Nr. 233. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements= Prets pränum.: Vierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg., Sonntags Nummer mit illuftrirter Sonntags- Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mr. pro Quartal. Unter Kreuzband für Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. nadiaft and Vorwärts 18. Jahrg. 8nfertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Betttzelle oder beren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: Bmt I, nr. 1508. Telegramm Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Eine neue Sozialreform in Bicht. Sonntag, den 4. Oktober 1896. werden." H Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Erleichterung der Fideikommißbildung ta um empfohlen! fibgrenze, die eine Fideikommißbildung gestattet, würde nicht nur einem Haufen minderbegüterter Landjunker zur Bes Also taum eine durchgehende Erleichterung"! Diese gründung eines festen Hausgutes Anlaß geben, sondern offfziöse Bortfügung erinnert lebhaft an jenes junge auch eine Anzahl von Kommerzienräthen ermuthigen, diese Die Agrarier bei guter Laune zu erhalten, ohne ihnen Mädchen, das auf die Frage, ob sie schon einmal einen bequeme Brücke zum Barontitel zu betreten. bie st aatlichen Echeunen und Futterkrippen völlig zu über Kuß erhalten habe, verschämt erwiderte: Kaum jemals!" liefern, ist eine der wesentlichsten Aufgaben, die sich das Es müssen doch recht harmlose und genügfame Leute sein, Ministerium Hohenlohe angelegen sein läßt. Dennoch die einem solchen offigiösen kaum eine beschwichtigende fühlt sich die Mehrheit der Minister in ihrem Gewissen Rraft beimeſſen. Build gebunden, dem Antrag Kanit ihre Zustimmung zu ver- Wir können nicht ohne Genugthuung diesen ganzen weigern. Ob nicht Herr Miquel, der Anwalt der Agrarier Vorgang registriren, weil sich in ihm wieder einmal abim Ministerium, stillverschwiegen den Keim zu einem fanit fpiegelt, wie denn eigentlich die für Deutschland erstrebensartigen Gelegentwurf in seinem wandlungsfähigen Herzen werthe Sozialreform" sich in den Köpfen vieler hervor hegt, läßt sich weder bestreiten, noch behaupten. Jedenfalls ragender Staatslenker darstellt. muß man mit der Wiöglichkeit rechnen, daß er eines schönen Tages ben preußischen Steuerzahler mit einem voll ausgereiften agrarischen Umsturzplan überrascht. 00 = Der auf diese Weise dauerud fendalisirte Grund und Boden ist aber feineswegs geringfügig in Preußen. Die Fideikonimisse hatten auch ohne die geplante Miquel'sche Erleichterung während der letzten Jahrzehnte bereits bes trächtlich zugenommen. In den fieben östlichen Provinzen Preußens giebt es 154 Latifundienbefizer, die über 1761 Güter und 1637 963 Hektar verfügen. 1014 dieser Güter sind Fideikommißbesig. 65 Fideikommißherren besitzen 956 Güter mit 5 857 034 M. Grundstener Reinertrag. 24 dieser Besizer nennen 610 Güter ihr eigen mit einem Durch die Fideikommißbildung wird ein Gut oder ein Grundsteuer Reinertrage von 3 269 554 M. Unter den Güterfomplex auf unabsehbare Zeit der freien Verfügung gräflichen Fideikommißherren find 53 mit mehr als 5000, des Besizers entzogen. Der Befizer kann weder bei seinen 21 mit mehr als 10 000 Hektar Landes. Unter diesen 21 Zunächst sorgt er indeß dafür, daß durch allerhand Lebenszeiten den gesammten Fideikommiß Besiz oder kommen auf den einzelnen im Durchschnitt fast 30 Güter. Kleinere Geschenke die nothleidenden Großgrundbefizer unter Theile desselben veräußern, noch testamentarisch über dessen von 150 000 M. Grundsteuer Reinertrag. Nach einer im ihren geflickten Strohdächern bei einigermaßen erträglicher Vererbung nach seinem Tode irgendwelche Verfügung treffen. vorigen Jahre veröffentlichten Statistik find in Preußen Laune erhalten werden. Und das letzte Mittelchen, zu dem Das Fideikommiß- Gut geht als Ganzes nach dem Tode des 1835 621 Heftar mit 22 661 965 M. Grundsteuer- Reinertrag er da gegriffen hat, ist äußerst charakteristisch für das Erblaffers an dessen ältesten Sohn oder den sonstigen in Fideikommisse gebunden. In einzelnen Provinzen erreicht wahre Wesen des Agrarierthums. Professor Max Weber nächstberechtigten Erben zum Nießbrauch über, und so fort der Fideikommißbesiz 11,99 v. H. des Flächeninhalts. Es aus Freiburg hat in der Gesellschaft für internationale von Generation zu Genevation. Es hat also für das Ge- liegt auf der Hand, daß der schwerste Nachtheil aus diesem Rechtswissenschaft und Volkswirthschaft die Mittheilung meinwesen den ganzen Nachtheil eines Besitzes der todten Zustande, den kleinen Landwirthen erwächst, denen er die gemacht, daß die preußische Regierung einen Gesezentwurf Hand ohne dessen mögliche Vortheile, daß die Jahres- Wöglichkeit erschwert, durch Ankauf kleiner Landstücke sich plane, burch den die Mindeſtgrenze für die Errichtung erträge ganz oder theilweise gemeinnügigen Zwecken zu gute eine eigene bäuerliche Wirthschaft zu gründen, während von Fibeikommissen herabgesetzt und somit die Bildung kommen. obendrein zur Arrondirung der Fideikommißgüter ständig biefer unzertheilbaren Latifundien erleichtert werden soll. Herr Miquel wurde dann von anderer Seite direkt als Zweck der Erhaltung und Erweiterung dieser Einrichtung Bauernhöfe angekauft und so dem freien Verkehr entzogen Bater dieses neuesten Volksbeglückungsplanes genannt. Das ist, auf fünstlich em Wege in einer Anzahl adliger Familien werden. Durch ein derartiges Bauernlegen" hat einer unverhohlene Staunen, dem diefe Mittheilung in den nicht einen gefchloffenen Großgrundbesitz zu erhalten. Nur die der jüngsten Fideikommißbesitzer, der Fürst Bismard, Herzog agrarischen Schichten der Gesellschaft begegnete, hat einen Familienhäupter selbst und ihre direkten Erben werden da- von Lauenburg, die Fideikommißgüter arrondirt, die ihm ber üblichen öffigiösen Beschwichtigungsartitel in bder Post" durch begünstigt; nicht einmal die nachgeborenen Söhne durch Dotationen aus öffentlichen Mitteln in die Finger hervorgerufen. Es wird darin weitläufig erzählt, daß der und Töchter haben Anlaß, das Fideikommiß zu fegnen. gekommen waren. Dieser hervorragende Bauernleger und FideikommißBlan zur Erleichterung der Fideikommißbildung einer Es ist ein Ueberreft des Feudalsystems innerhalb der Resolution des Herrenhauses sein Dasein verdanke und dem tapitalistischen Wirthschaftsordnung. Es muß seinem gründer ist aber der angesehenfte Schutzpatron jener agra Finanzminister zur Begutachtung vorgelegen habe. Herr ganzen Wesen nach auf erbitterte Gegnerschaft stoßen bei rischen Bewegung, die den Schutz der Bauern auf den Miquel habe teine Einwendung dagegen gemacht. den Vertretern der fapitalistischen Wirthschaftsordnung, Lippen trägt. Der Sozialdemokratie könnte die Verwirklichung der Nunmehr unterliege er der Prüfung des Ministeriums die darauf drängt, auch den Grund und Boden als Waare für Landwirthschaft. Dieses habe eine Erhebung über die in ungehinderten Verkehr des des Kapitalmarktes Miquel'schen Pläne nur willkommen fein, denn Thatsachen denen die haben eine eigene aufklärende Kraft; auch der Bauer ent Fideikommißgüter veranlaßt. Lägen die Ergebnisse dieser hineinzuziehen. Nur die Großkapitalisten, Der Glaube an den Erhebung vor, dann würde das Ministerium zu einem Möglichkeit, Fideikommiffe zu errichten, Gelegenheit giebt, zieht sich ihrem Einfluß nicht. endgiltigen Beschluß tommen. Somit ist alles im schönsten sich mit dem erborgten Schimmer eines feudalen Grand- Kapitalismus ist bei ihm bereits start erschüttert. Es ist Gauge. Der Offiziosus hängt dann seinen Mittheilungen feigneurs zu schmücken, sehen diese Institution mit sehr dankenswerth, daß Herr Miquel sich daran macht, dem nur den folgenden sanften Beschwichtigungssah an: günstigen Augen an. Können sie sich doch mit der Hoff- Bauer auch die Schädlichkeit des Feudalismus, die der Soweit wir die Auffassung der Dinge im Landwirthschafts- nung schmeicheln, daß die Abelstitel bald der Errichtung Bauer fast schon vergessen hat über seine Tagessorgen, aufs Minifterium zu fennen glauben, dürfte eine durchgehende eines Fideikommisses nachfolgen. Die Herabseßung der Beneue zu Gemüthe zu führen. 88] Rienzt. Der letzte der römischen Voltstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. Biertes Rapitel. den entgegen, nicht allein aus selbstsüchtigen Motiven, sondern sie keine Vorwürfe; jeder hatte gehandelt, wie es seine infolge düsterer Ahnungen für ihren Bruder. In Adrian Stellung gebot. Sie war das unglückliche Opfer jener Er di Castell, der zugleich ein Patrizier und ein Volksfreund eignisse und des Schicksals. Sie war wie erstarrt durch war, hatte jede Partei einen Vermittler gefunden, und das Unglück, welches sie betroffen hatte; sie weinte und seine Abwesenheit wurde täglich fühlbarer, bis end- tlagte nicht; fie beugte sich dem Sturme, der über ihr lich die Verschwörung der Barone ausgebrochen war. wüthete, und er ging vorüber. Während zweier Tage nahin Das unsichere Fundament des Gebäudes. Seit jener Stunde wagte sie es kaum noch zu hoffen; ihr sie keine Nahrung zu sich, und auch der Schlaf floh sie; sie Die schnelle und sich drängende Folge der Staats- ruhiger Sinn fühlte, daß eine verhängnißvolle Entschloß sich ein und verlangte nur als einzige Gunst, daß ereignisse hat uns längere Zeit von der Schwester des Tri- scheidung herannahe; und in allen Ereignissen, die sich jetzt man sie allein lasse, aber am dritten Morgen erholte sie sich wie bunen und der Verlobten Adrian's entfernt. Auch sind die drängten, konnte sie nur zwei Gedanken festhalten: die durch ein Wunder, denn am dritten Morgen wurde ein füßen Gedanken und schwärmerischen Träume jenes schönen Gefahr für ihren Bruder und die Trennung von ihrem Brief folgenden Inhalts abgegeben: ob " Frene, die Ursache meines tiefen Schmerzes ist Dir und so innig liebenden Mädchens, obgleich fie für sie selbst Verlobten. von einem Interesse waren, das über alle Stürme und Nur Nina fonnte sie ganz ihr Herz eröffnen, denn schon bekannt geworden, Du wirst es mit mir fühlen, daß Gefahren des Ehrgeizes erhaben war, doch nicht ausführ- Nina war, trotz der Verschiedenheit ihrer Charaktere, ein für einen Colonna Rom länger teine Heimath, noch der lich für die Mittheilung geeignet, ihre sanfte Gleichförmig- Weib, welches liebte, und dieses vereinigte sie und ließ sie Tribun Roms nicht Bruder sein kann. Indem ich diese feit tann mit wenigen Worten geschildert werden. Sie einander verstehen. In der ersten Zeit des Emporkommens Worte schreibe, ist es nur die Ehre, die mich noch aufrecht tannte nur ein Bild; sie strebte nur nach einem Ziele. Von Rienzi's hatten sie manche ihrer glücklichsten Stunden mit erhält. Alle meine Hoffnungen und Aussichten, alle die dem Glanze des Hofes ihres Bruders sich zurückziehend, einander zugebracht, entfernt von dem Treiben der Liebe, die ich zu Dir fühlte und noch fühle, werden zurücks und, wenn sie gezwungen wurde, dort zu erscheinen, durch Menge, allein und ungestört in dem Mondschein der gedrängt in mein Herz, und ich empfinde nur das Gefühl, die Gegenwart Nina's in Schatten gestellt, schien ihr das Sommernächte auf den Balkonen sigend und ihre Ge- daß ich unglücklich bin. Frene! Frene! Dein holdes Treiben der Menge und die sie umgebende Bracht ein un- danken, jene Sympathien und jenen Trost austauschend, Antlitz zeigt sich meiner Phantasie, und in diesen geliebten wahres Gaufelspiel, von dem sie sich zu der Wahrheit welche für zwei gefühlvolle und unschuldige weibliche Augen lese ich, daß Du mir verzeihst, daß Du mich verstehst, des Lebens, zu den Hoffnungen und süßen Träumereien Wesen einen so entzückenden Reiz haben. Aber seit einiger und daß, so sehr Du, wie ich weiß, mich liebst, Du lieber ihres Herzens zurüdzog. Das arme Mädchen! Zeit war dieser Umgang unterbrochen worden. Seit dem mich verloren geben, lieber wünschen würdest, daß ich mit Trog aller ihrer Zuneigung für Rienzi fonnte sie eine Morgen, an dem die Barone begnadigt worden waren, meinen Verwandten im Grabe läge, als wissen, daß ich gemisse Befangenheit in seiner Gesellschaft nicht überwinden, bis zu jenem, an dem sie gegen Rom vorrückten, hatten sich meinem Stande zum Vorwurf und meinem Stamme zur welche, vereint mit dem Unterschiede des Geschlechtes und die aufregenden Ereignisse zu sehr gedrängt. Jedes Ge- Schande lebe. Ach! weshalb war ich ein Colonna? Wesdes Alters, fie verhinderte, über den Gegenstand, der am ficht, das Frene sah, hatte einen düsteren und unruhigen halb machte mich das Schicksal zum Patrizier und die meisten ihr Herz erfüllte, sich ihm vertraulich zu eröffnen. Ausdruck, aller gesellige Frohsinn war verschwunden, ge- Umstände und Verhältnisse zum Feinde des Volkes? Ich Da die Abwesenheit Adrian's an dem neapolitanischen schäftige Räthe oder bewaffnete Krieger waren seit einigen bin gleichmäßig ausgeschlossen von der Liebe und von der Hofe länger dauerte, als es anfangs bestimmt worden war Tagen der einzige Besuch im Palaste gewesen. Rienzi ließ Rache; alle meine Nache würde auf Dich und auf mich ( denn an teinem Hofe bedurfte der Tribun eines ge- sich nur auf kurze Augenblicke mit düsterer Stirne sehen. zurückfallen. Angebetete! Wir sind vielleicht getrennt für wandteren und einfichtigeren Repräsentanten, und Intriguen Nina war zärtlicher gegen ihn, als jemals, aber ihr Be- immer; aber bei allem Glücke, das ich durch. Deinen Umund Gegenintriguen verzögerten seine Abreise von Woche nehmen trug mehr den Charakter des Mitleids, welches gang genoffen habe, bei aller Seligkeit, von der ich träumte, zu Woche) so wurde sie beunruhigt und ängstlich. Wie unglückliche Ereignisse voraussieht. Wenn sie versuchte, ihn bei jener entzückenden Stunde, in der Liebe zu Dir zuerst schon so oft mancher ungemerkte und nicht mithandelnde zu trösten, so erwiderte er in abgebrochenen Worten, und mein Herz erfüllte, als ich Deinen milden Geist in Deinen Zuschauer der Szene, sah auch sie richtiger die nächste Frene war schon durch die Ahnungen ihres eigenen Herzens Augen und auf Deinen Lippen zurückkehren sah, bei dem Zukunft voraus, als der tiefere Geist des Tribunen auf das, was da fommen würde, vorbereitet. Ihr Bruder ersten erröthenden Geständniß der Liebe, bei unserm ersten oder Nina's; und die gefährliche Unzufriedenheit der Patrizier siegte, feine Feinde waren überwältigt, Rom war frei, Kuß, bei unserm letzten Lebewohl schwöre ich, Dir ewig treu wurde ihr in Blicken und im Geflüster sichtbar und hörbar, aber das stattliche Haus der Colonna hatte seine festesten zu bleiben! Reine andere soll jemals Dein Bild aus meinem welche selbst schärfere und mißtrauische Augen und Ohren Säulen eingebüßt und Adrian hatte sich für immer ent- Herzen verbannen! Und jetzt, da die Hoffnung verschwunden nicht erreichten. Sorgenvoll sah sie der Rückkehr Adrian's fernt! Sie tabelte ihn nicht; auch ihrem Bruder machte ist, wird die Treue doppelt geheiligt und Du, meine füße Volikifche Mebevflrfzk. Berlin, 3. Oktober. �egen die Slachzizen- Wirthschaft in Galizien wettm die„Boss. Ztg.*, und um zu zeigen, wie es dort getrieben wird, nimmt das Blatt Notiz von einer Zuschrift, die ihm aus Lemberg von der Redaktion der„Przyjaciel Äidu* zugeht und die sich über den„Ausnahniezuftand in Galizien ausläßt. Es werden darin amtliche Dokumente mitgetheilt, in denen Abgeordneten die Berichterstattung über ihre Thätigkeit verboten wurde. Viermal geschah dies dem Abgeordneten Wojcik; der Abgeordnete Nowakowski wurde gar vom Kommissar der Przemysler Bezirks- Hauptn, aunschaft, Mirski, verhaftet und nach Przemysl ge- schafft. Warum? Nur um die Erörterung vorhandener Uebelstände, welche die polnischen Bauern auch spüren und über die ihnen das Nalionalgefühl, das den Herren nur Vortheile bringt, nicht hinweghelsen kann, zu verhindern." Die Sympathie für die polnischen Bauern bei der Taute Voß in allen Ehren. Aber wie wäre es denn, wenn sie über derartige polnische Vorgänge die ganz gleichartigen Zustände in Deutschland nicht ver- gäße. Wir erinnern da nur an die Versammlungsverbote in den Reichslandcn, wodurch es den Abgeordneten Bebel und Bueb unmöglich gemacht wird, ihren Wählern Rechenschaft abzulegen. Aber auch außerhalb des Bereichs der Herrschaft'des Diktatur> Paragraphen herrschen dieselben Gepflogenheiten. So wurden dem Ver- treter des 22. sächsischen Wahlkreises, Genossen Hosmann, in fast allen Orten seines Kreises die Versammlungen ver- boten, in denen er Bericht erstatten wollte, und das letzke Verbot einer Bebel- Versammlung in Meerane ist doch so ungeheuerlich, daß es mit der Polen- ivirthschaft in Galizien sicher den Vergleich aushält. Diese Vorgänge innerhalb der Reichsgrenzen werden nun kaum registrirt, sicher aber hat unsere liberale Presse— ganz vereinzelte Ausnahmen abgerechnet— kein Wort der Kritik dafür. Ueber die Drangsalirung der polnischen und ruthe- nischen Bauern dagegen flammt die ganze sittliche Ent- riistung des„liberalen Gewissens* auf. Elende Heuchelei, nichts weiter.— ZukunstS- und Gegenwartspolitik. Sechs Tage hat der Vater des ZukunftSstaatS gebraucht, um sich von dem Eindruck unserer Gegenwartssiege zu Gotha zu erholen. Nun— er h a t sich erholt; und wie? Die Sozialdemokraten haben gar nicht gesiegt. Wir haben zwar 8 Wahlkreise erobert, aber das ver- danke» wir den Ideen des Zukunststaats-Vaters, die wir ihm schnöde gestohlen und statt unserer eigenen im Wahlkampf ver« treten haben. Und so ist's also in Wahrheit der Dichter der Zukunftsbilder, der gesiegt hat— gesiegt über die Sozialdemo- kratie! Das ist kein Scherz. Die Wirklichkeit und Gegenwart ist für den Dichter der Zukunftsbilder ein mit sieben Siegeln verschlossenes Räthsel. Er begreift sie nicht. Unsere Ge- Nossen sollen kein sozialdemokratisches Wahlprogramm gehabt haben! Wir haben es zu Beginn der Wahlmännerwahlen ver- öffentlicht: nie ist das sozialdemokratische Programm reiner und vollständiger in einem Wahlprogramm zum Ausdruck gekommen. Der Dichter der Zukunftsbilder ist offenbar noch nichl in der Verfassung, Gegenwartsbilder zu verstehen. Er schließt seinen heutigen Triumph-, Leid- und Wehe- Artikel mit den resignirten Worten: Eine nachhaltige und erfolgreiche Bekämpfung der Sozial- demokratie ist für die Dauer nur möglich durch ein entschieden liberales Regiment. In den Kleinstaaten nun gar ist eine Regierung entgegengesetzter Richtung erst recht unhaltbar und kann dort, wie es jetzt im Herzogthuin Gotha schon nahe liegt, sozialdemokratische Mehrheiten des Landtages herbei- führen." Gut! Wir warten auf die„erfolgreiche Bekämpfung" unserer Partei und marschiren inzwischen lustig vorwärts!— William Morris ist, wie uns eine Privatdepesche auS London meldet, heute gestorben. In ihm verliert die englische Sozialdemokratie eine ihrer sympathischsten Gestalten, einen ihrer angesehensten Vertreter, einen stets opferbereiten, begeisterten Genoffen. Als Dichter, Uebersetzcr, Maler, Künstler und Miturheber der glänzenden Entwickelung des englischen Kunstgewerbes unserer Zeit, genoß er auch einen Liebe, wirst Du Dich meiner nicht auch erinnern? Wirst Du nicht das Gefühl in Dir nähren, als seien wir die Verlobten deS Himmels? In den Legenden deS Nordens finden wir die Geschichte eines RitterS, der auS dem heiligen Lande zurückgekehrt, feine Geliebte(die ihn todt glaubte) als die Braut des Himmels wiederfand, und er baute eine Einsiedelei neben ihrem Kloster, und obgleich sie sich nie wiedersahen, blieben ihre Herzen einander treu bis zum Tode. Ebenso, Irene, laß uns gegen einander sein, todt für alles andere, verlobt in unseren Herzen, um jenseits vereinigt zu werden! Und doch schimmert mir noch ein Hoffnungs- strahl. Die Laufbahn Deines Bruders, so glänzend sie ist, kann vielleicht nur die eines eben so schnell ver- schwindenden Meteors sein. Sollte seine Macht erschüttert, sollte seine Herrschaft gestürzt werden und Rom seinen Tribunen verleugnen; sollte Dein Bruder nicht mehr zu- gleich der Richter und Feind meines HauseS sein, solltest Du keine Freunde, keine Verwandte mehr haben, und allein in der Welt dastehen, dann kann ich Dich, ohne meine Ehre zu beflecken, ohne dem gehässigen Vorwurf mich auszusetzen, Macht und Glück aus Händen zu empfangen, an denen noch das Blut meines Geschlechts haftet, dann kann ich Dich als die Meinige zurückverlangen. Ich habe der Ehre nicht mehr zu gehorchen, wenn Dein Loos nicht mehr so glänzend ist, als zetzt. Ich wage es nicht, diesem Traum mich länger hinzugeben, vielleicht ist es eine Sünde für uns beide. Aber ich mußte Dir es zuflüstern, damit Du Deinen Adrian ganz kennen lernest, alle seine Schwächen und seine Kraft. Meine Geliebte, meine ewig Geliebte, jetzt noch inniger geliebt, da ich ohne Hoffnung lieben muß, lebe wohl! Mögen die Engel Dich behüten und mich vor Sünde bewahren, damit wir wenigstens dort uns wieder- finden!"(Fortsetzung folgt.) Die Uedeemaseen � Induptvie auf der Gewerbe � Ausstellung. Geht der Laie an den großen mit prächtigen Maaren aus- gestellten Schränken der Gruppe für Ledergalanterie-Waaren vor- über, so muß ihm unwillkürlich die Meinung kommen, daß die Ledergalanterie-Arbeit eines der schönsten Handwerke sei; und vielleicht hat sich manches Elternpaar bei Besichtigung dieser Ausstellung gelobt, seinen Sprößling in diesem Fache ausbilden zu lassen. Und wirklich, diese aus den feinsten Ledersorten hergestellten Portemonnaies, Brieftaschen, Zigarrenetuis, Schmuckkäften, Damen- laschen«. lenken das Auge des Besuchers aus sich. Mancher, ausgezeichneten Ruf in den Reihen der Gegner. Sein gastliches HauS war einer der ersten Sammelpunkte unserer Londoner Parteigenossen, er ist der Begründer der Socialist Ligue, die mit der Socialdemokratic Federation die ersten Organisationen der in den achtziger Jahren in England neu auftauchenden sozialistischen Be- wegung waren. Seine wichtigste sozialistische Schrift sind die 1883 in London unter dem Titel„Signs of change" erschie- nenen Vorlesungen. Den deutschen Parteigenossen ist er durch den 1692/93 in der„Neuen Zeit" erschienenen AuSzug seiner Utopie„Kunde von Nirgendwo" bekannt geworden. Noch vom Krankenbette sandte er dem internationalen Kongreß in London seine herzlichsten Grüße. 63 Vs Jahre alt, wurde er den englischen Genossen ent- rissen. Sie werden ihm ein dankbares Andenken bewahren. Schied doch mit ihm eine der hervorragenden Gestalten ihrer Bewegung aus dem Leben und aus dem Kreise der Kämpfer.— Chronik der MajestätSbeleidigungs Prozesse. DerStein- Hauer Wilhelm P f i st e r aus Germersheim wurde am 30. Sep- tember vo» der Mannheimer Strafkammer wegen Beleidigung des Kaisers zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Psister hatte am 19. Juli d. I. in der„Alten Sonne" an einem Tische, an dem zwei Grenadiere des Mannheimer Regiments und der Zigarren- mcrcher Hauser saßen, das badische und preußische Militär heruntergesetzt und die Bayern gelobt. In einer Gedanken- assoziation hatte er schließlich eine Aeußerung über den Kaiser gebraucht, die Hauser sofort einem im Lokal anwesenden Gendarmen hinterbrachte. Psister war so betrunken, daß er bei der Ver- nehmung durch den Gendarmen zweimal auf diesen hinschwankte. Trotzdem hielt ihn das Gericht noch für zurechnungsfähig und erkannte auf die erwähnte Strafe. *• Deutsches Reich. — Aus dem Reiche des Zopfes. Eine Kor- respondenz schreibt: Die Erlasse deS Ministers des Innern und des Finanzministers, wonach daS Schreibwerk im amt- lichen Verkehr eingeschränkt und alle überflüssige Titulatur beseitigt werden soll, scheinen in einzelnen anderen Ressorts der Etaatsregiernng nicht den Beifall zu finden, de» man wohl hätte erwarten dürfen. Namentlich die Ungleichheit in der Behandlung der Titulatur(Hochwohlgeboren ic.) bei Adligen und Nichtadligen, wie sie nothwendigerweise die Folge jener Erlasse sein muß, nach denen die bürgerlichen Beamten die Titulatur„Hochwohlgeboren" ver- lieren, der adlige sie aber und zwar als solcher behalten wird. hat vielfach in den belheiligten Kreisen Bedenke» erregt. Man verlangt entweder prinzipiell die Abschaffung der bekannten, bisher üblichen Znsätze zum Amtstitel, oder gleichmäßige Bei- beHaltung für alle. Wie wir hören, dürfte das Staatsministerium schon in kurzer Zeit zu dieser Frage Stellung nehmen. Allem Anschein nach werden die Gegner der oben erwähnten Erlasse mit ihrer Ansicht, eS wenigstens bezüglich der Titulaturen einst- weilen beim alten zu belassen, durchdringen, wenn nicht auch bezüglich der Titulatur von Geistlichen, Offizieren und Hof- bcaniten die gleichen Erlasse, wie jetzt für die genannten RessortS, zugestanden werden.— — Pfandrecht der Bau Handwerker. Wie wir hören, sind die Vorarbeiten für einen Gesetzentwurf, betreffend das Pfandrecht der Bauhandwerker, im Reichs- Justizamt soweit gefördert, daß es nicht ausgeschlossen ist, daß er dem Reichstag in» Anfang seiner Session unterbreitet werden kann.— — Der nationalliberale Parteitag hat heute hinter wohlverschlosienen Thülen feine Verhandlungen begonnen. Die„Nat.-Ztg." schweigt über den ersten Verhandlungstag voll- kommen, das deutet auf böse Auseinandersetzungen und jeden- falls auf Siege der agrarischen Richtung hin. Gestern fand eine Begrüßung der Kongreßtheilnehmer durch den nationalliberalen Rechtsanwalt und Landtags- Abgeordneten Dr. Krause statt. Wie niedrig gestimmt die Hoffnungen dieses Red- ners selbst bei dieser festlichen Gelegenheit waren, gehl aus seiner Begrüßungsrede hervor. Dieselbe begann mit folgendem Satze: „Die ernste Arbeit ist es, die uns zusammengeführt, ich nehme an, daß sie zu einem gedeihlichen Ende ?ebracht wird und wir zu einer Einigung ommen werden, obgleich die Gegenfähe sehr stark sind; doch snaviter in modo." Die„Rhein.- Wests. Ztg." bringt in auffälligem Druck fol- gende Mittheilung: der von der überaus elenden Lage der Verfertiger dieser schönen Sachen gehört hat, von den schlechten Löhnen, der langen Arbeitszeit, von der täglich zunehmenden Hausindustrie mit allem ihrem Elend, wird nicht zu begreisen vermögen, daß auch diese Waaren unter Hunger und Kummer verfertigt sind; er wird, wenn er diese Ausstellung als ein Spiegelbild der Leder- waaren-Jnduftrie im allgemeinen ansteht, den Niedergang dieses Industriezweiges für ein Märchen halten. Aber nicht nur der Laie, auch der Fachmann ist erstaunt. Er glaubt geträumt zu haben, reibt sich die Augen und sieht dann, daß er wirklich in der Ausstellung ist. Sein Fabrikant. dessen beste Artikel etwa den Arbeitslohn von 30—40 M. per Groß erreichen, paradirt hier mit Waaren, welche die Fabriken der übergroßen Mehrzahl der Aussteller seit dem Bestehen ihres Geschäfts noch nie passirt haben. Fabrikanten, deren Haupt- bezugsquellen Strafanstalten sind, oder die mindestens alle erdenklichen ordinären Waaren in der Hausindustrie herstellen lassen, haben einen Lohnarbeiter wochenlang hingesetzt, der ihnen einige saubere Stücke anfertigt, um so durch die Ausstellung de» Ruf ihres Geschäfts, wenigstens in den Augen des größten TheileS der Ausstellungsbesucher zu erhöhen. Dem Fachmann überkommt ein wehmüthiges Lächeln, wenn er dieser Täuschung ansichtig wird und dann bedenkt, wie eS in Wirklichkeit mit dem Industriezweige bestellt ist. Wer glaubt, hier eine Wiedergabe der in diesem Industrie- zweige hergestellten Artikel zu finden, befindet sich in einem be- denklichen Jrrthum. Nur einige Fabrikanten haben, wenn auch völlig versteckt, die Höhe deS Berliner Marktes nicht ganz verleugnet. Als Ver- treter der Berliner Fabrikation, die m der Güte der Waaren durchschnittlich weit hinter der Offenbacher und namentlich der Wiener Industrie, jener drei Plätze, die für die Lederwaaren- Industrie hauptsächlich in betracht kommen, zurückstcht, wären hier vernehmlich zu nennen: Brenner, Grell. Adam und Rosen- Hain. Letzterer wollte getreu nach dem Prinzip„Die Masse muß eS bringen", auch auf der Ausstellung wirken, denn er Hat ein paar Kiepen voll Lederwaaren in dem großen Schranke auS- geschüttet, Waaren, die meist recht zweifelhaften Kalibers sind. Auch Stresemann und Eichherg, welch letzterer sonst den Ruf eincS besseren Fabrikanten genießt, könnten nach den Ausstellungs- Produkten zu den Massenfabrikanten gerechnet werden. Leider hat Adam'vergessen, die Maschinen auszustellen, die er bereits seit längerer Zeit namentlich für die Tresorsabrikation eingeführt hat. Er ist der einzige Fabrikant, welcher den sehr gewagten Versuch gemacht hat, Maschinen in größerem Maße einzuführen; solange Hände billiger sind als Maschineukrast, wird es mit der Einführung der letzteren noch gute Weile haben. Adam ist eS gelungen— mit welchem Erfolg mag ja dahingestellt sein— diese billigen Hände der HauSindustriellen mit ihren Lehrlingen durch Einführung von Maschinen und von Mädchenarbeit zu übertrumpfen. Es sind dort Einrichtungen getroffen, daß Mädchen Porte-Tresore voll- ständig fertigstellen können; allerdings kommen dabei Arbeiten vor, die der weiblichen Körperkonftitution durchaus nicht ent» „Die Ansichten für den nationalliberalen Delegirtentag haben sich inzwischen schon soweit geklärt, daß die an die Partei seitens einer Gruppe gestellte Zumuthung, nach links abzuschiveukeu. mit übergroßer Mehrheit abgelehnt wird. Ebenso haben die vorliegenden Anträge, bestimmte wirthschaft- liche Richtungen, z. B. Anhänger der wirthschaft- lichen Vereinigung und der Doppelwährung oder bestimmte Personen aus derfPartei auszuschließen, keine Aussicht auf Erfolg. Gefordert wird von allen Seiten größere Geschlossenheit auch in wirthschaftlichen Fragen; diese Ansicht wird zum Ausdruck gebracht werden. Es ist Sorge getragen, daß ausgesprochen und kein Zweifel ge- lassen wird, daß sich diese Geschlossenheit ebenso sehr nach links wie nach rechts richten soll. Ein eingehendes wirthschastliches Programm wird nicht vereinbart werden." Die„Nat-Ztg." veröffentlicht die im wesentlichen schon be- kannten und von uns veröffentlichten Resolutionen des national- liberalen Zentralvorstandes. Bemerkenswerth ist ein Amendement, das von einer kleinen Gruppe angesehener National- liberaler gestellt wird. Dasselbe lautet: „Die nationalliberale Partei wird auf wirthschaftlichem Gebiete ihren.Charakter als Mittclpartei bewahren. Sie muß jedoch Forderungen zurückweisen, welche in einseitiger Berücksichtigung der Interessen eines Be- r u f s st a n d e s andere Bernfestände zu schädigen oder die Grundlagen unseres Erwerbslebens und der staatlichen Ord- nung umzustoßen geeignet sind. Sie verwirft den An- trag K a» i tz und jeden anderen Versuch, die Versorgung der Bevölkerung mit nothwendigen Lebensniitteln monopolistisch zu gestalten; sie weist das Bestreben zurück, an die Stelle der Handelsvertrags-Politik ein System des Zollkrieges zu setzen; sie verlangt die Zl ufrechterhaltung der gesetz- tich be st ehe n den deutschen Währungs-Ord- nung; sie erklärt sich gegen jede Gesetzgebung, welche bestehende Formen redlichen Geschäftsverkehrs zerstört oder den Verwaltungsbehörden die Vollmacht zu derartigen Eingriffen ertheilt; sie fordert die Ablehnung des preußischen Antrages auf Handwerks-Organi- sation und jedes andern, auf Wiederherstellung des Zunft- zwanges gerichteten Vorschlages. Derartigen Bestrebungen entgegenzutreten, erachtet die nationalliberale Partei für ihr« wie für die Pflicht einer das Staatswohl allein zur Norm nehmenden Regierung.— — Nationalliberales Geständniß. In einem Artikel der„Köln. Ztg." zum nationalliberalen Parteitag findet sich folgendes interessante Geständniß:„Ein Fortschritt zum besseren wird es schon sein, wenn ans dem Delegirtentag der schrille Ruf nach einer Umsturzvorlage nicht e r- tönt. Manches nationalliberale Haupt hat sich seinerzeit schweigend verhüllt, als am Main unter dem Jubel der In- triganten, Bimewllisten und Agrarier das große Umstnrzgeschrei gegen den Grafen Caprivi erscholl.„Vsssixia lerrent!" Au der Spitze der Rufer stand damals Dr. Böttcher, der heute noch die „Nationallib. Korresp." redigirt, seinen Reichstagssitz in Waldeck inzwischen aber verloren hat.— — Zur Brandenburger Nachwahl schreibt die „Brandenburger Ztg." Welche Verachtung der Eugen Richter'sche Freisinn, welcher für Herrn Karl Blcll in unserm Wahlkreise die Agitation führt, selbst in freisinnigen Kreisen genießt, beweist die Thatsache, daß Herr Vollralh, der Chefredakteur der„Berl. Volksztg.", es abgelehnt hat, die Kandidatur in Potsdam-Osthavelland nochmals zu über- nehmen. Herr Vollralh ist freisinnig genug, zu erklären, daß er sich darüber geärgert habe, daß im Jahre 1893 sogenannte freisinnige Wähler in Potsdam-Osthavelland es fertig brachten, lieber für den erzreaktionären Pastor Schall als für den Sozialdeiiiokraten zu stimmen. Das von Herrn Vollrath verschmähte Mandat nimnit Dr. Wiemer, als Redakteur der„Freisinnigen Zeitung", Richter's echt Richter'sche Kouleur, auf, um sich natürlich ein« viel kläglichere Niederlage zu holen." Nun kann Engen Richter auch einige Breitseiten gegen Vollrath loslassen.— — Zur Illustration der Handhabung des Begnadigungsrechtes erzählt die„Voss. Ztg." folgenden Fall aus jüngster Zeit: Ein Junge von fünfzehn Jahren weilte an einem Sonntag auS Neugierde in einem Biergarten, wo eine fremde Gesellschaft Lärm verursach«, bis die Räumung des Gartens verlangt wird. Der junge Mensch hat sich an dem Lärm nicht betheiligt, er gehörte nicht zli jener Gesellschaft. Gleichwohl wurde er wegen gemeinschaftlichen Hansfriedeiisbruchs angeklagt. Die Staats- anwaltschaft beantragte feine Freisprechung; aber die Strafkammer sprach ihn schuldig und venirtheilte ihn zu einer sprechen. Einige dieser Sachen sind in dem Schranke zu sehen; schade, daß nicht die Lohnzettel der Arbeiterinnen mit ausliegen. Der Hang zu Neuheiten, nicht zuletzt hervorgerufen durch die Konkurrenz, schlägt die wunderlichsten Purzelbäume. Das in Gerbung und Farbe schlechteste Leder wird verarbeitet, un- bekümmert darum. daß es bricht und dadurch an den Kanten und Einschlägen so zackig wie eine Säge wird. Man sieht hier ferner Farbenzusammenstcllungen, die in ihrer schreienden Wechselwirkung sehr gut in der Kolonialausstellung den Austausch mit unseren schwarzen Brüdern in Ostafrika fördern wurden, die aber den ästhetischen Sin» des Deutschen verletzen müßten. Häufig erblicken wir. verarbeitet zu fast allen Artikeln, ein für uns neues, nicht besonders geschmackvolles Muster. In unregel- mäßiger Reihenfolge sind in Gold Fliegen aufgepreßt. Es ist die? ein altes. aus dem 17. Jahrhundert stammendes französisches Muster, das hier als Neuheit eingeführt werden soll. Neben Schwalbe erregt Matern durch saubere Arbeit die Aufmerksomkeil der Besucher, er ist vielseitig und hat auch einen vortheilhaften Platz. Auch Dehme! hat in lobens- werth einfacher und schlichter Weise vortreffliche Sachen aus- gestellt, die noch dadurch an Werth gewinnen, daß sie wirklich in gleicher Güte bei ihm zu einigermaßen anständigen Arbeitslöhnen fabrizirt werden. Aber diesem Unternehmer ist das Mißgeschick passirt, einen versteckten Platz zu haben. Die Aufmerksamkeit des Vorübergehenden wird selten ans den kleinen Schrank der genannten Firma gelenkt. S u n d e r s h a u s e n, der sich bei den Arbeitern gerade nicht allzu großer Beliebtheit erfreut, steht in einigen Sachen allen voran. Ein großer Toilettenspiegel zeigt einen aus Holz geschnitzten mit Leder sehr sauber überzogenen Rahmen, der sicher viel mühevolle Arbeit geniacdt hat. Eine Kassette mit Kupfersticheinlage ist von überaus geschmackvoller und sauberer Arbeit, dagegen sind ein paar Touristentaschen aus Aligatorleder mit Köpfen auf den Klappen absurd. Max Schulze glänzt in der Ausstellung gerade nicht durch seine sonst guten Arbeiten; die Firma wird entschieden durch Dietrich überlroffen. Eine vielleicht wenig beachtete, weil vom Laien nicht verstandene Aus- stellung ist die von zwei Firmen dem Besucher gezeigte gepunzte Arbeit. Der Unterschied zwischen gepreßter und gepnnzter Arbeit ist nicht für jedermann unter- scheidbar. Während die Preffung nur durch«ine Metall- platte bewirkt wird, ist die gepunzte Arbeit Handarbeit, geschnitzt, ähnlich wie Bildhauerei, denn mit Hammer und andere Werk- zeuge geschlagen. Es gehört dazu»atürlich eine große Hand- 'ertigkeit, die Arbeit ist hoch im Preise und wird nur vo» sehr wenigen Arbeitern hergestellt. Die bedeutendste Firma in diesem Fache, Hulde, Hamburg, ist nicht hervorragend vertreten, sie hat rchoii bessere Sache» verfertigt, als die hier ausgestellten. Die zweite Firma. Burda, hat namentlich Sessel ausgestellt, u. a. auch ein Sopba, das von weitem einen guten Eindruck macht. Wohl nur wenigen ermüdeten Ansstelliings-Besuchern wird es gelüstet haben, auf diesen Dingern Platz zu nehmen; die Leute liefen Gefahr, zu den müden Beiiieu auch noch Schwielen zu bekommen. GefSngnißstrasi. Da» Rechtsmittel an daZ Reichsgericht hatte keinen Ersolg. Infolge dessen wurde ein G»adeng?snch für den füuszehnjShrige» Menschen, dem ein glänzendes Leumundszengniß ausgestellt wurde, eingereicht und auch von dem Geistlichen angelegentlich befürwortet. Auch die Staatsanwaltschaft schloß sich dem Gnadengesuch an. Und dennoch wurde es zurück- gewiesen. Der junge Mensch hat die Gefängnißstrase verbüßt, die ihm sein Leben lang nun anhängt. Damit sei die Be- gnadignng von Beamten verglichen, die wehrlose Personen lnißyandelt und ihre Amtsgewalt schnöde mißbraucht haben.— — Zum Fall Gehlert schreibt die„Schleswig- Holsteinische Bolls-Zeitmig": Wir haben bereits konstatiren können, daß alle Angaben Vielhaben's über den„Fall Gehlert" direkt aus der Luft ge- griffen sind. Wir können unsere damaligen Ausführungen, die sich auf die Aussage» der Bekannten und Werkstattnachbarn des Gehlert stützten, heute durch ein weiteres Zeugniß ergänzen, und zwar durch kein geringeres, als das der Frau des Gehlert. Ein Freund unseres Blattes hat Frau Gebiert aufgesucht und die Angelegenheit mit ihr besprochen. Die Frau war, wie alle anderen Personen aus dem Kreise des Gehlert, auf das äußerste überrascht, als ihr der ihren Mann betreffende Paffus des Aielhaben'schen Zirkulars mitgetheilt wurde. N i e hat ihr Mann ein Wort der Klage über Neckereien, ge- schweige denn Mißhandlungen seitens poli- tischer Gegner zu Hause fallen lassen. Sie . glaubt auf das bestimmteste versichern zu können, daß ihr Mann auch nie persönlich, sei es in Briefen oder in mündlicher Be sprechung mit dem Abgeordneten Vielhaben in Verbindung ge- trete» sei. Ist er doch schon über drei Monate abwesend! Sein dreimonatlicher Urlaub sei am IS. September abgelaufen geivesen, doch habe ihm die Werftdirektion freigestellt, zu bleiben, so lange er wolle, er könne jederzeit wieder bei der Werft eintreten. Im übrigen bestätigt sie unsere Angaben über den Zweck der Ab- Wesenheit Gehlert's. Er fände auf Montage einen höheren Ver- dienst als auf der Werst und sei schon öfters des SominerS aus' wärt? gewesen. Außerdem aber sei ihr Mann außerordentlich »ervös, so daß die Veränderung auch aus gesundheitliche» Gründen vom Arzt empfohlen worden fei. Oft sei Gehlert sebr aufgeregt von der Arbeit nach Hause gekommen und habe ge> schrieen:„Es ist nicht mehr zum Aushalten!" Befragt, erklärte er, sein Meister chikanire ihn und sei ihm aufsässig, weil er bei jener Pfeifenkopf-Affäre nicht den Instanzenweg eingehalten, viel- mehr sich direkt an den Oberwerftdirektor gewandt habe. Soweit die Frau. Wir denken, ihre Aussage» genügen vollständig, unsere ersten Erkundigungen über den„Fall Gehlert" zu be- stätigen. wie sie auch vollständig genügen, die sensationellen Mitlheilnngen des antisemitischen Abgeordneten als völlig aus der Luft gegriffen zu charakteriflren — Kulturaufgaden leiden nicht! Bewahre! In Weigelsdorf, Kreis Reichenbach in Schlesien, muß aber eine Lehrkraft in der evangelischen Schule nicht weniger wie 11V Kinder unterrichten und in der katholischen Schule hat sich e i n Lehrer sogar mit 1SZ Kindern abzuplagen. Muß das eine feine„Ausbildung" werden!— — Zur oberschlefifchen Schweinrnoth schreibt die„Kattow. Ztg.": Das Schweinefleisch kostete auf dem Sonnabend' Wochenmarkte 60 Pfennig« pro Pfund, der Speck gar 70 Pf. Diese enorm hohen Preise sind die Folge der Be- schrankung der Einfuhr polnischer Schweine. Deutsche Schlacht fchweine werden nach dem Jndustriebezirk immer noch nicht ein- geführt, denn sie stellen sich trotz der Eisenbahn-Tarifermähigung »och immer 5- 6 M. pro Zentner theurer als die polnischen.— Nach Mittheilung einiger Fleischer soll es bei dem vor kurzem abgehaltenen Schweinemarkt in Bendzin mehr Fleischer alS Schweine gegeben haben. Die Preise für die wenigen Schweine stiegen um' tö M. pro Zentner lebend Gewicht. ES wurden für einen Zentner öv und öl M. gegen Sb und 36 M. von früher gezahlt. ver- Redakteurs der„Hamburger Nachrichten". P. Kuoll, wegen B e- leid igu ng des Kaufinanns Alfred Bett in Süd- Afrika zu 20 M. Geldstrafe und Veröffentlichung des Urtheils in den„Hamburger Nachrichten". Die Beleidigung erfolgte durch den Abdruck von Privatbriefen der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung", in denen gegen Beit als Führer der Be- wegung gegen Transvaal heftige Angriffe eut- hallen waren. In den schriftlichen Entscheidungsgründen wird ausgeführt, daß die inkriminirten Ausdrücke schon der Form nach beleidigend feien, auch wenn das von dem Beklagten Behauptete nachgewiesen wäre. Für die Bemessung der Strafe feie» keine greifbaren Momente vorhanden, weil der Beklagte einen Beweis nicht angetreten habe und der Vertreter des Klägers sich über die Motive des Beit ausweichend ausgelaffen habe. DaS Gericht hat aber als fest' stehend angesehen, daß Beit bei dem Einfall des Dr. Jameson»ine sehr bedenkliche Rolle gespielt habe, daß dieser Einfall ein ganz nichtswürdiger. räuberischer Akt gewesen sei. und daß Beit. der bis jetzt auch seine Eigenschaft als Deutscher bezw. Hamburger bewahrt habe, zweifellos die patriotischen Interessen seinen pekuniären Interessen hin tan gestellt habe. Alle diese Umstände seien dem Beklagten strafmildernd zu gute gekommen. — Zum Dienstbotenelend lesen wir in unserem Mainzer Partei> Organ: Wenn zwei dasselbe thun u. s. w. Das Schöffengericht zu Nebra verurthcilte vor einige» Tagen den Dienstknecht Karl Mendlcr aus Heldrunge» zu vier Wochen Gefängniß, weil er sich an seinem Dienftherrn Theodor Spiegler thätlich vergriffen hatte, ohne ihm allerdings irgendwie dauernde» Schaden an seiner Gesundheit zuzufügen. Hätte ein bayerisches Militärgericht über den Fall zu urlheilen gehabt und der Angeklagte wäre Unteroffizier gewesen, so iväre jeden- falls auch das Vorhandensein eines„Schmerzgefühls" bei dem Geschlagenen verneint worden. An demselben Tage hatte sich nun auch in Delitzsch ein Mann vor dem Schöffengericht wegen Mißhandlung zu verantworten. Doch war es kein Kuecht, sonder» der Gutsbesitzer Kurt M. auS Selben. Die Geiuighaudelte dagegen war eine Magd. M. hatte sie mit einer Mistgabel schmählich traklirl. Das Urtheil lautete auf 20 M. Strafe. Es ist natürlich viel mehr zu entschuldigen, »venu ein Gutsbesitzer eine schwächliche Magd mit der Mist- gabel drischt.„ls wenn ein Knecht, der lange Zeit von seinem Herrn bis auf» Blut drangsalirt worden ist, diesem einige kräftige Watsche» verabreicht, damit daS gleiche Recht für alle zur Wahr- heit werde.— — Der entthronte Sultan von Sansibar. Nach einem Telegran»» au? Sansibar ist Said Chalid mit seinen Begleiter» heute Vormittag, während die Fluth bis an das deutsche Konsulat heranreichte, an Bord S. M. S.„See- adler" gebracht worden. Der englische Vertreter pro t« st i r t«. Wie Wolff'S Bureau mittheilt. ist der englischen Regierung be- reils vor mehreren Tagen amtliche Renntniß von der beabsichtigten Ueberführuug des Prätendenten nach der deutsch-oftafrikanischen Rüste gegeben worden. Nach einem weiteren Telegramm ist Said Chalid in Dar-eS- Salai», also auf deutschem Boden, eingetroffen.— Flüchtigen Sozialisten ivird von deutsche» Behörden nicht in so anerkenne»?- werther Weise das Asylrecht garantirt.— Oesterreich. Wien, 2. Oktober. Ten Blättern»»folge haben die Polen, der konservative und dj» katholische Volkspartei des Ab- Hamburg, 2. Oktober. DaS Schöffengericht u r t h e i l t e heute den Vertreter deS verantwortliche» Reda geordnetenhauseS beschlossen, auf Erledigung deS Budgets in der laufenden Tagung zu dringen. Die Deutsch-Liberalen und Jungczechen vertreten den ent- gegengesetzten Standpunkt.— Frankreich. PariS,!. Oktober.(Eig. Ber.) Es bestätigt sich immer mehr, was ich in einem meiner letzten Berichte schrieb. Beim Wiederzusammentritt der Kammer ivird die Regierung namentlich auch von wegen des Zarenbesuchs einen schweren Stand haben. Bisher hatte die Kammer vor lauter „Patriotismus" in Sachen des fr a n z ö s i s ch- r u s s i s ch e n Einvernehmens sich sehr diskret benommen. Sie begab sich freiwillig ihres Kontrollrechts, trotzdem die Verfassung dem Präsidenten der Republik lediglich die Initiative und die provi- s arische Abschließung von diplomatischen Verträgen überlaßt. Der Zarenbesuch, dessen Bedeutung die Regierung ostentativ auf- bauscht, wird nun die Kammer, mag es die Mehrheit wollen oder nicht, zur Stellungnahme zu dem geflissentlich in Dunkel gehüllten russisch-franzöfischen Einvernehmen zwingen. Genosse I au res giebt heute in einem bemerkenswerthen Artikel die Absicht der sozialistischen Kammerfraktion kund, von der Regierung Rechenschaft zu verlangen über die Situation Frank- reichs in Europa und über den wahren Charakter der Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland. Die nothwendige nachträgliche Bestätigung der Zaren-Empfangs-Kredite durch die Kammer, sowie Guesde's Interpellation über Bcbel's und Bueb's Ausweisung sollen den Anlaß dazu bieten. Wie aus Innres' Ausführungen erhellt, wollen unsere Genossen dem diplomatisch-patriotischen Doppelspiel, dessen sich alle opportunistischen Regierungen der letzten Jahre bedienten, ein Ende setzen. Während nämlich das Einvernehmen mit Rußland in Wirklichkeit mit der Revanche Idee nichts gemein hat, vermeiden die Regierenden ängstlich alles, was die chauvinistische Auffassung von dem Einvernehmen entkräften könnte, weil ja der Chauvinismus gute Dienste auf dem Gebiete der inneren Politik, namentlich zur Bekämpfung des„vaterlandsloseu" Sozialismus leiste» soll. Letztere Rücksicht dürfte wohl maßgebend sein für die Geheim thuerei der französischen Diplomatie hinsichtlich der russischen Freundschaft. Die Bedeutung der von Jaurös angekündigten Kammerdebatte ragt aber weit über die KabinetSfrage hinaus. Wird die Regierung gezwungen, Farbe zu bekennen, dann ist es mit der Ausschlachtung des Chauvinismus ein- für allemal vorbei und der Zweibund verliert die Kraft, die er aus den Revanche- Hoffnungen schöpft.— — Der vierte Kongreß der sozialistischen Gemein berät he ist auf den 1. November d. IS. ein berufe».— — Die Angst des Zaren vor jeder Berührun nichtamtlich geaichtcn Mensche» muß den demokratischen' zosen doch überaus lächerlich erscheinen. Heute wird aus telegraphisch gemeldet: Während in Moskau die französischen Journalisten in aller nächste Nähe des Zaren gelangten, wurde beschlossen, die Jour »alisten in Paris von dem Zaren fernzuhalten.— Türkei. Konstantinopel, S. Oktober.(„Franks. Ztg.") Etambul war gestern Nacht der Schauplatz blutiger Szenen. Die Pforte wird zwar nach bekannten Mustern die Vorgänge abzuleugnen suchen, aber ihre Athentizität ist zweifellos. Die Sofias(Theologie- Studenten)derStambulergroßenMedresge(Hochschule)verabredeien, in der Nacht behufs Demonstrationen in den Iildiz-Kiosk zu ziehen. Sie wurde» von Truppen umzingelt, die eine große Anzahl Sofias tödteten, die anderen aber zur Rückkehr zwangen. An den Hauptmoscheen wurden dort, wo das Volk die Waschungen vor- nimmt, festgenagelte Schafhäute gefunden, auf denen mit rolher Tinte aufreizende Proklamationen gegen die Christen und europäischen Souveräne geschrieben standen. Seit zwei Tage» weilt bei dem Sultan im Aildiz-Kiosk der, ehemalige Fürst von. SamoS, Karalheodori-Pascha. Der Sultan benutzt seinen Rath zur Aermittelung mit den Botschaftern, welche glauben, derselbe werde demnächst zum Minister des Aeußern ernannt, da dem jetzige» Minister des Aeußern alle Gewalten entzogen sind.— Der verhaftete reiche Armenier Apik- Effeudi hatte als letzten Beitrag 6000 Pfund für die Hentschakisten gegeben. Die Regierung beabsichtigt, das große Vermögen desselben zu beschlagnahmen.- Schwarze Mpkett— Verrufs"" erklärung. Die immer allgemeiner werdende Verwendung von so- genannten„Schwarze» Listen' gegen streikende oder ausgesperrte Arbeiter seitens der Unternehmer ruft in Arbeiterkreifen naturgemäß eine große Aufregung hervor. Dieselbe wird gesteigert durch die polizeiliche und richterliche Praxis, welche den Abwehr- maßregeln der Arbeiter gegenüber eingeschlagen wird. Während z. B. der Boykott von allen Gesellschaftsfchichten geübt, der Militärboykolt nachgerade zu den dauernden Institutionen gehört, wird die Anwendung des Boykotts seitens der Arbeiter alS grober Unfug bestraft und zwar sehr häusig mit dem höchst zulässigen Strafmaß. Aber damit nicht genug. Das zur Ans- Übung des Koalitionsrechtes unumgänglich nothwendige Mittel, Kollegen und Berufsgenossen zu warnen, nach Orten zu kommen, wo Arbeiter sich in Differenzen init den Unternehmern befinden, ist ebenfalls als„grober Unfug" erklärt und mit Hunderten von Mark Geldstrafe oder mit mehrwöchentlicher Gefängnißstrafe belegt worden. Zwar hat das Kammergericht in diesem Falle einmal ausnähme- weise nicht den arbeiterfeindlichen Standpunkt eingenommen, in- dem es aussprach, daß in der einfachen Aufforderung:„Zuzug ist fernzuhalten!" daS Requisit des groben Unfugs nicht gefunden werden könne und dementsprechend die betreffende Klage' abwies. Aber andere oberste Gerichtshöfe haben entgegengesetzt ent- schieden und speziell das Breslauer Oberlandesgericht— also der oberste Gerichtshof einer unserer industriellsten Provinzen— ist sogar so weit gegangen, nicht nur das Ersuchen um Fernhaltnng des Zuzugs, sondern auch schon die Aufforderung, Soli- darilät z u üben, sobald sie von Arbeitern an Arbeiter ge- richtet werde, als groben Unfug zu behandeln und demgemäß zu bestrafen. Angesichts dieser Vorgänge wird es erklärlich, wenn in Ar- beiterkreisen die„Echivarzen Listen" der Unternehmer ganz be- sonderS erbittern und dort der Ruf immer lauter wird, ob denn Polizei und Staatsanwaltschaft gegen diese Berrufs-Er- k l ä r» n g e n nicht vorgehen werden! Wir begegnen einem solchen Rufe erst wieder in der letzten Nummer der„Breslauer Bolkswacht", und dies giebt uns Anlaß zu nachstehenden Bemerkungen. ES ist ein Jrrthum, wenn angenomnien wird, die von den Unternehmern aufgestellten „Schwarzen Listen" fallen als Vcrrufserklärungen unter die Bestimmungen des Z 153 der Gewerbe-Ordnung. Nach der bisher festgehaltenen Judikatur find Verrufserklärungen im Sinne deS J 153 der Gewerbe- Ordnung nur gegen die Angehörigen der gleichen Art, also Arbeiter gegen Arbeiter, oder Unter- nehmer gegen Unternehmer strafbar. Diese Auffassung hat man bisher auch regierungsseitig gelheilt. Sie wurde besonders in der Sitzung des Reichstags vom 15. Dezember 1686 vom ächsischeu Bnndesralhs- Bevollmächtigten Generalstaalsanwalt H e lfd vertreten. Derselbe äußerte sich damals wie folgt: „Die 152 und 153 der Gewerbe-Ordnung garantiren die Freiheit des koalitionSrechis: sie wolle» aber zu gleicher Zeit einem Mißbrauch dieses Rechtes entgegentreten, welcher sich dahin äußert, daß die Koalition einen Druck ausübt gegen andere zu dem Zwecke, daß andere einer Koalition entweder formell beitrete» oder materiell sich»nteriversen. Es ist also der Sinn der Bestimmung: eine Strasaudrohnng gegen die nöthigenden Auswüchse von Koalitionen.'> Nach der Auffassung der sächflfchen Staatsanwaltschaft wird dieses Bergehen kaum anders verübt werden können, als innerhalb der einzelnen Interessengruppen von dem Arbeitgeber gegen den Arbeitgeber zu dem Zweck, daß dieser einer Koalition der Arbeitgeber beitritt oder sich ihr materiell unterwirft, und unter den gleichen Verhältnissen von dem Arbeiter gegen den Arbeiter." � t Der Generalstaatsanwalt bezeichnete eS in derselben Rede alS einen„schweren Rechtsirrthum". anzunehmen, als sei die Verrufserklärung an sich in§ 153 der Gewerbe-Ordnung mit Strafe bedroht.„Nein, sie ist mit Strafe bedroht lediglich als Nö thigungsmittel. lediglich als Mittel zu dem unter Strafe gestellten Zweck." nämlich, jemanden zu bestimmen oder bestimmen zu versuchen, an solchen Verabredungen (§ 152) theilzunehmen, oder ihnen Folge zu leisten:c.— Verrufserklärungen im Sinne des Z 153 der Gewerbe- Ordnung sind also die„Schwarzen Listen« ebenso wenig, wie das Aussprechen der Sperre über gewisse Werkstätten oder Fabriken seitens der Arbeiter unter diese Bestimmung fällt. Alle Hoffnungen auf ein eventuelles Eingreisen der Staats- anwaltschaft— wenn wirklich irdendwo solche vorhanden sein sollte»— sind also von vorne herein illusorisch. Die Staats- auwaltschaften sind in diesen Fällen wirklich in ihrem Rechte, wenn sie diese Denunziationen ablehnen. Es ist aber auch ein Glück für die Arbeiter, daß die Rechts- läge so ist. Denn wäre die„Verrufserklärung an sich" ein Ver- gehen im Sinne deS§ 163 der Gewerbe- Ordnung, wer möchte bezweifeln, daß auf jede von Arbeitern gegen Unternehmer ans- gesprochene Sperre die Anklage wegen Verrusserklärung so sicher wie der Donner dem Blitze folgen würde? Ob aber auch die von den Unternehmern gegen die Arbeiter in Gestalt von Schwarzen Listen erfolgten Verrufserklärungen so zur„Kenntniß der Staatsanwaltschaft kommen würde», daß ein amtliches Ein- schreiten geboten erschiene", wer glaubt das? Zum Schluß noch eine Bemerkung. Will man mit den Schwarzen Listen die Polizei und Staatsanwaltschaft behelligen— ivogegen wir an sich gar nichts haben— so denunzire man sie als groben Unfug. Sie sind das tausend Mal mehr als das Ersuchen um Fernhaltung des Zuzuges. Ersolg wird man freilich auch mit diesen Denunziationen nicht haben, denn— wenn zwei dasselbe thun, ist eS nicht dasselbe. Aber die Arbeiter haben ein großes agitatorisches Interesse daran, die Wahrheit dieses interessanten Sprüchleins immer wieder praktisch bethätigt zu sehen, denn auf die Masse wirkt nichts anregender und belehrender alS die Erfahrung am eigenen Leibe. Fünfundzwanzig Jahre war es am 1. Oktober, daß in Hamburg das erste sozialistische Arbeiterblatt erschien. Es führte den Titel„Abbreche?. Periodische Zeitung für die Arbeiter Hamburgs. Herausgegeben von dem Arbeiter-Wahlkomitee für die ReichStagSwahle». Eigenthum der Hamburger Mitglieder d. Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins". An der Spitze dieses kleinen Blattes befand sich folgender Aufruf:„Von der Ueberzeugung ausgehend', daß die sämmtliche heutige Tagespresse entweder in den Händen der Kapitalisten ist oder in deren Interesse geschrieben wird, und i» sonderheit bei solchen wichtigen Angelegenheiten wie eine Wahl, wo sich sogar Blätter untergeordneter Gattung bemühen, mehr oder minder in deren Interesse zu schreiben und die gröbste» Lügen zu verbreiten, glauben wir gerechte Ursache zu haben, diesen systematischen Lügen den Garaus zu machen und die Spitze abzubrechen, demzufolge diesen„Abbrecher" er- scheine» zu lassen." Damals machten Hamburg? Arbeiter einen ersten Versuch, Bresche zu legen in die Herrschaft des Geldsacks und der Klüngel- wirthschaft. Zum ersten Mal stellten sie einen eigenen Kan- didaien zum Reichstag auf. Und heute? Heute ist Hamburg durch drei Sozialdemokraten im Reichstage vertreten. Die bürgerlichen Parteien erachten es bereits für aussichtslos, gegen die Sozialdemokraten eigene Kandidaten aufzuflelle». Hamburg gehört zum festen Besitzstand der Sozialdemokratie, und an die Stelle des kleinen Arbeiterblattes von 1871 ist eine große Tageszeitung, das„H a m b u r g e r E ch o" getreten, dessen hervorragende Bedeutung auch die Gegner wohl oder übel anerkennen müssen. Und aus dem kleinen Häuflein, daS vor 25 Jahren den Kampf gegen die Raubwirthschast der Bourgeoisie aufnahm, ist die größte politische Partei Deutschlands geworden. die von solchem Einflüsse ist, daß kein Gesetz mehr von der Regierung vorgelegt wird, bei dem nicht die Furcht vor der Sozialdemokratie das leitende Element der Berathungen wäre. Groß sind die Erfolge, die die Sozialdemokratie in der im Völkerleben so kurze» Spanne Zeit von einem Menschenalter er- reicht hat— das Größte und Schwerste bleibt noch zu thun. Die selbstverleugnende Hingabe des Proletariats an die Idee des Sozialismus bürgt aber dafür, daß das Ziel erreicht werden wird trotz aller Hindernisse, troy aller Verfolgungen. Einen sonderbaren Rnftrag haben die R o st o ck e r Genossen ihrem Delegirten, dem Genossen Grothe, zum Gothaer Parteitag mitgegeben. Derselbe soll nämlich„im An- schluß a» die Berichterstattung über die Thätigkeit der Reichstags- Fraktion die Anfrage stellen, warum dieselbe zum Impfzwang eine geschlossene Haltung nicht eingenommen habe?" Ist denn unsere» Genossen i» Rostock nicht bekannt, daß die Jmpfsraae mit dem Parteiprogramm nichts zu thun hat und daß dieselbe deshalb auch nicht zur Parteifrag« gemacht werden kann? Drei Jahre lang war eS den Parteigenossen in Roß- wein in Sachsen unmöglich, eine öffentliche Versammlung ab- zuhalten. Jetzt haben sie sich endlich ei» Lokal erobert. Letzten Sonntag wurde dort vi» erste Versammlung abgehalten. Sie war äußerst stark besucht und spendet« dem Referenten, Reichs- tags-Abgeordneten Hof mann auS Chemnitz, der über die Thätigkeit des Reichstags sprach, lebhaften Beifall. Eine Kommission erhielt dann den Austrag, die Vorarbeiten zur Gründung eines Arbeitervereins zu besorgen. Kurz, der Verlauf der Versammlung zeigte, daß die Versuch«, di, sozialistische Be- wegung zu ersticken, auch in Roßwein vollständig mißlungen sind. Ans der Schweiz. Bei den B ü r g e r r a t h s w a h l e n im Kanton S o l o t h u r n haben unsere Genossen in G r e» ch e n neun Sitze, in Derendingen fünf und in B i b e r i st einen Sitz erobert.— Der kantonale Parteitag in Arenche» hat Genossen F ü r h o lz in Solothur» als N a t i o n a l- rathslandidaten ausgestellt. Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Wegen NichtanmeldenS der M a i f« st- R«d e sollte in Pößneck i. Th. der Genosse Poßner laut Strafmandat 10 M. blechen. DaS Schöffengericht jedoch fand leine Schuld an ihm, sondern erkannte auf Freisprechung. GeweMMzalftHthes. An die Arbeiter Berlins! Schon 1'/» Wochen dauert die Aussperrung der städtischen GaSan stalte- Arbeiter. Sie widersetzen sich der Wiedereinführung der 18 stündigen Sonntagsschicht; deshalb warf man sie aufs Pflaster! Die Ausgesperrten sind durchgängig Familien- väter und haben bis jetzt keine Unterstützung bezogen- Dieselbe ist nun dringend noih wendig. Wohl nnsse» wir, daß die Berliner Arbeiterschaft schon große Opfer in diese», Jahre gebracht hat; dennoch geben wir unS der Hoffnung hin, da? die Arbeiter Berlin? un? in unserem schweren Kampfe um ein» so bescheidene Forderung, wie es die zwölfstündige Sonntags schicht ist, ebenfalls nach Kräften zur Seite stehen werden. Wir bitten, die Gelder an das Gewerkschaftsbureau(Adresse: R. M i l l a r g, Annenstr. 16) abzuführen. Das Streik-Komitee. Die Arbeiter der städtische» Gasanstalt in der Gitschinerstraße erklärten gestern auf Befragen ihres Direktors, da? sie sich imt der Reduktion der löftündigen Sonntagsschicht auf 12 Stunden nur vollkommen einverstanden erklären können. Die erste Sitzung des Einigungsanits in dieser Sache dürfte am Montag, spätestens aber am Dienstag stattfinden. Bestimmtes hierüber ist bis jetzt noch nicht bekannt. Der Streik der Ballschuharbeiter Berlins dauert noch bei folgenden Berliner Firmen fort: Gebr. Silberberg u. Ko., Gr. Frankfurterstr. 67; Fürstenheim u. Ko., Andreasstr. 32 (Andreashof); Cohn, Holzmarktstr. 33a.; Mellnik, Schillingstr. 12; Hurst, Höchftestr. 20; unger, Blumenstr. 70; Hahn u. Breslauer, Alte Jakobstr. 9ojS6; Exner, Linienstr. 7. In der mechanischen Schuhfabrik von Rosenthal u. Groß in Schöneberg. Franteustr. 9. legten sämmtliche Arbeiter die Arbeit nieder, weil für die Fabrik von Fürstenheim u. Ko. angefangene Waare fertig gestellt werden sollte. Wege» der lange» Dauer des Streiks und der großen Zahl der Streikenden appellire» wir an die Arbeiter Deutschlands, uns in dem schweren Kampfe schnell materielle Nnterstützung zu theil werden zu lasse». Die Sendungen sind zu richten an die Berliner Gewerkschafts Kommission(Adresse: R. M i l l a r g im Gewerkschaflsbureau Berlin SO., Annenstr. 16). Di» Agitations-Kommission der Schuhmacher Berlins. Achtung, Glaser Berlins und Umgegend! Wir machen nochmals aus den Beschluß der Versammlung vom 1ö. September aufmerksam, wonach jeder Kollege, der zu den neuen Bedingungen arbeitet, wöchentlich 1 Mark zum Streikfond abzuführen hat. Die Differenzen bei der Firma Spinn u. K o. sind durch Vermittelung der Kommission beigelegt. Bei Herrn Alt, Rosenthalerftr.(der freisinniger Stadtverordneter ist), ist leider die neunstündige Arbeitszeit noch nicht eingeführt. Vielleicht sehen sich die Kollegen, die dort arbeiten, veranlaßt, ohne Vermittlung des Werk- führers Ruhlandt(der sich rühmt, früher für die Organisation lhätig gewesen zu sei»), Herrn Alt um Einführung sdes Neunstundentages zu ersuchen. Betreffs der Firmen Jglisch, Franz Becker, Steinmeystr. S7, Wahl u. Sohn, Behrenstr. 6, und Jach- mann ist Zuzug streng fernzuhalten. Wir ersuchen um Angab« von Adressen der Kollegen, die in diesen Werkstätten arbeiten, damit die Kommission sich mit ihnen i» Verbindung setzen kann. » Bewilligt haben bis jetzt 33 Prinzipale, meist Inhaber größerer Werkstätten. Von zirka 20 für uns in betracht kommen- de» Werkstätten können wir mangels genauer Information leider nichts bestimmtes sagen. Die nächste öffentliche Versammlung wird Montag, den 12. Oktober, abends 6 Uhr, in den Arminhallen. Kommandastteustr. 20, abgehalten. Genosse M i l l a r g spricht dort über die Zustände im Glasergewerbe und über die Frage, ob Streiks nöthig sind. Flugblätter zu dieser Versammlung werden Mittwoch, den 7. d. M. versandt; wir ersuchen um rege Verbreitung derselben. Die organisirten Arbeiter Berlins bitten wir, uns in unserem Kampfe nach Kräften förderlich zu sein. Speziell können uns die auf Bauten beschäftigten Handwerker hiifreich zur Seite stehen, wenn sie die Glaser, die auf Bau arbeilen, an ihre Pflicht erinnern. Wie schon vorige Woche bekannt gemacht wurde, sind grüne Karten ausgegeben, welche einen rothen Zettel mit der Aufschrift: Arbeits- berechtigungskarte tragen. Diese Karte» haben aber nur Giltigkeit, wenn auf der Innenseite vier rothe Marken k 50 Pf. eingeklebt oder die ersten zwei Felder mit dem Stempel der Streikkommission versehe» sind. Besonders machen wir aus die Bauten aufmerksam, wo die Glaserarbeiten von den Firmen Wahl». Sohn. Behrenstr. 6. Franz Becker, Steinmetzftr. 57, Jglisch und Jachmann ausgeführt werden; die Arbeiter dieser Firmen haben sich uns nicht angeschlossen und sind auch nicht der Einladung zur Werkstattsitzung gefolgt. Bielleicht werden sie aus Anregung seitens anderer Handwerker sich ihrer Pflicht bewußt und schließen sich der Organisation an. Da bekanntlich die Glaser nur einzeln auf Bauten arbeiten, so ist es der Glasergewerkschaft unmöglich, Kontrolle auszuüben. Wir bitten deshalb die übrigen Gewerkschaften, uns hierin zu unter- stützen. Die Streikkommission der Glaser Berlins und Umgegend. Achtung, Putzer macht 23. September Putzer Berlins! Die Lohnkommission der nochmals auf den in der Versammlung vom gefaßten Beschluß aufmerksam, wonach alle neu angefangenen und ferner anzunehmenden Arbeiten am Montag, den 5. Oktober er. streng nach dem herausgegebenen Tarif angefertigt werden sollen. Für alle Bauten, wo dem Tarif nicht entsprochen wird, werden keine Arbeits-Kontrollkarten aus- gegeben. Die Lohnkommission wird Anfang der Woche diese Bauten näher bezeichnen und haben die Kollegen dort die Arbeit ruhen zu lassen. Die neuen Arbeits> Kontrollkarten werden Montag, den 5. Oktober, ausgegeben; sämmtliche Putzer, mit Ausnahme der bei Putzmeistern in Arbeit bleibenden. könne» dieselben in Empfang nehmen. Der Beitrag beträgt von dieser Woche an pro Mann 25 Pf. Die Kollegen werden ersucht, sich zahlreich an der Beitragsleistung zu betheiligen. Es wird unter den Kollegen das Gerücht verbreitet, einzelne Kom- missionsmitglieder hätten den unter dem Tarif arbeitenden Putzer» hierzu die Erlaubniß ertheilt. Die Kommission verwahrt sich ganz entfchiedcn gegen derartige Behauptungen. So lange die Lohnbewegung im Gange, ist der Minimalsatz für Innenputz 20 Pf. pro Quadratmeter; wer für geringeren Preis arbeitet. handelt gegen die gefaßten Beschlüsse der Generalversammlung. Die unter dem Tarif arbeitenden Kollegen suchen mit der er- wähnten Verdächtigung der Kommission nur ihren Fehltritt zu beschönigen. Die Lohnkommission der Putzer Berlins und Um- gegend. Da» längst vergeffene Hamburger Preßgesetz von 184S wurde kürzlich ivieder aus der Rumpelkammer hervorgeholt, um Arbeiter vor den Kadi zu bringen. Ein Metallschleifer und ein Gelbgießer in Hamburg hatten eine» Strafbefehl erhalten, wonach sie acht Tage Gefängniß verbüßen sollten, weil sie sich gegen jenes Gesetz vergangen hatten. das bei Androhung von Gefängnißstrafe verbietet, ohne besondere polizeiliche Genehmigung Plakate anzuschlagen, die etwas anderes zum Inhalte haben, als die Ankündigung von Lustbarkeiten, Ber- käufen, Vermiethungen, Auktionen ec. Gelegentlich einer Sperre über eine Metallwaaren-Fabrik haben diebeiden Angeklagten Plakate, worin über jene Sperre Mittheilung gemacht war, aus öffentlichen Plätzen angeschla««» und somit gegen das Gesetz verstoßen. Sie erklärten vorm Schöffengericht, von dem Gesetz keine Kenntniß gehabt zu haben, und ihr Verthcidiger wies nach, daß diese Unkenntniß des Gesetzes sehr entschuldbar war. Das Gesetz von 1649 wurde bis zum Jahre 1655 gehandhabt und dann der Vergessenheit übergeben. und das kam aus Veranlassung eines Besuches des Königs von Preußen. Friedrich Wilhelm IV.. in Hamburg. Gelegentlich dieses Besuches forderte ein dort ansässiger preußr- scher Kommerzienrath durch Plakate die Hamburger Bürger auf, zu Ehre» des Königs ihr« Häuser zu illuminiren. Als Antwort auf diese Aufforderung warfen die Hamburger dem Kommerzienrath die Fenster ein und der Kommerzienrath wurde wegen Vergehens gegen das Preßgesetz zu 24 Stunden schwedischer Gardinen ver- urtheilt, die er auch richtig erhoben die preußischen Zeitung" bis zum kleinsten Entrüstungsgeschrei und nun gehoben, aber es fand, einmal bestätigt wurde, absaß. Ob dieser Vorkommnisse Zeitungen, von der„Kreuz Winlelblättchen herab, ein großes wurde das Gesetz zwar nicht auf- wenn es auch im Jahre 1874 noch bis zum Jahre 1696 keine An- wendung.' Der Vertbeidiger meinte, daß, wenn man nun plötzlich aus Gründen der Arbeiterbewegung das Gesetz wieder ausgraben wolle, man es dem Volke mindestens ivieder hätte zur Kenntniß bringen müssen. Da das nicht ge schehen ist, sei die Unkenntniß sehr entschuldbar und man könne die größte Milde bei Ausmeffung der Strafe walten lassen Das Gericht ermäßigte darauf die Strafe auf einen Tag Ge- fängniß. Wegen Berhänguna der Gperre über ein Baugefchäft waren vom Schöffengericht t» H a r b u r g die Genossen S t ü b e n, Langhans. Hage meister und L e h m a n n zu je 6 M. Strafe verurtheilt worden, und zwar aus grund eines alten hannöverschen Gesetzesparagraphen, wonach Sperren Verrufs erklärunge» sein solle». Das Landgericht in Stade als Berusungs instanz hob das Urtheil der Vordcrinstanz auf und erkannte auf Freisprechung, weil jener Paragraph des hannöverschen Gesetzes nicht mehr zu recht besieht. Als der Ofensetzerstreik in Görlitz begann, hatte der Redakteur des„Proletarier" in Langenbielau, Genosse Feld- mann, im genannten Blatte die Ofensetzer vor Zuzug nach Görlitz gewarnt. Die Schweidnitzer Staatsanwaltschaft er- blickte hierin groben Unfug und beantragte beim Amtsgericht Reicheubach gegen Feldmann einen Strafbesehl zu erlassen. Das Gericht lehnte diesen Antrag aber ab. TeS„groben Unfug?" hatte dai Schöffengericht in Pößneck i. Th. den Genossen August Blumenstein für „schuldig" befunden, weil er im dortigen Lokalblatt die Notiz veröffentlicht hatte:„Achtung. Maurer! Wegen Nichtbewilligung von 30 Pf. Stundenlohn ist Zuzug streng fernzuhalten. Ter Vorstand der Maurerorganisation." Nach Ansicht des Schöffen- gerichts sollen solche Mittheilungen nur dann kein grober Unfug sein, wenn sie im Fachblatt der betreffenden Gewerkschaft ver- öffentlicht sind. Das gemeinsame Landgericht in Rudolstadt, das der zu 10 M. Strafe Verurtheille anrief, scheint derselben Meinung zu fein, denn es hat die Berufung verworfen. Leider hat Blumenstein versäumt, bei der Revisionsinstanz die Revisions- schrist einzureichen, so daß das Urtheil rechtskräftig geworden ist. In Harburg hat, wie der Verband der Seiler. Reepschläger und Hänfer Deutschlands mittheilt, der Streik bei der Firma Hein söhn mit einer Niederlage geendet, da sich genug Streik- brecher fanden. Die Ausständigen haben jedoch größtentheils anderswo Arbeit gefunden. Aus Bremen wird gemeldet: Wegen Unterschlagung von Kassengeldern in der Höhe von 833 M. wurde der Bezirkskassirer des Deutschen Buchdruckergehilsen-Verbandes Hierselbst, Buchdrucker Friedhoff, zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. I» Köln war am Freitag Termin vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts in Sachen deS Streiks der Spinner der Kölner Baumwollspinnerei und Weberei. ES kam noch nicht zum Friedensschluß. Wie unS aus Köln mit- getheilt wird, steht die Beilegung der Differenzen aber bereits für morgen(Montag) in Aussicht. Die angestrebte Verkürzung der Arbeitszeit werden die Arbeiter wahrscheinlich durchsetzen. Nach der„Köln. Volks-Ztg." scheiterte am Freitag der Ver- leich daran, daß die Fabrikverwaltung sich weigerte, drei streikende wieder einzustellen, die wegen angeblicher Mißhand- lung von Streikbrechern verhaftet worden sein sollen. Zur Buchbinderbewegnng in Leipzig. Im„Buchhändler- Börsenblatt" ist folgendes Inserat veröffentlicht: „In der Versammlung der Arbeiter des ÄuchbindergewerbeS am 25. September wurde folgende Resolution angenommen: Dadurch, daß vor einer gemeinsamen Berathung über die Forde- rungen der Gesellen, Festsetzung eines Minimallohnes und Regesung der Arbeitszeil betreffend, einzelne Firmen dieselben bewilligt haben, ist es schwer geworden, sich ablehnend zu ver- halten. Sollte aber bei Ueberreichung des von den Gesellen in Aussicht gestellten neuen Tarifs uus zur genauen Prüfung deS- selben keine ausreichende Frist gelassen oder gar der Versuch gemacht werden, denselben noch in diesem Jahre zur Einführung zu bringen, wo keine Zeil übrig bleibt, uns mit unseren Austrag- gebern zu verständigen, bleibt kein anderer Ausweg, als wieder in eine Lohnbewegung zu treten. Wir glauben bestimmt, daß dann nicht wieder einzelne Firmen für sich allein handeln. andern vereint ihre Bestimmungen treffen werden. Leipzig, den 26. September 1896. M.Göhr«. H. Sp e r l i n g. Hübe! u. Den ck. H. F ö st e. A. N e u m a n n." AuS Krimmitscha» in Sachsen wird uns mitgetheilt: In der Fabrik von C. A. Fischer haben 49 Weber und eberinnen wegen Lohndifferenzen die Küudigungsscheine erhalten. Zuzug ist fernzuhalten. Die Pflasterer Gtnttgarts haben, wie die„Steinsetzer- Zeitung" mittheilt, in überraschend schneller Weise den Nutzen der Organisation erfahren. Nachdem sie sich erst vor ca. sechs Wochen dem Verbände angeschlossen haben, sind seitens der städtischen Behörden die Preise um 16 pCt. erhöht und weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt worden. Ueber den Bergarbeiter-Streik im Brllx-Dnxer Kohlen- revier theilt die„Neue Freie Presse" mit, der Ausstand habe einen„so radikal-czechischen Anstrich, daß die Urheber der Bewegung gewiß nicht weit von dem omladinistischen Lager zu suchen" seien. Die Omladina ist ein national- czechischer, auf die Schaffung eines selbständigen böhmischen Königsreichs gerichteter deutschfeindlicher Geheimbund. Die eigentliche Ursache des Streiks ist aber, wie der das Streikgebiet bereisende Korrespondent des genannten liberalen Blattes selber andeutet, die skandalöse Wirthschaft in den Bruderladen. Wir zahlen viel zu viel und bekommen im Fall der Ver- unglllckung zu wenig, so erklärte dem Korrespondenten ein Bergmann auf Befragen nach dem sachlichen Grund des Streiks. Während im Dux- Brüxer Revier die Zahl der Streikenden abgenommen haben soll, greift jetzt die Bewegung auf das Kohlengebiet Buschtierad-Kladno über.— Die „Bohemia" meldet: Unter den Bergarbeitern wird lebhaft für den Eintritt in den Streik agitirt, und eS ist mehr als wahrschein- lich, daß die Agitation erfolgreich sein wird. Deshalb wird von dem Buchtierad-Kladnoer«ohlenverein die Kohlenverladung für die Kommittenten gesperrt. Es ist das ein Zeichen, daß man auf den Ausbruch eines nahen Streiks rechnet. Heute, Sonntag, werden zahlreiche Bergarbeiter- Versammlungen in dem nordwestböhmischen Kohlengebiet abgehalten. Aus Wien wird durch das Wolff'sche Bureau gemeldet, daß am Freitag in einer Versammlung der streikenden Werk- 't ä t t e n a r b e i t e r der Etaatseisenbahn mitgetheilt wurde, die Direktion fei bereit, binnen 3 Monaten eine Regelung der Akkord- löhne durchzuführen unter derBedingung, daß die Arbeit wieder auf- genommen werde. Di« Versammlung beschloß einstimmig im Streik auszuharren, bis positive Resultate erzielt seien.— Das Zugpersonal der Staatseisenbahn-Gesellschafl richtete an die Direktion das Ersuchen um eine Lohnerhöhung von 30 pCt. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" theilt mit, daß ich die B e r k e h r s b e d i e n st e t e n der Staatseisenbahn mit den Werkstättenarbeitern solidarisch erklärt haben, d. h. sie materiell unterstützen werden. Ter Giesterstreik bei der Firma Demeter Hauer in Wien hat mit einem entschiedenen Siege der Arbeiter geendet. Der Gußmeister, um dessen Beseitigung e? sich handelte, muß nebst den Streikbrechern die Gießerei verlassen. In einer Ver- samiulung der Ausständigen bat er das Personal um Ver- zeihung und erklärte sich mit seiner Entlassung selber ein- verstanden, und der gleichfalls anwesende Ches äußerte, es wäre wahrscheinlich gar nicht zum Streik gekommen, wenn er früher besser informirt gewesen wäre. Der schweizerische Manrerkongreß, der vorigen Sonntag in Zürich tagte, war von 17 Delegirten besucht, welche 3200 organisirte Maurer und Handlanger vertraten. Aus Hamburg war Genosse S t a n n i n g als Vertreter des deutschen Maurer- Verbandes, aus Mailand Cattannio als Vertreter der italienischen Maurer erschienen. Es wurde die Gründung eines Zentralverbandes beschloffen und Bern als Vorort gewählt.— AuS Frankreich. Der Ausstand der Bergleute in St. F l o r i n e gilt, nach bürgerlicher Quelle, als beendet. In den P o r z e l l a n s a b r i k e n von L i m o g e s soll eine ins Vergessen gerathene drakonische Arbeitsordnung wieder praktizirt werden. In einer Fabrik streiken deshalb 20 Arbeiter und man befürchtet, daß die Personale der übrigen Fabriken ebenfalls die Arbeit niederlegen werden. I« Turin, der Hauptstadt der italienischen Provinz Piemont. ist ein großer Gerberstreik ausgebrochen. Ver- anlassung dazu gab ein iu der Fabrik der Gebrüder I i o r i o angestellter Meister, der sich den Arbeite« rinnen gegenüber unmoralische Handlungen erlaubte. Die Arbeiter dieser Fabrik verlangten die Eni- lassnng des Wüstling?, die Besitzer der Fabrik waren aber damit nicht einverstanden, worauf das Personal die Arbeit niederlegte. Da die übrigen Gerbereibesitzer sich mitJiorio'S solidarisch erklärten, wurden auch deren Personale in die Bewegung hineingezogen. Es streiken nun insgesammt TOGO Personen; zu ihrer Unterstützung sind wöchentlich minldestens 15 000 Lire erforderlich. Die sozialistische Partei Italiens steht den armen Verfolgten mit Unterstützung zur Seite. Bei der Größe deS Streiks bedarf es aber auch der internationalen Hilf«, wenn der Sieg in diesem Klassenkampfe errungen werden soll. Die Arbeiter- schafl Deutschlands wird deshalb ersucht, den kämpsenden italienischen Genossen ebenfalls mit Unterstützungen zur Seite zu stehen. Die Gelder sind zu adressiren an die Redaktion des „Grido del Popolo", Via Bogino 36, Torino(Italien). Beranlworllicher Redakteur: August Jacobry in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Soziales. Aufruf an die GewerbegerichtS- Beisitzer der Arbeiter Deutschlands! Bekanntlich erfolgte anfangs September ein Aufruf unserer- seits an die Arbeiterbeisitzer der Gewerbegerichte Deutschlands, um Stellung zu dem Entwurf betr. Abänderung der Gewerbe- Ordnung(Jnnungs-Novelle) zu nehmen. DaS Resultat dieses Aufrufs war leider ein sehr bescheidenes: denn nur fünf Städte haben unserem Appell die nöthig« Aufinerlsamkeit ge- widmet. Gerade die größeren Städte haben sich bis jetzt in tiefes Schweigen gehüllt. Sie erwecken somit den Verdacht, ein gemein- sames Vorgehen in dieseni Falle als überflüssig zu betrachten. Es ist unumgänglich nothwendig, daß eine Annäherung bezw. eine Vereinigung der Arbeiterbeisitz»r an den Gewerbe- gerichten ei strebt wrrd, um mit vereinten Kräften die Zersplitte- rung und Zerrissenheit, welche noch auf dem Gebiete des Ge- Werbegerichtswesens in Deutschland vorhanden ist, zu beseitigen. Es ist ein« Thalsache, daß viele Beisitzer der Arbeiter von der Existenz der Fachschrift„DaS Gewerbegerichl", vc General- Versammlungen und besonders von der Beschaffen.U und dem Inhalt der Jnnungsnovelle wenig kennen. Das Gewerbegericht zu Lübeck hat in seiner vor wenigen Tagen stattgefundenen Generalversammlung den Antrag, gegen die Jnnungsnovelle Stellung zu nehmen, abgelehnt; demnach bleibt uns kein anderer Weg übrig, als uns auf unsere eigenen Kräfte zu verlaffen. Der erste Schritt hierzu ist, die innere Organisation der Arbeiterbeisitzer zu verwirklichen, in ähnlichem Sinne wie beim Verband deutscher Gewerbegerichts-Vorsitzender, welcher vor zwei Jahren in Mainz gegründet wurde. Die Arbeilerbeisitzer Lübecks unterbreiten ihren Genoffen, welche als Beisitzer fun- giren, folgende Vorschläge zur Diskussion und eventuell Beschluß- fassung: Am 15. und 16. November ist eine Konferenz der Arbeiter- beisitzer in H a l l e a. S abzuhalten. Als provisorische Tages- ordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftliches; 2. Oiganisationsfrage; 3. die Presse; 4. die Jnnungs-Novelle; 5. Anträge und Ver- schiedenes. Nun Genossen, rührig an die Arbeit, sorgt alle dafür, daß die Konsercnz zahlreich beschickt wird, um dann den Grundstein zu legen, aus dem die Gewerbegerichl« weiter ausgebaut werden müssen. Vorwärts! Alle Anfragen in dieser Sache find an G. Kähler in Lübeck. Bötlcherstr. 18, zu richten. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck ge« beten. Die eventuell entstehenden Unkosten der Delegation haben di» Gewerkschaften des Orte? selbst zu tragen. I« Lüttringhausen in der Rheinprovinz hat flch eine S e- nossenschafl gebildet, um für die B a n d w i r k« r in dem zur Stadlgemeinde gehörigen Herbringhausen eine g e- mei n sanie Betriebsstätte mit Dampfkraftzuer- richten. In der Fabrik, deren Bankosten auf 36 000 M. ver- anschlagt sind, sollen 36 Bandstühle Platz finden, wovon bis jetzt 30 Stühle angemeldet sind. Eine ähnliche Einrichtung ist auch für das ebeusalls zur Gemeinde gehörige Beyenburg ge- plant. Die Kommune Lüttringhausen hat beschlossen, sich an der Genossenschaft mit einem Kapital von 6000 Mark zu de- theiligen. DepeWgen unv letzte Llachrichten. Flensburg, 8. Oktober.(W. T. B.) In der Heuligen Ber- Handlung über den Ein stürz einer Anlegebrücke bei der Germaniawerst in Kiel am 19. August 1695. bei welchem 13 Personen das Leben einbüßten, gab das Seeamt den Spruch ab. daß der Unfall dein zu hastigen Bordrängen der Arbeiter auf die Brücke zuzuschr-lbe» sei; die Brücke habe den Anforderungen genügt. Brüx, 3. Okt.(B. H.) Di« Situation hat an Verschärfung zugenommen. Seitens der Offegger Behörden wird dringend militärische Hilse verlangt. Zwölf Arbeiter, dt« verhaftet worden waren, sind wegen mangelnder Beweise wieder in Freiheit gesetzt worden. Lille, 3. Oktober.(W. T. B.) Die sozialistische Majorität des Gemeinderaihs hat den von der rep»blikaiiische» Minorität beantragten Willkommengrub an den Kaiser und die Kaiserin von Rußland abgelehnt und eine Adresse angenommen, in welcher dem russischen Volke die Sympathie des Geinemderathes aus- gesprochen wird. Die Adresse wird dem Botschafter Baron von Mohrenheim übersandt werden. Rom, 3. Oktober.(B. H.) Aus Sizilien laufen Nach- richten ein, wonach in dem Sch'vefelrevier 2500 Mann die Arbeit eingestellt haben. Dortselbst sind auch 140 sozialistische uild anarchistische Emissaire verhaftet worden. auc�— ... vicrzn 4 Beilage«. 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 233. " Tokales. Die Parteigenossen im vierten Wahlkreise werden bei etwaigem Wohnungswechsel ersucht, Adressenveränderungen sofort den Botenfrauen oder den Parteispediteuren zu melden, damit in der Bestellung der Zeitung keine Störung eintritt. Auch erwächst jedem Parteigenossen die Pflicht, für weiteste Verbreitung des Vorwärts" zu wirken und neue Abonnenten dem Zentralorgan der Partei zu gewinnen. Die Parteispedition besorgt nicht allein den Vorwärts", sondern auch sämmtliche übrige Parteiliteratur. Die Speditionslokale befinden sich: Für den Osten bei Wengels, Fruchtstr. 30, H. 2 Tr., für den Südoften bei Frig Thiel, Skalizerstr. 35, v. part. Ferner werden in den bekannten Lokalen Abonnements für den Vorwärts" entgegengenommen. träge " Sonntag, den 4. Oktober 1896. " 13. Jahrg. = ersten Mal hier vertretenen Bewohnern der indischen Binnen- 9. bis 14., 16. bis 21. und 28. bis 30. November abgehalten gewässer. Es sind zwei schöne, fußlange, auf braungrünem werden. Die Versammlungen finden statt im ersten und zweiten Grunde dunkel quergebänderte Fische, die ihrem Namen Bezirk auf dem Kasernenhof oder im Exerzierhause am LandSchlangenkopffische" alle Ehre machen; denn der von oben nach wehr- Dienstgebäude, Kaiser Franz Grenadier- Play, im dritten unten stark niedergedrückte, mit großen schilderartigen Schuppen und vierten Bezirk auf dem Hof des neuen Landwehr- Dienstbefleidete und mit weitgespaltenem Maul versehene Kopf gleicht gebäudes, Tempelhofer Feld bei der Kolonnenbrücke. Näheres auffallend einem Schlangentopf, und namentlich wenn im Hinter- besagen die öffentlichen Bekanntmachungen an den Anschlagfäulen grunde des Behälters der Kopf aus den Pflanzenbüscheln hervor am 24. Oftober, 1., 14. und 22. November. guckt, denkt man unwillkürlich an eine Schlange. Die Aehnlich Unter ,, Chronik der Majestätsbeleidigungs Prozeffe" keit des Fisches mit einer solchen wird aber noch erhöht durch brachte der Vorwärts" in Nr. 226 vom 26. September eine die erhebliche Wirbelzahl des Rumpfes, den Besitz von Schwanz Notis, laut welcher der Stallmann Wilhelm Heise auf die rippen und die große Beweglichkeit außerhalb des Wassers. Denunziation eines Journalisten Siede wegen MajestätsIn der Urania in der Taubenstraße ist der Vortrag ,, Durch beleidigung angeklagt worden ist, daß die Sache aber vertagt den Gotthard" am Freitag Abend in verbesserter Auflage ge- wurde, weil der Denunziant zur Hauptverhandlung nicht er halten worden. Bisher begann das wissenschaftliche Aus- schienen war. Der Beschuldigte Heise wird ersucht, sich an Achtung! Sozialdemokratischer Verein Vorwärts" stattungsstück", wie es passend genannt wird, mit der Vorführung die Redaktion des Vorwärts" zu wenden; es ist uns vielleicht Berlin. Die Mitglieder werden auf die am Dienstag den des fertigen Baues; eine Reihe neuer Dekorationen und Wandel möglich, ihm brauchbares Vertheidigungsmaterial zu beschaffen. 6. Ottober bei Gründel, Brunnenstr. 188, stattfindende Ver- bilder ermöglichen es jetzt, das Werden und die Schwierigkeiten Vom Verkehr. Behufs Berathung des Vertrages zwischen fammlung aufmerksam gemacht( f. Juferat in dieser Nummer) des Tunneldurchstichs von Anfang an zu beobachten. Im ersten der Großen Berliner Pferde- Eisenbahn- Akten- Gesellschaft bezw. und gebeten, für zahlreichen Besuch derselben zu agitiren. Theil des Vortrages zeigen sich die Szenen: Göschenen im Der Neuen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft und dem Magiftrat Gleichzeitig wird zum Beitritt in den allein für den sechsten Winter, die Teufelsbrücke in der Höllenschlucht, die Paßhöhe Reichstags: Wahlkreis bestehenden Verein aufgefordert und die er- und ein Lawinensturz in der Tremolaschlucht in überraschender wegen Einführung des elektrischen Betriebes zc. ist auf richteten Zahlstellen, in welchen Aufnahmen vollzogen und Bei- Naturwahrheit. Der zweite Akt führt die Bahntrace aus der den nächsten Mittwoch eine außerordentliche Sigung des Magistrats- Kollegiums anberaumt worden. Die Berliner gezahlt werden, hier nochmals bekannt gegeben: Vogelschau, das unendlich beschwerliche Wirken der Geometer auf Elektrizitätswerte haben sich an die Große Berliner P. Anders, Buttmannstr. 17. Faber, Stephanftr. 11. den Berghöhen, sowie den Beginn und die Vollendung des W. Gieshoit, Boyenstr. 40. F. Gleinert, Müllerstr. 7a. Riefenwertes vor. Der dritte Att bringt das wundervolle Pferde- Eisenbahn- Gesellschaft und letztere wiederum an den J. Gnadt, Puibuferitr. 32. a ferlandt, Bellermann- Wandelpanorama die Fahrt auf dem Vierwaldstädter See, fowie Wagistrat mit der Bitte gewendet, ihnen diejenigen Straßenzüge an straße 87. Heising, Schulstraße 114. Silgenfeld, das völlig neue Bild der Bahnentwicklung in der Biaschina sugeben, in denen der Betrieb mit überirdischer Leitung voraussichts Bergstraße 60. Röhler, Kalvinstraße 11. Kliet schlucht, um welche sich in drei Terrassen die Bahn bewegt. Ber- lich nicht gestattet werden wird, damit die Bearbeitung des mann, Brunnenstraße 162. ießte, Schwedterstraße 33. fpektivisch prächtig ist das Heraustreten des Eisenbahnzuges fann.- Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die königl. Eisenbahnzugeszeitraubenden Projektes schon jetzt in Angriff genommen werden Obligo, Suffitenstr. 26. Pfarr, Butligstraße( Ecke Salz aus den drei Tunneln dargestellt. Unzweifelhaft wird diese Gisenbahn- Direktion beauftragt, die Bedingungen festzustellen, wedlerstraße.) Ramlow, Schönhauser Allee 135. Raschte, Vervollkommnung des Vortrages das Publikum von neuem für unter denen die Ueberbrückung des Bahnhofes Hochstr. 32. Renfer, Beuffelstr. 24. Rosin, Ruppiner- das„ Gotthardstück" interessiren. Am Dienstag wiederholt sich Moabit im Zuge der Putligstraße zu gestatten sein würde. straße 42. E. Schmidt, Tresdomstr. 24. Schmidt, Kös- dieser Vortrag zum 150. Male, sodann wird er am Mittwoch Behufs Vereinbarung derselben hat die tönigl. Eisenbahnlinerstr. 2. Tauschel, Grenzftr. 4. und Sonnabend gehalten. An allen übrigen Tagen der Woche und Sonnabend gehalten. An allen übrigen Tagen der Woche Es ist Pflicht jedes Parteigenoffen, sich diesem Verein an- wird„ Ein Ausflug nach dem Monde" gegeben werden. Das Direktion den Magistrat zur mündlichen Verhandlung im Termin am 10. d. Mts. eingeladen. Bei dieser Gelegenheit tönnte auch zuschließen und für denselben zu wirken, damit er bald eine der für die Urania in der Invalidenstraße aufgestellte Repertoir ist gleichzeitig die Frage der Ueberbrückung des Bahnhofes GesundGröße des Kreises entsprechende Mitgliederzahl auszuweisen hat. ein sehr abwechselungsreiches: Am Sonntag trägt Herr Dr. brunnen im Zuge der Swinemünder- und Bellermannstraße mit Achtung, 6. Wahlkreis. Die Parteigenossen und Leser des Schwahn über" Die Wunder des Yellowstone- Parts" und am brunnen im Zuge der Swinemünder und Bellermannstraße mit " Vorwärts" machen wir hiermit auf die Adressen der Parteispediteure Mittwoch über" Rosmische Bilder" vor; am Montag Herr zur Berathung gelangen. G. Witt über den„ Mond"; am Dienstag und Sonnabend Herr An der Unfallstelle auf dem Bahnhof Zoologischer Garten aufmerksam. Auch ist dort sämmtliche Partei- Literatur zu haben. Dr. Spies über neuere Versuche mit unsichtbaren Strahlen"; lagen gestern noch ganze Haufen von Mauersteinen, Erde, Moabit: Karl Anders, Salzwedelerstr. 7. Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolzenburg, Wiesen- am Donnerstag Herr Dr. Naß über„ Die Elemente des Waffers", Kies 2c. Zahlreiche Arbeiter waren dabei, die Trümmer wegftraße 14. Gesundbrunnen: Wilhelm Gaßmann, Grün- während am Freitag Herr Professor Müller seinen Vortrag zufchaffen. Die Wirkung der Explosion ist auch nach unten sehr thalerstr. 64. Rosenthaler Borstadt: Gustav Rosen über„ Genossenschaftsleben bei Thieren und Pflanzen" halten wird. start gewesen. In der Thierklinit von Hagen sieht man in dem thal, Granfeerstraße 6. Schönhauser Vorstadt: Karl Volks- Theater schlechtweg nennt sich der jüngste Theater- Gewölbe, über dem der Bahnsteig liegt, einen handbreiten Mars, Kaftanien- Allee 95/96. bau Berlins in der Reichenbergerstraße unweit dem Kottbuser Riß. Verschiedene Steine sind herabgefallen, ein großer Sand. Thor. Auf das große Ereignis" oder beffer das Ereigniß für stein ist in die Klinik hineingeschleudert worden. Auch das Die Vielstöckigkeit der Miethskasernen suchen viele die sogenannte große Gesellschaft vom Donnerstag, auf die Gr Bewölbe über dem Lange'schen Pferdestall hat Risse bekommen. Hausbesizer dadurch zu verdecken, daß sie statt 1 Treppe" öffnung des Theaters im Westen folgte am Freitag die be- In diefen Stall führt vom Bahnsteige herab eine nicht be Hochparterre" sagen, folglich statt 2 Treppen" 1 Treppe" u. f. w. fcheidene Eröffnungsfeier des neuen Volks- Theaters" im Süden. nutzte Treppe, deren Deffnung mit einer dicken Glasscheibe bedeckt ist. Schwere Steinblöcke und durch Mörtel zusammen Aus Anlaß des diesmaligen Oktoberumzuges sollen wieder ver. Ein einfach- behaglicher hoher Theatersaal in der obligaten Modeschiedene Berliner Wirthe diese nichts fostende Verschönerung tönung von heute, in der Grundfarbe weiß, enthält einen gehaltene Mauersteine sind durch die Deffnung in den Stall mit ihren Häusern vorgenommen haben, um die Wohnungen der Parquetraum, der etwas über 600 Personen faßt, und hinabgefaust, haben die eiserne Treppe mit dem hölzernen Ges länder beschädigt und auch den Fußboden des Stalles noch theil. einem Fassungsraum von rund höheren Stockwerke den Miethern annehmbarer erscheinen zu einen ersten Rang mit weise zerstört. Von den drei Personen, die verlegt wurden, hat Herr Richard Anger, der Leiter des neuen eine die Arbeit wieder aufnehmen können. Die beideren anderen, laffen. Die Sache hat neben dieser mehr heiteren Seite noch 450 Plägen. eine ernſte. housbefizerliche Willfür in de Bezeichnung der Theaters, stellte sich mit wenigen, kurzen Programmworten die Bahnarbeiter Wunderlich und Starke, werden wohl erft Stockwerte erfwert die wohnstatistischen Berechnungen in hohem dem Publikum vor. de. Die Statistischen Aemter deutscher Großstädte haben sich Sozialistentödter und Verfasser der Reichshallen- Posse Vor: nach mehreren Wochen wieder dienstfähig sein. Beide sind am daher geeinigt, anders als die Haus befizer sämmtliche Geschoffe wärts" war ihm gründlich aus dem Gedächtniß geschwunden Kopfe verletzt, Wunderlich am schwersten; ihm ist das Gesicht ( einschließlich Hochparterre" und" Entresol", doch mit Ausschluß und er versprach, ein Bolte- Theater aus Boltes Gnaden er- arg gefchunden. Die Züge fahren heute noch sehr langsam an der Unfallstelle vorbei. bes Rellers), fortlaufend zu numeriren, also schon das Erd- wachsen zu lassen, ein Volks- Theater, das man getrost mit ift und " " " " 3-30 " geschoß als ersten Stock zu zählen. Der Unterschied zwischen Muttern" besuchen dürfe und in dem die Tochter nicht lernen Ein Bau- Unfall mit tödtlichem Ausgange hat sich Sonns der neuen und der alten Bezeichnung ist ganz bedeutend. werde, was sie nicht zu wissen brauche. Halb als Variété", abend, morgens um 7 Uhr, an der königlichen Bibliothek in der In Berlin ergab die Zählung von 1890 28 765 bewohnte halb als Komödienhaus ist das neue Theater geplant, Bebrenstr. 40/41, zugetragen. Der Arbeiter Albert Krautenstrauch, Gebäude, darunter 8232 mit Hochparterre", 587 mit und es bleibt abzuwarten, ob diese Alliance" sich auch der Sohn eines Dachdeckermeisters aus der Neuenburgerstraße, Entrefol", 505 mit beidem, so daß die neue Bezeichnung die bewähren wird. Bon Früchten vergangener Tage, von der hatte dort auf dem Dache zu thun, machte einen Fehltritt und Stockwertszahl bei 8819 Gebäuden um 1, bei 505 um 2 erhöht. altberlinischen Poffe will das Bolts- heater" zehren. Die erste stürzte auf die Straße hinab. Bevor man ihm Hilfe bringen Nach der alten Bezeichnung batten von 28 765 bewohnten Ge- Probe, eine stark verblaßte, unendlich harmlose Gesangspoffe fonnte, war der Verunglückte seinen inneren und äußeren Ver bäuden 674 nur ein Erdgeschoß( davon 107 noch mit bewohntem Ein vorsichtiger Mann" von Moser und Jacobsohn, war nicht legungen bereits erlegen. Er hatte sich u. A. einen Bruch der Keller), 2076 einen Stock( 813 mit Keller), 3965 zwei Stock besonders schmackhaft; die Harmlosigkeit ist ja ganz schön, aber Wirbelsäule zugezogen. ( 2332 mit Reller), 8266 drei Stod( 5681 mit Keller), 12 000 vier ein wenig geiftige Würze macht sie doch erträglicher. Für be= Vergiftet hat sich Freitag Morgen der 25 jährige Handlungss Stock( 6486 mit Keller), 1673 fünf Stod( 795 mit Keller), 111 scheidene Ansprüche mochte die Darstellung genügen. Vielleicht fech? Stock( 53 mit Keller); nach der neuen Bezeichnung dagegen wäre es erfprießlicher, auf einzelne Poffen von Angely, Kalisch, diener Frizz May aus der Rosenthalerstr. 42. Am 9. September 652 einen Stock( davon 100 noch mit bewohntem Keller), 1487 oder felbst auf die besseren Jacobsohn'schen Possen zurück war er aus der Großhandlung von Sprung in der Lothringerzwei Stock( 412 mit Keller), 2330 drei Stock( 1029 mit Reller), zugreifen. Der Variété- Theil ist ziemlich abwechslungs- ftraße 17, in der er Stellung hatte, weggegangen und nicht 6281 vier Stock( 3969 mit Keller), 13 888 fünf Stoc( 8586 mit reich gedacht zeigt in der üblichen Zusammen- wiebergekommen. Seinem Prinzipal schrieb er damals, er möchte sich einen anderen jungen Mann besorgen. Donnerstag Abend Keller), 3641 sechs Stod( 1876 mit Keller), 485 fieben Stock( 194 ftellung gymnastische Künfte, musikalische Scherze und eine fam May um 11 Uhr nach Hause. Am andern Morgen fand Den Schluß bildet mit Keller) und 1 Gebäude( Stralsunderstraße) 8 Stock( fein nicht allzu pikante" Tanzfängerin. man ihn vergiftet als Leiche in seinem Bette liegen. Keller). Zählt man den bewohnten Keller den Stockwerken zu, eine nicht üble parodistische Revue Bladderauauz" von so hatten 552 Gebäude eine, 1175 awei, 1718 drei, 3341 vier, Oskar Wagner. Das ist an sich eine gute, Inftige und in Ein Räuber? Am Freitag Mittag wurde die verebelichte, 9271 fünf, 10 351 fechs, 2167 fieben, 195 acht bewohnte Lagen Städten mit größerer geistiger Bewegungsfreiheit als Berlin Poftfchaffnersfrau Karoline Danowsky geb. Grigte in ihrer Woh übereinander. 12 713 bewohnte Gebäude( 44 pet. aller) ftanden bereits durchgeführte Idee, Großstadt- Ereignisse in Wort und nung, Bergftr. 58, burch ihre 15jährige Tochter und eine Nach Bild zu perfifliren. Diesmal muß unser barin auf dem Fußboden liegend, mit den Füßen an eine Bettalso im Widerspruch zur Bauordnung von 1887, nach der in farritirendem Bild einem Gebäude höchstens 5 zu dauerndem Aufenthalt bestimmte Schmerzenskind, die Gewerbe- Ausstellung, daran glauben. Das stelle festgebunden und mit zugebundenem Munde vorgefunden. Gefchoffe angelegt werden dürfen. Bei den Wohnungen verfrachte Theater Alt- Berlin, die Mailcoach", die parodirte Ihrer Erzählung nach ist sie von einem Manne, der sich als tritt der Unterschied zwischen der alten und der neuen Be- Kinderbrut- Anstalt, Freund Abraham, der Voltsernährer, werden Steuererheber einführte, durch Schläge auf den Kopf betäubt und zeichnung der Stockwerte noch drastischer hervor. Wo Erd- durchgehechelt; und zum Schluß erscheint auf der verdunkelten in diesem Zustande in der angegebenen Weise gefesselt und am geschoß, Hochparterre" und" Entresol" zusammentreffen, da Bühne das Monument, das die Pleite- Gegangenen" den Herren Schreien verhindert worden. Der Mann habe dann die Kommode durchsucht und 83 M. in baarem Gelde mitgenommen. Zuum nur ein Beispiel auzuführen die nach der Ver- Goldberger, Felisch und Kühnemann sehen. ficherung der Hausbesitzer 1 Treppe hoch" belegene Beletage" Einflußreicher Fürsprache und dem überzeugenden Nach- verläffiges über diese Behauptungen ist bisher noch nicht fest. gestellt. vom Erdgeschoß an bereits die vierte( wenn noch ein Keller beweis des Niederganges des Interesses an den Rennen ist es, wohnt wird, sogar die fünfte) bewohnte Lage. Solcher Woh- wie der Konfektionär" erfährt, gelungen, den Widerstand, welcher man lache nicht! nungen find in Berlin 1890 thatsächlich sich bisher der Erlaubniß zur Abhaltung von Rennen an Sonn74 Stüd gezählt worden( davon 50 noch mit Keller). tagen entgegenstellte, an den maßgebenden Stellen zu überwinden, Die Große Berliner Pferdebahn- Gesellschaft und das so daß voraussichtlich vom nächsten Jahre ab die Abhaltung von Publikum. Die Rücksichtslosigkeit der Großen Berliner Pferde- Rennen auch an Sonntagen in Berlin gestattet werden dürfte. Eisenbahn- Gesellschaft dem Publikum gegenüber ist hinreichend Das ist ja interessant, daß man das glücklich erlöschende Interesse befannt und wird jetzt wiederum auf der Strecke Moabit an der Pferdeschinderei durch Störung der Sonntagsruhe wieder ( Werftstraße)-Potsdamerstraße( Ecke Großgörschenstraße) treffend erwecken will! gefennzeichnet. Seit mehreren Wochen werden an der Lessing- Ein Trinkbecher hängt an dem Straßenbrunnen brücke, welche die Pferdebahn auf der bezeichneten Linie zu hinter der Hedwigskirche und wird, außer von Passanten, von passiren bat, größere Reparaturen vorgenommen. Infolge den Kindern der benachbarten St. Hedwigs Pfarrschule deffen sollten die Geleife abgefteift werden, welche Arbeit benutzt, die sich in den Unterrichtspausen, mangels eines besonauf 600 m. veranschlagt wurde. Vermuthlich, um diese deren Schulhofes, auf dem offenen Platz hinter der Kirche er Ausgabe zu sparen, läßt die Pferdebahn jedoch ihre Wagen gehen. Dieser Becher ist feit einiger Zeit unseres Wissens jetzt nur bis zur Brücke gehen, wodurch die Strecke um zehn mindestens fünf Wochen, vielleicht aber schon viel länger Aus dem Polizeibericht vom 3. Oktober. Am Don Minuten gekürzt wird. Troydem müssen die Fahrgäste, welche defekt. Aus dem Rande ist ein großes Stück herausgebrochen, nerstag Abend wurde an der Durchfahrt des Hauses Liebigftr. 5 jene Strecke benutzen, den vollen Fahrpreis entrichten und sind und die scharfen Kanten und Ecken der Bruchstelle zeigen Rost die dreijährige Stieftochter des Arbeiters Julius Förster durch daher mit recht über das Geschäftsgebahren der Großen Ber- anfaz. Trotzdem ist der Becher wir haben vergeblich darauf einen beladenen Kohlenwagen überfahren und am Kopfe und an liner Pferdeeisenbahn Gesellschaft allgemein empört, umso mehr, gewartet bis jetzt nicht erneuert worden. Es scheint, daß der Brust anscheinend lebensgefährlich verletzt. Das Kind wurde als letztere durch die erhebliche Kürzung der Strecke täglich vier bisher weder das Lehrerkollegium der Schule noch die städtische nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. In der Wagen, 6 Schaffner, ebenso viele Kutscher und das erforderliche Bau- Jufpektion, der der Brunnen unterſtellt ist, den gefährlichen Filiale des Admiralgartenbades", an dem Luifen- Ufer gelegen, " 1 verstarb Pferdematerial spart! Da die Bauarbeiten an der Brücke noch Zustand des Bechers bemerkt hat. plöglich die Frau des Rechtsanwalts J. aus 4-5 Wochen dauern werden, macht die Pferdebahn Gesellschaft Die Kartoffelpreise werden, wie man schreibt, in diesem Frankfurt a. D.; dem Anscheine nach hat sie ein Herzschlag bes troffen. auf Kosten der Allgemeinheit wieder einmal ein feines Geschäft. Winter eine so beträchtliche Höhe erreichen, wie feit langen Treptow war gestern der Betrieb etwa 40 Minnten lang unterAuf der elektrischen Bahnlinie Leipzigerstraßes Die Verbreiterung der Potsdamerstraße wird nun Jahren nicht. Die Ernte iſt faft überall fehr schlecht aus: brochen, wahrscheinlich infolge sogenannten Kurzschlusses. – Der Der Magistrat hat dem Be: gefallen, so daß die Nachfrage nach guter Waare das Angebot Sandlungsgehilfe M. vergiftete sich in seiner in der Rosenthalers endlich zur Thatsache werden. fchluffe der städtischen Baudeputation, den Damin der Pots- bei weitem übersteigt. damerstraße zwischen dem Potsdamer Play und der Lühowstraße( 24 3entner) Eßkartoffeln 33-36 W., in diesem Herbste werden fraße gelegenen Wohnung mit Strychnin. Anscheinend find Auf der auf 15 Mieter zu verbreitern, zugestimmt. 40-43 W. bezahlt. Diesen Preisunterschied wird der Proletarier Nahrungssorgen der Grund zu dem Selbstmorde. Das Berliner Aquarium hat in mehreren Sendungen Kleinverkauf noch schärfer zum Ausdruck kommen. während des langen Winters schwer empfinden, denn er wird im Kreuzung der Kleinen Hamburger- und Linienstraße wurde der auf einem Dreirad fahrende Hausdiener Mischnewski durch eine von Süden und Norden her eine Anzahl Neuheiten aus der vorschriftswidrig fahrende Droschte umgestoßen und unter der Süßwasser und Meeresfauna in seinen Besis gebracht. Das Die Herbst- Kontrollversammlungen in den Landwehr felben eine Strecke weit mitgeschleift. Er scheint mit unerheblichen Wandbecken neben solln wurde besest mit zwei zum bezirken Berlin I bis IV werden in den Tagen vom 2. bis 6., Verlegungen davongekommen zu sein. Aus Nahrungssorgen 0 = Im Vorjahre kostete der Wispel Durch Selbstmord hat auch der Buchhalter des Schneiderfchen Bankgeschäftes, der 23jähige Kaufmann Karl Kindervater geendet. Er hat sich unweit der Station Neu- Rahnsdorf von einem Bug überfahren lassen; der Tod ist sofort eingetreten. Kindervater hatte in Sachen der Schneider'schen Veruntreuungen bei der Polizei bereits mehrere Verhöre zu bestehen. Durch einen Sprung aus dem Fenster ihrer im zweiten. Stock belegenen Wohnung versuchte die 26jährige, in der Trebbiner Straße wohnende, unverehelichte Selma Boyenson wegen Liebess grams ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie erlitt durch den Sturz auf den gepflasterten Hof außer einem doppelten Beins bruch auch innere Berlegungen und wurde nach der Charitee be fördert. fiurjte sich der obdachlose Kutscher L. von der ZivillingIbrücke in den Kanal,»vurde aber wieder herausgezogen und nach de», Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Der Droschke». kutscher M. fiel in der Trunkenheit auf dem Mariannenplatz wahrend der Fahrt vom Bock und erlitt eine schivere Gehirn- erschütterung. Ans den Nachbarorten. Den Arbeitern von Weitzenfce nnd Umgegend zur Kenntniß, daß hier als politische Organisation der„Arbeiter- verein sür Weißensee und Umgebung" besteht. Derselbe hat sich die Aufgabe gestellt, seine Mitglieder durch Belehrung und Förderung ihrer Interessen für den politische» Kampf reif zu machen. Pflicht eines jeden Arbeiters, welcher mit de» Zielen der sozialdemokratischen Partei sympathisirt, ist es daher, dieser Organisation beizutreten. Zur Aufnahme neuer Mitglieder resp. zur Erhebung von Beiträgen sind folgende Zahlstellen er- richtet: Albrecht, Generalstraße- und Heinersdorfer Weg-Ecke: Kirschner. Rölkestr. 138; Frenz. Königs- Chaussee- und Lehderstraßen-Ecke; S o r r e r, Straßburgstr. S6; B r e n n e r t, Königs-Chaussee 46. Für Wilhelmsberg: Krause, Restaurant Freischütz. Achtung, Wilmersdorf! Die Parteispedition befindet fich bei Frau K ü b l e r, Sigmaringerstr. 34 und bei Frau Heine- m a n n. Sigmaringerstr. 3S. Diejenigen Parteigenosse», welche am l. Oktober ihre Wohnung gewechselt haben, wollen ihre jetzige Adresse umgehend an eine der oben angeführten Stellen gelangen lassen, damit eine prompte Zustellung der Parteipresse erfolgen kann. Die Genossen, welche beim letzten Quartalswechsel nach Wilmersdorf umgezogen sind, werden ganz besonders hierauf aufmerksam gemacht. Abonnements auf„Borwärts",„Volks blatt",„Wahren Jakob", desgl. Bestellungen auf säinmtliche Partei Literatur werde» zu jeder Tageszeit entgegengenommen. Der Vertrauensmann. F» der letzten Sitzung der Rixdorfer Gemeinde-Ver tretung sprach Genosse R e tz e r a u de» Wunsch aus, daß in anbetracht des Umstandcs, daß Rixdorf demnächst ca. 70 000 Ein- wohner zählen werde, von neuem die Verleihung städtischer Ver- fassung für den Ort nachgesucht werden möge. Schuld daran, daß die Angelegenheit nicht weiter komme, sei jedenfalls der häusige Ministerwechsel. Gemeinde-Vorsteher B o d d i n erklärte darauf, daß ei» bezüglicher Antrag seitens der Gemeinde bereits gestellt sei und die Verhandlungen darüber noch schweben. Be- züglich der Verleihung des Städlerechts an die Gemeinde Schöucberg werde in der nächsten Kreistags-Sitzung bereits ver handelt werden. Schöffe B ü r k n e r war der Ansicht, daß die bisherige Verzögerung der Angelegenheit lediglich dem Berliner Magistrat zuzuschreiben sei.— Genosse O st c r m a n n brachte sodann in Anregung, das Straßenfegen des Nachts ausführen zu lassen. Die Beschlußfassung hierüber wurde vertagt. Wegen ehelicher Zwiftigkeiten versuchte die 20jährige verehelichte W., in der Erckstraße zu Rixdorf wohnhaft, sich mittels Oleums zu vergiften. Aerztliche Hilfe war zwar baldigst zur Stelle, doch ist es zweiselhast, ob die Aermfte wird am Leben erhalten werden können. Die Danipfstraßenbahn- Gesellschaft ist— wie uns als zuverlässig mitgetheilr wird— von der Schöneberger Polizei Verwaltung aufgefordert worden, die Bctriebseiurichtungeu der Dampfbahn bei der Dorfaue in Schöneberg binnen kürzester Frist so zu gestalten, daß Unglücksfälle wie am Sonntag, den 13. v. M., sich nicht mehr ereignen können, widrigenfalls der Betrieb polizeilich gesperrt werden würde. Genrvvlre-Auspfclltmg 1896, Heute, Sonntag, ist Fünfzigpfeunig-Tagen ist in stellung kaum mehr die Rede. kombinirter Ein- Marktag. Von gegenwärtiger Zeit auf der Ans- Vom Wirken des AmtSvorsteherS Hoffmann weiß ein Berichterstatter zu erzählen: Vor einiger Zeil erschien in der Weltmusik im Vergnügungspark i». Auftrage des Anitsbureaus zu Treptow ein Gerichtsvollzieher, um eine Pfändung vor- zunehmen. Auf die Erkundigung des Direktors, Herrn Schippa- nowsky, wofür das Geld eigentlich beigetrieben werde» sollte, zeigte der Gerichtsvollzieher einen Beschluß der Aintsbehörde von Treptow vor, nach welchem Herr Schippauowsky 200 M. zu zahlen habe zur Deckung derjenigen Polizeistrafe», welche von der Weltmusik wegen Uebertretnng eventuell noch er- hoben werden könnten. Selbstverständlich ist gegen die Amtsbehörde bereits Klage auf Rückzahlung des Geldes nebst Zinsen eingeleitet worden. Dieselbe Direktion wurde s. Z. in eine Vergnügungssteuer genomnien, welche in Berücksichtigung der zahlreichen in der Weltmusik konzertirende» Kapellen eine sehr hohe war. Es gelang der Direktion jedoch, von dem fest« gesetzten Steuerbelrag eine sehr erhebliche Summe abzuhandeln, indem sie sich verpflichtete, den gesammten Sleucrbetrag mit einem Mal in einer Pauschalzahlung zu erlegen. Vor kurzem jedoch erschien der Gerichtsvollzieher von Treptow abermals in der Weltmusik, um für den russischen Bogen eine Extra- Vergnügungssteuer einzuziehen, mit der Behauptung, daß dieser seinerzeit bei Zahlung des Pauschalbetrages von der Amts- behörde nicht in betracht gezogen sei. Wohl oder übel muß nun die Direktion jede Woche 40 M. Extra-Vergnügungsstcuer zahlen, hat jedoch auch hier bereits Klage aus Rückzahlung der Gelder nebst Zinsen angestrengt. Die Einnahmen der Berliner Gewerbe-Ausstellung im September(30 Tage) betrugen an den Kasten derselben und durch Verkauf durch die Eisenbahn und Dampfer zirka 583800 M., für Dauerkarten 150 M., in Sumnia 583 950 M. Der offizielle Schluß der Ausstellung findet definitiv am Donnerstag, den 15. d. M., nachmittags 4 Uhr, durch den früheren und den jetzigen Handelsminister, die Herren v. Berlepsch und Brefeld, im Kuppelsaale des Hauptgebäudes statt. Von dem eine Zeit lang in Erwägung gezogenen großen Schlußfest am 16. d. M. wurde nach reiflicher Erwägung ab- gesehe». Munft und MiWensrhsfk. Die Eröffnung des Theaters des Westens giebt dem „Börsen-Courier" Anlaß zur Beantwortung der Frage: Wie viele Personen können die Berliner Theater fassen? Es haben Plätze, das Schauspielhaus für 1044 Personen, Opernhaus 1651, Deutsches Theater 1000, Berliuer Theater 1600, Lessing-Thealer 1024, Schiller-Theater 1800, Kroll's Theater 1600, Friedrich- Wilhelmstädtischcs Theater 1600, Residenz-Theater 657, Neues Theater 821, Thalia-Theatcr 1349, Zentral-Theater 1000, Belle- Alliance-Theater 1600, Theater Unter den Linden 1500, Ostend- Theater 1100. Zusammen also fassen die 15 Berliner Theater 18 846 Personen. Berlin zählt beinahe 2 Millionen Einwohner. Weniger als ein Prozent der Bevölkerung reicht aus, alle Theater zu füllen und täglich ausverkauft sind ja die Häuser nicht. Außerdem besuchen aber Berlin taglich 10 000 Fremde, die zum größten Theil Theaterbesucher sind. Wie die Knnst im Belle-Alliance-Theater nach Brot geht. Von Herrn Paul R. Lehnhard, Schriftsteller Hierselbst, erhalten wir mit der Bitte um Aufnahme folgende Zuschrift: „Herr Direktor Maurice vom Belle-Alliance-Theater nahm meine Posse„Mars incognito" zur Ausführung an und verpflichtete sich vor Zeugen zu einer Ausstattung des Stückes in Höhe von ca. 5000 M. Unter dieser Bedingung erhielt Herr Direktor Maurice von meiner Seite«inen baaren Zuschuß von 1500 M. Wie wenig die Direktion ihren Verpflichtungen nach kam, zeigte sich am Tage der Erstaufführung. Von den ver- sprochenen neuen Dekorationen, Kostümen ec. war nicht? zu be merken, außerdem war Herr Richard noch einen Tag vor der ersten Vorstellung von der Regie und Verkörperung der ersten komischen Rolle zurückgetreten, so daß der für ihn eingesprungene andere Darsteller nicht im stände war, in der kurzen Zeit die Partie zu bewältigen. Drei Kouplets und ein großes Duett mußten daher ausfallen. Unter diesen Umständen konnte natür- lich von einem Erfolge keine Rede sein. Das Stück wurde fünf- mal aufgeführt. Gestern wurde„'N tolles Mädel" mit„neuen Kouplets" annoncirt. Ahnungsvoll wohnte ich dieser Vorstellung bei und durfte so Zeuge einer unglaublichen Dreistigkeit werden. Herr Richard sang ohne meine Erlaubniß und Wissen in einer alten Posse mein von mir speziell für meine neue Posse„Mars incoAnito" verfaßtes, aber seinerzeit nicht gesungenes Kouplet: „Nicht in die Tüte!"— Hiermit glaube ich die Handlungsweise der Belle-Alliance-Theater-Direktion und ihres Regisseurs ge- nügend gekennzeichnet zu haben. Weitere Schritte sind bereits eingeleitet.„Mars incogiüt.o" wird ein gerichtliches Nachspiel erleben." Die Enthiillung des Nationaldenkmals der Brüder Wil Helm und Jakob Grimm in ihrer Vaterstadt Hanau ist nunmehr auf den 18. Oktober festgesetzt. Theater- Wochenchronik. Opernhaus: Sonntag, den 4. Oktober: Die Afrikanerin. Anfang 7 Uhr. Montag, 5.: La Traviata. Violetta: Signorina Franceschina Prevo'sti, letzte Gastrolle. Slavische Brautwerbung. Dienstag, 6.: Das Heimchen am Herd. Mittwoch, 7.: Neu einstudirt: Die Hochzeit des Figaro. Donnerstag, 3.: Der Evangelimann. Die Pnppenfee. Freitag, 3.: Die Hochzeit des Figaro. Sonnabend. 10.: Oberon. Sonntag, II.: Die Hugenotten. Anfang 7 Uhr. Montag, 12.: Der Barbier von Sevilla. Rosine: Frau Marcella Sembrich, königl. preußische Kammersängerin, als Gast. Phantasien im Bremer Rathskeller.— Schauspiel- haus: Sonntag, den 4. Oktober: Wie die Alten sungen. Montag, ö.: Goldfische. Dienstag, 6.: Graf Effex.(Königin Elisabeth: Fräulein Anna Havelland, als Gast). Mitt woch, 7.: Goldfische. Donnerstag, 3.: Die Journalisten. Freitag, 9.: Zum ersten Male: Ein Königsidyll. Soniv abend. 10.: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Sonn tag, II.: Ein Königsidyll. Montag, 12.: Faust. Anfang 7 Uhr.— Neues königl. Opern-Theater(Kroll). Sonn- tag, 4. Oktober: Uriel Acosta. Sonntag, 11.: Ein Volksfeind.— Das Deutsche Theater bringt heule die erste Wiederholung von Sudennann's neuen drei Einaktern: Teja, Fritzchen nnd Das Ewig-Männliche unter dem Gesammttitel Morituri. Für die weiteren Tage dieser Woche ist der Spielplan: Montag: Die Weber, Dienstag: Morituri, Mittwoch: Julius Cäsar, Donnerstag: Hannele's Himmelfahrt und Ohne Liebe, Freilag: Morituri, Sonnabend: Julius Cäsar, nächsten Sonntag Abend: Morituri; Montag: Hannele's Himmelsfahrt und Ohne Liebe. Als Nachinittags-Vorstellungen zu ermäßigten Preisen werden heute: Der Talisman, nächsten Sonntag: Die Weber gegeben.— Auf dem Spielplan des Lessing-Theaters stehen im Vordergrund die Gast- Vorstellungen von Herrn Engels, der Sonnlag. Dienstag und Sonnabend in Gerhardt Hauptmann's Komödie Kollege Crampton, Donnerstag in Oskar Blumenthal's Lustspiel Das Einmaleins, Freitag zum ersten Mal in dem Luftspiel Die Kinder der Excellenz und nächsten Sonntag im Schwank Der Herr Senator auftreten wird. Mit Fräulein Groß in der Titelrolle wird Montag zum ersten Male wieder Madame Sans-Gene und Mittwoch Comtesse Guckerl gegeben. Als Nachmittags- Vorstellung gelangt heute. Heimath, nächsten Sonntag Madame Sans- GSue zur Aufführung.— Das Berliner Theater veröffentlicht folgenden Wochen- Spielplan: Montag, Mittwoch und nächsten Sonntag Nach- mittag wird König Heinrich, Dienstag und Sonnabend Die offizielle Frau gegeben. Donnerstag geht zum ersten Male Max Meißner's fünfaktiges Schauspiel Joachim von Brandenburg in Szene und wird Freitag(5. Abonnements- Vorstellung) und Sonntag Abend wiederholt. Diesen Sonntag Nackmittag wird als volksthümliche Vorstellung König Heinrich gegeben.— Im Schiller-Theater wird Sonntag Nach- mittag Emilia Galotti gegeben, abends 3 Uhr kommt Felix Philippi's Schauspiel Wohlthäter der Menschheit zur Ausführung. Montag und Dienstag sind die letzten Wiederholungen des Wichert- schen Lustspieles Ein Schritt vom Wege, Mittwoch geht zum ersten Mal Der Sohn der Wild n lß, dramatisches Gedicht von Friedrich Halm, in Szene. Diese Vorstellung wird dann bis einschließlich Sonnabend wiederholt. Der Schubert- Abend, den das Schiller-Theater heute Sonntag, im Bürgersaale des Iiathhanses veranstaltet, umfaßt: einen Vortrag von Dr. Karl Krebs. Lieder und Duette, die Fräulein Sueßna und die Herren larneckow und Franz Harres übernommen haben; ferner einige . lavierstücke, vorgetragen von Fräul. Eugenie Reinhold.— Im TheaterUnterden Linden wird heute nachmittag die Operette Der Bettelstudent von Millöcker zur Aufführung gebracht, worin Frl. Charlotte Siegl vom deutschen Landestheater in Prag, die Laura singen wird. Abends wird Die Lachtaube gegeben. Im Laufe der nächsten Woche debütirt der Baritonist Tarno in der seit sechzehn Jahren hier nicht aufgeführten Lecoq'schen Operette Der kleine Herzog.— Im Friedrich Wilhelm- städtischen Theater findet heute Abend die erste Sluf- sühruug von Das Käthchen von Heilbronn von Heinrich v. Kleist statt. Nachmittags geht Maria Stuart in Szene.— Im Alexanderplatz-Theater wird heute Nachmittag eine Kinder-Vorstellung mit dem Zaubermärchen von Eugen Prudens: Tischlein deck Dich, Eselein streck Dich, Knüppel aus dem Sack gegeben.— Das Belle-Alliance-Theater bringt heute die letzte Sonntags-Aufführung der Gesangsposse 'n tolles Mädel. Der Schwank Jochen Päsel wird zugleich zum letzten Mal aufgeführt. Nachmittags findet eine Volks-Vorstellung unter Regie des Herrn Türk mit Kabale und Liebe statt. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen: Louise: Fräulein Lorenzo als Gast, Lady Milford: Hedwig Margot; der Herren: Präsident: Oswald Frey als Gast, Ferdinand: Robert Hartberg als Gast, Wurm: Alfr. Karfiol, Miller: Wilh. Ruff, Kammerdiener: Julius Türk. Die erste Vorstellung des Jbsen'schen Stückes„Komödie der Liebe" findet am Sonntag, den 18. Oktober, statt. Die Abonnenten der ersten Abtheilung können entweder dieser Vorstellung oder der heutigen für die Oktoberkarte beiwohnen. dfcttiägf 9- Bett unfi* Eine empfindliche Lektion erhielt gestern ein Denunziant von dem Schöffengericht des Landgericht? I. Derselbe,«in Kauf- mann B., hatte einen Gastwirth, mit dem er verfeindet war, wegen Uebertretung der Polizeiflunde zur Anzeige gebracht und wollte die Thatsache der Uebertretung durch ca. zwölf Zeugen beweisen. Die Zeugen bestätigten zwar die Angaben des Denun- zianlen, doch niußte der Gaflwirth freigesprochen werden, weil er nachweisen konnte, daß er sür de» fraglichen Abend, an welchem in seinem Lokal eine Festlichkeit stattfand, die Erlaubniß von der Polizei erhalten hatte, sein Lokal zwei Stunden länger aufhalten zu dürfen. Der Gerichtshof kam zu der Ueberzeugung, daß die Denunziation nur in gehässiger Absicht eingereicht und zum mindesten der Denunziant sehr fahrlässig gehandelt habe. Demselben wurden infolgedessen die gesammten durch die Anzeige verursachten Kosten des Versahrens auferlegt. „Hofklatsch, Indiskretionen aus hohen Kreisen von Prinz Fr..." Unter diesem Titel erschien in diesem Frühjahre eine Broschüre, welche zwar nicht, wie zunächst vermulhet wurde, Enthüllungen über die Angelegenheit des Zeremonienmeisters v. Kotze brachte, sondern andere Geschichten enthielt, welche von der Behörde als anstößig angesehen wurden. Das Buch verfiel daher der Beschlagnahme und der Verleger, Buchhändler Franz Wesemann, zog sich eine Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften zu,'welche'gestern vor der siebenten Strafkammer des Land- gerichts I verhandelt wurde. Als Sachverständige waren die Schriftsteller Karl Schneidt und Tovote geladen. Der Gerichtshof gelangte auf grund der Prüfung des Inhalts der in Rede stehen- den Broschüre zu der Ansicht, daß verschiedene anstößige Stellen in derselben enthalten feien. Der Angeklagte wurde deshalb zu einer Geldstrafe von 50 M. verurtheilt. DaS polizeiliche Verbot eines patriotischen Liedes, sogar eines solchen, das obendrein noch den p. t. Militarismus verherrlicht, dürfte wohl zu dem noch nicht Dagewesenen gehören. Der Sachverhalt ist kurz der folgende: Dem Besitzer der Rudolf- schen Spezialitätenbühne in Berlin wurde polizeilich untersagt, das Lied:„Wenn die Garde stolz marschirt"— fernerhin von seiner Bühne herab singen zu lassen, trotzdem das Lied auf anderen Bühnen allabendlich unbeanstandet zum höheren Ruhme unserer vaterländischen Tondichtung heruntergeleiert werden darf. Da der also unter Zensur gestellte Bühnenleiter sich an das Verbot nicht kehrte, wurde er mit 3 M. Strafe belegt und ein vor dem Schöffengericht verhandelter Einspruch von ihm selbst wieder zurückgezogen, da man ihm darlegte, daß die Polizei ein Recht habe— jedes Lied verbieten zu können. Nun hat der Bühnen- befltzer den Weg des Verwaltungs-Streitverfahrens beschritten. Der große Unglücksfall, welcher sich am 13. Juli d. I. im Parke des Weißenseer Schloßreftanrants ereigneie, führte gestern den Restauraleur Rudolph Schenk, den Pächter des genannten Restaurants, unter der Anklage der fahrlässigen T ö d t u n g und fahrlässigen Körperverletzung vor die erste Strafkammer am Landgericht II. Am 13. Juli fand im Park ein Kinderfest statt, mit welchem auch ein Stangenklettern verbunden werden sollte. Lange bevor das Stangenklettern begann, machte sich ein halbes Dutzend 12— I3jähriger Knaben daran. an dem hohen Mastbaum vermittelst eines an demselben hängenden elektrischen Drahtes zu ziehen und den Mastbaum nach und nach in schwankende Bewegung zu bringen. Dabei brach derselbe aber plötzlich am Fuße ab, schlug über Tische und Bänke und erschlug dabei die fünfjährige Martha Kübisch, während deren Bruder, der siebenjährige Kübisch, nur gestreift und am Auge und der Nase leicht verletzt wurde. Dem kleinen Mädchen war der Schädel zertrümmert nnd damit der Tod auf der Stelle herbeigeführt worden. Da sich der Mastbaum au der Bruchstelle als stark vermorscht erwies, so wurde das Unglück dem Pächter zur Last gelegt, weil es demselben obgelegen habe, den Baum vor der Benutzung gründlich auf seine Festigkeit zu prüfen oder prüfen zu lassen. Der Angeklagte behauptete vor Gericht, daß er diese Pflicht erfüllt habe. Er habe seinem Maschinisten den Auftrag gegeben, die Stange zu untersuchen. Dieser sei mit einer Leiter hinausgestiegen, ein zweiter Arbeiter sei ebenfalls hinauf geklettert und beide hätten ihm ver- sichert, die Stange sei fest. Die Leitung der Kinderspiele habe er seinem Tanzmeister übertragen, da er nicht überall hätte sein können. Daß ein solcher Unfug getrieben werden konnte, habe niemand voraussehen können. Die Beweisaufnahme ergab, daß noch unmittelbar vor der Katastrophe ein Knabe an der Stange hinauf und hinab geklettert war, ohne daß die Stange gewackelt habe, aber das„Wippen" der kräftigen Junge» habe gleich nachher den Bruch ver- aulaßt. Die bautechnischen Sachverständigen, die Herren von Poser und Möser, haben zwei Monate vorher, als der Angeklagt« die Pachtung antrat, säinmtliche Baulichkeiten des Gartens unter- sucht; auf ihre Veranlassung ist auch das Seetheater und die Rutschbahn gesperrt worden, die Kletterstange haben sie aber nicht untersucht. Jedenfalls sei die Art der durch den Maschi- nisten ausgeführten Untersuchung ungenügend gewesen. Die- selbe hätte in der Weise ausgeführt werden müssen, daß mit einem starken Eisen dort an die Stange geklopft wurde, wo dieselbe aus der Erde heraus- ragt. Wenn der sich dabei bildende Ton dumpf klingt, so bedeute das, daß das Holz morsch oder verfault sei. Das Stangen- klettern würde der Baum zwar noch ausgehalten haben, aber die mit nicht unerheblicher Kraft herbeigeführte Schwenkung mußte die Katastrophe herbeiführen. Ein von der Bruchstelle abgesägtes Stück des Mastbaumes lag auf dem Zeugentische. Dasselbe zeigte, daß das Holz außen verwittert, der Kern aber noch gesund war. Der Staatsanwalt folgerte die Schuld des Angeklagten aus der mangelhaften und nicht sachgemäßen Untersuchung des Stammes und beantragte eine Woche Gefängniß. Der Gerichtshof nahm jedoch an, daß der An- geklagte alS Laie an die Tragfähigkeit des Stammes glauben konnte, nachdem zwei erwachsene Männer daran emporgestiegen waren. Das Klettern der Knaben würde die Stange nach Ansicht der Sachverständigen noch ausgehalten haben, den Unfug der Knaben aber— die eigentliche Veranlaffnng der Katastrophe— konnte niemand vorhersehen und deshalb sei auf Frei» s p r e ch u n g zu erkennen. Der Redakteur der Berliner„StaatSbürger-Zeltiina", eorg Berger, hatte sich, dem„Bresl Generalanz." zufolge, heute vor dein Breslauer Schöffengericht wegen Beleidigung zu ver- antworten. Im Abendblatt Nr. 431 der„Staaisbürger-Zeitung" vom Jahre 1894 stand ein Artikel, der mit dem Satze begann:„Zu der von uns so oft betonten Nothwendigkeit einer gründlichen Um- arbeitung der Jrrengesetzgebung zc." Mit diesem Artikel wurde einem hiesigen Juwelier vorgeworfen, daß er seinen in Berlin wohnenden Vater in gewinnsüchtiger Absicht habe ins Irrenhaus bringen lassen. Redakteur Berger, vertreten durch den Rechts- anmalt Caernbach, konnte den Wahrheitsbeweis nicht antreten. Er wurde, da ihm der Schutz des§ 193 nicht ganz abgesprochen werden konnte, zu 100 M. Geldstrafe verurtheilt. Witterungsübersicht vom Z. Oktober 1898. Wetter-Prognose für Sonntag, den 4. Oktober 1�96. Zunächst wärmer, vorwiegend trüb« mit Regeufällen und frischen westlichen Winden; nachher ausklärend und kühler. Berliner Wette rbureau. VevttuMzkeS« Eine Million Mark sollte dem Unteroffizier Harniann vom 34. Jnfanleric-Regimenl in Schneidemühl durch Erbschaft von einem in Baltiniore veistorbenen Ouiel zugefallen sein. Nachdem Harmann dieser Tage erfahren hatte, daß es mit der Millionenerbschaft nichts ist, hat er sich, wie man dem„Berliuer Tagebl." meldet, vorgestern erschossen. Jagdunglück. Aus Lüdenscheid meldet man: In Gesell- 1 brauchten, von Neunkirchen nach Reden befördert werden konnte. I und eingeschriebenen Briefe ihres Baarinhalts, während er den schaft mehrerer Jäger von hier war der Bautechniker Hugo Um 12 Uhr mittags wurden auch die beiden andern Gleise wieder Rest im Zimmer zurückließ. Der bisher festgestellte Schaden be. Dominici, der feine Ferien im elterlichen Hause verlebte, als zu fahrbar. Die Ursache des Unfalls muß in der irrigen Auffaffung siffert sich auf 80 000 fire. Von dem Thaier, wahrscheinlich Schauer mit zur Jagd gegangen. Als die Gesellschaft sich zum einer Bugmeldung gefunden werden. einem ehemaligen Poftbeamten, fehlt einstweilen jede Spur. Frühstück auf dem Felde niedergelassen hatte, sprang der mitgenommene Hund gegen eine an einen Baum gelehnte Jagdflinte, diefe entlud sich im Fallen und von der Ladung tödtlich in die Bruft getroffen, brach der junge Dominici zusammen. Eisenbahnunglück. Aus Saarbrücken wird unterm 3. Oftober telegraphisch gemeldet: Die Eisenbahn- Betriebs- Inspektion giebt bekannt: Gestern Abend gegen 8/2 Uhr fuhr der Perfonenzug von Saarbrücken auf den vor dem Bahnhofs Abschluß- Signal des Bahnhofs Neunkirchen haltenden Güterzug 847. Es wurden hierbei 5 Güterwagen stark beschädigt. Perfonen wurden nicht verlegt. Die Hauptgleise waren unfahrbar geworden und mußte der Personenverkehr durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrechterhalten werden. Der Schnellzug 330 erlitt infolge deffen 11/2 Stunde Verspätung. Das dritte Gleis war heute Morgen 21/2 Uhr wieder fahrbar, sodaß der Personenzug 382 in diesem Gleife gegen 5 Uhr, ohne daß die Reisenden umzufteigen Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonntag, den 4. Oktober. Volksvorstellung im Belle- AllianceTheater. Nachm. 21/2 Uhr: Rabale und Liebe. Opernhaus. Die Afrikanerin. Montag. La Traviata. Brautwerbung. Slavische Neues Opern- Theater.( Kroll.) Uriel Acosta. Schauspielhaus. Wie die Alten Montag: Gefchloffen. fungen. Eisenbahn- Unglück. Aus Waremme wird vom Sonnabend In Reggio di Calabria fand infolge eines Bruches der berichtet: Gestern Abend hat ein Zusammenstoß zwischen zwei Dämme eine starte Ueberschwemmung statt, der eine Person zum Güterzügen stattgefunden. Ein Maschinist ist getödtet, ein anderer Opfer fiel. Der Verkehr auf der Eisenbahn ist unterbrochen, in Maschinist und zwei Heizer find verlegt worden. Der Material- der Stadt stürzte ein Haus ein, auch sonst ist bedeutender Schaden schaden ist bedeutend. sta entstanden. entstanden. Bürger und Soldaten bemühen sich, weiterem der ungarischen Petroleum Raffinerie ein großer Brand aus. In Budapest brach Freitag Nacht in dem Fabrikgebäude Schaden vorzubeugen. Das Feuer verbreitete sich so schnell, daß alle Magazine ein Raub der Flammen wurden. Die Feuerwehr vermochte nur den Brand zu lokalisiren. Der Materialschaden ist groß, doch ist die Fabrit mit allen Vorräthen zum vollen Werthe versichert. Briefkasten der Redaktion. P. P. P. Ein weiteres Rechtsmittel in der Sache zu er greifen ist aussichtslos. Lakowiz. Auf der Redaktion ist ein Brief für Sie ein gegangen. Aus Mailand wird der Voff. 3tg." berichtet: Freitag Abend holte bei der hiesigen Postfiliale in der Via Cattaneo eine in Postuniform gekleidete Person die gesammte Korrespondenz ab Lefsen, Westpreußen. Anonyme Zusendungen zu verund entführte sie mittels Droschte in den kleinen Gasthof von öffentlichen, sind wir nicht in der Lage. Porto Venezia". Dort beraubte der Unbekannte die versicherten Radke. Stellen Sie die Frage noch einmal. " Offend- Theater. Urania. Grosse Frankfurterstr. 132. Taubenstr. 48/49. Direktion: Karl Weiss. Der deutsche Michel. Volksstück mit Gesang in 4 Akten von R. Kneisel. Anfang 71/2 Uhr. Rasseneröffnung 6 Uhr. Central- Theater. Alte Jakobstr. 30. Direttion: Richard Schultz. Sonntag, den 4. Oktober: Emil Thomas a. G. Eduard Steinberger a. G. Zum 15. Male: Taubenstr. 48/49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet v. 10 Uhr vormitt. ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschaftl. Theater ends 8 hr. Sternwarte Invalidenstr. 57-62 Lehrt. Stadtbahnhof täglich geöffnet von 7 Uhr abends ab. Eintritt 50 f. H Im Theater Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge mit Experimenten und großen Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesauschläge. Thalia- Theater Direktion: W. Hasemann, fönigl. preuß. ( vormals: Adolph Ernst- Theater) Kommissionsrath. Gebildete Menschen. Volksstück in 3 Akten v. Bittor Léon. Morgen: Dieselbe Vorstellung. 000000000 Feen- Palast Burgstrasse 22. Direktion: Winkler& Fröbel. Das neue RiesenEine wilde Sache. Berliner Aquarium Oktober- Programm Große burleske Ausstattungsposse Deutsches Theater. Nachm.: Der mit Gefang und Tanz in 6 Bildern Talisman. Abends: Morituri. Montag: Die Weber. Berliner Theater. Nachm.: König Heinrich. Abends: Die offizielle Frau. Montag: König Heinrich. Leffing- Theater. Nachm.: Heimath. Abends: College Crampton, Montag: Madame Sans- Gêne. Theater des Westens. Tausend und eine Nacht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Neues Theater. Nachm.: Der Kampf der Frau. Abends: Die Familie Pontbignet. Montag: Die Familie Pontbiquet. Thalia- Theater. Gebildete Menschen Montag: Diefelbe Borstellung. Residenz- Theater. Nachm.: Der Mustergatte. Abends: Ter Stellvertreter. Vorher: Ninette im Schnee. Montag: Diefelbe Vorstellung. Theater Unter den Linden. Nachmittags: Der Bettelstudent. Abends: Die Lachtaube. Montag: Die Lachtaube. Schiller- Theater. Nachm.: Emilia Galotti. Abends: der Menschheit. Wohlthäter Montag; Ein Schritt vom Wege. Bentral- Theater. Eine wilde Sache. Montag: Dieselbe Vorstellung. von W. Mannstädt und J. Freund. Mufit von J. Einödshofer. Anfang 28 Uhr. Morgen: Eine wilde Sache. Oftend- Theater. Der deutsche Michel. 34 Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle- Alliance- Theater. Nachm.: Rabale und Liebe. Abends: ' n tolles Mädel. Jochen Päsel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Volks Theater. Ein vorsichtiger Mann. Pladderadauh. Montag: Dieselbe Borstellung. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Alcazar. Variété und SpezialitätenTheater I. Ranges. Dresdenerstrasse No. 52 53. City- Passage Das Riesen- Oktoberprogramm enthaltend 14 Sensationsnummern Li- Hung- Chang! Das Neueste vom Neuen! Margarethe Nasarowska. Josephine von der Heilsarmee. Miss Ara. The two Gomez. Lotte Sieger. 3 Bollini. Adelaide und Erich u. f. w. Wochentags 8 Uhr. Anfang: Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. R. Winkler. Yolks- Theater Reichenbergerstrasse 34 Haltestelle der Pferdebahnen: Rottbuser Thor. Berliner Possen- Cyclus No. 1 Ein vorsichtiger Mann! Posse mit Gefang in 3 Bildern von G. v. Mofer u. Ed. Jacobson. Mufit v. R. Bial. Regie: August Reiff. Hierauf: Unter den Linden 68a Ecke der Schadowstrasse.- Eingang Schadowstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pfg. Reichhaltige Ausstellung von Land- und Seethieren, wie Affen, Sehen! 40 Stannen! Konzerthaus Sanssouci Kottbuserstrasse 4a. Sonntag u. Donnerstag: Heute, sowie jeden Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader. Anfang heute präzise 7 Uhr. Entree 50 Pf. Künstler ersten Ranges. Grossartiges Sonntags- Programm. Auf vielseitigen Wunsch: Verlängertes Gastspiel der urdrastischen Pantomime Montag: Victoria- Brauerei. Anfang 8 Uhr. giltig. Borverkauf Riesenschlangen, Krokodilen, Hai- u. 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Abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Das Käthchen von Heilbronn ober: Das heimliche Gericht. Romantisches Ritterschauspiel in 5 Aften und einem Vorspiel von H. v. Kleift. Montag und Dienstag: Das Käthchen von Heilbronn. Alexanderplatz- Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Tischlein deck dich, Esel Breck dich, Anippel aus dem Sack. Baubermärchen mit Gefang und Tana in 6 Bildern von Eugen Prudens. Abends 8 Uhr: Ohne sittlichen Halt. Pikante Novität! Sittenbild aus dem Berliner Leben in 4 Aufzügen. Morgen und die folgenden Tage: Ohne fittlichen Halt. Zum Schlusse: Pladderadautz. Berliner Rückblice in Wort und Bild von Oscar Wagner. 3, 4 und 5 Uhr: 3 große historische Umzüge I. Serie: Berl. Gewerbe- Ausstellung. 1 altdeutsches Musikkorps Anfang 7 Uhr. Preise der Pläße 75 Pf. bis 3 M. Kaufmann's Halbe Variété Menschen und 20 EliteNummern SensationsProgramm. Vogler's Casino fr. Weitrestaurant, Dresdenerstr. 97 Jin vorderen Saal: Tyroler Concert Entree vollständig frei! 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Nach kurzen aber schweren Leiden ftarb am 1. b3. Mis., früb 7 Uhr, meine liebe Frau, Mutter, Montag, den 5. Oktober, abends 8 Uhr, bei Obst, Schwägerin und Tante Grunewaldstraße 110: General- Versammlung. Tages- Ordnung: Bericht und Neuwahl des gesammten Vorstandes.- Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. 15/1 Der Vorstand. Bertha Dressler 806b geb. Schmädicke im Alter v. 43 Jahren. Um stille Theilnahme bitten Die Hinterbliebenen Robert Dressler nebft Rindern. Die Beerdigung findet heute Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Lantwiß, Kaiser Wilhelmstr. 44, aus statt. Danksagung. Die Unterzeichneten erklären hierdurch, daß die Angaben in der gestrigen von Joh. Sassenbach gezeichneten Annonce, welche den„ Sozialistischen Atademiter" betreffen, zu einem Theil auf Unwahrheit beruhen, zum anderen Theile geeignet sind, bei Genossen, die mit der Organisation des Blattes nicht vertraut find, falsche Vorstellungen au erwecken. Die Mißhelligkeiten find Hiermit sage ich allen Freunden und lediglich durch die Schuld des einen nunmehr zurückgetretenen Theilnehmers Bekannten, welche sich an der Beentstanden. Dieser Herr, der von Januar bis September d. I. dem Berlage erdigung meines lieben Mannes be des Blattes angehörte, hat die Absicht gehabt, den Sozialistischen Akademiker" theiligt haben, insbesondere seinen in feine Hände zu bekommen und hat, als dieser" Plan scheiterte, durch fort- Kollegen der Fabrit Rietschel u. Henne gesezte Chikanen, zu denen ihm sein juristisches Recht am Verlage die Mög- berg, meinen herzlichsten Dant. 785b lichkeit bot, die Existenz des Blattes zu vernichten gesucht. Ein aus ParteiDie tieftrauernde Wittwe genoffen bestehendes Schiedsgericht hat sich mit dem Thun dieses Herrn, der Elise Fröbe nebst Kindern. damals noch am Berlage betheiligt war, befaßt, und hat dieses in dem Urtheile Allen Freunden und Bekannten, dem mit folgenden Worten gekennzeichnet: Verein Vorwärts Berlin und dem Verein Berliner Gastwirthe sage hiermit meinen herzlichsten Dank für rege Theilnahme bei der Beerdigung meines Mannes. Wwe. Hobein, Buttmannstr. 2. Rothenburger Vereins- Sterbekaffe. Zahlstelle: Staligerstr. 11, I. Annahme von Beiträgen, Aufnahme neuer Mitglieder, Auszahlung von fäll. Sterbegeldern, sowie Annahme von Agenten.( 9-3 Uhr.) In diesem Verfahren sehen wir eine Hervorkehrung des kapitalistischen Eigenthumsstandpunktes gegen Parteigenossen, die das moralische Miteigenthum besaßen, einen Verstoß gegen Treu und Glauben und gegen sozialistische Grundsäke." Es ist eine grobe Entstellung des wahren Sachverhaltes, wenn in jener Annonce von einem eventuellen Aneignen" des bisherigen" Titels gesprochen wird, und es ist eine direkte Unwahrheit, daß keine Aussicht vorhanden ist, daß.. das Blatt... auch im bisherigen Sinne und mit entsprechendem Jubalt" von uns fortgeführt werden wird. An dem Titel Der Sozialistische Akademiker" hat niemand ein Recht, als die sozialistischen Studenten und Akademiker Deutschlands, die das Blatt gegründet und zu ihrem Organ erklärt haben. „ Der Sozialistische Akademiker" wird unverändert weiter erscheinen, seine Haltung wird die alte bleiben und von seinen Mitarbeitern wird ihm keiner untreu werden, an dessen Verluft etwas gelegen, wäre. Meine Wohnung befindet sich von 7996 jett Staliterftr. 71, vorn II. Frau Nicolay, Hebamme. Ein gut renommirter TheaterVerein wünscht noch Damen und Redaktion und Verlag des ,, Sozialistischen Akademiker". Serren als Mitglieder. Sizung jeden M. Glünicke's Monats- Vorträge. 1. Am Montag, den 5. Oktober, abends 8 Uhr, werde ich in Dräsel's Festsaal, Nene Friedrichstr. 35, vor Damen und Herren Bortrag halten. Thema: Die symptomatische Behandlungsweise der Allopathen ist naturwidrig. Die anormalen Lebensprozesse, welche man in der allopathischen Heilkunst als Krankheiten" bezeichnet, find nichts anderes als natürliche Krisen, durch welche der Organismus die ihn belastenden Fremdstoffe auszuscheiden bemüht ist. Es dürfen deshalb diese Krisen mit den sie begleitenden, nothwendigen, anormalen Lebens erscheinungen nicht gewaltsam unterdrückt werden; gegentheilig müssen sie als natürliche Ausscheidungsprozesse fortentwickelt und erst allmälig durch Ausleitung der sie hervorrufenden und unterhaltenden törperlichen Be laftungsstoffe zum Verschwinden gebracht werden. In dem Belastetsein mit Fremdstoff liegt die Krankheit. 2. Sigung des Heilvereins ,, System Glünicke". Rrankenvorstellungen. Zutritt frei. Gäste willkommen. 3. Die von mir seit dem 27. September herausgegebene Tages. zeitung: Die Berliner Reform, Preis monatlich 50 Pf., vertritt neben allen reformerischen Bestrebungen der Jehtzeit auch die mit der Pflanzheiltunft verbundene Naturheilkunde als Heilkunst der Zukunft. Rechtsanwalt a. D., M. Glünicke, medizinischer Privatgelehrter. Berliner Yolks- Brauerei S. Gräfestrasse 8 empfiehlt seine zum Selbstfüllen aus beftem Malz und Hopfen gebrauten Biere als Werdersches Malz Weißbier M* à Liter 10 Bf. welches infolge seines großen Malzund Würze- Extrattes von hoher Nährkraft ist! BF Lieferung frei Haus. I Bettfedern- Spezialgeschäft C. M. Schmidt, Berlin, Andreasstr. 59, vorn 1 Tr. Größte Auswahl geriffener Gänsefedern und Daunen Pfd. 1, 2 bis 6 M. Fertige Betten 9, 15 u. 18 M. Bettfedern Pfd. 35, 50 u. 70 Pf. Möbel unter Garantie guter Arbeit. Theil. zahlung geftattet. 7276* Frz. Müller, Alte Jakobftr. 65. 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Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin, 2. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 233. Sonntag, den 4. Oktober 1896. 13. Jahrg. Kleiderinduftrie.*) nächst als Produktion von Maffenartikeln durch einen meist ber Heimarbeiter. Die Herren- und Knabenkonfektion unterscheidet sich au Pompiers"-Werkstätte des Unternehmers und Arbeitswerkstätten " Die Pariser Kleiderindustrie.*) Die Schneiderei gehört zu den blühendsten Industriezweigen stärkeren Grad der Konzentration.[ Genaue statistische In der Damen- und Mädchen- Konfektion*) herrscht da von Paris. Mit Ausnahme der Herrenkonfektion, wo der Einfluß Angaben fehlen wegen vieler Schwierigkeiten, nament gegen die Heimarbeit vor. Der Zwischenmeister bezw. die von Paris immer mehr durch die Konkurrenz der Provinz und lich deshalb, weil die Konfektionshändler fich gleich- Zwischenmeisterin spielt da eine noch wichtigere Rolle als in der des Auslandes geschwächt wird, hat der„ Gesetzgeber der Mode" falls Fabrikanten" betiteln, so daß die Gewerbesteuer- Herrenkonfektion, und zwar, wie dort, in zweifacher Gestalt: eine unbestrittene Oberherrschaft behalten. Die Lage der Pariser Register Fabrikanten und Händler zusammenwerfen. Die als Besitzer einer eigenen Werkstätte( in der Luxuskleiders Schneiderei- Arbeiter ist im allgemeinen nicht viel besser als in Thatsache der fortschreitenden Konzentration steht jedoch Branche) und als bloßer Bertheiler von Arbeit unter Heim den anderen europäischen Mittelpunkten der Kleiderindustrie. Das nach den Angaben des Syndikats der Konfektionäre fest. Als arbeiter, genauer Heimarbeiterinnen( in ordinären Artikeln.) Das hängt vor allem an dem überall graffirenden Krebsübel der ziffernmäßiger Anhaltspunkt dienten die statistischen Erhebungen Arbeitspersonal setzt sich nämlich fast ausschließlich aus Frauen Schneiderei, an der Schwih und Heimarbeit. aus dem Jahre 1857. Die damals existirenden 220 Details zusammen. I. Betriebsformen. Konfektionshäuser sind heutzutage fast sämmtlich verschwunden Eine Eigenthümlichkeit dieser Branche ist es, daß viele Ges Die eigentliche Schneiderarbeit wird in der Regel, abgesehen bezw. haben einer geringen Zahl von mächtigen Konfektions- schäfte nicht einmal Zuschneider Werkstätten befizen. Der Zwischen von den Lamen- Maßgeschäften, wo das umgekehrte die Regel fabriken Platz gemacht. Diefelbe Entwickelung wird, wenn auch meifter erhält den Stoff in ganzen Stücken; er ist also, wie das ift, außerhalb der Unternehmer- Werkstätte verrichtet. In dieser minder ausgeprägt, in den Groß- Fabriken konstatirt: 1857 in einzelnen großen Magazinen für Herrenkleider auf Maß der arbeiten nur die Zuschneider und die" Pompiers"( wörtlich: zählte man 50 solcher Fabriken, jetzt giebt es deren nur Fall, ein abhängiger Schneidermeister, der für einen einzigen Löschmänner, so nennt man in Paris die Arbeiter, die die nach zirka 40. Hand in Hand damit geht die Vernichtung der Kunden, das Konfektionsgeschäft, arbeitet. der Anprobe nothwendig werdenden Umänderungen besorgen). Hleinen Konfektionshändler insbesondere durch die Konkurrenz Die großen Magazine gehen auch da eigene Wege: für die Die Unternehmer- Werkstätte ist das Zentrum, von welchem eine mehr oder minder große Zahl verstreuter Schwitz- und Heimwerkstätten abhängen, deren jede aber für mehrere Unternehmer zugleich arbeiten fann. Der Gegensatz zwischen dem pracht vollen Verkaufsmagazin im Zentrum der Stadt und den engen, in den Außenvierteln im 6. Stock gelegenen Arbeits- Werktstäten, die gewöhnlich zugleich als Küche und Schlafzimmer dienen, ist eine finnbildliche Veranschaulichung des Der Zwischenmeister mit einem zahlreichen Schwiz- Die statistischen Angaben der Enquete über Unternehmungen Gegensatzes zwischen der Lage des Unternehmers und derjenigen personal nimmt in der Herrenkonfektion eine beinahe über- und Arbeitspersonal machen keinen Anspruch auf Genauigkeit. der Arbeiter. Diese sind entweder selbständige", d. h. direkt wiegende Stelle ein. Am häufigsten gehört er dem Schneider Ueber die kleinen Unternehmungen sind teine Erhebungen vor vom Unternehmer bezahlte Heimarbeiter, oder sie werden vom beruf an, es giebt aber zahlreiche Schwihmeister, die genommen worden. Was das Arbeitspersonal betrifft, so stößt Zwischenmeister alias Schwigmeister beschäftigt. Im ersteren die elementarsten Dinge der Schneiderei nicht tennen.") die Statistit auf schier unüberwindliche Schwierigkeiten sowohl Falle beuten sie ihrerseits mitunter fremde Gehilfen aus, welche Ihre Funktion besteht dann ausschließlich im Vertheilen von wegen des Ueberwiegens der Heimarbeiter, worunter auch zahl der Berufsjargon bezeichnenderweise Ochsen"( boeufs) und Unter- Arbeit unter das Schwißpersonal. In der Herrenkonfektion reiche Gelegenheits- Arbeiterinnen, die die Schneiderei als Neben= ochsen"( sous- boeufs) nennt. verdienst betrachten, wie auch namentlich wegen des Jneinander. greifens der verschiedenen Arbeiterkategorien. Männer und Frauen werden nämlich regelmäßig zwischen der Maß- und der Konfektionsschneiderei hin und hergeworfen. Die Ursache davon sind die todten Saisons der ersteren, die mehr oder minder mit den guten Saisons der letteren zusammenfallen. Dies die Grundzüge der Arbeitsorganisation in der Pariser Kleiderindustrie. Eine Analyse der vier Hauptbranchen soll uns die komplizirten Betriebsformen jeder derselben im einzelnen zeigen. In der Herren- Maßbranche zählt man 2200-2500 Unter nehmungen, die in vier Kategorien zerfallen: 1. ca. 1100 kleine Geschäfte, die dem Kunden den Stoff nach Muftern liefern, also zwischen dem Stoffhändler oder in seltenen Fällen dem Fabrikanten und dem Kunden vermitteln. Diese Kategorie hat die alten Kundenschneidermeister, die Stoff und Futter geliefert bekommen, ersetzt. 2. Ca. 1000 Unternehmungen mit eigenem Stoffvorrath. 3. Die Maß- Abtheilungen der großen UniversalBazare, der sogen. großen Magazine", deren es in Paris an die 35 giebt. 4. Stoffhändler, für deren Rechnung ein Schneidermeister arbeitet, Die Schneiderarbeit" der ersteren besteht höchstens im Maßnehmen, gewöhnlich wird aber auch dies vom Schneidermeister besorgt. der großen Magazine. Diejenigen Magazine, welche nur gegen Baar verkaufen, entziehen den kleinen Geschäften die wohlhabendere Kundschaft, die Abzahlungsgeschäfte entziehen ihnen vollends auch die ärmere Kundschaft. Der Ruin der kleinen Händler bedeutet aber die wachsende Abhängigkeit der Kleiderfabriken en gros von der übermächtigen Kundschaft der Magazine, was, wie wir später sehen werden, schließlich die Lage der Arbeiter verschlechtert. Verfertigung des Unterrocks und der Korsage beschäftigen fie auch von Zeit zu Zeit selbständige Damenschneiderinnen, die sonst auf Maß direkt für eigene Kunden arbeiten, und für die Verfertigung von Oberkleidern männliche Arbeiter( durch Vermittelung der Zwischenmeister). II. Statistische 3. = tommt auch die 3 wischenmeisterin vor, nicht nur als Frau des Zwischenmeisters, sondern auch als selbständige Leiterin einer Schwißwerkstätte. Sie ist eine geschickte Arbeiterin und beschäftigt in der eigenen Werkstätte ganz junge Mädchen und außerdem Frauen außerhalb der Werkstätte. Die Frauenarbeit nimmt in der Herrenkonfettion immer mehr Oberhand. Der provinzielle 3wischenmeister, der für Unter diesen Vorbehalten seien die statistischen Angaben der Paris arbeitet, ist nur in der Herrenkonfektion vorhanden. Enquete angeführt: Großfabriten mit einem eigenen zahlreichen Arbeits- Die 2200-2500 Herren Maßgeschäfte beschäftigen an personal giebt es in der Pariser Herren und Knaben- Ladenpersonal: 200 Verkäufer, 300 Kommis, 700 Ladenburschen; fonfektion blos zwei, deren eine nur en gros verkauft, während an Arbeitspersonal: a) in der Unternehmerwerkstätte: 2000 Bu die andere von einem großen Magazin( mit 36 Millionen Jahres- schneider und 4000 Pompiers", b) Heim- und Schwiharbeiter: umfaß) betrieben wird, das zugleich eine Maßjabrit befigt. Der 30 000 Arbeiter, 12 000 Arbeiterinnen und 15 000 Gehilfen beiderlei Absatz der Magazinfabrik kommt beinahe dem aller Gros Geschlechts. In der ersteren Zahl find jedoch auch Konfettions. Häuser zusammen gleich. Die Nähmaschinen werden in arbeiter mit einbegriffen, weil dieselben aus dem angegebenen dieser Fabrik durch Dampfmotore getrieben. Die Arbeitstheilung Grunde unmöglich von den Maßarbeitern unterschieden werden ist aufs strengste durchgeführt. In der Fabrit selber sind be tönnen. schäftigt neben 205 Buschneidern und 60 Pompiers" 60 Arbeiter Ueber die Lehrlinge bringt die Enquete keine Angaben, Tas Arbeiterpersonal setzt sich vorwiegend aus( 30 Männer und 30 Frauen); alles übrige Personal arbeitet weil die Lehrlingschaft in Paris faft verschwunden ist. Die Ars felbständigen" Heimarbeitern zusammen, die entweder in einer Regie Werkstätte, die ebenso wie die erwähnte Regie- beiter kommen bereits ausgebildet aus der Provinz und aus dem einzeln oder mit Hilfe von Familiengliedern oder 1-2 fremden Werkstätte der Maßbranche organisirt ist. Doch nur ein Theil Ausland. Die Zahl der ausländischen Arbeiter wird von Gehilfen arbeiten. Daneben treten bereits in dieser Branche der Konfektion dieses Magazins wird in der Fabrik und der Sachkundigen auf 14 der Gesammtzahl geschäßt. Die erste Stelle Schwizmeister auf, die am häufigsten billige Frauen Regie- Werkstätte angefertigt; daneben beschäftigt es Heim- nehmen die Deutschen ein, darauf folgen Belgier, Italiener arbeit ausbeuten. In den Vorstädten trifft man auch Schwig- arbeiter. und in letzter Zeit auch Rumänier, Desterreicher, Schweizer und werkstätten, in denen 10-20 aus diesem oder jenem Grunde Das Fabrikwefen ist weit höher entwickelt( besonders im Ruffen( russische Juden). heruntergekommene, disqualifizirte oder frisch angekommene Ar- Norddepartement). beiter ein williges Ausbeutungsobjekt bilden. Der Lohn beträgt In der Damen- Maßbranche sind, mit Ausnahme der Maßda 2/3 des vom Unternehmer gezahlten Affordpreises. Dazu abtheilung der großen Magazine, sämmtliche Geschäfte( kleine gefellt sich mitunter das Truck system in der Form von freier und große, von Frauen und den großen Schneidern", grands Wohnung und Nahrungsmittel- Verkauf. Das Schwigmeisterthum tailleurs, geleitete) auf der Arbeit der Unternehmerwerkstätte ift der wichtigste Faktor der Verbreitung der Frauenarbeit begründet. Heimarbeit ist da die Ausnahme. Der Grund davon in der Herrenschneiderei. Eine verbefferte Form der ist der besondere Charakter der Branche, die hohen Anforderungen Schwizwerkstätten sind die von zwei großen Magazinen unter der reichen Kundschaft in bezug auf Eleganz und sorgfältige Aus haltenen Regiewerkstätten. Die Magazine verkehren zwar führung. Die ständige Ueberwachung und Leitung des Arbeits direkt nur mit dem Chef der Werkstätte, sie verpflichten ihn aber, personals durch die Première", die Kleiderkünstlerin"( an der die Arbeiter nach einem bestimmten Lohntarif zu bezahlen. Doch Spitze der Werkstätte steht immer eine Madame oder Mademoiselle, rechnet die Enquete diese Werkstätten zu denen, worin die Ueber auch in den Geschäften der weltberühmten grands tailleurs") arbeit am häufigsten ist. Wohlthätigkeits Wert ist da unentbehrlich:" Das Unvorhergesehene, die plötzliche Einftätten fonfessionellen und weltlichen Charakters, die mitunter gebung spielt hier eine große Rolle." Die Enquete führt nur aus öffentlichen Mitteln Zuschüsse erhalten, kommen in der ein einziges Haus an, wo die in der Herrenkleider- Branche übliche Herren- Maßbranche nur vereinzelt vor. Arbeitsorganisation streng durchgeführt ist: Zuschneider und *) Das Material ist der kürzlich vom franzöfifchen Arbeitsamt veröffentlichten Enquete entnommen( La petite Industrie, tome II, Le vêtement à Paris, Paris 1896). Sonntagsplauderei. *) Die Enquete verzeichnet einen Fall, wo ein Zwischenmeifter lange Zeit hindurch Bestons mit verkehrt zusammengenähten Aermeln lieferte. In der Herren- und Knaben- Konfektion giebt es 40 GroßFabrikationshäuser, von denen eine nicht ermittelte Zahl fleiner Detail- Geschäfte abhängt. Dagegen ca. 35 große Magazine, die Detail- Fabritation betreiben. Arbeiter, welche ausschließlich in der Konfektion bes schäftigt werden, zählt man 5-6000; diese Zahl ist in der Abnabme begriffen infolge der stetigen Auswanderung der niederen Konfektionszweige nach der Provinz, wo billigere Arbeitskräfte zu haben sind. Die Zahl der ausschließlich in der Konfektion be schäftigten Arbeiterinnen ist verhältnißmäßig höher. Die Gesammtzahl der Arbeiterinnen in den beiden Branchen der Herren schneiderei beträgt gegen 20.000. Zu berücksichtigen sind noch die Inhaber von fleinen Maßgefchäften, die durch die Konkurrenz gezwungen werden, zeitweilig *) Wir sehen von der Behandlung der Modellbranche ab( Verfertigung und Verkauf von Modemustern in Kleidern, in Papier- und Mouffeline- Mustern), weil sie, mit Ausnahme eines halben Dugend Spezialgeschäfte, zugleich von den Damenmaßs und Damenkonfektions- Firmen betrieben wird. " Da tam es denn auch vor, daß einer von diefen Psychologie des deutschen Philifters. Heute ist noch sein „ gelehrten Proletariern" ein Gänschen vom Acker auflas Gerechtigkeitsgefühl erregt. In seinen Blättern tobt der und es unter feinem weiten, dunklen Mantel ver Kampf. Von drohenden Interpellationen im Reichstag lieft er, Auf der Gertraudten- Brücke, nahe dem Spittelmarkt, ist ein steckte. Der heutige Journalist wird. bei diesem Ge- vom energischen Festhalten an den verfassungsmäßig garantirten neues Standbild, ein Werk des Bildhauers Prof. Siemering auf- danken lächeln. Eine Gans stehlen? Pfui, wie gemein. Rechten. Wenn aber der ministerielle Wille fich zäher erweist, geftelt. Die heilige Gertrud, die Gütige, ist es, die Schützerin Heute stiehlt der scheerenbewaffnete und höchst respektable Mann wenn das System der Begnadigungsanträge ausdauernd fortund Pflegerin aller armen Wandermänner. Milder Humor höchstens ein paar fremde Gedanken, ein Stück fremder Arbeit gesetzt wird, dann wird allgemach die Entrüftung des deutschen leuchtet auf ihrem Antlitz; denn sie hat eben einem jungen und derlei mehr, und er tann von seiner höheren sozialen Warte Philisteriums in gedämpften Tönen sich äußern. Es möchte„ doch Wanderburschen einen Zehrtrunk gereicht. Sie selber wußte ja sehr verächtlich auf jene Nichtgentlemen herabblicken, die zwar eigenen wohl nicht so schlimm sein um die sogenannten Uebertretungen wohl, die Fromme und Barmherzige, welcher erquickliche Trost für Geist besaßen und Feuer und Zorn und Bitterkeit und Thränen, der Schußbeamten. Es muß doch wohl einer Verdienste haben den Lechzenden in einem guten Tropfen stecke. Mit festem Griff aber kein Brot und feine halbwegs gesicherte Stellung, und sonst brav bewährt sein, wenn für ihn Begnadigung empfohlen hat der jugendliche Bagant die Kanne zum Trunt gefaßt und die wie irgend ein braver junger Mann" in einem wohlfundirten wird. Und dann wirklich: Das Bagabundenheer, das LumpenHeilige freut sich innig über den Durftigen. Sie freut sich über Geschäft. gefindel wird von Tag zu Tag dreifter. Strenge Fäuste thun da ihn, wiewohl er doch so garnicht reputirlich aussieht. Was er Die heilige Gertrud in unserer jezigen Welt als Weg- und allerdings noth." Und zweierlei Bequemlichkeit nimmt man bei nur für Schubzeug anhat! Die Behen gucken hervor und Brückenfinnbild! Auf solchen Einfall fann nur Künstlerlaune folchem Raltül mit in den Kauf. Man drückt sich um die weit klafft das Oberleder. Und dann der Hut, dieser verfallen. Was soll uns die milde Weisheit und der reife, ver unangenehme Geschichte, sich bekennen zu müssen, wie wenig alte Hut. Ich habe eine Vorliebe für derartige Hüte. gebende Humor der frommen Gertrud bedeuten? Ein Brücken- Kraft den heutigen Schwächlingsprotesten der bürgerlichen Einen anständigen Normalhut, der nichts besagt, kann sich wart aus den Tagen der Schneidigkeit müßte wie ein Profoß Opposition innewohnt. Niemand wird es gern sehen, so obender erstbeste Lump im nächsten Laden kaufen, wenn er gerade aussehen und statt des Krugs mit dem Labetrunt müßte er bin ignorirt zu werden. Und zum Zweiten denkt man in seinen Kleingeld genug besitzt. Aber die Süte, die sich ihrem Träger eine Fuchtel in der Hand haben, die das Gefindel, das heimathlofe, geheimen Herzensfalten: Ist man am Ende nicht sich selbst der besonders angeschmiegt haben, die Geschichten und Schick zu Paaren treibt; ein Gesindel, das jeder proppern Uniform Nächste? Wer weiß, wozu wir die stärkste Autorität brauchen fale erzählen, das ist doch etwas anderes. Als ein feind, mit verschliffenen Röcken einhergeht und sich in die können. Und eine starke Autorität um jeden Preis! Das Wort übermuthtrunkener deutscher Dichter einft auf einem Sorrentiner Städte ergießt. Weh dem, dessen Schuhwert Riffe aufweist. Ein starke Autorität übte von jeher auf die Gemüther der Aengstlichen Marttschiff über Meer fuhr, da schleuderte ihm der Wind den Unteroffizierblick fieht scharf. Und welcher Mensch, der auf Bauberkraft aus! Hut in bie See, und er rief seinem treuen Gefährten nach: Fahr sich hält, wird mit einem Bagabunden" Mitleid baben? Mit Es wird mit dem früheren Polizeigewaltigen von Tilsit, wohl, du mein grauer Hut! Wie seltsam hätte es im Gedicht einem Kerl, der außer Reih und Glied steht? Das Polizei- dem Manne mit der merkwürdigen Karrière, und mit der Tilsiter geflungen, wenn der Sänger um seinen schönen, schwarzen, Auge wird gereizt. Das Blut wallt auf und focht über von Bürgerschaft nicht viel anders gewesen sein. Das dienstliche forgfam gebügelten Zylinderhut gejammert hätte! Zwischen den Groll gegen die Unregelmäßigen. Sie sind die geschworenen Verhalten des Stadtraths Witschel in seinen früheren Amts Beinen des verstaubten Vaganten will sich ein watschelndes Erbfeinde für seine Seele. Was Wunder, wenn der Polizist und stellungen konnte doch unmöglich für die bürgerlichen Behörden Gänschen hervorbrängen. Ach, wer weiß, woher der arme Gendarm dann und wann, hat er solche Unregelmäßigen erwischt, ein schweres Geheimniß geblieben sein. Ein Kaufmann, der Teufel seitab von der Landstraße die schmackhafte Beute durch einen träftigen Jagdhieb seiner Erregung Luft macht? einen Romptoirschreiber braucht, forscht und fragt nach, wie hat mitgehen ließ. Aber die heilige Gertrud ist teine Zöllnerin, die Es fann ja vorkommen, daß durch Zufall manchmal ein gerechter sich der Komptoirschreiber anderswo verhalten. Aber, wie Herr an der Brücke steht und den Wanderburschen mit gestrengen Bürger" eins abbekommt. Frren ist eben menschlich. Muß Witschel sich auch disziplinarisch vergangen haben mag, er hat Schneid, Fragen um Hab und Herkunft schreckt. Sie lächelt, die Wissende denn da gleich von empfindsamen Ideologen und humanitären er ist der Mann der starten Autorität, er tann wider Sozialisten und denkt sich, zieh' in Ruh, fahrender Mann! Nicht deine Schwächlingen über Mißhandlung gezetert werden? Es poltern und eifern, wie kein zweiter: Er werde also Stadtrath That, dein Leiden, deine Entbehrung bekümmert mich. ift weit gekommen mit dem emigen Flennen und und Polizei- Oberster. Ueber das schroff- erregte Wesen des Ein Schimmer alten Voltshumors überglänzt das Gruppen- Winfeln. So weit ist die modische Sentimentalität vorgedrungen, Mannes, über seine Sozialisten und Nihilistenriecherei, bild auf der Gertrandtenbrücke, mitten im raftlos heiß hin- daß ihr Einfluß bis in die Gerichtsfäle reicht. Ein Polizist, die manchmal ans Unverständliche grenzt, würde man fluthenden Straßenverkehr Berlins. Verschollene Anschauungen guter Leute Rind, schneidig und vor allen Dingen handfeft, wird sich gewiß schon längst in Tilfit Gedanken gemacht haben. werden wach und an Kulturzeiten wird man gemahnt, in denen sogar zu Buchthausstrafe verurtheilt, weil ihn sein Temperament, Gin Mann, der vor Gericht erklärt, er würde den Menschen, auch die Kirche und ihre Patrone freier waren und nachsichtiger allerdings arg, fortriß. Wenn nun die Bestrafung Schule machte? der ihn gewaltsam aus dem Hause gewiesen oder ehrlich gegen die Frregulären der Gesellschaft und in denen man nicht Es kommen zur Zeit ohnedies so viel unbequeme Fälle an die deutsch hinausgeworfen hätte, aus Nothwehr sofort niederpathetisch- eijernd hinter jedem armen Burschen dahereilte, der in Deffentlichkeit. Bald hier, bald dort liest man etwas von geschoffen haben, ein Mann von solcher Gewaltsamkeit des der Noth das starre Gesez durchbrach. Was fand man noch für Abenteuern auf Polizeiwachen. Muß da nicht das aufgestörte Temperaments wäre längst schon in die schwersten Konflikte mit Brachtkerle damals unter Landfahrern und Baganten. Publifum irgendwie beruhigt werden? Und wie könnte das beffer einem Kleinstadt. Patriziat gekommen, hätte ihn nicht die eine Zigeunernde Sänger durchzogen die Lande. Sie schlugen politische gefchehen, als nach uralter Polizei- und Regierungsweisheit, Erwägung gehalten: Ein famoser Kämpfer gegen den Umsturz, Zöne an. Sie agitirten in Wettern und Stürmen. Sie mahnten die den Aufgeregten beschwichtigend zuruft: Kinder, das ist ein eifernder Sozialistentödter, der Mann der starken Autorität! und geißelten und machten das Wort lebendig; und sie selbst, ja alles nicht so schlimm! Darum die Fülle der BegnadigungsAlpha. die Vorfahren der heutigen Journalisten, hatten tein Obdach. anträge feitens Des Ministeriums. Man tennt die fich in Lohnarbeiter der großen Maß- und Konfektions- 1 Stücklohn bekommen und in ben fleinen Geschäften in den wirthschaften. Gin berühmtes Magazin unterhält ein Re geschäfte zu verwandeln, Zeiten der stärksten Anhäufung von Bestellungen arbeiten. staurant, wo das beschäftigte Personal zu herabgesetzten Preisen" Die Zahl der ausländischen Arbeiter ist in der Konfektion Biele Ladengeschäfte vervollständigen ihr Zuschneider- Personal beköstigt wird. Dieses Verfahren wird wohl seine Vortheile für höher als in der Maßbranche. während der guten Saison, um später die überschüssig gewordenen die Unternehmer haben, denn die rührigsten Schneiderfirmen, die In der Damen Maßbranche zählt man beiläufig Buschneider zu entlassen. Für die Pompiers ist das Ver- sogenannten englischen Häufer", haben sich beeilt, das Beispiel 2500 Unternehmungen, die Gewerbesteuer zahlen; von dieser hältniß zwischen dem ständigen Kern" und dem zeitweiligen der großen Magazine nachzuahmen. Ein von Alters her bes Steuer sind kleine Unternehmungen, worin Eltern mit Hilfe un- Personal wie 70 zu 30. Für die ständigen Pompiers reduziren stehender Usus ist dagegen die Lieferung von zwei Anzügen jähr verheiratheter Kinder arbeiten, befreit. Die Gesammtzahl wird sich die Wochenarbeit und der Wochenverdienst in der todten lich, deren Werth allerdings bei der Berechnung des Gehalts auf grund der Angaben der großen Stofflieferanten auf über Saison auf 5-3 und noch weniger Tage. Die Heim- bezw. des Lohnes mit in Anschlag gebracht wird. 7000 geschäßt. arbeiter müssen sich in der Regel während eines Monats der Die Pompiers werden nach Stunden- und Stücklohn Die Zahl der Arbeiterinnen wird ohne jeden Anhalts- todten Saison mit dem Wochenverdienst der guten Saison be- bezahlt. Der Stundenlohn herrscht vorläufig vor wegen der punkt, auf grund einer vagen Tradition auf etwa 50 000 gnügen. Das gleiche gilt von ihren Gehilfen, insofern diese Schwierigkeit, die oft nicht vorherzusehenden Umänderungsgeschäßt. Dabei ist zu bemerken, daß die Damenschneiderei selbst nicht einfach entlassen werden. arbeiten zu tarifiren, und zwar erhalten Männer 55-85 C13. für berufsmäßige Arbeiterinnen ein zeitweiliger Beruf ist. In bezug auf die Arbeitszeit fommen die 3u pro Stunde, Frauen 25, 80 und 40 Cts. Die kapitalistische Während der todten Saisons wandern sie in die Weißwaaren, schneider wiederum am besten weg. 11 Stunden täglich Tendenz nach Einführung des Stücklohnes macht sich jedoch Korsetnäherei und die verwandten Branchen über. Dazu kommt oder 70 Stunden wöchentlich ist die Maximalgrenze ihrer Arbeits: immer stärker geltend, namentlich in den englischen" Firmen. die große Zahl der erwähnten nicht berufsmäßigen Arbeiterinnen, zeit. Die Pompiers, gleichviel ob sie in Stundenlohn oder Der Jahresverdienst beträgt 500-600 Fr. für die( zeitfür welche die Lohnnäherei ein Nebenverdienst ist. in Stücklohn stehen, haben in der guten Saison mitunter weilig beschäftigten) Hilfspompiers, 1300-1800 Fr. im DurchIn der Damen- und Mädchenkonfektion giebt es 120 Groß- 110 Stunden wöchentlich zu schanzen, d. h. faft 16 Stunden schnitt für die ständigen Pompiers, 2000-2500 für die geFabrikationshäuser, die übrigens selbst die großen Magazine mit täglich mit Einschluß des Sonntags! Obendrein tönnen die schichteften, 2800-3900 und darüber für die Chefs der Pompiers. einer Reihe von Artikeln versorgen. Diefe lassen auf eigene 110 Wochenstunden mehrere durchwachte Nächte ein- In den großen Magazinen bekommen auch die Pompiers freie Rechnung nur gewisse vortheilhaftere Artikel fabriziren. schließen, denen ein paar Tage vollständiger Ruhe folgen. Die Kost bezw. zu herabgesetzten Preisen. Zwischenmeister und Zwischenmeisterinnen zählt man hier Enquete verzeichnet einen Fall, wo in 112 Wochenstunden drei Die Heimarbeiter stehen selbstverständlich durchweg 2000-2500. Die Zahl der für Großgeschäfte Arbeitenden be- hintereinander durchwachte Nächte inbegriffen find. in Stücklohn. In allen Geschäften, mit Ausnahme der trägt 26 000, darunter 25 000 Frauen. Das angegebene Arbeits- Die durchschnittliche Zahl der Wochenstunden schwankt für die Luxusfirmen, macht sich eine starke Tendenz geltend, in der todten perfonal figurirt jedoch auch in den Zahlen der Herrenkonfektion 26 Wochen der guten Saison um 70 herum.- Die Heimarbeit Saison niedrigere Affordpreise zu zahlen eine Rückwirkung und der Damen- Maßbranche. schließt die Möglichkeit einer sicheren Feststellung der Arbeitszeit der in der Konfektion seit langem gebräuchlichen Praxis. Hins aus. Die Unregelmäßigkeit ist da die Regel. Wenn nöthig, in sichtlich des Jahresverdienstes zerfallen die Heimarbeiter zunächst III. Sage der Unternehmer und der Arbeiter.*) außerordentlich dringenden Fällen wird 24 und 36 Stunden in zwei Schichten: die Großarbeiter, die isolirt arbeiten, 1. Herren Maßbranch e. ununterbrochen geschanzt, was auch in der erwähnten Regies verdienen 1636-2340, Gruppen von 2 Personen verdienen Lage der Unternehmer. Ein Geschäft hat einen wertstätte eines großen Magazins vorkommt. Der wöchentliche 1668-3930, Gruppen von 3 Personen( Die Enquete führt zwei Jahresumsatz von über 1 Million, 30 Geschäfte einen solchen von Durchschnitt beträgt in der guten Saison häufig über 70 und solche Gruppen an) 2332 und 2707 Fr. jährlich. Das ist jedoch über 300 000, 1000 zwischen 25- und 30 000 Franks; die übrigen 82 Stunden, gewisse Wochen liefern ein Maximum von der Nominal oder Bruttolohn, denn in diesen Lohn. Geschäfte erreichen einen Jahresumsah von höchstens 12 000 Fr. 112 Stunden. Die Gehilfen der Heimarbeiter summen sind die von den Arbeitern zu bestreitenden Un. Der Reingewinn beträgt 15-35 pet., was je nach der Größe werden, wie gesagt, Ochfen" und" Unter- Ochsen" genannt. to ft en mit enthalten, als da find: Unterhaltung der des Umsages einen Reingewinn von 150, 50, 25, 7 bis herunter Das giebt einen Begriff von der Ueberarbeit, die ihnen auf- Nähmaschine, Zwirn, Seide und Borte, Beleuchtung und zu 4 Tausend Franks ausmacht, Die Hleinen Unternehmer nähern erlegt wird, selbst dann wenn sie Familienangehörige der Wert Heizung( die zwei letteren Posten allein können leicht fich ihrer Lage nach den beffergestellten Arbeiterkategorien. ftätten- Chefs find. Die Tabellen der Enquete verzeichnen jedoch auf 400-500 Fr. jährlich anschwellen). In der Hosen- und Ihr Bruttogewinn beträgt 1500-4000 Frants, darin sind einen von den Interesfirten wohl zu niedrig angegebenen West en schneiderei fonfurrirt die billiger bezahlte Fraueninbegriffen der Arbeitslohn des Schneidermeisters und seiner Wochendurchschnitt( immer für die gute Saison) von 60, 66, 70, arbeit mit der Männerarbeit. Angetroffene Brutto löhne: Familie, sowie die Unkosten( Wohnungsmiethe, Heizung, Beleuch- 75 und 78 Stunden. 969 und 1125 Fr. für isolirte Hosen- Arbeiterinnen, 984 und tung), die in den kleinen Unternehmungen zu den Haushaltungs Zu der Ueberarbeit kommen die elenden antihygieniausnahmsweise-2810 Fr. jährlich für Frauengruppen. Weftenfoften gerechnet werden. schen Bedingungen der Werkstätten, namentlich der kleineren, arbeiter und Weftenarbeiterinnen sind noch schlechter bezahlt. welche zugleich als Küche, Eß- und Schlafzimmer dienen. Bruttolöhne: 398 und 1250 Fr. für alleinstehende Arbeiterinnen, 945, 1000 und 1242 Fr. für drei Familiengruppen von je zwei Arbeiterinnen. " = Lage der Arbeiter. Eine Thatsache beherrscht, wenn auch in verschiedenem Grade, die Lage sämmtlicher Arbeiter. In bezug auf den Arbeiterschuh heißt es in der fategorien: die Abwechselung der der Ueberarbeit der guten Enquete kurz und bündig: Die Arbeiterschutz Geseze fümmern Saison und der Arbeitslosigkeit der todten Saison. Am wenigsten die Branche wenig": das Vorwiegen der Heimarbeit macht jene In den beiden letzten Lohnfchichten haben wir es mit einem haben darunter die Zuschneider zu leiden. Jedoch giebt Gesetze illusorisch. Lohn zu thun, der, wie in allen Branchen, wo Frauenarbeit veres eine Unterkategorie von„ wandernden" Zuschneidern, die Lohn. Die privilegirte Rategorie der Zuschneider breitet ist, einem„ Nebenverdienst"-Lohn gleichkommt. Die erhält im allgemeinen Monats, Halbmonats- und Wochenlohn. berufsmäßigen Arbeiterinnen müssen sich mit einem Hungerlohn *) Die in diesem Abschnitt angeführten Daten über Gewinn, Die großen Magazine, die Wegweiser der modernen kapitalistischen begnügen infolge der Konkurrenz zahlreicher Frauen, für welche Arbeitszeit und Lohn beruhen nicht auf einer allgemeinen, sämmt Profitmacherei, haben jedoch in die alten Ueberlieferungen Bresche die Schneiderei wirklich ein Nebenverdienst ist, sei es, weil ihre liche Unternehmungen umfassenden Untersuchung. Sie sind viel gelegt durch Einführung des Stundenlohnes auch der Maß- Eltern oder der Ehegatte für den Hauptverdienst sorgen, sei es, mehr eine Zusammenstellung der Resultate der mono abtheilung. Noch mehr, in gewissen Geschäften beginnt sich daß sie eine kleine Pension oder Rente beziehen, oder von Wohl graphischen Einzeluntersuchungen der Enquete. Herr bereits der Stücklohn einzubürgern, welcher früher nur für die thätigkeits- Anstalten unterstützt werden, oder endlich auch aus Maroussem, der Leiter der Enquete, hat, der Methode seines wandernden" Zuschneider der kleinen Geschäfte in Geltung war. Langeweile, um die Zeit zu vertreiben, um ein Nadelgeld Lehrers Le Play getreu, dem verallgemeinernden Fragebogen. Diesen Verschiedenheiten entspricht die Verschiedenheit des Ver- arbeiten. Verfahren das die typischen Erscheinungen genau fixirende dienstes. Der Jahresverdienst bewegt sich zwischen 1800, 2000, Die Gehilfen der Heimarbeiter verdienen am monographische Verfahren vorgezogen. Dieses Verfahren ist 2200, 3000( fehr häufig), 4000 u. 1. v. bis 12 000 Fr. Die häufigsten 4-5 Fr., die Gehilfinnen und Stepperinnen 3 Fr., die unferes Erachtens besonders am Blaze gerade in der so höchsten Gehälter schließen den Betrag der Gewinn" Finisseuses" der Hosen- und Weftenarbeiterinnen 11/ 2-2 Fr. pro fomplizirten Kleider- Industrie. Allgemeine Durchschnittszahlen betheiligung ein. Die 3ubereiter"( Futter Bus Tag. Da diese Schicht bei eintretendem Arbeitsmangel sofort entlassen würden hier eine ganz irrige Vorstellung von den realen Ver- schneider) verdienen jährlich 1200-2000 Fr. wird, so beträgt ihr Jahreslohn 700-800 Fr. für Männer und hältnissen geben. Was die monographische Methode an Ueber- Die großen Magazine vervollständigen, richtiger verringern 400 Fr. für Frauen. Hie und da werden die Gehilfen theilfichtlichkeit verliert, macht sie durch eine treue Wiederspiegelung den Geldlohn durch die freie Beköstigung des Zuschneider- weise durch Logis und Kost entlohnt. der Wirklichkeit mehr als wett. personals, wie der sonstigen Angestellten in eigenen SpeiseIch wohne jetzt Linden Straße 96. Dr. Jacobson, Augenarzt. Poliklinik: Adalbert- Straße 1. Ich wohne jetzt: 780b 7536 Schützenstr. 63, Ecke Markgrafenftr.67. Telephon Amt I 4667. " GESCHAFISHAUS S. Dr. med. Böhm, Spezialarzt für Wasserheilverfahren. 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Leser als Aufklärung dafür genügen, daß ich bei dem großen Umfange meines stüds von 50 Ruthen Flächeninhalt mit 38 Räumen, bestehend aus Sälen und Zimmern Geschäfts noch bedeutend billiger als bisher verkaufen kann. Mein Etablissement, welches zu den größten Sehenswürdigkeiten am Plage gehört, steht Jedermann offen, und sind meine Angestellten angewiesen, in zuvorkommendster Weise jeden Besucher mit dem Lager vertraut zu machen. Jeder ist willkommen, auch der Nichtkäufer. Schuhwaaren nie dagewesenen billigen Preisen zu bei mir noch Versand von Schuhwaaren, fleck. unter sicherster Garantie für beste Haltbarkeit durch Garantiescheine, die Jedermann beim Einkauf erhält, für auswärtige Käufer Die mit einem bezeichneten Artikel sind ausnahmsweise theils mit Factiszuthaten in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Zweck genügt die empfangene Rechnung. sehr leicht zu sein nicht erfüllen würden. Diese Artikel find als solche auch die reellsten und werden nicht anders in den Handel gebracht. Es lebt im Publikum die Anschauung, daß jene Einlage, die sich in Schuhwaaren zwischen Sohle und Brandsohle befindet, minderwerthig ist, sobald sie aus Span und nicht aus Leder besteht. Diese Ansicht ist eine irrige. Die Spaneinlage ist um mehr als das Bierfache theurer als das Leder, welches man hierfür zu verwenden pflegt. Spaneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitärer Hinsicht mehr zu empfehlen als Leder. Auf die Haltbarkeit übt die Einlage feinen Einfluß aus. gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. Porto trägt der Besteller. Von 15 Mt. an versende franco auf meine Kosten, wenn Käufer fich auf diese Zeitung bezieht. Nichtconvenirendes bitte mir im Originalzustand zurückzusenden und empfängt der Besteller alsdann sofort sein Geld zurück; jedoch tritt letterer Fall deshalb nicht ein, weil jeder Nachbar, welcher der Stiefel ansichtig wird, dieselben auch mit gutem Nutzen dankbar behält. Das Maß bitte durch Versenken eines genau passenden Stabes in den getragenen Stiefel festzustellen und in Centimetern anzugeben und ob Spann hoch oder niedrig. Für Gummischuhe, obgleich zu den besten Fabrikaten gehörend, übernehme feine Garantie. Lederpantoffeln mit Absatzfleck, durchgenähter Ledersohle Mk. 2,40.| Satin- Kalbleder- Zugstiefel in vorstehender Ausführung, geschmeiCord- Pantoffeln* mit Filzsohle. Mk. 0,50. diges, zartes und dabei durchaus dauerhaftes Oberleber Mk. 7.25. Plüschpantoffeln mit durchgenähter Ledersohle und AbsatzExtra prima satinirte Kalbleder- Zugstiefel. Mk. 1,10. Mk. 1,25. Das Wohlthuendste für empfindliche Füße, außergewöhnlich hoch, Mk. 1,75. auf Rand genäht, in verschiedensten Façons. 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Esmarch, Professor Leyden, Professor Gusserow und anderen Autoritäten auf dem Gebiete der Medicin herausgegebenen ,, Zeitschrift für Krankenpflege". Für Herren: Bugstiefel: Mk. 10,50, Schnürstiefel Mk. 11,-, Halbschuhe Mk. 8,75. Für Damen: Halbschuhe: Mk. 8,25, Bugstiefel: Mk. 9,50, Knopfftiefel: Mk. 11,-. ygienische Fussbekleidung! D. R. M. S. Dr. Thomalla's Gesundheitsschuhe. Herren- und Knaben- Garderobe • • in gediegenster Ausführung, reellstem Material, zum Theil auch solche, die durch den Umzug unmerklich gelitten, zu bedeutend herabgesetzten Preisen. au 12,50, 15, 17,50, 18,- bis 27 Mk. Hohenzollern- Mäntel olenem Officiersdüffel, mit schwerem, reinwollenem LamaHerren- Jacket- Anzüge, ein- u. zweireihig, zu 25,-, 27,-, 30,-, 32,-, 34, Kammgarn- Jacket- u. Rock- Anzüge, einreihig, bis 45 Mk. Kammgarn- Gehrock- oder Gesellschafts- Anzüge, ameireihig, zu 28,-, 33,- 38,- bis 45 Mk. 9,-, 15, 18,-, 30,- 42 Mk. au 22,-, 24, 28,-, 32,- bis 40 Mk. 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Beuge: Aus eigener Wahrnehmung fann ich theilung, daß das Kriegsgericht in Brandenburg den Haupts drei Mart. attentäter bei jenem Ueberfall endgiltig zu darüber nichts befunden, es ist mir aber erzählt worden. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung vom 1. Oktober be erscheint, befundet: Der Angeklagte sei wohl bisweilen wegen. So! Und nun sollen solche gewiffenlose Stribenten und Gefängnißinspektor Conczewicz, der hierauf als Beuge Geldstrafe( drei Mart!) verurtheilt hat. Von Rechts fundet Stadtverordneten Vorsteher Schlegelberger, daß Witschel seinerzeit zu ihm gesagt habe, er werde sein Amt als sehr aufgeregt gewesen, er habe aber nichts wahrgenommen, Mörgler uns noch einmal mit der Behauptung kommen, unser Polizeiverwalter niederlegen, sobald ihm die Stadtverordneten was darauf schließen ließe, daß der Angeklagte geiftig nicht Militärgerichtsverfahren bedürfe der Aenderung. normal sei. Witschel: Ich bemerke, ich bin wohl in Versammlung ein Mißtrauensvotum ertheile. Er entsinne sich Folge Ueberarbeitung sehr nervös, ich bin aber vollständig geistig dessen sehr genau und halte seine Aussage mit Entschiedenheit gesund. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. 3 immer: Ist es aufrecht. Pierdeknecht Gawehn bekundet, daß er den bem Bengen bekannt, daß der Angeklagte nach seiner Berhaftung Die Bevorzugung und Monopolifirung der Groken Witschel mit Gewalt vom Hofe seines Dienstherrn gebracht habe. drei Lage und drei Nächte wie betäubt auf einem Schemel ge- Berliner Pferdebahn bildete die Tagesordnung einer Proteft Dieser habe ihm 10 M. für diese Arbeit gegeben. Der Dienst fessen hat? 3euge: Das ist mir nicht bekannt. versammlung, die von dem Obermeister G. Gemeinhardt herr, Pferdehändler Werthmann, bestätigt diese Aussage. Witschel: Ich war allerdings nach meiner Einlieferung ins am Freitag nach dem Buggenhagen'schen Lokal einberufen war. Der Präsident hält hierauf dem Angeklagten eine von ihm Gefängniß furchtbar erregt und erschöpft, da ich die ersten drei Der Referent, Stadtverordneter Goldschmidt, übte eine am 12. Juli 1895 gemachte Eingabe vor. In dieser heißt es: Tage nur einen Teller Suppe und ein Stück Brod bekam. Ich herbe Kritik an der Begünstigung, die von einflußreichen Kreiſen " Ich sagte zu dem v. Mauderode: Ich warne Sie vor etwas bat, mir doch wenigftens, und zwar auf meine stoften, eine Tasse der Stadtverwaltung der Großen Berliner Pferdebahngeſellſchaft Strafbarem. Wenn ich heute Abend in der Zeitung etwas finde, Thee und eine Semmel zu geben, es wurde mir aber erwidert, gegenüber zu theil wird und weist darauf hin, wie fortgefeßt was ich toufisziren darf, dann lasse ich die Zeitung daß dies Sache der Verwaltung sei. Erst nach mehreren die Gesellschaft alle Beschwerden des Publikums unberücksichtigt rüdsichtslos tonfissiren. Ich werde Ihnen damit Tagen wurde die Beköftigungsfrage geregelt. Auch mußte läßt. Die übermäßige Anstrengung der Angestellten bei einem den Beweis liefern, daß ich noch Polizeiverwalter bin." Der ich sech3 Tage und sechs Nächte auf einem Holzschemel 14ftündigen Dienst nennt Redner eine Kraftleistung, die man Angeklagte giebt zu, diese Eingabe geschrieben zu haben. Er glaubt, daß eine Ein weiterer Zeuge ist Staatsanwalts- Assistent Roths: ohne Lehne sitzen, da ich mich nicht aufs Stroh legen den Angestellten nicht zumuthen soll. wenn eintreten würde, die Konkurrenz bei die Aenderung Er sei eines Tages dem Angekagten in der Nähe des Werth ich aus meiner Wohnung holen wollte, wurden mir in den ersten Bergebung Matratzen, neuer Konzessionen zugelassen würde. Ein mann'schen Hofes begegnet. Der Angeklagte fah derartig auf: fechs Zagen und Nächten verweigert. Ich war über diese charakteristisches Beispiel führte an, daß, als die Rons Ertheilung einer geregt und in seiner kleidung derangirt aus, daß er fofort auf Weigerung umsomehr erregt, da meine Wohnung in unmittel- Firma Siemens u. Halske um die Vermuthung tam, demselben müsse auf dem Werthmann'schen barer Nähe des Gefängnisses liegt. stand, fte vom Syndikus Staatsanwalt: Ich session Hofe etwas passirt sein. Er habe deshalb den Werthmann ge- bemerke hiezu, daß der Angeklagte, nachdem er den Antrag auf Meubrink den Bescheid erhielt, sie müsse bis zur Erledigung fragt. Dieser habe ihm erzählt: Witschel habe ihn durch seine Gewährung eigener Beköstigung und eigener Betten gestellt, er des Vertrages mit der Großen Berliner Pferdebahngesellschaft Schimpfereien auf seine Pferde in seinem Renommee geschädigt. Dies fofort erhalten hat.- Gin Dr. med. Burrow, befundet warten. In einer Reſolution, die im Eingang die Zulaffung Er habe deshalb seinen Knecht beauftragt, sobald Witschel noch einmal auf den Hof komme, diefem die Jacke voll zu hauen und noch, daß er den Angeklagten einmal betrunken gefehen habe. Der Ronkurrenz befürwortet, empfiehlt der Referent folgende alsdann vom Hofe hinauszuschmeißen. Gegen 11/2 Uhr tritt Mittagspause ein. Forderungen als Richtschnur für die Konzeffionsertheilung: Er habe dem Knecht Vom Freitag wird ferner aus Tilsit berichtet: Auch heute 1. Sofortige allgemeine Einführung des 10 Pf.- Tarifs, wodafür 3 M. versprochen, da dieser es aber sehr gut gemacht zog sich die Verhandlung bis zum späten Abend hin. Nach be möglich mit Umsteigeberechtigung. habe, habe er ihm 10 m. gegeben.( Heiterkeit im 3ubörerraum.) Der Präsident ermahnt das Publikum zur lich belastet wurde, erklärten die medizinischen Sachverständigen endigter Zeugenvernehmung, durch welche der Angeklagte erheb Ruhe. Bräs.: Haben Sie nicht dem Werthmann gefagt: er folle Stillschweigen beobachten, da er sonst rein- übereinstimmend, daß der Angeklagte an einer fortschreitenden allgemeinen Paralyse leide, teine fallen tönne?- 8euge: Jawohl, es war mir fogar freie Willensbestimmung habe und am 13. Dezember unangenehm, Mitwisser eines solchen Vorfalls zu sein. Der 1895 der Meinung gewesen sei, daß er die Wahrheit sage. Die Zeuge befundet im weiteren auf Befragen: Zur Zeit, als die Beweisaufnahme wurde danach geschloffen, die Schuldfrage Reibereien zwischen dem Angeklagten und den Sozial formulirt und die Verhandlung auf Sonnabend vertagt. demokraten losgingen, habe er einmal geäußert: dem Stadtrath wird es noch einmal schlimm ergehen. Ein Polizeikommissar Die Verhandlung endete, wie ein Telegramm vom Sonnfagte ihm: Der Stadtrath trägt schon seit längerer Zeit stets abend meldet, mit der Freisprechung des angeklagten einen Revolver bei sich. Gr( Beuge) habe auch einmal beobachtet, Bolizeiverwalters. wie sich der Revolver im Gehrock des Witschel martirte. Einige Sem Die telegraphische Nachricht besagt: In bekundeten Prozeß Witschel heute die ärztlichen weitere Beugen schildern den Vorgang auf dem Hofe des Pferde- Sachverständigen, daß der Angeklagte verhandlungs. Geride, Kreitling und andere betheiligten, bewegte fich fähig und im stande fei, feine Vertheidigung au führen. Der Staatsanwalt beantragte, die Schuldfrage im Sinne der Resolution. Außer dieser gelangte noch folgender, im vollem Umfange Anklage Umfange der Bertheidiger beantragten die Freisprechung, zu bejahen, die für die Zustände in der Stadtverwaltung recht bezeichnender Die Ge- Antrag einstimmig zur Annahme: Es wird die bestimmte Er schworenen verneinten beide Schuldfragen. wartung ausgesprochen, daß kein Mitglied des Magistrats und Daraufhin wurde der Angeklagte freigesprochen und der Stadtverordneten- Bersammlung an der Berathung und fogleich in Freiheit gesetzt. Die Kosten des Verfahrens wurden Beschlußfassung dieser sowie anderer Verträge überhaupt theilder Staatstaffe auferlegt. nehmen darf, der direkt oder indirekt als Aufsichtsrath, Aktionär, Angestellter, Lieferant u. f. w. dieser oder anderer Gesellschaften betheiligt ist." Zum Schluß sprach die Versammlung, die ver hältnißmäßig gut besucht war, ben städtischen Behörden ihre Mißbilligung aus, weil sie trotz des wichtigen Themas und tros der Einladung nicht vertreten waren. händlers ähnlich. geben. oder Was geschieht nun mit den vielen Beugen, die sich durch ihren Eid mit den Ausführungen des Freigesprochenen in schärfsten Widerspruch gesetzt haben? Es wird nicht gut an zunehmen sein, daß dem merkwürdigen Spruch der Geschworenen ein Trauerspiel wie das Essener folgen wird. Gerichts- Beitung. 2. Sofortige Einführung eines billigen Abonnements, bemjenigen der Stadtbahn entsprechend. 3. Sofortige Einführung des elektrischen Betriebes mit unters irdischer Stromzuführung bezw. mit Akkumulatoren. 4. Bessere Verbindung der äußeren Stadttheile untereinander. 5. Wirthschaftliche und soziale Besserstellung der Angestellten. 6. Konzessionen zum Bau neuer Straßenbahnen dürfen nur unter Begrenzung einer bestimmten, nicht zu lange hinaus. geschobenen Baufrist ertheilt werden. 7. Gegen die Zubilligung eines Zuschusses zu den Baukosten neuer Straßenbahnen aus öffentlichen, städtischen Steuers mitteln an die Große Berliner Pferdebahn- Attien- Gesellschaft erhebt die Versammlung energischen Protest. Die Diskussion, an der sich die Stadtverordneten M. Schulz. bet etn bt, Weinfir. 11; Babiſtelle II bei Grünbel, Brunnenftr. 188; Babftelle III bet Gohn, Beuthstr. 20; 8ablftelle IV bet Rautenberg. Oranienstraße 180. Privat- Theatergesellschaft„ Erika". Morgen, abends 9 Uhr, Mans teuffelstr. 9: Gigung. 3 Uhr, Rosenthalerstr. 12: Gigung. Im 5 Uhr Probe. Gäste willkommen. Theater- und Vergnügungs- Verein Troclus". Heute Nachmittag Vergnügungsverein Luftige Seelen". Heute Gesellschaftsabenb Rottbuserstr. 4a. Anfang 6 Uhr. Gäste willfommen. den 5. Oftober, abends 8x uhr, bei Herrn Gübner, Swinemünderfir. 35: Maler und verwandte Berufsgenossen. Filiale II, Nord". Montag, Generalversammlung. In der Verhandlung vom Freitag wird gleichfalls von einer ganzen Reihe Zeugen die bekannte Schilderung des Vorfalls, den Gawehn mit Witschel hatte, bestätigt. So befundet Zigarren händler Jahnert: Er habe wohl gehört, daß Witschel aus dem Werthmann'schen Grundstück einmal hinausgeworfen worden sei, von wem er dies gehört, wiffe er nicht. Dieses Vorkommniß sei zur Beit vielfach in der Stadt erzählt worden. Es sei auch einmal in seinem Laden erzählt worden, daß dem Stadtrath Witschel von einem Sozialdemokraten der Gut eingetrieben worden sei. Es sei dies auch zur Zeit Tagesgespräch in Tilfit gewesen, er wiffe aber auch nicht, wer Dies erzählt habe.itschel erklärt: Die ganze Geschichte sei eine Erfindung, ihm sei niemals der Hut eingetrieben Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag und Montag tein Unterricht. Die worden. Untersuchungsrichter Landgerichtsrath& epa: Nach Leferäume sind von 10-12 Uhr vormittags resp. von 8 Uhr abends an ge dem Witschel bereits in Untersuchungshaft war, sei ihm das öffnet. Der Geschichtsunterricht findet Dienstag in der Südoftschule statt. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Borsigender Ad. NeuGerücht betreffs des Huteintreibens zu Ohren gekommen. Er Die Konkurseröffnung über die Helios Gasglühlicht mann, Basewalterstr. 3. Alle Aenderungen im Vereinstalender sind zu richten habe deshalb Erhebungen angestellt, diese haben aber nichts Aktiengesellschaft, welche vom Amtsgericht verfügt und bereits an Friedrich Kortum, Manteuffelfir. 49, v. 2 Tr. ergeben. Staatsanwalt v. Drygalsti: Ich beantrage, nach einigen Tagen vom Landgericht wieder aufgehoben worden im Bereinskalender sind zu richten an Karl Stiller, Kleine FrankfurterArbeiter- Raucherbund Berlins und Umgegend. Menderungen den Rechtsanwalt Anders als Zeugen zu laden. Dieser ist, hat zur Erörterung einer für die betheiligten Kreise sehr ftraße Nr. 7, 1 Tr. wird bekunden, daß er den Angeklagten im Jahre 1894, intereffanten Rechtsfrage geführt. Der Sachverhalt war folgender. Alle Buschriften, den Bund betreffend, sind zu richten an Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. wenn auch nicht thätlich, so doch wörtlich aus seinem Der frühere Direktor Hermann Rieß ist durch einen notariellen sahn, Schönhauser Allee 177 c. Hermann Bureau hinausgeworfen habe. Ich stelle diesen An- Att seines Amtes als Vorstandsmitglied entsetzt worden. NachSamariter- Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Montag, trag zur näheren Charakteristik des Angeklagten. dem ihm diese Entlassung durch den Aufsichtsrath mitgetheilt den 5. Ottober, abends 8% Uhr, in Gohn's Festfälen, Beuthstraße 20: Beginn Anders bekundet, daß er den Angeklagten aus seinem Bureau worden war, meldete er sich bei dem Konkursrichter unter bes Winterkursus. Vortrag des Herrn Dr. Christeller über den wed gewiesen habe. Ein fernerer Zeuge ist Oberpolizeikommissar der Angabe, daß und die Biele des Samariter- Kursus und über den Bau und die Lebens. er zum Vorstande der Gesellschaft thätigkeit des menschlichen Körpers; nachher: praktische Uebungen. Stadie: Stadtrath Witschel habe stets einen Revolver ge- gehöre und meldete den Konkurs der Gesellschaft an. Verein der Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen Berlins und tragen, ob dies schon 1893 der Fall war, tönne er nicht sagen. Der Konkursrichter recherchirte bei dem Handelsregister- mgegend. Heute Nachmittag 5 Uhr, Drantenstr. 51: Bersammlung. In dem letzten Jahre habe der Angeklagte jedenfalls einen Re- Richter und da die notariell verlautbarte Entlassung des Rieß bei Wilhelm Oberschmidt, Weinbergsweg 11a: Buſammentunft. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner. Heute, abends 7 Uhr, volver bei sich getragen. Er habe nicht wahrgenommen, daß der noch nicht eingetragen war, so gab der Handelsregister- Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den 5. Oktober, Bahlstelle I Angeklagte geist es trant fei, es habe ihm aber gefchienen, richter den Bescheid, daß gemäß der Eintragung Rieß Direktor als ob der Angeklagte, insbesonders in der letzten Zeit, an der Gesellschaft sei. Hierauf wurde das Konkursverfahren erGedächtnißschwäche gelitten habe. Präf.: Woraus öffnet und die Geschäftsräume wurden durch den Konkurs entnahmen Sie das? 3euge: Der Herr Stadtrath hat verwalter Conradi geschlossen. Hiergegen legte Rechtsanwalt oftmals General und auch Spezialbefehle mehrfach ge- Dr. Haase für die Gesellschaft die sofortige Beschwerde beim Präs.: Ist Ihnen bekannt, ob Witschel feig war Landgericht ein und führte aus, daß der Konkursrichter zu ob er Tapferkeit und Muth besessen hat? unrecht angenommen habe, daß die Eintragung des Handels3euge: Feig war der Herr Stadtrath nicht, im register- Richters allein maßgebend für die Frage sei, ob Rieß Gegentheil, er hat, insbesondere in sozialdemokratischen noch Direktor sei oder nicht. Die Eintragung eines Direktors Versammlungen, ftets großen Muth bewiesen. wirte nur als Rundhaftmachung gegenüber gutgläubigen dritten Er hat, obwohl er doch stets in Bivil war, die Begleitung eines und es hätte z. B., wenn ein dritter irgend ein Rechtsgeschäft bewaffneten Beamten regelmäßig abgelehnt. Bräf.: mit Sieß abgefchloffen hätte, ein solches Rechtsgeschäft Giltigkeit Sind Sie der Meinung, daß Witschel im entscheidenden Moment gehabt. Im vorliegenden Falle habe es sich nun nicht um den auch von seinem Revolver Gebrauch gemacht hätte? Abschluß eines Rechtsgeschäfts gehandelt, sondern Rieß habe als 3euge: Das kann ich nicht sagen. Präs: Bei dem Unter- Vertreter einer Aftiengesellschaft vor einer Behörde, nämlich suchungsrichter haben Sie aber zu Protokoll gegeben: Sie dem Konkursrichter, eine Erklärung abgegeben. Für die glauben, Witschel würde im entscheidenden Moment nicht von Rechtsgiltigkeit der letteren sei aber nur maßgebend, ob Rieß in Jeinem Revolver Gebrauch gemacht haben. 3euge: Das diesem Augenblicke noch Direktor gewesen sei oder nicht. Letzteres tann ich nicht sagen. Staatsanwalt: Sie haben aber müffe aber angenommen werden, weil durch den notariellen Aft bei dem Untersuchungsrichter diese Aussage gemacht. Der und nicht durch die Eintragung die Eigenschaft des Rieß als Beuge schweigt. Witschel: Ist dem Zeugen bekannt, Direktor aufgehört habe. Die zweite Handelskammer des Landdaß ich einmal von einer ganzen Reihe von Maurern ver- gerichts I schloß sich dieser rechtlichen Auffassung an und erfolgt wurde, die Begleitung von Beamten jedoch abgelehnt kannte, daß der die Eröffnung des Konturfes aussprechende Be- Leider ist auch die Rechnung des Herrn Hoffmann nicht habe? 3euge: Jawohl. Witschel: Jit, dem Zeugen schluß sofort wieder aufzuheben sei. Infolge dessen sind die Ge- richtig. Statt 14 X 2500, verleihe ich im ganzen nur zirka bekannt, daß ich einmal auf der Straße einen Kommis schäftsräume der Gesellschaft wieder freigegeben. Interessant 18 000 Handtücher per Woche. Die Abnügung beträgt ausweislich vor Den Angriffen eines großen, ftarten Mannes dürfte es bei diesem gewiß recht seltenen Falle sein, zu erfahren, meiner Bücher nicht 1 Pf., sondern 21/2 Pf. Lohn und Spesen geschützt babe? Der Mann, dessen Verhaftung ich veranlaßte, welche Wirkungen in der furgen Zeit des Bestehens für gewiffe nicht 2 Pf., sondern 26/10 Pf. Ich lade Herrn Hoffmann hiermit ist von der hiesigen Straffammer verurtheilt worden.- 3euge: Rechtsverhältnisse eintreten. höflich ein, sich durch Einsichtnahme meiner Bücher davon zu Davon habe ich gehört! Der Präsident bemerkt: Der Wie das Militärgericht eine Rohheit bestraft. Unferm überzeugen, daß man ihm ganz falsche Zahlen genannt Gerichtshof werde sich die Akten von dieser Straffache bringen Brandenburger Partei- Organ wird aus Spandau berichtet: hat. Herr Hoffmann wird dann finden, daß ich auch noch laffen. Witfel: Ich betone noch, daß ich stets, sobald Der Zigarrenfabrikant Genoffe Knabe von hier bot vor außerdem Aquisitionskosten( zwei Reisende), Binsen- und Utenfilien eine größere fozialdemokratische Versammlung längerer Zeit in einem hiesigen Lokal den anwesenden Be- Abschreibungen zu berücksichtigen habe und daß mir Handtücher stattfand, selbst das Rommando übernahm. Ich hätte die tannten u. f. w. Ginlaßkarten zu dem Fest des Arbeiter- Sänger- en masse verloren gehen, sodaß mir in Wirklichkeit nur der Ueberwachung ebenso gut meiuen Beamten überlassen fönnen, ich bundes in Pichelsdorf an. Hierbei gerieth derfelbe mit einigen Bruchtheil eines Pfennigs pro Handtuch als Gewinn übrig ging jedoch selbst in die Versammlungen, poftirte in entsprechen Unteroffizieren vom Trainbataillon in Wortwechsel. Knabe, der bleibt. der Weise meine Beamten und instruirte sie dahin: sobald ich einem ernsten Streit schon im Interesse des Wirthes aus dem Gegen den Vorwurf, ich hätte meinen Leuten den Weg zur auflöse, follen sie sich sofort sämmtlich in die Mitte Wege geben wollte, verließ das Lokal, um sich nach Hause zu be- Konkurrenz versperren wollen, muß ich mich auf das ent des Lokales begeben, von dort aus erfolgt als geben. Die Unteroffiziere jedoch folgten ihm und schiedenste verwahren. Ich denke garnicht daran! Ich wehre dann der Angriff. Eines Abends war eine sozialdemo- fielen auf der Straße mit blanter Waffe über mich nur gegen unwahre Angaben, und wenn jemand erzählt, fratische Versammlung nach dem Nachbarort Neuforge einberufen. Den Wehrlosen her. Nachdem die tapferen Water- er hätte sich selbständig gemacht, der, wie Herr Hoffmann festAls ich hinaustam, tam mir ein Polizeisergeant mit der Meldung landsvertheidiger so ihr Müthchen gründlich gefühlt hatten, stellt, nie selbständig gewesen ist, so ist dies eine unwahrheit, entgegen: Herrstadtrath, beute gehts los, die Sozial- ließen sie den Hilflosen liegen und machten sich davon. Knabe, die geeignet, mir Kunden abwendig zu machen und gegen die ich demokraten haben schon fünfmal geschossen, dem es schließlich gelang, die Schläger ausfindig zu machen, Front machen muß. um zu zeigen, daß sie bewaffnet sind. Ich erstellte den Strafantrag. In den ersten Verhandlungen ver- Herr Hoffmann spricht von zwei Arbeitern; ich habe jedoch widerte: Das soll uns nicht im geringsten geniren. Es giebt fuchte man, den Kläger zur Zurücknahme des Straf nur einen entlassen. Der andere hat die Arbeit selbst nieders teinen schöneren Tod, als für seine Majestät autrages zu bewegen und die Bestrafung der Miffethäter dem gelegt, weil, wie er mir später schrieb, ihn der ältere Arbeiter den Raiser und König au sterben, sei es im Regiment zu überlassen. Der Kläger ging jedoch darauf nicht dazu aufgeredet" hat, Rampfe gegen den äußeren oder den inneren ein und wies auch die für diesen Fall angebotene Et war zwei Tage bei der Konkurrenz und hat mich ere Feind. Ich begab mich gleich darauf in die Versammlung Entschädigung zurück. So mußte man denn wohl oder sucht, ihn wieder einzustellen, was ich gerne wieder gethan habe. und poftirte meine Beamten in die verschiedenen Ecken des Saales. übel der Gerechtigkeit ihren Lauf lassen; und was für einen! Leopold Signer, Handtuch- Berleih- Institut. Sprechlaal. Die Rebattton ftellt die Benuzung des Sprechjaals, soweit der Raum dafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Sntereffes zur Verfügung: fie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. ,, An meine geehrten Kunden" lautet die Spitzs marfe einer über mich gebrachten Besprechung des Herrn Johann Hoffmann in Nr. 229 des Vorwärts". Herr Hoffmann ist offenbar falsch informirt, denn meine Hausdiener hatten es nie nöthig, sich selbst Kunden zu suchen, sondern hatten stets nur die ihnen zugewiesenen Kunden zu be dienen. HohenzollernMäntel, Joppen, Paletots, Winter Hofen, Anzüge, vorjährige, nach Maaß bestellt, nicht abgeholt, verkaufe Hälfte Kostenpreis. Münztr. 4. Engel. Winter- Saison. Carl Stier, Nur bei Willy Reinhard, Prinzenstr. 103, Ecke Wafferthorstraße, find die künstlichen Oberkiefergebisse vom Kaiserl. 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Verbandsangelegenheiten. all 118/8 Für Süd- Osten( Görlißer Viertel) am Mittwoch, den 7. Oktober er., abends 8½ Uhr, im ,, Märkischen Hof, Admiralstr. 18c: Tages- Ordnung: 1. Vortrag der Genoffin Frau Rohrlack, 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet. 42 Die Ortsverwaltung. Fachverein d. Tapezirer Berlins und Umgegend. Dienstag, den 6. Oktober, abends 8 1hr, bei Pasch, Alte Jakobstr. 83( Gartensaal): Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: Sonnabend, den 17. Oktober 1896 KF Grosses sozialdemokratisches Volks- Fest arrangirt von den Genoffinnen Berlins und Umgegend m bestehend in Vokal- und Instrumental- Konzert unter gütiger Mitwirkung der gemischten Chöre Philomele und Freya I( Mitgl. d. A.-S.-B.), Dirigent F. Rokicki. Theater Aufführung: Töchter der Arbeit in 1 Aufzuge von E. Preczang. Lebende Bilder darstellend: Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Gr. Tanz. Die Musik von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker". Dirigent: G. Schonert. Anfang 7½ hr. Entree 25 PF. Osten " " Billets find zu haben: Ottilie Bander, Straußbergerstr. 28 v. IV.| Norden Frau Klotsch, Koppenstr. 81, H. Qut. IV. Frau Frohmann, Frankfurter Allee 110, Sof r. IV. " = Fran Krause, Schliemannstr. 45, IV. I. Frau Seeger, Gerichtsstr. 46 im Reffer. Frau Rofentreter, Kastanien Allee 27, 1. Quergeb. III. 1. Vortrag des Schriftstellers Herrn Landauer über:„ Anarchismus Süd- Osten Frau Sprung, Mariannen- Ufer 7, S. r. III. Nord- Westen Frau Minna Fiedler, Putlikstr. 3,§. IV. und Sozialismus". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten u. Fragefaften. Süden Frau Fahrenwald, Kamphaufenstr. 5, III. Frau Auna Bauschke, Nathenower Gäste willkommen. Die Mitglieder werden ersucht, der wichtigkeit Süd- Westen Frau Emma Scholtz, Mittenwalderstr. 6, straße 97 III. der Tagesordnung wegen za blreich zu erscheinen. Die Versammlung wird Quergeb. IV. Nord- Osten Frau Mesch, Lychenerstr. 3, IV. pünktlich 81/2 Uhr eröffnet. und in den Zahlstellen der Arbeiter- Bildungsschule sowie den mit Plakaten belegten Handlungen. NB. Sonnabend, den 10. Oktober cr.: Der Vorstand. 179/1 8. Stiftungsfest, bestehend in Konzert n. Ball, in den neu renovirten Sälen der Berliner Ressource, Kommandanten 1/5 Das Komité. froße 57, unter giftiger Mittwirtung bewährter Gefangsträfie u Spezialitäten Zentral- Kranken- u. Sterbekasse| Achtung! 4. Wahlkreis. Achtung! ersten Ranges. Anfang 8 Uhr. Herren- Billet( inkl. Tanz) 50, Damen 30 Pf. der Maler( Filiale IV W.) G. H. 71. Achtung! Dekatenre! Achtung! Versammlung Filiale III des Textilarbeiter- Verbandes Deutschlands. Dienstag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, im ,, Englischen Garten", Alexander- Straße 270: Versammlung. Zages Ordnung: 197/1 1. Vortrag des Stadtv. Gen. Wilte. 2. Die Sperrung des Betriebes von Behmack u. Weißbarth und wie verhalten wir uns zu den bort arbeitenden organisirten Kollegen? 4. Beschlußfassung über Einführung einer geregelten Arbeitszeit bei den Kollegen auf der Straße. 5. Verschiedenes. Der Vorstand. NB. Gäfte, sowie unsere Berufsgenossen stets willkommen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Lederarbeiter( Portefeuiller). Montag, 5. Oktbr., abds. 8½½ Uhr, bei Roll, Adalbertstr. 21: 786b Große General- Versammlung. Zagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassirers sowie sämmtlicher Kommissionen. 2. Durchführung des Beschlusses der letzten General- Versammlung. Der Vorstand. Achtung, Putzer! Vom Montag, den 5. Oktober werden die neuen Arbeitsberechtigungs- Karten 131/12 Louis Beller's Festsäle Montag, den 5. Ott., abends 81/2 Uhr, Koppenstr. 29. im Raffenlofal, Culmsiraße 36. Tages- Ordnung: Raffenbericht und Verschiedenes. 128,2 Die örtl. Verw. Täglich: Warmes Frühstück 5 ON zur Auswahl. Zur alten Linde обо Admiralstr. 40a am Platz Echt Münchener Bürgerbräu Pilsener, hiesiges hell. u. dunkl. Lagerbier Weissbier. Louisenstädt. Klubhaus Annen Strasse 16. Saal für Versammlungen u. Festlichkeiten. Vereinszimmer jeder Grösse. Jeden Sonntag: Gr. Tanzkränzchen. Achtung! Vereine. ,, Englischer Garten", Alexanderstr. 27c., ausgegeben. Die Kollegen werden ersucht, dieselben in Empfang zu nehmen. Die alten Rarten erhalten, so weit sie voll berechtigt sind, den Schlußstempel. ist der Todtensonntag an größeren Auf den Bauten, welche von der Kommission als unter dem Tarif stehend zu Verein zu vergeben. Auch sind noch verzeichnen sind, werden keine Arbeitsberechtigungs- Karten ausgegeben und sind andere Sonnabende zu haben. die Kollegen nach dem Beschluß der Versammlung vom 23. September verpflichtet, die Arbeit ruhen zu lassen und eine Ausbesserung des Preises zu er zwingen. Die Lohnkommission der Putzer Berlins und Umgegend. Moabiter Klub- Haus, No. 9, Beusselstrasse No. 9. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Mufit, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil. Berufsmusiker.- Saal mit Theaterbühne, bis 400 Personen fassend, steht den Parteigenoffen und Vereinen zu Vergnügungen und zu Versammlungen unentgeltlich zur Verfügung.- Tages- Restaurant, Weiß- und Bairisch- BierLotal. Großer Mittagstisch mit Bier 60 Pf. 2 Vereinszimmer sind noch einige Tage zu vergeben. 4957* C. Fischer. Etablissement ,, Süd- Ost" Waldemarstrasse 75. 56942 Jeden Sonntag: Großer Ball. Anfang 5 Uhr. Ende 2 Uhr. Entree frei. Ferner empfehle meinen Saal, 500 Personen faffend, zu allen Vereinsfestlichkeiten und Bersammlungen unentgeltlich. Jägerhaus Hermann Brüsler. Schönhauser Allee 103. Neu renov. schatt. Garten( 6000 Personen fassend), gr. Tanzsaal, 4 Regelbahnen, Raffeeküche v. 2 Uhr ab Grösste Volksbelustigungen in ganz Berlin. Empjehle mein Weiß- u. Bayr.- Bier- Lokal. Mittagstisch mit Bier 50 11. 60 Pf. Saal für 250 Personen. Große und kleine Vereinszimmer, mit und ohne Pianino, passend für Klubs und Vorstände. Koppenstr. 29. Sonntag, den. 4. Oftober 1896: 7. Stiftungsfest des Sozialdemokr. Agitationsklubs f. d. Osten Berlins. Großes Vokal- und Instrumental- Konzert ausgeführt von den Zivil- Berufsmukkern unter gütiger Mitwirkung des Karthaus'schen Gesangvereins, der Theatergesellschaft Büchner und des Boltshumoristen des Herrn Nieke. Eröffnung 3 Uhr. Anfang 4 Uhr. B Billets à 20 Pf. find in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Herren, die am Tany theilnehmen, zahlen 50 Pf. nady. Konzerthaus Sanssouci. Sonnabend, den 10. Oktober 1896: Stiftungs- Feft 3.- 5.- 8.) Gesangvereins Kreuzberger Harmonie( gl.. Gr. Vokal- und Instrumental- Konzert mit darauffolgendem Tanz. Freunde des Vereins sind hierzu eingeladen. Das Komitee. Billets sind bei den Mitgliedern und in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Stiftungsfest 65/ 1* Gefangvereine, Bergnügungsvereine, des Kranken- Unterstützungsbundes der Schneider Jeden Sonntag: Tanzkränzchen. 2 Billards, sowie 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Frik Zubeil, Lindenstr. 106. Schmiedel's Festsäle, im Alte Jakobstr. 32, neben Bentraltheater. Ich empfehle meine eleganten Festfäle zur Abbaltung jeder Festlichkeiten, Rommerse, Bersammlungen 2c. 5594L* Wwe. G. Schmiedel. Bürgerliche Brauerei am Sonntag, den 4. Oktober, in der Berliner Ressource, Kommandantenstraße 57, bestehend aus Konzert, Vorträgen und Tanz. Eröffnnug um 5 1hr. Anfang 6 Uhr. Programme à 25 Pf. sind zu haben im Bureau, Alte Jakobstraße 88, eftaurant( geöffnet von morgens 8 bis mittags 1 Uhr); sowie in den Bahlstellen. Norddeutsche Brauerei Chauffeestraße 58. 166| 1 Chauffeestraße 58. Sonnabend, den 24. Oktober cr.: Wirthshaus Schmargendorf, Barnemünderſtr. 6 Am Tempelhofer Berg No. 6.4. Stiftungs- Fest 3. Lotal v. Ede Breiteſtr., Sonntag: Großer Ball. unmittelbar am Grunewald, mit schattigem Garten. Familien- Kaffeeküche, Gleichzeitig empfehle den 500 Perà Liter 60 Pf.; ff. 23eiße 20 f.; Lagerbier 10 Pf. Jeden Sonntag: sonen fassenden Saal zu FestlichGroßer Ball. Saal, 200 Perfonen fassend und Vereinszimmer zu Ver- keiten und Versammlungen für Vereine fammlungen und Feftlichkeiten. des Gesangvereins„ Nordwacht" ( Mitglied d. Arbeiter- Sänger- Bundes) 65/ 2* Max Schulze, Roch. u. Privatgesellschaften. Heinr. Nümann. bestehend aus Konzert u. Gesangsvorträgen. und Speisehaus, Gesellschaftshaus Franke's Volkskaffee" Gr. Frankfurterstr. 73, an der Kaiserstraße. Billiger Mittags- und Abendtifd. Größte Aus. Swinemünderstr.35 wahl äußerst schmackhaft bereiteter Speisen; täglich 8-10 verschiedene Gerichte Don 10-30 Pf. Bier, 4/10 10 Pf., 2/10 5 Pf. aus der Brauerei Reichenkron. Arzt Dr. Hösch, ginienfr. 149. 8-10, 5-7, Jeden Sonntag grosser BALL Homöopath. Gonntags 8-10 lor, für Bruft, Unterleibs, u. täglich Spezialitäten Vornellung. Frauen, Nerven, Hautkrankheiten, Gicht, Rheumat. sämmtliche Gastwirths- Artikel Dresdenerstraße 109. Billard- Bälle Ferd. Diedrich, camt IV, 9628.) ( Amt Sale für Vereine zu Feftlichkeiten, Bersammlungen mehrere Sonnabende noch frei. Hübner. Im großen neu renovirten Saale: Tanz. Admiral- Strasse Um 12 Uhr: Kaffee- Pause. Anfang 8 Uhr. Herren 50 Pf., Damen 25 Pf.( inkl, Tanz.) Ende? Märkischer Hof, geben Sonntag im prachtvollen Spiegelsaal großer Festball. Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Gr. Orchestermufit. Die beiden Säle sind Sonnabends und Sonntags an Vereine zu Bällen, Hochzeiten und Versammlungen zu vergeben. Gr. Vereinszimmer. Die Restau rations- Räume stehen den geehrten Familien zur Verfügung. Sozialdemokr. Verein„ Vorwärts" Berlin. Sentral- Kranken- u.Sterbekasse Deutscher Holzarbeiter- Verband Dienstag, 6. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Gründel, Brunnenstraße Nr. 188: Filiale I N.( Ging. Hilfskaffe 71.) Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: der Maler. Freitag, den 9. Ottober, abends 8½ Uhr, im Raffenlokal bei Rosin, Ruppiner und Schönholzerstraßen- Ecke: 1. Die neuere medizinische Richtung. Referent Gen. Dr. A. Bernstein. Mitglieder- Versammlung 274 1 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste( Männer) haben Zutritt.- Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Arbeiter- Vertreter- Verein. Dienstag, den 6. Oktober, abends 81/2 Uhr, bei Baske, Grenadierstr. 38: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 53/1 1. Der neue Gesetz- Entwurf des Invalidens und AlterversicherungsGesetzes. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen! Der Vorstand. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Bildungsverein„ Mehr Licht" ( früher Ethische Gesellschaft). Sonntag, 4. Oktober, abends 72 Uhr: 2 Dersammlungen. 1. Englischer Garten, Alexanderstr. 27c: Vortrag des Herrn Dr. Pinn über: Boltsbeglückung." 2. Arminhallen, Kommandantenstraße 20: Vortrag des Herrn Waldeck Manasse über:" Der deutsche Teufel." Diskussion. Nach beiden Versammlungen: Geselliges Beisammensein. Mittwoch, 7. Oktober, abends 9 Uhr, Aleranderstr. 27 c: General- Versammlung wozu die Mitglieder hierdurch eingeladen werden. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht. | Branche der Parquetbodenleger. Versammlung am Montag, 5. Oktober, abends 8 Uhr, bei Schöning, Köpnickerstr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt- Kontrollkommission und Neu77/5 2. Wahl der Krankenbesucher. 3. Kaffen- wahl derselben. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die wichtige Tagesordnung macht es jedem Kollegen zur Pflicht, zu erscheinen. angelegenheiten. 123/1 Die Ortsverwaltung. Ausserordentliche Verein deutscher Schuhmacher. Generalversammlung Montag, den 5. Oktober 1896, abends 8½ Uhr: Versammlungen. der 7836* Eschke'schen Kranken- u. Sterbekasse No. 60 am Mittwoch, 14. Oktober,' abds. 81/2 Uhr, im Kaffenlokal b. Friebel, Holzmarktstr.36. Tagesordnung: 1. Bericht über die technische Kassenprüfung. 2. Rassenschreiber- Wahl. Die Mitglieder sind hiermit ergebenst eingeladen. Das Kassenbuch legitimirt. Zahlstelle I bei Feind, Wein- Straße 11: Vortrag des Genossen I 13 " III " H. Schulz. bei Gründel, Brunnen- Straße 188: Bortrag des Genossen Paul Jahn. bei Cohn, Beuth- Straße 20-22: Vortrag des Genossen Dr. Pinn. IV bei Rautenberg, Oranien- Straße 180. Um zahlreiche Betheiligung bitten Die Bevollmächtigten. 169/3 Der Vorstand. gez. A. Reimann Ahtung! Handelshilfsarbeiter. Ahtung! ,, Kosmos", Verein Den Kollegen zur Beachtung, daß nach der am Sonntag, den 4. d. M. in Cohn's Festfälen, Beuthstr. 21, stattfindenden Versammlung für volksthümliche Wissenschaft arrangirt wird. Dienstag, 81/2 Uhr, bei Hensel, Brunnenstr. 173: Vortrag. Rultur bringende" Europäer in Afrika". Ref. Herr Max Grempe. Diskussion. Sonntag, den 11. September: Besichtigung des Böhmischen Brauhauses, 55/8 Landsberger Allee 11-13. Treffpunkt: Haupteingang. 782b Der Vorstand. Verband der in Holzbearbeitungs- Fabriken u. auf Holzpläzen Säfte willkommen! beschäftigten Arbeiter Deutschlands( Filiale Berlin I). Mitglieder Versammlung = am Montag, den 5. Oktober, abends 8, Uhr, bei Wilke, Andreasstraße 26. 1. Wie kann wie stellen sich die M Tages Ordnung: Samariter- Kursus für Arbeiter u. Arbeiterinnen. Montag, den 5. Oktober, abends 81/2 Uhr, 82/1 der Holzarbeiter- Verband unsere Intereffen vertreten und Kollegen zum eventuellen Anschluß an denselben? Referent: bei Cohn, Beuthftr. 20, tleiner Saal. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 3. Quartal. 4. GeGenoffe Glode. werkschaftliches. Die Kollegen der Werkstatt von R. u. A. Roller find zu Tagesordnung: Vortrag der Herren Dr. Christeller geselliges Beisammensein und Lanz 75/2 Der Vertrauensmann. Achtung! Lackirer. Lackirer. Achtung! Dienstag, den 6. Oktober, abds. 8 Uhr, im ,, Englischen Garten", Alexanderftr. 27e: General- Versammlung der Filiale IV. Tages Ordnung: 124/1 1. Vortrag des Roll. M. Mark. 2. Quartalsabrechnung. 3. Statutenberathung. 4. Verschiedenes. Die Kollegen folgender Werkstätten sind besonders eingeladen: Fischer Archhoff; M. Fabian, Fennstraße; S. J. Arnheim, Badstraße; Heidemann& Stenski. Der Fachverein der Klempner hält jeden Mittwoch nach dem Ersten in Cohn's Fest- Sälen, Beuthstr. 20-22, dieser Versammlung besonders eingeladen. Um pünktliches Erscheinen wird und Dr. Friedeberg. 1. Einleitung über seine Versammlung ab. Nächste Versammlung gebeten. Der Vorstand. Achtung, Stuckateure! Montag, den 5. Oktober, abends 8 Uhr, bei Buske, Grenadierftr. 33: Fachvereins- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag. 2. Adreffenangabe der Kollegen. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Zweck und Ziele des Samariter- Rursus. 2. Anatomie und Physiologie( Bau und Lebensthätigkeit) des menschlichen Körpers. Aufnahme neuer Theilnehmer. 155 11 Der Vorstand. Bekanntmachung. = 171/4 Orts Kranken= Kasse der Maschinenbau- Arbeiter und Achtung, Graveure, Biseleure Berlins n. Umgegend. Dienstag, den 6. Oktober, abends 81/2 Uhr, in den ,, Oranienhallen", Dranienstr. 51: verwandten Gewerbe zu Berlin, Die in der General- Versammlung Mittwoch, den 4. Oktober cr. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Gen. Ewald über:" Das Vereins- und Bersammlungss gefet". 2. Distuffion. 3. Besprechung über das Abhalten eines Vergnügens am 28. November bei Broch now. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. 89/1 Deutsch. Schneider- u. Schneiderinnen- Verband. Montag, den 5. Oktober, abends 8½ Uhr, im großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Versammlung. Tages Ordnung: Mitglieder- Versammlung. I und XII des Anbangs zum Statui glieder dauernd in der Organisation halten? Borschläge und Begründung Zages Ordnung: vom 8. Juli d. J. beschlossenen Ab- 1. Die Arbeits- und Lohnverhältnisse in der Maaß, Militär- und Roftüme änderungen der§§ 14, 15 a, 21, 23, branche und welche Aufgaben haben die Arbeiter dieser Branchen? Referent: 24, 52 des Statuts, sowie Absatz IV, Rollege Christian Bohn. 2. Distussion. 3. Wie können wir die Mit. 74/1 haben unterm 15. September bezw. vom Kollegen J. Timm. 4. Diskussion und Beschlußfassung darüber. 1. Vortrag des Genoffen G. Wagner über„ Religion und die Volts. 25. September d. J. die Genehmigung 5. Neuwahl der Ortsverwaltung. schule". 2. Geschäftliches. 8. Berschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, ichtsbehörde erhalten und treten mit Militär- und Kostümbranche in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Es ist die besondere Pflicht der Kollegen und Kolleginnen aus der Maak, 3. des Bezirks- Ausschusses bezw. der Aufpünktlich und zahlreich zu erscheinen. bem Tage dieser Bekanntmachung Die Kollegen der Geschäfte S. Adam, Baum, Bothmer& Dünzer sind besonders in fraft. 787b eingeladen. Die Bevollmächtigten. Drud Exemplare dieser Abänderung Der Vorstand. Achtung! Töpfer. Kaffenlokal den Mitgliedern ausMittwoch, 7.Oktober, abends 6 Uhr, im Englischen Garten, gehändigt. Alexanderstr. 27c: General- Versammlung des Vereins der Töpfer Berlins und Umgegend. 162 1 werden während der Kaffenstunden im Verband aller im Handels- und TransportGewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter. Dienstag, den 6. n. 13. Oktober, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 20: Berlin, den 3. Oftober 1896. Der Vorstand. Hans Zeyssig. H. Steinfeldt. Zangefochnung: 1. Statutenberatung. 2. Guigitige Borfandswahl Borstenberger'sdhe 4. Ordentl. General- Versammlung. 3. Gewerkschaftliches. Um regste Betheiligung aller Rollegen ersucht Der Vorstand. 190/1 Töpfer Charlottenburgs. Dienstag, den 6. Oktober, abends 7 Uhr, im Lokale Bismarckshöhe( Ecke Wilmersdorfer- n. Bismarckstr.): Oeffentliche Versammlung. Zages Ordnung: Sterbekasse, gegründet zu Berlin 1845, ladet hiermit zum Beitritt ein. Dieselbe zahlt ein Sterbegeld von 45-90 m. bei einem jährlichen Beitrag von 3,20 M. Anmeldungen von Personen, Männern und Frauen, welche gesund sind und das 45. Lebensjahr nicht überschritten haben, werden an jedem ersten Sonntag im Monat im Kaffenlokal, Ackerstr. 13, 1931 genommen. 7906 1. Wie stellen sich die Charlottenburger Kollegen zum Anschlusse an den nachmittags von 4-7 Uhr entgegen neugegründeten Verein? 2. Gewerkschaftliches. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Der Vorstand. J. A.: C. Wünsche, N., Ackerftr. 65. Zages Ordnung: 75/8 1. Mittheilungen. 2. Bericht der Kommission für Arbeitslosen- Unter stüßung. 3. Anträge. 4. Geschäfts- und Kassenberichte. 5. Verbands= Angelegenheiten. In anbetracht der außerordentlich wichtigen Tagesordnung ist zahl. reiches Erscheinen der Mitglieder unbedingt nothwendig. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. Sonnabend, den 17. Oktober 1896: Fünftes Stiftungs- Fest verbunden mit Konzert, Feftrede, Prolog, An die Töpfer Berlins n. Umgegend! Gelang und humoristischen Vorträgen Der Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands, der seinen Sig in Berlin hat ( Bureau Rosenthalerstr. 57 und Gormannstr. 29), zählt zur Zeit 130 Verwaltungsstellen mit ca. 4500 Mitgliedern, besitzt ein eigenes Fachorgan ,, Der Töpfer", das allen Mitgliedern unentgeltlich alle 10 Tage geliefert wird, und zahlt an wandernde Kollegen in 54 Orten Reise- Unterstüßung; desgleichen erhalten die wandernden Mitglieder dieses Verbandes bei unseren Bruder- Organisationen in Desterreich, der Schweiz, Rumänien und Dänemart Reise Unterstützung, freundliche Aufnahme und bereitwilligft Auskunft über Arbeitsverhältnisse, wie Arbeit nachgewiesen, sobald es nur möglich ist. D in Während der Bausen: Auftreten des Berliner Original- Bolts- Humoriften H. Lewandowsky sowie der Geschwister Grossely. Die Gesangspiècen werden vom Gesangverein ,, Sanges: Echo" ( Mitgl. des Arbeiter- Sängerbundes) ausgeführt. Die Konzert- und Ballmusik wird von der Freien Vereinigung der Zivil- Bernfsmnfiker" unter Leitung des Herrn Raabe ausgeführt. Leitung des Herrn Raabe ausgeführt. Es empfiehlt sich für alle Kollegen Berlins, wenn sie den Klassenkampf, soweit er durch die Gewerkschaft überhaupt geführt werden kann, führen wollen, sich dieser Organisation anzuschließen und so gemeinsam mit den Kollegen Deutschlands, wie mit denen des Auslandes, den Kampf gegen die Ausbeutung bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. führen zu können. Einzelne Vereine ohne Fühlung mit dem Gros der Kollegenschaft im Lande sind vollständig werthlos. Im Zentralverband kann man sich jeden Tag von 10 Uhr vormittags bis abends 6 Uhr als Mitglied aufnehmen lassen, desgleichen auch jeden Sonnabend Abend Rosenthalerstr. 57. Die nächste Versammlung findet in unserem Vereinslokal Rosenthalerstr. 57 am 8. Oktober abends 8 Uhr statt. 195/2 Von 11 Uhr ab: Grosser Ball. Eröffnung 8 Uhr. Eintritt 50 Pf. Anfang 9 Uhr. Fest- Zeitung mit Programm am Eingang gratis. Billets sind im Bureau, Kommandantenstr. 25 I., in den Zahlstellen und Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Brochnow's Salon, Sebastian- Strasse 39. Sonnabend, den 10. Oktober 1896: Feier des 50jährigen Gesellen- Jubiläums Der Zentral Arbeitsnachweis ist täglich bis 6 Uhr abends geöffnet und vermittelt Arbeit des Parkettbodenlegers A. Kurth, unentgeltlich in Berlin wie nach außerhalb. arrangirt von den Parkettbodenlegern Berlins. Kollegen, tretet dieser Organisation bei; nur die gemeinsame Arbeit und Agitation kann unsere Billets à 30 Pf. find in den mit Plakaten belegten Geschäften Bestrebungen wie unsere Lebenslage fördern. Der Zentralvorstand. zu haben. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobeh in Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin. 77/16 4. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. jansu Ur. 233. Ansl er Bur Sonntagsruhe im Barbiergewerbe. Sonntag, den 4. Oktober 1896. 13. Jahrg. Stunden dauernder Sonntagsarbeit freizugebende Wochentag Die beste, alle Theile befriedigende Lösung der Nachmittag wird auf den in der Dentschrift erwähnten Ausgang Frage der Sonntagsruhe im Barbier und Friseur reduzirt, trotz der 7, 8- und mehrstündigen Sonntagsarbeit. gewerbe, erblicken wir nach wie vor in dem Schluß der Sollen die im Barbier, Friseur- und Perrückenmacher Geschäfte an Sonn- und Feiertagen um 1 Uhr; gewerbe beschäftigten Personen in den Genuß der durch das nicht länger als 5 Stunden dauernde Beschäf= Auf Beschluß des vierten Kongresses der deutschen Barbier- 2c. Sonntagsrube- Gesez beabsichtigten Verkürzung der Arbeitszeit tigung der Gehilfen und Lehrlinge an Sonn Gehilfen war am 25. März 1895 dem Bundesrath und dem gelangen, so erweist sich eine ausreichende behörbliche und Feiertagen bei Freigabe eines halben Reichstage eine Dentschrift über die Lage der Arbeiter Kontrolle als unumgänglich nothwendig. Wochentags Nachmittags. dieses Gewerbes unterbreitet worden. Beiden Körperschaften In einer Petition des Bundes deutscher Barbier, Friseur II. find mun aus den Kreifen der Barbiergehilfen Ergänzungen und Berrückenmacher Innungen um Einschränkung der gesetzlichen zu dieser Denkschrift mit dem Bemerken überfandt worden, daß Sonntagsruhe- Bestimmungen, wird die Arbeitszeit an Sonntagen Besondere Erwähnung verdient die Art der Be die Lage der Arbeiter im Barbiergewerbe durch die am 1. April im Winter als zu kurz bezeichnet. Dagegen weist der Bericht fchaffung von séreibungsstücken der Barbier, und 1895 in fraft getretenen Bestimmungen über die Sonntags desselben Bundes, zu seinem 24. Rongreß 1895, 8257 arbeits: Frisenrgehilfen. In Kleinstädten, wo ein großer Theil des im Gewerbe und Industrie nur wenig verändert und lose Gehilfen auf, d. h. solche, denen teine Arbeit Publikums sich zu Hause bedienen läßt, werden dem Gehilfen die Beschäftigung der Seichskommission für Arbeiterstatistik durch den Bund nachgewiesen werden konnte. Der in öfter Kleidungsstücke geschenkt, während er in Großstädten seinen mit beschäftigung der dieser Frage gung ber wie vor eine bringende Noth- unserer Denkschrift erwähnte Bericht vom 21. Kongreß des oben Bedarf beim Trödler zu decken genöthigt ist. Der Gehilfe findet nur Beschäftigung, wenn er ist, ort eitlich welche nicht nur für die Arbeiterstände beseitigt werden, genannten Bundes im Jahre 1892 verzeichnet die Zahl der ar des Barbiergewerbes, sondern beitslosen Gehilfen mit 5616. Der Innungsbund kongekleidet ist. Der Lohn reicht zur Anschaffung von neuen auch für das gesammte Publikum von größtem Nachtheil sind. statirt also selbst eine Zunahme Der arbeitskleidungsstücken jedoch nicht aus. Deshalb ist der Gehilje Die„ Ergänzungen" lauten: losen Gehilfen innerhalb breier Jahre um gezivungen, getragene Kleidungsstücke bei dem Tröbler zu 2641, das find 47 pCt. laufen. Diese Erscheinung hat sich seit einigen Jahren immer Die Arbeitszeit im Barbier, Friseur- und Perrücken- Die Folgen dieser rapid zunehmenden Arbeitslosigkeit sind stärker gezeigt. Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß macher- Gewerbe sollte durch die gesetzliche Sonntagsruhe eine bei den schon für die beschäftigten Gehilfen traurigen die bei dem Trödler gekauften Kleidungsstücke vielfach von Verfürzung von 6-8 Stunden wöchentlich erfahren. Die durch Existenzbedingungen vorauszusehen, zumal der Barbier oder Personen herrühren, die an ansteckenden Krankheiten gestorben schnittliche wöchentliche Arbeitszeit müßte demnach nun in Friseurgehilfe feiner, infolge der Art des Gewerbes durch sind und da eine Kontrolle darüber, ob die zum WiederNorddeutschland, statt der in der Denkschrift fonstatirten gängig schwächlichen Körperkonstitution halber, in anderen Be- verkauf gestellten Kleidungsstücke dieser Personen ausreichend 100-105 Stunden, 92-98 Stunden; in Süddeutschland rufen feine Verwendung findet. Die von dem Bunde deutscher desinfizirt sind, nicht möglich ist, so liegt die Gefahr vor, daß statt 94-98 Stunden, 88-92 Stundenbetragen. Diese Barbier, Friseur- und Berrückenmacher- Innungen angegebenen auf diese Weise Krankheitsfeime aller Art auf das in Barbier bas in Arbeitszeit- Verkürzung wird jedoch in vielen Fällen durch Bahlen umfaffen jedoch keineswegs den gesammten Umfang der stuben verkehrende Publikum übertragen werden. willkürliche Handhabung der Sonntagsruhe Arbeitslosigkeit. Die Richtigkeit der Babien aber angenommen, E3 liegt daher im Interesse der Bevölkerung, wenn die Lage Bestimmungen seitens der Arbeitgeber illusorisch gemacht. würde die etwa zu kurze Arbeitszeit an den Sonntagen im der Barbier und Friseurgehilfen soweit gebessert wird, daß Ges Die Arbeitszeit beginnt an Sonutagen früh um 6 Uhr im Sommer Winter durch Einstellung einer größeren Bahl Gehilfen auszu fahren der letzteren Art beseitigt werden und wiederholen wir und um 7 Uhr im Winter. Gehilfen und Lehrlinge müssen aber gleichen sein, während jede Ausdehnung der Sonntagsarbeit das am Schlusse unserer Denkschrift gestellte Ersuchen: vielfach über den gesetzlichen Termin, um 2 Uhr, hinaus, bis 3, die ohnehin gewaltige Arbeitslosigkeit noch vermehren würde ,, Ghebaldigst eine Untersuchung der Arbeits. 4 Uhr und länger im Geschäft thätig sein, ohne auch nur eine und Steigerung des Glends und moralische Defekte wären die verhältnisse im Barbier- und Friseurgewerbe Effenpause während dieser Zeit zu haben. Der bei mehr als drei unausbleiblichen Folgen für die Arbeiter des Barbiergewerbes. I. Die günstigste Offerte in Damen- Kleiderffoffen, die se einem kaufenden Publikum vor Augen geführt wurde, steht nunmehr durch unten angeführte Preise unerreicht da. Nicht durch marktschreierische Reklame, daß durch Miethsersparniß oder sonstige Spesen- Ersparnisse man billiger sein kann, ist der Grund! nein, nur durch die Reellität, bei großen Umsätzen den Nuhen bedeutend zu verkleinern, wird es möglich gemacht, gute, reelle, fehlerfreie Waare billig zu verkaufen. Diesem Grundfah bin ich stets treu geblieben und ist der Erfolg ein überraschender. Den Empfehlungen meiner werthen Runden habe ich es zu danken, daß sich mein Kundenkreis zusehends erweitert, und ist dieses der beste Beweis, wie nuhbringend ein Besuch meiner Lokalitäten ist. Meter Damentude are, doppeltbreit in allen Farben, griffige schwere 52 Pf. Cheviot, reine Wolle, in allen Farben, doppeltbreit 55. Meter schwerer dicker Winterstoff, in d. Bison- Cheviot, hoſt. Streif., doppeltbr. Meter ſchönſt. 28 Pf. Hermann Hiller, 85 Landsberger 85. Eleg. Kostüme Straße in allen Farben und Weiten, von 18-36 M. mit schottischer Golf- Kragen, kappe, in fünf Farben, von 5-15. in all. 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Schäfer's Apotheke, Kleiststr. 34; König Salomo- Apotheke, Charlottenstrasse 54( Ecke Jägerstrasse); Kurfürsten- Apotheke, Genthinerstr. 20; Faber's Apotheke, Grossbeerenstr. 52( Ecke Hagelsbergerstr. 42); Johanniter- Apotheke, Plan- Ufer 11; Görlitzer Apotheke, Görlitzerstr. 48( Ecke Falckensteinstr.); Apotheke zum goldenen Phönix, Chausseestr. 54; Elefanten- Apotheke, Leipzigerstr. 74; Dennewitz- Apotheke, Bülowstrasse 36, am Dennewitz- Platz; Reichs- Apotheke, Elsasserstr. 54; Admiral- Apotheke, Admiralstr. 31-32; Wrangel- Apotheke, Wrangelstr. 113; St. Markus- Apotheke, Markusstrasse 1( Ecke Langestrasse, an der Holzmar ktstrasse); Hirsch- Apotheke, Koppenstr. 22; Askanische Apotheke, Bernburgerstr. 3, am Anhalter Bahnhof; Arkona- Apotheke, Arkona- Platz 5; Strauss-Apotheke, Stralauerstrasse 47; Mohren- Apotheke, Grimmstrasse 9; Blumen Apotheke, Blumenstr. 73; Auguste- Viktoria- Apotheke, Königgrätzerstrasse 52; Kommandanten- Apotheke, Seydelstr. 16( Ecke Neue Grünstrasse); Schweizer Apotheke, Friedrichstr. 173; Apotheke zur Eiche, Pallisadenstr. 81; Elisabeth- Apotheke, Reichenbergerstr. 72; Augusta- Apotheke, Königin Augustastr. 21; Diana- Apotheke, Thurmstr. 28, Ecke Stromstrasse; Stern- Apotheke, Posenerstrasse 7; Apotheke zum goldenen Adler, Alexandrinenstr. 41; Altstädtische Apotheke, Münzstr. 14/15; Ztethen- Apotheke, Grossbeerenstr 11, gegenüber der Grossbeeren- Brücke; Apotheke zum Roland, Thurm- und Bandelstrassen Ecke; Feller's Apotheke, Lübeckerstr. 32, Ecke Perlebergerstrasse; SchillerApotheke, Alt- Moabit 35, Ecke Ottostrasse; Drei Tauben- Apotheke, Rosenthalerstr. 61, Ecke Steinstrasse; A. Schwarzkopf's Apotheke, Gitschinerstr. 83, nahe der Brandenburgstrasse; Brunnen- Apotheke, Badstr. 11: Neue Apotheke, Königsbergerstr. 21, Ecke Gubenerstrasse); Humboldt- Apotheke, Potsdamerstrasse 29; Kaiser Wilhelm- Apotheke, Landsbergerstr. 3; Apotheke zu den Frankfurter Linden, Gr. Frankfurterstr. 108; Apotheke zum schwarzen Adler, Neue König str. 50; Engel- Apotheke. Kanonierstrasse 44; Apotheke zum Greiff, Barnimstrasse 33; und in den Apotheken von Schöneberg, Wilmersdorf, Rixdorf, Adlershof, Tempelhof, Rummelsburg, Friedrichsfelde, Friedrichsberg, Köpenick, Weissensee, Französisch- Buchholz, Tegel, Spandau, Charlottenburg, Müncheberg, Friedenau, Steglitz, Gr.- Lichterfelde, Zehlendorf, Teltow, Buckow, Potsdam, Erkner, Königs- Wusterhausen, Friedrichshagen, Kalkberge-Rüdersdorf, Alt- Landsberg, Strausberg, Werneuchen, Bernau, Biesenthal, Eberswalde, Oranienburg, Velten, Kremmen, Nauen, Ketzia, Werder, Fürstenwalde ,. Brandenburg, Rathenow, Friesack, Fehrbellin, Neu- Ruppin, Alt- Ruppin, Lindow, Gransee, Zehdenick, Liebenwalde, Joachimsthal, Freienwalde, Trebbin, Storkow, Mittenwalde, Zossen, Beelitz, Lehnin, Belzig, Frankfurt, Küstrin u. s. w., sowie in den Apotheken aller grösseren und kleineren Städte der Provinz Brandenburg, der Nachbarländer und ganz Deutschlands. 4870L* Das Welthaus für Herren- und Knaben- Garderoben von Paul Entrich, Friedenstr. 59, Ecke Koppenstraße. empfiehlt sein sortirtes Lager in reelster Ausführung mit den billigsten Preisen zu berücksichtigen. Gelegenheitskauf. Sämmtliche Sommer Baletots von heute ab 331/8 pt. billiger, früher 12,-, 18,-, 28,., jetzt 7 50, 12,-, 18,- M. 59782* Knabenpaletots My Riesige Auswahl. Kottbuser J. Rosenberg, Damm 93, pt. Möbel, Spiegel und Polsterwaaren reell, zu foliden Preifen, empfiehlt H. Strelow, Tischlernstr. Rixdorf, 57841Richardstr. 116, am Denfmal. KinderwagenBazar Max Brinner, Jerufalemerstr. 42 am Dönhoffplatz und Brunnenstraße 6. 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