Berliner Volks- Tribüne. Social- Politisches Wochenblatt. -Einzelne Nummer 15 Pfg. Die Berliner Bolts- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh.- Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 850 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1888.) Redaktion und Expedition: Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 fg. 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. №o. 4. Inhalt: Sonnabend, den 28. Januar 1888. Ausgabe für Spediteure: „ Merkur" Zimmer- Straße 54. II. Jahrgang. hat, sondern so fest in unseren gesammten wirthschaft- daraus Genossenschaften von Aktionären zu; desto weniger lichen Verhältnissen wurzelt, daß er nur mit diesen hat das Kapital, der Besiz, mit der Produktion selber Zur Verschärfung des Sozialistengesetzes. gemeinsam jemals ausgerottet werden kann. Und letzteres zu thun, die immer ausschließlicher lediglich von bezahlten Neue militärische Forderungen. Ein dürfte den Männern der„ Kreuzzeitung" doch sauer an- Beamten und Arbeitern verrichtet wird. So lange Menschen Raubzug der hohen Finanz. Der Bauern- kommen, auch wenn ihnen einmal in Deutschland die noch denken werden, muß sich ihnen unter solchen Verhältkrieg in Schottland. Die christlich- soziale| Herrschaft zufallen sollte. nissen die Gewißheit aufdrängen, daß das private Kapital, Partei Frankreichs. II. Das preußische Den Sozialismus zu Falle bringen, heißt: das Prole- d. h. die heutige Wirthschaftsordnung, entbehrlich geVereinsgesetz und das Koalitionsrecht der tariat beseitigen, heißt: die besiglosen Arbeiter aus der worden ist, daß die Rente des arbeitslosen Besizes daher Arbeiter. Welt schaffen, die in den Dienst des Kapitals treten müssen, jede soziale Berechtigung verloren hat, und daß GenossenNovelle. Die Literatur und die Ar- um überhaupt produziren zu können, und die daher ge- schaften von Arbeitern ebenso gut die Leitung der beiterbewegung. III.- Die deutsche und die zwungen sind, sich mit dem nothdürftigen Lebensunterhalt Produktion übernehmen können. Sind das Gedanken, die englische Arbeiterpresse in den Vereinigten abfinden zu lassen, weil sie sich sonst ganz und gar dem nur von Agitatoren künstlich gezüchtet werden, oder sind Staaten. Der Posener Sozialistenprozeß. Hunger überantworten. das Umwälzungen in den allgemeinen Anschauungen, wie Der Kongreß der Malergehilfen Deutsch- Nun ist dieses Proletariat einerseits freilich für den sie aus den Umwälzungen, die wir tagtäglich auf allen lands. Verschiedenes. Vereinsnachrichten. Befiz ein sehr häkliges Ding, dem er ganz gern aus dem Gebieten wahrnehmen, mit Naturnothwendigkeit sich Wege gehen würde: es hat so seine eigenen Gedanken, die erzeugen? Einladung zum Abonnement. Wir bitten die Freunde unseres Blattes, recht eifrig für Jeine weitere Verbreitung einzutreten. Wir haben nach besten Kräften der Sache der Arbeiter zu dienen gesucht, mögen nun die Arbeiter auch das Blatt mit voller Energie unterstützen. Aus diesem Zusammenwirken werden beide Theile immer neue Anregung und Kraft schöpfen. Die Berliner Volks- Tribüne erscheint jeden Sonnabend früh. Der Abonnementspreis beträgt für Berlin monatlich 50 Pf.( frei in's Haus durch jeden Spediteur zu beziehen). zuliefern. * * mitunter für andere sehr peinlich werden können; es geht Und wenn die anarchische Konkurrenz, das Produziren von den Gedanken sogar oft zu entsprechenden Handlungen in's Blaue hinein, einen immer tolleren Wirrwarr auf über, die den Bourgeois oder was dasselbe ist: seinen allen Märkten schafft, wem sollte da nicht der Gedanke an Geldbeutel- mitunter auf das Unangenehmste berühren. eine planmäßige Regelung der Produktion kommen? Aber andererseits-man sagt das zwar nicht öffent- Was lehrt aber schließlich der Sozialismus in seinen lich, aber weiß es doch innerlich recht gut- ist das Grundzügen weiter, als daß die Steigerung unserer ProProletariat wiederum der Schöpfer alles Reichthums, soweit duktionsfähigkeit ausreicht, alle Noth und Entbehrung Menschen seine Schöpfer sind; alle Genüsse, welche für die aus der Welt zu schaffen, daß das Privatkapital Besitzenden dieses Jammerthal zur besten aller Welten zur Leitung der Produktion überflüssig ist und durch die machen, verdankt die Bourgeoisie wiederum dem Proletariat! genossenschaftliche Arbeit ersetzt werden kann, und Ohne Proletariat keine Großindustrie; ohne daß die Gesammtproduktion einer Regelung, einer einAußenstehende Listen bitten wir sofort an uns aberzeugung, welche den verschwenderischen Lurus und den liche sozialistische Agitation noch so vollständig ausrotten", Großindustrie nicht die enorme Steigerung der Güter- heitlichen Zusammenfassung bedarf? Da mögen die Männer der ,, Kreuzzeitung" die öffentaufgehäuften Reichthum unserer oberen Zehntausend erliche möglicht; ohne diese enorme Steigerung der nationalen da mögen sie erpatriiren und interniren so viel sie wollen, Produktion nicht entfernt die Fähigkeit, unsere stehenden diese mit Naturnothwendigkeit entstehenden Gedanken Riesenarmeen und damit zugleich die Söhne unseres Adels fönnen sie nicht unterdrücken, es sei denn, daß die Herren zu unterhalten; ohne moderne Großindustrie keine moderne P. Hammerstein es fertig brächten, das ganze Kapital und Geschütz-, Festungs- und Schiffstechnik, kein Repetirgewehr die ganze Bourgeoisie über Deutschlands Grenzen hinausund keine Möglichkeit, Millionen von Flinten in wenigen zubefördern oder, wie früher die Juden, in irgend ein Wem das Abholen von der Post zu umständlich ist, kann Proletariat, kein Kommunikationswesen, das uns gestattet, Jahren fertig zu stellen; ohne Großindustrie, d. H. ohne beschränktes Stadtviertel einzuschließen. Will man letzteres, so möchten wir jedenfalls bitten, fich( gegen Nachzahlung von 15 Pf. pro Vierteljahr) die„ Volks- Hunderttausende von Männern in wenigen Tagen an die bei den Befißenden den Anfang zu machen: ihrer kleinen Tribüne" durch Postboten direkt in's Haus bringen lassen. Grenze zu werfen und so die ersten, oft entscheidenden Zahl wegen wird man hier rascher fertig werden, wie mit Auch hier hat man ſich an die Poſtanſtalt des Wohnortes, nicht Schlachten glücklich zu schlagen, keine Möglichkeit der der Erpatriirung und Internirung der Befißloſen. regelmäßigen Verproviantirung von Hunderttausenden von Kriegern. Die auswärtigen Abonnenten bitten wir, alle Einzelbestellungen womöglich nicht bei der unterzeichneten Expedition, sondern bei der Postanstalt des Wohnortes zu bewirken. Die„ Berliner Voltstribüne" ist durch jede Postanstalt des Deutschen Reiches( unter Nr. 850 der Zeitungspreisliste für 1888) für 50 Pf. monatlich zu beziehen. an die Berliner Expedition, zu wenden. Es empfiehlt sich immer, größere gemeinsame Bestellungen für denselben Ort einem Spediteur zu überweisen, an den wir dann liefern und der, zu niedrigerem Preise wie die Post, das Austragen in's Haus besorgt, Die Expedition der ,, Berliner Volks- Tribüne". Berlin SO., Oranienstraße 23. Ausrotten! Neue 280 Millionen für das Militär. Die Bourgeoisie und ihre Herrschaftsmittel, der Staat und das Heer, bestehen also nur, weil das Proletariat Kartellmehrheit des Reichstages während ihres kurzen 40 000 Mann und 300 Millionen Mark hat die besteht, und so wenig Herr v. Hammerstein die Quadratur Bestehens bereits dem Kriegsminister bewilligt. Sie ist des Kreises finden wird und das Pulver erfunden hat, so ferner eben dabei, dem Volke die schwersten ,, Erweiterungen wenig wird er auch die Mittel entdecken, die Bourgeoisie der Wehrpflicht" aufzubürden, und natürlich ist die Rezu erhalten und doch das Proletariat ,, auszurotten". gierung für die entstehenden Mehrausgaben prompt mit Mit dem Proletariat wird aber auch der sozialistische der Rechnung am Plaß, und diese hat, wie immer, mit Die Kreuzzeitung" hat einen ganz neuen Troft für Gedanke fortleben und rüſtig weiterschreiten, denn dieser einer Hotelrechnung das gemeinsam, daß sie selbst die die Freunde des Ausnahmegesetzes gefunden, nämlich den, Gedanke ist nichts fünftlich Eingeimpftes, nicht das Erzeug- Befürchtungen derjenigen überbietet, denen es auf ein paar daß man Ideen allerdings ausrotten könne: das be- niß einiger Wühler", sondern ebenso gut ein nothwendiges Dugend Millionen mehr oder weniger nicht ankommi wiesen früher die Albigenser, später die Hugenotten und Brodukt unserer Wirthschaftsverhältnisse, wie die besigloſe wenn andere sie bezahlen. Camifarden in Frankreich! Klaffe selber. Auch die letzte, bis dahin höchste Bezifferung der Wir haben nun gar nicht die Abficht, uns mit der Der Arbeiter wird tagtäglich gewahr, wie unsere Kosten für das neue Wehrpflichtgesetz im Betrage von ,, Kreuzzeitung" darüber zu streiten, ob in der That die Produktionsfähigkeit durch neue Erfindungen, durch technische 265 Millionen hat sich noch als unzureichend erwiesen; in Ideen dieſer religiösen Parteien vernichtet worden find, Verbesserungen steigt und steigt; an sich selbst und seinen der Donnerstagssigung der Reichstagskommission für das oder ob diese nicht, lediglich unter anderem Namen, später arbeitslosen Brüdern aber sieht er, wie die Masse des Gesetz hat der Kriegsminister endlich die richtige Ziffer allesammt ihre Auferstehung gefeiert haben und theilweise Volkes angesichts des wachsenden Reichsthums zu einem gegeben: fie beläuft sich auf etwa 280 Millionen Mark. sogar zu allgemeiner Herrschaft und Anerkennung gelangt immer färglicheren und unfteteren Leben herabgedrückt Der wohlgemeinte, aber von vornherein aussichtslose find. Jedenfalls steht das eine fest: ist der Erfolg, deffen wird kann es da irgend eine Gewalt der Erde ver- Versuch, dem Lande nach Bewilligung dieser gewaltigen Wiederholung die ,, Kreuzzeitung" nicht nur ein„ chrift- hindern, daß in seinem Innern Zweifel aufsteigen an der und unvermutheten Summe Ruhe vor weiteren mililiches", sondern auch ein protestantisches Blatt!- gegen- Bernünftigkeit und Gerechtigkeit der bestehenden tärischen Nachforderungen zu sichern, gelang nicht; über dem Sozialismus zu wünschen scheint, in Wirklichkeit Wirthschaftsordnung, bedarf es, wo die Thatsachen des der Kriegsminister lehnte jede bindende Erklärung eingetreten, so ist es nur nach blutigen Kreuzzügen alltäglichen Lebens eine so beredte Sprache führen, noch darüber ab, ob diese 280 millionen die lette und Bürgerkriegen geschehen. Ist das Blatt, das eloquenter Streber", um den Proletarier aus seinem außerordentliche Forderung zu militärischen täglich die ,, Aussöhnung der Klaffengegensätze in christlichem Gleichmuth aufzurütteln? Zwecken bilden würden. Die Ausgaben im Einzelnen Geiste" predigt, auch dazu bereit, wenn die Expatriirung Einen je höheren Aufschwung der Großbetrieb in der näher anzugeben, erklärte der Kriegsminister ,, aus mili- von der zuerst in dem Junkerblatte die Rede war Industrie und Landwirthschaft nimmt und ihn ver- tärischen Gründen" ebenfalls für unmöglich! ebenfalls die Wirkung versagt? hindern, hieße für eine Bourgeoisie, die sich konkurrenz-" Geld und Steuern bewilligen und nicht unnüß fähig erhalten will, Selbstmord begehen! desto weniger fragen!"- das sollte an den Pforten des Reichstages als genügen die noch so riesenhaften Einzelvermögen für die Inschrift prangen, wie am griechischen Tempel das:„ ErAnlage neuer und die Erweiterung alter Unternehmungen; kenne dich selbst!" desto mehr fällt das Eigenthum daran und die Rente Aber das„ Bereitsein" ist hier nicht wie im Hamlet „ Alles". Der Sozialismus ist insofern eine ganz eigene Sache, als er nicht in einigen idealistischen Köpfen seinen Ursprung Ein Raubzug der hohen Finanz. Wiederum eine recht eindringliche Lehre für Lewis an. Der„ Voff. Ztg." schreibt man darüber aus unsere Kleinbesigenden, die anstatt sich an die London: In einer der leßten Sizungen des preußischen Ab- Seite des Proletariats zu stellen sich zur Gefolgschaft„ Die darbenden Bauern( crofters) der Insel Lewis, geordnetenhauses konnte selbst der sehr autokratische des Großkapitals hergeben, welches sie unerbittlich ver- welche gegen Hirsche und Schafe zu Felde gezogen waren, Finanzminister von Scholz nicht umhin, seufzend die alles- schlingt und aufsaugt! um das Land für die Menschen zurückzugewinnen, haben beherrschende Uebermacht gewisser Finanzkreise zuzugestehen, einen moralischen Sieg davongetragen durch die Freinachdem sein Kollege aus der Eisenbahnverwaltung früher sprechung der Rädelsführer im„ Hirschkrieg." schon einige ärgerliche und ärgernißerregende Worte über den„ Giftbaum" der Börse hatte fallen lassen. Der Bauernkrieg in Schottland. ,, Die Verhandlungen vor dem Geschworenengericht in Die englischen Zeitungen beschäftigen sich jetzt viel Edinburg hatten große Theilnahme erregt, und die Reden Auch die französische Kammer wird demnächst An- mit den Ereignissen unter den Bauern Nord- Schottlands, der Vertheidiger wurden häufig vom Beifall der Zuhörerlaß haben, sich mit einem wahrhaft gemeingefährlichen den sogenannten„ Crofters". schaft unterbrochen. Troßdem der vorsißende Richter, Lord Streich einiger Finanzgrößen zu beschäftigen und zwar auf Auch dort in den Hochlanden und besonders auf den Moncreiff in seiner Rechtsbelehrung auf die Verurtheilung eine Anregung der neugebildeten sozialistischen Gruppe Inseln Skye und Lewis hat die Agrarfrage denselben der Angeklagten hinzuwirken ſuchte, kehrten die Geschworenen hin. Diese beabsichtigt nämlich, die Regierung zu inter- brennenden Charakter angenommen wie in Irland und dennoch nach halbstündiger Berathung mit dem Wahrpelliren, welche Stellung sie zu der Herbeiführung den gälischen Distrikten, sodaß die englische Regierung spruch zurück, daß sie sich auf Freisprechung geeinigt hätten. Der Hauptangeklagte, Donald Macrae, der Schulmeister einer enormen Kupfervertheuerung durch ein Kapi- nicht nur mit den irischen und gälischen, sondern auch Der Hauptangeklagte, Donald Macrae, der Schulmeister von Balallun( vergl. den Artikel in Nr. 19 dieses Blattes), talistenkartell einzunehmen gedenke. mit den nordschottischen Bauern ihre liebe Noth hat. Der„ Temps", ein bürgerliches Blatt, durch und Nur hat die Forderung der schottischen Crofters die wurde darauf im Triumph durch die Straßen der Stadt durch ein geschworener Gegner aller Sozialisten, ein ver- Besonderheit, daß sie sich nicht damit begnügen, den Land- getragen. Auch aus anderen ſchottischen Städten werden bissener Vertheidiger aller Bourgeois- Vorrechte, hat vor lords keine Bacht mehr zahlen zu wollen, sondern daß Freudenbezeugungen wegen der Freisprechung gemeldet; an einigen Wochen bereits das ganze skandalöſe Ausbeutungs- fie fich für die einzig rechtmäßigen Kollektivbesißer verschiedenen Orten der Hochlande wurden Freudenfeuer projekt aufgedeckt. Einige würdige Millionäre, im Bunde mit drei Bankhäusern, an deren Spize natürlich das Haus in den Gemeinbesitz verlangen. Während sie danach versammlung der Genugthuung des Volkes über den Mißmit drei Bankhäusern, an deren Epiße natürlich das Haus des Bodens erklären und die Rückgabe des Landes angezündet, und in Glasgow gab eine öffentliche VolksRothschild steht, haben nach dem Temps einen Ring" streben, die Befriedigung aller dieser Forderungen durch erfolg der Anklage Ausdruck. " sich dann nicht wieder erneuert alles Kupfer in blinund Behörden ausführt. den Markt, wo die Nachfrage noch lange das Angebot Schlauheit verbindet. Die " Mehrfach gebildet, um das gesammte Kupfer aufzukaufen, zuseßen, nehmen die Crofters unterdeß das eine oder Die gleichzeitig eingetroffene Nachricht von einem dessen Verkauf für sich zu monopoliſiren, um dann den andere Stück Land bereits in Beschlag und vertreiben die neuen Ausbruch in Lewis verleiht dem freisprechenden Cours desselben beherrschen" zu können, wie sie sich in Verwalter daraus. So ist es vor drei Jahren auf der Urtheil um so höhere Bedeutung. Diesmal hatte es sich ihrer gewählten Sprache ausdrücken. Auf zwei Jahre Insel Skye gegangen und vor einigen Wochen auch auf wieder um einen Angriff auf eine große Schafhinaus würde sich also für das Konsortium wenn es der Insel Lewis. Polizei und Militär wird dann regel- züchterei gehandelt, welche in der 7000 Acres großen kendes und klingendes Gold verwandeln; auf zwei Jahre Landleute werden handgemein, und es giebt dann auf wenigen Jahren durch die Vertreibung einer Anzahl kendes und klingendes Gold verwandeln; auf zwei Jahre mäßig aufgeboten. Der Aufſtand beginnt, Soldaten und Farm von Galſon errichtet war. Galjon war erst vor hinaus würde ein ausgedehnter Industriezweig ganz und der einen wie auf der anderen Seite Verwundete. Zuletzt dort angesiedelter Crofter für die Schafzucht freigemacht gar den Händen einer Kapitaliſten- Vereinigung ausgeliefert gewinnt das Militär die Oberhand, ohne daß damit die worden. Auch in diesem Falle hatten sich die landlosen sein, die ihren Raubzug unter den Augen der Regierung Bauern zur Ruhe gebracht sind; nach einigen Wochen oder Bauern mit der Bitte um Wiederansiedelung an Lady Monaten steht man wieder am Anfang eines neuen Streits, Matheson, die Beſizerin des Grund und Bodens, gewandt Der Preis des Kupfers ist in Folge dessen schon bis die öffentliche Meinung sich mit der Sache befaffen waren aber abschläglich beschieden worden. ganz unglaublich gestiegen. Dieses Metall, das einer Menge und beim Parlament ein Gesetz durchdrücken wird, welches waren bereits letzter Tage Strecken der Umzäunung einvon Industrien unentbehrlich ist, kommt aus den Fund den Crofters ihr Gemeindeland wiedergiebt. gerissen vorgefunden. Die Heren müßten es gethan haben, stätten nur langsam und in sehr geringen Mengen auf Geschichtlich hat sich die Landfrage Schottlands erklärten auf Umfrage die Bauern der Nachbarschaft. Da stießen im Morgengrauen am Anfang voriger Woche einige übersteigen wird, und das ist es auch, was das be- folgendermaßen entwickelt: Vor dem letzten schottischen National- Aufstande, der patrouillirende Polizisten auf einen Haufen von 60 Bauern, zeichnete Konsortium beabsichtigt, das unsere Volkswirth- im Jahre 1745 stattfand, gehörte ein großer Theil des die mit geschwärzten Gefichtern und durch sonstigen Aufschaft offenbar gründlich studirt hat und mit einer voll- schottischen Grundes und Bodens noch den Stämmen oder pub unfenntlich gemacht, dabei waren, die Zäune niederkommenen Kenntniß der Theorie eine unschäßbare praktische Clans". Noch bis auf unsere Tage haben sich einige „ Clans". Noch bis auf unsere Tage haben sich einige zureißen. Die Polizisten versuchten einige Bauern zu verund mußten, übel zugerichtet, das Weite suchen. Vier von „ Aber schrieb neulich der Pariser„ Cri du peuple" Refte dieses ursprünglichen Gemeinbefizes erhalten. Nach haften, wurden aber von dem ganzen Trupp angegriffen dem aber der Aufstand von 1745 niedergeschlagen war, das ist noch nicht Alles! Nicht nur die Industrie wurde das Gemein- Eigenthum fast überall abgeschafft, das ihnen sollen verwundet ſein. Einer von Stornoway, dem wird durch diese Handvoll Chriſten und Juden geschädigt, Haupt jedes Clan's wurde als einziger und unbeschränkter Hauptorte der Insel, abgesandten Polizeimannschaft ist mit auch die nationale Wehrkraft leidet darunter. Zur Eigenthümer anerkannt. Da aber diese Landstriche zum der Beihilfe von zwanzig Soldaten am 19. die Verhaftung Bewaffnung unserer Land- Armee und unserer Marine mit werden in der That enorme Mengen von Kupfer für größten Theil unbebaut und in Folge dessen von sehr der Polizei in Galson geglückt. Die Leute leisteten vergeringem Werth blieben, so konnten sich die Bewohner tausenderlei Zwecke gebraucht. Die nationale Industrie noch lange mancher alten Rechte erfreuen, besonders des zweifelten Widerstand, wurden aber schließlich überwältigt und die nationale Wehrkraft- alles gerät unter die Rechts, ihr Vieh auf dem bezeichneten Boden zur Weide weile haben andere Bauern die Schafzüchterei von Coll und gefesselt zu Schiff nach Stornoway gebracht. MittlerHände einiger beutegieriger Männer, die, wenn der Gewinn groß genug ist, fähig sind, die Regierung und das zu treiben. Allmählich jedoch, besonders infolge der verwinn groß genug ist, fähig sind, die Regierung und das besserten Kommunikationsmittel, der engeren Verbindung Bich auf die Weide getrieben. Der Pächter und seine gewaltsam in Besitz genommen und dort ihr eigenes ganze Land zu verschachern! Was kümmert es auch diese mit den Städten und industriellen Zentren, infolge auch Knechte wurden, als sie die Leute fortweisen wollten, mit kosmopolitische Raub- Genossenschaft, welche Arbeiter, Unter der stetig emporwachsenden Industrie, stieg der Grund und nehmer, ja ganze Nationen ausplündert, ob unser Frank Boden an Werth, die Eigenthümer nahmen ihn ausschließreich darniederliegt und ob der erhöhte Kostenaufwand fürlich für sich selbst in Benutzung als Weide für ihre Schafe, die nationale Vertheidigung durch ihr Vorgehen ein neues um die Textilindustrie mit Wolle zu versorgen, und wo Die christlich- soziale Partei in Frankreich. Loch in unser ohnehin schon an hohem Defizit leidendes fie es nicht thaten, ließ man Hirsche und sonstiges Wild Budget machen wird? Für diese Leute läuft alles nur auf ein Rechenerempel und auf eine Frage des Geld- grafen, um dem Vergnügen der Sportsmen zu dienen. schranks hinaus. Ihr Vaterland ist die Börse, ihr Gott letzte Berechtigung, welche sie von ihren ehemaligen Anrufen werden, so versammeln sich die angesehenſten Perdas goldene Kalb und in ihren Schlupfwinkeln, in denen sprüchen auf den Boden noch bewahrt hatten. Sie sahen sönlichkeiten einer Stadt oder eines Stadttheiles, konstituiren fie die Staatsschuldscheine, die Banknoten und die Rollen fich vom Boden vertrieben, erst durch die Schafe, dann fich als Komitee und berathen über die" Stiftung". Sie Goldes aufhäufen, bleiben sie gefühllos gegen alles Elend, durch die Hirsche. Freilich nicht, ohne zu protestiren, und wählen ein Lokal, in dem sich die Arbeiter gemeinschaftlich das sie rings um sich her anhäufen. Was ist auch weiter ihre Proteste haben sich jetzt derart verstärkt, daß sie ganz versammeln und erholen können, in dem sie Vorträge dabei? Die privaten Käufer wie der Staat werden einfach Großbritannien durchhallen. Die armen Crofters kämpfen über christlich- soziale Theorien und über konservative das Kupfer theurer bezahlen; dafür werden die Unter- jetzt nicht mehr allein; in den großen Städten und überall Staatsweisheit hören. Das Komitee stellt den Arbeitern nehmer, um sich für die Vertheuerung des Rohstoffes zu sonst haben sie leidenschaftliche Fürsprecher gefunden. das Lokal unentgeltlich zur Verfügung und trägt die entschädigen, den kärglichen Lohn ihrer unglücklichen Es ist nur naturgemäß, daß sie besonders von den Kosten von dessen erster Einrichtung. Die Mitgliedschaft Arbeiter noch weiter herabsezen, so daß diesen schließ- jenigen unterstützt werden, die in den drei Königreichen des Vereins hat alsdann nur für die fortlaufenden Unterlich alle verhängnißvollen Resultate des Raubzuges der von der Ungerechtigkeit des privaten Grundeigenthums haltungskosten aufzukommen und thut dies durch regelhohen Finanz aufgehalft werden!- Wohl existirt ein überzeugt sind; und daß diese Leute zahlreich sind, weiß man. mäßig zu zahlende Mitgliedsbeiträge, durch freiwillige gewisser Art. 419, welcher solche Handlungen sogar mit Was wollen denn in der That diese schottischen Gaben und durch freiwillige Spenden, die vom Komitee Strafe bedroht; aber die Regierung, die Polizei und die Magistrate zittern ja vor einem Rothschild, und dieser Bauern? Ganz dasselbe, was unter anderem Namen die ausgehen. Paragraph wird sicherlich nicht zur Anwendung ge- englischen Gewerkschaften auf ihrem letzten Kongreß in So verloren die Bauern auch das Weiderecht, die Steinwürfen vertrieben." II. 3 Soll ein katholischer Arbeiterverein in's Leben geDem hierarchisch- absolutistischen Geist entsprechend wird bracht werden!- Nun, in Zukunft wird man nicht mehr Swansea verlangt haben, was auch die hervorragendsten der Verein durch das Komitee regiert". Die Leitung so naiv sein, wie während der Kommune, die Paläste englischen National- Dekonomen und Soziologen wie ruht in den Händen des„ inneren Rathes", dessen Mitunserer Bankokratie mit Wachen zu versehen." Stuart Mill, Herbert Spencer, Wallace, Mac- Donnell, glieder auf Lebenszeit erwählt werden. In dem Falle, Der Gewinn, den der Ring macht, wird auf 46 Mil Syme und die hervorragendsten Führer der englischen daß eines dieser Mitglieder stirbt, sein Amt niederlegt lionen Francs berechnet. Am 1. Oktober vorigen Jahres Radikalen gefordert haben: die Ueberführung des Bodens oder desselben entsetzt wird, wählt der Rath selbst unter den Angehörigen des Vereins einen Nachfolger. Der stand der Kupferpreis auf 105 Francs, Ende Dezember in den Gemeinbefiz. auf 210 Francs, also hundert Prozent höher! Diese Forderung bildet zugleich einen der wichtigsten Präsident des Vereins wird in einer Generalversammlung Auch in Deutschland leiden wir unter den Folgen Programmpunkte der englischen Sozialisten, die eine auf ein Jahr ernannt und muß stets dem inneren Nath dieses Handstreiches, die übrigens nicht nur die Arbeiter rührige Agitation entfalten und die jeßt den Grofters ihre angehören. Seine Autorität ist nur nominell, seine Rolle treffen, sondern auch eine Menge kleiner Unternehmer Hand reichen, um die Interessen auch dieser Beraubten eine nichtssagende, da der innere Rath alle Streitfragen vollständig ruiniren. Die großen Fabriken, welche zu vertheidigen. Damit gewinnt die Agrarbewegung in im Vereine schlichtet. Die Vollgewalt ist in den Händen Kupfer verbrauchen, können eine Zeit lang von ihren Schottland Anschluß an die große Emanzipations- des Komitees zusammengefaßt, das durch seinen Delegirten, früher angehäuften, billig eingekauften Vorräthen zehren. Der Crofters ist schon gegenwärtig keine isolirte mehr, fie inneren Rathes ist, vertreten wird und Statuten entwirft früher angehäuften, billig eingekauften Vorräthen zehren. bewegung des Proletariats aller Länder. Die Agitation den Direktor des Vereins, der zugleich Präsident des Die kleinen Unternehmer aber, die von Woche zu Woche ihren Bedarf an Kupfer einkaufen, müssen sofort den ist mehr als ein einfacher Aufstand von Bauern, die mit und festsetzt. Der Direktor bildet ein Bindeglied zwischen vollen Theuerungspreis zahlen. Entweder können sie das der Höhe des Pachtzinses unzufrieden sind; sie ist ein Komitee und Verein, er ist der Minister der höchsten, unbei ihren beschränkten Mitteln und ihrem geringen Kredit Theil der allgemeinen sozialistischen Bewegung geworden, beschränkten Autorität, des„ göttlichen Rechts", welches von vornherein nicht; oder wenn sie das können, so ver- eine der Formen des Kollektivismus; ihr Sieg und das Komitee zu vertreten vorgiebt. mögen sie doch später, beim Absatz ihrer Waaren, mit dieser Sieg ist sicher wird zugleich ein Triumph des Das Komitee leitet die„ Stiftung" durch sein„ Sekre den günstiger gestellten Großunternehmern im Preise nicht Sozialismus, die Rückgabe des Grundes und Bodens in tariat". Dieses stellt die höchste Erekutivgewalt dar und zu konkurriren und sie gehen zu Grunde, sie müssen den den Gemeinbesitz ein Vorzeichen für die allgemeine Sozializerfällt in vier verschiedene Sektionen: 1. die Sektion für Betrieb ihrer Werkstätten einstellen- und dafür liegen irung des Landes und der Produktionsmittel sein, der Propaganda; 2. die Sektion für Regierung; 3. die Sektion ja auch in Deutschland schon Beweise genug vor.*) einzigen gründlichen Lösung unserer wirthschaftlichen Wirren für Verwaltung; 4. die Sektion für Studien. und der sozialen Frage! Dr. C. de Paepe. Der ersten Sektion liegt die Aufgabe ob, die Be ziehungen des Werks" zu der herrschenden Gesellschaft Wir fügen dieser prinzipiellen Darstellung gleich noch zu unterhalten. Sie hat Leute ausfindig zu machen, einen Bericht über die letzten Ereignisse auf der Insell welche neue Stiftungen, patroniren" können, sie bildet *) Wir haben vor einigen Wochen einen Vortrag des Formers Rörsten gebracht, welcher die Folgen der steigenden Metallpreiſe für die Former Berlins sehr gut beleuchtete. * * * e e 訂 == gt cr Er g h le n Ent 1, 8 ft ent 1= es e= nd ir on Se aft 11, pet bas Komitee, torrespondirt mit der Presse und organisirt die Ursache derselben weiter bestehen. Bei den Wo die Vereinsleitung eine geschickte, bewußte und außerhalb der Vereine Konferenzen für Agitation und besten Absichten und troß großer ökonomischer und geschicht- einsichtige war, hat man es daher mit Aengstlichkeit Propaganda.- Die Sektion für Regierung des Vereins licher Kenntnisse in Einzelheiten läßt der religiöse Jdealismus vermieden, mit anderen Vereinen in Verbindung zu treten. wählt die Direktion und unterhält mit den Arbeitern die die Leiter der Bewegung nicht zu einem klaren Ueberblick Durch die Gründung eines Vereines giebt aber eine Beziehungen, welche nöthig erscheinen, um das gute Ein- über den sozialen Entwickelungsprozeß und sein Ziel ge- Gewerkschaft keineswegs ihr Recht auf, nun auch die den vernehmen zwischen den im Zirkel vertretenen gegenfäßlichen langen. Sie übersehen das für eine zivilisatorische Weiter- Versammlungen" gefeßlich zustehenden Befugnisse ausElementen aufrecht zu erhalten. Der Verwaltungs- entwickelung der Gesellschaft zur Nothwendigkeit gewordene zunuzen. " " sektion ist die Pflicht zugefallen, alle auf die innere Ord- Emanzipationsbedürfniß des Proletariats, das auf ökono- Man beruft öffentliche Versammlungen der Fachnung bezüglichen Fragen zu erledigen, Konsumvereine 2c. zu mischen Bedürfnissen fußt; sie ziehen weder die Konzentration genossen, zu welchen natürlich auch die Vereinsmitglieder gründen, Feste zu arrangiren.- Die Thätigkeit der des Kapitals, noch die technisch- wissenschaftlich entwickelte zu erscheinen ein Recht haben. Diese Versammlungen" Sektion für Studien besteht darin, im Verein Vorträge, Produktion, die Theilung der Arbeit, den Kampf zwischen umfassen einen größeren Kreis, schließen aber selbstredend Lehrkurse, Konferenzen anzuregen und zu bewirken, welche Maschine und Arbeiter, die Rolle der Frauen- und Kinder- die Vereinsmitglieder ein. Diese haben dadurch, daß sie die Arbeiter auf dem Gebiete der Religion, der Volks- arbeit, die Erweiterung des Marktes zum Weltmarkt und Vereinsmitglieder sind, nicht das Recht verloren, an öffent= wirthschaft und der Geschichte belehren sollen. andere ökonomische Faktoren in Betracht: lauter Thatsachen, lichen Versammlungen Theil zu nehmen. Die nach diesem Schema gebildete„ Lokalstiftung" welche das Jdeal der christlichen Reformler von vornherein Die Leitung der öffentlichen Versammlungen fällt den geschicktesten Personen zu, das werden in der Regel ist das genaue Abbild des„ Generalkomitees", das zum todtgeborenen Kinde machen. seinen Sip in Paris hat, und dessen Generalsekretär Und die politische Entwickelung unserer Zeit, mit Vereinsmitglieder sein, die ja im Vereine eine Schulung de Mun selber ist. Die Erekutivgewalt desselben wird ihren ausgesprochenen, nur noch mühsam im Zaume ge- erhalten haben. Ein Vereinsvorsißender hat ohne Zweifel gleicherweise durch das Sekretariat dargestellt, das in die haltenen demokratischen Tendenzen steht diesem Ideal das Recht, eine öffentliche Versammlung zu berufen wie nämlichen vier Sektionen zerfällt, die wieder in Direktionen nicht minder schroff feindlich gegenüber. Wie das ökonomische jeder andere Staatsbürger. Da er durch seine Mitglied= getheilt sind. So besteht z. B. die Sektion für Propaganda Programm der franzöſiſchen christlichen Sozialreformler schaft zum Vereine schon zeigt, daß er für gewerkschaftliche des Generalfomitees aus drei Direktionen für das gesprochene dem Wesen des Kapitalismus, der ökonomischen Entwickelung Angelegenheiten lebhaftes Interesse hat, da er unter seinen Wort, für Preffe und für weltliche Beziehungen. Die nicht Rechnung trägt, so wenig kann sich der Geist der Kameraden meistens bekannt ist und als ihr natürlicher Sektion für Regierung nimmt neue Vereine in den Ver- Bevormundung, welcher alle Kirchenthätigkeit kennzeichnet, Vertrauensmann angesehen wird, so ist es sehr natürlich, band der allgemeinen Organisation auf, wacht über Auf- mit den Forderungen des Demokratismus aussöhnen. Die daß er auch dazu ersehen wird, eine öffentliche Versammrechterhaltung der Einheit und sucht„ Reßereien" und Kirche kann wohl in den verschiedenen Ländern die Christlich- lung zu berufen und zu leiten. Die Vereinsmitglieder Spaltungen vorzubeugen. Die dritte Sektion des General- Sozialen vorschieben, um durch fie ihren alten Traum sind in den wirthschaftlichen Fragen, die in den öffentlichen komitees ist mit der Finanzverwaltung, der Veranstaltung von einer weltumspannenden Theokratie verwirklichen zu Versammlungen erörtert werden, durch den Verein geschult von Sammlungen und Subskriptionen beauftragt. Die laffen. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch die geschicht- und vorbereitet, sie werden also die besten Redner abgeben, Sektion für Studien hat die christlich- sozialen Lehren aus- lichen Bedingungen so durchaus verändert, daß für eine auch zu Kommissionen, die die öffentliche Versammlung zuarbeiten, die Agitationsliteratur zu prüfen und das Oberherrschaft der Kirche kein Platz in der Gesellschaft etwa zu ernennen hat, herangezogen werden. Der Organ der Partei l'Association catholique" heraus- geblieben ist. Ihr Einfluß, ihre Macht, sie selbst ist zu Verein wirkt als Sauerteig in dem Brei der zugeben. Mit ihr steht ein besonderer„ Studienrath" in einer wandelnden Leiche geworden, der alle Galvanisirungs- öffentlichen Versammlung, das ist richtig, das ist Verbindung, der ausschließlich aus Nationalökonomen zu versuche kein neues kräftiges Leben einhauchen können. sein Zweck, das soll er. Die politischen Parteien, die sie ausschickt, ihren sammengesetzt ist. Ist aber der Sauerteig darum mit dem Brode zu direkt oder indirekt für verwechseln, ist er mit ihm gleich? Er besteht aus ähnAcker zu beſtellen, säen den Sozialismus, der zu gegebener Zeit die Garben ein- lichen Elementen wie der Brodteig, mischt sich mit ihm heimsen wird./ und durchsetzt ihn, ist aber nur ein Theil und nicht das Ganze. Soviel über die Organisation der katholischen Reformvereinler in Frankreich. Aus der Art und Weise der Organisation, aus ihrer Agitation in Wort und Schrift geht hervor, daß die Arbeitervereine nicht Selbstzwed sind, sondern nur Mittel zum Zweck sein sollen. Der eigentliche Zweck dieser Vereine ist die Schaffung von Organisationen, die unter kirchlicher Oberhoheit den sozialen Frieden zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden vermitteln sollen. Bedenkliche Entscheidungen. ( Zum Koalitionsrecht der Arbeiter.) Um den Arbeiterorganisationen beikommen zu können, hat man zu Auslegungen der Geseze und zu Herr de Mun und etliche seiner Freunde sind übrigens Schlußfolgerungen greifen müssen, die sich zwar durch gut genug in nationalökonomischen Fragen beschlagen, um Neuheit, Eigenthümlichkeit und Kühnheit, aber nicht ebenso eine Wiederbelebung der mittelalterlichen zünftigen Kor- durch Folgerichtigkeit, Schärfe und Bündigkeit auszeichnen. poration für aussichtslos zu erkennen. Sie wollen ihre Die Prozesse gegen die Fachvereine geben hierzu Korporation den neuen Wirthschaftsverhältnissen angepaßt reichliche Beispiele, deren wir heute eines unseren Lesern wissen, aber hier kommt die Achillesferse ihres christ vorführen wollen. lichen Konservativismus zum Vorschein! doch noch nach Diese klaren Wahrheiten sind auch in einer ganzen Reihe Prozessen von den Richtern anerkannt worden. Zulegt noch im Prozesse gegen den Tischler- Fachverein Vorstandes endete, weil der Gerichtshof ganz bestimmt den zu Hannover, der mit Freisprechung des angeklagten Verein" von der Versammlung" schied, obgleich auch dort die Sache so lag, wie wir sie eben geschildert Anders das Erkenntniß des Essener Schöffengerichtes. 11 haben. Es sagt: 4 Vortrag halten " Der Einwand, welchen die Angeklagten erheben, daß die Vera sammlungen, in welchen politische Vorträge gehalten wurden, durch= Es liegt uns ein Erkenntniß des Schöffengerichtes aus von den Versammlungen des Fachvereins zu trennen seien, dem alten Muster. In ihren Arbeitervereinen suchen die zu Essen vor, das am 23. Dezember v. J. gegen den daß erstere allerdings auch von A. H., aber als öffentliche Bera christlichen Reformler Frankreichs eine harmonische Ver- Vorstand des dortigen Maurerfach vereins erlassen ist, fammlung für alle Maurer angemeldet seien, erscheint nicht ſtich= schmelzung und Berührung der beiden grundfeindlichen eine Anzahl der Mitglieder desselben zu Geldstrafen ver- haltig. Allerdings hat A. H. bei den polizeilichen Anmeldungen Gesellschaftsschichten, der Arbeiter und der Kapitalisten, urtheilt und den Fachverein als geschlossen erklärt, weil Borsigende", zuweilen der Einberufer" unterzeichnet. Uebrigens die Vorsicht beobachtet, daß er die Schriftstücke zuweilen„ der herbeizuführen. Ihre Studienkomitees" und" Konferenzen" angeblich der Verein, obgleich er politische Angelegen- haben die Polizeibeamten, welche mit der Ueberwachung der Verpredigen die Lehre, daß die soziale Harmonie hergestellt heiten zu erörtern bezweckte, sich mit anderen ähnlichen ſammlung betraut waren, einen Unterschied wahrzunehmen, nicht würde, sobald sich Arbeiter und Kapitalisten eines industriellen Vereinen zum Erreichen gemeinsamer Zwecke in Verbin- vermocht. Die Versammlungen fanden in demselben Lokal statt, Unternehmens oder einer ganzen Industrie zusammen in dung gesetzt haben soll. dem Vereinslokal des Fachvereins, stets von A. H. einberufen und angemeldet. Es waren dieselben Personen Theilnehmer, es wurden einen Berufsverband vereinen. Dieser Berufsverband soll Wir wollen hier nicht die alte Streitfrage berühren, dieselben Interessen und Fragen erörtert, der Vortragende kam durch einen Korporativrath geleitet werden, der, halb aus was im Sinne des Vereinsgesetzes in Preußen politische auf Anregung des Fachvereins nach Essen, um seinen Vortrag zu Arbeitern, halb aus„ Patronen"( Unternehmern) bestehend, Angelegenheiten" sind, auch nicht, was es bedeutet, die halten. Er wurde durch einen Brief des A. H. eingeladen, worin die Lohnsäße beſtimmt, die Zahltage festsetzt, die Kassen Erörterung politischer Gegenstände bezwecken", sondern hat A. H. in einer unbestrittenen Vereinsversammlung verkündet, letzterer sich als Vorsitzender des Fachvereins unterzeichnete. Auch verwaltet, deren Einnahmen aus Beiträgen der Kapitalisten wollen aus dem Erkenntniß nur herausheben, wie das daß in der Versammlung am der und Proletarier, aus Strafgeldern u. s. w. zuſammen- Schöffengericht zu Essen zur Herstellung der Begriffe werde und hat zu dieser Versammlung eingeladen. Nirgends fritt kommen. Der„ Korporationsrath" hat die Streitigkeiten„ Verein" und der„ Verbindung von Vereinen" ge- ein Unterschied der Versammlung zu Tage, namentlich wird jedesmal zum Beitritt in den Fachverein aufgefordert." zwischen Arbeitern und Patronen zu schlichten. Wenn die kommen ist. beiden im Rath vertretenen Elemente sich nicht einigen Es besteht unter den Arbeitern thatsächlich ein Drang Thatsächlich möchte zuerst festgestellt werden, daß die können, so steht dem katholischen Verein das Schiedsrecht nach einem Zusammenfassen der Kräfte der Einzelnen, sum öffentlichen Versammlungen jedesmal ungefähr doppelt so zu. Seine Entscheidung ist endgültig. in dem harten Kampf des zügellosen Wettbewerbes wider stark besucht waren, als die Vereinsversammlungen, daß Das Programm der französischen christlichen Sozial- standsfähig zu sein. Es besteht zugleich das ernste Be- in den öffentlichen Versammlungen auch Meister und reformler bietet nichts Neues, es wiederholt das alte, dem streben, diese Zusammenfassung der Kräfte in gesetzliche Sonstige fremde Personen erschienen waren, die zu VereinsVolte so oft vorgefungene Eiapopeia von Harmonie, Ver- Formen zu bringen, sie den Gesetzen anzupassen. Die versammlungen nie tamen und auch wohl keinen Zutritt föhnung und was damit drum und daran hängt, nur Arbeiter haben zu solchem Streben offenbar ganz dieselbe erhalten hätten. Schon aus dem Umstande, daß jedesmal nach einer besonderen Melodie und mit einer leichten Ab- Berechtigung, wie die Betriebsunternehmer, wenn diese, zum Beitritt in den Fachverein aufgefordert wurde, ergiebt änderung. Es baut auf die durch die Religion eingeflößten um ihre wirthschaftliche Lage zu verbessern, sich zu Kar- sich, daß viele Nichtvereinsmitglieder da sein mußten, Gefühle von Wohlthätigkeit und Entsagung, und wenn tellen, Syndikaten, Vereinen, Innungen und dergleichen sonst wäre diese Aufforderang einfach sinnlos gewesen, was man von so schlauen Männern, wie die richterliche diese Gefühle nicht stark genug sind, den Widerstreit der verbinden. sozialen Interessen auszusöhnen, so erscheint als deus ex Der Lohnkampf ist so alt wie die Lohnarbeit. Es Annahme die„ Ordner“ und„ Leiter" hinstellt, nicht gut machina, der Schiedsspruch des katholischen Vereins, der ist jetzt freilich Gebrauch, diesen uralten Lohnkampf erwarten darf. Das Amt eines„ Vorsitzenden" ist doch nicht ein Kirche. auf die Rechnung einer neuen sozialpolitischen Partei zu 1 Daß lettere eine Bewegung mit derartigen Zielen seßen und sie dafür verantwortlich zu machen. Man solches, dessen sich die betreffende Person nicht entäußern begünstigen mußte, ist einleuchtend genug. Und sie konnte glaubt aus dieser falschen, von den wirklichen Thatsachen kann, er ist doch nicht immer im Dienst, wie ein Gensdarm. dies um so getroſter thun ohne sich in ernstlichen weit abweichenden Annahme, das Recht herleiten zu können, Er ist eben nur Vorsigender, wenn er im oder für den Konflikt mit den übrigen gesellschaftlichen Gewalten zu die Arbeitervereinigungen zu Gunsten der Unter- Verein handelt, sonst ein Mensch mit denselben Rechten, bringen, welche das Heft noch in den Händen haben nehmervereinigungen zu schwächen und zu unterdrücken, wie jeder andere Staatsbürger. Wenn ein Verein sogar weil die Bewegung selbst nicht an den Grundstüßen sie zu zerstören und ihre Verbindungen zu lösen. Wo dies beschließen sollte: es wird eine öffentliche Versammlung was hier nicht geschehen ist- wäre die und damit Grundübeln der heutigen Gesellschaft mit dem bis dahin maßgebenden Wortlaut der Geseze berufen! rüttelt. Dieser Zukunftsmusik liegt das Leitmotiv zu nicht geht, sucht man durch Auslegungen und Unter- öffentliche Versammlung doch keine Vereinsversammlung. Grunde:„ Wasch mir den Pelz, aber mach ihn nicht naß." legungen zu diesem Ziele zu gelangen. Ja, wenn zu einer auf Beschluß eines Vereins berufenen Gewiß muß zugegeben werden, daß Männer, wie Das Vereinsgesetz unterscheidet ganz ausdrücklich: öffentlichen Versammlung Niemand anders als Vereinsde Mun, de la Bouillerie, de la Tour du Pin, wohlmeinend„ Vereine“ und„ Versammlungen" als getrennte Be- mitglieder kommen sollten, wenn dieselbe ihren Zweck nicht erreicht, wäre die Versammlung doch keine Vereinsund den Arbeitern gegenüber von den besten Absichten griffe. Für beide Begriffe bestehen besondere Rechtsvor- versammlung. Schon die Möglichkeit, daß auch andere erfüllt find. Bis jetzt sind fie in Kammer und Presse für alle Arbeiterschußmaßregeln mit einer Rückhaltslosigkeit schriften, welchen sich die Arbeiter in ganz offener und ehr- Personen als Mitglieder und Gäste Zutritt haben, macht nach verschiedenen gleichlautenden Erkenntnissen eine ge= und Sachkenntniß eingetreten, welche Liberale und Radikale licher Art anzupassen suchen. Sie gründen Vereine für die erziehende Thätigkeit. schlossene Versammlung zu einer öffentlichen beschämen kann. Sie möchten den Arbeitern helfen, aber sie übersehen in der ökonomischen und politischen Ent- In diesen Vereinen bespricht man die die Arbeiter be- es zur Bestrafung von Arbeitern erforderlich ist. Uns erscheint in dem Essener Erkenntniß also der wickelungsgeschichte, daß denselben nicht von außen geholfen treffenden und sie berührenden wirthschaftlichen Fragen in werden kann, daß sie sich selbst helfen müssen. Es mehr theoretischer Weise, man sucht sie aufzuklären und Beweis, daß die von A. H. angemeldeten öffentlichen handelt sich nicht nur um eine Verbesserung der Lage, zu belehren. Man weiß, daß man da das Gebiet nicht Versammlungen Fachvereinsversammlungen gewesen, durchsondern um volle und ganze Emanzipation des vermeiden kann, welches nach Annahme der Richter durch aus nicht geführt. Die öffentlichen Versammlungen waren Proletariats, und diese kann nur vom Proletariat den§ 8 des preußischen Vereinsgefeßes abgegrenzt ist. nach Willen und Absicht des Einberufers und auch selbst errungen werden. Die katholischen Sozialreformler Man weiß also, daß dadurch die Vereine verhindert sind, thatsächlich öffentliche Versammlungen. Das Erkenntniß geht an einer anderen Stelle aber wollen die gesellschaftlichen Uebel heilen, aber sie lassen mit solchen gleicher Art in Verbindung zu treten. wenn noch weiter. Es sucht zu beweisen, daß die öffentlichen Versammlungen auch Vereine seien. Es sagt: bestimmt war. H H Vereinsnachrichten. Polizeilich verboten wurde eine für den 24. d. M. an-, uns unsere Pflicht gebot; wir sind zwar unterlegen, aber ehrenhaft, beraumte Versammlung in Frankfurt a. D., in welcher der und nicht durch unsere Schuld. Hätten alle Mitarbeiter ausgehalten Abg. Singer über die Arbeitsbücher sprechen wollte. Nicht so wie fie's versprochen, so wäre der Sieg unbedingt unser gewesen. " Denn rechtlich erscheinen die Vereinigungen der Maurer, welche an den einzelnen Orten diejenigen Versammlungen abhielten, genehmigt wurde am Dienstag eine öffentliche Arbeiterversammlung Unsere Aussperre haben wir nur dem Indifferentismus unserer in denen die Abgeordneten für den Kongreß gewählt wurden, als in Charlottenburg, für die Maurer Bock- Berlin als Referent Stollegen zu verbanken. Wir richten zum Schluß an alle Freunde der Arbeitersache die herzlichste Bitte, die ausgesperrten Arbeitspolitische Vereine im Sinne des Vereinsgefezes. Sie stellen Verboten auf Grund des Sozialistengesetzes wurde brüder und Familienbäter nach Kräften zu unterstüßen, dauernde Verbindungen zur Erreichung bestimmter Zwecke dar.( ie Druckschrift mit der Ueberschrift: Anti- Sklaverei", um sie vor Hunger und Noth zu schützen. Alle diesbezüglichen Denn so lange die von den Kongressen in's Leben gerufenen Organe ferner Nr. 3 der Pfälzischen Freien Presse" und ein Flug- Geldsendungen und Zuſchriften find zu richten an E. Michaelis, ( Preßkommission, Kontrollkommission) ihre Wirksamkeit entfalteten, blatt 3um 18. Januar". Uhrmacher, Schweidniger- Straße 2, Freiburg in Schlesien. so lange dauerten auch die Maurervereinigungen, in deren Auftrag Peterswaldau in Schlesien. Sonntag, den 22. Januar, ja nur der Kongreß und die von demselben eingesetzten Organe Abends 6 Uhr, fand im Saale des Gasthauses zur Hoffnung in Sämmtliche Sattlergehilfen der Militäreffektenhandeln. Da der Kongreß politische Gegenstände erörterte und die Mittel- Peterswaldau eine gutbesuchte öffentliche Versammlung fabriken von Dotti, Loh, Hoffmann und Wunderlich Nachflg. Maurer- Vereinigungen, welche den Kongreß beschickten, solches beabsichtigten, so charakterisiren fich jene Maurer- Vereinigungen als statt. Auf der Tagesordnung ſtand: Die Sozialreform und in Berlin haben am Mittwoch, den 25. d. M., die Arbeit niederdie Berathung einer Petition an den Reichstag gegen Einführung gelegt. Die Zahl der Streitenden beträgt an Vereine, welche bezweckten, politische Gegenstände in Versamm der Quittungsbücher, bezw. die Altersversorgung der Arbeiter. 1000 Mann. Der Streit wurde nothwendig, um die Lohnerhöhung lungen zu erörtern, also als politische Vereine. Hierbei Nachdem der Einberufer, Herr H. Hoffmann, die Versammlung durchzusetzen, die bereits im vorigen Sommer von der damaligen tommt es nicht darauf an, ob die Delegirten uumittelbar von den Fachbereinen oder von öffentlichen Ver- durch eine kurze Ansprache eröffnet hatte, wurde die übliche Bureauwahl vorgenommen. Es wurden gewählt: Herr Schneidermeister Lohnkommission verlangt wurde. Die Streifenden bitten dringend, sammlungen der Maurer gewählt werden." Gegen eine solche Bermischung der Begriffe Ver- Auguſt Kühn aus Langenbielau als erster, Herr Hoffmann aus jeden Zuzug fernzuhalten und machen auf die demnächst stattfindende Peterswaldau als zweiter Vorsitzender und Herr Wilhelm Stephan Versammlung aufmerksam. sammlung, Vereinigung und Berein müssen wir aus Langenbielau als Schriftführer, ferner Herr Benjamin Hake doch entschieden Verwahrung einlegen. Nach dem Wort- als dessen Stellvertreter. Darauf ergriff Herr Schneidermeister laute dieser Entscheidung wäre jede beliebige öffentliche A. Kühn das Wort und beleuchtete in 1½ stündiger Nede in allgemein verständlicher Weise die ganze staatliche Sozialreform der- Verein zur Wahrung der Interessen der SchuhVersammlung, die einen Ausschuß zu irgend einem Zwecke Gegenwart, wie dieselbe sich als nngenügend erweise. Beim Kranken- ma cher und verw. Berufsgenossen Berlins. Montag, 30. d. M., wählt, der längere Zeit besteht, ein Berein geworden, der versicherungsgesetz beginnend und zur Unfallversicherung übergehend, Abends 8 Uhr, Versammlung in Gratweils Lokal, Kommanzeigte der Redner, wie auch bei diesem Gesez alles nicht so ist, wie dantenstr. 77-79. Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der Meeresso lange besteht, als der Ausschuß in Thätigkeit ist. Wir glauben nicht, daß wir nöthig haben, diese es sein sollte; insbesondere könnte auf dem Gebiete der Organisation strömungen für die Kontinente Ref. Hr. Jerisch. 2. Verschiedenes. sehr vieles erspart und alsdann zu erhöhten Unterstügungen der 3. Fragekasten. Ausführung zu widerlegen, sie spricht gegen sich selbst. verunglückten Arbeiter verwendet werden. Darauf erläuterte er Vereinigung der Drechsler Deutschlands( OrtsMan denke: eine öffentliche Versammlung, die die verschiedenen Bestimmungen der Altersversorgung und empfahl verwaltung Berlin II., Stockbranche). Versammlung der Mitglieder nach der Wahl eines Ausschusses auseinander geht, werde schließlich die Unterzeichnung einer Petition gegen die Einführung am Dienstag, 31. d. M., Abends 8 Uhr, in Deigmüller's Salon, als Verein, und noch dazu als„ politischer Verein" der Quittungsbücher, wie sie die Altersversorgung vorschreibt. Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht Hierauf wurde eine Pause von 15 Minuten beschlossen, während über den Stand der Ortsverwaltung. 3. Regulirung des Einbetrachtet. Er muß also Statuten, die er nicht befißt, welcher zwei Resolutionen eingingen. Die erste lautete:" Der sammelns der Beiträge. 4. Verschiedenes. Buch legitimirt. Neue cinen Vorstand, den er nicht hat, und ein Verzeichniß der Reichstag möge beschließen, den Beginn der Altersversorgung nicht Mitglieder werden vorher aufgenommen. Kollegen, die sich am Mitglieder, die Niemand kennt, einreichen. Brauchen wir auf 70, sondern auf 60 Jahre festzuseßen." Dieselbe gelangte in 13. b. M. in den ausgelegten Listen eingezeichnet haben, werden umgeänderter Form zur Annahme, dahingehend, daß nicht das 60., ersucht, ihre Bücher heute Sonnabend Abend von 8 Uhr ab im weiter zu folgern? sondern das 50. Jahr als Altersgrenze festgesetzt werden möge, Lokal des Herrn Bäzold, Reichenbergerstr. 16 abzuholen. weil es eine gar zu große Seltenheit sei, wenn ein Arbeiter das - Fachverein der Schlosser und Berufsgenossen. 60., geschweige denn das 70. Lebensjahr erreicht. Die andere Versammlung am Sonnabend, den 28. d. M., Abends 8 Uhr, Resolution, welche einstimmig angenommen wurde, lautete wörtlich: im Restaurant Reyer, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. ErDie Theilnehmer der heutigen, im Gasthause zur Hoffnung in gänzungswahl des Vorstandes. 2. Antrag Klüner, die Beiträge Mittel- Peterswaldau stattfindenden Versammlung erklären sich mit auf 20 Pf. zu erniedrigen. Fachverein der Buchbinder und verwandten Berufs= den Ausführungen des Redners vollständig einverstanden und versprechen, in Zukunft nur solche Männer zu wählen, welche genossen. Sonnabend, 28. Januar 1888. 1. Stiftungsfest, bestehend voll und ganz die Interessen der Arbeiter vertreten und der Arbeiter aus Konzert und Ball in Werner's Salon, Oranienstraße 170. Der Braunschweiger Kongreß der Maler- partei angehören!"- Darauf ergriff der Schneidermeister August Anfang präzise 8 Uhr. Der Vorstand. Fachverein der Steinträger Berlins. Versammlung Kühn nochmals das Wort zu einem sehr interessanten und lehr= gehilfen Deutschlands. reichen Vortrage. Er schilderte die verschiedenen Stulturepochen derjenigen Mitglieder, welche zum Generalfonds beisteuern, am von fernster Vergangenheit bis zur Gegenwart, wie die Sklaverei Sonntag, den 29. Januar, Vormittags 11 Uhr, in Schmidt's und die Leibeigenschaft sich überlebt hätten, so werde auch natur- Salon, Waldemarstr. 75. Tagesordnung: 1. Wie stellen wir gemäß die heutige Produktionsweise durch eine andere abgelöst uns zu den Darlehnsgesuchen? 2. Antrag, betreffend den Druck werden. Darauf erwähnte Redner die Verschärfung des Sozialisten- des Reglements zum Generalfonds. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallgefezes, und was für schwere Folgen eine solche Verschärfung haben würde, und schloß dann mit den Worten des Dichters: arbeiter( E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin IV. Die Mag's Wetter stürmen und der Donner rollen, Wir wissen, was nächste Versammlung findet nicht Sonnabend, den 4. Februar, jonwir wollen!" Reicher Beifall lohnte den Redner. Zu erwähnen dern Sonntag, den 5. Februar, Vormittags 10% Uhr, bei Mathies, ist noch, daß sehr viele die Petition gegen die Einführung der Andreasstr. 26, statt. Quittungsbücher nach der Versammlung unterzeichneten. Zentral- Kranken- und Begräbnißkasse Die Uhrmacher in Freiburg in Schlesien erlassen fol- Frauen und Mädchen( E. H. 26 in Offenbach). Sonntag, genden Aufruf: Arbeiter, Kollegen! Wir fühlen uns veranlaßt, den 29. Januar, Nachmittags 3% Uhr, im Restaurant Reyer, Alte Euch hierdurch mitzutheilen, daß der Streit in der A. Willmann- Jakobstr. 83( Gartensalon), Hauptversammlung. Tagesordnung: schen Uhrenfabrik für beendet anzusehen ist. Nachdem wir am 1. Kassenbericht des 4. Quartals 1887. 2. Neuwahl des GesammtSonnabend die uns angehotene Vermittelung des Herrn Bürger- vorstandes. 3. Statutenberathung und Verschiedenes. Die Mitmeisters Bunderer in Anspruch genommen hatten, machten wir glieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen und besonders zum der Firma schriftlich den Vorschlag, daß wir zur Wiederaufnahme dritten Punkt der Tagesordnung:" Statutenberathung" ihre besonder Arbeit uns bereit erklären, wenn die Lohnabzüge halbirt deren Wünsche der Versammlung zu unterbreiten. Im Mai oder würden. Hierauf erhielten wir von genannter Firma den Bescheid, Juni d. J. findet in Leipzig die statutarische Generalversammlung daß die Mehrzahl der Streifenden die Arbeit wieder aufnehmen statt, und ist hier der Ort, wo den Mitgliedern Gelegenheit gegeben Als Hauptresultate der Verhandlungen dürfen wir wohl be- fönnten, hingegen 12 von den Streikenden von der Ar- ist, alle Mängel aus dem Statut zu entfernen und die Kasse da= zeichnen: die Schaffung einer allgemeinen Zentralisation beit ausgeschlossen bleiben müßten. Die so von der Firma durch leistungsfähiger zu machen. Deshalb wird es auch wieder burch ganz Deutschland unter dem Namen„ Vereinigung der deutschen Begünstigten nahmen infolge Zustimmung der Streifenden die Arbeit gestattet werden, daß männliche Angehörige der Mitglieder zur Maler, Lactirer, Anstreicher und verwandten Berufsgenossen"; in wieder auf, da sie es nach den örtlichen Verhältnissen für das Beste Diskussion das Wort erhalten, um den Anschauungen weniger im diese Vereinigung gliedern sich die Einzelvereine nach ihrer Auflösung hielten. Denjenigen, die die Arbeit wieder aufnahmen, wurde öffentlichen Sprechen geübter Mitglieder Ausdruck zu geben. Gerade als Filialen ein; man hofft, daß auch Sachsen und Bayern sich seitens der Firma, die von uns in Vorschlagg gebrachte Forderung die Berliner Verwaltungsstelle muß mit den weitgehendsten For= nunmehr anschließen können. Der Arbeitsnachweis ist unent- bewilligt. Die 12 Ausgesperrten erhielten nun eine derungen, welchen die Stasse Genüge zu leiſten vermag, an die geltlich zu führen, bei Streits ist stets auf eine Verkürzung der Entlassung, auf die wohl keiner dieser Arbeiter in Generalversammlung herantreten, weil es die Berliner Verhältnisse Arbeitszeit zu sehen, wenn eine allgemeine Unterstützung eintreten irgend einer Fabrik wieder Arbeit erhalten dürfte. bedingen. soll. Eine Resolution gegen die Einführung der Quittungs- resp. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Sonntag, Arbeitsbücher wurde angenommen. Wir wollen es hier mit der Untersuchung des Erkenntnisses in Bezug auf die Begriffe„ Verein"," Versammlung" und Vereinigung" bewenden lassen und in einer weiteren Ausführung noch prüfen, wie das Erfenntniß zu der ,, Verbindung" dieser von ihm geschaffenen Vereine kommt. " Der am Montag in Braunschweig zusammengetretene Rongreß der Malergehilfen Deutschlands, auf welchem 38 Städte vertreten waren, beendete Mittwoch seine Arbeiten und schloß um 11 Uhr Abends unter brausendem Hochrufe auf das Wohl und Gedeihen des Gewerbes. Was die auf dem Rongreffe vorgenommenen Arbeiten bezweckten, wird wohl am besten dadurch erläutert, daß wir einige Punkte der Tagesordnung nachfolgend anführen. Puntt 4 lautete: Unsere heutige Organisation, und auf welche Weise ist es möglich, die Maler und verwandten Berufsgenossen in einen allgemeinen großen Verein zur Erstrebung möglichst günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen auf Grundlage des§ 152 der deutschen Gewerbeordnung zu vereinigen. Hierüber referirte Herr Schmitz aus Hamburg. Als weitere Punkte standen auf der Tagesordnung: Zentralisation des Arbeitsnachweises und Herbergswesens. Buntt 6: Die Beschlüsse des deutschen Handwerkertages zu Dortmund und des Malerbundtages( Arbeitgeber) zu Köln a. Nh. Ueber dieses Thema referirte in längerer, gediegener Nede Herr Schweizer aus Berlin. Nicht angenommen, aber verlesen wurde folgende Resolution des Herrn Schweizer- Berlin:" Der Kongreß der Maler und Berufsgenoffen Deutschlands ist sich der Internationalität aller Arbeiter voll und ganz bewußt; er erblickt in dem im Laufe des Jahres stattfindenden internationalen Kongreß zur Beförderung eines inter= nationalen Arbeiterschutzes einen gewaltigen Fortschritt in der ökonomischen Befreiung des Arbeiters und entsendet hiermit den Arbeitern aller Länder, die für die Emanzipation des Proletariats fämpfen, seine brüderlichen Grüße." Am Donnerstag begann die Generalversammlung des Verbandes der Maler, wozu aus 30 Städten Vertreter anwesend find. Vermischtes. Dem Verdienste seinen Orden. Bei der diesmaligen Ordensverleihung ist der richterliche Stand in ganz außergewöhnlichem Maße vertreten. Man findet in der Liste: 8 Rechtsanwälte, 6 Staatsanwälte und 77 eigentliche Richter! I " für Der p. p. aus Freiburg hat bei uns vom.... ten den 29. Januar 1888, Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn bis.... ten u. 1. w. in Arbeit gestanden und legte am Prof. Dr. B. Meyer über:" Die Symbolik in der Kunst." Damen 9. Januar 1888 die Arbeit nieder, infolgedessen wir und Herren als Gäste willkommen. ihn als entlassen betrachteten. Seinem späteren Wunsche die Arbeit wieder aufnehmen zu dürfen, konnten wir nicht willfahren, da dessen Stelle bereits besetzt war. Freiburg i. Schl., den 9. Januar 1888. A. Willmann& Co. Briefkasten. Wegen der Versendungen nach auswärts sehen wir uns genöthigt, unser Blatt früher fertigzustellen. Wir bitten also alle Vereinsschriftführer, ihre Sendungen womöglich bis Donnerstag Mittag an uns gelangen zu lassen. Von dem Freitag früh Eingehendem können nur kurze Versammlungsanzeigen und Annoncen noch auf Aufnahme rechnen. Halle. Für diese Nummer nicht möglich. Verschiedene Vereinsberichte mußten wegen Naummangels zurückbleiben. Arbeiter! aus vorstehender Handlung könnt Ihr wieder einmal ersehen, wie es mit der Arbeiterfreundlichkeit gewisser Arbeitgeber aussieht. Ihr könnt ersehen, welches Recht sich diese Unternehmer resp. Fabrikanten herausnehmen und zu welchen Mitteln sie greifen, um die ihnen in ihrer Fabrik unliebsam gewordenen Arbeiter dem Hunger preiszugeben. Arbeiter, Bürger! was haben wir verbrochen, wodurch wir dieses Brandmal verdient hätten? Nichts weiter, als daß wir im Interesse unseres Berufs einer weiteren Lohnreduktion entgegen traten, um dadurch einer noch weiteren Ver- Die Mondfinsterniß beginnt in Berlin Sonnabend Abend armung unserer Berufsgenossen vorzubeugen und anderseits der sich 10 Uhr 24 Minuten; die totale Finsterniß dauert von 11 Uhr immer mehr steigernden Schwindel- Konkurrenz in der Uhren- Industrie 24 Minuten bis 1 Uhr 3 Minuten; Schluß der Vorstellung 2 Uhr Einhalt zu gebieten!- Arbeiter, Bürger! wir haben gethan, was 4 Minuten. Wiederholung am 23. Juli d. J. Cigarren u. Tabake Möbel- Spiegel- u. Volfferwaaren- Magazin Arbeitsnachweis für Tischler. reichhaltiges Lager bon C. Klein. 15. Ritterstraße 15. Daselbst Zahlstelle der Gürtleru.Bronceure( E.H.60.) Oeffentliche Versammlung der Berliner Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, chirurgische und andere Instrumentenmacher Dienstag, den 31. Januar cr., am Abends 8% Uhr, im Saale des Louisenstädtischen Konzerthauses, Alte Jakobstr. 37. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über Fachorganisation( Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht). 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. bon Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. Freunden und Genossen empfehle meine Uhren- Reparatur- Werkstatt zur geneigten Beachtung. Gleichzeitig empfehle mein Lager von Uhren, Uhrketten und Berloques. E. Rüger, Admiralstraße 39, 39, part. Nähmaschinen sämmtlicher Systeme auch auf Theilzahlung. Reparaturen schnell und gut. E. 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Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Sozialdemokratischen Fraktion. Anfertigung jeder Glaserarbeit.( Gruppenbilder werden sauber und billig eingerahmt.) Karl Scholz, Eisenbahnstr. 36 b I. Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Saarbrückerstraße 6. er id 11 al be G ül to h be m 10 N 2 R I S 97 6 g fi D fi a a 31 g g r " D b № 4. Beiblatt zur„ Berliner Volks- Tribune". Der Maelstrom. Von Edgar Allan Poe.*) 99 Sonnabend, den 28. Januar 1888. und Ich schaute verdußt auf und erblickte einen weiten Maelstromes." II. Jahrgang. „ Wir Nor" während Sie die vollständige Szenerie derselben dicht vor fort in betäubender Haft fich rund und wieder rund drehte Augen hätten." und dabei mit schrecklichen Lauten zum Winde hinauf Wir sind jeßt," fuhr er in jener ihm eigenthümlichen schrie und brüllte, derart, daß selbst der mächtige Katarakt umständlichen Art und Weise fort ,, wir sind jetzt dicht von Niagara in seiner Todesangst nicht ärger gen Himmel im achtundsechzigsten aufheult. Wir hatten jetzt den Gipfel der höchsten Felsklippe über der norwegischen Küste erstiegen. Einige Minuten vergingen, ehe der ganz er- Breitengrade, in der großen Provinz Nordland und Der Berg zitterte in seinen Grundtiefen und der schöpfte alte Mann wieder im Stande war, zu sprechen. im traurigen Distrikt Lofodden. Der Berg, auf dessen Felsen erbebte. Ich warf mich auf das Gesicht nieder ,, Vor noch nicht gar langer Zeit," sagte er endlich, Gipfel wir fißen, heißt Helseggen, der Bewölkte. Jetzt und hielt mich an den kümmerlichen Grashalmen fest, im ,, hätte ich Sie auf diesem Wege ebenso gut führen können, erheben Sie sich einmal ein wenig mehr- halten Sie sich höchsten Grade nervöser Erregung. fo als der jüngste meiner Söhne; aber vor etwa drei Jahren am Grase fest, wenn Ihnen schwindelt " Dies kann," sagte ich endlich zu dem Alten- ,, dies begegnete mir ein Ereigniß, was noch niemals einem schauen Sie einmal über den Gürtel von Dunst unter tann nichts anderes sein, als der große Strudel" des Sterblichen widerfuhr oder wenigstens, was noch keiner uns, hinaus in das Meer." überlebte, um es zu erzählen und die sechs Stunden ,, So nennt man ihn häufig," sagte er. tödtlicher Angst, welche ich damals durchmachte, haben Dzean, dessen Wasser einen so getrübten Farbenton auf weger" heißen ihn den Moskoestrom, von der Insel mir Leib und Seele gebrochen. Sie halten mich für einen wies, daß mir sofort des nubischen Geographen Bericht Moskoe nahebei." hochbejahrten Mann, aber das bin ich keineswegs. Es von dem Mann der Finsterniß" in den Sinn kam. Keine ,, Sie haben sich jetzt wohl am Strudel satt gesehen," bedurfte weniger als eines einzelnen Tages, um diese menschliche Vorstellung könnte sich ein wüsteres, öderes meine Haare aus glänzendem Schwarz in Weiß zu ver- Bild ausdenken. Nach rechts und links, soweit das Auge fagte der Alte nach längerer Pause, und wenn Sie um wandeln, um meine Glieder zu schwächen und meine nur reichte, lagen gleich Wällen, um die bewohnte Welt diesen Felsblock herumwinden wollen, der Ihnen Schutz Nerven derart zu zerrütten, daß ich bei der geringsten auszuschließen, Reihen von grauenhaft finsteren und un- vor dem Winde gewährt und zugleich den allzubetäubenden Anstrengung zittere und mich vor einem Schatten erschrecke. gaftlichen Felsklippen, deren düsterer Charakter noch ver- Lärm des Waffers abhält, dann will ich Ihnen eine GeGlauben Sie wohl, daß ich kaum von dieser kleinen stärkt wurde durch das Heulen und Kreischen der Brandung, schichte erzählen, welche Sie davon überzeugen wird, daß Klippe hinunterblicken kann, ohne schwindelig zu werden?" welche ihre gespenstische weiße Mähne hoch an denselben ich von dem Moskoestrom wohl etwas wissen muß." Ich nahm den gewünschten Plaz ein und er fuhr fort: Die„ kleine Klippe", auf deren Grat er sich so sorg- hinaufwarf. Gerade dem Vorgebirge, auf dessen Spize Ich und meine beiden Brüder, wir besassen eine los zur Rast niedergeworfen hatte, daß die schwerere wir saßen, gegenüber, etwa fünf bis sechs( englische) Hälfte seines Körpers darüber hinaushing, während nichts Meilen weiter in der See, erblickte man eine kleine, schwärz- zweimaftig aufgetakelte Schmack von etwa siebzig Tonnen liche Insel, von Bogenschaum umgeben. weiter als die auf den äußersten, noch dazu schlüpfrigen Meilen näher nach dem Festlande zu zeigte sich eine noch über Moskoe hinaus, in der Nähe von Vurrgh, auf den Etwa zwei Last, mit welcher wir gewohnt waren, zwischen den Inseln Rand aufgeſtüßten Ellenbogen, den Mann vor dem Fallen bewahren konnten diese kleine Klippe" erhob sich, ein kleinere, erschrecklich steinig und unfruchtbar und von dunklen Fischfang zu fahren. An allen heftigen Brandungsstellen Felsblöcken umgrenzt. des Meeres ist zu geeigneten Zeiten der Fischzug sehr erglänzend schwarzer Felsblock, steil und senkrecht, etwa Das Aussehen des Ozeans in dem Raume zwischen giebig, wenn man nur Muth genug hat, es zu versuchen; fünfzehn oder sechszehn hundert Fuß hoch, aus einer Welt der entfernteren Insel und der Küste erschien mir unge- aber von allen Bewohnern der Küste von Lofodden waren von Felsbrocken unter uns. Nichts hätte mich bewegen wöhnlich. Obwohl gerade eben eine so starke Brise land- wir drei die Einzigen, welche ein regelmäßiges Geschäft können, mich seinem Rande auf Ellenweite zu nähern. Ich war in der That derart aufgeregt durch meines Ge- wärts wehte, daß eine weiterhin in der offenen See be- daraus machten, uns nach den Inseln zu begeben, wie Ich war in der That derart aufgeregt durch meines Ge- findliche Brigg genöthigt war, die Segel zu reffen und ich Ihnen schon mittheilte. Die gewöhnlich aufgesuchten fährten gefährliche Lage, daß ich mich der Länge nach auf den Boden streckte, mich an die Sträucher neben mir man deren Rumpf beſtändig untertauchen und von den Gegenden liegen viel weiter herunter nach Süden zu. anflammerte und nicht einmal wagte, aufwärts gen Himmel ogen verschlungen werden sah, so war hier durchaus Dort kann man zu allen Stunden, ohne viel zu ristiren, zu blicken. Bergeblich bekämpfte ich in meinen Gedanken nichts von einem regelmäßigen Aufthürmen zu sehen, son- Fische fangen, daher werden diese Stellen vorgezogen. die Vorstellung, daß die Grundvesten des Berges durch dern nur ein kurzes, raſches, zorniges Aufplatschen des Die bevorzugten Punkte hier zwischen den Felsen jedoch ebensowohl dem gewähren nicht bloß die verschiedensten Arten, sondern auch die Wuth der Winde erschüttert werden könnten. Nach Winde entgegen als anderwärts. Waſſers nach jeder Richtung hin Schaum tam wenig den größten Ueberfluß, so daß wir manchmal an einem einer längern Weile erst hatte ich mich durch innern Zueinzigen Tage mehr, als die furchtsameren Genossen im spruch so weit ermuthigt, daß ich aufsitzen und in die vor, mit Ausnahme der nächsten Nähe der Felsen. ,, Die entferntere Insel," fuhr der alte Mann fort, Laufe einer ganzen Woche, nach Hause brachten. Es war Ferne sehen konnte. - wir seẞten moskoe. Dort, etwa eine Meile nordwärts, liegt Am- unser Leben daran, um uns Arbeit zu ersparen und nennen die Norweger Vurrgh; die näherliegende heißt in der That ein verzweifeltes Wageſtück baaren. Nach jener Richtung hin befinden sich Islesen, unser Muth ersetzte uns das Anlagekapital. Sotholm, Keildhelm, Suarven und Bockholm. Noch weiter ,, Wir hatten unser Fahrzeug in einer Bucht unterhin zwischen Moskoe und Vurrgh liegen Otterholm, gebracht, welche sich etwa fünf( englische) Meilen höher, limen, Sandflesen und Stockholm. Dies sind die richtigen als diese hier, an der Küste herauf befindet. Wir pflegten Namen aller dieser Orte aber weshalb man für nöthig bei gutem Wetter mit Hilfe der Ruhepause von fünfzehn beide wohl faum begreifen. Hören Sie etwas? Bemerken oberhalb der Laache vorzubringen und alsdann irgendwo gehalten hat, sie überhaupt zu benennen, das mögen wir Minuten durch den Hauptkanal des Moskoestromes weit Sie irgend eine Verwandlung des Wassers?" in der Nähe von Otterholm oder Sandflesen vor Anker " Solche Einbildungen müssen Sie überwinden," ſagte der Führer, denn darum habe ich Sie ja gerade hierher gebracht, damit Sie den möglichst besten Ueberblick hätten über den Schauplatz jener Begebenheit, die ich erwähnte - und ich Ihnen die ganze Geschichte erzählen könnte, *) Edgar Poe, eines der größten aber auch seltsamsten dichterischen Talente Amerikas( geb. 1809, gest. 1849) giebt über den rischen Talente Amerikas( geb. 1809, gest. 1849) giebt über den „ Maelstrom" noch weiter folgende Mittheilungen: Die gewöhnlichen Beschreibungen dieses Strudels hatten mich feineswegs auf das, was ich sah, vorbereitet. Diejenige des Jonas Wir waren nunmehr seit etwa zehn Minuten auf der zu gehen, wo die Wirbel am wenigsten schlimm sind. Hier Ramus, welche vielleicht die umständlichste von allen ist, kann nicht im Geringsten die richtige Vorstellung gewähren, weder von der Spitze des Helseggen, zu welchem wir aus dem Innern blieben wir dann, bis wieder ruhige See eintrat, um sooder von Lofodden aufgestiegen waren, so daß wir keinen fort die Anker zu lichten und heimwärts zu fahren. Wir Großartigkeit, noch von der Furchtbarkeit der Erscheinung von dem erschütternden und verwirrenden Gefühle des" nie vorher Schimmer vom Meere gesehen hatten, bis es plößlich sich wagten ein solches Unternehmen niemals, wenn wir nicht Dageweſenen", was den Beschauer ergreift. Ich weiß nicht, von vor unsern Blicken ausbreitete. Während der alte Mann auf günstigen und beständigen Wind, sowohl für Hinwelchem Standpunkte aus der angeführte Berichterstatter seine Beobachtungen anstellte, noch zu welcher Zeit; aber es kann weber redete, kam mir ein lautes und allmählich zunehmendes als Herfahren mit Sicherheit zählen zu können glaubten, vom Gipfel des Helseggen aus gewesen sein, noch während eines Getöne zum Bewußtsein, als ob eine ungeheure Büffel- und verrechneten uns in diesem Punkte nur selten. ZweiSturmes. Dennoch mögen hier einige Stellen seiner Beschreibung heerde auf einer amerikanischen Prairie stöhnte und schnaubte. mal im Laufe von sechs Jahren waren wir genöthigt, die angeführt werden, um der Einzelheiten willen, obwohl ihre Ge- 3ur selben Zeit bemerkte ich, daß die Seeleute pflegen ganze Nacht vor Anker zu liegen in Folge einer Windstille, fammtwirkung außerordentlich schwach in Bezug auf den Eindruck des Schauspieles verbleibt. Zwischen Lofobden und Moskoe," ſagt dies den„ schnappenden" Charakter der See zu benennen die gerade hier herum nur sehr selten eintritt und einmal sich in dem Ozean unter uns plößlich eine Strömung mußten wir dort sogar beinahe eine Woche lang verweilen, Jonas Ramus,„ beträgt die Tiefe des Wassers gegen vierzig Faden; emporgeworfen. Aber diese ruhigen Zwischenzeiten finden nur beim der uns aber an der anderen Seite, nach Burrgh zu, nimmt dieje Tiefe entwickelte, die ihre Richtung nach oftwärts nahm. Während wobei wir vor Hunger fast umkamen, weil sich gleich nach berart ab, daß einem Schiffe feine genügende Durchfahrt gesichert ich hinsah, steigerte diese Strömung sich mit reißender unserer Ankunft ein heftiger Wind erhob, welcher den ift, sondern es Gefahr läuft, an den Felsen zerschellt zu werden, was sich selbst beim ruhigsten Wetter ereignet. Zur Zeit der Flut Geschwindigkeit. Jeder Augenblick verſtärkte dieſes gerade- Kanal derart aufrührte, daß an keine Fahrt zu denken läuft der Strom mit geräuschvoller Hast zwischen Lofodden und zu fabelhafte Ungestüm. In fünf Minuten war die ganze war. Bei dieser Gelegenheit würden wir trotz alles BeMostoe, aber beim zurückfluten ins Meer wird sein Gebrüll kaum See bis nach Burrgh hin zu unbezähmbarer Wuth auf- mühens in die offene See getrieben worden sein( denn von dem Lärm erreicht, welchen die lauteſten und furchtbarsten gestachelt; aber zwischen Moskoe und der Küste brandete die Strudel warfen uns so wüthend hin und her, daß Katarakte vollführen. Man hört das Getöse meilenweit, und die aber Strubel oder Abgründe find von solcher Ausdehnung und Tiefe, und tofte es bei Weitem am Tollſten. Hier ergoß sich das wir unsern Anker endlich hoch zogen), hätten wir nicht daß, wenn ein Schiff in deren Nähe geräth, es unausweichlich hin- ganze weite Wasserbett sprudelnd und schäumend in tausend einen jener unzähligen Gegentanäle erreichen können untergezogen und in der Tiefe an den Felsklippen zerschellt wird. gegen einander streitende Kanäle, brach sich plöglich mit die heute da sind und morgen verschwinden Wenn alsdann die Wasserkraft ermattet, werden die Trümmer frampfhaften Zuckungen, feuchend, brodelnd, zischend glücklich an einer vor dem Winde geschüßten Stelle von Wechsel von Ebbe und Flut statt, bei sehr stiller Luft und dauern sich in riesenhaften unzählbaren Strudeln drehend, im Flimen landen ließ. „ Ich könnte Ihnen nicht den zwangigsten Theil der kaum eine Viertelstunde, dann tritt erneute Heftigkeit auf. Sobald Wirbeln und Sprudeln nach Osten zu von einer Schnelligdie Strömung am wildesten und gar noch durch Sturmwind ver- feit, wie man es sonst nur bei den rasendsten Wasser- Schwierigkeiten mittheilen, welche uns in diesen Gründen mehrt ist, liegt die Gefahr schon in einer Nachbarschaft von einer stürzen findet. aufstießen es ist schlimm dort hausen, selbst bei gutem norwegischen Meile. Boote, Nachten und selbst Schiffe, welche in Wenige Minuten später erlitt die Szene eine neue Wetter aber wir brachten es doch immer zu Stande, ihrer Annäherung nicht vorsichtig genug gewesen, find schon fortgeriffen worden. Vorräthe von Föhren und anderem Nadelholz, totale mänderung. Die Oberfläche wurde im Allgemeinen dem Moskoestrom selbst ohne Unfall Trotz zu bieten; welche die Flut verschlang, kommen wieder an die Oberfläche, derart zerbrochen und zerspellt, als ob Borsten darauf wüchsen; ein flarer ruhiger, die Strudel verschwanden einer nach dem andern, dennoch erstarrte mir oft das Herz im Busen, wenn es Beweis dafür, daß fie bin- und hergewälzt wurden in einer von bagegen wurden jetzt ungeheure Schaumſtreifen sichtbar an sich einmal so traf, daß wir es mit der Ruhepause auch scharfen Felszaden erfüllteu Tiefe. Diese Strömung wird durch Stellen, wo man deren bisher nicht bemerkt hatte. Nach nur um eine Minute verfehlten. Der Wind war mitunter Ebbe und Flut des Meeres regulirt, alle sechs Stunden wechseln dem sich diese Streifen zu ausgedehnteren Strecken nicht so start, als wir beim Ausfahren gedacht und alshohes und niederes Waffer. Im Jahre 1645, in der Morgenfrühe erweitert hatten, verbanden sie sich miteinander und nahmen dann kamen wir nicht in erwünschter Weise vorwärts, bes Sonntags Seragefimä, wüthete fie mit solchem Lärm und Ungestüm, daß die Steine von den Häusern an der Küste zur Erde nun für sich die drehenden Bewegungen der verschwundenen vielmehr machte die Strömung unser Schiff unregierbar. fielen." Boe bemerkt dazu weiter: Was die Waffertiefe betrifft, Strudel auf, so daß es den Anschein hatte, als solle sich Mein ältester Bruder hatte einen achtzehnjährigen Sohn fo begriff ich nicht, wie man dies in der unmittelbaren Nähe des aus ihnen ein neuer und größerer Strudel gebären. Plöß- und auch ich besaß zwei kräftige Buben. Diese hätten uns Strubels sicher stellen könnte. Die mittlere Tiefe der Moskoekam dies in deutlicher und be- in solchen Zeiten beim Ausbreiten der Neße und Fangen Strömung muß unermeßlich größer sein als„ vierzig Fadenlich ganz plötzlich bedarf dazu keines befferen Beweises, als des seitwärtigen Blides stimmter Weise zur Erscheinung in einem Umkreise, der der Fische eine bedeutende Hilfe sein können, aber wie es in den Abgrund des Wirbels, wie man ihn von der höchsten Spize mehr als eine( englische) Meile im Durchmesser hatte. nun auch sei, obwohl wir selbst die Gefahr nicht scheuten, des Helfeggen aus haben kann. Es erschien mir wirklich als selbst- Der Rand des Wirbels wurde dargestellt durch einen so hatten wir doch nicht den Muth, das junge Volk der= denn schließlich muß es gesagt sein, verständlich, daß, wenn das größte Linienschiff sich der Einwirkung breiten Gürtel von funkelndem Giſcht; aber nicht das ge- selben auszuseßen dieser tödtlichen Anziehungskraft aussette, es derselben ebenso wenig würde widerstehen können, als etwa eine Feder dem Drfan, sondern ringste Theilchen desselben schlüpfte in den Schlund des es war wirklich eine furchtbare Gefahr. Es fehlen jetzt nur wenige Tage an drei Jahren, daß es sofort mit Haut und Haar verschlungen werden müsse. Die furchtbaren Trichters, dessen Inneres, soweit das Auge es Versuche, das Phänomen zu erklären- von benen ich mich erinnere, ergründen konnte, eine ebene, glänzende, kohlenschwarze seitdem sich ereignete, was ich Ihnen jetzt erzählen werde. daß sie mir früher beim ersten Durchlesen vollkommen genügend affermauer war, gegen den Horizont in einem Winkel Es war am zehnten Juli 18, ein Tag, den die Leute machten mir jest, nach eigener Wahrnehmung, alle in von etwa fünfundvierzig Graden geneigt und in einem hier zu Lande niemals vergessen werden denn an dema erschienen einen ganz unzureichenden Einbrud. " selben wüthete der schrecklichste Orkan, welcher sich jemals bivischen Himmel und Erde erhoben hat; und doch, den ganzen Morgen, ja selbst bis tief in den Nachmittag hinein, hatten wir gelinden und beständigen Wind aus Südwest, während die Sonne glänzend schien, so daß die ältesten Seefahrer unter uns nicht vorher sehen konnten, was folgen sollte. (Schluß folgt.) Die Literatur und die Arbeiterbewegung. m. y. Aus dem Gesagten ergeben sich für die Literatur der Gegenwart, in welcher der immer mächtiger sich ent- faltende Riese Arbeiterbewegung die Bewunderung oder die Furcht aller Geister mit zwingender Nothwendig- keit erzeugt, neue Aufgaben und neue Darstellungs- Methoden. Jeder Gedankengang besitzt eine um so klarere Wahr- heit, eine um so packendere Logik, auf je weniger Voraus- fetzungen er sich zurückführen, von je weniger Ursachen er sich ableiten läßt. So in der Philosophie, in der Mathe- matik, in den Naturwisienschaften, und so am drastischsten in der naturalistischen Literatur. Nachdem der modernen Literatur an Stelle des alten Prinzips der Schönheit das neue Prinzip der Wahrheit sich durch die Entwickelung der neuen Gesellschaftsfaktoren von selbst aufgedrängt hatte, war es nothwendig, den Katechismus der alten Aesthetik einer Revision zu unter- werfen und zu prüfen, ob nicht ein neues Prinzip auch neue Forderungen in seinem Busen trägt. Und in der That muß man anerkennen, daß mit der Entthronung der alten Kunstgöttin auch alle ihre Attribute und Anhängsel beseitigt sind, daß, wo der Lebensnerv getödtct ist, der Tod seinen Einzug hält, und neues, frisches Leben nur in der entwickelteren jüngeren Form gefunden werden kann. Die moderne Kunst war gezwungen, mit dem Grund- fatz der Vergangenheit, den der römische Dichter Horaz in die Worte zusammenfaßt:„Ich hasse das gemeine Volk und halte es mir fern", zu brechen. Das Prinzip, in der künstlerischen Darstellung nur der Wahrheit zu folgen, enthielt in sich zugleich die Nothwendigkeit, demjenigen Volkstheile die Hauptaufmerksamkeit zu widmen, welcher in den Mittelpunkt der lebhaften Kulturentwickelung ge- rückt war. Daß dieses der arbeitende Theil des Volkes ist, wird von den Feinden nicht weniger als von den Freunden eines fteiheitlichen, volksthümlichen Fortschrittes anerkannt. Die ganze geistige Athmosphäre aller Kulturländer ist in der Gegenwart von Gedanken erfüllt, auf welche Weise die Wunden geheilt werden könnten, welche die moderne sozialpolitische Entwickelung den Massen geschlagen hat. Sollte in einer Zeit, in welcher die soziale Frage der be- stimmende Faktor in der Politik aller Länder geworden, die Kunstgöttin vor der modernen Sphynx ihr Haupt ver- hüllen und sich von dem Mittelpunkte alles öffentlichen Lebens, in welchem alle geistigen und politischen Strö- mungen zusammentreffen, fernhalten? Die moderne Literatur beginge einen Selbstmord, wollte sie nicht ihren Hebel einsetzen in die Zersetzung der alten Gesellschaft und in daS Werden der neuen. Wo Wahrheit herrschen soll, muß das Vorurtheil, die Gewohnheit, der Klaffengedanke und der Klasseninstinkt fliehen. Wie der Mensch ganz nackt, ftei von jeder Hülle in die Welt eintritt, so muß auch der moderne Dichter frei von allen Vorurtheilen und Ueberlieferungen die Welt des sozialpolitischen Ringens der Gegenwart betreten. Studiren und schauen, das ist seine Devise. Jedes Vor- urtheil wird für den modernen Dichter zu einem unüber- steiglichen Berg, welcher eine weite Aussicht beschränkt und der Wahrheit Luft und Licht raubt. Aber schon darin ist er Partei! Wer VorurtheilS- losigkeit auf sein Banner geschrieben, der tritt bereits in einen bewußten oder unbewußten Gegensatz zu der alten im Absterben begriffenen Welt. Und wenn, was selbst- verständlich nothwendig ist, der praktischen Erfahrung theo- retisches Wissen sich beigesellt, dann ist es unmöglich, dem nach Lust und Leben ringenden neuen Weltgeiste gegenüber neutral zu bleiben. Er ist Partei in des Wortes höherer Bedeutung, und daS Werdende, das sich Neugestal- rende ist der rothe Faden in allen seinen künstlerischen Lebensäußerungen und Gestaltungen. Wenn der Künstler dann dem sich zersetzenden alten und dem sich bildenden neuen Lebensprozeß ein literarisches Denkmal setzt, dann erfüllt er die soziale Mission des mo- dernen auf der Höhe seiner Zeit stehenden Dichters. Daß die Muse eines Uebergangszeitalters kühn und begeistert Partei ergriffen, ist keine neue Erscheinung. So hat auch Juvenal über die im Zersetzungs- und Ver- wesungsprozeß befindliche Gesellschaft des alten Römer- reiches die Geißel der Satyre geschwungen. Als der finstere Geist des Mittelalters in den letzten Zügen lag da stieg auch die Muse von den Aetherhöhen des abstrakten Fabulirens herab in den Kreis der leidenden Menschheit warf alle vererbten Gewänder aus vergangener Zeit von sich und suchte sich den erstaunten Blicken der Menschen in ihrer nackten Natürlichkeit und in ihrer natürlichen Nacktheit zu zeigen. Natur! Natur! war das Losungs- geschrei in jener Zeit, da Schiller seine drei Jugenddramen geschrieben, da Rousseau seinen Dithyrambus:„Die neue Heloise" gedichtet, da Hölderlin im„Hyperion" das Blut seines Herzens verspritzt. Der mächtige Geist der Neugestaltung hatte sich allgewaltig gezeigt und die Herzen der Dichter mit zündender Begeisterung erfüllt. Aber was jene Dichter gemalt und geschrieben und gesungen, war ebensowenig Natur wie diejenige Literatur, ■ u der sie in einen schneidenden Gegensatz traten; es war nur das Extrem des Neuen, dem Extrem des Alten ent- gegengesetzt. Aus den früher angegebenen Gründen, welche in dem Zustand der damaligen Wissenschaften lagen, war es der Literatur unmöglich, ihre Zeit mit naturgetreuen und wahren Farben zu malen. In dem Bestreben, den neuen Gesellschaftsgcdanken mit dem Schwert der Natür- ichkeit zu umgürten, und in ihrer hell auflodernden Feind- chaft gegen die verbildete Kunstathmosphäre der alten Welt, konnten jene humanistischen Dichter es nur zu einer unnatürlichen Natürlichkeit bringen. Daher folgte diesem revolutionären Auflehnen gegen die vererbten Kunstgedanken die Reaktion auf dem Fuße. Anders in der Gegenwart! Alle Voraussetzungen für eine Kunst, welche sich in den Dienst des sozialen Gedankens und der Entwickelungsidee stellt, sind im Laufe unseres Jahrhunderts kräftig emporgewachsen, und so ist es der Kunst in der modemen Zeit möglich, Werke zu er- j engen, welche in einen gesunden Gegensatz zur Vergangen- seit treten und für die Zukunft von maßgebendem und dauerndem Einfluß sein werden. Darum kann man be- jaupten, daß das Kunstprinzip des Naturalismus auch das Kunstprinzip der kommenden Gesell- chast bleiben wird. Ein verändertes Kunstprinzip macht eine veränderte Darstellungsmethode nothwendig. Gerade der Grundsatz, ein wahres Bild des Lebens zu malen, sei der Kunst an- gemessen, verhindert die Literatur, das Leben nur zu photographiren. Ich habe bereits nachgewiesen, wie die Oberfläche des Lebens, auf welcher wir nur Willenslhätig- eiten sich vollziehen sehen, ein durchaus falsches Bild alles Fühlens und Denkens giebt. Derjenige Dichter, welcher also nur diese Oberfläche darstellt, entwürdigt die Kunst n derselben Weise, wie ein Porträt-Maler, welcher dem Ideal einer Photographie nachzukommen strebt. Wodurch unterscheidet sich ein Porträt von der Photographie? Während das Porträt in dem Gesichte des Darzustellenden ein Ensemble seines ganzen Charakters, ich möchte sagen, die mittlere Diagonale des ganzen, durch alle Stimmungen des Lebens erzeugten Mienenspiels giebt, zeigt die Photo- graphie nur eine Augenblicksmiene, welche durch eine momentane Stimme erzeugt wird und in einem nur schwachen Zusammenhange mit der Gefühls- und Denkweise des In- dividuums steht. Die moderne Kunst, welche auf der Höhe der Zeit 'tehen und der Wahrheit den Spiegel vorhalten will, muß in ihrem Forschen tiefer hinabsteigen, das Gehirn und Herz der gesammten Menschheit und des einzelnen Menschen öffnen und den Zusammenhang zwischen Fühlen, Wollen und Handeln ausdecken. Manche Gesellschaftsklasse wird unter den Schmerzen einer solchen Sektion laut ausschreien, während die andere, arbeitende Klasse aus der finsteren Tiefe, in welcher sie bis dahin unbeachtet und verachtet gekauert, zu dem hellen, erquickenden Tageslicht empor- teigt. Was bereits der geniale Shakespeare für das Drama gefordert, bleibt für die ganze schildernde Kunst eine unabweisliche Forderung.„Denn alles, was so über- trieben wird, ist dem Vorhaben des Schauspieles entgegen, dessen Zweck sowohl anfangs als jetzt war und ist, der Natur gleichsam den Spiegel vorzuhalten: der Tugend ihre eigenen Züge, der Schmach ihr eigenes Bild und dem Jahrhundert und Körper der Zeit den Abdruck seiner Gestalt zu zeigen." (Hamlet). Darum ist die Psychologie eines der hauptsächlich- ten Darstellungsmittel der modernen Literatur. Hand- ung war die erste Forderung, welche an die Literatur, mit Ausnahme der Lyrik, in früheren Zeiten gestellt wurde. Seelenschilderung ist die erste Bedingung, welche die moderne Zeit an die schildenide Kunst stellt. Wo diese ehlt, da stellt der ganze Bau nur eine rohe, das Auge >es Gebildeten beleidigende und auch unwahre Widergabe )er Natur dar. Nicht der Künstler mit seinem Meißel, sondern der Zimmermann mit seiner Axt hat den Gesammt- eindruck erzeugt. Wenn gegen die psychologische Schilderung in den Dramen Ibsens von den Gegnern mit Waffen ange- kämpft wird, welche dem Arsenal der Vergangenheit entnommen sind, so zeigt sich das Verhältniß von Kritiker und Dichter, welche in zwei verschiedenen Welten leben, in seinem wahrhaft tragikomischen Lichte. Der Satz Göthe'S: Wer den Dichter will versteh'n, muß in Dichters Lande geh'n, bleibt immer und immer wahr. Jene Mängel, welche die in den alten, vererbten Anschauungen und Wissenschaftssätzen wurzelnden Kritiker an den Werken eineS Dostojewski, Ibsen und anderer vorzüglicher Vertreter naturalistischer Seelenschilderungen zu finden glauben und welche sie in die Worte komprimiren: Es ist zu wenig Handlung und zu viel Philosophie, verwandeln sich vom Standpunkte der modernen Aesthetik in nicht zu unter- schätzende Vorzüge. Es giebt keinen Menschen, weder in den geistigen Niederungen noch auf den Höhen der Wissenschaft, der nicht in den meisten Lebenslagen philosophirte. Jeder analyftrt und philosophirt auf seine Weise, der Bauer, der Verbrecher, der Politiker, der Arbeiter. Jeder besitzt einen eigenen Moralkodex, auf welchen er alles bezieht, was meinem aktiven oder passiven Zusammenhange mit ihm lieht. Jeder Mensch besitzt auch eine eigene Gefühls- welt, welche in ihren Einzelheiten ebenso von der des Nachbars verschieden ist, wie das Gesicht Peter's von dem Paul's sich unterscheidet. Die Handlung bildet bei den meisten Menschen den kleinsten Theil ihrer Thätigkeit. DaS Gefühl, der Gedanke, der Wille nehmen den gerechten Raum ein auf dem Schaffensfelde des Menschen. Und eine Literatur, welche den Menschen in seiner ganzen Wahrheit malen will, sollte dem Fühlen, Denken und Vollen des Menschen nicht den gerechten Theil ihrer Dar- tellung widmen? Doch bei dem Gedanken, daß es für die Kunst der Gegenwart nothwendig ist, dem Geistes- und Gefühlsleben >er Menschen eine größere Aufmerksamkeit zu widmen als lisher, stößt man auf eine neue Schwierigkeit. Wäre das Denken und Fühlen jedem Menschen angeboren, so brauchte zie Literatur nur zu schildern, wie die dem einzelnen Menschen von Natur anhaftenden Gedanken und Gefühle rch in verschiedenen Situationen äußern. Der Dichter önnte ihn von seiner Zeit und den Einwirkungen der ozialen Konstellation isoliren, wie es die Dramatiker und Romanschriftsteller der Vergangenheit meistens gethan. Die Frage, aus welchem Grunde taucht das Denken und Fühlen )es einzelnen Menschen empor, ist zwar in früheren Zeiten Kreils gestellt, aber erst in der Gegenwart durch Marx' materialistische Geschichtsauffassung beantwortet worden. In der Neuzeit, in welcher der Gedanke des Werdens alle Geisterdisziplinen beherrscht, sollte die Literatur sich ziefer geistigen Hauptströmung entziehen dürfen? Nur der Entwicklungsgedanke konnte Klarheit verbreiten über die dunkeln Tiefen des menschlichen Denkens und Fühlens. Der Zusammenhang der Außenwelt mit dem Menschen muß dargestellt werden, damit die eigenthümliche Denk- und Gefühlsweise jedes einzelnen Menschen erklärt und verstanden werden kann. Die Stellung des einzelnen Menschen gegenüber der Außenwelt wurde von der früheren Wissenschaft als eine Herrschafts st ellung aufgefaßt. Der Mensch gestaltet zie Außenwelt ganz nach seinem ihm immanenten Willen. Je höher die gesellschaftliche Stellung, in welche ihn das Schicksal gedrängt, um so weiter der Raum für den Flügel- chlag seines freien Willens. Daher spielt auch in den dlnstwerken der Vergangenheit der Mensch die Rolle eines Helden, eines guten oder bösen. Er ist ein fertiger Mensch, welcher seine Kräfte an seiner Umgebung erprobt, wie ein Athlet, der siegesbewußt umherblickt und einen Gegner er- wartet, an dem er seine Kräfte zeigen kann. In der Neuzeit hat aber die Wissenschaft gefunden, daß die frühere Auffassung eine falsche gewesen, daß im Gegeniheil, um mit Heine zu reden, die Chöre zu Helden und die Helden zu Chören geworden seien. Dieser Um- wälzung in der Wissenschaft von dem Verhältniß des Menschen zur Gesellschaft kann sich die Literatur nicht ent- ziehen. Die Anschauung, daß der Wille des Menschen ftei und daß die Gestaltung der Außenwelt von dem Willen des Menschen abhängt, feiert seine schönsten Triumphe in zer klassischen Zeit der deutschen Literatur. Die Romane Jean Paul s behandeln das Schicksal der Helden von der Wiege bis zum Tode, sie sind Biographien der Helden und stellen uns dieselben ohne jeden Zusammenhang mit den geistigen und sozialen Strömungen der Zeit dar. Anders die auf dem Piedestal moderner Wissenschaft ruhende naturalistische Literatur. DaS Sphynxräthsel dcS menschlichen Fühlens und Denkens kann nur gelöst werden, wenn man die Ideenwelt in ihrem Werden, in ihrem Zu- sammenhang mit der Außenwelt betrachtet. Wie Lessing den Grundsatz ausstellt: daß der Dichter die Gemälde nur dadurch plastisch vor unser geistiges Auge zaubern könne, wenn er sie in ihrem Werden und nicht in ihrem Sein zarstcllt, so können auch die Gebilde des menschlichen Fühlens und Denkens nur dadurch zur Klarheil deS Lesers kommen, wenn ihre Ursachen und die Athmosphäre, in welcher.sie emporgewachsen sind, in den Kreis der Schilderung gezogen werden. Die Auffassung von der Freiheit des menschlichen Willens hatte für die Literatur eine individualistische Dar- stellung zur Folge. Die Bourgeoisie, welche in den so- zialen Produktionsverhältnissen den Individualismus auf die Spitze getrieben, hat diesen Standpunkt auch in die Literatur verpflanzt. Erst der Sozialismus treibt den neuen Gedanken der Assoziation und der gesellschaftlichen Produftion an die Oberfläche. Und auch der Sozialismus setzt in der Literatur an Stelle des Individualismus den Gattungszusammen- hang. Der Gedanke deS Sozialismus befteit nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Literatur von den Tobten. Wo er hintritt, schießen die Blumen der Wahrheit, der Schönheit und der Freiheit üppig empor. Di- v-tttfche nud die englische Arbeiterpresse in den D-r-inigten Staaten. Als gegen Ende des vorigen Monats der große Reading-Eisenbahn-Streik begann, da überschüttete die ge- sammle amerikanische Presse die Arbeiter mit einem wahr- hasten Kreuzfeuer von Lügen, um die Streikenden zu schä- digen und womöglich selber wankend zu machen. Das„Philadelphia Tageblatt" benutzt diesen Anlaß, um beim Jahreswechsel folgenden Mahnruf an die deutsch und englisch redenden Arbeiter der Vereinigten Staaten zu richten: „Das ist also die Presse, welcher die Arbeiter jährlich Millionen von ihrem sauer verdienten Lohn hingeben! die sie erhalten, großziehen, während sie ihre eigenen Zeitungen zu Grunde gehen oder den schwersten Kamp! um die Existenz führen lassen. Wir meinen hier hauptsächlich die englisch sprechen- 1 den Arbeiter; aber auch die deutschen sind von dieser Anklage nicht freizusprechen. Die englischen— es ist ein Jammer!— haben innerhalb achtzehn Monaten hunderte von ihren Blättern zu Grunde gehen lassen; darunter so vorzügliche Zeittingen wie„John Swintons Paper" und den New-Dorkcr„Leader". Da dürfen die Deutschen sich noch immer etwas zu Gute thun. Sie haben mindestens sieben ihrer Kontrolle vollständig unterstehende Tageblätter in den größten Städten des Landes und eine größere Anzahl von Wochen- blättern. Drei der elfteren sind innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden und haben sich am Leben erhalten. Das ist nicht allein bemerkcnswerth gegenüber dem„großen Streben" in der englischen Arbeiter-Presse, sondern auch mit Hinblick aus die entgegengesetzten Erfahrungen in der Reaktions-Periode am Schlusie des vorigen und dem An- fang dieses Jahrzehntes, wo die deutsche Arbeiterpresse dieses Landes furchtbar dezimirt wurde. Es ist also, so viel auch noch fehlen mag, ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Zudem darf wohl bemerkt werden, daß der Einfluß der organisirten Arbeiter und ihrer Prinzipien sehr deutlich in einer Anzahl deutsch-amerikanischer Blätter zu verspüren ist, über welche sie keine Eigenthumsrechte haben. Sei es geschäftliche Spekulation oder Ueberzeugung: genug, viele dieser Zeitungen sehen sich nicht nur veranlaßt, über die Vorgänge in der Arbeiterwelt anständig zu berichten und ihnen viel Aufmerksamkeit zuzuwenden, sondern auch redaktionell zu Gunsten der Arbeiter zu sprechen. Es ist hier daran zu erinnern, daß eine Anzahl mehr oder minder sozialistisch angehauchter Schriftsteller genöthigt war, Unter- kunst bei solchen Zeitungen zu suchen, wo man sie gern ausnimmt, weil sie besseres leisten, als das gesinnungslose oder, was ziemlich gleichviel bedeutet, nationalliberale Volk der gestrandeten Kauflcute, Schulmeister und Lffizicre das zum Journalismus als letzten Nothnagel greift. Die deuisch-amerikanische Arbeiter-Prefle hat hunderttausende von Lesern und ihr Einfluß aus die Arbeiter- schaft und einen Theil des Kleinbürgenhums ist so ossen- kundig, daß er im Ernste gar nicht bestritten werden kann. Aber es könnte noch viel mehr geschehen. Noch giebt es viele tausende von Arbeitern, die eine ihnen feindliche Presse unterstützen. Wohl ist diese vorsichtiger geworden — aber bloß aus Geschäftsrücksichten. So im Allgemeinen macht sie sogar in Arbeiter-Frcundschast. Aber es soll einmal zu einem Konflikt kommen, bei dem ihr Leserkreis mitberührt wird; nehmen wir an einen Streit zwischen Braucreibesitzern und Arbeitent: dann wird das„arbeiler- freundliche" Blatt im günstigsten Falle todtschwcigen; im wahrscheinlichsten gegen die Arbeiter Hetzen. Wir brauchen wohl kaum auf die jünsten Erlebnisse in dieser Hinsicht ztt verweisen. Das find die Gelegenheiten, bei denen Herz und Niere» geprüft werden. Wenn es gilt, das„Geschäft" der Wahrheit und Rechtschaffenheit preiszugeben, dann zeigt es sich, wer der wahre Freund ist. Wir schließen nicht mit der bekannten Aufforderung, die zwar jetzt, zum neuen Jahre, wohl am Platze wäre; wir haben uns auch nicht zu beschweren. Aber es schien uns gerade diese Gelegenheit am Platze zu sein, um die Arbeiter darauf zu verweisen, was sie zu gewärtigen haben, wenn sie nicht eine für sie eintretende Tagespresse hätten. Würden die englischen Arbeiter ein„Tageblatt" besitzen, dann würde heute nicht die ganze Preßmcute gegen sie losfahren, lügen und fälschen. Aber sie kann es ,tch letzt gestatten, weil das- Volk ja keine Wahl hat und einen von den Wischen doch halten muß, um zu erfahren, was in der Welt vorgeht. I L Der Dofener Soxialistenprozeß. Der Sozialistenprozeß, der seit dem 2. d. MtS. die vierte Straflammcr des Posencr Landgerichts beschäftigt, ist am M o n t a g endlich bis zu den Plaidoyers gediehen. Im Auftrage des preußischen Ministers de? Innern ist der Polizeisekretär Lührs aus Berlin erschienen, um die Plaidoyers zu stenographiren, d. h.. um.Material" zu sammeln. Eine dichte Postenkette von Schutzleuten in Uniform und Zivil hat man >u durchschreiten, ehe man in den schr geräumigen Schwurgerichts- ,aal gelangt. Man glaubt sich in einem Sitzungssaal« de? Moabiter AÄTS SS» SÄÄÄÄ» Berliner Geheimpolizei füllen zum großen Thetl d.eZeugen- dank aus; da sieht man den Kriminalkommissar Grafen v. Sttllfricd, den Kriminalkommifsar Schöne, den Knminalschutzmann Jhrutg, den Kriminalschutzmann Naporra, der, da er der polmschcn Sprache mächtig, ausschließlich mit der Ueberwachung der polnischen Arbetterbewegung in Berlin bctraM war und zu diesem BeHufe gleich Jhring-Mahlow als.Genofle' unter den Berliner Sozialdemokraten aufgetreten ist, und den jkriminalwachtmcister Weinert aus Berlin. Aber auch noch mehrere andere aus der Berliner Arbetterbewegung, vornehmlich aber aus den verschiedenen Berliner Sozialistcnprozesicn bekannte Gesichter bemerkt man unter den Zeugen. �_ der Strafkammer führt Landgerichtsdirektor Haus- aus Berlin, ist in der Untersuchungshaft, bezw. Tag nach ÄÄ* L ti Untcrsuchungsgefängiliß entflohen. Das größte Interesse unter den Angeklagten erregt ein junges, abgehärmt aussehendes Mädchen, die unverehelichte Michalina Franzika Zielonawska. Ihr Ge- ficht ist nicht unschön zu nennen. Allein auch sie, die jetzt im 24. Lebensjahre steht und ihre Verhaftung wohl zum Theil dem Umstände zuzuschreiben hat, daß sie die Braut des Angeklagten Schriftsetzers Kurowski ist, befindet sich schon, gleich allen andereeu Angeklagten, seit etwa 10 Monaten in Untersuchungshaft. Wie ich höre, wird ihr hauptsächlich, gleich ihrem Bräutigam, zur Last gelegt, dem Hauptangeklagten, Studenten der Naturwissenschaften Bonislaw Slawinskr als Deckadresse gedient zu haben. Slawinski, der Sohn eines hohen russischen Beamten, ist 1862 zu Kowno in Rußland geboren. Er macht zweifellos von allen Angeklagten den intelligentesten Eindruck. Allein er ist der deutschen Sprache fast gar nicht mächtig, dagegen spricht er fließend französisch, russisch und polnisch. Er hat längere Zeit in Genf studirt und wird nun beschuldigt, als Emmissär der internationalen revolutionären Arbeiterpartei nach Posen gekommen zu sein und unter der polnisch redenden Bevölkerung für die sozialdemokratischen Ideen durch Verbreitung von Druckschriften u. s. w. Propaganda gemacht zu haben. Er soll hier mit dem in Paris weilenden Studenden der Medizin Mendelssohn, sowie dessen Freundin, der Frau Jankowska, und mit noch mehreren im Auslande weilenden Arbeiterführern eine rege Verbindung unterhalten haben, wobei ihm die meisten der anderen Angeklagten behilflich gewesen sein sollen. Im Jahre 1884, zur Zeit der bekannten Nihilisten-Verschwörung, in welche auch der Friedensrichter Bardowski verwickelt war, so erzählt Slawinski, habe er sich in Gesellschaft eines Freundes in Warschau in einem Milchgarten befunden. Plötzlich habe er einen Schuß vernommen; es war dies das Zeichen, daß eine allgemeine Verhaftung, gewissermaßen eine Razzia, behufs Ergreifung der Verschwörer vorgenommen werden sollte. Obwohl er dieser Vcr- schwörung vollkommen fern stand, so wollte er sich doch nicht der Gefahr einer vielleicht mehrmonatlichen unschuldigen Verhaftung aussetzen. Er entfloh daher eiligst und entkam auch glücklich. Sein Freund, der weniger glücklich war, gab jedoch der Behörde über seine Persönlichkeit Auskunft. Dies vcranlaßte die Staatsanwalt- schaft zu Warschau, nachdem Slawinski hier verhastet worden, an die hiesige Staatsanwaltschaft zu berichten. Anläßlich dessen wurde die Fesselung des Angeklagten angeordnet. Ueber seine Rational angehörigkeit sollen Zweifel obwalten. Es wird behauptet, daß er das Schweizer Bürgerrecht erworben habe. Wenn er jedoch noch russischer Unterthan ist, dann dürste nach seiner Posener Straf- verbüßung seine Auslieferung nach Rußland erfolgen. Seine Mutter, die von der Pension ihres verstorbenen Gatten in Warschau lebt, befindet fich nebst seiner Schwester im Zuhörerraum. Eine weitere interessante Persönlichkeit ist der Buchbinder Janiszewski, der mehrfach in Posen bei den Rcichstagswahlen kandidirt hat. Er hat längere Zeit in Berlin und zuletzt in Dresden gelebt. Dieser war bereits in den, im Februar 1882 ebenfalls in Posen stattgehabten Mendelssohn-Prozcß verwickelt und soll zu dieser Zeit die Eisenstäbc seiner Zelle durchgefeilt haben. Dieser Umstand hat die Staatsanwaltschaft„veranlaßt", auch diesen Angeklagten, als er bei Gelegenheit der letzten Reichsiags-Wahlagitation ver haftet wurde, in Fesseln zu legen. Wettere Angeklagte sind die Tischler Felix Wittkowski, Mer kowski und Marowski, Stellmacher Porankiewicz und Joseph Witt kowki, Arbeiter Popieszny und Schuhmacher Goszinski, sämmtlich aus Berlin, ferner der bereits erwähnte Schriftsetzer Kurowski, Goldarbeiter KonopinSki, Schuhmacher Deregowski, Tischler Price- lius und die Schuhmacher Grochowski, Kastrzewa und Konopinski Der Angeklagte Kurowski wurde im Jahre 1884 bei Gelegenheit der erwähnten Verschwörungsaffaire in Warschau verhaftet, auf die Warschauer Zitadelle gebracht und, obwohl preußischer Unter than, ohne jedes Verhör fast drei Jahre gefangen ge- halten.— Die meisten der Angeklagten befinden sich noch in sehr jugendlichem Alter. Da viele von ihnen der deutschen Sprache nicht mächtig sind, aber auch wegen der zur Verlesung gelangten Schriftstücke ist ein französischer, ein russischer und ein polnischer Dolmetscher zu den Verhandlungen hinzugezogen. Gegen 9 Uhr Vormittags eröffnet der Präsident, Landgerichts- direktor Hausleutner, die Sitzung. Dann ergreist der Erste Staatsanwalt Martins das Wort: „Vor etwa sieben Jahren wurden die hiesigen Gerichte zum ersten Male mit einer neuen Art von Prozeß heschäftigt. Es hatte den Anschein, als habe auch dieser Prozeß im Hintergründe die polnische Nationalität. Allein genau betrachtet, war ein Riß zwischen der polnischen Arbeiterbevölkerung und den besser situirten Polen eingetreten. Der Arbeiterbcvölkerung wurde von einer Anzahl Leuten eine neue Lehre gepredigt, eS wurde eine polnische Arbeiter- Partei gebildet, die offen aussprach: wir sind international. Wir haben es also nicht mit Leuten zu thun, die für ihre Nationalität kämpfen, sondern wir haben es mit einer internationalen Partei zu thun. „Die Angeklagten sind zunächst der Verletzung der§§ 128 und 129 des Strafgesetzbuches angeklagt. Es ist ein aner- kannter Rechtsgrundsatz, daß Derjenige Mitglied einer Verbindung wird, der sich stillscheigend dem Willen einer Gesammtheit unter- ordnet; eine ausdrückliche Willenserklärung hierzu ist nicht erforderlich, sondern die Mitgliedschaft ist schon ausge- drückt durch konkludende Handlungen. Das Reichsgericht hat in dem Prozeß gegen die Patriotenliga ausgesprochen, daß eine Ver- bindung auch vorhanden ist, wenn der Sitz der Verbindung sich im Auslande befindet. Daß die Verbindung, mit der wir es hier zu chun haben, ungesetzliche Zwecke verfolgt, hat die VerHand- lung mehr als zur Genüge ergeben. Es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die Expropriirung des Grund und Bodens, die Abschaffung des Privateigenthums, die Aufhebung der Ehe in ihrer heutigen Form, die Abschaffung aller Auwrität, Dinge sind, die den gewaltsamen Umsturz unserer hcufigen Gesellschasts- ordnung bedingen, selbst die Abschaffung aller Religion wird be- zweckt und an Stelle des Göttlichen will man die Anarchie setzen. „Die Anklage ist aber auch erhoben auf Grund des§ 130 des Strafgesetzsbuches. Um die Ziele, die die Verbindung, mit der wir es zu chun haben, zu beleuchten, verweise ich auf die hier zur Verlesung gelangten Artikel aus dem„Rebell", der Freiheit" und dem„Sozialdemokrat". Wenn man nun die Frage aufwirft, was gehen die Auslassungen dieser Blätter die gegenwärtigen Angeklagten an, so erinnere ich, daß bei einem der Angeklagten eine Nummer der„Frei- heit" gefunden worden ist, und daß in diesen Organen die polnische Arbeiterbewegung verherrlicht wird.(!!)_ In der„Freiheit" wird der hier vor mehreren Jahren verurcheilte Padlewski, der bekanntlich unter der hiesigen polnisch redenden Arbeiterbevölkerung für die revolutionären Ideen agittrtc,„Genosse" genannt. Man wird darnach wohl den geistigen Zusammenhang der An- oeklagten mit den erwähnten Blättern annehmen müssen. Der Sozialdemokrat" ist erst vor ganz kurzer Zeit noch als offizielles Qraan der deutschen„Sozialdemokratie" anerkannt worden. Außerdem werden hierbei die Protokolle des Wydener und Kopenhagener Kongresses beachtet werden müssen. Ich gehe nun zu der politischen Seite der Anklage über. Ich kann mir ein Bild von dem sozialdemokratischen Staat nicht machen. Gebe Gott, daß wir denselben alle nicht erleben. Allein es steht fest, daß die Errichtung der neuen Welt auf den Trümmern der alten sich nur vollziehen kann durch gewaltsamen Umsturz alles Bestehenden. Die Grundlage der Sozialdemokratie bildet das kommunistische Manifest von 1847 und das Gothaer Programm von 1875. Ich würde mich einer Unterlayung schuldig machen, wenn ich hierbei nicht des bekannten Ferdinand Lassalle erwähnen wollte. Dieser war jedenfalls der begabteste sozialdemokratische Agitator, dem die jetzigen Führer nicht Werth sind, die Schuhriemen zu lösen. Er wollte die Besserung der sozialen Verhältnisse auf dem Boden der nationalen Gesetzgebung. Aber er sah wohl ein, daß seine Pläne nicht ausführhar seien. Die Wogen gingen über ihn hinweg, und an seine Stelle ttaten die Männer der Revolution. Es bildete sich eine internationale revolutio- näre Arbeiterpartei, die wohl von der Oberfläche hinweggefegt wurde, jedoch im Geheimen weiter wühlte. Ich erinnere daran, daß man auf dem Kongieß zu Wyden für gut fand, das Wort „gesetzlich" aus dem Programm zu streichen. Auf dem Kopenhagener Kongreß wurde in einem Beschlüsse gesagt: die sozialen Reformen, die staatlicherseits angesttebt werden, können nur bei den Arbeitern den irrthümlichen Glauben erwecken, als sei der heutige Staat in der Lage, bessere soziale Verhältnisse zu schaffen. Aus diesen und vielen anderen Auslassungen der verschiedenen sozialdemokrattschen Blätter und Führer, ich nenne z. B. den bekannten Liebknecht, geht hervor, daß nur eine große sozial revolutionäre Partei besteht, die in ganz Europa und Amerika verbreitet ist. Ich behaupte, es giebt zwischen der sozialdemokratischen und anarchisti- schen Partei keinen grundsätzlichen Unterschied. Der Unterschied besteht lediglich in dem augenblicklichen praktischen Han- dein. Die Anarchisten sagen: die Zett zum Handeln, d. h. zum gewaltsamen Umsturz, ist bereits gekommen, während die Sozial- demokraten sagen: wir wollen wohl den gewaltsamen Umsturz, allein wir halten den Zeitpunkt hierfür noch nicht für gekommen, wir wollen wohl den gewaltsamen Kampf, aber es fehlen uns noch die Waffen dazu. Deshalb wollen wir vorläufig blos agittren, die Massen aufreizen und scheinbar paktireii. ES dürste genügen, auf einen Ausspruch des Abgeordneten Bebel im Reichstage hinzuweisen. Dieser sagte im Jahre 1881: Die Sozialdemokratie erstrebt auf politischem Gebiet die Republik, auf sozialem den Sozialismus, auf religiösem den Atheismus. Damit ist mit drei Worten das Pro- gramm der Sozialdemokratte gegeben. Der Angeklagte Merkowski sagte im Laufe der Verhandlung: Der Unterschied zwischen den Sozialdemokraten und Anarchisten besteht darin, daß die Anarchisten die Vorposten sind, die den Kampf eröffnen, in den die Sozial- demokraten zu geeigneter Zeit einzugreifen haben. Nun, meine Herren, diese Aeußerung bestätigt meine Behauptung vollkommen. Man hat sich in den sozialdemokratischen Blättern selbst nicht ent- blödet, gemeine Raubmörder zu verherrlichen. In dem söge- nannten zahmen„Sozialdemokrat" wurde sogar der Königsmord als objektiv berechtigt bezeichnet. Ja man ist weiter gegangen, man ist in einigen sozialdemokrattschen Blättern sogar für die Tliatcn von Hödel, Nobiling und Reinsdorff eingetreten. Liebknecht sagte einmal:„Die soziale Frage kann nicht im Parlament, sondern nur auf der Sttaße gelöst werden. Das Parlament hat nur einen prakttschen Werth, wenn die Arbeiterkolonnen vor demselben stehen und vielleicht ein zündendes Wort von der Tribüne dieses Parlaments in die draußen stehenden Massen geworfen wird." Daß aber zwischen den Sozialdemokraten und Anarchisten ein vollständiger geistiger Zusammenhang besteht, erhellt daraus, daß die Herren Bebel und Genossen sich veranlaßt fühlten, an den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Telegramm zu richten:„Im Namen der Menschlichkeit bitten wir um Begnadigung der zum Tode veruttheilten Anarchisten." „Ich gehe nun zu der Organisation der sozialdemo- kratischen Partei über. Es unterliegt keinem Zweifel, daß nach Erlaß des Sozialistengesetzes eine weitere Organisatton, die vor den Behörden geheim gehalten werden sollte, geschaffen wurde. Dafür spricht zunächst die Partei ver tretung, die die jeweilige sozialdemokratische Reichstags fraktion bildete, die Vertrauens- Männer,„die Beauftragten", das offizielle Organ der deutschen Sozialdemokratte, der in Zürich erscheinende„Sozialdemokrat", die Kongresse zu Wyden und Kopenhagen, die Ausschließung der früheren Reichstagsabgeordneten Hasselmann und Rittinghausen, der Schriften- fonds, der Agitattonsfonds, der Unterstützungsfonds u. f. w. Es wurde von den Führern ausgesprochen: eine Aenderung der Organi- satton ist nothwendig. Es wurde eine Dezenttalisation an Stelle der Zentralisation vorgeschlagen. „Diese Dezentralisation ist auch unter der polnisch redenden Arbeiterbevölkerung durchgeführt. Daß zwischen diesen polnischen Gruppen und den russischen Nihilisten eine vollständige Verbindung besteht, um zu geeigneter Zett gemeinschaftlich los- zuschlagen, dafür sprechen die verttaulichen Berichte über den inter- nationalen Kongreß in London. Wenn es aber noch eines weiteren Beweises dafür bedarf, so sind es die Beziehungen, die der Ange- klagte Slawinski mit den Anarchisten und Nihilisten aller Gegenden Europas unterhalten hat. Er ist von der„Freiheit" als derzenige bezeichnet worden, der die Aufgabe hat, unter der polnisch redenden Arbeiterbewegung für die revolutionären Ideen Propaganda zu machen. „Ich habe nun noch den Beweis zu führen, daß auch eine Ver- letzung des§ 128 des Strafgesetzbuches vorliegt. Hierfür spricht die Art, wie die gesammte Organisatton und Agitation stet? geheim gehalten worden ist, dafür sprechen die Aussprüche der ver-, schiedenen Führer: die Behörden dürfen nicht erfahren, in welcher Weise die Agitation gehandhabt wird; es spricht ganz besonders dafür ein Jnstrukttonsbuch, in dem Fingerzeige gegeben werden, wie die Agitation vor den Behörden geheim zu halten sei, in dem gesagt wird: alle Briefe müssen im Geschäftssttl oder im Sttle von Liebes- briefen abgefaßt werden. Es wird Chiffrirschrift zc. empfohlen. Ich weise endlich auf die Redensatten hin, mit denen auf den sozialdemokratischen Kongressen die Behörden verhöhnt werden, daß es ihnen nicht gelinge, die Agitatton aufzuhalten. Daß diese Organi- sation bezweckte, das Sozialistengesetz durch ungesetzliche Mittel in seinen Wirkungen lahm zu legen, beweist die Massenverbreitung des „Sozialdemokrat" und vieler anderer verbotener Druckschriften in Deutschland. Es wurde ein Netz zur Verbreitung von verbotenen Druckschristen von Amsterdam bis Petersburg, ja über das ganze Europa gezogen. Es wurde eine spezielle Literatur für die polnisch redende Arbeiterbevölkerung geschaffen." Der Staatsanwalt schildctt nun die Thättgkeit der einzelnen Angeklagten, die dieselben bei der Verbreitung von Druckschriften entfaltet haben, und fährt dann fort: ..Ein sehr großes Matena! haben wir hierüber dem hier als Zeugen aufgetretenen Mädchen Kühnel, der Braut des Seifensieder- gesellen Czielski, zu verdanken. Wenn ich es nicht aus anderen Gründen sagen würde, so spreche ich es aus. ganz besonders im Hinblick auf die gegenwärtige Anklage: Gott sei Dank, daß wir noch Frauenzimmer haben, deren Naturell es mit fich bringt, daß die Behörden über geheime Umtriebe etwaS erfahren. In der„Freiheit"- so fährt der Staatsanwalt fort — wird nicht nur indirekt, sondern ganz direkt zum Königsmorde aufgefordert, es werden sogar Todesuttheile u. f. w. erlassen. Die verschiedenen Auslassungen des„Prezdwit", des„Wallka Clas", die Protokolle über den Kongreß in Chur u. s. w. beweisen, daß eine festgegliedette polnisch-sozialdemokrattsche Gnippe besteht, die, gleich den zuletzt erwähnten Blättern. Einfluß auf die Verhältnisse in Deutschland zu üben versucht. „Ich bin nun am Ende der allgemeinen Bettachtungen und ersuche, mir zu gestatten, behufs Beleuchtung des speziellen Thcils morgen fottzufahren." *** 8lm nächsten Tag(Dienstag) eröffnet der Präsident, Land- genchtsdirettor Hausleutner, gegen 9'/, Uhr Vormittags die Sitzung und ertheilt sogleich swiederum das Wort dem Ersten Staatsanwalt Martins: „Einer der Herren Vettheidiger hat mehrfache Behauptungen aufgestellt, um das Zeugniß des Kriminalschutzmanns Naporra anzugreifen. Der Kriminalkommissarius Graf Sttllfricd hat uns bekundet, daß Naporra ein durchaus pflichttreuer Beamter ist. Ein nicht minder pflichttreuer Beamter ist der Schutzmann Jhring. Kriminalkommissar Schöne hat uns bekundet: Jhring ist trage der internationalen revolutionären Arbeiter- der Frau eines aus Berlin ausgewiesenen Sozialdemokraten eine das Opfer eines ganz gemeinen Komplotts geworden. Alle Vor- partei von Genf nach Deutschland geschickt worden." Weihnachtsfreude zu bereiten. Nun sagt der Herr Staatsanwalt: gesetzten des Jhring bis zum Herrn Minister hinauf sind überzeugt, Der Staatsanwalt schildert alsdann die Thätigkeit des Ange- diese Sammlung war nur eine fingirte, denn es ist durch Sammeldaß Ihring ein durchaus pflichttreuer, wahrheitsliebender Beamter flagten Kurowski.„ Auch dieser so fährt der Staatsanwalt listen, Bonsverkauf, ze. gesammelt worden. Ja, fuchen nicht alle ist. Die Behörde hat sich nicht veranlaßt gesehen, den Ihring von fort hat den Zigarrenhändler Bojerski hier in Bosen ersucht, Wohlthätigkeitsvereine auf den verschiedensten Wegen, durch Verseinem Posten zu entfernen. Daß Ihring angesichts dessen nicht für ihn Briefe aus Paris zu empfangen. Bojerski ist, wie ich anstaltung von allerlei Vergnügungen zc. auf das Mildthätigkeitsselbst auf Versehung angetragen hat, sondern auf seinem Posten hervorheben will, ein durchaus unverdächtiger Mann, der seinen gefühl zu wirken? verbleibt, ist für mich der beste Beweis, daß er ein durchaus Kunden diesen Gefallen thut, allein die Polizeibehörde würde schlecht ,, Der Hauptzeuge Kriminalschußmann Naporra hat auf pflichttreuer Beamter ist, der von seinem ernsten Berufe ganz und ihre Aufgabe erfüllen, wenn sie nicht sehr bald gemerkt hätte: es Grund von Notizen, die er sich machte, wenn er in später Nacht voll durchdrungen ist. Was liegt denn gegen Ihring vor? Er fönne mit so häufigen, aus Paris datirten Briefen nicht volle von den Zusammenkünften nach Hause kam, und die alsdann hat von seiner vorgesezten Behörde den Auftrag erhalten, die polnisch- Richtigkeit haben. Kurowski und Slawinski haben nun mit dem Kriminalkommissar Schöne noch bearbeitete, sein Zeugniß revolutionäre Arbeiterbewegung in Berlin zu überwachen. Zu Auslande eine sehr umfassende Korrespondenz unterhalten, in denen hier abgegeben. Herr Naporra soll sich allerdings eines vorzüglichen diesem Behufe hat er sich als Mechaniker ausgegeben und sich einen Ausdrücke, wie Fazet"," Zuckersäure"," Losungswort" 2c. vor- Gedächtnisses erfreuen. Allein ich erlaube mir schon aus dem Umfalschen Namen beigelegt. Hätte er das nicht gethan, dann hätte kommen, jedenfalls Stichworte für gewisse den Behörden zu ver- stande, daß Naporra auf Grund der erwähnten Notizen er seinen Auftrag überhaupt nicht ausführen können. Nun wird heimlichende Bezeichnungen. sein Zeugniß abgab, bedenkliche Zweifel an der Richtigkeit seiner behauptet: hring habe die Sozialdemokraten zur Begehung von" Ich wende mich nun zu der Angeklagten Zielonawska. Aussagen zu erheben. Aber ich habe noch andere Gründe, die Verbrechen aufgereizt und eine Majestätsbeleidigung sowie eine Es könnte auf den ersten Augenblick scheinen, als sei die Zielonawska diese meine Zweifel rechtfertigen. Die Herren Richter werden sich Beleidigung gegen den Prinzen Wilhelm begannen. Behauptet ist ganz unschuldig auf die Anklagebank gekommen. Genauer betrachtet, erinnern, daß, als ich den Zeugen Josef Kruszinski fragte, wodurch das worden von den bekannten Christensen und Berndt. Diese ist aber gerade diese Angeklagte als höchst gefährlich zu be- er den Kriminalschutzmann Naporra kenne, er sofort sagte: Naporra wurden deshalb wegen Beleidigung des Jhring angeklagt und vom zeichnen. Die Angeklagte ist ja allerdings eine Person, bei der ist mein Schwager." In einer in Berlin im Mai v. J. stattSchöffengericht zu Berlin zu je 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. man wohl zu der Annahme gelangen kann, daß Leute mit ihr gehabten Schwurgerichtsverhandlung, in welcher die Angeklagten Die Berufungskammer in Berlin hat auf Freisprechung erkannt, Liebesverhältnisse unterhalten haben. Allein ist es schon strafbar, Merkowski und Felix Wittkowski wegen Meineides angeklagt waren, weil sie die Sache nicht für aufgeklärt hielt. Aus diesem Urtheil daß sie, deren Polizeiaften nichts aufweisen, sich als Decadresse stellte ich die Frage an denselben Zeugen, in welchen Beziehungen folgt doch aber gar nichts. Die Vertheidigung legt Gewicht darauf, hergab und dadurch den Umtrieben, die hier zur Verhandlung er zu Naporra stehe, da antwortete der Zeuge:„ Ich kenne den daß dieselbe Kammer in derselben Zusammensetzung einige Wochen stehen, Vorschub leistete, so ist noch außerdem in Betracht zu ziehen, Naporra von der Heimath her." Ich wußte damals noch nicht, vorher den Tischlergesellen Bobkiewicz wegen Mißhandlung des daß sie in Warschau stets mit revolutionären Elementen verkehrt daß Kruszinski der Schwager des Naporra sei. Allein ich bin der Jhring verurtheilt hat. Dies beweist doch aber auch nichts. Wenn hat, und daß der Verdacht nahe liegt: die Angeklagte habe die Meinung, Pflicht des Naporra, der doch den Eid leistete, wäre es man das Majoritätsverhältniß in Betracht zieht, dann kann man Umtriebe der anderen Angeklagten gekannt, und die Ansicht derselben gewesen, sofort hervorzutreten und zu sagen: Herr Präsident, der zu der Ueberzeugung gelangen: acht Richter haben dem Jhring getheilt. Es ist ja bekannt, daß die Sozialdemokraten bemüht find, Beuge ist mein Schwager." Der Umstand, daß das Naporra nicht Glauben geschenkt und zwei nicht. Ich behaupte: Jhring ist aus auch die Frauenwelt in ihre Bewegung zu ziehen. Zur Charafte- gethan, berechtigt doch, seine Glaubwürdigkeit der ganzen Sache ebenso intakt hervorgegangen, wie er in die ganze rifirung der Angeklagten dürften aber auch die mystischen Briefe einigermaßen in 3weifel zu ziehen. Diese meine Affaire eingetreten ist. Nun, meine Herren, was liegt gegen den dienen, die die Angeklagte mit Janiszewski, Kurowski, Kasprzak Zweifel werden ferner bestätigt durch das Auftreten des Naporra Kriminalschußmann Naporra vor? Diesem war von seiner vor- u. f. w. austauschte. Diese Briefe sind allerdings sämmtlich in in den Kreisen der Sozialdemokraten. Es ist von verschiedenen gesetzten Behörde derselbe Auftrag geworden, wie dem Jhring. Er Form von Liebesbriefen gekleidet; wer aber zu lesen versteht, der führte diesen Auftrag aus, ohne sich einen anderen Namen beizu- sieht doch wohl. daß die Liebenswürdigkeiten, die in den Briefen Legen. Allerdings, er sagte nicht, daß er Polizeibeamter sei, sondern enthalten sind, nur den übrigen Juhalt verdecken sollen. Aus einem daß er die Ansichten der Sozialdemokraten theile. Ja, wie sollte dieser Briefe geht hervor, daß der Angeklagte Kurowski in allen er anders handeln? Er ging gewissermaßen in die Höhle des drei Kaiserreichen, Deutschland, Desterreich und Rußland, agitatorisch Löwen. Sollte er vielleicht sagen: ich bin Polizeibeamter und ver- thätig gewesen ist." achte Eure Bestrebungen? Wenn die Behörde über geheime revo= Tutionäre Umtriebe glaubhafte Kenntniß erhalten will, wie soll sie da wohl anders verfahren? Wenn die Behörde dasselbe thut behufs Ermittelung von Raubmördern, dann hat Niemand etwas dagegen, dann wird ein solches Vorgehen von allen Seiten gebilligt. Daß Naporra, wie behauptet worden, seine Beamtenpflicht verlegt und die Arbeiter gar zu Gewaltthätigkeiten aufgereizt, ist in glaubwürdiger Weise keineswegs bekundet worden. " Zeugen hier bekundet worden, daß Naporra sich an der Verbreitung von verbotenen Flugschriften be= theiligt hat, daß er Leute, die nicht Sozialdemokraten waren, veranlaßt hat, ansozialdemokratischer Agitation theilzunehmen, ja er joll sogar einmal zu einem Putsch aufgefordert haben. Naporra konnte nicht wissen, ob seine Worte nicht auf fruchtbaren Boben fallen werden. Ferner kommt in Betracht, daß fast alle Dinge, die sowohl Naporra als auch Herr Ihring- Mahlow berichteten, nicht eintrafen." Der Staatsanwalt geht nun zu dem Angeklagten Konopinski über, der wegen Verbreitung von Druckschriften beschuldigt wird, verschiedene Klassen der Bevölkerung in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise gegen einander angereizt zu haben. Auch der Der Vertheidiger beleuchtet noch in eingehender Weise die BeAngeklagte Kanopinski habe mit den Sozialisten der verschiedenen hauptungen der Anklage und kommt zu dem Schluß, daß nicht eine Länder in lebhafter Korrespondenz gestanden. Aus einer dieser Spur von geheimer Verbindung vorhanden war.„ Wenn ich darSorrespondenzen geht hervor, daß der Angeklagte die Ausführung nach der Ueberzeugung bin: die Angeklagten sind unschuldig und eines Attentats angeregt habe. daher freizusprechen, so will ich mich dennoch mit wenigen Worten " Ich gehe nun zu dem speziellen Theile der Anklage über. Der Staatsanwalt charakterisirt" im Weiteren die Angeklagten über die Strafzumessung äußern. Es ist doch zu berücksichtigen, Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme sind auf Veranlassung Felig Wittkowski und Janiszewski. Auch bei Wittkowski, daß die meisten der Angeklagten sich noch in sehr jugendlichem der Parteileitung in Paris eine polnisch revolutionäre der Mitglied der Berliner polnisch- revolutionären Gruppe war, Alter befinden und noch niemals vor dem Strafrichter gestanden Gruppe in Berlin und eine ebensolche in Posen ge- wurden verbotene Druckschriften vorgefunden. Janiszewski hat ja haben. Es darf auch nicht außer Acht gelassen werden, daß die bildet worden. Vorsteher bezw. Mitglieder dieser beiden Gruppen schon mehrfach vor Gericht gestanden; er spielt eine hervorragende Angeklagten wegen ihrer politischen Ueberzeugung, die sie waren die gegenwärtigen Angeklagten. Die Beweisaufnahme hat Rolle in der sozialdemokratischen Bewegung. Er war im Bestz für die Allgemeinheit für heilsam halten, auf der Anflagebant ferner ergeben, daß die meisten der Angeklagten Mitglieder des eines Schlüffels zur Chiffrirschrift. Bekanntlich haben einen solchen stehen. Ich wiederhole, die Angeklagten, die nicht Anarchisten find, polizeilich geschlossenen Arbeiter- Bezirksvereins für den Schlüssel nur Eingeweihte. Janiszewski ist bekanntlich mehrfach in der sind lediglich für ihre Ueberzeugung eingetreten. Der Herr StaatsOften Berlin's waren, eines, laut amtlicher Auskunft des Ber- Stadt Posen als sozialdemokratischer Reichstagskandidat auf- anwalt wies auf das Freiberger Urtheil hin. Das Landgericht zu liner Polizeipräsidiums, sozialdemokratischen Vereins. Eine Anzahl getreten. Es ist das eine Handlung, die jedem deutschen Freiberg hat aber nicht angenommen, daß Bebel und Genossen eine dieser Mitglieder gründete einen Disputirklub und später einen Staatsbürger erlaubt ist.(!) Allein anders verhält es geheime Verbindung unterhielten, es nahm nur an, daß dieselben Rauchtklub. Diese Klubs hielten in Hinterzimmern der Restaurations- sich doch, wenn dieses Kandidiren nur geschieht, um für eine Verbindung im Sinne des§ 129 des Strafgesetzbuches unterlokale von Wesenad und Spidermann in Berlin geheime gewisse Ideen Propaganda zu machen. Wenn man ein- halten haben, um den Sozialdemokrat" zu vertreiben. Da die Bersammlungen ab. Mitglieder dieser Klubs waren die meisten wendet, daß ein derartiges Vorgehen auch von anderen Parteien Angeklagten dies Blatt aber nicht vertrieben haben, so können sie. der Angeklagten und ferner die bekannten Christensen und Berndt, geschieht, so gebe ich das zu. Anders verhält es sich aber bei auch nicht Mitglieder der vom Freiberger Landgericht festgestellten die beide in diesen Versammlungen sozial- revolutionäre Vorträge Janiszewski, der sich augenscheinlich gegen Bezahlung als Kandidat Verbindung sein. Ich frage, ist es auf Grund einer jedenfalls sehr hielten. In diesen Versammlungen wurden sozialdemokratische hat aufstellen lassen. Man hat außerdem eine Reihe von Adressen viel umstrittenen Judikatur gerechtfertigt, die Angeklagten gleich auf Themata debattirt, Gelder gesammelt, Druckschriften vertheilt 2c. bei ihm gefunden, die unzweifelhaft zu der Annahme berechtigen, mehrere Jahre in's Gefängniß zu schicken? Die Geldsammlung ist geschehen unter dem Vorgeben, sie sei zur daß auch dieser Angeklagte der Verbindung angehört hat." Unterſtügung für die Frau eines ausgewiesenen Sozialdemokraten Guttmeyer bestimmt. Eine Abrechnung hierüber ist jedoch nicht vorgefunden worden, obwohl die Unterstützung der Frau eines Ausgewiesenen doch durchaus erlaubt ist. Ich behaupte: Frau Guttmeyer diente blos als Deckmantel, die gesammelten Gelder, die sich nach vielen Tausenden von Mark beliefen, wurden für sozialistische Zwecke verwendet. In einer Versammlung wurde über die zu fünftige Revolution in Berlin debattirt. Bei dieser Gelegen= Der Staatsanwalt beantragt gegen Slawinski 3 Jahre 10 Moheit hat der Angeklagte Popieszny ein vollständiges Bild eines nate, gegen Felix Wittkowski und Johann Konopinski je 3 Jahre, Barrikadenbaues auf dem Alexanderplaz in Berlin gezeichnet, von der Auflösung des Reichstages und dem Tode des Kaisers ge- gegen Kurowski, Janiszewski, Merkowski und Morawski je 2 Jahre, sprochen. Popieszny hat allerdings dies alles bestritten; er fagt, gegen Deregowski, Prizellius, Grochowski, Groszinski und gegen er wünsche dem Staiser ein noch recht langes Leben, es sei ihm die Zielonawska je 9 Monate, gegen Porankiewicz, Kostrzewa, nicht eingefallen, eine derartige Aeußerung zu thun, denn er ſei Ludwig Konopinski, Pospieszny und Joseph Wittkowski je. 6 Monate Patriot. Das ist lediglich Heuchelei. Später wurde vorgeschlagen, einen Rauch flub Bulkan" zn gründen. Die Rauchflubs find Gefängniß. seit einiger Zeit in Berlin geradezu typisch geworden. Unter dem Deckmantel des harmlosen Rauchklubs wurden die vevolutionärsten Dinge getrieben. Ich komme zu dem Angeklagten Grochowski, dessen Schlafwirth hier als Zeuge aufgetreten ist, der frank und frei den Eid geleistet und uns dann erklärt hat: er glaube gar nicht an Gott. Der Atheismus scheint überhaupt zu den Eigenthümlichkeiten der Sozialdemokraten zu gehören. Grochowski hat sich im Besitz einer Chiffrirschrift befunden. Seine bei ihm vorgefundenen Korrespondenzen sprechen zweifellos für seine Mitgliedschaft." * Mittwoch gegen 94 Uhr Vormittags eröffnet der Präsident, Landgerichts- Direttor Hansleutner, wiederum die Sizung und ertheilt sogleich das Wort dem " * Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. v. Dziembowski( Posen): " Ich vermisse jeden Nachweis, daß die Angeklagten eine ge= heime Verbindung unterhalten baben. Das Volk versteht unter geheimer Verbindung etwas, was den Behörden gegenüber vollständig geheim gehalten bleiben soll. Allein die Gesellschaft, die in einem öffentlichen Lokale zusammenkommt, zu deren Zusammenkünften Jedermann Zutritt hat, kann niemals als eine geheime Verbindung angesehen werden. Daß hier in Posen, wo nach eigenem Zugedemokratische Bestrebungen vorhanden ist, wo es vorgekommen ist, ständniß des Herrn Staatsanwalts absolut kein Boden für sozialdaß Leute aus dem Volke die Vertheilung von fozialdemokratischen Flugschriften der Polizei augezeigt haben; ich behaupte, daß hier in Posen eine geheime sozialdemokratische Verbindung bestanden hat, it geradezu undenkbar. Auch geschah die Bertheilung des„ Przedswit" durchaus nicht in geheimnißvoller Weise, sondern auf öffentlichen Spaziergängen, vor der Piuskapelle u. s. w. Die Freiberger Richter haben selbst einem Bebel gegenüber, der doch Vorsitzender des Wydener und Kopenhagener Kongresses war, nicht für erwiesen erachtet, daß er zu den Vorstehern der Verbindung gehört hat. Ich frage: welcher Beweis ist in dieser Beziehung den gegenwärtigen Angeklagten gegenüber geführt worden? Ich spreche es offen aus: Nachdem sowohl das Urtheil in Freiberg gegen die Häupter der Partei nur auf sechs und neun Monate bemessen worden ist, würde es geradezu Aufsehen erregen, wenn das Urtheil dieses Gerichtshofes ein so scharfes wäre." * Vereine und Versammlungen. Mit Genugthuung kann ich hervorheben, die gegenwärtige Untersuchung hat einen ganz seltenen Erfolg gehabt. Es ist ge= Bertheidiger Rechtsanwalt Dr. Flatan( Berlin): lungen, die gesammten polnisch- revolutionären Ümtriebe in Berlin Seit dem bekannten Urtheil des Reichsgerichts über den aufzudecken nnd auch die betheiligten Personen festzunehmen. Begriff Verbindung" kann es Niemanden mehr Wunder " Ich komme nunmehr zu dem Hauptangeklagten Sla- nehmen, daß die Zahl der Angeklagten wegen geheimer Verbindung winski. Dieser kam im November 1886 von Paris nach Berlin immer größer wird. Der Herr Staatsanwalt hat gestern auf ein und brachte zwei wohlgefüllte große Stoffer, verbotene Drucksachen neues Präjudiz hingewiesen. Der Herr Staatsanwalt sagte: Es enthaltend, mit. Die Koffer waren mit allen möglichen verbotenen ist gar nicht nothwendig, daß Jemand Mitglied einer geheimen Die Urtheilsverkündigung wird nächsten Montag, sozialdemokratischen Druckschriften gefüllt. Die Druckschriften des Verbindung ist, eine Verlegung der§§ 128 und 129 des Straf- den 30. d. M., erfolgen. einen Koffers wurden in Berlin vertheilt, während der zweite Stoffer gesetzbuches ist bereits vorhanden, wenn Jemand den Bestrebungen von Slawinski nach Posen mitgenommen wurde. Die Angeklagten einer geheimen Verbindung Vorschub leistet. Wenn diese Felix Wittkowski und Merkowski trugen den zweiten Koffer zur Auffassung zum Rechtsgrundsatz wird, dann dürfen wir Juristen Bahn, während Slawinski in einiger Entfernung hinterdrein ging. uns nicht wundern, wenn nächstens die Zahl der Angeklagten Bei Felix Wittkowski wurde eine Sammelliste, die unter den polni- wegen geheimer Verbindungen nach vielen Hunderten, ja nach Durch polizeiliche Auflösung endete am 18. dieses schen Arbeitern in Berlin kursirt hat, gefunden, die die Unter- Tausenden zählt. Auf Grund dieses Rechtsgrundsages ist man in Monats die Versammlung des Verbandes deutscher stützung der sozialdemokratischen Wahlagitation in Berlin bezweckte. der Lage, Jeden, der einem sezialdemokratischen Kandidaten seine 3immerleute, Lokal- Verband Berlin Nord und Umgegend. Dieser Umstand ist ebenfalls ein beredtes Zeugniß von dem innigen Stimme giebt, nach den§§ 128 und 129 des Strafgesetzbuches Tagesordnung war: 1. die Unfallversicherung, Referent M. Pankow. geistigen Zusammenhange der polnischen und deutschen Sozialdemo- anzuflagen. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten. Weil der Referent nicht erscheinen fratie. Hier in Posen wurden in verschiedenen Lokalen Druckschriften Der Herr Staatsanwalt hat das Urtheil des Königl. Land- konnte, wurde auf Punkt 1 verzichtet. Unter" Verschiedenes" wurde vertheilt 2c. Eines Tages fam Slawinski zu dem Zigarrenhändler gerichts I.( in Sachen Ihring- Mahlow) angegriffen, obwohl von mehreren Kameraden die Alters- und Invalidenversorgung in Bojerski hierselbst und fragte, ob nicht Briefe an ihn angekommen er der Beweis aufnahme der betreffenden Verhandlung nicht bei- die Debatte gezogen, worauf Kamerad H. Lehmann das Wort feien. Er gab sich als Sattler Jettmann aus, Bojersky erkannte gewohnt hat. Allerdings handelt es sich hier um die Intaktheit erhielt. Redner verlas mehrere Artikel über das projektirte Gesek. jedoch, daß er es nicht mit einem Sattler zu thun habe, sondern des Herrn Ihring- Mahlow. Dem Herrn Staatsanwalt scheint es Was es den Arbeitern biete, und was von der Regierung als mit einem Manne, der den besseren Klassen angehöre; er ließ den nur unbekannt zu sein, daß die Strafkammer in Berlin deshalb Sorge für den Arbeiter ausgegeben wird, das werde auf der an= Mann deshalb festnehmen. Nach einigem Leugnen gestand der Ver- gegen Christensen und Berndt ein freisprechendes Urtheil gefällt deren Seite den Arbeitern wieder doppelt genommen, besonders haftete, daß er Slawinski heiße, aus Genf komme und Student der hat, weil sie den Herrn Kriminalschuhmann Ihring nicht für durch die Zölle und indirekten Steuern. Redner führte weiter aus, Naturwissenschaften sei. Der Staatsanwalt in Warschau hat be- glaubwürdig hielt. daß jeder Arbeiter ein Quittungsbuch über seine Versicherung er= richtet, daß Bonislaw Slawinski, Student der Naturwissenschaften,„ Die Anklage ist mit einem ungeheuren Aufwande zusammen- halten solle, welches dem Arbeitgeber eingehändigt werden muß, im Jahre 1884 an einer nihilistischen Verschwörung gestellt, und was hat der große Aufwand zu Tage gefördert? Da welches auch mit seiner Unterschrift bei Entlassung quittirt wird, in Warschau theilgenommen und nachdem der Friedens- find zunächst Protokolle über alle möglichen Kongresse verlesen wo dann dem Arbeitgeber die beste Gelegenheit geboten wird, seine richter Bardowski gehängt worden, sich an der Begründung der worden, denen keiner der Angeklagten beigewohnt, von deren Ver- Arbeiter zu kontrolliren, wo und wie lange er in Arbeit gestanden revolutionären Partei" Proletariat" betheiligt habe. Als zu seiner handlungen die Angeklagten jedenfalls erst hier Stenntniß erhalten hat. Es sei der Gefeßgebung wohl am meisten darum zu thun, und seiner Freunde Verhaftung geschritten werden sollte, wurden haben. Ich nehme an, die Lektüre sollte lediglich den Nachweis folch ein Kontrollbuch für die Arbeiter einzuführen. Hiergegen mehrere Schüsse auf die Polizeibeamten, die die Verhaftungen vor- führen, daß zwischen den Sozialdemokraten und Anarchisten ein müffe entschieden jeder Arbeiter protestiren. Hierauf erhielt nehmen wollten, abgegeben. Mehrere Polizeibeamte erlitten schwere bloß taktischer Unterschied beſtehe. Wer einen Blick in die anarchistischen Kamerad A. Hinge das Wort. Redrer führte an, man müſſe Verwundungen; in der dadurch entstandenen Verwirrung gelang es Blätter wirft, der muß doch sagen, daß nicht bloß ein tattischer, helfen, wenn es noch Zeit wäre, wenn der Mensch noch gesund ist, dem Slawinski, zu entkommen. Dieser sucht dies Vorkommniß sondern ein vollständig prinzipieller Unterschied zwischen den und nicht erst, wenn man alt und schwach ist. Dann braucht man allerdings ganz anders darzustellen, allein in dem eigenem Partei- Sozialdemokraten und Anarchisten vorhanden ist. bie ganze Alters- und Invalidenversicherung gar nicht. Aber nichts Organ, dem„ Wallfa Clas", wurde mitgetheilt: es sei dem Slawinski," Was haben die Berliner Angeklagten gethan? Sie sind in von dem Nothwendigen wird gethan, an einen geregelten Arbeitstag nachdem er einen Bolizeibeamten von hinten niedergeschlagen, ge- verschiedenen Restaurationslokalen zusammengekommen, weil sie ein denkt man nicht. Heutzutage ist der Arbeiter gezwungen, bis in die Lungen, zu entkommen und nach Genf zu flüchten. Aus einem und dieselbe Sprache sprechen, und haben sich beim Glase Bier über Nacht hinein zu arbeiten, um seine Familie nothdürftig zu ernähren, Aufruf in der„ Freiheit" geht hervor, daß Slawinski zu den Vor- Politik unterhalten. Ich glaube, dergleichen kommt faſt an jedem wenu man noch immer Arbeit hat. Sonst bleibt dem Arbeiter stehern der Partei„ Proletariat" gehört habe. Die Vermögenslage Biertisch vor. Nun haben aber die Angeklagten das Verbrechen nichts anderes als sich blos zu grämen und abzuhärmen, und man des Slawinski war außerdem eine solch traurige, daß es nicht begangen, daß sie in Hinterzimmern der Restaurationslokale zu- ist Verfolgungen der größten Art ausgesetzt. Darob erhob sich der glaubhaft erscheint, er habe die Reise von Genf nach Berlin und ſammen tamen, und da fie in einem Hinterzimmer zuſammen kamen, überwachende Beamte und löste die Versammlung auf.(§ 9 des yon dort hierher zc. aus eigenen Mitteln unternommen. Man geht so unterhielten sie erst recht eine geheime Verbindung. Allein die Sozialistengesetzes.) gewiß nicht fehl, wenn man annimmt: Slawinski ist im Auf- Angeklagten veranstalteten auch Geldsammlungen, zu dem Zweck, Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23.