ganz ergebenſt unseren geblieben ist, mit der Zunge, im politischen Leben weber es nach geraumer Zeit wieder hätte zurückkommen müssen, Gegnern zu Füßen gelegt hätten, wir würden noch heute viel Schaden noch viel Nußen angerichtet wird. So wür- um noch einmal von vorn anzufangen. Darin und in der ein freies Leben führen, wenn wir Selbstmord be= den wir auch die oben berührte Anschauung über den entsprechenden besseren Organisation des Proletariats bestand gangen hätten. Und Selbstmord zu welchem Zwecke? DaEinfluß des Sozialismus auf unsere innere Politik unbe- unsere Thätigkeit und auch auf diese beschränkte Thätigkeit sind mit die freisinnige Partei wieder aufathmen kann, antwortet lassen, weil sie praktisch ganz ohne Einfluß wir stolz und werden wir stolz bleiben. Aber das selbständige damit sie die Zügel der Herrschaft wieder gewinnt, die ift. Aber da sie die Grundfrage der ganzen Arbeiter Auftreten des Proletariats haben wir nicht geschaffen und um der Feigheit ihrer Anhänger willen, ihren kraftlosen politik betrifft, und prinzipielle Fragen von so eminenter dieses Auftreten hätte geschehen können, in welcher Form Händen entfallen sind! Bedeutung nicht oft genug erörtert und auf die Richtigkeit es wollte Eine aufsteigende Partei, deren Bruft von frohen das Bürgerthum würde mit der gleichen ihrer Entscheidung hin geprüft werden können, so mag Reaktion darauf geantwortet haben. Will Herr Richter Siegeshoffnungen geschwellt ist, soll sich selber aufgeben, uns diesmal ein näheres Eingehen auf die Richter'sche das nicht glauben, so möge er an die belgischen Hunger- um einer niedergehenden Macht, die selber an ihre Zukunft Aeußerung gestattet sein. revolten denken, an diese Manifestationen eines politisch nicht mehr glaubt, aus der Verlegenheit zu helfen! Welch Es wird sich hierbei zunächst darum handeln, ob in ungeschulten, unbelehrten Proletariates, die, ohne jeden ein Wahn und welch eine Anmaßung! der That ein Zusammenhang besteht zwischen dem Wachs- sozialistischen Hintergrund, ebenfalls zur Begründung Natürlich werden die Mahnungen des Herrn Richter thum der Sozialdemokratie und dem Umsichgreifen der reaktionärer Maßnahmen in Belgien und Deutschland den Sozialismus nicht abhalten, seinen gewiesenen Weg Reaktion auf allen Gebieten und weiter darum, ob herhalten mußten. weiter zu gehen, den er nach reiflicher Erwägung eingedieser Zusammenhang, wenn er thatsächlich nachweisbar Der Hereinbruch der Neaktion ist schon aus diesen schlagen hat, weil er allein zum Ziele führt. Ist das für sein sollte, einen Vorwurf gegen die Sozialdemokratie Gründen dem Sozialismus nicht zum Vorwurf zu das Bürgerthum Anlaß, in die Arme des einst von ihm deren Taktik einschließt und es daher räthlich erscheinen läßt, machen. so bitter befehdeten Absolutismus zurückzusinken, so können der proletarischen Politik eine andere Richtung zu geben, Aber selbst wenn die Entwicklung des Sozialismus wir das nicht ändern. Herr Richter hätte unter diesen um wenigstens für die Zukunft weiteres Unheil zu verhüten. dazu beigetragen hätte, die Reaktion für den Augenblick Umständen seine Vorwürfe aber an seine Anhänger, Was nun die Thatsache des Zusammenhanges zu fördern, so wäre daraus noch immer nicht zu folgern, welche sich dieser Feigheit schuldig machen, und nicht an zwischen Sozialismus und Reaktion anbelangt, so stehen daß er nunmehr für die Zukunft seiner öffentlichen Thätig- uns zu richten. Warum eigentlich? ( Zu den Ausweisungen des Herrn Keßler.) Die Leiden des Handwerks. " Wo waren sie geblieben? Wer wußte es, wer fragte danach? Sie waren verstorben, verdorben im Armenhause, Das Handwerk, oder sagen wir genauer, der auf der Landstraße als Vagabunden. Wer brachte sie Stand der kleinen selbstständigen Gewerbetreibenden ist um? Die Gewerbefreiheit nicht. Die Nagelschmiede waren Der Herr Regierungsbaumeister Reßler ist am 7. d. M. stark im Rückgange begriffen, wer kann das bestreiten. sehr zünftig. Sie hatten Zunft und Herberge, Lade und durch Verfügung des Bezirksdirektors zu Eisenach aus Die Statistik lehrt, daß die Zahl der Mitglieder dieses Büchse, Ober- und Untermeister, Altgeselle und Junggeselle, dem Großherzogthum Sachsen ausgewiesen worden, und Standes sich im Verhältniß zum Wachsthum der Einwohner- Prüfung und Meisterstück. Ja, sie hatten sogar noch hat binnen 24 Stunden das Ländchen verlassen müssen. zahl und oft auch der absoluten Zahl nach vermindert. Meisterschmäuse und Quartals- Zulage. Viel gab es dabei Wir fragen: warum eigentlich? Der Augenschein der Erfahrung lehrt, daß die kleinen freilich nicht, aber man freute sich doch über die prächtige Herr Keßler hielt sich ungefähr acht Wochen lang zu Handwerker in ihrem Wohlstande, in ihrer Lebenshaltung Zunftfahne. Es mußte ihnen Alles nichts. Es konnte Eisenach auf, wie viele hundert andere Sommerfrischler, ganz bemerkbar zurückgehen. und unterschied sich sein Thun und Treiben in Nichts von nicht Ein Jeder" Meister werden, es tam aber doch so Diese Wahrnehmungen macht der Handwerksmeister weit, daß keiner mehr dazu Luft hatte. Es konnte nicht dem der anderen Sommergäste. am eigenen Leibe und an dem Leben seiner Mitmeister, Ein Jeder" Lehrlinge ausnuten, sie fanden aber keine Er wanderte, sein Skizzenbuch in der Hand, durch seiner Genossen, die er täglich vor Augen hat. Diese jungen Leute mehr, die dumm genug waren, Nagelschmiede die reizenden Thäler der Umgegend, zeichnete, suchte Haide- Wahrnehmung ist auch für andere, die Augen haben zum zu werden. kraut und Blumen, saß Abends in einer philiſterlichen Sehen, gar nicht schwer zu machen, sie drängt sich auf. wer denn? Wer?! Die Macht des Großkapitals, Die Gewerbefreiheit that es nicht. Nun Stammkneipe und unterhielt sich mit den Stammgästen Der Nothrus des kleinen Handwerkers ist ein sehr berech- die Maschinenarbeit, die Fortschritte der Künste, über alles Mögliche, nur nie über Politik. Sogar der tigter, ein ihm von den bestehenden Verhältnissen ausge- Gewerbe und Wissenschaften im Dienste, nicht der Herr Polizeiinspektor von Eisenach besuchte öfters presster. Das Bestreben der Handwerker, sich aus ihrer Gesammtheit, sondern des Privatkapitals, das waren die die Gesellschaft, in welcher Herr Keßler verkehrte und saß Noth zu erlösen, ist eine ganz natürlich nothwendige Gegner. Sie find mächtige Gegner, wenn man nichts mit ihm zusammen. Mit den wenigen in Eisenach vorHandlung. handenen Gesinnungsgenossen hatte Herr Keßler aus Grünihnen entgegen zu setzen hat, als die harte, arbeitskundige Alle Handlungen der Menschen erreichen aber nur Hand mit dem zünftigen, veralteten Arbeitsgeräth. den der Klugheit absolut gar keine Fühlung genommen, dann ihren Zweck, wenn sie mit Erkenntniß der Umstände weil er ihnen augenblicklich doch nichts hätte nüßen können. nach der rechten Seite hin geleitet werden. Da sind die Glaser. Auch ihr Gewerbe begann Außerdem war es der Polizei bekannt, daß er in wenigen Wasser liegt und vom Tode des Ertrinkens bedroht ist, vollständig verschwunden wie die Nagelschmiede, wenn die Wer im feinen Rückgang schon zur zünftigen Zeit. Sie wären Tagen den Ort verlassen wollte, weil er durchaus nicht muß schwimmen. Das ist eine zu seiner Rettung durch- Gewerbefreiheit sie nicht gerettet hätte. Durch Einführung beabsichtigte, die rauhe Jahreszeit in dem Städtchen, das aus nothwendige Handlung. Wenn er aber nicht weiß, derselben wurde ihnen wenigstens möglich, passende Nebenso wenig Anregung bietet, zu verbringen. Dennoch wo das rettende Ufer liegt, wenn er die Richtung nicht gewerbe zu ergreifen. Manchen Drts verband man_einwird er etwa fünf Tage vor seiner festgesetzten Abreise kennt, nach welcher er hinzustreben hat, so wird ihn seine zelne Zweige der Tischlerei mit der Glaserei, anderen Orts Thätigkeit leicht in noch größere Noth bringen, ihn vom legten sich die Glaser Handelsgeschäfte zu, handelten mit Wir fragen: warum eigentlich? rettenden Ufer noch weiter entfernen. Wir haben es begreifen können, daß Herr Keßler aus Glas, mit Porzellan, mit Lampen, mit Petroleum, mit Berlin ausgewiesen wurde. Das gehörte zum heutigen Die bedrohten Handwerksmeister, welchen das Wasser Goldleisten, mit Bildern, so wie es gerade passte. Die Syſtem. Es sollte den Berliner Maurern eine Kraft ent- bis an den Hals und höher hinauf reicht, rufen tapfer geschmacklose. Bußenscheibenmode unserer„ stylgerechten" Zeit zogen werden, welche den reactionären Meistern un- nach Hilfe und ſtrampeln auch, um sich oben zu halten. hat die Glaser wieder etwas begünstigt, doch das geht Das ist nothwendig und sehr achtenswerth, aber wir wieder vorüber. Der zünftige Glaser, der mit seinem ausgewiesen. bequem war. Die Ausweisung aus Brandenburg war auch einiger- können nicht behaupten, daß das Ziel, dem sie zustreben Glaskasten von Dorf zu Dorf zog, dort schon erwartet maßen dadurch erklärlich, daß man hier den Fall schaffen müßten, ihnen klar und bekannt ist, daß sie wissen, wo wurde, der das Blei walzte, den Kitt klopfte, die kleinen wollte, um Herrn Keßler später aus den anderen deutschen das rettende Ufer liegt. Es wundert uns daher nicht, Scheiben aus dem grünen, schlierigen Glase schnitt und in Bundesstaaten auf Grund des„ Freizügigkeitsgeseßes" aus- daß sie in eine immer unheilvollere Lage gerathen. die Fenster fügte, er ist verschwunden. Das Glas ist Der Handwerksmeister fühlt, daß seine Kundschaft sich weiß und klar geworden, das Blei kommt nur noch bei weisen zu können. Aus München war die Ausweisung noch etwas " In Braunschweig gab nach der offiziellen Zeitung, verringert, daß die Preise seiner Erzeugnisse weichen, und stylgerechten" Fenstern zur Anwendung und wird aus die sich darüber äußerte, ein Mißverständniß(!) den daß seine Gesellen höhere Ansprüche an ihn stellen. Er Fabriken bezogen, der Ritt wird von anderen Fabriken geGrund zur Ausweisung. Diese Zeitung behauptete, K. hätte kann den Zusammenhang der wirthschaftlichen Thatsachen liefert. Die größeren Scheiben aus dem besseren Glase sein Haupt so lange als er wollte in Braunschweig nieder- nicht fassen, er ſieht nur das Nächste und begreift nicht kann jeder Dorftischler schneiden. Wo ist da Raum für das legen können, wenn er nicht die Maurer und Zimmerer bie eigentliche, ferner liegende Ursache seiner Leiden. die eigentliche, ferner liegende Ursache seiner Leiden. Seine primitive Glasergewerbe? Treibt der Glaser kein anderes dort in ihrem Widerstand gegen die Meister bestärkt hätte. Erinnerungen, ſeine eigenen Erfahrungen reichen nicht weit, Gewerbe daneben, dann geht es ihm recht traurig. Die Nun war aber thatsächlich gerade das Gegentheil der ſein Nachdenken wird durch Kenntniß der wirthschaftlichen Beschränkung der Gewerbefreiheit würde ihn vollends hinFall, Herr Keßler bemühte sich, so lange er in Braun- Thatsachen früherer Zeiten nicht unterſtüßt und auch die richten, er würde verschwinden. schweig war, darum, den Streit, den er dort vorfand, zu heutigen Zustände kennt er nur oberflächlich. Was Wunder Auch ihn bedrängt dieser Fortschritt der Künste, beenden. Er wirkte dafür, daß die Gesellen die Fordea, wenn ihn der Druck der Konkurrenz mit 3orn gegen Gewerbe und Wissenschaften im Dienste der Kapitalmacht. rung fallen ließen, nach welcher die Meister eine schrift seinen Nachbarn erfüllt, dem es ebenso schlecht geht, daß Heute greift dieser Fortschritt", diese Kapitalmacht, liche Erklärung unterschreiben sollten. Er erreichte auch, ihn die Forderungen der Gesellen empören, weil sie seinen diese Maschinenarbeit andere Gewerbe mit gleicher Schärfe was er anstrebte, der Streik wurde beigelegt. schon so schwachen Verdienst verringern. an. Das Schuhmachergewerbe ist eines derjenigen, die am Der Handwerksmeister klagt laut, daß heute ein meisten leiden, es ist ebenfalls in seinem Bestande bedroht. schwerer zu begreifen. Es wurde Herrn Keßler vorgeworfen, ieder" ſein Gewerbe treiben kann, er ruft nach Zwangs- Die Maschinenarbeit gewinnt immer weitere Ausdehnung, daß er einmal eine Fachvereinsversammlung als innungen, nach Prüfungszwang, daß man glauben sollte, vervollkommnet sich von Woche zu Woche und drängt die Zuhörer(!!) besucht hätte, ohne irgend wie sich an den die Zahl der Meiſter wäre in letzter Zeit gegen die Zahl Handarbeit, den handwerksmäßigen Betrieb im SchuhmacherBerhandlungen zu betheiligen oder auf sie einzuwirken, der Einwohner erheblich gestiegen, doch ist, wie wir wissen, gewerbe immer weiter zurück. Der Schuhladen ist schon und daß er in einer Festversammlung einen ganz un- das umgekehrte der Fall, die Zahl der selbstständigen bei vielen Schuhmachern die Hauptsache, die Werkstatt politischen Toast(!!!) auf das ehrsame Maurergewerk aus- Handwerker ist im Allgemeinen im Weichen begriffen. nur ganz Nebensache. Der arme Kleinmeister sinkt immer gebracht. Die Versammlung fand übrigens unter Vor- Wenn man die Klagen der Meister über die schranken- mehr zum Fabrikarbeiter hinab, wenn er auch noch für siz des zünftigen Altgesellen der Zunft der Maurer lose Gewerbefreiheit" hört, da sollte man glauben, vor den Fabrikanten in der eigenen Werkstatt arbeitet. Die vor Lade und Büchse statt und war keine Fachvereins- Einführung derselben seien, auch wo die Großindustrie Handarbeit hat freilich noch einigen Raum in der Schuhversammlung, wenn auch Mitglieder des Fachvereins mit bereits mit in Wettbewerb trat, die Zustände im Hand- macherei. Für unregelmäßige Füße", die heute, Dank zugegen waren. Das waren nach Angabe des Polizei- werk andere gewesen. der zünftigen Schusterkunst, recht häufig sind, für besonders direktors von Pechmann die Gründe zur Ausweisung, Sehen wir uns einmal um in jener Zeit. Wir kunstvolle Arbeit kann sie noch nicht entbehrt werden. die übrigen, die der Herr noch anführte, waren dadurch brauchen nicht weit zu suchen in unseren Erinnerungen. Aber der kleine Meister hat davon nur geringen Vortheil. leicht entkräftet, daß es ihm nachzuweisen war, wie er Wir bleiben in Berlin, in seinem Mittelpunkt, wir stellen Um die Kundschaft anzulocken, dazu gehört ein Laden mit Herrn Keßler zuschrieb, was gar nicht diesen, sondern ganz uns da hin, wo heute das stattliche Rathhaus seine stolzen Spiegelscheiben und kostbaren Schaustücken, glänzende Erandere Leute anging. Das vermochte er auch nicht zu Binnen erhebt und denken uns dreißig Jahre zurück. Da leuchtung, Empfangssalon für die vornehme Kundschaft. widerlegen, trotzdem aber erklärte er frank und frei:„ Das finden wir an dieser Stelle eine Anzahl enger, dumpfiger Das kann alles nur der haben, der Kapital, viel Kapigeht mich Alles nichts an, Sie werden doch ausgewiesen!" Gäßchen, deren Pflaster, holprig und schmutzig, von dem tal besißt, der Fabrikant, nicht der kleine Meister, der Die Ausweisungen aus Gera und Altenburg Strahl der Sonne selten oder nie erreicht wurde, deren Handwerker. können wir wieder eher begreifen. Hier war Herr Keßler Rinnsteine ekelhafte Gerüche, mörderische Dünste aushauchten. Ueberall sehen wir als Gegner des Handwerks dieselben in dem Wahlfeldzug sehr schneidig als Agitator aufgetreten. Blicken wir in einen düsteren, russigen Keller dieser Mächte, die Kapitalmacht, die Maschinenarbeit, die FortDiese beiden Ausweisungen haben uns nicht sonderlich Gäßchen, so haben wir Gelegenheit, ein untergehendes schritte der Künste, Gewerbe und Wissenschaften, die der überrascht, denn Strafe muß sein! Gewerbe eingehend zu studiren Ein untergehendes kleine Mann sich nicht dienstbar machen kann. Die Ausweisung in Gotha ließ sich vielleicht auf den Gewerbe vor Einführung der Gewerbefreiheit in Sehen die Handwerksmeister in ihrer Mehrheit oder freundschaftlichen Verkehr mit Herrn W. Bock und die zu- zünftiger Zeit. Aus diesem Keller tönt von 5 Uhr auch nur in erheblicher Zahl ein, was da geschehen muß, fälligen Besuche einiger bekannter Genossen zurückführen, Morgens bis 10 Uhr Abends das Klappern der Hämmer um diesen Mächten gegenüber das Recht der Arbeit" hoch wenn auch dadurch nicht entschuldigen. Die Ausweisung zweier Nagelschmiede, Meister und Geselle. Sie hämmern zu halten? Ei bewahre! Der Meister sieht immer nur seinen aus Eisenach hat aber selbst die konservativen Herren in und hämmern, hungrig, blaß, abgezehrt und kraftlos, fie Nachbarn, er betrachtet den, der gegen die mächtigen Gegner Erstaunen gesetzt, die dort Herrn Keßler kennen gelernt arbeiten von früh bis spät, trostlos, hoffnungslos, und ebenso hoffnungslos kämpft, mit neidischem, giftigem Blick. Er können nicht erwerben, was zum Leben nothwendig ist. sieht dessen elende Werkstatt neben der seinen und denkt: Die Zunftregeln schmieden sie an den Ambos, an das Der nimmt mir die Kundschaft weg, wenn ich noch die Vielleicht will man es wirklich durchseßen, daß für Nageleisen. Mit ihnen theilt den Raum der schmußige Arbeit hätte, die der hat, dann ginge es mir gut!" Herrn Keßler kein Raum mehr in Deutschland sich findet magere Hund, der das Triebrad treibt, das den Blajebalg und er auswandern muß. Es ist freilich sonderbar, daß in Bewegung seßt. Aus seinen Augen blickt noch mehr hat er noch zur Zunft gehört, besißt er noch sein heute Ist er gar noch aus der alten Zeit her, der so denkt, man gerade auf die Entfernung des Herrn Keßler aus Leben und Hoffnung als aus denen der Menschen bei ihm. unverwendbares„ Gesellenstück" und sein heute noch viel Deutschland so großen Werth zu legen scheint, da eine Ist der Blasebalg hoch, dann springt er mit flinkem Say nußloseres aber theueres„ Meisterstück", die die Wand Schwalbe doch bekanntlich keinen Sommer macht und Herr aus dem Rade, mit einem Sprunge ist er die Treppe seiner ärmlichen Wohnung zieren, oder verstaubt und verKeßler doch sicherlich nicht mehr gilt, als viele Hundert hinauf vor der Thür seines Kerkers. Seine Augen fliegen rostet auf dem Boden unter altem Gerümpel liegen, dann andere Genossen. Wir können außerdem mittheilen, rechts und links die Straße entlang, er begrüßt schnell ist er noch giftiger.„ Wart! Könnte ich dir auch solch daß er Deutschland nicht räumen wird, so lange einen Hundekameraden, aber da sinkt der Blasebalg zu einen Befähigungsnachweis anhängen, dann solltest du ihm noch ein einziger Ort in seinem Vaterlande sammen, die Luft bringt einige gurgelnde Tone im Feuer es schon unterlassen, mir Konkurrenz zu machen!" Der nicht verboten ist. Nun ist die Möglichkeit für einen hervor. Wie der Blitz ist der Hund wieder am Rade arme Nachbar mit seinen zwei schlecht gelohnten Gesellen, Preußen gegeben, etwa 500 mal ausgewiesen zu werden, und beginnt seinen endlosen Weg mit gesenktem Kopf und die erscheinen ihm als die Verkörperung der gefürchteten und Herrn Keßler ist dies in einem Jahr nur 6 mal, bis lang lächzender Zunge. Nagel auf Nagel wird durch das Konkurrenz, deren Wirkung er spürt. jetzt zusammen nur 8 mal passirt, man müßte also etwas Eisen geschlagen und fällt klirrend zu Boden. Wenn aber schneller arbeiten, um den alten Herrn bei Lebzeiten noch Da wird aber drüben eine Fabrik angelegt, groß aus Deutschland zu vertreiben. hatten. Also: warum eigentlich? Aber: warum eigentlich? Bloß den Meistern Berlins zu Liebe? die Woche um ist, dann sehen sich Meister und Geselle an, und prächtig mit mächtigen Sälen, thurmartigem Schorntrostlos, traurig. Der Verdienst wäre für einen gering; stein. Die Maurer fügen emsig Stein an Stein, die es müssen sich zwei damit begnügen und der Hund ver- Schlosser und Zimmerer errichten die eisernen und hölzernen langt auch sein mageres Brod. Konstruktionen, die Maschinenbauer bringen die ungeheuren Da kam eine Zeit, die Nagelschmiede waren ver- Kessel, die stöhnenden Pumpen, die sausenden Räder in Gang. Nun stampft es und pustet und dröhnt. Die schwunden. beiden Meister sehen mit Interesse zu. Was wird das? Nur zu bald erfahren sie es, denn nach zwei Jahren gehen sie, mit Blechkannen in der Hand, mit blassen Gesichtern und schmutzigen Kleidern als Arbeiter durch die großen Thore mit einer großen Schaar vieler, vieler ähnlicher Männer. Die Meisterschaft hat für sie aufgehört. Der Fortschritt des Großbetriebs, der allein die Fortschritte der Künste, Gewerbe und Wissenschaften ausnützen konnte, hat sie gefressen, der Zünftige braucht den Nichtzünftigen jetzt nicht mehr zu beneiden, sie sind gleiche Brüder ge- worden— im Elend! Aber ihre Kollegen, die haben sich doch eine Lehre daraus genommen, sie wissen jetzt doch, wo der Feind steht und denken daran, sich zu wehren, in der rechten Art zu wehren? Ach nein, noch lange nicht! Die Gefahr, die sie sühleu, aber nicht zu würdigen wissen, treibt sie zwar zum Handeln, indessen dies Handeln ist ohne bestimmten Zweck. Sie vereiingen sich, denn, ganz richtig, man kann in einer Ver- cinigung sich besser wehren. Aber nicht jedes Zusammen- lausen ist eine Abwehr. Auch die Schafe bilden einen Knäuel, wenn sie Gefahr merken. Dies hindert aber den Wolf nicht, soviele zu nehmen, als es ihm beliebt. Die bedrohten Meister laufen zusammen und bilden Innungen, Jnnungs- Unterverbände, Jnnungs- Central- verbände, Jnnungs-Ausschllsse, Jnnungs-Centralausschüsse. So, nun sind die Verbände und Ausschüsse da! Was thun wir nun? Ja, was thnn wir nun?! Wir stellen Forderungen; wir halten Jnnungstage ab, da werden wir schon finden, was für„Forderungen" wir stellen müssen. Dann bilden wir noch einige Ausschüsse, um unsere„Forderungen" bestimmt und präzise zu stellen! Was wir wollen? Nun wir wollen das„Handwerk heben" und die Sozialdemokratie bekämpfen. Was heißt das„Handwerk heben"? Das heißt: wir wollen mehr verdienen, wir wollen einen sicheren und guten Ver- dienst haben.— Wie wir das erreichen wollen? Dazu sind die Ausschüsse und Vorstände da, um das zum nächsten Jnnungstage uns zu erklären. O! wir wissen wohl, was wir wollen und werden es nächstens auch sagen.— Was? Sie meinen, wir wissen gar nicht was Sozial- demokratie ist? Das wäre noch besser! Sozial- demokratie ist, wenn ein Arbeiter auch, wie wir, einen sicheren und guten Verdienst verlang t, wenn er Lohnerhöhungen beantragt, das wollen und müssen wir energisch zurückweisen. Wir sind aber stets bereit,„be- rechtigte Forderungen" der Arbeiter eingehend zu prüfen, wir sorgen für unsere Arbeiter! Es lebe die Innung! Nun kommt der große Jnnungstag. Sie kommen zusammen, sie essen, sie trinken, die Obermeister halten schöne oder weniger schöne Reden, da kommen auch der Herr Pfarrer, der Herr Landrath, der Herr Polizeipräsident, der Herr Oberpräsident, der Herr Minister. Sie sind so leutselig, so herablassend, sie schwärmen so für das Heben des Handwerks, sie halten schöne Reden und ermahnen die Meister, recht fromm, recht gehorsam, recht konservativ und recht loyal zu sein, die Sozialdemokratie, die Fach- vereine, die Gesellenkassen weiter schön zu bekämpfen, hübsch„national" zu wählen, dann soll ihnen auch Prüflings- zwang und andere schöne Sachen, Arbeitsbücher und so mehr geschenkt werden. Die Zünftler sitzen, hören, trinken und entschlafe», berauscht von aller Güte und Liebe, die man ihnen entgegen bringt. Da ziehen Schaaren von Maurern heran und legen die Fundamente zu mehreren Hunderten neuer Fabriken. Ja Fabriken, die Euch nicht gehören, die für Euch nicht arbeilen, liebe Jnnungsmänner, die längst jedem Prüfungs- zwang entwachsen sind imd nie von ihm betroffen werden können. Es wird ein böses Erwachen sein, wenn der Rausch verflogen sein wird. Vielleicht erkennt Ihr nach der Er- nüchterung, was geschehen muß, und wo der Feind steht, Ihr Jnnungsmänner. Cttttttickeltmg und Charakter der französischen Arbeiterpal-teien. I. Allgemeine Betrachtungen. 3 Man ist im Auslande, und zwar theilwcise auch seitens der Sozialisten, im Unklaren über Umfang und Tiefe der französischen sozialistischen Bewegung und ilimmt meist ohne Weiteres an, daß in Frankreich eine starke und wohl organisirte sozialistische Arbeiter- Partei existire. Diese Annahme ist jedoch, wie wir bereits früher ausführten, eine irrthümliche, und es muß ihr nn Interesse unserer Sache selbst entgegengetreten werden. Wir Sozialisten dürfen uns nicht in Illusionen wiegen, sondern müssen den Thatsachen klar ins Auge blicken, mögen dieselben nun angenehm oder unerquicklich sein. Die falsche Auffassung und Beurtheilung der fran- zösischen Bewegung wurzelt meist in dem Schlüsse, daß Frankreich als klassisches tiand der Revolutionen unbedingt auch eine kräftig entwickelte sozialistische Partei besitzen müsse, um so mehr, da die Verhältnisse einer Bewegung seitens der Arbeiter viel freien Spielraum gewähren, und der bewegliche, thatenfteudigc Charakter der Bevölkerung selbst einem Gedeihen der Bewegung nur unendlich günstig sein könne. Thatsacken, die sich auf Thatsachen häufen, zeigen jedoch, daß die moderne Arbeiterbewegung in den monarchischen Ländern mit jedem Jahre an Stärke und Festigkeit der Organisation zunimmt und trotz eines sich stetig steigernden unerhörten geistigen und polizei- lichen Drucks zu einem mächtig einherfluthenden Strom anschwillt. Folglich, ist man zu denken geneigt, muß die Bewegung in Frankreich, dem republikanischen Frankreich, dem revolutionären Frankreich, einen noch weit intensiveren und tiefergehenden Charakter tragen. Die Wirklichkeit stimmt jedoch zu solcher Voraussetzung sehr schlecht. Die Ursachen, warum die französische Arbeiterbewegung gegenwärtig noch so schwach entwickelt ist, sind viel- facher Natur und werden bei Beurtheilung der ftanzösischen Parteiverhältnisse oft nicht genügend in Betracht gezogen. In erster Linie dieser Ursachen stehen wohl die vielen Revolutionen, die seit bald einem Jahrhundert Frank- reich nicht zur Ruhe kommen ließen und noch obendrein die energischesten und intelligentesten Kräfte aus dem Volke dahinmähten. Revolutionäre von Profession� erblicken freilich in diesen Revolutionen ein großes und fruchtbares Erziehungsmittel, die Volksmassen zu besähigen, für Ver- besserung ihrer Lage einzutreten. Bei näherem Zusehen erscheint jedoch dieses so oft den deutschen Sozialisten entgegengestellte Erziehungsmittel etwas problematisch. Eine derartige, wir möchten fast sagen, mechanisch revolu- tionäre Bewegung setzt weder eine besonders erzogene Volksmasse voraus, noch wirkt sie besonders erzieherisch, um dieselbe für ihre weitere geschichtliche Rolle vorzubereiten. Was sie voraussetzt, ist weiter nichts, als ein gegebener außerordentlicher Moment der Begeisterung, und was sie wirkt, ist die Anseucrung durch das Beispiel. Aber der Werth dieser beiden Faktoren ist für die innere Hebung der Volksmassen ein äußerst begrenzter, gewöhnlich folgt auf sie sogar eine Periode der Erschlaffung und Er- schöpfung. Die revolutionäre Tradition treibt auf die Barrikade und verwandelt Hunderte von sorg- oder harmlosen Bürgern in kampfesmuthige Löwen, aber sie vermag nicht jene zielbewußte Intelligenz und jene ruhige, kaltblütige Energie, jene stetige Anspannung aller Kräfte und pflichtfreudige Aufopferungsfähigkeit zu zeitigen, die Tag aus, Tag ein, Stunde für Stunde auf Posten stehen läßt, und dies in einem Kampfe, der für den ober- flächlichen Beobachter des Glorienscheins von Heroismus entbehrt und als alltäglich und bedeutungslos erscheint. Dies zeigt sich auch in Bezug auf die ftanzösische Bewegung. Die Arbeitermasse ist trotz der Revolution noch nicht in dem Maßstabe, wie Viele voraussetzen, an die moderne sozialistische Bewegung herangezogen und für sie erzogen, und die geringe Energie, mit der sie in dieselbe eintritt, erklärt sich zum Theil durch die starken und häufigen Aderlässe, welche die französische Bourgeoisie(mit oder ohne radikale Phrasen) an dem französischen Proletariat praktizirt hat. Speziell die letzte, vor 16 Jahren stattgehabte Nieder- läge des französischen Proletariats hat die Massen in moralischer und physischer Hinsicht so geschwächt, daß sie bis jetzt noch nicht wieder zu ihrer ursprünglichen Kraft erstarkte und diese Kraft in zielbewußtem politischem Kampfe bethäligen konnten. Das Häuflein derer, die als Kämpfer in Reih und Glied der modernen Arbeiterbewegung stehen, ist noch nicht groß genug, um eine gewaltige moralische Wirkung im Lande und auf die machthabenden Klassen auszuüben. Ihre Zahl im ganzen Lande ist bei weitem geringer als die der 1871 in Frankreich Gefallenen und Exilirten. Als weiteren Grund der schwachen Bewegung haben wir die in Frankreich vorherrschende kleinbürgerliche Produktionsweise, die einerseits die Klassengegensätze nicht so scharf hervortreten und zum Bewußtsein gelangen läßt, andererseits keine großen Arbeitszentren schafft— Paris hiervon abgerechnet, das Herz und Kopf Frankreichs ist. Die Provinz hat erst in letzter Zeit ein selbstständiges Leben angefangen, und mit diesem hat auch erst seit kurzem eine Bewegung des provinzialen Proletariats be- gönnen. Endlich sind die vielen revolutionären und utopistisch- sozialistischen Schulen zu nennen, die bisher hinderten und noch heute hindern, daß die nüchterne zielbewußte moderne Bewegung tieferen Grund faßte. Frankreich zeigt, wie wir bereits einmal kurz erwähnten, eine wahre Muster- karte von sozialistischen Schulen und Schulchen, welche die Masse der Arbeiter in kleine, meist fanatische und sich abschließende Gruppen zersplittern. Am tiefgehendsten und wcitverbreitesten wirkt noch Proudhon's Einfluß nach, dessen kleinbürgerliche Utopien der kleinbürgerlichen Pro- duktionsweise und dem kleinbürgerlich-radikalen Geist am zusagendsten sind. So hat der moderne Sozialismus bei aller äußeren Entwickelungsfreiheit einen wahren Riesen- kämpf mit dm französischen Arbeitern selbst zu führen, und sein Marsch kann nur langsam, Schritt für Schritt vorwärts gehen. Sogar in der„Revue socialiste", also in einer wissenschaftlichen sozialistischen Zeitschrift wird in mehreren sehr breitgetretenen Artikeln der„französische" Sozialismus dem modernen materialistischen Sozialismus, auch„deutscher Sozialismus genannt", entgegengesetzt. Wenn das am grünen Holz geschieht, wie muß es da erst um den dürren Ast bestellt sein, in de» Reihen der Arbeiter, die wenig oder nichts über Sozialismus lesen, welch letzterer Umstand auch verursacht, daß die sozialistische Literatur in Frankreich so schwach entwickelt ist— wo keine Nachfrage, ist auch kein Angebot. Für die fran- zösischen Sozialisten konzentrirt sich die ganze Frage vor Allem in der sozialen Revolution, was vorher ist und nachher kommen wird, dafür mögen die Götter sorgen. Nur sehr wenige unter den Arbeitern haben einen klaren und genauen Begriff vom modernen Sozialismus, aber noch geringer ist das Verständniß dafür unter den gebil- deten Klassen, für die Sozialismus und Anarchisnuls identisch sind und sich mit der Vorstellung von Revolution nach der alten bekannten Hengabelschablone decken. Die angedeuteten Umstände und noch mehrere, wie z. B. der Krieg von 1870/71 und die darauf folgende starke Reaktion waren und sind ebensoviel Hindernisse, welche sich der Verbreitung der neuen Ideen und der Bildung einer selbstständigen und einigen Arbeiterpartei in den Weg stellen. Freilich steht auf der anderen Seite die Thatsache fest: die verschiedenen sozialistischen Schulen schrumpfen mehr und mehr zusammen und verschwinden vor der Logik der Thatsachen, die neue Bewegung wird allmählich durch die Macht der Verhältnisse geschaffen, und wen» auch noch langsam, so giebt sie sich doch kund und geht vorwärts. Der Sozialismus in England. u.*) © London, 12. September.— In unserem vorigen Artikel haben wir nachgewiesen, daß die soziale Bewegung in England dieselbe ökonomische Grundlage hat, wie in Deutschland: die Konzentration der Arbeitsmittel in den Händen Weniger und das dadurch bedingte Elend des Proletariats. Aber auch die wissenschaftlich-theoretische Grundlage ist in beiden Ländern dieselbe: die hervor- ragenderen Werke der deutschen sozialdemokratischen Literatur sind fast alle ins Englische übersetzt und finden eifrige Leser. So vor allen Dingen Marx' Kapital, Bebels Buch über die Frau und die Agitationsbroschüren von Lassalle. Speziell das Marx'sche Werk scheint in England ebenso viel gelesen und ebenso viel zitirt zu werden, wie in Deutschland,— ein Umstand, der die Gegner der Arbeiter-Emanzipation oft zu der Behauptung veranlaßt, daß die englische Sozialdemokratie ein aus Deutschland importirtes Gewächs sei, welches in England keine Wurzeln schlagen werde. Wie unsinnig diese Be- hauptung ist, haben wir bereits nachgewiesen; noch un- sinniger aber erscheint sie, wenn wir bedenken, daß in England eine tiefgreifende proletarische Bewegung schon in den vierziger Jahren vorhanden war, zu einer Zeit also, wo der deutsche Arbeiter noch für die Bourgeoisie die Kastanien aus dem Feuer holte. Denn die Chartisten- bewcgung war wenigstens in ihren letzten Stadien eine durchaus proletarische Bewegung. Nur ging es den eng- lischen Arbeitern damals, wie es in den sechziger Jahren noch den meisten Anhängern Lassalle's erging, und wie es heutzutage noch vielfach den belgischen Arbeitern ergeht: sie hielten das allgemeine Stimmrecht für den Zauber- schlüssel, der ihnen auf die einfachste Weise von der Welt die Thore des Paradieses öffnen sollte. Und darum war ihr einziges Losungswort:„die Charte, die Charte und nichts als die Charte! Haben wir erst die Charte, dann ergiebt sich das andere von selber." Daß aber hinter dieser politischen Forderung des allgemeinen Wahlrechts die soziale Frage stand, das geben die Wortführer des Chartismus mit der größten Offenheit zu. So sagte beispielsweise der Methodisten- Prediger Stephens, einer der Hauptagitatoren, wörtlich folgendes:„Der Chartismus, meine Freunde, ist keine politische Frage, bei der es sich darum handelt, ob Ihr das Wahlrecht bekommt oder nicht, sondern der Chartis- mus ist eine Messer- nnd Gabelfrage,„die Charte", das heißt gute Wohnung, gutes Essen und Trinken, gutes Auskommen und kurze Arbeitszeit." Und In demselben Sinne erklärte ein anderer Agitator, Cobbet, als man ihm vorwarf, daß nach seiner Ansicht Bier und Speck die einzigen Zeichen guter politischer Zustände seien:„Man füge hinzu Brot, gute Kleidung, Hemden für die Frauen, Schuhe, Strümpfe und Kopfbedeckung, Glasfenster in den Wohnungen, Betten und Bettzeug, einen Abtritt in jedem Haus,— man füge dies Alles hinzu, und dann haben Sie Recht." Ja, in den Chartistenblättcm wurde sogar wiederholt und in der denkbar schärfsten Form die Be- hauptung aufgestellt, daß der Kapitalist den Arbeiter um einen Theil feines Verdienstes betrüge, daß dem Arbeiter der volle Werth seines Produktes zustehe, und daß jeder das Recht haben müsse, sich nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen zu nähren und zu kleiden. Wären diese Blätter, statt vor fünfzig Jahren in England, heutzutage in Deutschland erschienen: sie wären unbedingt auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden. Und diese Bewegung war im englischen Volke eine so tiefgehende, daß man sich jetzt kaum eine Vorstellung davon machen kann. Petitionen an das Parlament, die mit drei Millionen Unterschriften bedeckt sind, oder Massen- Versammlungen, zu denen aus stundeniveiter Entfernung über 400 000 Menschen zusammenströmen, regelrecht orga- nisirte Kämpfe zwischen den Arbeitern� und dem Militär: diese und ähnliche Erscheinungen geben nur ein annähernd zutreffendes Bild von der Gähnmg, in welcher sich damals der englische Arbeiterstand befand. Freilich diefelbe hatte ihre sehr naheliegenden Gründe. Durch die Handelskrisen war das Elend der arbeitenden Bevölkerung auf einen bis dahin noch unbekannten Höhepunkt gestiegen. In Stock- port, einem Fabrikort bei Manchester, standen beispiels- weise 3000 Wohnhäuser leer, nicht etwa weil dafür kein Bedarf vorhanden gewesen wäre, sondern weil die Arbeiter die Miethe nicht auftreiben konnten. Dabei waren im Laufe von vier Jahren die Armenunterstützungen von 53 000 bis auf 144 000 Mark gestiegen. Und in Leeds, ebenfalls einem Fabrikorte, erhielt der fünfte Theil sömmt- licher Einwohner Armenuntcrstützungl Daß dennoch die Chartistcnbewegung, wenigstens äußerlich, so ziemlich im Sande verlief, ist nichts weniger *) Fortsetzung aus Nr. 5 der„Bert. Bolks-Tribiine". als auffallend. Sie war ein Kind der Noth und mußte zu Grunde gehen, wenn diese Noth gehoben wurde. Und dazu wirkten verschiedene Umstände mit. Im Jahre 1848 wurden die kalifornischen Goldfelder entdeckt und kurze Zeit darnach auch diejenigen Australiens. Ein großer und vielleicht der größte Theil des gewonnenen Goldes ging nach England, welches dagegen seine Manu- fakturwaaren eintauschte. Dadurch, sowie durch andere Umstände, deren Erörterung hier zu weit führen würde, nahm die Industrie einen ungeahnten Aufschwung, die Nachftage nach„Händen" wurde immer stärker und die Löhne stiegen schnell. Außerdem hatte die englische Regierung die unentgeltliche Uebersahrt nach den australischen Goldfeldern eingerichtet, und die Folge davon war, daß ein großer Theil der unzufriedenen Elemente das Land verließ, um in dem neuen Erdtheil sein Glück zu suchen. Dadurch vermehrte sich aber in England von neuem die Nachftage nach Arbeitskräften, und die Löhne gingen noch mehr in die Höhe. Zudem hatte die Regierung das sogenannte„Zehnstundengesetz" angenommen, durch welches mindestens die Ausbeutung der jugendlichen und der weib- lichen Arbeiter etwas beschränkt wurde. Dies alles, im Verein mit anderen nebensächlicheren Umständen, ließen dem Arbeiter seine damalige Lage als eine relativ günstige erscheinen und schwächten die Chartistenbewegung allmälig bis zur vollständigen Vernichtung ab. Zur letzteren trugen auch die gewerkschaftlichen Vereinigungen, die„Trades Unions", nicht unwesentlich bei. Dieselben richteten ihr Bemühen zunächst darauf, die Durch- führung des„Zehnstundentages" zu erzwingen, zugleich aber betrachteten sie es als ihre Aufgabe, durch Benutzung günstiger Konjunkturen, sowie durch Vermittelung von Rechtsbeistand für ihre Mitglieder, eine Besserung der finanziellen Lage des Arbeiterstandes herbeizuführen. Und da ihnen dies in Folge der günstigen Zeitverhältnisse vielfach gelang, so wandte sich ein großer Theil der Char- tisten von der politisch-sozialen Bewegung ab und schloß sich den Trades Unions an. Die Bourgeoisie erkannte natürlich gar bald, daß die Gewerkvereine dem Chartismus gegenüber der geringere Feind seien und begünstigte dieselben daher, wo sie nur konnte. Auf diese Weise wurden die Gedanken der eng- lischen Arbeiter nach und nach immer mehr von der Politik abgelenkt und auf kleinliche Bestrebungen, wie Krankenunterstützungs-, Alters-, Unfallversichcrungs- und Begräbnißkassen hingerichtet. Um die Thätigkeit dieser Trades Unions in den letzten Jahrzehnten richtig würdigen zu können, darf man vor allen Dingen nicht übersehen, daß dieselbe durch die wirthschaftliche Entwickelung Englands in hohem Maße begünstigt wurde. Die englische Industrie eroberte in den fünfziger und sechsziger Jahren fast den gesammten Welt- markt und die Löhne würden dadurch auch ohne die Dazwischenkunst der Gewerkvereine gestiegen sein. Dieses ist indessen im Laufe der letzten Jahre wesentlich anders geworden: Deutschland, Frankeich und Nord- amerika haben England auf dem Weltmarkte eine gewal- tige Konkurrenz gemacht, und dieselbe wächst noch jetzt fortwährend. Dadurch sind in dem letzten Jahrzehnt die Löhne wieder rapid heruntergegangen und die rein gewerk- schaftliche Bewegung hat dadurch Gelegenheit bekommen, ihre Unfähigkeit zur Lösung der sozialen Frage aufs schlagendste zu beweisen. In Folge dessen sind ihr Ansehen und ihre Bedeutung bedenklich geschwunden und die vernünftigeren| unter ihren Mitgliedern halten ihren vollständigen Zerfall für sehr nahe bevorstehend. Unter solchen Umständen war es nicht allein erklärlich, sondern unausbleiblich, daß eine neue Partei die Interessen des Arbciterstandes in ihre Hand nahm, eine Partei, welche weitsichtig genug war, um den Zusammenhang zwischen der wirthschastlichen und der politischen Frage zu erkennen und beide vereint ihrer Lösung entgegenzuführen. Daß diese Aufgabe nur der Sozialdemokratie zufallen konnte, liegt auf der Hand. So entstand die sozial- demokratische Partei Englands. politische Wachrichten. Im Jahre 1859 befanden sich in Irland, welches da- mals eine Bevölkerung von über 6 Millionen hatte, 114 594 Individuen im Armenhause. Im vorigen Jahre wurden auf diese Weise 316 165 Personen versorgt, obgleich die Bevölkerung weniger als 4 Millionen beträgt! 1885 betrug die Zahl der unterstützten Paupers 442 289 und 1880 war sie auf 633 021 gestiegen, d. h. ein Siebentel der Bevölkerung war so arm, daß sie unterstützt werden mußte. In einzelnen Distrikten, welche unter einem besonderen Akt standen, war das Verhältniß noch viel größer. In Connaught mit einer Bevölke- rung von 800 000 waren 1886 über 185 000 Paupers, d. h. nahezu «in Viertel oer Scelenzahl! Und den Verzweiflungsschrei eines solchen Landes beantwortet die konservative englische Landlordregierung — mit Flintenschüsien, wie in Mitchelstown. Der zweite belgische christlich-soziale Kongreß trug ganz das Gesicht des vorjährigen und forderte vom Staate Haupt- sächlich die Schaffung einer Arbeiterversicherung, gewerblicher Fach- genossenschaften im deutschen Genre— also beileibe keine Klassen- organisationen der Arbeiter— und die Beschränkung der Kinder- arbeit.„Kinder im Alter von zwölf bis sechszchn Jahren dürfen nicht länger als zwölf(!) Stunden beschäftigt werden"— heißt es in der angenommenen Resolution sehr bezeichnend. Im Uebrigen liefen alle Aeußerungen wieder darauf hinaus, daß alle wirthschaft- lichen und öffentlichen Verhältniffe mehr mit kirchlichem Geist und Einfluß durchsetzt werden müßten— dann erst könne eine gründliche Besserung erwartet werden. Vereine nnd Presse, Zivil- und Straf- recht, Innungen und fteie Wohlthätigkeit, Unfallversicherung und Trunksucht, Unterricht und Sittenpolizei, Sonntagsruhe und Erbrecht, populäre Vorträge und Militärseelsorge— das Alles und noch Anderes erfreute sich der gleichen Berücksichtigung durch den Kongreß und wurde ohne viel Federlesens der Kirche überwiesen. Selbst der Luxus wurde verchristlicht und verkirchlicht, und zwar durch fol- gende Resolution:„Der Kongreß, in Erwägung, daß man die soziale Frage durch Besserung der höheren Stände in Angriff nehmen muß, besonders durch die Beschränkung der Ver- gnügungen und eine christliche Auffassung des Luxus: daß ferner die katholischen Familien sich in dem sie umgebenden äußeren Glanz vom Geiste des Christenthums und dem Bedürfnisse der Zeit leiten lassen müssen: spricht den Wunsch aus: 1) daß die Aus- gaben für soziale und religiöse Zwecke in das Budget der besitzenden Stände eingeschrieben werden gleich anderen Luxus- Ausgaben, denen sie sich standesgemäß nicht entziehen können: 2) daß die Presse helfe, eine Strömung in diesem Sinne zu bewirken, indem sie Stillschweigen über die Aeußcrungen weit- lichen Luxus beobachtet, dafür aber bei jeder Gelegenheit das Verdienst jener Familien hervorhebt, die ihren Ueberfluß katho- lischen Werken zuwenden." Uebrigens gar kein so dummer Ein- fall! Der moderne Bourgeois treibt bekanntlich einen guten Theil seines Luxus nicht aus purer Vergnügungssucht, sondern— zur Reklame. Würde die Presse also für glänzende Toiletten und Karossen keine Reklame mehr machen, sondern nur für Schen- kungen an die Kirche, so würde Freund Bourgeois allerdings mehr der Muttergottes und weniger den Nana's zuwenden. Frei- lich wird die Presse dafür nicht zu haben sein, da sie ihre Reklamen lediglich nach den Schenkungen— an die Presse bestimmt. Soll sie mitwirken, den Goldstrom, der ihr bisher zufloß, in das kirch- liehe Bett abzuleiten?— Schließlich wurde auf dem belgischen Kongreß auch noch beschloffen, daß jedes einzelne soziale Unter- nehmen unter den Schutz eines besonderen Heiligen zu stellen sei. Jetzt kann der Lösung der sozialen Frage nichts mehr im Wege stehen. Aufgewiesen aus Berlin wurde ein junger Däne, der Tischler Christian Wilhelm Thorsen. Vor 3 Wochen hatte er bereits«ine Verhaftung und Haussuchung zu überstehen. Erster« erfolgte durch den bekannten Herrn Naporra, letztere förderte nichts zu Tage als zwei dänische„Sozialdemokraten", einige konservative und liberale dänische Blätter und ein paar Broschüren und Liederbücher. Alles wurde prompt mitgenommen und nicht zurückgeliesert. Herrn Thorsen wird weiter nichts vorgeworfen als„Verkehr mit Sozial- demokraten". Als Ausländer hat er ganz Preußen zn verlassen, bis Montag, wenn nicht„Zwangstransport" eintreten soll. Vereilie nnd Versammlnngen. — Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter(E. H. 29 Hamburg.) Filiale Verlin I. Versammlung am Sonnabend den 17. September, Abends 8 Uhr, Lichterfelderstr. 68 (Wilhelmshöhe). Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Abrechnung vom Sommcrnachtsball. 3. Innere Kassenangelegenheit. Um recht rege Betheiligung der Mitglieder wird ersucht. Beiträge werden in der Versammlung entgegengenommen. — Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter.(E. H. 29. Hamburg.) Filiale 5. Versammlung, Sonnabend, den 17. September, Abends 8'/- Uhr, bei Ackermann, Lothringerstr. 81. — Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall- arbeit er(E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin C. Sonntag, den 18. d. M., Vormittags 10'/- Uhr, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Das Verhalten arbeitsfähiger Kranker und Verschiedenes. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 24. d. M., in Cohtmann�s Salon(früher Vettin), Brunnenstr. 34, zum Besten hilfsbedürftiger Mitglieder der Filiale ein großes Familienkränzchen, verbunden mit humoristischen Vorträgen, stattfindet. Entree(inkl. Tanz) für Herren 50 Pfg., Damen 25 Pfg. Billets sind vorher in den Zahlstellen Brunnen- straße 113 bei Schulz: Bergstr. 36 bei Salle; sowie bei den Mit- gliedern Schwittau, Ackerstr. 53 v. 3 Tr.; Brink, Hermsdorferstr. 2 und Schummel, Gartenstr. 56, H. 1 Tr. zu haben. Des wohl- thätigen Zweckes wegen werden die Mitglieder ersucht, sich recht zahl- reich an dem Kränzchen zu betheiligen, da ein genußreicher Abend versprochen werden kann. — Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins sämmt- licher Berufsklassen. Versammlung jeden dritten Sonnabend im Monat, Abends 9 Uhr, bei Bartelt, Flottwellftr. 5. Neue Mit- glieder werden aufgenommen. — Zentralkrankenkasse der Maurer:c., Grundstein zur Einigkeit, örtliche Verwaltung„Berlin L" Mitgliederversammlung am 20. September in Scheffers Salon, Jnselstr. 10. 1. Vortrag des Herrn Bock über die Unfälle im letzten Jahre. 2. Wahl des Bevollmächtigten für Unfälle. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. — Freireligiöse Gemeinde. Rosenthalerstraße 38. Sonn- tag, den 18. d. M., Vorm. 10 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Völkel aus Magdeburg über„Der Werth des Lebens." Damen und Herren als Gäste willkommen. — Fachverein der Buchbinder und verwandter Berufs- genossen(Verbandsverein). Sonnabend, den 17. September. Abends 8'/- Uhr, im Restaurant Reyer, Alte Jakobstraße 83. Geselliger Abend mit Damen. Gäste willkommen. (Fortsetzung in der Beilage.) Briefkasten. Ichieferdeeker Weber. Sie verwahren sich in einem Schreiben an die Redaktion gegen den Vorwurf, daß Sic gegen die Centralkasse und den Fachverein eine ungerechtfertigte Kritik geübt hätten. Sie hätten nur wahre Thatsachen vorgebracht und auch das Vertrauensvotum für die andere Seite sei kein ein- stimmiges gewesen. Wir veröffentlichen diese Mittheilungen, um nicht ungerecht zu erscheinen, sehr gern. Nur glauben wir, daß Sic nicht so empfindlich sein sollten. Wir hatten au? dem uns zugegangenen Bericht seinerzeit bereits die stärksten Stellen ae- strichen, da wir der Meinung find, daß persönliche Streitig- leiten nicht an die große Glocke der Oeffentlichkeit gehängt werden sollen, wenn sie sich im Kreise der Kollegen abmachen lassen. Die Ar- bester müsien soviel Standesgefühl haben, daß sie sich, wo es irgendwo geht, nach außenhin einig und solidarisch zeigen. Cigarrcnmachcr. Wir müssen leider gestehen, daß wir das Buch nicht kennen. Ihren Brief haben wir mit viel Interesse ge- lesen, da es uns beweist, wie ernst Sic es mit Ihrer Lektüre und Ihrer Fortbildung nehmen. Verschiedene Einsendungen mußten wegen Raummangels zurückbleiben. Wo giebt es die beste in Berlin?{ im Norden bei C. Nürnberg, Anklamerstrasse 49. im Osten bei C. Böhl, Rüdersdorferstrasse 8. Fchomin der Wjler. Eonnabend, den 17. September, Abends 8'/- Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstr. 28: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Sperling über:„Die Entstehungsursachen der epidemischen Volkskrankheiten." 2. Diskussion. 3. Vereins- Angelegenheiten. 4. Fragekasten. Neue Mit- glieder werden aufgenommen.— Billets zu dem am 15. Oktober in Keller's Salon, Andreasstr. 21, stattfindenden Vereinsball find in der Versamm- lung zu haben. Der Vorstand. Allen Arbeitern empfehle ich mein Weist- und Bairisch-Bier- lokal, sowie guten rühstülk-, r iuch steht den verehrten Gästen ein kleines Vereins- zimmer zur Verfügung. W. Predöhl, _ Skalitzerstraste 18 im Keller. Zum Wiederverkauf. Neue Weltkalender sind stets vorräthig bei R. Kohlhardt, Brandeuburgstraste 56. Alle Wissenschaftlichen Werke und Zeit- schriften liefert frei ins Haus. Auch wird jede Buchbinder-Arbeit angefertigt bei R. Kohlhardt, __ 56. Brandenburgstraste 56. Allen Freunden und Bekannten empfehle mein Weist- und Bairisch-Bierlokal. (Volks-Tribüne vorhanden.) C. Ritz, Weistenburgerstr. 19. Wööet Spiegel u. Wolsterwaaren-Wagazin von Jnlins Apelt, Sebastillllstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung._ 3 Am 1. Oktober 1887. Am 1. Oktober 1887.£ I W Kefchasts-Kröffnung!| Cigfarren und Tabake. £ 44. Prinzenstraße 44.? 5 Fritz Kunert.£ Wööet- Spiegel- und H�olsterwaaren Oranienstraft 170. Solide Preise. Franz Reelle Waare. von Wööel- Spiegel- und Fotfterwaaren von J. Peters, Skaliherstraße 45. Reelle Waare. Solide Preise. FachvereinderStuckateure. Mitglieder-Nersammluna am Montag, d. 19. September, in Rieft's Talon, Kommandantenstraße 71/72, Abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1. Innere Vereinsangelegenheiten. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht _ Der Vorstand. Versammlung des Fachvereins der Rohrleger und Berufsgenossen, am Dienstag, den 29. September, Abends 8 Uhr, Rieft's Salon, Kommandantenstr. 70/71. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Metzner. 2. Abrechnung des VergnügungS- Komitees. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Rohrlegers zu erscheinen. Der Vorstand. V er Sammlung1 des Vereins zur Wahrung der Interessen der Tischler. (Heute) Sonnabend, den 17. September, Abends 8'/. Uhr. Michaelkirchstr. 39,(hinterer Saal). Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bohn. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wahl eines 2. Kassirers 4. Verschiedenes. _ Der Vorstand. Frennden und Genoffen empfehle mich zur Ausführung von Rcparaturk» sowie zur Lieferung von Uhren jcbcr Art. E. Utry or, i hrm.. h... __ Pücklerstraste 5, Hof II. Verein der Sattier und Fachgenossen. Sonnabend, den 17. September, Abends 8'/, Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Beuthstr. 8, Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: 1. Lereins-Angelegenheiten: 2. Gewerkschaftliches� 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht ______ Per Vorntand. Fachverein der Former und verm. Kerufsgenolsen. Versammlung a« Montag, den 19 d. M., Abends 8 Uhr in KrügerS Salon, Wasserthorftr. 68. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Herrn G. Heimann über Heinrich Heine, Diskussion. 2. Der Arbeitsnachweis. 3. Wahl eines aus dem Vorstande geschiedenen Mitgliedes, Verschiedenes, Fragekasten. Um recht regen Besuch bittet Der Vorstand._ Verantwortlicher Redakteur: Mai Schippel, Berlin.— Druck und»erlag: F. Posekel, Berlin S. 0, Oranienstraß« 23. Aeiölatt zur„Merliner Molks-Hribüne". JVl 1= Sonnabend, den 17. September 1887. I. Jahrgang. INachdruck verboten.1 KW HtachtMck. Von Arthur Zapp.*) Die erste Etage eines im Centrum der Stadt gelege- nen vierstöckigen Hauses ist hell erleuchtet. Hier wohnt der Besitzer des Hauses, Herr Walden, welcher vor wenigen Tagen mit seiner ihm erst vor Kurzem angetrauten Gattin von der Hochzeitsreise heimgekehrt ist. Das junge Ehepaar giebt die erste Gesellschaft in den prunkvoll eingerickteten Räumen seiner Wohnung. Man ist gerade bei der Tafel, man lacht und scherzt und trinkt sich gegenseitig Gesundheit zu aus den vollen, funkelnden Gläsern. Am vergnügtesten ist das junge Ehepaar. Bruno Walden ist ein Mann in der Mitte der Dreißiger, von schlanker, hoher Figur, mit einem interessanten Gesicht und gewandten, einnehmenden Manieren. Seine Gattin ist etwa fünf Jahre jünger als er, eine Blondine mit einem frischen, vollen Geucht und lachenden, blauen Augen. Sie ist die Ausgelassenste in der Gesellschaft und lacht in einem fort. Sie lacht aus Prinzip, denn sie hat sich vorgenommen, in ihrer zweiten Ehe das an Heiterkeit und Lebensgenuß nachzuholen, was sie in ihrer ersten Ehe hat entbehren müssen. Sie war kaum zwanzig Jahre alt gewesen, als sie ein mehr als dreißig Jahre älterer Rentier, ein reich gewordener Destilla- teur von ihren Eltern gekauft hatte. Der Vater der Frau Walden war ein schlecht besoldeter Subaltern-Beamter, der mit seiner zahlreichen Familie in steter Roth und Ent- behrung lebte. Kein Wunder, daß er mit beiden Händen Zugriff, als der reiche Destillateur ihm einen jährlichen Zu- scbuß von dreihundert Thalern in Aussicht stellte, wenn er seine älteste Tochter bewegen würde, ihn zu heirathen. Der Ex-Destillateur und Rentier war seit Jahren Wittwer; seine erste Frau war eine trockene, reizlose, keifende Tan- tippe gewesen, und als sie gestorben war, da hatte sich der Wittwer das Versprechen gegeben, daß seine zweite Frau, falls er noch einmal heirathen sollte, in allen Stücken das genaue Gegentheil der ersten sein müsse. Die frische, volle Blondine hatte es ihm angethan, vom ersten Augen- blick an, da er sie zufällig auf der Straße gesehen hatte, und die schroffen Abweisungen, die er bei seinen An- nähcrungsversuchcn erfuhr, hatten in ihm die Begierde, das frische Kind sein zu nennen, nur noch angefacht. Er hatte schließlich in seiner praktischen, welterfahrenen Weise den kürzesten und wirksamsten Weg gewählt: er war einfach zu den Eltern des jungen Mädchens gegangen und halte ihnen das oben erwähnte Anerbieten gemacht. Der Wider- stand des jungen Mädchens, welches ihr Herz bereits einem hübschen, aber armen jungen Manne geschenkt hatte, war durch das unablässige Drängen der Eltern nach kurzer Frist gebrochen worden, und eines Tages folgte sie dem reichen Wittwer an den Traualtar und von da in sein eigenes, vier Stock hohes Haus. Das Leben an der Seite des um so viel älteren Mannes war der jungen Frau vom ersten Tage an eine Pein gewesen. In den ersten Jahren hatte er sie mit wüthendcr Eifersucht gequält, dann hatte er angefangen zu kränkeln. Sie hatte nicht von seiner Seite weichen dürfen und war oft wochenlang nicht aus dem Hause gekommen, dabei hatte er sie mir allerlei launenhaften Einfällen bis auf's Blut gepeinigt. Endlich, nach zehnjähriger Ehe war er gestorben, und wie von einer quälenden Last befreit, hatte sie aufgeathmct. Sie hatte ein zehnjähriges Martyrium durchgemacht, aber die Belohnung war nicht ausgeblieben: das ganze Vermögen des Verstorbenen war ihr und ihrem neun Jahre alten Töchterchen zugefallen. Jetzt wollte sie die Lust des Reich- seins genießen, und ihr ganzes zukünftiges Leben sollte ein einziger Freudcntag sein. Doch um diesen schönen Vorsatz auch wirklich ausführen zu können, dazu benöthigte sie eines Mannes, in dessen Begleitung und Schutz sie ihrem Hange nach Vergnügen fröhnen konnte. Ihr erster Amoroso hatte sich längst verheirathct nnd war von Berlin fortgezogen. Sie sah sich unter den unverheiratheten ihres Bekanntenkreises um, aber es war keiner unter ihnen, der ihr zugesagt hätte. Der einzige von den ihr bekannten Männern, der ihren Ansprüchen, welche sie an den zukünftigen Gefährten ihrer Tage stellte, in jeder Hinsicht ent- sprach, war der Klavierlehrer ihrer Tochter— aber der war leider seit Jahren verheirathct. Dieser Klavierlehrer mit Namen Bruno Walden, ent- stammte einer gebildeten, aber armen Familie, deren Er- nährer bei seinem Tode nichts hinterlassen hatte. Bruno hatte Musik swdirt, aber die hochfliegcnden Pläne, welche er gehegt, waren allesammt zu Wasser geworden. Seine kleinen Compositioncn— zu größeren hatte er keine Muße finden können— hatten ebensowenig Erfolg. gehabt wie wie seine Bewerbungen um Dirigentenstellungen bei größeren Kapellen. So sah er sich schließlich gezwungen, durch Er- theilung von Musikunterricht sein und der Seinigen Leben Zu fristen. Er hatte sich mit einer seiner Schülerinnen verheirathct, einer jungen Dame aus.einer vornehmen Familie, die ihm wider den Willen ihrer Eltern gefolgt war, weshalb sich diese von ihr losgesagt hatten. Die materiellen Sorgen, welche die jungen Eheleute bedrückten, hatten gar bald das Glück ihrer jungen Liebe unter- *) Aus des Verfassers: Vom Babel an der Spree. Sitten- bilder aus dem Neuen Berlin. Leipzig, Wilhelm Friedrich. graben. Wohl auf keinem andern Gebiete des Erwerbs- lebens ist die Concurrenz eine so scharfe wie auf dem des Musikunterrichts, und auch hier ist es der Mitbewcrb be- schäftigungsloser junger Damen, die es„Gott sei Dank nicht nöthig haben", der die Preise bis zu den denkbar äußersten Grenzen herabgcdrückt hat. Es kamen Tage der dringendsten Roth, Tage, an denen Bruno Walden nicht wußte, wo das Geld zu einer Mahlzeit hernehmen. Daß unter solchen Verhältnissen jede Lust am Leben, jede Freudigkeit und Herzlichkeit dahinsterben muß, ist wohl selbstverständlich. Es bemächtigte sich des jungen Musikers eine verbitterte Stimmung, in welcher er sich, sein Weib und die ganze Welt anklagte. Wohl hatte er sie aus Neigung geheirathet, aber er hatte auch zugleich darauf gerechnet, daß die reichen Eltern seiner Frau ihm die Möglichkeit gewähren würden, sich ganz der Ausarbeitung seiner musikalischen Pläne und Entwürfe widmen und sich von der Geist und Nerven abstumpfenden Tretmühle des täglichen Untcrrichtgebcns an zumeist talentlose Schüler freimachen zu können. Welch ein qualvoller Zustand! Kopf und Herz voll köstlicher Ideen und Empfindungen wissen, die Kraft in sich fühlen, Großes zu schaffen und doch ge- fesselt zu sein durch den Kampf um's Dasein, der die besten Kräfte absorbirt! in solchen Stunden war Bruno Walden gegen seine schuldlose Gattin ungerecht und hart. Die Arme, sie litt vielleicht mehr als er und doch kam keine Klage über ihre Lippen, aber die täglich bleicher werdenden Wangen und die häufig gerötheten Augenlider zeugten von dem tiefen Kummer, der sie verzehrte. Die Bekanntschaft mit der lebenslustigen jungen Wittwe, deren kokette Blicke ihm nur zu deutlich verriethen, daß sie Wohlgefallen an ihm finde, hatte in dem mit seinem Geschick hadernden Manne den Gedanken wach- gerufen, wie sorglos sich sein Leben gestalten könnte, wäre er jetzt frei. In der weiteren Verfolgung dieses Gedankens kam er auf die Idee einer Trennung von seiner Frau. Auch sie und die Kinder— es waren zwei ihrer Ehe entsprossen— würden durch die Trennung gewinnen. Ihre Eltern würden die reumüthig in's Vaterhaus zurück- kehrende Tochter mit offenen Armen aufnehmen und Allen wäre geholfen. Seitdem verließ ihn dieser Gedanke nicht mehr und eines Tages setzte er die Idee, welche seit Monaten in seinem Hirn brannte und ihn unablässig ver- folgte, in die That über. Er hinterließ einen Brief an seine Frau, in welchem er sie von seinem Entschlüsse, sich in ihrem Interesse von ihr und den Kindern zu trennen, in Kenntniß setzte und ihr zugleich den Weg zeigte, wie am schnellsten und bequemsten eine gerichtliche Scheidung zu erlangen sei. Dieser herzlose Brief zerriß eine Saite in dem Herzen des unglücklichen, verrathenen Weibes, das diesen Mann, der sie so leicht aufgab, einst mit tiefer Leidenschaft geliebt hatte. Nie kam seit jenem Tag mehr ein Lachen auf ihre Lippen, aber ebensowenig verstand sich ihr stolzer Mund dazu, zu klagen. Bruno Walden hatte mit der Voraussetzung, daß seine Frau nach seiner Trennung von ihr nichts Eiligeres zu thun haben würde, als in das heimlich verlassene Vaterhaus hülfesuchend zu- rückzukehren, bewiesen, wie wenig er eigentlich ihren Cha- rakter kannte. Sie war zu stolz, um einzugestehen, daß der Mann, um dcsscntwillen sie Eltern und Geschwister verlassen, ein Unwürdiger gewesen, daß sie von ihm schimpflich verrathen worden. Sie blieb nach wie vor ohne jede Verbindung mit dem Elternhause und lebte still für sich und ihre Kinder, ihre Geschicklichkeit im Anfertigen kunstvoller Stickereien, die sie sich einst zu ihrem Vergnügen angeeignet hatte, jetzt für den Erwerb benutzend. Kurze Zeit nach der gerichtlichen Scheidung, welche etwa ein halbes Jahr nach der Trennung erfolgt war, fand die Hochzeit Bruno Walden's mit der jungen, lebenslustigen Wittwe statt, und nun saßen die Neuvermählten, nach einer mehrwöchentlichen Reise in der Schweiz und Italien, im Schwärm lärmender Gäste und feierten die Rückkehr an den häuslichen Herd. Der junge Ehemann stieß eben lachenden Mundes mit einem seiner neuen Verwandten an, einem Cousin seiner Frau im fünften Grade, als das Stubenmädchen an seinen Stuhl trat und ihm etwas in's Ohr flüsterte. Die Vieewirthin sei draußen und verlange den Herrn in einer eiligen Sache zu sprechen. Er stand sofort auf und schritt mit der ganzen Wichtigkeit eines neuen Hausbesitzers zur Thür hinaus. Die Vieewirthin, eine arme Wittwe, die die Hausreinigung besorgte und in seiner Abwesenheit die Interessen und Obliegenheiten des Wirthes vertrat, befand sich in einem Zustande großer Erregung. Im Hinterhause sei während der Reise der Herrschaft eine arme Frau mit zwei Kindern zugezogen, die auf demselben Flur mit ihr, der Vieewirthin, wohne. Die Frau müsse plötzlich schwer erkrankt sein, denn ein herzbrechendes Stöhnen dringe aus ihrem Zimmer. Da die Frau ganz hülflos sei und allein mit zwei kleinen Kindern, so sei es doch Nächstenpflicht, einmal nachzusehen. Der Hausherr pflichtete der menschenftcundlichen Frau durchaus bei und folgte ihr nach dem Hinterhause in die aus einem Zimmer nebst Küche bestehende Wohnung. Der Anblick, der sich Bruno Walden bei seinem Eintritt in das ärm- liche Stübchen bot, in welchem sich nur das Nothdürstigste befand: ein Tisch, zwei Stühle, eine Kommode und zwei Betten, war ein ergreifender. Welch ein Kontrast zwischen dem Raum, den er soeben verlassen, und diesem, den er nun betrat! Dort ein behaglicher, mit allem Comfort ausgestatteter Salon mit einer Schaar ftöhlicher, an einer reich besetzten Tafel schwelgender Gäste— hier ein dürftiges, kahles Zimmer, auf dessen wackligem Tisch einige Brodrinden und ein halbes Täßchen dünnen Kaffee's: die Ueberrestc einer kärglichen Abendmahlzeit, sich befanden. In dem größeren der beiden Betten ruhte ein junges Weib, dessen Antlitz die Spuren früherer Schönheit trug. Jetzt hatten Kummer und Roth den Schimmer der Jugend nnd der Anmuth daraus vertilgt. Bleich und eingefallen waren die Wangen, tief lagen die Augen in ihren Höhlen, und um den Mund zeigten sich entstellende Linien, welche herbe Enttäuschungen dahin gezeichnet hatten. Bleich waren die Wangen, nur ein kleiner dunkelrother Fleck brannte auf jeder derselben. Ihre Brust hob sich schwer, und von Zeit zu Zeit drang durch die halb geöffneten Lippen ein schmerzliches Stöhnen. Neben der Frau lag ein etwa zweijähriger Knabe; sein Schlaf war ruhig und fest, aber die Magerkeit und Blässe des Gesichts zeugten davon, daß auch er bereits Roth und Entbehrungen kennen gelernt. Er hatte sich fest an die Mutter geschmiegt, die ihn mit einem Arme, wie um ihn zu schützen, umschlungen hatte, und obgleich diese Lage für die Kranke sehr beschwerlich sein mußte, so hatte sie es doch nicht über sich vermocht, den Arm zurückzuziehen, um nicht den Schlaf ihres Lieb- lings zu stören. O wunderbare Kraft der Mutterliebe! In dem kleinen, an der Wand stehenden Bett schlief ein drei- jähriges Mädchen. Das hellblonde Haar fiel ihr bereits bis auf die Schultern herab und bildete einen lieblichen Rahmen zu dem zarten, blassen Gesicht, das demjenigen der Mutter sprechend ähnlich sah. Hastig war Bruno Walden eingetreten, in der Mitte des Zimmers blieb er plötzlich, wie vom Blitz getroffen, stehen. Mit dem Ausdruck tiefsten Entsetzens starrten seine Augen nach dem kranken hilflosen Weibe. Die Röthe, welche noch eben, eine Folge der fröhlichen Erregung und des reichlichen Weingenusses, dem er sich in der Mitte seiner Gäste hingegeben, seine vollen Wangen bedeckt hatte, war einer erschreckenden Blässe gewichen. Alles Blut strömte ihm zum Herzen, das zum Zerspringen schlug. Er fuhr mit der Hand nach den Augen, als vertraue er seiner Sehkraft nicht. Eine Fluth von Gedanken wogte in seinem Hirn. Da lag sie, elend, verlassen, ein Bild des Jammers! Und während er im Kreise fröhlicher Gäste im Ueberfluß geschwelgt, rang sie, die er einst aus dem schirmenden Vaterhause hinweggelockt hatte, mit der bitter- sten Roth, mit Elend und Siechthum. Jetzt stürzte er, von einem übermächtigen Impulse beherrscht, zu dem Bett hin und sank�vor demselben in die wankenden Kniee. „Melanie! Mein Weib, mein armes, armes Weib!" Er schrie es mit so gellender Stimme, daß die Kranke erschreckt auffuhr. Sie öffnete die Augen und sah mit irren Blicken im Zimmer umher. Jetzt sielen ihre Blicke aus den Mann, welcher noch immer auf den Knieen lag. Wie feurige Lohe stieg eine dunkle Röthe in ihren Wangen auf. Sie richtete sich mit jähem Ruck empor und ihre Augen öffneten sich in unnatürlicher Weite. „Hinweg!" schrie sie, den abgemagerten weißen Arm gegen ihn ausstreckend, im Tone des bittersten Abscheus. „Hinweg, Du Vampyr, der Du mir das Blut aus dem Herzen gesogen. Hinweg, hinweg!" Ein krampfhaftes Zittern durchlief ihre Glieder und ein erstickender Hustcnanfall unterbrach ihre Worte. Der Mann zu ihren Füßen war durch diesen plötzlichen Zornes- ausbruch der Fiebernden wie betäubt. Bewegungslos ver- harrte er in seiner knieenden Lage. Da fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Er blickte auf. Der Arzt, den die Vieewirthin aus der Nachbarschaft herbeigeholt hatte, stand hinter ihm und flüsterte ihm hastig zu:„Hinweg! Sehen Sie denn nicht, daß Ihr Anblick die Kranke tödtet?" Obgleich er das Verhältniß, in welchem die Beiden zu einander standen, nicht kannte, so hatte er doch mit klarem Blick die Situation begriffen. Der Angeredete sprang jetzt schnell auf: noch einen Blick warf er auf seine Kinder und das Vatergefühl, das er so lange gewaltsam unterdrückt hatte, wallte heiß in ihm empor. Was hätte er nicht darum gegeben, wenn er die kleinen Händchen nur einmal wieder in seinen Händen, die weiße, unschuldsvolle Stirn nur einmal mit seinen Lippen hätte berühren können! Aber der Arzt ließ ihm nicht die Zeit dazu, sondern schob ihn eilig zur Thür hinaus. Die Kranke war erschöpft in die Kissen zurück- gesunken. Die Röthe der Erregung, welche noch soeben ihre Wangen bedeckt hatte, war verschwunden. Bleich wie der Tod lag sie da, mit geschlossenen Augen und schwer athmend. Der Arzt blickte sie einen Augenblick prüfend an, dann beugte er sich herab und legte sein Ohr an ihre Brust. Er schüttelte bedenklich den Kopf, als er sich wieder emporrichtete und nach dem Pulse griff. Plötzlich fing die Kranke an zu röcheln, der Athem rang sich mühsam und pfeifend aus der Brust. Der Arzt hatte schnell ein Blatt aus der Brieftasche gerissen und ein paar Worte daraus geworfen. Das Blatt reichte er der Vieewirthin und hieß sie, schnell nach der Apotheke laufen. Doch noch ehe die gutherzige Frau zurückkehrte, trat das ein, was der Arzt befürchtet hatte. Ein Blutstrom ergoß sich aus dem Munde der Kranken und mit dem rothen Lebenssaste wich die verhältnissen gesogen hatte, wirkte wiederum auf die matelegte Kraft der tödtlich Erschöpften dahin. Die Arznei, rielle Welt zurück. Je mehr die Aera des Kapitalismus fich entwickelte, um so mehr wurden die Menschen auf die Erkenntniß der welche ihr der Arzt nach der Rückkehr der Vicewirthin Zuvörderst wandte sich das vom Banne des Mittel- Natur hingewiesen. Das bedeutungsvollste Resultat dieser reichte, hatte keine Wirkung mehr. Mit erlöschender Stimme alters erlöfte Denken der einer überwundenen gesellschaft- wissenschaftlichen Betrachtungen ist die Einsicht in den Zubat die Sterbende, daß man ihr noch einmal die Kinder lichen Stufe entsprechenden Religion zu. Der Katho- sammenhang aller Naturerscheinungen. Kepler und Newton zeige, dann schloß sie müde die Augen, nachdem sie noch lizismus des Mittelalters war nicht nur ein religiös- fanden die Gesetze, durch welche die Umdrehungen der zuvor jedes der Kleinen mit einem liebe- und kummer- geistiges, er war vorzüglich ein sozial- politisches Gebäude. Planeten um die Sonne bedingt werden, Descartes stellte erfüllten Blicke gesegnet hatte. Die Einrichtung der Klöster, und die von ihnen aus den Satz auf, daß die Summen der Bewegungen und Die Kinder, in dem gesunden, festen Schlaf der Jugend, gehende genossenschaftliche und im Großen betriebene Land- Bewegungsursachen im Weltall stets dieselbe bleibe, Hooke hatten von all den Vorgängen nicht das Geringste wahr- bebauung, die von der Kirche organisirte Armenpflege, die erklärte das Licht als eine Wellenbewegung der kleinsten genommen und sie waren sehr erstaunt, als sie am andern mit religiösem Flitterwerk behangenen und von der Kirche Aethertheilchen. Der Gedanke, alle Naturerscheinungen als Morgen an Stelle ihrer Mama einen fremden Mann an eingerichteten Volksfeste, die Beherrschung des Familien- von einander abhängige, durch Naturgeseze bedingte und ihrem Bette sahen, der sie herzte und küßte und seine lebens durch die Beichte bezeugen klar und deutlich den insofern nothwendige zu betrachten, brach sich immer mehr lieben Kinder nannte. Gegen Mittag rollte eine Equipage sozialen Charakter des mittelalterlichen Katholizismus. Bahn. vor das Haus, der ein alter Herr und eine alte Dame Da die neuen Produktionsverhältnisse die Tendenz Konsequente Denker trugen diesen Gedanken zugleich entstiegen, die sich beide nach dem Hinterhause begaben. An hatten, den Individualismus zu stärken auf Kosten der in das Wesen des einzelnen Menschen hinein, und Spinoza, der Thürschwelle zu dem Zimmer der Verstorbenen standen genossenschaftlichen Institutionen des Mittelalters, an Stelle einer der größten Philosophen aller Völker und Zeiten, sie eine Minute still, theils um Athem zu schöpfen, theils der planmäßig betriebenen Produktion die freie Konkurrenz war der erste, welcher mit Entschiedenheit und wissenschaftaus Ueberraschung über den sich ihnen bietenden Anblick. und die Anarchie zu seßen, so mußte es zu einem Zusammen- licher Begründung die Lehre aufstellte, daß alle Handlungen In diesem ärmlichen, jeder Behaglichkeit baren Stübchen stoß der beiden um ihre Eristenz ringenden Welten des Menschen nothwendige, aus dem Bau seines Körpers hatte ihre Tochter gelebt? Es waren die Eltern der Ge- kommen, der von der Kirche organisirten, beschränkten und und aus seiner geistigen und sozialen Umgebung nach storbenen, welche eist heute durch den letzten Brief ihrer bereits überlebten mit der im Werden begriffenen nnd ganz bestimmten Gesezen erfolgende seien. Nur die UnTochter, den die Vicewirthin in der Tischlade gefunden, immermehr erstarkenden. kenntniß dieser Geseze verleite zu dem Glauben an die Kenntniß von den Schicksalen der Unglücklichen erhalten Da aber der Kapitalismns jener gewaltigen Theilung Willensfreiheit des Menschen. Dieser Jahrtausende lang hatten. Die alte Dame im Silberhaar stürzte nun nach der Menschheit in zwei Klassen, eine alle Güter produ- den Menschen erfüllende Glaube war hiermit wissenschaftder Lagerstätte der Todten und laut aufschluchzend warf zirende aber mit des Lebens Nothdurft ringende und eine lich beseitigt und die Möglichkeit gegeben, den Menschen sie sich über den Körper der Entseelten, während der alte genießende, den größten Theil der Produkte der Unter- in die Natur als reines Naturwesen einzureihen. Hatte Herr mit dem strengen Gesicht lautlos neben ihr stand. brückten sich aneignende Klasse, nicht entbehren konnte, so der Mensch des Mittelalters sich außerhalb der Natur Endlich kam auch in die starren Züge des Greises Be- mußte er die Kirche als solche bestehen lassen. Die Wirk gestellt und für sich besondere Gesetze und die Freiheit wegung und eine schwere Thräne fiel aus seinem Auge samkeit derselben, den Hunger und die Arbeit der Einen seines Willens im Gegensatz zum Instinkt aller übrigen herab auf die Wange. Dann beugte er sich nieder und nicht minder als den Ueberfluß und Müßiggang der Anderen Wesen in Anspruch genommen, so wurde von Spinoza der füßte die bleiche Stirn der Todten, leise flüsternd: Mein als ewige, unabänderliche und weise Einrichtungen Gottes erste Schritt gethan, den Menschen von diesem Wahn zu Kind! Mein armes, armes Kind!" hinzustellen, mußte von der kapitalistischen Produktion befreien und ihn als das hinzustellen, was er wirklich ist, So vergingen etwa zehn Minuten, die dem Manne, ebenso in Anspruch genommen werden, wie sie vom Feuda- als ein Produkt, hervorgegangen aus dem Schooß der der bei dem unerwarteten Eintritt der wohlbekannten alten lismus benutzt wurde. Die Kirche mußte aber ihrer Alles beherrschenden Natur, unterworfen den Geseßen, von Leute von dem Kinderbett hinweg an das Fenster getreten sozialen Macht, welche den mittelalterlichen Geist in welchen der zur Erde fallende Stein nicht minder beherrscht war, ebensoviele Stunden zu sein schienen. Jetzt wandten höchster Vollendung in sich repräsentirte, entkleidet werden. wird, als das Gehirn des Menschen, welchem die bewundertfich die beiden Alten von der Todten hinweg, um nach Die Religion mußte, wie Marr sagt, verbürgerlicht werden. sten Kunstwerke entstammen. den Kindern zu sehen. Die alte Dame umfaßte die beiden Und das ist der profane Zweck des Protestantismus Diese philosophisch- naturwissenschaftliche Lehre wurde Waisen und füßte sie liebevoll, während die Thränen un- gewesen. Daher der Kampf desselben gegen die Klöster, von Spinoza nur hinsichtlich des einzelnen Menschen, aber aufhaltsam ihren Augen entströmten. Der alte Herr be- gegen die künstlerische Ausstattung der Kirchen und Dome, noch nicht in Bezug auf ganze Völker und die ganze Gegnügte sich, den beiden scheu zu ihm aufblickenden Kindern gegen die Beichte und andere soziale Institutionen des schichte ausgesprochen. Eine so erweiterte Anschauung war die Wangen zu streicheln. Da bemerkte er plößlich die Katholizismus. bei den immerhin noch unentwickelten Produktionsverhältlautlos am Fenster stehende Gestalt und sofort ging eine Nachdem das Bürgerthum diese starke Säule des nissen der kapitalistischen Epoche unmöglich zu gewinnen. auffallende Veränderung in seinem Gesicht vor. Ein Feudalismus entweder zerstört, wie in England, Deutsch- Erst in einer Epoche, in welcher die Massen den Raum strenger, finsterer Ausdruck zeigte sich wieder in demselben land und der französischen Schweiz, oder als machtloses hinter den Koulissen, wo sie bis dahin, selbst der Wissenund seine Augen blickten kalt und stolz. Drnament sich einverleibt hatte, schritt die Revolution vor- schaft unsichtbar, die Geschichte gemacht haben, zu verlassen Mein Herr," sprach er in kurzem, harten Ton. wärts von der Religion zur Wissenschaft. und in Folge der gewaltigen Entwickelung der Industrie Meine Tochter hat mir in ihrem letzten Briefe die Sorge England hatte mit richtigem Instinkt die veränderten auf die Bühne des Volkstheaters zu treten gezwungen für die Erziehung ihrer beiden hinterlassenen Kinder auf- sozialen Verhältnisse auszunuzen begonnen und in kurzer sind, konnte in den Köpfen der Forscher der Gedanke ergetragen. Ich werde den letzten Wunsch der Gestorbenen Zeit das katholische Spanien, die Zentralstätte der reli- wachen, das Gesetz der Nothwendigkeit auch auf die Entgetreulich erfüllen und nach meinem Tode wird mein giösen und politischen Reaktion, aus seiner bevorzugten wickelung der Geschichte anzuwenden. Die Lehre des Sohn diese heilige Pflicht übernehmen. Sie haben sich Stelle verdrängt. Dadurch daß es mit Energie von dem Spinoza war nur die Grundlage für den Aufbau jenes freiwillig jedes Anrechts auf die Kinder begeben und mittelalterlichen Scholaftizismus sich abgewandt und auf gewaltigen wissenschaftlichen Gebäudes, welches im neunwerden wohl auch in Zukunft kaum das Verlangen haben, die Erforschung der Natur und der in ihr waltenden zehnten Jahrhundert von den geistigen Vertretern des sich der Mühewaltung ihrer Erziehung zu unterziehen. Kräfte mit Begeisterung sich geworfen hatte, entwickelte Proletariats aufgeführt wurde. Und insofern ist Spinoza Im Uebrigen hoffe ich, daß sich unsere Lebeswege nicht es sich in geistiger und materieller Hinsicht zu dem ersten der Vorgänger von Marr. mehr kreuzen und daß Sie mir nicht Veranlassung geben Lande der damals civilisirten Welt. Von England ging werden, eventuell vor Gericht den Beweis Ihrer Un auch die Reformation der Wissenschaft aus. Die Forscher der folgenden Zeiten erweitern und entwickeln diese für eine neue Weltauffassung epochemachende würdigkeit zur Erziehung meiner Enkel antreten zu müssen." War man im Mittelalter gewöhnt, in jedem Ding Lehre des von seinen jüdischen Stammesgenossen verstoßenen In dem Gesicht des Angeredeten bewegte sich keine eine höhere Bestimmung zu sehen, so trat man jetzt in einsamen Denkers. Die Ursache des menschlichen Denkens Muskel, er blickte finster zu Boden und wagte keine Gegen Folge eingehenderer Beobachtungen des Naturlebens allen wurde besonders von englischen Philosophen in den Kreis rede. Er wußte ja, daß der alte Herr, dem er einst Erscheinungen mit nüchternen Augen entgegen. Baco von wissenschaftlicher Studien gezogen. Die Ansicht, daß die ein bitteres Leid zugefügt, ihm nicht Unrecht that. Verulam war es, welcher zuerst eine neue Betrachtungs- allgemeinen Jdeen dem Menschen angeboren seien, eine Die beiden alten Leute nahmen die Kinder an die weise der Dinge in die Wissenschaft einführte. Mit ihm Lehre, welche vom frühesten Alterthum bis in das 17. JahrHand und verließen mit ihnen den traurigen Ort, ohne begann jene Epoche der Wissenschaften, in welcher man hundert von der Wissenschaft anerkannt war, wurde in den Zurückbleibenden eines weiteren Wortes oder Blickes alle Dinge nach ihrer äußeren Erscheinung, ihren inneren die Rumpelkammer der Geschichte geworfen und an die zu würdigen. Am Abend desselben Tages wurde auch der Eigenschaften, ihrem anatomischen und phisiologischen Bau Stelle dieser Wahrheit“ der Satz aufgestellt: es giebt Leichnam der Verstorbenen abgeholt. Die jung vermählte Frau Walden hatte entschieden Material für den Aufbau einer neuen Natur- und Ge- das Denkvermögen eingezogen wären. Damit war eine betrachtete. Es war die Zeit, in welcher man vor Allem keine Ideen, die nicht durch das Thor der Erfahrung in Unglück mit ihren Männern. Sie hatte fest geglaubt, schichtsauffassung sammelte. Jene Spekulationen über den feste Grundlage für eine materialistische Erklärung der in ihrer zweiten Ehe für alle Leiden der ersten reich ent- Zusammenhang der Dinge, über ihren Grund und Zweck geheimnißvollsten Funktionen des menschlichen Körpers, des schädigt zu werden, und nun erwies sich ihr zweiter Gatte wurden in Acht und Bann gethan. bereits nach einer so kurzen Zeit des Zusammenlebens als ein düsterer einsiedlerischer Grillenfänger, der die Gesellschaft floh und dem nichts Vergnügen zu machen schien. Wohl hatte der Verhimmelung der natürlichsten Menschenverhältnisse nach der Richtung der menschlichen Vernunft hin hatte nur fie von der Vicewirthin Kunde von den erschütternden bedeutete, eine ebenso große Einseitigkeit wurde durch eine den einzelnen Menschen, aber nicht ganze Völker und Vorgängen erhalten, aber sie meinte, das sei kein Grund, solche Betrachtungsweise der Dinge erzeugt. Die frühere Zeiten zum Gegenstand. Hiermit schlug jedoch die idealistische sein Leben lang„ Trübsal zu blasen." Bruno Walden Anschauung von dem Starren, Festen, Unwandelbaren Auffassung vom Wesen der Natur und des Menschen in aber hat seit jener Nacht, da das Opfer seiner Herzlofig- aller Erscheinungen in der Natur und Geschichte blieb nach eine materialistische um. Aber dieser Materialismus, keit den letzten Seufzer ausgehaucht, keine frohe Stunde wie vor bestehen, nur die Ursachen der Erscheinungen welcher die Dinge zwar aus sich selbst, aber nur in ihrem mehr gehabt. Sein Gewissen war in jener Nacht gewaltig Dinge selbst versetzt. Dadurch wurde der Idealismus des erklärte, mußte naturgemäß ein sehr beschränkter, in mancher wurden von den eingebildeten Höhen des Himmels in die todten Sein und nicht in ihrer lebendigen Entwickelung aufgerüttelt worden und es kam nie wieder ganz zum Mittelalters zwar erschüttert, aber nicht beseitigt. Sprach Hinsicht noch schiefer und unreifer ſein. Die Begriffe des Schweigen. Am liebsten machte er einsame Spaziergänge und sehr oft suchte er einen der Spielpläße im Thier man im Mittelalter von ewigen, übernatürlichen Einrich Ewigen, Starren, Unabänderlichen wurden von den Vergarten auf, wo an schönen Tagen eine Schaar fröhlicher tungen, so sah man jetzt in den Erscheinungen zwar das tretern jener materialistischen Auffassung sogar auf die Kinder sich zu tummeln pflegte. Da stand der einsame Natürliche, aber verlieh ihnen nicht minder als früher Spize getrieben. Dieser Materialismus beschäftigte sich Mann und verfolgte mit feuchten Augen die Bewegungen ewigen Bestand, nach Vergangenheit und Zukunft. Die mit sogenannten Grundwahrheiten, welche über Zeit und zweier reizenden, frischen und gesunden Kinder: eines Ewigkeit aller Naturerscheinungen und der gesellschaftlichen Raum emporfliegen, während er in Wirklichkeit nur geMädchens und eines Knaben, die unter der Aufsicht einer Grundlagen konnte nur erklärt werden aus einer voran- tragen war von Ideen, welche von dem sozialen GrundBonne im Sande spielten. Die Kleinen ahnten nicht, gesetzten Bestimmung und einer unantastbaren Zweckmäßig gebäude emporgestiegen waren in das Gehirn der Menschen welchen Antheil der fremde Mann, den sie zuweilen mit scheinungen im Natur- und Menschenleben war noch keine Epoche nur von beschränkter, bedingungsweiser Richtigkeit welchen Antheil der fremde Mann, den sie zuweilen mit feit. Von einem nothwendigen Zusammenhang aller Er- und als Gedanken einer räumlich und zeitlich begrenzten scheuem Blick streiften, an ihnen nahm. Entwicklung der Geschichtsauffaffung von der Reformation bis zur französischen Revolution. Denkens gewonnen. Einen so großen Fortschritt diese Epoche gegenüber Aber auch diese Erweiterung der Philosophie Spinozas Rede. Im Gegentheil! Der Zusammenhang der Dinge waren. Sprach der Katholizismus von Tugend, Ehre, wurde auseinandergerissen, jedes einzelne für sich betrachtet Lebenswandel nach göttlichen Gesezen, so verwandelten der Dinge war ganz erloschen. Die Entwickelung der denkenden Menschen innewohnende, der absoluten Vernunft der geniale Sinn der Griechen für den Werdeprozeß diese Materialisten die göttlichen Gesetze in ewige, dem menschlichen Geschichte war in den Köpfen jener Zeit nur entsprießende. Diese„ absolute" Vernunft war aber nichts eine Aufeinanderfolge von Kriegen, Geburts- und Todes- weiter als die Vernunft des Bourgeoismenschen des vorigen tagen der Fürsten und Staatsmänner, der chronique Jahrhunderts. y. Nachdem im 15. und 16. Jahrhundert die mate- scandaleuse der einzelnen Höfe. Damals schrieb ein riellen und geographischen Grenzen der mittelalterlichen italienischer Staatsmann, Macchiavelli, sein Werk: Das schritt gegenüber der Verhimmlichung des Menschenthums Aber gleichwohl lag hierin ein bedeutungsvoller FortMenschheit von der erstarkenden Bourgeoisie gesprengt Buch vom Fürsten. Die Anschauung, daß die Fürsten im Mittelalter. Die Bedeutung dieses Materialismus ist worden waren, begann die geistige Revolution mit Riesen- ganz nach ihrem Belieben und ihren Fähigkeiten Geschichte weniger auf dem Gebiete der Theorie als auf dem der schritten vorwärts zu eilen. Der menschliche Geist, welcher machen können, feiert in diesem Werke seine glänzendste Praris zu suchen. Er war eine heilsame Reaktion gegen für seine Entwickelung Nahrung aus den neuen Produktions- Vertheidigung. Es waren die Kinderjahre der Bourgeoisie! das Menschenfeindliche der Religionen, gegen die Ver Ite, der ser Bu= ton der te and oke ten als nd ehr ich za, en, ft= en rs ch 11= pie ng ft= en tte ur eit en er zu ft, er on ht ct= be er e= ar t= m. m n= en ie en T= t= 23 1= S a t= De n 3 Ese ase ie e n де t n e r 3 613 r 816 e n t 3 r e T t tröftung der Armuth auf ein besseres Jenseits. Es war| Leibeigenschaft zu mildern, in die Köpfe der Unterdrückten fk. Mors imperator.( Der Herrscher Tod.) Noch der erste Ruf seit zweitausend Jahren, welcher die Menschen emporgestiegen ist. Diese Bewegung ist gescheitert, nicht immer kann man sich in den liebenswürdigen und unterrichteten Kreisen, die den konservativ- ästhetischen Servilismus als Sport be= aufforderte, ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten aus wie Lassalle meint, an dem reaktionären Grundgedanken, treiben, durchaus nicht darüber beruhigen, daß eine Künstlerin, schließlich auf die Gestaltung des Irdischen zu lenken und der sie beseelte, sondern daran, daß die materiellen Be- 5. Schmidt von Preuschen, die Taktlosigkeit" hatte, die Idee in der profanen Beschäftigung des Menschen seinen aus- dingungen für eine Emanzipation des Bauernstandes, die von der Macht des Todes fünstlerisch, nicht etwa dabei revolutionär schließlichen Lebenszweck zu erblicken. Entwicklung der kleinen Produktivkräfte zu gewaltigen zu gestalten, daß sie die Kühnheit besaß, ihr Kunstprodukt zuerst in der Kaiserlichen Hauptstadt Berlin und dann neuerdings in KönigsDer Mensch, welcher durch die soziale und religiöse Maschinen noch nicht gediehen waren. berg, der Krönungsstadt, auszustellen. Unerhört, ganz unerhört! Und Gestaltung der mittelalterlichen Gesellschaft in dem freien Jener Revolutionsruf nach Gleichheit fand ferner seine Ist der Kunstgedanke dieser Dame originell? Keineswegs! Gebrauch seiner Geistes- und Körperkräfte nach allen Seiten Verwirklichung in der Abschaffung der Steuerfreiheit des Adels, dennoch, wieviel Staub hat seine Verkörperung durch das merkwürdig hin gehindert und beschränkt war, rang nach Raum für des besonderen Rechtsbuches für denselben, in der Beseitigung gewirbelt. Aber hier handelt es sich auch nicht um die Vollgewalt gewordene, aber harmlose Gemälde der genannten Künstlerin aufdie Bethätigung seines freien Individualismus, suchte seine der letzten Refte einer auf der Grundlage bereits über- des Todes über den gewöhnlichen Todtentanz- Böbel, um eine im Eristenzberechtigung nicht aus dem historischen Werdeprozeß wundener materieller Herrschaft aufgebauten politischen legten Ringen verendende Tigerkaze oder ähnliche profane Gegenzu entnehmen, sondern er versenkte sich in sich selbst und Bevorzugung der feudalen Herren. Alle weitergehenden stände. Nein, hier tritt der Tod als Herrscher der Herrscher in die hörte in dem Ruf des Jahrhunderts den Schrei der Gleichheitsforderungen, wie sie von den Helden der Revo- Königs- oder Kaiserhallen ein. Hinter ihm hängen drohende Wolken, von fahlen Lichtern durchsetzt, am Himmel. Raben scheinen dem ewigen Menschheit. An Stelle des historisch- religiösen lution als der ewigen" Vernunft des Menschen ent- entsetzlichen Gebieter das Geleite zu geben. In einsamer, furchtbarer Rechtes der früheren Zeit setzte dieser Materialismus das sprechend gestellt wurden, mußten an der Kraft der daNaturrecht, welches er für den Ausfluß der aus jahrtausend- maligen Produktionsverhältnisse zerschellen. langem Schlaf erwachten ewigen Vernunft ansah. Kunst und Literatur. " " in die Arabesken des Gemäuers sicher geführt ist, die Konturen dann muß man dort, Pracht hebt sich der Großimperator von den verdüsterten Wolfenschichten ab, der goldene Reif umschließt den nackten Schädel, Purpur, von Goldbrokat durchschossen, und Hermelin verhüllen in unabsichtDer Staat, der nun von der Bourgeoisie auf den licher Jronie das Knochengerüst der Brust und Beine. Der rechte Für eine wissenschaftliche Geschichtsauffassung mußte Trümmern des Feudalismus erbaut wurde, kümmerte sich Fuß lastet auf der Weltkugel, sie ist zum Schemel seiner Füße" dieser Materialismus ganz unfruchtbar sein, denn er be- nicht um die ideale, von der Wirklichkeit absehende geworden. Die knöcherne Rechte hält ein mächtiges, blantes Schwert trachtete das Völker- und Menschenleben in dem Bilde Geschichtsauffassung jener schwärmerischen Revolutions- geſentt. Die Linke erfaßt mit gewaltigem Griffe den goldſchimmernben, luxuriösen Thron; derselbe scheint in allen Fugen zu beben, das eines Kreises, anstatt einer unendlich fortschreitenden Linie. geister, welche mit unerreichter Hingebung für ihre Ideen weiche, sonst so gesichert ruhende Bolster, auf dem der Gesalbte des Er beurtheilte die ganze frühere Geschichte vom Standpunkt das Opfer ihres eigenen Lebens brachten. Die rücksichts- Herrn thronte, fällt nieder, das Szepter fällt, die prachtvoll funkelnde seiner vermeintlich souveränen Menschenwürde und seiner lose, aber logische Wirklichkeit hatte wiederum den Sieg Krone stürzt jäh herunter, im nächsten Augenblick muß alle diese Herrlichkeit elendiglich zusammenbrechen und aller Ruhm und alle ,, absoluten" Vernunft. So mußte er in der Geschichte, in davongetragen über die humanen, aber unlogischen Lehren blühende Lust erlischt und wird begraben mit Lorbeerreisern und welcher Sklaverei, Leibeigenschaft, Unterdrückung und Be- der Moralisten. Rosen unter Schutt und Trümmern. Da ist kein allerhöchstes trug wesentliche Faktoren sind, nur eine Reihenfolge von Räubereien und Willkürlichkeiten sehen. Gegenüber der auf das Schwert und das Geld, von Kraft und Hoffnung herrscht der Tod und die Dede: Mors imperator! Wenn man erNun stand das Reich des Kapitalismus da, gestüßt Machtgebot, da sind weder Ritter noch Knappen, noch zeigt sich irgend ein Widerstand, das tödtliche Verhängniß aufzuhalten. Hier Unvernunft" der ganzen früheren Geschichte handelte es stroßend. Wir werden sehen, wie die herrschende Bour- wägt, daß die technische Ausführung des Gemäldes im allgemeinen fich für ihn, ein Reich zu gründen, in welchem die absolute geoisie nicht nur materiell ihren Todtengräber produzirt, eine treffliche ist, daß die Farbengebung harmonisch kräftig und menschliche Sittlichkeit ihren Herrschersiz aufschlagen. Der sondern auch auf dem Gebiete der Natur- und Geschichts- wirkungsvoll ausklingt, daß die Zeichnung bis in das Kleinste, bis Blick jener Denker, welche, von der Mitte des vorigen wissenschaft unbewußt das Material herbeitrug, welches durchweg plastisch herausgearbeitet erscheinen, daß perspektivische BeJahrhunderts bis in die französische Revolution hinein, nothwendig war für eine Umwandlung der Geschichtsauf- denken feiner Art vorliegen, wenn man schließlich erwägt, daß es das geistige Leben der zivilisirten Völker beherrschten, war fassung im Sinne eines erweiterten Materialismus und sich hier inhaltlich nicht um einen„ schiefen", sondern einen vollin Folge des eifrigen Versenkens in das Sein der Dinge für eine dadurch erst ermöglichte wissenschaftliche Grund- berechtigten künstlerischen Gedanken handelt, getrübt für den Gedanken einer Entwicklung. Die Welt- lage des Sozialismus. allerdings zu dem Schluß gelangen, daß das Urtheil der Kunst- Jury, welches mit Mors imperator eine hervorragende Kunstleistung aus geschichte und die Menschheit den„ ewigen" aber leider in Gründen, die mit der Kunst in keinem Zusammenhange stehen, von Vergessenheit gerathenen Moral- und Vernunftbegriffen zu der allgemeinen Ausstellung ausschloß, so schief" und befremdlich nähern, betrachten diese Denker als eine herrliche als nur irgend möglich dasteht, daß wir in einer Zeitepoche leben, Lebensaufgabe. Männer wie Voltaire, Rousseau, Diderot, in der das versunkene Byzantinerthum in seiner ganzen Hohl= heit und Fäulniß von den Todten aufzustehen gedenkt. Condorcet u. s. w., rufen die Forderungen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mit geistreichen, leidenschaft- O Das Residenz- Theater feierte am Sonnabend, den Unausgesprochen darf nicht bleiben, daß der Totaleindruck des Gedurchglühten kühnen Worten in die dumpfe, von der 10. September unter der neuen Direktion„ Lautenburg" mit der mäldes, eines Stillebens" im großen Stile, nicht ein überwältigenersten Aufführung von Gräfin Sarah, Schauspiel in fünf Akten der oder auch nur ein stark nachhaltiger wäre. Nein, durch das Tyrannei des Absolutismus und dem Verwesungsdunst von George Dhnet, seine Wiedereröffnung. Der Verfasser hat Ganze weht ein kühler Hauch, und eine dichte Atmosphäre der Nüchterndes verfallenden Feudalismus erfüllte Athmosphäre hinein. das Stück nach seinem Roman gleichen Namens selbst dramatisirt und heit, die all' diese Leblosigkeit umfängt, macht sich jedem UnbefanEs war die Zeit, in welcher die ihrer Macht sich bewußte, damit nicht mehr erreicht, als was jeder Romanschriftsteller bis jetzt genen fühlbar. Darüber helfen natürlich weder die da und dort an aber vom Feudalismus in ihrer vollen Entfaltung ge- titten von einigen effektvollen Scenen ein dramatisches Meisterwerk tralische Draperie fort. Weniger Stoff und mehr Geiſt! Man nimmt erreichte, der in dem Wahne lebte, man könne durch das Zusammen- das Schablonenhafte streifende Behandlung, noch eine gewisse theahinderte Bourgeoisie revolutionär fühlte und dachte. liefern. Wenn man sämmtliche neueren französischen Dramen mit die Empfindung nach der Betrachtung des Gemäldes mit sich fort, daß hier nicht eine schiefe" wohl aber eine höchst einseitige Idee Als sie wirklich das morsche Staatsgebäude der cor- wenigen Ausnahmen, zu denen in erster Linie zwei oder drei von rumpirten französischen Feudalherrn über den Haufen ge- so kommt man zu dem Schluß, daß bei sieben Achtel von ihnen in sondern das Leben, welches auch aus dem Tode energisch frische Augier und Sardou zu rechnen sind, auf ihren inneren Gehalt prüft, verkörpert wurde. Nicht der Tod ist der Welt höchster Herrscher, worfen, da begann sie mit dem Aufbau des von der den Situationen und in der Charakteristik der Figuren das Scha- Triebe, neue Kraft und eine Fülle von Neugestaltungen hervorbringt Philosophie verkündeten Vernunftstaates. Da kamen nun blonenhafte vorherrscht. Gräfin Sarah" ist im Grunde nur O Die Häutung eines Schriftstellers. Das neueste, die handgreiflichen, historisch gewordenen sozialen Institu- Georgette", Georgette ist„ Odette", Odette ist„ Fernande" und vielbesprochene Ereigniß in der Berliner Schriftstellerwelt ist die tionen des Kapitalismus in einen verhängnißvollen Kon- diese und viele Andere vermögen ihre direkte Abstammung von der Thatsache, daß Herr Dr. Paul Lindau, weiland Herausgeber der ,, Cameliendame" nicht zu leugnen. Das Typische der Marguerite Gegenwart", augenblicklich Herausgeber von„ Nord und Süd", beflikt mit den aus dem Grunde der ewigen" Vernunft Gautier" findet sich bei Allen. Zold hat seiner Zeit mit Recht be- fannt als Romancier, Novellist, Dramatiker und Korrespondent der emporsprießenden Revolutionsphrasen: liberté, égalité, hauptet, daß die meisten französischen Dramatiker viel weniger aus Kölnischen Zeitung", noch bekannter als Bruder des Legationsraths fraternité. In den Reden des salbungsvollen Hohenpriesters dem Leben schöpfen als daß sie ihr Menschenstudium aus Büchern Rudolf Lindau und durch seine ,, Beziehungen" zur Familie des Fürſten Robespierre, des wild- genialen Danton, des schwärmerischen einschneidensten sozialen Probleme werden mit einer Gleichgültigkeit blattes" geworden ist. Mit fettgedruckter Schrift war es vor 14 und den bereits vorhandenen Bühnenstücken bereicherten. Die tief: Bismarck, ständiger Theaterreferent des ,, Berliner Tage= St. Juste wird das Thema von der Nothwendigkeit der behandelt, als handele es sich um den bitteren Aufguß auf eine Tagen an der Spitze des„ Berliner Tageblattes" zu lesen Tugend und Gleichheit aller Bürger unendlich ansgesponnen. süße Torte. Selbst in den nervenerregendsten Sittenſchauspielen wo König Mosse I. die Schreckensvorfälle in seinem Reiche zu publiAuf der einen Seite sah man in den Grundzügen der vermögen die Herren Verfasser uns darüber nicht zu täuschen, daß ziren pflegt. Es wird im deutschen Lande viel prophezeiet, daß aber kapitalistischen Eigenthumsverhältnisse ewige, unabänder sie in erster Linie für das Unterhaltungsbedürfniß des Publikums Herr Dr. Paul Lindau eines Tages die Erbschaft seines Freundes Sorge tragen wollen. Selbst ihre soviel gepriesene Logik ist oft Dr. Oskar Blumenthal antreten würde, hätte wohl Niemand mit liche Einrichtungen, auf der anderen Seite sollte die For- weiter nichts als eine Scheinlogit, die sich hinter einem geschickten Bestimmtheit wahrzusagen vermocht. Es gab eine Zeit, wo an der= derung der ewigen" Vernunft nach Gleichheit alles dessen, Aufbau und einer vortrefflichen Dialogführung verbirgt. Georgette" selben Stelle, an der Herr Dr. Lindau im„ Berliner Tageblatt" was Menschenantlig trägt, verwirklicht werden. hat dafür den besten Beweis gegeben, und„ Gräfin Sarah" giebt augenblicklich sein( allerdings im Verglimmen begriffenes) kritisches Was war das Wesen dieser Gleichheitsforderungen, und Magdalena" mit irgend einer der französischen dramatisirten Leser die dramatischen Geistesprodukte des Herrn P. 2. in einer Art ihn ebenfalls. Man vergleiche zum Beispiel einmal Hebbel's Maria Licht leuchten läßt, der blutige Oskar" zum großen Gaudium seiner welche mit einer bewunderungswerthen Energie und mit Verführungsgeschichten, um den Unterschied zwischen einem wahrhaft vermöbelte", daß er die Lacher( mit Ausnahme des Herrn v. Hülsen) einer noch bewunderungswertheren Aufopferungsfähigkeit groß angelegten und mit äußerster Consequenz durchgeführten Fami- auf seiner Seite hatte. Schließlich passirte Herrn Dr. Lindau noch von den Männern des Schreckens unerbittlich gestellt liendrama und einem aus willkürlicher Laune geschaffenen, literarisch das Unglück, als Dramaturg des Deutschen Theaters seinem beſtgevöllig werthlosen Machwerk der französischen Salondichter kennen zu haßten F- reunde Blumenthal den Weg zum Ruhm öffnen zu müssen. lernen. Aus allen diesen angeführten Gründen verlohnt es sich und jetzt tempora mutantur! Es muß schlimm um das dichDiese Gleichheitsideen sind nur als eine Vergeistigung nicht der Mühe auf das ebenso innerlich unwahre als verlogene terische Schaffen des Herrn P. 2. bestellt sein. der grob sinnlichen Bedingungen für kapitalistische Pro- Rührstück Ohnet's näher einzugehen. Herr Direktor Lautenburg hatte duktion zu verstehen. Diese ist nur möglich durch Ver- das Stück mit einer wahrhaft raffinirten Pracht ausgestattet. Von wirklichung der Gleichheit aller Waarenbefizer unter ein- die in der Titelrolle viel Temperament entfaltete und in einigen den Darstellenden ist besonders zu erwähnen Frl. Marie Cronau, ander. Im Kapitalismus verschwindet die Persönlichkeit Scenen wirklich groß zu nennen war, Herr Franz Tewele, der, des Waarenbesizers in der Unpersönlichkeit der Waare und abgesehen von einigen zu voreiligen Handbewegungen, einen Bonvides Geldes. Einer durch die Maschinerie produzirten vant mit feiner Komik wiedergab und Herrn Pansa, der in der Ueber die nicht zu unterschätzende Wirksamkeit des Waare und dem allgemeinen Tauschwerth, dem Gelde, Reicher wirkte vornehm in Spiel und Erscheinung, Fräulein Zipser artikel in voriger Nummer) orientirt ein Aufruf an die Posamentiere Charge eines alten knurrigen Obersten eine Meisterleistung bot. Herr Arbeitsnachweises in den Händen der Arbeiter( s. a. den Leitsteht es nicht auf der Stirn geschrieben, wer sie produzirt machte aber eher den Eindruck einer Kammerzofe als den einer und Knopfmacher Deutschlands, dem wir das Folgende entnehmen: und besessen hat. Die Waaren treten einander gegenüber jungen aristokratischen Dame. Mit dem Zusammenspiel legte die Ein hiesiger( Hamburger) Geschäftsinhaber engagirte mehrere Genicht als Arbeiten dieser oder jener Persönlichkeit, sondern Regie viel Ehre ein. hülfen von auswärts mit dem allerdings lockenden Versprechen Das Wallner- Theater hat am Mittwoch bereits an Stelle dauernder Beschäftigung. Nach 10 tägiger( sage 10 Tage) Beals Produkte, in denen allgemein menschliche Arbeit ,, geronnen" ist.( Marr). des französischen Schwankes, mit dem es sich neu renovirt dem schäftigung sah sich erstgenannter Arbeitgeber" genöthigt, dieselben Publikum vor wenigen Tagen präsentirt hatte, eine Lokalpoffe an- wegen Arbeitsmangel(?) zu entlassen. Die Gehülfen hatten also Die kapitalistische Produktion erfordert aber auch gesetzt, die den vielversprechenden Titel Im neuen Berlin führt, zum Theil kaum zwei Drittel ihrer Reisekosten durch den erhaltenen neben der Gleichheit der Waarenbesizer eine anscheinende und die viel Beifall fand, soweit es sich um die zahlreichen Kalauer Lohn gedeckt; da dieselben überdies laut eines in der Werkstube anGleichheit der Arbeiter mit ihnen. Der Kapitalist kann urältesten und neuesten Datums handelte. Im Grunde genommen gebrachten Plakats auf Kündigung verzichten mußten, so blieb ihnen nur eine freie Arbeitskraft gebrauchen, welche den be- ist diese neueste Poſſe weiter nichts als ein loses Zusammengefüge auf diese Gewaltmaßregel nichts übrig, als mitellos Hamburg zu von Scenen nnd Bildern aus älteren Possen ,,, Kyriß- Pyriz" zum Bei- verlassen. Dieser Fall steht nicht vereinzelt da. Auf einigen Werkschränkenden Fesseln der mittelalterlichen Zünfte entsprungen spiel hat start herhalten müssen. Ganz neu war das dritte Bild stuben hat man versucht und es auch eingeführt, die Gehülfen ohne und durch das Gesetz der Freizügigkeit den wandelnden beim„ Sternecker." Eine vortrefflichere Reklame für das Muster- Kündigung zu entlassen, und wird den meisten zurückgebliebenen noch lokalen Bedürfnissen sich anzuschmiegen im Stande ist. etablissement in Weißensee kann man sich nicht denken. Herr zugemuthet, halbe und dreiviertel Tage zu arbeiten. Welche Folgen Diese aus den sozialen Verhältnissen herausgewachsene Sternecker war anwesend, wurde aber nicht gerufen." Gespielt dieses Verfahren namentlich für die hier ansässigen Kollegen nach sich wurde vortrefflich. Herr Guthery hatte einen Korsetfabrikanten aus zieht, wird man leicht begreifen könuen. Wir sind machtlos diesem Forderung mußte zuvörderst auf die Beseitigung der sicht Frankfurt a. M. vorzustellen, der nach fünfzehn Jahren seine Vater gegenüber, weil die Unternehmer wissen, daß ihnen jederzeit von barsten Ungleichheit und des handgreiflichsten Klebens an stadt Berlin wieder aufsucht und als„ wilder Ehemann" auf gefähr auswärts Kräfte genug aus der Verlegenheit helfen, mit anderen der Scholle auf die Aufhebung der Leibeigen- liche Entdeckungsreisen ausgeht. Seine Komik war geradezu eine un- Worten: sie jederzeit Ersatz für etwa Gemaßregelte finden. Wir schaft hin arbeiten. Diese wurde in allen kapitalistischen verwüstliche zu nennen. Er machte die gefährlichsten Sprünge" mit haben nun einen Arbeits- Nachweis errichtet, um mit der Zeit einer Leichtigkeit, daß er wahre Lachsalven hervorrief und Karl wenigstens eine Waffe solchen Zuständen gegenüber in Händen zu Staaten am Ende des vorigen und am Anfange unseres Helmerding, der nicht weit von uns im ersten Rang saß, Thränen haben, und hoffen von Eurer Kollegialität, von Eurem SolidaritätsJahrhunderts beseitigt. Sogar das selbstherrliche Ruß- der Rührung entlockte. Fräulein Bäckers vermochte dem Zuschauer gefühl, daß Ihr, falls ihr nach Hamburg wollt, Euch an unser land mußte fich den aus den mächtigen Produktionsver- die glänzendsten Tage der Ernestine Wegener vor das Auge zu Bureau wendet, daß Euch zu jeder Zeit gern und unentgeltlich Aushältnissen resultirenden Forderungen fügen und in den zaubern, und Fräulein Streitmann entzückte durch ihren gesang- kunft über die hiesigen Verhältnisse, sowie über vakante Stellen geben lichen Vortrag. Zu erwähnen wäre noch Herr Worlitsch, Herr wird. Kollegen! Folgt unserem Beispiel! Vereinigt Euch und fechsziger Jahren die leibeigenen Bauern in freie, ihre Alexander und Frau Schmidt. Der Realismus der Ausstattung helft so an dem Grundstein zu unser Aller Vereinigung bauen; ein Arbeitskräfte dem Belieben des Kapitals an diesem oder ging so weit, daß im ersten Bilde ,, Vor dem Portal des Central Jeder trage sein Theil dazu bei! Bedenkt, daß auch Ihr stellenjenem Drte unterordnende Arbeiter verwandeln. hotels" Droschten vorfuhren, ein Theil der Friedrichstraße mit seinem weise einer rohen Willfür ausgesetzt seid! Wohlan denn! Laßt uns In dem instinktiven Revolutionsruf der aufständigen weltstädtischen Leben sich zeigte, und schließlich eine solenne Keilerei einig, Schritt für Schritt, Schulter an Schulter unserm Ziel entgegenzwischen einem Schornsteinfeger und einem Straßenjungen stattfand. gehen, dann muß der Sieg unser sein. Mit kollegialischem Gruß Bauern zur Zeit der Reformation kann man bereits die mehr kann man nicht verlangen. Wer einmal herzlich lachen will, Die Kommission des Arbeits- Nachweis- Bureaus. Hamburg, Caffamachermateriellen, Quellen erkennen, aus denen der Gedanke, die der suche jetzt das ,, Wallner- Theater" auf. reihe bei Herrn v. Salzen. wurden? " Kleine Mittheiungen. Arbeiterbewegung, Vereine n. Versammlungen. 11 " wurde die " letten Monatsabschluß einen Vermögensbestand von 13 555,51 M., träge, durch Errichtung eines unentgeltlichen Arbeits nach= oder pro Mitglied 20,32 M. Diese Kasse nimmt Personen beiderlei weises, durch Gewährung von Unterstügungen bei eingetretener An die Drechsler und verwandten Berufsgenoffen Jahren jederzeit auf und bestehen verschiedene Bersicherungsklaffen. Lagen eventueller Prozeßkosten bei gewerblichen Streitigkeiten. Und Geschlechts, ohne Unterschied des Berufes, im Alter von 14-45 Arbeitslosigkeit sowie freien Rechts bei stand und AusBerlins. Der am 28.- 30. August d. J. in Naumburg a. S. Für die geleisteten Wochenbeiträge von 18-60 Pfennigen wird bei doch seid ihr größtentheils, wo es sich doch um euer Wohl und abgehaltene Rongreß der Drechsler Deutschlands hat die gemein Erkrankungsfällen eine Unterstüßung von 4,50 bis zu 15 M. pro Wehe handelt, noch nicht einmal zur Versanmlung gekommen, so same Organisation der deutschen Gewerkskollegen, die Bereinigung Woche gewäbrt; bei Todesfällen wird den Hinterbliebenen ein Be- daß die Organisation noch keine größeren Errungenschaften zu verder Drechsler Deutschlands" beschlossen. Im Verfolg dieses gräbnißgeld von 45 bis 150 m. gezahlt. Für Berlin sind vier ört- zeichnen hat als die oben angedeuteten. Wir wollen uus durch Beschlusses findet am Montag, den 19. September, Abends 8 Uhr, liche Verwaltungsstellen errichtet, wo jederzeit Beitrittserklärungen den Arbeitsnachweis auf humanere Art und Weise Beschäftigung in den Gratweil'schen Bierhallen, Beuthstr. 8, eine öffentliche Ver- entgegengenommen werden, und zwar ,, Berlin I", Kassirer E. Schil- verschaffen und uns nicht gewissermaßen als Bettler von Thür zu sammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Berliner Delegirten ling, Koppenstr. 48; Berlin II", Kassirer J. Schumacher, Thür weisen lassen: der zarten Redensarten, welche man dabei als über die Verhandlungen des Kongresses; 2. Diskussion: 3. Vorlage Mariannenstr. 8; Berlin III", Kassirer H. Rudolph, Kolonie Zugabe erhält, noch nicht einmal zu gedenken. Wir glaubten, des bereits von der Hamburgischen Behörde genehmigten Statuts der Straße 150a; ,, Berlin IV", Kassirer M. Zeifig, Teltowerstr. 45; nachdem sich die Herren Unternehmer vereinigt haben und zwar ,, Vereinigung der Drechsler Deutschlands"; 4. die Errichtung der ferner beim Vorsitzenden W. Saffe, Blücherstr. 34-35. und beim nicht um unsere Löhne zu verbessern, sondern dieselben zu verOrtsverwaltung Berlin"; 5. Wahl des provisorischen Vorstandes; Hauptkassirer Kühnelt, Kreuzbergstr. 63, wo auch jede gewünschte ringern, daß es endlich einmal an der Zeit wäre, daß ihr euch 6. Verschiedenes. Kollegen Berlins! In Anbetracht des allseitigen Auskunft ertheilt wird. Außerdem werden in allen Versammlungen auch sammelt, um dem entgegenzutreten, was die Herren im Interesses, welches die Beschlüsse des Kongresses hervorgerufen haben, neue Mitglieder aufgenommen. Schilde führen! Oder seid ihr gewillt, euch allen Auforderungen erwarten wir den allgemeinen Beitritt der Berliner Gewerkskollegen Neubegründung eines Fachvereins. In der öffent- derfelben unweigerlich zu unterwerfen? Nun, dann klagt später in die Vereinigung der Drechsler Deutschlands"! Wir fordern Euch lichen Versammlung der Vergolder Berlins; welche am Montag, nicht, wenn euch statt Brod Steine geboten werden. Viele von demgemäß auf, recht zahlreich in der öffentlichen Versammlung zu den 12. September, Inselstr. 10 bei Scheffer tagte, wurde zunächst euch werden sagen, daß es noch nicht so schlecht sei. Aber die erscheinen. Mit kollegialischem Gruß die Mitglieder des Ausschusses Bericht erstattet über den Stand der Arbeiseinstellung in Lage der Familien so manches unserer tüchtigen Kollegen, welche der Vereinigung der Drechsler Deutschlands". der Adolf Werkmeister'schen Goldleisten fabrik. Von in ihrem Beruf verunglückt oder zn Grunde gegangen, macht uns An die Metallschleifer Berlins. Collegen, wie ihr alle Seiten der streikenden Arbeiter wurde berichtet, daß Herr Adolf stubig, denn bei derartigen Vorkommnissen zieht sich der Arbeitim Laufe der Zeit ersehen habt, ist der Fachverein behindert wor- Werkmeister bereit ist, jetzt den alten Preis zu zahlen, welcher geber" zurück. Darum, Kollegen, wachet auf und denkt an die den, seinen Mitgliedern das zu bieten, was der§ 1 seiner Statuten vor der Arbeitseinstellung den Arbeitern gezahlt wurde. Auf Zukunft und an das Verhältniß, in welchem ihr heute zum Unterbestimmt. Nun, Collegen, wenn wir betrachten, welche Ziele sich Grund dieser Erklärung haben die feiernden Arbeiter am Montag nehmer steht. Betheiligt euch an der Organisation mit dem der Verein gestellt hat, so finden wir, daß von den vier Punkten, Mittag die Arbeit wieder aufgenommen nnd ist der Streik Wahlspruch: Einer für Alle und Atte für Einen. Deun nur in die der§ 1 enthält, nur folgende drei erfüllt werden konnten: wurde den wieder in Arbeit getretenen Kollegen zu ihrem Erfolge Arbeitgebern. Mit dem Bewußtsein, daß dieser Mahnruf genügt, demnach als beendet zu betrachten. Von verschiedenen Rednern der Einigkeit liegt die Straft. Lezteres namentlich lernt von den 1. Arbeitsnachweis; 2. Gewährung von unentgeltlichem Rechts: Glück gewünscht und mehrseitig betont, daß nur durch ein einiges, euch am Dienstag, den 20. d. M. Abends halb 9 Uhr recht schutz; 3. Unterſtüßung wandernder Collegen. Der 4. Punft: Vorträge in Versammlungen, in denen über Arbeiterbewegung und festes Zusammenstehen der Arbeiter es möglich ist, den Ueber zahlreich in Nieft's Salon anzutreffen zeichnet J. Rechner. Lohnverhältnisse gesprochen werden sollte, konnte unter den heu- griffen des Kapitals gegenüber Erfolge zu erriugen. Als 2. Punkt An sämmtliche in der chirurgischen Branche beschäf tigen Zeitverhältnissen nicht erfüllt werden, da die polizeiliche Ge- stand auf der Tagesordnung Beschluß einer vorhergegangenen tigten Kollegen. Kollegen! Im Interesse der Allgemeinheit nehmigung stets versagt wurde. Dieser Hauptpunkt bei der Arbeiter- Bersammlung:" Wahl einer Lohnkommission." In der leb- treten wir wieder einmal mit der Aufforderung an Euch heran, bewegung, die nicht gewährte Stoalitionsfreiheit derselben, hatte haften Debatte sprachen sich die meisten Redner gegen die Wahl die kostbare Zeit nicht zu verlieren mit dem bis jest immer noch eine Abnahme der Mitgliederzahl zur Folge. Die Mit einer Lohnkommission aus und plädirten für die Gründung eines zu sehr verbreiteten Schlendrian und Indifferentismns. glieder zogen es vor, nach und nach auszutreten; sie sagten sich: Fachvereins der Vergolder", welcher allein im Stande wäre. Kollegen! Nie darf der Gedanke bei Euch aufkommen, Ihr hättet was nüßt uns ein Verein, der uns für unsere Beiträge nichts nach allen Richtungen hin die Interessen der im Vergoldergewerbe keine Organisation nöthig. Haltet Umschau in der Branche, bieten darf, damit wir unsere Lage verbessern können. Infolge- beschäftigten Arbeiter zu wahren. Bei der Abstimmung entschied und Jeder, der sich als denkender Arbeiter fühlt, muß sich sagen, dessen sah sich der Vorstand veranlaßt, noch eine Versammlung eins und wurde darauf aus der Mitte der Versammlung eine der jetzigen schlechten Lage des Gewerks zu arbeiten. Diesen Ge= sich die Versammlung für Neubegründung eines Fachver: daß es die Pflicht eines jeden Einzelnen ist, an der Aufbesserung einzuberufen, in der als Referent Herr Liefländer sprechen sollte. aus 5 Personen bestehende Kommission zur Ausarbeitung der danken zu verwirklichen, ist eine Organisation unbedingt nöthig; Auch diese wurde nicht genehmigt. Nun wurde wiederum eine Ver- Statuten für den neu zu begründenden Verein gewählt. Später Ehrensache eines jeden Einzelnen muß es ſein, sich dem FachTammlung zu Montag, den 12. September, in Krieger's Salou, Wasserthorstr. 68, nachgesucht, dieselbe wurde genehmigt mit folgen: seine Arbeiter behandelt, einer scharfen Kritik unterzogen. Seine schwinden gegenüber der Pflicht, der Allgemeinheit durch eine OrArt, wie Herr Werkmeister( Brunnenstraße) verein anzuschließen. Jedes kleinliche Sonderinteresse muß verder Tagesordnung: 1. Antrag wegen Auflösung des Vereins; 2. Verschiedenes. Nach kurzer Debatte, die fast von allen Seiten Barockvergolder haben die Werkstätte verlassen und sollen, wenn ganisation zu nüßen, und verweisen wir Euch insbesondere auf für die Auflösung des Vereins ausfiel, wurde folgende Resolution. nicht nachgiebt, unterstützt werden. die am Mittwoch, den 21. September, Abends 81/2 Uhr bei verlesen und gegen eine Stimme angenommen: In Erwägung, Die Vereinigung der deutschen Schmiede hielt am Gratweil, Beuthstraße 8, H. 1 Tr. stattfindenden Versammlung daß die Erreichung aller der Ziele, welche sich der Verein zu Mittwoch, den 14. September eine Versammlung in Gratweil's der Freien Vereinigung aller in der chirurgischen Branche be= materieller und geistiger Hebung gestellt hat, durch Handhabung Bierhallen ab. Jm 1. Punkt der Tagesordnung referirte der fchäftigten Berufsgenossen." Tagesordnung: 1. Vortrag des der Polizei vereitelt wird, beschließt die heute in Strieger's Salou, Vorsitzende Herr Walther über den Nuhen der 10 stündigen Herrn Schuhmachermeisters T. Mehner über: wodurch ist das Wasserthorstr. 68, tagende Generalversammlung des Fachvereins Arbeitszeit. Verschiedene Redner sprachen sich noch dahin Handwerk zu heben? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Frageder Berliner Metallschleifer und verwandter Berufsgenossen, daß aus, daß wir so bald als möglich mit der Forderung an die fasten. der Verein nach Schluß der heutigen Versamm= Meister herantreten müßten. Herr Wandelt bedauert es, daß sich Verband deutscher Mechaniker und verwandter BeYung aufgelöst ist und die Utensilien, sowie die Regelung des die älteren Kollegen so sehr von der Vereinigung zurückrufsgenossen( Zahlstelle Berlin). Es ist den Bemühungen des Arbeitsnachweises der Fachkommission der Berliner Metallschleifer ziehen. Als noch der Fachverein bestanden habe, hätten gerade Vorstandes gelungen, für die nächsten Vereinsabende tüchtige zu überweisen ist. Nach der Abstimmung ergreift Herr Krom das die Aelteren den Stamm gebildet. Wir könnten besser dastehen, Kräfte zu gewinnen, und werden von nun an Vorträge in geWort, derselbe schilderte die Lage der Arbeiter in Bezug auf ihre wenn es heute noch der Fall wäre, denn z. B. in der Werkstatt sicherter Reihenfolge und Abwechselung im Thema stattfinden. In Gedanken, er führte unter anderem an, daß der Arbeiter auch ist es immer beffer angebracht, wenn sich der Schirrmeister gegen der legten Versammlung bei Nieft, Kommandantenstraße, machte ohne Verein immer weiter agitiren wird, um seine gerechte Sache einen Mißbrauch seitens des Meisters auflehnt, als wenn es ein der Vorsitzende auf den in Nr. 4 der„ D. Mechan. 3tg." entzu fördern. Weiter konnte Herr Krom nicht mehr sprechen, da der jüngerer Geselle thut und er wird wo möglich von ersterem noch haltenen Vorschlag des Stuttgarter Hauptvorstandes aufmerksam, überwachende Polizeilieutenant die Versammlung auf Grund des§ 9 unterdrückt. Bei Punkt 2: Vereinsangelegenheiten, wurde be- wonach den einzelnen 3ahlstellen empfohlen wird, für das des Sozialistengesetzes für aufgelöst erklärte. Der Verein ist somit schlossen, für die Mitglieder der Vereinigung einen Schreib- Wintersemester fachwissenschaftliche Lehrkurse einzuvon uns aufgelöst worden, die Versammlung von der Polizei. Kursus zu eröffnen. Herr Kalligraph Miethke war anwesend führen. In längerer Diskussion über diesen Gegenstand wurde Nun, Kollegen, wollen wir unsere Interessen dadurch zu fördern und machte bekannt, daß der dreimonatliche Kursus 6 M. kostet, von der Mehrzahl der Redner die Bedeutung eines solchen Untersuchen, daß mir Alle, einer wie der andere, auf die Berliner er lehrt dafür drei Schriften. Die erste Schreibstunde findet am nehmens für die kleineren Zahlstellen wohl anerkannt, jedoch be= Volks- Tribüne abonniren, denn sie wird uns dasjenige Dienstag, den 20. September Abends 8½ Uhr im Königstädt. tont, unter Hinweis auf die vielen hier schon bestehenden Fachbieten, was wir im Fachverein suchten, aber trotz aller ange- Rafino, Holzmarktstr. 72, statt. Mitglieder der Vereinigung erschulen und Fortbildungsanstalten, daß für Berlin ein der wandten Mühe nicht sinden konnten, da uns die Versammlungen, halten einen Zuschuß von 2 M. aus der Vereinskasse. Ferner artiges Bedürfniß nicht vorhanden sei. Die Versammlung bein denen über Arbeiterbewegung und Lohnverhältnisse gesprochen wird über das Rundschreiben debattirt, welche der Vorstand der schloß demgemäß davon Abstand zu nehmen. werden sollte, nicht genehmigt wurden. Daher ist es unserer Bundesinnungen an die einzelnen Innungen gesendet hat. Ueber eine freifinnige Bezirksversammlung schreibt Meinung nach das Beste, wenn wir unsere Zeit und unser Geld Kollege Metsch hat dasselbe vorgelesen und es ist daraus zu er- uns ein Arbeiter: Vergangenen Montag tagte der freisiunige Beauf bessere Art und Weise verwerthen, denn die Zeiten können sich sehen, daß die Beschlüsse des 12. Deutschen Schmiedetages nun zirksverein Hallesches Thor im Topp'schen Lokal, Belle- Allianceändern und es kann einst ein neuer Fachverein erstehen, dem es mehr so weit gediehen sind, daß die einzelnen Vorstände das ge- Straße. Ueber die Spiritusmonopolbank" referirte der Großvielleicht nicht so schwer geniacht wird, Bersammlungen abhalten sammte Material in Händen haben, es sind erstens die unaus- destillateur Mar Schulz, der zum Schlusse sein lebhaftes Bedauern zu dürfen, in denen zur Aufklärung der Arbeiter Vorträge ge- stehlichen Arbeitsbücher, zweitens Werkstattsordnungen für die darüber aussprach, daß so wenig freisinnige Männer im Reichstag halten werden können über Lohnverhältnisse und Arbeiterbewegung. Schmiede und drittens Bestimmungen über die Behandlung der fäßen. Ein paar anwesende Arbeiter fühlten sich gedrängt, den Dann erst, Kollegen, wird ein Fachverein das sein, was er sein jenigen Gesellen resp. Lehrlinge, welche widerrechtlich ihre Arbeit Herren vom Freisinn klar zu machen, daß deren eigene Gesinnungssoll und mit Freuden wird dann jeder seinen Beitrag opfern, weil verlassen. Außerdem wird beschlossen, unser Fachorgan ,, Bruder genossen oft in den Stichwahlen reaktionär gewählt hätten. Der er weiß, er giebt für das allgemeine Wohl seiner Kollegen, der Schmied" vom 1. Oktober an obligatorisch einzuführen; der erste Redner wurde jedoch sehr bald unterbrochen: er habe nur das Metallschleifer. wöchentliche Beitrag wird von 10 auf 15 Pfennig erhöht. Am Recht Fragen zu stellen! Der zweite Redner kam etwas weiter, Die Offenbacher Kasse für Frauen und Mädchen Sonntag, den 23. Oktober findet ein Kränzchen der Vereinigung, aber die obengenannte unangenehme Wahrheit wollten die Herren ( Kranken- und Begräbnißkaffe) hat sich für viele Arbeiterinnen und unter Mitwirkung des Gesangvereins Berliner Schmiede" im wieder nicht vertragen, sie entzogen dem Arbeiter das Wort. Aus Arbeiterfamilien als ein segensreiches Institut erwiesen. Zur Englischen Garten, Alexanderstr. 23, statt. der Mitte dieser Auchdemokraten wurde sogar der Wunsch laut, Zeit gehören der Kasse zirka 12 bis 15 000 Mitglieder an, Eine öffentliche Versammlung sämmtlicher Wagen- nur noch" Studirte" reden zu lassen. Die Arbeiter verließen unter die in 110 örtlichen Verwaltungsstellen ihre Beiträge an die bauer tagte am 13. d. M. im Königstädt. Kasino unter Vorsitz des solchen Umständen sehr bald den Saal, sie hatten von diesen FreiKaffe entrichten und in Krankheits- und Todesfällen die statutarische Hrn. Tempel. Herr Meyner hielt einen Vortrag über Kranken- sinnigen, die ebenso schlimm sind, wie Nationalliberale und ReatUnterstützung hinwiederum dafür beziehen. Der Eintritt in fassenwesen. Derselbe erläuterte die Verhältnisse, in welchen sich tionäre, genug. die Kaffe wird allen gesunden Mädchen und Frauen gestattet, früher die Gewerkskrankenkassen befanden, erklärte die Verhältnisse welche die Schule verlassen und das 45. Lebensjahr nicht über der jetzigen Orts-, Fabriks- und Innungskrankenkassen und kam zu schritten haben. Das Eintrittsgeld ist 1 Mark, wofür dem Mit dem Schluß, daß die würdigste Form der Krankenversicherung für den -Der Verein zur Wahrung der Interessen der in gliede ein Quittungsbuch und ein Statut verabreicht wird. Der Arbeiter nur die freien Hilfskassen seien. der Hutfabrikation beschäftigten Arbeiter fordert hiermit Von mehreren Beitrag pro Woche für ein Mitglied 1. Klaffe ist 25 Pf. Der Rednern wurden noch die Verhältnisse der Wagenbauerkrankenkaffe alle Mitglieder auf, die nächste Versammlung, welche Montag, den Beitrag pro Woche für ein Mitglied 2. Klasse ist 15 Pf. Für diesen beleuchtet, und empfohlen, aus der Zwangskaffe aus- und in diese 19. d. M. in unserem Vereinslokal, Bartelstraße la stattfindet, niedrigen Beitrag wird im Erkrankungsfalle einem Mitgliede der Kaffe einzutreten. Beim 2. Punkt:„ Verschiedenes" ersuchte der wichtiger innerer Bereiüsangelegenheiten halber, zu besuchen. Zu ersten Klasse bis zu 26 Wochen wöchentlich 7,20 m., einem Vorsitzende alle Anwesende, daß sie doch in der Gewerkschaftsbewegung gleich werden alle Kollegen, welche unserem Verein noch fernstehen, solchen zweiter Klaffe für die gleiche Zeitdauer 4,50 m. ausbezahlt. thätig sein möchten, der größte Theil der Gewerkschaftsgenossen halte hierzu freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Die Wahl eines Arztes steht jedem Mitgliede frei. Wo eine Ver- sich von den Fachvereinen fern, trotzdem diese doch nur das Ziel Die Versammlung des Vereins deutscher Schuhpflegung des kranken Mitgliedes im Hause aus irgend welchem Grunde verfolgten, die Lrge des Einzelnen sowohl als die des gesammten macher, Montag, den 19. d. M., fällt aus. Die nächste Versammlung wird in diesem Blatte bekannt gemacht. nicht angängig ist, oder auch auf Wunsch eines Mitgliedes erhält Gewerks aufzubessern. dasselbe auch statt obiger Unterstüßung bis zu 13 Wochen gänzlich Verband der Möbelpolirer Berlins und Umgegend. Im Fachverein der Steinträger Verlins sprach am freie Kur und Verpflegung in einer Heilanstalt. Ift 11. September in Scheffer's Salon, Inselstr. 10, in einer ordent- Morgen Sonntag, Vormittags 10% Uhr, Andreasstr. 26( Andreasnach Ablauf dieser Zeit ein Mitglied etwa an einer anderen Krank lichen Mitgliederversammlung Herr Wallenthin über die neuen Hebe- Garten). Außerordentliche Bersammlung. Tagesordnung: 1. Bericht heit neu erkrankt, so stehen ihm noch weitere Unterstützungen auf eine maschinen und über die jetzigen Arbeitsverhältnis e. Es vom Arbeitsnachweis. 2. Bericht über die bisherigen Ergebnisse der nochmalige Dauer von 13 Wochen zu. Die Unterstützungen werden gäbe leider Kollegen, die ihre Mitarbeiter nach Kräften ausbeuten, Berufsstatistik. 3. Innere Vereinsangelegenheiten. Mitglieder werprompt seitens des Vorstandes ausgezahlt. Auch den geisteskranken man bezeichne dieselben als sogenannte Engros- Meister. Herr Unter- den gebeten, zahlreich zu erscheinen. Billets zum Stiftungsfest am Mitgliedern, welche zwar arbeitsfähig sind, aber wegen irgend welchen lauf ersuchte die Kollegen, sich durch die„ Maschinenfrage" nicht ab- 15. Oktober in der Úrania, Wrangelstr. 10, werden heute Abend in Leidens ärztlicher Behandlung und Medizin bedürfen, wird auf die schrecken zu lassen und lieber, wenn sie 50 bis 55 m. verdienten, den Zahlstellen sowie morgen in der Versammlung ausgegeben. Um Dauer bis zu 13 Wochen in beiden Klaffen eine Beihilfe gewährt. fich mit einer etwas geringeren Summe zu begnügen, um dadurch weiteste Verbreitung dieser Bekanntmachung bittet der Vorstand. Im Falle des Todes eines Mitgliedes wird an dessen hinter vielleicht 1 oder 2 Mann, die keine Arbeit haben, Arbeit zu verschaffen. Der Vorstand des Fachvereins der Steindrucker bliebene für die 1. Klasse 60 M. und für die 2. Klaffe 40 M. Redner ermahnte die Anwesenden, recht feste und treue Mitglieder und Lithographen ersucht laut Beschluß der letzten Mitgliederausbezahlt. Die Auszahlung findet auch bei Selbstmord anstandslos des Vereins zu sein. Herr Noack rügte die Handlungsweise einiger Versammlung, unverzüglich die Wahl der Delegirten in jeder statt. Diesen wahrhaft großen Leistungen der Kasse seinen Mit- Kollegen, die sogar des Sonntags arbeiteten. Nachdem noch kon- Druckerei vorzunehmen( zur Ausarbeitung einer Statistit), in gliedern gegenüber ist der Beitrag gewiß nur ein geringer zu nennen, statirt worden, daß nur 250 bis 300 Mitglieder als wirklich that Druckereien, wo mehr als 10 Steindrucker oder Lithographen bezumal wenn man in Erwägung zieht, daß eine spezifische Frauen- fräftige zu bezeichnen seien, wurde von der Versammlung folgende schäftigt sind, auf je 10 einen zu wählen, und diesen dem Vorstande kaffe durch die bei dem weiblichen Geschlechte um beinahe 162/3 pet. Resolution angenommen:" Die heutige Versammlung beschließt, alle mitzutheilen. Die Adressen nehmen entgegen A. Schulz, Chorinerbedingten höheren Krankheitsfälle als bei dem männlichen Geschlechte thatkräftigen Kameraden, welche drei Wochen ohne Arbeit sind, nach straße 84; Splettstößer, Weinbergsweg 15b; D. Sillier, Adalbertum so stärker mit Ausgaben belastet wird. Anmeldungen zur Recherche der Nachkommission und deren Uebereinkunft mit dem Vor: Straße 72; A. Hendrich, Langestraße 84. Am Donnerstag, den Aufnahme werden entgegengenommen beim Vorsigenden Th. Bielefeld, ftande zu unterstützen." Später entspann sich eine lebhafte Debatte 22. d. M., findet im Louiſenſtädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37, Brückenstraße 4 im Laden, beim Kassirer G. Schiefft, Wasserthor: über die Unterstügungsfrage". Herr Wallenthin bedauerte, daß die die nächste Versammlung statt, wozu auch Gäfte eingeladen sind. ftraße 69, III., sowie in folgenden Zahlstellen: Frau Grothmann, gezahlten Unterstützungen von vielen Kollegen falsch verstanden und Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Bernauerstr. 76 i. K., Frau M. Schneider, Blumenstr. 29 im Laden, der Unterstüßungsfonds irrthümlich mit einer Krankenkasse ver- Fragekasten. Frau Strauß, Mehnerstr. 1 III., Frau E. Schneider, Naunyn wechselt würde. Die Unterſtügungsanträge zweier Mitglieder wurden Fachverein der Former und verwandten Berufs straße 60 im Keller. Am Sonnabend, den 22. Oktober feiert die der Fachkommission zur Recherche überwiesen und einem Mitgliede genossen. Versammlung am Montag, den 19. d. M., Abends Verwaltungsstelle Berlin ihr diesjähriges Stiftungsfest im eine Unterstügung von 20 M. bewilligt. Für ein anderes Mitglied 8 Uhr, in Kriegers Salon, Wafferthorstr. 68. Tagesordnung: City- Hotel, Dresdenerstraße 52-53. Der Reinertrag ist zu einem wurde eine Tellersammlung veranstaltet, welche 11,85 M. ergab. 1. Bortrag des Herrn G. Heimann über Heinrich Heine, Diskussion. Unterstützungsfonds für ausgesteuerte hilfsbedürftige Mitglieder be An die Gas, Waffer- und Heizungs- Rohrleger von 2. Der Arbeitsnachweis. 3. Wahl eines aus dem Vorstande geschie ſtimmt und wird deshalb um recht rege Betheiligung gebeten. Berlin und Umgegend. Kollegen! Seit dem 11. Mai 1884 benen Mitgliedes, Berschiedenes, Fragekasten. Um recht regen Besuch besteht eine Vereinigung unter obiger Benennung und hat Die Kranken- und Begräbnißkaffe des Vereins dieselbe sich keine Mühe und Arbeit verdrießen lassen, diese Branche fämmtlicher Berufsklaffen( Eing. H. Nr. 2) hat nach dem soviel wie möglich zu heben, und zwar durch lehrreiche Vor- l Möge die Kaffe stetig an Mitgliederzahl zunehmen! " 1 bittet der Vorstand. " 515 93 G ไป we Er M me ge fef au M de da de fiz pr un fin A1 wi ve mi br fl lij HEADERERE in W en COESESTRERAUTOESCENT Verantwortlicher Redacteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Oranien- Straße 23.