Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh.- Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg.( frei ins Haus).- Einzelne Nummer 15 Pfg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 850 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1888.) Redaktion und Expedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Ausgabe für Spediteure: " Merkur" Zimmer- Straße 54. №. 22. Sonnabend, den 31. Dezember 1887. I. Jahrgang. Inhalt: Erklärung.- Die Lage der Arbeiterinnen bund. -Einladung zum Abonnement. Die Arbeiterinnen in der Schweiz und ihre Buchdruckerei und Buchbinderei beträgt der durchschnittliche Tagelohn 80 Cts. bis 212 Fr. ohne Beköstigung. Organisation. Viele Arbeiterinnen sind in der Schweiz auch in den in der Schweiz. Die Frauenfrage in Frank- r. Wie überall, in allen industriellen Ländern, so ist Schuhfabriken beschäftigt. Sie verrichten da Arbeiten, reich. Die deutschen Anarchisten Londons auch in der Schweiz die industrielle Arbeiterin eine Schöpfung die ohnehin sehr ungesund und außerdem sehr anstrengend und Herr Veukert. unseres modernen Wirthschaftslebens. Wie überall, so hat find. Der Tagelohn beträgt da bei 11 stündiger ArbeitsGedicht.- Sylvestertraum. Friedrich auch in diesem Gebirgslande das gegenwärtige Wirthschafts- zeit 1-1,20 Fr. Es giebt aber auch Arbeiterinnen, die Engels von K. Kautsky. III.- Kapitalisti- fyftem eine Revolution in allen Beziehungen bewirkt und in 14 Tagen bloß 8-9 Fr. verdienen. sche Wohlthaten. Der Berliner Arbeiter- namentlich das Familienleben vollständig umgestaltet. Von sämmtlichen Kantonen ist es bisher nur der Auch hier wurde die weibliche Arbeitskraft ein immer ge- Basler, der auch die Konfektion unter das FabrikPolitische Nachrichten. Kleine Mitthei- suchteres Ausbeutungsobjekt seitens des Kapitals, welches gesetz gestellt hat. Es darf demnach nur 11 Stunden lungen. Vereine und Versammlungen. hier einen größeren Entbehrungslohn" herausschlagen lang täglich gearbeitet werden, am Sonnabend nur 10 Stunden fonnte wie beim anspruchsvolleren männlichen Arbeiter. und an Sonn- und Festtagen gar nicht. Die Werkstätten Von den vielen Berufsarten, auf die sich gegenwärtig werden von Organen der Gesundheitsbehörden untersucht. die weibliche Thätigkeit erstreckt, sind es vor Allem die Was nun die Organisation der Arbeiterinnen in verschiedeuen Arbeiten in der Textil branche, welche die der Schweiz anbelangt, so ist dieselbe zu jungen Datums, Wir bitten die Freunde unseres Blattes, recht größte Zahl weiblicher Arbeiter und die größte Verdrängung um schon mächtig sein zu können. Das, was in dieser eifrig für seine weitere Verbreitung einzutreten. der Männer aufweisen. Die Löhne, die in dieser Industrie Beziehung geschaffen, ist das Werk der begeisterten, edlen Wir haben nach besten Kräften der Sache der Arbeiter gezahlt werden, sind überall elende und es wäre daher Vorkämpferin der Arbeiterinnen, der Frau Guillaumezu dienen gesucht, mögen nun die Arbeiter auch das Blatt eine wunderbare Erscheinung, wenn die schweizerischen Schack. Ihre Ausweisung aus Deutschland ist der armen mit voller Energie unterstützen. Aus diesem Zusammen- Schlotjunker hier eine Ausnahme machten. Sie zahlen Schweizerin zu Gute gekommen. In rastloser, selbstloser wirken werden beide Theile immer neue Anregung und denn in der That auch miserable Löhne. Tausende von Weise agitirt und belehrt sie, und überall, wo sie war, Kraft schöpfen. Arbeiterinnen der Textilindustrie verdienen bei 11 stündiger hat sie die Spuren ihrer Thätigkeit in Form von gegrünArbeitszeit in 14 Tagen zwischen 10 und 15 Franken. deten Arbeiterinnenvereinen hinterlassen. Es sind deren Darüber hinaus verdienen pur die besten Arbeiterinnen. fchon vorhanden in Zürich, Basel, St. Gallen, Schaffhausen, Wir verfügen für die Schweiz leider über keine umfang- Rorschach, Winterthur, Bern, Aarau u. s. w. Der Züricher reiche amtliche Lohnstatistik aber wenn man sich etwa Verein war der erste und er steht jetzt schon sehr gefestigt zu Mittag vor eine Fabrik stellt, in der beinahe 600 Ar- da. Er hat mehrfach Erhebungen über die materielle Lage beiterinnen beschäftigt sind, dann kann man in den blassen der Arbeiterinnen vorgenommen und veröffentlicht, er hat abgehärmten Gefichtern dieser schwächlichen Gestalten den praktische Unterrichte eingeführt und durch Vorträge läßt furchtbaren Ausdruck jener schlechten Löhne finden; es er seine Mitglieder belehren. Im gleichen Sinne wirken spiegelt sich darin eine sehr unwiderlegliche, positive, in die Vereine an den anderen Orten. Sie betrachten sich Fleisch und Blut übergegangene Lohnstatistit. Man nennt als ein Glied der allgemeinen schweizerischen Arbeiterhäufig in schweizerischen Arbeiterkreisen die kolossalen bewegung und suchen nach Kräften zu deren Förderung Fabrikgebäude Buchthäuser". Und daneben erheben sich beizutragen. die stolzen Paläste der Fabrikanten, der„ humanen Brodgeber", die bei Schüßenfesten und Fahnenweihen von Freiheit und Recht, von Volkswohl und Gerechtigkeit reden! Die Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Der Abonnementspreis beträgt für Berlin monatlich 50 Pf.( frei in's Haus). Die „ Berliner Volks- Tribüne" ist außerdem durch jede Postanstalt des Deutschen Reiches zu beziehen unter Nr. 850 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1888( Preis des Postabonnements vierteljährlich 1 Mt. 50 Pf.) Bei Bestellungen für Berlin wende man sich stets an den nächsten Zeitungsspediteur. Erklärung. Vor einigen Wochen erklärte ich an dieser Stelle, daß ich die Redaktion der„ Berliner Volkstribüne" niederlegen würde, falls ein von mir angerufenes Ehrengericht bis dahin nicht wenigstens vorläufig zu meinen Gunsten entschieden hätte. Nachdem diese Entscheidung gefallen ist, würde ich es vorgezogen haben, kein Wort mehr über die ganze Angelegenheit zu verlieren und ruhig die Veröffentlichung des Schiedsspruches abzuwarten. Darin liegt auch der Unterschied zwischen der Arbeiterinnen- und der Frauen" oder der sogenannten Damenbewegung. Es verhält sich damit ähnlich, wie mit den von schlauen Bourgeois und ihren Werkzeugen gegründeten Arbeiterbildungsvereinen vor Entstehung der klassenbewußten sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Schulze- Delitzsch hat seine Fortseßung im Unterrock gefunden. Nächst der Textilindustrie ist es die Koufektionsbranche, in der die meisten Arbeiterinnen beschäftigt find. In einer Schrift,*) die kürzlich erschienen ist und den bekannten demokratischen Nationalrath Schäppi zum Verfaffer hat, finden wir einige bezügliche Lohndaten. Darnach verdient eine Weißnähterin in der Stadt Zürich täglich 1 bis Schweiz noch stärker als die der Arbeiterinnen. Jene ist Vorläufig ist freilich die Frauen" bewegung in der 2,50 Fr. bei wöchentlicher oder vierzehntägiger Auszahlung. aber schon seit Jahren geschaffen; in allen Städten haben Wo die Arbeit nach dem Stück bezahlt wird, ist der Lohn sehr sich Vereine gebildet, die sich vor vier Jahren zu einem verschieden. Ein einfaches Frauenhemd wird mit 25 bis Verbande zusammenschlossen und auch ein eigenes Organ, 65 Sts., ein Herrenhemd mit 25-60 Sts., eine Schürze Die Schweiz, Frauenzeitung"( St. Gallen) gründeten. mit 10-30 Cts. bezahlt. Dazu müssen die Arbeiterinnen Sie haben also den Arbeiterinnen gegenüber einen bedeudas Nähmaterial stellen, so daß sie bei ſtrenger Arbeit tenden Vorsprung. Aber dieser Umstand ist ohne Werth, an manchen Orten nur 6-9 Fr. in 14 Tagen verdienen denn wie zwischen den Arbeitern und ihren Herrn", so Da aber die Reichstagsferien die Mitglieder des können. In der Kleiderfabrikation beträgt der Lohn Armen, die alltäglich den Kampf um's Dasein durchfechten muß sich die soziale Scheidung auch vollziehen zwischen den Schiedsgerichtes auseinander führten und darum eine endeiner Arbeiterin etwa 1/2 Fr. täglich, oder wo Kost und müssen und den Frauen der Besitzenden, die noch nie emgiltige formelle Abfassung des Urtheils bisher nicht Logis geboten wird, 5-6 Fr. per Woche, Anfängerinnen pfunden, was Noth heißt. Da hat also jede Bewegung möglich war, da ferner diese, lediglich aus räumlichen erhalten durchschnittlich 21/ 2-3 Fr. per Woche. Hindernissen zu erklärende Verzögerung zu allerlei falschen Nach den Erhebungen des Züricher Arbeiterinnen einander bei Eroberung von Gebieten in Konflikt. Die ihr gegebenes Thätigkeitsfeld und sie kommen nicht mit Gerüchten über mich Anlaß giebt wird doch sogar ge- vereins, die vor einiger Zeit Frau Guillaume- Schack gnädige Frau des Fabrikanten kann allerdings ihren Mann redet, ich sei nunmehr auch mit dem Abg. Bebel in offenen mädchen in der Kleiderbranche darüber bitter, daß sie von treffenden Vereinigungen zu untersagenin öffentlichem Vortrage verwerthete, beklagen fich die bestimmen, seinen Arbeiterinnen den Beitritt zu den be= Konflikt gerathen so fühle ich mich zu dem vorläufigen 5 oder 52 Uhr Morgens an bis Nachts 12 oder auch geschieht dies in der That, wofür Beweise vorhanden Hinweis gezwungen, daß das Schiedsgericht nach ein- 1 Uhr arbeiten müssen, sehr schmale Kost bekommen und aber sie kann diese wenig weibliche Taktik nur so lange gehendster Prüfung anerkannt hat: elende Schlafstätten mit Ungeziefer haben. Bei solcher befolgen, als die Arbeiterinnen noch zu schwach sind, gleich weder liege in meiner ganzen Vergangenheit irgend Arbeitszeit und kost erhalten nach Schäppi, wie angeführt, den Männern jeder Willkür den organisirten Widerstand etwas vor, was mich einer politischen Unehrenhaftig die Mädchen 5-6 Fr. per Woche! Glätterinnen und Wäscherinnen verdienen 2 Fr. pro keit fähig erscheinen lasse, Und dahin gelangen wir. Der Anfang ist gemacht Tag, Kravattenmacherinnen 2-3 Fr., Korsettarbeiterinnen und beide Geschlechter werden fünftighin ihre gemeinsamen 1,50-4 Fr., Möbelarbeiterinnen 2-4 Fr. oder wöchent Interessen auch gemeinsam vertheidigen. Dem vorgeschrittenen lich 5-6 Fr. bei freier Station. Leider sagt uns Schäppi Manne obliegt die Pflicht, die Arbeiterin zu sich herannicht, wie lange in diesen Berufen gearbeitet wird. Ezuziehen und sie einzuführen in das Wesen der gegenist als sicher anzunehmen, daß in denselben die 11stündige wärtigen Gesellschaft, sie vertraut zu machen mit den Arbeitszeit nicht die Regel bildet. In der Lithographie, Jdeen, die Millionen von Arbeitern erfüllen, und sie vor*) Arbeit, Verdienst und Besserstellung der unverheirathet blei- zubereiten auf eine neugestaltete bessere Zukunft. benden Frauen. Von J. Schäppi. Verlag von Schröter und Meyer noch sei meine Thätigkeit unter den Berliner Arbeitern jemals auf Erzeugung von Zwiespalt oder auf die Befriedigung selbstsüchtigen Ehrgeizes gerichtet gewesen. Berlin, am Jahresschlusse. Mar Schippel. in Zürich. Preis 1 M. entgegenzusetzen. und es Die Frauenbewegung in Frankreich. II.(Schluß.) o Unter dem Kaiserreich ging die Bewegung nur langsam vorwärts, sie erwachte erst unter der Kommune zu neuem Leben. Die Kommune erließ zwar keine Dekrete über die Besreinug der Frau, aber sie hinderte nicht, daß sich dieselbe an allen Vorgängen des öffentlichen Lebens betheiligte. Unter der dritten Republik kam dann wieder eine regelrechte Bewegung der Frauenrechtlerinnen in Gang. Ihre Hauptvertreterinnen sind Maria Deraismes, als geistreiche Journalistin bekannt, ferner Hubertine Auelert unv Louise Barberousse. Alle drei vertreten mit geringer Nüaneiruug die Richtung der gewöhnlichen flachen Frauen- emanzipation. Ihr Programm beschränkt sich auf die Forderung der gleichen politischen und bürgerlichen Rechte für beide Geschlechter, worin natürlich das aktive und passive Wahlrecht eingesehloffen ist. Für letzteres machen sie eine ganz besonders eifrige Propaganda, sie treten mit ihrer diesbezüglichen Forderung bei jeder paffende» und unpassenden Gelegenheit hervor. Die ökonomische Seite der Frage, welche ihre Wurzel bildet, berücksichtigen sie insoweit, als sie die Zulassung der Frauen zu allen Berusszweigen befürworten, d. h. hauptsächlich zu den Berufen, die nur den oberen Zehntausend zugänglich sind. Wie weit dies in der heutigen Gesellschaft die Lage der Frau verbessert, wird durch die eine Thatsache beleuchtet, daß in Paris über 10 000, im ganzen Lande über 30 000 geprüfte Lehrerinnen ohne Stellung sind! Sie suchen jede Thatsache hervor, welche die physische und intellektuelle Ebenbürtigkeit der Frau beweisen kann. Rur davon, daß die Jndustriearbeiterinnen ihre gleiche Leistungsfähigkeit durch ebenso lange und anstrengende Arbeit wie die Männer bewiesen haben, wird kein Wort erwähnt. Die Bewegung ist auf kleinbürgerliche Kreise beschränkt. Die Organe der verschiedenen Gruppe»,„In Citoyenne"(die Bürgerin), von H. Auelert redigirt, und die„Federation des Femmes" (der Bund der Frauen), von L. Barberouffe geleitet (übrigens in letzter Zeit eingegangen) enthalten zwar im Einzelnen ntaitdien trefflichen Gedanken über die Lage der Frau, aber sie zeigen ein gründliches Unverständniß für den Kern der Frage. Sie verkennen ganz den engen und unauflöslichen Zusammenhang der Frauenfrage mit der sozialen Frage, welcher veranlaßt, daß erstere getrennt und in der heutigen Gesellschaft nimmermehr gelöst werden kamt, und nur mit dieser zusammen ihren Abschluß findet. Daß das allgemeine Wahlrecht kein Wunder- mittel ist, welches allen sozialen Ungerechtigkeiten ein Ende bereitet, haben die Arbeiter unterdes) am besten erfahren. Wäre es der Fall, es gäbe keine Arbeiterbewegung, keine soziale Frage. Was die Zulassung der Frau zu allen Berufen in der bestehenden Gesellschaft bedeutet, kann Jeder sagen, der sich mit dem Kapitel der Arbeit, und der Frauen- und Kinderarbeit besonders, beschäftigt: Herlab- setzung der Löhne für beide Geschlechter. Dazu kommt noch, daß die Eröffnung der Karrieren, für welche die Frauenrechtlerinnen besonders eingenommen sind, der Masse des weiblichen Geschlechts gar nicht zu Gute kommt, höchstens ein paar Tausenden von Töchtern des Mittelstandes. Für die Millionen der Arbeiterfrauen und Arbeitertöchter, die selbst Arbeiterinnen sind, bietet das Programm der Frauen- rechtlerinnen keine Erlösung; ein leicht illusorisch zu machen- des Wahlrecht und die Hoffnung, durch ein Bettelstipendium einen„höheren" Beruf wählen zu können, verbessert ihre ökonomische Lage auch um gar nichts. Diese Verkennung und einseitige Auffassung der Frauenfrage ist auch einer der Gründe, weshalb die Be- wegung unter den lebhaften und politisch sich intcrcfsircnbcn Französinnen so wenig Anklang gefunden hat. Es gilt von ihr dasselbe, was von den 48er Frauenbestrebungen gesagt wurde: sie ist dazu verurtheilt, die Lebensäußerung eines beschränkten Kreises zu bleiben und an Blutarmuth dahinzusiechen. Trotz aller regelmäßig abgehaltenen Sitzungen, gelegentlichen Manifestationen für das Wahlrecht, für Ausrechterhaltung des Friedens ze. schlägt die Bewegung keine Wurzel in der Bevölkerung. Viele äußerliche, von ihren Anhängern zur Schau getragene Exzentritäten haben die Sache der Frauenemanzipation nur geschädigt und lächerlich gemacht, vor Allem auch die Bundesgenoffenschaft eines gewissen Jules Allix, eines zwar gutmeinenden, aber höchst hirnverbrannten, wenn nicht geradezu wahnsinnigen Mannes. Die französischen Sozialisten verhalten sich gleich- gültig den Frauenrechtlerinnen gegenüber, die weder von Anerkennung des Klassenkampfes, noch von der Nothwendig- keit der Sozialisirung der Produktionsmittel etwas wissen wollen. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß sie der Frauenfrage überhaupt theilnahmlos gegenüber stehen, nur haben sie eine andere Auffassung derselben, welche ihnen einen anderen Weg vorschreibt, nm zur Emanzipation der Frau zu gelangen. Für sie ist die Frauenfrage keine politische, sondern eine ökonomische Frage, die in Folge der modernen Produktionsverhältnisse erst in einer radikal veränderten Gesellschaft gelöst werden kann. Früher war die„gute" Hausstätt eine eminent produktive Arbeiterin, daher das Ansehen, welches sie genoß. Die moderne Industrie mit ihrer hochgradigen Eniwickelung der Technik und des Maschinismus hat ihr diese Rolle entrissen; die Frauen der Reichen, welche alle Produkte leicht kaufen und durch fremde Hände herstellen lassen können, hat sie zu einer Art Luxusartikel, zu Lustthieren gemacht, die Frauen der Armen, die in das industrielle Leben gezogen werden, und in den Werkstätten den männlichen Arbeiter verdrängen, hat sie iu Lastthiere verwandelt. Die Mittelklasse wird täglich mehr zersetzt und in die Reihen des Proletariats gedrängt. Die kapitalistische Produktion zerstört die Familie, welche auf den römisch-germanischen Tra- bitionen beruht, sie verlegt die weibliche Thätigkeit in eine andere Sphäre, außerhalb des Hauses, in die Fabrik, aus der Familie in die Gesellschaft. Diese veränderte Thätigkeit benöthigt eine andere Ausbildung, sie muß aber auch der Frau andere Rechte, eine andere soziale Stellung verleihen. Deshalb ist es auch durchaus unangebracht, das Eintreten der Frau in das industrielle Leben, mit seinen Folgen, der Zer- setzung der Familie, der Konkurrenz:e. zu beheul- meiern. Dieses Eintreten ist die Vorbedingung für die ökonomische Gleichstellung und damit für die Unabhängigkeit der Frau, welche ihr allein auch zur politischen und sozialen Emanzipation verHelsen kann. So lange es ökonomisch Ausgebeutete und Ausbeuter giebt, wird es auch politisch und sozial Unterdrückte und Unterdrücker geben. Die Frauen befinden sich in derselben, ja in Folge ihrer verkehrten Erziehung und der eingewurzelten Vonirtheile in einer noch schlimmeren Lage als die Arbeiter, sie können nur mit den Arbeitern zusammen emanzipirt werden. Aber die neue Thätigkeit der Frau als Industrie- arbeiten» führt in der heutigen Gesellschaft zu einer Konkurrenz zwischen Mann und Frau, welche mit der ökonomischen Niederlage beider endet. Die ersten gewerkschaftlichen Arbeiterkongresse forderten deshalb Verbot der Frauenarbeit, oder zum mindesten ihre Einschränkung durch Festsetzung eines kürzeren Arbeitstages speziell für das weibliche Geschlecht. Der letzte Buchdruckerkongreß hat erst noch kürzlicki die Frage der Frauenarbeit debattirt, und ein Theil der Delegirten sprach sich entschieden für obige Maßregeln aus, während der andere gleiche Löhne für beide Geschlechter und die Organisation der Frauen in Gewerkschaften resp. ihren Eintritt in die bereits bestehenden Chambres syndicales forderte. Letztere Forderungen beruhen auf der Anregung der Sozialisten,'welche den Satz:„Gleichen Lohn für gleiche Leistung, ohne Unterschied des Geschlechts", schon längst in ihr Programm ausgenommen und behufs seiner Durchführung die gewerkschaftliche Organisation der Frauen empfohlen haben. Beide Maßregeln sind der erste Schritt zur ökonomischen Gleichstellung der beiden Geschlechter, welche die politische Emanzipation nach sich ziehen wird. In den Hauptpunkten der Frage sind die beiden sozialistischen Hauptfraktionen über ihre Stellungnahme einig. Die Possibilisten jedoch fordern, daß die Frau sofort in ihre politischen und sozialen Rechte eingesetzt werde, während die Kollektivisten der Ansicht sind, daß die thatsächliche ökonomische Emanzipation der Frau ihrer politischen vorausgehen müsse, da letztere ohne erstere in Wirklichkeit nichts an der Lage des weiblichen Geschlechtes ändern könne und werde. Jedenfalls entfaltet keine der beidch Fraktionen eine besondere Thätigkeit, tum die Frgu nach ihrer Methode selig zu machen. Die ganze Agitation der Possibilisten, um die Frau schon jetzt in ihre politischen und bürgerlichen Rechte einzusetzen, beschränkt sich darauf, bei den Wahlen eine oder mehrere Frauen als Kandidatinnen auf ihre Wahllisten zu setzen, die es dann glücklich zu einer Handvoll Stimmen bringen. Damit ist dem Programm- mäßigen Anstand genügt. Auf den letzten beiden(Regional- und National-) Kongressen der Fraktion wurde außerdem zur Frage der Frauenarbeit zum so und sovielten Male der oben zitirte Satz vom„gleichen Lohn für gleiche Leistung", sowie zum ersten Male die Organisation der Frauen in Gewerkschaften beschlossen.�) Ebenso wenig lhun die Kollektivisten, um die ökonomische Gleichstellung der Frau anzubahnen. Bis jetzt haben sie auch nicht einmal einen Versuch gemacht, den Frauen zu gleichen Löhnen, zur Gruppirung in Gewerkschaften zu verHelsen, von einer Agitation für diese Zwecke ist noch nicht eine Spur zu entdecken. Beide Fraktionen sind damit zufrieden, durch ihre Programme schwarz aus weiß darthun zu können, daß sie im Prinzip für die volle Gleichstellung der Frauen sind, und damit basta.„Wir haben mit den Männern genug zu thun, was wollt Ihr uns noch die Frauen aufbürden, wir machen unter erstere» so langsame Fortschritte, wie wird es da erst unter letzteren aussehen?"— das sind Aeußerungen, die man oft genug in sozialistischen Kreisen hört. Alles in Allem genommen, zeigen auch die französischen Sozialisten, daß die Frauen thatsächlich der fünfte Stand sind, der auf seine Emanzipation lange warten könnte, wenn nicht— die Maschine für dieselbe arbeitete. Im sozialistischen Lager selbst sind etliche Frauen, welche durch ihre Thätig- keit hervorragen und als Sozialisten natürlich die weitere Auffassung der Frauenfrage vertreten und für Heranziehung der Frau zu der allgemeinen Bewegung sprechen. Es sind dies Louise Michel, Leonie Rouzade und Paule Minck. Alle drei sind überhaupt als sozialistische Agita- torinnen thätig, sie treiben keine besondere Propaganda für Frauen, betonen aber stets die das weibliche Geschlecht be- sonders berührenden Punkte und suchen demselben soziali- stisches Denken beizubringen, sie in die Arbeiterbewegung hineinzuziehen. Das aufopfernde Wirken der Louise Michel wird leider durch ihre Unklarheit sehr beeinträchtigt, die Reinheit ihres Charakters ist von größerem Einfluß als die Stärke ihrer Beweisführungen. Leonie Rouzade war ♦) Als charakteristisch dafür, wie wenig die wahren Interessen der Frau und die Fundamente ihrer Lage in der Gegenwart und Zukunft begriffen werden, wie sehr formell die Forderung der Eman- zipation also geblieben ist, erscheint uns die Thatsache, daß auf dem Kongreß sowohl die Vertreterinnen der Frauenrechtlerinnen wie die sozialistischen Delegirten die Thatsache beklagten, daß die Industrie die Frau dem Heerde und dem häuslichen Kreise entrissen habe! besonders vor etlichen Jahren in der Bewegung ungemein thätig. Sie ist eine gewandte geistreiche Rednerin, dazu von ziemlicher Prinzipienklarheit, ihre Thätigkeit hat den Possibilisten, zu denen sie gehört, viele Anhänger zuge- führt. Die bedeutendste und kenntnißreichste der weiblichen Agitatorinnen ist Paule Minck, sie ist durchaus Prinzipien- klar und dabei eine treffliche Rednerin, welche mit Feuer, Energie und großer Uebersichtlichkeit spricht. Eine Freundin Guesde's, stand sie doch längere Zeit nur im losen Zusammenhang mit der kollektivistischen Fraktion, neuer- Vings scheint es jedoch, als ob sie sich derselben angeschlossen habe, da sie auf verschiedenen Kongressen als Delegirte an- wesend war. Will man angesichts des am Eingange angedeuteten Verhältnisses zwischen der Frauenbewegung und der kon- sequent sozialistischen Bewegung einen Schluß aus die Stärke der französischen Arbeiterbewegung überhaupt ziehen, so kann derselbe nur dahin lauten, daß die schwache Frauenbewegung der noch vielfach schwachen sozialistischen Arbeiterbewegung entspricht. Deutschland mit seiner kräftigen sozialistischen Partei hat in den letzten Jahren eine mächtige, lebensfähige Frauenbewegung gesehen, trotz der ungemein schwierigen Verhältnisse fanden sich Tausende und aber Tausende von Arbeiterinnen zusammen, um zu- nächst in den ökonomischen, dann aber in den sozialen Kampf überhaupt einzutreten. In England ist die Ent- Wickelung der Arbeiterparteien von einem stetigen Wachs- thum und einer steigenden Agitation unter den Frauen begleitet, einer Agitation, die vom sranenrechtlerischen Standpunkte ausgehend, sich immer mehr der sozialistischen Auf- fassung der Frauenfrage genähert hat und im Begriffe steht, sich nächstens ganz mit der Proletarierbewegung zu verschmelzen. In Amerika fluthet neben dem mächtigen Strom der Arbeiterbewegung ein starker Bach der Frauen- agitation. Die der Frauenemanzipation so ungemein gün- st igen Verhältnisse der Vereinigten Staaten führen der dortigen Frauenbewegung neue und schätzenvwerthe Kräfte zu, erschließen ihr alle Schichten der Gesellschaft, dehnen sie aus und vertiefen sie. Nur Frankreich zeigt eine schwächliche Bewegung der Frauen, erst die zartesten Keimansätze zu ihrer Ausbreitung auf die Schichten der Arbeiterinnen. In Frankreich ist eben die zielbewußte Arbeiterbewegung noch jung, sie hat sich noch nicht genügend geklärt und hat in der Masse noch wenig feste Wurzeln gesäilagen. Gegenwärtig schicken sich aber die Verhältnisse an, die Frauenbewegung auch in Frankreich auf eine höhere Stufe zu heben. Die Frage der Frauenarbeit wird von stetig brennenderer Bedeutung, die Kongresse und Gewerkschaften werden sich bald nicht mehr damit begnügen können, eine nur prinzipielle, theoretische Stellungnahme zu ihr zu nehmen. Die Durchführung der gefaßten Resolutionen und Erklärungen wird praktisch in Angriff genommen werden müssen, denn der ökonomische Kamps macht die Heranziehung und Organisation der Arbeiterinnen, ein Einverständ- niß zwischen ihnen und den männlichen Proletariern zur Nothwendigkeit. Am besten wäre es unstreitig, wenn die unter den Arbeiterinnen erwachsende Bewegung sofort sich mit der Arbeiterbewegung verschmelzen würde. Aber bei dem bereits bestehenden Antagonismus zwischen manchen Interessen der männlichen und weiblichen Arbeiter und vor Allem wegen der herrschenden Vorurtheile und einschränkenden Bourgeoisgesetze wird es gegenwärtig schwer halten, die ihrer Lage bewußt werdenden Arbeiterinnen in die bereits bestehenden Arbeiterassoziationen hineinzuziehen. Neben die sozialistische Bewegung wird eine Arbeiterinnen- bewegung treten, deren erstes Lebenszeichen die Gründung von Gewerksd)asten der Frauen ist. Auch in Frankreich ist der erste Anfang dazu gemacht, vor kurzem haben sich die in der Lebensmittelbranche be- schäftigten Frauen(Köchinnen, Brotverkäuferinnen:c.) ge- werkschastlich organisirt; sie unterhalten eine Delegirte in der Arbeitsbörse und vermitteln den in der Branche Stellungsuchenden Beschäftigung. Dadurch, daß der Kamps für die Emanzipation der Frau zunächst auf daS ökonomische Gebiet verlegt wird, wird die breite Masse der Jndustriearbeiterinnen zur Trägerin der Frauenbewegung werden und damit ist die Garantie gegeben, daß die Bewegung stark und lebens- fähig bleibt. Die wirkliche thatsächliche Frauenemanzipation kann nicht durch eine Handvoll Frauenrechtlerinnen angebahnt werden, sondern nur durch die Masse der Arbeiterinnen; sie kann nicht lediglich auf der politischen Gleichstellung fußen, sie muß auch die ökonomische Emanzipation zur Grundlage haben, sie kann ihren endgültigen Abschluß erst in einer sozialistischen Gesellschaft finden. Eine Frauenbewegung, die auf diesen Grundsätzen fußt, muß mit Naturnothwendigkeit ins sozialistische Lager führen. Je klarer und bewußter die Frauen über ihre Lage werden, um so mehr muß sich ihnen die Erkenntniß ausdrängen, daß ihre ökonomische Emanzipation bei� Auf- rechterhaltung der bestehenden Produktionsverhältnisse ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Arbeiterparteien werden alsdann in den zum Bewußtsein erwachten und� geschulten Frauen die trefflichsten und eifrigsten Bundesgenossen finden. Unter den deutschen Anarchisten Londons.*) G Als ich nach London kam, wußte ich, daß von dort aus die anarchistische Bewegung in Deutschland geleitet wurde, sowie daß ein gewisser Joseph Peukert dort *) Anmerkung: Dieser Artikel ging uns kurz vor Schluß der Redaktion zu und wir sind nicht in der Lage, die Urtheile über die als Hauptführer fungire. Außerdem hatte ich gelesen, daß ist wenigstens in der„ Autonomie" ein Ding der Unmög- Durch Anwendung solcher Kunststückchen ist Peukert die Londoner Anarchisten jedem Fremden, der in ihre lichkeit. Man wird einfach niedergeschrieen. Die Methode, in dem von ihm begründeten Klub ,, Autonomie" unum Klubs hineindringt, einen Revolver unter die Nase halten welche die Herren dabei anwenden, ist für ihre Kampfes- schränkter Herrscher geworden. Und er beutet diese Stellung und denselben auch abfeuern, wenn der Bedrohte seine weise wie für den Werth ihrer Prinzipien so charakteristisch, in ergiebigster Weise aus. Wer Kritik an ihm zu üben werthe Person nicht schleunigst in Sicherheit bringt. Die daß sie durch ein kleines Beispiel illustrirt zu werden ver- wagt, wird von ihm und seinen Anbetern einfach aus lettere Nachricht hatte ich indeß aus der Kölnischen Zeitung dient. Dasselbe ist der Wirklichkeit entnommen. dem Vereine hinausgeschrien. Auf diese Weise pflegen geschöpft, und man wird mir also wohl verzeihen, wenn Ich spreche mit Peukert und einigen seiner Anhänger überhaupt die Gruppen das Prinzip der freien Meinungsich die Richtigkeit derselben vorläufig etwas anzweifelte. über die anarchistische Produktionsweise und es entwickelt äußerung in's Praktische zu übertragen. Außerdem hatte ich in Deutschland mehrere Anarchisten sich dabei zwischen uns folgende Debatte: persönlich kennen gelernt, und ich hatte dabei die Entdeckung gemacht, daß sie zwar etwas unklare Köpfe, aber nichts weniger als gefährlich waren. Warum sollten die vielgerühmten Londoner Führer anders sein? " " " * * Peufert ging nach London. Hier konnte er als Märtyrer für die Sache des Anarchismus“ mit der nöthigen Autorität auftreten, und man muß es ihm lassen, daß er seine Rolle mit großem Geschick spielte. Peukert ist nämlich, wie er selber sagt, ein intelligenter Kerl. Zur Zeit seiner Ankunft in London war der nach Ich:" Sie verlangen also, daß jeder Mensch soll thun und Herr Joseph Peukert hat ein sehr wechselreiches Leben lassen können, was er will, daß es ihm überlassen bleiben soll, ob hinter sich. Er ist in Reichenbach in Nordböhmen geboren er arbeiten will oder nicht. Ich gebe Ihnen nun zu, daß der Mensch und von Beruf Stubenmaler. Auf seinen Reisen kam nur in Folge seiner Erziehung oder in Folge der Verhältnisse, in die er später hineingeräth, arbeitsschen wird; aber immerhin werden er nach Wien, und hier scheint er bald sein ziemlich mühEs galt also einen Versuch zu machen, und ich Sie auch nach Ihrer Revolutiou noch eine ganze Anzahl solcher fames Handwerk gegen das bequemere eines Polizeiagenten machte ihn in der Höhle des Löwen selber, in dem Klub, arbeitsscheuer Individuen in ihrer Gesellschaft" haben. Außerdem ausgetauscht zu haben. Seine erste Heldenthat bestand der unter der speziellen Leitung des berüchtigten Joseph aber werden sämmtliche Gegner der von Ihnen herbeigeführten Um- darin, daß er sich in die Redaktion der sozialdemokratischen Peukert steht. der anarchistischen Gesellschaft" beweisen wollen. Und da nach Bukunft" hineinschmuggelte und, um eine Spaltung in Dieser Klub nennt sich die Autonomie" und hat Ihrer Ansicht der Faullenzer ein ebenso großes Anrecht auf die der österreichischen Arbeiterpartei zu Stande zu bringen, sein Lokal in der Windmillstreet in der Tottenham Court Genußmittel der Gesellschaft hat, wie der Arbeitende, so kann er das Blatt in's anarchistische Fahrwasser hinüberleitete. Road. Er ist nicht allein der radikalste, sondern nach das Schmarogerleben so lange aushalten, wie er will. Aber die Daneben trat er in Volksversammlungen und Vereinen Arbeitenden werden es nicht lange aushalten; sie werden sich im meiner Auffassung überhaupt der einzige Anarchistenklub Gegentheile recht bald weigern, für all die Faullenzer mitzuarbeiten als Brandredner auf, und spielte mit gutem Geschick den Londons. Der Klub der Mostianer" und die Morgen- und eventuell selbst die Arbeit einstellen. Dann werden Sie dekre: agent provocateur. Als solcher strebte er darnach, die röthe" find sämmtlich, obwohl sie sich anarchistisch nennen, tiren müssen:„ Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen," und Arbeiter zu anarchistischen Attentaten und Putschen zu im Grunde genommen doch Anhänger Blanqui's gerade mit Ihrer anarchistischen Freiheit ist es zu Ende. Das ist aber veranlassen, natürlich in der edlen Absicht, dieselben zu noch der günstigste Fall; viel verwickelter noch würde sich die Sache wie ihr Herr und Meister Johann Most selber. gestalten, wenn die Schmarozer in der Majorität sind und Ihre entdecken", und die Verführten dafür einsperren zu lassen. Das Lokal der Autonomie macht durchaus nicht den Resolution einfach mit Stimmenmehrheit ablehnen. Was dann?" Ob ihm dies gelungen ist, kann ich freilich nicht mit BeEindruck, als ob dort welterschütternde Pläne geschmiedet Peufert: Dann werden wir sie mit Verachtung strafen und stimmtheit entscheiden, aber jedenfalls ist so viel Thatsache, würden. Wir treten in ein enges Stübchen, das sich weiter für sie arbeiten, bis sie endlich, um unsere Achtung zu ge- daß während seines Aufenthaltes in Wien mehrere Attentate höchstens durch seine Kleinheit von einem Londoner Bier- winnen, das Drohnenleben aus eigenem Antriebe aufgeben." Ich:„ Aber wenn sich nun die Drohnen um Ihre Verachtung vorkamen, und daß die Thäter mit seltener Promptheit Lokal unterscheidet. Die sieben Mann, die dort anwesend nicht fümmern, wenn fie vielleicht gar den Spieß umdrehen und entdeckt" wurden. find, stehen am Büffet herum oder sißen schläfrig auf den Ihnen erklären:„ Wir können mit größerem Rechte euch verachten, Endlich wurde jedoch auch den Anarchisten die Ehrlichbeiden hölzernen Bänken, die neben einem Flügel das ein- weil ihr so dumm ſeid, zu arbeiten, obwohl ihr auch ohnehin von keit Beukert's zweifelhaft. Doch sofort erschien ein rettender Gesellschaft ernährt werden müßt." Was machen Sie dann?" zige Mobiliar des Zimmers bilden. Man empfängt uns Peutert: Das fönnte doch höchstens für die erste Generation der Engel in Gestalt eines Polizeibeamten, der Peukert mit neugierigen Blicken, aber schweigend und ohne uns nach der Revolution Giftigkeit haben; schon die nächste würde in verhaftete. Angeblich geschah dies wegen Verdachts der einen Revolver unter die Nase zu halten. Ich nenne unseren Schulen so erzogen werden, daß sie schon ausnahmslos Betheiligung an dem Merstallinger Attentat; aber Fälle, meinen Namen und versuche mit dem ersten Besten eine arbeiten wird." Ich:" Aber Sie können, ohne das anarchistische Prinzip zu daß Polizeiagenten verhaftet worden sind, um ihnen neues Unterhaltung anzuknüpfen. Nach einer kurzen Einleitung verlegen, doch Niemanden zwingen, seine Kinder in Ihre Schule Prestige zu verleihen, stehen bekanntlich keineswegs verlenke ich das Gespräch auf die gegenwärtige politische Si- zu schicken. Und die Faullenzer werden Ihnen natürlich auf Ihre einzelt da. Nur wird dann gewöhnlich das Verfahren tuation und frage mein Gegenüber nach seiner Ansicht über höfliche Einladung hin antworten:„ Wir schicken euch unsere Stinder später ,, wegen mangelnder Beweise niedergeschlagen"; und dieselbe. Er meint, daß eine Revolution nahe bevorstehe, nicht; in euren Schulen werden sie ja lediglich für die ſtumpfsinnige so war es auch im Falle Peutert's. Nach einiger Zeit Er meint, daß eine Revolution nahe bevorstehe, Arbeit zurechtgebrillt; wir gründen eigene Schulen, wo das Prinzip wurde er aus der Haft entlassen und begab sich in's denn in Deutschland sei die„ reaktionäre Sozialdemokratie" der Faulheit gelehrt wird." fast schon ganz ausgestorben, während es dort mindestens Peutert( heftig):„ Sie wollen also behaupten, daß unsere gegen- Ausland. Daß troß der niedergeschlagenen Untersuchung eine Million Anarchisten gebe. Meine Erwiederung, daß wärtigen Schulen so sind, wie sie sein sollten; Sie bezweifeln also, ein Steckbrief hinter ihm her erlassen wurde, brauche ich daß heutzutage auch in der Schule das Geld die Hauptrolle spielt. im Deutschen Reiche Summa Summarum noch keine fünfzig en die wirtlich auf der spöhe der Sozialwissenschaften stehen, wohl nicht zu bemerken. Anarchisten vorhanden seien, wurde natürlich mit schallen- dann müssen Sie doch wissen, daß nur derjenige es zu einer höheren dem Hohngelächter aufgenommen. Bildung bringen kann, der zufälligerweise mit einem großen GeldIm Laufe unserer Unterhaltung gebrauchte ich das sack geboren ist, während der Arme zeitlebens ein Dummkopf bleiben muß. Wort„ Spißel". Sofort springt einer der Anwesenden auf Und nun fällt der ganze umherstehende Chorus ein mich los, hält mir die Faust unter die Nase und erklärt mir schreiend, ich hätte kein Recht, sie in ihrem eigenen und schimpft mit Beukert vereint über die Mißstände des Lokal zu beleidigen; Beukert sei kein Spizel, und wer gegenwärtigen Schulweſens, und das so kreischend und so Amerika übergesiedelte Most noch in allen anarchistischen etwas derartiges von ihm behaupte, sei ein Hundsfott. Ich beharrlich, daß man Nerven wie Schiffstaue haben müßte, Fragen unbedingte Autorität. Zum Glück für Peukert versuche, den Biedermann über sein Mißverständniß auszu- wenn man nicht endlich das Feld räumte. Und dann ist und für die internationale politische Polizei veröffentlichte klären, aber vergebens. Er schreit mit einer solchen Stentor- die Eriſtenzfähigkeit des anarchistischen Staates wieder er indeffen unmittelbar darauf eine Artikelserie, die später das gegenwärtige Schulwesen taugt unter dem Titel„ Die freie Gesellschaft" in Broschürenftimme auf mich los, daß ich jeden Versuch einer Berstän- bewiesen, denn ja nichts. digung aufgeben muß. form erschienen ist. Diese Artikel waren unbedingt nicht Ich habe diese Diskussionsmethode so ausführlich ge- tonsequent anarchistisch, und Herr Peukert baute daraufhin Plößlich schnellt indessen einer der Anwesenden von seinem Size empor, springt auf meinen Angreifer zu und fennzeichnet, weil sich lediglich aus ihr die großen agitato- feinen Plan. Er wollte das Most'sche Organ, die ,, Freidonnert ihm entgegen:„ Du bist ja besoffen, marsch set' rischen Erfolge eines Peutert und seiner Konsorten erklären heit", als Parteiblatt unmöglich machen und selbst ein dich und schway' fein dummes Zeug!" Der also Ange- laſſen. Könnte man diese Schwäßer zwingen, in ihren neues herausgeben. Dies gelang ihm freilich nicht ganz, brüllte stockt, sieht sich um und begiebt sich, ohne ein Wort öffentlichen und privaten Debatten bei der Sache zu bleiben, aber doch theilweise. Ein gewisser Nathan- Ganz, ein bedann würde man ihnen im Laufe einer halben Stunde rüchtigter Kreditschwindler und Hochstabler, hatte nämlich zu sagen, auf seinen Platz. Ich sehe mir den Mann, der in dieser antiautoritären jeden nicht vollständig stumpfsinnigen Anhänger entziehen furz vorher angefangen, in London eine Serie von Flugfönnen. Aber dadurch, daß sie auf ein anderes Thema blättern unter dem Titel ,, Der Rebell" herauszugeben. Gesellschaft eine solche Autorität ausübt, etwas genauer Er ist etwa 30 Jahre alt und von hoher, schlanker überspringen, welches mit dem Anarchismus auch nicht Leider hatte er sich jedoch aus guten Gründen unsichtbar Statur. Das Gesicht ist scharf geschnitten und zeugt von das Entfernteste zn thun hat, sich aber leicht im volks- machen müssen, und nun übernahm Beukert die Redaktion ungewöhnlicher Intelligenz. Das volle schwarze Haar und thümlichen Sinne behandeln läßt, dadurch erringen sie dieser Flugschriften. Sie erschienen in Zeitungsform, aber der gleichfarbige Schnurrbart harmoniren vortrefflich mit fast ausnahmslos den Sieg. Denn von der großen Masse in unregelmäßigen Zwischenräumen, und sind jedenfalls überlegen es sich neun Zehntel gar nicht, ob das Gehörte das Aufreizendste, was die deutsche anarchistische Literatur Seiner Einladung folgend, setze ich mich ihm gegen mit dem Gegenstande der Diskussion in irgend welcher bis jetzt hervorgebracht hat. Und das, obwohl sie von Seiner Einladung folgend, setze ich mich ihm gegen über, und wir unterhalten uns über politische und soziale Berbindung steht; sie sagen sich lediglich: Beukert oder einem Mitgliede der Polizei ausgegeben wurden! Fragen. Mein Gegner verräth dabei eine seltene Schlag- Most oder Daubenspeck hat Recht, folglich hat sein Gegner Aber selbst diese Stellung genügte dem ThätigkeitsUnrecht, folglich haben die Anarchisten gesiegt." Und fertigkeit und eine bedeutende Belesenheit. Schließlich wendet sich das Gespräch dem vorhin erwähnten Beufert wenn einmal der außergewöhnliche Fall eintritt, daß die drange dieses ,, wahren Apostels der sozialen Revolution" zu, ich erinnere mein Gegenüber daran, daß derselbe im Stimmmittel eines solchen rhetorischen Klopffechters nicht nicht. Er fühlte, daß er berufen sei, seinen Auftraggebern Sozialdemokrat" als Polizeiagent bezeichnet werde und dieselbe Stärke befißen, wie die Nerven seines Gegners, noch größere Dienste zu leisten! Infolge dessen brachte frage nach seiner Meinung in Bezug auf diesen Gegen- wenn er also, mit andern Worten, diesen zu einer Enté er im Mai 1885 eine Spaltung unter den Londoner Anarchisten zu Stande und gründete einen eigenen Klub, stand. Der Angeredete legt das eine Bein breit über das gegnung zu Worte kommen lassen muß, dann schließt er andere, kreuzt die Arme, lehnt sich gegen den Flügel zurück ſeine Rede etwa mit folgenden Worten: Ihr seht also, die oben erwähnte ,, Autonomie". Derselbe übernahm die und antwortet dann im gleichgültigsten Tone von der Brüder, daß wir uns einer Klique gegenüber befinden, die Herausgabe des„ Rebell" und anderer anarchistischer FlugWelt:„ Ich weiß, daß Peukert nicht allein ein ehrlicher, keine Ahnung von denjenigen Wissenschaften hat, die sich schriften, die zum Theil zu Tausenden in Deutschland und sondern sogar einer der besten Genossen ist, die wir über auch der einfachste Arbeiter schon lange an den Schuhsohlen Desterreich verbreitet wurden. Durch diese umfangreiche Mit solchen infamen und bornirten literarische Thätigkeit verschaffte sich Beufert einerseits einen haupt in unserer Partei besißen. Der" Sozialdemokrat" abgelaufen hat. wühlt lediglich deswegen gegen ihn, weil er zu viele So- Bourgeois weiter zu disputiren, ist tief unter unserer genauen Ueberblick über den Stand der anarchistischen Bezialdemokraten in's anarchistische Lager herüberzieht. Beu- ammt Würde. Ich ersuche euch daher, Anarchisten, mit mir wegung in den Ländern deutscher Zunge; andererseits fert ist nämlich ein intelligenter Kerl und die Sozialdemo- und Bürger Beukert" mit seinen gesammten Anhängern Spaltung in der deutschen Sozialdemokratie zu Wege zu elende Gesellschaft zu verlassen." eine bringen. Zu diesem Zwecke beschimpfte er die VertrauensSpäter erfuhr ich, daß der Mann, der mir dieses verläßt den Saal – der Anarchismus hat wieder gefiegt. leute der sozialdemokratischen Partei bei jeder Gelegenheit Ehrenzeugniß für Peutert ausstellte, niemand anderes war, den einzelnen Anarchisten unter vier Augen von der Un- und in den denkbar heftigsten Ausdrücken. Dieses Vorkommniß ist bezeichnend für den Verkehr ſinnigkeit seiner Lehren zu überzeugen sucht. Er gestattet Betrüger, Volksabwiegler, Reaktionäre, Denunzianten, innerhalb der anarchistischen Klubs. Jedes Mitglied hat uns nicht einmal, unsere Gründe vorzubringen; er ent- Polizeiſpiel" wurden ihre stehenden Titulaturen. Jm November 1886 begann der Klub Autonomie die eine Anzahl von Namen, die er je nach Bedarf anwendet, gegnet uns einfach:„ Ich merke schon, daß Sie ein Bourgeois und ein Fremder kann mit ihnen monatelang verkehren, sind; ich will von Ihnen gar nichts hören," und schneidet Herausgabe einer gleichnamigen Zeitung. Dieſelbe erscheint ohne zu erfahren, welche bekannte Persönlichkeit hinter dem damit jede weitere Konversation ab. Diese Taktik wird alle vierzehn Tage und steht natürlich unter der intellekharmlosen Meier oder Müller stedt. ihnen von den Führern aus naheliegenden Gründen direkt tuellen Leitung Joseph Peutert's. Sie ist offenbar das vom Eine ſachliche Diskuſſion mit den Leuten zu führen, der anarchistischen Freiheit gegen diese Vorschrift verstößt. auch in dem üblichen Schimpfen auf die Sozialdemokratie anbefohlen, und wehe demjenigen, der etwa im Gefühle anarchistischen Standpunkte aus bestredigirte Blatt, und So schrieb beispielsweise Most in seiner Freiheit", als übertrifft sie alle verwandten Organe um ein Bedeutendes. Londoner Anarchisten und Anarchistenführer auf ihre Richtigkeit Liebknecht im vorigen Herbste seine Agitationsreise durch Soweit war also alles in bester Ordnung! Peukert hin zu prüfen. Wir würden den Autor daher auch gebeten haben, mit feinem Namen für seine Mittheilungen einzutreten wenn die Amerika machte, daß von den Anarchisten sich niemand war unbedingter Herr der Situation! Aber auch das geZeit dazu nicht zu furz gewesen wäre und der Verfasser von jedem mit ihm in eine Debatte einlassen dürfe, daß man ihm nügte ihm noch nicht; er fühlte, daß er zu größeren Thaten Kundigen nicht leicht errathen werden könnte. Da er durch seine vielmehr eine Dynamitbombe zwischen die Beine werfen" geboren ſei. an. dem dunklen Teint und den düstern, stechenden Augen. traten sind Waschlappen." als Peukert selber. werden, erworben hat, so geben wir seine Ausführungen vollständig " Und auch dadurch ist nichts zu erreichen, daß man Bergangenheit sich zweifellos das Recht, in jeder Frage gehört zu sollte. Letzteres ist allerdings das beste Mittel, einen In Belgien lebte damals unter dem angenommenen wieder, ohne fie wie gesagt- damit auch zu den unseren gefährlichen Gegner loszuwerden, wenn man es nur Namen Stephens ein deutscher Anarchist Johann Neve. machen zu wollen. Die Ned. der„ Berl. Volkstr." nicht selber anzuwenden braucht. Derselbe ist unzweifelhaft einer der überzeugungstreuesten Politische Nachrichten. hatte: In Anbetracht, daß seitens derjenigen, welche die Macht in Händen haben, die Neigung vorherrscht, die konstitutionellen Rechte des Volkes zu verkürzen und zu verlegen, in Anbetracht ferner, daß diese Neigung bereits durch die Mayors( Bürgermeister) und Polizeibeamten der Städte durch willfürliche Auslegung konstitutioneller Rechte und Geseze, Verbieten von öffentlichen Versammlungen und Verfolgung der Vertreter von Arbeiterorganisationen praktisch bethätigt erklären wir, und edelsten Menschen, die jemals an einer politischen alte, erfahrene Liebknecht, der schon Jahrzehnte lang den amerikanischen Gewerkschaftsbundes folgenden Wortlaut Agitation fich betheiligt haben, ein Mann, dem selbst seine Kampf gegen dieselbe geführt hat, hat einmal gesagt, daß erbittertsten Gegner ihre Achtung nicht versagen können. unter zehn Anarchisten neun Polizeispione seien. Und nach Er hat, so lange er an der anarchistischen Bewegung be- meinen Erfahrungen kann ich ihm nur beistimmen. theiligt gewesen ist, ein geradezu menschenunwürdiges Leben gefristet, nur um von dem Lohne, den er als Tischlergeselle verdiente, möglichst viel zur Unterstützung der anarchistischen Presse und Agitation hergeben zu können. Er hat oft Nächte lang auf dem nackten Fußboden geschlafen, um einem obdachlosen Genossen sein Bett überlassen 3 und Kohlenindustrie bemerkbar. Direktoren und Aktionäre In Belgien ist ein starker Aufschwung in der Metall- wurde, können; er hat sich buchstäblich mehr als einmal das letzte freuen sich schon auf die fetten Dividenden, die ihnen zu des Volkes dieses Landes, namentlich jener edle Geist des Widerdaß wir es auf's Tiefste beklagen, daß der demokratische Geist Hemd vom Körper gezogen, um es einem Bedürftigen zu fließen werden, und das einzige störende Element bei dieser standes gegen Tyrannei und Unrecht, den die Gründer unserer Reschenken- kurzum, soviel ich gegen die Anarchistenführer im gehobenen Stimmung bilden- die Arbeiter, die unzart publik zeigten und ausübten, rasch ersetzt wird durch einen Geiſt Allgemeinen einzuwenden habe: Neve ist ein Ehrenmann. genug sind, auch eine kleine Besserung ihrer elenden Lage der Anarchie seitens derjenigen, welche die Diener des Volkes Seiner Tendenz getreu, immer die gefährlichsten zu verlangen. Der„ Voss. 3tg." wird darüber berichtet: sein sollten Posten zu übernehmen, hatte er sich nach Belgien begeben, Lohnerhöhung und Verbesserung der Stellung", das sind in dieser fortdauernden Mißachtung der konstitutionellen Rechte des daß wir, als die Vertreter der organisirten Arbeit des Landes, um von dort aus die verbotenen anarchistischen Druck- die Forderungen, welche die Arbeiter einmüthig erheben, Volts den Beginn der vollständigen Zerstörung ameri= schriften in Deutschland hineinzuschmuggeln. Natürlich und wenn man erwägt, daß bei jeder ungünstigen Ge- fanischer Institutionen erkennen, wogegen wir mit Eifer fahndete die Polizei fortwährend auf ihn, aber da sie ihn schäftslage sofort die Löhne heruntergesetzt werden, so protestiren. " nicht kannte, wußte er ihr stets zu entgehen. Auch von muß die Forderung der Arbeiter berechtigt genannt werden. " den Anarchisten wußten nur wenige seinen Aufenthaltsort. Bei dem bekannten Eigennuße der belgischen Großindustriellen ist, hat sich, auf Grund der Mittheilungen, die über seinen Inhalt Noch ehe das neue Sozialistengeset offiziell bekannt Aber zu diesen letzteren gehörte auch Peukert, den Neve für erfüllen nur wenige große Werke das Verlangen der doch durchgedrungen sind, ein heftiger Streit über das Zustandeeinen überzengungstreuen Anarchisten und für seinen Freund Arbeiter, die Meisten schüßen die Konkurrenz des Aus- kommen des Gesetzes zwischen den konservativen und nationalhielt, und Peutert wußte dieses Bertrauen auszubeuten. Landes, und die niedrigen Verkaufspreise vor. Unter diesen richtet sich auf die Nationalliberalen, und die offiziellen Organe der liberalen Blättern entſponnen. Die Hoffnung der Regierung Gegen eine entsprechende Entschädigung spielte er Neve Umständen ist es kein Wunder, wenn wieder die Arbeiter- konservativen Partei geben diesen deutlich zu verstehen, daß das in die Hände der belgischen Polizei, dieselbe lieferte ihn bewegung in Fluß kommt. So finden wieder aller Orten Sozialistengesetz die Probe für ihre Kartelltreue und den eigentlichen an Deutschlaud aus, und Neve wurde zu fünfzehn Jahren Arbeiteraufzüge mit rothen Fahnen, und wo diese ver- Befähigungsnachweis für die Zugehörigkeit zur nationalen MehrZuchthaus verurtheilt. heit bilden werde. Die Sache- schreibt die Franff. 3tg." boten werden, mit schwarzen Fahnen statt; allsonntäglich fann recht interessant werden, denn zum Scherz bringt Fürst BisDer Züricher Sozialdemokrat" hat die Einzelheiten werden unter dem Vorsiße von Sozialisten Versammlungen mard sicher nicht ein so ungeheuerliches Gesez ein; er rechnet auf dieser Peutert'schen Heldenthat in Nr. 20 des Jahrganges abgehalten. In Chatelet hat jetzt drei Tage hindurch der sein Zustandekommen, und die ihn in dieser Hoffnung täuschen, 1887 aufgedeckt. Nichtsdestoweniger spielt dieser Heuchler Kongreß der„ sozialistisch- republikanischen Abeiterpartei", müssen sich auf seinen Zorn gefaßt machen. Auch die mehrfach noch nach wie vor seine Rolle in dem Klub Autonomie. der eine große Anzahl Kohlenarbeiter- Verbände des Bori- aufgetauchte Ansicht, daß die Verschärfungen des Gesetzes vielleicht Er hat eben die meisten seiner Anhänger so zu fasziniren nage angehört, getagt, um eine allgemeine Arbeitseinstellung fünf Jahre durchzubringen, entbehrt jeder verständigen Grundlage. nur beantragt seien, um schließlich das unveränderte Gesetz auf gewußt, daß sie alles, was sich gegeu ihn richtet, ohne anzubahnen. In Brüssel sind die belgischen und hollän- Wenn es dem Reichskanzler nur darum zu thun wäre, so brauchte Untersuchung für Verleumdung halten. dischen Arbeiter- Delegirten der Metallverbände zusammen- er feine so besonderen Anstrengungen. Das kann er von der ,, nationalen" Mehrheit leichter erlangen. So schwer es der getreten und haben nicht nur ihre Theilnahme an dem im" Kreuzzeitung" ankommen mag, so muß sie doch anerkennen, Wenn ich mein Urtheil über die deutschen Anarchisten Haag am 15. Januar zu eröffnenden niederländischen Daß das Zustandekommen des Sozialistengesezes von einer vorherLondons in Kürze aussprechen soll, so geht dasselbe dahin: Kongreffe, sondern auch die Schaffung eines internationalen gehenden Verständigung der Regierung mit den Nationalliberalen die Leute sind nichts weniger als gefährlich; sie sind kolosale Metallarbeiter- Vereins beschlossen. Dazu beginnen wieder abhängig ist. Sie ist so edel, bereits die Hand zum Kompromisse entgegenzuftreden, und sie schlägt vor, daß die Verbannung Schwäßer, aber ihr Muth ist ebenso klein, wie ihr Mund- die Arbeitseinstellungen in den Kohlenwerken. In Gilly aus dem Reiche nicht dem Ermessen der Polizeibehörden anwerk groß ist. Attentate hat man von diesen Leuten nicht feiern 410 Arbeiter schon seit Tagen und verlangen die heimgestellt bleibt, sondern nur durch Richterspruch verfügt zu erwarten; das Einzige, was sie einigermaßen verstehen, Entlassung eines Aufsehers, in den Gruben von Sars- werden kann. Eine bessere Gewähr gegen möglichen Mißbrauch ist, ihre Genossen in Deutschland und Desterreich zu dummen Longchamps feiern 250 Kohlenarbeiter, um die Verbesse- der Gewalt giebt es jedenfalls nicht, und wir glauben, daß keine Streichen aufzureizen. Aber da sich ihr Anhang auf ein rung ihrer Stellung durchzuseßen; in anderen Gruben Partei, der es ernstlich darum zu thun ist, Staat und Gesellschaft vor den Mächten des Umsturzes sicher zu stellen, gegen diese Lösung Minimum reduzirt, ist auch davon nichts zu befürchten. ruht die Arbeit, weil die Arbeiter vergeblich Lohnerhöhung der schwebenden Frage erhebliche Bedenken vorzubringen vermag. Unter solchen Umständen Ausnahmegeseze gegen diese Leute fordern kurz überall gährt es. Selbst die Behörden zu erlassen, hieße mit Kanonen nach Spaßen schießen, hieße mahnen die Werkbefizer zur Mäßigung, aber trotz aller ihnen eine Bedeutung beilegen, die sie nicht im Entferntesten trüben Erfahrungen ist wenig Aussicht vorhanden, daß sie befizen. Man laffe die Leute gewähren, und ihre Agitation die Stimme der Vernunft hören. Wieder geht ein Jahr wird von derjenigen der Sozialdemokratie erdrückt werden. zu Ende, aber von allen versprochenen Arbeitergefeßen ist so gut wie nichts zu Stande gekommen. * * * * * " 1 " Man sieht, die Kreuzzeitung" hat noch Vertrauen zu den Richter sprüchen in politischen Prozessen. Sie wird es aber anderen Parteien wohl nicht übeluehmen, wenn diese, auf Grund der Erfahrungen ber legten Jahre, den richterlichen Entscheidungen in politischen Prozessen sehr steptisch gegenüberstehen. Eine brutale Maßregel wird übrigens dadurch nicht besser, daß fie von Gerichten verhängt wird. Ueber die gewählte Form der Erpatriirung wird jetzt von offiziösen Blättern geschrieben:„ Die Verschärfung der AusweisungsGerade, wie ich im Begriff stehe, diese Ausführungen Am 13. d. M. trat in Baltimore der Kongreß der maßregel wird dahin in dem Entwurfe vorgeschlagen, daß unter das Gesetz fallende Personen unter bestimmten Voraussetzungen auf die Post zu geben, finde ich im Parteiorgan der österreichi- American Federation of Labor" zusammen. Die durch Verfügung der Zentralbehörde ihres Heimathsstaates der schen Sozialdemokraten eine Erklärung des Vertrauens-" Federation" ist ein Bund von Gewerkschaften zum Staatsangehörigkeit verlustig erklärt und aus dem Bundesfomitees der Londoner Anarchisten, in welcher gewecke gegenseitiger Unterstützung und der Förderung gesagt wird, daß Peukert sich heimlich aus London entfernt setgeberischer Maßnahmen im Interesse der Arbeitersache. hat, daß er im Dienste der internationalen Polizei steht, Sie erhebt einen geringen Jahresbeitrag( sechs Cents) für und daß man sich daher anderwärts vor ihm hüten möge. jedes Mitglied, der zunächst zur Bestreitung der Kosten Endlich ist man also doch zur Einsicht gekommen. der Verwaltung und der Agitation in Wort und Schrift, Die Idee aber ist zu genial, als daß sie nicht der sodann eventuell zur Unterstüßung kämpfender Mitglieder Nachwelt überliefert werden sollte! Die ganze anarchistische bestimmt ist, wenn die Mittel ihrer Fachorganisation erschöpft Bewegung in Deutschland und Desterreich von einem sind. Der Beitrag kann unter Umständen auch erhöht Polizeiagenten geleitet, die Rezepte für Dynamitbomben, werden. Die Mitgliederzahl wird auf etwa 600 000 ge= für Brandzigarren und Zündflaschen von einem Polizei- schäßt. agenten geliefert, das radikalste anarchistische Organ, das -in deutscher Sprache erscheint, von einem Spißel redigirt. Wie auch die amerikanische Bourgeoisie anMan könnte wahrhaftig der internationalen Polizei ein gesichts der starken Arbeiterbewegung mehr und mehr reKompliment machen! aktionären Anwandlungen verfällt, berichteten wir bereits Bu gleicher Zeit ist aber der Vorgang ungemein be- öfter. Es ist daher ganz charakteristisch, daß eine der zeichnend für die anarchistische Bewegung überhaupt. Der zuerst eingebrachten Resolutionen auf dem Kongreß des Freunden und Genossen empfehle meine Uhren- Reparaturwerkstätte zur geneigten Beachtung. Gleichzeitig empfehle mein Lager von Uhren, Uhrketten und Berloques. Nicht Vorhandenes wird besorgt. E. Rüger, Uhrmacher, Admiralstrasse 39.( Am Kottbuser Thor.) Nähmaschinen sämmtlicher Systeme auch auf Theilzahlung. Reparaturen schnell und gut. E. Franke, Saarbrückerstraße 6. Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von C. Klein. 15. Ritterstraße 15. Daselbst Zahlstelle der Gürtler u.Bronceure( E.H.60.) Cigarren- und Tabaks- fabrik von H. Gumpel, Berlin NO., Barnimstraße 42, Lager von Rauch, Kau- u. Schnupftabak, sowie russischer und türkischer Cigarretten. Möblirte Schlafstelle für 2 Herren sofort zu verm. Manteuffelstr. 117, 2 Tr. l. gebiete ausgewieſen werden können. Kein Bundesstaat foll in seinem Gebiete erwerben lassen. Mittelbar geht also ferner einen Ausgewiesenen die Staatsangehörigkeit die Reichsangehörigkeit durch die Entziehung des Indigenats in einem Einzelstaale verloren, und diese Form mußte() nach dem Vorbilde des sog. Erpatriirungsgeseges vom 4. Mai 1874 gewählt werden, da es eine unmittelbare Reichsangehörigkeit nicht giebt und für die betreffenden Verfügungen nur einzelstaatliche Behörden vor= handen und zuständig find." Die sozialistischen Reichstagsabgeordneten fordern die Genossen zu Beiträgen für die Sammlung auf, aus deren Ertrage die Kosten für dauernde Unterbringung des Abg. Hasen= clever in einer Heilanstalt bestritten werden sollen, und welche zugleich die Mittel aufzubringen hätte, die nöthig sind, um der Familie die Begründung einer neuen Gristenz zu ermöglichen. Die Hoffnung auf Genesung Hasenclever's ist nach Aussage der behan= delnden Aerzte leider sehr schwach". Die Produktiv- und Rohstoff- Genossenschaft der Schneider zu Berlin( E. 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Die Arbeitsvermitte lung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 10 Uhr Abends, Sonntags von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da sich die vier Kassirer der„ Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, sich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Arbeitsnachweis zu benutzen. Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die nächste Versammlung erst am Sonnabend, den 7. Januar, stattfindet. Berantwortlicher Rebatteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Der Vorstand. № 22. Beiblatt zur„ Berliner Volks- Tribüne". Das neue Jahr. Von Hugo Schlag. 1 Die Straßen still bald Mitternacht Auf Zwölfe hob die Wanduhr aus, Noch finnend wacht der Proletar' Beim trüben Licht im öden Haus. Sein Heim ist nur ein enger Raum, Kein Feuer lodert im Kamin, Ihn wärmt sein dürftig Lager nicht, Eisblumen an dem Fenster blüh'n. Wohl wirkt er nur für sich allein, Ihn sorget weder Weib noch Kind Und doch fühlt er des Lebens Noth Mit jenen, die ihm theuer sind. So sißt er bei der Lampe Schein ,, Sylvester heut! Was beut es mir?" Lacht bitter er. Die Uhr schlägt Zwölf Da klopft's an seine Stubenthür. So spät ein Gast? Wer's sei Die Thür geht auf, da rauscht heran Ein hohes Weib in weißem Kleid, Mit rothem Mantel angethan. Verwundert schaut er die Gestalt; Wer bist du?" fragt der Proletar. Da blickt sie ihn befremdet an tritt ein!" Und spricht:„ Ich bin das Neue Jahr!" Das Neue Jahr? Wohl kenn' ich dich, Allein doch nur dem Namen nach; Als Kind schon hörte ich von dir, Von dir und schnödem Lustgelag. Nur in Palästen zögst du ein So sagte man bei Schlemmerschaar; Dort gäbst du deine Schäße aus, Doch niemals bei dem Proletar. Geh' durch die Welt und hör' den Schrei Des Elends, der aus Hütten gellt, Wo Jammer und Verzweiflungswahn Der Armuth grause Ernten hält. D, Neues Jahr, ich grolle dir! Hüll' dich in Sack und Asche ein! Nur dann, wenn du Erlösung bringst, Dann sollst du mir willkommen sein." Er schwieg. Da neigte sie das Haupt, Und bleicher ward ihr Angesicht; D, Menschensohn," entgegnet sie, Du klagst mich an und kennst mich nicht! Du hieltest mich für deinen Feind, Doch hab' ich über dich gewacht; War auch mein Wirken langsam nur, So hab' ich dennoch dein gedacht." So spricht es, von der Faltenfluth Des rothen Mantels eingehüllt, Und vor dem Aug' des Proletars Steigt da empor ein seltsam Bild. „ Schau dieses Werk von meiner Hand ' s ist mein Vermächtniß. Es sei dein! Was du im Bilde jetzt noch schauſt, Wird volle Wirklichkeit bald sein." Er sieht das Wunder staunend an, Und wie ein Träumer steht er da, Dann jauchzt er auf:" Dasselbe Bild, Das ich schon oft im Geiste sah! Hier unter gold'nem Sonnenschein, Welch' brüderliches Völkerfest; Und dort im grauen Hintergrund, Liegt Kerkerschutt und Burgenrest. Ja! alle Fesseln sind gelöst! Wie wallt's und glüht's in meiner Brust! Mit Heldenkraft stählt sich der Arm Und drängt zur kühnen Thatenluft! Licht wird es über'm dunklen All, Die Freiheit lacht in Hütt' und Haus! Und theilet an das arme Volk Die langersehnten Gaben aus! Vernichtet sei das Sklaventhum, Die Geisel bricht, die Kette fällt! Die letzte Zwingburg sinkt in Staub Frei ist der Mensch und frei die Welt! Triumph! dem Volke ist der Sieg; Osei dein Bild der Zukunft wahr!" Er ruft es laut da schlägt es Eins Und Nacht ist's um den Proletar. Geheimnißvoll in Schlaf und Traum Liegt eingehüllt das Weltenall; Doch aus dem finstern Reich der Nacht Ringt sich empor der Sonnenball. Schon röthet sich der ferne Ost, Der Morgen glänzt auf Eis und Schnee. Da klingt der Wecker an der Uhr Und schreckt den Schläfer in die Höh'. Sonnabend, den 31. Dezember 1887. Er schlägt die Augen forschend auf Sein Blick durchschweift den engen Raum ,, Wo ist das Weib? Wo ist das Bild? War alles Täuschung, alles Traum?" Fragt er sich leis' und späht umher, Als müss' er die Vision noch seh'n. Dann seufzt er tief: Sylvestertraum! Wann wirst du in Erfüllung gehn?" Ein Sylvestertraum. I. Jahrgang. Friedrich Engels. Von Karl Kautsky. III. Im Jahre 1877 veröffentlichte Engels seine Polemik gegen Dühring. Es war ein Jahr vor Erlaß des Sozialistengesezes. Ein Theil der deutschen Sozialdemokratie wiegte sich in den kühnsten Illusionen; das Schwerste schien überwunden und Mancher sah schon den Tag kommen, wo eine sozialdemokratische Majorität im deutschen Reichstage die Einfürung des sozialistischen Staates" beschließen werde, und zerbrach sich bereits den Kopf darüber, wie Noch einmal hatte man den Weihnachtsbaum ange- dessen Durchführung am einfachsten und schmerzlosesten zu zündet, der feine Duft der Tannennadeln erfüllte das gestalten. Die Sozialdemokratie war die aufsteigende Gemach. Draußen wehte ein rauher Nordost und rüttelte Sonne und nicht nur das Proletariat wandte sich ihr zu, die Ziegel auf dem Dache. In dichten Flocken rieselte sondern eine ganze Menge mißvergnügter Elemente der der Schnee auf die kahle, kalte Erde. besißenden Klassen. Es war schwer, diese Leute von den Der drinnen im Zimmer hörte nicht das Gebraus jenigen bürgerlichen Elementen zu unterscheiden, die wirklich des Windes, er saß zurückgelehnt in dem altväterischen aus Interesse für das Proletariat und nicht aus bloßem Lehnstuhl und schlief. Aerger über die Bourgeoisie zu uns kamen. Von einem Er schlief und träumte. Der Tannenbaum wuchs Theil der Genossen, namentlich den jüngern und unerund wuchs und mit ihm reckte und streckte sich das Zimmer fahrenern, wurden alle diese Zuzügler freudig aufgenommen: zu den gigantischen Formen eines Saales. Die Nüsse in der That, wenn selbst Professoren und Doktoren fich und das Konfekt verwandelten sich in Hinterlader, in zur Sozialdemokratie bekehrten, dann war deren Sieg Bayonette, in Kriegsschiffe und Torpedos. Und neben nicht mehr weit. dem Baum stand eine Gestalt in kriegerischem Kleide, bis Da galt es, den bürgerlich- ideologischen Elementen, an die Zähne bewaffnet, und sprach: Kennst Du mich, die auf die Sozialdemokratie in dieser Weise Einfluß zu Michel, träumender, gutmüthiger Michel? Ich bin das Neue Jahr, das Dir eine schöne Bescheerung bringt. Michel verbeugte sich, das Bücken war ihm anerzogen, es war ihm eine süße Gewohnheit. Und das Neue Jahr griff in seinen Sack und stellte die Geschenke auf den Tisch. Es stellte sie sorgfältig neben einander, wie eine Kompagnie Soldaten. Es hatte militärische Disziplin. Zuerst ein Fäßchen mit Schnaps, Kartoffelschnaps, ächtem preußischem Fusel. Siebenzig Pfennig mehr für das Liter Branntwein stand auf der Etikette. Mit deutschen Buchstaben natürlich. Michel wurde unruhig, aber er verbeugte sich dankend. Du lieber Himmel, das liegt so im Blut. Wieder ein Griff in den Sack, und es erschien als zweite Gabe ein Laib Brod. Wird Dir trefflich schmecken, schmunzelte das Neue Jahr. Brauchst eine Tonne Korn für Dich und die Deinen und zahlst an indirekten Steuern in Gestalt des Kornzolles bloß 50 Mark das Jahr. Michel's Lage wurde sehr unbequem, er warf sich in seinem Sessel hin und her. Doch das Neue Jahr winkte gebieterisch, und Michel verbeugte sich, zwar schwerfällig, aber er verbeugte sich doch. Man wird nicht umsonst zur Devotion erzogen. Ich weiß, fuhr das Neue Jahr fort, Du liebst die Soldaten so sehr. Deinen Kindern schentst Du Bleisoldaten, ich schenke Dir 40 000 lebendige Soldaten. Und das Septennat kam auf den Tisch. nehmen begannen, einen Riegel vorzuschieben. Einer der hervorragendsten und begabtesten unter diesen Salonsozialisten war unstreitig der Berliner Privatdozent Eugen Dühring, ein Mann von großen Geistesfähigkeiten, der Bedeutendes hätte leisten können, wenn er etwas mehr von der Marr- Engels'schen Selbstkritik und weniger von dem Erbübel des deutschen Literaten, den Größenwahn, in sich gehabt hätte. So glaubt Herr Dühring, sein Genie überhebe ihn der Nothwendigkeit, die Verhältnisse, über die er philosophirte, auch gründlich zu studiren. Er war weniger philisterhaft und kühner als Schäffle und begann in Berlin namentlich auf die jüngeren Elemente der Partei großen Einfluß zu üben. Er war kein verächtlicher Gegner und daher drangen bewährte Genossen in Engels, er möge selbst gegen den Mann auftreten, die Hohlheit seiner Philosophie darlegen, daneben aber auch den Charakter unserer Bewegung scharf hervorheben. Dies die Enthebungsgeschichte des„ Antidühring", wie man das Buch meist kurz benannt, dessen Titel lautet: Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft". Diese Veranlassung des Antidühring" ist längst vergessen. Nicht nur Herr Dühring ist für die Sozialdemokratie abgethan, der ganze Troß der akademischen und platonischen Sozialisten ist vom Sozialistengesetz weggefegt worden, welches wenigstens das eine Gute hatte, zu zeigen, wo die verläßlichen Stüßen unserer Bewegung zu suchen sind. Das Buch selbst hat aber trop dieser Umwandlung der Verhältnisse kein Jota an BeMichel murmelte etwas vom Kostenpunkt, schlechten deutung verloren. Dühring war sehr vielseitig gewesen, Zeiten, wirthschaftlichem Rückgang- und machte seine er schrieb über Mathematik und Mechanik, wie über PhiloReverenz. sophie und Nationalökonomie, über Juristerei wie über Weil Du brav bist, mein lieber Michel, sollst Du Urgeschichte u. s. w. Auf alle diese Gebiete folgte ihm ſelbſt recht lange der Armee angehören und gegen den Engels, der ebenso vielseitig ist, wie Dühring, aber in Erbfeind in's Feld ziehen bis zu Deinem 45. Lebensjahr. etwas anderer Weise. Seine Vielseitigkeit ist gepaart mit Und die neue Wehrvorlage spazierte aus dem Sack. einer Gründlichkeit, die heute fast nur noch bei ein,, Weib und Kinder, ruinirte Eristenz, andere Heeres- feitig gebildeten Spezialgelehrten gefunden wird und auch verfassung", stammelte Michel und wälzte sich hin und da nicht oft. Der oberflächlichen Vielseitigkeit des Herrn her, als ob ihn der Alp drückte. Aber der Spender Dühring verdanken wir es, daß der„ Antidühring" zu drohte mit dem Finger und Michel verneigte sich, in Ehr- einem Buche ward, das die wichtigsten Punkte des ge= furcht ersterbend. sammten modernen Wissens vom Standpunkte Michel, sprach das Neue Jahr, Du wirst manchmal der Marr- Engels'schen materialistischen Dialektik unruhig, Du verfällſt in Jugendeseleien, Michel. Sieh, aus behandelt. Nächst dem„ Kapital" ist der„ Antidühring" ich habe ein Mittel dagegen. Und auf den Tisch kam das grundlegende Werk des modernen Sozialismus das neue Sozialisten- und Erpatriirungsgeset. geworden. * * * Michel sprach in seinen Bart hinein etwas von gleichem Recht für Alle, Preßfreiheit, Koalitionsfreiheit Ueber der literarischen haben wir die praktische und Arbeiterschutz. politische Thätigkeit Engels fast aus den Augen verloren. Da hast Du den Arbeiterschutz, erwiderte der Wohl- Kehren wir wieder dazu zurück. thäter. Und in Juchtenleder gebunden flog auf den Tisch Die Arbeiterbewegung die auf dem Kontinent von das Arbeitsbuch und die Altersrente von 30 Pfennigen täglich. Europa nach den Schlägen von 1848 und 1849 fast Und Michel verbeugte sich. völlig aufgehört hatte, begann sich im Anfang der sechziger Michel, ich weiß, Du bist wahlmüde, Du liebst die Jahre wieder allenthalben zu regen, nicht blos in DeutschAufregung nicht, Du willst Deine Ruhe haben. Hier land, sondern auch in Frankreich, Belgien, England. spende ich Dir noch die fünfjährige Legislaturperiode. Das Selbst in Spanien und Italien rührte sich die Arbeiterwird Dir sehr gut thun. Und Michel lag platt auf dem Bauch. An den Fenstern rüttelte der Sturm, in Nebel löste sich die Gestalt auf, der Weihnachtsbaum schrumpfte zu sammen, der Saal ward wieder zur Stube, und frierend erwachte Michel. klasse. Alle diese zersplitterten und unklaren Regungen in eine einheitliche klare und zielbewußte Bewegung zu verwandeln war die Aufgabe, welche die Internationale" sich stellte, die 1864 in London gegründet wurde, eine Gesellschaft zur Förderung der Opposition und Propaganda unter den Proletariern aller Länder, nicht eine Es war Morgen geworden, der erste Morgen des Verschwörungsgesellschaft, wie vielfach behauptet worden. neuen Jahres. Mit dem grauen düstern Gewölk kämpfte Die geistige Führerschaft des Bundes fiel Marr ohne dessen am östlichen Himmel die Sonne. Troß Schnee und Sturm, Buthun vermöge seiner geistigen Bedeutung zu. Daß durch die Finsterniß rang sich das belebende, befruchtende Engels sich vom Bunde nicht fern hielt, ist selbstverständLicht, die Sonne, der Urquell des Daseins. Ihre Strahlen lich. Seine volle Kraft konnte er ihm jedoch erst widmen, fielen in das Gemach. Durch Nacht zum Licht! Michel aber wandte sein Antlitz vom Lichte ab. Er schämte sich, der deutsche Michel. seitdem er sich vom Geschäft zurückgezogen hatte und nach London übersiedelt war.( 1870). Er fam eben recht, denn gerade damals begannen jene gewaltigen Kämpfe, die der deutsch- französische Krieg entfesselte: die höchsten Anforderungen wurden an die Kraft der„ Internationale" gestellt, sie konnte keinen Mann entbehren. Das Jahr 1870 brachte eine Revolution, die sich in im Entstehen begriffen. Das Jahr 1848 hatte die Illu- zahllose Bücher in den verschiedenen Sprachen legen ZeugBezug auf Gewaltthätigkeit mit den früheren Revolutionen fion für alle denkenden Arbeiter zerstört, daß zwischen niß davon ab. Seit 1883 ruht dies schwere und verantwortungsvolle wohl messen darf. Wenige dürften so viele Opfer ge- ihnen und der Bourgeoisie nur Mißverständnisse obwaltetoftet haben, als der deutsch- französische Krieg. Und ten. Der Klassenkampf war in Europa auf der ganzen Amt auf den Schultern von Engels allein, dem gleichzeitig diese Revolution war nicht auf Deutschland und Frankreich Linie entbrannt. Für den friedlichen, unpolitischen Sozia- die Aufgabe zufiel, zu vollenden, was Marr an der Schwelle beschränkt. Auch Andere benüßten die Gelegenheit, be- lismus war keine Stätte mehr vorhanden, die Frage der der Vollendung hatte verlassen müssen. Dazu kam die schworene Verträge zu zerreißen und überkommene Eigen- politischen Aktion für die Arbeiterklasse keine Doktorfrage Fortsetzung der Aufgabe, die Engels sich bei der Theilung thumsrechte zu vernichten. Das waren nicht wüste" mehr, sondern eine Lebensfrage geworden. der Arbeit mit Marr gestellt, die Anwendung der materiaKommunisten, sondern die Wahrer der„ Ordnung und des Dennoch sollte wieder ein unpolitischer Sozialismus| listischen Geschichtsauffassung auf die Fragen der Gegenwart Rechtes", Viktor Emanuel beseẞte Rom und der Czar erstehen, hauptsächlich ausgehend von ökonomisch rückstän- und die Vertretung der Mary- Engels'schen Theorien gegenaller Reußen erklärte, er halte sich nicht mehr an den von digen Ländern, in denen die Arbeiterklasse sich eben erst über Angriffen und Mißverständnissen. Und neben allen ihm unterzeichneten Pontusvertrag gebunden, der die zu regen begann, wie Spanien und Italien, oder Gegen- diesen Aufgaben haben noch einige Forschungen, namentlich Neutralität des schwarzen Meeres bestimmte. den, wo das kleinbürgerliche Element noch stark überwog, historischer Art, voranzugehen, die Engels früher schon be= Kam beim Sieger und dessen Freunden die Revolu- wie Paris, Ländern, in denen die Arbeiterklasse politisch gonnen, und gilt es, über die Fortschritte auf fast allen tion von oben, so bei den Besiegten natürlich von unten. rechtlos war, wie Belgien, oder endlich Ländern, in Gebieten des menschlichen Wissens auf dem Laufenden zu Das Raiserreich wurde in Frankreich weggefegt, und als denen von einem Klassenkampf der Arbeiterklasse überhaupt bleiben. nach dem Friedensschluß die royalistische Nationalversamm- noch nicht die Rede war, wie Rußland. Aber dieser neue Als die erste und wichtigste dieser Aufgaben betrachtet lung Miene machte, die Republik abermals zu verrathen, unpolitische Sozialismus konnte kein friedlicher mehr Engels die Vollführung des Vermächtnisses von Marr. erhob sich Paris, um die bedrohte Freiheit zu retten. sein. Der Klassenkampf der Arbeiterklasse war zu offen- Zunächst besorgte er die dritte Auflage des ersten Noch einmal wiederholte sich das alte Schauspiel von 1848: fundig geworden. An Stelle der„ Propaganda der That" Bandes des„ Kapital", die nach hinterlassenen Angaben das Kleinbürgerthum sandte die Arbeiter ins Feuer, um der Einzelnen durch Kolonien und Genossenschaften setzte er des Verfassers vermehrt und revidirt, sowie mit Noten mitten im Kampfe vor seinen eigenen Bundesgenossen daher die" Propaganda der That" der Einzelnen durch versehen wurde. Sie erschien Ende 1883. Angst zu bekommen und ihre Kraft zu lähmen. Aber das Verschwörungen und Putsche. Der Mann, der den alten Im Sommer 1884 veröffentlichte Engels seine Arbeit Proletariat von 1871 war ein anderes, als das von unpolitischen Sozialismus, namentlich Proudhons, in dieser über den Ursprung der Familie, des Privateigen1848 und 1849. Es war stärker und reifer geworden. Weise der neuerstandenen Kampfessituation anpaßte und thums und des Staates", in der er vollführte, was Marr Je länger dieser Rampf gedauert hatte, desto mehr war in so den modernen Anarchismus schuf, war Bakunin. zu thun selbst beabsichtigt hatte, die Morgan'schen ForParis dessen Last vom Kleinbürgerthum auf das Prole- Sein Einfluß in der„ Internationale" stieg immer schungen dem Publikum bekannt zu machen, gleichzeitig aber tariat übergeglitten, desto offenkundiger wurde dieses als höher und es wurde nothwendig, ihm entgegenzutreten, zu erweitern. Morgan war bei seinen vorgeschichtlichen die treibende und stüßende Kraft der revolutionären Be- sollte nicht das Wert, an dem Marr und Engels ein Studien zu der gleichen materialistischen Geschichtsauffassung wegung. Zum zielbewußtesten und entschiedensten Theil Menschenalter lang gearbeitet, wieder ungethan werden gekommen, die Marr und Engels auf Grund ihrer ge= Die zünftige des Proletariats von Paris gehörten aber die dortigen und der Sozialismus von einer politischen Macht, vor schichtlichen Forschungen entdeckt hatten. Mitglieder der Internationale". Hat auch diese die Er- der alle alten Parteien zitterten, zu einer versteckten zu Wissenschaft versuchte Morgan ebenso todtzuschweigen, wie hebung der Kommune nicht gemacht, fo fiel doch schließlich ſammenhangslosen Sekte herabsinken, deren Bekämpfung vorher Marr. Da galt es, ihn der drohenden Vergessenihr deren Leitung wenigstens in ökonomischer Beziehung die herrschenden Klassen ebenso ruhig der Polizei über- heit zu entreißen, es galt aber auch, die historischen Lücken zu, nachdem der Kampf einmal entbrannt war. Der laffen konnten, wie die Bekämpfung des Gaunerthums. der Morgan'schen Forschungen auszufüllen, diese in den " Internationale" wurde die Verantwortung für die Kom- So entstand jener gewaltige Kampf zwischen Marr und Rahmen der materialistischen Geschichtsauffassung von Marr mune in die Schuhe geschoben, und weit entfernt, diese Bakunin, der zur Spaltung der Internationale" führte und Engels einzufügen und die materialistische Vorgeschichte abzulehnen, erklärte sie sich mit der Pariser Erhebung und deren Absterben einleitete. und Geschichte zu einer einheitlichen Entwickelungsreihe zu " " 1 solidarisch. Das schlug dem Faß den Boden aus. Die An allen diesen Kämpfen nahm Engels als Mitglied verschmelzen. Nichts geringeres als das, ist in dem BüchInternationale", schon längst ein Gegenstand des des Generalrathes der Internationale"( 1871 torrefpon- lein von 146 Seiten geleistet worden. Schreckens und des Abscheues für jeden Gutgesinnten", dirender Sekretär für Belgien und Spanien, später für Ein Jahr später folgte der zweite Band des wurde nun, nach dem Fall der Kommune vollends, fast Italien und Spanien) hervorragenden Antheil. Mit diesem Kapital", der den Zirkulationsprozeß des Kapitals beüberall auf dem Kontinent, in die Acht erklärt. Die ein Hinweis müssen wir uns begnügen. Eine detaillirte Dar- handelt. Im ersten Band wird untersucht, wie der Werth flußreichsten englischen Arbeiter zogen sich gleichzeitig von stellung der Thätigkeit von Engels in der„ Internationale" und der Mehrwerth produzirt werden. Der zweite Band ihr zurück. Noch war die Zeit für den Sozialismus in würde nicht nur den der vorliegenden Stizze zugemessenen gilt der Untersuchung der verschiedenen Formen des KreisEngland nicht wiedergekommen, noch bildeten die englischen Raum weitaus übersteigen, sondern auch ein Studium der laufs des Kapitals, jenes Kreislaufs, der dadurch erzeugt Arbeiter politisch ein Anhängsel des radikalen Theils der Protokolle und Korrespondenzen des Generalraths voraus- wird, daß der Kapitalist den produzirten Werth und MehrBourgeoisie. Als daher die Internationale" durch ihr seßen, die der Deffentlichkeit heute noch nicht vorliegen. werth verkauft, um mit dem Erlös nach Abzug seines Eintreten für die Kommune fich kompromittirt" hatte, zogen sie sich von ihr zurück. Zu alledem kamen noch Spaltungen in der Internationale" selbst. Mit dem Aufhören der„ Internationale" endete die Konsums praktische unmittelbare Parteithätigkeit von Engels sowohl wie von Marr. Aber ihr Wirken verlor dadurch nicht an Bedeutung für die wissenschaftliche, wie die politische Entwickelung des Sozialismus. wieder Produktionsmittel und Arbeitskraft zu kaufen, und von Neuem Werth und Mehrwerth produziren zu lassen. Der dritte Band, den wir im Jahre 1888 erwarten dürfen, wird den Gesammtprozeß behandeln, die Gestaltung des Preises aus dem Werth, die Vertheilung des Mehrwerthes in seine verschiedenen Bestandtheile, GrundNeben dieser Vollziehung des Marr'schen VermächtDie Sozialisten vor Marr und Engels hatten für den Klassenkampf der Arbeiterklasse kein Verständniß gehabt. Zwist und Verfolgung hätten die„ Internationale" Dieser Kampf war naturnothwendig ein politischer, sein kaum getödtet, wenn sie auch ihr Ende beschleunigten. rente, Profit, Zins u. f. w. Ziel ging nach der Erringung der politischen Macht durch Die Grundursache desselben lag darin, daß sie sich überdie Arbeiterklasse, um sie in deren Interesse zu benußen. lebt hatte, in den Sinne, daß ihr Ziel erreicht war: die niſſes ging eine lebhafte journaliſtiſche Thätigkeit, wenn Die damaligen Sozialisten dagegen, angeekelt von dem Ge- Arbeiterbewegung war allerorten in vollem Gange und man dies Wort von so gründlichen und wohldurchdachten triebe der alten Parteien, wollten die neue Gesellschaft die internationale Solidarität der gesammten Arbeiterklasse Leistungen, wie den Engels'schen, gebrauchen darf. Eine nicht im Kampfe der Arbeiterklasse gegen die alte Gefell- war so fest gegründet, daß das formelle Band einer aus- zahlreiche Reihe von Artikeln im Züricher Sozialdemokrat", schaft erstehen lassen, sondern hinter dem Rücken dieser drücklich für diesen Zweck gebildeten Assoziation schon eine der Stuttgarter Neuen Zeit", dem Pariser Sozialiste", Gesellschaft, außerhalb des Bereichs ihrer korrumpirenden Fessel wurde. In Deutschland erfocht die Sozialdemokratie dem Londoner„ Commonweal" u. 5. w. sind Früchte dieser Einflüsse. Sie predigten daher Enthaltung von jeder einen Wahlfieg nach dem andern und konnte schon daran Seite der Thätigkeit von Engels. politischen Thätigkeit, Enthaltung von jedem Klassenkampf, denken, Einfluß auf die Gesetzgebung zu nehmen. Wo Daneben gingen Neuausgabeu und Uebersetzungen um durch die vereinzelte Propaganda der That" ein- man so weit war, mußte die Parteithätigkeit mehr durch seiner Schriften in's Englische, Italienische, Französische, zelner vorgeschrittener Individuen die Volksmassen zur die politischen und ökonomischen Besonderheiten des be- Dänische u. s. w., die er zu revidiren, mit Noten und Ueberzeugung von der Nothwendigkeit und Nüßlichkeit des treffenden Landes bestimmt werden, als vordem, wo es Vorreden zu versehen hatte. Und endlich die so wichtige Sozialismus zu bringen. Da aber diese Sozialisten sehr sich mehr um die Propaganda von Prinzipien gehandelt und mühsame Aufgabe der Revision der englischen Uebersetzung des friedliebende Leute waren, die in dem naturnothwendigen hatte. ersten Bandes des„ Kapital", Gegensatz zwischen der Klasse der Arbeiter und der der Die Bewegung nahm da immer mehr einen nationalen Samuel More und Edward Aveling besorgt hatten. Er Kapitalisten nur ein Unglück sahen, nicht aber einen Hebel Charakter an, nicht in dem Sinne, daß sie die internatio- erschien 1887. des geschichtlichen Fortschritts und diesen Gegensatz durch nale Solidarität vergessen hätte, sondern daß sie mehr Wie viele Jüngern von uns giebt es, die auch nur Aufklärung der Kapitalisten über ihr wahres von den Eigenthümlichkeiten des Volks- und des Staats- physisch einer solchen Arbeitslast gewachsen wären? Interesse zu beseitigen hofften, waren die Mittel ihrer wesens beeinflußt wurde, auf das sie zu wirken hatte. Ja, jugendfrisch ist unser Veteran troß seiner 67 Jahre. die ,, Propaganda der That" durch Einzelne sehr harmlose: Die Internationale" als Organisation wurde in- Er hat nichts von der Grämlichkeit des Alters, nichts von Gründung von Produktivgenossenschaften, von sozialistischen folge der" Fortschritte des Sozialismus daher ebenso über- jener Schelsucht der Alten, die die Vergangenheit gern auf flüssig, wie seinerzeit der Bund der Gerechten". Aber Kosten der Gegenwart preisen. Niemand erkennt lieber Kolonien und dergleichen. Die große That von Marr und Engels bestand die internationale Solidarität des Proletariats blieb be- die Leistungen der Jugend an, als er, Niemand ist nachdarin, die künstliche Kluft zwischen theoretischem Sozialis- stehen, und ohne irgendwelche Abmachung oder Ernennung, fichtiger gegen ihre Fehler. Freilich, dem Größenwahn mus und praktischer politischer Arbeiterbewegung zu über- ganz von selbst, blieben selbst, blieben Marr und Engels deren und dem Streberthum gegenüber fühlt er nichts weniger brücken und so der kommenden gesellschaftlichen Umgestal- Träger. als Rücksichten der Höflichkeit und ebensowenig gegenüber tung jene Kraft dienstbar zu machen, die allein berufen Im Zentrum der modernen kapitalistischen Welt, in Lon- jener vordringlichen Impotenz, die sich berufen fühlt, die und ausreichend ist, sie zu verwirklichen, die Kraft des nach don wohnend, in stetem Verkehr mit den hervorragendsten Menschheit zu retten, die sich zu Aufgaben drängt, denen seiner Emanzipation ringenden Proletariats. An Stelle sozialistischen Parteimännern aller Nationen, gewannen sie sie nicht gewachsen ist, dadurch unsäglichen Schaden an= der Bemühungen Einzelner setzten sie die Wucht der einen Ueberblick über die gesammte ökonomische und poli- richtet und dann im guten Willen eine triftige Rechtfertiganzen Arbeiterklasse; an Stelle des guten Willens des tische Entwickelung, sowie speziell über die Parteiverhält gung jeder Dummheit sieht. Menschenfreundes die Naturnothwendigkeit, welche die Ar- nisse, der im Verein mit umfassender wissenschaftlicher Läßt er der Gegenwart volles Recht widerfahren, so beiterklasse bei Strafe ihres Unterganges zwingt, fich dem Erkenntniß, und den reichen Erfahrungen einer fast halb nicht auf Kosten der Vergangenheit. Er ſieht nicht, wie kapitalistischen Druck zu widersetzen. Gegenüber zersplitter- hundertjährigen Thätigkeit in der Proletarierbewegung, fie Mancher, der kaum vom wissenschaftlichen Sozialismus ge= ten Versuchen in zwerghafteftem Maßstab erklärten sie, daß besonders befähigte, in der Entwickelung der verschiedenen schmeckt, mit Geringſchäßung auf die früheren Sozialisten die Neugestaltung der Gesellschaft nur das Resultat des Parteien das Wesentliche vom Nebensächlichen und Halt- herab. Niemand spricht mit größerer Achtung von seinen gemeinsamen und einheitlichen Vorgehens der zielbewußten losen zu scheiden und den Standpunkt zu erkennen, den die Lehrern, als er, denen er in seinem„ Anti- Dühring" ein Proletarier aller Länder sein könne, daß die neue Pro- sozialistischen Arbeiter jeden Landes den jeweilig an sie so glänzendes Denkmal gesetzt hat. duktionsweise der Zukunft nicht aus einzelnen autonomen herantretenden Fragen gegenüber einzunehmen hatten. Das Von Illusionen hat sich Engels stets freizuhalten geGenossenschaften, Kolonien oder Gemeinden er erhellte deutlich aus allen ihren Manifestationen, kein sucht und auch freizuhalten gewußt. Umsomehr ist dies stehen könne, sondern nur in Folge der Aneignung der Wunder, daß die einsichtigen sozialistischen Elemente aller jetzt der Fall, wo er die Erfahrungen eines halben Produktionsmittel und der planmäßigen Organisation der Länder sich stets gern in kritischen Situationen an die Jahrhunderts hinter sich hat, in dem die Welt sich Arbeit durch die verbündeten Nationen der heute kapi- beiden Veteranen in London um Nath gewendet haben. mehr verändert hat, als ehedem in Jahrhunderten. Diese talistischen Zivilisation. Und nie haben diese ihn verweigert. Sie sprachen frank Erfahrungen haben ihn zu einem kühlen und ruhigen Diesen Standpunkt hatten sie im kommunistischen und frei ihre Ueberzeugung aus, ohne Umschweife, aber Beobachter gemacht; umsomehr ist es hervorzuheben, daß Manifest zum Ausdruck gebracht; er bildete auch die Grund- auch ohne sie aufdrängen zu wollen. Kein Proletarier, die ganze Entwickelung der letzten Jahre ihm dafür zu lage der Internationale". keiner, dem es um die Sache der Proletarier ernst war, bürgen scheint, daß das Proletariat in absehbarer Zeit in Die Zeit für den alten unpolitischen Sozialismus hat sich je vergebens an die Beiden gewendet. Sie wurden den Ländern der kapitalistischen Zivilisation zu einem maßschien in der That vorbei. Ueberall waren Arbeiter die Berather des gesammten kämpfenden Proletariats gebenden Faktor im Staatsleben werden wird. Wohl sind parteien mit einem sozialistischen und politischen Programm Europas und Amerikas; Broschüren, zahlreiche Artikel und noch viele und große Hindernisse zu überwinden, aber die Triebkräfte der heutigen historischen Entwickelung auft Alle diese Gewinnbetheiligungen" sind so alltäglich, Kürzer können wir uns über das fassen, was nun ökonomischem und politischem Gebiete sind so mächtig, daß ihr Zweck: höhere Ausnutzung, billigere Herstellung, größerer für die eigentlichen Arbeiter, die unteren Angestellten fie dieser Hindernisse nicht allzuschwer Herr werden dürften. Verdienst für das Kapital liegt so auf der Hand, daß von Frau Boucicaut, geschehen ist. Es geht dies nämlich Wir können nichts Besseres wünschen, sagt Engels, als es selbst dem unwissendsten Soldschreiber des Kapitals, dem über die von anderen Fabrikanten auch eingerichteten das die Verhältnisse sich in der bisherigen Richtung weiter unverschämtesten Harmonie- Prediger noch nicht eingefallen Alters- und Invalidenkassen in der wirthschaftlichen entwickeln. Dann ist unser Sieg in absehbarer Zeit sicher. ist, hier einen Versuch zu machen, diese Gewinnbetheiligung und gesellschaftlichen Bedeutung nicht hinaus, ist aber auch Das Schlimmste wäre ein Sprung in's Ungewisse, der uns als ein Mittel zur Lösung der wirthschaftlichen und gesell- in etwas größerem Maßstab als gewöhnlich gehalten. wohl vielleicht mit einem gewaltigen Ruck vorwärtsbringen schaftlichen Fragen hinzustellen. Wenn man auch zuweilen Die Boucicaut hatte Sinn für eine größere Auffassung aber auch weit zurückwerfen könnte, das Eintreten eines hört, daß sogar die Akkordarbeit von solchen Seiten den der Verhältnisse. Was sie that, war nie schäbig, wie es Ereignisses, das dies Sozialdemokratie auf die äußerste Arbeitern als etwas ungemein Vortheilhaftes und Segens bei anderen Fabrikanten so häufig ist, deren„ Wohlthätig= Probe stellen würde, ehe ihre Kräfte dafür ausreichten, reiches empfohlen wird, so haben die Arbeiter bekanntlich feitseinrichtungen" meistens an Kleinlichkeit der Altersoder das dem Gedankengang des Volkes eine neue Richtung mit dem kurzen und treffenden Wort: ,, Akkordarbeit ist und Invalidenversorgung der deutschen Regierung ent= geben würde. Ein solches Ereigniß wäre ein Krieg, der Mordarbeit!" die Sachlage ganz richtig bezeichnend geant- sprechen. Diesen Ruhm wollen wir der Frau Boucicaut den Racenhaß entflammte und die internationale Solidarität wortet. Damit sind keine Gimpel mehr zu fangen, wenn nicht verkümmern. Weil sie aber größer in der Anlage auch leider die Einsicht der Wahrheit noch nicht in allen ihrer Wohlthätigkeitseinrichtungen war, hat sie sicher auch vernichtete. " Wenn wir auf diese Weise warten, dann werden wir nicht lange zu harren brauchen, dann werden wir jeden zu machen. Moment in richtiger Weise auszunüßen verstehen und ohne Auch in dem Pariser Falle, den wir bereits in letter von Kapital und Arbeit" entnehmen, nicht zu ersehen. übermäßige Opfer zu Herren der Situation werden und Nummer erwähnten, liegt die Sache nicht viel anders, so Es werden solche Garantien also wohl nicht bestehen. Man zwar in absehbarer Zeit. Dann wird es wenigstens dem daß uns die Loblieder auf Frau Boucicaut sehr unan- findet überhaupt bei solchen Altersversorgungskassen nie einen der beiden Väter des modernen Sozialismus vergönnt gebracht erscheinen. Kommen wir noch einmal auf diesen angegeben, wieviel Arbeiter, die zu denselben haben beisein, den Triumph seines Werkes mit leiblichen Augen zu Fall zurück, indem wir dieses Mal aber nur diejenigen steuern müssen und dann die Anstalt verlassen, jeden sehen, den sein geistiges Auge jetzt schon sieht. Wohlthaten berühren, welche Frau Boucicaut bei Lebzeiten ferneren Anspruch an diese Kassen später verlieren. Wenn den Arbeitern erwiesen haben soll. man diese Zahlen erfahren würde, würde man staunen über den Humbug, der mit diesen Kassen getrieben wird. Es werden aus denselben meistens nur einige würdige" Arbeiter unterstüßt, die ihre Würdigung ganz besonderen, nur im Fabrikkomptoir rühmenswerth erscheinenden Eigenschaften verdanken. Solche elementare Ereignisse können wir natürlich Arbeiterkreisen tief genug ist, weil häufig die schlaueren den Zweck derselben, Fesselung der Arbeiter an das nicht nach Belieben herbeiführen oder verzögern. Wenn von ihnen, die begabteren als Kolonnenführer, Stück- Unterehmen, sicherer erreicht. Ihre Philanthropie wird sie kommen, müssen wir sie für unsere Sache auszunüßen meister, Treiber, Aufseher dabei interessirt sind. ganz gewiß ein besseres Geschäft gewesen sein, als es die suchen. Was wir aber auf jeden Fall zu vermeiden haben, In ganz besondere Aufregung geräth die kapitalistische Elsässer Fabrikanten nach Herrn Grad, wie unsere Leser das ist eine abenteuerliche Politik unserer eigenen Partei, Presse jedesmal, wenn irgendwo die selbstsüchtige Absicht wissen, mit der ihrigen machen. Frau Boucicaut hat sich Versuche, die Nothwendigkeit der Entwickelung entweder der kapitalistischen Arbeiterfreundlichkeit etwas geschickter sicher nicht verrechnet. durch Gewaltsteiche zu überrumpeln oder, was ebenso versteckt ist; dann beginnt sie wahre Lobeshymnen anzu- Sie hat eine Kasse für die Altersversorgung eingerichtet schlimm, durch diplomatische Kniffe zu überlisten. Wir stimmen zum Lobe der ,, Menschenfreunde", die es schlau und mit einem Kapital von mehr als einer Million Franken haben warten gelernt," sagte mir Engels,„ und Ihr müßt genug verstanden, ihre Spekulations- und Gewinnsucht mit ausgestattet. Die Altersrente soll 600 bis 1500 Franken auch lernen, Eure Zeit abzuwarten. Aber unter diesem einem zierlichen Mäntelchen zu bekleiden. betragen. Mitglied der Kasse wird aber nur der AngeAbwarten versteht er nicht ein Warten mit gekreuzten Der Mantel der Nächstenliebe ist schon manchem ſtellte, der mindestens fünf Jahre im Geschäft ist. Die Armen und offenem Mund, bis Einem die gebratenen anrüchigen Plan zu Hilfe gekommen, manchem Biedermann Mitglieder zahlen Beiträge. Das Mitglied erhält dann auch Tauben der selbstthätigen Entwickelung in den Rachen ist es schon gelungen, in den Falten desselben sein Glück einen Gewinnantheil, der für alle Betheiligten zusammen fliegen, sondern ein Warten in unermüdlicher Arbeit, zu finden. Wir haben Suppenvereine unter hoher Protektion soviel beträgt, als auf die Summe, die dieser Kasse gutArbeit der Propaganda und der Organisation. Ruhig und entstehen sehen, die gegründet wurden, damit der Gründer geschrieben ist, im Geschäft entfällt. Der Gewinn wird entschlossen, im Vertrauen auf unsere gute Sache, ohne oder ihm nahestehende Personen die Lieferungen für den aber nicht nach dem Guthaben des Einzelnen, sondern zu provoziren, aber auch ohne uns einschüchtern zu lassen, selben erhielten; wir haben gemeinnüßige Koufumvereine nach der Höhe der Gehälter vertheilt. müssen wir ununterbrochen dahinwirken, die Massen des entstehen sehen, um darauf ein flottes Geschäft zu gründen, Diese Altersversicherung unterscheidet sich, wie schon Proletariats immer einheitlicher und strammer zusammen das eine feste, zahlungsfähige Kundschaft fesselt; wir haben gesagt, nur in den größeren Zahlen von den Einrichtungen zufassen, sie mit Selbstbewußtsein und Klarheit zu erfüllen. jogar Pleiten aus Edelmuth und Menschenfreundlichkeit ähnlicher Art in anderen industriellen Etablissements. Sie Gleichzeitig müssen wir ununterbrochen auch an der eigenen erlebt, bei welchen der Unternehmer seine Schulden billig soll die Arbeiter an die Anlage fesseln. Ob irgendwelche Aufklärung arbeiten; wir haben nicht nur zu lehren, son- los wurde. O, es haben manche Geschäftsleute eine große Garantien gegeben sind, daß ältere Angestellte, wenn sie dern auch zu lernen, viel, sehr viel zu lernen. Uebung darin, aus der Menschenfreundlichkeit ein sehr nicht mehr vollauf ihrer Pflicht genügen können, nicht eingutes Geschäft und sich zugleich einen sehr guten Namen fach abgeschoben werden, ist aus den vorliegenden Angaben, die wir kapitalistischen Lobgesängen auf diese ,, Versöhnung " 1 Kapitalistische Wohlthaten. " Frau Boucicaut gründete in Paris ein großes Modemagazin unter der Firma„ Bon marché"( billiger Markt oder kurz„ Billig"). Wenn solche großen Magazine eine Unter den kleinen wirthschaftlichen Quacksalbereien, bestimmte Ausdehnung überschritten haben, ist eine Konwomit die bürgerlich- kapitalistische Sozialreform" den trole der Angestellten ganz außerordentlich schwer und oft Zwiespalt zwischen Kapital und Arbeit zu verkleistern sucht, kaum durchführbar. Wir erinnern nur an die öfteren Also kurz, fassen wir unser Urtheil über diese Einrichspielt die Gewinnbetheiligung", wenigstens in der Theorie, Prozesse, in welchen die Angestellten größerer Geschäfte tungen der Boucicaut zusammen: sie hat mit der Menscheneine große Rolle. Zur größeren praktischen Verwerthung die Angeklagten sind, und an die häufig ganz kolossalen freundlichkeit großartiger und geschickter spekulirt, als andere, ist sie bis jetzt besonders deshalb nicht gelangt, weil sie Veruntreuungen, die dabei aufgedeckt werden. Prozesse die mit derselben Geschäfte zu machen pflegen, sie hat desmitunter doch dem Kapital einige Opfer aufzuerlegen dieser Art haben für das betroffene Geschäft immer ihr halb auch einen glänzenden Erfolg für sich zu verzeichnen geeignet ist und in Geldsachen hört bekanntlich jede sehr Mißliches. Oft muß man befürchten, daß durch die gehabt. Gemüthlichkeit auf. selben andere Sachen, Lohnverhältnisse, betrügerische GeNehmen wir einige sehr seltene Fälle aus, in welchen schäftspraktiken, berührt werden, von welchen man lieber die Betriebsunternehmer wirklich die Absicht hatten, einen schweigt. ernsten wirthschaftlichen Versuch lediglich zur Besserung der Wie soll man nun die Verhütung aller Veruntreuungen Lage der Arbeiter zu unternehmen, so finden wir, daß die erreichen, ohne einen kostspieligen Beamten- Kontrolapparat meisten Fälle der Gewinnbetheiligung der Arbeiter und zu schaffen? für den Betriebsunternehmer ankommt. Für die kleinen Kapitalisten, die als obere Angestellte für ihre kleinen Kapitalien und zugleich für ihre Arbeitskraft dort angemessene Unterkunft fanden, war die Einrichtung eine sehr dankenswerthe. Was für die Arbeiter geschehen ist, ist zwar etwas größer gedacht, als es gewöhnlich zu geschehen pflegt, geht Angestellten und ähnlicher Wohlthaten durch den Betriebs- Das bloße Prämien- und Gratifikationenwesen erweist aber über den Rahmen der Herstellung einer Fessel für unternehmer das Ergebniß einer klugen Berechnung ist, sich da mitunter nicht als ausreichend, das lehrt die Er- die Arbeiter zum größeren Geschäftsvortheil der Besitzer bei welcher es weniger auf einen Vortheil für die Ar- fahrung. Es war also ein sehr kluger Griff" von Frau auch nicht hinaus. beiter, als auf die Erzielung eines höheren Verdienstes Boucicaut, wenn sie zu einer„ Gewinnbetheiligung" in Zur Aussöhnung der Gegensätze zwischen Kapital nnd weiterer Ausdehnung schritt. Es ist ein alter Saß bei Arbeit ist mit solchen Versuchen aber nicht zu gelangen, Die allereinfachste Art, scheinbar den Lohn durch Spekulationen: um einen großen Gewinn zu haben, muß das kann nur vollständige wirthschaftliche Einsichtslosigkeit Gewinnantheile" über den nothdürftigen Lebensunterhalt man etwas Großes einsetzen. Sehr viele Spekulationen behaupten. Nicht dadurch, daß sich Kapital mit Kapital verge= zu heben, ist die Prämie", die in sehr vielen Geschäften mißglücken oder geben nur spärlichen Erfolg, weil der sellschaftet und den Arbeitern eine Armenunterstützung und für besondere Ersparnisse bezahlt wird. Die Rechnung des Spekulant mit dem Einsatz knauferte. Betriebsunternehmers nimmt dabei folgenden, sehr offen Die Boucicaut ging gleich in's Große. Von ihren eine geringe Tantième versprochen wird, sondern nur durch liegenden Weg. Er weiß: du haft bis heute für Kohlen, Tausenden von Angestellten und Arbeitern machte sie 300 die Ueberführung der Produktionsmittel aus dem Privatfür Schmieröl oder an Arbeitslohn für eine gewisse Leistung der obersten Beamten zu Geschäftstheilnehmern. Jeder in den Gemeinbesitz, so daß die Arbeit nicht mehr in den so und so viel im Durchschnitt ausgegeben. Ohne Zweifel dieser 300 Personen mußte ein gewisses Kapital( bis zu Dienst des Privatkapitalisten treten und sich mit einem läßt sich dabei eine Ersparniß machen, die aber durch 50 000 Franken) selbst einschießen. Es konnten also in Hungerlohn begnügen muß, nur dadurch werden wir zu strengere Aufsicht nicht zu erreichen ist, weil entweder die diese Stellen nur kleine Kapitalisten eintreten, die diese besseren Zuständen gelangen. Aufsicht nicht wirksam genug ausgeführt werden kann oder Einlage leisten konnten. " " 1 " Kleine Mittheilungen. ein auf getreue Pflichterfüllung und Geheimhaltung beschworener Beamter zur Verfügung gestellt. Damit ist jede Beeinflussung des Wählers im letzten Augenblicke ausgeschlossen. theurer werden würde, als die Ersparniß sich möglicherweise So kam ein Kapital von 72 Millionen Franken herausstellt. Du wirst dein Ziel erreichen, wenn du dem zusammen. Hierzu legte Frau Boucicaut weitere 12 Milliouen betreffenden Arbeiter oder Angestellten am möglichen Ge- Franken. Sie murde also mit mehr als die Hälfte Theilwinn Antheil einräumst. Der Betriebsunternehmer sagt nehmerin der neuen Aktiengesellschaft, behielt dadurch Sicherung des Wahlgeheimnisses in Australien. also zu dem betreffenden Arbeiter oder Angestellten: wenn das Heft in der Hand und sämmtliche 300 obere An- In mehreren australischen stolonien werden die Namen der fernerhin weniger verbraucht, oder die Arbeit billiger ge- gestellte hatten das lebhafteste Interesse, daß das Geschäft Kandidaten aller Parteien von Amtswegen auf einem Zettel macht wird, dann erhälst du eine Prämie", die zu den gut geführt würde. Sie konnte sich auf diese Personen gedruckt, den der Wähler erst bei Ausübung des Wahlattes erhält, gemachten„ Ersparnissen" in einem gewissen Verhältniß steht. vollkommen verlassen, brauchte sich garnicht weiter zu be- stabinet geführt, in dem er allein ist und nicht beobachtet werden so daß also alle Fälschungen ausgeschlossen sind. Er wird in ein Fast alle Aktiengesellschaften haben mindestens für mühen. Sie wußte, was im Geschäft selbst an Kontrole tann. Dort bezeichnet er die Namen der von ihm ausgewählten ihre höheren Angestellten, oft aber auch weiter ausgedehnt, und Aufsicht geschehen kann, das wird geschehen. Die Standidaten mit einem Merkzeichen, faltet den Zettel und giebt ihn ein solches System der Gewinnbetheiligung eingeführt. Leitung im Ganzen konnte ihr, der bei weitem größten sodann ab. Des Lesens unkundigen oder blinden Personen wird Sie zahlen den Beamten nur ziemlich kleine Gehälter und Aktionärin, doch nicht streitig gemacht werden. verweisen sie in den Hauptsachen auf„ Tantièmenbezüge", Wir finden diese Spekulation ganz ausgezeichnet klug wie man es hier zu nennen pflegt, um das lebendige und geben gern zu, daß, um dieselbe durchzuführen, viel Maurerorganisation in Amerika. Die InternatioInteresse der Beamten an dem Gedeihen des Werkes zu Einsicht und Umsicht gehört, aber etwas Besonderes von nale Maurer- und Backsteinleger- Union( Gewerkschaft) wird ihre 22. Jahreskonvention am 10. Januar in Boston abhalten. Auf erhalten. Menschenliebe, Edelmuth oder gar von„ Bekämpfung der der Storvention wird die wichtige Frage der Verkürzung der Aehnliche Prämien finden sich in der vielfachsten Art. Sozialdemokratie" können wir darin nicht finden. Die täglichen Arbeitszeit von neun auf acht Stunden zur BerDie Treiber und Zwischenmeister, die einen Stücklohn 300 Aftionäre wurden zugleich Geschäftsbeamte, das ist handlung kommen. Die Maurer- und Backsteinleger- Union war die empfangen, während die Arbeiter bei sehr niedrigen Tage- des Pudels Kern. Wir können Menschen, die bis zu erste Organisation, welche vor etwa zwei Jahren den neunstündigen löhnen oder auch in Affordlöhnen von ihnen ausgenußt 50 000 Franken einschießen können, durchaus für keine stellung nöthig wurde, errang. Die Nothwendigkeit einer weiteren Arbeitstag verlangte und größtentheils, ohne daß eine Arbeitseinwerden, um möglichst billige Waaren herzustellen, sind nach Proletarier halten, die man mit dem Kapital aussöhnen Reduktion der Arbeitszeit wurde nie aus den Augen verloren und dieser Auffassung Gewinnbetheiligte. Ja, der Akkordlohn muß, sondern müssen sie als Kapitalisten ansehen, die bei jeder Gelegenheit dafür agitirt. Die Union ist eine der größter selbst, der zum Zweck der höchsten Ausnutzung der Arbeiter sich zu„ Treibern" in einem Geschäft anwerben lassen, welche in allen größeren Städten in den Bereinigten Staaten und und stärksten im Lande und zählt etwa 30 000 Mitglieder, eingeführt ist, wird vielfach als eine Art„ Gewinnbetheili- um aus ihrem Kapital einen möglichst großen Nußen zu Kanada Lokalorganisationen haben, Philadelphia ausgenommen, gung" gerühmt. ziehen. dessen engherzige Lofal- Union den Anschluß verweigerte. Die " Internationale Union wurde 1865 gegründet und erzwang sich bereits vor 18 Jahren den achtstündigen Arbeitstag, welcher jedoch nach mehrjähriger Dauer wieder aufgegeben werden mußte. Boykott in China. Aus dem Berichte des Gesandten der Vereinigten Staaten in China ist zu ersehen, daß daselbst der Boykott nicht viel weniger florirt wie in Irland. Dr. Mc. Gowan hat darüber Untersuchungen angestellt und schreibt:„ Es ist eine feststehende Regel, daß, nachdem ein Mitglied der Gilde( Gewerkschaft) ausgestoßen worden ist, oder nachdem eine Firma von der Handelskammer ausgestoßen wurde, aller Verkehr mit solchen Personen aufgehoben sein soll. Irgend ein Mitglied, von welchem entdeckt wird, daß es mit solchen Personen Verkehr unterhielt, entweder aus Mitleid oder persönlicher Freundschaft, soll um hundert Taels be= straft werden. Nur wenige Gilden haben Verordnungen, welche Eine verunglückte Versammlung. Nichtmitglieder in die Acht erklären, aber es ist bei einigen der Die Herren Gördi und Genossen bereiteten ihrem Fall, und wenn eine solche Achterklärung erlassen wird, dann ist fie außerordentlich wirksam. Selbstverständlich ist dieses teine Nach- engeren Freundeskreise eine kleine Weihnachtsüberraschung ahmung des Boykotts" im Abendlande, sondern das chinesische durch Uebersendung folgenden Zirkulars: System ist uralt und geht vielleicht durch Jahrhunderte zurück." Wenn die Chinesen erst einmal mit unserer fortgeschrittenen Gewerbeordnung beglückt sind, werden sie auf diesen Zopf verzichten müssen wenigstens den Arbeitern wird er abgeschnitten wer= den. Unternehmer dürfen natürlich weiter boykotten und schwarze Listen führen! | Die vou Ihnen unter Ueberreichung eines Statutenentwurfs er- Hierauf nahm die Versammlung folgende Resolution an: betene Genehmigung zur Bildung eines Fachvereins der Stein- Die heute, am 27. Dezember 1887, in Mundt's Salon tagende megen, fönnen wir aus polizeilichen Rücksichten nach eingeforderter öffentliche Schuhmacher- Bersammlung erklärt sich mit den Ausgutachtlicher Aeußerung der hiesigen städtischen Polizeibehörde nicht führungen des Referenten einverstanden und erklärt sich energisch ertheilen. Sie werden zugleich zur Bescheidung der Mitunterzeichner gegen eine Scheinversorgung, also gegen die niedrige ienes Gesuchs hiervon in Kenntniß gesezt. Greiz, am 26. No- Unterstügung. Außerdem erklärt sich dieselbe gegen die in dem bember 1887. Fürstlich Reuß- Plauische Landesregierung. An Entwurfe ohne Strafe für Mißbrauch derselben vorgeschlagenen Friedr. Theod. Harnisch." Auf die Statuten und auf das Quittungsbücher. Dieselben würden von den Unternehmern als Wirken eines Vereins kommt es also gar nicht mehr an; es wird Erſatz der obligatorischen Arbeitsbücher benutzt werden und dem aus ungenannten„ polizeilichen Rücksichten" gleich von vornherein Arbeiter sein Fortkommen ungemein erschweren. Da die Altersverboten. grenze auf 70 Jahre festgesezt ist, werden überhaupt fast gar keine Arbeiter in den Genuß der Altersversorgung kommen; da aber sämmtliche Arbeiter steuern müssen, erklärt sich die Versammlung gegen die in dem Entwurfe vorgeschlagene Alters- und Invalidenpartei im Deutschen Reichstage, gegen dieselbe zu versorgung und ersucht zugleich die Fraktion der Arbeiterstimmen." Zu Gunsten der Chikagoer Hingerichteten sprach sich auf dem im Hauptblatt erwähnten Kougreß der amerikanischen " Federation of Labor" auch deren Präsident, Herr Gompers, aus. Im Anfange seiner Festrede hatte sich Herr Gompers sehr scharf gegen die Erregung verwirrenden revolutionäreu Klassenhasses" gewandt und die Aufgabe des Gewerkschaftsbundes geradezu dahin bestimmt, die Arbeiter aus diesem dunklen Thal" in" lichtere Regionen" emporzuführen. Herr Gompers gehört also keiner Umsturzpartei an. Troßdem konnte er nicht umhin was wir unseren Offiziösen zum besonderen Nachdenken empfehlen gegen die Hinrichtung der Chikagoer Opfer zu protestiren. Er begründete dies folgendermaßen: Wie Sie sich wohl alle entsinnen werden, befanden sich vor etwas mehr wie einem Monat in Illinois sieben Männer. über welche die Todesstrafe verhängt war. Die einzige Macht, die zwischen ihnen und dem Tod stand, lag in der Hand des Gouverneurs jenes Staates. Diese Vernrtheilten rühmten sich, Anarchisten zu sein und gaben an, daß sie zu ihrer Handlungsweise durch den Wunsch veranlaßt worden seien, das Wohl der arbeitenden Klassen zu fördern. Ich glaube, es ist nicht nöthig, ihnen zu erklären, daß ich kein Anarchist bin, oder daß ich irgend welche Sympathie oder Liebe für den Anarchismns, dessen Methoden oder Lehren hege. Ich fand jedoch, daß unter Tausenden die Meinung herrschte, daß diese verurtheilten Männer hingerichtet würden, weil fie ihr Recht auf Rede- und Versammlungsfreiheit ausgeübt hatten, und daß, wenn sie hingerichtet würden, sie als Märtyrer für die Arbeitersache sterben würden. Als Vertreter einer Arbeiterorganisation wurde ich aufgefordert, und unternahm ich es, ein Wort zu sagen; erstens um sie vom Tode zu retten, und zweitens um jener Bewegung den Schein des Märtyrerthums zu nehmen. Ich schrieb einen Brief an den Gouverneur und appellirte an ihn im Namen der Menschlichkeit, und um keinen Anstoß zu einer heftigen revolutionären Bewegung zu geben, diesen Männern Gnade angedeihen zu lassen." Wir theilen diese Aeußerung im Wortlaute mit, um einen neuen Beweis für die Verlogenheit unserer Offiziösen beizubringen, welche jeden Protest gegen die Hinrichtung der Chikagoer Anarchisten immer gleich als eine Sympathiekundgebung für individuelle Gewaltakte darstellen. Berlin, den 24. Dezember 1887. Geehrter Herr! Werther Genosse! " " Nach einstimmiger Annahme dieser Resolution wurde die Disfussion fortgesetzt. Beantragt wurde, diejenigen zuerst sprechen zu lassen, welche die Regierungsvorlage befürworten wollen. Vom Vorsitzenden hierzu aufgefordert, meldete sich Niemand! Herr Runge referirte sodann über den zweiten Punkt der Tagesordnung: Die Lohnverhältnisse der Schuhmacher Die Unterzeichneten gestatten sich, Sie zu einer Berlins und wie sind dieselben zu verbessern?" Eine Versammlung für Mittwoch, den 28. Dezember 1887, Verbesserung der Löhne auf Grund des heutigen Koalitionsrechtes Abends 8 Uhr, nach den Armin- Hallen, Komman- sei in geringem Maßstabe möglich, eine wirksame Verbesserung der dantenstr. 20 im hinteren Glaspavillon, einzuladen. Arbeiterverhältnisse im Allgemeinen sei nur durch wirksame Ge= sege, durch Arbeiterschußgeseze zu erreichen. Ein Druck auf Schon lange war es der Wunsch, hier in Berlin die Gesetzgebung sei aber nur durch eine große Vereinigung, durch eine nach außen hin wirkende Vertretung eine starte Organisation auszuüben. Deshalb sei es Pflicht eines unserer Partei, gleich den anderen Parteien, zu jeden Arbeiters, fich zunächst einem Vereine anzuschließen. Herr schaffen. Troß der mannigfachen Schwierigkeiten, Slinger empfahl den Beitritt zum Verein zur Wahrung der Intereffen der Schuhmacher und verwandten Berufsgenossen". Nicht nur, die sich der Ausführung dieses Vorhabens entgegen- wer auf dem Schuhmacherschemel sitzt, solle und müsse dem Verein stellen, hielten sich die Unterzeichneten dennoch für beitreten, sondern auch Fabrikarbeiter, Stepper, Zuschneider und alle verpflichtet, dieser Anregung näher zu treten, um so im Schuhmachergewerbe beschäftigten Personen. Die Verhältnisse mehr, als sie ja glauben, sich auf die freudige im Schuhmachergewerbe ſeien derartig traurige, daß jeder Einzelne mit aller Straft zu einem starken Ganzen vereint für eine Aufbesse= Unterstützung aller bewährten und opferfreudigen rung der materiellen Lage einzutreten verpflichtet sei. Welches Genossen bei der Durchführung dieses Vorhabens Quantum von Arbeit ist bei ungeheurer Arbeitszeit in der Feierftüßen zu können. tagswoche geleistet und was sei verdient worden! Und dies sei die Der neu in's Leben tretende Verein wird sich sogenannte" gute" Zeit. Wie solle da der Schuhmacher leben und die Repräsentation unserer Partei nach allen Seite Altersversorgung"! Nur durch gemeinschaftliches Zusammenparen"! Auf der einen Seite„ Küchenzettel", auf der anderen Seiten hin als erste und wichtigste Aufgabe zu wirken aller Kräfte sei etwas Ersprießliches zu erreichen. Herr stellen haben. Strause brachte in Erinnerung, daß der Schuhmacher heute per Um eine glückliche Erledigung dieser für unsere Arbeitsstunde kaum 10 Pf. verdiene, daher vollständig konfumtionsunfähig sei. Die reaktionären und zünftlerischen HausPartei so wichtigen Frage herbeizuführen, rechnen mittelchen einer näheren Stritif unterziehend, konnte er in diesen wir bestimmt auf Ihren Rath, auf Ihre Unter- feine Abhilfe der herrschenden Mißstände erblicken. Er ermahnte stützung durch Besuch der Versammlung, in ieden Einzelnen, nach Möglichkeit die Arbeitszeit zu verkürzen, welcher die Statuten des Berliner Ar- um eine Lohnaufbesserung zu erzielen und Zeit zur Fortbildung und Aufklärung zu gewinnen. Die nächste Versammlung des Vereins beiterbundes berathen werden sollen, zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher Berlins findet am um mit Beginn des neuen Jahres den Verein unter 16. Januar bei Steller, Andreasstr. 21, statt. Dach und Fach gebracht zu haben. Wir ersuchen Sie, Ihnen bekannte und bewährte Genoffen fälligst mitbringen zu wollen. Görcki. Mit sozialdemokratischem Gruß Herold. Mitan. Splettstößer. Tubauer. Eine große öffentliche Versammlung der Stockarbeiter geaal ſtatt, um über den Gebauer'schen Streif zu verhandeln. Berlins fand am 27. d. M., Vormittags, im Deigmüller'schen Eine durchgreifende Reform der Miethe- und Gewerbesteuer beabsichtigt der Pariser Gemeinderath. Zu den Es fehlt also bei den Unterschriften von den Stadtgesetzlichen Obliegenheiten der Gemeindevertretung gehört die Um= lage der direkten Steuern, von denen die hauptsächlichsten die verordneten der Abg. Singer was gewiß von NieMieths- und die Gewerbesteuer( Contribution mobiliére und patente) mandem für einen Zufall gehalten wird. sind. Der Pariser Stadtrath hat nun von den etwa 850 000 steuerpflichtigen Einwohnern der Stadt 621 000, welche weniger als 500 Fics.( etwa 400 Mart) Miethe bezahlen, von jeder direkten Abgabe befreit und den ganzen auf Paris entfallenden Steuerbetrag den verbleibenden 130 000 Personen auferlegt, die denn auch 12,5 vom Hundert ihrer Miethe bezahlen müssen, wenn dieselbe 1000 Fr. übersteigt. Die Sache erregt bei den Besitzenden natürlich großen Zorn und sie werden wohl auf die Regierung einen Druck ausüben, um sie zur Aufhebung dieser Bestimmung zu veranlassen. " Heer Genschel legte in längeren und klaren Ausführungen die Gründe und die Veranlassung des Streiks dar. Mehrere Redner schlossen sich den Ausführungen des Referenten voll und ganz an. Die Versammlung erklärte, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln behilflich sein zu wollen, daß die gerechte Sache der Arbeiter zum Siege gelangt. Die Bedingungen der Streifenden waren nach den Ausführungen aller folgende: 1. Die alten Preise sollten weiter gezahlt werden. 2. Alle gemaßregelten Arbeiter sollten wieder begezogen werden, sollen von den Arbeitern kontrolirt werden können. fchäftigt werden. 3. Die Strafgelder, welche von dem Chef abSchon lange vor der festgesetzten Zeit war das Lokal Während der Versammlung legte das provisorische Komitee das vollständig überfüllt. Fast sämmtliche Anwesende waren offenbar Gegner des Projektes, das bewiesen die ironischen Amt nieder, worauf Herr Böttcher den Antrag stellte, das alte Hochrufe auf den neuen Arbeiterbund und dessen Urheber. Somitee wieder zu wählen, weil er glaubte, daß dasselbe in jeder Die Unruhe wuchs zusehends, als ein Unterrichteter" er von der Versammlung angenommen. Weder der Chef noch ein Beziehung seine Schuldigkeit gethan hätte. Dieser Vorschlag wurde klärte, die Versammlung sei bei der Polizei erst auf Vertreter desselben war in der Versammlung zugegen, um sich zu 1/29 Uhr angemeldet, nicht auf 8 Uhr, wie es im Zirkular vertheidigen. Da weiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende die Die Hausindustrie und die Cigarrenarbeiter. Nach hieß; man müsse sich also gedulden. Auch das Warten Versammlung mit einem Hoch auf das Gedeihen der guten Sache. Die nächste Versammlung findet am 6. Januar 1888, Abends dem das preußische Handelsministerium von den verschiedenen Pro- half aber nichts, denn der mit der Ueberwachung betraute 8% Uhr, im Deigmüller'schen Saal, Alte Jakobftr. 48a, ſtatt. vinzialregierungen Auskünfte über die Mängel und Schäden in der Polizeilieutenant erklärte gleich nach seinem Eintritt, daß Der Wichtigkeit der Sache wegen ist pünktliches und zahlreiches Hausinduſtrie der Cigarrenarbeiter verlangt hat, hat auch der Unterstüßungsverein deutscher Tabaksarbeiter eine En- die Versammlung nicht stattfinden dürfe, da die Beleuch- Erscheinen erwünscht. quete nach dieser Richtung hin angeordnet und seine Mitgliedschaften tung den Dienst zu versagen drohe". mit der Ausführung derselben beauftragt. Die von der Hamburger Unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie gingen Mitgliedschaft eingefeßte Kommission hat nunmehr in der letzten die Anwesenden auseinander. Sizung über ihre Feststellungen berichtet und ist zu dem Schlusse gelangt, Vereine und Versammlungen. Berufsgenossen( Verbandsverein). Sonnabend, den 31. Dezem - Fachverein der Buchbinder und verwandten ber 1887, Abends 8 Uhr, im Restaurant Reyer, Alte Jakobstr. 83, " Sylvesterfeier". Geselliges Beiſammensein mit Damen! Gäste willkommen! daß das System der Hausarbeit in dieser IndustrieVerband deutscher Zimmerleute( Lokalverband Berlin branche durchaus beseitigt werden müßte. Die Gründe, welche die Kommission anführte, sind die auch bei Zentrum) feiert durch Tanz, Vorträge 2c. am 31. Dezember, Abends anderer Gelegenheit bereits häufig erwähnten. Zunächst wurde der 82 Uhr, in Hildebrandt's Prachtsälen, Weberstr. 17,„ Sylvester", üble Einfluß betont, den die Beschäftigung von Personen beiderlei Eine große öffentliche Versammlung der Schuhmacher wozu wir freundlichst Alle einladen, die sich amüsiren wollen. Geschlechts und von Kindern in einem und demselben Raume auf Berlins fand am 27. d. M.( dritten Feiertag) in Mundt's Salon, Billets à 30 Pf. infl. Tanz sind zu haben bei den Kameraden: Schreiber, Gneisenaustr. 82, H. 3 Tr.; Kirschke, Arndtstr. 25; die Sittlichkeit, insbesondere der jugendlichen Arbeiter, ausüben Röpnickerstr. 100, ſtatt. Der erste Punkt der Tagesordnung lautete:„ Die Alters- Pöschmann, Christinenstr. 40, born 3 Tr.; Jäckel, Schönhauser müßte. In den meisten Fällen entsprächen ferner die Räumlichkeiten und die Luftverhältnisse in den Wohnungen der Gigarren- Haus- und Invalidenversorgung der Arbeiter", über die Herr Allee 177 b, 2. H., Stfl.; Meißner, Schwedenstr. 14; Schäfer, arbeiter den einigermaßen billigen Ansprüchen nicht, so daß eine unge referirte. Derselbe wies auf die Nothwendigkeit hin, sich Reinickendorferstr. 26 a; Hilgenfeld, Ackerstr. 133, 3. H. 2 Tr.; Minimalhöhe und ein Minimalluftraum für Werkstellen über diese Vorlage klar zu werden und erläuterte die Gesetzesvor- Oweißsch, Eisenbahnstr. 20, H. 1 Tr.; Jürgens, Landsbergerstr. 85, als dringend wünschenswerth zn bezeichnen sei, dessen Festsetzung im lage im Einzelnen. Zunächst war er der Meinung, daß nur ver- 5. 2. Aufg. 1 Tr.; Gorgas, Rüdersdorferstr. 69, vorn p.; Wolter, Wege der Gesetzgebung erstrebt werden müsse. Ferner müsse das schwindend wenigen Arbeitern der Genuß der Altersrente zu Theil Winterfeldstr. 22, H. 2. Tr.; Vogel, Grunewaldstr. 14, S. 2 Tr.; Lagern und Trocknen von Tabak- und Cigarrenvorräthen in den werden dürfte, da nicht anzunehmen ist, daß viele Arbeiter das Stehr, Wisnackerstr. 26,. r. 4 Tr.; Schulz, Lübeckerstr. 6; Arbeitsräumen durchaus verboten und eine völlig ausreichende Ven- 70. Lebensjahr erreichen. Als erschwerend tritt noch hinzu, daß die Gufrois, Gitschirerstr. 54, 4 Tr.; Ullrich, Schinkestr. 1,. p.; tilation der letzteren obligatorisch gemacht werden. heutige Generation kaum noch Aussicht hat," versorgt" zu werden sowie bei allen anderen Vorstandsmitgliedern. Das Komitee. und daß die Beiträge ununterbrochen gezahlt werden müssen. Die Die Enquete- Kommission wendete sich ferner gegen den Jahres- Rente selber von 120 Mark jährlich, in welche Summe sich drei den 1. Januar 1888, Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Sonntag, bericht der Chemnizer Handelskammer, welcher die Hausindustrie als ein„ Band für das Familienleben"(!!) bezeichnet hatte, Beitragszahler, Arbeiter, Arbeitgeber und Reich, theiler, hielt der Prediger J. Bohl über„ Neujahrsbetrachtung". Damen und Herren Referent für durchaus unzureichend, auch auf dem platten Lande. als Gäste willkommen. Am Montag, den 2. Januar, Abends und führte auf das Eingehendste aus, daß nach den Hamburger Gine große Gefahr liege ferner in den Quittungsbüchern, welche präzise 8 Uhr, findet daselbst eine Versammlung der Mitglieder Ermittelungen der Kommission, in Hamburg- Altona, das Familienleben überhaupt dort aufhöre, wo sich die Haus industrie vollständig die Arbeitsbücher zu ersetzen vermöchten, falls diese nicht zur Besprechung der Neuwahl der Beamten( Vorstand 2c.), einbe breitmachen kann; wo ganze Familien von Morgens früh bis zur Einführung gelangen sollten. Von der Invalidenversorgung rufen von der laut Gemeindebeschluß hierzu bestimmten Kommisspät in die Nacht beschäftigt sind und nach vollbrachter, die Gesund- konnte der Referent auch nicht viel Gutes erzählen und ging seine sion, statt. heit angreifender Arbeit, inmitten der feuchten, Dünste verbreitenden Invalidenversorgung keinerlei Vortheile zu erhoffen haben. Daß Ansicht dahin, daß die Arbeiter von der geplanten Alters- und Tabake schlafen müssen; wo nicht nur die verheiratheten Frauen, damit die Arbeiter auch nach dieser Richtung hin ungeheuer bevorsondern auch die Kinder, letztere schon in den frühesten Jahren, zu mundet würden, sei klar. Das in gedrängter Kürze vorgetragene den Vorarbeiten für die Männer herangezogen werden. Die Versammlung beschloß, dem preußischen Handelsministerium Referat fand allseitigen Beifall und wurde durch dasselbe eine rege in ihrer Entwickelung mit Bezug auf die Wohnfitten der Völker. durch die Kommission eine Denkschrift zugehen zu lassen, in Diskussion herbeigeführt. An der Debatte, in die der über- Mit vielen Illustrationen. Herausgegeben von Friedrich von welcher die Ermittelungen der Kommission festgestellt werden und fich u. A. die Herren Schlüter, Klinger und Baginsti. Letzterer Hellwald's kulturhistorischer Standpunkt ist in vielen Beziehungen wachende Polizeibeamte häufig ganz unberechtigt eingriff, betheiligten Hellwald. In ca. 15-20 Heften à 50 Pf. 1.- 7. Lieferung. die thunlichste Beseitigung der angezeigten Uebel erbeten werden soll. äußerte, seine Meinung ging dahin, daß der Reichszuschuß zur Alters- ein unfertiger, was wohl an der geringen sozialökonomischen und Aus der heutigen polizeilichen Praxis. Ein ganz versorgung ebenfalls von den Arbeitern in Gestalt der ungeheuren der überwiegend naturwissenschaftlichen Bildung des Autors liegt. eigenartiges Verfahren beobachtete der Polizeilieutenant, welcher die indirekten Stenern gezahlt werde. Daß der Arbeitgeber sein So hat seine Auffassung der Entwickelungstheorie entschieden hieram Dienstag d. 27. d. M. in Mundt's Lokal tagende Schuhmacher- Drittel Beitrag nicht aus seiner Tasche zahlen werde, darüber unter gelitten, so daß die revolutionärste Theorie bei ihm vielfach versammlung überwachte. Bei den Ausführungen des einen Redners, herrsche keinerlei Zweifel, mithin seien den Arbeitern die sämmtlichen zur Stüße reaktionärer Anschauungen dient. Troßdem hat Hellwald welcher die Alters- und Invaliden- Versorgung kritisirte, erhob er Soften aufgebürdet. Durch die Regierungsvorlage sei die herrschende große Verdienste, und als Sammler kulturhistorischen Materials sich und erklärte, daß, wenn ein Redner noch irgend etwas Noth des arbeitenden Volkes offiziell anerkannt. Wenn man warten verdient er nur Anerkennung. Lediglich Anerkennung kann man gegen die Regierung sprechen würde, er sich veranlaßt sähe, wolle, bis der Arbeiter 70 Jahre alt geworden sei, ehe man anfängt, daher wohl auch dem oben genannten neuesten Werk Hellwald's die Versammlung aufzulösen, und zwar geschah dies, ohne dem Vor- ihn zu versorgen", wo er schon in der Blüthe seiner Jahre sich keine zollen, welches eine vollständige Geschichte der menschlichen Wohnung ſizenden der Versammlung vorher irgend welche Andeutung zu Eriftenz zu schaffen vermöge, so sei dies vom Uebel. Durch Normal zu bieten sucht. machen. Als dieses Vorgehen von den nachfolgenden Rednern arbeitstag, Minimallohn und ein wirksames Arbeiter= kritisirt und Beifall laut wurde, erklärte der Lieutenant gar: Wenn schutzgesetz müsse dem Glende der Arbeiter schon bei Zeiten vor= noch ein Bravo erschallt, löse ich die Versammlung auf! gebeugt werden. Daß die Gesetzgebung für die Arbeiter sorgt und Letzte Nachricht. In spätester Nachtstunde geht uns noch Ein Fachverein gleich von vornherein nicht ge- eintritt, wünschen die Arbeiter, doch müsse dies in anderer Weise die Nachricht zu, daß von einer Seite die Wiederaufnahme des nehmigt. Folgende Abschrift einer Originalverfügung geht uns zu: geschehen, als durch die geplante Altersversorgung. Schiedsgerichtes gegen den Redakteur dieses Blattes beantragt sei. Literarisches. Illustrirte Kulturgeschichte. Band I: Haus und Hof Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23.