Nr. 229. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis pränum.: Bierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg., Sonntags Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband für Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen = in der Post Zeitungs Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. Vorwärts 13. Jahrg. 1 Infertions Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bts 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, nr. 1508. Telegramm Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Abonnements- Einladung. Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues AbonneMit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement auf den „ Vorwärts" mit der illustrirten Sonntags- Beilage " ,, Die Neue Welt". Auf die Bedeutung der Presse brauchen wir unsere Leser nicht aufmerksam zu machen. Sie wissen, daß die Presse die wirksamste, die mächtigste Waffe unserer Partei ist. Und der Vorwärts", das Zentralorgan der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands und zugleich das Organ der Berliner Arbeiterschaft ist im vollsten Sinne des Wortes ein Kampforgan, das gegen alle übrigen Parteien die heilige Sache des Proletariats zu verfechten, für die Partei des arbeitenden Boltes immer neues Terrain zu erobern hat. Aber nicht blos Rampforgan ist der Vorwärts"; er hat auch die Aufgabe und erfüllt sie nach besten Kräften zu belehren, und die Erkenntniß der sozialdemokratischen Grundsätze in immer weitere Kreise zu tragen. Je mehr Leser wir haben, desto größer unser Wirkungsfreis, desto besser die Ernte für die Partei. Es ist daher die Pflicht eines jeden Parteigenossen, für die Weiterverbreitung des Zentralorgans der Partei nach Kräften thätig zu sein. Es ist dies um so nothwendiger, je kritischer die Zeiten find, je inhaltschwerere Ereignisse uns bevorstehen, je wilder das Ringen zwischen den Ausbeutern und den Ausgebeuteten, zwischen den Unterdrückern und den Befreiern wird. Mittwoch, den 30. September 1896. " Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3: Ueber dem politischen und wirthschaftlichen| wanderung wünscht und zu befördern sucht, weil Theil werden aber die lokalen Vorkommnisse Berlins sie den Großgrundbesitzern als Ersaz für die durch feineswegs vernachlässigt. Die Besprechungen unserer fombie Aufbebung der Sklaverei verlorenen Armuna len Angelegenheiten sowie die ausführlichen beitsträfte dienen soll, wo man aber andererseits bereits Berichte über die Verhandlungen der Stadtverordneten- italienischen Einwanderer hegt, gegen die sich eine fremdenfeind politische Befürchtungen wegen der wachsenden Zahl der Versammlung bringen den Leser in die Lage, die liche Partei gebildet hat. Die Pflanzer- und Nativiſtenpartei Erscheinungen auf diesem wichtigen Gebiet des öffent fann bei ihrem Bestreben, die Italiener wirthschaftlich aus lichen Lebens genau zu verfolgeu. Der lokale Theil zunuzen und politisch niederzuhalten, stets auf die Zentral des Vorwärts" verzeichnet, alle Begebenheiten des Tages regierung der brasilianischen Republik rechnen. Andererseits ist die italienische Regierung bisher völlig außer und giebt ein getreues Bild des Vereins- und Ver= sammlungslebens, welches in Berlin besonders starke stande gewesen, ihren nach Amerika ausgewanderten Stammesangehörigen irgend einen politischen oder moralischen Rückhalt Wellen schlägt. Ebenso widmen wir dem Feuilleton die größte Auf- zu gewähren. Während die vom italienischen Staate an der Küste des Rothen Meeres gegründete Staatskolonie merksamkeit. Erythräa thatsächlich troy aller bezüglichen Versuche teinen Nach Beendigung des klassischen Romans Rienzi werden einzigen italienischen Kolonisten, sondern nur wir aus der Feder von E. Bosquet einen Roman Soldaten und Beamte aufweist( Ganz wie bei Arbeiterinnenloos" bringen, der in meisterhafter Schilde- uns. Red. d. V.), die dort nichts zu beschützen haben, rung ein packendes und in seiner Art typisches Bild von der ist der italienische Staat in denjenigen Ländern, nach Lage der französischen Arbeiterin giebt." denen die Italiener zu vielen hunderttausenden über geftedelt sind, und wo ihre Beschützung nothwendig wäre, völlig ohne Macht. Auch das, was man zu dem Schuße dieser Auswanderer hätte thun können, d. h. die Ueberwachung der Auswanderung durch die Behörden und die italienischen Rousuln jenseits des Meeres, ist bisher fahrlässigerweise verabsäumt worden. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. ments zum Preise von Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne3,30 M. für die Monate Oktober, November, Dezember entgegen.( Eingetragen in der Post- Beitungsliste für 1896 unter Nummer 7277.) Redaktion und Expedition des Vorwärts". Die Biele Die neuesten Vorkommnisse in Brasilien haben wenigstens dazu geführt, daß die italienische Regierung die Auswanderung dorthin vorläufig verboten hat. Man sollte sich ja nicht beeilen, dieses Verbot aufzuheben, wenn etwa Brasilien fo genannte Genugthuung" für die letzten Vorfälle giebt. Aus der Mitte der in Brasilien lebenden Italiener ist sogar der Vor ichlag hervorgegangen, die italienische Regierung möge ihren Landsleuten in Brafilien, die fich auf etwa Million belaufen, dazu behilflich fein, Brasilien völlig zu verlassen und sich andere Wohnsitze zu suchen; man hat das start entvölkerte Paraguay als geeignetes Kolonieland bezeichnet. Zur Durchführung einer so durch eine Da muß Jeder wissen, wie die Dinge verlaufen, wie die Schlacht steht. Die nächsten Tage bringen uns den der italienischen Auswanderung. greifenden Maßregel fehlt es der italienischen Regierung nicht Parteitag der Sozialdemokratie, über den der Vorwärts" die ausführlichsten Berichte bringt. Den 10. November tritt der Reichstag zu einer arbeitsreichen und entscheidungsvollen Session zusammen deren Verhandlungen von höchstem Interesse für alle Staatsbürger, vor allen aber für das arbeitende Bolt ist. Rom, 27. September. nur an Energie, sondern auch an Geld. Aber man sollte, um eine Konzentration des italienischen Elementes in Brasilien herbeiDie Auswanderung aus Italien ist in stetiger und rascher zuführen, das Auswanderungsverbot nur für die südlichsten, dem Bunahme begriffen, und gegenwärtig, wo die Zahl der Ausgemäßigten Klima angehörigen Provinzen Brasiliens wieder auf wanderer auf 200 000 bis 300 000 Personen jährlich angewachsen heben, für die tropischen Provinzen aber für immer dieses Verbot ist, ist, ist Italien in Europa dasjenige Land, welches im Verhältniß aufrecht erhalten. Man müßte ferner mit allen Mitteln die Dazu kommen die Wirren der orientalischen Frage, liefert. zu seiner Bevölkerung das stärkste Kontingent der Auswanderung Separationsgelüfte, welche in jenen südlichen Provinzen welche die Unfähigkeit der heutigen Diplomatie klassisch Italiener nehmen Gleichzeitig mit der Masse auswandernden Brasiliens seit langer Zeit vorhanden sind, zu begünstigen aber die Mißhelligkeiten darthut und Europa mit einem furchtbaren Kriege bedroht, diese italienischen Auswanderer zu, denen suchen, also die Losreißung jener Provinzen von Brasilien und im Auslande begegnen. ihren Anschluß an die südlich angrenzende, ein starkes italienisches verglichen mit dem der deutsch- französische Krieg ein Kinder- Dies gilt nicht nur von denjenigen, welche blos für die Dauer Bevölkerungselement aufweisende Republik Uruguay vorspiel war. des Sommers oder doch nur für kurze Zeit nach den an Italien bereiten. Damit würden die Italiener in ihren hauptsächlichsten Da gilt es, auf dem Laufenden zu sein, damit das angrenzenden Ländern, Frankreich, der Schweiz, Desterreich, Ansiedelungsbezirken den Bedrückungen der brasilischen Regierung arbeitende Bolt, dessen Haut in erster Linie zu Markt ge vielmehr in erhöhtem Maße von denjenigen Italienern, welche italienischen Befiedelungslande am La Plata politisch in Zu auswandern, um dann in ihre Heimath zurückzukehren. Es gilt und der Pflanzerpartei entzogen und mit dem großen tragen wird, von den Katastrophen, denen Kurzsichtigkeit ihr Heimathsland für immer verlassen, um nach überfeeischen fammenhang gebracht werden. Aber auch zu einer solchen und verbrecherische Thorheit uns zutreibt, nicht überrascht, Ländern überzusiedeln. sondern in den Stand gesetzt wird, in den Gang der Dinge Einwanderer jeder Insbesondere find die italienischen Politit, die ohne allzu große Geldopfer durchzuführen wäre, Art von Unbia in Brasilien dürfte in den italienischen Regierungstreifen die nöthige Schnellselbstthätig einzugreifen. ausgesetzt, 100 man einerseits die europäische Ein- fraft fehlen. 84] Rienzt. Der letzte der römischen Volkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. „ Wir nehmen Euer Anerbieten an," sagte die Signora Frangipani, die durch das edle Benehmen des Tribunen gerührt worden war. Sie ließ sich jetzt auf ein Knie nieder, nahm das Schnupftuch auf und sagte, indem sie es ehrerbietig der Nina überreichte:„ Signora, verzeiht mir. Ich allein achte Euch mehr, wenn Ihr in Gefahr, als wenn Ihr stolz seid." " welcher Platz start befestigt war. Sie wurden aufgefordert, sofort nach Rom zurückzukehren. " einer von Roms wahren Söhnen." " Gott segne Dich, mein Kind, Du hast gesprochen, wie " Der Tribun trat jetzt in das Ankleidezimmer, wo seine Pagen und Diener ihn mit der Rüftung erwarteten. Ich An dem Tage, an dem Rienzi die übermüthige Weigerung höre durch unsere Spione," sagte er, daß sie noch vor der Insurgenten berichtet wurde, kamen Flüchtlinge aus Mittag, viertausend Mann zu Fuß und siebenhundert Reiter allen Theilen der Campagna. Abgebrannte Häuser, ge- stark, vor den Thoren erscheinen werden, wir wollen ihnen plünderte Klöfter, Raub und Mord waren Beweise, daß die einen tüchtigen Willkomm geben! Wie, Angelo Villani, Patrizier den Krieg nach ihrer alten Art führten und regten mein hübscher Page, was hast Du hier zu thun? die Römer zum Widerstand auf, indem sie hieraus ent-" Ich möchte gerne zusehen, wie ein Vertheidiger Roms nehmen konnten, was sie selbst zu erwarten hatten. Die bewaffnet wird," antwortete der Knabe. nach dem Plate vor dem Kapitol. Rinaldo Orsini hatte meisten Bürger eilten an dem Abend dieses Tages freiwillig Und ich", erwiderte Nina, indem sie sich vertrauens: Thurm in Brand gesteckt, so daß das Feuer aus der lauben will, mit der Wache nach dem Thore zu gehen, um in der Nähe Roms ein Kastell eingenommen und einen Und die Signora hat mir zugesagt, daß sie mir ervoll an Rienzi's Arm lehnte, ich erwidere Euch, daß, je Stadt zu sehen war. Die Bewohnerin des Thurmes, eine die Neuigkeiten zu vernehmen" mehr Gefahr, desto größer der edle Stolz sein muß." alte Wittwe von edlem Geschlecht, ward ein Opfer der Während dieses ganzen Tages und in der Nacht er„ Und den Sieg zu verkünden! Du sollst es! Aber sie tönte die große Gloce des Kapitols. Beim Anbruch des Flammen. Jetzt erhob sich das wilde Geschrei, alles gerieth dürfen Dich nicht in die Bogenschußweite kommen lassen. folgenden Tages hatten sich jedoch nur wenige Bewaffnete in Wuth und Aufregung. Die Stunde des Handelns war was, mein Pandulfo, auch Du gerüstet?" eingefunden; das Bolt war beängstigt worden durch die gekommen. Flucht der Barone, und Viele machten Rienzi laute und bittere Vorwürfe, daß er durch seine Nachsicht es so weit hatte tommen lassen. An diesem Tage dauerte die Aufregung fort, die Unzufriedenen blieben meist in ihren Häusern oder versammelten sich heimlich. Der nächste Tag brach an, es zeigte sich dieselbe Kälte und Gleichgiltigkeit. Der Tribun rief seinen Rath zusammen. Sollen wir," sagte er, mit den wenigen, die der römischen Fahne folgen wollen, ausrücken?" " Drittes Rapitel. Die Schlacht. " Rom bedarf eines jeden Mannes," sagte der Bürger, deffen schwache Nerven durch die allgemeine Begeisterung sich gestählt fühlten. " Ich habe einen Traum gehabt," sagte Rienzi, als er Allerdings, und ich bin wieder stolz darauf, ein Römer von seinem Bette sprang. Der kühne Bonifacius, der Feind zu sein. Nun gebt mir das Dalmaticum*). Jeder Feind und das Opfer der Colonna ist mir erschienen und hat mir foll den Rienzi gleich erkennen können, und da ich den Sieg versprochen. Nina, halte den Lorbeerkranz bereit. an der Spitze des selbstherrlichen Volkes kämpfe, so habe Heute werden wir siegen." ich ein Recht, des obersten Herrschers Gewand zu tragen. Sind die Mönche schon angefomnien? Vor unserm Marsch nach den Thoren soll eine feierliche Hymne gesungen werden, so war es auch der Gebrauch unserer Bäter." Rienzi! heute?" " Ja, horche auf die Glocke, horche auf die Trompete! " Nein," erwiderte Bandulfo, der von Natur ängstlich, Ja, ich höre schon das ungeduldige Stampfen meines doch mit der Stimmung des Volkes sehr gut bekannt und weißen Streitrosses. Jezt noch einen Kuß, ehe ich mich bedessen Nath daher von Gewicht war.. Meiner Meinung waffne zum Siege. Tröste die arme Frene, ich will nicht nach ist es besser, wenn wir uns noch ruhig verhalten. Abschied von ihr nehmen, sie weint darüber, daß meine Laßt uns warten, bis die Rebellen selbst irgend eine ge- Feinde mit ihrem Verlobten verwandt sind; ich kann ihre hässige Gewaltthätigkeit begehen, und dann wird der Haß Thränen nicht ertragen. Heute darf mein Geist sich keiner die Zögernden vereinen und die Rache sie vorwärts treiben." Schwäche hingeben. Verrätherische Schurken! nie zu Diese Ansicht behielt das Uebergewicht, der Erfolg be- zähmende Wölfe! werde ich endlich, Schwert gegen Schwert wies, wie richtig sie war. Um die Verzögerung zu recht- euch gegenüber treten? Fort, süße Nina, zu Frenen. Adrian fertigen, wurden Boten nach Marino geschickt, wohin der ist in Neapel, und wäre er auch in Rom, ihr Geliebter ist größere Theil der Barone sich zurückgezogen hatte, und luns heilig, wenn auch ein Colonna." Tribun, Johann di Vico ist mit hundert Reitern an gekommen, um den guten Staat zu unterstützen." " Wirklich? Dann hat uns der Himmel von einem Feinde befreit und unsern Gefängnissen einen Verräther übergeben. Bringe mir den Helm, Angelo- so- hört, Bandulfo, leset diesen Brief." ( Fortsetzung folgt.) *) Ein weißer, von Rienzi getragener Mantel, eigentlich aber das Sinnbild der Herrschaft. Die UMdkMs*Mahlelr (als durchaus achtlMgZwerth bekannt. Jedenfalls haben feiner Amts Überschreitung, über deren Verlauf selbst mir näheres nicht bekannt ist und zu der er sich in übertriebenem Pflichteifer hat hinreißen ----— s-n—fc-----—---- � lassen, keinerlei unlauter- Motive zu gründe gelegen. Ist doch die Stellung eines Polizcibeamten solchen Vagabunden gegenüber, die ich in meiner� früheren Stellung als Gefängniß In den ersten Tagen der vorigen Woche haben in diesem kleinen Bundesstaat die Wahlmänner-Wahlen stattgefunden. Die Wahl hat dieses Mal ein größeres Interesse nicht blos für das vldenburgische Volk, sondern auch für weitere Kreise außerhalb Oldenburgs wachgerufen. Einmal, weil bei diesen Wahlen schon sich zeigen mußte, ob die Wähler hinter der Majorität letzten Landtags stehen, die zwei Ministern ein Mißtrauensvotum ertheilt hat, worin die Krone einen Eingriff in ihre Rechte er blickte, und zweitens weil die sozialdemokratische Partei sich zum ersten Mal ernstlich an der Wahl belheiligte. Im Jahre 1893 hatten zwar im fünften Wahlkreis, den der Nmtsbezirk Jever bildet, die Genoffen in den an der preußischen Grenze bei Wilhelmshaven liegenden, zu diesem Wahlkreis ge hörenden Gemeinde» Bant, Heppens, Neuende und Schortens ganz im stillen und fast ohne jede Agitation sich an der Wahl betheiligt und den Kreis beinahe gewonnen. An der Majorität der oesammten Wahlmänner fehlten nur drei Stimmen. Bei der Wahl der vier Abgeordneten, die der Kreis zu wählen hat, hielten jedoch die Wahlmänner der gegnerischen Parteien so fest zusammen, daß kein Wahlmann zu gewinnen war und die sozial- demokratischen Wahlmänner mit zwei Stimmen in der Minorität blieben. Dieser Erfolg war nur möglich, weil die Wahlbeiheiligung bislang und besonders auf dem Lande eine über alle Begriffe geringe war, obschon das Wahlsystem kein so ungünstiges ist. Das Wahlrecht ist ein allgemeines und gleiches mit derBeschränkuug daß nur Oldenburger, soweit sie nicht Knechte und Handwerks gesellen, die beim Arbeitgeber Kost und Wohnung haben, sind, wählen können. Ferner ist die Wahl der Abgeordneten eine indirekte Für diese Wahl beschloß nun die sozialdenwkratische Partei au , einer Konferenz, die in Oldenburg im Juli stattfand, überall da pvo ans Erfolge zu rechnen sei, in die Wahlbewegung eiuzu treien Es sind dies drei Wahlkreise und zwar: der erste Kreis Stadt und Amtsbezirk Oldenburg, der zweite Stadt und Amtsbezirk Delmenhorst und der fünfte Stadt und Amts bezi.rk Jever. Es wurde nun eine rege Agitation entfaltet, die ihre Früchte getragen hat. Im fünften Wahlkreise wäre zwar eine lreberrumpelung möglich gewesen, doch verzichteten die Genossen daraus.. Nicht nur. daß anzunehmen war, die Gegner würden diesmal rühriger sein und sich möglichst zahlreich nach der Wahlurne bcqiicnien sondern sie wollten sich nicht durch Scheinerfolge blenden. Auch lag unS daran, zu erfahren, wieviel Wähler die Gegner der Sozialdemokratie auf die Beine zu bringen vermochten, wenn die Gefahr so nahe war wie hier, einen Wahlkreis an die Sozial demokraten zu verlieren. Das Resultat der Wahlmänner-Wahlen für die Sozialdemokratie ist denn nun folgendes: Im ersten Wahlkreis Oldenburg wurden keine sozialdemokratischen Wahlmänner gewählt; im zweiten Wahlkreis D e l m e n h o r st 3 im fünften Wahlkreis Jever 3b; im achten Wahlkreis Fürsten thnm Lübeck 11 Wahlmänner. Zum besseren Verständniß sei hier bemerkt, daß das Großherzogthum Oldenburg aus folgenden drei Landestheilen besteht: dem Herzogthum Oldenburg, dem Fürstenthum Lübeck in Schleswig-Holstein und dem Fürsteuthum Birkenfeld am Fuße des Hundsrück und im Nahethal gelegen mit den durch feine Achatschleifereien berühmten Städte» Idar und Oberstein. Die beiden Fürstcnthümer bilden je einen Wahlbezirk. Das Resultat erscheint auf den ersten Blick recht unbedeutend. Es gewinnt jedoch an Bedeutung, wenn man das Stimme» verhätniß da, wo die Partei im Jahre 1893 sich schon einmal an der Wahl betheiligt hat, jetzt und damals betrachtet und nicht vergißt, daß in zwei Kreisen die Partei sich überhaupt noch nicht betheiligt hat. In den drei Wahlbezirken des ersten Kreises Oldenburg, in denen sozialdemokratische Wahlmänncr aufgestellt worden sind, fielen auf diese 114 Stimmen, aus die Kandidaten der Gegner 1991. Hier wurde unsererseits zum ersten Mal an der Wahl lheilgenommen. Die Wahlzeit war äußerst ungünstig von 10'/, bis I2'> Uhr. Im zweiten Kreise Delmenhorst, wo seitens der Sozialdemokratie auch zum ersten Male gewählt wurde, war der Erfolg größer. In der Stadt Delmenhorst unterlagen die sozialdemokratischen Kandidaten mit 204 gegen 211 Stimmen. Die Gemeinde Altenesch, bekannt durch die Schlacht bei Altenesch am 27. Mai 1234, in welcher die Freiheit der Stedinger Friesen begraben wurde, wählte mit 43 gegen 33 Stimmen 3 sozialdemokratische Wahlmänner. In dem alten Kirchdorfe Ganderkesee erhielt die sozialdemo kratische Liste 28 Stimmen gegen 77 gegnerische. Am heftigsten wurde im fünften Wahlkreise Jever gekämpft. Wie richtig vermuthet, waren die Gegner der Sozialdemokratie diesmal am Platze, um das schreckliche zu verhindern, daß vier Sozialdemokraten in den Landtag einziehen. Es wurden Stimmen abgegeben: In der Gemeinde Bant 331 sozialdemokratische gegen 168, welche auf die Liste der vereinigten Gegner fiele» Im Jahre 1893 fielen auf die sozialdemokratische Liste 138, auf die der Gegner 4S Stimmen. In der Gemeinde Heppens fielen 166 sozialdemokratische Stimmen und 81 gegnerische, 1893 war das Verhältniß ähnlich, nur haben die sozialdemokratischen Stimmen sich verdoppelt. In der Gemeinde N e u e n d e siegten die Gegner mit 97 Stimmen; für die sozialdemokratische Liste wurden 62 Stimmen abgegeben(1893 31). Schortens brachte 45 Stimmen(1893 13); Jever, die Stadt der Bismarck Getreuen, 28 Stimmen(1893 keine). Sande 11 Stimmen(1693 keine). Fedderwarden 19 Stimmen(1883 keine). In den vier letztgenannten Orten erhielten die Gegner 70, 138, 67 und 42 Stimmen. Ihre Agitation war eine intensive und doch konnten sie nicht mehr Wähler an die Urne bringen. Im achten Wahlkreise Fürstenthum Lübeck wurden in zwei Gemeinden, Stockelsdorf und Rensefeld, die 11 Wahlmänner gewählt. Die Wahl der Abgeordneten findet im Laufe des nächsten Monats stall. DieAussicht,einenSozialdemokraten gewählt zu sehen, ist gering. Von den 86 Wahlmännern des fünften Wahlkreises sind zwar 35 Sozialdemokraten, doch ist nur dann auf die Wahl von Sozialdemokraten zu rechnen, wenn die Gegner über die Kandidaten nicht einig werden, was kaum anzunehmen ist. Hat die Wahl auch keinen Vertreter ins Parlament gebracht, so geht es doch vorwärts und ist die Lage geklärt,„ein Hüben nur giebt es und ein Drüben". polikische Xleberfichk. Berlin, 29. September. Der Schutzmann Lorenz. Die Richtigkeit der Nach richt des„Naugarder Kreisbl." von der Begnadigung des zu einem Jahre Zuchthaus vernrtheilten Polizcisergeanten Lorenz wird amtlich bestritten. Wie der„N. Stett. Ztg." von der Staatsanwaltschaft mitgetheilt wird, liegt ein Gnadenerlaß zur Zeit noch nicht vor. Es sei nur die S t r a f v o l l st r e ck u n g bis zur Entscheidung des an den Kaiser eingereichten Gnadengesuches ausgesetzt worden. Demnach ist also von den Behörden jedenfalls ein Gnadengesuch bei dem Kaiser befürwortet worden und die Behörden erwarten, daß ihr Gesuch Erfolg haben wird. An unserm Artikel über die Sache kann diese Richtigstellung nichts ändern. Denn für uns ist es entschieden falsch, daß die zuständige Behörde überhaupt die Begnadigung eines wegen Erpressung von Geständniffen unter erschwerenden Um- ständen verurtheilten Beamten für rathsam hält. Zur Entschuldigung des Lorenz hat der P f a r r e r in Horst in Pommern folgendes Schreiben an die agrarische„Deutsche Tageszeitung" losgelassen: „Der je. Lorenz, Polizeisergeant in All-Damm, ist der Sohn eines hochachtbaren Lehrers meiner Gemeinde und mir persönlich menier... W.. Prediger vielfältig beobachtet habe, wahrlich keine leichte, so daß sich ein Beamter wohl einmal zum Zorn hinreißen lasten kann. — Das strenge Urtheil des Stettiner Gerichtshofes kam jeder> mann unerwartet, was schon daraus hervorgeht, daß der :c. Lorenz bis zur Urtheilsverkündigung auf freiem Fuße ge lassen war. So hat denn nicht nur der betagte Vater des Lorenz ein von mir und unserm Amtsvorsteher befürwortetes Bittschreiben um Begnadigung seines Sohnes an Se. Majestät abgesandt, sondern es sind von den vorgesetzten Be Hörden des Lorenz in Alt-Damm ebenfalls zwei Begnadigungsgesuche durch Vermittelung des Ver theidigers eingereicht worden. Wie ich annehme, hat Lorenz auch auf Anrathen seines Vertheidigers auf das Rechtsmittel der Revision verzichtet, weil seine Begnadigung unter den vorliegenden Verhältnissen vorauszusehen war und er bei einer Appellation noch vielleicht wochenlang in Untessuchnngshaft hätte zubringen müssen." Das Schreiben ist deshalb sehr interessant, weil es das Verhalten der Behörden in dieser Sache völlig klar stellt. Ueber die Entschuldigungsworte, die der Pfarrer dafür findet, daß ein Beamter durch schwere Mißhandlungen Ge ständnisse zu erpressen versucht, wollen wir kein Wort ver- lieren. Wir wollen abwarten, ob seine und der Behörde Erwartung, daß die Begnadigungvorauszusehen war, Bestätigung findet. Tie Reform des Militär-Strafgesetzbuchs und des Militär-Strasverfahrens steht auch in Frankreich aus der Tagesordnung. Der Militarismus ist seinem ganzen Wesen nach im Widerspruch mit den elementarsten Prinzipien des Rechts und der Humanität, und so ist es nur natürlich, daß die„Justiz" welche er sich ausgebildet hat, zu den sonst all gemein anerkannten Grundsätzen der Gerechtigkeit und Humanität in schroffstem Gegensatz sich befindet In dem demokratischen Frankreich tritt dies fast noch eklatanter zu tage, als in dem schein konstitutionellen Deutschland. Wir machten schon früher darauf aufmerksam, daß das französische Militär- Straf- gesetz noch strenger ist, als das deutsche; daß es auch in Friedenszeit die Todesstrafe für Akte der Widersetzlich- keit heischt, die in Deutschland mit Gefängniß- oder Festungsstrafen belegt würden; und daß überhaupt, wenn Bestrafung erfolgt, die Strafen im Durchschnitt strenger sind als in Teutschland. Es wird das aus dem auf- brausenden Naturell der Franzosen erklärt, welches durch die Härte der Bestrafung gewaltsam zurückgedrängt werden müsse. Das ist nun allerdings keine Entschuldigung, und ver- schieden? Fälle empörend unmenschlicher Bestrafung haben in jüngster Zeit die öffentliche Meinung förmlich in Aufruhr gebracht. Den letzten Fall zog unser Organ:„Petite Republique" gestern ans Tageslicht. In Brest stand am 23. d. M. vor dem See- Kriegsgericht(die See- Kriegsgerichte sind in nichts wesentlichen! von den Land- Kriegsgerichten unterschieden) ein Marinesoldat Morignac, 20 Jahre alt, gebürtig aus Paris. Er war der Insubordination oder richtiger: der unpassenden Sprache gegen seinen Sergeanten angeklagt. Dieser hatte ihn zu Nachübungen kommandirt. Nach- dem Morignac eine Stunde lang im Kasernenhof Geschwindschritt hatte machen müssen, erklärte er dem Sergeant:„Ich verweigere nicht den ehorsam, aber ich kann nicht weiter m a r s ch i r e n. Ich habe eine Geschwulst am Fuße!" Ter Sergeant sagte:„Marschiren Sie weiter!" Morignac wiederholte:„Ich kann nicht." Sofort wurde er in Militärarrest gebracht. Der Arzt stellte die Geschwulst fest und ließ Morignac als dienstuntauglich vom Dienst dispensiren. Dies alles wurde vor dem Gerichtshof bekundet und dargethan. Das Kriegsgericht verurtheilte Morignac zu einen: Jahre Gefängniß und verweigerte ihm mildernde Umstände! Dieses Urtheil, das auch von den konservativen Blättern nicht vertheidigt wird— die von uns erzählten Umstände sind amtlich b e st ä t i g t hat in Frankreich einen solchen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, daß die ohnehin starke Bewegung gegen das Militär-Strafverfahren mächtig gefördert worden ist und die Frage der Reform des Militär- Strafprozesses die Kammer jedenfalls in der nächsten Tagung beschäftigen wird.— Die Meleville'schc„Verschwörung" wird jetzt auch von der„Vossischen Zeitung", die am eifrignen für sie ins Zeug ging, als eine Fehlgeburt angesehen. Ganz trübselig verkündet sie heute, es werde nichts bei der Sache herauskommen, ver- muthlich werde nur der ganz unbedeutende Bell vor Gericht er- scheinen, und sensationelle Enthüllungen seien nicht zu erwarten. Letzteres glauben wir gern. Herr Melville hat die besten Gründe von der Welt, zu hintertreiben, daß seine und seiner Kollegen Verschwörungs-Machinationcn nicht„enthüllt" werden. Ob es 'ich aber vermeiden lassen wird?— Rumäniens Stellung in der Orientfrage, ist schon seiner geographischen Lage wegen von größter Bedeutung. trennt, wenn es sich im Gegensatze zur Politik des Zarenreiches befindet, Rußland von den Balkan- staaten, hindert eine Verbindung der bulgarischen und russischen Truppen und erschwert einen Angriff auf die Türkei auf europäischem Boden. Rumänien ist zwar kein Groß- taat, aber es verfügt über verhältnißmäßig geordnete Finanzen und eine ansehnliche Armee. Bei den gegenwärtigen Wirren im Orient ist weniges bedeutungsvoller als die Haltung Rumäniens. Deshalb richtet sich die Aufmerksamkeit aller Politiker auf die gegenwärtigen Vorgänge in Rumänien. In ostentativer Weise wird anläßlich eines Besuches des Kaisers von Oesterreich in der rumänischen Hauptstadt die Freund- chaft Rumäniens und Oesterreich-Ungarns vor der Welt lar gestellt. Da Oesterreich-Ungarns Politik der Rußlands im Orient direkt entgegengesetzt ist, so bedeuten diese Vorgänge ein Zeichen des Friedens für den Orient. Anläßlich der vielen Zeichen für eine kriegerische Ver- Wickelung erscheint dies doppelt bedeutungsvoll.— Ter Khcdive, das' heißt der Schatten-Fürst von Egypten, weilt gegenwärtig auf einer Jncogniro-Reise in Paris. Offen- bar rechnet er auf die Anwesenheit des Zaren und hat die Ab- "icht, ihn und dessen gehorsame Dienerin, die französische Republik, lim Unterstützung anzugehen, damit er sich von der englischen Umarmung befreien kann. Natürlich ist man in England von dieser Jncognito-Reise nicht sonderlich erbaut. Uebrigens ver- weisen wir hier auf unsere gestrigen Bemerkungen über den auf- tauchenden Plan einer französtsch-englischen Allianz.— Chronik der MajeftätSveleidigungS. Prozesse. Eingestellt wurde das gegen den Genossen Coors eingeleilete Verfahren wegen Majestntsbeleidigung, begangen durch den Ab- druck eines Artikels über die Auszeichnung des Gendarm. n Gnmsell. Die beschlagnahmten Exemplare der„Thür. Tribüne" wurden zurückgegeben. � � Deutsches Reich. — Ein preußischer Städtetag, beschickt von den Magistraten von 73 Städten, ist heute in Berlin zusammen- getreten.— — Die hannoversche Provinzialverwaltung unter der Aegide des Herrn v. Bennigsen fördert wunderbare Leistungen auf dem Gebiete der Vereinspolizei zu tage. So ist jetzt vom Polizeipräsidium Hannover der Kranken-Unterstützungs- lasse des Bundes der Schneider(E.H.) ein Bescheid zugegangen, wonach ein zum 27. September in den Sälen des„Ballhoses" beabsichtigtes Vergnügen untersagt wird, wozu Graf v. Schwerin folgende Begründung giebt:„Ich kann die hiesigen Mitglieder der in Braunschweig domizilirten Kaffe(Kranken- Unter- stützungsbundes der Schneider) als einen Verein nicht ansehen, so daß also von einem beabsichtigten Vereinsvergnügen nicht die Rede sein kann. Vielmehr muß nach Lage der Sache die Tanz- festlichkeit als eine öffentliche angesehen werden, zu welcher die polizeiliche Genehmigung erforderlich ist. Da aber ein Bedürfnlß zur Vermehrung der öffentlichen Tanzlustbarkeiten nicht anerkannt werden kann, so kann die Genehmigung, welche übrigens nicht nachgesucht worden ist, nicht ertheilt werden. Das beabsichtigte Tanzvergnüge» muß daher unterbleiben." Also die Mitgliedschaft einer Kasse kann als Verein nicht betrachtet werden. Gnt! Andererseits ist aber in derselben Provinz Hannover die Theilnahme von Frauen an einer Wahl» kreiskonferenz nicht zugelassen worden, weil diese aus frei- gewählten Delegirten zusammengesetzte Konferenz ein politischer e r e i n sei! Und wiederum in derselben Provinz wird ein rein gewerkschaftlicher Verein, wie z. B. der„Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen", für politisch erklärt, was die Verhinderung von Frauen und Mädchen, die Mitglied- schaft zu erwerben oder zu behalten, bedeutet, und als der Verein sich an den Oberpräsidenten wendet, wird ihm von dessen Stell- Vertreter der Bescheid: „Die angefochtene Verfügung des königlichen Polizei- Präsidenten enthält weder ein Gebot noch ein Verbot, noch ver- sagt sie eine zu einer Veranstaltung erforderliche Bescheinigung oder Genehmigung; sie giebt vielmehr lediglich zu erkennen, nach welchen Gesichtspunkten die Polizeibehörde den Verein in Zukunft zu beurtheilen gedenkt. Eine(der Ansechlung im ordentlichen Rechtsmittelverfahren unterliegende) polizeiliche Ver- f ü g u n g im Sinne des§ 127 Landesverwaltungs-Gesetzes liegt danach überhaupt nicht vor." Das ist ein Stück hannoversche Polizeipraxis, die von Sachsen doch kaum erreicht worden sein dürfte! — Eine Pole«Hetze ist neuerdings von staatSerhaltender Seite inszenirt worden. Anlaß dazu bot der Krawall in Opale- nitza. Aber auch sonstige Vorkommnisse werden weidlich aus- gebeutet. So wurde namentlich von der„Post" eine Brand« st i f t u n g auf dem Ansiedlungsgut Alt-Bukowitz im Kreise Berent einfach den Polen in die Schuhe geschoben. Es wurde ein Brandbrief folgenden Wortlauts verbreitet; Krieg dem Deutschen! Landsleute unserer Religion! Wir sind und werden bedrengt und vertrieben von dem Deutschen, wir fühlen es auf allen Ecken wir müssen zusammen halten und gegen die Deutschen Front machen und sie ver- dringen— niit dem Schwert sind wir zu schwach wir müsen zu anderen Waffen greifen ncmlich ihre Gehöfte in Asche legen und so lange— bis der Deutsche von keiner Gesellschaft versichert wird— dan tragen wier den Sieg davon, fie werden verarmt abziehen und wir haben dan gesiegt, folgt meinen Rath und Muth alle Brüder. Wie nun der„Germania"«in Privattelegramm mittheilt, ist nach einem Bericht der„Gazeta Torunska" als Verfasserin des Drohbriefes die Tochter des abgebrannten übermäßig versicherten evangelischen An- iedlers gerichtlich ermittelt worden. Damit ist es denn mit dieser schönen Gelegenheit zur Polenhetze vorläufig nichts.— — Der Musterarbeiter Geliert theilt daZ Schicksal des Musterarbeitcrs Lorentzen. Er ist das Opfer„patrio- tischer" Schwindel- und Lügenpeter geworden. Auf unsere An- rage in Kiel erhielten wir telephonisch den Bescheid:„Alles gelogen! Gellert verläßt jeden Sommer feine Arbeit in Kiel, um bei der Zuckerkampagne zu Helsen, wo er mehr Geld verdient als auf der Werft, und läßt dann natürlich seine Familie hier. Brief folgt."— — Aus Hamburg. Ein Flugblatt, betitelt: arum ausgewiesen?!' wurde gestern Vormittag mit gewohnter Präzision ohne Zwischenfall im Stadtgebiet verbreitet. In demselben wird energischer Protest gegen die Ausweisung von Tom Mann, Buzzo und Fehr erhoben und zum Anschluß an die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, sowie zur Unterstützung der Arbeiterpresse aufgefordert. Wie dringend nothwendig die Organisation unter den Seeleuten ist, geht aus 'olgenden Zahlen hervor: Nach einer offiziellen Statistik sind allein von der Schiffsmannschaft, die in den Monaten Mai, Juni, Juli 1896 englische. Hafenplätze, die schottischen nicht mit eingeschlossen, ver- ließen, insolge von Schiffbruch und anderen Unglückfällcn 467 Leute getödtet und 370 schwer verletzt worden! Die Kost auf den Schiffen ist meistens eine schlechte, die Schlasräume sind eng und niedrig, nicht genügend ventilirt und unsauber, die Bemannung eine ungenügende und deshalb die Arbeit eine übermenschlich schwere. Die Zahl der Krank- heits- und Todesfälle ist erschreckend groß. Nach einer Fest- tellung von dem Hamburger Hafenarzt Dr. Nocht er- liegen SZpCt. von sämmtlichen gestorbenen See- leulen dem gelben Fieber, der Tuberkulose und plötzlichen, durch Hitzschlag und Herz- chlag erfolgten Todesfällen. Bei den Feuer- leuten kommen auf je 100 Krankheits-Todes- alle 39 Selbstmorde! Diese Zahlen reden Bände! Welch' entsetzliche Zustände müssen das sein, die eine so große ahl von Leuten veranlaßt, in der Blüthe ihres Lebens ihrem asein ein Ende zu machen! Und das alles um einen Lohn, über welchen, wie ein englischer Redner sagte, in England eine Waschfrau verächtlich die Nase rümpjen würde.— Oesterreich. — Der Niedergang des Liberalismus zeigt sich auch bei den jetzt stattfindenden Landtags- Wahlen, so verloren bei den eben stattgefundenen Wahlen zum oberösterreichischen Landtage in den Kurien der Städte und Handelskammern, die 20 Mandate zu vergeben haben, die Liberalen von ihren 16 Sitzen 5. In den Gewinn theilen sich Antisemiten und Klerikale verschiedener Schattirungen.— Schweiz.. Zürich, 23. September.(Eig. Bericht). Die kn den letzten Jahren ebenso ftucht- wie erfolgreiche zürcherische Regierung ver- öffentlicht soeben den Gesetzesentwurs zur Einführung der taatlichen Mobiliarversicherung für den Kanton Zürich. Die obligatorische staatliche Gebändeversicherung besteht in diesem Kanton bereits seit 1809. Ende 1894 unifaßte sie 78 000 Gebäude mit der Gesamnit-Versicherungssumme von 965 894 050 Fr. Die Einnahmen betrugen 913 467 Fr., die Ans- gaben für Brandschäden 516 915 Fr. Die Mobiliarversicherungs- Pflicht wird nach dem vorliegenden Entwurf ausgesprochen für alle im Kanton Zürich vorhandene Fahrhabe. Organistrt wird die Versicherimg derart, daß neben der bestehenden Anstalt für Gebäudeversicherung noch eine solche mit selbständiger Verwaltung für die Mobiliarversicherung errichtet wird> Leiwng und Auf- ficht steht der betreffenden Direktion(Ministerium), die Ober- nufstcht dem Kantonsrathe zu und als untere Organe fungiren die Gemeinderälhe. Mit dem Zeitpunkt der Anmeldung gilt die Fahrhabe für versichert, bei den privaten Versicherungs- Gesellschaften bekanntlich erst dann, wenn der Versicherte die Police erhält. Der jährliche Versicherungsbeitrag ist mit 8 Cts. für je Ivo Fr. der Ver- sicherungssumme festgesetzt, während die staatliche Mobiliar- Versicherung des Kantons Glarus allerdings nur 7,b Cts. erhebt. Aber die privaten Versicherungsgesellschasten erheben bei ihren für die Aktionäre sehr vortheilhafte» Klassen Prämien von 7,5, 10, 12,5, 15, 20, 25 bis 30 Cts. per Ivo Fr. und zahlen dann 25 bis 30 pCt. Dividende». Wie die Glarner, so kennt auch die vrojektirte zürcherische Mobiliarversicherung nur eine einhertliche Prämie, die auch bei der Gebäudeversicherung besteht und sich bewährt hat. Dasselbe ist der Fall im Kanton Waadt und wird akzeptirt werden von den Kantonen Neuenbürg, Aargau, Luzern und Thurgau, wo man ebenfalls die staatliche Mobiliar-Ver- sicherung einführen will. Für den Uebcrgang wird bestimmt, daß nach Annahme dieses Gesetzes neue Versicherungsverträge mir privaten Gesellschaften nicht mehr abgeschlossen, bestehende nicht mehr verlängert werden dürfen und die Negierung den ganzen zürcherischen Versicherungsbestand, der Ende 1834 bei 22 Gesellschaften insgesammt 770,3 Millionen betrug, nach Vereinbarung übernehmen kann. Das Gesetz bedeutet den Entzug eines sehr rentablen Ge- bieles dem dividendenhungrigen Kapital und damit eine Schwächung feiner Macht und seines Einflusses. Hat doch während des Bierboykotts gerade das Versichernngskaprtal eine Druckerei seine Macht durch den Boykott(Entzug der Druck- fachen) fühlen lassen, weil das vom betreffenden Besitzer heraus- gegebene Blatt nicht etwa den Bierboykott unterstützte, sondern nur eine anständige unparteiische Haltung beobachtete. — Die manchesterlichenFöderalisten haben dank ihrer unermüdlichen, von kapitalkräftiger Seite unterstützten Agitation einen großen Erfolg zu verzeichnen. Sie haben schon jetzt 80 000 Stimmen gegen das Gesetz über die Bundesbank ge- sammelt und können auf 100 000 Unterschriften rechnen, sie dürsten somit bei der Volksabstimmung alle Aussicht haben, das Gesetz zu Falle zu bringen.— Frankreich. PariS, LS. September.(Eig. Ber.) Die französischen Kolouialpolitiker bereiten im stillen ein neues Abenteuer vor. Eine Preßmittheilung halbamtlichen Ursprungs kündigt an in harmlosem Tone die Abreise des Generals Boitard nach Touat(im Süden von Algerien) an der Spitze von 1300 Sol- baten und 70 Offizieren. Der Zweck dieser„Manöver" besteht in der„friedlichen Okkupation des Touat", wozu„eine einfache militärische Demonstration" hinreichen würde. Natürlich »verde» dabei„alte Verträge" angerufen, kraft deren das Touat'sche Gebiet Frankreich gehört.... Die Frage ist nur, ob sich die rechtmäßigen Besitzer um die allen Verträge, von deren Existenz man bisher, nichts gehört hat, kümmern werden. Außerdem dürste Marokko seinerseits nicht minder alte Ansprüche auf Touat erheben. Ehe er die Verwaltung deS Kultusamtes aufgab, ließ R a m- b a u d dem Kardinal La ngönieux, Erzbischof von Reims, eine Warnung zugehen. Es handelt sich um die vom Erzbischos einberufene Bischofsversammlung zur Denkfeier des vierzehn- hundertjährigen Tauftages ChlodwicS. Unter dem radikalen Ministerium hatte sich Langönieux verpflichtet, die Ver- fammlung streng im religiösen Rahmen zu halten. Ein neuliches Rundschreiben des Erzbischoss enthüllt da- gegen dessen Absicht, der Versammlung«ine» klerikal- politischen Charakter zu geben. Daher Rambaud'S Warnung. Der nunmehrige Kultusminister Darlau läßt die Warnung durch eine offiziöse Mittheilung kund machen. Der ganze Vorgang ist bezeichnend für die parlamentarische Situation des Kabinets. Langönieux hielt sich an sein unter dem radikalen Ministerium gegebenes Wort nicht, weil er von Meline mit recht viel Nachsicht erwarten durfte s das Kabinet aber sieht sich gezwungen, aus Furcht vor elner Interpellation seine klerikalen Bundes- gen offen auf die unzweideutigen Bestimmungen des Konkordats aufmerksam zu machen. Das wird ihnen übrigens nicht wehe thun. Die„Warnung" soll nur der Regierung eventuell als eine Entschuldigung dienen.— Nebenbei gesagt, ist die Ueberweisung des Kultusamtes an das Justizministerium ebenfalls daraus berechnet, die kommenden Angriffe aus die pfaffensreundliche Politik der Regierung(Interpellation Mirman) wirksamer pariren zu können. Professor Rambaud hatte sich gelegentlich eines solchen Angriffs alS durchaus unzulänglich erwiesen. Genosse Jules GueSde befindet sich gegenwärtig auf einer AgitationStour in Südfrankreich. Er sprach u. a. in Toulouse und kritisirte scharf unter dem lebhasten Beifall der Zuhörer die Kriecherei der Regierung vor dem Zaren.— — Wie wahnwitzig die Polizeimaßregeln zum Schutze des Zaren sind, beweist die folgende Meldung aus Paris: Alle Haushofmeister(??) der russischen Botschaft, sowie alle für den Dienst in derselben bestimmte» sonstigen Personen, haben sich gestern dem anthropometrischen Verfahren unterziehen müssen.— Die zur Sicherheit des Zaren ergriffenen Maßregeln werde» von der Polizei dahin ergänzt, daß jeder Vermicther von Fenstern den geivöhnlichen Zimmervermiethern gleich zu stellen und für seine Gäste haftbar zu machen sei. Genaue Identitätsnachweise werden daher von den Fenstermiethern verlangt. Trotzdem steigen die Fensterpreise noch immer.— — Aus Madagaskar wird heute via Marseille telegraphisch gemeldet: Die aus Madagaskar heute hier eingetroffenen Zeitungen berichten von weiteren R ä u b e r e i e n(!) der Fahavalos in der Umgebung von Tananarivo. Mehrere Provianlzüge seien geplündert, die Begleitmannschaften getödtet worden. Eine Kompagnie Haussa sei überfallen, zwei Mann davon getödtet, zwei Ofsiziere verwundet worden. Im Augenblicke des Abganges der Post sei das Gerücht verbreitet gewesen, mehrere tausend Fahavalos umschlössen Tananarivo und hätten sogar zwei Vororte der Haupt- stadt angegriffen. Das sind Hiobsposten. Wer zwischen den Zeilen liest, sieht, daß ganz Madagaskar im Ansstand ist, daß die Franzosen sroh sein müssen, wenn es ihnen gelingt, ihre Truppen in Madagaskar zu retten: und daß, wenn sie Madagaskar haben oder behalte» wollen, sie eS frisch erobern müssen.— England. — Der Klingelbeutel soll für den Prinzen von Wales in Bewegung gesetzt werden. Ein als„Radikaler aber nicht Republikaner" unterzeichneter Brite fordert in der neuesten Nummer der„Sunday Times" zu Sammlungen aus, die als«in äußeres Zeichen der Dankbarkeit anläßlich des Regierungsjubiläums der Königin dem Prinzen von Wales gewidmet werden sollen, damit er in der Lage sei.„gewisse Verbindlich- keilen, die er doch am letzten Ende in Ausübung seiner Pflicht als Repräsentant Englands habe kontrahircn müssen", zu tilgen. Ter Urheber des Aufrufs meint, es sei jede falsche Scheu um so eher zu vermeiden, als ja„jedermann die betreffenden Ver- hältnisse genau kenne und jeder loyale Unterthan genau wisse, daß dem Prinzen durchaus nicht die Mittel zu Gebote ständen, die den Erfordernissen seiner Würde und Stellung entsprächen". So viel wir wissen, hat der Prinz jene„gewissen Verbind- lichkeiten" unter anderem durch hohes Hazardspiel kontrahirt, wobei er indeß weniger Glück hatte als in der Liebe. Neu ist es uns aber, daß Hazardspiel zu den„Erfordernissen seiner Würde und Stellung" gehört.— Rußland. — Ein Mitglied der Veterinär-Kommission des Ministeriums des Innern ist nach der deutschen Grenze abgereist, um im Auftrage der russischen Regierung Untersuchungen anzustelle» über die Ursachen des Verbots der Einfuhr frischen russischen Schweine- s l e i s ch e S nach Deutschland und über die Ursachen des Rückganges der Schweine- Einfuhr von Rußland nach Deutsch- land.— — Die Aufhebung der administrativen Ver- s ch i ck u n g, die seit der Thronbesteigung Nikolaus II. in den russischen Rcgierungskreisen ernstlich erwogen wurde, ist nunmehr vom Ministerium des Innern endgiltig beschlossen worden. Der betreffende Gesetzentwurf, dessen Schöpser der jüngst verstorbene Adlalus des Ministers des Inner», Geheimrath Nekljndow war, bestudet sich gegenwärtig, wie der„N. Fr. Pr." aus Petersburg mitgetheilt wird, im Departement der Gesetze, von wo aus er dem Petersburger Reichsrathe zur Begutachtung zugehen wird. Der Gesetzentwurf bestimmt die völlige Abschaffung der administrativen Verschickung nach Sibirien und die Einschränkung der Ver- schickung, welche durch richterlichen Urtheilsspruch erfolgt. Nur Verbrechen der sogenannten schweren Kategorie, wie Mord, Brandstiftung, Plünderung und Raub, welche mit schwerer Arbeit in den Bergwerken Sibiriens bestraft werden, sollen die Ver- schickung nach Sibirien, respektive die Zurückhaltung solcher Ver- brecher nach verbüßter Strafe in Sibirien nach sich ziehen. Die administrative Verschickung aber, welche gegenwärtig auch aus Sicherheitsrücksichten über Personen verhängt werden kann, soll unter allen Umständen aufgehoben werden. Wir trauen diesen Nachrichten nicht und möchten sie erst im russischen Gesetzblatte lesen und an ihren Wirkungen prüfen.— Türkei. — Eine JnterventionderMächte. Einer Meldung des wenig zuverlässigen Pariser Blattes„Matin" zufolge theilte der französische Botschafter Cambon den Vertretern der übrigen Großmächte mit, er habe dem Sultan erklärt, eine Erneuerung der Ruhestörungen würde eine bewaffnete Intervention Europa's herbeiführen.— Afrika. — Vom Matabili-Aufstand. Aus Salisbury wird telegraphirt: Während der letzten drei Tage fanden an dem Mazoe-Fluß bedeutende Gefechte statt. Eins dieser Gefechte dauerte 10 Stunden; die Truppen waren von den Aufständischen, welche gut bewaffnet waren, vollständig umzingelt. Da diesmal kein„glänzender Sieg" über die Eingeborenen telegraphirt wird, scheinen die Rhodesier bei dem Kainpfe nicht zum besten abgeschnitten zu haben.— — Aus Südafrika. Die Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Kapstadt, wonach das Kriegsgericht den Major Watls freigesprochen habe, der verhaftet worden war, weil er den Häuptling Makoni halte erschießen lassen. Nsrket-Marhvichten. AlS ReichStagS-Kandidat für den 19. hannöverfche» Wahlkreis Otterndorf-Neuhaus wurde am Sonntag von der Kreiskonferenz in Cuxhaven der Redakteur der„Nord- deutsche» VoUsstimme" in Geestemünde, Genosse Haverkamp, aufgestellt. Eine Parteikonferenz für das zum oldenburgischen Staate gehörige Fürstenthum Lübeck wird am 4. Oktober von nachmittags 3 Uhr im Sternberg'schen Lokale in Rensefeld abgehalten. Tie Parteigenossen in Gera haben einen f o z i a l d e m o- kratischen Verein gegründet, dem bereits gegen 300 Genossen als Mitglieder angehöre». Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Das„Volksblatt für Harburg" hatte fortgesetzt eine Notiz gebracht, des Inhalts: Der„Gambri»us"-Wirth Herr Eühr hat die Arbeiterschaft Harburgs beleidigt und sich ihren esuch verbeten. Wegen des„allznlangen" täglichen Abdrucks dieser Mittheilung sind seinerzeit die Redakteure Thiel und K a u s s m a n n vom Landgericht in Stade zu je 50Y M. Geld- strafe, der Verleger Weniger zu 100 M. vcrurtheilt worden. Den Verurtheilten war es unerfindlich, wie eine Notiz nach An- ficht des Gerichts bei 40— 50inaliger Wiederholung strafbar sein soll, während sie bei 20— 30maliger Wiederholung sogar nach Ansicht des Staatsanwalts straflos und selbst gerechtfertigt war. Sie legten daher gegen das Urtheil Revision ein— wie schon erwähnt, ohne Erfolg. — In Halle a. S. wurde am Sonnabend Abend die letzte FreitagSnummer des„Volksblatts für Halle" wegen angeblicher„Aufreizung" k o n f i s z i r t. Das Ver- brechen soll in der Notiz„Ordnungshüter in Thätigkeil" ent- halten sein. — In Erfurt wurde Nr. 189 der„Thüringer Tribüne" und deS„Nordhäuser Volksblatts", sowie Nr. 98 der Apolda er„Freien Presse" wegen eines angeblich beleidigenden Artikels wieder einmal beschlag- nahmt.— Wegen Hans Blum-Beleidigung sollte sich Gen.Wiertelarz, früherer verantwortlicher Redakteur der„Thür. Trib.". vor dem Erfurter Schöffengericht verantworten. Es handelte sich um einen Leitartikel der„Tribüne", worin das Fiasko besprochen war, das Blum vor dem Berliner Gericht mit seiner Behauptung erlitten hat, die Sozialdemokratie habe mit Boulanger Landesverrath getrieben. Wiertelarz wies nach, daß er keine Kenntniß von dem Artikel, den Genosse Hülle verfaßt, gehabt hat, da er an dem fraglichen Tage nicht in der Redaktion gewesen ist, sondern einer gerichtlichen Vorladung Folge leisten mußte. Infolge dessen wurde das Verfahren gegen Wiertelarz eingestellt und die Kosten dem Privatkläger Blum zur Last gelegt. Gegen Hülle kann keine Anklage erhoben werden, da die Sache inzwischen verjährt ist. — Polizeiliche? auS Schlesien. In Breslau wollte der Sozialdemokratische Verein am Sonnabend eine Lassallefeier veranstalten. Die Polizei aber strich mit Ausnahme der Konzertpiecen und des Tanzes das ganze Programm. Das Verbot der eigentlichen Feier ist auf den § 8 des Vereinsgesetzes gestützt, wonach Frauen an Versamm- lungen politischer Vereine nicht theiliiehmen dürfen. Bekanntlich hat das Ober-Verwaltungsgericht in diesem Sinne entschieden.— In Waldenburg wollten vor mehreren Wochen die Genossen eine Lassallefeier abhalten, die ebenfalls verboten wurde. Man wurde sich einig, als Ersatz dafür ein Volksfest zu arrangiren, dem eine Vollsversamm- lung vorangehen sollte. Diesen Sonntag fand nun die Versammlung statt, daS Volksfest aber wurde in letzter Stunde vom Bmtsvorsteher ohne Angabe des Grundes ver- boten. Es wird Beschwerde eingelegt und diese erforderlichen- falls bis zur letzten Instanz weitergeführt werden. Zum Schluß sei eines heiteren Vorkommnisses gedacht. Als die erwähnte Versammlung am Sonnlag geschlossen war. wollten mehrere Ge- »offen die Marseillaise singen; dies war dem überwachenden .Wachtmeister denn doch zu gefährlich und er löste die bereits geschlossene Versammlung noch einmal"ans, zugleich die An- wesenden auffordernd, den Saal zu verlassen. Sofort pflanzten sich mehrere Gendarmen an den Ausgangsthüren auf. Ruhig verließen alle Versammlungsbesucher das Lokal, um dann. nachdem dasselbe geleert war. wieder als Gäste hineinzugehen. Genosse Michaelis forderte nun den einen Gendarm auf. das einem Sänger konfiszirte Notenblatt wieder herauszugeben, was dieser auch mit einer Entschuldigung that. Hieraus verließen die Wächter der öffentlichen Ordnung und Sicherheit stolzen Hauptes das Lokal, während unsere Genossen noch lange und unbelästigt zurückblieben. — Genosse Man fred Wittich in Leipzig hat am Montag das Gefängniß verlassen, wo er wegen zweier Aeuße- rungen in Dresdener Versammlungen drei Wochen Staatspension genießen mußte. — Genosse Oertel in Nürnberg hat die zweimonatige Gefängnißstrafe verbüßt, die ihm wegen seiner energischen Wahr- nehmung der Arbeiterinteressen beim Marschütz'schen Velociped- arbeiterstreik auferlegt worden war. — Gegen die„Schwäbische Tagwacht" in Stutt- gart ist wegen angeblicher Beleidigung des Stadt-Polizei-Amts und des Amtsgcrichis ein Prozeß anhängig. Das Vergehen soll in Nr. 217 der„Schwäbischen Tagwacht" durch Veröffentlichung des Artikels„Ein charakteristisches Polizeistückchen" verübt sein. GemerKM amtliches. AuS Schneiderkreisen wird uns geschrieben: Der Leit- artikel in Nr. 228 des„Vorwärts", betitelt:„Was erwarten wir von den bürgerlichen Frauen?", mit dem wir sonst voll- ständig einverstanden sind, bedarf in bezng auf den Konfektionsarbeiter-Streik folgender Berichtigung: Die Frauen aus bürgerlichen Kreisen, welche sich beim Konfeklions- arbeiter- Streik bethätiglen, haben die übernommenen Verpflich- tungen durchaus erfüllt. Die Ablehnungen wegen Heber- nähme von Zahlstellen bei der Auszahlung von Streik- Unter- stützung wurden damit begründet, daß die Betreffenden, darunter auch Frau Schwerin, mit Arbeiten für den Streik voll beschäftigt wären. Es waren das Gründe, welche die Leiter des Streiks billigen mußten. Mit der evangelisch-sozialen Frauengruppe wurde schließlich ein Uebereinkommen erzielt, daß die Fünfer-Kom- Mission die Regelung der Unterstützung traf und in dem Bureau der Gruppe danach ausgezahlt wurde. Achtung, Gewerkschaften! Die Aussperrung de» städtischen Gasan st alts- Arbeiter dauert fort. Die Unterhandlungen haben bisher zu keinem Resultat geführt und bitten wir daher, die Sammlungen für die Ausgesperrten fleißig fortsetzen zu wollen. Die gesammelten Gelder sind an das Ge- werkschastsbureau(R. M i l l a r g), Annenstr. 16, abzuführen. Das Streikkomitee. Wir erfahren über den Stand der Sache folgendes nähere. Gestern verhandelte eine siebengliedrige Kommission namens der in den Gasanstalten an der Danzigerstraße und in Schmargen- dorf ausgesperrten Arbeiter mit dem Stadtrath Herrn N amslau. Sie unterbreiteten demselben vier Forderungen: 1. Einstellung sämmtlicher Ausgesperrten, 2. Abschaffung der I8stündigen Sonntagsschicht, 3. Einführung vierzehntägiger Kündigung, 4. Einrichtung eines Arbeiterausschusses. Stadtrath Namslau lehnte von diesen Forderungen die ersten beiden mit der Begründung ab, daß sich der Magistrat eine Blöße geben würde, wenn er die Ausgesperrten anders als nach Bedarf einstellen wollte, und die Abschaffung der 18 stündigen Sonntagsschicht wäre aus technischen Gründen nicht möglich! die nach dieser Richtung hin gemachten Vorschläge der Kommission seien unausführbar, weil am S o n n t a g n i ch t genug Leute zur Verfügung ständen. Den übrigen Forderungen, die die vierzehntägige Kündigungssrist und den Arbeiterausschuß betreffen, zeigte sich Herr Namslau dagegen nicht abgeneigt, und zwar weil von ihrer Bewilligung auch die Stadtverwaltung Nutzen hätte. Somit sind die beiden wichtigsten Forderungen der Gasarbeilcr, die Wiedereinstellung der Ausgesperrten und die Abschassung der ISstündigen Sonntagsschicht, leider abgelehnt. Bei der Stimmung unter den Arbeitern der städtischen Gas- anstalten ist es nicht ausgeschlossen, daß sich die Erbitterung in einem allgemeinen Streik Lust macht. Es hieße deshalb ini Interesse der gesammten Einwohnerschaft Berlins handeln, wenn sich das G e w e r b e g« r i ch t als Einigungsamt der Sache der Arbeiter annähme. Zur Berliner Bnchbinder-Bewegung! Ausständig sind die Kollegen und Kolleginnen bei folgenden Firmen: Traut mann. Schönebergerstr. 4. Freut sch, Wallstr. 11. Leo Simson, Spandauerstr. 72. Carl Rechlin, Engel-Ufer 3. Bernhard Paul, Wilhelm- straße 22a. B ü x e n st e i n, Friedrichstr. 240. L e w i n s o h n, Fehrbellinerstr. 54. A. W e i ch e r t, Andreasstr. 32. Imberg u. L e f s o ii, Alte Jacobstr. 64a. Aug. R e i m a n n, Mauerstr. 53. E i n b r o d t u. Kalb, Alte Jakobstr. 86. A. Demuth, königliche Hofbuchbinderei. Mohren- straße 58. Gebrüder Grunert, Junkerstr. 16. Möller, Charlottenburg, Berlinerstraße 123 a. Gertz, Charlottenburg, Wilmerstorferstr. 32. U l l st e i n, Charlottenstr. 9/10. Her in. Franz, Sleglitzerstr 7. Wilh. Schleising, Reichenberger- straße 24. Galanterie-Branche: Urbach u. C o., Rilterstr. 86. S t e p h a n n. S t e n g e r t, Ritterstr. 45. S ch m i tz u. V o i t, Annenstr. 14. Zuzug ist streng sernzu hallen! Die Lohnkommission. Tic Firma I. M. Magnus u. Ko. in Berlin. Fabrik für graphisches Kunstgewerbe, ersucht uns unter Beziehung aus die in der Sonntagnnmmer veröffentlichte Notiz über den bei ihr ausgebrochenen Streik um Aufnahme des folgenden: „Niemals ist von uns einer der Angestellten in unserer chemigraphischen Abtheilung ungebührlich behandelt worden. Thatsacke ist nur, daß dem Vorstande der Abtheilung wegen grober Pflichtvernachlässigung wiederholt Vorhaltungen gemacht werden mußten und er seine Untergebenen zur Niederlegung der Arbeit zu veranlassen gewußt hat, unter dem Borwande, daß dafür zwingende Gründe vorlägen, die er ihnen„später" nennen würde. Schon am Nachmittag aber traten die Arbeiter behufs Wiederaufnahme der Arbeit mit uns in Verbindung und veranlaßten ihren Verbandsvorsland, uns am Sonntag zu be- suchen, um den Wiedereintritt der Streikenden herbeizusühreu. Dieser Vorstand, bestehend aus zwei Herren, anerkannte mit strengster Objektivität, daß wir das Recht hatten, den Schuldigen auszuschließen, und hat bei der Generalversammlung am Sonnlag diesen Standpunkt auch unumwunden seinen Mitgliedern gegen- über gewahrt und sie unter einer Verwarnung von ihrem Un- recht überzeugt. Nach Ausschluß von drei Personen, unter ihnen der Vorsteher, haben wir alle bisher Angestellten wieder auf- genommen, die seit Dienstag früh fleißig bei der Arbeit sind." Achtung, Klempner! Die Klempner der Firma M.Werner in Düsseldorf haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. 24 organistrte Kollegen sind ausständig und werden sich zedenfalls noch die der anderen Berufe anschließen. Wenn der Zuzug streng ferngehalten wird, ist der Sieg unser. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Die Düsseldorfer Orlsverwaltung de? Deutschen Metallarbeit �»-Verbandes. Zur Bnchbindcrbctvcgunss in Hamburg. In einer von ca. 1000 Personen besuchten öffentlichen Verjammlling wurden die von der Lohnrommission vorgeschlagenen Forderungen mit einhelliger Begeisterung einstimmig angenommen. Besonders bibelfest scheint die Stettiner Polizei unterm Einfluß des frommen Herrn v. Buttkamer nicht gerade geworden zu sein, denn sonst würde sie unschwer bemerkt haben, daß auf das Verbot einer Handlungsgehilfen- Versammlung das Wort des christlichen Religionsstifters anzuwenden ist. Der Sabbath ist um des Menschen willen, nicht der Mensch um des Sabbaths willen gemacht. In Stettin wurde eine für vorlegten Sonntag Bormittag 1 die Arbeiter, die Mitglieder der Feuerwehr des Staatsbahnhofes als bringende Nothwendigkeit bezeichnet. Gobann sprach en angemeldete öffentliche kaufmännische Versammlung, wo Genosse in Bubna sind, haben ihre Thätigkeit eingestellt und wurden Dr. Aschrott Berlin und Dr. Flesch- Frankfurt namens Berthold Heymann aus Berlin über den Achtuhr durch städtische Feuerwehrmänner ersetzt. einer Sonderkommission über die Handhabung der Bestimmungen Ladenschluß sprechen sollte, auf grund einer die Sonntags= Die Direktion hat die Ausständigen für entlassen betreffend den Verlust des Wahlrechtes beim Empfange von heiligung betreffenden Polizeiverordnung des Oberpräsidenten erklärt. öffentlichen Unterstüßungen. Die Kommission beantragte die von Pommern verboten. Durch diese Verordnung ist das Nachträglich beschlossen, wie schon vorgestern gemeldet Aufstellung genauer Grundfäße, welche eine gleichmäßige, von Versammlungsrecht der Stettiner Handlungsgehilfen that worden ist, die Wiener Werkstättenarbeiter, entgegen politischer Willkür schützende Auslegung der Geseze sicher stellt. sächlich illusorisch gemacht. An Wochentagen werden sie ihrem früheren Beschlusse, dennoch die Arbeit einzustellen. Bon Die Verhandlungen sind geschlossen. von ihren Ausbeutern so spät abends entlassen, daß alsdann 870 Arbeitern erschienen gestern früh nur 69. Am Nachmittag Versammlungen nicht mehr abgehalten werden können, und da sollte eine Deputation mit dem General- Direktor Grinimburg hielt fürzlich ein Kandidat Maurenbrecher ein Referat zu In der Sozialwissenschaftlichen Vereinigung zu Leipzig Sonntag Nachmittag teine Lokale zu haben sind, so bleibt nur verhandeln. der Sonntag Vormittag übrig, dieser ist aber durch die Polizeigunsten der gefeßlichen Einführung des achtstündigen Der schweizerische Lithographenbund hat durch Ur- Normal Arbeitstages. Er faßte seine Ansichten in verordnung der erwähnten Verwendung entzogen. abstimmung die sozialdemokratische Arbeiterſtimme" in Zürich folgende Leitfäße zusammen: 1. Daß eine Verkürzung der für seine Mitglieder obligatorisch erklärt. Arbeitszeit in allen Fabriken nnd Werkstellen eintrete, ist eine Die Kohlengräber von Sainte- Florine( Departement Forderung der gesammten nationalökonomischen Wissenschaft. Haute- Loire) befinden sich seit einer Woche im Streit. Sie Diese Forderung ist sowohl aus humanen und hygienischen verlangen eine Erhöhung des Lohnes, der in den letzten Jahren Gründen zu stellen, als auch deshalb, weil die Berkürzung fast um die Hälfte verkürzt worden war. Sie leiden unter der der Arbeitszeit der mächtigste Faktor des wirthschaftlichen doppelten Ausbeutung der Kohlengruben- Gesellschaft und der Fortschritts ist. 2. Acht Stunden angestrengter Das Gewerkschaftskartell in Dortmund hat ein ese- lohn von 5-54 Frks. verrechnen, zahlen sie den Arbeitern blos das Maximum dessen, was man bei dauernder Zwischenunternehmer. Während diese der Gesellschaft einen Tage- törperlicher und geistiger Arbeit ist ungefähr 8 immer eingerichtet, das vom 1. Oktober an jedem Abend von 31/ 4-31/ 2 Fris. Die Versuche der Arbeiter, ihre Forderung Erhaltung der Volkskraft fordern darf. Die 8-11 Uhr geöffnet sein wird. ohne Streit durchzusehen, waren an der proßigen Haltung Erfahrungen, die man bisher mit dem Achtstunden- Normalarbeits Die Maurer in Halle a. S. beschlossen, den Unternehmern der Administration gescheitert. Ebenso lehnte die lehnte die Ge- tage gemacht hat, sind überwiegend gute gewesen. 3. Demnach einen Tarif für innere Pubarbeit vorlegen zu lassen, sellschaft den vom Friedensrichter auf grund des Schiedsgerichts- ist es zu billigen, daß die politische Arbeiterbewegung die der folgende Bestimmungen enthält: 1. Innere Bubarbeit wird Gefeßes von 1892 angebotenen Vermittelungsversuch ab und Forderung des Achtstundentages für erwachsene männliche durchschnittlich Wand wie Decke à Quadratmeter mit 25 Pf. drohte den Arbeitern, die bis zum 28. September die Arbeit nicht Arbeiter aufgenommen hat als ein Ziel, dem man durch bezahlt; 2. bei vorkommenden komplizirten Puharbeiten wird der wieder aufgenommen haben würden, mit Entlassung. Die geeignete Geseze allmälig näher kommen muß. Für die BePreis nach freier Vereinbarung festgesetzt; 3. für Stuckput wird Streifenden nahmen dagegen den Vermittelungsversuch, wie das forgniß, eine der Forderungen könne tönne zu zu schnell und eine Zulage von 10 Pf. pro Quadratmeter bezahlt; 4. Neben- beinahe stets der Fall, bereitwillig an. Am Streit sind zirka zu plöglich erfüllt werden, ist bei dem Verhalten der politischen arbeiten, als da sind: Rüftlöcher zumauern, Schlemmen, Ueber- 1000 Arbeiter betheiligt. Sie verhalten sich ruhig, was jedoch Parteien gegenüber dem Arbeiterschuh kein Grund vorhanden. lagshölzer einmauern u. f. w. werden in Tagelohn berechnet; den Minister Barthou nicht verhindert, den Schauplatz des Das Referat fand allgemeinen Beifall, und in der 5. die Lohnzahlung hat abschläglich Sonnabends zu erfolgen Streits mit Gendarmen zu Fuß und zu Pferde überschwemmen Diskussion, an der sich u. a. ein Paftor, ein Professor und zwar wird die Stunde mit 5 Pf. mehr berechnet als fonft zu lassen. Es ist ein durch den Zwang äußerster Noth hervor und ein Fabrikant betheiligten, war man in der Hauptsache im Tagelohn; etwaiger Ueberschuß ist spätestens 8 Tage nach gerufener Kampf. Ueber einen Streitfonds verfügen die Aus- mit Herrn Maurenbrecher einverstanden, nur in Beziehung auf Fertigstellung des Puzes auszuzahlen; 6. wird im Tagelohn ständigen nicht. Sie haben einen Aufruf an alle Gewerkschaften die Modalitäten der gesetzlichen Verkürzung der Arbeitszeit geputzt, fo erfolgt ein Lohnzuschlag von 5 Pf. pro Stunde; und sozialistischen Gemeinderäthe gerichtet mit der Bitte um differirten die Meinungen. Einig war man aber darin, daß die 7. dieser Tarif tritt mit dem 1. März 1897 in fraft. Unterstügung. fistalischen und kommunalen Betriebe mit der Verkürzung und Behörden auf die Privatbetriebe, wo sie Einfluß besitzen, nach Regelung der Arbeitszeit voranzugehen haben, und daß die dieser Richtung hin gleichfalls wirken ſollen. Kopenhagens haben einen Verband gebildet. Auf der kon Die Zuckerwaaren, Chokolade- und Bisquit- Arbeiter stituirenden Versammlung erhielt der Vorstand den Auftrag, eine Statistik der Lohn- und sonstigen Arbeitsverhältnisse aufzunehmen. Dringend wurde die Errichtung eines Verbandes für die Arbeiterinnen gefordert, da die jämmerliche Bezahlung derselben die Außerdem soll verlangt werden, daß nächstes Jahr wieder ein Stundenlohn von 40 Pf. gezahlt wird, aber nicht weniger. Es haben nämlich schon wieder einige Meister versucht, den Lohn zu reduziren. Auch sollen die Meister ersucht werden, Maßregelungen wegen Sammelns zum Generalfonds oder dergleichen preußische Domänenverwaltung in der Weise, daß sie den DoDie Anlegung von Obstpflanzungen unterstützt die zu unterlassen. In Eisleben stehen die 35 Sattler der Militär- Lohnverhältniffe der Arbeiter drücke. Die Affordarbeit wurde einschließlich der durch die Zuziehung eines sachverständigen Bei mänenpächtern die baaren Kosten der erstmaligen Einrichtung, branche in einer Bewegung, wobei es sich um Abwehr be- für ein lebel erklärt, das so schnell als möglich abgeschafft rathes entstehenden, insbesondere auch die Kosten für die Andeutender Lohndrückereien handelt. werden müsse. Der Vorstand hat hierfür Vorschläge ausIn Frankfurt a. M. stehen die Galanterie- Sattler auarbeiten. Der nächste Kongreß wird im August 1897 in Der nächste Kongreß wird im August 1897 in chaffung und Pflanzung der jungen Stämme, gewährt, ihnen auf so lange, als die Obstbau- Anlagen einen der Firma L. Hirschfeld u. Komp. in einer Lohnbewegung. Odense tagen. entsprechenden Ertrag noch nicht Sie verlangen, daß die Stücklöhne für Taschen und Reiseartikel nicht erwarten lassen, angemessenen jährlichen Zuschuß zu den Unterhaltungs- und den Offenbacher Verhältnissen angepaßt werden. Betriebskosten der Baumanlagen bewilligt und schließlich ebenso Die Klempner und Justallateure in Frankfurt a. Mm lange für die zu Obstbaum- Anlagen zu verwendenden Pachtgrundbeauftragten die Lohukommission, nächstes Frühjahr mit folgenden stücke einen Erlaß am Bachtzinse zugesteht. Forderungen an die Unternehmer heranzutreten: Einführung der 91/2 ftündigen Arbeitszeit, Minimallohn von 21 M. und für die in höherem Lohn stehenden Kollegen einen Zuschlag von 5 Pf. pro Stunde, 25 prozentigen Aufschlag für Ueberstunden und Sonntagsarbeit. einen Ein Kongreß der skandinavischen Korbmacherorganifationen tagte fürzlich in Malmö. Der Kongreß be schäftigte sich unter anderem eingehend mit der Gefängniß arbeit, die gerade in diesem Fach dem freien Arbeiter eine sehr empfindliche Konkurrenz macht. Es wurde dieserhalb Da heutzutage das Obst wegen seines hohen Preises für eine Resolution gefaßt, worin an die Gefeßgebung die Forde weite Kreise der Bevölkerung kaum zu erschwingen ist, ist die rung gestellt wird, daß für die Gefängnißarbeit ebenso viel ge- fistalische Unterstügung der Anlegung von neuen Pflanzungen zahlt werden soll, wie die freien Arbeiter verlangen müssen, ba gewiß zu billigen. Rönnte aber nicht der Staat felbft mit gutem die Arbeiter andernfalls nur der Armenpflege zur Last fielen Beispiel vorangehen, indem er z. B. seine Landstraßen mit ObftDurch einmüthigen Zusammenhalt hat das Personal der oder auch zu gefezwidrigen Handlungen getrieben würden. baum- Alleen versehen ließe und dieselben dann an die Gemeinden Textilwaaren- Fabrit von C. A. Fischer in Chemniz durch- navischen Korbmacher Berbandes mit dem Siz in helfen fönnte freilich erst eine wesentliche Herabsehung der Außerdem wurde die Errichtung eines standi verpachtete, durch deren Bezirk die Straßen gehen? Wirklich gesetzt, daß eine angekündigte Lohnreduktion wieder zurückKopenhagen beschlossen. genommen wurde. Transportkosten auf der Eisenbahn. In obstreichen Jahrgängen In der Kölner Baumwollspinnerei und Weberei Bureaus.") Gestern Abend hat eine Anzahl Bugs expebiber Preis stets gleich und unerschwinglich für die Masse der Montreal, 29. September.( Meldung des Reuter'schen verfault die Frucht an den Bäumen, in den Städten aber bleibt dauert der Streit fort. Die ausständigen Spinner werden jetzt toren in dem ganzen Netz der kanadischen Pacific- Eisenbahn Konsumenten. zum Verlassen der Fabrikwohnungen gezwungen. Demungeachtet die Arbeit eingestellt. Die Schuld an diesem Uebelstande tragen die bleiben sie fest und suchen sich lieber andere Wohnungen, als zu hohen Transportkosten, die in keinem Berhältniß stehen zum Kreuze zu friechen. Ein gutes Zeichen dafür, daß der Zweck Werthe der Waare. solcher Wohlfahrtseinrichtungen", die Arbeiter im Unternehmer: intereffe an die Scholle zu feffeln, heutzutage, wo die Arbeiter bewegung immer mächtigere Wogen schlägt, nicht mehr in dem Maße erreicht wird, als es früher der Fall war. " = Aus Buenos- Ayres, der Hauptstadt des südamerikanischen Staates Argentinien, wird uns geschrieben: Seit drei Wochen stehen die Werkstätten Arbeiter der Eisenbahn- Hauptlinien, sowie der Gießereien von Buenos so Die ,, Liebe zur Scholle". Bürgerliche Blätter berichten: Eine der höchstgelegenen Auftedelungen des Thüringer Waldes ist der meiningische Marktflecken Steinheid, der 814 Meter hoch über dem Meere liegt. Einst eine blühende Bergstadt, vernichtete der 30jährige Krieg für immer Glück und Wohlstand. Hier oben gedeiht nicht Frucht und Korn. Doch die Liebe zur Scholle hat die Bewohner bis heute aushalten lassen. Monatelang in Nebel eingehüllt, oftmals gar lange durch Schneewehen eines harten Winters von aller Verbindung abgeschnitten, fämpfen die Steinheider seit Jahrhunderten Den bitteren Kampf gegen Hunger und Armuth. Der Haupttheil der 1500 Seelen zählenden Einwohnerschaft hat sich seit langem der Glasbläserei zugewandt, insbesondere es in der Herstellung des Christbaumschmuckes zu einer feltenen Vollkommenheit gebracht. Um das Absatzgebiet seiner„ armen Glasfinken" zu erweitern, hat der Drtspfarrer Roth die" Glasnisse in die Hand genommen. Wer hier mithelfen will und zugleich dem eigenen Chrififefte einen glanzvollen Baumschmuck an den Pfarrer Noth in Steinheid in Thür. zugleich mit der verleihen möchte, der richte möglichst jetzt schon seine Bestellung Einsendung des Betrages. Es gelangen Riftchen zu 4, 5 und 10 M. zum Versandt. und mechanischen Werkstätten Die Buchbinder Münchens haben ihre hauptsächlichsten Forderungen bis jetzt von 21 Firmen bewilligt bekommen. Die Ayres, La Plata, Rosario 2c. in heißem Kampfe um Innung jedoch will nicht bewilligen, insbesondere nicht die acht den Achtstundentag. Der Unternehmerverband, der sich der unstündige( effettive) Arbeitszeit. Der Millionär Olden bedingtesten Unterstützung der Behörden erfreut, hat nun bebourg hat diese Forderung mit dem Bemerken abgelehnt, erft follten die Inhaber der kleinen Geschäfte bewilligen, wo noch schlossen, um den Widerstand der Arbeiter jetzt oder später zu 10 und 11 flündige Arbeitszeit herrsche.( Umgedreht wird ein brechen, Arbeiter aus Europa heranzuziehen. Schuh draus: die kapitalfräftigen Firmen haben sozialpolitisch Durch Bekanntgabe der hier gezahlten Löhne soll das erreicht die Verpflichtung, mit den besten Arbeitsbedingungen voranzu werden. Da die Veröffentlichungen der Unternehmer aber nur gehen, denn sie sind dazu leichter im ſtande als die kleinen und dann Erfolg haben dürften, wenn die Arbeitsverhältnisse in fapitalarmen Geschäfte.) Die Münchener Buchbinder beschlossen nun, überall dort die Arbeit einzustellen, wo ihre Forderungen falschem Lichte geschildert werden denn die Löhne z. B. sind bis 1. Oktober nicht bewilligt sind. Zuzug nach München hier wegen des niedrigen Kurses des Papiergeldes und bläser- Bereinigung" gebildet und den Vertrieb heimischer Erzeugist deshalb aufs strengste zu vermeiden. infolge dessen wegen der Theuerung der Lebensmittel Am Streit in der Oppacher'schen lithographischen nicht besser, sondern schlechter als in Europa Kunstaustalt in München sind jezt ca. 180 Personen betheiligt, werden alle europäischen Arbeiter im eigenen wie im Intereffe vom Druckereipersonal allein 120, darunter 60 Arbeiterinnen. Die württembergische Metallarbeiter- Konferenz, die am der hiesigen Arbeiter eindringlich gewarnt, sich durch Verlockungen 20. September in Stuttgart tagte und von 29 Organisationen hiesiger Rapitalisten zur Auswanderung verleiten zu lassen. Bei beschickt war, stellte folgende Berhältnisse fest: In manchen der Hartnäckigkeit, womit sich das hiesige Unternehmerthum Orten herrscht noch zwölf und mehrstündige Arbeitszeit; auch namentlich in den gegenwärtigen Lohntämpfen, an denen zehn hier trifft es zu: je länger die Arbeitszeit, desto tausende von Arbeitern theilnehmen, selbst der geringfügigften geringer die Löhne. Schwere Mißstände, die zum theil ans Grauenhafte grenzen, wurden von den Vertretern der Uhren- Berbefferung der Arbeitsverhältnisse widersetzt, ist zu erwarten, industrie des Schwarzwaldes berichtet. Der Vertreter Schram daß nichts unversucht gelassen wird, um ein stärkeres Buströmen bergs konstatirte, daß daselbst in der Uhrenindustrie durchschnitt: europäischer Arbeiter herbeizuführen, obgleich dadurch an dem lich die Löhne sehr niedrig sind, der Durchschnittslohn beträgt Ausgang der gegenwärtigen Streits nichts mehr geändert werden höchstens 12 M.! Die Hausindustrie birgt die jämmerlichsten Mißstände. So wurden Fälle angegeben, daß Kinder im dürfte. Um so nöthiger ist es daher, daß unserer Warnung an Alter von drei Jahren mit in der Industrie die europäischen Arbeiter die weitefte Verbreitung gegeben wird, beschäftigt feien, und nicht allzulange dürfte es dauern, Wir bitten deshalb die gesammte europäische Arbeiter bis in der Schwarzwälder Uhrenindustrie schlesische Weberzustände presse um Abdruck des vorstehenden. herrschen. Aus Schwenningen wurde berichtet, daß dort die Arbeiter bei einem Lohn von 13 bis 15 Mart( Hausarbeit ein Der Metallarbeiter Verband in Buenos- Ayres, gerechnet) die Beleuchtung und das Werkzeug aus eigener Tasche Im Auftrag: J. Feldmann, Ramon Potau. bezahlen müssen; dasselbe muß vom Fabrikanten bezogen und häufig mit 30 und mehr Prozent höher bezahlt werden. einzelnen Fabriken ist für männliche und weibliche Arbeiter nur ein Ankleideraum und Abort vorhanden. Hausindustrie und Der Bericht des Fabrikinspektors für Renk ä. 2. ist Lehrlingszüchterei bereiten den Arbeitern die schlimmste Konkurrenz. im Anschluß an den XVI. Bericht der reußischen Handelstammer So giebt es Fabrikanten, welche einen Arbeiter und sieben Lehr- erschienen. linge beschäftigen. A In " Soziales. Eine Statistik über die Arbeitsverhältnisse der Sattler Breslau's, aufgenommen von deren Lohnkommission, ist in der Voltswacht" veröffentlicht. Demnach stellen sich die Arbeitsverhältnisse wie folgt: Werkstätten Arbeitszeit Lohn Sonntagsarb teine ja Leine teine Zur österreichischen Eisenbahner- Bewegung. Das Gewerkschaftsblatt" Der Eisenbahner" schreibt in einem Aufruf an die Fachgenossen:" Unsere Brüder in den Werkstätten der priv. österr.- ungar. Staatseisenbahn Gesellschaft in Prag- 3iztov und Bubna stehen im Kampfe zur Erringung menschenwürdiger Waggonfabriken Verhältnisse. Bekanntlich sind die Arbeiter der St. E. G. in den Wagenbauer Prager Werkstätten viel schlechter entlohnt als in den Rofferfabriken Wiener Werkstätten, daher kommt es auch, daß die Prager Genossen in den Streit getreten sind." 10 Std. 20 Mart 14 . 112 " . 101/2 101/2 16 15 10 15 teine " 3-6 m. Roft u. Logis meistens Treibriemenfabriken Kgl. Eisenbahn- Werkstätten und Train- Depot Sattlermeister( Kleinmeister) 12% Frucht und Korn gedeiht, so gar groß sein soll, ist unwahrDaß die Liebe der Steinheider zu einer Gegend, wo nicht scheinlich. Vermuthlich bleiben sie nur deshalb in der unwirthlichen Berglandschaft, weil sie zu arm find, um sich anders wo anzuñiedeln. Daß der Pfarrer Roth sich bemüht, ihre Existenz zu verbessern, ist gewiß anzuerkennen, aber wäre es nicht besser, und ihnen ihre Hütten abkaufte, damit sie sich anderswo einen wenn die meiningische Regierung fich der Steinheider annähme eigenen Herd gründen können? Die badische Regierung z. B. be folgt diese Taktik bei den einfam gelegenen und unproduktiven Ansiedlungen im Schwarzwald. Sie kauft das Terrain desselben Heimath mit nicht geringerer Liebe als die Thüringer, dennoch an und forftet es auf. Die Schwarzwälder hängen an ihrer greifen sie mit Vergnügen zu, wenn ihnen die Möglichkeit ges boten wird, sich anderswo eine beffere Existenz zu schaffen. Der Einfluß der Hochfluthen der Elbe auf das städtische Leitungswasser Dresdens und auf die Gesundheitsverhältnisse der Bevölkerung wird, gemäß einem Be. schluffe der Stadtverordneten, von jetzt ab durch statistische Aufnahmen ermittelt werden. Die öfterreichischen Zuckerinduftriellen wollen sich, wie ihre deutschen Kollegen, ebenfalls zu einem Ringe zusammens thun, um den Waarenpreis so hoch wie möglich zu erhalten, beziehentlich noch zu erhöhen. Wie schnell doch die Unternehmer den Nutzen der Vereinigung begreifen! Die Mehrzahl der Arbeiterschaft dagegen verharrt leider nach wie vor in der Vereinzelung, anstatt einzusehen, daß sie durch Anschluß an die Gewerkschaftsorganisationen ihre wirthschaftliche Lage sehr wohl verbessern und Verschlechterungen derselben hintanhalten kann. Depeschen und lehte Nachrichten. Weiter schreibt das genannte Blatt über diesen Ausstand: Die Arbeiter in Prag Bubna haben am 24. d. M. die Arbeit eingestellt. Sie sind wohl um 7 Uhr früh wie gewöhnlich in ihren Prag, 29. September.( W. T. B.) Aus Dux, Brüg und Arbeitsräumen erschienen und nahmen wie sonst ihre Arbeits- In der Jahresversamml ung des Vereins für Armen Komotau sind hier Nachrichten eingegangen, denen zufolge unter pläße ein, aber sie arbeiteten nicht. Um 12 Uhr mittags ver- pflege und Wohlthätigkeit, die in Straßburg i. E. tagte der Arbeiterschaft aufwieglerische Druckschriften verbreitet werden. ließen fie ungefähr 600 Mann- in aller Ruhe die Werk- berichtete am zweiten Tage Dr. Ossius Kassel über die Heran- Im Durer Kohlengebiet sind heute 700 bis 1000 Bergleute in stätten, in denen sie sich um 1 Uhr nachmittags wieder ziehung der Frauen zur öffentlichen Armenpflege, welche er Ausstand getreten. Die Ruhe ist bisher nicht gestört. einfanden. Sie verblieben hier bis 6 Uhr abends und warm befürwortet. In gleichem Sinne sprachen mehrere andere Paris, 29. September.( W. T. B.) Entgegen der Meldung arbeiteten abermals nicht. Tags darauf wurde seitens der Wert- Redner. Nach furzer Debatte wurde eine Resolution des Matin" erklärt der" Temps", der französische Botschafter stättenleitung der Auftrag ertheilt, daß jene Arbeiter, die nicht angenommen, welche die Heranziehung der Frauen zur öffent- Cambon habe dem Sultan gegenüber feineswegs eine drohende arbeiten wollen, die Werkstätten verlassen sollten. Sämmtliche lichen Armenpflege mittels organisatorischer Verbindungen, Sprache geführt, sondern habe sich darauf beschränkt, die Vers Arbeiter erklärten sich hierauf solidarisch, verließen mittags die wenn möglich Angliederung der Frauen an die Armen- wirklichung der den Armeniern gemachten Versprechungen dringend Werkstätten und erschienen nachmittags nicht zur Arbeit. Auch pflege, mit gleichen Rechten und Pflichten wie die Männer, anzurathen. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder, Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 229. Tokales. Mittwoch, den 30. September 1896. 13. Jahrg. Städtische Beamte als Mufiker. Gegen das gewerbs- daß die Deichsel die Pferde bei feite warf und die Achse brach. mäßige Musitmachen städtischer Beamten hat, wie schon berichtet, Beim Sturze flogen der Kutscher und sein Begleiter vom Bock der Verein Berliner Musiker eine Petition an die Stadt- herunter. Der Begleiter blieb unversehrt, der Kutscher dagegen Gestern hat unser Parteigenoffe Schriftseter F. Schulze verordneten- Bersammlung gerichtet, in welcher ersucht wurde, den verlegte sich am Schienbein so schwer, daß er ärztliche bas Gefängniß verlassen, nachdem er in dem bekannten Prozeß Beamten derartiges Musiziren zu verbieten. Der Petitions Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Ein großer Theil wegen der vorjährigen Märzzeitung in Plößensee vier Monate ausschuß der Stadtverordneten Versammlung hat beschlossen, der Ladung ging in Scherben. Der Wagen sperrte längere Gefängniß verbüßt hat. Wir bewillkommnen unseren Partei- bei der Versammlung zu beantragen, die Petition dem Beit beide Pferdebahn- Geleise und der Verkehr konnte nur genoffen in der wiedererlangten Freiheit" und sprechen die Magiftrat zur Erwägung zu überweisen, ob und in dadurch zur Noth aufrecht erhalten werden, daß man die Wagen Hoffnung aus, daß er bald wieder in voller Rüstigkeit für die welchem Maße dem Antrage der Petenten zu ent aushob und über das Straßenpflaster um das Hinderniß herumBefreiung des arbeitenden Volkes feine Kräfte einsetzen kann. sprechen sein möchte. Der Magistrat war vor einigen führte. Das Umladen des Porzellans, soweit es ganz geblieben Der Samariter- Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen Monaten um Auskunft darüber ersucht worden, wie viele war, nahm lange Zeit in Anspruch; bis das Verkehrshinderniß beginnt seinen diesjährigen Winterfurfus am Montag, den städtische Beamte zur Zeit gewerbsmäßiges Musiziren als Neben ganz beseitigt war, waren einige Stunden seit dem Unfalle vers 5. Oktober, abends 82 Uhr, im oberen Saal von Cohn's Feft gehören. Die Auskunft lautete dahin, daß die Erlaubniß zum beschäftigung betreiben, und welchen Beamtenkategorien sie an- gangen. fälen, Beuthstr. 20, mit einer einleitenden Versammlung, in der Kranse- Attentat und kein Ende. Die Ermittelungen aur alle weiteren Besprechungen stattfinden. Der Besuch dieser Ver- usiziren erhalten haben: Ein Hausvater, zwölf Stenererheber, Aufklärung des angeblichen Mordanschlages gegen den Polizeisammlung oder einer anderen Sigung des Samariter- Kursus die Zahl ist seit 1879 von 40 auf 31 heruntergegangen. Im Obersten Krause werden von der politischen Polizei noch immer steht jedermann, ohne irgend welche Verpflichtung, als Gaft frei. Petitionsausschuß wurde geltend gemacht, daß nicht nur die Männern, die den grauen Anzug des Paul Koschemann zu Der Zweck des Samariter- Kursus ist nach§ 1 des Statuts:„ Die Petitionsausschuß wurde geltend gemacht, daß nicht nur die fortgesetzt; man sucht gegenwärtig auch noch nach den beiden Der Zweck des Samariter- Kursus ist nach§ 1 des Statuts: Die den beiden Arbeiter und Arbeiterinnen zu unterrichten durch Vorträge und städtischen Beamten den Petenten zu ihren Klagen Anlaß gäben, dessen Zante Frau Koschemann gebracht haben sollten. Frau praktische Uebungen: a) in der ersten Hilfe bei Unglücksfällen, sondern auch die Militärkapellen zc. erschwerten durch billige Roschemann hat später nicht mehr von zwei Männern, sondern b) in der ersten Hilfeleistung bei plöglichen und gefahrdrohenden Konkurrenz den Zivilmusikern das Gewerbe. von einem Jungen gesprochen und dann endlich zugegeben, den Erkrankungsfällen, c) in den Grundzügen der Krankenpflege." Warnung vor Soldatenwerbern. Seit einiger Zeit ver- Anzug seit der Verhaftung ihres Neffen ständig besessen zu haben. Das Eintrittsgeld zum Samariter- Kursus beträgt 40 Pf., der suchen es zwei geriebene Gauner, anscheinend Deutsch- Amerikaner, Sie will ihn nur verheimlicht haben, damit nicht das Gericht monatliche Beitrag 25 Pf. junge und auch ältere Männer durch glänzende, gedruckt vor- zur Deckung entstandener Kosten ihn wegnehmen konnte. Es gezeigte Auerbietungen dazu zu bewegen, sich für die Armee der scheint immer noch nichts bei der Geschichte herauszukommen. beiden Ehrenmänner, die sich als Kap. Geo. Hubbard aus New alte Martha Kruse aus der elterlichen Wohnung in der JüdenVereinigten Staaten von Nord- Amerika auwerben zu lassen. Die Verschwunden ist seit Sonnabend Nachmittag die 16 Jahre Orleans und Kap. Fred Williams aus San Franzisko ausgeben papiere bei sich führen, treten mit großer Die akuten Darmkrankheiten haben auch im August dieses Jahres verhältnißmäßig wenig Sterbefälle ver urfacht. Die diesbezüglichen vorläufigen Veröffentlichungen liegen der akuten Darmerkrankungen auf. bekannt. • nur ein Köder, denn es weichen. Die Firma engagirte Sommers( wenn man diesen, wie es die Meteorologie thut, vom Sicherheit auf. Sie sehen es meist auf Leute ab, die mit ihrer spielte, wurde das Mädchen von einer Verwandten hinabgeschickt, 1. Juni bis 1. September statt vom 21. Juni bis 21. September Existenz unzufrieden sind, sich aber noch im Besize von Geld um ihm fünf Pfennig zu geben. Die Gelegenheit benutte Martha annimmt). Für den ganzen Sommer dürfte sich eine bemitteln befinden. Zwar wird als Hauptforderung gestellt, daß Kruse, die etwas schwachsinnig ist, nicht einmal ihren Namen deutende Verminderung der Sterblichkeit an atuten Darmtrantheiten ergeben. In Berlin z. B. der Rekrut bereits Soldat gewesen sein und sich gut geführt schreiben kann und daher fortgesetzt überwacht wurde, zum Ents wird sich das Minus an Sterbefällen dieser Art auf über wird auch jedem Nichtgedienten, der einige Mark mehr für die 3. haben muß; jedoch ist dies 1000( ein Drittel der Sterbefälle des vorigen Sommers) stellen. Bemühungen der Agenten bezahlen will, versprochen, daß er berichtet. Getränkter Ehrgeiz und Sorge um die Zukunft haben Die Tragödie eines Handelsangestellten. Uns wird In den 13 Wochen vom 31. Mai bis 29. August 1896 starben in Berlin, nach den Wochenberichten des Berliner„ Statistischen Geld wird nach Angabe der Werber als eine Art Kaution be- veranlaßt. K., der seit 19 Jahren in einem der bedeutendsten baldigst unter dem Sternenbanner dienen soll. Das angezahlte den vierzigjährigen Lageristen K. zu einem Selbstmordversuch Amts", an Diarrhoe 580 Personen, an Brechburchfall 1056, an trachtet, die bei Einreihung in die Armee zurückgezahlt wird. hiesigen Eisenwaarengeschäfte in Stellung ist und dort den Magen- und Darmkatarrh 405, insgesammt 2041 Personen. Da- Der erste Transport nach New- York sollte in voriger Woche ab- Poften eines Lagerverwalters einnahm, hatte sich der Hoffnung gegen flarben im Juni, Juli, August 1895: 3169, 1894: 2462, gehen. Auf dem Lehrter Bahnhofe hatten sich zwar eine Anzahl hingegeben, an ftelle eines fürzlich abgegangenen Prokuristen die 1893: 2692. 1892: 2473, 1891: 2290 Personen an Diarrhoen.s. w. Rekruten, nicht aber die beiden„ Kapitäne" eingefunden. Nur Prokura zu erhalten, wiewohl von der Firma ihm diesbezügliche Die, wie man sieht, ungewöhnlich niedrige Sterblichkeit von 1896 schwer überzeugten sich die Geprellten davon, daß die so ehren Angaben durchaus nicht gemacht waren. läßt den Einfluß der im ganzen kühlen Witterung des dies- haft auftretenden Gentlemen gemeine Schwindler find. Wie vielmehr einen jungen Mann aus Hamburg, welcher die Stellung jährigen Sommers deutlich erkennen. Sterbefälle auf die Stadttheile war wieder die bekannte: weder von einem Kapitän Hubbard noch von einem Kapitän durch sehr gekränkt, er trat seinem neuen Kollegen feindselig sehr wenige in den reicheren Gegenden, sehr viele in den Williams oder deren Werbe Angelegenheiten irgend etwas gegenüber, umsomehr, als er sich in dem durch nichts bestätigten ärmeren, meist von Arbeitern bewohnten Stadttheilen. Es starben z. B. in Friedrichstadt nur 7, östliche Tempelhofer VorWahn befand, daß ihn der neue Prokurist nicht leiden könne und ftadt 24, Schöneberger Vorstadt 38, dagegen z. B. jenseitige In der zweiten städtischen Fortbildungsschule, Wiesen- ibn aus der folange innegehabten Stellung vertreiben werde. Luisenstadt 251, Stralauer Viertel 329, ferner Oranienburger Straße 66, welche mit der 7. Abtheilung des Gewerbefaales ver- Diese beiden Umstände wurden bei K. zu einer so firen Idee, Vorstadt 216, Wedding 245, Rosenthaler Vorstadt 403. Das er- bunden ist, besteht seit dem Wintersemester ein besonderer Kursus daß er vorgestern zum Revolver griff und sich eine Kugel in den tlärt sich nicht blos daraus, daß die Arbeiterviertel kinderreicher im Modelliren für Schmiede, Schlosser und verwandte Gewerbe, Kopf jagte. Das Geschoß durchbrach das rechte Auge und be find, ben akuten Darmkrankheiten fallen ja fast nur Kinder auf den die Interessenten hiermit besonders hingewiesen werden. Schädigte auch den linken Augapfel, ohne jedoch eine tödtliche zum Opfer sondern noch mehr daraus, daß Arbeiterkinder In den bereits bestehenden Kursen für Deutsch, Rechnen, Verlegung herbeizuführen. Der Unglückliche, der jedenfalls sein schlechter ernährt und gepflegt werden können als die der Wohl- Phyfit, Geometrie und einfache Buchführung wird der Unterricht Augenlicht völlig verlieren wird, wurde nach dem Krankenhause habenden und daher weniger widerstandsfähig sind. Auch die unentgeltlich ertheilt, für den Unterricht im Birkelzeichnen, in der Am Urban gebracht. Er wird dem Leben erhalten bleiben. Bororte Berlins weifen eine nicht unbeträchtliche Verminderung Schulgeld von 2 M. zu entrichten; für Französisch, Englisch, blatt" zufolge am Montag Abend auf dem Alexanderplaß ein doppelten Buchführung. Mechanik und Stenographie ist ein Allgemeines Aufsehen und Mitleid erregte dem„ FremdenFachzeichnen und Modelliren hingegen werden bei wöchentlich vollständig verkrüppelter Bergmann in Uniform und mit dem Militär- und Bevölkerungsstatistik. Bei der Zählung 4 Unterrichtsstunden halbjährlich 4 M. erhoben. von 1895 wurden in Berlin 22 880 Mann Militär ermittelt, richt beginnt am Mittwoch, den 14. Oftober. Anmeldungen für auf der Erde rutschend fortbewegen konnte. Auf Befragen gab Der Unter eisernen Kreuz geschmückt, der sich nur auf zwei Handstüßen und gegen 19 884 bei der Zählung von 1890. Für die zwischen je fämmtliche Kurse nimmt der Leiter der Anstalten, Herr Brügge er an, daß er vor 18 Monaten in der Kaisergrube" bei Dorts zwei Zählungen liegende Zeit wird die Bewegung des Militär- mann, in seinem Amtszimmer, Wiesenstr. 66, abends vor Beginn mund durch schlagende Wetter zu Schaden gekommen sei und nun bestandes dem Berliner Statistischen Amt" nur sehr unvoll- des Unterrichts und Sonntags von 12-1 Uhr entgegen. tommen bekannt, da die aktiven Militärpersonen in den polizeials Unterstüßung pro Tag 60 Pf. erhalte. Er wohne Lieblichen Meldungen der Zu- und Abzüge nach und von Berlin Heute ist der lezte Tag in diesem Jahre, wo mannstr. 5 bei seiner Mutter, aber zu einem Wagen reichen die zum größten Theil fehlen. Die Fortschreibung der Bevölkerungs- die Sommertarten und festen Rundreise Hefte 60 Pf. eben nicht aus. Das Blatt frägt, ob es denn wirklich ziffer wird dadurch sehr erschwert. Das„ Statistische Amt" hat an den Eisenbahn Schaltern verkauft werden. Die an diesem nicht möglich sein sollte, für diesen verkrüppelten Vaterlandswenigftens die Differenz der Kopfzahl durch alljährliche Anfrage Tage gelösten derartigen Fahrausweise gelten dann noch 10, vertheidiger einen Wagen zum Fortbewegen zu beschaffen? beim Gouvernement festzustellen versucht. Die gegebenen Aus- 14 oder 45 Tage, also bis spätestens 13. November einschließlich Ueber die mysteriöse Entführung eines vierjährigen künfte standen jedoch mit den Volkszählungs- Ergebnissen in der Eisenbahnfahrt. Diese Bestimmung über die Giltigkeits- Kindes werden einem hiesigen Blatte folgende Einzelheiten Widerspruch und reichten auch für die Fortschreibung schon des- dauer bis in den November hinein, sowie die weitere, daß In- aus dem Westen Berlins gemeldet: Das Töchterchen eines Rohrhalb nicht aus, weil die Kenntniß der im Alter der Militär- haber von Sommer- Fahrkarten und Rundreise- Heften die Reise legers S. verschwand am Freitag voriger Woche in der personen eingetretenen Aenderung fehlte. Die abweichende Alters- an einem beliebigen Tage innerhalb der Giltigkeitsdauer Dämmerstunde; das Kind schildert die Entführerin als eine vertheilung konnte sich immer erst bei der nächsten Zählung er antreten dürfen, ist dem reisenden Publikum vielfach nicht ältere weibliche Person, welche die Kleine einem Manne übergeben, während man sich für die Jahre zwischen den Zählungen bekannt und verdient daher besonders hervorgehoben zu werden. gab. Soweit geht der Bericht des Kindes, dem gegenüber mm mit Schätzungen behelfen mußte. Um diesem Uebel. Wer also den einen oder andern von den mit den Sommerkarten folgende weitere Thatsachen bekannt geworden sind: In der Nacht ftande abzuhelfen, hatte das Statistische Amt" 1890 und verbundenen Vortheilen für eine in der nächsten Zeit auszu- des nämlichen Tages hörten Bewohner eines Hauses in 1891 mit dem Gouvernement und dem Kriegsdepartement darüber führende Reise noch mitnehmen will, der möge den heutigen Tag der N- Straße wimmernde Kinderstimmen, nach längerem Suchen verhandelt, ob nicht fünftig über die Veränderungen des zur Lösung einer solchen Fahrkarte noch wahrnehmen. fand man im Keller ein Kind vor, das halb entkleidet war und Militärstandes durch Zu- und Abzug ausführlichere Mit- Die Architektur der Kirche mit der weggemeißelten dem ein Theil der Bekleidung völlig fehlte. Das Mädchen theilte theilungen gemacht werden könnten. Dabei wurde vom„ Sta- Kameel Inschrift. Hiesige Blätter melden, daß nochmals eine bei Auffinden mit, daß ein Mann sich seiner Sachen bemächtigt tistischen Amt" darauf hingewiesen, daß gerade die Veränderungen Probe- Ausführung des Ueberganges der elektrischen Stadtbahn habe und plöglich davongelaufen sei; er habe mit dem Messer des Militärftandes gut kontrollirbar feien, und daß ohne über den Kurfürstendamm vor dem Grundstück 113 in dieser gedroht, wenn sich das Kind nicht still verhielte. Am daraufBerücksichtigung dieser Aenderungen alle auf die Gesammt Straße aufgestellt worden sei, damit eine im Auftrage des folgenden Tage wurde das Kind den Eltern wieder zugeführt. bevölkerung bezüglichen Rechnungen, namentlich die Ver: Kaisers gebildete Kommission fich davon überzeugen solle, daß Welchen Hintergrund die Sache hat, wird wohl die weitere gleichung der Sterblichkeitsverhältnisse, ungenau würden. Es durch den Hochbahn- Biadukt der Kirche keinerlei Abbruch ge- Untersuchung ergeben, jedenfalls können Eltern nicht dringend erfolgte zweimal ein ablehnender Bescheid, das zweite Mal mit schehe. Nach der Besichtigung wurde über das Resultat derselben genug gewarnt werden, ihre Kinder vor derartigen Ünholden zu der Begründung, daß es dem Gouvernement wie den Truppen in den Geschäftsräumen der Kirche ein Protokoll aufgenommen, = # theilen an Schreibkräften fehle. In dem( erst jetzt erschienenen) welches nebst den schon neulich aufgenommenen Photographien Arbeiterrififo. Beim Auftreichen des Hauses Alexandrinen. 2. Heft des Berichtes über die Berliner Ergebnisse der Volts: dem Kaiser vorgelegt werden soll. Danach wurde die Probe- ftraße 112 fiel Montag Nachmittag des 33jährige Malergehilfe zählung von 1890 wird der Gang der Verhandlungen noch ein- brücke" wieder abgebrochen. mal ausführlich dargestellt und dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß das„ Statist. Amt" gerade hinsichtlich der Nachrichten über Der deutsche Handwerker- und Arbeiter- Notizkalender, denjenigen Theil der Bevölkerung, über den sie sich in größter den wir gestern unseren Lesern empfehlen konnten, tostet nicht, Boukommenheit in den Händen der kompetenten Behörden bes wie wir irrthümlich mittheilten, 50 Pf, sondern 60 Pf. finden, nach wie vor in Unkenntniß bleibt und so genöthigt wird, auch für die Gesammtbevölkerung auf die Gewinnung forretter Zahlen zu verzichten. Richard Rotter etwa 2 Meter hoch von einer Leiter und verletzte sich so erheblich am Unterleibe, daß seine Ueberführung in die unfallstation I erforderlich wurde. An der Börse wurde gestern Mittag 121/2 Uhr der Jus Die ihm anvertrauten Depots sich nicht mehr in seinem Besitz bhaber der Bankfirma A. E. Schneider, Köpnickerstr. 126a, verhaftet, nachdem es sich am Vormittag herausgestellt hatte, daß befanden. gemeinde werden gegenwärtig Protestunterschriften gesammelt. Gegen Jokrant's Wahl zum Prediger in der SophienEs sollfe uns leid thun, wenn diese Proteste Erfolg hätten. Aus dem Nordosten Berlins ertönt aufs neue ein Noth Im Berliner Aquarium sind wiederum verschiedene Neuschrei über die Unbilden, die durch Ausströmen der üblen Gerüche beiten und Seltenheiten eingekehrt. Zum ersten Male hier er ein etwa 17 jähriger Bursche für eine von ihm verübte Rohheit. Eine wohlverdiente Züchtigung erhielt Montag Abend aus den verschiedenen auf dem Biehhofe errichteten Fabriken den schienen ist eine Spezies der durch die Bartheit des Baues, den Ohne jede Beranlassung hatte er in der Schönhauser Allee einen dortigen Anwohnern zugefügt werden. Der pestilenzialische Duft der Färbung und die Anmuth der Bewegungen vor allen mit Gipsfiguren handelnden Knaben so angerempelt, daß letterer Geruch, der der Albuminfabrik, der Darmschleimerei und anderen Thiergruppen ausgezeichneten Quallen, und zwar eine niederstürzte und der Inhalt seines Korbes zertrümmert wurde. Gerberei entströmt, ist bei bestimmten Windrichtungen un Art Wurzelmund- Qualle( Coty- Corhiza), welche nach den recht Hohnlachend stand der Thäter dabei, doch sollte sich sein erträglich und gesundheitsgefährlich. Dazu kommt, daß zur langen, wurzelförmigen, mit zahlreichen fleinen Saugnäpfen ver- Lachen bald in Heulen verwandeln. Einige Männer hatten den Orientirung über die neu erschlossene Gegend bisher an der Ecke sehenen Mundarmen so benannt ist und mit ihrem gelbweißen, Borfall beobachtet und ließen dem Burschen einen derben Denkder Landsberger Allee und Petersburgerstraße sowohl Straßen- flach hutsförmigen Schirm, ihrer röthlichen bis gelblich braunen zettel zukommen. Auch wurde er gezwungen, seine ganze Baars schild als auch Beleuchtung fehlt. Die Petersburgerstraße bat Mundscheibe, ihren milchweißen und auf der Westseite feinerlei Straßenbeleuchtung und auf der Ost- Armen bernsteinfarbigen schaft, die allerdings nur 1,60 M. betrug, dem geschädigten Knaben und ihren braunen und violetten Saugkrausen auszuhändigen. seite spenden einige wenige Petroleumlämpchen ihr dürftiges eine der lieblichsten Erscheinungen, die zudem noch den Reiz der Licht. Sollte die nothwendige Gasbeleuchtung noch länger aus Neuheit für sich hat, bildet. Während diese Bewohnerin des Huglücksfälle. Auf der Schöneberger Brücke stieg Montag bleiben, dann dürften im Winter bei Glatteis Unfälle dort an Mittelmeeres einen der oberen fleineren Seewasser Behälter Nachmittag der 40jährige Lehrer Julius Bredereck über die der Tagesordnung sein. belebt, sind in das sogenannte Ortopusbecken des unteren Ganges Kette, durch die die Brücke während des Aufziehens der Den Stadtvätern, welche bei aller freisinnigen Unentwegt zwei Bürger der Meere heißer Zonen eingezogen, nämlich zwei Klappen abgesperrt worden war, fiel, mit einem Fuße an der heit den Atheismus strengstens verabscheuen und im grunde ihres jüngere Exemplare der echten Carettschildkröte, eine dem Aquarium Kette hängend, hin und zog sich eine Berrenkung des rechten Herzens dahin trachten, daß die Religion dem Volfe erhalten" bislang fehlende Spezies, deren zu Floffenfüßen umgewandelte Armes zu. Am Zirkus Busch fiel gegen Abend der 14jährige bleibe, drohen von seiten der Kirche immer neue Freuden. Die Gliedmaßen sowohl dem Aufenthalt in den Fluthen des Ozeans Sohn des Arbeiters Sikova beim Spielen in die Spree, wurde Konsistorialordnung von 1573 ist nämlich schon wieder gegen angepaßt sind und deren Schale das schäzenswerthefte Schild- jedoch von Schiffern, anscheinend ohne Schaden genommen zu die Berliner Steuerzahler hervorgeholt worden. Auf grund patt giebt. haben, aus dem Wasser gezogen. In der Trunkenheit fiel an der dieses verstaubten Dokuments hat der Polizeipräsident v. Wind- Zu einer großen Verkehrsstörung führte am Montag Rottbuser Brücke der obdachlose Arbeiter Albert Goetsch hin und heim die Stadt Berlin für verpflichtet erklärt, zum Bau einer neuen Abend in der Anbaltstraße ein Unfall, der einem Speditions. 80g sich eine Quetschung am Hinterkopfe zu. Er wurde in das Kirche für die Golgatha- Gemeinde, die angeblich dringend nothwendig wagen der Privatpost zustieß. Der Wagen hatte vom Anhalter Krankenhaus am Urban gebracht. ift, 174 655 M. beizusteuern. Man möge nicht verabsäumen, zu Güterbahnhofe 80 Bentner Porzellanwaaren abgeholt, die er in Unfälle im Straßenverkehr. Montag früh fiel der achts diesem Gelde noch einige freie Pläge für Kirchenbauten drauf- die Stadt hineinbringen sollte. Vor dem Hause Anhaltstr. 9 jährige Sohn des Gasarbeiters Knoche von der Deichsel eines zugeben. schleuderte das Vordertheil auf einer Pferdebahnlinie so start, mit einem anderen Wagen vorschriftswidrig zusammengekuppelten ffoMeiuttftgeitS, auf die er sich gesetzt hatte, gerieth unter die ">ader und erlitt einen Bruch des rechten Ober- fcheulels. Er ivurde nach der Charitee gebracht.— An der Ecke der Herwarlhstraße und der Moltkebrücke fand vormittags ein Zusammenstoß zwischen einem in zu kurzem �oogen um die Ecke biegenden Mörtelwagen und einer Droschke statt, wobei die drei Insassen der letzteren heraus- geschleudert wurden, ohne jedoch irgend welchen Schaden zu er» leiden. In der Pappel-Allee wurde das Pferd einer dort haltenden Droschke durch das Pfeifen der Lokomotive eines Ring- bahnzuges scheu. Als der neben dem Wagen stehende Droschken- kuticher Adolf Nauendorf das Thier aufhalten wollte, gerieth er unter die Räder und trug eine erhebliche Verletzung davon. Auf der Unfallstation II wurde ihm ein Verband angelegt. Unter den Linden schlug das Pferd eines Geschäftswagens plötzlich mit beiden Hinterfüßen aus und traf den neben dem Kutscher sitzenden 22jährige» Tischler Hermann Hübner aus Friedenau, so daß dieser«inen Bruch des rechten Unterschenkels erlitt. Er wurde nach der Universitäts-Klinik gebracht.— Abends lief die 73jährige Almosenempfängerin Ernestine Müller in der Gerichts- straße gegen einen Geschäftswagen, gerieth unter die Räder und erlitt erhebliche Verletzungen am Kopfe und am Fuße. Sie wurde nach der Unfallstation VI und alsdann von dort mittels Krankenwagens nach dem Paul Gerhard- Stifte gebracht.— Beim Besteigen eines in der Fahrt befindlichen Rollwagens fiel in der Gartenstraße der 37 jährige Maler Heinrich Krause hin, wurde überfahren und am linken Fuße verletzt, so daß seine Uebersühnmg in die Charitee erforderlich wurde. Zum bevorstehenden Ilinzngtermin sei darauf aufmerksam gemacht, daß Wohnungen von zwei Zimmern am ersten Tage, Wohnungen von drei und vier Zimmer» am zweiten Qunrtals- tage 12 Uhr mittags und Wohnungen von mehr als vier Zimmern am dritten Quartalstage 12 Uhr mittags geräumt sein müssen Bei Wohnungen, welche aus drei Wohnzimmer» bestehen, muß dem zuziehenden Miether am ersten Quartalstage ein Zimmer freigemacht werden, bei größeren Wohnungen sind am ersten Tage zwei Zimmer einzuräumen. Diese Polizeiverordnung be zieht sich nur auf Wohnungen, nicht auf Geschäftsräume. Wieviel Schritte macht ein Kellner an einem Tage? Diese Frage ist, wie gemeldet wird, in einem gegebene» Falle entschieden worden: ein Kellner einer sehr besuchten Restauration zählte seine Schritte mit einem Schrittmesser und fand, daß er den ganzen Tag hindurch S1 348 Schritte gegangen sei. Das entspricht einem Wege von 42,8 Kilometer, den ein Kellner machen muß, ohne daß er von seinem Unternehmer auch nur einen Pfennig vergütet bekäme. Zeugen gesucht. In einer Versammlung am 8. August d. I. in B a u m s ch u l e n w e g sprach Genosse Jahn über das Bürgerliche Gesetzbuch. Er soll sich während seiner Aus- führungen einer Beleidigung der Gendarmerie schuldig gemacht haben. In der Sache steht bereits am 20. Oktober Termin an. Alle diejenige», welche das Bureau jener Versammlung bildeten und genaue Angaben über die Ausführungen Jahn's machen können, werden um sofortige Angabe ihrer genauen Adresse er- sticht. P a u l I a h n, Berlin 8., Prinzenstr. 23, III. Ans den Nachbarorten. Die Parteigeuossen von Rixdorf werden wiederholt au die Parteispedition aufmerksam gemacht. Wir bitten, den„Vor wärls", das.Volksblatt", den„Wahren Jakob", den„Postillon", die„Glühlichter" sowie sämmtliche Parteiliteratur beim Genosse» Ostermann. Jägerstr. 70, zu bestellen. An die Parteigeuossen von Deutsch- Wilmersdorf. Partetgenossen! Wie bekannt, besteht hier am Orte eine politische Organisation, die sich die Verbreitung unserer Ideen zum Ziele gesteckt hat mad ihren Mitgliedern Belehrung und Förderung ihrer Interessen bietet. Darum ist es Pflicht eines jeden Ar beiters, der sich als Sozialdemokrat bekennt, dem Arbeiter- Bildungsverein beizutreten. Die Versammlungen finde» jeden ersten Mittwoch nach dem l. und lö. eines jeden Monats. abends 8V2 Uhr, im Volksgarten, Ber linerstraße 40 statt. In den Versammlungen nach dem Ersten findet regelmäßig Vortrag statt. In der nächsten Versammlung am 7. Oktober wird Genosse Schubert über die Programme der Parteien sprechen. Der Vorstand. I. A.: E. Witte. Die Arbeiterschaft von Adlcrshof und Glienicke wird, darauf ausmerksam gemacht, daß für beide Orte eine Partei- spedition besteht. Bestellungen auf den„Vorwärts" und die übrige Parteiliteratur werden für Adlershof an der Bahn, ferner bei W. Hichels, Kronprinzenstraße, Rattunds Haus, bei Otto Plöger. Genossenschaftsstraße 21, sowie bei Hempel, Qppelnerstr. 3, ent gegengenommen; für Glienicke bei Otto Spicker. Grünauerstr. 1 Die Parteigenossen werden aufgefordert, thatkräftig für die Ver- breitung der Arbeiterpresse zu sorgen. Ueber die Unstcherheit auf dem Tempelhofer Felde wird gegenwärtig wieder lebhast Klage geführt.'Arbeiter, welche von Tempelhof oder Schöneberg kommend nach Rixdorf gehen wollen, wagen es kaum noch, nach Eintritt der Dunkelheit diesen Weg allein zu unternehmen. Wiederholt haben diese Leute sich gegen das Gesindel vertheidigen müssen, das sich hinter den neu angelegten Hecken des Kavallerie-Uebungsplatzes versteckt hält. Auch die Gegend deS Militärkirchhofes gilt als besonders un- sicher. Dort halten angehende„Athleten" ihre Uebungen ab. Zu welchen Zuständen die Aussichtslosigkeit eines solchen um- fangreichen Terrains in der unmittelbaren Nähe dicht bebauter Stadttheile führt, das läßt sich leicht ermessen. Ehelicher Zwist veranlaßt« gestern Abend die 23 Jahre alte Brauerfrau Martha K. aus Schöueberg zu einem Selbstmord. versuche. Die junge Frau hatte sich mittags mit ihrem Manne gezankt, der unausgesöhnt von Hause weggegangen war. Als sie ihm nun später das Abendbrot nach der Brauerei brachte, weigerte er sich es anzunehmen und bemerkte dabei, sie solle machen, daß sie damit nach Hause komme, er werde sich von ihr scheiden lasse». Daraufhin lief die Frau nach dem Landwehr- Kanal und stürzte sich von der Potsdamer Brücke kopfüber ins Wasser. Man rettete jedoch die Lebensmüde und brachte sie in ein Krankenhaus. In den Waldungen bei Buckow ist nach den Feststellungen des Professors Frank von der hiesigen landwirthschastlichen Hoch- schule ein Schädling, die Raupe der Kiefernblattivespe, auf» getreten. Um der weiteren Verbreitung vorzubeugen, empfiehlt Professor Frank, Hühner in die Wälder einzutreiben, die die mit dem eintretenden Herbst in einen Kokon sich verspinnenden Raupen auS dem Erdboden herausholen und fressen. Außer- dem sollen die befallenen Bestände durch Fanggräben begrenzt werden. Eine Blutthat, der ein Beamter zum Opfer gefallen ist, wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in Strausberg verübt. Der Amtsdiener Puhlmann wurde auf einem Patrouillen- gange zwischen der Stadt und dem an der Wriezener Chaussee gelegenen„Gasthos zur Sappe" von 8-10 jungen Burschen hinterlistig überfallen und mit Messern derart zugerichtet, daß er aus vielen Wunden blutend bewußtlos liegen blieb. Aufgefunden. wurde er nach seiner Wohnung gebracht, wo er am Sonntag früh starb. Fünf von den Thätern sind bereits verhaftet, es sollen dies Schuhmachergesellen sein, die theils in Strausberg, theils in Wiltendorf arbeiten. Der übrigen Mitthäter hofft man bald habhaft zu werden. Der Getödtete hinterläßt eine Frau und vier Kinder. In der königl. Gewehrfabrik zu Spandau vollzieht sich jetzt eine totale Umwälzung. In diesem Institut bestand, so schreibt die„Volks-Zeitung", von früher her die Einrichtung, daß die Meister gewissermaßen Privatunternehmer im Staatsbetriebe� waren; sie hielten zur Fabrikation der Gewehre Handwerkszeug vor und übernahmen auch Materiallieserungen. Nun giebt es im ganzen Deutsche» Reiche wohl wenig oder gar keine stellen, die so gewinnbringend wären wie die jener Meister. Zn Zeiten großen Betriebes haben dieselben binnen wenigen Jahren ein großes Ver- »lögen erworben. Während die Meister der übrigen Militär-Werb stätten, die aus gleichen Verhältnissen(dem Handwerkerstände) hervorgegangen sind, als Beamte Gehälter von 1800—2700 M. beziehen, verdienten die Meister der Gewehrsabrik jährlich un- gezählte Tausende. Man sagte von ihnen, daß sie das Geld scheffelweise nach Hause schafften. Thatsache ist, daß die Meister der Gewehrfabrik die wohlhabendsten Leute von Spandau sin3 Einer von ihnen gilt als mehrfacher Millionär. Dieser Ein- richtung wird jetzt ein Ende gemacht. Das Reich kauft den Meistern das Handwerkzeug ab und vom 1. Oktober d. I. an werden nur Beamte als Meister verwendet, die festes Gehalt b« kommen. Die alten, wohlhabend gewordenen Meister haben unter diesen Umständen den Dienst zum größten Theil quittirt. Aus Anlaß dieser Umgestaltung ist der Betrieb der Gewehrsabrik auf ein ganz geringes Maß beschränkt worden. Von den früher noch beschäftigten 900 Arbeitern sind 700 den anderen Militärwerkstätten überwiesen worden. Gewerb e-Nttsffelftmg 1896. Das Riefeufernrohr ist, wie ein Berichterstatter meldet, nunmehr dem Publikum zur Durchsicht freigegeben und wird eifrig benutzt. Es hat sich jedoch der Uebelstand herausgestellt, daß sich die Besucher in den Abendstunden an dem Rohr zusammendränge», u«d müssen infolge dessen viele unbefriedigt wieder weggehen. Die Durchsicht durch das Riesenfernrohr ist in der Zeit von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends gestattet; aber auch am Tage können, abgesehen von interessanten Sonnenflecken, Beobachtungen von Sternen vorgenommen werden. Bei klarem Wetter ver- anstaltet die Direktion täglich von 10—12 Uhr astronomische Abende; die Betheiligung an denselben ist auf die fabelhafte Höhe von 20 M. pro Person festgesetzt. Der Preis für das Durchblicken durch das Fernrohr beträgt, ist also gleichfalls, die Nichtigkeit der Meldung vorausgesetzt, für gewöhnliche Leute un- erschwinglich, 3 M. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß die werthlosen Koupons vom Theater„Alt-Berlin" in den Jdealbüchern bei dem Riesenfernrohr Giltigkeit haben und zum vollen Eintrittspreis in Zahlung genommen werden. DieKonpous berechtigen zur Besichtigung der astronomischen Ausstellung als auch der Konstruktion des Riesenfernrohres. Dasselbe ist nur bis zum 15. Oktober dem Publikum zugänglich. Ein merkwürdiger Diebstahl ist in der Jndustriehalle verübt worden. Der Vertreter einer Schuhwaaren-Firma machte dieser Tage der Gendarmerie davon Mittheilung, daß aus seinem Schrank drei Paar Schuhe gestohlen worden seien. Eine In angenscheinnahme des Schlankes ergab, daß der Dieb im Besitze von Nachschlüsseln gewesen sein muß, da der geplünderte Schrank wieder kunstgerecht verschlossen worden war. Ein etwas miß- trauischer Gendarm begab sich daraufhin nach der in Rixdorf belegenen Wohnung des Vertreters des bestohlenen Ausstellers und nahm dortselbst eine Haussuchung vor. Diese brachte das überraschende Resultat, daß nicht nur die in der Ausstellung gestohlenen drei Paar Stiefel gefunden wurden, fondern auch noch diverse andere Paare Stiefel, welche der Vertreter vermuthlich aus dem Hauptgeschäft der Firma hat mitgehen lassen. Der ungetreue junge Mann wurde verhaftet. gleich mit dem Wiener Burgtheater zur ersten Aufführung bringt. wirken fast alle ersten Kräfte mit. Agnes Sorma und Josef Kainz spielen sowohl in„Teja" wie in., Fritzchen" und im „Ewig-Männlichen" Hauptrollen, serner treten u. a. Marie Meyer, Hermann Müller, Hermann Nissen, Emanuel Reicher, Oskar Sauer und Guido Thielscher auf. Heute, Mittwoch, spielt Guido Thielscher als Antrittsrolle am Deutschen Theater den Habakuk im Talisman; Josef Kainz giebt den König, Hermann Müller den Berengar, Emanuel Reicher den Niccola. Ueber Peary's Nordpolexpedition wird aus K o p e n- Hägen berichtet: Dem hiesigen amerikanischen Gesandten ist die folgende Meldung von Lieutenant Peary zugegangen: Peary sei am 2. August d. I. mit seiner Expedition in Godhavn (Grönland) eingetroffen und am folgenden Tage nach Upernivik und Cape Jork weitergereist. Sein Schiff„The Hope" habe bei der Küste von Labrador und in der Davis-Straße durch große Mengen schweren Treibeises Verspätung erlitten. Peary werde wahrscheinlich gegen den 10. September in Godhavn zurück sein. An Bord sei alles wohl. Munxt und Das Theater des Westens, Deutschlands prächtigste Schau bürg, wie es die Enthusiasten der Presse jetzt schon.benennen, wird am 1. Oktober feierlich eröffnet. Durch die Zeitungsblätter rauscht es voll Andacht und Verehrung. Ein Künstlertraum ist lebendig geworden, ein ungeahnt großes lokalgeschichtliches Ercigniß steht bevor und in weihevoller Stimmung wird die Elite der Gesellschaft, wird ganz Berlin am Donnerstag das moderne Wunder anstaunen und an dem Festakt theilnehmen. In die gehobenen Klänge, die von den willfährigen Herolde» der Presse angestimmt werden, fällt ein schriller Mißton. Er geht von dem geistigen Vater des Unternehmens aus, von Paul Blumenreich, der eben eine höchst seltsame Festschrift,„Das Theater des Westens", veröffentlicht. Für uns hat die Person des Herrn Blumenreich, dem man nach dem Krach im Theater Alt-Berlin auch die Direktion des Theaters im Westen abnahm, nicht das geringste Interesse. Er nennt seine Broschüre, um derentwillen bereits die gerichtliche Klage angestrengt wurde, eine Rechtfertigungsschrift. Der Mann hat offenbar sonderbare Begriffe von Rechtfertigung. Eine Art von zynischem Galgen- Humor hat Herrn Blumenreich die Feder geführt und mögen auch Haß und Rachbegier den Gekränkten zu formalen Beleidigungen angetrieben haben,— wenn nur die Hälfte von dem, was er erzählt, wahr ist, so ist eine höchst ergötzliche Illustration unserer gesellschaftlichen Verhältnisse geboten. Herr Blumenreich will nicht nach dem höchsten Maß ver- «inerter Sittenbegriffe gemessen werden. Wie einst Herr v.Ofen- jeim vor Gericht das klassische Wort hinwarf, mit Moralsprüchen baut man keine Eisenbahnen, so ruft Herr Blumenreich in seiner Flugschrift auf offenem Markt aus: mit Moral baut man keine Prachttheater, und in das Wesen des Glücksjägerthums gestattet seine Broschüre merkwürdige Einblicke. Wenn man die Geschichte der Finanzirung des neuen Unter- nehmens liest, wenn man erfährt, wie geniale Finanzleute, wie geniale„Macher", zu denen in erster Reihe Herr Blumenreich nicht ohne galgenhumoristische Selbstgefälligkeit sich 'elber zählt, aus dem Nichts, aus dem reinen Nichts hohe Geld- »mmen schaffen. Hunderttausend� und Millionen aus dem Boden kämpfen: es schwirrt einem im Kopf vor der Phantastik des Ganzen. Und dann der wüste Cancan um das goldene Kalb! Manchmal meint man, einen Abschnitt aus dem kostbaren Roman Belami von Maupassant zu lesen. Nur hat der„Strebende" in Maupaffant's Buch wenigstens eine hübsche Visage, in die sich die Weiber vergaffen. Das erklärt doch manches. Nach Blumenreich's Darlegungen ist der Tanz ums goldene Kalb unsagbar traurig. Wie ein Jäger, der auf dem Rehblatt das Wild herumlockt, so läßt Herr Blumenreich in den Zeitungsblättern seinen Pfiff ertönen; und sie folgen ihm. die Größen unserer Literatur, die Lehrer und Pfleger der Nation. Selbst ein Gerhart Hauptmann teckt für ein Weilchen in der Falle des neuen Ratten- ängers. Nur Sudermann scheut die Berührung mit den Machern der glänzendsten Schauburg Deutschlands. Künstler wandern im Thiergartenviertel von Diner zu Diner: ie überwinden ihre antisemitischen Empfindungen und schmeichelnd nahen sie dem Juden, wenn er finanzkräftig ist. Und erst die kleinen, klebrigen Menschen, die sich an jedes neue Unternehmen anklammern, hier ein Profitchen und dort ein Protektiönchen zu erhaschen suchen. Herr Blumenreich selber scheut den Skandalprozeß um eine Broschüre nicht. Er hat zu dem Hexensabbath, den er schildert, geschwiegen, im Interesse der edlen Sache natürlich; und diese edle Sache ist für ihn— ein Prunktheater. Er hätte wohl bis zum heutigen Tage eschwiegen,„wenn man ihm annehmbare Propositionen behufs Abfindung seiner Rechte gemacht hätte", wie er sich ausdrückt.— Er hätte seine Entrüstung dann tapfer hinnntergewürgt, was thut man nicht alles zur höheren Ehre der Kunst! Man ist aber auf seine Propositionen nicht eingegangen; und das entfesselte den brennenden Eifer des Herrn Blumenreich. Er erzählte der Welt, wie man stolze Kunstinstitute gründet. I» den drei neuen Stücken von Hermann Snder- mann, welche das D e u t s ch e Theater am Sonnabend zu- Gert Der allgemeine Hntmacherstreik brachte auch dem Hut- wacher Reinhold Noack eine dreitägige Gefängnißstrafe wegen Vergehens gegen s 153 der Gewerbe-Ordnung ein. Die Bambus'sche Hutfabrik hatte ini Juni d. I. an stelle der Aus- ständigen außer andern auswärtigen Arbeitern auch den Hut- macher Adolf Wolfs aus Guben eingestellt. Letztern begegnete Noack in einem Lokale der Georgeukirchstraße und unterhielt sich mit ihm über die Berliner Verhältnisse und die Aussichten der Streikenden. Wolff wollte sehen, was sich machen ließe. I» das Gespräch mischte sich immer störend der Arbeiter Sonntag. Noack verbat sich das, da er mit ihm nichts zu thun haben wollte; schließlich soll er zu Wolff geäußert haben, es wäre ei» ehrloses Verhalte», wenn er sich uichr am Streik betheiligte, und zu Sonntag soll er gesagt haben, dieser wäre auch ein miserables Subjekt, wenn er nicht dasselbe thäte. Als er das Lokal verließ, lief ihm Sonntag, laut nach einem Schutzmann rufend, nach und ließ ihn festnehmen. Wolff bekundete noch, er habe jenen Reden keine Bedeutung beigemessen, da solche Gespräche fast alle Tage vorkämen, auch habe er es keineswegs so aufgefaßt, als wenn ihn Noack durch die Aeußerung hätte von der Arbeit abhalten wollen. Trotzdem erkannte das Schöffengericht auf 3 Tage Gefängniß. Der Verurtheilte legte Berufung ein; die neuute Strafkammer des Landgerichts I erkannte aber auf Verwerfung der Berufung. Wegen Kartellträgerei hatte sich gestern der Dr. med. Otto Köhler vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I. zu verantworte». Der Angeschuldigte gab zu, daß er im Auf- trage des Dr. med. Lippmann-Wulff dem Dr. med. Albu eine Herausforderung überbracht hatte. Als A s s i st e n z a r z t in der Armee habe er sich in der Zwangslage be- f un de». den ihm ertheiltenZluftrag ausführen zu müssen. Zu einem Zweikampfe ist es nicht gekommen, die Ursache zu der Herausforderung kam in der Verhandlung nicht zur Sprache. Der Staatsanwalt beantragte eine Festungshaft von einer Woche, der Gerichtshof erkannte auf das zulässig niedrigste Strafmaß— einen Tag Festungshaft. Dem An- geschuldigten wurde anheimgegeben, die Gnade des Kaisers an« zurufen. Unter dem Titel„Tropenkoller" erschien im vorigen Jahre in der„Täglichen Rundschau" ein Roman, dessen Ver- fasserin die Freiin Ida von Bülow ist. In diesem Romane sucht die Verfasserin, die mit den Verhältnissen in den deutschen Kolonien in Ostafrika persönlich vertraut ist, auf die dortigen Mißstände hinzuweisen und beleuchtet besonders viele von der Regierung nach dort entsandte Beamte in abfälliger Weise. Eine der Hauptfiguren ist der Straßenbau- Direktor Grahn, der in dem Roman eine wenig ruhmenswerthe Rolle spielt. Der damals in Tanga angestellte Regierungs- Bauinspektor Bernhardt glaubte, daß er zu jeuer Romanfigur als Vorbild genommen worden sei. Er stellte gegen Fräulein von Bülow Strasantrag wegen Beleidigung. Gestern sollte die Sache vor dem Schöffengericht zum Austrag gebracht werden. Die Parteien waren persönlich zur Stelle. Nach langen Verhandlungen kam es zu einem Vergleich. Die Verklagte gab folgende Erklärung ab:„Mit bezug aus meinen in der„Tägl. Rundschau" ver- öffentlichten Roman„Tropenkoller" erkläre ich, daß er sich zwar an Ereignisse und Personen anlehnt, daß aber ddr Straßenbau- Direktor Grahn ebenso wie die übrigen Personen meine dichte- rischen Schöpsungen sind und daß es mir fern gelegen hat, den Straßenbau-Jnspektor Bernhardt zu beleidigen." Diese Erklärung soll auf Kosten des Klägers in der„Tägl. Rundschau", der „Kolonialzeitung" und einer in Sansibar erscheinenden englischen Zeitung veröffentlicht werden. Um HeirathSschwindel handelte eS sich in einer Anklage wegen Betruges, welche gestern den Kaufmann Hugo Cohnreich vor die zweite Strafkammer des Landgerichts I führte/ Cohnreich verlobte sich im vorigen Herbst mit einem jungen Mädchen, welches im Falle einer Verheirathung aus der Schwabach-Stiftung eine Mitgift von 5000 M. erhalten sollte. Als der Hochzeitstag bestimmt war, kam die Mutter der Braut bei der genannten Stiftung um Auszahlung des Geldes ein. Zu ihrer unangenehmen Ueberraschung erhielt sie die Nachricht, daß sie das Kapital nicht erhalten könnte. Als sie stch nach dem Grunde erkundigte, erfuhr sie, daß man Ermittelungen über den Bräutigam angestellt und erfahren habe, daß derselbe erst vor kurzem eine dreijährige Zuchthausstrafe wegen schwerer Urkundenfälschung verbüßt habe. Inzwischen hatte der An- geklagte schon seine Schwiegermutter gehörig gebrandschatzt. Bald gebrauchte er Geld zur Lösung eines Gewerbescheines, bald zum Ankaufe von Maaren, er erhielt nach und nach insgefammt 1200 M., ohne aber das Geld zu den angegebene» Zwecken zn verwenden. Als Cohnreich von der Versagung der Mitgift Mittheilung erhielt, trat er von der beabsichtigten Verbindung zurück. Es wird seitens der StaatSanwalischaft anaenomnie», daß Cohnreich nie die Absicht gehabt, das Mädchen zu heirathen. Einen anderen Zeugen wußte der Angeklagte durch die Vorspiegelung, er sei Ingenieur und heiraihe demnächst ein reiches Mädchen, zur Hergabe eines Dar- lehns von 1000 Mark zu bewegen. Der Angeklagte legte sich aufs Leugnen, aber eine Anzahl Kassiber, die aufgefangen worden sind, wurden an ihm zum Verrälher. Seine Muller hatte Sprecherlaubnis mit ihm erhalten. Bei dieser Gelegenheit versuchte der Angeklagte seiner Mutter eine Anzahl Papiere heimlich zuzustecken. Der überwachende Beamte entdeckte dies und nahm die Papiere an sich. Der Augeklagte hatte den In- halt der Anklage Punkt für Punkt niedergeschrieben und jedesnml die Antwort hinzugefügt, die er von seine» Verwandten, a»f die er sich berufen werde, erwarte. Wenn diese der Anweisung nicht folgten, so komme er ins Zuchthaus.— Der Staatsanwalt räumte ein, daß der Angeklagte bei An- knüpfung des Verhältnisses wohl die Absicht gehabt habe, das Mädchen zu heirathen, er sei aber anderen Sinnes geworden, als er auf die Mitgift verzichten mußte. Sein Verhalten kenn- zeichne sich aber außerdem als ein betrügerisches, seine Voraus- setzung, daß er wieder ins Zuchthaus komme, dürste sich als zutreffend erweisen. Er beantrage gegen idn 8 Jahre Zuchthans, zehnjährigen Ehrverlust und 1000 M. Geldstrafe. Das Urtheil lautete auf vier Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und 300 M. Geldstrafe. Ter„Fall Douglas" hatte gestern wiederum eine große Anzahl Angestellter des hiesigen Olympia-Theaters»ach dem Kriminalgerichtsgebäude gelockt. Der erste Termin vor de», Schöffengericht verfiel der Vertagung, weil der Angeklagte, der Artist Donglas, erklärte, der deutschen Sprach« nicht B OF Hermann " Longfellow", English Conversational and Reading Club. Meeting every Wednesday, 9 o'clock at Tettenborns, 91 Wall Street. Guests are welcome, " Dermischkes. " 0 Sprechsaal. verwundet Die Redaktion fiellt die Benuzung des Sprechfaals, sowett der Raum bafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheitenfallgemeinen Interesses zur Verfügung; fie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. " genügend mächtig zu fein. Bu der geftrigen Verhandlung| Müllerstraß e179 a: geftoffen. Biebereröffnung: mttte Ottober) Aus Mailand wird gemeldet: Gestern hat ein Busammens war deshalb als Dolmetscherin Frau Dr. jur. Emilie Brunnenstraße 25, erster of links, 1 r. Bet allen Unterrichtsfächern stoß zwischen einer Maschine und einem Zuge der Linie Leccowerden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Kempin zur Stelle. Die Vorgeschichte der gegen den Eng- Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Borsigender Ad. Neu- Colico stattgefunden; einige Personen sind verwundet worden. länder Douglas gerichteten Anklage wegen Körperverlegung mann, Basewalterstr. 3. Alle Aenderungen im Vereinskalender find zu richten Ein weiterer Eisenbahn- Zusammenstoß wird gemeldet, welcher ist folgende: Hinter den Koulissen des Olympia- Theaters scheint an Friedrich Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. nachmittags 5 Uhr in der Nähe von Melignano auf der Arbeiter Raucherbund Berlins und Umgegend. Menderungen ein recht fideles und ungebundenes Leben zu herrschen, die sich im Bereinstalender sind zu richten an Start Stiller, Kleine Frankfurter: Provinzialbahn zwischen einem Personen- und einem Güterzug versammelnden„ Grafen",„ Ritter" u. dergl. stammen aus aller ftraße Nr. 7, 1 Tr. Herren Länder und manchmal herrscht dort ein Sprachen- ane Buſchriften, den Bund betreffend, find zu richten an Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. stattgefunden hat. Acht Personen sollen dabei worden sein. Gewirr wie beim Thurmbau zu Babel. Um die angeblich zügel- Jahn, Schönhauser Allee 177 c. Nach weiteren Meldungen wurden bei dem Zusammenstoß Lose Lustigkeit des Artisten- Völfleins in angemessenen Schranken Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner. Die Stzungen finden zwischen einer Maschine und einem Zuge auf der Linie zu halten, wurde nach einer energischen Person gesucht und jetzt in den„ Armin- Hallen", Kommandantenstraße 20, statt. Heute Abend Lecco- Colico zwei Personen getödtet und mehrere Personen ver8% Uhr Zusammenfunft der Landsleute. diese glaubte man in„ Mister Douglas" aus der Theater- und Vergnügungsverein„ Helgoland". Heute Abend wundet. Heimath des Boxens" gefunden zu haben. Douglas vertrat den uhr im Vorstädtischen Kasino, Acerftr. 144: Sigung mit Damen. Ober- Garderobier W. und hatte die Statisten zu beaufsichtigen. Krüger, Fennstr. 5: Uebungsstunde. Musikverein" Andante". Heute Abend 9 Uhr im Restaurant Fr. Letztere waren aber so übermüthig, daß seine Bemühungen ziem lich erfolglos und Borereien und fleine freundschaftliche Prügeleien an der Tagesordnung waren. So war es auch am 6. Juli nachmittags gegen 6 Uhr vor der letzten Szene. Douglas, in einem stilvollen Affenkostüm stehend, hatte ein heftiges An meine geehrten Kunden" lautet die Aufschrift Renkontre mit dem Artisten Bär, welcher der Aufeiner Annonce des Handtuch- Verleihinstituts 2. Figner in Nr. 225 forderung, auf die Bühne zu gehen und dort seinen Wie man sein eigen Fleisch und Blut verschachert. des Vorwärts", worin behauptet wird, die wegen Unregel Pflichten nachzukommen, nicht folgte, weil er fein Trikot für Behufs Verheirathung meiner Tochter suche einen jungen Mann, mäßigkeiten entlassenen Hausdiener dieser Firma hätten letterer seinen Oberkörper erhalten hatte. Der Wortwechsel gestaltete fich mosaisch, aus anständiger Familie, firm in der Garleder, wo- Kunden abspenstig gemacht. Wer in die Art dieses Betriebes immer heftiger, da einer den anderen nicht verstand. Bär will möglich auch in der Rohleder- Branche.( 1) Derselbe könnte Theil nicht genau eingeweiht ist, mag dieser Behauptung Glauben schließlich von Douglas geschlagen worden und noch heute auf haber meines flotten Rohleder Engros- und Detail Geschäfts schenken, und da die weitaus größte Mehrzahl der Kunden dieses dem rechten Auge in seiner Sehkraft geschwächt sein. Jedenfalls werden."-Dieſe klassische" Annonce findet sich in Nr. 35 der Geschäftes Arbeiter sind, halten wir es für nothwendig, den entstand eine allgemeine Schlägerei, bei der auch der Angeklagte Berliner Berichte über Leder, Häute, Felle, Rauchwaaren und wahren Sachverhalt in nachstehendem klarzulegen. durch einen schweren Holzhammer, der zur Ausrüstung der Statisten Wolle", Zentralorgan für die Lederindustrie. Es ist wahr, daß Herr Figner den betreffenden Hausdiener gehörte, verlegt wurde. Douglas bestritt gestern, den ,, Tänzer" Bär Das Pilsener Bier wird vom Anzeiger für Greiffenberg, anfänglich 14 M. Lohn zahlte, er reduzirte diesen Lohn aber verletzt zu haben, und behauptete, daß bei der allgemeinen Boxerei Liebenthal und Umgegend", dem" Publitationsorgan später auf 7,50 m. und gab dazu von jedem verliehenen Handfeiner gewußt habe, wer Angreifer, wer Vertheidiger sei. Die des tgl. Amtsgerichts, der Magifträte und tuch 1 B. Provision. Die Hausdiener mußten sich aber die Verhandlung lieferte in dieser Beziehung ein negatives Resultat: sonstiger Behörden", boykottirt. Trinkt deutsches Bier", Kunden selber suchen und wenn diese infolge ihrer angestrengten es fonnte nicht ermittelt werden, wer angefangen" habe. Die schreibt das Blatt, die Ueberhandnahme des Verbrauchs Pilsener Thätigkeit heute thatsächlich ca. 29 m. pro Woche verdienten, so Schaar der„ Tänzer", von denen einige der Kunst schon wieder Bieres hat Veranlassung zu der ärztlichen Untersuchung des Ein- bat Herr Figner nur insofern dazu beigetragen, als er die den Rücken gekehrt haben, widersprach sich in ihren Aussagen, fluffes deffelben auf den Gesundheitszustand der Konsumenten Arbeiter durch Reduzirung des Lohnes auf 7,50 M. zu um fo so daß der Gerichtshof den Angeklagten nicht für überführt er gegeben. Das Resultat dieser Untersuchung ist ein dem größerer Thätigkeit zwang. Von einer Nachlässigkeit im Dienste achtete. Douglas wurde deshalb freigesprochen und verließ stolz- Bilsener Bier höchst ungünstiges. Aerztlicherseits ist festgestellt, konnte schon deswegen keine Rede sein, weil bezeichnetes Lohnsystem erhobenen Hauptes den Gerichtssaal. daß das Pilsener", wohl infolge seines starten Hopfen- die Hausdiener veranlaßte, so angestrengt als möglich zu arbeiten, Das Reichsgericht verwarf gestern die Revision des Bank- gehalts, Krankheiten des Herzens herbeiführt und Herzkranken andernfalls sie ja selbst den Schaden tragen mußten. Wenn besonders gefährlich ist. Auch von einem direktors Hermann Friedmann, der von dem Schwur- Gesichtspunkte aus wird vor dem Verbrauch Pilsener Bieres in 1/4 oder 1/2 Stunde später ins Geschäft fam, so mußte er am anderen wirklich einmal, was nicht bestritten wird, der eine oder andere gericht Berlin I am 4. Juli wegen Urkundenfälschung zu einer Deutschland gewarnt. Das Portal des Bürgerlichen Brauhauses Abend desto länger arbeiten, um das genau vorgeschriebene Buchthausstrafe von sechs Jahren verurtheilt worden war. Die in Pilsen ziert seit längerer Zeit ein Anschlag mit der Inschrift: Pensum zu bewältigen. Herr Figner hatte also absolut keinen Revision, welche in der Verhandlung von dem Rechtsanwalt Deutsche Arbeiter finden hier teine An Schaden davon. Wieviel aber Herr Figner an seinen 14 Haus Sello aus Berlin vertreten wurde, stüßte sich auf prozessuale ftellung." Das ganze Etablissement beschäftigt nur einen bienern, die ohne jede Pause volle 12 Stunden treppauf treppab Beschwerden. Deutschen, das ist bezeichnend genug der Braumeister. laufen und den ganzen Tag den schweren Handwagen ziehen Wegen Sittlichkeitsverbrechens ist gestern der Haupt- An der Spize der von Zeit zu Zeit zur Veröffentlichung ge- müssen, verdient, möge folgendes verbürgte Rechenexempel zeigen. lehrer Felix Schmidt von der katholischen Schule in Neu- langenden Lifte über die zur Unterstützung der czechischen Für ein reines Handtuch werden 10 Pf. bezahlt, davon erhält der Weißensee durch Verdikt der ersten Straffammer am Land- Propaganda gespendeten Gelder das steht Bürgerliche Hausdiener 1 P., für das Waschen werden 2 Pf bezahlt, die gericht II zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Der Brauhaus zu Pilsen. Unsummen von Geldern aus den Taschen Seife toftet im Anschaffungspreis nicht ganz 2 Pf., für Abnüßung 31jährige Mann hatte in mehreren Fällen Schülerinnen miß- deutscher Biertrinker wandern für das unverschämt theure 1 Pf., Spesen, Löhne 2c. 1 Pf., macht in Summa pro Handtuch braucht. Bier fortwährend nach Pilsen und von dort geht ein Theil 7 Bf., bleiben also noch immer 3 Pf. Verdienst. Die Hausdiener wieder an die czechischen Hezer zur kräftigen Unterdrückung setzen durchschnittlich pro Mann 2500 Handtücher in der Woche unserer deutschen Brüder in Böhmen und Mähren! Durch um; was nun Herr Figner dabei verdient, mag sich jeder selber häufigen Genuß des Pilsener Bieres schädigt man also seine ausrechnen. Daß die Handwagen bei schlechtem Wetter nicht rein Gesundheit, man unterstüßt die Czechen in ihrem Kampfe gegen bleiben können, ist wohl selbstverständlich. Die Hausdiener das Deutschthum, man trägt mit dazu bei, Deutschen in Böhmen werden obendrein von der Direttrice chifanirt und war lektere die Arbeitsgelegenheit zu entziehen und schädigt wirthschaftlich auch die Veranlaffung zur Entlassung der beiden organidas Vaterland, indem man Unsummen ins Ausland schickt. firten Kollegen. Darum trinkt deutsches Bier." Versammlungen. Eine gutbesuchte Frauenversammlung, die gestern Abend in den Arminhallen tagte, wählte als Delegirtinnen zum Parteitag Fräul. Baader und Frau Greifenberg und erledigte dann die feit Jahr und Lag schwebende Revisionsangelegenheit des geschlossenen Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins. V Wir können nicht beurtheilen, ob das mitgetheilte richtig ist. Was aber die Deutschfeindlichkeit des czechischen Brauhauses be trifft, so könnte es denjenigen Unternehmern im Deutschen Reich den Bruderschmat geben, die bei Lohnkämpfen die deutschen Arbeiter dem Hunger überantworten und sich Arbeitskräfte aus Versammlung des Arbeiter Raucherbundes. Dem Arbeiter Raucherbund gehören jetzt 51 Klubs mit 700 Mitgliedern an. Es traten dem Bunde in der Monatsversammlung vom 13. Sept. in Schöneberg 7 neue Klubs bei. Der Bund hat ein Baarvermögen von 584 M. Die nächste Delegirtenversammlung dem Auslande heranholen. findet am 11. Ottober um 2 Uhr Pafewalterftr. 3 im Restaurant bei Neumann statt. Eisenbahnunglück. Die Eisenbahn- Betriebsinspektion Elberfeld macht bekannt: In der Nacht vom 28. zum 29. d. Mts. Der Verband der Vergolder beschäftigte sich am 21. Sept. gegen 12 Uhr fuhr ein von Station Dornap abgelassener mit der Resolution, die von der Brandenburger Filiale angenommen Personenzug auf einen vor Bahnhof Vohwinkel haltenden Güterwar. Die Kritit, die in jener Resolution über die Berliner Vergolder zug. Zwei Reisende wurden hierbei leicht verlegt. Sonstige und ihre Organisation enthalten war, fand in der Versammlung Berlegungen von Personen find nicht vorgekommen. Die Beeine scharfe Burückweisung und gelangte eine dementsprechende schädigung an Betriebsmaterial ist nicht erheblich. Die UnterResolution zur Annahme. In bezug auf das Lehrlingswesen fuchung ist eingeleitet. halten die Arbeiter bei Methlow an ihren bisherigen Forderungen feft. Sodann wurden zwei Mitglieder, Haupt und Hoffmann, ausgeschloffen und der Streit bei Grabow für berechtigt erklärt. Gleichzeitig erhielt der Vorstand die Ermächtigung, bei Bedarf den Streifenden 100 M. zu überweisen. = Der Verein der Brauerei Hilfsarbeiter hielt am 23. September eine gut besuchte Versammlung ab. Nach einem Vortrag des Genossen Hoffmann fritifirte Hilfsarbeiter Beyer die Verwaltung im Arbeitsnachweis der Ringbrauereien. Redner behauptete, daß man die eingeschriebenen Arbeiter zurück. seze und die entlassenen Reservisten bevorzuge. Schappach mißt bie Schuld der mangelhaften Bertretung im Kuratorium bei und wünscht, daß man sich bei der nächsten Wahl reger betheilige. Zum Schluß ersucht der Vorsitzende die Mitglieder, mit den Billets vom Sommerfest abzurechnen. Familiennamen- Poefie. Ein Beamter der Alters- und Invaliditäts- Versicherungsanstalt für Schleswig- Holstein hat aus den Quittungstarten eine ergöhliche Auslese von Zunamen in Gedichtform zusammengestellt, die an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Die Schlußverse lauten: Trinker Söffler Preller Pichler Bummler Supper Oberpichler Lach nicht Grüner Junge Hier Kümmel Trinkaus Einen Becher Spiegelberg Jd Renne Dier. Freier Raubt Kuß von der Lippe Sie Ruft Latat Sien Jck Bitte Alter Spötter Mitten Priem Singe Lieber Frisch Froh Freiher Hübscher Bube Mitter Leier Ach Dou Lieber Augustin Jungerwirth Ruft Feierabend Gaft Gehe Rauß Kehr Morgen Abend Wieder. Naber Bist Jmm Schwung Darum Laufe Fir Zumkeller Alter Schlemmer Immer Schneller Wünsche Gute Besserung. Im Deutschen Holzarbeiter- Verband( Bezirk W. u. SW.) hielt am 28. September Dr. Joël einen interessanten naturwissenschaftlichen Vortrag. Hierauf gelangten Werkstattangelegen heiten zur Besprechung. Eingeladen waren die Arbeiter aus den Werkstätten von Reddemann, Großgörschenstraße; Schirmer, Steinmeßstraße und Händler, Bülowstraße, die auch rege der Einladung gefolgt waren. Es stellte sich heraus, daß die meisten der in diesen Werkstätten Beschäftigten unorganisirt und deshalb eine Reihe von Uebelständen in Die feuchtfröhliche Zusammenstellung läßt darauf schließen Betrieben Eingang gefunden hatten, die einen heftigen Unwillen daß wir es in dem Verfasser mit einem ebenso trintfesten wie in der Versammlung, erregten. Im Anschluß an diese Debatte humorvollen Mann zu thun haben. theilt Wimers diejenigen Werkstätten mit, die zu den Vertrauens. männer- Sigungen feinen Vertreter schicken. arver טו Aus Breft wird berichtet: Bei dem letzten Unwetter gingen Arbeiter- Bildungsschule. Südost- Schule, Waldemarstraße 14: im Hafen von Guilvinée zwei Fischerschaluppen mit Mann und Geschlossen. Wiedereröffnung Mitte Ottober.- Nord- Schule, Maus unter. 15 Personen sind ertrunken. Allen Genossen und Kollegen hiermit Nehme die Beleidigung gegen die Rudolph Albrecht. Ehrenerklärung. zur Nachricht, daß unser Kollege, der Herren Gebr. Henze zurück. 701b Holzbildhauer Carl Noack, am Montag früh verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag Nachmittag um 5 Uhr auf dem Berliner GemeindeFriedhof in Friedrichsfelde statt. Um rege Theilnahme bittet 696b Kollege Fritz Pilz. Am 28. September, mittags 121/2 Uhr, starb nach langen Leiden mein innigftgeliebter Mann, der Steinmet Paul Deutsch im 27. Lebensjahre. 711b Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Die trauernde Wittwe nebst Kind. Allen Theilnehmern bei der Beerdi gung meiner lieben Frau sage ich meinen herzlichsten Dank. 7036 Julius Nickel. Ich nehme die am 15. September gegen den Paul Hertog ausgesprochene Beleidigung hiermit zurück. Brasch. Die Beleidigung gegen Herrn Guftav Dabar nehme ich hiermit zurück. Amalie Hallwas. Die Beleidigung gegen den Schank wirth A. Pesarrer, Sandstraße 16, und den Schlächtermeister F. Ingen tamp, Pantstr. 31a, nehme ich hiermit zurück, A. Böhm. 704b Jungbier- Berkauf m. Fuhrwerk und Möbl. Schlafftelle Fehrbellinerstr. 90, 1 Seitenfl. pt. bei BI e chert. 719b Reiner der Entlaffenen ist selbständig geworden, Herr Figuer will aber durch seine Annonce verhindern, daß diese in Konturrenzgeschäften Stellung erhalten. Diese Handlungsweise über laffen wir getrost der Kritik der Berliner Arbeiter; sie werden das Verhalten des Herrn Figner, der jene Arbeiter, die sein Geschäft in Flor gebracht, nicht nur zum Dant entläßt, sondern sie oben= drein zu verhindern sucht, in ihrer Branche wieder Stellung zu erhalten, zu würdigen wissen. Der Vertrauensmann der Handels- Hilfsarbeiter. Joh. Hoffmann, Höchstestr. 48. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet am Montag, Dienstag, Freitag und Sonnabend von 7/ 2-8 Uhr abends statt. Sie uns Namen und Adresse des Webers wie des Fabrikanten W. W. Wir sind bereit, über den Fall zu berichten, wenn nennen. Witterungsübersicht vom 29. September 1896. Stationen. Swinemünde Hamburg Berlin Wiesbaden München Barometerftand in mm, reduzirt auf d. Meeressp. O a Windrichtung Windstärke (-1) 34212241322 Wetter wolfenlos wolfenlos Nebel 766 MSM wolfenlos • 766 MSW 768 M 769 NW 770 SO Wien. 768 Haparanda. Petersburg 750 762 SSM 763 WNW 760 • 768 . SW SSW Cort Aberdeen. Paris. Temperatur 8 8 0446TL78o co co nach Gelfins ( 50. 4° R.) Regen bedeckt 11 Regen bedeckt 15 halb bedeckt 12 woltig heiter 8 6 Wetter Prognose für Mittwoch, den 30. September 1896. Vorwiegend heiter, nachts fühl, am Tage ziemlich warm bei mäßigen südwestlichen Winden; feine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Achtung, Drechsler!! Simsmacher, Eine gute Schlafstelle für 6 M. bei Folgende Wertstellen haben unsere girka 50 Mann, werden bei Beltener Stahr, Naunynstr. 7. 7226 Schlafstelle für Herrn, sep. Ging., bei Roch, Manteuffelstr. 85, vorn 4 Tr. Prinzenstr. 105, vorn 4 Tr. b. Embe freundl. möbl.Schlafstelle f.H., f. E.[ 721b Mühlenstr. 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Don Carlos. Dentsches Theater. Der Talisman. Berliner Theater. König Heinrich. Lessing Theater. Das Einmaleins. Neues Theater. Juana. Vorher: Eine Reifebekanntschaft. Thalia- Theater. Gebildete Menschen. in Deutschland. Signor C. Bernardi Mile. Fougère. 3um ersten Male Residenz- Theater. Der Stellvertreter. Vorher: Ninette im Schnee. Theater Unter den Linden. Lachtaube. Die Schiller Theater. Ein Schritt vom Wege. Bentral- Theater. Eine wilde Sache. Ostend- Theater. Der deutsche Michel. Belle Alliance Theater. Mars incognito. Friedrich Wilhelmstädt. Theater. Kean, oder: Genie und Leidenschaft. Alexanderplatz- Theater. Ohne sitt lichen Halt. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Vorftellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Schritt vom Wege. Donnerstag, abends 8 Uhr: Emilia Galotti. Friedrich Wilhelmstädt. Theater Chauffeeftr. 25/26. Dir. Max Samst. Kean oder Genie und Leidenschaft. Schauspiel in 5 Aufzügen v. Alex. Dumas, deutsch v. D. Randolf. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Kean. Sonntag, 4. Oftob., Nachm. 3 Uhr, Klassiker- Borstellung: Maria Stuart. Offend- Theater. Grosse Frankfurterstr. 132. Direktion: Karl Weiss. Der deutsche Michel. genannt: ,, JI Camalconte", Alcazar. Variété und SpezialitätenTheater I. Ranges. Dresdenerstrasse No. 52 53. Annenstrasse 42/43. Vornehmster Familien- Aufenthalt. Vorstellung. Durchweg neues Programm. Grand- Konzert der neu engagirten Haus- Kapelle unter Leitung des Rapellmeisters Martin. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Anfang: R. Winkler. W. Noack's Theater Brunnenstr. 16. Täglich: Konzert, TheaterVorstellung. Auftr. von Spezialitäten. Künkler 1. Ranges. Karlchens Tante. Schwank in 1 Akt von Schmasow. Neu! Neu! Neu! Berliner Konfektionensen. Burleske mit Gesang und Tanz in 1 Att von Gericke. Mufit v. Schmidt. Jeden Sonntag, Dienstag u. Donnerstag nach d. Vorstellung Tanzkränzchen. Volksstück mit Gesang in 4 Atten von Alt- Berlin. R. Kneisel. 3, 4 und 5 Uhr: Anfang 71/2 Uhr. Rasseneröffnung 6 Uhr. Bei günstiger Witterung nachmittags Central- Theater. Alte Jakobftr. 30. Direttion: Richard Schultz. Emil Thomas a. G. Eduard Steinberger a. G. Zum 11. Male: 3 große historische Umzüge 1 altdeutsches Musikkorps 1 Elite- Kapelle Süddeutscher Sänger- Chor ,, Alemania". Eine wilde Sadje. 8 Damen u. 8 Herren in schwäbisch. Große burleste Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von M. Mannstädt und F. Freund. Musit von J. Einödshofer. Anfang 28 Uhr. Morgen: Eine wilde Sache. Alexanderplatz- Theater. Pikante Novität! Ohne sittlichen Halt. Sittenbild aus dem Berliner Leben in 4 Aufzügen.( Bons haben Wochentags Giltigkeit.) Anfang 8 Uhr. Morgen: Ohne sittlichen Halt. Sonntag, 4. Oftober, Nachm. 4 Uhr: Tischlein deck' dich, Esel streck' dich, Knüppel aus dem Sack. Thalia- Theater ( vormals: Adolph Ernst- Theater) Dresdenerstr. 72/73. Direktion: W. Hasemann, tönigl. preuß. Kommissionsrath. Gebildete Menschen. Volksstück in 3 Akten v. Viktor Léon. Donnerstag: Gebildete Menschen. In Vorbereitung: Der Strohmann ( Surnuméraire). Schwankv. Boucheron. Eine Deutsch von Max Schönau. freundliche Wohnung( Ma bonne amie.) Schwank von Ordonneau und Guimbourg. Deutsch v. P. Linsemann. Yolks- Theater 34 Reichenbergerstrasse 34 Haltestelle der Pferdebahnen: Rottbuser Thor. Sonnabend, den 3. Oktob. 1896: Eröffnungs- Vorstellung. Berliner Possen- Cyclus No. 1 Kostüm. Eintritt: 25 Pfg. Spezial- Ausstellung KAIRO Heute, Mittwoch, d. 30.: Schaustellungen der Beduinen 4, 6 und 8 Uhr zu ermässigten Eintrittspreisen. Konzert v. 5 Kapellen. Castan's Panopticum. Neu!! Neu!! Neu!! 4Y hochsensationelle Neuheiten die ein Jeder = Tages Ordnung: 1. Welche Stellung nehmen die[ Maurer Berlins zu dem Versuch einiger Unternehmer ein, die Arbeit morgens vor 7 Uhr zu beginnen. 2. Diskussion. 3. Antrag der Rommission, den Beschluß vom 7. Auguft aufzuheben. Bei dieser wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht jedes Maurers zu erscheinen. Circus Busch. ( Bahnhof Börse.) Mittwoch, 30. September 1896, Abends 71/2 Uhr: Die Lohnkommission. 131/11 Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Ordentliche General- Versammlung am Donnerstag, den 1. Oktober, abends 81/2 Uhr, im Lokal von Buske, Grenadier str. 83. Grosse Elite- Vorstellung Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Morawski: Die sozialdemo U. a.: 4 arab. Schimmel hengste, por tratische Bewegung im ehemaligen Königreiche Polen. 2. Diskussion. 3. Bericht geführt v. Dir. Busch. Glite des Vorstandes über die bisherige Thätigkeit des Vereins. 4. Neuwahl des Dreffur. E Berliner Typen im Gesammtvorstandes. 5. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig zu erscheinen; Gäste tönnen v. 100 Hengsten. Das russ. Dreigespann, sich in der Versammlung aufnehmen lassen. Der Vorstand. vorgef. v. Dir. Busch. Hr. Salamonski, Sonntag, den 11. Oktober, abends 7 Uhr: Gemüthliche Rußlands bester Schulreiter. Die vor Zusammenkunft im Lokale von Babiel, Rosenthalerstr. 57. Schaukelstuhl. Equeftr. Arrangement züglichen Reitkünstler Geschw. Cottrell. Der Schulreiter Herr Victor. Spezia litäten 1. Ranges. Vorzügl. Clowns. Sensationeller Erfolg! 245/ 8* Gasanstalts- Arbeiter. Millennium, Bilder a. Ungarn. Mittwoch, 30. Sept., abends 8', Uhr, im Englischen Garten, Morgen: Millennium. Neichshallen. 3 Leipziger Straße, am Dönhoffsplay. ( Parterre- Saal) Mittwoch, den 30. September: Letzte Soiree der Norddeutsch. Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservepl. 50 Pf. Moabiter Stadttheater Alt- Moabit 48. Heute, Alexanderftr. 27c: Große öffentliche Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht der Streiffommission über die Verhandlung mit den städtischen Verwaltungsbehörden der Gasanstalten. 2. Verschiedenes. 42/5 Die Streikkommission. Rummelsburg. Deffentl. Versammlung für Rummelsburg und Umgegend am Freitag, den 2. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Piatkowsky, Rummelsburg, Hauptstraße 83. = Zages Ordnung: 224/17 1. Das moderne Raubritterthum. Referent Genosse Hoffmann( Berlin). 224/17 2. Diskussion. Zur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vertrauensmann. ſowie jeden Mittwoch: Belle- Alliance- Theater. Stettiner Sonntag, den 4. Oktober 1896, nachmittags 2, Uhr: Einmalige Vorstellung: 296/20 Kabale und Liebe. Trauerspiel in 5 Aufzügen Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader. Anfang präz. 8 Uhr. Entree 50 f. von Fr. Schiller. Präsident: Karl Frey als Gast( Stadttheater in Halle). Ferdinand: Robert Hartberg als Gast( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Hofmarschall v. Ralb: Richard Jürgas als Gast( Lessingtheater). Lady Milford: Hedwig Margot. Miller: Wilhelm Ruff. Louise: Olga Larenzo als Gast( Stadt theater in Konstanz). Wurm: Wilhelm Karfiol. Rammerdiener: Julius Türk. Eintrittskarten à 60 Pf. sind in allen Zahlstellen zu haben. Borverlauf 40 Bf. in d. Zigarren Passage- Panopticum. handlung von Krüger& Overbeck, Thurm- u. Waldstr.- Ecke, u. Rupp, Alt- Moabit 48. Donnerstag: Concerthaus Sanssouci. Freitag: Victoria- Brauerei. Vogler's Casino früher Weltrestaurant, Dresdener Strasse 97. Täglich im großen Theater: Saal: Die unübertrefflichen Hamburger Sänger. Entree durch weg: Wochentags 30 Bf. Sonntags 50 Pf. Anf. 8 Uhr. Sonnt. 6 Uhr Jm vorderen Saal: Tyroler- Konzert. Entree vollständig frei. Den geehrten Vorständen der Vereine zur gefl. Renntniß, daß der Saal in Kaufmann's Variété, Königs- Colonnaden 3, zu Matineen und sonstigen Vergnügungen, unter Mitwirkung der Mitglieder meiner Spezialitäten- Bühne, zur Verfügung steht. Gute Küche und bestens gepflegte Biere. 6002 ,, Zum eichenen Stab" Karl Schöning Köpenickerstr. 68, Sof part. Regelbahn noch mehrere Tage frei. Ein vorsichtiger Mann sehen muss! empfiehlt Gaal, zwei Vereinszimmer. Posse mit Gesang in 3 Bildern von G. v. Moſer u. Ed. Jacobson. Mufit Letzter Monat 2 Vorstellungen täglich v. R. Bial. Regie: August Reiff. Hierauf: Variété fremder Künstler. Zum Schluffe: Pladderadautz. Nachm. 5-7; Abends 9-11 Uhr. Bolossy Kiralfy's ,, Orient" Olympia Nur noch kurze Zeit. 42 wilde Weiber aus Dahomey. Urania. Taubenstr. 48/49. Taubenstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet v. 10 Uhr vormitt. ab. Eintritt 50 Pf. abends Krautstraße 36. Krautstraße 36. Freunden und Genossen zur Anzeige, daß ich ein Restaurations- Lokal eröffnet habe mit zwei Vereinszimmern ( großes ca. 40, fleines ca. 20 Personen faffend). Empfehle mich bestens den Vereinen. 5726 F. Butschke, Krautstraße 36, Cösliner Hof, Cöslinerstr. 8. Gröffnung: Oktober cr. Säle zu Versammlungen und Festlichkeiten. 2 verdeckte Kegel bahnen. Gute Rüche. Achtung! Moabit. Achtung! Beim Quartalswechsel empfehle mich zur pünktl. Lieferung des Borwärts" und der gesammten Arbeiterliteratur Wissenschaftl. 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Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin. Berliner Rückblicke in Wort und Bild von Oscar Wagner. I. Serie: Berl. Gewerbe- Ausstellung. Riesentheater. 4 2. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 229. Der Achfuhr- Ladenschluß und die Sozialdemokratie. Mittwoch, den 30. September 1896. Gerichts- Beifung. 13. Jahrg. von Hunderttausenden bei zielbewußten Genoffen keinen Augen- vereins für weibliche Handelsangestellte auch Frau Schulrath blick in die Wagschale fallen. Cauer gehöre zu denselben noch nie bemüht. Das Gegentheil Mit unverhohlener Freude registriren" Post" und Frei- sei der Fall, denn es käme häufig vor, daß Kolleginnen, welche finnige Zeitung" in holder Eintracht, daß wir in dieser Frage den Stellennachweis dieses Vereins benutzen, daselbst überredet gespalten seien und daß die Kleinbürger dominiren. An dem würden, eine schlecht bezahlte Stellung der längeren Gin im Kaufmannsberufe thätiger Parteigenosse schreibt uns: Parteitage wird es liegen, Abhilfe zu schaffen, er wird zu be- Engagementslosigkeil vorzuziehen. Der Arbeitsnachweis habe es In den Parteiversammlungen des 4. und 5. Berliner Wahl- weisen haben, daß er dieser angeblich gewerkschaftlichen Frage in der Hand, nur bei Zusicherung auskömmlicher Gehälter Treises, in Nieder- Barnim, in Leipzig, in Riel und in Magdeburg helfend, fördernd und agitirend zur Seite steht und daß kein Stellen zu vermitteln. Würden also die bürgerlichen Damen, wurde der Antrag, den Achtuhr- Schluß auf die Tagesordnung 3wiespalt in der Partei besteht, wenn es sich darum handelt, welche an der Spize des Hilfsvereins stehen, in diesem Sinne des Parteitages zu setzen, nahezu einstimmig angenommen und in einer ausgebeuteten Klasse start und energisch zu Hilfe zu wirken, so wäre das den Handlungsgehilfinnen nüßlicher, als den Berliner Versammlungen, wo man sich aus rein taktischen kommen. Gründen dagegen erklärte, war die Minorität so bedeutend, daß du 0. wenn sie ihnen ermäßigte Preise für den Theaterbesuch verschaffen. Durch fürzere Arbeitszeit und höhere Löhne würden man ruhig behaupten kann, das Gros der Berliner Parteiauch die leider vielfach bestehenden sittlichen Mängel im Berufe genoffen hält die sofortige Behandlung der Frage für unbedingt verschwinden. Bisher seien die Forderungen der Gehilfinnen nothwendig. Wenn gegenüber diesen Tausenden, die schleunige" Berathung fordern, von„ Rinkerlißchen" gesprochen wird, so be- Um die amtliche oder nichtamtliche Stellung eines nur von den Sozialdemokraten unterstützt.( Zwischenruf: Das dürfen derartige Wendungen kaum der Zurückweisung, fie richten Markthallen Aufseherd handelte es sich bei einer Klage wegen den Standesdünkel, in dem viele noch befangen sind, nicht aufist die Frage.) Die Rednerin schloß: So lange unsere Kolleginnen sich von selbst und tragen nicht dazu bei, ruhige Aussprachen und Beleidigung des Warkthallen- Aufsehers Schröder, die gestern geben, wird es uns nicht gelingen, unsere Lage zu verbessern. objektive Betrachtung zu fördern. den Schlächtermeister Bode vor das hiesige Schöffengericht Wir müssen uns organisiren, gleich unseren Schwestern im ArbeitsUnsere Partei stellt, aus praktischen Gründen, eine Reihe von führte. Herr Schröter fühlte sich dadurch beleidigt, daß fittel, die unter denselben Verhältnissen leiden. Nur durch die Forderungen bereits an die heutige Gesellschaft. Wir fordern der Angeklagte den Verdacht gegen ihn ausgesprochen habe, Organisation können wir bessere Zustände erringen.( Lebhafter den Achtstundentag, wo wir können und begrüßen je de Ver- er gehe bei der Verloosung von Warkthallen- Ständen nicht un- Organisation können wir bessere Zustände erringen.( Lebhafter Beifall.) kürzung der Arbeitszeit mit Freuden. Je weniger Arbeitszeit, parteiisch vor. Der Magistrat hatte daraufhin den Strafantrag um so mehr Zeit zum Denken. Abgearbeitete Nerven verlangen gestellt, welcher vom Rechtsanwalt Bieber in einem früheren sich auch der Zwischenrufer zum Wort, ein junger Mann, dessen Einer Aufforderung des Kaufmanns Hinge folgend, meldete Ruhe, ein nicht so erschlaffter Körper läßt dem Gehirn Raum Termin bemängelt worden war. Bei der Verhandlung für das Erfassen von Ideen und Plänen. Unsere besten Vr- wurde dem Angeklagten nahegelegt, eine Strafanzeige gegen fonfufe Ausführungen, mit denen er die Geduld der Versammund Hirn nicht durch übermäßige Arbeit und Arbeitszeit uinirt sich um ein Amtsvergehen desselben handeln würde. Die Straf Seiterkeitsausbrüchen Veranlassung gab. Ferner sprachen sich tämpfer waren alle Zeit die gut gestellten Arbeiter, deren Körper Herrn Schröder zu erstatten, da, wenn dieser Beamter wäre, es lung auf eine harte Probe stellte, nicht ernst zu nehmen sind, und der durch seine unfreiwillige Komit oft zu stürmischen anzeige wurde auch erstattet, vom Staatsanwalt aber zurückgewiesen Alb. Kohn, Maaß, Frl. Kramer, Frl. Adler und Heymann im Die Agitation für Ausbreitung unserer Partei unter den ihr noch und dies damit begründet, daß nach den angestellten Ermittelungen Sinne der Referentin aus. Nach Schluß der Diskussion wurde fern stehenden Elementen verlangt gebieterisch, daß wir uns jedes Schröder kein Beamter sei. Der Angeklagte wandte sich des Antrages annehmen, der werbend für die Sozialdemokratie auftritt. halb mit einer Anfrage an den Magistrat, erhielt aber von folgende Resolution einstimmig angenommen: Dies ist einfach unsere Pflicht. Nehmen wir die Resultate der diesem den Bescheid, daß der Magistrat es ablehne, Zwecks den Bereinen der Chefs und ihrem politischen Anhang betriebene Die Versammlung protestirt ganz entschieden gegen die von neuesten Berufszählung zur Hand, so finden wir im Handel einer Strafanzeige eine derartige Auskunft zu ertheilen. So lag Agitation gegen den Achtuhr- Ladenschluß. Sie hält im Interesse 1 233 045 als Angestellte beschäftigt; Elemente, die uns zum die Sache gestern bei der Verhandlung in einem neuen Termin. des förperlichen, geistigen und moralischen Wohles der im großen Theil noch fern stehen und die für uns zu gewinnen eine R.-A. Bieber beantragte die Freisprechung, da nach der Ablehnung Handelsgewerbe angestellten Gehilfen und Gehilfinnen eine VerPflicht ist. Hat sich nun die Reichskommission für Arbeiter des Strafantrages durch den Staatsanwalt der angeblich Be- fürzung der Arbeitszeit für dringend nothwendig und fordert als statistit, mit Hilfe unserer Genossen, dazu durchgerungen, beleidigte fein Beamter und der Magistrat mithin auch nicht zum Mindestleistung die Einführung des Achtuhr- Schlusses der Ladenstimmte gefehliche Vorschläge zu formuliren, die auf eine Strafantrage berechtigt sei. Der Gerichtshof beschloß aber, die geschäfte, sowie eine entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit in Verkürzung der Arbeitszeit für eine ganz große Berufsklasse hin- Akten der Staatsanwaltschaft zuzustellen und nähere Auskunft Engrosgeschäften und die völlige Sonntagsruhe im Wege der aus laufen, so find wir schlechte Genossen, wenn wir uns den, darüber zu verlangen, auf welche Weise festgestellt worden, daß Gesetzgebung. Diese Resolution ist dem Bundesrath, der Reichs ach so felten, günstigen Wind aus den Segeln nehmen und uns S. kein Beamter sei. tommission für Arbeiterstatistik, sowie allen Fraktionen des Reichsvon Philanthropen und bürgerlichen Ideologen zuvor kommen i Die Verhandlung gegen Pastor Rauh ist am Montag tages zu übersenden. laffen. erst in später Stunde zu Ende gegangen. Die Berathung der Im Gegentheil, es muß durch den Parteitag sofort Geschworenen dauerte bis gegen 11 Uhr abend. Das Resultat fräftig eingesetzt werden, damit diesen 114 Millionen ihrer Verhandlungen war folgendes: Angestellten flar wird: einen ernstlichen Kampf um die Rechte, um Leben und Gesundheit der im Handel Beschäftigten fämpft immer und immer nur die Sozialdemokratie. Ich fann mir faum etwas wichtigeres denken, als neue Genossen zu gewinnen und Andersdenkende zu überzeugen. Das ist nicht, wie ein Redner auf der Parteikonferenz ausführte, Reform" Arbeit, nein, es heißt Eintreten für einen Theil des Erfurter Programms, die an die heutige Gesellschaft zu stellenden Forderungen anlangend. waren. 4 " = וסט Versammlungen. Die Branche einen besonderen oder für die gesammten Textilarbeiter nur einen Delegirten in die Gewerkschaftskommission zu entsenden. Die Versammlung stimmte der Meinung zu, diese Frage erst jeder einzelnen Branche zu unterbreiten, worauf Stirs ch= ba ch als Delegirter zur Gewerkschaftskommission gewählt wird. Auf Anregung Berger's bewilligte die Versammlung 10 M. als Beitrag der Textilbranche zu den Kosten der Gewerbegerichtsbeisigerwahlen, die insgesammt 20 M. für sämmtliche Branchen betrugen. Rogte erinnerte an den neu ausgearbeiteten Tarif, der an den bekannten Stellen einzusehen ist. Versammlung ab, die leider nur mäßig besucht war. Zum ersten Die Textilarbeiter hielten am Montag eine öffentliche Punkt der Tagesordnung berichtet Ko te namens der AgitationsDie Geschworenen bejahen sämmtliche Schuldfragen unter tommiffion für die Provinz Brandenburg über die Thätigkeit Berneinung mildernder Umstände und verneinen nur die Beihilfs derselben. Redner bedauert, daß die Kommission, deren Mitfrage betreffs des einfachen Bankrotts.- Der Staatsanwalt glieder mit Absicht aus Berliner Berufsgenossen heraus gewählt beantragt eine Gesammtstrafe von sechs Jahren Zuchthaus, waren, nicht die genügende Unterstützung bei der Gesammtheit ge= 6000. Geldstrafe, eventuell noch 200 Tage Zuchthaus funden habe. Wenn die Bewegung trotzdem vorwärts gegangen und sechs Jahre Ehrverlust. Der Vertheidiger stellt das ist, so ist dies wohl mehr dem Druck seitens der Unternehmer Strafmaß dem Gerichtshof anheim. Nach sehr langer Be und den allgemeinen Verhältnissen zuzuschreiben. Für die Zukunft rathung erkennt der Gerichtshof auf sieben Jahre 3ucht würde es sich nun fragen, ob überhaupt eine neue Kommission haus und sieben Jahre Ehrverlust. Die Präsident, gewählt werden solle, dann aber müsse diese mit ganz anderen Aber auch unser weiteres Biel wird gefördert. Die Landgerichts- Direktor Gent, bemerkt in der Urtheilsbegründung: Befugnissen ausgestattet werden als bisher, wenn sie eine halb Frage des Achtuhr Schlusses scheidet haarscharf Arbeitgeber Der Gerichtshof hat bei Abmessung der Strafe die hohe Summe, wegs ersprießliche Thätigkeit entwickeln solle. Lehmann erstattet und Arbeitnehmer. Hier fühlt sich der vielfach noch dünkelvolle die lange Dauer der Verbrechen, den groben Vertrauensbruch des hierauf den Kassenbericht vom 1. Oft. bis 81. Dez. 1895. Derselbe Handlungsgehilfe, die bleichsüchtige Tochter des untergehenden Angeklagten gegen seine Vorgesetzten und Gemeinde- Aeltesten ergiebt eine Einnahme von 278,29 M., Ausge gabe: 268,56 Kleinbürgers, der von früh bis in die sinkende Nacht hinein aus- und endlich in Erwägung gezogen, daß der Angeklagte Mart, Bestand: 8,49 M. Nachdem die Revisoren die Richtigs gebeutete Hausbiener als Klaffen genosse; hier dämmert ihnen den kirchen und religionsfeindlichen Glementen feit der Abrechnung befundet, entspinnt sich eine längere Dis das Bewußtsein auf, daß sie keine Gemeinschaft und fein Anlaß zu Angriffen auf Kirche und Religion ge- fussion über den Fortbestand der Agitationskommission, wobei Intereffe mit dem Kapitalisten verbindet,- und hier muß die fozial- geben hat. Der Angeklagte nimmt das Urtheil mit größtem Treu bedauerte, daß man sich um die Organisation so wenig demokratische Agitation, wie gesagt, eingreifen. Da kommen nun Gleichmuth entgegen. Auf dem Korridor steht die Gattin des fümmere. Hübsch hält es unbedingt für nöthig, daß die neunmal Weise und wollen uns glauben machen, es sei nicht Angeklagten und weint bitterlich. Die Werhandlung schließt Kommission, wie es auch vom Kongreß beschloffen wurde, bestehen ,, opportun", es sei verfrüht"? Ja will denn die Partei gegen 12 Uhr nachts. Die Begründung des Urtheils, über das bleibt und zwar als nothwendige Reservetruppe für unvorhernoch länger warten, als darauf, daß derartige Anträge in Form im übrigen ja nichts weiter zu sagen ist, erscheint uns in der gesehene Ereignisse, weil, in öffentlicher Versammlung gewählt, von Gesegesvorschlägen fertig daliegen? Ich meine, es ist die Fassung, welche sie in dem uns zugesandten Bericht erhalten mit der Organisation tein Zusammenhang besteht. Es liege nur höchste Beit, daß der Parteitag nicht nur sympathische hat, betreffs eines Punktes nicht ganz klar. In den Berichten an der Kommission selbst, eine recht rege Thätigkeit zu entwickeln, Stellung nimmt, nein, daß er auch die Parteigenossen über die vorgestrigen Verhandlungen fonnten wir keine Stelle dann wird sie auch einen guten Erfolg aufzuweisen haben. allerorts verpflichtet, für den Achtuhr Schluß agitatorisch mit finden, welche Aufschluß darüber gab, daß die Handlungsweise Berger( Posamentier) ist für Fortbestehen der Kommission, einzutreten. des Rauh irgendwie tendenziös ausgebeutet worden ist. Dies ist es, was die leider noch schwache Gewerkschaft der entsinnen wir uns nicht, in der Presse irgend eine Aeußerung Vorwürse vertheidigen. Die Versammlung beschließt hierauf die Auch während sich Lehmann und Kohte gegen die von Hübsch erhobenen Gehilfen und Handels- Hilfsarbeiter verlangt und die Wahlkreise, gefunden zu haben, aus der sich denten ließ, daß der Einzelfall, Neuwahl der Agitationskommission, die für das nächste Jahr aus die dies geringe Verlangen unterstüßten, haben eminent sozial ber hier zur Berhandlung stand, den„ kirchen- und religions: Mitgliedern Lehmann, Roste und Liebert besteht. demokratisch gehandelt, daß sie solche Rinkerligchen" zum An- feindlichen Elementen" Aulaß zu Angriffen auf Kirche und Müller erstattet hierauf Bericht über die Thätigkeit der Getrage für den Parteitag erhoben. Es geschieht dies nicht im Religion gegeben hat. Wenn irgendwo in der gesammten Presse werkschaftskommission. Es entspinnt sich hierüber eine längere Jutereffe der Gewerkschaften oder, wie sich der Redner auf der objektiv geurtheilt worden ist, so über das Drama, das nun- Diskussion, ob es in Zukunft noch nöthig sei, für jede einzelne Parteifonferenz ausdrückte, für die aumaßliche kleine mehr seinen Abschluß gefunden hat. Zahl sozialistischer Gehilfen"; dieser Kampf und die Agitation betrifft eine Bahl Millionen Interessenten und kann der Partei hunderttausende von Anhängern zuführen. Unsere Partei hat auch zu vielen, vielen Malen den Beweis Eine von Handlungsgehilfinnen und Gehilfen sehr geführt, daß sie die Interessen einer Neihe von Berufstlaffen zahlreich besuchte Versammlung tagte am Montag im alten recht wohl zum Nußen der Sozialdemokratie zu verwerthen Schüßenhause. Das Referat hatte Fräulein Haase über weiß. Auf der Tagesordnung des Breslauer Parteitages stand nommen. Sie kritisirte den von Fräulein Hermann auf dem ein Referat über das Schwigsystem. Wir haben über Sonntags: Frauentongreß gehaltenen Vortrag über die Lage der weiblichen ruhe für bestimmte Berufstlassen verhandelt, für die Bäckerei Handelsangestellten, und besprach die von Frl. Hermann nicht verordnung hat sich nicht nur die betreffende Gewerkschaft ins genügend gewürdigten Schattenfeiten des Berufs, die lange Eine öffentliche, nur mäßig besuchte Versammlung der Beug gelegt, nein, die Partei unterstüßte den Antrag in und Arbeitszeit, die hohe Sterblichkeitsziffer der Handlungsgehilfinnen, Stuckateure, die am Montag in den Arminhallen" tagte, be außerhalb des Reichstags. Für den Konfektionsstreit be bei denen, wie die Rednerin auf grund einer Statistit der Orts schäftigte sich mit der Tagesordnung: Welche Vortheile hat uns fundete die Partei mit Rath und noch mehr mit der Krankenkasse angab, etwa die Hälfte aller Todesfälle die legte Lohnbewegung verfchafft, und wie gedenten wir die That thre Sympathie und Um sei. bei den Handelsangestellten auf Schwindsucht zurückzuführen ge- selben in der bevorstehenden Herbstsaison am besten auszunüßen? will man es nicht für opportuu" erachten?*) Das bes fundheitsschädlichen Folgen des langen Stehens der Ver- In der Diskussion über diesen Punkt wurde allgemein das un greife wer tann. Wer selbst im Erwerbsleben steht, täuferinnen vorzubeugen, hätten sich ja die bürgerlichen folidarische Verhalten der großen Masse der Kollegen, durch wer den Kampf ums tägliche Brot mitkämpft, wer auf den Frauen seinerzeit für Beschaffung einer Siggelegenheit ins Beug welche fast fämmtliche Errungenschaften der verflossenen LohnSchluß der überlangen Arbeitszeit harrt, um nach Haus zu eilen, gelegt. Bisher sei diesem Verlangen so gut wie nicht ent- bewegung wieder verloren gegangen sind, recht herb getadelt. wo Eltern, Weib und Kinder warten, wird einsehen und sprochen worden, auch bliebe den Verkäuferinnen während der Von einigen Rednern wurde sogar angeführt, daß es nicht selten begreifen, wie wichtig dieser„ Kriegsruf" für die Agitation unter Geschäftsstunden keine Beit, sich zu setzen. Frl. Hermann hätte die eigenen Kollegen sind, welche sich zum Denunzianten bergeben den Handelsangestellten ist. in ihrem Vortrage erwähnt, daß Handlungsgehilfinnen Gehälter und den Arbeitgeber vor der Einstellung dieser oder jener Freilich darf keinen Augenblick geleugnet werden, daß das bis zu 100 m, monatlich erhielten. Daß solche Fälle nur Personen warnen, wodurch speziell die bewährtesten Kräfte bit felten portamenti erit, Uebergangsstadium, sollte der Achtuhr Schluß Gesetz werden, äußerst felten vorkämen, müffe Frl. Hermann als Leiterin der der Organisation von der Werkstelle ferngehalten würden einige wenige fleinbürgerliche Existenzen schädigen wird, Stellenvermittelung des Hilfsvereins für weibliche Handelsange- und bei der zeitweilig schlechten Konjunktur acht bis zehn obwohl dasselbe unbegründete Geschrei sich auch bei Einführung stellte ganz genau wiffen. Nach einer Statistit der Orts Wochen und noch länger arbeitslos find. Der Arbeitsnachweis, der Sonntagsruhe erhob. Nun, wir sind eine Arbeiter Krankenkasse betrage das Durchschnittsgehalt für Handlungs- womit man zur Zeit dachte, diesen Uebelstand abzuhelfen und partei und Nußen und Profit etwelcher Unternehmer selbst gehilfinnen monatlich 45 M., zur weiteren Illustration der überhaupt auf die Arbeitsverhältnisse einzuwirken, wird gleichvielen in aus unseren Reihen kann gegenüber dem beſſeren Wohlergehen weist die Rebnerin auf die fürzlich im Vorwärts" ver- Bedeutung vollständig verloren hat. Unter diesen Umständen Fällen unglaublich niedrigen Löhne ver falls unberücksichtigt gelassen, so daß auch diese Einrichtung ihre Der Verfasser nimmt zweifellos die zufällige Aeußerung öffentlichten Einzelfälle. Die schlechte Entlohnung sei aber noch glaubten die verschiedenen Redner von weiteren Maßnahmen zur eines Debatteredners in einer der Berliner Versammlungen zu nicht das größte Uebel, unter dem die Handlungsgehilfinnen zu Beit abrathen zu müssen und eine rege Agitation zu empfehlen, tragisch. Der betreffende Redner, wie die gesammte leiden haben. Käme es doch nicht selten vor, daß Kolleginnen um zunächst die Organisation zu kräftigen. Nachdem ein Antrag, Partei, ist sich darin einig, daß das Verlangen, den zugemuthet werde, fich die Liebenswürdigkeiten" des Chefs ge- den Tarif vom 16. Mai unter allen Umständen hochzuhalten, Achtuhr Ladenschluß herbeizuführen, mit allen Kräften fallen zu lassen. Erst türzlich habe eine Bekannte der Rednerin angenommen worden war, wurde einstimmig beschlossen, gefördert werde. Im Parlament haben unsere Vertreter in fich behufs Erlangung einer Stellung bei einem Geschäftsinhaber denjenigen Kollegen, die für das Interesse der anderen Kollegen biefem Sinne gewirkt und dasselbe ist geschehen in zahl- vorgestellt, dessen Anforderungen sie in geschäftlicher Hinsicht eingetreten und infolgedessen längere Zeit arbeitslos sind, eine losen Versammlungen. Verschiedene Meinungen bestehen nur auch genügte. Nachdem man sich über die Engagements- Unterstüßung zu gewähren. Diese Unterstüßung soll nach darüber, ob es es angebracht sei, diese Forderung zu bedingungen geeinigt hatte, kniff der Herr Chef dem Mädchen in 14 tägiger Karrenzzeit für Unverheirathete 12 Mart, für Vereinem besonderen Punkt der Tages Ordnung unferes die Wange. Als diese sich derartige Zudringlichkeiten verbat, heirathete 15 M. und für jedes Kind 1 M. pro Woche betragen. Parteitages zu machen. Schließlich ift es eben eine erhielt sie die Antwort: mein Fräulein, ich sehe, daß wir nicht Nach einer provisorischen Abrechnung der Lohnkommission wurden Unmöglichkeit, alle jeweils brennenden Arbeiterfragen auf die zusammen passen, aus dem Engagement kann daher nichts kleinert, Lindner und Lübki zu Revisoren gewählt. Tagesordnung unserer Parteitage zu stellen und daraus erklärt werden. Frl. Hermann habe zwar auf dem Kongreß bedauert, Die Abrechnung der Agitationskommission Deutschlands, die von fich das vielfach ablehnende Berhalten unserer Genossen. Mögen daß es teinen gefeßlichen Schutz gegen solche Gemeinheiten gäbe, sie den Revisoren geprüft und für richtig befunden war, zeitigte eine die organisirten Handlungsgehilfen dem Parteitage doch eine habe aber unterlassen, nach der Ursache derselben zu fragen. Diese längere lebhafte Diskussion, die wiederholt einen persönlichen entsprechende Resolution unterbreiten. Dieselbe wird sicher an feien einzig und allein ökonomischer Natur. Das einfachste Charakter annahm. Auf Antrag wurde sodann der Kommission genommen und damit der gewünschte Zweck erreicht, ohne daß Mittel, einem so unwürdigen Zustande ein Ende zu machen, sei und den Vertrauensmännern Decharge ertheilt und, um den die Arbeitslast des Parteitages besonders vermehrt wird. eine Berbefferung der Gebälter für Handlungsgehilfinnen. Nach berumschwirrenden, durch keinerlei Anhaltspunkte gerechtfertigten Red. d. B.". diefer Richtung hätten sich jedoch die Leiterinnen des Hilfs Gerüchten entgegenzutreten, ein Vertrauensvolum ausgesprochen. M den Möbel- Tischlerei von G.A.Noack, glermeister. Spezialität: Wohnungs- Einrichtungen direkt vom Tischlermeister zum Preise von Sie kaufen Wohnungs- Einrichtungen M. 240,-; 340,-; 450,-; 500,- 600,- 750,- bis 2000,- 2c. Keine Scheinwerkstätten! Berlin, Verkaufsmagazin: Louisen- Ufer 22, Ecke Dresdenerstrasse, Fabrik: Fruchtstr. 31. Garantie für gediegene und dauerhafte Ausführung. Gegründet 1880. am Oranienplatz. Kataloge franko! Das Schuhwaaren- Verkaufshauß( 8 Sanfenſter) S. Selbiger, 40 Landsbergerstr. 40 verkauft von heute ab: Herrenstiefel, gut und dauerhaft gearbeitet, Mk. 4,50, 5,50, 6,50 u. s. w. Damenffiekel zum Knöpfen, auch Gummizüge, Mt. 4, 4,50, 5,30, 6,20 u. s. w. Einsegnungstiefel zu staunend billigen Preisen. 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