Berliner Volks- Tribüne. Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Bolts- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Н Einzelne Nummer 15 Pfg. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 850 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1888.). Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet. Vereins- Anzeigen: 15 fg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inferaten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. №. 43. Höherer Arbeitslohn ist nicht alles. Sonnabend, den 27. Oktober 1888. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. II. Jahrgang. Wenn sich die Arbeiterbewegung lediglich aus den Offene Wahlen führen in der That weiter nichts Zum Klassenwahlsystem( in Preußen, Sachsen, allerärmsten und schlechtestbezahlten Arbeitern rekrutirte, herbei, als daß wirklich charaktervolle, aber abhängige Braunschweig).- Die Brodvertheuerung. Aus dann stände es sehr schlimm um die Arbeitersache; denn Wähler der Wahlhandlung fernbleiben, und daß die Frankreich. Aus der amerikanischen Ar- es läge die Gefahr nahe, daß die Bewegung aufhörte, Charakterlosen zur Wahl gehen, nicht aus Trieb und beiterbewegung. Eine bemerkenswerthe sobald die Löhne um ein Geringes erhöht würden. Eine Ueberzeugung, sondern um Behörden, Kunden und sonstige Selbsthilfe. berartige Arbeiterbewegung hätte nur geringe Bedeutung, Leute, auf die man Rücksicht nehmen muß, nicht zu verDer Streifführer. Gedicht. Soziales weil sie sich auf den Thaler und Groschen zuspißte und letzen, ja sie wohl gar durch politische Geschmeidigkeit sich Bild aus Rußland von Gorbunoff. Kunst weil ihr das Kulturmoment fehlte. zu verbinden. Politische Schlangenmenschen spielen bei und Revolution. Ein Vorläufer des Sozia- Der Thaler und der Groschen oder die Magen- solchen Wahlen die erste Rolle, während Männer mit frage lismus in Italien. giebt wohl den Anstoß zum Erwachen des Rückgrat einem Konflikt zwischen Ueberzeugung und Zwang Kleine Mitthei: Arbeiters, aber um ihn wach zu halten, bedarf es eines der Interessen dadurch ausweichen, daß sie nicht einmal Politische Nachrichten. lungen. Gewerkschaftliches. Vereine und höheren Ideales, des Zieles der Freiheit und Unabhängig von dem geringen, ihnen zustehenden Rechte Gebrauch feit von der Person des Kapitalisten. Versammlungen. Dieses Ziel haben namentlich diejenigen Arbeiter Gerade bei den kleinen Urwahlbezirken, wo- wie begriffen, welche an unserer Sache theilnehmen, ohne daß z. B. 1866 auf einen zu ernennenden Wahlmann ihnen das Wasser am Halse steht; die sogenannten besser durchschnittlich kamen: in der 1. Abtheilung noch nicht gestellten Arbeiter, welche, obschon sie nicht am Hungertuch 7 Urwähler, in der zweiten Abtheilung noch nicht 19, in nagen, den Kampf gegen die kapitalistische Privatproduktion der dritten 131 Wähler, gerade da ist eine Beaufsichtigung aufgenommen haben. und Beeinflussung besonders leicht gemacht. Aufforderung zum Abonnement. Die„ Berliner Volkstribüne" erscheint jeden Sonnabend früh in Berlin und sucht in gründlichster Weise alle auftauchenden politischen und wirthschaftlichen Fragen vom sozialistischen Standpunkte aus zu beleuchten. Gerade heute, wo das Vereinsleben der Arbeiter gänzlich darniederliegt, erscheint uns ein Wochenblatt, wie das unsrige als ein unentbehrliches Aufklärungsmittel des Volkes. Wir bitten alle Freunde unseres Blattes, recht eifrig für die weitere Verbreitung der ,, Berliner Volks- Tribüne Wir theilen daher nicht die gang und gebe Besorgniß, daß die organisirten Arbeiter, wenn sie erheblich bessergestellt würden, den Kampf gegen die kapitalistische Privat produktion aufzugeben bereit wären. Im Gegentheil: dann hätten sie mehr Muße und mehr Mittel, für ihre Sache einzutreten. machen. Je größer die Zahl der bessergestellten Arbeiter in In ländlichen Gegenden wickelt sich darum auch unseren Reihen ist, desto leichter und sicherer der Erfolg. fast immer das Wahlgeschäft in der für den maßDenn erst kommt die kräftige Suppe und dann die poli- gebenden Großgrundbesitzer denkbar wünschenswerthesten tische Thätigkeit. Der leibliche Mensch muß erst befriedigt Weise ab. Der Tagelöhner, der kleine Besißer, Leute der sein, ehe man an den geistigen herantreten kann. Einem dritten Abtheilung, sie kommen, sie finden ihren„ Herrn" Hungernden kann man ebensowenig von Jdealen wie von am Wahltisch als Leiter und stimmen für ihn als Sittlichkeit predigen. Wahlmann. Die zweite Abtheilung, der Pfarrer, der Lehrer, sie wählen vieicht den Juspektor des Herrn, und letzterer, der die erste Abtheilung allein ausfüllt, beglückt dann huldvollst einen ihm ergebenen Bauern mit der Ernennung zum Wahlmann. Das Ergebniß aber dieser vereinten Bezirkswahlen ist alsdann der Herr Landrath. Bei Bestellungen in Berlin wende man sich stets direkt an Aehnlich machen sich persönliche Einflüsse, Abhängigkeitsdie Spediteure. Dieselben liefern die„ Berliner Volks- Tribüne" Es läßt sich viel leichter einem Jdeale nachgehen, verhältnisse auch in den Städten geltend, sodaß von einer für 50 Pfennige monatlich jeden Sonnabend Morgen frei in's Haus. wenn man vom drückendsten Kummer frei ist, als mit unbeeinflußten, wirklichen Volkswahl niemals gesprochen Probenummern jederzeit gratis. Durch jede Postanstalt des einem Kopf voller Sorgen und einem Herzen voller werden kann. Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen Bangen um die kleinlichen Bedürfnisse des Alltagslebens. Darum ist nicht nur die Dreiklassenwahl, sondern unter Nr. 850 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1888.) Wir bestreiten daher die von Vielen vertheidigte auch die offene Etimmenabgabe von jedem wirklichen Der Verlag der Berliner Volks- Tribüne." pessimistische Idee, daß es in der Welt erst ganz erbärm- Volksfreunde zu bekämpfen. Berlin S. O., Oranienstr. 23. lich schlecht werden müsse, ehe die Arbeiter sich aufraffen. einzutreten. aber er ist Die Arbeiterklasse und die Landtagswahlen Höherer Arbeitslohn ist gut, aber er ist nicht alles. Beschränkte Menschen aller Art können sich darüber nicht zufrieden geben, daß selbst solche Arbeiter, die den höchsten" Lohn beziehen, ein paar hundert Mark in der Sparkasse oder ein Häuschen haben, die im Stande sind, eine Bernsteinspiße zu befißen und Uhr mit Kette zu tragen, dennoch unzufrieden" mit ihrer Lage sind und fortfahren, Andere„ aufzuheßen". 11 Diese Leute, welche im sogenannten ,, höchsten" Arbeitslohne das Ende alles Strebens, die Glückseligkeit selber erblicken, haben keine Ahnung vom Werth des Lebens, der doch einzig und allein in der Freiheit und Unabhängigkeit des Individuums besteht. in Preußen. ( Na ch tra g). Wir haben in letter Nummer die Härten und die unheilvollen Wirkungen der Dreitlassenwahl geschildert und hätten nunmehr noch eine zweite Eigenthümlichkeit des preußischen Wahlrechtes kurz zu erwähnen, welche allein schon hinreichen würde, daß das Ergebniß der Wahlen in Preußen nicht dem wahren Volkswillen entsprechen kann: die offene Stimmenabgabe. Preußen hat für die Wahlmännerwahlen öffentliche Stimmgebung zu Protokoll! Auch die Nationalliberalen haben sich früher gegen die Dreiklassenwahl erklärt. Jm nationalliberalen Programm vom 13. Juni 1868 heißt es nämlich unter anderem: Wie unsere Partei im Entstehen( die Reichsverfassung) zu bessern bemüht war, so wird sie ununterbrochen darauf hinarbeiten, die Verfassung in sich auszubauen. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ist unter unserer Mitwirkung zur Grundlage des öffentlichen Lebens gemacht. Wir verhehlen uns nicht die Gefahren, welche es mit sich bringt, so lange Preßfreiheit, Versammlungs- und Vereinsrecht polizeilich ver= kümmert sind, die Volksschule unter lähmenden Regulativen steht, die Wahlen bureaukratischen Einwirkungen unterworfen sind, zumal die Versagung der Diäten die Wählbarkeit be= schränkt. Nach dem Beispiele der preußischen Verfassung haben die entsprechenden Unvollkommenheiten in die Reichsverfassung Eingang gefunden. Auf beiden Gebieten( also auch in Preußen) sind nunmehr gleichzeitig und regelmäßig die wesentlichen Forderungen zu erstreben, welche die allein sichere Grundlage des öffentlichen Rechts gewähren. Nach wie vor verlangen wir die Ausführung der in der preußischen Verfassung verheißenen Geseze und die Reform des Herrenhauses als Vorbedingung aller Reformen." Dazu dann noch aus einem im Oktober 1868 erMan hat natürlich auch dieses System, das in allen Ländern vorkam und noch vorkommt, heuchlerisch zu Unter der Voraussetzung selbst, daß ein Mensch kern- vertheidigen gesucht und ein würtembergischer Abgeordneter gesund ist und von Familienunglück verschont bleibt rief sogar 1819 bei der Verfassungsberathung aus:„ Wenn und wie weit hat man zu suchen, ehe man diese beiden das Volk nicht den Muth hat, öffentlich zu wählen, dann Vorausseßungen dauernd vereint antrifft! unter dieser verdient es überhaupt keine Volksvertretung." Vorausseßung selbst hat der Lohnarbeiter und bezöge Derartige Aeußerungen können auf der Seite der er den ,, höchsten" Arbeitslohn- das Recht, unzufrieden" Reichen und Unabhängigen durchaus nicht befremden, den zu sein, weil er nicht frei, nicht unabhängig ist, sondern Armen und Abhängigen aber, den von Entlassung und schienenen Wahlaufruf Folgendes: der Laune oder der Gnade Anderer, oder dem Zufalle des Maßregelung, von Arbeits- und Existenzlosigkeit Bedrohten Geschicks sich beständig preisgegeben sieht. müssen solche Worte immer wie Spott und Hohn ins Dieses Gefühl und Bewußtsein:„ Dein Leben hängt Gesicht schlagen! Wie man dereinst in einer Gesellschaft von dem Wohlwollen eines Menschen oder einiger weniger wahrhaft freier und gleicher Menschen öffentliche AngelegenMenschen und dem unberechenbaren Zufalle ab"- das heiten erledigen wird, darüber mag man streiten. Aber ist es, was auch den höchsten" Arbeitslohn unendlich daran kann kein Zweifel sein, daß die Forderung der klein erscheinen läßt und den Werth selbst einer solchen offenen Stimmgebung, wenn sie heute vom Sammipfühl Bei den neueren Kreis:, Provinzial- und der Neichen an die Abhängigen gestellt wird, zum min- Städteordnungen hat selbst die preußische bessergestellten Existenz beträchtlich verringert. Es giebt allerdings Bedientennaturen, die sich in ihrer desten eine Unredlichkeit enthält. Es ist kein Kunststück, Abhängigkeitsrolle ziemlich wohl fühlen, weil diese der sich ins Wasser zu wagen, wenn man es zum guten Regierung auf die offene Stimmenabgabe Geistesträgheit zu Statten kommt. Aber ein Mensch, der Schwimmer gebracht hat; aber darum Anderen, Hülfloseren Fähigkeiten und Selbstbewußtsein besißt, kann sich niemals den Kopfsprung in die Tiefen zuzumuthen, ist Grausamim Zustande der kapitalistischen Lohnarbeit wohlbefinden. keit oder Hohn. " Das beschränkte Klaffen- Wahlsystem hat sich überlebt und der nächste(!) Landtag wird zu prüfen haben, in welcher Weise und unter was für Voraussetzungen der Uebergang zum allgemeinen Stimmrechte zu be= reiten ist." verzichtet. Im Jahre 1872 nahm eine konservative Mehrheit Ides Abgeordnetenhauses nach dem Vorschlage der Regierung die bekannte neue Kreis ordnung an mit einem Wahl- Die Arbeiter, das theure Brod und die reglement, worin es ausdrücklich heißt: " Die Wahlen erfolgen durch abgestempelte, bei der Verhandlung zu vertheilende Stimmzettel". Die 1875 erlaffene neue Provinzialordnung be= stimmte gleichfalls: " Die Wahl erfolgt durch Stimmzetter". Soziale Frage auf dem Lande. ( Korrespondenz aus Frankreich.) I. Periode kaum noch zu erwarten, da sich in ihr stets die meisten Nachfragen anhäufen. 25 Cts. Grund der Brodvertheuerung ist also nicht der natürliche hohe Getreidepreis, sondern der durch den Einfuhrzoll von 5 Franks pro Zentner geschaffene künstliche Getreidepreis. Derselbe Zentner 3. Die in den letzten Wochen an verschiedenen Orten Weizen, welcher noch auf dem Markte zu Brüssel oder Ebenso beruhen die neueren Kreis- und Provinzialstattgehabten Bäckerstreiks haben in Frankreich die Frage Antwerpen 20 Fr. 50 Cts., refp. 21 Fr. 25 Cts. foftet, ordnungen auf dem geheimen Wahlrecht. Von keiner vom theuren und vertheuerten Brote wieder einmal in steht in Frankreich auf 25 Fr. 50 Ets., bezw. 26 Fr. Seite erfolgte hiergegen Widerspruch. den Vordergrund geschoben. Derartig war früher die Zweckmäßigkeit der geheimen Die Frage ist dazu angethan, das französische Prole- Die Preissteigerung von 5 Franks pro Zentner beAbstimmung allgemeine Ueberzeugung geworden, daß der 1876 vorgelegte Entwurf einer neuen Städte ordnung tariat für längere Zeit in Athem und Bewegung zu halten, schränkt sich natürlich nicht allein auf die zu importirenden, zwar wegen vieler anderer Bestimmungen, aber nicht im die sozialistische Agitation unter der Masse zu begünstigen, auf die über die Grenze einzuführenden 35 Millionen Mindesten deshalb bemängelt wurde, weil er vorschlug, denn bis jetzt haben die Behörden der wenigsten Gemeinden Hektoliter, sie wirkt auf den Preis des nationalen Weizens bei den städtischen Wahlen das geheime Stimmrecht ein- Maßregeln ergriffen, der Steigerung der Brodpreise ent- zurück und regulirt ibn nach demjenigen des Imports. Das französische Volk hat in Folge dessen zuführen. Die Regierungsvorlage begründete diese Ein- gegen zu treten. führung ganz kurz mit folgenden Worten: Der Entwurf folgt in diesem Punkte dem System des Reichswahlgesetzes voni 31. Mai 1869. Das diesem System zum Grunde liegende Motiv, die Wähler vor illegitimen Beeinflussungen und vor der Nothwendigkeit einer Rücksichtnahme auf Personen und äußere Verhältnisse zu bewahren, trifft in verstärktem Maße bei den auch bezüglich der passiven Wahlfähigkeit in dem engeren Kreise der Mitbürger einer und derselben Gemeinde sich vollziehenden Kommunalwahlen zu" 2c. " Der Die in einzelnen Orten eingeführte Brodtare, welche 475 Millionen Franks, sage und schreibe 475 einen Marimalpreis, eine höchste Preisgrenze, festsegt, über Millionen Franks mehr als im Vorjahre für den welche hinaus das Brod nicht verkauft werden darf, die nationalen Weizenkonsum zu bezahlen.*) Gründung von munizipalen( der Gemeinde gehörigen) Einfuhrzoll von 5 Franks pro Zentner stellt, in anderen Bäckereien sind für den Augenblick recht nüßliche Worten, eine indirekte Steuer von 475 Millionen Palliative, aber sie laffen die Ursache der Vertheuerung Franks dar, die wie oben auseinandergesetzt, zum größten unberührt, die hohen Getreidepreise. Theil von dem Proletariat aufgebracht werden müssen, von dem Proletariat, das mit den färglichsten Löhnen abgespeist wird und mit der Industrie zusammen aus einer Krise in die andere fällt. Diese Situation macht sich um so schwerer fühlbar, als sich die Krise und der industrielle Nothstand täglich schärfer herausbildet. Die der Hauptsache nach beendigten Als eine der vielen Abnormitäten, Ausstellungsarbeiten haben für eine Besserung der Lage Ist dieser kolossale Aderlaß an dem arbeitenden Volke welche das preußische Landtagswahlgefeß mit sich bringt, nicht das gehalten, was man hoffte. Wie bei jeder Ver- etwa durch das Interesse des Staats zu erklären? verdient die Thatsache Erwähnung, daß z. B. der 868. Wahl- theuerung der unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse ist es Gewiß nicht, denn so groß das nationale Defizit ist, so bezirk Berlins in Folge der in der Kruppstraße wohnenden aber gerade der Proletarier, welcher am empfindlichsten tommt dem Staat doch nur 120, höchstens 150 Millionen Militärbevölkerung in den drei Klaffen nur 62 eingetroffen wird, welcher den größten Theil der nationalen der gesammten Summe zu Gute, der übrige, dem armen geschriebene Wähler hat, denen die Wahl von 5 Wahl- Mehrausgabe aufzubringen hat. Der Kapitalist begnügt Manne vom Munde weggenommene ansehnliche Rest von männern zusteht, während benachbarte Bezirke über 500 ich nicht damit, ihn als Produzenten bis zu der äußersten 355, bezw. 325 Millionen Franks fließt den GroßproWahlberechtigte umfassen, die nur 4 Wahlmänner zu Grenze der Leistungs- und Entbehrungsfähigkeit auszupreffen, duzenten, den Großspekulanten, also dem großen Privatwählen haben. er seßt ihm auch als Konsumenten die Profitschraube besit zu. Das veraltete Wahlsystem für den Landtag in Sachsen- Weimar bat eine gradeza beispiellose Nichtbetheiligung bei den Wahlen zur Folge gehabt. Die Köln. 3tg." berichtet darüber: Es erschienen beispielsweise in Jena von mehr als 800 Urwählern am ersten Wahltage mur 10, und troßBei Berechnung der Seelenzahl der Urwahlbezirke, auf und zieht dadurch den größten Theil des ausgezahlten Der Raubzug gegen den Beutel des französischen von denen keiner weniger als 750 und mehr als 1749 Lohnes in die heimathlichen Geldschränke zurück, einem Volkes wurde natürlich in Frankreich unter dem Vorwand Seelen umfassen darf, sind nämlich die aktiven Militär: Taschenspieler gleich, welcher dem Publikum glänzende in Szene gesetzt, der darniederliegenden nationalen Landpersonen mitzuzählen. Wählen dürfen sie aber nicht, sodaß Geldstücke in die Börsen zaubert, die dann spurles zurück wirthschaft auf die Beine zu helfen. Zweck desselben nur ganz wenige wahlberechtigte„ Civiliften" übrig bleiben. verschwinden. Die Preissteigerung von Lurusfachen, war einfach, den Millionenbesig von großen Landeigenthümern Dadurch wird das Kapitel der„ Kuriosa" vervoll- mag sie noch so beträchtlich sein, erweist sich im Grunde und Spekulanten durch weitere Millionen zu vermehren. ständigt, das wir in unserer vorigen Nummer brachten. als ein nur wenig einträgliches Geschäft: der Absatz für Viele der Spekulanten hatten während der letzten Jahre in dergleichen Waare ist ein geringer, auf den kleinen Kreis Erwartung eines Krieges bedeutende Getreidevorräthe billig Privilegirter beschränkter, ihr Konsum kann eventuell leicht zusammengekauft, da die Ereignisse der äußeren Politik die eingestellt werden. Anders verhält es sich mit der Preis- Spekulation bis dato fehlschlagen ließen, so konnte mit steigerung unentbehrlicher Lebensbedürfnisse, die Drangabe der gebührenden Beftechungsgelder( pots- de- vin) sich um so profitabler herausstellt, je mehr und je aus die innere Politik durch Schußzölle die Getreidepreise in schließlicher das vertheuerte Produkt Konjumartikel des die Höhe treiben. Die Großgrundbesißer ihrerseits hatten armen Mannes ist, je größer sein Absatzmarkt. alles Interesse daran, durch Eindämmung und Zügelung In erster Linie gilt dies vom Preise des Brotes der internationalen Konkurrenz die Preise ihrer Produkte dem vor der Nachwahl sämmtliche Wahlberechtigte durch und dessen Vertheuerung. Es ist das Proletariat, welches steigern zu können. Die Regierung und Kammer konnten die Bezirksvorsteher persönlich zur Theilnahme aufgefordert den bei weitem größten Theil der nationalen Mehr- durch den Einfuhrzoll zwei Fliegen mit einer Klappe worden waren, kamen auch noch nicht einmal 100 Wähler ausgabe für Brod zu tragen hat. Für den reichen und schlagen: die Geschäfte ihrer Freunde und Verwandten zusammen, ja, da aus einzelnen Bezirken gar keine Wähler mannigfaltigen Speisezettel der oberen Zehntausend spielt fördern und sich eine Wahlkundschaft sichern, während sie erschienen waren, mußten noch in letzter Stunde Boten das Brod eine relativ nebensächliche und unbedeutende sich den Anschein gaben, im Interesse der ländlichen Benach den Säumigen ausgefchickt werden. Rolle. Der Hungerlohn des Arbeiters führt für den völkerung zu handeln, dieselbe für die Republik zu gewinnen. proletarischen Haushalt den Konsum an Fleisch, Fischen, Der Antogonismus, in welchem sich die Maßregel zu dem Eiern, Gemüsen auf ein oft mit dem Mikroskop zu suchen Wohle der industriellen Arbeiter, ja auch zu dem der des Minimum zurück, Mittel- und Schwerpunkt der Er- Kleinbefizer befand, ward vertuscht. Nichts ist den Machtnährung bildet hier einzig und allein das Brod. Und habern erfreulicher, als das Ehrenvolle und Angenehme in dem Maße, als die Löhne sinken, als Krisen und mit dem Nüßlichen zu vereinen, die Führung der StaatsArbeitslosigkeit andauern, in dem Maße ist der Arbeiter geschäfte mit der profitreichen Erledigung der eigenen wird, wie wir der Chemnitzer Presse" entnehmen, der gezwungen, seinen Konsum an Fleisch, Eiern 2c. noch weiter Angelegenheiten. Der Nothstand der Landwirthschaft muß in Gemeinderath gewählt auf Grund des Drtsstatuts vom zu reduziren und sich ausschließlich an das Brod zu halten, Jahre 1837, welches also bald nach Inkrafttreten der wenn dasselbe nicht seinerseits durch Kartoffeln ersetzt Frankreich herhalten, wenn es sich um die Interessen des alten Landgemeinde- Ordnung festgesetzt worden war. Hier werden muß. Je größer in einem gegebenen Moment Großgrundbesizes handelt. Wer anders als er hat nach findet Klassen wah! statt und es wählen der Nothstand ist, um so mehr trägt das Proletariat zu die Konkurrenz des Auslandes zu fürchten, da die Mehrder gesammten Mehrausgabe der Nation für Brod bei, zahl der Kleinwirthe nicht genug produzirt, um seine und gerade die schlechtestbezahlten Schichten zahlen an Produkte überhaupt auf den Markt zu bringen. Wem die zirka 500 Unansässigen zwei Gemeinderatsmit Bäcker, Mehlhändler, Grundbesitzer und Getreidespekulanten anders auch als ihm kommen aus dem gleichen Grunde die durch Schußzzoll gesteigerten Getreidepreise zu Gute? glieder. die fettesten Profite. Auch nicht übe!! Da in einem Bezirk weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten erschienen war, so mußte eine Nach wahl angeordnet werden, zu der überhaupt kein Wähler erschien. In Niederzwönitz in Sachsen die zirka 50 Gutsbesitzer sechs, die zirka 200 Hausbefizer vier, Die Unruhe des französischen Proletariats angesichts Von den zirka 9 Millionen zählenden französischen Grundder allgemein angedrohten und theilweise bewerkstelligten befizern bewirthschaften über 7 Millionen so kleine Stückchen Die ,, Elendigkeit" des Dreiklassenwahlsystems Brobvertheuerung ist daher nur zu begreiflich. Zusammen Land, daß ihre Getreideproduktion nicht einmal den eigenen, mit dem herrschenden Nothstand stellt sie der Gesammtheit persönlichen Bedarf deckt. Ihre Lage wird also durch die mag es in den verschiedenen Bundesstaaten noch so der arbeitenden Klasse eine Hungersnoth in Aussicht, welche Bölle und Preissteigerung des Getreides nicht verbessert, verschieden aussehen- trat auch bei der Fertigstellung für Tausende ihrer Glieder seit langem eine stehende That- sondern umgekehrt, nur verschlimmert, weil sie noch Getreide der Wählerlisten zu den Stadtverordnetenwahlen in fache geworden. zukaufen müssen, nunmehr zu erhöhtem Preise. Braunschweig( Stadt) recht deutlich hervor. im Die Zahl der Wähler beträgt Angust- und Steinthor- Distrikt 64 311 2768 Wenden- und Betrithor- Distrift 60 247 2244 Hohe und Wilhelmithor- Distrift 75 296 2517 zujammen 199 854 7529 3143 2551 2888 8582 " Daß die höhere Intelligenz den Vorzug giebt, wollten. Der Die allgemeine Durchführung der Brodtare wird Einfuhrzoll vertheuert nicht nur den Brodbedarf der über fich nicht als genügendes Gegenmittel erweisen, solange 6 Millionen betragenden landwirthschaftlichen Proletarier, 1. Kl. 2. Stl. 3. RI. zusammen die Einfuhrzölle die Getreidepreise steigern. Denn die er belastet auch die weiteren Millionen der landwirthschaftBäckermeister, gegen welche der Volksunwille zunächst lichen Kleinbesizer. Kaum 2 Millionen von Mittelprotestirt, find nicht Urheber der Vertheuerung des Brotes, wirthen erfahren durch das Steigen der Getreidepreise Die 1053 Bürger der beiden ersten Wahlklassen Gelegenheit macht Diebe" aus den Umständen Nußensischen Bodens besigen, stecken dagegen mir nichts, sie sind nur Mitschuldige, welche nach dem Sprüchwort: einen kleinen, kaum nennenswerthen Profit, und die ca. 65 000 Großgrundbesizer, welche/ des franzö= haben demnach doppelt so viele Stadtverordnete zu wählen, ziehen, mit dem Mehrpreise des Mehles zugleich höhere ischen Bodens besißen, stecken dagegen mir nichts, bir nichts fast die gesammten 355 Millionen ein. als die 7529 Bürger der dritten Wählerklasse. als die bisherigen Profite aus dem Brote herausschlagen dir nichts fast die gesammten 355 Millionen ein. Das Manöver, das mit seinem wahren Namen Auskann man wohl nicht sagen, denn diese ist, selbst nach Die an Quantität wie Qualität ungünstig aus sich in der parlamentarischen Sprache Schutz und Hebung hungerung der Armen zu Gunsten der Reichen heißt, nennt den herkömmlichen viel in Wählerklasse, zu der alle Bürger, die weniger als 4500 mt gefallene Ernte erklärt die Preissteigerung auch erst in der nationalen Landwirthschaft. oder richtiger, für Einkommen haben, gehören. Hier findet man die Beamten, biefelben. Frankreich war für seinen Getreidekonsum von schaft ist nicht in Abrebe zu stellen, aber er ist nicht Gewiß, der Nothstand der französischen LandwirthLehrer, u. a. auch den hervorragenden Schriftsteller jeher auf den Import, die Einfuhr, angewiesen, der jähr auf der Seite der Handvoll Großgrundbesizer, welchen Wilhelm Raabe, den jeßigen Fabrikinspektor Spamayn, lich ca. 10 Millionen Hektoliter betrug. Trotz des bedeuten Regierung und Rammer über 300 Millionen schenken. den früheren Reichstagsabgeordneten Abeken, ja jogar den den Defizits, welche die Getreideernte dies Jahr ergeben Der Nothstand ist auf Seite der Kleinwirthe, mit Hauptvertreter der politischen Polizei- gewiß ein großes Licht! und mancher Schlächtermeister und Lotterie- bis 16 hektoliter - der Hektar trug im Durchschnitt nur 12, anstatt 15 Hypotheken und Schulden belastet nur noch Scheinbefizer, und das sich auf 35 Millionen zum irrationellen Wirthschaftsbetrieb verurtheilt, zum Opfer kollekteur hat ein fast vierzigfach größeres Wahlrecht wie Hektoliter beläuft( 85 Millionen anstatt 120 Millionen), der Konkurrenz auserkoren sind. Ihre Lage zu verbessern, jeder dieser Männer. Wir hoffen, daß auch in Braunschweig seitens der der Preis des Weizens auf dem New- Yorker Markte, bedarf einer Hebung des Uebels an der Wurzel, an den und troß der dadurch bedeutend gesteigerten Nachfrage hat ist der Schußzzoll eine ganz ohnmächtige Maßregel, es Arbeiter die Bewegung zur Abschaffung eines solchen einem der wichtigsten Zentren für den amerikanischen Besißverhältnissen. Ein lohnender, ausgiebiger Betrieb Systems in Fluß gebracht wird! Weizenerport, von Ende August bis Mitte September der Landwirthschaft im kleinen Maßstabe ist ein Ding feine Steigerung erfahren, umgekehrt, er ist von Das Eisen ist jetzt heiß, mau muß es schmieden. 100% Dollars pro 100 Scheffel auf 79 Dollars herab-*) Der Weizenkonsum kommt zumeist in Betracht, da man gefunken. Eine Preissteigerung steht nach der angegebenen in Frankreich vorherrschend Weizenbrod ißt. der Unmöglichkeit; die Anwendung der Hilfsmittel, welche Im Jahre 1886 war die große Bewegung zum Außer mehreren Ministern, Gesandten, MinisterialWissenschaft und Technik an die Hand giebt, hat die Zwecke der Einschränkung der Arbeitszeit auf 8 Stunden beamten, Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten süßen im Großwirthschaft zur Voraussetzung, ein Operiren mit großen pro Tag nur theilweise von Erfolg begleitet. Thatsache Reichstage 32 Landräthe als Abgeordnete, während im Kapitalien. Grandeau, Grandeau, Professor der Landwirthschaft, aber bleibt es, daß die Arbeitszeit wirklich verkürzt preußischen Abgeordnetenhause in der Wahlperiode 1885/88 welcher offiziell für den Schutzzoll eingetreten ist, führt sich wurde. die Zahl der Landräthe schon 38 betrug. Wenn es nach selbst ad absurdum, wenn er mit Recht in einer land- Die Faktoren, welche die Achtstunden- Bewegung von den Wünschen der Regierung und der Konservativen geht, wirthschaftlichen Rundschau nachweist, daß der Nothstand 1886 herbeiführten nämlich die stetige Verbesserung wird bei den Neuwahlen zum Abgeordnetenhause die Zahl der französischen Agrikultur, ja der schlechte Ausfall der der Produktionsmethoden, welche zur Folge hat, daß eine der gewählten Landräthe hinter der Zahl der Landräthe( 75) Ernte fast einzig und allein auf Rechnung des irrationellen große Anzahl Berufsgenossen beschäftigungslos sind und in der berüchtigten Landrathskammer von 1855/58 nicht landwirthschaftlichen Betriebes zu setzen ist, welcher bei daß die Löhne herabgedrückt werden sind jedoch noch allzuweit zurückbleiben. Pacht und Kleinwirthschaften die Regel bildet. Wie immer vorhanden und treiben ihr Unwesen noch mehr wie der Landwirthschaft mit allen wissenschaftlichen und technischen entscheiden. Hilfsmitteln, bequem soviel Weizen produziren kann, daß 6-8 Ding nicht herunter. Ge blieb weiter nichts übrig, als den Telerelativ wenig Einfluß die Witterungsverhältnisse auf den zuvor. Da wir aber der Ueberzeugung sind, daß eine In Magdeburg fand man am 21. Oftober dem Jahrestage des Sozialistengesezes eine große rothe Fahne Ernteausfall hatten, zeigt er, Ziffern in der Hand, daran, wesentliche Herabseßung der Arbeitszeit für das Wohl der Meter lang und 2 Meter breit mit der Inschrift:„ Zur Erdaß Dekonomen in den verschiedensten Theilen des Landes Arbeiterklasse unumgänglich nöthig ist, so soll in der innerung an den 21. Oftober 1878." Hoch lebe die Sozialdemo= bei Musterwirthschaft pro Hektar 20, 24, 30, ja fogar kommenden Generalversammlung der Zeitpunkt für die fratie! aufgehißt, mitten in der Stadt( Breite Weg) unweit des 40 Hektoliter Getreide ernteten, während der Ernteertrag allgemeine Einführung des achtstündigen Bolizei- Präsidiums, hoch oben. Da schwebte sie stolz über der Stadt mit der geistig- mangelhaften Atmosphäre. Aber lange sollte der irrationell wirthschaftenden Nachbarn nicht die ver- Normal- Arbeitstages festgestellt werden; derselbe soll sie nicht wehen. Die Feuerwehr wurde alarmirt, der Leiterwagen hängnißvollen 12 hektoliter überstieg. Grandeau berechnet, aber nicht über den 1. Juni 1890 hinaus fallen. Eine fuhr heran, die Leiter wurde hochgewunden, ein Feuerwehrmann daß Frankreich bei Anwendung der erforderlichen Düng- 3weidrittel- Majorität aller internationalen, nationalen und letterte empor, aber o weh, er konnte nur das unterſte Ende erstoffe, Gebrauch ausgewählten Saatkorns, kurz Betreibung lokalen Gewerkschaften soll dann endgiltig in der Sache fassen und trotz seines Bemühens bekam er das staatsgefährliche phondraht, an den dieselbe angebracht war, zu durchschneiden. Den Die Grundlage der Vertretung auf der General- ganzen Sonntag blieb der Draht auf der Straße liegen und legte nicht nur der Import überflüssig wird, sondern, daß es versammlung beträgt für nationale oder internationale Beugniß ab von dem, was geschehen war. Erst am Montag wurde seinerseits als Erporteur auftritt und die 35 Millionen Gewerkschaften mit weniger denn 4000 Mitgliedern einen die Zeitung wieder hergeste: t. Auch in den Vorstädten und in dem benachbarten Gr. Ottersleben und Olsenstedt bemerkte man derarHektoliter Getreide liefert, welche in Großbritannien Defizit Delegirten, mit 4000 Mitgliedern und darüber zwei Dele- tige Fahnen mit gleicher Inschrift. Die Polizei fahndet eifrig auf girte, 8000 Mitglieder und darüber drei Delegirte, die Thäter. Was steht der Erreichung dieses Resultats im Wege? 16 000 Mitglieder vier Delegirte, 32 000 Mitglieder fünf Von dem geringen Verständniß für den modernen Betrieb Delegirte und so weiter. Und von jeder Orts- oder Bezirksabgesehen, eine Kleinigkeit: die herrschenden Eigenthums: Organisation, welche mit dieser Federation in Verbindung verhältnisse. Der Herr Professor spricht zwar das steht, einen Delegirten. Staatliche oder lokale Vereinifrevelhafte Wort nicht aus, wer aber nur für einen Pfennig gungen haben, wenn sie sich auf der Generalversammlung Logik besigt, kann es aus seinen weiteren Schlußfolgerungen vertreten lassen wollen, eine Delegirtensteuer von 25 Dollars herauslesen. ( 100 Mark) per Jahr zu zahlen. bilden. Aus der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Im heiligen Namen der Arbeit werden Sie auf= gefordert, diese Angelegenheit zur Kenntniß Ihrer Organifation zu bringen, sodaß Sie auf der in St. Louis stattfindenden Generalversammlung vertreten sind. In der Hoffnung, daß Ihre Organisation diesen Aufruf einer Der„ Amerikanische Bund der Arbeit"( American günstigen Erwägung unterziehen und uns gütigst von Ihrem Federation of Labor) neben den Rittern der Entschluß in Kenntniß seßen wird, verbleiben wir mit Arbeit“ eine der mächtigsten Gewerkschaftsorganisationen brüderlichem Gruß: der Welt hat unter dem 8. Oktober folgenden Aufruf erlassen, der auch für die deutschen Arbeiter von Interesse ist: An alle lokalen, nationalen und internationalen Gewerkschaften von Amerika- Gruß! " ,, Die nächste Jahres- Generalversammlung der Amerikanischen Föderation von Gewerkschaften tritt am Dienstag, den 11. Dezember d. J., in St. Louis, Mo., zusammen. Die Delegirten versammeln sich an diesem Tage präzis Mittags in der Zentral- Turnhalle, Ecke 10 und Market Str. Bei Erlaß dieses Aufrufes dürfte es zunächst am Blaze sein, zu konstatiren, daß die„ American Federation of Labor" sich das Endziel gesetzt hat, eine Bestand habende Verbesserung der Lage der Arbeiter auf diesem aus gedehnten Kontinent herbeizuführen. Sam. Gompers, Präsident. P. J. McGuire, Sekretär. Dan. McLaughlin, 1. Vizepräsident. William Martin, 2. Vizepräsident. Gabriel Edmondston, Schahmeister." Die Grünauer Affäre( Gaßlick u. Gen.) wird bekanntlich, da Berufung eingelegt ist, die Gerichte nochmals beschäftigen. Herr Amtsanwalt Borgmann sucht seine Berufung folgendermaßen zu rechtfertigen: Die Freisprechung der Angeklagten ist deshalb erfolgt, weil das Verbot der öffentlichen Festlichkeit zu Grünau am 28. August 1887 nicht durch die zuständige Behörde erfolgt sein soll. Das Verbot ist geschehen durch den Herrn Regierungspräsidenten zu Potsdam, während es nach den Entscheidungsgründen durch die Ortspolizeibehörde für Grünau, d. i. der Amtsvorsteher zu Adlershof, hätte erfolgen sollen. Ich halte diese Begründung für nicht zutreffend, da der Herr Regierungspräsident zu Potsdam eine dem Amtsvorsteher zu Adlershof vorgesezte Dienstbehörde und Vertreter der Landespolizei- Behörde ist, und nach meiner Ansicht in den Rechten des Vertreters einer höheren Dienstbehörde, besonders der Landespolizeibehörde, auch die Rechte des Vertreters, der Ortspolizei- Behörde mit enthalten sind. Daher beantrage ich: das Erkenntniß des Königlichen Schöffenger.chts zu Köpenick vom 19. Juli 1888 aufzuheben und in der Sache anderweit zu entscheiden. Vereine und Versammlungen. Eine bemerkenswerthe Selbsthilfe Vereinigung der Drechsler Deutschlands. Die Ber= liner Ortsverwaltungen errichten, gemäß dem Beschluß der Verübten kürzlich eine Anzahl von Bauarbeitern in Stockholm. Sammlung vom 22. 5. M., am 1. November d. J. in dem Lokal Im Stadttheile Wasastadt, Westmannagatan 50, Klosterstr. 98( Firma Pettig, Inhaber Petersohn) eine Herwurde seit einigen Wochen an einem großen Hause gebaut, Bureau. Ausgabe der Adressen: an den Wochentagen Abends von berge, verbunden mit Verkehrslokal und Arbeitsnachweis= welches bereits bis zum dritten Stockwerke gedichen war. 8-10 Uhr, Sonntags von 9-11 Uhr Vormittags. Der Streit in Eines Morgens begannen aber die Arbeiter, anstatt weiter Meerscheid- Wald ist zu Gunsten der Arbeiter beerdigt. Der Streif zu bauen, damit, das bereits Gebaute wieder niederzu- der Drechsler in Luckenwalde dauert noch fort, Zuzug ist fern zu reißen. Die Arbeiter, sowie die Lieferer der Bausteine halten. Thatkräftige Unterstützung der Streifenden ist bis auf ,, Um dieses Ziel erreichen zu können, bezweckt sie die hatten trog aller Bemühungen vom Baumeister keine Be- abend, den 27. Oftober findet in Seegers Salon, Grüner Weg 29, Weiteres Pflicht der Berliner Gewerkskollegen. Heute Sonnvollständige Verbündung aller Gewerk- und Arbeiter- Vereine, zahlung für ihre Arbeit zu erlangen vermocht. Kurz ent- eine gefellige Abendunterhaltung verbunden mit Tanzkränzchen statt. die Errichtung von aus Lohnarbeitern bestehenden Gewerk- schlossen machten sie sich nun durch den Verkauf der wieder Mitglieder und Freunde der Vereinigung der Drechsler Deutschschaften in jedem Industriezweig und in allen Berufsarten, weggerissenen Ziegelsteine bezahlt, welche sie an einen an- lands" find freundlichst eingeladen zu reger Betheiligung. An die Maler Berlins! Mittwoch, den 31. Oktober, sowie die Verbreitung gesunder Ansichten über das deren Bauherrn um 15 Kronen das Tausend verkauften. Abends 8½ Uhr, öffentliche Versammlung sämmtlicher Maler und Wesen der Arbeiter- Organisationen mittelst des uns zu Sie hatten auf, diese Weise bereits das halbe Haus Berufsgenossen, im Lokale Brunnenſtr. 34, früher Vettins. TagesGebote stehenden Einflusses auf die Gemeinde- und Pro- wieder niedergelegt, als das Oberstatthalteramt( Polizei- ordnung: Wie stellen sich die Maler Berlins zur Gründung einer vinzialbehörden, auf die Staats- und die Bundes- Gesetz- behörde) auf Veranlassung eines Hypothekenbesizers den Filiale für den Norden? gebung, sowie durch Förderung der Arbeiterpresse. Befehl zur Einstellung des Zerstörungswerkes erließ. V. Politische Nachrichten. Bei der schwierigen Aufgabe, die große Masse der Arbeiter zu organisiren, haben Diejenigen, welche diesen Aufruf erlassen haben, den tief eingewurzelten Traditionen des amerikanischen Arbeiterstandes stets Rechnung getragen und in der denkbar nachdrücklichsten Weise das Streben verschmäht, starre einförmige Regeln aufzustellen, ohne Von den„ Erfolgen" des Sozialisten gefeßes entBerücksichtigung der verschiedenen Entwickelungsstufen der verschiedenen Gewerkschaften und der vielseitigen Bedürf- werfen die Arbeiterblätter folgendes Bild: Unterdrückt wurden weit über hundert politische und nisse der verschiedenen Gewerke und Berufsarten. Zudem haben sie, indem sie das Prinzip der Autonomie( der gewerkschaftliche Blätter und Zeitungen; von dem Verbot freien Gelbstverwaltung) aufrechterhalten und das der Verbreitung betroffen wurden nahe an eintausendRecht der Selbstregierung anerkannten, es der geringsten fünfhundert Bücher, Broschüren und Flugblätter. Verband deutscher Zimmerleute( Lokalverband Berlin Ost und Umgegend.) Generalversammlung am Mittwoch, den 31. Oktober, Abends 82 Uhr, Restaurant Frankfurter Allee 127. Tagesordnung: 1. Erläuterung einiger Paragraphen aus dem Unfallversicherungsgefeß. 2. Wahl eines Revisoren und eines stellvertretenden Vorstehers im Arbeitsnachweis. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Versammlung sämmtlicher Zimmerleute des Stadtbezirkes Berlin Nord am Sonnabend, den 27. d. M. Abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Sommerfeld, Gerichtsstraße 10. Tagesordnung: 1. Nüglichkeit des Arbeitsnachweises für Gefellen. 2. Verschiedenes.- Jeder Zimmerer hat das Recht, zu Fachverein der Rohrleger. Sonntag, den 28. d. M., erscheinen. Bormittags 10 Uhr, in Feuerstein's Tunnel, Alte Jałobjir. To, 75, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn J. Stein Ueber fünf der größten Städte Deutschlands mit über Feuerbestattung. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme wie der stärksten und stolzesten Gewerkschaft möglich gemacht, ihrer dicht bevölkerten Umgebung, im Ganzen volle neuer Mitglieder. NB. Der Arbeitsnachweis befindet sich jetzt Stomihre Besonderheiten zu bewahren. Die American Federation of Labor" mit den sie Reichsbevölkerung umfassend, wurde der sogenannte Berufsgenossen. Sonnabend. den 27. b. M., Abends 8½ Uhr, Die American Federation of Labor" mit den sie 32 Millionen Einwohner, den dreizehnten Theil der mandantenstr. 77 bei Riedel. bildenden Lokal- Verbänden, die gegenwärtig über 3000 betragen und zuſammen über eine halbe Mil- leine Belagerungszustand verhängt und wurden auf musikalisch- deklamatorischer Abend im Louisenstädtischen Klubhaus, Grund desselben über 600 Personen, darunter zwei Annenstr. 16 I. lion Mitglieder zählen, hat anerkannter Maßen seit Fachverein der Schlosser und Berufsgenossen. Drittel Familienväter, ausgewiesen. Mitglieder- Versammlung am Montag, den 29. d. M., im Lokal 20 Jahren ununterbrochen für die Emanzipation der ameriDie Zahl der Haussuchungen beträgt 8000 bis 9000; des Herrn Feuerstein. Tagesordnung: 1. Ist der Arbeiter be= kanischen Arbeiter gewirkt. Wir brauchen nur auf die hohe Stellung hinzuweisen, welche die Gewerkschaften heut die Zahl der Prozesse mehrere Hundert; die Dauer der fähigt oder auch wohl verpflichtet, sich zu bilben? Referent Herr zutage einnehmen und auf die Zeiten, wo lettere von in diesen Prozessen verhängten Untersuchungshaft und Pfarrer em. Stendziora. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Revie zutage einnehmen und auf die Zeiten, wo lettere von Gefängnißstrafen ist mit 400 Jahren nicht zu hoch sorenwahl. 4. Arbeitsnachweis- Angelegenheiten. ihren erklärten Gegnern und falschen Freunden verachtet und lächerlich gemacht wurden. Heutzutage erkennen Alle geschäßt. Auf Leipzig und Umgegend treffen davon allein über 60 Jahre. die Macht und den Einfluß dieser Organisation an, welcher der Arbeiterstand unseres Landes die Besserung seiner Lage verdankt. stüßungskassen 2c. wurden in diesem Zeitraum über 300 Arbeitervereine, gewerkschaftliche Verbindungen, Unterunterdrückt, darunter eine große Zahl von Arbeiter- Bildungs vereinen, die in ihrer Art als Musterinstitute betrachtet werden konnten. Die Zahl der aufgelöften oder verbotenen Versammlungen ist Legion. Fachverein der Buchbinder und verwandten Verschiedenes. 5. Fragekasten, Verband deutscher Zimmerleute. Lokalverband Berlin Centrum. Versammlung am Dienstag, den 30. Oktober, Abends tag vor dem 15. und 1. eines jeden Monats im oben genannten 8/2 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstraße 72. Der Verband Centrum hält seine Versammlungen regelmäßig am Diens= Lokale ab. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäſte ſtets willkommen. - Ginballirer, Grundirer und Fachgenossen in der Vergolder und Goldschläger- Branche. Große öffentliche Versammlung am Sonntag, den 28. d. M., Vormittags 10 Uhr, im Saale des Herrn Scheffer, Inselstr. 10. Tagesordnung: Stellungnahme zu den geänderten§§ 8a, 8b und 11 des Statuts der Ortskrankenkasse der Vergolder und Berufsgenossen. Erscheinen ist Während wir stolz find auf das, was wir in der Vergangenheit geleistet haben, und uns nicht zu scheuen brauchen vor einer Kritik unserer Leistungen seitens der öffentlichen Meinung, haben wir nicht im Sinne, auf Durch alle diese Verbote, Unterdrückungen und Aufunseren Lorbeeren auszuruhen, sondern erkennen die Noth lösungen wurden zehn aus Arbeitermitteln gegründete wendigkeit an, fortzu kämpfen um unser gutes Recht. Buchdruckereien vernichtet, eine Unzahl von Personen, die Auf allen Seiten sehen wir, wie die Arbeitgeber und Pflicht. als Redakteure, Expedienten, Kolporteure, Buchbinder, Spekulanten sich zusammenschaaren, um die Märkte zu beherrschen und das ganze Volk zu berauben. Sobald wir Sezer 2c. in diesen Unternehmungen ihre Lebensstellung binder. Hauptversammlung am Sonntag, den 28. D. ber Buchendlich gelernt haben, uns vollkommener zu organisiren fanden, wurden existenzlos gemacht, und wurden Hunderte mittags 11 Uhr, im Lokale Annenſtr. 16. Tagesordnung: staffenund Aberhunderte dieser Zugrundegerichteten gezwungen, und Kontrolbericht, Bericht, betr. Verwendung des" Fonds für und Aberhunderte dieser Zugrundegerichteten gezwungen, und unsere Kräfte zu sammeln, werden wir in die Lage jenseits des Dzeans sich eine neue Heimath zu suchen. Ausgesteuerte", Verſchiedenes.- Das Mitgliedsbuch legitimirt. kommen, den Arbeitsmarkt Arbeiter- jenseits bevölkerung zu beeinflussen. Was zu der Besserung der Der Werth des dabei zu Grunde gerichteten Eigenthums sämmtlicher Berufsklassen, Filiale Berlin 1, hält am Sonnabend Lebenshaltung der Arbeiter beiträgt, übt auch einen heil- beläuft sich hoch in die zwei Millionen. a men Einfluß auf die ganze Menschenfamilie aus. Zentral- Kranken- und Begräbnißkasse Die Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins den 27. d. M., Abends 8 Uhr, Blumenstr. 78, Restaurant Wollschläger, eine Versammlung ab. Tagesordnung: Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung. Neue Mitglieder, ohne Unterschied des Berufes und Geschlechts von 14-45 Jahren, werden in jeder Versammlung, sowie bei den Herren Sasse, Hasenheide 48, Cohn, Christinenstr. 7, Geelhaar, Höchstestr. 20, Hamann, Neue Grünstraße 27, Kuhlmey, Landsbergerstr. 105, Mezkow, Straße 16 Nr. 4, Schilling, Koppenſtr. 48, aufgenommen. Literarisches. ,, Bürgerlicher Tod." Ein Drama von Max Kretzer der unseren Lesern ja längst bekannt und lieb geworden ist gelangte am Donnerstag Abend im Verein zur Wahrung der Interessen der Kla- Volkstheater"( früheres Ostendtheater, Frankfurter: vierarbeiter und verwandten Berufsgenossen. General- straße) mit unbestreitbar großem Erfolge zum ersten Versammlung am Sonnabend, 27. d. M., Abends 81/2 Uhr, Kom- Male zur Aufführung. Wir kommen in nächster Nummer mandantenstr. 77-79( Gratweil's Bierhallen). Tagesordnung: 1. ausführlich auf das bedeutsame Stück zurück, das hoffentVortrag des Herrn Mielarg über Maschinenbetrieb im Tischler- Ge- lich recht lange im ,, Volkstheater" das Repertoire be werbe. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Vereinsangelegenheiten herrschen wird. und Verschiedenes. -Verein zur Wahrung der Interessen der Tischler. Versammlung am Sonntag, den 28. d. M., Vorm. 10 Uhr, im neuen Vereinslokal, Adalbertstr. 8. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Benkendorff über„ Der Kampf ums Dasein in der Gäste will Natur." Neue Mitglieder werden aufgenommen. kommen. Billets zum Stiftungsfest sind in der Versammlung und bei Lackur, Admiralstr. 26, Lerche, Fruchtstr. 52, Völmer, Solmsstr. 30 zu haben. Das Protokoll des Kongresses der deutschen Schneider zu Erfurt vom 5.- 7. August 1888 ist im Druck erschienen und zum Preise von 15 Pfennig per Stück zu beziehen durch W. Magnus, Molkenstraße 56, Bremen. Goethe und die Liebe. Eine Studie zur Einführung in Goethe's Dichtungen von Manfred Wittich. Preis 25 Pf. Wiederverkäufern üblichen Rabatt. Schönfeld u. Harnisch, Dresden, Annenstr. 47. Briefkast e n. Abonnent. Die öffentliche Verbreitung der Landtags-Krankengeld- 3uschuß- und Begräbnißkasse der Berliner Knopfarbeiter. Außerordentliche Generalversammlung amSonnabend, den 27. d. M, Abends 81/2 Uhr im Vereinslofal, Restaurant Jäschke, Blumenstr. 39. Tagesordnung: 1. Vierteljahresbericht. 2. Abrechnung vom Sommervergnügen. 3. Wahl eines Rendanten. 4. Innere Kaffenangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Neue Mitglieder werden vorher aufge- wahlbroschüre ist gestattet. Sie können also ruhig an jeder - Verein der Steinhauer Berlins und Umgegend. Thüre klingeln und die Schrift übergeben. Niemand hat Sonntag, den 28. Oftober, Vormittags 10 Uhr, Mitglieder- Ver- ein Recht zum Eingreifen. sammlung in dem Lokale Gartenstr. 123 bei Krüger. nommen. Siemens. In nächster Nummer. Zur preußischen Landtagswahl! Große öffentliche Volksversammlungen. Sonntag, Vormittag 11 Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Referent: Herr Max Schippel. Montag, Abends 8 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstrasse 37. Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von C. Klein. 15. Ritterstraße 15. Daselbst Zahlstelle der Gürtleru.Bronceure( E.H.60.) E. Kuntze, Stalitzerstr. 18.( 3um lustigen Stiefel) empfiehlt seinen reichhaltigen und kräftigen Frühstück- u. Mittagstisch mit Bier 50 Pf. Abendtisch nach Auswahl zu soliden Preisen. Der Volksfreund. Illustrirte Zeitschrift für Unterhaltung und Belehrung. Alle 14 Tage 1 Heft( 3 Bogen) zu 25 Pf. Redaction: Emanuel Wurm, Manfred Wittich, Dresden. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. Blatt für den Arbeiter. Der rechte Kandidat oder der guvernementale Hampelmann. Ich bin der rechte Kandidat Von tadelloser Führung, An mir ihr Wohlgefallen hat Die ganze Staatsregierung. Ich bin vergnügt und halte still Und will, was der Minister will, Was immer der Minister thu', Ich nich ihm stets bejahend zu, Und thut er dies, und thut er das, Ich nicke ohne Unterlaß! Seht mir nur zu, seht mich nur an, Den guvernementalen Hampelmann! Mein Kopf ist schon seit Langem leer An jedem eignen Denken, Ich mag nicht die Minister mehr Mit eigner Meinung fränken. Was ist dabei so unerhört? Es war ja kaum der Nede werth Das Bischen eigener Verstand, Ich opfert' es für's Vaterland. Nun fann mein Kopf nichts weiter thun, Als nicken, ohne auszuruh'n. Seht mir nur zu, seht mich nur an, Den guvernementalen Hampelmann! Große öffentl. Volksversammlung für Schöneberg und Umgegend. Montag, den 29. Oktober, Abends 8 Uhr, in Gründer's Salon, Schwerinstraße 13. Tagesordnung: Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referent: Herr Buchdrucker Werner. Diskussion. Gold- und Silberwaaren zu Fabrikpreisen. Grosse Auswahl goldener Ketten, Armbänder, Kreuze, Medaillons, Broches und Ohrringe, sowie in Golddoublé und Silber. Spezialität: Fabrik massiver Ringe, Lager in goldenen Damen- Uhren, Korallen, Granaten und Silbersachen. Korallenschnüre in den schönsten Farben und grosser Auswahl bei billigster Preisberechnung. Neu! Trauringe à Ducaten 11 Mk. Eigene Werkstatt für Neuarbeiten und Reparaturen. Aug. Schulze, Goldarbeiter BERLIN, 35. Kommandantenstr. 35, 1 Treppe. Bitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten. Der Volksfreund gehalten wie die Neue Welt. Die französische Revolution von W. Blos. Restaurant von F. Mitan. liefert die Buchhandlung von Wienerstrasse 31. vis à vis vom Görlitzer Bahnhof. Vollständig renovirt, vorzügliches Weißund Bairischbier, Speisen in bekannter Güte. Cigarren u.Tabake reichhaltiges Lager, empfiehlt E. Wilschke, frei ins Haus. R. Kohlhardt, Brandenburgstrasse 56 Fritz Kunert No. 44 Prinzenstrasse No. 44 ( zwischen Moritzplatz und Sebastianstrasse.) Cigarren, Tabake, Cigarretten. Begründet am 1. Oktober 1887. Neu! Junkerſtr. 1, Ode d. Mar‍grafenſtr. Möbel, Spiegel- u. Volfterwaaren- Magazin Am 1. Oktober eröffnet: Kaffee- Lokal verbunden mit ( neu renovirt) Weiss- und Bairisch- BierAusschank. Für vorzüglichen Mittags- und Abendtisch, sowie gute Getränke ist bestens gesorgt. ,, Volfstribüne" und„ Volksblatt" liegen aus. Heinrich Hoffmann, Kaiserstrasse 4. Eine frol. Schlafstelle ist Wasserthorstr. 34, H. III. bei Rönsch. Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler begründete Arbeitsnachweis befindet sich Alte Jakobstr. 38 im Restaurant Schumann. Die Arbeitsvermitte= lung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 10 Uhr Abends, Sonntags von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da fich die vier Kassirer der Ortskrankenkasse der Tischler und Bianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, fich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Arbeitsnachweis zu benußen. Der Vorstand. bon Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. Die von Mitgliedern des Fachvereins gegründete Produktiv- und Rohstoff- Genossenschaft der Schneider zu Berlin( E. G.) 30 Zimmerstrasse 30 empfiehlt sich einem geehrten Publikum zur Anfertigung von Herren- Garderoben jeder Art. Reichliche Auswahl in- und ausländischer Stoffe. Reelle Bedienung, guten Siz, solide Preise garantirt der Vorstand. Gleichzeitig machen wir auf unser reichhaltiges Lager: Frühjahr- und Sommerpaletots, aufmerksam. Um zu räumen herabgesezte Preise! Empfehle meine Glaserei, Spiegel- und Restaurant Herm. Liewald, Bidereinrahmung, Berkauf von GruppenMariannenstrasse 46, bildern, ferner Lassalle und Mary, in Delempfiehlt seinen großen Mittagtisch nach Aus- und Schwarzdruck. Neu: Laffalle und Hasendes als Präsidenten Abendtisch clever wahl mit Bier 45 Pfg. werden prompt besorgt. Allgemeinen nach Auswahl zu mäßigen Preisen, sowie deutsch. Arbeitervereins. Aufträge nach außerhalb K. Scholz, Wrangelstraße 32. vorzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. Ein Vereinszimmer mit Pianino, 50 Personen fassend, ist zu vergeben. Der Einberufer. Die Zentral- Kranken- und Sterbekasse( E. H. 64) der Sattler und Berufsgenossen Deutschlands ,, Hoffnung." feiert heute, den 27. d. M., in den neu renovirten Prachtsälen der Philharmonie, Bernburgerstr. 22-23, ihr V. Stiftungsfest verbunden mit Konzert und Tanz. Damit das Fest ein recht glänzendes werde, fo bitten wir alle Kollegen, Freunde und Gönner unserer Kasse um zahlreiches Erscheinen. Für ein reichhaltiges Programm ist gesorgt. Billets à 75 und 50 Pf. sind bis Abends 11 Uhr, Gertraudtenſtr. 8( Eingang Petriplat) bei Herrn Heller zu haben. Der Vorstand. Fachverein der Tapezirer. Montag, 29. d. M., Abends 8½½ Uhr, in Feuersteins Salon, Alte Jakobstraße 75. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über:" Die Moral des allgemeinen Glückes". Ref. Herr Dr. Bruno Wille. 2. Diskussion. 3. Begründung eines Arbeitsnachweise- Bureaus event. Wahl einer Kommission. 4. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Mitglieder- Aufnahme findet stets vor Beginn der Versammlung statt. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Quittungsmarke legitimirt. Um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch ersucht freundlichst Der Vorstand. Den Töpfern Berlins zur Nachricht, daß am Montag, 29. Oktober, der Arbeitsnachweis des Vereins zur Regelung der gewerblichen Ver= hältnisse" Klosterstraße 98 im Lokale des Herrn Bettig eröffnet wird. Die Arbeitszuweisung geschieht an Wochentagen von 7-9 Uhr Abends, Sonntags von 10 bis 12 Uhr Vormittags. Die Kollegen werden ersucht, das belästigende Ansprechen auf den Bauten u. s. w. von jetzt an zu unterlassen und sich mur an den Arbeitsnachweis zu wenden. Die Arbeitszuweisung ist unentgeltlich, auch an Nichtvereinsmitglieder. Der Arbeitsnachweis für Schlosser und Berufsgenossen befindet sich im Lokal des Herrn Sodtke, Ritterstraße 123. Kontrolle Abends 8-10 Uhr, Sonntags von 9-11 Uhr Vormittags. Der Arbeitsnachweis der Klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Pfister. Die Adressenausgabe findet jeden Abend von 8-9 Uhr und Sonntags Bormittags von 10-11 Uhr, sowohl an Mitglieder wie auch an Nichtmitglieder unentgeltlich ſtatt. Die Arbeitsvermittelungs- Kommission Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Aeiblatt zur„Mertiner Holks-Hrlsüne". M 43. Sonnabend, den 27. Oktober 1888. n. Jahrgang. Der StreiKführer. Ein Märtyrerbild aus dem Arbeiterleben. Von Otto Ernst. I. „Du sollst für uns reden und keiner sonst! Tritt hin vor den Herrn, den harten, Und sag' ihm, daß halb verhungert schon Uns Weib und Kind erwarten. Am dritten Tag in der Woche ist Vom Lohn nichts mehr geblieben; Doch hat für unfern Hunger auch Die Woche der Tage sieben." „Mein Kind verendet auf faulem Sttoh..." „Meins schaffte der Hunger hinüber.. „Ich trug meiner Habe letzten Rest Schon längst zum Pfandhaus hinüber.. „Du sollst für uns reden; Du bist so klug; Dir zuckt's nicht so wild im Herzen; Doch sag' ihm, es wär' uns verzweifelt ernst; Uns lüftete nicht nach Scherzen. Geh hin..."—„Ich will's! Und Hab' ich auch selbst Zu Hause des Jammers nicht wenig; Ich fürchte den Zorn des Herrn nicht, Ich bin ihm nicht unterthänig. Am bittern Unrecht muß auch ich Zu schwer, zu lange kauen, Drum schluck' ich's nicht so leicht hinab, Und ihr könnt mir vertrauen. Und wollt ihr fest zusammenstehn In aller Roth, so mein' ich: Es muß gelingen: stark und groß Sind wir, solang' wir einig!" n. „Herr Prinzipal, der Lohn ist zu klein! Wir können vor Sorge nichts schaffen; Wir können zum schweren Werk nicht mehr Den Much zusammenraffen. Wir bitten Sie, selbst von Thür zu Thür Dem Elend nachzuspüren, Und— sind Sie ein Mensch— der Anblick muß Ihr Herz zusammenschnüren. So haben sich alle— nicht einer fehlt!— Entschlossen, mich herzubeordern, Daß ich von Ihnen Erhöhung des Lohns, Wie billig, möge fordern." „Sehr wohl!... Und will ich nun nicht erhöhn, Was wird daraus am Ende?" „Dann ruhen von dieser Sttinde an Von jeder Arbeit die Hände." („Verwünscht! Wie wußten die Kerle so schlau Den rechten Moment zu erwischen! Im trüben Wasser der Konkurrenz Gilt's just eine Perle zu fischen. Da brauch' ich die„Arme" bei Tag und Nacht, Die, ohne zu erschlaffen, Bei möglichst knapp bemess'nem Lohn Ein Riesenwerk mir schaffen. Und so ist's klüger, ich gebe nach.)— Sie wollen Ihr Schäfchen scheeren; Nun gut! Sie finden mich bereit, Die Forderung zu gewähren. Sie aber haben damit bei mir Die dreisten Agitatoren. Und sind Sie künftig arbeitslos, Was ja nicht ausgeschlossen, So finden Sie Unterstützung wohl Bei Ihren Parteigenossen."— m. „Sieg, Freunde, Sieg und alles gewährt! Sein Sträuben ist bezwungen. Vergebt nicht, daß es Eurer Kraft Und Einigkeit gelungen. Und schwört mir, jeden Uebergriff Bis in den Tod zu hauen, Und reicht mir einmal noch die Hand; Denn ich- muß Euch verlassen." „Verlassen? Uns? Hat er's verlangt, Daß Du die Werkstatt meidest? Sprich! Zwingt er Dich, daß Du so jäh Aus unsrer Mitte scheidest? Will er sich rächen, weil Du für uns Ein freies Wort gesprochen?-- So gehen auch wir trotz seines Lohns, Ter Friede ist wieder gebrochen!" Nein, nein! So sei's um keinen Preis! Ihr müßt die Streitlust dämpfen! Ihr wagtet zuviel mit solchem Schritt; Laßt ab von wetteren Kämpfen! Und Ihr— in guter und böser Zett Könnt ihr mich doch nicht stützen. Hier übt das Geld Gerechttgkett; Mir kann kein Bleiben nützen. Die schleichende Tücke und Quälerei Sind ihm gar leichte Sachen; Ihr wißt, wie oft es ihm gelang, Die„Störrischen" mürbe zu machen. Auch sollt Ihr um meinetwillen nicht Mit Weib und Kindern darben. Wenn mir der Kampf eine Wunde schlug, Einst wird auch sie vernarben. Noch sag' ich's Euch zum Abschiedsgruß: Bei eurem künftigen Heile! Verscherzt nicht den ersochk'nen Sieg Durch zornverblendete Eile. Doch laßt für kommende Gefahr Nicht Kraft und Muth erschlaffen, Und haltet im Stillen immerdar Zum Schlag bereit die Waffen. Dann haltet Ihr einst Euer gutes Recht In starker Hand geborgen, Und durch die Hütte, die Werkstatt weht Der frische Freiheitsmorgen!" IV. Die Räder sausen, das Eisen knirscht, Die Kolben stampfen und fauchen: Die Oefen glühen, der Brodem zischt, Die Schlote flammen und rauchen. Da schrillt ein Pfiff und— Mittag ist's! Vom Werk die Hände lassen, Das Bienenvolk der Fabriken schwärmt Und flüchtet über die Gassen. Am andern Ende des Ortes zieht Von bannen der„Rädelsführer"; Da strebt in den grauen Tag hinaus Der„Volkswuth schnöder Schürer". „Mit Weib und Kind! Da braucht's des MuthS, Der Herz und Hand mir stähle!" Und ihm im Auge leuchtet die Kraft Und der Ernst einer Heldenseele.— Hine Dorfgeschichte. Soziales Bild aus Rußland. Von G. Gorbunoff. (Fortsetzung.) Der Alte erzählte, wie er noch in jungen Jahren den Entschluß gefaßt hatte, nach dem Berge Athos und nach Jerusalem zu wandern, und überhaupt alle heiligen Stätten zu besuchen und wie er zu diesem Zwecke Geld sparte. Er war ein Bauer aus dem Gouvernement Twer, lebte dort in seinem Heimathsdorfe, hatte Familie und dessenungeachtet hatte er beschlossen, Alles zu verlassen und auf die Wanderung zu gehen. Endlich hatte er eine kleine Summe beisammen— da geschah das Unglück, daß sein Pferd krepirte, darauf seine Kuh— da sagte seine Familie, daß er nicht gehen dürfe, sondern, daß er erst den Haushalt bestellen müsse; da gab er denn das ersparte Geld hin und blieb zu Hause. Wieder legte er sich auf's Sparen— da mußte er ein neues Haus bauen, weil das alte ganz verfallen; und daraus mußten die Tochter und der Sohn ebenfalls ver- heirathet werden. Doch endlich hatte er alles in Ordnung gebracht und seine Familie beruhigt. Da beschloß er, sich als Arbeiter an einem fremden Orte zu verdingen, um seinen Lohn für sich behalten zn können, da er sonst wohl nicht vom Hause würde fortgelassen werden. So wie er hundert Rubel erübrigt hatte, machte er sich auf den Weg. Theils ging er zu Fuß, theils machte er ihn im Wagen, wenn ein Bauer, der eben leer zurück- kehrte, ihn eine Sirecke weit mitnahm, theils mit der Eisenbahn. Auf diese Weise ist er denn in den verschiedensten Ländern gewesen, sogar in Konstamiiiopel. In all' den Orren, wo er gewesen, hat er Heiligihümer gekauft und führt sie mit sich; hie und da verkauft er davon, den Armen aber giebl er umsonst, wenn sie an irgend welchen Gebrechen oder Krankheiten leiden. Er ist schon vier Jahre aus der Reise, ist aber jetzt auf dem Wege nach Hause. „Sage doch Alterchen", fragte ihn Sergei Jvanitsch, „wie leben denn die Menschen ans dem Berge Athos? Leben sie in brüderlicher Liebe und ohne Eigeirnutz, oder ebenso wie die Leute überall leben?" Da erzählt der Alte, daß auf dem Berge Athos lauter Klöster und Einsiedeleien sind, dort wohnen Mönche und Einsiedler, und die Leute, welche hinkommen, um zu beten: die Pilger. Weltliches Leben ist dort gar nicht. „In den Einsiedeleien haben die Leute gar kein besonderes Eigenthum— dort ist Alles gemeinsam. Doch sind ja oiese Mönche auch nur Menschen und, wie Dil weißt, sind die Menschen so verschieden. Es giebt auch solche Mönche, die mit der Sammelbüchse herumgehen, und siehe, da kommt er zu eigenem Besitzthum: er baut sich eine eigene Klause..•" Sergei Jvanitsch seufzt tief auf:„Um also ohne Eigennutz zu leben, muß man der Welt entsagen? muß man sich also von den Menschen entfernen? mit den Menschen zusammen kann man also nicht nach den Geboten ver Nächstenliebe leben? Es können ja aber nicht Alle in's Kloster gehen und man müßte es doch so einrichten, daß man auch mit den Menschen so leben könnte, wie es die Gerechtigkeit verlangt". Und wieder lassen ihm die alten, quälenden Gedanken keine Ruhe, und wieder findet er keine Antwort auf die Frage— warum kann man das Leben nicht so ordnen, daß es sich leichter und glücklicher leben ließe? Der Alte hat ihm auch nichts darüber sagen können, er hat darüber gar nicht nachgedacht, sich gar nicht darum gekümmert. Ein anderes Mal kommt zu ihm ein junger Soldat, der aus dem Dienste zeitweilig entlassen ist. Er erzähl:, wie er in Warschau zwei Jahre mit seinem Regiment gestanden habe. Er erzählt, wie schön die Stadt ist, viel schöner wie Moskau, viel reinlicher. Die Leute, die dort leben, sind viel höflicher, viel mäßiger. Wenn an der Straße ein Betrunkener sich sehen läßt, so weiß man gleich, daß er kein hiesiger ist. Und was hat er nicht Alles dort gesehe»! „Sage doch'mal, Kamerad", fragte Sergei Jvanitsch, „wie leben denn dort die Menschen? Leben sie wie die Gerechtigkeit es verlangt oder eben wie wir?" Der Soldat schaute ihn verwundert an. „Wie soll ich Dir denn das sagen", begann er ver- legen sich den Kopf kratzend.„Was die Gerechtigkeit an- belangt, so glaube ich— ist es bei ihnen ebenso wie bei uns. Es heißt auch bei ihnen— man muß den Finger nicht in den fremden Mund legen. Ganz wie bei uns", sagte er endlich, nachdem er ein wenig nachgedacht. „Also nicht wie es die Gerechtigkeit verlangt! Also nur äußerlich, der Form nach, ist es besser", sagte Sergei. Unterdcß Sergei aus all diesen Erzählungen von fremden Ländern und verschiedenen Ortschaften nur solche Thatsachen heraussuchte, die ihm Antwort auf die ihn quälenden Fragen geben konnten, interessirte sich die kleine Sascha für dieselben aus ganz anderem Grunde. Ob nun von dem Athos-Gebirge erzählt wurde, oder von andern Gegenständen und Städten— so versetzte ihre Einbildungskraft sie weit, weit weg aus ihrer Hütte, aus ihrem Dorfe. Es war, als bemächtige sich ihrer ein un- nennbares Sehnen nach der Ferne, dorthin, wo die hohen Berge sich aufeinanderthürmen, wo die großen düstern Klostermauern sich in Felsen verlieren, oder wie stolze Häuser mit großen Spiegelfenstern, freie Plätze, mit Denkmälern geschmückt, sich den Augen darbieten. Nie halte sie dergleichen gesehen, nie hatte sie bis dahin eine Vorstellung gehabt, und nur wenn die ver- schiedenen Leute beim Einkehren davon erzählten, da wurde sie gewaltig von diesen Beschreibungen ergriffen. Ihre Phantasie gaukelte ihr dies Alles vor als etwas unbe- schrciblich Großes, Reiches, Glänzendes, mit so blendendem Lichte Übergossen, daß sie oft wie verzaubert die Augen schloß. In diesem Chaos unbestimmter Vorstellungen und Gefühle konnte sie sich durchaus nicht zurechtfinden. Und doch fühlte sich ihr ganzes Wesen zu dieser unbekannten Welt hingezogen. Es waren schon zwei Jahre seit der Hcirath von Sergei Jvanitsch vergangen. Der Frühling erschien und mit ihm kam eine neue Persönlichkeit in's Dorf. An irgend einem Feiertage kam ein junges Mädchen, die Lehrerin aus einer städtischen Volksschule, in einem Bauern- wagen angefahren. Den' ganzen Winter über hatte sie gekränkelt und der Arzt hatte ihr gerathen, den Sommer auf dem Lande zuzubringen. So war sie mit der Eisen- bahn bis zu einer der nächsten Station gefahren, war dort ausgestiegen und hatte die Bauern, welche dort mit ihren Fuhrwerken der ankommenden Reisenden harrten, ausgefragt, ob in der Umgegend nicht ein Dorf sei, wo ein Fluß zum Baden, der Wald recht nahe sei, wo man eine solche Hütte finde, wo sie für den Sommer sich ein- miethen könne. Einer der Bauern sagte, das Dorf Klimoska möchte wohl für sie passen und machte ihr das Anerbieten, sie dorthin zu bringen. Das Dorf gefiel dem jungen Mädchen, Maria Nikolajefna, ganz gut; als sie bei der Einfahrt in dasselbe am ersten Hause, das gerade dasjenige von Sergei Jvanitsch, anhielt, um Er- kundiguugen einzuziehen, sagte Anna Michailofna, es wäre das beste, wenn sie sich bei ihrer Mutler, einer alten Frau, die ganz allein in ihrer Hütte lebe, einmiethen würde. Diese Hütte stand in der Nähe des Flusses, hatte eiu kleines Gärtchen mit ein Paar schattigen Bäumen, und lag recht abgelegen. Es traf sich Alles, wie sie es gesagt und Maria Nikolajefna verabredete sogleich Alles mit der Alten. Nrch drei Wochen zog sie in's Dorf, um dort ihren Sommeraufenthalt zu nehmen. Als Maria Nikolajefna eingezogen war, siedelte auch Sascha zur Großmutter über, um ihr bei der Bedienung der Lehrerin zu helfen. Das kleine Mädchen erregte das Interesse der Lehrerin und sie machte ihr den Vorschlag, sie lesen und schreiben zu lehren. Sascha war sehr glück- lich darüber und so fing das Lernen an. Das kleine Mädchen machte merkwürdige Fortschritte— und dennoch war ihre Wißbegierde größer und machte sie oft ungeduldig. Kaum hatte sie die Buchstaben erlernt, als sie durchaus rasch, rasch wissen wollte, was im Buche geschrieben stehe. Sie war nicht geduldig genug, die mechanischen Schwierig- leiten des Lesens zu überwinden— und um sie dazu an- zuspornen und ihr das endliche Ziel verlockender darzustellen, las ihr Maria Nikolajefna oft vor, sagte ihr Gedichte her, erzählte ihr Märchen. Die Gedichte behielt Sascha leicht auswendig, von den prosaischen Sachen liebte sie am verwundert. " meisten Märchen. Da nun der mitgebrachte Vorrath von|„ Seht doch, Fräulein," fragte er sie einst ,,, giebt es| weihevolle Feier. Unsere Kunst, soweit sie in der DeffentBüchern mit passender Lektüre für Sascha nicht eben groß solche Länder auf der Welt, wo Gerechtigkeit herrscht, lichkeit herrscht, stellt keineswegs die edeln Regungen war, so nahni sie oft das eben erst ihr vorgelesene Märchen und wo Alle so leben, wie es die Gerechtigkeit, die rechte der Volksseele dar. In Griechenland wohnte das Volk den Schaustellungen bei; heutzutage findet man im Theater zur Hand und fing an, dasselbe selbst zu lesen; dabei Wahrheit erheischt?" geschah es, daß sie oft die Endungen der Wörter falsch Wie versteht Ihr das?" fragte Maria Nikolajefna fast ausschließlich den vermögenden Theil. Die Griechen pflegten zur Schönheit erzogen zu werden, las, oft geschah dasselbe mit ganzen Wörtern, aber doch hatte sie zuletzt alle Schwierigkeiten überwunden und las ,, Das ist doch ganz einfach zu verstehen. Die Ge- waren ein Volk von Künstlern; wir werden zum Erwerbe nicht nur fließend, sondern auch mit Ausdruck und vollem rechtigkeit muß doch überall ein und dieselbe sen. Nach erzogen, sind ein Volk von barbarischen Industrierittern Bei den Griechen war es eine AusVerständniß und übte sich fleißig im Schreiben. der Gerechtigkeit leben, heißt wie die Brüder leben, so wie und-Knappen. Von Allem, was sie aus den mitgebrachten Büchern es die Menschenwürde gebietet. Leben wir denn hier so, zeichnung der Bildung und Schönheit, zum Darstellen, gelesen, gefiel ihr am meisten ein Märchen, in dem erzählt wie die Gerechtigkeit es erheischt? Im Frühling z. B. Singen und Tanzen zugelassen zu werden; wir lassen wurde, wie die Sperlinge Alle befragten wann denn kam hierher ein Beamter, um in Erfahrung zu bringen, einen Theil unseres Proletariats zu unserer Unterhaltung der Frühling kommen werde. wie viele Webstühle hier im Dorfe sind damit Jeder je abrichten. Das griechische Publikum lohnte den Künstler Sie konnte es sich so lebhaft vorstellen, wie die kleinen nach ihrer Zahl Abgaben zahle, und einen Erlaubnißschein mit keuscher Ehre; wir bezahlen ihn. Unsere Kunst ist Der Künstler schafft, weil ihm dies Vögel immer weiter und weiter fliegen und immer wieder auszufertigen. Selbst ist er nicht in den Bauernhäusern eben Handwerk. dieselbe Frage thun und immer keine rechte Antwort herumgegangen, sondern hat den Starosta kommen lassen Schaffen Genuß ist; der Handwerker*) betrachtet im Alldarauf bekommen. Da kommen sie endlich in ein Dorf. und hat ihm befohlen, die Zählung zu machen. Der hat gemeinen seine Arbeit als Mühe, als nothwendiges Uebel Aber auch hier ist es noch so falt! Der Schnee liegt aber lange nicht alle angezeigt. Ihr wißt ja selbst, zur Erreichung seines Lebensunterhaltes; seine Thätigkeit noch so hoch anfgethürmt! Der strenge Alte, der Winter, Fräulein, daß hier bei uns fast in jedem Hause Webe- erhebt sich wenig über die Geschäftigkeit der Maschine. herrscht noch immer in seinem kalten Reiche und hält stühle stehen der Starosta hat aber nur drei Häuser Solche Thätigkeit aber ist das allgemeine Loos unserer strenges Regiment. Er hat das Wasser im Flusse in angegeben: den Timofoi Pobeff, der zehn Webestühle hat, großen Volksmasse: ein beständiges, Geist und Leib tödtendes Fesseln gelegt, hat es der Freiheit beraubt, erlaubt ihm den Ivan Petroff, der ihrer sechs hat und mich. Ich Mühen ohne Lust und Liebe, oft fast ohne Zweck. Daß ein derartiger Zustand zumeist als selbstverständnicht in seinem Bette sich muthwillig herumzuschlängeln habe aber ja nur zwei Webestühle, während die Andern und über Steine zu springen. Alle Bäume im Walde ihrer drei, vier und zwei haben. Aber alle diese hat er lich hingenommen wird, ist unter anderm dem Christenhat er mit faltem, glänzendem Schnee und Eis bestreut, nicht angegeben. Timofoi und Jvan Petroff haben ganz thum zuzuschreiben. Betrachtet dieses nämlich unser ihnen macht Leben nur als Mittel, um ein höheres Dasein nach dem alle Wege sind tief verschneit und sogar die Sonne hat ordentliche Arbeiter, sind reiche Bauern er vermittelst eines dichten, grauen Nebels, wie mit es auch nichts aus, einen Erlaubnißschein zu nehmen und Tode zu genießen, so muß ihm das Erdenleben nur in einem Schleier verdeckt und erlaubt ihr nicht, sich in ihrem Abgaben dafür zu zahlen. Mich aber hat der Starosta Bezug auf seine Erhaltung, auf seine unumgänglich noth= vollem Glanze zu zeigen! angegeben, nicht weil ich reich bin, sondern weil ich von wendigen Bedürfnisse als Gegenstand der SorgAber sieh! wie bald verdrängt die Sonne den Nebel, anderwärts her bin, ein Fremder. Und doch bin ich ja falt gelten. So sehen wir mit Entsetzen in einer heutigen Sie Baumwollenfabrik den Geist des Christenthums ganz aufzerstreut ihn in der Luft, der Schnee sinkt immer mehr ganz ebenso wie sie Alle, thue dieselbe Arbeit. zusammen, es zeigen sich schwarze Flecken Erde, und es wissen ja selbst alle, daß diese Arbeit keinen großen Ver- richtig verkörpert: zu Gunsten der Reichen ist Gott Industric kommt Leben in die Luft. Der Frühling kommt, der dienst abwirft. Seht Ihr, Fräulein, das nenne ich nicht geworden, die den armen christlichen Arbeiter gerade nur Frühling kommt!" liest sie im Buche weiter, und es nach der Gerechtigkeit leben. Ein Fremder-feiner solange am Leben erhält, bis himmlische Handelskonstellationen scheint ihr, als höre sie selbst diesen Nuf, wie er von der der Unsrigen, kein Bruder..... Die Gerechtigkeit ge- die gnadenvolle Nothwendigkeit herbeiführen, ihn in eine Luft, aus den Wäldern, von den Wiesen, von allen Seiten bietet ja, Alle zu lieben. Nun frage ich, giebt es solche bessere Welt zu entlassen." zu ihr hinüberdringt. Und Alles, was sie weiter liest, Länder, wo man so lebt, wie die Gerechtigkeit es ge= Das eigentliche Handwerk kannte der freie Grieche zieht vor ihren Augen vorüber in lebhaften, glänzenden bietet?" nicht. Die Beschaffung der nothwendigen Lebensbedürfnisse, Farben. Sie sieht ganz deutlich, wie die Kraniche ge- Maria Nikolajefna war um die Antwort verlegen. welche in unserem öffentlichen Leben die Hauptsache ist, flogen kommen und auf ihren Flügeln einen ganz kleinen ,, Nein, Sergei Ivanitsch," sagte sie endlich, solche dünkte ihm nicht würdig genug, Gegenstand seiner anhaltenKnaben und ein ganz kleines Mädchen bringen, wie sie Länder giebt es nicht. Aber je mehr die Leute wissen den Aufmerksamkeit zu sein; sein Geist lebte in der dieselben auf die Erde niederlassen. Der Knabe und das werden, desto mehr wird auch die Ueberzeugung durch- Deffentlichkeit, war politisch oder künstlerisch. Wo Mädchen küssen die Erde und überall, wo sie hinschreiten dringen, daß, wenn man gerecht handelt, man selbst nur er auf die Nothwendigkeit einer Handwerksthätigkeit stieß, verschwindet der Schnee und sprossen grüne Gräser dadurch gewinnt und sich das Leben freundlicher gesuchte er derselben sofort die künstlerische Seite abzugewinnen. hervor und erblühen Blumen. Da kommen sie zu dem staltet." Die groben und geistloseren Handtirungen waren Sache der Sergei Ivanitsch lächelte traurig vor sich hin. alten greisen Winter, drücken ihn an Brust und Herz und Sklaven. Dieser Sklave ist die verhängnißvolle küssen ihn und sieh ,, Wissen, wie man leben muß und wie die Ge- Angel alles Weltgeschickes geworden. Der Sklave hat rechtigkeit es verlangt, ist eins, und handeln so wie die durch sein bloßes, als nothwendig erachtetes Dasein als Und sie liest weiter, wie die Kinder aufwuchsen und Gerechtigkeit es erheischt, ist ganz etwas anderes.... Sklave die Nichtigkeit und Flüchtigkeit aller Schönheit und sie ihre Herrschaft auf der Erde antraten und welch herr- Wer sollte das besser wissen als der Geistliche? Leßthin Stärke des griechischen Sondermenschenthums aufgedeckt, liches, üppiges Leben in der ganzen Natur aufging. Das starb bei uns der allerärmste Bauer im ganzen Dorfe, der und für alle Zeiten nachgewiesen, daß Schönheit und Wasser im Flusse wurde frei und rauschend und sprudelnd Geistliche wollte ihn nicht beerdigen. Gieb mir fünf Stärke als Grundzüge des öffentlichen Lebeus nur dann floß es in seinem Bette weiter. Die Bäume im Walde Rubel, sonst thue ich es nicht", sagte er zur Witwe. Wo beglückende Dauer haben können, wenn sie allen Menschen bedeckten sich mit grünen Blättern und in der Luft duftete sollte die Arme soviel Geld hernehmen? Das arme Weib zu eigen sind. Leider aber ist es bis jetzt nur bei diesem es so herrlich nach Tannen und Fichten. Und im Walde lag vor ihm auf den Knieen, weinte und flehte ihn an Nachweise geblieben. In Wahrheit bewährt sich die Jahrreiften die Beeren und das Gras wuchs so hoch, und im Alles umsonst. Da lief sie im ganzen Dorfe herum, tausende lange Revolution des Menschenthums fast nur ... Ach, im Geiste der Reaktion: sie hat den schönen, freien Menschen Felde schaufelten sich die hohen, schlanken Achren und sie wollte Geld leihen, Niemand gab ihr welches waren so hoch, so hoch, daß sie über ihrem Kopf seufzte er tief auf, was man auch sagen mag, eins ist zu sich, zum Sklaventhum herabgezogen, der Sklave ist zusammenschlugen- und kein Mensch sie sehen konnte. gewiß: Worte allein erwecken nicht die rechte Liebe, die nicht frei, sondern der Freie ist Sklave geworden."„ Und Bruderliebe, so eine Liebe, welche das Leben so gestaltet, so find wir denn bis auf den heutigen Tag Sklaven, nur O, dieses Alles kannte sie ja so gut, so gut mit dem Troste des Wissens, daß wir alle Sklaven Sie hatte dies Alles nicht nur beobachtet, sondern sie hatte daß Alle es gut haben.. Du hast Unrecht, wenn Du glaubst, Sergei Joanitsch, sind; Sklaven, denen einst christliche Apostel und Kaiser es erlebt, mitgefühlt, daran Theil genommen mit ihrem ganzen innersten Wesen... Sie wußte, beffer gesagt, sie daß Worte gar keine Bedeutung haben. Du kennst ja Konstantin riethen, ein elendes Dasein geduldig um ein hatte es erlebt, mitgefühlt, wie es denn zum Herbst Alles das Sprichwort: Gutes Wort findet guten Ort! Natür besseres Jenseits hinzugeben; Sklaven, denen heute von in der Natur anders wurde, Alles wieder dem Winterlich haben gute Worte nicht auf Alle Einfluß, aber, siehst Banquiers und Fabrikbefizern gelehrt wird, den Zweck Du, es giebt solche Bücher in denen der Beweis geführt des Daseins in der Handwerksarbeit um das tägliche Brod zuneigte. wird, daß es sogar vortheilhafter ist, nach der Ge- zu suchen. Frei von dieser Sklaverei fühlte sich zu seiner Zeit nur Kaiser Konstantin, der über das ihnen als nußrechtigkeit zu leben." ,, Und glauben denn Diejenigen, die diese Bücher ge- los dargestellte irdische Leben seiner gläubigen Unterthanen lesen haben, daran, daß dies wahr ist?" fragte Sergei als genußsüchtiger, heidnischer Despot verfügte; frei fühlt Jvanitsch. sich heutzutage, wenigstens im Sinne der öffentlichen ,, Nicht Alle und nicht immer", lautete die etwas un- Sklaverei, nur der, welcher Geld hat, weil er sein Leben sichere Antwort, aber es giebt auch solche Menschen die nach Belieben zu etwas Anderem als eben nur dem d'ran glauben." Gewinne des Lebens verwenden kann. Wie nun das Be,, Nun, es giebt ja immer einzelne Menschen, die streben nach Befreiung aus der allgemeinen Sklaverei in Sie wurde nicht müde, Maria Nikolajefna auszufragen. Diesem oder jenem Glauben schenken. Nur müßte es eben der römischen und mittelalterlichen Welt sich als Verlangen Und Alles, was diese ihr von den verschiedenen Ländern, Und Alles, was diese ihr von den verschiedenen Ländern, so sein, daß Alle daran glauben. Seht, bei uns im nach absoluter Herrschaft kundgab, so tritt es heute als Städten, von der Natur und ihren Erscheinungen erzählte, Dorfe beschäftigen wir uns Alle mit einem und demselben Gier nach Geld auf; und wundern wir uns daher nicht, Städten, von der Natur und ihren Erscheinungen erzählte, alle Bilder, die sie ihr zeigte, reizten ihre Einbildungskraft Gewerbe: der Eine arbeitet vom Morgen bis zum Abend, wenn auch die Kunst nach Gelde geht; denn nach seiner alle Bilder, die sie ihr zeigte, reizten ihre Einbildungskraft wie viel seine Kräfte es nur erlauben, und er bleibt Freiheit, seinem Gotte strebt alles; unser Gott aber ist das noch immer mehr..... Wenn ihr etwas aus dem, was sie las, sehr gefiel, so schrieb sie dasselbe ab. Als ihr immer arm. Der Andere arbeitet fast gar nicht und Geld, unsere Religion der Gelderwerb." Maria Nikolajefna die Märchen Andersens schenkte, war er ist reich. Und wie kommt das? Das kommt, weil Die Kunst geht nach Geld! Sie, die reine Kunst, Timofei Petroff an seine zehn Webestühle lauter fremdes ist also im modernen Leben nicht mehr vorhanden. Wenigstens schwindet der Winter.. im selben Augenblicke ver... Und die Königin wurde immer stiller und blässer und es erfaßte sie eine unbesiegbare Sehnsucht nach dem Lande, wo sie als kleines Mädchen gewesen; da ging sie sich ausruhen, setzte sich auf die trockenen Blätter, die um die Bäume herumlagen und verschwand immer tiefer, immer tiefer, unter denselben, bis ein Wind sich erhob und dieselben wild herumstreute.. Und da war auch die Königin verschwunden. So spann Sascha unermüdlich ihre Träume weiter. ihre Freude grenzenlos. 11 Je mehr sie las, desto mehr versenkte sie sich in die Volf gesetzt hat, zur Hälfte Kinder. Er selbst sitzt an in der Deffentlichkeit nicht. Freilich im Einzelwesen lebt Märchenwelt, desto mehr entfremdete sie sich der Wirklich gar keinem Webstuhle, thut nichts als Thee trinken, fährt noch immer Verehrung für wahre Kunst. Damit aber die keit. Dies wurde ihr um so leichter, da ihre Familie nach Moskau, führt dorthin seine Waare und bringt Kunst der Griechen wiedererstehe, damit der Künstler im keinen Ländertheil im Felde hatte, keinen Gemüsegarten, Baumwolle an deren statt. Er wird immer breiter und Volke wurzele und dem öffentlichen Bewußtsein Ausdruck gebe, damit das Kunstwerk eine harmonische Vereinigung kein Vieh, welches irgendwelche Fürsorge in Anspruch nahm. an seiner statt arbeiten lieber Lehrlinge und Gesellen Die Hauswirthschaft war so klein, so beschränkt, daß sie arbeiten und verdienen kaum das schwarze Brod und den und kein Chaos der einzelnen Kunstelemente sei, dazu Sascha durchaus nicht von ihren Träumereien ablenkte und Awas! Wie gefällt Euch das? Ist dies gerecht? Seht bedarf es einer Revolution. Bei den Griechen' durfte -Worte allein und mußte die Kunst konservativ sein, weil sie eben die dazu kam noch, daß sie ihrer kleinen unentwickelten Gestalt Ihr, ich habe doch recht, wenn ich sage wegen auch als ganz kleines Kind betrachtet wurde. Wenn thun es nicht! Also Fräulein, Ihr sagt, es giebt keinen echte Kunst war; wo aber bei uns Begeisterung für echte sie auch ihren Stiefvater hin und wieder beim Aufspulen solchen Ort, wo man nach der Gerechtigkeit lebt?" der Seide oder Baumwolle behilflich war, so war auch dies eine Beschäftigung, die sie nicht vom Sinnen und Träumen ablenkte. Der Aufenthalt von Maria Nikolajefna, der Lehrerin, im Dorfe blieb auch für Sergei Joanitsch nicht ohne Folgen. Nachdem er sich an ihre häufige Anwesenheit in ( Fortsetzung folgt.) Kunst und Revolution. II. nach Richard seiner Hütte etwas gewöhnt hatte, ihren Gesprächen mit B. W. Vergleichen wir nun seiner Frau, der kleinen Sascha, zugehört, und den Er- Wagner- die öffentliche Kunst des neuzeitlichen Europa zählungen, die sie vorlas oder vortrug, gelauscht, bekam mit der öffentlichen Kunst der alten Griechen, suchen wir er endlich Muth, ihr seinerseits Fragen zu stellen. Aber den wesentlichen Unterschied festzustellen. die Antworten, die er erhielt, entsprachen nicht seinen Er- Die griechische Kunst war der Ausdruck des Edelsten im Volksbewußtsein, die griechische Bühnenaufführung eine wartungen. Kunst lebt, da muß sie revolutionär sein, weil die echte Kunst noch nicht zur Herrschaft über die Allgemeinheit gelangt ist. Aber nur die fortbildende, nicht etwa die reaktionäre Revolution kann uns eine hohe Kunst wiedergeben. Wir wollen nicht wieder Griechen werden, wie dies von Künstlern der Unnatur versucht worden ist. Denn wir dürfen nicht vergessen, daß der Geist der griechischen Kunst den Fehler nationaler Beschränktheit hatte. Und was die Griechen nicht wußten, das wissen wir, nämlich daß die Schranken *) Richard Wagner meint hier natürlich den abhängigen, aus gebeuteten Handwerker des industriellen Syſtems. } [ E : t 3 [ t r 00 00 11 r с r 1 e e r 0 1. e e t 30 D 22 ભર n n t C= r Int t r n r f r 11 n t t t t t 3 t e T 主 3 1 2 e e t 2 C T t der Nationalität und des sozialen Klassenthums Feinde seiner Schönheit eine künstlerische sein. So wird ein so oft den Unterworfenen fühlen gelassen, er fiel auf dem der Freiheit und somit der wahren Kunst sind. Volk von Künstlern erstehen, und diese Künstler werden Schlachtfeld, ehe er sein Werk endgiltig zum Abschluß Umfaßte das griechische Kunstwerk den Geist einer die Kunst lieben, nicht aber nach Geld gehen. bringen konnte, und dieses selbst wurde von eitlen Politischönen Nation, so soll das Kunstwerk der Zukunft den ,, Utopien! Utopien!" höre ich sie rufen, die großen kern systematisch zu Tode geschwiegen. Geist freier Menschlichkeit umfangen. Und ,, aus dem ent: Weisen und Ueberzuckerer unserer modernen Staats- und Carlo Pisacane di Geunaro, Herzog von San Gioehrenden Sklavenjoche des allgemeinen Handwerkerthums Kunstbarbarei, die sogenannten praktischen Menschen, die vanni zählte durch seine Abkunft zum kleinen Kreis der mit seiner bleichen Geldseele wollen wir uns zum freien der Handhabung ihrer Praktik sich täglich nur durch Lügen Geburts- Befizaristokratie, durch seine Ueberzeugungen, sein künstlerischen Menschenthum mit seiner strahlenden Welt- und Gewaltstreiche, oder wenn sie nämlich ehrlich sind-Wirken gehört er zur großen Familie des Geistes- und seele aufschwingen; aus mühselig beladenen Tagelöhnern höchstens durch Unwissenheit helfen können. Sie leben, Herzensadels aller Zeiten und Länder. Anscheinend zum der Industrie wollen wir alle zu schönen, starken Menschen leiden und lästern und befinden sich in einer großen Lüge, Vertheidiger historischer Ueberlebfel, alter Vorrechte, tief werden, denen die Welt gehört als ein ewig unverfiegbarer in einem eingebildeten Utopien, an das sie mit Aufbietung wurzelnder Ungerechtigkeiten bestimmt, erweist er sich als Quell höchsten künstlerischen Genusses." Zu diesem Ziele ungeheurer Heuchelei glauben zu machen sich bemühen; Vorkämpfer eines neuen gesellschaftlichen Lebens, einer bedürfen wir der allgewaltigen Kraft der Revolution. und die einzig natürliche Erlösung aus ihrer Verzauberung jungen Freiheit und Gerechtigkeit. Ein Sohn des klassiDoch woher sollen wir im Zustande tiefer Entkräftung verschreien sie als ein Utopien gerade wie die Leiden- schen römischen Bodens, auf dem der Begriff des individie Kraft zur Erhebung schöpfen, womit den Sieg erringen den im Narrenhause ihre verrückten Einbildungen für duellen Eigenthums, das Recht zu brauchen und zu mißüber eine sogenannte Kultur, welche die natürliche Mensch- Wahrheit, die Wahrheit aber für Verrücktheit halten. brauchen" bis zu seiner äußersten Absurdität herausgebildet lichkeit verleugnet, den menschlichen Geist nur als Dampf Kennt die Geschichte ein wirkliches Utopien, so ist es das und in widerspruchsvolle, sinnlose Rechtsformeln versteinert kraft der Maschine verwendet und dabei behauptet, daß Christenthum. Es predigte fast zwei Jahrtausend lang ward, machte er sich zum Herold einer neuen Zeit, erklärt sie mehr werth sei als der lebendige Mensch? Demuth, Entsagung, Verachtung alles Irdischen und in er dem individuellen Eigenthum, als der Wurzel alles Wo der gelehrte Arzt kein Mittel weiß, da wenden dieser Verachtung Bruderliebe. Und wie stellt sich die sozialen Uebels, einen Krieg auf Leben und Tod. wir uns verzweifelnd an die Natur. Auch hier liegt Erfüllung heraus in der modernen Welt, die sich ja doch Zwischen der romantischen Liebesidylle, welche an das Heilmittel im Walten der Natur. Hat die Kultur, eine christliche nennt und die christliche Religion als ihre der Schwelle seiner Jünglingsjahre steht, und der ruhmausgehend vom christlichen Glauben an die Verwerflichkeit unantastbare Basis festhält? Als Hochmuth, Heuchelei, vollen Tragik seines Todes auf dem Schlachtfeld zu Sala der Menschennatur, den Menschen verleugnet, so hat sie Wucher, Raub an den Gütern der Natur und selbstsüchtige und Audla, liegen relativ nur wenig Jahre, aber Pisacane sich damit einen Feind geschaffen, welcher sie soweit ver- Verachtung der leidenden Nebenmenschen. Woher dieser hatte dieselben voll und ganz gelebt, mit der rückhaltlosen, nichten wird, als sie ihn beengte. Der Natur wohnt eben frasse Gegensatz zwischen Lehre und Ausführung? Die leidenschaftlichen Hingabe seiner feurigen, energischen Natur, eine Kraft inne, eine Art Schnellkraft, vermöge welcher sie Lehre der Entsagung ist frankhaft, unnatürlich. Die mit Bethätigung seines ganzen Wesens als Kämpfer und sich immer wieder soweit ausdehnt, als sie unterdrückt Natur verlangt etwas anderes, als Tödtung des Fleisches, Denker. Seine Thaten zeigen ihn als Insurgenten gegen Und diese Kraft, welche die ganze Laft einer und ihr Verlangen siegt. Beweis: die allmächtige Kirche die damalige Gestaltung der politischen Verhältnisse Italiens, falschen Kultur mit einem Rucke zurückschleudern wird, ist pries Enthaltung von der Geschlechtsliebe als hohe Tugend, als klug berechnenden Verschwörer, kühnen und militärisch und trop der allmächtigen Kirche ist der Mensch in solcher begabten Freischärler, seine Ideen stempeln ihn zum Revowurde. die Revolution. Diese revolutionäre Kraft äußert sich zunächst als Fülle vorhanden, daß die christlich- ökonomische Staats- lutionär gegen die gesammte soziale Ordnung, zum Theoreder moralische Troß des Arbeiters gegenüber weisheit gar nicht weiß, was sie mit der Fülle anfangen tiker, der an scharfsichtiger und klarer Auffassung der Verder lasterhaften Trägheit oder lasterhaften Geschäftigkeit soll und heimlich die politischen und sozialen Massenmord- hältnisse, an Logik der Schlüsse die meisten seiner revoder Reichen. Der Arbeiter will die Arbeit zum allgemeinen mittel segnet. Und wenn solchen wahnwißigen Erperi- lutionären Landsleute, ja Zeitgenossen bedeutend überragt. Prinzip der Gesellschaft erheben; jeder soll arbeiten, niemand menten gegenüber an die gesunde Natur appellirt und von Carlo Pisacane wurde 1818 zu Neapel geboren. auf Kosten anderer feiern. Aber wie? Sollte nicht gerade der Vernunft des Menschen nichts weiter verlangt wird, Er erhielt seine Ausbildung in der Militärschule zu dadurch, daß das Arbeiterthum zur allein herrschenden als daß sie uns einen Erſatz geben soll für den Instinkt Nunciatella, die er mit glänzendem Erfolg absolvirte, um Weltmacht erhoben wird, die Kunst verkümmern? des Thieres, das sorglos seinen Lebensunterhalt findet dann vier Jahre lang als Page am königlichen Hofe zu verweilen. Nein! Diese Befürchtung, welche von vielen Freun- dann wird über Utopien" geschrieen. den der Kunst gehegt wird und viele zu Gegnern der Weit ist die gegenwärtige Kunst entfernt von ihrer Als zwölfjähriger Knabe hatte er mit einem gleichRevolution macht, ist grundlos. Nur scheinbar wendet zukünftigen Blüthe. Nur vereinzelte Künstler liefern in altrigen Mädchen, mit dem ihn eine leidenschaftliche und fich der unmittelbare und vielfach unüberlegte Ausdruck ihren Werken eine Ahnung der Zukunft. Der heutige erwiderte Neigung verband, Schwüre ewiger Liebe und der Entrüstung des am meisten leidenden Theiles unserer Künstler leidet eben unter dem Drucke des allgemeinen einer baldigen Verheirathung gewechselt. Das Leben hatte Gesellschaft gegen die Kunst. In Wahrheit verlangen die sozialen Elends. Es kränkt fürwahr, wenn der Maler, die Kinder auseinander gerissen, aber Pisacane hatte nach einem würdigen Genusse des um leben und schaffen zu können, die Fraße eines Millio- weder bei seinen Studien noch in den Unruhen der HofLebens, nach einem freien, echt menschlichen Dasein, dessen närs porträtiren, wenn der Musiker seichte Tafelmusik feste das alte Verlöbniß vergessen, und kaum war er frei, Unterhalt sie nicht mehr mit dem Aufwande aller Kräfte komponiren, wenn der Dichter Leihbibliotheken- Romane so suchte er die Braut seiner Knabenjahre. Er fand sie mühselig verdienen müssen. schreiben muß. Und wie können gute Theaterstücke ent- verheirathet, und sein Schmerz war ebenso groß wie sein Unterdrückten " fähigung ab. Zu dieser Würde und Menschlichkeit des Daseins stehen, solange der Theaterdirektor mit dem Publikum nur Entschluß rasch und für seinen Charakter bezeichnend: er gehört aber die Schönheit. Und so kann die wahre als kaufmännischer Spekulant vekehrt und in dem Stücke entführte die junge Frau und ging mit ihr im Februar Kunst sich nur auf den Schultern unserer großen sozialen nichts sucht als Einträglichkeit, Verzinsung des Kapitals. 1847 nach London, von da aus über Paris nach MarBewegung zu ihrer Würde erheben; sie hat mit ihr ein Ihr leidenden Mitbrüder jeden Theiles der Gesell- seille, wo er als Sekondelieutenant in die französische gemeinschaftliches Ziel, und beide können es nur erreichen, schaft, die ihr grollend darüber brütet, wie ihr aus Sklaven Fremdenlegion eintrat, die für Algier bestimmt war. wenn sie es gemeinschaftlich erkennen. Dieses Ziel ist der des Geldes zu freien Menschen werden möchtet, helft nicht Als die Revolution von 1848 in ganz Italien patriostarke und schöne Mensch; die Revolution gebe ihm die nur euch, sondern auch dem Künstler, damit ihr alle die tische Erhebungen zeitigte, erachtete es Pisacane für seine Herrlichkeit der Kunst genießt, damit ihr aus Knechten der Pflicht, für die Unabhängigkeit des Vaterlandes zu den Stärke, die Kunst die Schönheit!" Eine Krankheit schwindet, wenn man ihre Ursache be- Industrie zu schönen, selbstbewußten, glücklichen Menschen Waffen zu greifen. Er kehrte aus Algier zurück und Denn besser, als eine gealterte legte in dem achtzehn Monate währenden Kampfe glänzende seitigt. Eine wesentliche Ursache der jahrtausend langen herangebildet werdet. Krankheit der Menschheit, welche in der Gegenwart ihren Religion, vermag die Kunst dem leicht an wilde Klippen Beweise seiner Tapferkeit und seiner militärischen BeHöhepunkt erreicht hat, war nun die falsche Auffassung und in ſeichte Flächen abweichenden Strome leidenschaftDie Niederlage konnte ihn wohl ins Eril jagen, aber vom Zweck des menschlichen Lebens. Die Zukunft, die licher sozialer Bewegung ein schönes, hohes Ziel zuzunicht zum Verzicht, nicht zum Einstellen eines Kampfes freie, herrliche Zukunft muß also von dem Wahne, daß weisen: das Ziel edler Menschlichkeit. „ Ist die Gesellschaft dereinst so menschlich, schön und zwingen, der nach seiner Ansicht nicht nur die Vertreibung der Mensch nur das Werkzeug zu einem außer ihm liegenden Zwecke sei, frei sein und die entgegengesezte edel entwickelt, wie wir es allerdings durch die Wirksam der ausländischen Tyrannen, sondern die Gründung einer Weiß der Mensch sich endlich selbst keit der Kunst allein nicht erreichen werden, wie wir es sozialen Republik herbeiführen sollte. Auffassung haben. Er setzte den Kampf, der momentan mit dem Schwert einzig und allein als Zweck seines Daseins und begreift aber im Verein mit den unausbleiblich bevorstehenden er, daß er diesen Selbstzweck am vollkommensten nur in großen sozialen Revolutionen hoffen dürfen und erstreben unmöglich geworden, init der Feder fort. Nachdem er der Gemeinschaft mit allen Menschen erreicht, so wird müssen, so werden die theatralischen Vorstellungen Unter- über den kaum beendeten Feldzug geschrieben(„ Guerra sein gesellschaftliches Glaubensbekenntniß nur in einer nehmungen sein, bei denen der Begriff von Geld und combattuta in Italia negli anni 1848-1849")" legte er positiven Bestätigung jener Lehre Jesu bestehen können, in Erwerb gänzlich schwindet; denn gedeiht die Erziehung in den„ Saggi"( Essais) sein soziales Glaubensbekenntwelcher er ermahnte:" Sorget nicht, was werden wir immer mehr zu einer künstlerischen, so werden wir alle niß nieder. essen, was werden wir trinken, noch auch, womit werden einst soweit Künstler sein, daß wir, gerade als Künstler, wir uns kleiden, denn dieses hat euch Euer himmlischer um der Kunstangelegenheit willen, nicht eines nebenbei liegenden gewerblichen Zweckes halber, zu einer gemeinDieser himmlische Vater wird dann kein anderer sein, samen freien Wirksamkeit uns vereinigen können." " Vater alles von selbst gegeben!" Gleichzeitig blieb er in engster Fühlung mit den italienischen Patrioten und suchte den Sturz der Fremdherrschaft und die Einigung Italiens, allerdings nicht unter monarchischer, sondern republikanischer Aegide, als Vorstufe weiterer Entwickelung anzubahnen. Seiner thatenfrohen Natur und seiner Ueberzeugung gehorchend, war er die Seele einer Verschwörung, der zu Folge sich zirka hundert Patrioten in Genua auf dem Dampfer Cagliari einschifften, der über Sardinien nach Tunis gehen sollte. Einmal auf offener See zwangen die Revolutionäre den C. Z. Der moderne Sozialismus, international wie Bagno zahlreiche politische Gefangene, Opfer der neapoli Schiffskapitän auf die Insel Pougra zuzusteuern, in deren Die kühne Freischaar Carlo Pisacane, ein Vorläufer des Sozialismus in Italien. I. als die soziale Vernunft der Menschheit, welche die Natur und ihre Fülle sich zum Wohle aller zu eigen macht. Eben, daß die rein physische Erhaltung des Lebens bisher der Gegenstand der Sorge, und zwar der wirklichen, meist alle Geistesthätigkeiten lähmenden, Leib und Seele verzehrenden Sorge sein mußte, darin lag das Laster und der Fluch unserer geselligen Einrichtungen. Diese Sorge hat den Menschen schwach, knechtisch, stumpf er seiner Ursache, seinem Ziele nach ist und sein muß, tanischen Bourbonen schmachteten. und elend gemacht, zu einem Geschöpfe, das nicht lieben zählt in allen Ländern, deren Geſellſchaftsordnung auf landete, befreite gegen vierhundert Gefangene, die sich mit und nicht haffen kann, zu einem Bürger, der jeden Augen- den gleichen Besitz- und Produktionsverhältnissen beruhen, ihren Rettern zusammen einschifften und steuerten dann blick den letzten Rest seines freien Willens hingab, wenn mehr oder weniger klar blickende Vorläufer. Frankreich auf Sapri zu. Die Landung ward daselbst unter Abennur diese Sorge ihm erleichtert werden konnte. Hat die stellt den glänzenden Heerstab seiner großen Utopiſten und teuern und Schwierigkeiten bewerkstelligt, und das verbrüderliche Menschheit ein für allemal diese Sorge von neben ihnen Pecqueur, der bereits kollektivistische Theorien sich abgeworfen, und sie wie der Grieche dem Sklaven entwickelte, England hat Thomas Morus und Robert egene Häuflein hielt sich 22 Tage lang gegen die Truppen des Königs Bomba",*) der auf die Nachricht der Maschine zugewiesen, dieſem künstlichen Sklaven des Owen, Deutschland den genialen Weitling. freien, schöpferischen Menschen, dem er bis jetzt diente, wie des Ereignisses hin entsetzt nach Gaeta geflüchtet war. Italien muß in der Zeit und Entwickelung weiter Die neapolitanischen Söldnertruppen wurden noch in aller per Fetischanbeter dem von seinen eigenen Händen ver zurückgreifen, auf Savanarola und Campanelli verweisen. Eile durch die bewaffneten Bauern der Gegend verstärkt, fertigten Gößen, so wird all sein befreiter Thätigkeitstrieb In unserem Jahrhunderte schienen die geſellſchaftlichen und der Uebermacht gegenüber konnte auch der größte Mißstände im Vaterlande der Gracchen kein Echo in sozia- Heroismus, der Wunder von Tapferkeit bewirkte, die Niederlage nur hinausschieben, aber nicht vermeiden. Auf Als eine sozialistische Bewegung erwachte, so knüpfte dem Schlachtfelde zu Sala und Audla fiel über die Hälfte als Zwed des Lebens erſcheint, dafür erziehen wir uns ſie theoretisch an den Gedankenſchaß an der vom Auder Insurgenten, eine große Anzahl von ihnen ward und unsere Kinder. Im fünftigen, freien Menschen wird lande her gebracht wurde. Und doch sind es heute kaum ſtehenden Fußes füfilirt, der Rest in den Bagno geschickt, der Gewinn des Lebens unterhaltes nicht mehr der mehr als dreißig Jahre her, daß ein logisch denkender Zweck des Lebens sein, sondern die Freude am Leben; und vor den letzten Konsequenzen nicht zurückschreckender wo er 1860 von Garibaldi und seinen„ Tausend" befreit die Industrie wird dereinst nicht mehr unsre Herrin, sondern Geist zu Schlußfolgerungen gelangte, welche sich im unsere Dienerin sein. Die Erziehung, von der Ucbung Wesentlichen mit den Grundlehren des modernen Soziader Kraft, von der Pflege der Körperschönheit ausgehend, lismus decken. Aber Der, welcher dieselben zog, mußte wird schon aus Liebe zum Kinde, aus Freude am Gedeihen das„ Wehe den Besiegten!" erfahren, das seine Vorväter fich nur noch als künstlerischer Trieb kundgeben." Dieser Kunsttrieb im Menschen der Zukunft wird liftischen Theorien gefunden zu haben. durch Erziehung noch gesteigert werden. Denn was uns wurde. *) Spigname, mit dem das Volk Ferdinand II. von Neapel bezeichnete, nachdem er die Bolkserhebung von 1848 mit unerhörter Grausamkeit niedergeworfen hatte, Pisacana gehörte zu Denen, welche in verzweifeltem| allein 166 312 Hektoliter mehr Bier, als alle 39 Brauereien im Ringen, ohne Illusion über den Ausgang des Unter- Jahre 1848. Während im Jahre 1848, das trop ver bewegten Zeit feineswegs einen Produktionsausfall mit sich brachte, die nehmens auf dem Schlachtfelde ihren Tod gefunden hatten. Brauereien im Durchschnitt 17 250 Hektoliter brauten, betrug im Die ruhmreiche Niederlage von Sapri ward wie ein Jahre 1887 die durchschnittliche Bierproduktion jeder Brauerei zweites Marathon von der liberalen Presse ganz Europas 141 084 hektoliter. verherrlicht, und Pisacane, der kühne Führer einer kühnen Schaar, der vermeintliche patriotische Rebell" war der viel gefeierte, schwungvoll besungene Held des Tages. 10. Bergmann'sche Häuser, Johanniterstr. 2-5. Gitschinerstr. 17-18. 11. 12. Schnard, Blumenthalstr. 5. 13. Schneider, Flottwellstr. 6. 14. Wittig, Thurmstr. 42 e. 15. Funke, Annenstr. 46. 16. Früher Kreuz, Admiralstr. 40. 17. Prüfer, Elisabeth- Ufer 16-17. 18. Mitan, Wienerstr. 31. 19. Bartel, Brunnenstr. 145. 20. Henke, Hollmannstr. 33. 21. Steinfe, Münzstr. 7. ( Fortsetzung folgt.) Vereine und Versammlungen. fache der Bierproduktion einer Brauerei des Jahres 1848. Es kam daher auf jede Brauerei im Jahre 1888 das Achtfache der Bierproduktion einer Brauerei des Jahres 1848. Je größer der Betrieb, desto stärker das Anwachsen, desto ausgeprägter der Trieb zur Akkumulation. So braute man in KleinDie Genuenser Polizei ließ es sich angelegen sein, Schwechat im Jahre 1848 54 175 hektoliter Bier, dagegen im durch Veröffentlichung des politischen Testamentes" Jahre 1887 um 402 085 hektoliter mehr; in St. Marr stieg die Bierproduktion von 31 253 Heftoliter im Jahre 1848 auf 382 800 von Pisacane den spießbürgerlichen Enthusiasmus vom im Jahre1887, dagegen hat die kleinste Brauerei der Wiener UmSiedepunkte auf Null sinken zu machen. Pisacane be- gebung ihre Bierproduktion von 1876 hektoliter im Jahre 1848 kannte sich in diesem Dokument als leidenschaftlicher An- nur auf 3888 Hektoliter im Jahre 1887 steigern können und 26 hänger des konsequenten Sozialismus, dessen erste Brauereien mußten ihren Betrieb ganz einstellen. Aus der im Brauherrnpavillon der Jubiläums- Ausstellung ausLebensäußerungen 1848 hingereicht hatten, um zu begestellten Tabelle der Bierproduktion von Wien und Umgebung Die Offenbacher Frauenkasse( Zentral- Kranken- und wirken, daß die Bourgeoisie allen Liberalismus zum Teufel kann man auch auf die weitere Entwicklung der Bierproduktion Begräbnißkasse für Frauen und Mädchen in Deutschland. E. H. 26.) wies im 2. Quartal 1888 eine Netto- Einnahme von 36 423 Mark und sich selbst in die Arme der ärgsten Reaktion warf. schließen, man kann ersehen, daß immer weniger Brauereien der und eine Netto- Ausgabe von 36 179 Mark auf, ſodaß trop der Das Bekenntniß reichte hin, daß sich das Blättchen der Schwechat, St. Marr, Liesing und Hütteldorf werden Stand halten 244 Mart verblieb. Die Zahlstellen der Kaffe befinden sich für erdrückenden Konkurrenz der großen Braustätten von Klein- hohen Generalversammlungskosten noch immer ein Ueberschuß von öffentlichen Meinung" rasch wendete, das liberalisirende tönnen, daß in 10 Jahren sich die Zahl der Brauereien vielleicht Nord, bei Herrn Grothmann, Bernauerstr. 76 v. K., für Nordwest Bürgerthum befliß sich Pisacane's Namen gegenüber einer wieder um die Hälfte vermindert hat und dann gleichzeitig die Nord, bei Herrn Grothmann, Bernauerstr. 76 v. K., für Nordwest bei Herrn Schießl, Friedrichstr. 154, H. III., für Ost und Nordost solchen Vergeßlichkeit, daß er nicht die geringste Dankes: Bierproduktion gestiegen sein wird. bei Frau Schneider, Blumenstr. 29, Seifenhandlung, für Südost bezeugung des„ befreiten Vaterlandes" erhielt, mit denen fich geht, sondern auch anderwärts, beweist die Entwickelung der west bei Frau Nohmann, Wilhelmstr. 3, Quergeb. III, sowie beim Daß diese Entwicklung nicht nur in der Wiener Brauerei vor bei Frau Schneider, Oranienstr. 20, H. I. I., für West und SüdAnderen gegenüber so freigebig um sich geworfen ward. Bierbrauerei in München, auf welche wir schon öfter hingewiesen Vorsitzenden Herrn Bielefeldt, Brückenſtr. 4 im Laden. Meldungen Die stille, aber gewaltige und folgenschwere Revolution kann zur Aufnahme werden in allen Zahlstellen entgegengenommen. Der von Niemandem in ihrem raschen Laufe aufgehalten werden, jie abfolgt wird. Eintritt kostet 1 M., wofür das Quittungsbuch nebst Statuten verändert schon vor unseren Augen die Vermögensvertheilung in der Bevölkerung, sie verschiebt die Stellung und die Macht der Klassen Aufruf an alle Arbeiterinnen Berlins! Am unserer Gesellschaft, sie vereinigt in die Hände einiger Weniger, Dienstag, den 30. d. M., Abends 8 Uhr, findet im Louisenstädtischen nicht durch Begabung und Tüchtigkeit, sondern nur durch nicht Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37, eine große öffentliche Verselbst erworbenes Vermögen Begünstigter, die Schäße der Welt, ſie ſammlung statt, um auch das Urtheil der Arbeiterinnen über die schafft aber diesen Wenigen als unversöhnliche Gegner die ganze übrige Bevölkerung, sie organisirt dieselben in ihren großen Betriebs- von der Regierung geplante Alters- und Invalidenversichestätten und sie bereitet der Wirthschaftsordnung, welche sie ermög- rung zum Ausdruck zu bringen. Da die Arbeiterinnen in dem lichte, das Grab. Entwurf des Bundesrathes noch viel kläglicher bedacht sind, wie die Männer, so ist wohl am Dienstag auf einen imposanten Besuch zu rechnen. Referentin ist Frl. Johanna Jagert. Schnikel. Ist einer stärker wie ein anderer, so ist er doch vielleicht schwächer als zwei; und wer zweien noch immer überlegen ist, ist doch schwächer wie vier. So brauchen also die Schwachen nichts zu fürchten, wenn ſie, von Liebe zu einander beseelt, wirklich einig sind. * * * Lamennais. Wenn ein Mensch in der Würde ist, und hat und hat keinen Verstand, so ist er gleich wie ein Vieh, das vertilgt wird. Psalm 49, 21. * * Wir müssen mit dem Fürsten Bismarck gehen, wir auch hin und wieder einen Tritt erhalten. haben. " V. Die bayerische Polizei kann sich dermalen rühmen, ihren Amtsgenossinnen in allen übrigen deutschen Vaterländern in Bezug auf schneidige" Ausführung des Sozialistengesezes weit über zu Altersversicherung. Am Freitag voriger Woche sprach sein." Sieht es schon überall im Reiche mit der Versammlungs- Herr Bebel im Floragarten zu Dresden in öffentlicher Voltsund Vereinsfreiheit der Arbeiter recht windig aus, so kann man versammlung über den Entwurf der Alters- und Invalidenverfor sagen, daß dieselbe nunmehr im Bayerlande- außerhalb der gung der Arbeiter." Der kleine ca. 400 Personen fassende Saal Wahlzeit so gut wie gänzlich vernichtet ist. Nur die Stadt war überfüllt, während fast die doppelte Zahl im Garten die wenn Nürnberg macht hierin noch eine gewisse Ausnahme. Im ganzen Fenster waren geöffnet- den Worten des gefeierten Volksredners übrigen Lande zusammengenommen findet unter dem jeßigen Bu- lauschten. Die Versammlung verhielt sich ablehnend zu dem stand noch kein Dußend, vielleicht noch kein Halbduhend von Entwurf. v. Helldorf in öffentlicher Wählerversammlung. * * * Hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen. Wer nur wenig hat, dem wird Auch das wenige genommen. Wenn Du aber gar nichts hast, Ach, so lasse dich begraben Denn ein Recht zum Leben, Lump, Haben nur, die Etwas haben. * * H. Heine. * Es erben sich Gesez und Rechte Wie eine ew'ge Krankheit fort; Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte Und rücken sacht von Ort zu Drt. Vernunft wird Unsinn, Wohlthat plage; Weh Dir, daß Du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, Von dem ist, leider! nie die Frage. * * Goethe, Faust. Briefkasten. Sozialdemokraten einberufene Volksversammlungen statt! In den Die Rechtsschutzkommission der Freien Vereinigung der beiden Münchener Wahlbezirken mit ihren 23 000 sozialdemokra- Schneider Berlins" hat sich bereits konstituirt. 1. Vorsitzender tischen Stimmen ruhte das Versammlungs-, Recht" der Arbeiter A. Täterow, Mauerstr. 9 v. 3 Tr.; 2. Vorsitzender L. Pfeifer, von Mitte 1887 bis Oftober 1888, also über 5/4 Jahre lang, Seidelstr. 9, S. 4 Tr. L.; als 1. Schriftführer D. Stegemann, gänzlich. Alle Versuche zur Einberufung von Versammlungen Brunnenstr. 114 a., b. 3 Tr.; 2. Schriftführer C. Büttner, Zimmerwurden entweder durch Saalabtreibung oder durch ein ausdrückstraße 11, Hof part. und P. Frant, Holzgartenstr. 6, v. 2 Tr. liches Verbot zu nichte gemacht. Ueber die vor 3 Wrchen endlich Kollegen, welche mit ihren Arbeitgebern in gewerbliche Streitig= zur allgemeinen Ueberraschung zu Stande gebrachte Versammlung feiten gerathen, werden ersucht, einem der Obengenannten den ist in der„ Volks- Tribüne" schon ausführlich berichtet worden. Man den Sachverhalt entweder schriftlich, unter genauer Angabe aller glaubte nun mehrfach an die günstigere Wendung und machte sich Nebensächlichkeiten, oder mündlich mitzutheilen, um das Weitere zu an die Veranstaltung weiterer Versammlungen. Die zunächst an- veranlassen. beraumte, welche in der schwäbischen Stadt Kaufbeuern stattfand, fam glücklich zu Stande und brachte einen vollen Erfolg, Die Arbeiterschaft des nur 6000 Einwohner zählenden Städtchens be schämte durch ihren Eifer die mancher viel größeren Stadt und bewies, wie groß das Bedürfniß und der Wunsch nach Aufklärung überall unter den Arbeitern ist und wie im Gegensatz zu der gegnerischen Behauptung das Volt nichts weniger als" agitationsmüde" ist, wenn ihm nur nicht jede Möglichkeit der Belehrung über die politischen und wirthschaftlichen Tagesfragen von der Gewalt abgeschnitten wird. Die Versammlung zählte 600 eng Verein. Sie haben vollständig Recht. Für die Vereine ist aufeinander gepackte Zuhörer, Hunderte konnten nicht mehr in den Saal. Der Eindruck der Versammlung, in welcher Vollmar sprach und auch verschiedene einheimische Arbeiter als Redner auftraten, war ein bedeutender und wird nachhaltig sein. Seit diesen beiden vereinzelten Versammlungen scheinen aber die Behörden wieder ganz Neu- Harenberg. Wiederholen Sie zunächst, unter Angabe auf die alten Sprünge gekommen zu sein; denn alle Versuche zur des ersten Datums die Reklamation. Antwort müssen Sie erVeranstaltung von Versammlungen scheiterten bis jetzt. In Würz- halten, sonst können Sie sich beschweren. burg, wo man schon seit 4 Monaten vergeblich nach einem Saale M. H. 3 Mark in der That bezahlt. Vorige Woche kein Glück und Unglück gehen gewöhnlich dahin, wo schon sucht, wurde der Magistrat um Ueberlassung der Turnhalle angedas meiste davon ist. Gracian. Die Dummheit fällt allemal mit der Thür ins Haus, denn alle Dummen sind verwegen. Gracian. * * * Gesez ist mächtig, mächt'ger ist die Noth. * * * Freier Athem, freie Rede, Für die Wahrheit offne Fehde, Fehd' auf Leben und auf Tod. * * * Goethe. M. Arndt. Dies über Alles: sei Dir selber treu! Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, Du kannst nicht falsch sein gegen irgend wen. Shakespeare. Kleine Mittheilungen. gangen. Abgelehnt. In München sollte lezten Sonntag Vollmar über die Lage der deutschen Arbeiter nach den amtlichen Be= richten der Fabrikinspektoren und die Arbeiterforderungen" fprechen. Die Polizei aber verbot die Versammlungen, weil an diesem Tage Stirchweihfest sei, und eine Versammlung an diesem Tage zur Befürchtung und Störung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit Anlaß biete." Diese Begründung hat wenigstens den Vortheil der Neuheit für sich und bringt in dem geistlosen Einerlei der sozialistengefeßlichen Verbote eine gewisse Abwechslung... Jedenfalls kann man den Bogen wohl nicht mehr höher spannen als es die bayrische Polizei thut. Listen zum Sammeln von Abonnenten find jederzeit auf unserer Expedition zu erhalten und werden auch gratis übersandt. Freund unseres Blattes. Annoncen werden bis Freitag Mittag 1 Uhr angenommen. das Annonziren eine geringe Ausgabe, die Blätter aber, welche die Arbeiterinteressen mit Opfern vertreten, werden dadurch wesentlich unterstügt. Hoffentlich sind Ihre Bemühungen in Ihrem Verein bald mit Erfolg gekrönt. Raum. Halle. Wir bitten, bei Sanow zu abonniren. Beulenroda. Wenn wir bis zu nächster Nummer nicht endlich etwas von den versprochenen" Thaten" sehen, liefern wir nicht weiter. Lauterberg. Wie wollen Sie es denn mit dem Bezahlen halten? Stettin. Die Ministerialverordnung können wir buchhändlerisch nicht auftreiben. Wir fennen sie nur aus größeren Gefeßsammlungen. Halle a. S. Die Schuld liegt ganz und gar nicht an uns. Erst Donnerstag Abend gelangte an die Redaktion ein Schreiben: Sonnabend solle Versammlung stattfinden. Erst Freitag früh kam es in die Hände des Redakteurs, der sofort abtelegraphirte. Der Ehrenberg. Aus Wiesbaden, den 22. Oftober, wird Er bemühte sich jedoch um einen anderen Redner, was mißlang der" Frankf. 3tg." geschrieben:" Es geht uns hier eine Mittheilung und Sonnabend früh ebenfalls telegraphisch übermittelt wurde. zu, die wir, wäre die Quelle nicht eine ganz zuverlässige, für un- Die Parteifreunde auswärts sollten überhaupt etwas mehr Rücksicht glaublich halten würden. Man erinnert sich des gegen den Haupt- nehmen; vielfach scheinen sie zu denken, sie brauchten in der Provinz mann a. D. v. Ehrenberg erlassenen Steckbriefs, in welchem alle nur zu pfeifen, und der gewünschte Redner dampft mit dem nächsten Behörden ersucht waren, den des Landesverraths beschuldigten ehe- 3uge von Berlin ab. Das geht überhaupt nicht, und geht bei maligen Offizier zu verhaften und an das Militärgericht zu Karls- Leuten, die an sich schon viel beschäftigt sind, erst recht nicht. ruhe abzuliefern. Auch der hier erscheinende Rh. Cur." druckte Holzwolle. Die Erzeugung der Holzwolle besteht darin, daß den Steckbrief ab, v. Ehrenberg geht aber frei in Wiesbaden ein Holzscheit in lauter kleine Holzfäden zerschnitten wird. Man umher." Seit einiger Zeit hat sich in Dresden ein Denunziantenthum ganz eigener Art herausgebildet. Bei Vertheilung sozialdemokratischer Flugblätter wurde mehrfach beobachtet, daß Wohl= fahrtspolizeibeamte die Austräger verfolgten und ihre Sistirung zum Bezirke veranlaßten. Diese Leute scheinen sich der Rolle, welche sie dabei spielen, nicht recht bewußt zu sein und es wäre Nichts ist fennzeichnender für die ökonomische Revo: wünschenswerth, daß der Nath der Stadt Dresden die ihm unterlution, welche wir durchleben, als das Abnehmen der Zahl der stellten Beamten dahin belehrte, daß jene Flugblattvertheiler, so industriellen Betriebe und die gleichzeitig vor sich gehende Stei- lange das Flugblatt nicht verboten, sich wo kein Belagerungsgerung der Produktion. Diese Erscheinung findet sich in allen zustand herrscht in Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte beIndustriezweigen, sie beweist die Behauptung des wissenschaftlichen finden und es der höchst achtungswerthen Institution der WohlSozialismus von der stetigen Akkumulation des industriellen Stapi- fahrtspolizei durchaus nicht zur Ehre gereichen förne, wenn deren tals, vom Herabsinken des Mittelstandes in das Proletariat. Das Beamte Staatsbürger auf diese Weise belästigten. vorauszusehende Ende dieser Entwicklung ist die Scheidung der Gesellschaft in wenige Aneigner des ganzen Volksvermögens und in Liste kann dieselben von beliebiger Feinheit herstellen. Außer den Verwendungen als Verpackungsmittel, als Polstermaterial, als Verbandfloff, als Klärmittel für Bier, empfiehlt man die grobe Holzwolle auch als Streu in Viehställen. Abonnent. Loderritter waren solche Ritterbürtige, die mit dem Fehderecht Mißbrauch trieben, d. h. ohne Absage- oder ohne Fehdebrief Strieg führten, also„ raubten". Sie hießen auch ,, Schnapphähne" oder„ Stegreif- Ritter". Landtagswahl. Die Wahlmänner müssen Wähler desselben Urwahl bezirks sein, brauchen aber nicht innerhalb dieses Bezirks derselben Abtheilung anzugehören, in der sie gewählt werden. Die Wahl eines Nichtpreußen fann angefochten werden, auch wenn derselbe in der Wählerliste gestanden hat. eine durch eine unüberbrückbare Kluft von diesen geschiedene, nur der in Berlin für Unteroffiziere und Mann zogen; es darf also kein Wähler der dritten Abtheilung eher das über ihre Arbeitskraft verfügende Klasse von Proletariern. Würde man die Industriestatistik nur etwas pflegen, so könnte man wohl diese Entwicklung bei allen Industriezweigen nachweisen. Leider ist dies nur ganz vereinzelt möglich, so bei der Brauindustrie. Während z. B. in Wien und Umgebung im Jahre 1849 39 Brauereien vorhanden waren, zählte man im Jahre 1881 mur 18, nicht einmal mehr die Hälfte der im Jahre 1849 gezählten; Sie Bierproduktion ist aber feineswegs auf die Hälfte gefallen, sie hat sich in dieser Zeit fast vervierfacht. Ja, im Jahre 1887 proSuzirten zwei Brauereien, die von Klein- Schwechat und St. Mary, schaften verbotenen Lokale. 1. Salzwedel, Klosterstr. 83. 2. Quardt, Weberstr. 22. 3. Schülf, Adalbertstr. 23. 4. Perkulin, Köpniderstr. 195. 5. Stubath, Prinzenſtr. 85. 6. Knöth, Hollmannstr. 2. 7. Ziofa, Gitschinerstr. 73. 8. Muchow, Hasenhaide 35 a. 9. Lindenborn, Gneisenaustr. 17. Wähler. Die dritte Abtheilung wählt zuerst, um 9 Uhr Morgens. Alle eingeschriebenen Wähler werden vom Wahlvorstand aufgerufen und die Erschienenen geben am Vorstandstische münd= lich die Namen der Wahlmänner zu Protokoll, welche sie wählen wollen. Ist eine Stichwahl nothwendig, so wird diese sofort voll. Wahllokal verlassen, als bis die Wahl in seiner Abtheilung definitiv vollzogen ist. Unmittelbar nach der dritten Abtheilung wählt die zweite und zuleßt die erste. Da richt vorauszusehen ist, wieviel Zeit die Wahl in einer Abtheilung in Anspruch nimmt, müssen alle Wähler, auch die der zweiten und ersten Abtheilung, schon beim Beginn der Wahlhandlung im Wahllokal anwesend sein. Im Allgemeinen haben also nur Tagediebe Zeit, eine derartige Wahl mitzumachen. Verschiedene Vereinsberichte mußten wegen Naummangels zurückbleiben. Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: I. Posekel, Berlin S, O., Dranienstraße 23. S.