Berliner Volks- Tribune. Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg.( frei ins Haus). Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 837 b des 16. Nachtrages Redaktion und Expedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. № 17. Inhalt: Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Aus Sonnabend, den 26. November 1887. Einzelne Nummer 15 Pfg. zur Zeitungspreisliste.) Ausgabe für Spediteure: ,, Merkur" Zimmer- Straße 54. I. Jahrgang. sein, aber kein Mensch hat ein Recht, mir schuftige BeDa ein Artikel in der letzten Sonntagsnummer des„ Berliner leidigungen“ und„ freche persönliche Beschimpfungen" vor- Volksblattes" den Anschein erwecken könnte, als hätte ich die Opposition zuwerfen! gegen die Stadtverordnetenwahlen gemacht und unnüz verbittert, Ich weise diesen Vorwurf nochmals auf das Ent- fo erkläre ich hiermit, daß ich sofort nach der Eröffnung des Reichs= tages vor der sozialistischen Fraktion den Beweis antreten werde, daß meine Thätigkeit eine zwischen den längst vorhandenen, von mir nicht geschaffenen Gegenfäßen vermittelnde war. Redaktion des„ Berl. Volksbl." ist dies ja auch für einen Fall sehr gut bekannt, wo lediglich durch mein Eingreifen eine heftige persönliche Provokation verhindert wurde, obwohl ich Gefahr lief, in Konflikt mit meinen eigenen Gesinnungsgenossen zu kommen. Der offene Brief des Herrn Tutauer Karl Marr' materialistische Geschichtsauffassung. Langsames Verhungern. Die schiedenste zurück! Und mit meinem Machwerk" vergleiche man nun überseeische Lebensmittelkonkurrenz. den Artikel des Herrn Tuzauer. Wir zitiren aus ihm: London. Novelle. Der Verein der anhaltischen 1. Be- hauptungen: Arbeitgeber. Entwickelung und Charakter der französischen Arbeiterparteien. Herr Stöcker und Herr Singer. Politische Nachrichten. Versammlungen. Vereine und Thatsachen. In der letzten Stunde der Kommunal- Wahlbewegung hat Herr Tubauer den Unterzeichneten in einer Weise persönlich angegriffen, die wohl selbst viele meiner Gegner unerhört gefunden haben werden. Ich lehne es ab, irgend ein Urtheil über den Offenen Brief" im Berliner Volksblatt" zu fällen. Das wird an anderer Stelle und durch eine andere Instanz geschehen, und die Arbeiter Berlins werden dieses Urtheil erfahren. Ich habe nur die Pflicht zu erfüllen, den Lesern der Volkstribüne" ohne Zusäße die nackten Thatsachen mitzutheilen, die zum Verständniß der ganzen Angelegenheit überhaupt nöthig sind. Eine einzige Bemerkung sei mir vorher erlaubt. Wenn es im ,, Volksblatt" heißt, erst die„ schuftigen Beleidigungen", die von mir ausgegangen seien, hätten den Anlaß zu dem beispiellosen Angriff gegeben, so weise ich diese Behauptung mit vollster Entschiedenheit zurück. Versteigt sich denn der Hochmuth einiger Titel autoritäten so 2. hoch, daß eine sachliche Kritik ihrer Politik, ihrer Stellung zur Partei und ihrer Leistungen nicht mehr gestattet ist? Darf man einen Jrrthum nicht mehr einen Bruch Fehler, einen wirklichen oder vermeintlichen der Disziplin nicht mehr eine Disziplinlosigkeit und eine übergroße Nachgiebigkeit nicht mehr Leisetreterei" nennen? Darf man kein Urtheil mehr fällen, ob ein Mann feiner Stellung gewachsen ist oder ob er nichts leistet? Darf man die Leute, die sich durch Titel bestechen lassen, nicht davor warnen, die Bedeutung solcher Titelbehafteter zu überschäßen und ihre Stellung zur Partei falsch aufzufassen? Gewiß, Schmeicheleien waren es nicht, die wir vorbringen mußten, als einige Titelautoritäten anfingen, Wahlbewegung auf eigene Faust zu machen aber man nenne mir in meinem Artikel ein Wort, das eine Schmähung, d. h. eine Verdächtigung des Charakters, eine Leugnung des ehrlichen Willens, eine Unterschiebung unlauterer Motive einschlösse!- Wenn mich einmal ein Kritiker als sozialpolitischen Schriftsteller ,, wissenschaftlich wie literarisch gleich leistungsunfähig" finden sollte, würde es auch die größte Duellwuth zulassen, wenn ich dem Gegner meine Sekundanten wegen erbärmlicher Beschuldigung" und ,, schuftiger Beleidigung" schicken wollte? Man würde mich in solchem Falle einfach auslachen, wie man über Jeden die Achseln zucken muß, der, in öffentlicher Thätigkeit, die öffentliche Kritik nicht ertragen wollte, und wenn diese Kritik was ihr gutes Recht ist bis zur Bestreitung jeglicher Bedeutung und Leistungsfähigkeit des Kritisirten ginge. Ist man, wenn man die Grenzen ehrlicher Kritik noch so streng einzuhalten gedenkt, darum verpflichtet, den Gegner höchst bedeutend" und" überaus thätig und energisch" zu finden? " 1 Ich wiederhole also die Frage: wo habe ich meine Gegner einer niedrigen Handlungsweise geziehen, und nicht was mir kein Mensch verwehren wird eines falschen Verhaltens, eines in den Folgen, nicht in den Absichten verderblichen? Jst kein derartiges Wort von meiner Seite gefallen, so mag meine Auffassung der Parteidisziplin unrichtig und meine Kritik zu scharf gewesen 3. die Der Anderen Andeutungen des erwähnten Artikels lege ich vorläufig weiter keinen Werth bei. Wenn aber meine vollständige Zurückgezogenheit von allen red= nerischen Turnieren mit" Mangel an Muth und Kraft" in nähere Verbindung gebracht wird, so stelle ich ruhig allen Lesern die Entscheidung anheim, ob meine Stellung zu dem von mir verantwortlich geleiteten Blatte und zu der Partei im Allgemeinen nicht mindestens denselben Muth erfordert, wie das Auftreten in einer polizeilich genehmigten Versammlung. Und es wäre doch gewiß auch traurig, wenn heute, in der Zeit der Versammlungsverbote, die Thätigkeit in Versammlungen den Maßstab für den Eifer eines Genossen bilden sollte. Sie wagen es, sich mit meiner Person in einer Weise zu beschäftigen Leute, die sich Genossen nennen. Die Sache des arbeitenden Volkes steht viel zu hoch, als daß sie von Ihnen oder Ihresgleichen besudelt werden könnte Ein Vorwurf, selbst wenn er von Ihnen kommt. Wer von uns Beiden ein Ehrenmann ist und wer nicht .. Sie versuchen, die Berliner Arbeiter zu entzweien. Sie können sich, wie es sonst Ihre Mode ist, hier nicht drehen und wenden... Ihr Artikel, den ich für die größte Schmach und Schande der Berliner Arbeiterschaft erkläre... Sie erdreisten sich in Ihrem unbegreiflichen Hochmuth... Mein Herr verstehen sie das? Irgend einem Nörgler werde ich nicht weichen Sie, der Sie sich ja wohl auch„ Genosse" nennen... Sie Was meinen letzten Artikel Zu den Stadtverordnetenwahlen" blicken mit unverhohlener Verachtung auf Ihre weniger gut anbetrifft, so habe ich so lange nichts zurückzunehmen oder hinzufituirten Nebenmenschen... Glauben Sie, daß unter den zufügen, als ich die Ueberzeugung behalte, daß ein Bruch der DisArbeitern Subjekte gezüchtet werden, die sich als Werk- ziplin vorlag. Lag er vor, so wird man mir zugeben, daß kein zeuge" eines Anderen gebrauchen lassen*)... Sie wollen Wort der Mißbilligung scharf genug sein konnte. aus diesen unglückseligen Verhältnissen( unter dem Sozialisten- Berlin, den 21. November 1887. Mar Schipper. gesez) Vortheile ziehen, die lediglich der Befriedigung eines frankhaften und unberechtigten Ehrgeizes dienen können Seitens des für die Leitartikel und für den politischen " Leute, welche die Arbeiter nur verheßen wollen. Ein und lokalen Theil verantwortlichen Redakteurs wurde mir Arbeiterblatt wird mißbraucht, um uns zu begeifern und zu die Aufnahme dieser Erklärung für die Dienstagsnummer beschimpfen... Das thut ein Mann, der jede Ver- bestimmt zugesagt. Diese Erklärung, nach der ich schiedsantwortung ablehnt für das, was er thut und + schreibt. Unter meiner Würde, mich öffentlich mit gerichtlich meine vermittelnde Thätigkeit feststellen lassen Ihnen zu befassen Die verderbliche Saat, die Sie will, nach der ich mich auf das Bestimmteste als Verausgestreut haben Ihre unheilvolle Thätigkeit fasser des Artikels in der„ Volkstribüne" bekenne, erschien Ihre Biedermeierei... Ihre schmuzige Feder. Unerhörte, boshafte Angriffe freche persönliche Be- am Dienstag nicht, dafür aber der Artikel des Herrn schimpfungen wüthende Heßereien erbärmlichste Tubauer, der von meinen„ Heßereien" spricht und von Beschuldigung schuftige Beleidigung giftiges Wort meiner Feigheit, die Verantwortung für das von mir ... Machwert... verleumderische Schmähungen... bos- Geschriebene nicht übernehmen zu wollen!!! hafte Beschimpfungen Dunkle Andeutungen: · Mir, einem Manne, der nichts zu verbergen, nichts zu verheimlichen hat. · Ich kenne die Motive Jhrer Handlungsweise nicht Ich weiß nicht, wessen Geschäfte Sie besorgen. Leute, die von anderen Parteien kommen. Ich habe nicht nöthig, Ihnen verschiedene Beispiele aus der allerjüngsten Bergangenheit vorzuführen, auf die ich Ihnen gegen über nur zurückgreifen kann, diese Beispiele sind offenkundig und stadtbekannt. Am Montag Nachmittag befand sich bereits der einen Artikel gegen mich veröffentlicht hatte, in den folgende Erklärung des Herrn Stadtverordneten Goercki, Händen der Redaktion des Berliner Volksblattes": So bestimmt ich selbstverständlich heute noch die Parole der habe ich doch andererseits aus einer längeren Unterredung mit dem " Wahlenthaltung" für einen bedauerlichen Irrthum halte, so bestimmt Redakteur Herrn Schippel die Ueberzeugung gewonnen, daß Herr Schippel nach den ihm zugegangenen Mittheilungen die Wahlkonnte und sich daher zu einer energischen Abwehr berechtigt halten enthaltung als ein Gebot der Parteidisziplin auffassen Es ist mein heißer Wunsch, daß die Arbeiter und Genossen, die Sie zu ihrem Wortführer erwählt haben, von ge= mußte. wissen bitteren Enttäuschungen verschont bleiben Ich bin ein armer, ungebildeter, aber überzeugungstreuer und ehrlicher Handwerker + ++ Ich habe keine de- und wehmüthigen Bettelbriefe geschrieben und keine Versprechungen gegeben, die zu halten ich nicht die Absicht hatte. Einer derartigen Lumperei bin ich nicht fähig. Ihre Maske, die mich nicht täuscht Ein Puppenspiel, an dem Jedermann, außer den Arbeitern seine helle Freude haben könnte Für ehrgeizige Streber ist kein Raum in unserer Partei Um vielleicht im Trüben fischen zu können Damals freilich gingen die verleumderischen Schmähungen von einem Blatte aus, dessen Bestreben es war, die Arbeiter für die Politik der konservativen Parteien einzufangen schoß, lasse ich dahingestellt; auf jeden Fall aber habe ich die UeberOb diese Abwehr in ihrer Schärfe nicht über das Ziel hinausist, und diese erkenne ich bei Jedem gerne an. zeugung, daß Herr Schippel seiner ehrlichen Ueberzeugung gefolgt in der Kommunalwahlbewegung habe ich nunmehr untrügliche Für die vielfach vermittelnde Thätigkeit des Herrn Schippel Beweise erhalten, so daß es ein bedauerlicher Irrthum wäre, sollte Frage leider bestehenden Gegensähe unnüz verschärft hätte. etwa die Auffassung Plaz greifen, daß Herr Schippel die bei dieser weniger für möglich halten, als ich denselben seit dem Anfang des Eine solche Thätigkeit würde ich bei Herrn Schippel um so Jahres 1884 als sozialistischen Schriftsteller kenne und schäße. Friz Goerci. Seitens der Redaktion wurde mir die Aufnahme dieser Erklärung für die Dienstagsnummer bestimmt zugesagt. Diese Erklärung, welche meine frühere schriftDie Arbeiter wissen jest wenigstens, mit wem fie es zu ftellerische und jetzige vermittelnde Thätigkeit offen anerkannte, Jene Versenkung, aus der Sie so plötzlich emporgetaucht erschien am Dienstag nicht, dafür aber der„ Offene Brief" des Herrn Tupauer, der mich als Eindringling und Unruhestifter be- zeichnete!! thun haben sind.... Drohungen: Die Arbeiter dürften Ihnen sonst zeigen, wie man mit Leuten von Ihrem Kaliber umspringt Wischen wir erst die Feder ab! Und nun theilen wir noch folgende Thatsachen mit, ebenfalls kaum für meine Gegner in die Wagschale fallen dürften. Bereits Montag Abend befand sich folgende Erklärung in den Händen der Redaktion des„ Berliner Volksblattes": " *) Nebenbei bemerkt: unser Artikel sprach von Werkzeugen" der Gesammtpartei"; diese wird man kaum als„ Subjekte" bezeichnen wollen! Red. der„ Volfstrib." " Das sind Thatsachen, und damit kein Zweifel an diesen, allerdings unglaublichen Thatsachen bestehen bleibt, drucke ich den Brief, den der für die Leitartikel verantwortliche Redakteur noch Montag Abend an mich schrieb, hier wortgetreu ab. Er lautet: Berlin, d. 21. Nov. 1887. Geehrter Herr Schippel! Ich habe Ihnen zwar gestern Abend die Zusage gemacht, daß ich die von Ihnen gewünschten Aufnahmen in unsere Zeitung noch für die heutige Nummer bewirken würde. So wie die Angelegenheit leider(!) liegt, habe ich meinen Entschluß geändert, Sie werden selbst sehen, daß es nicht anders ging. Unterschrift. So find die Arbeiter Berlins an einem in unehrlicher Weise Schwierigkeiten bereitet habe, so wird so aufgeregten Tage, wie es ein Wahltag man den Muth haben, mir das vor dem Gericht in's immer ist, von Leuten be- handelt worden, Gesicht zu sagen und zu beweisen. die sich selber ehrlich" nennen. einer sich um chronologische Daten lagernden Darstellung. Wir befinden uns noch immer im Zenith einer Geschichtsbeschreibung, aber nicht einer Geschichtswissenschaft. Wenn je ein Wort des Standeshochmuthes und der Das Wesen der Geschichtswissenschaft besteht darin, Geringschäßung der Sache und der Personen der Arbeiter für das Wachsthum jeder Epoche, für ihre Geburt, ihre Ich habe dann noch einmal mit dieser Redaktion über meine Entwickelung, ihren Tod die letzten Ursachen aufzufinden, schriftlich zu thun gehabt, indem ich die untenstehende nicht einzelner unfähiger Gernegroße Erklärung zur Aufnahme an sie absandte. Sie wurde Lippen gekommen ist, so soll das allein meine Verurtheilung die Geseze, von denen der Gang der menschlichen Gesellschaft beeinflußt wird, aufzudecken. Der materielle Stoff mir als„ nicht aufnahmefähig" zurückgesandt und entscheiden. wenn sie, was ich im Augenblicke nicht weiß, doch im Bis dahin aber, wo der Spruch des Gerichtes gefällt muß durch diese wissenschaftlichen Zwecke geordnet und ,, Volksblatte" erscheinen sollte, so verdanke ich dies ledig- sein wird, verzichte ich in unserer Partei auf jede mir vertheilt werden. Er ist nicht Zweck, sondern nur Mittel lich der freundlichen Unterstüßung eines Reichstags- bisher vergönnte Thätigkeit, wenn sie mir durch das Ver- zum Zweck. Wenn ich den Verlauf der Bauernkriege kenne, abgeordneten, der sich aus freien Stücken zur Vermittlung trauen der Genossen nicht wieder zurückgegeben wird. Ich so weiß ich noch nichts von ihrer Bedeutung, von ihrer lege am 1. Januar die Redaktion der„ Volkstribüne" nieder, Verkettung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der Vervorläufig oder endgültig nicht der gangenheit und der Zukunft. Erst durch Untersuchung der Mit dieser Erklärung, welche eine der bittersten aber wenn mir bis dahin auch der lehrreichsten Episoden meines Lebens vorläufig Bescheid geworden ist, daß nichts gegen mich vorliegt. Entwickelungsgefeße des Mittelalters, der speziellen pathoabschließt, schließe ich auch diese nackte Darstellung des Ich werde wie ein Aussäßiger jeden Verkehr mit meinen logischen Thatsachen während des Verfalles desselben, der Streitverlaufes, die ich den Lesern der Volkstribüne" Gesinnungsgenossen meiden, bis der Schimpf von mir ab- auf dem Grunde der menschlichen Gesellschaft neu aufgewaschen sein wird, den man mir angethan hat, nicht tauchenden Erscheinungen bin ich in der Lage, den Drschuldig zu sein glaubte. Die Erklärung lautet: als einem Verfechter persönlicher Anschauungen, sondern ganismus kennen zu lernen, aus dem die Bauernkriege als einem Vertreter der Mehrheit der zielbewußten Genossen herausgewachsen sind, und somit diese Kriege selbst zu Berlins, als einem Manne, der, gehorsam der Partei- verstehen. disziplin, den Posten, auf den ihn die Genossen stellten, Eine Geschichtswissenschaft in diesem Sinne giebt es selbst dann bis zur Neige seiner Kraft vertheidigen würde, noch nicht. Aber so wie der bewunderungswürdige Bau wenn er selber den Posten für aussichtslos hält. der modernen Naturwissenschaften emporgestiegen ist von erbot. Erklärung. In der Dienstagsnummer des„ Berliner Volksblattes" werde ich mit Schmähungen überhäuft, die in ihren Andeutungen sogar so weit gehen, mir die Rolle eines Agenten der Regierung zuzutrauen, der im höheren Auftrage das Banner des Aufruhrs und des Zwiespaltes in der sozialdemokratischen Partei Berlins entfaltet habe. zu unterdrücken. Ich habe darauf an dieser Stelle nichts zu er= widern. Ich erkläre hier nur, daß ich noch Montag Abend, ehe also der Artikel im Berl. Volksblatt" vorlag, an den Abg. Bebel den förmlichen Antrag gerichtet habe: er möge gleich nach dem Zusammentritt des Reichstages eine schiedsgerichtliche Entscheidung vermitteln, ob in meiner ganzen politischen oder persönlichen Vergangenheit und Gegenwart irgend ein dunkler Punkt oder irgend eine Unehrenhaftigkeit aufzudecken ist. Bei dieser Entscheidung sollen nach meinem Wunsch auch die Berliner Genossen vertreten sein. gegen mich. Ich bitte endlich meine Freunde und engeren Gesinnungs- dem Grunde der Naturbeschreibung, ebenso wird die Gegenossen, jede gereizte Kundgebung zu meinen Gunsten schichte sich entwickeln von der Geschichtsbeschreibung zur Geschichtswissenschaft. Von meinen Gegnern habe ich nichts zu erbitten, aber ich verlange von ihnen, daß sie sich nunmehr mit ihren Anklagen lediglich an das Schiedsgericht wenden. Berlin, den 22. November 1887. Mar Schippel. Karl Marx' materialistische Geschichtsauffassung. II. Die Bedeutung Karl Marr' für eine solche Entwicke entlung der Geschichte besteht darin, daß er den Boden ut deckt hat, auf welchem alle Veränderungen in den gesellschaftlichen und geistigen Verhältnissen ruhen. Marr' wissenschaftliche Entdeckung ermöglicht es, für die Geschichtsepochen Entwickelungsgeseße in letter Instanz zu finden, also die Geschichte zu verstehen. Marr ist weit davon entfernt, dem Aufsuchen von Gesetzen das Wort zu reden, welche allen Epochen gemeinsam sind. Er gießt die ganze Lauge seiner Satyre gegen Leute, wie Proudhon, aus, welche in allen Epochen nur y. Die Erkenntniß, daß die Produktionsverhältnisse ein Gemeinsames sehen, nämlich die Entwickelung des Menden Untergrund für den gesellschaftlichen und geistigen schen zu bewußter Freiheit. Jede Zeit hat vielmehr nach Des ganzen Ernstes meines Entschlusses vollbewußt, Bau bilden, zeigt die ganze Geschichte der Vergangenheit Marr ihre eigenen Gefeße, ihr eigenes Denken, ihre eigene richte ich an meine engeren Gesinnungsgenossen, wie an in neuer Beleuchtung, bringt uns Aufschluß über Dinge, Produktion und ihre eigene Tendenz. Ist auch dem 19. die Arbeiter Berlins überhaupt folgenden Aufruf: die für uns bis dahin etwas Sphynrartiges hatten, löscht Jahrhundert die Tendenz zur Gleichheit eigen, so bekämpft Wenn es in Berlin einen Mann giebt, der versichern viele Ereignisse und Personen auf der Tafel der Geschichte Marr auf das Nachdrücklichste das Bestreben oberflächlicher kann, daß ich jemals in der sozialdemokratischen Partei aus und bringt eine ganz ungekannte und ungenannte Denker, diese Gleichheitstendenz den vorangegangenen JahrBerlins Gegenfäße geschaffen oder schon vorhandene Welt zum Vorschein. hunderten mit vollständig verschiedenen Bedürfnissen, ProGegensäße unnüz verschärft hätte, der trete mit dem Zunächst veranlaßt diese materialistische Geschichtsauf- duktionsmitteln u. f. w." unterzuschieben. Mit klassischem Schiedsgericht in Verbindung und erhebe seine Anklagen fassung eine äußerst fruchtbare Kritik desjenigen, was bis Spott charakterisirt er das Bestreben vieler, dem JdealisWem Thatsachen bekannt sind, welche auch nur die dahin den Inhalt der Geschichte gebildet hatte. Die Ge- mus noch nicht völlig entronnener Denker für die ganze Wem Thatsachen bekannt sind, welche auch nur die schichtswissenschaft wird gewöhnlich als eine möglichst ob- Entwickelung der Menschheit eine Idee, eine Vorsehung, ein leiseste Vermuthung rechtfertigen, ich sei einer politischen jektive Schilderung der Vergangenheit oder Gegenwart providentielles Ziel zu suchen. Unehrenhaftigkeit fähig, der übermittele diese Thatsachen aufgefaßt. In diesem Sinne hat Thucydides seine Ge- ,, Es ist Thatsache, daß der Grundbesiz in Schottland schichte des pelopomensischen Krieges, Tacitus die Geschichte durch die Entwickelung der Industrie neuen Werth erhielt; Wenn Jemand gegen mich den Vorwurf erheben kann, des römischen Kaiserthums geschrieben, in diesem Sinne diese Industrie eröffnete der Wolle neue Märkte. Um ich hätte jemals- wie es in dem Artikel heißt ,, de= und wehmüthige Bettelbriefe", die eines Mannes selbst in schreiben hervorragende Geschichtsforscher der Gegenwart, die Wolle im großem Maßstabe zu produziren, mußte man der äußersten Nothlage unwürdig find, an irgend welche ein Ranke, Mommsen, Dumker u. s. w. ihre Werke. Aber das Ackerland in Weideland verwandeln. Um diese Berder äußersten Nothlage unwürdig sind, an irgend welche bereits in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts hat ein wandlung zu bewirken, mußte man die Güter konzentriren, Person geschrieben, so bitte ich, den Abg. Bebel davon in genialer Forscher, der Engländer Buckle, auf das Un- mußte man die kleinen Pachtungen abschaffen, Tausende Kenntniß zu setzen. wissenschaftliche einer solchen Auffassung vom Wesen der von Bächtern aus ihrer Heimath verjagen und an ihre Geschichte hingewiesen und der Geschichtswissenschaft das Stelle einige Hirten sezen, die Millionen von Schafen beBeispiel der Naturwissenschaften entgegengesetzt. wachen. So hatte der Grundbesiß in Schottland in Folge dem Gerichte. Wenn man es kann, so möge man mir vor dem Schiedsgericht auch nur einen einzigen Fall nachweisen, auch wo ich wenn man mich darüber gefragt hat nur eine Zeile von dem verleugnet hätte, was ich schrieb. Auch diese beginnen mit der objektiven Schilderung. successiver Umwandlungen das Resultat, daß Menschen Die beschreibende Naturwissenschaft ist jedoch keine Wissen- durch Hammel verdrängt wurden. Man sage jeßt, daß Dem Unbetheiligten gegenüber habe ich allerdings schaft selbst in des Wortes strenger Bedeutung, sie ist erst es das providentielle Ziel der Institution des Grundbesitzes stets jede Hervordrängung meines Namens ver- eine nothwendige Voraussetzung derselben. Was ist das in Schottland war, Menschen durch Hammel verdrängen mieden. Ich bin als jugendlicher Brausekopf, der mit Wesen strenger Wissenschaft? Die Erkenntniß von Ursache zu lassen, und man hat providentielle Geschichte getrieben." Es ist eben ein Fehler derjenigen, welche das Wort den ihm liebgewordenen Ideen die ganze Welt im Hand- und Wirkung und die Gruppirung des ganzen materiellen umdrehen glaubte erobern und reformiren zu können, für Stoffes um diese beiden Angelpunkte. So in den Natur- Wissenschaft am lautesten in die Welt rufen, daß sie die das Lob übereifriger Freunde empfänglicher gewesen, als wissenschaften, so in der Wissenschaft vom menschlichen Gesellschaftsgeschichte in eine Naturgeschichte der Gesellschaft verwandeln wollen mit ewigen, unabänderlichen Gesetzen, es richtig war. Seitdem ich aber vor Jahren auf diesen Denken. Bevor ein Wissenszweig die Höhe reiner Wissenschaft- welche vor Millionen Jahren dieselbe Wirkung hatten, Fehler aufmerksam gemacht wurde, habe ich mit eiserner Konsequenz jeden Reklameversuch unerbittlich unterdrückt, lichkeit erreichen kann, muß eine Sammlung und Kennt wie heute. Die Anziehungskraft der Erde ist vor Millionen den man mit meiner Person hätte machen können. Wenn niß der Einzeldinge vorausgehen. Nur aus der Fülle Jahren wesentlich dieselbe gewesen und wirkt auf die Reporter jemals meinen Namen erwähnten, so geschah es des materiellen Stoffes kann ein theoretischer Aufbau em- ganze belebte und unbelebte Natur in derselben Weiſe. troß meines Verbots. Ich mied bisher, vielleicht ge- porwachsen. Bevor ein Darwin der Entwickelung der Aber der Mensch der Pfahlbauten unterscheidet sich wesentradezu krankhaft, jeden näheren Verkehr mit den einfluß- Arten eine wissenschaftliche Theorie zu Grunde legen konnte, lich von dem Menschen der griechischen Blüthe, von dem reichsten Personen unserer Partei, um nicht als Streber zu mußten diese Arten selbst, ihre äußeren und inneren Eigen- christlichen Menschen des Mittelalters und von dem Bourerscheinen. Ich habe Artikel, die ein gewisses Aufsehen zu schaften, ihre Lebensgewohnheiten, ihre Unterarten und geoismenschen der Neuzeit. Die Methode der Naturwissenschaften auf die Geum das Aufsehen von meiner Beugungsverhältnisse um ihrer selbst willen erforscht wererregen versprachen die Naturbeschreibung mußte der Naturwissenschaft schichte der menschlichen Gesellschaft angewandt, erzeugt ein Person abzulenken stets zuerst pseudonym veröffent- den ganz anderes Resultat, als in der unbewußten Natur. lichen wollen und immer erst auf ausdrückliches Ver- vorangehen. Hinsichtlich der uns umgebenden Natur haben wir Die Gesellschaftsformen unterscheiden sich von einander, langen der Redaktionen mit meinem Namen gezeichnet. Ich habe, auch wenn die unsinnigsten Gerüchte über mich nun im Ganzen und Großen die Periode der Beschreibung wie die Produktionsweisen von einander verschieben sind: und die mit mir verknüpften Unternehmungen in den verlassen und befinden uns bereits im Stadium der Syste- die Gesetze, welche den einen sozialen Organismus erzeugt, Zeitungen furfirten, niemals eine Berichtigung abgesandt, matiſirung. Die Periode, in welcher das Sein der Dinge hören in ihrer Wirksamkeit auf, wenn der andere soziale obwohl ich z. B. nach dem Erscheinen der Gleichheitsartikel ausschließlich zum Gegenstand der menschlichen Erkennt Organismus sich entwickelt hat. Andere Geſeße treten an und bei der Gründung der„ Volkstribüne“ Gelegenheit niß gemacht wurde, ist im Allgemeinen vorüber. Der die Stelle der alten mit den abgestorbenen Gesellschaftsgehabt hätte, meinen Namen tagtäglich in die Presse aller Gedanke des Werdens, der Entwickelungsgedanke be- formen untrennbar verbundenen. So ist das BevoiteBarteien zu lanciren. Ich habe lieber falsche Gerüchte über herrscht die Zoologie, Botanik, die Biologie, furz alle rungsgeſetz der vorgeschichtlichen kommuniſtiſchen Geſellſchaft mich umgehen lassen, als mich hervorgedrängt. Gerade Zweige der Naturwissenschaften, die medizinischen Wiſſen- ein anderes wie in dem den ganzen Erbkreis umfassenden Und es muß anerkannt römischen Reiche, und das Bevölkerungsgesetz jener Zeit in den letzten Monaten ist diese Entsagung auf jede Be- fchaften nicht ausgeschlossen. friedigung persönlicher Eitelkeit soweit gegangen, daß ich werden, daß die Fortschritte, welche in Folge einer solchen unterscheidet sich wesentlich von dem des neuzehnten Jahr3. B. in den Anzeigen des Dieß'schen Verlages stets meinen wahrhaft wiſſenſchaftlichen Methode gemacht wurden, so hunderts. Marx weiſt nach, daß jede Entwickelungsstufe Namen und meine Schriften unterdrückte und auch bei bedeutungsvoll und epochemachend sind, daß ſo helle Licht ihr eigenes Bevölkerungsgesetz hat. Und wie mit dieſem Citaten aus meinen früheren Werken niemals meine Perſon ſtrahlen auf bis dahin bunke Gebiete burch den Gedanken Geſetze, so auch mit allen anderen den sozialen Drganisals Verfasser erwähnte. Ich habe also gethan, was ein der Entwickelung geworfen wurden, wie in vielen Jahr- mus regierenden Geſetzen. Parlamentarier thun würde, wenn er bei der Veröffent- hunderten zusammengenommen nicht. " 1 Marr faßt den sozialen Organismus als einen„, umlichung seiner Reden oder Anträge regelmäßig seinen Diese Methode machte jedoch Halt vor der Geschichte wandlungsfähigen Krystall" auf, umwandlungsfähig" aber Namen striche. Wenn troßdem in Berlin Jemand Beweise der menschlichen Geſellſchaft; das Morgenroth einer neuen nicht nach dem Willen Einzelner, sondern entsprechend den dafür zu haben glaubt, daß ich, wie ich seit Jahren bin, wissenschaftlichen Methode leuchtete nicht hinüber auf die ehernen Gesetzen, die in ihm walten. Sehr treffend wird auch nur eine Aber von einem ruhmsüchtigen, ehr- Wissenschaft vom Menschen als„ Geſellſchaftsthier". Die diese Auffassung in einem Artikel des Petersburger, Eurogeizigen Streber" in mir habe, dem werde ich vor Geſchichte bewegt sich noch immer im Geleiſe der alten päischer Bote" dargestellt.„ Demzufolge bemüht sich" Marr Methoden; die Entwickelung der menschlichen Geſellſchaft ist nur um eins: durch genaue wissenschaftliche Untersuchung Wenn ich je nach einer Art von Diktatur in Berlin selbst in dem Falle, wo man mit der Fürsten- und die Nothwendigkeit bestimmter Ordnungen der gesellschaftgestrebt oder parlamentarischen Vertretern unserer Partei Schlachtengeſchichte gebrochen hat, noch immer Gegenstand lichen Verhältnisse nachzuweisen und so viel als möglich dem Schiedsgericht Nede und Antwort stehen. Langfames Verhungern. untadelhaft die Thatsachen zu konstatiren, die ihm zu AusEin neuer überseeischer Getreidekonkurrent. gangs- und Stüßpunkten dienen. Hierzu ist vollständig In den letzten Jahren sind zwei werthvolle Bücher Noch sind die Meinungen darüber, ob die Konkurrenz hinreichend, wenn er mit der Nothwendigkeit der gegenwärtigen Ordnung zugleich die Nothwendigkeit einer an- erschienen, die, gestützt auf reiches Quellenmaterial, und der landwirthschaftlichen Produkte der nordamerikanischen deren Ordnung nachweist, worin die erste unvermeidlich viele Aufschlüsse über die Lage der arbeitenden Klassen im Union für die europäische Landwirthschaft eine dauernde übergehen muß, ganz gleichgiltig, ob die Menschen das Mittelalter geben. Das eine ist von Professor Thorold oder vorübergehende Gefahr ist, nicht ganz geklärt, aber glauben oder nicht, ob sie sich dessen bewußt oder nicht Rogers und behandelt„ Sechs Jahrhunderte der Arbeit und schon treten neue Konkurrenten auf, die eine noch größere bewußt sind. Marr betrachtet die gesellschaftliche Bewe- des Lohnes" in Großbritannien; das andere ist ein großes Gefährdung der europäischen Bauern in Aussicht stellen. Kanada, Australien, Indien bieten auf dem Weltgung als einen naturgeschichtlichen Prozeß, den Geseze Geschichtswerk des katholischen Gelehrten Professor Jansen lenken, die nicht von dem Willen, dem Bewußtsein und in Deutschland. Wenn nun auch bei dem letteren die markte schon heute eine gefährliche Konkurrenz für unsere der Absicht der Menschen abhängig sind, sondern vielmehr Sucht zu vermerken ist, das katholische Mittelalter auf Landwirthschaft, von der auch kaum abzusehen ist, wann umgekehrt deren Willen, Bewußtsein und Absichten be- Roften der ungläubigen Neuzeit herauszuftreichen, so kann sie eine Ende nehmen wird. Jene Länder sind zum Theil stimmen."( Mary' Kapital, Nachwort.) das doch den von ihm vorgeführten Thatsachen keinen so dünn bevölkert, daß selbst eine gesteigerte Einwanderung Marr, materialistische Geschichtsauffassung überträgt Abbruch thun. Diese aber beweisen geradeso wie Rogers' feine Abnahme, sondern im Gegentheil eine progressive mit unverrückbarer Konsequenz den Spinoza'schen Gedanken reiches Material, daß die materielle Lage der Arbeiter im Zunahme des Exportes landwirthschaftlicher Produkte vervon der Unfreiheit des menschlichen Willens auf die Gefinstern" Mittelalter, namentlich im 13. und 14. Jahr- spricht. Die Bedürfnißlosigkeit der indischen Arbeiter= schichte aller Zeiten und Völker. Das Bewußte spielt die hundert, verglichen mit dem Zustand der Arbeiterklasse in bevölkerung und die daraus entspringenden niedrigen größte Rolle in der Geschichtsauffassung der herrschenden der Jeßtzeit, in vielen Beziehungen geradezu glänzend Arbeitslöhne haben dieselbe Wirkung. Es ist demnach eine wissenschaftlichen Strömung, und selbst aus den Werken war. Gewiß, es gab hier und da Hungersnöthe; aber untergeordnete Frage, ob die Invasion des Getreides und derjenigen Geschichtsschreiber, welche sich Materialisten sie entstanden aus thatsächlichem Mangel an Lebensmitteln. Fleisches aus den Vereinigten Staaten eine länger dauernde Wenn Kriege das Land verheert und die Bestellung der sein wird oder nicht; gewiß ist, daß immer neue und ge= nennen, wie Hellwald, iſt das Bewußte noch nicht ganz Felder unmöglich gemacht hatten, so konnte und mußte fährlichere Konkurrenten auftauchen, welche den Kampf für verdrängt. Der Entwickelungsgedanke Marr' dagegen sieht in dem Bewußten nur einen Faktor zweiter Ordnung, bei dem Fehlen von Transportgelegenheiten Mangel ent- die europäische Landwirthschaft fast aussichtslos machen. Wir wollen die Aufmerksamkeit unserer Leser auf ein der nicht Ursache, sondern Folge ist. Die Entwickelung stehen. Allein das waren Ausnahmen. Von einem be4 der menschlichen Gesellschaft wird weder gefördert noch ständigen Defizit in der Ernährung, wie sie jetzt von Land richten, welches sich eben anschickt, ausgerüstet mit gehemmt durch die Idee, durch das Bewußtsein, sei es Vertretern der Wissenschaft bei den arbeitenden Klassen glänzenden natürlichen Vorzügen, den Schauplatz des landwirthschaftlichen Konkurrenzkampfes zu betreten; es ist das Einzelner oder ganzer Massen. Das Bewußtsein ist nur festgestellt wird, also von einem langsamen Verhungern Territorium Manitoba und das nordwestliche Amerika, zu das Facit der Rechnung, aber nicht die Rechnung selbst. davon wußte man im Mittelalter nichts. Ganz im Gegentheil. Eine lange Reihe von sogenannten britisch Kanada und Kolumbia gehörig. Die kanadische Sobald in einer Gesellschaftsform an Stelle der alten Idee eine neue Play greift, wird man bei wissenschaft- Aufwands- Geſeßen" in England und Deutschland, die in Regierung hat dort 200 Millionen Acres Land zu An= licher Analyse finden, daß im Stillen bereits eine Um- ben genannten Büchern angeführt werden, bezeugen, welcher siedelungszwecken im Befize. Jedes Familienhaupt und wandlung der Produktionsverhältnisse Platz gegriffen, urus nach damaligen und sicherlich noch viel mehr nach jeder mindestens 18 Jahre alte männliche Ansiedler erhält welche sich in den Köpfen der Menschen allmählich realisirt. heutigen Begriffen in Essen und Trinken und in der eine freie Heimstätte von 160 Acres. Kanada hat einen Die Ursache für die Entwickelung der Gesellschaft und des Kleidung unter dem„ gemeinen Volke" zu Zeiten herrschte. Flächeninhalt 17 Mal so groß als Deutschland und nur Denkens also liegt nicht in der Idee, sondern in der mit Da finden wir Vorschriften, wie z. B., daß dem Gesinde 5 Millionen Einwohner; die kanadische Pacificbahn verder Nothwendigkeit eines Naturgesezes sich vollziehenden nicht mehr als zweimal täglich Fleisch und Wein zu verbindet den atlantischen Ozean mit dem Stillen Meere und Umwandlung der Produktivkräfte. Wie sehr das mensch- abreichen sei; daß( in England) die Gesellen angehalten ermöglicht einen ungemein billigen und raschen Transport liche Denken abhängig ist von der sozialen Grundlage der werden sollen, nicht blos fünf, sondern sechs Tage die der Bodenprodukte an die Seehäfen. Das neu zu besiedelnde Land hat allein eine Fläche menschlichen Gesellschaft, dafür ein Beispiel. Die National Bom Arbeiten bei Licht wußte man im„ finsteren" Mittel- von 18 Millionen Hektaren oder rund 14 000 Quadrat National- Woche und wenigstens acht Stunden per Tag zu arbeiten. ökonomen Smith, Ricardo, Marr und wenn man will, alter auch noch nichts. Erst mit der Zeit der Reformation, Meilen, ist also größer als Deutschland. Manitoba wird vor diesen bereits der Amerikaner Franklin, haben das als der bürgerliche Geldsack sich zu füllen begann und das von den wissenschaftlichen Reisenden als ein Land von Werthgesetz der Waarenproduktion gefunden resp. ausgebildet und erweitert. Aber bereits der größte Denker Bolt ſeines Antheils am Gemeinland beraubt war, als größter Fruchtbarkeit geschildert, es liegt gerade in der gebildet und erweitert. Aber bereits der größte Denker das römische Recht und das geschriebene Gesetz in Deutsch- Mitte des amerikanischen Kontinents von Osten nach Weſten des Alterthums, Aristoteles, hat die Werthform, wie Marr land Geltung bekam, begann die rechte Arbeitsausnutzung und hat eine Ausdehnung von 78 Millionen Acres des Alterthums, Aristoteles, hat die Werthform, wie Marr in seinem„ ,, Kapital" nachweist, analysirt. analysirt. In seiner Analyse kam aber jener geniale Forscher nicht weiter, als der Armen und mit ihr die enorme Zunahme des Lurus( 31,5 Millionen Hektaren). Die Regierung macht alle Anstrengungen, um Kolonisten heranzuziehen; bei Ueberbis zur Entdeckung, daß in dem Werthausdruck der Waaren und Wohllebens bei einer Minderheit. Vor einigen Jahren erließen sächsische Amtshaupt- nahme der Heimstätte hat der Ansiedler nichts als 40 Mark sein müsse. Weshalb er aber nicht bis zur Quelle dieser mannschaften in den Amtsblättern offizielle Proklamationen für Eintragung und Vermessung zu zahlen, muß sich aber Erkenntniß gelangt ist, darüber belehrt uns Marr folgender- an die Arbeiter, in welchen sie auf die Vortrefflichkeit der verpflichten, das erworbene Land sofort in Kultur zu maßen:„ Daß aber in der Form der Waarenwerthe alle Sehnen, Knorpeln 2c. als Nahrungsmittel hingewiesen und nehmen; allerdings benöthigt ein Kolonist dennoch mindestens maßen:„ Daß aber in der Form der Waarenwerthe alle mit der Zubereitungsweise derselben bekannt gemacht wurden. 2000 Mark bar, da er für den Anbau und die Wohnung Arbeiten als gleiche, menschliche Arbeit und daher als In dem gelobten Lande der Vereinigten Staaten hat der alles Nothwendige erst herbeischaffen muß. gleichgeltend ausgedrückt sind, konnte Aristoteles nicht aus die Gleichheit derselben, die ,, Kommensurabilität" verborgen " gebracht. der Werthform selbst herauslesen, weil die griechische Ge- National- Dekonom" Atkinson kürzlich dasselbe gethan. So Welche Fortschritte dieses Land bereits in den letzten sellschaft auf der Sklavenarbeit beruhte, daher die Un- herrlich weit haben wir es in unserer„ aufgeklärten" Zeit Jahren gemacht hat, geht zum Beispiel daraus hervor, daß Winnipeg, die Handelsmetropole des kanadischen Nordgleichheit der Menschen und ihrer Arbeitskräfte zur Natur- Peter Frank, der als der Vater der modernen Wissen- westens, im Jahre 1871 erst 350, im Jahre 1886 aber basis hatte. Das Geheimniß des Werthausdrucks, die Gleichheit und gleiche Gültigkeit aller Arbeiten, weil und schaft der Hygiene, der Gesundheitspolizei, gilt, that in schon 40 000 Einwohner hatte. Das Klima ist gesund, Gleichheit und gleiche Gültigkeit aller Arbeiten, weil und seinem epochemachenden Werke den Ausspruch, daß die Weintrauben, Melonen, Paradiesäpfel reifen im Freien. insofern sie menschliche Arbeit überhaupt sind, kann nur niederen Klassen der großen Städte Europas an einer Der Sommer ist zwar fürzer als in Europa, die Entwicke= entziffert werden, sobald der Begriff der menschlichen Art von Auszehrung leiden, welche von Aerzten nicht lung der Feldfrüchte aber schneller. Das Ernteergebniß Gleichheit die Festigkeit eines Vorurtheils besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, worin die Waaren- geheilt werden kann." Als Ursachen dieser täglich mehr von 200 Farmen Manitobas in den Jahren 1877-80 form die allgemeine Form des Waarenproduktes, also um sich greifenden Krankheit erklärt Frank, die Dürftigkeit war folgendes: Weizen 25, Hafer 52, Gerste 35, Kartofform die allgemeine Form des Waarenproduktes, also und den äußersten Mangel von verdaulichen Nahrungs- feln 276 Hektoliter per Hektar. Auch die Viehzucht nimmt zu, auch das Verhältniß der Menschen zu einander, als mitteln, worunter jetzt bei dem so sehr gestiegenen Lurus und der Boden wird bereits gedüngt, so daß auch die HoffWaarenbesitzer das herrschende gesellschaftliche Verhältniß und bei der kostspieligen Unterhaltung so vieler stehender nungen der europäischen Landwirthe, die sich auf die Folgen ist. Das Genie des Aristoteles glänzt gerade darin, daß Heere in sehr vielen Ländern, die niedere Klasse der Ein- des Raubbaues stüßen, hier nicht zutreffen. Nehmen wir er im Werthausdruck der Waaren ein Gleichheitsverhältniß entdeckt. Nur die historische Schranke der Gesell- Wohner seufzt." Frank ist nicht Dekonom, deshalb ist ein nur zwei Drittheile der 200 Millionen Acres Zann alg entdeckt. Nur die historische Schranke der Gesell- verfehlter Hinweis auf die stehenden Heere verzeihlich. Ackerboden und davon 15 pCt. als Weizenland an, so schaft, worin er lebte, verhinderte ihn, heraus- England hat kein bedeutendes stehendes Heer, und doch ist ergiebt das eine jährliche Ernte von 140 Millionen zufinden, worin denn in Wahrheit dies Gleichheits- sein Pauperismus riesengroß. Meterzentner( 1 Meterzentner= 100 Kilo= 200 Pfund) verhältniß besteht." Ein Bericht des Wiener Magistrats sagt:„ Der fort- Weizen. Die Hälfte davon kann Kanada leicht in's AusMary' materialistische Geschichtsauffassung giebt uns schreitenden Verarmung kann nicht gesteuert werden. Eine land senden. Der Export von Butter und Käse nach dem allein einen wissenschaftlichen Hebel in die Hand, um die beredte Sprache über die Abnahme des Wohlstandes reden Auslande betrug bereits im Jahre 1878: 213 000 Meter= Jdeen einer Zeit und ganzer Klassen zu verstehen, ihren auch die alljährlich vom Marktkommissariate herausgegebenen zentner im Werthe von 25 Millionen Mark. Ebenso nehmen die Verkehrsmittel rasch zu und ver= Ursprung, ihre Bedeutung und ihren Tod zu erklären. Berichte über die Approvisionirung( Lebensmittelversorgung) Land Die Jdeen einer Zeit sind nichts weiter als die Blasen, Wiens. Manche, Nahrungsmittel mußten durch minder wohlfeilen den Transport nach Europa; im Jahre 1881 welche in Folge der stetigen Bewegung in tieferen, un- werthige ersetzt werden. Viele Familien haben vom Rind- waren in Kanada bereits 11 600 Kilometer mit Eisenbahnbekannteren Schichten an die Oberfläche getrieben werden. fleisch Abschied genommen und müssen sich jetzt mit Pferde- schienen belegt. Seitdem ist die kanadische Pacificbahn in Diese Erkenntniß ist für das Verständniß der Geschichte fleisch begnügen, andere werden genöthigt, auf animale einer Länge von 2730 englischen Meilen gebaut worden. von so weittragender Bedeutung, und für eine Kritik der( thierische) Nahrungsmittel überhaupt zu verzichten und Außerdem bestehen 3814 Kilometer Kanäle, in welche Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart von so un- dafür sich den Hülsenfrüchten zuzuwenden. Ja, selbst der Schiffe bis zu 18 Fuß Tiefgang einfahren können. Es schäzbarem Werth, daß ohne dieselbe das Urtheil noth- Mehl- und Brodverbrauch ist trop der niederen Getreide- sind demnach alle Bedingungen gegeben, um dieses Land wendigerweise ein schiefes und wissenschaftlich unhaltbares preise bedeutend zurückgegangen. Es hat sich demnach die zu einem gefährlichen Konkurrenten in der Produktion von werden muß. Eine wahrhaft wissenschaftliche Kritik, welche Volkskraft im Allgemeinen verschlechtert. Wohin wird dies Bodenprodukten und Fleisch heranzubilden. So schwinden auch die letzten Illusionen unserer die Kultur einer Zeit in ihren Beobachtungskreis zieht, führen, wenn die triften Verhältnisse noch länger anhalten?" Man bemerke: niedere Getreidepreise und troßdem Ab- Agrarier vor der Macht der ökonomischen Entwickelung, kann also zu ihrer Grundlage nicht das Bewußtsein, oder die Art, wie dasselbe sich äußert, nehmen, fie fann nur nahme des Mehl- und Brodverbrauchs. Ja, wohin soll und die Zeit ist nicht mehr ferne, in der Getreidezölle und eine Vergleichung der Thatsachen, der Produktivkräfte, des das führen. Die Wiener Behörde thäte besser, zu fragen: agrarische Gesetzgebung vor der elementaren Wucht der Vertheilungsmodus der Produkte zum Ausgangspunkt warum ist es so? Sie würde dann zu dem Ergebniß überseeischen Konkurrenz als kleinliche Schußmittel ihren ihrer Forschung machen, und aus diesen materiellen Ver- kommen, daß die Fähigkeit zur Herstellung von Lebensmittel Dienst versagen und radikalen Umänderungen der Landhältnissen die Nothwendigkeit der Entwickelung im Gesell- heute eine weit größere iſt, als damals, wo das gemeine gefeßgebung Platz machen werden. schafts- und Geistesleben beweisen. Damit erfährt jedoch Volk" nicht mehr als zweimal täglich Fleisch und Wein unsere Betrachtungsweise der Geschichte der Vergangenheit bekommen sollte; daß, trotz Malthus, die Vermehrung von und unsere politische Erkenntniß vom Wesen der Gegen- Lebensmitteln weit größer ist als die der Bevölkerung; Der letzte Sonntag in London. nicht zu ihrem daß es sich also nicht um einen absoluten, nothwendigen wart eine vollständige Umwandlung London, 22. November. Die Frage der Ver= Schaden. Wo bis dahin Ideologie, Phraſenduft, über- Mangel handeln kann, sondern um einen künstlich erzeugten. irdische Vorsehung und dergleichen unwissenschaftliche, der Wieso, das soll heute nicht weiter erörtert werden. Unsere sammlungsfreiheit auf dem Trafalgarplatz hat während menschlichen Unkenntniß entsprungene Hypothesen geherrscht, Leser wissen es und die Arbeiter im Allgemeinen sehen es der letzten Tage der vorigen Woche eine unvorhergesehene treten nun einfache, sich aus sich selbst entwickelnde und von Tag zu Tag mehr ein, daß die Ursache des lang- Wendung genommen. Da nämlich die Polizeibehörde ihr erklärende Thatsachen in die Schranken. Der Jdealismus sammen Verhungerns ganzer Volksschichten inmitten des Verbot mit der Behauptung begründete, daß der Plaz ist hiermit aus seinem letzten Zufluchtsort, der Geſellſchafts- Ueberflusses in der kapitalistischen Produktion, in dem Privat- Privateigenthum der Königin sei, haben die Vorstände wissenschaft, vertrieben und vermehrt die Ueberrefte über- befiß der Produktionsmittel zu suchen ist, und sie beginnen der verschiedenen sozialistischen und radikalen Vereine den wundener Perioden in der Rumpelkammer der Geschichte. die Konsequenzen davon zu ziehen. Beschluß gefaßt, die Sache gerichtlich entscheiden zu lassen. Sie sind nämlich der Ansicht, daß ein Play, für dessen Reinigung u. s. w. die Stadt jährlich 6000 Mark ausgiebt, jedenfalls auch städtisches Eigenthum sein muß,[ platz zu vernichten und spricht ihre Entrüstung und ihre und daß daher jenes vergilbte Pergament, auf welches Verachtung über die Brutalität der Polizei aus, welche das sich die Polizei beruft, als ungültig erklärt werden muß. Erstaunen der ganzen zivilisirten Welt herausgefordert hat." Infolge dessen fand die für gestern anberaumte Versammlung nicht auf dem Trafalgarplage, sondern im Hydepark statt. Nichtsdestoweniger hatte die Polizei auch auf dem Plaze die umfangreichsten Vorsichtsmaßregeln getroffen. Nicht nur, daß dieselbe Polizei- und MilitärNachrichten. Nicht genehmigt. Die laufende Versammlung des Verbandes deutscher Zimmerleute( Lokalverband Berlin- Moabit), welche am 21. d. M. stattfinden sollte, wurde mit f..gender Tagesordnung nicht genehmigt: 1. Welche Vortheile bietet uns die ZentralKrankenkasse der deutschen Zimmerer. Ref. I. Seißt. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Velten, 20. November. Die vom Töpfer B. Warttig für heute einberufene große Arbeiterversammlung mit der TagesDonnerstag Mittag ist der Reichstag wieder er- ordnung:" Gründung eines Arbeiterbildungsvereins" ist auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden. macht wie am vorigen Sonntag auf den Beinen war, öffnet worden. Die eigentlichen Arbeiten beginnen erst nicht nur, daß außerdem weitere Tausende von Konstablern nächste Woche. und Soldaten in Bereitschaft standen, um jeden Augenblick Verschärfung des Sozialistengesetzes? Verschiedenen eingreifen zu können, nein, die Regierung hatte darüber Blättern wird gemeldet, es werde seitens der Regierung eine Erhinaus noch eine so große Anzahl freiwilliger Konstabler weiterung des Sozialistengesetzes vorgeschlagen werden, wonach ähneinschwören lassen, wie sie überhaupt auftreiben konnte. lich wie im Jesuitengeſetze eine" Erpatriirung" verurtheilter SoEs ist dies letztere eine Maßnahme, zu welcher die Re- zialisten ermöglicht werden soll. Eine ähnliche Idee wurde schon in der letzten Session in parlamentarischen Kreisen besprochen. Mit gierung nur greift, wenn sie der Meinung ist, daß die den bisherigen Ausweisungen haben manche Leute noch nicht genug, Berufskonstabler und das Militär nicht ausreichen werden. sie wollen eine Ausweisung aus ganz Deutschlands. In solchem Falle werden zunächst sämmtliche„ ordnungs- Zu dem Reichskommissionsbescheid über das Verbot der liebende" Bürger Londons aufgefordert, sich freiwillig zur Zimmererlohnkommission Berlins erhalten wir folgendes Verfügung zu stellen, und erst wenn dieser Einladung nicht Schreiben: genügend entsprochen wird, hat die Polizei das Recht, jeden Geehrte Redaktion! Ich habe weder mit der genannten Lohnkommission, noch mit der Mehrheit oder mit Einzelnen ihrer Mitglieder jemals, sei es mündlich oder schriftlich, in irgend welcher Verbindung gestanden. Das Aftenmaterial des königl. Polizeipräsidiums muß nach Gustav Keßler, Regierungsbaumeister. Wenn ich mich durch die von Ihnen abgedruckte Verfügung gesunden Bürger zu solchem Dienste zu zwingen. Letzteres der„ Reichskommission" vom 25. Oktober d. J., R. G. 73, betreffend ist jedoch meines Wissens noch niemals vorgekommen; und die Lohnkommission der Berliner Zimmerer, auch sehr geehrt fühle, es wäre wohl auch ein ziemlich gewagtes Unternehmen, so muß ich doch der Wahrheit gemäß berichtigen: jemandem einen Knüppel aufzudrängen, wenn man nicht mit Sicherheit weiß, wie er ihn verwenden wird. Aber auch die Anwerbung von Freiwilligen kommt außerordentlich selten vor; außerdem nimmt der Zudrang zu diesem Posten in rapider Weise ab. Im Jahre 1848 meldeten dieser Seite hin also Unrichtiges enthalten haben. fich zur Vereitelung der Charlistendemonstration noch 250 000 Mann, 1866 fanden sich zur Störung der Versammlung im Hydepark nur noch 35 000 Mann zusammen, und in der letzten Woche soll es die Regierung sogar nur auf 6-7000 Mann gebracht haben. Ein klägliches Fiasko, zumal wenn man bedenkt, daß sie ihrem eigenen Geständniß nach auf mindestens 50 000 Meldungen gerechnet hatte. Hätte sie dieses Ergebniß voraussehen können, dann hätte fie die Anwerbung wohl lieber unterlassen. Daß die Meldungen meistens von jungen Kaufleuten, von ausgedienten Soldaten und von Beamten ausgingen, braucht kaum erwähnt zu werden. Diese Herren standen nun gestern Nachmittag neben " Eine heitere Geschichte spielte sich wieder einmal in der am Mittwoch, den 23. d. M., stattgefundenen Versammlung der Berliner Tapezierer- Innung ab. Bekanntlich hat dieselbe bei ihrem Liebeswerben um die Bildung eines richtigen Gehülfen- Ausschusses" keine Gegenliebe in den Kreisen der Gehülfen gefunden und sich nunmehr petitionirend an den richtigen Ort, an das Polizei- Präsidium, gewandt. Das letztere hatte denn auch ein Einsehen und gewährte der bedrängten Innung das Recht, einen Gehülfen- Ausschuß berufen zu dürfen." Punkt 4 der Tagesordnung vom 23. d. M. lautete demnach: Die kommissarische Berufung eines Gehülfen- Ausschusses", und die Mitglieder der Innung waren wochenlang vorher ersucht worden, geeignete Personen vor= zuschlagen." Bei diesem Punkte der Tagesordnung angekommen, Sanfte der Obermeister für das Entgegenkommen, es hätten sich in viele Gehülfen und wie heißen die Herren, frug ein naseweises MitFolge dessen sehr viele Gehülfen selbst gemeldet"(?). Wie glied." Im Ganzen sind es 17, fam es zögernd vom Vorstandstisch und verlesen werden die Namen unter feiner Bedingung, denn wenn wir heute die Namen verlesen, kommt kein Einziger der der Vorstand beabsichtigt die Herren durch Karte einzuladen, und Ginzuladenden; die Gehülfenschaft macht alles möglich." Das muß eine schöne Vertretung abgeben, 17 Mann von 450 Innungsbrennen könnten. Und dieser Ausschuß soll ein gedeihliches Vermeistern vorgeschlagen und noch die Angst, daß dieselben durch= hältniß zwischen Meistern und Gehülfen herbeiführen!" - das Zu einer glänzenden Kundgebung gestaltete sich troz des vember der Maurer C. 2. Haberkorn, geb. am 20. Januar 1819, Sein 50 jähriges Gefellenjubiläum beging am 25. NoVerbotes einer wirklichen Leichenfeier am Sonntag die Beerdigung wohnhaft seit 1838 in Berlin, Joachimstr. 19, Hof 3 Treppen. In des verstorbenen Schneiders Heinrich Winters, der im Gefängniß Anbetracht der langen Thätigkeit desselben als Maurer wäre es demder Lähmung verfiel und wenige Tage nach seiner Entlassung aus selben wohl vergönnt, seine Tage in Ruhe zu verleben, aber der Untersuchungshaft in der Charité seinen Leiden erlag. Der Arbeiter- Invalidengesetz ist noch nicht in Kraft. Bei dem Gemeinſinn Leidtragenden erhielten Zutritt, und diese wurden von einem Polizei welche stets für die Intereffen der Berufsgenossen eintreten, wäre Eingang zur Leichenhalle der Charité war gesperrt. Nur die nächsten der Berliner Bauhandwerker, der Pioniere der Arbeiterbewegung, lieutenant mehrmals auf das Verbot aufmerksam gemacht, einen es erwünscht, dem Veteranen der Arbeit eine kleine Freude zu beTrauerzug zu bilden. Um 11 Uhr Vormittags verließ der Leichen reiten. Dieser hatte am vorigen Sylvester Abend noch dazu das wagen den Charitéhof unter starker polizeilicher Begleitung. Drei Unglück, von der Pferdebahn übergefahren zu werden und dabei den draußen das Erscheinen desselben erwarteten, entblößten beim Nahen feine so andauernde sein, als wie bei jüngeren gesunden berittene Schußleute eröffneten den Zug. Die Arbeiter, welche Arm zu brechen. Er ist zwar geheilt, aber die Thätigkeit kann doch desselben das Haupt und suchten sich demselben zwanglos anzuschließen. Menschen. J. Kabel, Invalidenstr. 22, Vorsitzender des Vereins Sie wurden jedoch von den Polizeibeamten zurückgedrängt. Nur der Sattler und Fachgenossen. die nächsten Leidtragenden, unter ihnen einige Frauen mit Kränzen, Literarisches. welche schwarze und weiße Schleifen mit Trauerflor trugen, durften Ein armer Arbeiter, der seit fünf Wochen brodlos ist und der Polizei auf dem Trafalgarplatz in einer nichts weniger dem Wagen folgen. An der Invalidenstraßen- Ecke sperrten wiederum dessen Frau seit zwölf Wochen an Nierenwassersucht darniederliegt, als angenehmen Situation. Denn da Niemand dort erschien, dichte Polizeiketten die Chausseestraße ab. Kein Fußgänger wurde frägt an, ob wir nicht eine Stellung als Arbeiter, als Hausdiener um eine Versammlung abzuhalten, fanden sie einerseits durchgelassen, Droschten ließ man nur passiren, nachdem man sich oder sonst einen Erwerb für ihn wüßten. Vielleicht weiß einer absolut keine Gelegenheit zur Befriedigung ihres Thaten- davon überzeugt hatte, daß die Insassen keine" Demonstranten" unserer Leser Rath. Man wolle sich dann an Obst, Manteuffeldurstes, andererseits aber bildeten sie die Zielscheibe aller wurden, soweit noch Raum vorhanden, mit Polizeibeamten besetzt. waren, die Pferdebahnwagen der Linie„ Weidendammerbrücke- Tegel" straße 6, vorn 4 Tr. rechts, wenden. guten und schlechten Wize, welche von den Vorübergehenden Einzelne Wagenreihen glichen Polizeizügen; nur wenige Zivilisten( Königsbank), Große Frankfurterstr. 117. Sonntag, d. 27. NovemZum Besten des Maurers Schmidt. Wulfs Salon gerissen wurden. hatten im Innern Platz gefunden, die Verdecke blizten von Helmen ber 1887, Vormittags 11 Uhr: Große Matinée zum Besten des und Uniformen. Der an der Seestraße belegene Charitékirchhof seit 2 Jahren kranken Maurers Carl Schmidt, ausgeführt vom Die armen Tröpfe waren zu bedauern. war schon anderthalb Stunden zuvor polizeilich gesperrt. Eine Mittlerweile fand in dem nahe am Trafalgarplay Anzahl Arbeiter hatte sich trotzdem Zugang zu dem Kirchhof von Gesangverein„ Lorbeerkranz", unter Leitung seines Dirigenten Herrn gelegenen Hydepark eine imposante Demonstration statt. der Seestraße und dem Felde aus verschafft, ebenso von dem be-. Eckhardt. Billets sind vorher zu haben bei folgenden Herren: Die Zahl der Anwesenden mag zwischen 80-100 000 benachbarten St. Philippus- Apostel- Kirchhof aus. Nur die nächsten Hermerschmidt, Koppenſtr. 91, Og. 1 Tr.; Langmeier, Friedrichstragen haben. Dieselben waren von allen Seiten der Leidtragenden erhielten die Erlaubniß, dem Sarge bis zur Gruft bergerſtr. 4, Qg. 2 Tr.; Schwabe, Schwedterstr. 254 a im Steller: Rülicke, Petristr. 8, part.; Reimann, Prenzlauer Allee 225, part. folgen zu dürfen; nachdem die Einsenkung still vor sich gegangen Riesenstadt herbeigeströmt, um einerseits gegen die Ver- und die Leidtragenden die mitgebrachten Kränze an der Gruft niederHaftung des irischen Palamentsmitgliedes O'Brien und gelegt hatten, mußten auch diese den Kirchhof verlassen. Diejenigen andererseits gegen das Verhalten der Polizei am letzten Personen, welche den Kirchhof auf Umwegen betreten hatten, suchte Sonntag Protest einzulegen. Es wurde von fünf Tribünen feier rückten die Polizeimannschaften wieder ab. An der Seestraßen- Erhebungen über die Beschäftigung gewerblicher Arbeiter an Sonnman polizeilich festzustellen". Eine Stunde nach beendeter Trauer- Die Sonntags- Arbeit. Auszug aus den Ergebnissen der aus gesprochen und die Stimmung war die beste. Gegen Ecke blieb ein berittener Doppelposten zurück, vor dem Kirchhofs- und Festtagen nebst kritischen Bemerkungen von A. Bebel. Verlag die Polizei und besonders gegen die freiwilligen Konstabler portal und an der Gruft hielten Doppelposten zu Fuß den ganzen von Diez, Stuttgart. Preis pro Heft 50 Pf. herrschte eine starke Erbitterung; wo sie sich blicken ließen, Nachmittag über Wache. Nachmittags war der Besuch des Kirchhofs wurden sie mit Zischen und Schreien empfangen. Zwei gestattet. Doch wurde den Arbeitern, welche sich massenhaft einfanden, das Stehenbleiben an der Gruft untersagt. Der Bruder Berittene wurden mit Steinen beworfen und ein Freiwilliger des Verstorbenen, Herr Friz Winters in Düsseldorf, erhielt erst trug ziemlich starke Wunden am Kopfe davon. Im Uebrigen verspätet Nachricht von dem unglücklichen Schicksal, das die Familie H. K. Donnerstag Abend, spätestens aber Freitag Mittag. wurde die Ruhe in keiner Weise gestört, weder von Seiten betroffen hat. Er richtet jest folgende Danksagung an die Berliner Wir bitten darum und sind Ihnen für das Anerbieten sehr dankbar. Posamentirer. Der alte Raummangel. In nächster Nummer Arbeiter: Danksagung. Allen Genossen und Freunden, welche der Polizei, noch von Seiten der Versammelten. unserem so plößlich dahingeschiedenen Sohne und Bruder, dem bestimmt. Zum Schlusse wurde folgende Resolution mit Be- Schneider Heinrich Winters, am Sonntag die letzte Ehre erwiesen, Arbeiter Skalizerstraße. Ihre Kundgebung, die uns ein geisterung angenommen:„ Die Versammlung betrachtet die sagen wir hiermit unseren tiefgefühltesten Dank. Leider war es uns Freund überbrachte, hat uns sehr wohlgethan. Sie werden es aber Verhaftung O'Brien's und anderer irischen Patrioten als selbst nicht möglich, dem großartigen Leichenbegängniß, welches ein nur anständig finden, wenn wir jetzt alles vermeiden, was aussieht, Verhaftung O'Brien's und anderer irischen Patrioten als so erhebendes Zeugniß ablegte von dem solidarischen Geiste der als suchten wir Stimmung für uns zu machen. Beste Grüße an einen Akt der Tyrannei und als eine Beleidigung des Berliner Arbeiterschaft, persönlich beiwohnen zu können; selbst ein alle Mitunterzeichner! " Briefkasten. Volkes und fordert deren sofortige Freilassung. Die Ver- Bruder des Verstorbenen, der erst auf eine Zeitungsnachricht hierher Ortskaffen oder freie Hülfskaffen. Wir gaben als sammlung verurtheilt das Vorgehen der Regierung, welche eilte, konnte den todten Bruder nicht mehr auf seinem letzten Gange Quelle dieses Artikels der letzten Nummer die„ Neue Tischlerztg." der Polizei gestattet hat, das bisher unbestrittene Recht begleiten. Keine Behörde hatte es für nothwendig gehalten, die An- an. Ein Abonnent macht uns darauf aufmerksam, daß sich das der Polizei gestattet hat, das bisher unbestrittene Recht gehörigen rechtzeitig von dem Todesfalle zu benachrichtigen. Noch Original im Vereinsblatt der Bauhandwerker" am 1. Oktober zur Abhaltung von Versammlungen auf dem Trafalgar- leinmal besten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Friz Winters." findet. Fachverein der Bergolder Möbel, Spiegel- u. Vollerwaaren- Magazin Fachverein sämmtlicher im und Fachgenossen Berlins. Da unsere Versammlung am 21. d. M. wegen eines wissenschaftlichen Vortrages des Herrn Dr. Stahn polizeilich nicht genehmigt wurde, so findet die nächste Fachvereins- Versammlung am Dienstag, den 29. d. M., Abends 81/2 Uhr, bei Scheffer, Inselstraße 10, statt. Tagesordnung: 1. Entstehung und Zweck des Vereins. 2. Verschiedenes. Um Zahlreichen Besuch bttet Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Dienstag, d. 29. November, Abends 812 Uhr, Versammlung in Gründer's Salon, Schwerinstr. 26. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Mar Baumgart über:„ Die Sage vom ewigen Juden." 2. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Cigarren u. Tabak eigener Fabrik von Hermann Laske. Lieferung von Club- Pfeifen zu Preifen. 20. Rüdersdorferstraße 20. an der Koppenstraße. en gros von Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. Verlag der Berliner VolksTribüne. Buch- und Steindruckerei von F. POSEKEL Berlin S.O., Oranien- Strasse 23, empfiehlt sich zur prompten und saubersten Ausführung aller Drucksachen. Für Vereine fertige ich zu mässigsten Preisen: Aufrufe, Jahresberichte, Kassenabschlüsse, Statuten, Cirkulare, Mitgliedsbücher, Plakate, Programme, Billets etc. Drechslergewerk beschäftigten Arbeiter Berlins. Stiftungsfest Sonnabend, den 26. November, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a. Anfang 8/2 Uhr. Alles andere siehe redaktionellen Theil dieser Zeitung. Zu recht zahlreichem Erscheinen der Mitglieder, sowie auch Gäste ladet ein Der Vorstand. Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler begründete Arbeitsnachweis befindet sich Alte Jakobstr. 38 im Restaurant Schumann. Die Arbeitsvermitte lung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 10 Uhr Abends, Sonntags von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da sich die vier Kassirer der Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, fich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Arbeitsnachweis zu benutzen. Der Vorstand. Cigarren u.Tabake Schuh- u. Stiefelwaaren Geschäft Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von in großer Auswahl von Winterartikeln. Reelle Arbeit. 15. Ritterstraße 15. C. Klein. Solide Preise. Louis Zaake, Schuhmachermstr. Küstriner Platz 8. 2 Herren f. b. e. guten Genossen frdl. Schlafft. Daselbst Zahlstelle der Gürtler u.Bronceure( E.H.60.) I mit jep. Eing. Andreasstr. 18, v. 4 Tr. 1. Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.-Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. von 6. Splettstößer, 183 Müllerstraße 183, neben der Gasanstalt. № 17 Beiblatt zur"„ Berliner Volks- Tribüne". [ Nachdruck verboten.] Ein Märchen. Von Olive Schreiner. Aus dem Englischen übersetzt von K. 3. Sonnabend, den 26. November 1887. dem Marktplatz schreit: Belohnung nach dem Tode! Belohnung nach dem Tode!" Und der Jäger sprach: ,, Du bist zwar nicht so schön, wie die anderen, aber schön bist Du doch," und so behielt er ihn. Und andere und andere kamen, mit glänzend gefärbtem Gefieder, und sie sangen süße Weisen, bis die Körner ein Ende nahmen. Und der Jäger brachte all' die Vögel zusammen, baute einen starken eisernen Käfig, neuer Glaube genannt, und sperrte die Vögel hinein. Da strömte das Volk herzu, tanzte und sang. „ Oh, Du glücklicher Jäger," rief die Menge,„ Oh, Du wunderbarer Mann! Oh, herrliche Vögel! Oh, die süßen Weisen!" I. Jahrgang. Einen nach dem anderen der schönschillernden Vögel ließ er fliegen. Aber als die Reihe an den dunkelgefiederten Vogel kam, hielt er ihn zurück, er blickte in seine herrlichen Augen, und der Vogel stieß seinen leisen, tiefen Schrei aus: Unsterblichkeit!" Und der Jäger sagte schnell: ,, Von ihm kann ich mich nicht trennen. Er ist nicht schwer, er braucht keine Nahrung. Ich verberge ihn an meiner Brust, ich nehme ihn mit mir." Und er verbarg ihn an seiner Brust und verdeckte ihn mit seinem Mantel. Aber der verborgene Vogel wurde schwerer, schwerer und schwerer, bis er endlich wie Blei auf seiner Brust lastete. Er konnte sich nicht mehr bewegen. Unmöglich, das Thal mit ihm zu verlassen. Da zog er ihn hervor und schaute ihn an. ,, Oh, mein Kleinod, mein Herzensliebling," rief er aus, so soll ich Dich nicht behalten!" Traurig öffnete er die Hand. Es war einmal ein Thal, in dem ein Jäger lebte. Tag aus, Tag ein zog er in den Wald, um wildes Geflügel zu jagen, und einmal begab es sich, daß er an das Ufer eines großen Sees tam. Während er im Schilfe stehend das Nahen der Vögel erwartete, fiel ein großer Schatten über ihn und er bemerkte, daß sich Etwas im Wasser spiegelte. Der Jäger schaute zum Himmel auf, aber das Etwas, das sich gespiegelt hatte, war verschwunUnd Niemand frug, von woher die Vögel kamen, den. Da kam ein brennendes Verlangen über ihn, noch einmal im Wasser jenes Spiegelbild zu schauen, und er noch, wie sie eingefangen worden waren; aber man tanzte wartete und wartete den ganzen Tag. Die Nacht brach und sang vor ihnen. Und auch der Jäger war froh, ,, Geh," sprach er; ,, vielleicht ist in dem Lied der Wahrherein und es war nicht wieder erschienen. Mit leerer denn er sagte sich: ,, Gewiß, die Wahrheit muß unter ihnen sein. Mit heit ein Ton, der dem deinen gleicht; aber ich werde ihn Jagdtasche, traurig und still, ging er nach Hause. Seine Kameraden traten zu ihm und frugen nach dem Grund, der Zeit wird sie sich mausern, und ich werde sie dann nie hören." Traurig öffnete er die Hand, und der Vogel flog aber er antwortete nichts; er setzte sich abseits und brütete in schneeweißer Reinheit schauen." Aber die Zeit verging, das Volk tanzte und sang für immer davon. vor sich hin. Da gesellte sich sein Freund zu ihm und Darauf löfte er den Faden seiner Wünsche vom noch immer, aber dem Jäger ward's schwer ums Herz. diesem theilte er sich mit. ,, Heut habe ich gesehen," sagte er ,,, was meine Augen Er verbarg sich abseits, wie früher, um zu weinen; der Weberschiff der Fantasie und warf ihn fort. Das leere nie zuvor geschaut einen großen weißen Vogel, der mit verzehrende Wunsch loderte wieder in seiner Brust. Eines Schiffchen steckte er in seine Brust, denn der Faden war ausgebreiteten filbernen Schwingen im ewigen Blau segelte. Tages, als er einsam weinte, begab es sich, daß ihm wohl in diesem Thal gesponnen, aber das Schiffchen Er erzählte dem Greis, was er stammte aus einem fremden Land. Und nun ist's mir, als ob ein großes Feuer in meiner Weisheit begegnete. Schon war er bereit zu gehen, da kam das Volk Brust brennte. Es war nur ein Schein, ein Schimmer, Und Weisheit lächelte traurig vor sich hin. und stürzte unter wildem Geschrei auf ihn los. ein Spiegelbild im Wasser, und doch wünsche ich auf ,, Viele, sagte er, haben der Wahrheit das nämliche Erden nichts mehr als den Vogel." Nez gestellt, aber sie haben sie nie gefangen. Sie wird sich nie mit den Körnern der Leichtgläubigkeit nähren, das Netz Luft dieses Thals kann sie unmöglich athmen. Die von eß der Wünsche kann ihren Fuß nicht fesseln, und die Dir eingefangenen Vögel gehören zur Brut der Lüge. Sie sind herrlich und schön, aber doch nur Lug und Trug; die Wahrheit kennt sie nicht." Sein Freund lachte. „ Es war nur ein Sonnenstrahl, der über das Wasser hinspielte, oder der Schatten Deines eignen Hauptes. Morgen wirst Du Alles vergessen haben," sagte er. Aber das Morgen, und wiederum Morgen und zum dritten Mal Morgen kam, und der Jäger ging noch immer allein. Er suchte in Feld und Wald, am See und in den Uferbinsen, er konnte den Vogel nicht finden. Er schoß kein wildes Geflügel mehr, welchen Werth hatte es für ihn? " 1 Was fehlt ihm?" frugen seine Kameraden. ,, Er ist verrückt," sagte der Eine. Nein," sagte ein Anderer, er ist mehr als als das: er möchte sehen, was Keiner von uns geschaut, und sich dann als Wunder hinstellen." ,, kommt, laßt uns seine Gesellschaft streng meiden," sagten Alle. So irrte der Jäger allein umher. Als er eines Nachts wehen Herzens und weinend durch das Dunkel wanderte, stand ein Greis vor ihm, der größer und stärker war, als Menschenkinder sind. ,, Wer bist Du?" frug der Jäger. " Ich bin Weisheit," antwortete der Alte, aber etliche Leute nannten mich auch Erkenntniß. Ich bin in diesem Thal aufgewachsen und habe mein ganzes Leben hier verbracht, aber Niemand sieht mich, bis er nicht schweres Leid getragen. Die Augen, die mich sehen sollen, müssen viel Thränen vergossen haben; und je mehr Jemand gelitten hat, desto mehr spreche ich." Und der Jäger rief: Du, der Du so lang hier lebst, sage mir, was Hauptes." Der Greis lächelte. gethan. Und der Jäger schrie in bitterem Schmerz auf: ,, So soll ich also die Hände ruhig in den Schoß legen und mich von der in mir lodernden Gluth verzehren lassen?" ,, Narr, Hund, Wahnwißiger," schrie es um ihn. Wie kannst Du wagen, Deinen Käfig zu zertrümmern und die Vögel fliegen zu lassen?" Der Jäger sprach, aber Niemand wollte ihn hören. Wahrheit! Was ist das? Kannst Du sie essen? Kannst Du sie trinken? Wer hat sie je gesehen? Deine Vögel waren Wirklichkeit; wir alle konnten ihrem Gesange lauschen. Dh, Du Narr! Gemeines Reptil! Du Atheist!" so schrie die Menge ,,, Du verunreinigst die Luft." ,, kommt, laßt uns Steine nehmen und ihn steinigen," riefen" Ginige. " Was geht das uns an?" sagten Andere.„ Laßt Und der Greis sprach: den. Dummkopf laufen", damit gingen sie ihres Weges. „ Höre, weil Du viel gelitten und viel Thränen ver- Aber der Haufen sammelte Steine und Koth und bewarf gossen hast, will ich Dir sagen, was ich weiß. Wer die den Jäger damit. Als er schließlich über und über mit Wahrheit suchen will, muß dieses Thal des Aberglaubens Beulen und Wunden bedeckt war, konnte sich der Jäger für immer meiden und darf auch nicht soviel wie einen in den Wald schleppen. Und es ward Nacht um ihn. Faden aus ihm forttragen. Allein muß er in das Land Er wanderte weiter und weiter, und die Schatten der absoluten Negation und des Zweifels hinab- wurden immer tiefer. Er war an der Grenze des Landes, ſteigen; dort muß er sich aufhalten; er muß der Versuchung wurden immer tiefer. Er war an der Grenze des Landes, widerstehen. Wenn der Tag anbricht, muß er sich auf in dem ewige Nacht herrscht. Er überschritt sie, und er machen und der Morgendämmerung in das Land des talten Sonnenscheins folgen. Die Berge der öden Wirklichkeit werden sich ihm entgegen thürmen, er muß an ihnen emporklimmen; jenseits von ihnen ist die Wahrheit." ,, Und er wird sie fassen! er wird sie fest in dieser seiner" Hand halten," rief der Jäger aus. Weisheit schüttelte das Haupt. „ Er wird sie nie sehen, nie halten; die Zeit ist noch nicht gekommen." sah kein Licht. Mit den Händen taſtete er sich vorwärts, aber jeder Zweig, den er berührte, knickte ab, und der Boden war mit Asche bedeckt. Bei jedem Schritt sank Boden war mit Asche bedeckt. sein Fuß tief in den Grund, eine leichte Wolke der feinsten Asche flog um sein Gesicht, und es war dunkel um ihn. Da sezte er sich auf einen Stein, vergrub das Antlig in seine Hände und wartete, daß es im Lande der Negation und des Zweifels tagen sollte. Und in seinem Herzen ward's gleichfalls Nacht. Von den Sümpfen zu seiner Rechten und Linken ,, So ist also keine Hoffnung, keine?" rief der Jäger. ,, Höre weiter," sagte Weisheit, etliche sind an jenen wallten kalte Nebel empor und lagerten sich um ihn. das für ein großer wilder Vogel ist, den ich die blauen Felsen emporgeklettert; in Fuß für Fuß des nackten Ge- Ein feiner, unsichtbarer Regen sprühte in der Dunkelheit und Erdaß es ein Traum war, der Schatten meines eignen jenen hohen Regionen wanderten, haben das Glück gehabt, starren schlich durch alle seine Glieder. Als er aufschaute, Lüfte durchsegeln sah? Sie möchten mich glauben machen, ſteins haben sie Stufen eingehauen; und einige, die in herab, und große Tropfen sammelten sich auf seinem Boden den Schwingen der Wahrheit niedergeflattert ist." Und es tamen zwei lustige Irrlichter auf ihn zugetanzt. Er hob wird sich begeben," ſagte der Greis, mit prophetischem Ton das Haupt, um sie besser zu sehen. Sie kamen näher und Geberde nach dem Himmel deutend, es wird sich be- und näher. Warm, glänzend, wie feurige Sterne tanzten geben, daß wenn genug der silbernen Federn von Men- fie einher. Endlich standen sie vor ihm. Aus der Mitte schenhänden gesammelt und zu einem Seil gewoben sind, der Flammenstrahlen des einen Irrlichtes lauschte ein und aus dem Seil ein Netz geknüpft ist, daß in diesem Frauenantlig hervor, ein lächelndes Frauenantlig, mit Net die Wahrheit gefangen werden kann. Nur Wahr- Grübchen und wallenden goldenen Locken. In der Mitte des Anderen zeigten sich heiter lachende Blasen, die den heit kann die Wahrheit halten." Perlen im Glase Wein glichen. Sie tanzten vor ihm. Wer seid Ihr?" frug der Jäger; ,, wer allein sucht Da nahm der Jäger aus seiner Brust das WeberWisse, wer dieses Thal verläßt, kehrt nie dahin mich in Einsamkeit und Dunkel auf?" Wir sind das Zwillingspaar Sinnlichkeit," riefen schiff der Fantasie und wand den Faden seiner Wünsche darauf; dann saß er die ganze Nacht und wob zurück. Und wenn er gleich an seiner Schwelle sieben Tage und Nächte lang Blut weinen sollte, könnte sein sie ihm zu.„ Unser Vater heißt„ Menschliche Natur" und Als der Morgen graute, breitete er das goldene Fuß dieselbe nie wieder überschreiten. Das Thal verlassen, unsere Mutter nennt sich„ Ausschweifung“. Wir sind so Nez am Boden aus und warf ein paar Körnchen Leicht- heißt es für immer verlassen. Der Weg, den Du wan- alt wie Berg und Fluß, so alt wie der erste Mensch, aber gläubigkeit hinein, die ihm seine Väter vererbt hatten, bern willst, bietet keine Entschädigung, keinen Lohn. Wer wir sterben nie," lachten sie. und die er in seiner Brusttasche trug. Sie glichen den ihn wählt, geht freiwillig, von der heißen Liebe getrieben, weißen Bofisten, und wenn man auf sie trat, so flog ein die in ihm wohnt. Das Werk selbst ist sein Lohn." feiner brauner Staub empor. Darauf setzte er sich neben den " Der Name des Vogels ist Wahrheit. Wer sie je geschaut, um dessen Ruhe ist es geschehen. Bis an Tod hat er nur den einen Wunsch: sie zu besitzen." Und der Jäger rief aus: „ D, sage mir, wo ich sie finden kann." Aber der Mann antwortete: Du hast noch nicht genug gelitten," und damit ging er seines Wegs. ein Nez. Der Jäger erhob sich:" Ich will mich auf den Weg machen," sprach er. Aber Weisheit hielt ihn zurück. " das Netz und wartete der Dinge, die da kommen sollten. welchen Pfad soll ich auf jenen Bergen einschlagen?" Der erste Vogel, der sich im Netz fing, war schneeweiß, „ Oh, laß mich meinen Arm um Dich schlingen," rief das erste Licht; er ist weich und warm. Dein Herz „ Ich gehe," erwiderte der Jäger,„ aber sage mir, ist erstarrt, aber ich will es wieder schlagen machen. Oh, tomm' zu mir."„ Ich will Dir mein glühendes „ Ich bin das Kind der angesammelten Erkenntniß Leben einflößen," sagte das zweite Licht. Dein Gehirn Oh, laß es er hatte sanfte Taubenaugen und sang ein schönes Lied: aller Zeitalter," sagte der Mann.„ Ich kann nur gehen, ist erstarrt, und Deine Glieder sind abgestorben, aber ich Ein Gottmensch! ein Gottmensch! ein Gottmensch!," so wo Viele vor mir gewandert sind. Nur wenige Füße will sie mit freiem, stolzem Leben erfüllen. ,, Dh folge uns", riefen sie, und lebe mit uns. sang er. Darauf kam ein schwarzer, mystischer Vogel, haben jene Berge beschritten. Jeder ist daselbst sein eigener Dir einflößen!" mit dunklen herrlichen Augen, die in die Tiefe der Seele Pfadfinder. Er geht auf seine Gefahr hin; meine Stimme kann ihn nicht mehr erreichen. Ich kann ihm folgen, aber Edlere Herzen als das Deinige haben hier im Dunkel geharrt und find zu uns, und wir zu ihnen gekommen, schauten, und er sang nur:„ Unsterblichkeit!" Alles Und der Jäger schloß sie beide an sein Herz, denn ich vermag nicht, ihm vorauszueilen." Damit verschwand Weisheit. Und der Jäger wandte und sie haben uns nie wieder verlassen, nie! er sprach: Sie gehören sicher zur schöner Familie der Wahr- sich um. Er ging zu seinem Käfig und zertrümmerte mit Andere ist Täuschung, aber wir, wir sind Wirklichkeit. eigener Hand das Gitterwerk, und die rauhen, spißen Die Wahrheit ist ein Schatten, das Thal des Aberglaubens heit." fühle uns anwir leben. An uns kannst Dann kam noch ein anderer grün- goldiger Vogel, Eisenstangen zerrissen das Fleisch. Oft ist es leichter zu eine Poffe; die Erde ist Staub, die Bäume sind Fäulniß, welcher mit gellender Stimme sang, wie Jemand, der auf bauen, als niederzureißen. aber wir Du nicht zweifeln. Fühle, wie lebenswarm wir find. Oh, komm' zu uns! Komm' mit uns!" Näher und näher umschwebten sie sein Haupt, und die kalten Tropfen auf seiner Stim begannen zu schmelzen. Der glänzende Lichtschein drang in seine Augen und blendete ihn, das erfrorene Blut strömte wieder durch seine Adern. Und er sprach: „Ja, warum sollte ich hier in diesem entsetzlichen Dunkel sterben? Sie sind warm, sie machen mein gefrorenes Blut aufthauend!" Und er streckte die Arme aus, die Irrlichter zu ergreifen. In demselben Augenblick erschien vor seinen Blicken das Bild der Wahrheit, die er geliebt hatte, und er ließ die Arme sinken. „Komm' zu uns!" riefen sie. Aber er vergrub das Antlitz in die Hände. „Ihr blendet meine Augen, Ihr wärmt mein Herz, aber Ihr könnt mir nicht geben, was ich wünsche. Ich will hier warten, warten bis ich sterbe. Geht!" Er schlug die Hände vor das Gesicht und wollte nicht länger hören. Als er wieder aufschaute, waren es wieder zwei blinkende Sterne, die in der Ferne verschwanden. Und die lange, lange Nacht dauerte weiter. Jeder, der das Thal des Aberglaubens verläßt, zieht durch jenes dunkle Land; jedoch Einige durchwandern es in wenigen Tagen, Andere verweilen darin Monate, noch Andere gar Jahre und Viele sterben daselbst. Endlich bemerkte der Jäger einen schwachen Licht- schimmer am Horizont dahinspielen; er stand auf, ihm zu folgen, und als er das Licht erreichte, trat er in den vollen Sonnenschein. Vor ihm starrten die allgewaltigen Bergmassen der„trockenen Thatsachen und Wirklich- leiten" gen Himmel. Der klare Sonnenschein spielte über sie dahin, und ihre Gipfel verloren sich in den Wolken. Am Fuße sah man viele Pfade aufwärts führen. Ein Jubelschrei entrang sich der Kehle des Jägers. Er wählte den geradesten Steig und begann emporzuklimmen; Felsen und Spalten erklangen von seinem Liede. Man hatte übertrieben; Alles in Allem genommen war es nicht so hoch und der Weg war nicht so steil! Wenige Tage, wenige Wochen, höchstens wenige Monate, und er hatte den Gipfel erreicht! Nicht nur eine Feder wollte er etwa aufheben; nein, alle die Andere gefunden, wollte er sammeln; er wollte das Netz weben— die Wahrheit einfangen— sie festhalten— mit seiner Hand fühlen— sie an sein Herz drücken. Er lachte in den heiteren Sonnenschein hinein und sang laut. Der Sieg stand nahe bevor. Jedoch nach kurzer Zeit wurde der Pfad steiler. Er bedurfte all' seines Athems, um emporzuklimmen, und der Gesang erstarb auf seinen Lippen. Rechts und links thürmten sich düster dräuende Felsen, jedem Mooses, der kleinsten Flechte bar, und aus der lavaähnlichen Masse gähnten ihm schauer- liche Klüfte entgegen. Hier und da schimmerten gebleichte Gebeine. Der Pfad war nun auch weniger und immer weniger betreten, endlich ward er zu einer bloßen Spur, die hier und da den Abdruck eines Fußes zeigte, dann hörte er ganz auf. Er sang nicht mehr und bahnte sich seinen eigenen Weg bis er zu einer mächtigen Felswand kam, die sich in ununterbrochener glatter Fläche so weit erstreckte, als das Auge reichte.„Ich will eine Treppe an dieser Felsenmauer hinaufbauen, denn wenn sie nur einmal erklimmt ist, so muß ich fast am Ziele sein," sagte er muthig und ging an die Arbeit. Mit dem Webeschiffchen der Fantasie grub er Steine; aber die Hälfte von ihnen erwies sich als ungeeignet für seinen Zweck, und was er während eines halben Monats aufgebaut, rollte in die Tiefe, weil die zu Grunde liegenden Steine schlecht gewählt waren. Allein der Jäger arbeitete weiter und sagte sich nur:„Wenn nur erst die Felswand er- klimmt ist, so muß ich fast am Ziele sein. Wenn nur erst dieses Stück Arbeit vollendet ist." Endlich gelangte er aus den Gipfel und schaute um sich. Tief unter ihm lagerten weiße Nebel über dem Thal des Aberglaubens und über ihm thürmten sich Berge über Berge. Vorher hatten sie niedrig geschienen, jetzt waren sie unermeßlich hoch, von dem Fuße bis zur Spitze von Felswänden umringt, die sich in mächtigen Kreisen enger und enger zusammendrängten. Ueber ihnen spielte ewiger Sonnenschein. Er stieß einen wilden Schrei aus. Er bückte sich zur Erde nieder, und als er sich erhob, war sein Antlitz weiß. Im tiefsten Schweigen ging er weiter. Er war nun sehr still geworden. Es füllt dem Thalgeborenen schwer, die dünne Luft jener hohen Regionen zu athmen; jeder Athemzug schmerzte den Jäger, Blut quoll aus seinen Fingerspitzen. Er begann die folgende Felswand zu bearbeiten. Diese schien unendlich hoch, aber er sagte nichts. Der Klang seines Werkzeugs hallte Tag und Nacht über die ehernen Felsen dahin, in die er Stufen grub. Jahre vergingen, und er arbeitete noch immer, aber über ihn thürmte sich noch Felswand über Felswand bis gen Himmel. Ost betete er, daß ein arm� seliges Moos, eine kümmerliche Flechte an der nackte« Felswand sprießen und ihm Gefährte sein möchte, aka das geschah nie. Und die Jahre verflossen: er zählte sie nach deir Stufen, die er in das Gestein gehauen, es waren wenige in einem Jahr, sehr wenige. Er sang nicht mehr, er sprach nicht mehr:„ick will das oder jenes thun"— er arbeitete nur. Und Nachts, wenn sich die Dämmerung herabsenkte, starrten ihn aus Klüften und Felsspalten selt- same wilde Gesichter an. „Halt ein, mit Deinem Werk, einsamer Mann, und sprich mir uns," riefen sie ihm zu. „Mein Heil liegt in der Arbeit. Sobald ich sie auch nur für einen Augenblick unterbräche, würdet Ihr Euch an mich heranschleichen, Euch meiner bemächngen," erwiderte er. Und sie reckten ihre langen Hälse nach ihm. „Wirf einen Blick in die Spalte, die zu Deinen Füßen gähnt", sagten sie.„Schaue, was dort liegt: gebleichtes Gebein! Ein Mann, so Dir an Much und Kraft nichts nachgab, erklimmte diesen Felsen. Und er schaute empor. Er sah ein, daß es keinen Zweck hatte, länger zu kämpfen: er würde nie die Wahrheit halren, sie nie sehen, nie finden. So legte er sich hier nieder, denn er war sehr müde. Er schlief für immer ein. Er streckte sich zum Schlaf hin. Im Schlaf ist Ruhe. Du bist nie einsam, wenn Du schläfst, weder Hände noch Kops schmerzen Dir." Und der Jäger lachte vor sich hin:„Habe ich von meinem Herzen das Theuerste gerissen, bin ich einsam durch das Land der Nacht gewandert, habe ich der Versuchung widerstanden, bin ich geblieben, wo die Stimme meines Gleichen nie vernommen wird, und habe ich dort einsam gearbeitet, nur damit ich mich nieder- lege, und Euch, ihr Harpien, zum Raube falle?" Er lachte stolz auf, und die„Stimmen der Ver- zweiflung" flohen davon, denn das Gelächter eines muthigen, starken Herzens wird für sie zum Todesstoß. Jedoch sie krochen abermals hervor und grinzten ihn an. „Weißt Du, daß Dein Haar schneeweiß ist?" frugen sie,„daß Deine Hände wie die eines Kindes zittern? Siehst Du, daß Dein Schiffchen die Spitze verloren hat? daß es schon gesprungen ist. Wenn Du je noch diese Stufe erklimmen solltest, fügten sie hinzu, so wird es Deine letzte sein. Du ersteigst keine andere mehr." Und er antwortete:„Ich weiß es" und arbeitete weiter. Die altersschwachen Hände konnten das Gestein nur schlecht und unregelmäßig behauen, denn die Finger waren steif und kmmm. Die Schönheit und Kraft des Mannes war dahin. Endlich schaute ein altes, verfallenes und runzliches Gesicht über die Felsen. Er sah, wie sich ewige Berge mit Felsenwänden bis zu den weißen Wolken erhoben, aber sein Werk wai? vollbracht. Der alte Jäger faltete die müden Hände und legte sich neben dem Abgrund nieder, wo Arbeit seine Lebens- kraft verzehtt. Endlich war die Schlafenszeit gekommen. Unter ihm zogen dichte weiße Nebelmassen über die Thäler dahin. Einmal theilten sie sich, und durch den Riß schauten die Augen des Sterbenden auf die Gefilde seiner Kindheit hinab. Aus weiter Ferne schien der Schrei seiner eignen wilden Vögel an sein Ohr zu schlagen, und er Hörle den Lärm des Volks, das unter Gesang tanzte. Und er glaubte die Stimmen seiner ehemaligen Kameraden zu unterscheiden; und er sah, wie in weiter Ferne seine alte Heimath im Sonnenlicht erglänzte. Große Thränen sammelten sich in seinen Augen. „Ach, wer dort stirbt, stirbt nicht einsam!" rief er aus. Dann ballten sich die Nebelmassen wieder zusammen, und er wendete seine Augen ab. „Ich habe gesucht," sprach er,„Jahre, lange Jahre habe ich gearbeitet, aber ich habe sie nicht gefunden. Ich habe mir weder Ruh noch Rast gegönnt, ich habe nicht gemurrt, und ich habe sie nicht gesehen, nun ist meine Kraft zu Ende. Wo ich erschöpft und kraftlos nieder- gesunken bin, werden andere, junge, lebensftische Männer stehen. Aus den Stufen, die ich in den Fels gehauen, werden sie emporklimmen; mittels der Treppe, die meine Hände gebaut, werden sie die Höhe ersteigen. Sie werden nie den Namen des Mannes erfahren, dessen Werk das ist. Sie werden über, die ungeschickte Arbeit lachen, und wenn Steine in die Tiefe rollen, so werden sie mir fluchen. Aber trotz alledem werden sie emporsteigen, und zwar mittels meines Werkes, sie werden aufwärtsklimmen und auf meiner Treppe! Sie werden die Wahrheit finden und durch mich! Und unser Keiner lebt ihm selber, unser Keiner stirbt ihm selber." Thränen rollten unter den runzlichen Lidern hervor. Wenn die Wahrheit jetzt in den Wolken über ihm erschienen wäre, er hätte sie nicht mehr sehen können; Todesschatten breiteten sich über seine Augen. „Meine Seele hört ihren jubelnden Anmarsch," sagte er,„und sie werden die Höhe ersteigen! sie werden sie ersteigen!" Er hob die nmzliche Hand an die Augen. Da fiel, fiel und fiel Etwas langsam von dem weißen Himmel durch die stillen Lüfte. Langsam flatterte es herab und fiel auf die Brust des Sterbenden. Er tastete mit der Hand darnach. Es war eine Feder. Er starb mit der Feder in der Hand. �er„Verein der anhaltischen Arbeitgeber"! f □ Klopfet an, so wird Euch aufgethan! Jawohl, -aber langsam und zögemd, wenn man nichts bringt; denn nur den Geschenke Tragenden stehen die Thürcn offen. Ein lautes und wiederholtes Pochen ist aber erforderlich, wenn man gar kommt, um zu fordern. Am liebsten ließe man den unbequemen Mahner gar nicht vor, man stellt sich taub, man will nicht hören, was am Thore lärmt. Erst wenn der Lärm so groß wird, daß die großen und kleinen Hunde im Hause und in der Nachbarschaft mit einstimmen, erst wenn die Nachbarn in ihren Zipfelmützen zum Fenster hinaus um Ruhe rufen, damit der ruhige Bürger weiter den Verdauungsschlaf pflegen kann, erf wenn der Polizist, der zu viel zu thun hat, zu lange auf sich warten läßt: dann öffnet sich ein Fenster, eine mürrische Stimme ruft:„So machen Sie doch keinen Skandal, ich werde Sie arretiren lassen, stören Sie die Leute nicht im Schlaf! Ich mache ja schon von selbst auf!"— Nun wird es wieder still im Hause, der Hausherr uuschl, ob sich doch nicht noch der schlürfende Schritt des Wächters oder der Tritt der Schaarwache hören läßt, die ven„Ruhestörer" verhaften. Aber leider, es kommt nichts, das Pochen beginnt wieder. „So warten Sie doch, ich komme ja schon!" Die Thür öffnet sich um eine Kleinigkeit, eine große Sicherhcits- kette ist vorgelegt, und ein bissiger Haushund steckt schnappend seine geifeririefende Schnauze durch die Spalte. „Nun, was wollen Sie, Sie sehen ja, wie sehr ich Ihnen entgegenkomme! Wozu der Lärm! Geld wollen Sie? ich schulde Ihnen hundert Piaster, meinen Sie! Ihre Geduld wäre zu Ende, Sie hätten lang genug geharrt! Ja, lieber Freund, ich bin sehr human und thue gerne, was ich irgend kann, aber das verträgt mein Geldbeutel nicht! Sehen Sie die Konkurrenz! Da wird Morgen das Nachbargrundstück versteigert. Es ist ein schönes Stück Geld dabei zu verdienen, das darf ich mir nicht entgehen lassen, das sehen Sie wohl selbst ein. Da kann ich kein Geld missen. Ich habe so noch viel zu wenig. Wer Schulden bezahlt, zersplittert sein Vermögen. Sie dürfen auch ferner wieder für mich arbeiten und mehr als früher, wenn ich das neue Grundstück noch dazu habe, Sie sehen wohl die Harmonie! Denken Sie an die Ver- mehrung des Nationalwohlstandes, wenn ich immer reicher werde." Ich bin übrigens nicht so! Hier! hier! da nehmen Sie! Sie sehen, ich gebe, was ich kann! Ihre erreichbaren Forderungen sind erfüllt! Und nun, Allah sei mit Ihnen, sehen Sie, dort an der Ecke blitzt der Spieß eines Kawassen! Seien Sie hübsch ruhig und machen Sie sich keine Ungelegenheit!" Klapp, die Thür fällt zu. Das geschieht natürlich weit hinten in der Türkei, bei uns kommt so etwas nie vor, denn wir leben im Lande der Gottesftircht und der guten Sitten. Wir treiben praktisches Christenthum, da wird derjenige, welcher an- klopft, nie eingesteckt, wenn er eine gerechte und alte Forderung hat. Das passirte aber unserem Frennde da hinten in der Türkei! Als er so wieder allein, anfangs etwas verdutzt von der Rede, auf der Straße stand, und ansah, daß er eine Anweisung auf eine Portion Armensuppe und, statt eines Piasters in Geld, einen blanken Rechenpfennig von Messing in der Hand hatte, da rief er:„Halbmond Millionen Schock Tonnerwetter!" und wollte wieder zu pochen be- ginnen. Nun ist in der Türkei aber Fluchen auf der offenen Straße verboten. Es sei denn ein„Jmann", wie dort die Herren Geistlichen genannt werden, verfluche Jemanden auswendig und inwendig. Der Kawasse ergriff also den Uebelthäter und sprach: Warum fluchst Tu!—„Der Kerl da will mir nicht bezahlen, was ich zu fordern ein Recht habe!"— So gehe zum Kadi!—„Das ist ja sein Bruder, der wirft mich hinaus!"— So gehe zum Effendi, da wird Dir Dein Recht!—„Das ist ja sein Schwager, der prügelt mich durch!"— So rede doch Deine Sache vor dem Pascha!—„Das ist sein Onkel, der steckt mich ein! Klopfen will ich, anklopfen, bis mir aufgethan wird!" — Ja Freund! da muß ich Dich einstecken. Komme mit, Tu bist ein Rebell und willst den Staat und die Gesell- schaft umwerten.— Der Kadi verurthcilte ihn, das Ober- Türken-Gericht bestätigte das Unheil, er mußte lange sitzen, weil er zu laut gemahnt hatte. Es kamen aber immer und immer wieder die Klopfer, es wollte gar keine Ruhe mehr geben, nach welche der arme reiche Türke so sehr verlangte. Den Klopfem tharen sich freilich meistens die Thüren der Gefängnisse, aber nicht die Schlösser der Geldbeutel auf, denn diese liebt der Türke über Alles. Er nennt sie Nationalwohlstand, was ja natürlich falsch ist. Aber das sieht ja ein Türke, der ein Barbar ist, nimmer ein. Man sann nach, wie dem Uebel des ewigen Klopfens zu begegnen sei und be- gann allerlei krause und wunderbare Sachen zu machen, die alle insgesammt nur das eine gemeinsame hatten, die Klopfer nicht zufrieden zu stellen, weil diese nicht zu über- zeugen waren, daß Rechenpfennige Piaster seien. Man klopfte immer lauter, man klopft noch und vertraut noch immer dem Wort:» „Klopfet an, so wird Euch aufgethan." Obgleich es nun bei uns ganz anders ist, wie in der Türkei, so giebt es doch auch bei uns eine Menge Klopfer. Man sagt, es wären so Alles in Allem, Männlein und Weiblein, Wühler und Nichtwühler, die Kinder nicht ge- rechnet, erheblich mehr als zwei Millionen, die schon jetzt lhätig stnd, und sie vermehren sich. Das wird unangenehm. Der Fürst Lichtenstein sagte einst im österreichischen Reichstage, als man da den Normalsarbeitstag berieth:„Es darf die Volkswinhschaft nicht einem Gladiatoren-Kamps- spiele gleichen, dem modeme Heiden vom sicheren Amphi- theater aus zuschauen. Hätten wir selbst das schlechte Herz der Römer, die mit dem Daumen das Zeichen zum Tode der Besiegten geben, aus der Arena tönt uns nicht der gutmüthige Ruf entgegen: Die in den Tod Gehenden grüßen Dich!— Im Gegentheil, die Fechter zeigen Lust, die Waffen gegen das Publikum zu kehren." So der konservattve und ulttamontanc Fürst Lichten- fiein. Nun find zwar die Mehrzahl dieser Zuschauer heute noch der Ansicht, es hat wenig Gefahr. Daß den Gladiatoren nicht zu trauen ist, ist ja richtig, aber die Mauern sind hoch und die Kohorten sind nahe und stark. Das ist so die Ansicht der Herren Ackermann und Genossen. Sie glauben daher, wir können das Gedränge auf dem Es waltet ein böser Zauber im Lande, selbst über die besten Absichten. Er verkehrt sie in's Gegentheil, sobald es nur halbe Maßregeln sind. Und es ist so häßlich daran zu denken, was eigentlich geschehen muß. Recht wird. So eine halbe aber jedenfalls gut gemeinte Maßregel erblicken wir in dem Vorgehen der anhaltischen Fabrikanten, die aufgeregt durch das Klopfen der mahnenden Arbeiter, zu der Ueberzeugung gekommen sind: es muß etwas geschehen. " Hilfskaffen, Förderung des Spartriebes! Kampfplatz zu Ungunsten der Schwächeren immer noch| Dechelhäuser, der Geheime Rath, sicher nicht im Verdacht,| klamiren nicht mehr das Recht auf Arbeit, fie verweisen etwas vermehren. Die Arbeitsbücher können gar nicht die Arbeiter zu Herren der Lage in den Fabriken machen auf die Bedürfnisse der Menschen und ihr Recht, sowie schaden, die erleichtern einem Theil den Kampf. Das zu wollen. Er wird sicherlich nicht zu viel vorgeschlagen die Möglichkeit, dieselben zu befriedigen. Im Gegensatz find unsere Freunde. Kommen andere dabei unter die haben, da soll aber noch abgeknappt werden! zu ihren Vorläufern wissen sie nichts von einer vollFüße, so ist es ihr Schade. Solche Scheinvertretungen der Arbeiter spielen tommen tugendhaften Menschheit, welche das Gute um Andere sind klüger. Sie haben so eine Ahnung von bei den reaktionären Volkswirthen eine sehr große Rolle. des Guten willen thut, sondern sie lassen sich bei ihren den Gewalten, die da unten schlummern, und möchten Sie sind der Rechenpfennig, den man dem Klopfer statt Forderungen und der Begründung derselben von der gerne beruhigen, vielleicht auch helfen. Sie hören das Gold geben möchte. Wir haben sie in den berüchtigten Rücksicht auf die historisch- ökonomischen Faktoren, von der Klopfen auch an ihrer Thür. Wir geben auch zu, viele Gesellenausschüssen der Innungen und begegnen ihnen nun Logik der Thatsachen und den gesellschaftlichen Bedürfnissen von ihnen möchten gerne den Mahnern gerecht werden, hier wieder. Die Arbeiter wissen ganz genau, was diese leiten. fie haben wohl gute Absichten, aber das Geld, das sie Münzen werth sind, sie haben viele Erfahrung darüber, Die französischen Kollektivisten lassen auch eine soziale, durch die Thüröffnung hinauslangen: es sind immer nur und weigern sich deshalb den Innungen gegenüber mit von der Gesellschaft kontrolirte Autorität zu, welche über Rechen- oder höchstens Bettelpfennige, die nicht sättigen, ziemlichem Erfolg zu dem Humbug die Hand zu bieten. Erfüllung aller der Gesellschaft schuldigen Pflichten wacht, die die Hand nicht füllen. Den Fabrikarbeitern wird es so gut nicht werden, denn dem Einzelnen seine den gesellschaftlichen Bedürfnissen entdie Gewalt der Fabrikanten über die Arbeiter ist eine sprechende Arbeit zuertheilt, auf deren Leistung der dem weit größere als die der Innungen über die Gesellen, selbst individuellen Bedürfnisse entsprechende Konsum folgt. Die Formel von 1848: Jeder nach seinen Kräften, Jedem wenn den Innungen alle Polizei hilft. Die Fabritarbeiter werden dem Entstehen der„ Ar- nach seinen Bedürfnissen" ist nicht mehr die des französischen beiterräthe" nur selten ein Hinderniß entgegenseßen können, Kollektivismus. Doch nur dann, wenn man sich entschließen wird, und diese Räthe sind wiederum viel abhängiger als der Der Kollektivismus bildet ein soziales System, das mit festem Niederkämpfen all' des Widerwillens, das die Gesellen- Ausschuß, also noch werthloser. Arbeitet der auf die Solidarität der Arbeitenden gegründet ist. In " gute Gesellschaft" gegen das Proletariat hat, um, wie Geselle nicht mehr beim Innungsmeister Schulze, so geht er der kollektivistischen Gesellschaft, so meinen die Guesdisten, die schöne Prinzessin im Märchen, dem verachteten Frosch zum Nichtinnungsmeister Müller, oder findet sogar beim wird Jeder( Kranke, Alte 2c. natürlich ausgenommen) könig den Kuß der Pflicht zu geben, dann wird aus der Innungsmeister Schmidt, dem Konkurrenten des Schulze, irgend eine Arbeit verrichten müssen, deren Dauer je nach häßlichen sozialen Frage, indem er die Hüllen sprengt, Beschäftigung. Wer aber aus einer großen Fabrit ent- den Bedürfnissen der Gesellschaft und der Vollkommenheit der glänzende Königssohn hervortreten: die neue Wirth- lassen wird, die vielfach die einzige Arbeitsgelegenheit für der Arbeitsinstrumente variirt. Jeder Einzelne hat also schaftsordnung, in welcher jeder Arbeit ihr Lohn und ihr ihn in weiterer Umgegend ist, ist viel schlimmer daran, das größte Interesse daran, irgend eine Vervollkommung besonders, da durch die humanen" Arbeiterwohnungen der Produktion herbeizuführen, die Macht der Technik und häufig auch dafür gesorgt ist, daß er mit dem Tage der Maschinerie zu entwickeln, da dadurch eine Verkürzung der Entlassung die Wohnung verliert. Arbeitszeit und eine größere Herrschaft des Menschen über O, es ist etwas Schönes um so einen Arbeiterrath! das Arbeitsinstrument und damit eine größere Freiheit Er ist das Muster einer Vertretung, wie sie die Herren der persönlichen Entwickelung bedingt wird. Jede neue Kartellbrüder der Regierung gegenüber kaum besser selbst Entdeckung schlägt also zum Vortheile jedes Einzelnen Sie haben sich zu einem Verein der anhaltischen herstellen können, und das will viel sagen. aus, verleiht ihm größere Freiheit, während heutzutage Arbeitgeber" zusammengethan. Ueber die Gründung desgerade das Gegentheil der Fall ist: jede neue Entdeckung selben berichtet der Dessauer Staatsanzeiger" fol- Huia! uns ist so, als haben wir diese Melodie schon und Vervollkommnung auf irgend einem Gebiete der Technik gendes: in der Kindheit gehört. Unsere Amme muß sie wohl ge- und Produktion gestaltet das Loos der Arbeitenden noch Am 8. November tagte in Dessau eine von den beiden Reichs- sungen haben, dem sozialen Frieden ist sie aber nicht son- härter und unerträglicher. Je mehr die Maschinerie die tagsabgeordneten Geh. Rath Dechelhäuser und Geh. Nath Ziegler, derlich förderlich gewesen. Man erzählte uns aber meist, Arbeitszeit verkürzt und die Produktion erleichtert, um so sowie dem Kommerzienrath Dr. Reichardt, Direktor der Dessauer Zuckerraffinerie, und Herrn Wels, Direktor der Berlin- Anhalter daß solche Sachen sehr gute Dienste thun, um die Arbeiter länger und schwerer muß der Lohnarbeiter schaffen, um Maschinenbau- Aktiengesellschaft, einberufene engere Versammlung von an die Fabriken zu fesseln. Die Fesseln hören wir da seinen Lohn auf der Höhe zu erhalten, welche nothdürftig Industriellen und Repräsentanten der landwirthschaftlichen Industrie, klirren. Erzwungene Abzüge zu Kassen, woran der Arbeiter ein elendes Leben ermöglicht. Und die sind noch die um die Bildung eines Vereins der anhaltischen Arbeitgeber" zu alle Rechte verliert, wenn er freiwillig oder nicht die Glücklicheren, denen nur dies geschieht, denn Tausende berathen, dessen Zweck die Verbesserung der sozialen Stellung und materiellen Lage des Arbeiterstandes sein soll. Nachdem der Vorsiz Fabrik oder den Fabrikenverband verläßt. Im Fabriken- werden von der Maschine direkt aus der Fabrik, der dem Herrn Geh. Nath Dechelhäuser übertragen worden, begründete verband wird auf Ordnung" gehalten. Wer muckst, Werkstatt verjagt und in die Reihen der industriellen derselbe den vorgelegten Statutenentwurf, wonach in erster Linie die wird entlassen und findet im Verbande keine Arbeit wieder. Reservearmee gedrängt. Aber die Verhältnisse können Bildung einer Arbeitervertretung( Arbeiterrath) in jedem einzelnen Die Reservearmee ist ja groß genug. Wir sagen nicht, über die Natur des Vorganges nicht täuschen, es ist nicht Unternehmen in's Auge gefaßt wird, demnächst aber die Bildung von Hilfskaffen, aus Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeiter, denen daß das alles beabsichtigt ist, aber es bildet sich ganz das Wesen der Maschinerie und Technik, welches zu einem sich später Vorkehrungen zur billigen Beschaffung der nothwendigsten von selbst so aus. Das liegt in der Natur unserer wirth- Fluch für den Arbeitenden wird, sondern nur deren Lebensbedürfnisse, zur Förderung des Spartriebs der Arbeiter u. 1. w. schaftlichen Verhältnisse. Diese bedingen einen Kampf individueller Besiz und deren individuelle Ausbeutung. anschließen sollen. Wesentlichere Meinungsverschieden zwischen Kapital und Arbeit. Jede Vereinigung von Indem also der Kollektivismus die Produktionsmittel fichtlich des Umfanges der den Arbeiterräthen einzu- Unternehmer oder Arbeiter wird gegen die Absicht der als gesellschaftliches Eigenthum erklärt, wird die Maschine heiten traten nur seitens einiger Anwesenden hinräumenden Befugnisse hervor; aber auch diese Differenzen Gründer oder mit derselben zum Kampfverein gegen den sozusagen für Alle arbeiten, ihre Vortheile werden Allen waren nicht so tiefgehend, um nicht eine vollständige Einigung nach anderen Theil. Nein, diese Vereinigung ist nicht die zu Gute kommen. Er strebt also nach einer möglichst Bornahme verschiedener Abänderungen des Statuts in bestimmte Märchenprinzessin, die den Königssohn entzaubert und den entwickelten und vervollkommneten Technik, welche die Aussicht nehmen zu dürfen. Im Uebrigen begegneten die Bestim= mungen des Entwurfs nur unwesentlichen Ausstellungen, während sozialen Frieden herstellt. Thätigkeit des Menschen bei der Produktion auf ein mög= die Idee der Vereinsgründung die allseitige lebhafte Zustimmung Wir sehen einen Unternehmerverband entstehn, liches Minimum beschränkt. Mit anderen Worten: er fand. Eine aus 11 Mitgliedern( darunter zwei Vertreter der land- die Gründer haben die besten Absichten, aber er wird sich will die Unterwerfung des Stoffes und der Elemente wirthschaftlichen Industrie und die Chefs der größten Firmen Anhten im Sinne der heute geäußerten Ansichten und die demnächstige wachsen; die Arbeiter haben ihm vorläufig dort nichts arbeitenden Menschheit. Jeder Fortschritt der Maschinerie, halts) beſtehende Stommiffion wird die endgiltige Revision der Sta- ganz sicher zum Kampfverein gegen die Arbeiter aus unter den Menschen, im Dienste und zum Woble per Einberufung der konstituirenden Generalversammlung bewirken, zu entgegenzustellen, da man einen solchen Arbeiterverein der angewandten Wissenschaft soll der gesammten kollektider alle Arbeitgeber Anhalts und der anstoßenden Distrikte ein- sofort unterdrücken würde. Eins ist der Verein sicherlich: vistischen Gesellschaft zum Nußen gereichen, das Wohlsein gelaben werden sollen. Zum Schluß unterzeichneten sich bereits 15 Ein Zeichen, daß man das Klopfen gehört hat, daß man eines Jeden vermehren, die kollektivistische Arbeitslaft der anwesenden Arbeitgeber, die zusammen nicht weniger als 3130 Arbeiter beschäftigen, vorbehaltlich endgiltiger Festsetzung der Statu- im Hause erwacht ist, daß man sich beunruhigt fühlt. herabseßen, ohne dadurch die für den gesellschaftlichen Es ist unsere Pflicht, weiter zu pochen, bis man ganz Konsum nöthige Produktion zu vermindern. ten durch die Generalversammlung, als Mitglieder des künftigen Vereins; außerdem lagen schriftliche Beitrittserklärungen größerer aufthut. Arbeitgeber vor, u. A. auch des Herrn Rösicke. Der Versammlung wohnten fieben Arbeiter aus Dessauer Fabriken bei, die beim Entwurfe der Statuten zur Berathung zugezogen worden waren. Auch ber Fabrikinspektor Oberbergrath Lehmer, der Kreisdirektor Braune und der Vorsteher der fiskalischen Salzbergwerke, Herr Weißleder, nahmen an der Versammlung Theil. Bei dem nachfolgenden Mittagessen ward vielfach, auch seitens zweier Arbeiter, der Freude Ausbruck gegeben, einen Boden für Förderung des sozialen Friedens geschaffen, auch in Anhalt die erste größere Vereinigung von Arbeitgebern erstehen zu sehen, welche sich die gleichzeitige und möglichst Entwickelung und Charakter der französischen Arbeiterparteien. VIII. Warum nennen sich die französischen Sozialisten Kollektivisten? Das Wort Kollektivismus ist synonym mit Kommunismus, jedoch ziehen die französischen Genossen die erstere Bezeichnung vor und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens wollen sie nicht mit den sentimentalen utopistischen Kommunisten verwechselt werden, und zweitens sind sie der 3 Trotz des Zwiespaltes und der Zänkereien, welche Ansicht, daß dem Kommunismus, zu dem die Menschheit gleichförmige Durchführung eingreifender sozialer und humanitärer die franzöſiſchen Sozialisten unter einander zerfleischen, ist strebt und in welchem Produktion und Konsum gemeinEinrichtungen zum Ziele gefegt hat; ein Vorgang, der nicht ohne Eins nicht zu verkennen: sie werden von der Logik der schaftlich vor sich gehen werden, eine Uebergangsperiode Thatsachen gezwungen, sich in ein und derselben ganz mit dem Kommunismus der Individualismus noch herrschen. vorausgehen wird. In dieser Periode wird neben und Nachfolge bleiben dürfte."" wir sagten schon, wir zweifeln nicht an dem guten beſtimmten Richtung vorwärts zu bewegen und weiter zu Die Produktion wird eine gemeinschaftliche sein, aber der Willen der Herren Geheimen- und Kommerzienräthen, entwickeln, sie müssen der Strömung des Zeitgeistes folgen. Direktoren u. j. w., sehen aber für die Arbeiter daraus Der großen Mehrheit nach marschiren sie unter dem Konsum wird noch individuell bleiben; Jeder wird unter durchaus nichts Ersprießliches hervorgehen. Die 7 Arbeiter Banner des modernen Sozialismus, nur mit dem Unter- irgend einer Form seinen Arbeitsantheil, einen Theil für unbekannter Herkunft, die der Verhandlung beigewohnt schied, daß ihm die Einen bewußt und konsequent folgen, die gesellschaftlichen und ihm zu Gute kommenden oder haben und von welchen zwei auch der Freude Aus- die Anderen noch unbewußt und vielfach zögernd, unent- zur Verfügung stehenden Einrichtungen abgerechnet, er= Abgesehen von etlichen jungen und alten halten und kann ihn nach seinem Belieben verbrauchen. brud gegeben haben, imponiren uns natürlich möglichst schloffen. wenig. Wir hätten gewünscht, die Herren Arbeitgeber Wirrköpfen und Konfusionsräthen hat das Gros der Unterdeß wird der Einfluß der kollektivistischen Mitte die hätten diese Dekoration unterlassen, dann hätte das französischen Sozialisten nichts mehr gemeinsam mit individuellen Instinkte zerstören und allmählich auch den Bild vielleicht nicht so sehr den Beigeschmack der Mache den Sozialisten der vierziger Jahre, von deren Verbrauch in Gemeinschaft herbeiführen. Erst dann, d. h. nach bekannten Rezepten gehabt. Was sollten die armen sentimental Kleinbürgerlicher Utopisterei sich ihre durchaus wenn Produktion und Konsum gemeinschaftlich vor sich Leute da? Sie waren doch sicherlich so ausgewählt, daß realistische Auffassung der gesellschaftlichen Entwickelung gehen werden, erst dann ist der rein kommunistische Zuman eine Störung ber Harmonie von ihnen nicht erwarten streng unterscheidet. Sie erwarten nichts mehr vom gudas ist die kollektiviſtiſche Periode, der Kollektivismus ist stand der Gesellschaft da. Jenes Uebergangsstadium aber, konnte. Sie stellten das" Volk" dar, das auf der Bühne Herzen und dem guten Willen der„ Oberen Zehntausend", durch ein Paar steife Soldaten in abgeschabten Röcken von der endlichen Herrschaft der„ absoluten Vernunft" also sozusagen ein Minimum des Kommunismus. Was die heutigen Sozialisten noch weiter von ihren stumm repräsentirt zu werden pflegt. Weiter doch nichts! und„ absoluten Gerechtigkeit". Für sie ist Entwickelung " Kaum glaublich ist es doch, daß sie diejenigen gewesen und Charakter der ökonomischen Verhältnisse Bürgschaft Vorgängern unterscheidet, ist, daß sie nicht die soziale wesentlichere Meinungsverschieden- und Basis einer besseren Zukunft, und die politische Macht Frage von heut auf morgen mit Dekreten zu lösen ge= sind, die heiten über den Umfang der Rechte der Arbeitervertretung in den Händen eines klaffenbewußten Proletariats der denken. In den Besitz der öffentlichen Macht gelangt, äußerten, und welchen man sogar entgegen kommen will, Schlüssel, welcher das Thor öffnet, durch welches die wollen fie nicht mit Proklamirung von Geseßen, die durch Aenderung der Statuten? Sicher nicht! Wenn sie gesellschaftliche Regelung der Produktions- und aller übrigen" Nationalifirung" aller Kapitalien betreffend, den Anfang machen. Sie werden sich nur der Monopole und großen so ihre Aufgabe aufgefaßt hätten, dann wären sie nicht sozialen Verhältnisse ihren Einzug halten. Die Guesdisten oder Kollektivisten haben ungemein kapitalistischen Unternehmungen, der Fabriken, Minen, eingeladen worden. Louvre", Bon- Marché 2c., der Wenn solche wesentliche Meinungsverschiedenheiten viel dazu beigetragen, diese Auffassung durch Wort und großen Magazine wie über Rechte der Arbeitervertretung ausgeglichen werden, so Schrift in den Maſſen zu verbreiten und zum lebenskräftigen Verkehrsanstalten 2c., bemächtigen. Kleinindustrie und Kleinhandel, insoweit sie bis dahin geschieht der Ausgleich ohne Frage immer nach der Seite Bewußtsein zu erziehen. Sie haben der materialistischen hin, bie das Geringſte bietet. Als Beiſpiel hierfür können Geſchichtsauffassung des modernen Sozialismus Eingang noch nicht von dem Großkapitalismus bei Seite gefegt sind, wir das Schicksal der Arbeitervertretung in Betreff der in Frankreich verſchafft und dadurch den süßen Träumereien wollen sie weiter beſtehen lassen, bis dieselben burch bie Unfallversicherung im Reichstag anführen. Nun steht Herr der utopistischen Sozialisten ein Ende bereitet. Sie pro- l ökonomischen Verhältnisse von selbst gänzlich verschwinden entschädigt. Erklärung. So und nicht anders ist die Wahrheit über die damaligen Vorgänge; und die Behauptung, ich hätte zu jener Zeit die Parteileitung veranlaßt ,, umzufippen", ist, ich wiederhole es, eine unverschämte Lüge. Vereine und Versammlungen. An alle Schuhmacher Berlins. Die traurige Lage der Schuhmacher hat schon manchen Kollegen zum ernsten Nachdenken werden. Natürlich werden in diesem Falle die Kleinkapi- fich der Wahl zu enthalten; aber für den Fall, daß die talisten nicht als Opfer einzelner Großkapitalisten fallen, Parteigenossen in einzelnen Kreisen doch wählen wollten, sondern sie treten in die Kollektivität ein, welche ihre empfohlen, die Unterstüßung eines gegnerischen Kandidaten Unternehmungen in die Reihe ihrer eigenen gesellschaftlichen an bestimmte Zusagen und bindende Erklärungen zu knüpfen. veranlaßt. Schon von allen Seiten sind Vorschläge zur Besserung Produktion einzieht und die bisherigen Inhaber entsprechend Ich persönlich war schon damals für Wahlenthaltung derselben gemacht worden. An uns ist es nun, zu prüfen, welches eingetreten, und habe nur, veranlaßt durch dringende Auf- die besten sind und welche uns unter den herrschenden Verhältnissen Selbstverständlich werden die Kollektivisten alle Maß- forderung meiner Freunde, das Referat in einer Volks- am nächsten zum Ziele führen. Die Zünftler möchten auf dem regeln ergreifen, um die Ueberführung aller Produktions- versammlung übernommen, in welcher durch Tußauer zu- Wege von Zwangsinnungen und sonstigen Unterdrückungs- Maßregeln, 1. A. durch Herabsetzung der Gehilfenlöhne sowie Einschränkung mittel, ohne Ausnahme, in den Besitz der Gesellschaft so nächst mitgetheilt wurde, daß die Vertrauensmänner den ihrer( der Arbeiter) Rechte eine Besserung, allerdings nur für sich viel als möglich zu beschleunigen. Wählern des zweiten Reichstags- Wahlkreises Stimmen- herbeiführen. Von der anderen Seite wird auf dem Wege der Die Kollektivisten sind keine Anhänger der Revolu- enthaltung vorschlügen. Dann ich habe erst heut noch Gesetzgebung zu Gunsten der Regelung der Produktionsweise Abhilfe tionen und Rebellionen um jeden Preis. Sie sind sich den bezüglichen Versammlungsbericht nachgelesen nahm erwartet. Nun Kollegen! Ein jeder von Euch wird die Verhälttnisse in unserem Gewerbe zur Genüge kennen und wissen, daß eine voll und ganz bewußt, daß die Entwickelung der Gesellschaft ich das Wort, sezte auseinander, was die Sozialdemokraten wöchentliche 100 stündige Arbeitszeit kaum ausreichend ist, um schließlich zu einer fundamentalen Umgestaltung führen von den Freisinnigen und Konservativen trenne und forderte einen Durchschnittslohn von 10-12 Mart pro Woche zu muß, und verstehen daher zu warten. Sie wissen auch schließlich diejenigen Arbeiter, welche wählen wollten, auf, erzielen. Nicht mit Unrecht schreibt man den Schuhmachern zum Theil selbst die Schuld dieser Zustände zu; denn hätten die Kollegen ganz gut, was ihnen agents provocateurs schaden können, in keinem Falle Stöcker ihre Stimme zu geben. geschlossen diese Mißstände in unserm Gewerbe bekämpft, so dürfte deshalb rathen fie auch ihren Anhängern, bei Manifesta- ,, Nicht für Virchow, sondern gegen Stöcker" schloß es wohl ein gutes Stück besser sein. Bis von Kurzem bestand in tionen energisch aber ruhig aufzutreten, um nicht der Polizei ich mein Referat, indem ich ausführte, daß jeder Arbeiter, Berlin eine Filiale des Vereins deutscher Schuhmacher, dieser Verein und Reaktion die gewünschte Gelegenheit zum Einschreiten der überhaupt zur Wahl ginge, die Verpflichtung habe, hatte es fich zur Aufgabe gemacht, die Interessen aller in der Schuhmacherei beschäftigten Arbeiter nach Kräften zu vertreten. an die Hand zu geben. Künstlich gezeitigten Elementen, gegen Stöcker zu stimmen, um damit Protest einzulegen Derselbe schien infolge dessen zu einer erfreulichen Stärke emporzurevolutionären Knalleffekten fallen nur die Arbeiter selbst gegen das„ kulturmörderische“,„ verabscheuungswürdige" blühen, als derselbe durch fortgesezte Polizei- Maßregeln allmählich zum Opfer, die siegreiche Reaktion würde dann das Land Treiben dieses Mannes. seiner freiwilligen" Auflösung entgegengeführt wurde. Wohl ist es mit Schrecken erfüllen und der Sozialismus an Boden allen denkenden Kollegen klar, daß nur auf dem Wege der Gesetzverlieren und oft auf längere Zeit lahm gelegt und an gebung etwas Positives und dauerndes erreicht werden kann, jedoch bei der Lage der Dinge absolut nichts zu erwarten ist. einer lebensfrischen Entwickelung verhindert werden. Infolge dessen sind einige Kollegen zusammengetreten und haben den Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher Das Flugblatt giebt den Berliner Sozialdemokraten und verwandter Berufsgenossen gegründet. Dieser Verein hat es den Rath, im nächsten Jahre ein Jubiläum zu feiern und sich zur Aufgabe gemacht, die Intereſſen der Schuhmacher in jeder Richtung zu vertreten. Pflicht eines jeden Kollegen ist es nun, das Arbeiter Berlins! Parteigenossen! empfiehlt die Denkmalsinschrift dazu. Bestreben dieses Vereins durch seinen Beitritt zu unterstützen, das Im Anschluß hieran wird der Nath ertheilt, die Bestehen desselben in den weitesten Streisen der Berliner KollegenZum zweiten Male seit wenigen Wochen ist Euch ein Flugblatt zugegangen, welches in bekannten„ chriftlich- Sozialdemokratie möge sich unter dem Denkmal begraben schaft bekannt zu geben und demselben möglichst viel Mitglieder zulassen, denn in Berlin sei der Arbeiter an das Kapital zuführen. Darum Kollegen laden wir Euch ein, in der sozialen" Ausführungen sich mit meiner Person beschäftigt. Versammlung am Montag, den 28. November, Abends zu Wenn es mich auch mit Ekel erfüllt, mich mit diesem verrathen. Es ist dies die landläufige Redensart, die, so- 8% Uhr, in Mundt's Lokal, köpniderstraße 100, 31 von frechen Lügen und elenden Verleumdungen stroßen- weit sie mich betrifft, zusammenfällt mit der Stöcker'schen erscheinen. Im Fachverein der Tischler sprach am Montag, den den Machwerk abgeben zu müssen, so zwingt mir doch der Behauptung, ich beute die Arbeiter resp. Arbeiterinnen aus. 21. November, Fr. Kunert über das Thema:" Wie stellt sich der Ich habe diese verleumderische Behauptung schon oft Arbeiter zum Arbeitsunterricht?" Im Verlaufe des Vortrages genug widerlegt, und wenn es nicht meine Parteigenossen wies Redner darauf hin, daß seine Ansicht über den Zweck des wären, zu denen ich hier spreche, so würde ich mit keinem Arbeitsunterrichts von einigen Berliner Zeitungen irrthümlich aufWort darauf zurückkommen. gefaßt worden sei. So hätten das„ Berliner Volksblatt" und die Volkszeitung" berichtet, Redner ſei der Meinung, daß der Schüler ungen der heutigen Industrie vorzubereiten sei". Daran anknüpfend bemerkte Redner, daß es sich bei Einführung des Arbeitsunterrichts nicht um positive industrielle, sondern um rein erziehliche Erfolge und Resultate handle. Nicht ein bestimmtes Handwerk sei zu erlernen, fondern ein tieferes Verständnis für das industrielle Leben und Wirken eines Volkes sei schon in dem findlichen Geiſte anzubahnen. Es handle fich darum, daß die Jugend zur Erkenntniß der Wichtig feit und des aller Handarbeit innewohnenden Adels gelange, darum, Diese Freude dem ,, manchesterlichen Freifinn" und der daß der Handarbeit nicht ferner diejenige blödsinnige Verachtung und mitleidige Duldung entgegengebracht werde von Leuten, die gewohnt christlich- sozial- konservativ- nationalliberalen Kartellbrüder- find, von der Ausbeutung fremder menschlicher Arbeitskraft zu Ich rufe die Redaktionen beider hiesigen Parteiblätter, schaft, sowie dem ultramontanen Kirchensozialismus zu eristiren, endlich darum, daß der Schüler harmonisch zum Vollsowie alle mit den Vorbereitungen zu den Kommunal- machen, dazu habe ich nicht die geringste Neigung. menschen herangebildet werde. An den Vortrag knüpfte sich eine ausgedehnte, lebhafte Diskussion. Im Schlußwort bemerkte Redner, Ich leiste meiner Partei mehr, wenn ich mich kriegs- baß das Recht auf Bildung, daß die freie allgemeine Volksschule wahlen beschäftigt gewesenen Genossen zu Zeugen dafür auf, daß ich, abgesehen von einem im September im tüchtig" erhalte, wenn ich mein Hab und Gut in den Dienst nicht im Klassenstaate, sondern erst nach der Neuorganiſation der ,, Berliner Volksblatt" veröffentlichten Artikel, in welchem der weltbefreienden Ideen stelle, von deren Erfüllung ich Arbeit, der Neugestaltung der Geſellſchaft auf ſozialistisch- kommuniich mich für die Betheiligung an den Kommunalwahlen die Erlösung der Menschheit aus Noth und Elend zu- ſtiſcher Basis zum Heile der Menschheit durchgesetzt werden würden. erklärte, in keiner Weise irgend einen Einfluß auf diese versichtlich erwarte. Frage ausgeübt oder auszuüben versucht habe. Umstand, daß in mir meine Partei die deutsche Sozialdemokratie beschimpft wird, die Feder in die Hand und veranlaßt mich, die wiederholten Versuche, mich in scham- und ehrloser Weise bei meinen Parteigenossen zu verdächtigen, der öffentlichen Verachtung zu überliefern, die aufgestellten Behauptungen so zu bezeichnen, wie sie es verdienen, sie zu brandmarken als nichtswürdige Ver: leumdungen und Lügen. So aber sei nochmals darauf hingewiesen, daß der Einzelne in dem heutigen Wirthschaftssystem nicht im Stande ist, beſſeren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen als seine Berufsgenossen zu gewähren; wollte er den Versuch machen, so würde er von der Konkurrenz erbarmungslos zerrieben, und an seinem Untergange würde von den Gegnern die Unrichtigkeit seiner Theorie zu beweisen verden sucht werden. Das letzte anonyme Flugblatt behauptet, ich sei die Veranlassung, daß die Berliner Arbeiter trotz der von der Volfstribüne" empfohlenen Nichtbetheiligung an Stadtverordnetenwahlen dennoch in die Wahlbewegung eingetreten seien. So viel Worte, so viel Lügen. Von mir im Verein mit einem Parteigenoffen ging der Vorschlag aus, in allgemeiner öffentlicher Versammlung die Frage, ob Betheiligung oder Nichtbetheiligung, zu entscheiden und danach zu handeln. " Der Fachverein Berliner Stuckateure tagte am 21. November in Nieft's Salon, Kommandantenstr. 71/72. Punkt 1 der Aber ist's den Leuten der vor mir liegenden, ge- Tagesordnung: Vortrag des Herrn Meier über„ Leichenverbrennung" druckten Lügen Ernst mit dem„ gesunden Sozialismus", wurde mit großem Beifall aufgenommen. Zu Punkt 2 verließt den sie für das System der Zukunft" halten, dann mögen Herr Markert die Abrechnung vom letzten Kränzchen: Einnahme fie soziale Umwandlungen vorschlagen, wie ich sie z. B. 100,25 M., Ausgabe 90,50 Mr., bleibt Bestand 9,75 Mr. Ferner theilt der Redner mit, daß Herrn Heindorf als Komiteemitglied im„ Arbeiterschußgeset" mit beantragt habe; ich werde 21 Paar Billets abhanden gekommen sind. Herr Bammann wie Dieser Thatsache gegenüber wagt das neueſte Produkt freudig der Erste sein, der an der Beseitigung des Kapi- Herr Schiedel bezeichnen dieses als eine große Nachlässigkeit, von christlich- sozialen Hasses die Behauptung aufzustellen ,,, der talismus, an der demokratischen Sozialisirung der Gesell- Seiten des Herrn Heindorf wurde konstatirt, daß dieses nicht das Jude befiehlt, daß die Arbeiter für den Fortschritt an- schaft mitarbeitet. erste Mal sei. Bammann beantragt daß Herr Heindorf diese fehlenden Billets bezahle, Heindorf scheidet darum aus dem Verein. Als treten, und sie müssen tanzen wie der Jude pfeift." Zum Schluß spricht das Flugblatt von Internationalen Komiteemitglied wird Herr Frensche gewählt. Die Versammlung Wie paart sich hier Gemeinheit und Wahnsinn; ich, Träumereien" eines Marr und Lassalle und erweist mir beschließt durch Antrag, Herr Werder solle, falls Herr Heindorf die infolge meiner Parteithätigkeit, zur hellen Freude der Heßer die Ehre, meinen Namen neben den dieser leuchtenden Sache bis zur nächsten Versammlung nicht geregelt habe, denselben und Denunzianten der christlich- sozialen Korrespondenz", Vorbilder der Sozialdemokratie zu setzen. vor den Vorstand laden. Hierauf Schluß. sowie der frommen ,, Kreuzzeitung", von Berlin ausgewiesen, Ich betrachte dies als ein gutes Omen und werde soll die beschlossene Stimmenenthaltung" rückgängig ge- für meine Parteigenossen habe ich es nicht nöthig zu beFachverein sämmtlicher im Drechslergewerk bemacht haben, in einer Zeit, in der ich, fern von der Hei- tonen, aber meinen Feinden sei es hiermit versprochen schäftigten Arbeiter Berlins. In Deigmüller's Salon, Alte math, absichtlich mich jeder etwa beeinflussenden Aeußerung nach wie vor, troß aller Verleumdungen und Lügen, trot unter gütiger Mitwirkung des Gesangshumoristen Herrn Zimmermann Jakobstr. 48a, am Sonnabend, den 26. d. M., Stiftungsfest enthielt in einer Frage, über die entgiltig zu entscheiden aller Ränke und Schliche, eifrigst bestrebt sein, im Geiste und anderer tüchtiger Sträfte, sowie der Liedertafel des Fachvereins. einzig und allein die Berliner Genossen das Recht haben. jener theuren Todten zu wirken, ihre Lehren weiter zu Anfang 8 Uhr. Billets sind zu haben bei R. Sündermann, Und warum soll ich die, mir von den Kampfgenossen verbreiten und aus ihrem tiefen und edlen Wissen immer Gitschinerstr. 61, 1 Tr.; B. Schade, Naunynſtr. 17, 3 Tr.; Starl des zweiten Luther" angedichtete, nein angelogene That mehr Wahrheit und Aufklärung in das Volk zu tragen. traße 19, Hof 3 Tr., bei Michael; N. Kudenburg, Parochialstr. 1 Buchmann, Waldemarstr. 32, 4 Tr. L.; Emil Meißgeier, Waldemarverübt haben? Weil ich die ,, Sozialdemokraten" zu Gunsten Nicht Jeder hat unter den heutigen Zuständen das und 2, Hof 2 Tr.; G. Stuhnert, Köpnickerstr. 34, 2 Tr.; A. Herfort, des ,, Freisinns" mißbrauche! Glück, mit ,, hoher obrigkeitlicher Genehmigung" öffentlich Johanniterstr. 12 und J. Salizkus, KI. Markusstr. 18 bei Bruſt. sprechen und schreiben zu können; meiner Partei ist durch Da für jede Art Amüsement bestens gesorgt ist, ladet der Vorstand das Ausnahmegesetz der Mund verschlossen, ihr sind die zu recht zahlreichem Besuch ein. Ich habe auf dem Parteitag in St. Gallen den Be- Hände gebunden. Niemals jedoch würden wir uns zu Berufsgenossen( Verbandsverein). Sonnabend, 26. November, schluß ,,, bei künftigen engeren Wahlen zwischen Gegnern so demagogischer Art und Weise verstehen, wie das Flug- Abends 8½ Uhr, im Reſtaurant Reyer, Alte Jakobstraße 83, sich der Abstimmung zu enthalten", lebhaft befürwortet blatt, welches schließt: und ich darf vielleicht ohne Ueberhebung sagen, daß meine Ausführungen zu seiner Annahme ein gut Stück beigetragen haben; ich habe in dem bereits erwähnten Artikel des ,, Berliner Volksblatt" ausdrücklich und unbedingt verlangt, daß die Sozialdemokratie einzig und allein ihre eigenen Parteigenossen zu unterstüßen und zu wählen hat, und doch ist man frech genug, zu behaupten, ich verriethe die Fachverein der Steinträger Berlins. Sonntag, Parteigenossen, ich sei bestochen und arbeite für die deutschFest und treu stehen die Vertreter zu den Genossen, den 27. November, Vormittags 11 Uhr, Versammlung in Zimmermann's Salon, Köslinerstr. 17. freifinnige Partei. ebenso fest und treu aber werden auch die Genossen zu- Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Sonntag, Auf die Reichstagswahlen vom Jahre 1884 wird hin- benjenigen stehen, die Hand und Kopf für alle Zeit in den den 27. 6. M., Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Huber gewiesen und behauptet, ich hätte, trotzdem von der sozial- Dienst der Partei gestellt haben. Das unerschütterliche über„ Die religiösen und ſittlichen Anschauungen der Japaner und Demokratischen Parteileitung bei den Stichwahlen Stimmen Vertrauen, welches ich mir im ehrlichen Kampfe erworben, Dienstag, den 29. d. M., Abends 84 Uhr, spricht Herr Vogtherr Chinesen." Damen und Herren als Gäste willkommen. Am enthaltung beschlossen worden sei, meine Freunde Bebel, Lieb- ist der Fels, an dem alle Versuche, mir die Herzen meiner in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75, über„ Wiffen und Glauben knecht, Hasenclever, Auer zu veranlassen gewußt, daß sie Briefe Parteigenoffen zu entfremden, kläglich scheitern werden. der freien Religion". Nach dem Vortrag Geselliges Zuſammenſein. schreiben ,, mußten", daß die Arbeiter Virchow wählen sollten. Vorstehende Ausführungen war ich meinen Partei- Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins sämmtAber auch hier bleiben die Eideshelfer des Herrn Stöcker der Lüge und Verläumdung treu. der " 1 Fachverein der Buchbinder und verwandter Geselliger Abend mit Damen! Gäste willkommen. Ein Hoch dem arbeitenden Volk, das seine Ketten bricht!" Berlins. Da unsere Versammlung am 21. d. M, wegen eines Und das aus dem Munde der Brodvertheurer, aus Feder der Sozialistengefeßverlängerer! It's nicht bitterster Hohn? Nun, die Berliner Arbeiter wissen, was davon zu halten ist. Die Spekulation ist zu durchsichtig; es wird nicht gelingen, die Partei in's Wanken zu bringen. Fachverein der Vergolder und Fachgenossen wissenschaftlichen Vortrages des Herrn Dr. Stahn polizeilich nicht genehmigt wurde, so findet die nächste Fachvereins- Versammlung am Dienstag, den 29. d. M., Abends 8 Uhr, bei Scheffer, Inselstr. 10, statt. Tagesordnung: 1. Entstehung und Zweck des Vereins. 2. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Welcher Abgrund von Verlogenheit und niederträch genossen schuldig, dem Flugblatte gegenüber hätte ich mich licher Berufsklassen. Berlin 1. Sonnabend, den 26. d. M., tiger Gesinnung liegt in der Insinuation für mich, daß ich absinden können mit den Worten Feuerbach's: werden in jeder Versammlung, sowie zu jeder Tageszeit beim Vormeine politischen Freunde kaufe, und für diese im Kampf ,, Von der Dummheit gehaßt zu werden, fizenden Saffe, Blücherstr. 34-35, und beim Staffirer Schilling, für die Rechte des Volkes ergrauten Männer, daß sie sich ist ehrenvoll; von der Gemeinheit gehaßt zu Stoppenſtr. 48, aufgenommen. kaufen lassen. Die Vertrauensmänner der Berliner Ar- werden, ist beneidenswerth." beiter hatten damals Stimmenenthaltung zu empfehlen beBerlin, Ende November 1887. schlossen. Das Zentral- Wahlkomitee hatte den Rath gegeben, im Allgemeinen bei Stichwahlen zwischen Gegnern Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Paul Singer. Briefkasten. Mehrere Vereinsberichte mußten gekürzt oder ganz zurückgestellt werden. Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23.