Berliner Volks- Tribune. Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Bolts- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Einzelne Nummer 15 Pfg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mr. 50 Bfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. Inserate werben die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Bfg. berechnet.- Bereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. No. 11. Sonnabend, den 16. März 1889. III. Jahrgang. Schulsparkassen. Gebt uns Arbeit! so liegt, daß nur ein allgemeines, durch Staatsgeseße oder Gebt uns Arbeit! Das ist der vieltausendstimmige Das Ende einer Welt. I.- Räuber! Aus durch Organisation eingeführtes Sparen in Bezug auf Ruf hier, in London, in Paris und in Rom. Dort Frankreich. Die deutschen Sozialisten Nord- Arbeitern die Noth der Neichthumserzeuger lindern kann! zeigt sich das Elend auf der Straße, dort werden die amerikas. Wahrlich, man giebt dem Volke nicht bloß einen Bäckerläden geplündert. Hier sind wir noch nicht ganz Zum 18. März. Stein anstatt Brot nein, man, lacht ihm höhnend ins soweit, aber auch nicht mehr weit davon. Und dabei .." besteht keine Panik, keine Geschäfts- Krisis in dem gewöhnfoziale Umwälzung im Spiegel der Dichtung. Geficht und fürchtet nicht das Strafgericht lichen Sinne, kein Weichen der Preise, sondern im GegenAnmerkungen zum Vereinsrecht. Aus theil häufig eine Erhöhung derselben. der Schuhmacherei. II. Die amerikanische Lebensmittelkonkurrenz. Der Bettler. Die Aus dem Reichstage. Gewerkschaft Politische Nachrichten. liches. Vereine und Versammlungen. Schulsparkassen. Wieder ein neues Patentmedizinchen" zur Lösung der sozialen Frage! Gebt uns Arbeit! Die Kehrseite der kapitalistischen Kartelle beginnt sich Unter diesem Titel lesen wir im" Philadelphia zu zeigen. Die Konzentration der Betriebe, die größtTageblatt": mögliche Anwendung der Maschinerie, die Theilung der Grauenhafte Nachrichten kommen aus der östlichen Arbeit, die Fortschritte im Verkehr machen rapid Menschen Kohlenregion. Seit Weihnachten find fast alle Minen im überflüssig. Schuylkill- Gebiet außer Betrieb. Die Ueberzahl der Arbeiter Und obwohl die Landerwerbungen und-ansiedelungen daselbst ist enorm. Und obwohl beständig ein Zug nach im verflossenen Jahre größer waren als je zuvor, haben Westen und Süden unter ihnen stattfindet, so kommt dabei sie keine Erleichterung im Arbeitsmarkt bewirkt. Sie doch keine Abnahme der Feiernden heraus. Der Ein- absorbiren nicht einmal den Nachwuchs der Landbevölkerung wanderungsagent liefert viel rascher neue Leute als die in den alten Staaten. Bei einer Einwohnerschaft von alten abziehen. 60 Millionen auf drei Millionen Quadratmeilen haben Oder was soll es anders sein, was soll es bewirken, dieses Mittel, welches von Politikern, Pädagogen und Menschenfreunden so oft und so warm empfohlen wird? In den Kohlengegenden ist die Armuth unter den wir bereits eine ,, Uebervölkerung" und es wird gegen die Wenn es so meiter geht, dann wird man bald in Arbeitern seit Jahren eine permanente. Jeßt aber herrscht Einwanderung agitirt! allen Volksschulen Deutschlands den angehenden Bürgern sie ganz außerordentlich. In der Schuylkill- Region sind Der ganze Blödsinn dieser„ gesellschaftlichen Ordnung" und Bürgerinnen Gelegenheit geben und sie tagtäglich dazu vielleicht 15 000 von den 20000 Kohlengräbern, die offenbart fich in der Thatsache, daß eine Million oder suffordern, durch Anhäusung und Anforderung beer bushest unseran, seit zwar ohne Beschäftigung, mehr arbeitsfähiger und arbeitswilliger Menschen außer Pfennige und Groschen in den Schulspatlassen so ganz nachdem sie bereits von Otteber an nur beschränkte Zeit Stande ist, Beschäftigung zu finden; daß andere Tausende gemüthlich Kapitalisten" zu werden. Und in ein paar arbeiten durften. Die„ Ueberproduktion" eristirt, obwohl als Vaganten, Verbrecher und Prostituirte verkommen und Jahren nach Inkrafttreten dieser allgemeinen Einrichtung die großen Streits am Anfang des Jahres die Vorräthe dabei Geseze nöthig sind, welche die Anwendung von haben wir eine neue Generation, die aus lauter selbst- total erschöpft hatten. ,, Kindern" unter zwölf Jahren in Fabriken und Gruben gemachten" Leutchens- Rothschilds wenigstens en miniature Nach allen vorliegenden Berichten leben die meisten verbieten! besteht. Der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit dieser Beschäftigungslosen und ihre Familien von der Gebt uns Arbeit! wenn es nicht gelingen sollte, die wird bald alle" geworden sein, und der Sozialismus Gnade der Kleinhändler. So lange diese in der Lage Arbeitszeit im Allgemeinen bedeutend zu verkürzen, so wird hat dann ausgespielt. find, ihnen Kredit zu geben, schlagen fie sich zur Noth dieser Ruf immer gewaltiger und drohender werden. Und alles das macht sich ebenso einfach wie simpel- durch. Mit der Rückzahlung wird es hapern; aus den haft: Man ermahnt die Schulkinder und man leitet sie Schulden kommen diese Arbeiter nie heraus. Treten dabei dazu an, ihre Pfennige, anstatt wie bisher in Murmeln zu den regelmäßigen Arbeitsverminderungen noch Perioden und Zuckerstengeln, fünftighin in preußischen Consols oder außerordentlicher Arbeitslosigkeit ein, wie die jetzige in Sonstigen gediegenen Werthpapieren anzulegen; sie gewöhnen Folge des milden Winters und dem verminderten Absay fich an's Sparen und an- Bedürfnißlosigkeit. der Kohle, so steigt die Noth grenzenlos. ,, Das Ende einer Welt" von Drumont. 3 Wenn die Sozialisten behaupten und beweisen, daß die alte, auf den Gegensatz zwischen Herrschenden und Sie sparen immer darauf los, und wenn sie in die Die Arbeiter werden langsam auf die Lebensweise Beherrschten, Ausnußern und Ausgenutzten beruhende Reihen der erwachsenen Arbeiter eingetreten find, dann der Slowaken und Italiener herabgebracht, die mit vier Gesellschaft mit Riesenschritten ihrem Untergange entgegensind sie am Ende so hübsch dressirt, daß sie mit einem bis sieben Dollars Ausgaben monatlich durchkommen. stürmt, wenn sie auf die tausenderlei Anzeichen ihres Verdienst von einer Mark per Tag noch königlich" leben Dabei hat die verminderte Nachfrage nicht den mindesten Bersetzungsprozesses hinweisen, so fertigt man sie nur zu können und dabei immer noch etwas zu ersparen" im Einfluß auf den Preis der Kohle. Die Monopolifirung gern mit Achselzucken, mit Redensarten von Uebertreibung Stande find. derselben gestattet ja die vollkommen willkürliche Feststellung und Halbbildung ab. Die gute Gesellschaft schließt Augen Wir sehen also, wenn wirklich, wider Erwarten, nicht ihres Preises. In der nächsten Jahresrechnung der und Ohren gegen derartige Beweisführungen, sie will nicht gerade die ganze soziale Frage durch besagtes Mittelchen Kompagnien wird sich also nur ein ganz geringer Ausfall wissen, wie morsch und zerfressen das Gebäude ist, welches gelöst werden kann, so werden wir doch mindestens eins des Profits bisher gewöhnlich von hundert bis zwei- sie noch heute bewohnt, das ihr aber schon morgen über auf diesem Wege fertig bringen: Buchstäblich durch ,, Kinder- hundert Prozent ergeben, vorausgeseßt, daß die Preise dem Kopfe zusammenbrechen kann. Allein die Symptome des Verfalls drängen sich Jedem, spiel" werden wir die leidige Lohnerhöhungsfrage aus nicht wirklich noch weiter in die Höhe geschraubt werden. der Welt schaffen. Wenn wir eine Generation heranziehen, So haben wir also eine förmliche Hungersnoth der im Tosen des Kampfes und im Strudel des Genusses die so famos zum Sparen geschult ist, daß deren An- mitten in einem Lande, das jährlich für mehrere hundert nur einen Funken kühler Beobachtung bewahrt, derart gehörige auch bei den schwersten Lohnreduktionen und Millionen Dollars Lebensmittel an das Ausland schickt. auf, daß auch im Lager der alten Welt einzelne Stimmen allenfalls sogar bei Arbeitslosigkeit immer noch sparen In ganz Pennsylvanien und New Jersey, namentlich wie die des Predigers in der Wüste laut werden und auf können, dann können die Böhmen und Polacken und in der Umgebung der großen Städte, wird über die das aus Fehlern und Gebrechen entspringende, an Fehlern sonstige Lohndrücker ruhig einpacken. Sie werden dann fürchterliche Zunahme der„ Tramps"( Vagabunden) geklagt. und Gebrechen erkenntliche Ende hinweisen. Der Konflikt nicht mehr die einheimischen Arbeiter aushungern, sondern Die Vertreter der„ Tarpayer"( Steuerzahler) find entrüftet der Interessen hat mit unnatürlichen Verhältnissen nicht es wird alsdann vielleicht gelingen, sie zum Lande ,, hinaus- über die Zumuthung, dieselben durch den Winter füttern nur das Heer der rothen Anhänger einer neuen Wirthschaftszuhungern". zu sollen. ordnung gezeugt, er schafft auch einzelne weiße Insurgenten, Doch, wozu weitere Worte über Die Zeitungen verbreiten sich in Vorschlägen zur welche das Gewehr schultern und der Gesellschaft, wie sie solche, sozialreformatorische" Lappereien! Wir wollten Abstellung des„ Unwesens", wobei der Kettengang, ver- ist, den Krieg bis auf's Messer erklären. bloß wieder einmal an einem Beispiel zeigen, wie die bunden mit schlechtmöglichster Abfütterung und der härtesten Wie tiefgehend und unversöhnlich auch die Unterhumanen„ Arbeiterfreunde" der Bourgeoisie sich die Zeit Behandlung der Gefangenen obenan steht. Die Verschiede sind zwischen denen, welche die Entwicklung nach vertreiben, während die furchtbare Kalamität der„ Reserve- ausgabung von 20 Cents pro Tag für den Unterhalt vorwärts und denen, welche sie nach rückwärts wollen, so armee des Elends" das arbeitende Volf immer tiefer zu eines Tramps" wird als eine himmelschreiende Ver- giebt es doch einen Punkt, in dem sich beider Thätigkeit Boden drückt. schwendung hingestellt. gelegentlich berührt: in der an den herrschenden GesellschaftsSparen! Sparen! wo doch die Thatsache offen So steht es auch nicht bloß im Osten. Da lesen zuständen geübten Kritik. Von einem grundsäßlich verzu Tage liegt, daß der erdrückende Fluch der gegenwärtigen wir beispielsweise in einem kalifornischen Blatte, daß in schiedenen Standpunkte ausgehend und mit einem verProduktions- Anarchie, die Arbeitslosigkeit, einfach ein Er- Los Angelos viertausend Beschäftigungslose vor das Rath- schiedenen Maßstabe bewirkt, gelangt diese Kritik von beiden gebniß dieses bisher erzwungenen Sparens, des Nicht- haus gerückt sind und vom Bürgermeister Arbeit verlangt Seiten zur Feststellung der Thatsache:„ es sind viele um allerdings konsumirenkönnens der Arbeitermassen ist, welches mit er- hätten. Die Zahl daselbst Beschäftigungsloser wird auf Dinge faul im Staate Dänemark" zwungener Verschwendung von Arbeits- und Lebenskraft 6000 geschäßt eine enorme Ziffer für die verhältniß- gleich darauf in Bezug auf die Schlußfolgerungen himmelHand in Hand geht. mäßig kleine Stadt. Aber dort wüthete der Landschwindel weit auseinander zu gehen. Sparen! Sparen! während die wahre Ursache in dem letzten Jahr am stärksten und der Zusammenbruch Je tiefer und lieber sich die herrschenden Kreise der des Mangels keine andere ist, als jener Ueberfluß an war gründlich. Man hatte auf schwindelhafte Anpreisungen Gesellschaft von ihren Lohngelehrten und Lohnschreibern Arbeitsprodukten, der nur auf Unterkonsumtion beruht! viele Tausende dahin gelockt, die jetzt auf der Straße einreden lassen, daß die gegenwärtigen Zustände ein Muster Sparen in Bezug auf Genießen, während die Sache liegen. von Vortrefflichkeit und für die Ewigkeit gegründet seien, Und dann um so besser ist es, wenn ihnen von verschiedenen Seiten| Bourgeoisie, es hat auch Adel und Geistlichkeit ist das einzige, das die Sache richtig bezeichnet. Diese her das Gegentheil versichert, wenn ihr handgreiflich nach- gründlich zerfressen. Sache aber ist das Unternehmen des sogenannten gewiesen wird, daß sie ihr Testament machen können, weil Alle in der Gesellschaft herrschenden Klassen sind bis Kupferrings". die geschichtliche Stunde ihrer Existenzberechtigung unter ins innerste Lebensmark kapitalistisch durchseucht, das Geld, Allen Lesern dürfte bekannt sein, was es mit diesem den alten Bedingungen abgelaufen ist. das Kapital hat alle früheren menschlichen Beziehungen Kupferringe für Bewandtniß hat. Im September 1887 Drumont, ein starrer Anhänger des kirchlichen und der Gesellschaftsglieder untereinander gelöst, der Mensch ist war der Preis von Kupfer( in der Form von Chilibarren) monarchischen Prinzips, hat sich dieser Aufgabe unterzogen, durch die Sache, durch die Sache par excellence: das in London auf 38 Pfund 17 Schilling 6 Pence bis und er hält der französischen Gesellschaft des 19. Jahr Kapital getödtet worden. Der Mensch, seine Fähigkeiten, 39 Pfund für die englische Tonne gelangt. Schon acht hunderts ein Spiegelbild vor, das durchaus nicht schmeichel- seine Thätigkeiten, seine Beziehungen, alles ist zur Sache, Monate vorher hatten die Preise zwischen 41 und 39 Pfund haft, aber dafür in seinen Hauptzügen sehr wahr ist, zur Waare geworden, die Jeder so vortheilhaft als möglich geschwankt. Das war der tiefste Preis, den man für außerdem auch etliche Lokaltöne abgerechnet auf an den Mann zu bringen sucht. Das ganze Leben stellt dieses Metall jemals gekannt hatte, aber der Rückgang die Gesellschaft aller kapitalistischen Länder paßt. fich als ein Handel heraus. war kein künstlich erzwungener, er war nicht durch eine Der Autor nimmt das Nämliche bei der Revue wahr, Baisse- Spekulation herbeigeführt, er ging vielmehr mit unDrumont zeigt sich in seiner„ France juive"( Das verjudete Frankreich) und noch mehr in seinem letzten welche er die gesellschaftlichen Beziehungen, das Leben der abwendbarer Nothwendigkeit aus den natürlichen VerhältWerke„ Das Ende einer Welt" als eine eigenartige Er- oberen Zehntausend, die Verhältnisse der Akademie und nissen hervor. Kupfer mußte billig werden, weil dieses scheinung, als ein überraschendes Mischwerk von gesunder Gelehrtenwelt, der Richterwelt passiren läßt. Auch hier Metall nächst Eisen und Aluminium( das man blos noch Kritik, flarem Blick, vorurtheilsfreier Gerechtigkeit einerseits erweist sich Alles als Handelsgeschäft und Komödie, nicht billig als reines Metall herstellen kann) das verund der engsten Befangenheit, einer sentimental- transzenden in der Jeder seine Rolle so zu spielen sucht, daß sie ihm breiteste und zugänglichste auf unserem Planeten ist, weil talen Verbohrtheit, einem Kleben an dem Ueberlebten angenehm und einträglich ist, so daß er sich selbst in ihr sich die Methoden seiner Herstellung aus den Erzen verandererseits. Oft wirkt es geradezu verblüffend, zu sehen, gefällt. Der Nebenmensch kommt nur insoweit in Betracht, vollkommnet haben, weil die bessere Verwendung der wie in ein und demselben Gehirn eine so hohe Dosis von als er zum Gelingen des aufzuführenden Stückes, zur Er- Nebenerzeugnisse seiner Herstellung( Schwefel und Schwefelscharfblickender Urtheilskraft mit einer gleich hohen Dosis höhung des Genusses und Vortheils beitragen kann. Den säure) die Herstellungskosten vermindern, endlich, weil von Verblendung zusammengeschweißt ist, wie eine durchaus oberen Klassen ist das Bewußtsein der gesellschaftlichen gewisse Kupferminen, wie die spanische( Rio Tinto), die moderne, rücksichtslose Kritik Hand in Hand mit einer Verpflichtungen ganz abbanden gekommen, und die höchste nordamerikanische( Anaconda, Calumet, Hekla), die chikenische, überschwenglichen Phantasterei und einer geradezu kindischen gesellschaftliche Unanständigkeit besteht darin, an dieselben die südafrikanische Gruppe so reich und so leicht abzubauen sind, daß sie selbst noch bei einem Kupferpreise von 34, Naivetät geht, die an Mittelalter und Urchristenthum zu erinnern. Charakteristisch für diese Gesellschaft ist neben der 30, ja sogar 25 Pfund mit Gewinn arbeiten können. Drumont hat seinen Beruf entschieden von Anfang Unfähigkeit zu jedem Opfer nnd der tiefen Verlogenheit ,, Nun gab es in Paris eine Gesellschaft, Société an dadurch verfehlt, daß er im 19. Jahrhundert geboren die schamlose, noch nie dageweſene Ausbeutung, welche der des Métaur", die ursprünglich mit einem Grundstock von ward, in einer Zeit, deren geistige und politische Ent- Ar me in ihr erfährt. Der Arme ist ihr zum einträglichsten 25 Millionen Francs gegründet wurde und den Großwicklung keinen Platz für seine Ideale hat, welche dieselben Spekulationsfeld geworden, aus dem sie alle Genüsse, allen handel mit Metallen sowie die Einrichtung von metalnur als unheimliche, nebelgraue Sputgestalten erscheinen Besitz herausschlägt. Seiner innersten Neigung nach möchte lurgischen Werkstätten: Gießereien, Blechwalz-, Drahtzieh-.. lassen muß. Drumont hätte ohne Zweifel einen trefflichen Drumont gern in der Aristokratie die Bürgschaft für eine Hammerwerken 2c. zu betreiben vorgab. Sie fristete ein Ritter abgegeben, der für die Kirche, den Lehnsherrn und soziale Wiedergeburt finden, jedoch wenn er den Thatsachen wenig beachtetes Dasein und scheint nicht gerade Seide seine Dame prompt und thatfreudig auf die unwahr- ins Auge blickt, muß er sich wohl selbst gestehen, daß gesponnen zu haben, wenigstens sah man ihre mit 500 Fr. scheinlichsten Abenteuer auszog, Drachen tödten, Prinzessinnen das grundadlige unbeschnittene dem geldadligen beschnittenen eingezahlten Antheilscheine an der Börse wiederholt mit befreien, kurz die Rolle einer Vorsehung im Taschenformat Israel an Korruption in Nichts nachsteht. weniger als 200 Frs. bewerthet. Der Leiter dieser Geerinnern. " spielen wollte. Trotzdem ist er nicht immer ein Don Rechtsgefühl, Bewußtsein der Menschenwürde, Pflicht sellschaft ist ein Herr Secrétan, der, als das Kupfer Quixote, welcher mit Windmühlenflügeln kämpft, obgleich gefühl, Wahrheit, Selbstverleugnung, Opferfreudigkeit trifft im Herbst 1887 den oben erwähnten Tiefstand erreicht ihm ein solcher Kampf ab und zu natürlich mit unterläuft. man im Ende einer Welt" nur bei einer Gesellschafts- hatte, den Gedanken faßte, sich des ganzen vorhan Im Gegentheil zieht er der Hauptsache nach gegen einen schicht an, bei dem Arbeiterstand, bei einer politischen denen und hervorzubringenden Kupfers der Welt wirklichen Gegner von Fleisch und Blut, trefflich gerüstet Partei, der des Sozialismus. Alle Ideale und Vorzüge, zu bemächtigen und das Metall dem Gewerbe, das und von gewaltiger Kraft, zu Felde gegen den modernen welche die herrschenden Klassen Gott Kapital zu liebe ver- feiner bedarf, zu einem gaunerischen Wucherpreise Kapitalismus, den er als Wurzel aller gesellschaftlichen jagten und mit Füßen traten, haben sich in die Mitte der wieder zu verkaufen. Mit seinen eigenen Mitteln oder Mißstände findet, und dem er unter der Drumont eigen- Arbeiter, zumal der sozialistischen Arbeiter geflüchtet. mit denen seiner Société des Métaur" konnte er natürlich thümlichen Gleichsetzung mit dem Judenthum den Krieg Ihre Reinheit und Uneigennüßigkeit steht im schärfsten einen derartigen Streich nicht unternehmen. Er wandte auf Leben und Tod erklärt hat. Gegensaße zu der Käuflichkeit, der Geldgier und Genuß sich deßhalb an die ersten Pariser Bankhäuser und Banken " Drumont steht zwar außerhalb der politischen Parteien, sucht der bürgerlichen Politiker. Die verschrieenen Revo- und fand bei ihnen sofort Gegenliebe. Das Haus aber keineswegs über denselben. Das leßteres nicht lutionäre haben im Kampf wie im Besitz der Macht ihre Rothschild, die Banque de Paris et des Pays- Bas, möglich sei, dafür sorgen schon seine Verwechselung von Hände und ihr Gewissen rein gehalten, sie stehen, was bas Comptoir d'Escompte( vielfach wird behauptet: Judenthum und Kapitalismus, seine klerikal- monarchischen ihre Moralität, Willenskraft und Energie anbetrifft, berge auch der Crédit industriell) gesellten sich zu Herrn Secrétan, Tendenzen, welche ihn mit einseitigem Haß gegen Geistes- hoch über denen, welche sich so gern für die patentirten versahen ihn mit ben erforderlichen baaren Millionen und freiheit und die Republik erfüllen, welche ihn dort Leben Vertreter aller Sittlichkeit ausgeben.+ der ebenfo thwendigen Kredit und ermöglichten ihm die hoffen lassen, wo nur der geschichtliche Tod uns entgegengrinst. Es erscheint geradezu unbegreiflich, daß Drkmont Ausführung seines Planes. Er begann damit, alles vorSeine Diagnose des gegenwärtigen Gesellschafts- nach solchen von ihm anerkannten Thatsachen nicht zu dem handene Kupfer aufzukaufen. Gleichzeitig schloß er mit zustandes ist im Wesentlichen richtig, aber das von ihm Schlusse gelangt, eine Neugeburt der Gesellschaft müsse den Haupt- Kupferminen beider Welten einen Vertrag vorgeschlagene Heilmittel muß ihr gegenüber als der reine folglich von diesen Schichten in der Tiefe ausgehen und( vorläufig auf drei Jahre), der sie verpflichtete, ihre ganze Kupferausbeute ihm allein zu verkaufen, Widersinn erscheinen. Seit Jahrhunderten bergehoch auf getragen werden, die Grundsäße, kraft deren sich die einandergehäufte Fehler und Verbrechen haben politisch Arbeiter als politiſche Partei zuſammenſchließen, müßten und der hinwiederum ihm die Verpflichtung auferlegte, und moralisch zu Verhältnissen geführt, welche die herrschen- das Heil der Zukunft in sich bergen. Zu den Erscheinungen, ihnen alles erzeugte Kupfer zu einem Preise abzukaufen, welche das Buch vorführt, paßt es wie die Fauft aufs der zwischen 57 und 70 Lstr. schwankt, während der den Klassen zum Untergang verurtheilen wir zum Ausgangspunkte zurück und fangen wir das Auge, wenn der Verfasser Alles von der patriarchalischen natürliche Kupferpreis zur Zeit des Abschlusses dieser VerAutorität einer Monarchie unter firchlicher Oberhoheit hofft, träge, wie wir gesehen haben, 39-40 2ftr. betrug. Neben Ding nochmals von vorn an, folgert Drumont. also gehen 14 u. s. w. Sofort In den politischen Kämpfen unserer Tage spielt der wenn er die gesellschaftliche Erneuerung nicht als das dieser Arbeit ging eine zweite her. Herr Secrétan und Verfasser des„ Ende einer Welt" die Rolle eines Frei- nothwendige Ergebniß eines Entwicklungsprozesses, sondern seine Spießgesellen kauften unter der Hand alle Aktien schärlers, der keinem Regiment einverleibt ist und auf als die persönliche Handlung einer Art sozialen Heilands der Kupferminen- Gesellschaften auf, deren sie habhaft eigene Verantwortung und Gefahr, ohne einem Losungs- auffaßt, der eine gerechte Gesellschaftsordnung von oben werden konnten. Rio Tinto- Antheilscheine standen Ende worte zu gehorchen, bald hier, bald da tiraillirt. Prinzipiell herab dekretirt und der Maffe vielleicht sogar wider ihren September 1887 187,50 Frs., Tharsis 40 bis 50 Frs. hält er noch die engste Fühlung mit dem Heer der Willen aufzwingt. Gängelung der Menschheit von einem Als Alles vorbereitet war, schritt der Ring zur Klerikal- Monarchisten, jedoch ohne sich dadurch seiner erleuchteten Despotismus, einer erleuchteten Hierarchie Freiheit im Handeln und seines Rechts der Kritik zu wäre also schließlich das letzte Wort der geschichtlichen dreisten Veröffentlichung seiner Absichten und dessen, was begeben. Vom Temperament und von der Situation fort: Entwicklung! Drumont erscheint hier, wie in seinem einzu deren Verwirklichung schon geschehen war. gerissen thut er auch gar manchen Schuß, welcher den seitigen Haß gegen das Judenthum, als der Mann der begann eine tolle Heßjagd nach den Antheilscheinen der Vergangenheit, dem der Ueberblick über die Menschheits- Kupferminen- Gesellschaften und der„ Société des Métaur". Parteien der Zukunft zu Gute kommt. Sein Tausend Mitläufer keuchten mit heraushängender In seinem Buche„ Das Ende einer Welt" macht er entwicklung und ihre wirkenden Kräfte fehlt. der bestehenden Gesellschaft einen unerbittlich strengen gesundes Gerechtigkeitsgefühl läßt ihm ohne Bedenken das Bunge nebenher. Die Börse glich an manchen aber die fehlende geschichtliche und Prozeß, er legt ihre ganze Verlogenheit und Käuflichkeit Heute verwerfen, aber die fehlende geschichtliche und aus den Zellen gebrochen waren. Die Klubs, die bloß, er zeigt unverhüllt ihre grobe Selbstfucht, ihre maß- ökonomische Durchbildung wirft ihn auf das Gestern Tagen einer Frrenanstalt, in oer die Rasenden Salons, die Boudoirs spielten mit und ganz Paris sprach lose Genußsucht, ihren sittlichen und geistigen Bankerott. zurück, anstatt daß er thatkräftig dem Morgen zueilte. Nach diesen, sich auf das ganze Werk„ Das Ende und träumte nur von Kupfer. Die Rio- Tinto- Aktien Er unterwirft die verschiedenen politischen Parteien, die verschiedenen gesellschaftlichen Kreise einer Prüfung und einer Welt" beziehenden Vorbemerkungen, geben wir ein gingen binnen wenigen Wochen von 187,50 Frcs. auf gelangt zu dem Ergebnisse, daß die herrschenden Klassen kurzes Reſumé der Geſellſchaftszustände, welche Drumont 550 Fres., wichen dann auf 450 Frcs. zurück und stiegen eine Welt bilden, deren Untergang unausbleiblich ist. schildert. Räuber! " 1 wieder auf 660 Frcs., welchen Kurs sie Ende 1888 erreichten. Tharsis wurden von 50 Frcs. auf 190 Frcs., Troß seines einseitigen und verschrobenen Standpunktes Société des Métaur", die ihren Grundstock verdoppelte zeigt Drumont bei Schilderung der politischen Parteien und der Gesellschaftskreise einen flaren, unparteiischen Wir hielten das Wort schon seit langem für polizei-( auf 50 Mill.) und überdies um 25 Mill. Schuldscheine Blick. Er findet die Partei des Königthums von Gottes lich nicht erlaubt, da erschallt es mit einem Male laut ausgab, von 480 Frcs.( im Oktober 1887) bis auf Gnaden und die der Kirche ebenso reif zum Abdanken wie und entrüftet aus einer ganzen Reihe von Blättern, deren 1250 Fr.( Herbst 1888) getrieben. Der Kupferring die Partei des fich liberal geberdenden Bürgerthums. friedfertige, polizeilammfromme Gesinnung keinem Zweifel hatte alle diese Papiere erworben, als sie sehr niedrig standen, er verkaufte sie seinen beute= Die Bourgeoisie hat nicht länger Anlaß, der Aristokratie unterliegen kann. die Krebsgeschwüre vorzuwerfen, denn beide sind gleich Es handelt sich dabei um den auch von uns oft er gierigen Mitläufern zu den höchsten Preisen, und hochgradig zerfressen; die Welt der Politit steht an Schmuß wähnten Kupferring, der zu Anfang dieses Monats heute gelten die Métaur"," Rio- Tinto"," Tharsis", die nicht der Finanzwelt nach, mit der fie eine höchst unsaubere endlich zusammenbrach und dessen Zusammenbruch einer vor wenigen Monaten mit 1250, 660, 190 Fres. bezahlt Intereffen- Ehe eingegangen ist. Richtet Drumont die der Hauptbetheiligten bereits mit seinem Leben bezahlt hat. worden waren, wiederum 190-200, 390-410, 115 Frcs. Die Voss. 3tg." schreibt über die Entwicklung der ,, Doch der Börsenschacher ging nur nebenher. Auf Opportunisten und bürgerlichen Radikalen mit einer Leidendem Kupfermarkte selbst trieb der Ring die Preise von schaftlichkeit, die sich bis zur Gehässigkeit steigert, so kritisirt Affäre unter dem 6. März: er wieder die Partei des Roy" und der Kirche mit einer Der Pistolenschuß, der gestern inmitten des tobenden 39 str. die Tonne auf 80 str., mehr als das beißenden Jronie, in welcher sich die enttäuschten Hoffnungen Karnevals dem Leben des Leiters des„ Comptoir d'Escomte", Doppelte. Zeitweise erreichte er sogar einen Preis von verrathen. Die auf dieser Seite vorliegenden Thatsachen Deufort- Rochereau, ein Ende machte, ist die erste, aber 105 str., wenn er einen unglücklichen Verkäufer, der rühren an die Stelle, wo Drumont sterblich ist: hier hatte hoffentlich nicht die leßte Strafe, welche die Verüber einer liefern und sich die Waare um jeden Preis verschaffen er Alles erwartet und Nichts gefunden als die gleiche der frechsten Räubereien trifft, die jemals im hellen mußte, einklemmen konnte. Im Ganzen hielt der Ring Verderbtheit und Käuflichkeit, die gleiche Unfähigkeit und Tageslichte der Deffentlichkeit, unter den Augen einer den Preis aber ziemlich unverändert auf 78 bis 82 Lstr. den nämlichen bösen Willen, gesunde Verhältnisse zu„ väterlich wohlwollenden" Obrigkeit in einem angeblichen Das Kupfergewerbe sah sich vor einer Bande, welche hohnschaffen. Das„ Judenthum", d. h. der Kapitalismus Rechtsstaate ausgeführt werden konnten. lachend zu ihm sprach: ,, Du solltest naturgemäß das Kupfer " " 1 muß Drumont sich eingestehen hat nicht nur die„ Das Wort Räuberei mag start scheinen, allein es um 40 Lstr. die Tonne kaufen können, Du mußt es mir aber um 80 str. abkaufen; denn ich bin groß und H. Neveu und H. Place, erklärten unterm 1. März ihren Du bist klein. Ich bin hunderte Millionen stark und habe Austritt aus der„ Egalité". murrte. und agitirt wird. " Unsere Agitation während des Jahres bewegte sich in dem hergebrachten Rahmen: mündliche Agitation durch Alles zusammengerafft, und Du bist schwach und mußt Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß, so sehr wir unsere Agitatoren, schriftliche durch unsere Broschüren. Um mir darum Tribut bezahlen!"- Genau die Sprache, es bedauern, daß auf diese Weise die besten Kräfte des tüchtige Redner immer unterwegs zu haben, dazu haben die im Mittelalter der Raubritter gegen den an französischen Sozialismus sozusagen literarisch obdachlos uns bis heute leider die Mittel gefehlt. Und was wir feinem Horste vorüberziehenden Kaufmann führte, geworden, wir das Verhalten derselben in dieser An- an Mitteln zur Disposition besaßen, mußten wir zumeist ' bie noch heute in Teras die Banditen führen, wenn gelegenheit nur mit Genugthuung begrüßen können. Was auf die Aufrechthaltung der Parteiorgane, in erster Linie fic in einen Eisenbahnzug brechen und die Reisenden mit in Frankreich vor allen Dingen heute Noth thut, ist das des Workmen's Advocate"( des Arbeiter- Vertheidigers, Dessen ungevorgehaltenem Revolver zwingen, ihren Geldbeutel ab- Beispiel unbeugsamer Gesinnungstreue. Der Opportunis- des englischen Parteiblattes) verwenden. zuliefern. mus in seinem schlimmsten Sinne denn es giebt auch achtet sind die Genossen A. Gerecke( im Norden des „ Das Kupfergewerbe war natürlich unzufrieden. Es einen berechtigten, einen nothwendigen Opportunismus des Staates New- York), Frau Johanna Greie durch eine Einige Blätter begannen Lärm zu schlagen. beherrscht so sehr das öffentliche Leben, hat sich so in alle Reihe von Staaten gereist, während Professor Garside Ein Abgeordneter interpellirte die Regierung, ob sie das Parteien eingefressen, daß die Sozialisten die doppelte ausgesandt worden ist, um die hauptsächlichsten Industriegegen Auffäufer nothwendiger Waaren bestehende Gesez Pflicht haben, auf die Reinheit ihres Wappenschildes zu orte der Vereinigten Staaten zu besuchen. Ueber unsere Parteiorgane find die Genossen anwenden wolle. Die Regierung drückte sich mit einigen halten. Es ist das eine schwere Aufgabe, denn es heißt verlegenen, gewunden Ausflüchten um die Frage herum, zum guten Theil den Verzicht auf das Wirken für die unterrichtet. Während der Sozialist" stabil an Abonnenten geblieben ist und sich nahezu, wenn nicht ganz beckt, denn die hohe Finanz ist empöre nd allmächtig und vertretene Sache, aber sie muß erfüllt werden. keine Regierung wagt es, sich an Rothschild und Der Außenstehende hat keine Idee, wie jammervoll fehlen dem„ Advocate" noch viele Leser, um sich defizitdessen Heerbann zu reiben; die Blätter aber wurden es in Frankreich mit den Preßverhältnissen bestellt ist. los halten zu können, was viel daran Schuld ist, daß durch klingende Argumente, denen neun Zehntel von ihnen Die Preß- Gesetzgebung des Kaiserreichs in Verbindung mit der Abonnementspreis bei weitem niedriger ist, als der zugänglich sind, zum Schweigen gebracht, ja noch mehr, der kapitalistischen Entwickelung hat im Zeitungswesen all- Sozialist." Troßdem ist er, von der Zeit, wo er von sie hatten die unfagbare Dreistigkeit, den Kupferring ihren mählich Zustände geschaffen, unter denen ein unabhängiges New- Haven nach New- York genommen wurde, um 600 Lesern als eine Gruppe von edlen Menschenfreunden und Blatt, hinter dem nicht ein Finanzmann oder eine Abonnenten gewachsen und wird hoffentlich noch mehr selbstaufopfernden Wohlthätern des französischen Gewerbes Finanzgesellschaft steht, geradezu ein Ding der Unmöglich- wachsen, wenn überall und durch unsere Redner dafür zu preisen. Man sollte das nicht für möglich halten, es keit ist. Die Einführungskosten eines täglichen Blattes Der Broschüren- Vertrieb war zu Anfang des ist aber buchstäblich so. Der Ring ,, erwies dem Kupfergewerbe den unschäßbaren Dienst, den Preisen eine große Wochenblätter werden in Paris überhaupt nicht gelesen- verflossenen Jahres, wie überall, kläglich; das Verlangen Stetigkeit zu sichern" gewiß, eine Stetigkeit von 80 Lstr. berechnen sich nach Hunderttausenden. Als vor einigen nach Lektüre war nur sehr gering, und selbst neue VerDieser für etwas, was natürlich 40 Lstr. werth ist. Die Klagen Jahren die Possibilisten den Versuch machten, das Prole- öffentlichungen wurden nur vereinzelt begehrt. gegen den Ring ,, rührten von neidischen Engländern her", tariat" täglich erscheinen zu lassen, mußten sie ihn nach Mißstand, welcher geradezu als ein Gradmesser für die welche es Frankreich nicht gönnten, daß der Weltmarkt den ersten Wochen aufgeben, und noch heute sind die Bewegung zu betrachten ist, fing jedoch gegen Herbst des des Kupfers von London nach Paris verlegt worden war". damals gemachten Schulden nicht abbezahlt. Wer das Jahres an, sich zu heben, und heute ist zu konstatiren, daß Wie in der Panama- Angelegenheit wurde auch in der Defizit des Parti Ouvrier", des heutigen possibilisti- die Nachfrage nach sozialistischer Literatur in deutscher soKupfer- Flibusterie der Schwindel unter die heilige Anrufung schen Tageblattes, zahlt, wiffen wir nicht, wohl aber, daß wohl wie namentlich englischer Sprache lebhafter ge= worden ist. des Vaterlandes gestellt, ein Kniff, der doppelt empö- es sich nicht im Entferntesten deckt. In gleicher Lage befinden sich noch eine ganze Anzahl rend ist, weil diejenigen, die ihn anwenden, sich den Die Arbeiterpresse des Landes, soweit fie unsere Henker um Vaterland und ähnliche schwächliche politischer Blätter, darunter einige vortrefflich geschriebene. Richtung anbelangt, hatte zwar in Folge der niedergeSentimentalitäten" kümmern, wenn sie nur viele Rentabel sind fast nur die Klatschblätter, die drückten Lage der Arbeiterbewegung zu leiden, wie Alles, Millionen erraffen, und weil das französische Publikum Sensationsblätter und einzelne politische Blätter mit einer was mit ihr in Verbindung stand; doch hat sie sich tapfer wirklich andächtig still wird und nicht weiter fragt oder festen Kundschaft", wie der„ Temps" 2c. Alle übrigen und bis jetzt intact erhalten. Hinzugekommen find während frittelt, wenn man ihm das Bild des Vaterlandes vorhält. werden subventionirt sei es von Finanzgesellschaften, des Jahres das„ St. Louis Tageblatt" und die„ Michigan „ Der Ring schwelgte ein Jahr lang in Erfolgen. deren Interessen sie vertreten, sei es von politischen Kote- Arbeiter- Zeitung" zu Detroit; während sich die„ Milwaukee Aber dann empörten sich die Thatsachen, denen eine ge- rien, hinter denen gewöhnlich ebenfalls Finanzgesellschaften Arbeiter- Zeitung" zu einem Tageblatt" erweitert hat. An sozialistischen Zeitungen in den Vereinigten Staaten wissenlose Gewinnsucht Gewalt anthun wollte. Alle Minen, stehen. Unter diesen Umständen sind die Redakteure eines die bei einem Preise von 40 Lstr. nicht mehr arbeiten Blattes nichts, der Eigenthümer alles. Alle Augen- bestanden außer den beiden Parteiblättern am Schluß des konnten, nahmen den Betrieb wieder auf, neue erschlossen blick lesen wir, daß aus irgend einem Blatt der gesammte Jahres die folgenden: fich, ungeheure Kupfermassen strömten zusammen, das Ge- Redaktionsstab ausgetreten ist warum? Es hat dem werbe schränkte seinen Verbrauch auf's Aeußerste ein, um Eigenthümer beliebt, den Redakteuren Bedingungen aufdem Raubbunde kein Kopfgeld zu zahlen, und Ende Fe- zuerlegen, die ihnen das Verbleiben unmöglich machten. bruar befanden sich an sichtbaren Beständen" gegen 116000 Am schlimmsten sind unter solchen Verhältnissen naTo. Kupfer in den Händen der Ring- Brüder. An ,, sicht- türlich die Sozialisten dran. Je fester sie in ihrer baren Beständen", neben denen aber, nach der Schäßung Ueberzeugung, um so weniger können sie die Konkurrenz von Sachverständigen, noch mindestens 35 000 Tonnen mit dem Gesinnungslumpenthum der kapitalistischen Presse vorhanden sein müssen, welche der Ring verheimlicht, um durchführen. wenigstens einen Theil seiner Karten vor unberufenen Augen verborgen zu halten. " " Volkszeitung", New- York; " Tageblatt", Philadelphia; Arbeiter- Zeitung", Chikago; ,, Arbeiter- Zeitung", Milwaukee; " Indiana Tribüne", Indianapolis; Arbeiter- Zeitung", Newark; ,, Arbeiter- Zeitung", Buffalo; " Arbeiter- Zeitung", Belleville; ,, Arbeiter Zeitung", San Franzisko; in Summa zwölf. Dazu kommt noch eine Reihe von Und hieran trifft ein gut Theil Schuld die franzö- deutschen Fachblättern, welche theils vollständig, theils fischen Arbeiter selbst. Sie stellen an ein sozialistisches mehr oder weniger den sozialistischen Prinzipien das Wort ,, Jeder Denkende hatte vom Anfang an vorhergesagt, Blatt die höchsten Ansprüche, sind aber, von einer kleinen reden. Leider besteht außer dem ,, Workmen's Advocate" daß es so kommen müsse und kommen werde. Jeder hatte Anzahl um so opferwilligerer Genoffen abgesehen, keines- kein weiteres Journal in englischer Sprache, welches unsere prophezeit, daß der Ring von der Kupferlast werde zer- wegs gewillt, für seine Eristenzfähigkeit nun auch ihrer Ideen in die Massen trüge, ein Mißstand, der sehr zu seits thatkräftig einzutreten. Nicht daß sie politisch in- beklagen ist. different oder Gegner des Sozialismus wären. Reineswegs, aber sie sind zum Theil auch durch die von der Minder heit gebrachten Opfer verwöhnt. Diesem Umstand ist es auch mit zuzuschreiben, daß die Geschichte der sozialistischen Bewegung in Frankreich in der Neuzeit so wenig erfreuliche Bilder aufweist. malmt werden. Jeder, nur Hr. Secrétan nicht... Wahrlich, man fönnte beinahe dahin kommen, Drumont nnd seinem grausamen Buche ,, La fin d'um monde" Beile auf Zeile Recht zu geben." Daß die Propaganda der That, d. h. die Doktrin von der direkten Anwendung der Gewalt zur Niederwerfung der heutigen kapitalistischen Gesellschaft, betreffs Aufbau der föderalistisch- kommunistischen Produktions- Gruppen, seit Mai 1886 stetig an Anhängern verloren, bedarf feines besonderen Nachweises. Ohne das MärtyrerSoweit die Schilderung dieses ,, Räuberstückchens". Nach der Entrüstung der Blätter hätte man nun vielleicht meinen sollen, die französische Regierung hätte alle mög- Hoffen wir, daß es schließlich doch einmal sich bessert. thum der in Chikago Hingerichteten und Einlichen und unmöglichen Gesezesparagraphen hervorsuchen und hoffen wir weiter, daß es den vereinten Bemühungen gekerferten wäre heute von einem ausgesprochenen müssen, um diese ,, Banditen" zur Rechenschaft zu ziehen. der unabhängigen Sozialisten gelingen möge, trop aller Anarchismus kaum die Nede mehr. Aber was ist geschehen? Sie hat dem ,, Comptoir d'Es- Schwierigkeiten, recht bald ein Organ des Sozialismus Die Partei hat im Laufe des verflossenen Jahres compte" durch ihre Vermittlung bei der Bank von Frank ins Leben zu rufen, das in jeder Beziehung auf der Höhe zwei tüchtige Vorkämpfer unserer Sache auf amerikanischem reich, den Rothschild's u. s. w. 100 Millionen zur seiner Aufgabe steht. Verfügung gestellt, um eine Zahlungseinstellung zu verhüten! Die Bank von Frankreich soll dabei sogar die ihr gesetzlich zustehende Vollmachten weit überschritten haben um die Räuber" zu retten! Es giebt in der That eine ,, väterliche" Regierung für Börsengauner, die mitten im Ueberfluß ihre Hände nach weiteren Millionen Anderer ausstrecken! Aber wehe dem Armen, der im Hunger nach einem Bissen Brod greift, der ihm nicht gehört! Aus dem Jahresbericht der sozialistischen Arbeiterpartei Nordamerikas. Unsere amerikanischen Genossen haben kürzlich einen Ueberblick über die Erfolge ihrer Agitation in den Vereinigten Staaten gegeben und wir heben daraus das Folgende hervor. heißt es da zunächst Wenn die Parteigenoffen Boden verloren: am 21. Januar Dr. A. Douai zu Brooklyn und am 15. April Jos. Dießgen zu Chikago. Politische Nachrichten. Ausländische Arbeiterblätter, wie der possibilistische " Parti ouvrier" in Paris, faseln von einem bevorstehenden allgemeinen Streik der Arbeiter Deutschlands, der, von Berlin ausgehend, sich über alle Indas Parteileben des verflossenen Jahres überblicken und dustriestädte des Reiches verbreiten würde. Wir brauchen das vorangegangene Jahr mit dem Jahr 1888 vergleichen, wohl nicht weiter auszuführen, daß angesichts der kommenso unterliegt es keinem Zweifel, daß die Sozialistische den Reichstagswahlen die deutschen Arbeiter besseres zu Die Hoffnung, daß die„ Egalité" sich zu einem Arbeiterpartei die einzige Organisation ist, welche die thun haben, als ihre paar Nothgroschen in derartigen würdigen und lebenskräftigen Organ des unabhängigen in der allgemeinen Arbeiterbewegung herrschende Stagna- aussichtslosen Unternehmungen zu verplempern, wie es französischen Sozialismus entwickeln werde, ist zu nichte tion bis zu einem gewissen Grade überwunden hat und ein allgemeiner" Strik ist. geworden. Aus Frankreich. von dem pessimistischen Geiste, der nach dem Zusammen" Unser Genosse Schlüter, einer der nach der EhrenZwar hat sich das Blatt unter der trefflichen Redak- sturz der United Labor Partei" und der„ Progressive der Schweiz Ausgewiesenen, tion schnell einen ansehnlichen Leserkreis erworben, so daß Labor Partei" des Ostens um sich griff, so gut wie ver- berg- Schröder- Affäre aus gedenkt London zu verlassen und sich in der neuen Welt zu hoffen stand, es werde in absehbarer Zeit seine Kosten schont geblieben ist. decken, aber der kapitalistische Eigenthümer und geschäft- Mit jedem Schlage, den die Gewerkschaften in ein neues Heim zu gründen. Die besten Wünsche der liche Leiter desselben schien diesen Zeitpunkt nicht erwarten ihrem Kampfe wider den Kapitalismus erlitten, büßte die deutschen Freunde werden ihn auch dahin begleiten. zu tönnen und stellte weibliche Arbeiter und Sezer, die Arbeiterschaft einen weiteren Theil ihres sinkenden Muthes unter dem Tarif der organisirten Schriftsezer arbeiten, in ein, und als der große ,, Lockout"( die Arbeiteraussperrung) Der Fränkische Kurier" läßt sich aus Belgrad teleseiner Druckerei ein, so daß die sozialistischen Redakteure des Brauer- Fachvereins im Sommer von 1888 zeigte, graphiren:„ Der neue serbische König Alexander berieth und Mitarbeiter, nachdem ihre Gegenvorstellungen sich als daß die Selbsthilfe der Arbeiterorganisationen der fon- um 12 Uhr längere Zeit mit Ristitsch im Ministerium des fruchtlos erwiesen, es mit ihrer Ueberzeugung unvereinbar zentrirten Macht des Kapitals gegenüber ohnmächtig sei, Aeußeren." Der König ist ein zwölfjähriges Knäblein, hielten, noch länger an dem Blatt zu arbeiten. Der ge- war zwar die Muthlosigkeit auf dem niedrigsten Grad das wahrscheinlich noch mit Bleisoldaten spielt und sich sammte Redaktionsstab Daumas, Ch. Longuet, Ed. angelangt, dafür aber die Erkenntniß wieder erwacht, daß offenbar weit mehr an Lebkuchen als an der politischen Vaillant, Gemeinderäthe von Paris, sowie Dr. L. Fiaur, die Sozialisten berufen seien, der Arbeiterklasse in der Weisheit des Ministers Ristitsch delektirt. Es gehört doch Granger, Jules Guesde, Paul Lafargue, B. Malon und Wiederaufweckung des politischen Gewissens voranzugehen. ein foloffaler Grad von Servilismus dazu, von einem A. Breuillee und ebenso sämmtliche sozialistischen Mit- Den Genoffen sind die politischen Vorgänge innerhalb Kinde, das in Deutschland als Bourgeoissprößling in der arbeiter: D. Archain, Louis Beffe, Boulé, Chauviere, der Arbeiterbewegung allzusehr bekannt, um in dieser kurzen Lateinschule, als Proletarierkind in irgend einer Fabrik als jugendlicher Arbeiter thätig sein würde, in die Welt G. Deville, G. Feline, C. A. Macherey, Fr. Maquaire, Uebersicht des Längeren dabei zu verweilen. hineinzulügen, daß er in Staatsangelegenheiten mit dem Minister beräth." Aufruf an alle Arbeiter Deutschlands! Durch das Arbeiter, dank Eurer Hilfe haben wir bisher mit unseren Familien Anfinnen der Berliner Innungsmeister, unseren mit Mühe und diesem Vorgehen der Innungsmeister Widerstand geleistet und unsere Opfern aller Art geschaffenen und aufrecht erhaltenen Fachverein Sache, die auch die eure ist, aufrecht erhalten können. Wir hoffen, Bill Bismarck, der zweite Sohn seines Vaters, in aufzugeben, waren wir gezwungen, in den Kampf für unsere Rechte daß ihr auch in Zukunft eure Schuldigkeit thut, damit wir unseren einzutreten. Nicht in dem Innungsgesellen- Ausschuß, sondern in Fachverein wie bisher hochhalten können, als ein Zeichen unserer seiner Eigenschaft als neuernannter Regierungspräsident der freien Organisation erkennen wir das Mittel, unsere Arbeiter- gemeinsamen Interessen und als ein Zeugniß für euren Solidaritäts= von Hannover macht ernstliche Anstrengungen, den Staat interessen den Meistern gegenüber in würdiger und wirkungsvoller finn. Laßt die Hoffnung nicht zu Schanden werden; wir sind bereit zu retten. Eine seiner ersten diesbezüglichen Arbeiten Weise zu vertreten, und alle urtheilsfähigen und Klaffenbewußten auszuharren. Die ausgesperrten Steinmeßen Berlins. J. A.: besteht in dem Verbot des Flugblattes mit der Ueberschrift: Arbeiter haben uns beigeſtimmt und uns freudig und nach Kräften J. Jeschky. Adressen: Robert Kozot, Steinmez, Dennewigstr. 16, unterstützt, wofür wir unseren wärmsten Dank aussprechen. Schon Hof 4 Tr. Joseph Jeschky, Steinmez, Melanchthonstr. 5, Hof 1 Tr. An die Wähler des 8. Hannoverschen Wahlkreises! 10 Wochen harren wir muthig aus und noch fühlen sich die Meister Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck ersucht. Arbeiter! Landleute!" " Beschlagnahmt wurde die Berliner Volkszeitung" vom 9. d. Mis. wegen eines Leitartikels über Kaiser Wilhelm I. Nach Manuskripten fand eine Haussuchung im Redaktionsbureau, sowie in der Wohnung des Redakteurs Dr. Mehring, DerfflingerStraße 23, statt. Restaurant Rud. Wendt 116 Dresdenerstrasse 116 zwischen Oranienplay u. Bukowerstr. Vorzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. Speisen in großer Auswahl. Arbeitsnachweis für Tischler, Schlosser, Maler, Drechsler und Buchbinder. Billard und Kegelbahn zur Verfügung. Zeitungen, Bücher! Verliner Volkstribüne, Volksfreund, Franz. Revolution, Neue Zeit von Diet, Berl. Arbeiterbibliothek, Internationale Volksbibliothek, sowie sämmtliche wissenschaftliche und Modeschriften liefert frei ins Hans R. Busch, Linienstr. 2, Hof I. Oigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von C. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Daselbst Zahlstelle der Gürtler u.Bronceure( E.H.60.) Empfehle meine Glaserei, Spiegelund Bildereinrahmung. Verkauf von Bildern bewährter Volksmänner. Bestellungen nach Auswärts werden prompt besorgt. XTRA TEVER 10 Verein Untershitunas der. Feilenhauer Carl Scholz, Glasermeister, Wrangelstraße 32. Quittungsmarken& Kautschukstempel- Fabrik von [ 46 Conrad Müller Schkeuditz- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeitervereinen, Krankenkassen u. s. w. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. Soeben erschienen und durch mich zu beziehen: Spaziergänge eines Atheisten. Ein Pfadweiser zur Erkenntniß der Wahrheit. Polemisches und Akademisches von Ferdinand Heigl. Preis Mark 1,20. Nach auswärts gegen Einsendung von Mark 1,40 in Briefmarken franko. 2. Langer, Buchhandlung, Chemnitz, Brühl- u. Linienstr.- Ecke. Vorräthig: Berliner Arbeiterbibliothek Heft 1-3. Verband deutscher Zimmerleute sämmtlicher Lokalverbände Berlins. Große General- Versammlung Sonntag, den 17. März, Vormittags 10 Uhr, im Neuen Klubhans, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegirten zum diesjährigen Handwerkstage. 2. Ertheilung der Entlastung, betreffend die Abrechnung der auf Listen eingegangenen Beträge an die Beauftragten der Bewegung von 1889. 3. Verschiedenes. Es ist Ehrensache eines jeden Mitgliedes, unbedingt zu erscheinen. Nur Quittungsbuch legitimirt. Allgemeine Versammlung sämmtlicher in der Tabak- Brauche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Dienstag, den 19. März, Abends 8 Uhr, in Breuers Salon, Gr. Frankfurterstr. 74/75. Tagesordnung: 1. Anträge zum Kongreß der Tabak- Arbeiter. 2. Wahl der Delegirten. 3. Verschiedenes. nicht bewogen, den empörenden Revers zurückzuziehen. Mit schweren Geldkosten ist es ihnen gelungen, einen Theil Arbeitskräfte aus entlegenen Distriften heranzuziehen, in der Absicht, die tüchtigen Arbeitskräfte, mit denen sie jahrelang gearbeitet und deren Fleiß und Gesundheit ihren Wohlstand vermehrt haben, aus Berlin zu drängen. Die schwarze Liste, die sie ausgegeben haben, soll denselben auch anderwärts ein Unterkommen unmöglich machen. ( Reichstag fiche Beilage.) Brieffast e n. Steinfeger Berlin. Um Mittheilung der Adresse des Vorstandes des Vereins zur Wahrung u. f. w. wird ersucht. Stuttgart. Besten Dank für Ihr Schreiben, dem wir aber nicht beipflichten können und das wir darum auch nicht abdrucken. Allgemeiner Berliner Arbeiterbibliothek Metallarbeiter Verein Herausgegeben von Max Schippel. Es liegen nunmehr Heft 1-3 vor. Heft 1: Ein sozialistischer Roman.( 2. Auflage), Nach dem Amerikanischen von Edward Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Heft 2: Die Gewerkschaften, ihr Unzen und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Von Max Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pf. = Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara Zetkin Paris. 40 Seiten. Preis 20 Pf. Besonders geeignet für Arbeiterbibliotheken, Bildungsund sonstige Vereine. Bei größeren Bestellungen hoher Rabatt. Bestellungen sind zu richten an die bekannten Kolporteure und Buchhändler oder an den Verlag der„ Berliner Volks- Tribüne", Berlin, Oranienstr. 23. Große öffentliche Eischlerversammiung Montag, den 18. März, Abends 8 Uhr, im Lokale Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Tagesordnung: Berlins und der Umgegend. Grosse Versammlung • Montag, den 18. März, Abends 8 Uhr, in Kliem's Volfsgarten, Hasenhaide 14 u. 15. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Paul Ernst. Thema: Arbeitslohn und Arbeitszeit. 2. Diskussion. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Fachverein der Buchbinder. Montag, den 18. März, Abends 9 Uhr, Außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu dem Artikel ,, Zentralverband oder Kartell" in Nr. 10 unseres Organs. 2. Wahl der Delegirten zum Verbandstage. 3. Ergänzungswahl zum Vorstande. 4. Verschiedenes und Fragekasten. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legetimirt. 1. Die Stellung der Berliner Tischler zu den Beschlüſſen des allgemeinen Freie Vereinigung der Vergolder Tischlerkongresses zu Braunschweig. Referent: Theodor Glocke. 2. Diskussion. Der Einberufer. und Fachgenossen. Montag, den 18. März, Abends 8½ Uhr, in Scheffers Salon, Inselstr. 10. Möbel-, Spiegel- u. Volsterwaaren- Magazin Mitglieder- Versammlung. Kommandantenstrasse 35, I. von Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. Die von Mitgliedern des Fachvereins gegründete Produktiv- und Rohstoff- Genossenschaft der Schneider zu Berlin( E. 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Arbeitsnachweis der Maler früher Nitterstr. 123 bei Sodtke, jezt Dresdenerstr. 116( Restaurant Wendt). Jeden Abend von 8-9 Uhr( außer Sonnabend) und Sonntags Vormittag von 10-12 Uhr un= entgeltliche Arbeitsvermittelung. Die Bevollmächtigten der Filiale I, Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler begründete Arbeitsnachweis befindet sich vom 1. Februar ab Dresdenerstraße 116, im Restaurant Wendt. Die Arbeitsvermitte= lung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 10 Uhr Abends, Sonntags von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da sich die vier Kassirer der„ Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, sich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Arbeitsnachweis zu benutzen. Der Vorstand. Der Arbeitsnachweis der Klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Pfister. Die Adressenausgabe findet jeden Abend von 8-9 Uhr und Sonntags Vormittags von 10-11 Uhr, sowohl an Mitglieder wie auch an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. R. Kohlhardt, Brandenburgstr. 56. Nefterhandlung. Billige Reſter 3. Einſegn.Anzügen, sowie z. kleinen u. großen Hosen. Hauskleider, Plüsch, Sammet, Atlas, Spizen 2c. Karle, Laufizer Plazz 1. Jeden Mittwoch frische Blut- und Leberwurft. Eine freundl. Schlafstelle zu vermiethen Billard zum Bierausspielen steht zur Verfügung. Waldemarstr. 3, vorn 4 Tr., bei Dieter. z. 1 April. Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Die Kommission. J. A.: Karl Hobus. Kaiserstrasse 4. № 11. Beiblatt zur„ Berliner Volks- Tribune". Bum 18. März. Ihr fielt, im Kampfe für das Recht, Um Eurem Vaterland zu nüßen, Vertrau'nd: ein kommendes Geschlecht Würd' das, was Ihr erstrebt, besitzen. Ist endlich nun die Saat gereift? Trug edler Tod auch edle Früchte? Sind alle Fesseln abgestreift? Die Todten fißen zu Gerichte! Was sehen sie? Gar schneidend zieht Ein Nordwind durch des Landes Gauen, Vor Zorn ihr Aug', die Wange glüht: Sie können nicht die Freiheit schauen! Sie sehen Manchen, der einst fest Zu ihrer Fahne hat gestanden, Wie er das Banner sinken läßt, Sich schamlos spreizt in gold'nen Banden. Da hören fern Gemurmel sie Nur flüstern darf das Volk in Blusen, Doch das vergißt der Freiheit nie, Das nährt sie warm an seinem Busen. Nein! Nicht vergessen seid Ihr schon, Und nicht umsonst seid Ihr gestorbenk Des Proletariers junger Sohn Wird für die Freiheit angeworben! Der schwört an Eurem Grabe heut, Zu wanken nicht, und nicht zu weichen, Er streitet heut und alle Zeit Nur in der Freiheit Wehr und Zeichen! Der vierte Stand ist aufgewacht Stolz schreitet er dem Ziel entgegen Durch Wettersturm, durch dunkle Nacht: Ihr Todten gebt ihm Euren Segen! Albert Auerbach. [ Nachdruck verboten.] Der Bettler. Sonnabend, den 16. März 1889. III. Jahrgang. andere Dörfer und nimmst die in Anspruch, anstatt ,, Da bist Du ja wieder, Du alter Landstreicher immer hier Dich fortzuschleppen und uns zu belästigen?" Werden wir denn Dich niemals los werden?" " dann antwortete er nicht auf diese Frage, er war Der Pendel" entfernte sich schweigend. Vor jeder von einer unbestimmten Furcht vor etwas Unbekanntem Thür, an der er ansprach, wurde er mit Schimpfreden ergriffen, der Furcht des Armen, der tausend verschiedene empfangen und fortgejagt, ohne irgend welche Cabe erDinge fürchtet, die neuen Gerichte, die Beschimpfungen, halten zu haben. Dennoch seßte er geduldig und eigendie scheelen und mißtrauischen Blicke der Leute, die ihn sinnig seinen Gang fort, erhielt aber weder ein Stück Brot nicht kannten, und den Gensdarmen, der die Straßen noch irgend eine Münze. durchzieht und der ihn instinktiv hinter ein Gebüsch oder Nun besuchte er die abseits vom Dorfe belegenen einen Steinhaufen verschwinden ließ. Gehöfte der wohlhabenderen Bauern, wobei er, um diese Wenn er in der Ferne, von den Sonnenstrahlen zu erreichen, über das vom Regen aufgeweichte Ackerland beleuchtet, die Pickelhaube des Gensdarmen erglänzen sah, gehen mußte und so geschwächt wurde, daß er seine Krücken fand er plötzlich eine eigenthümliche Beweglichkeit, die kaum erheben konnte. Auch hier erhielt er nichts; überall Beweglichkeit eines geängstigten, gehezten Thieres, welches, jagte man ihn fort. Es war einer jener kalten und um seinem Verfolger zu entgehen, ein Versteck sucht. Er traurigen Tage, an denen auch das menschliche Herz erließ sich von seinen Krücken heruntergleiten, gleich einem faltet, sich Jedermanns eine gereizte mürrische Stimmung Lappen fallen, rollte sich zu einer Kugel zusammen, wurde bemächtigt, und die Hand sich nicht öffnet, weder zum ganz klein und seiner Meinung nach unsichtbar, indem er Geben noch zum Helfen. feine Lumpen mit der Erde verwechselte. Nachdem„ Pendel" seine Besuche in allen Gehöften Uebrigens hatte er niemals etwas mit den Gensdarmen beendigt hatte, feßte er sich auf einen Stein am Straßenzu thun, niemals kam er mit ihnen in irgend welche graben, nahe an dem Gehöfte des Bauern Karl Horn, Berührung. Aber es rollte die Furcht vor ihnen in seinen nieder. Lange Zeit faß er so unbeweglich, von Hunger Adern, gleich als ob diese ein ihm von seinen Eltern, die und Ermattung gequält, unfähig, um tiefer in sein grenzener übrigens niemals gekannt hatte, überkommenes Erb- loses, unermeßliches Elend einzudringen. theil wäre. Er wartete; er wußte selbst nicht, auf was. Er Er hatte keinen Zufluchtsort, kein Dach, teine Hütte, wartete mit jener unbestimmten Erwartung, welche jedem keinen Schutz gegen die Unbilden des Wetters, im Sommer Menschen innewohnt, an der Ecke dieses Gehöftes in schlief er überall, im Winter schlich er sich in die Feimen Schnee und Regen, im eisigen Winde, auf jene geheimnißund Stallungen mit wahrhaft wunderbarer Geschicklichkeit volle Hilfe, welche man immer vom Himmel oder von ein und verschwand immer, bevor man seine Gegenwart den Menschen erwartet, ohne sich dabei die Frage über nur ahnte. Er tannte jeden Schlupfwinkel und jedes Loch, das Wie und Warum, noch durch wen und von wem sie um in die Wohnungen einzudringen; und die Handhabung ihm kommen soll, vorzulegen. Eine Schaar Hühner, welche feiner Krücken hatte ihn zu einer solch wunderbaren und in der Erde pickte, die ja, gleich einer liebenden Mutter, überraschenden Geschicklichkeit gebracht, daß er nur durch alle Wesen nährt, trippelte vorüber. Jeden Augenblick die Kraft seiner Fäuste bis auf die Heuböden kletterte, pickten sie mit ihren Schnäbeln sei es ein Krümchen oder auf denen er, ohne sich zu rühren, oft vier bis fünf Tage ein Insekt auf und setzten dann ihre Suche langsam und sein Domizil aufschlug, sofern er für diesen Zeitraum ficher fort. genügenden Vorrath zu seinem Unterhalt auf seinem Bettel- ,, Bendel" sah ihrem Treiben gedankenlos und stumpfgang gesammelt hatte. finnig zu; dann durchlief ihn früher im Bauche das Er lebte wie die wilden Thiere des Waldes, mitten Gefühl als im Kopfe der Gedanke, daß er, wenn er im unter Menschen, er kannte Niemanden und liebte Niemanden, Besize eines dieser Thiere sein möchte und es sich zuGleich so vielen Anderen, hatte auch er, obgleich jetzt bei den Bauern erregte er nur gleichgültige Verachtung bereiten könnte, seinen Hunger stillen und er ein wohlelend und hinfällig, in seiner Jugend, in der Jeder den und nur gezwungen gewährten sie ihm zuweilen Gast- schmeckendes Essen haben würde. Der Gedanke, daß er hierdurch einen Diebstahl zu Himmel offen sieht und der Meinung ist, daß ihm die freundschaft und Obdach. ganze Welt offen stehe, bessere Tage erlebt. Aber er hatte Man hatte ihm den Spiznamen„ Pendel" gegeben, begehen im Begriff sei, rührte ihn gar nicht und stieg das Unglück, früh seine Eltern, die schnell hintereinander weil er zwischen seinen beiden Krüden hin und her schwebte, gar nicht einmal in ihm auf. Mit raschem Entschluß starben, zu verlieren und eine Waise zu werden. wie der Pendel in dem Gehäuse einer im Gange befindergriff er einen in seiner Nähe liegenden Stein und warf ihn mit so großer Sicherheit nach der ihm zunächst stehenDies war sein erstes Mißgeschick; doch ein Unglücklichen Wanduhr. den Henne, daß diese sofort umfiel und nach einigen kommt nie allein, es hat gewöhnlich in seinem Gefolge Seit zwei Tagen hatte er nichts gegessen, keiner schwachen Bewegungen mit den Flügeln verendete. Die wollte ihm mehr eine Gabe reichen, denn Niemand wollte übrigen Hühner flüchteten, als sie dies sahen, so eilig sie endlich von ihm etwas wissen. Die Bauerfrauen auf konnten und Pendel machte sich, indem er wieder auf ihren Thürschwellen schrieen ihm, so wie sie nur von seine Krücken stieg, auf den Weg, um seine Jagdbeute Weitem seiner ansichtig wurden, zu: aufzuheben und in seine Tasche zu stecken. Ein Nachtstück aus der besten der Welten. Willst Du gleich fort, Du Hund, Du Scheusal! noch ein größeres, und dies traf ihn. Im Alter von fünfzehn Jahren wurde er von einem Wagen, der mit zwei Pferden bespannt war und im tollen Jagen dahergerollt kam, auf der Straße nach D. überfahren und ihm beide Beine gebrochen. Seit dieser Zeit Als er in die Nähe der von ihm getödteten Henne bettelte er und schleppte sich die Straßen entlang und Es sind noch nicht drei Tage her, daß Du von uns ein tam und sie an sich zu nehmen im Begriff war, erhielt spricht, zwischen seinen beiden Krücken hängend, in den Stück Brot erhalten hast!" er plößlich einen so heftigen Stoß in seinen Rücken, daß umliegenden Dörfern auf den Bauernhöfen um eine Und er schleppte sich auf seinen Krücken bis zum er von seinen Krücken herabfiel und mehrere Schritte weit milde Gabe an. nächsten Hause, wo er einen Empfang gleicher Art hatte. fortrollte. Der genannte Bauer Horn, außer sich, stürzte Die Frauen erklärten ihm von einer Thür zur fich auf den Dieb, den er mit Hieben überdeckte; er schlug anderen: so unsinnig, wie bestohlene Bauern es zu thun pflegen, ,, Man kann doch diesen Taugenichts, diesen Halunken mit den Fäusten und den Knieen auf den ganzen Körper nicht das ganze Jahr hindurch füttern!" des Schwachen ein, daß dieser, der durch den plößlichen Und dennoch hatte dieser Taugenichts, dieser Halunke Ueberfall vom Schrecken wie gelähmt war, an eine VerHunger und mußte, um diesen zu stillen, etwas genießen. theidigung seinerseits gar nicht denken konnte. Er hatte bereits die meisten der Dörfer, welche er Hierauf famen noch die auf dem Gehöfte des Bauern auf seinen Zügen zu besuchen pflegte, durchwandert, ohne beschäftigten Arbeiter und Knechte herbei und schlossen sich, von irgend Jemandem auch nur einen Pfennig oder eine um den diebischen Bettler todtzuschlagen, ihrem Herrn an. Früher überließ ihm eine Frau v. R., die Besizerin Brotrinde erhalten zu haben. Es blieb ihm nur noch die Nachdem auch sie des Schlagens auf den regungslos eines Gutes, auf diesem ein Nachtlager; es war dies ein Hoffnung auf eins übrig, bis zu welchem er aber eine Daliegenden müde waren, hoben sie ihn auf, trugen ihn Verschlag voll Stroh in der Nähe des Hühnerstalles, nicht Strecke von nahezu zwei Meilen zurückzulegen hatte, dabei weit vom Gehöfte, welches zum Gute gehörte. Michael fühlte er sich so müde, daß er sich kaum weiter zu schleppen war hier auch sicher, in den langen Hungertagen in der vermochte, zumal da sein Magen so leer war, wie seine Küche öfter warmes Essen, ein Stück Brot und einen Topf Tasche. Als Kind wurde er von dem Pfarrer eines Kirch dorfes bei dessen Nachhausefahrt in einem Straßengraben liegend aufgefunden; dieser nahm ihn mit sich, erzog ihn auf seine Weise, und gab ihm, da er den Namen seiner Eltern nicht anzugeben vermochte, den Namen Michael Krummbein, ließ ihn jedoch sonst ohne irgend welchen Schulunterricht. Durch den Genuß von Branntwein, zu dem er durch schlechte Gesellschaft verführt wurde, sank er vollends herab, er wurde ein Landstreicher, der nichts anderes zu thun weiß, als die Hand auszustrecken. mit Milch zu finden, und häufig erhielt er noch einige Trotz alledem machte er sich dennoch dorthin auf Pfennige, die ihm die alte Dame entweder vom Balkon den Weg. fort und sperrten ihn in den Holzstall, bis ihn der Gensdarm, nach dem der Bauer geschickt hatte, abholen würde. ,, Pendel" blieb, halbtodt, blutend, vor Frost klappernd und vom Hunger verzehrt auf dem Boden seines vorläufigen Gefängnisses liegen. Der Abend kam heran, dann die Nacht und dann der Morgen. Niemand hatte oder aus einem Fenster ihres Zimmers zuwarf. Jezt Es war im Dezember; ein kalter mit Schnee und ihm während der ganzen Zeit etwas zu essen gereicht und war auch diese seine Wohlthäterin gestorben, und er stand, Regen durchmischter Wind wehte über die Felder und der Hunger wühlte in seinen Eingeweiden. da sich Niemand seiner annahm, mit seinem Elende hilf pfiff in den kahlen Resten der Bäume; die Wolken, die Gegen Mittag kam der Gensdarm und öffnete vorniedrig und finster dahinzogen, vor sich her treibend. Der fichtig die Thür, da er einen Widerstand erwartete, denn los und verlassen in der Welt da. In den Dörfern, die er nun bettelnd durchzog, gab Krüppel, dieses Unwetter nicht achtend, bewegte sich lang- Horn hatte ihm gesagt, daß er von dem Bettler, als er man ihm wenig; man kannte ihn nur zu gut, und war sam fort, seine Krücken, eine nach der anderen, mühsam ihn bei dem von ihm verübten Diebstahl ertappt habe, seiner in den vierzig Jahren, die man ihn von einem vorwärts sezend, indem er sich auf das verkrümmte Bein angegriffen worden sei, und sich seiner nur mit Mühe habe Gehöfte zum anderen seinen mit Lumpen behangenen und stüßte, welches ihm geblieben war und in einen mit einem erwehren können. verkrüppelten auf zwei Krücken hängenden Körper schleppen Feßen bekleideten Klumpfuß endigte. " Der Gensdarm rief: Vorwärts, aufstehen!" sah, herzlich müde und überdrüssig. Dennoch wollte er Hin und wieder seßte er sich auf einen der an den" Pendel" konnte sich jedoch nicht mehr rühren, er nicht fortgehen, weil er auf der ganzen Welt nichts weiter Straßengräben liegenden Steine nieder, um kurze Zeit zu versuchte zwar sich auf seinen Krücken emporzuheben, aber kannte, als diesen Winkel Erde, diese drei oder vier ruhen; dann machte er sich, vom Hunger gepeinigt, der es gelang ihm nicht. Man war der Meinung er verstelle Dörfer, in denen er sein elendes Dasein fristete. Er hatte ihm alle Besinnung raubte und ihm eine unbestimmte sich, er gebrauche eine List und es sei nur böser Wille seinem Bettelthum eine Grenze gezogen und würde niemals Furcht einflößte, wieder auf den Weg, nur von dem von ihm. Als alles Zureden seitens des Gensdarmen den Entschluß gefaßt haben, den Kreis, an den er sich Gedanken gefoltert:„ Effen", aber er wußte nicht auf nichts fruchtete, faßte dieser, ein großer, kräftiger Mann, einmal gewöhnt hatte, zu überschreiten. welche Weise. ihn derb an und stellte ihn so auf seine Krücken. Er wußte nicht, ob die Welt sich noch weiter hinter Endlich, nach unsäglicher dreistündiger Anstrengung, Die Furcht ergriff Pendel", jene, Leuten seiner den Bergen und Wäldern, die seine Aussicht immer sah er die Gebäude und Bäume des Dorfes, welches er Art, eigenthümliche Furcht vor weißem Lederzeuge und hinderten, erstreckte und fragte auch nicht darnach. Und zu erreichen beabsichtigte, und beschleunigte nun, soviel er Pickelhauben; es ist jene Furcht des Wildes vor dem wenn die Bauern, müde, ihn an der Grenze ihrer Felder es vermochte, seine Bewegungen. Jäger, der Maus vor der Kaße, und nur durch fast überoder den Rand ihrer Gräben entlang gehen zu sehen, ihm Der erste Bauer, dem er begegnete und den er menschliche Anstrengung gelang es ihm, stehen zu bleiben. zuriefen:„ Warum gehst Du auch nicht einmal in um ein Almosen ansprach, entgegnete in rauhem Tone: ,, Auf den Weg! Marsch!" kommandirte der Gensdarm. " Die Leute, denen man auf dem Wege begegnete, blieben ftehen, um ihn vorbeigehen zu sehen, die Bauern aber fagten: ,, Das ist irgend ein Dieb." 〃 Pendel" ging. Alle Arbeiter des Gehöftes hatten sich oder Töne, sei es mittels der Worte, welche Vorstellungen, von allerlei Zufälligkeiten sich befand, während der Maler gesammelt und sahen ihm nach. Die Weiber zeigten ihm Phantasiebilder erregen. So ist es dem Kinde ein Ver- das Wesentliche des Gesichts, dasjenige, was den betrach= die Faust; die Männer hohnlächelten, beschimpften ihn; gnügen, mit dem Stifte, durch Geberden oder Worte tenden Menschen an dem Gesichte eigenartig und auskein Mitleid, kein Erbarmen, man hatte ihn endlich nachahmend zu gestalten, was seinem Geifte eingeprägt ist. drucksvoll erscheint, zu erfassen sucht und mit Hervor= gefangen! Gute Befreiung! Eine der Triebfedern des Erzählens und Beschreibens, hebung wiedergiebt. So stellt auch der Dichter dasjenige Er entfernte fich, sich neben dem Gensdarmen auf also auch des Dichtens, ist dieser auf der Kenntniß- von der Wirklichkeit dar, was ihm als das Wesent= liche erscheint in solchem Darstellen besteht das seinen Krücken forthelfend. Er fand in seiner Verzweiflung freude beruhende Nachbildungstrieb. Da aber die Dichter und wegen dieser Gestaltung hat die Kraft, welche er, verdummt, nicht mehr wissend, was das lehrt die Geschichte eigentliche Gestalten mit ihm geschah oder geschehen sollte, zu verwirrt, um ihres Lebens und Wirkens ihre Kenntnisse und Er- die Dichtung einen höhern Wahrheitsgehalt als das bloße für irgend etwas ein Verständniß zu haben, nöthig hatte, lebnisse nicht als gleichwerthig betrachten, sondern aus Abschreiben der Wirklichkeit. Da endlich dasjenige, was um sich bis zum Abend fortzuschleppen. deren Fülle mit Vorliebe diejenigen herausgreifen und zur den Dichter an einem Stücke Wirklichkeit, das er behandeln Darstellung bringen, welche ihr Gemüth erschütterten, so will, d. h. an seinem Stoffe, eigentlich interesfirt, die muß das Dichten noch eine andere Triebfeder haben und Gefühle sind, welche davon angeregt wurden, so wird er zwar eine solche, welche mit den starken Gemüthsbewegungen, sich bemühen, gerade diese Gefühlsseite des Stoffes be= mit der Leidenschaft zusammenhängt. Dieser Triebfeder sonders herauszuarbeiten, zur vollständigen Entwickelung Mit Anbruch der Nacht kam der Gensdarm mit ihm wollen wir nunmehr nachspüren. Leidenschaftliche die Gefühle zu bringen, welche der Stoff nur anregte, nur Um also aus einem bloßen in der Kreisstadt an.„ Pendel" war noch niemals bis Gefühle pflegen mit einer gewissen Unruhe gepaart zu mangelhaft hervorrief. dahin gekommen. Er konnte sich in der That keine Vor- sein. Dieser Unruhe will sich das Gemüth begreiflicher- Stoffe zur Dichtung zu werden, ist neben Anderm auch ftellung von dem, was mit ihm vorging und noch viel weise entledigen; die seelischen Spannkräfte, sozusagen, nöthig, daß der Stoff im Gemüthe des Dichters gewisserweniger über das, was weiter mit ihm geschehen würde, machen. möchten sich entladen; die Leidenschaft will sich austoben. maßen untertaucht und von Gefühlen durchtränkt wird. Alle diese entsetzlichen und unvorhergesehenen Dinge, diese Ein stürmischer Thätigkeitsdrang ist daher die gewöhn- Demnach hat die Gemüths- Eigenart, das Temperament Bei des Dichters einen bedeutenden Einfluß auf die Dichtung. neuen Gestalten, die vielen Häuser und der Lärm der liche Begleiterscheinung leidenschaftlicher Erregung. Stadt machten ihn bestürzt. gewiffen Naturen äußert sich der Drang in heftigen Diese Einsicht war es, welche Emile Zola ziemlich treffend Er sprach kein Wort, da er nichts zu sagen hatte, Bewegungen, etwa der Lungenmuskeln oder der äußeren sagen ließ:„ Ein Kunstwerk ist ein Stück Natur, durch auch nichts zu sagen wußte, denn er verstand nichts mehr. Gliedmaßen. So zertrümmert der Zorn, die überschwäng- ein Temperament gesehen." Die Zuthat, welche der Uebrigens sprach er schon seit sehr vielen Jahren mit liche Lust jauchzt, und bei wilden Völkern treibt die Un- Stoff von Seiten des dichterischen Gemüths erfährt, ist zuNiemandem mehr und hatte dadurch fast den Gebrauch ruhe, welche dem Kampfe vorhergeht, zu stampfenden weilen so bedeutend, daß derselbe Stoff, von verschiedenen der Sprache verloren; außerdem waren seine Gedanken zu Tänzen und zum wilden Schütteln der Waffen. Bei Dichter- Temperamenten behandelt, durchaus unähnliche verworren, als daß er sie in zusammenhängenden Worten Naturen, welche die Fähigkeit, zu gestalten, haben, äußert Dichtungen ergiebt. So macht die Beleuchtung aus derhätte wiedergeben können. sich der Thätigkeitsdrang auch in Gestaltung. Und um selben Landschaft ganz verschiedene Bilder: eine Landdes so mehr finden dichterische Geister in der Gestaltung dessen, schaft erscheint anders im klaren Lichte der Mittagssonne, da- was sie leidenschaftlich erregte, Beruhigung, als die anders in der trüben Beleuchtung eines dunkelwolkigen so Gestaltung einer Begebenheit das Verständniß derselben Himmels, anders im Abendroth, anders unter dem vollen fördert, Verstehen aber auf das Gemüth dämpfend, stillend Monde, anders in finsterer Nacht. Wegen dieser Aehn= zu wirken pflegt. Man kann diese Triebfeder zum Dichten lichkeit zwischen der Gemüthszuthat, welche der Stoff von gut an Göthe beobachten. Zu vielen Dichtungen wurde Seiten des Dichters erfährt, mit der Beleuchtung einer Göthe durch die Leidenschaft veranlaßt; er wollte das Landschaft, kann man die Gemüthszuthat bildlich die dichteGemüth von der Unruhe befreien. rische Beleuchtung nennen. Der Gensdarm lieferte ihn in das Gefängniß Ortes ab; weder er noch der Gefangenwärter dachten ran, daß Pendel" zu essen nöthig haben könnte, und ließ man ihn bis zum folgenden Tage sißen. " Als man am Morgen dieses Tages kam, um ihn zum Verhör zu führen, fand man ihn entseelt am Boden. Welch' eine Ueberraschung! Die soziale Umwälzung im Spiegel der Dichtung. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Und neues Leben blüht aus den Ruinen." " Und wo der Mensch in seiner Qual verstummt, Gab ihm ein Gott, zu sagen, was er leidet." Und so schrieb Göthe, wie er selbst sagt, das Erlebte sich von der Seele herunter. Doch bekanntlich haben die Dichter mit besonderer Anmerkungen zum Vereinsrecht. 5. Von den Vereinen im Allgemeinen. B. W. Der bestehende Gesellschaftskörper befindet sich Borliebe nicht bloß dasjenige gestaltet, was sie leiden- ☐ Begriffserklärung. Ein Verein ist eine in einem Zustande der Selbstzersetzung und Auflösung, welcher mit Nothwendigkeit zu einer neuen Gesellschafts- schaftlich erregte; zahlreiche Dichtungen wurden durch Ge- freiwillige Vereinigung mehrerer Personen für längere welcher mit Nothwendigkeit zu einer neuen Gesellschafts- fühle veranlaßt, denen die Unruhe durchaus fehlt, durch Dauer zur Verfolgung eines gemeinsamen Zweckes unter ordnung führt. Gefühle von Zartheit, Sanftheit, harmonischer Schönheit einheitlicher Leitung. oder ruhiger Erhabenheit. Folglich haben wir noch nach So hat das Reichsgericht die Begriffserklärung durch das Erkenntniß vom 2. November 1888 in Sachen des Die soziale Umwälzung nahm ihren Ausgang von einer dritten feelischen Ursache des Dichtens zu suchen. wirthschaftlichen Vorgängen, und auf wirthschaftlichem Unter dem Gewühle des Geschehens in uns und um uns Berliner Maurerprozesses festgestellt. Das Reichsgericht hat in diesem Urtheil auch noch Gebiete liegen auch diejenigen Mächte, welche den Um bemerken wir zuweilen ein Bild oder ein Ereigniß, welches schwung einst völlig durchführen werden. Doch irrthümlich uns derart fesselt und ergreift, daß wir es von dem festgestellt, daß die„ Freiwilligkeit" der Vereinigung dadurch ist die Meinung, der revolutionäre Strom, welcher die Strome des Geschehens nicht fortspülen lassen, sondern nicht ausgeschlossen ist, daß die Mitglieder der Vereinigung zweite Hälfie unseres Jahrhunderts durchrauscht, sei eine festhalten möchten; z. B. beim Anblick eines Stückes von einer anderen Versammlung gewählt worden; denn rein wirthschaftliche Bewegung, welche durch Sozialisirung Natur oder einer Einzelheit im Getriebe der menschlichen nicht die Wahl sondern die freiwillige Handlung der der Produktion lediglich das Einkommen der Volksmasse Gesellschaft überkommt uns eine Stimmung von so be- Annahme der Wahl bilde die Vereinigung. Ferner erhöhen wolle. Die Umgestaltung, in welcher sich das zaubernder Schönheit oder so ergreifender Erhabenheit, daß wurde festgestellt, daß es darauf nicht ankommt, ob die heutige soziale Leben befindet, beschränkt sich keineswegs wir uns gewissermaßen verlieben in diese Stimmung, Vereinigten sich den Zweck der Vereinigung selbst gesetzt, auf das materielle Gebiet und hat durchaus keinen bloßen dieselbe aus der allgemeinen Flucht des Gegenwärtigen oder ob er ihnen anderweit aufgetragen sei. Es können hiernach gewählte Kommissionen, ,, Magen- Sozialismus“ zum Ziel, sondern umfaßt die retten möchten, damit ihr Zauber auch fürder unser Gemüth, gesammte Kultur, betrifft auch das geistige und sittliche womöglich auch die Gemüther anderer Menschen rühren wenn ihnen längere Dauer und das Vorhandensein einer Leben. Zwar ist die auf Erhöhung des Einkommens könne. Wer nun dichterisch begabt ist, hat die Fähigkeit, Leitung nachgewiesen wird, als Vereine betrachtet werden. gerichtete Arbeiterbewegung der physisch stärkste Theil des das Bild, das Ereigniß, die Stimmung festzuhalten. Er Das Reichsgericht hat dabei angenommen, daß die längere revolutionären Stromes, aber nur ein Theil desselben. thut es, indem er sich klar macht, worin das Wesentliche, Dauer dann eintritt, wenn die Kommission die Versamm= Die anderen Theile, die gleichstrebenden Geschwister und das eigentlich Ergreifende besteht, indem er also in Ge- lung, welche sie eingesetzt hat, überdauert. Doch ist die Helfer der Arbeiterbewegung, sind die revolutionären danken den Gegenstand seiner künstlerischen Liebe sauber Bedingung der Dauer eine Thatfrage, über die der Zendenzen in der neuzeitlichen Weltanschauung, auf aus dem Beiwerk der Wirklichkeit, gleichsam aus den erkennende Richter jedesmal nach Lage der Umstände zu religiösem und philosophischem Gebiete, in Naturwissenschaft Schlacken herauslöst, vielleicht auch noch ergänzende Züge befinden haben wird. Es spielt da also wie auch in der und Geschichte, in Recht, Sittlichkeit und Sitte, sowie in hinzukomponirt und alsdann diese innere Komposition, Frage wegen der Leitung der Vereinigung das„ Ermessen der Kunst, insbesondere in der Dichtung. diese Vorstellungsmasse in treffende Worte übersegi. des verständigen Richters" die bekannte, den Arbeitern Möge das Proletariat sich dieser Bundesgenossenschaft Werden diese Worte später von ihm oder von Anderen verhängnißvolle Rolle. lebhaft bewußt werden, möge es seine Helfer auf den gelesen oder gehört, so entsteht in den Geistern jenes er- In Bezug auf die Leitung begegnen wir in dem genannten Geistesgebieten mit Anerkennung und Treue greifende Bild, jene bezaubernde oder erhabene Stimmung. angeführten Reichsgerichtserkenntniß dem Trugschluße, daß behandeln und zum vollen Verständniß derselben vor- Dies dürften die wichtigsten seelischen Triebfedern da, wo ein gemeinsames Handeln hervortritt, auch dringen! Alsdann werden sowohl in der Arbeiterschaft sein, welche den Dichter zum Dichten treiben. Die erste das Vorhandensein einer Leitung unterstellt werden muß. Die Unrichtigkeit dieses Schlusses braucht nicht erst erwiesen wie auf Seiten der revolutionären Denker und Dichter der genannten Triebfedern hat die mindeste Wichtigkeit Kampfesmuth, Klarheit des Strebens und Stärke der unter den Dreien, da sie für sich allein wohl kaum eine zu werden. Es kann ein gemeinsames Handeln in vielen Fällen auf eine vorhergegangene Anregung zurückgeführt werden, ohne Bewegung derart wachsen, daß vielleicht die soziale Er- Dichtung von Bedeutung zu Stande bringt, sondern nur daß der Anreger der Leiter der weiteren Handlung ist. Noch öfter lösung der Volksmassen früher als sonst eintritt. unterstützend, die Kraft der beiden anderen Geschwister liegen die Verhältnisse so, daß es nicht einmal einer Anregung be= Bevor wir nun betrachten, wie sich unsere soziale fördernd wirkt. Diese beiden zuletzt betrachteten Trieb- darf, um eine Vereinigung, die einen bestimmten Zweck hat, zum Umgestaltung in der modernen Dichtung äußert und federn waren die Ursachen aller hervorragenden dichteri- gemeinsamen Handeln zu bewegen, weil die Richtung, in welcher die Handlung zu geschehen hat, klar daliegt und vielleicht die allein spiegelt. zur Vorbereitung auf diese Betrachtung, schen Leiſtungen, und daher hat, wie wir alsbald sehen mögliche ist. Auch ist eine Besprechung über eine vorzunehmende empfiehlt es sich, zu untersuchen, wie überhaupt Dichtung werden, ihre Natur einen besonderen Einfluß auf das Handlung, die zu einem Einverständniß führt, noch lange keine Leitung der Handlung. entsteht, und wie es kommt, daß die öffentlichen Zustände Wesen der Dichtung. und der Geist eines Zeitalters gestaltend einwirken auf Die Ursachen des Dichtens lassen uns das Wesen die Dichtungen dieses Zeitalters. wollen. Von einigen Untergerichten ist entschieden, daß die Freiwilligkeit der Vereinigung bei gewählten Kommiffionen nicht vorhanden ist. Der Vereinsvertrag, der den Verein bildet, wäre hier nicht dem freien Willen der sich Vereinigenden überlassen, sondern ihnen durch einen fremden Willen auferlegt; die Vereinigten hätten nur ein Mandat. Diese Entscheidung setzt voraus, daß auch der im Vereinsvertrage zum Ausdruck kommende Zweck des Vereines ein freiwillig gesetzter und nicht nur freiwillig übernommener sein müßte. Das Reichsgericht hat sich dieser Auffassung nicht angeschlossen, wie aus den obigen Angaben zu ersehen ist. Da aber Vereinssachen nur ausnahmsweise zur Kenntniß und Entscheidung des Reichsgerichtes gelangen, so fann es auch ferner vorkommen, daß ab und an Entscheidungen in diesem letzteren, den Kommissionen günstigeren Sinne gefällt und rechtskräfig werden. der Dichtung verstehen. Dasselbe läßt sich, soweit es für unsern Zweck in Betracht kommt, folgendermaßen beschrei1. Ueber Entstehung und Wesen der Dichtung. ben: Der Dichter erregt durch Worte in der Phantasie, in Das dichterische Schaffen hat verschiedene seelische der nachschaffenden Einbildungskraft, bestimmte Bilder und Ursachen, von denen wir nur die wichtigeren betrachten im Gemüthe beſtimmte Gefühle. Diese Phantasiebilder find Nachbildungen von Stücken Wirklichkeit, sei es Wenn dem Geiste eine neue oder nicht ganz bekannte daß dieselben in der äußern Welt, sei es, daß sie in der Erscheinung gegenübertritt, wird derselbe zu einer forschen- geistigen Innenwelt vom Dichter bemerkt wurden. Und den Thätigkeit angeregt. So untersucht schon das Kind zwar bringt der Dichter gerade dasjenige zur Gestaltung, ein Ding, welches seine Aufmerksamkeit fesselt, betrachtet was für ihn von besonderem Gemüthsinteresse ist, Das Vereinsstatut, die Sagungen des Vereines es von allen Seiten, beklopft und behorcht das Ding, was nämlich sein Gemüth stark und dichterisch schön ersucht es in den Mund zu führen und zerstört es auch greift. Was nun die dichterische Nachbildung betrifft, so haben die Eigenschaften eines Privat- Vertrages der Mitwohl, um das Innere kennen zu lernen. Solch forschende giebt dieselbe die Wirklichkeit nicht genau, im Sinne der glieder unter sich. Wie diese Statuten beschaffen sein Thätigkeit verschafft dem Geiste ein deutliches Bild von Photographie, wieder, sondern gleicht mehr einem gemalten müssen, was sie zu enthalten haben und welche Form dem Dinge; und mit diesem geistigen Abbilden, dieser Portrait. Bekanntlich sind ja die Photographien, obgleich man ihnen geben will, ist nirgends gesetzlich vorgeschrieben, Kenntnißnahme ist ein Gefühl der Befriedigung verbunden. sie die Umrisse und Schatten der wirklichen Person ganz sondern lediglich dem Ermessen der betheiligten Personen Gewisse Naturen neigen nun dazu, in dem Gefühl der getreu wiedergeben, oft sehr unähnlich, während ein ge- überlassen. Befriedigung zu schwelgen. Eine Art aber dieses Schwelgens maltes Bild, dessen Linienführung durchaus nicht so at Mit Zustimmung sämmtlicher Mitglieder kann besteht in der Nachbildung; die Gegenstände des geistigen furat ist, zuweilen eine sprechende Aehnlichkeit hat. Woran ein Vereinsstatut jederzeit geändert, oder ganz oder Interesses werden in irgend einer Weise nachgebildet, sei liegt dies? Die Photographie bildet das Gesicht ab, wie theilweise außer Kraft gesezt werden, ohne daß man auf es durch Zeichnen oder Malen, sei es durch Geberben es in einem feinzelnen Augenblicke unter der Einwirkung den im Statut dazu vorgeschriebenen Weg angewiesen ist. Mit Zustimmung sämmtlicher Mitglieder kann auch jederzeit| Wir wollen als Beispiel einen ganz unverfänglichen Fall an- ist aber gar nicht zu hoch gegriffen, wenn man die doppelte Höhe bas Vereins vermögen in anderer als statutenmäßigen Weise führen. Es ist öfters davon die Rede gewesen, die Arbeitszeit in annimmt. Auch folgendes weist auf die große Zahl der Arbeits= verwendet werden. Diese sechtliche Lage ist besonders dann von Komtoirs und Werkstätten so zu ordnen, daß die Arbeitspausen losen in der Schuhmacherei hin: In dem fünfjährigen Zeitraum Wichtigkeit, wenn ein Verein in irgend einer Art verhindert ist, anders vertheilt werden, daß man die Frühstücks- und Vesperzeit von 1882-1886 fuchten in Berlin im Ganzen 60 588 DurchSizungen abzuhalten und doch über sein Vermögen verfügen möchte. ganz fallen läßt, die Mittagspause auf eine ganz kurze Zeit be- reisende um Unterstüßung nach, darunter waren rund 41 000, also Es kann dann die Zustimmung sämmtlicher Mitglieder in ge- schränkt und dann die Arbeitszeit um so früher schließt, um die ca. 67 pCt. Handwerksgesellen, unter diesen 5418 also 134 pct. eigneter anderer Art beschafft werden. Doch muß die Zustimmung Hauptmahlzeit nach beendeter 8-9 stündiger Arbeitszeit einzu- Schuhmacher. Daß diese noch ferner den Lohn drücken, da dieselben eine ausdrückliche sein, nicht eine die nur angenommen wird. nehmen. Es ist hier nicht Veranlassung, die Vortheile oder Nach zu jedem Preis die Arbeit annehmen, ist klar. Vereine, welche sich weder auf öffentliche Angelegen- theile dieser Zeiteintheilung zu erörtern, sie würde aber ohne Zweifel Die selbständigen Unternehmer, hauptsächlich die kleineren, heiten beziehen, noch politische Zwecke verfolgen, unter die Zeiteintheilung in den bürgerlicher Haushaltungen der Gemeinde, spüren die Konkurrenz, die ihnen durch den Großbetrieb erwächst, in welcher eine maßgebende Personenzahl diese bei uns neue Ein- immer mehr; sie sehen, daß sie mit der maschinenmäßig hergestellten liegen den Bestimmungen der Vereinsgese te richtung einführen würde, weit über den Rechtskreis der beſtimmten Waare nicht auf die Dauer konkurriren fönnen. Die Waare im nirgends. moralischen oder physischen Personen ändern und dadurch eine Schuhladen, dessen Inhaber meistens nicht gelernter Schuhmacher In Bayern ist aber im Art. 12 des Gesetzes vom 26. Fe- öffentliche Angelegenheit werden, obgleich sie von rein gewerkschaft- ist, wird ihrer Billigkeit wegen häufig mehr gekauft, als die des bruar 1850 vorgeschrieben, daß auch solche Vereine, deren Zweck lichem Standpunkte ausgegangen sein kann. nebenan wohnenden Meisters, der dieselbe vielleicht noch zum Theil fich nicht auf öffentliche Angelegenheiten bezieht, wenn sie Vor= Wenn man dann, wie es ja unerläßlich wäre, auch noch ver- in seiner Werkstelle herstellen läßt. steher und Sagungen( d. h. doch eine Leitung und einen langte daß die Behörden des Staates, Post und andere Verwaltungen Nun ist eine Anzahl auf die Idee verfallen, die Zünfte, bestimmt ausgesprochenen 3wed) haben, sich der Polizei zu melden sich dieser neuen Zeiteintheilung fügen, so wäre die Frage auch welche im Mittelalter den Raubrittern und den damaligen Verhaben. Nach der an der Spize dieses Aufsages gegebenen Be- eine politische geworden. hältnissen gegenüber eine ganz gute Wirkung hatten, wieder in's griffserklärung wäre eine Vereinigung, die feinen Vorstand und feine Sagungen hat überhaupt kein Verein. Das bayerische Vereinsgesez zeichnet sich durch Unbestimmtheit der Begriffe und unverständlichkeit der Bestimmungen aus, so daß dort die mit der Ausführung des Gesezes beauftragte Behörde auf Anfragen solcher Personen, die wissen wollen, wie sie sich zu berhalten haben, um das Geseß nicht zu verleßen, öfters die Antwort ertheilen muß, daß ein Bescheid nicht ertheilt werden kann, weil die Behörde selbst den Sinn des Gesetzes nicht zu ergründen wisse. So steht z. B. im Artikel 13 eine Bestimmung die lautet: Wenn ein nicht politischer Verein zugleich politische Zwecke verfolgt u. s. w., was wohl als vollkommener Widerspruch in sich selbst angesehen werden kann, denn sonst nimmt man an, daß ein Verein, der politische Zwecke verfolgt, ein politischer Verein ist. Das neue Lübecker Vereinsgesetz vom 15 September 1888 hat die Begriffsbestimmungen noch erschwert durch die Einziehung des Begriffes sozialistische Vereine." " Es ist ein in rechtsunkundigen Kreisen viel verbreiteter Jrr- Leben zurück zu rufen. Man will das Großkapital unschädlich thum, der schon manchem Vereine das Leben gekostet hat, an- machen. Durch was denn? Nun ganz einfach, dem Großkapital zunehmen, es könnte eine gewerkschaftliche Frage nicht auch muß die Produktion entzogen werden. Gewiß zu dem Zweck, daß eine öffentliche oder gar eine politische Angelegenheit sein. Troß Kapital und Produktion in den Besitz der Allgemeinheit übergehen? vieler böser Erfahrungen tauchen solche unklaren Ansichten immer Oho! soweit sind unsere Innungsmeister nicht. Nur das Häuflein wieder auf bei solchen Personen, die mehr einem dunkelen Drange Innungsmeister soll alsdann berechtigt sein, die Produktion in folgen, als sich von bestimmt abgrenzenden Begriffsbestimmungen Beschlag zu nehmen, nur die Innungsmeister sind berechtigt, Arbeiter leiten lassen. auszunuzen und kein Anderer darf es wagen, Schuhwaaren zu führen, als sie. Und wenn sie alles im Besiz haben, dann soll es den Arbeitern noch einmal einfallen, an Verbesserung ihrer Lage zu denken, das wird ihnen dann gehörig versalzen werden. Die Es wurde schon bei Berathung des Gesetzes von Seiten der bösen Sozialdemokraten werden dann über Nacht verschwinden. Zu dortigen Polizeiverwaltung selbst auf die Unbestimmtheit dieses Be- diesem Zweck ist natürlich Befähigungsnachweis, Heranziehung der griffes aufmerksam gemacht. Die spießbürgerlichen Gesetzgeber, be- außerhalb der Innung stehenden zu den Beiträger der Innung fangen in der in ihren Kreisen endemischen Sozialistenfurcht, der(§ 100f d. G.-O.) oder überhaupt 3wangsinnung erforderlich. Furcht vor einem unbestimmten Etwas, das sie nicht kennen und Da nun Regierung und Gesetzgebung selbst nicht so schnell mit Daß in den früher genannten deutschen Staaten, in nicht zu erkennen versuchen, achteten auf diese Warnung nicht und solchen Maßregeln zur Stelle sind, als es die biederen Innungswelchen die Gestattung oder Nichtgestattung von Ver- nahmen den Ausdruck an, weil sie meinten damit der schrecklichen meister wünschen, erklärt man ganz einfach, daß die ganzen KleinSozialdemokratie eine besonders gefährliche Wunde zu schlagen. meister zur Sozialdemokratie übergehen, wenn die Regierung und sammlungen lediglich unter unwirksamen papierenen Man verließ sich, wie in der Gesetzgebung eines größeren Staates, Gesetzgebung die Wünsche der Zünftler nicht sofort berücksichtigt Einschränkungen, in das Ermessen der Polizei gelegt ist, darauf, daß der verständige Richter schon das richtige treffen werde, wie es der ehemalige Vorsitzende des Bundes deutscher SchuhmacherVereine, die öffentliche oder politische Angelegenheiten er- wenn man auch selbst nicht weiß, was man eigentlich treffen will. innungen, Herr Schumann, in der That bereits erklärt hat. Nun, Der Richter hat dann in Lübeck auch schon Gelegenheit gehabt, die Innungen örtern oder auf sie einwirken wollen, nicht besser, sondern sich darüber zu äußern, was er unter sozialistischem Verein versteht. Kartellfandidaten offiziell eingetreten sind sorgten dadurch dafür, welche bei den Wahlen 1887 für die Wahl der in der Regel noch etwas schlechter gestellt sind als die Die Entscheidung ist( freilich erst in erster Instanz) ergangen. Sie daß dem Kleinhandwerker wie dem Arbeiter die Bedarfsartitel Versammlungen, ist wohl selbstverständlich. Auf den lautet:„ unter einem sozialistischen Vereine im Sinne des( Lübecker) immer mehr vertheuert wurden, daß Verbrauchssteuern und Zölle Wortlaut der papierenen Gewährleistungen des Vereins- Vereinsgefeßes, ist ein Verein zu verstehen, der sich als solcher mit die Waaren mitunter doppelt so theuer machen, als sie sonst wären. rechtes kommt es dabei gar nicht an. Wir wollen also Fragen beschäftigt, welche die Gesellschaft speziell im Hinblick auf Sind nicht die enormen Militärlaften eine Folge von den mit die Reformbedürftigkeit ihrer wirthschaftlichen Zusammensetzung, Hilfe der Innungsschwärmer vollzogenen Wahlen und werden nicht den Raum nicht verschwenden, daß wir anführen, daß ein fowie mit Rücksicht hierauf das Verhältniß des Einzelnen zur Ge- die indiretten Steuern, durch welche die Mittel dazu geschafft Verein in Hamburg ohne Weiteres aufgelöst werden kann, sellschaft und der einzelnen Gesellschaftsklassen zu einander be- werden, zum größten Theil von der großen Masse des Voltes, zu wenn die Polizei annimmt, sein Zweck stehe mit der gesell- treffen." welchem auch der Kleinmeister gehört, aufgebracht? Wahrlich, die Gegen diese Begriffserklärung ist wenig einzuwenden, wenn fie Hebung" des Handwerks und wie hauptsächlich die Innungen schaftlichen Ordnung in Widerspruch; daß in den öfters genannten Staaten, in welchen der Bundesbeschluß vom auch nicht gerade sehr scharf ist. Eine scharfe Begriffsbestimmung schreiendes seleinhandwerks, scheint, bei Zicht befehen, eher erscheint aber gegenüber dem sehr schwankenden Begriff auch kaum als das Gegentheil. 15. Juli 1854 gilt, alle Arbeiter- Vereine und-Verbrüderungen, herstellbar. Jedenfalls ist im Lübecker Vereinsgesetz das nicht er- Alles dieses und die Rechtlosmachung der Arbeiter durch allerwelche„ politische", sozialistische oder kommunistische Zwecke reicht, was die Lübecker Bürger- Gesetzgeber wollten, ausschließlich hand Maßregeln( in erster Linie: Einführung des Arbeitsbuches) die Arbeitervereine treffen. Jeder Verein gegen Verarmung und beweist zur Genüge, daß die Innungsbestrebungen dahin gehen, verfolgen, verboten sind; daß in Braunschweig die Landes- Bettelei" ist nach der richterlichen Auslegung ein sozialistischer durch Vernichtung Anderer sich eine Eristenz zu schaffen oder zu regierung ohne richterliches Verfahren einen Verein, der Berein, der den Bestimmungen des Lübecker Vereinsgesetzes unter- erhalten. Dies trifft nicht allein in der Schuhmacherei, sondern in ihrer Ansicht nach der kirchlichen, gesellschaftlichen oder liegt. Doch halt! Da ist für die sozialistischen Vereine der Spieß- allen Berufsklassen zu. Die ganze Entwickelung deutet darauf hin, staatlichen Ordnung gefährlich wird, ohne daß eine Be- bürger doch eine Hinterthür. daß das Kleinhandwerk immer mehr verschwindet, daß es vom Denn jede neue Fabrik. " Die Bestimmungen dieses Paragraphen finden auf Großbetrieb aufgesogen wird. rufung möglich ist, auflösen kann; daß in Mecklenburg Bereine, deren Statuten vom Senate bestätigt find, solche sind in den letzten Jahren mehrere entstanden oder die be Schwerin politische Vereine überhaupt nur mit Erlaubniß" teine Anwendung," so lautet der Schluß des§ 1, der politische standenen haben sich vergrößert macht einer größeren Anzahl des Ministeriums errichtet werden dürfen; daß in Baden und sozialistische Vereine unter Polizeiaufsicht stellt. Welche Grund- kleinerer Eriſtenzen das Bestehen unmöglich. Vereine, die nach Annahme des Ministers den Staats- fäße der Senat aber bei" Bestätigung" von Vereinsstatuten anzugesetzen oder der Sittlichkeit zuwiderlaufen oder die öffent- wenden hat, das ist nirgend vorgeschrieben. Der brave Spießer fann also die Statuten seines sozialistischen Vereines zur Bestätigung liche Sicherheit gefährden", ohne Weiteres verboten werden präsentiren. Wenn diese erreicht ist, brauchen keine Statuten und können; daß in Bayern Vereine von jeder Polizeistelle" Mitgliederlisten der Polizei eingereicht zu werden. " geschlossen werden können, ohne den Richter zu belästigen, Wir wollen nun in einem späteren Aufsatze sehen, wenn sie nach Ansicht dieser Polizeiftelle die religiöse, welche Rechte und Pflichten die Vereine in Deutschland sittliche und gesellschaftliche Grundlage des Staates zu haben, die sich mit öffentlichen oder politischen oder soziauntergraben drohen": in allen diesen Staaten ist ein liftischen Angelegenheiten beschäftigen. wirkliches Vereinsrecht der Bürger nicht vorhanden. Die Polizei läßt ihnen nach jedesmaligem Ermessen mehr oder weniger Spielraum. Bald wird die Leine etwas länger gelassen, bald ganz enge angezogen, wie der Laune in maßgebenden Kreisen es gerade beliebt. Besondere Bestimmungen bestehen mit wenigen einzelnen Ausnahmen überall für Vereine, die sich mit öffentlichen, politischen oder sozialistischen Angelegenheiten beschäftigen. Es ist ganz ungemein schwer, ja fast unmöglich, Begriffsbestimmungen für diese Worte zu geben. Ueber den Begriff ,, öffentliche Angelegenheiten" haben wir uns gelegentlich der Bemerkung über die VerSammlungen schon geäußert. Der Begriff politische" Angelegenheiten ist womöglich noch unbestimmter. v. Rönne sagt in seinem Staatsrecht: Aus der Schuhmacherei. ( Von einem Arbeiter.) II. und Der Kampf des Kleinhandwerkes, wie er sich gerade in der Schuhmacherei zeigt, wird erst zu Ende gehen, wenn das Kleinhandwerk nicht mehr besteht, also entweder vollständig vom Großbetrieb aufgesogen oder aber wenn an Stelle der heutigen kapitalistischen Produktionsweise die genossenschaftliche getreten ist wenn nicht mehr Einzelne im Befiz der Produktionsmittel fich befinden, nicht mehr Einzelnen der Ertrag von so und so viel Hunderten zufällt, während diejenigen, welche alles schaffen, hungernd einhergehen und die großen Magazine, welche mit Waaren aller Art vollgestopft sind, nur ansehen dürfen, während die Waaren um= kommen, weil sie Niemand kaufen kann. Nur durch Lösung dieser Widersprüche ist es möglich, Ordnung in die wirthschaftlichen Verhältnisse zu bringen. Die amerikanische Lebensmittelkonkurrenz h. k. Die Verhältnisse der in der mechanischen Schuh- scheint bereits wieder im Rückgange. So betrug nach den macherei beschäftigten Arbeiter mögen nicht die besten sein, aber auf neuesten Ermittelungen des landwirthschaftlichen Departements ein derartiges Niveau sind dieselben doch nicht herabgedrückt, wie im zu Washington die Anbaufläche von Weizen: 37,9 Millionen Acres absterbenden Kleinbetrieb. 37,0" 39,4 1880. 1882. 1884.. 1886. 1887, 1888. " " " 36,8 " " 37,6" 37,3" " " Die in Geschäften mit besser zahlender Kundschaft Thätigen werden ja mit bedeutend höheren Akkordlöhnen abgefunden als in den übrigen Geschäften, dies verbürgt jedoch keineswegs einen höheren Wochenverdienst. Da fie nämlich zum größten Theil Logisarbeiter sind, werden sie bei Ablieferung der Arbeit oft stunden-, ja tagelang aufgezogen, bevor sie das nächste Stück Arbeit Seit 1880 ist demnach ein vollständiger Stillstand erhalten. Dies geschieht hauptsächlich in der flauen Geschäftszeit, im Weizenbau eingetreten, der sogar zu bedeutendem welche ziemlich eben so lange als die des flotten Geschäftsganges anhält. Außerdem wird hier der höhere Stücklohn nur für die Rückgange wird, wenn man die große Zunahme der tünstlerische Ausführung gezahlt, der Arbeiter hat schon bedeutend Bevölkerung von etwa 16 Millionen Menschen während mehr Arbeit an einem Stück, muß bedeutend mehr Sorgfalt und dieses Zeitraumes berücksichtigt. Akkuratesse verwenden, wodurch er häufig doppelt so lange daran zu thun hat als bei einem gewöhnlichen glatten Stück Arbeit. Bei den in Geschäften mit weniger gut zahlender Kundschaft jährlich 1 Million Acres, auch wohl 2 mit Weizen neu Arbeitenden bietet sich dasselbe Bild: Lange Arbeitszeit, niedrige hinzu und die über Bedarf wachsenden Erntemengen überStücklöhre und in Folge der letzteren geringer Wochenverdienst. flutheten Europa. 1869 betrug die Weizenfläche 20 und In diesen meist kleineren Geschäften mit Arbeiterkundschaft ist der 1879 38,4 Millionen Acres oder 18,4 Millionen Zunahme Handel mit Schuhwaaren meistens die Hauptsache. in 10 Jahren. Das in diesem Jahre( 1888) endende Dezennium weist 20 Millionen Einwohner mehr und eine kleinere Anbaufläche auf. Vor 1880 war dies ganz anders, damals traten Die öffentlichen Angelegenheiten begreifen das ganze Gebiet der Verhältnisse, die über den Rechtskreis bestimmter physischer oder moralischer Personen hinausgehen und können nicht politische sein, insofern sie sich lediglich auf dem Gebiete der Kunst, Wissen= schaft, Technik, der Gewerbe oder Religion bewegen. Sobald sie aber den Staat als lebenden Organismus angreifen und Intereſſen berühren, welche den Staat als Jubegriff der Gesammtheit und als organische Persönlichkeit betreffen, werden sie politische." Nach dieser Erklärung muß man unter politischen Die Sonntagsarbeit ist mit Ausnahme des mechaniAngelegenheiten Alles verstehen, was einwirken kann auf schen Betriebes und der Schaftfabrikation in der Schuhmacherei die äußere Politik oder auf die inneren Angelegenheiten regelmäßig eingeführt. Die Schaftfabrikation, welche hier erwähnt wird, ist eine des Staates, auf die Gesetzgebung und Verwaltung, die Spezialbranche der Schuhmacherei. Die Verhältnisse sind für Verfassung, Rechtsprechung, das Verhältniß der Bürger zu Arbeiter sowie Arbeiterinnen ungefähr diefelben wie in der mechaAlle sozialen nischen Schuhfabrikation, d. h. die Löhne nicht so sehr niedrig und dem Staat und seinen Behörden. Fragen sind freilich ohne Weiteres nicht mit politischen die Arbeitszeit nicht so sehr lang als in der übrigen Schuhmacherei, aber dieses wieder nur im Großbetrieb; wo hier auch Kleinbetrieb Fragen gleichbedeutend, werden aber politische Fragen, mit Großbetrieb zu konturriren versucht, geschieht dies wiederum nur sowie sie irgendwie mit dem Staat in praktische auf Kosten der Arbeiter. Um zu berechnen, wie viel von der schlechten 1888er Beziehung treten und irgendwie auf die Gestaltung von Die übermäßig lange Arbeitszeit der in Arbeit stehenden be- Ernte erportirt werden könne, erinnern wir uns, daß in Nach vielen wirkt naturgemäß, daß eine große Zahl Berufsgenossen stets den 7 Jahren von 1880 bis 1886 einfchl. 3124 Mill. Gefeßgebung und Verwaltung einwirken. Obergerichtserkenntnissen sind sozialpolitische Fragen arbeitslos find. Welchen enormen Umfang die Reservearmee der Bushel geerntet und 948 verschifft wurden. Der jährliche Schuhmacher gewonnen hat, möge folgendes Beispiel beweisen. Als sowohl Fragen der inneren als der internationalen Politik. die Militärstiefel- Lieferungen ausgegeben wurden, war festgesetzt, Erntedurchschnitt betrug fonach 447 Mill., von denen Es kann also eine sogenannte gewerkschaftliche Angelegen- daß in Berlin in der Woche 5000 Baar geliefert werden mußten. 135 Mill. entbehrlich waren und 312 Mill. im Lande heit nach diesen rechtswissenschaftlichen und richterlichen Annahmen Diese anzufertigen, war die Arbeitskraft von ca. 800 Schuhmachern verzehrt wurden. Seitdem ist der eigene Bedarf der Versehr gut eine öffentliche und eine politische Angelegenheit nöthig. Diese waren sofort vorhanden, obwohl nicht einmal jeder Geerntet wurden auf der erwähnten Fläche 1880: 498 Millionen Bushel, davon 186 Millionen exportirt, 1882: 504 1884: 512 1886: 457 1888: 415 " h 11 147 132 " " " " " " 153 Н " H " 1 " " " werden. Ganz abgesehen, ob eine rein gewerkschaftliche Forderung, Stollege diefelben machen wollte, viele dieselben auch nicht machen einigten Staaten um 30 Mill. gewachsen, so daß also die zwischen einem großen Kreise von Arbeitern und Unternehmern fonnten. Aber auf dem Arbeitsmarkt war während dieser Zeit von der leßten Ernte 342 Mill. hierfür abgehen und nur streitig wird, sich aber innerhalb einer Gewerkschaft hält, schon feineswegs Mangel an Arbeitskraft, im Gegentheil, dieselbe war etwa 73 Mill. Bushel zur Ausfuhr übrig bleiben. burch die Größe des Streises eine öffentliche Angelegenheit werden immer noch in genügender Menge vorräthig. Die Zahl der jeder Die Zeit der Ueberproduktion an Weizen kann danach ist, kann sie durch Einwirken auf andere, über den bestimmten Rechnet man nun, daß auch nur 800 Arbeitslose vorhanden waren wohl als beendet gelten, und damit fällt auch der letzte Personenkreis hinausgehende Verhältnisse eine öffentliche Angelegen-( obwohl die Zahl, wie aus vorstehendem ersichtlich, bedeutend höher heit werden. fein mußte), so betrug dieselbe immerhin 10-112 Prozent. Es Scheingrund für die Getreidezölle Europas. fann, was wie wir früher ausgeführt haben, augenblicklich streitig Selbständigkeit entbehrenden Schuhmacher Berlins beträgt 7-8000. Von der Ausfuhr ging das meifte nach England, drückung z. B. der Hamburger Rundschau" unbegreiflich gefunden. demokratie feiert heute ihren Gedenktag. Am 14. März 1883 ift 1886 77,9 Mill. Bushel; 1887 98,3 Mill. Bushel und Unter den allgemeinen Gesichtspunkten für die Beibehaltung des unser größter Denter, Karl Marx, gestorben, und diese GedächtnißBelagerungszustandes wird ferner als Hauptargument die noch feier ist bei uns verbunden mit dem Gelöbnisse, unentwegt fortzu1888 57,8 Mill. Bushel. Der Rest tam nach ver- immer bestehende Parteiorganisation angeführt. So lange die schreiten auf der Bahn, die Karl Mary uns gewiesen hat; möge die schiedenen Ländern. Diesmal dürfte kaum viel mehr aus- Sozialdemokraten nicht zu gesetzwidrigen Thaten übergehen, sollte Entwicklung werden, wie sie wolle, uns werden Sie immer auf dem, geführt werden, als England braucht! man ihnen doch auch das Recht lassen, ihre Angelegenheiten selbst Posten finden, und ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie sich zur Die Ausfuhr hat, um auch diesen Punkt zu erwähnen, zu regeln. Wer ist schuld an der geheimen Parteiorganisation? Erreichung Ihrer Zwecke eben so lauterer Mittel bedienen, wie wir. Nur diejenigen, die jede andere Organisation dem Arbeiter unmög- Der Schein ist vorläufig gegen Sie. Wenn Sie für nothwendig immer mehr die Tendenz, in der Form von Mehl sich lich machen. Die Bartei wird aber alle Proben siegreich bestehen halten, eine politische Partei mit solchen Mitteln zu unterdrücken, und wenn Sie erst nach ihrem Untergang den Belagerungszustand find Sie von vornherein im Unrecht, und daß Sie die gesetzgeberische aufheben wollen, werden Sie lange warten müssen. Es besteht aber Gewalt haben, Unrecht in Recht zu verwandeln, das spricht Sie auch die Absicht, durch den Belagerungszustand gewisse Personen nicht frei. direkt zu schädigen. Oft will man durch die Ausweisung ge= werblich thätiger Männer nur den Innungsmeistern entgegenkommen, wie es in Berlin der Fall ist. Auch der Haß giebt zu den Maßregeln diftatorischer Härte Veranlassung. Warum sollte man denn zu vollziehen. Es wurden nämlich verschifft in dem am 30. Juni endenden Fiskaljahre in Millionen 1879/80 1886/87 1887/88 Bushel Körner 153,2 Faß Mehl 101,9 65,7 6,0 11,5 11,9 153,4 112,3. zusammen auf Bushel reduzirt 180,2 Vereine und Versammlungen. Das Faß Mehl ist dabei auf 4,5 Bushel Körner immer die Feiertage für die Zuschickung von Ausweisungen wählen? Die Drechslergesellen Berlins waren am 12. dg. Mts.. gerechnet. Aus dem Reichstage. Mittwoch öffneten sich wieder die Thüren des Reichstagssaales und die Reichsboten treten zum letzten Abschnitt der gegenwärtigen Session, die vielleicht die letzte der Legislaturperiode sein wird, zufammen. Ein reichhaltiges Material erwartet den Reichstag, dessen gründliche Erledigung die Seffion wohl tief in den Sommer hineinziehen würde; aber die Kartellmajorität arbeitet bekanntlich schnell", meint mit Recht die ,, Dem. Corr.", und bespricht dann die Aufgaben, welche der deutschen Volksvertretung harren, bezüglich die muthmaßliche Lösung treffend wie folgt: Ein ausgewiesener Frankfurter, Heinrich Bitter, erhielt nicht die in öffentlicher Versammlung zusammengetreten, um über die StellungErlaubniß, zurückzukehren, trotzdem ihm ein Kind gefährlich er- nahme zur Lohnfrage zu berathen. Die Diskussion war eine frankte. Das Kind starb, und es erkrankten ihm später noch zwei sehr lebhafte. Von den 12 Rednern, welche hierzu sprachen, waren Kinder an Diphtheritis. Da er wußte, daß ihm wiederum die Er- jedoch nur 2, welche sich für eine direkte Lohnbewegung aussprachen. laubniß versagt würde, reiste er ohne eine solche Erlaubniß nach Von Allen wurde zwar die gewerkschaftliche Lage als eine derartige Frankfurt, wurde auf dem Bahnhof erkannt und verhaftet. Auch geschildert, die einer Aufbefferung unbedingt bedürfe, es wurde auch die beiden Kinder starben, während der Vater sich in Untersuchungs- von Allen darauf hingewiesen, daß die Kollegen selber wohl im haft befand. Derselbe Präsident, der die Erlaubniß versagte, der Stande seien, einen großer Theil der vorhandenen Uebelſtände zu nationalliberale Herr von Hergenhahn, hat in einer Wahlrede beseitigen, wenn sie in kompakter Masse vorgehen würden; von allen erklärt, sein Leben sei den Armen und Elenden gewidmet! Rednern wurde jedoch auf das Fehlen einer einigermaßen betreffen nicht, wie Herr v. Bunkamer einmal erklärt hat, besonders losigkeit, ohne eine solche in eine Lohnbewegung einzutreten. Es Es ist das eine politische Heuchelei ärgster Art. Die Ausweisungen strammen Organisation hingewiesen, und auf die Aussichtsgefährliche Männer, sondern oft Kranke, Strüppel und Greise, die wurde gesagt, die hiesigen Drechsler hätten ihre Lage nicht ver ich seit Jahren von dem Parteileben fernhalten. Künftigen Ge- beffern wollen, denn sonst hätten die drei Ortsverwaltungen der schichtsschreibern müssen wir das Urtheil über unsere heutigen Zu- vor ca. 1½ Jahre gegründeten Bereinigung der Drechsler stände überlassen. Wir schöpfen aus der Zunahme der theoretischen Deutschland's, deren Hauptzweck es ſei, auf Grund§ 152 der Ueberzeugung von der Berechtigung unserer Grundfäße Hoffnungen R.-G.-O. eine Aufbesserung der gewerblichen Verhältnisse zu ver= für unsere Zukunft. Von dem Belagerungszustand wird in Zu- anlassen, eine größere Mitgliederzahl aufzuweisen. Das Alters= und Invalidenversicherungs- funft nichts übrig bleiben, als die unrühmliche Erinnerung an eine zum Schluß eine Resolution angenommen, wonach die BeschlußGesez wird allem Anschein nach doch noch in dieser Staatskunst, die ihr eigenes Dasein, oder das Dasein einer angeb- fassung über die vorliegende Frage einer demnächst stattfindenden Session zu Stande kommen aber wie! In den wich- lichen zivilisirten Gesellschaft durch solche Dinge zu friften versucht." zweiten öffentlichen Versammlung überlassen bleibt, in welcher von Der Abg. Frohme führte weiter aus, wie die Arbeiter im ben einzelnen Werkstellen die schriftliche Erklärung abgegeben werden tigsten Punkten hat die Kommission keine irgendwie er 2ohnkampfe durch das Sozialistengesek gehindert würden. Die soll, ob sie sich an einer Lohnbewegung Mann für Mann betheiligen heblichen Verbesserungen an der Regierungsvorlage vor- Innungen und Unternehmer würden geschützt, die Arbeiter entrechtet. wollen, oder nicht. Als vorläufige Norm für zu stellende Forde Als der Maurer Lorenz, Mitglied der Agitationskommission in rungen bei etwaiger Lohnbewegung wurde die 912 stündige Arbeitsgenommen. Die Altersgrenze von 70 Jahren war in der ersten Hamburg, auf einer Agitationstour in Offenbach im Auguft zeit und 40 Pf. Stundenlohn angenommen. vorigen Jahres eine Versammlung halten wollte, um für die ge- Charlottenburg. Die von dem Maurer Gustav Beyer am Kommissionslesung von 70 auf 65 Jahre herabgefeßt werkschaftlichen Interessen der Maurer daselbst thätig zu sein, wurde 12. d. Mts. einberufene Maurerversammlung beschloß, sich mit den worden; bis zur zweiten Lesung hat die Kommission, in welcher kein einziger Sozialdemokrat fißt, Angst vor ihrem eigenen Muth bekommen und die 70 Jahre Grenze wieder eingesetzt, womit denn die Altersversicherung ein Gefäß ohne Inhalt bleibt, höchstens gut genug, um einfältigen ,, Patrioten" als Beweisstück für die aufrichtigen sozialreformatorischen Bestrebungen der Regierung und der Kartellmajorität zu dienen. " Es wurde Vereinigung der Drechsler Deutschlands. Orts verwaltung II( Stockbranche). Mitgliederversammlung am Dienstag den 19. März, Abends 8 Uhr, in Scheffers Salon, Inselstraße 10. Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille. -Verband deutscher Zimmerleute. Generalversammlung sämmtlicher Berliner Lokalverbände am Sonntag, den 17. d. M., Vormittags 10 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstr. 72. Tagesordnung äußerst wichtig. die Versammlung verboten, und Lorenz reiste nach wenigen Stunden Interessen der Berliner Kollegen solidarisch fühlend, in diesem Aufenthalt wieder ab. Nach Hamburg zurückgekehrt, wurde er auf Frühjahr die Forderung von 60 Pf. Stundenlohn und Einführung Grund des Sozialistengeſetzes aus dem Kreise Offenbach aus der 9stündigen Arbeitszeit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gewiesen! Auf seine Beschwerde erklärt das hessische Ministerium, zur Durchführung zu bringen und dazu in einer demnächst statt= unterzeichnet vom Minister Finger, die Ausweisung für gerecht- findenden Versammlung einen fräftigen Verein zu gründen. Zum fertigt, weil Lorenz von 1875 bis 1878 dem Ausschuß des im sechsten deutschen Maurer- Kongreß wurde Herr W. Schulze als legten Jahre aufgelösten" sozialdemokratischen allgemeinen Maurer- Delegirter gewählt. und Steinhauervereins angehört habe, weil er wiederholt in öffentlichen Versammlungen, wo nur sozialdemokratische Redner auftraten, den Vorsitz geführt, der Agitatinnskommission des Fachvereins der Eine Erhöhung der Rente hat man ,, vorläufig" für Maurer als eins der thätigsten Mitglieder angehört und bei den unthunlich gehalten es könnten ja dadurch möglicher Wahlen 1884 und 1887 in hervorragender Weise für einen sozial Weise dem Heer und der Marine einige Millionen entzogen Der Mann hat lediglich seine staatsbürgerlichen Rechte ausgeübt. Maurer. Sonntag, den 17. d. Mts., finden zwei Versammlungen demokratischen Kandidaten agitirt habe! Was sind das für Gründe! Freie Vereinigung und Fachgenossen der werden. Dagegen hat man den Begriff der Invalidität Der allgemeine Maurer- und Steinhauerverein ist auch nicht auf der Freien Vereinigung und Fachgenossen der Maurer Berlins statt. noch viel schärfer und für die Arbeiter ungünstiger be- gelöst, er hat sich selbst aufgelöst. Man sollte nicht mit dem Worte Die erste Frankfurterstr. 74-75. Tagesordnung: Die LeistungsDie stimmt, indem erst Derjenige als Invalide gelten soll, der aufgelöst" solchen Humbug treiben. So wagen es die Behörden, fähigkeit sonst und jetzt. Referent Herr Hermerschmidt. nachweislich nicht im Stande ist, ein„ Sechstel des Arbeits- gefeßlich erlaubte Handlungen so darzustellen, daß eine Ausweisung zweite in Moabit, Berlebergerstr. 13( Victoriafaal). Tagesordnung: erfolgen kann. Hier unterfängt sich die Behörde, einen Mann wegen Der Zuzug der Maurer von außerhalb und dessen Ursache. lohnes" also etwa 40-50 Pf., zu verdienen. Handlungen auszuweisen, welcher seiner heimathlichen Behörde in Referent Herr Laugsch. Die den Arbeitern am meisten verhaßte Institution Hamburg feinen Anlaß zu einem Vorgehen gegeben hat. Bei solcher Fachverein der Buchbinder und verwandten des Regierungsentwurfes, das Quittungsbuch, ist zwar der Anwendung des Sozialistengesetzes muß den Herren von der Berufsgenossen. Versammlung am Montag, den 18. 6. M... Ich Abends 8/2 Uhr im Vereinslokal, Louisenstädtisches Klubhaus, Form nach beseitigt, der Sache nach aber beibehalten Regierung selbst grau und blau vor den Augen werden. worden, denn die an seine Stelle gefeßte Quittungskarte appellire an das Rechtsbewußtsein aller derjenigen, die noch ein Annenstr. 16, I. solches haben." Verband deutscher Zimmerleute. Lokalverband ist um kein Haar besser als das Buch. Abg. Liebknecht: Wie die Ausweisungen erfolgen, habe ich Berlin Nord und Umgegend. Montag, 18. d. M., General Einzelne Verbesserungen hat die Regierungsvorlage an meiner eigenen Berson erlebt. Aus Berlin geschah es, weil ich versammlung in Kölner's Restaurant, Alte Hochstraße 32a. Vor in der Kommission allerdings erfahren. Dahin gehören bei der vorletzten Reichstagswahl eine Rede halten wollte; aus trag des Herrn Gnadt. Offenbach, weil ich dort kandidirte, aus Hanau, weil ich einige Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser= vor Allem die an dieser Stelle von Anfang an geforderte Offenbacher Freunde dorthin bestellt hatte. Aus Leipzig haben seit und Dampf- Armaturen. Sonnabend, d. 16. d. M., Abende Erseßung der Ortsklassen durch Lohnklassen, ferner die Jahren viele Ausweisungen von Männern allein wegen ihrer 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Heidrich, Beuthstr. 22, 1, Verbesserung mit Bezug auf die Arbeiter, welche bei Ein- Thätigkeit in Fachvereinen stattgefunden. So find Mitglieder des Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille. Vorstandes des Metallarbeitervereins, des Tischlervereins und Verein zur Wahrung der Interessen der Klavier führung des Gesezes das 35. Lebensjahr bereits über anderer Fachvereine ausgewiesen worden. Die Leute haben sich arbeiter und verw. Berufsgenossen. Versammlung am Montag, schritten haben, und einige andere, weniger wesentliche. überall erkundigt, wie ihr Verein der Auflösung entgehen könne, den 18. d. M., Abends 81/2 Uhr, Kommandantenstr. Nr. 77-78 So verhältnißmäßig geringfügig diese Verbesserungen und haben danach ihre Statuten und Einrichtungen gestaltet. Aber( Gratweil'sche Bierhallen). Vortrag des Herrn Kunert über find, so wenig sicher ist es, daß die Regierung dieselben wegen irgend eines ungeschickten Ausdruckes eines Mitgliedes in die verschiedenen Völker des Orients. annehmen wird. Thut sie das nicht, so werden die Kartell- einer Versammlung wird der Verein aufgelöst und der Mann ausgewiesen. Den Steinmeßen war angekündigt worden, sie würden brüder natürlich das Haupt in Demuth beugen, wie sie gemaßregelt werden, wenn sie nicht aus dem Fachverein ausschieden. es dieser Tage bei der Novelle zum preußischen Schul- Die Mitglieder waren selbstverständlich mannhaft genug, nicht aus Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metall lastengeset wieder in so erhebender Weise gethan haben, zutreten, und wurden ausgesperrt. Da kam die Polizei zu Hilfe und Herr Enneccerus wird der Welt auseinanderseßen, und löste den Fachverein auf. Und als trotzdem die Bewegung der arbeiter( E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 1. Sonn Steinmeßen nicht unterdrückt war, griff man zum Sozialistengesetz, abend, den 16. März, Abends 81/2 Uhr, Lichterfelderstr. 8( Restaudaß lediglich ,, aus Ueberzeugung" der Nationalliberalismus und plößlich wurde ein„ Geheimbund" entdeckt. Thatsächlich wurden rant Wilhelmshöhe), Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. feine ,, Ueberzeugung" fallen lassen und für die veränderte denn auch nach langer Untersuchungshaft über eine Anzahl von Bernstein. Regierungsvorlage stimmen wird. Steinmeßen Gefängnißstrafen verhängt. Alle diese Leute haben Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metalla So werden voraussichtlich noch einmal die Arbeiter nichts gethan, als daß sie zuſammengekommen sind, um ihre Facharbeiter( E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin V. Sonn die Segnungen" der Kartell- Politik am eigenen Leibe intereffen zu besprechen. Wenn aber der deutsche Philister lieſt, daß abend, den 16. d. M., Abends 9 Uhr, bei Ackermann, Lothringerin Leipzig ein Geheimbund entdeckt worden ist, so träumt er von straße 81. Versammlung. spüren. Mord und Empörung. Alles, was eingetreten ist, ist von uns vor- Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhausgesagt worden. Das Sozialistengesetz ist die Pandorabüchse ge- macher und verwandten Berufsgenossen Berlins. Gemüthliches Die Mittwochsiz ung begann mit einer längeren wesen, aus der Alles dies hervorgegangen ist. Wir sind, was wir zusammensein, verbunden mit Tanz. Sonntag, den 17. d. M., in Sozialistendebatte, deren Kosten jedoch die Arbeiter- find, und bleiben es auch. Aber wir haben wahrhaftig keine Freude den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Billets werben nicht ausdaran, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Wir wollen die gegeben. Freunde und Gönner sind hiermit eingeladen. Anfang vertreter ganz allein bestreiten mußten. Die Abgeordneten Besserung der Dinge, und es freut uns sehr, wenn wir sie auf Abends 6 Uhr. Naturheilverein Nord. Dienstag, den 19. d. M., der anderen Parteien hielten es nur zu einem kleinen gesetzlichem Wege haben können. Der Zitatenschaß aus dem ,, SozialTheile der Mühe für werth, im Sizungssaale zu er- demokrat" ist heute nicht geöffnet worden; allerdings können wohl Abends 8½½ Uhr, Versammlung bei Hensel, Invalidenstr. 1. Vornur alte Weiber von einer Gänsehaut dabei überlaufen werden. trag der Frau Direktor Muche über naturgemäßes Heilverfahren. scheinen, die Regierungsvertreter schwiegen sich vollständig Für jede solche Aeußerung können wir unsererseits Ihnen Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallden Fürsten Bismarck eingeschlossen, der längere Thaten bringen, die jedem mitfühlenden Menschen das Blut in arbeiter.( E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 7. Mitglieder Zeit am Bundesrathstische und unter den Abgeordneten Wallung bringen können. Wir blicken mit einer gewissen Ironie versammlung am Sonnabend, den 16. d. M., Abends 8 Uhr, weilte, fich jedoch noch vor dem Schluß von Sabors Rede auf die Verlegenheit, in der Sie sind, das Sozialistengefes in das Lindowerstr. 26, bei Jakob. gemeine Recht überzuführen. Sie sind mit Leichtigkeit in das Oeffentlicher Vortrag des Hrn. Dr. Huber am wieder entfernte. Von Erklärungen über die geplanten Sozialistengeset hineingekommen, nun können Sie die Folgen Ihrer Sonntag, den 17. b. M., Abends 6% Uhr, im Restaurant TrillAbänderungen des Ausnahmegesezes war natürlich unter Sünden nicht los werden. Sie schleppen das Sozialistengefeß mit hose, Rosenthalerstr. 11/12. Darauf gesellige Unterhaltung. Damen solchen Umständen gar keine Rede, nur der Nationallibe- fich, es ist Ihnen eine schwere Stette geworden; wir haben sie zer- wie Herren willkommen. Zur Deckung der Unkosten Entree nach rale Prof. Meyer- Jena wies in zwei Worten darauf hin, rissen. Ob Sie uns übrigens ausnahmegefeßlich braten oder ge- Belieben meinrechtlich schmoren, das ist uns völlig gleichgiltig.( Beifall.) Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Sonntag, daß seine Partei durchaus keine Verpflichtung übernommen Abg. Singer rügt es( Donnerstag), baß die Regierung lautlos den 17. d. M., Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Spazier habe, ein Uebergangsgesetz zum gemeinen Recht zu schaffen. der Debatte beiwohne. Von einer„ loyaleren Handhabung" sei auch über„ Die Verantwortlicheit." Gäste, Damen und Herren, sehr willLediglich die Anzweiflung der Beschlußfähigkeit des Hauses unter dem Ministerium Herrfurth nichts zu merken. Daß das kommen. ( durch den Abg. Singer) verhinderte es, daß ein Antrag Sozialistengesetz nicht etwa blos gegen die sogenannten gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie gerichtet ist, sondern die auf Schluß der Debatte angenommen wurde. ganze Arbeiterbewegung in ihrem Streben nach einer Verbesserung Wir bringen nun das Wichtigste aus den Reden. ihrer wirthschaftlichen Lage treffen sollte, hat sich in der letzten Zeit Die Regierung steht im Der Abg. Sabor wies zunächst darauf hin, daß nach der wieder bis zur Evidenz herausgestellt. früheren Anschauung der Belagerungszustand nur bei drohender Dienst der Bourgeoisie und des Unternehmerthums. Es macht doch unmittelbarer Gefahr verhängt werden sollte. Jetzt rechtfertige" einen wunderbaren Eindruck, wenn die Regierung und ihre Berichte man ihn auf die nichtssagendsten Ursachen hin. Das Majestäts- immer von einer Sozialreform sprechen, während das naturwüchsigste beleidigungsflugblatt in Berlin beweise nichts, denn es sei in der Recht des Arbeiters, sich zu foaliren, um günstigere Lohnbedingungen Bartei fast allgemein mißbilligt worden, auch vom„ Sozialdemokrat". zu erreichen, unterdrückt wird. Redner kommt dann noch in scharfer Der Radikalismus habe sich sehr beherrschen gelernt und von Neigung Weise auf die Lokalabtreibungen, die Stellung der Polizei im zu Gewaltakten könne keine Rede sein. Aber freilich habe man ja Hamburger Formerstreit, auf die Ihring- Mahlow-, Gehret- und Wichsogar den Gewerkschaften„ anarchistische" Thaten vorgeworfen. mann- Affäre zu sprechen. Raummangel zwingt uns leider, hier Beitungsverbote könnten auch feinen Belagerungszustand begründen, furz zu sein. Singer schloß ungefähr mit folgenden Worten: wiederum ein sehr reichhaltiger. und selbst Bourgeoisrevuen, wie die Gesellschaft", haben die Unter- M. H.: Wir leben in einer Zeit der Gedenktage. Auch die SozialBerantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin 2. O., Dranienftraße 23. T. aus * " * Literarisches. Soeben ist erschienen das 15. und 16. Seft von der Französischen Revolution". Volksthümliche Darstellung der Ereignisse und Zustände in Frankreich von 1789-1804. Von Wilhelm Blos. Mit vielen Porträts und historischen Bildern, ( Stuttgart, Diez.) zu beziehen durch alle Spediteure, pro Heft Vom ,, Volksfreund", illustrirte Zeitschrift für Unterhaltung und Belehrung mit den Beiblättern Die Kunsthalle" und„ Der Hausarzt" ist soeben das neueste Heft erschienen und ist der Inhalt 20 Pfennig. "