Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Bolts- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. " Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Einzelne Nummer 15 Bfg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Bfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. № 18. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Naum mit 20 Bfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Big. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 4. Mai 1889. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Zum internationalen Arbeiterkongreß. sein, welcher sich öffentlich als stärkster Mann der Welt" Man hebt besonders die feine geistige Spürkraft der Nationalökonomische Irrlehren I.- Das Ende sehen lassen könnte. Kapitalisten hervor, die Bedürfnisse des Marktes und die einer Welt von Drumont. IX. Zur Lage Nun gab es 1887 in Preußen 810 solcher Herkulesse, Höhe der Marktpreise voraus zu wittern. Nun zur der russischen Industriearbeiter V. Besitz und welche sich im Schweiße ihres Angesichts über 100 000 Mart etwaigen Beurtheilung der Marktverhältnisse muß der Arbeiterschuh. Das preußische Herrenhaus. erarbeiteten.*) Zählt man mit diesen Arbeitskräften ersten geniale Kapitalist mitunter nur den Kurszettel richtig verGedicht. Novelle. Die Frauenfrage Ranges diejenigen zweiten Ranges zusammen, welche schon stehen, und für diese besonders geistig- qualifizirte Arbeit im Spiegel der Dichtung I.- Verbrechen und nicht mehr so unter Hochdruck arbeiten und daher es nur ist die Vergeltung eine meist sehr angemessene. Geistesstörung I. Wie haben sich die Mit- auf über 20 000 Mart bringen, so erhält man zusammen glieder eines Vereins nach dessen Auflösung 11397 Arbeitsriesen! Ihr Einkommen betrug 1563,5 zu verhalten?- Tabakarbeiterkongreß. Die Millionen Mark. Arbeiterinnen in der Schuhbranche. Bum internationalen Arbeiterkongreh haben die Belgier in Jolimont beschlossen, den possibilistischen Kongreß zwar zu beschicken, jedoch ebensogut auch jeder Einladung von anderer Seite Folge zu leisten. 400 Mark! Im Uebrigen ist die besondere Betonung der geistigen Thätigkeit der modernen Kapitalisten heute Angesichts ihrer geistigen Leistungen gar nicht so unangebracht. Sie scheint Diesen fleißigen und intelligenten Leuten standen über vielmehr dem richtigen Gefühle entsprungen zu sein, daß 4 Millionen Faulpelze gegenüber übrigens find dies man bei vielen heutigen Kapitalisten noch besonders hervor41 Prozent sämmtlicher Zenfiten des preußischen Staates heben muß, daß sie auch denken. welche sich Summa summarum nur 1654,5 Millionen Worin besteht nun nach der Ansicht unserer bürgerDurchschnittlich brachte es also ein lichen Nationalökonomen die schwere geistige Arbeit der Mark verdienten. Mitglied dieser untersten Klasse nur auf etwas über Kapitalisten? In der Leitung der gesellschaftlichen Produktion und Konsumtion. Diese bezeichnen fie als Würde sich die Zahl unserer fleißigen oberen Elf- Sweck der kapitalistischen Unternehmung überhaupt. So Die französischen Marristen sind daraufhin auf ihren tausend verdreifachen, so hätten sie ungefähr das gleiche fagt z. B. ein Dozent der Nationalökonomie, welcher den alten Plan zurückgekommen und werden einen zweiten Einkommen wie die unteren Viermillionen, sie würden kapitalistischen Unternehmergewinn zu einer theoretischen Arbeitertag, ebenfalls nach Paris und auf den 14. Juli, demnach ebenso viel arbeiten wie diese letteren, ein jeder Studie gemacht hat, Herr Dr. Gustav Groß: einberufen. Den„ Skandal zweier neben einander tagender durchschnittlich 100 Mal so viel wie einer der unterſten buttion entspred end de Gefa ala bebarfe geregelt werden, andererDurch die Unternehung foll einerseits die Maffe der Preinternationaler Arbeiterkongresse" glauben fie nicht befürchten Klasse! feits aber auch die Vertheilung der Güter in einer solchen Weise zu müssen, da nach ihrer Meinung in Paris sofort eine Aus dieser Zhaisade tann Menschheit viel Nußen bewerkstelligt werden, daß dadurch en Einzelwirthschaften ein Verschmelzung beider Versammlungen isten würde. ziehen. Indem sie nur die Mitglieder dieser fleißigen ihrer Betheiligung an der Produktion ad äquater und Bis der zweite Aufruf der Franzosen bekannt ist, wohlhabenden Klasse unter sich heirathen läßt, kann sie fomit gerechter Antheil an den produktiven Gütern gesichert muß natürlich eine Diskussion über das nothwendige ein wahres Riefengeschlecht von Arbeitern durch systematische wir behaupten aber feineswegs, daß sie sie auch wirklich erfüllt." wird. Wir sagen, die Unternehmung soll diese Aufgabe erfüllen. fernere Verhalten der deutschen Arbeiter ziemlich gegen Züchtung heranbilden. Uebrigens entschließen sich schon Nun das„ Sollen" mag wohl in einem religiösen standslos erscheinen, und wir stellen darum auch heute die heute viele Mitglieder dieser starken Arbeiterrasse zu dieser Katechismus oder in irgend einem philosophischen MoralErwiederung zurück, welche uns der Gen. Bonnier auf Züchtungsmethode, indem sie großmüthig häufig auf fyfteme angebracht sein aber nicht in einem volkswirthunseren vorigen Artikel zugehen ließ. Tugend und Schönheit ihrer Frauen im Interesse der schaftlichen Systeme. Der Nationalökonom hat das kritisch Dem„ Berl. Volksblatt" hätten wir einstweilen nur Menschheit verzichten und diese nur heirathen, um der zu zergliedern, was wirklich eristirt. zu entgegnen einmal, daß wir die Verhandlungen von Gesellschaft wieder starke Arbeitskräfte zu hinterlassen. Herr Groß drückt sich sehr vorsichtig aus; er sieht Kabinet zu Kabinet" niemals als etwas entbehrliches oder Opfer um Opfer! Man kommt wirklich zu eigen- wohl, daß die kapitalistischen Unternehmer dieser ihrer gar tadelnswerthes angesehen haben, sondern daß wir es thümlichen logischen Konsequenzen, wenn man diese schönen Aufgabe nur in sehr beschränktem Maße gerecht werden. nur für nothwendig hielten, die Sache endlich aus dem Theorien zu Ende denkt. Wie steht es aber dann mit der Berechtigung des kapitaStadium der schwebenden Vorverhandlungen herauszu- Unsere späteren Theoretiker begriffen nun bald, daß listischen Unternehmergewinns, wenn die Unternehmer das bringen" und ferner, daß uns eine Kaltstellung der es ganz unmöglich sei, den Nachweis zu liefern, daß ein nicht leisten, was sie eigentlich leisten sollten? Nein, die französischen Marristen durchaus nicht theilnahmlos lassen Kapitalist in derselben Zeit eine hundert. Mal so große Leistung der Produktion ist nicht Selbstzweck der kapitalistischen würde, aber daß wir doch gewünscht hätten, die Marristen Arbeitsleistung verrichten kann wie ein gewöhnlicher Unternehmung, sondern nur Mittel zum Zweck. würden statt bloßer Befürchtungen" klare und schlüssige Durchschnittsarbeiter. Mit der Arbeitsquantität, der Spinnereibefizer lassen wohl aus purer Menschenliebe ihre Thatsachen vorgebracht haben. Es wäre für die Guesde Arbeitsmenge war also nichts zu machen. Unsere Theoretiker Spindeln tanzen, um den Bedarf armer, schlecht gekleideter und Lafargue doch gewiß nichts leichter gewesen als sich besannen sich und siehe, sie lösten das Räthsel! Thut es Arbeiter zu befriedigen? Nein, der gesellschaftliche Bedarf fofort von ein paar marristischen Gewerkschaften oder Zirkeln nicht die Quantität der Arbeit, gut, so thut es vielleicht ist diesen Leuten nur das Mittel zur Verfilberung ihrer als Delegirte wählen zu lassen und sofort auf die Be- die Qualität derfelben. Sie befleißigten sich also, die Produkte und zur Realifirung ihrer Kapitalgewinne. Die antwortung der Frage zu dringen, ob sie von der Arbeit des Kapitalisten, namentlich seine geistige Thätig: Herren Nationalökonomen haben also die Sache gerade poffibilistischen Parteileitung zugelassen werden oder nicht. teit, als besonders schwierig, besonders komplizirt hin- auf den Kopf gestellt. " Nationalökonomische„ Irrlehren". I. Die So ist immer nur von Wahrscheinlichkeiten und früheren zustellen. Der Kapitalist war nach diesen Schilderungen Ferner soll nach der Ansicht des Herrn Groß die Erfahrungen" die Rede, und diese erscheinen uns denn der Inbegriff aller Energie, aller flugen wirthschaftlichen Vertheilung der Produkte durch die kapitalistische doch nicht hinreichend für ein Vorgehen, das die inter- Voraussicht und aller technischen Geschicklichkeit. Namentlich Unternehmung in einer Weise bewerkstelligt" werden, daß nationale Verbrüderung mit einem internationalen Gezänk dichtete ihm der französische Nationalökonom Say alle der Antheil der Einzelwirthschaft an derselben ihrer Bebeginnen ließ, das weder in Paris noch in London und möglichen und unmöglichen Genialitäten an( génie d'affaire, theiligung an der Gesammtproduktion entspricht. Dieser auf dem Kongreß zu Jolimont sehr erfreulich klang. génie de l'art u. s. w.). Sein Kopf wuchs zu einem Hohn auf die im rasenden Kampf der Konkurrenz unterHoffentlich gelingt nun wenigstens die Verschmelzung wahrhaften Jupiterhaupte aus, aus dem die gesammte gehenden kleinen Einzelwirthschaften! Nun ihr Antheil in Paris. gesellschaftliche Arbeitstheilung, die ganze moderne Technik an der Produktion war wohl so unbedeutend, daß sie bei fertig herausgefprungen war. der Vertheilung der Güter leer ausgingen und zu Grunde Aus diesen Schilderungen erhielt man fast den Ein- gerichtet wurden. druck, als wenn die Menschheit sich allein von den genialen Einige Nationalökonomen vergleichen sogar die ThätigGedanken der Kapitalisten sättigte. Die wirthschaftliche feit der Kapitalisten in dem heutigen Produktions- und Produktion! Kleinigkeit.- Das macht sich von selbst. Zirkulationsprozesse mit der Leitungs- und Aufsichtsarbeit p. k. Die moderne nationalökonomische Lehre, daß das Die Herren schienen ganz zu vergessen, daß die Gesellschaft Kapital die Anhäufung fremder, unbezahlter gesellschaftlicher Arbeit sei, lag den Verherrlichern unserer heutigen produziren und wieder produziren muß, um sich zu erWirthschaftsordnung schwer im Magen. Sie behaupteten nähren und zu kleiden, und daß man mit den bloßen doch gerade, daß der Arbeiter heute schon den vollen genialen Gedanken der Kapitaliſten keinen Hund vom Backofen locken kann. Gab man dies erst zu, so erschien Ertrag seiner Arbeit erhielte. die einfache Thätigkeit des schlichten Arbeiters, der die Da gab es für sie allerdings harte Nüsse zu knacken, Waaren produzirte, viel wichtiger als die sogenannte wenn sie die Resultate der modernen Einkommenstatistik geistige Arbeit der Kapitalisten. nach ihrer Theorie erklären wollten. Zu welchen unDiese Schilderungen gehören meist, wie wir sehen gereimten Behauptungen mußten sie sich da versteigen, werden, in die Romane und nicht in ernsthafte volkswenn sie das Einkommen eines Rapitalisten von 100 000 Mark ebenso wie das eines Proletariers von wirthschaftliche Syſteme, und zwar auch nur in die un500 Mark als den wahren Ertrag persönlicher wirthschaft- wahren Hintertreppenromane. licher Arbeit hinstellen wollten. Da arbeitete ja ein *) Siehe die liberale Vierteljahresschrift für Volkswirthschaft, solcher Kapitalist unter Umständen 200 Mal so stark als Politit", Aufsatz von Soetbeer über die Einkommensstatistik. ein Proletarier! Das müßte ein wahres Wunderthier II, 2, 1888. der Beamten eines sozialistischen„ Staates". So sagt Prof. Kleinwächter:*) " Im Kommunistenstaate müßte die Regierung durch besondere volkswirthschaftliche Beamte den Gesammtbedarf des Volkes erheben lassen; es müßte dann bestimmt werden, was und wieviel produzirt werden, soll, wie die Arbeiten unter die Bürger zu vertheilen find, endlich müßten die produzirten Güter den arbeitenden Bürgern zugewiesen werden. Diese Arbeit besorgen heute die Unternehmer; sie ermitteln den Bedarf, sie bestimmen, was und wieviel produzirt werden soll, besorgen die Vertheilung der Güter. Damit ist der Unternehmergewinn im Prinzipe gerechtfertigt. Die volkswirthschaftlichen Beamten müßten selbstverständlich für ihre Mühewaltung entschädigt werden und was sie dort unter dem Beamtengehalt bekommen würden, beziehen die Unternehmer in der heutigen Volkswirthschaft unter der Bezeichnung Unternehmergewinn." *) Im Jahrbuch für Gesetzgebung", Statistik von Gustav Schmoller. Da werden die Beamten im Kommunistenstaate"| man drängt sich zu ihren hunderttausende verschlingenden| Ausschweifungen der Männer, ihre Auffassung der Frau frohe Tage haben, wenn sie dieselben Gehälter wie die Festen, obgleich bekannt, daß ihr Vater, der Baron als bloßes Instrument für Vergnügen haben bei der heutigen Kapitalisten für ihre vorzügliche, sehr schwierige de Seillière seine Millionen dem Staate durch betrüge- schönen Hälfte der guten Gesellschaft Instinkte und NeiLeitungsarbeit beziehen. rische Armeelieferungen gestohlen hatte und sich erschoß, gungen erweckt, die man früher nur in Lesbos ehrte. Ja die heutige Gesellschaft, der man doch so häufig als er vor dem Zuchtgericht erscheinen sollte. Frauen, Die lesbische Liebe ist an der Tagesordnung, und man Geiz und Knickerei vorwirft, ist wirklich sehr human in welche notorisch jedem feil sind, der die nöthigen Millionen spöttelt nachsichtig und verständnißinnig über die bekanntesten der Bezahlung ihrer kapitalistischen Produktionsbeamten. befißt, haben Zutritt in die gewähltesten" Kreise. Das Paare von„ Unzertrennlichen", die ihre Spitznamen haben. Und wie geschickt und zugleich wie human vertheilen Element der Industrieritter, der schwindelhaften und spiß- Ebenso gehören Knabenliebe und unnatürliche Ausschweisungen fie die Arbeit. Da geben sie dem Arbeiter während der bübischen Börsenjobber und Finanzjunker ist in denselben aller Art zu den alltäglichsten Erscheinungen. Ein GesandtSaison überreichlich zu arbeiten, damit er nicht auf dumme zahlreich vertreten und wird mit besonderer Hochachtung schaftssekretär, welcher bei einem schändlichen Attentat auf Gedanken kommt, und lassen ihn dann drei Monate zu behandelt, da sie dem Vergnügungsring viel Geld, also kleine Knaben in einer Droschke ertappt wurde, erschoß sich auf der Polizeipräfektur. Die Frau eines hohen Staatsseiner Erholung feiern. Der angenehme Wechsel von viel Amüsement bieten. Arbeit und Ruhe wird hier vollkommen verwirklicht. Und Der Bankier, welcher als Schmaroßer von der Arbeit beamten ward mit bei einer Razzia in einem Haus verEin be für die nöthigen Ferienreisen sorgen fie auch, indem sie anderer lebt, ist der einzige Arbeiter, den die gute Ge- haftet, das wegen seiner Drgien berüchtigt war. den Arbeiter von Ort zu Ort schicken, um sich Arbeit zu sellschaft in ihrer Mitte gelten läßt und aufnimmt. Jede kannter Bankier wurde im Kabinet einer Kupplerin vom suchen. Eine ganze Anzahl von Arbeitern ist dauernd von andere Arbeit gilt ihr wenn auch nicht direkt für erniedrigend, Schlage getroffen, als er gerade als Frau verkleidet mit höchst intimen der Last der Arbeit durch ihre humane Vertheilung befreit! so doch für unpassend, sie stellt die Leute außerhalb des einem ausländischen Diplomaten in einer Man nennt sie gewöhnlich„ Reservearmee". Doch der Adels, macht sie zu einer Art Halbparia. Da die Aristo- Unterhaltung begriffen war. Die Berichte der Sittenpolizei Name thut nichts zur Sache. Man sieht, Arbeitslosigkeit kratie trotzdem nicht nur die Luft hat, zu verdienen, sondern wimmeln von derartigen menschlichen Dokumenten", und Ueberarbeit spricht durchaus nicht gegen diese groß- oft in der Nothwendigkeit ist, verdienen zu müssen, so welche die beste Gesellschaft in ihrer moralischen Fäulniß artige und humane Vertheilung der Arbeit. Die Ver- verlegt sie sich auf allerhand unsaubere und zweideutige zeigen und trotzdem steht fest, daß die kompromittirendtheilung der Güter entspricht ähnlichen gerechten moralischen Geschäfte, fie lancirt Spekulationen, sie leiht ihren Namen sten Berichte eventuell unterdrückt, vernichtet werden, damit Prinzipien. Millionen Arbeiter werden zur christlichen für Schwindelunternehmungen 2c. Sie zeigt eine souveräne der Anstand, der Name 2c. gewahrt bleibe. Wenn heute solche Thatsachen bekannt werden, so. Tugend der Enthaltsamkeit durch diese Vertheilung der Gleichgültigkeit für alles, was sie nicht direkt berührt, eine Güter erzogen. 4 Millionen erhalten nicht viel mehr als unheilbare Unfähigkeit gewisse, sehr leicht verständliche hindert dies doch die gute Gesellschaft keineswegs, bereits durchschnittlich 400 Mart, 10 587 erhalten mehr als Dinge zu verstehen, einen absolut engen Gesichsskreis, am Tage darauf wieder ihre große Bravourarie von, 20 000 Mart und 810 sogar mehr als 100 000 Mark. die dümmste Dickköpfigkeit einerseits, eine dem Zynismus Tugend und Moral herunterzuleiern.. Sehr reichliche Beamtengehälter, nicht wahr! streifende Toleranz andrerseits. Mit einer Gewandtheit, welche die Bourgeoisie nicht besißt, geht sie über die unDie wüste und zwecklose Verschwendung von ArbeitsV. c.-n. In vielen Fällen lassen die Fabrikanten die fräften und Arbeitsmitteln, das graufige Elend der Krisen, saubersten Situationen mit lächelnd stolzer Miene hinweg. Zur Lage der russischen Industriearbeiter. der tolle grenzenlose Wirrwar der gesammten gesellschaft- Sie hat als Klasse die Manieren eines Höflings bewahrt, lichen Produktion, sie werden heraufbeschworen wohl um dessen Auftreten tadellos ist, der aber jedes moralischen die heutige Privatwirthschaft und ihre Leiter abzufertigen Sinnes ermangelt. Die Aristokratie rumpelt mit der nein, um sie zu rechtfertigen. Ruft man nicht diese ältesten Postkutsche vorwärts, wenn es sich um die Ideen Maschinen reinigen, während sie noch im Gange be dunklen gesellschaftlichen Mächte herauf, wenn man von handelt, sie raft mit dem schnellsten Eilzug dahin, sobald findlich sind, und die Arbeiter müssen sogar Strafe zahlen, der Leitung der heutigen Wirthschaft durch die kapitalistischen es die Befreiung von Pflichten gilt. Die gute Gesellschaft wenn sie dieselben zum Stillstand bringen. Privatunternehmer spricht? fennt nur eine Unschicklichkeit: von den sozialen Pflichten Dieser besonders qualifizirten geistigen Arbeit, dieser der herrschenden Klassen zu sprechen. Sie wird viel eher Leitungsarbeit verdanken sie also ihre hohen Gewinne. verzeihen, die Bratensauce mit dem Brot aufzuwischen, als Haben die großen Lobredner der heutigen Wirthschaft, die eine derartige Bemerkung zu machen, denn sie ist von bürgerlichen Nationalökonomen, nicht eine vortreffliche einem geradezu grausen Egoismus. Satyre auf diese Wirthschaft selbst geschrieben! ,, Das Ende einer Welt" von Drumont. IX. gungen herbei. Dieser Umstand erhöht die Zahl der Unfälle ungemein; in einer Fabrik des Kreises Wereist fanden z. B. binnen zwei Jahren auf 2000 Arbeiter hundert Unfälle statt. Jeder Unfall wird ausnahmslos den Arbeitern zur Last gelegt. So sollten z. B. in Briaust die Arbeiter ,, aus Versehen" einen Schmelzhafen umgeworfen haben, Die Religiosität, welche die Angehörigen der guten ber 9800 Kg. flüssigen Stahl enthielt, der sich in der Gesellschaft zur Schau tragen, beschränkt sich meist auf eine Fabrik wie ein Strom verbreitete, Maschinen und Formen Beobachtung der äußeren Gebräuche. Sie sind voller zerstörte und von den Arbeitern vier als todt und zwölf Hochachtung für die Kirche, solange dieselbe ihre Vergnü- als schwerverwundet zurückließ! gungen nicht stört. Eine unwiderstehliche Macht treibt die Da alle Arbeitsunfälle Schuld der Proletarier sind, herrschenden Klassen, sich selbst zu zerstören, und der Adel so ist natürlich auch von keiner Haftpflicht des Fabri3 Der vorherrschende Charakterzug aller gesellschaftlichen identifizirt sich in unglaublicher Verblendung immer mehr fanten die Rede, derselbe läßt sich höchstens aus eitel Beziehungen ist die Lüge, das Festhalten an hohlen mit der Finanzbourgeoisie und dem Ausbeuterthum, anstatt Güte und Menschlichkeit zu geradezu lächerlichen EntschädiFormen von Dingen, die ehemals groß waren, aber wie Drumont wünschte gemeinsame Sache mit den Der Arbeiter einer Kretonfabrik, der heute zur Grimaffe geworden, und der einzige Wunsch sich Kleinbefizern und Kleinfabrikanten zu machen, welche in einen 80 Kg. schweren eisernen Zylinder aus einem Raum zu amüsiren. Die Devise des achtzehnten Jahrhunderts: das Proletariat gestoßen werden und bald eins der furcht in einen andern tragen mußte, brach auf seinem Wege Nach uns die Sintfluth" gilt auch heute für die gute barsten Bataillone des zialistischen Heeres bilden müssen. durch den zu schwachen Bretterboden durch und ward erGesellschaft. Der Arme und seine Ausnußung bildet das Binde- schlagen. Die Enquête wies nach, daß der Unfall durch Das sogenannte Tout- Paris bildet in der That glied, welches die unzusammenhängenden Elemente der Gottes Willen geschehen", folglich der Fabrikant nicht weniger eine Gesellschaft als ein riesiges Syndikat, ein oberen Gesellschaft zusammenhält. Die kapitalistische Zivili- verantwortlich sei. Um ein Uebriges zu thun, ließ sich Konsortium, zu dessen Mitgliedschaft weder der geistige noch fasion übertrifft sich selbst in der Art und Weise, wie sie der brave Mann dennoch herbei, fünf Rubel für das Be moralische Werth einer Person verhilft, sondern lediglich den Armen ausnüßt. Alles, was dem Menschen bisher gräbniß zu zahlen und die Frau und vier Kinder des Ver= die Summe Geld, welche sie verkörpert, d. h. die Summe als groß galt, hat sie in ein Werkzeug der Ausbeutung unglückten mit man bewundere 14 Metern Kreton von Zerstreuungen, welche sie der Gesellschaft bieten kann. verwandelt, sie hat sich der Kriegsgefahr bedient, um An- zu beschenken. Der Schmierer einer Fabrik, welcher während. Das Bedürfniß, sich zu amüsiren ist zu einer Art Staats- leihen zu organisiren, sie hat das gedruckte Wort mono- seiner Arbeit auf einer Leiter stand, die keine Befestigungsgesetz erhoben, das allem vorangeht und alles legitimirt. polifirt, welches die Wahrheit bringen sollte, und das nun haken hatte, wurde durch Ausgleiten der Leiter in dieDie„ gute" Gesellschaft ist gegen die Schwächen und Ber- das Publikum täuscht und die Naiven durch lügenhafte Maschine gestürzt, welche ihm den Arm abriß und so verbrechen ihrer Mitglieder voller Nachsicht, vorausgeseßt, Reklamen ruinirt, aber die Ausnüßung des Armen ist und stümmelte, daß er unter den schrecklichsten Qualen starb. daß dieselben das Vergnügen nicht stören, sondern erhöhen. bleibt ihr Meisterwerk. Der Arme muß als Vorwand Der Mann hatte 12 Rubel 50 Ropeken pro Monat ver Unter dem Einflusse dieser Nichtung hat sich ein für alle Kompromisse und Kapitulationen des Gewissens dient und hinterließ eine Frau mit drei Kindern, welche beispielloser Lurus entwickelt, der die so verschrieene Ver- herhalten. Im Namen der Armen haben die Dirnen vom Arbeitsherrn eine einmalige Unterstützung von schwendung des zweiten Kaiserreichs tief in den Schatten überall Zutritt, im Namen der Armen schacherte der Graf drei Rubeln empfingen! In dem Hüttenwerk der Fürstin stellt. Ein einziger Kotillon kostet einer guten Familie" d'Andlau mit Ordenszeichen, im Namen der Armen drängt Steubock- Fermor( Jekatarinenburg) verlor ein Arbeiter, 10 000 bis 25 000 Frcs., Frauen geben 100 000 Frcs. sich der Schwindler an den ehrlichen Mann heran. Die welcher seit seinem 8. Jahre daselbst arbeitete, jeden Anund noch mehr pro Jahr für ihre Toilette aus, obgleich wohlthätigen Zwecke verschaffen den Journaliſten die spruch auf Pension, weil er einen einzigen Tag abwesend. ihr oder ihres Mannes Einkommen kaum 6000 Fres. Summen, welche sie mit Horizontalen verprassen, und die war! Nach 25 Jahren Dienst verunglückte er in einer beträgt. armen Cholerakranken erlauben den Organisatoren von Turbine, seine drei Söhne kamen gleichfalls durch Unfälle lustig zu bankettiren und reiche in der nämlichen Fabrik um. Die Schattenfeite dieses Luxus, der Vergnügungen Wohlthätigkeitsbällen lustig zu bankettiren und Die Familie hatte in wird durch die unendliche Korruption gebildet, mittels Profite in die Tasche zu stecken. Das Tout- Paris läuft 58 Jahren Arbeitszeit dem Werke vier Menschenleben ge welcher sich die Gesellschaft die pekuniären Mittel verschafft, dem Anschein nach hinter dem Armen her und stellt sich liefert, sie ward nach dem letzten Unfall nur noch durch auf großem Fuße zu leben. Die unerbittlich- wirthschafliche ihm zu Liebe auf dem Kopf, aber sobald sich derselbe eine alte, erwerbsunfähige Frau repräsentirt, welche eine Konsequenz beherrscht auch hier Alles, und wie das Mäd- zeigt, schreit es vor Entseßen und Etel und läßt ihn ver- jährliche Pension von 1 Rubel 72 Ropeten erhielt! Welchechen aus dem Volke, das täglich dreißig Sous verdient, haften. Armenlotterien, Lotterien zur Unterſtüßung be- Bilanz über das Leben einer Arbeiterfamilie! Selbstverständlich werden auch die häufigen Kessel. gezwungen ist, einen Liebhaber zu nehmen, wenn sie nicht dürftiger Künstler 2c., werden nur zu dem Zwecke organisirt, vor Hunger sterben will, so ist es den Damen der besten damit die Reichen gewinnen und stehlen. Bei der Lotterie explosionen, verursacht durch mangelhafte Reinigung von Gesellschaft unmöglich, bei 25 000 Frcs. Jahreseinkommen der dekorativen Künste z. B. erarbeitete" sich ein Freund Kesselstein, durch zu langen Gebrauch alter und schadhafter Hunderttausende für die Toilette zu verschleudern, ohne Proust's das prachtvoll eingerichtete Schloß von Sucy Kessel, durch die Abwesenheit von Manometern, ordentzu dem Beutel Anderer ihre Zuflucht zu nehmen. Um sich Bonneuil. Die Gewinnloose wurden im Voraus ver: lichen Sicherheitsventilen 2c. auf Rechnung der Arbeiter im großen Maßstabe amüsiren zu können, nimmt die Ge- schachert. Die Presse, welche zu dem Schwindel geschwiegen gefeßt. Der Fabrikinspektor Rumin konstatirte, daß in sellschaft zu den schändlichsten Mitteln ihre Zuflucht. Ein hatte, erhielt die Berechtigung eine Anleiche von 10 Mil- 5 Fabriken von 36 die Keffel durchaus vorschriftswidrig Legitimist vom reinsten Wasser betrieb das Falschspielen lionen in 500 000 Bons à 20 Frcs. auszuseßen, um arme waren und jeden Tag eine Explosion befürchten ließen. in den aristokratischen Klubs als Geschäft, andere Vor- Publizisten und Journaliſten zu unterstützen. Den be- Dazu kommt, daß die meisten bei denselben beschäftigten kämpfer des Konservativismus oder Republikanismus dürftigen Kollegen ward so gut und dadurch unter die Arbeiter keine technischen Kenntnisse über die nöthigen Handschachern mit den Reizen ihrer Frauen, die sie zu der Arme gegriffen, daß sämmtliche Mitglieder des journalisti griffe befizen. Die Fabrikanten kennen die Fehler ihrer Rolle von gewerbsmäßigen Schönheiten" erniedrigen, schen Syndikats, welche mit den Beiträgen im Rückstand Refseleinrichtungen meist sehr genau, scheuen aber vor der wieder andere Zierden der besten Kreise machen sich ein waren, aus der Mitgliedsliste gestrichen wurden. Crouzet, geringsten Ausgabe zu deren Verbesserung zurück. Die dem Geschäft daraus, hohe und berühmte Persönlichkeiten zu der die Kasse zu verwalten hatte, brannte durch, nachdem Verbrühen ausgesetzten Arbeiter kümmern ihn natürlich Parvenu's zu führen, noch andere schnißen sich Renten er 184 000 Frcs. des Geldes mit Kokotten verjubelt hatte. nicht im geringsten Arbeiterfleisch ist die billigste Waare. durch Versteigerung ihres Einflusses in der politischen Welt 2c. Ein schlagendes Beispiel für den Wohlthätigkeitshumbug In einer Dampfmühle zu Rostow fostete z. B. eine Kessel. Wird entdeckt, daß die vergnügenspendende Geldquelle der guten Gesellschaft sind die 50 000 Frcs., welche explosion 12 Arbeitern das Leben; dieselbe hätte durch von dem Baron Hinz oder Grafen Kunz einen höchst Viktor Hugo den Armen von Paris ließ, und die heute einen Umbau des fehlerhaft konstruirten Kessels vermieden schmußigen Ursprung hat, so schließt die Gesellschaft die noch nicht ausgezahlt sein sollen. Viktor Hugo war mehr- werden können, der Besitzer hatte dies ganz gut gewußt, Augen, sie will nichts wissen und fährt nach wie vor fort, facher Millionär, und sein auf Staatskosten erfolgendes aber die Verbesserung„ verschoben", da die kompromittirte Person zu feiern und zu verhätscheln. Begräbniß kostete den Armen Hunderttausende, abgesehen Bestellungen drängten. Viele Unfälle sind auch Schuld der unsolid zusammenDer Besitz von Renten ist für die Aristokratie, welche im von dem Verlust an Arbeitslohn, da sämmtliche Werkgeschleuderten Gebäude. In einer großen Weberei brach gesellschaftlichen Leben noch eine große Rolle spielt der stätten am Begräbnißtage geschlossen sein mußten. Anfang zur Heiligsprechung geworden. Geld deckt' alle Der Arme bildet dem Vorwand, er bildet aber auch der Boden des zweiten Stockwerks unter dem Gewicht der Mängel und Gebrechen. Die Prinzessin von Sagan z. B. oft das Opfer der Orgien der Reichen. Die moralische Webstühle zusammen. Die Wände einer Zündhölzchenspielt noch heute eine der ersten gesellschaftlichen Rollen, Fäulniß der Gesellschaft hat ihren Höhegrad erreicht. Die fabrik waren so dünn, daß man mit einem Stock Löcher gerade die bohren konnte. Die Fabriken werden oft so hastig gebaut,| 3immer ist eng, niedrig, kalt, dumpfig und wird außer| daß sie zusammenstürzen, ehe sie noch fertig sind. der Familie des freien Bauern" meist noch von ver" Die Erste Kammer wird durch königliche Anordnung gebildet, welche nur durch ein mit Zustimmung der Kammern zu erlassendes Gesetz abgeändert werden kann. Die Erste Kammer wird zusammengesetzt aus Mitgliedern, welche der König mit erblicher Berechtigung oder auf Lebenszeit beruft." Alle Preußen sind vor dem Geseze gleich. Standesvorrechte finden nicht statt." Sehr bedeutend ist auch die Zahl der Opfer an schiedenen Vierfüßlern bewohnt. In den meisten Hütten Im Gegensaße zu dieser Bestimmung beruht das Arbeiterleben, welche durch Feuers brünste der Fabriken sucht man vergeblich ein Bett, die Oberseite des großen heutige Herrenhaus im Wesentlichen auf neu geschaffenen gefordert werden. Die Fabriken sind so hinfällig und Backofens, welcher oft die Hälfte des Raumes füllt, dient künstlichen Ständen. Nach der Verfassung sollte das enthalten so viel brennbare Stoffe aufgehäuft, daß ihre der gesammten Familie als Schlafstätte. Wer auf dem Herrenhaus eine Mehrheit aus den höchstbesteuerten aus Zerstörung durch Feuersbrünfte zu den alltäglichsten Er- Ofen keinen Platz findet, schläft auf der Bank, die rings den Städten gewählten Mitgliedern und eine LegislaturDie Bestimmungen eignissen gehört..Von Maßregeln zur Verhütung von um das Zimmer läuft, oder auf dem Boden. Im Sommer periode von sechs Jahren haben. Bränden oder zur Rettung der bedrohten Menschenleben nächtigt die Familie meist auf dem Heuboden. Der Fuß- wurden dann angefochten; es sollte eine neue Kammer findet man meist keine Spur. Es giebt zwar sehr weise boden des Zimmers besteht in der Regel aus festgestampfter geschaffen werden. Reglementirung der diesbezüglichen, den Fabrikanten auf Erde, das ganze Meublement reduzirt sich auf einen großen übertrugen sie durch das Gesetz vom 7. Mai 1853 die Da sich aber die Parteien nicht einigen konnten, so erlegten Verpflichtungen und Einrichtungen, aber dieselbe weißen Tisch, etliche kleine Wirthschafts- und Küchen- übertrugen sie durch das Gesetz vom 7. Mai 1853 die bleibt natürlich todter Buchstabe. Einem Erlaß von 1865 utensilien, ein Wandbrett und ein Heiligenbild. Etwas Bildung des Herrenhauses der Krone nach Maßgabe der zufolge sollen alle Fabriken steinerne oder guß- bezw. roh- freundlicher und reinlicher sind die südrussischen und folgenden Worte des Gesetzes: eiserne Treppen haben außerdem soll jedes Gebäude, das ukrainischen„ Chati", aber noch bei weitem schlechter wohnt aus mehr als einer Etage besteht und mehr als 17 Meter der Arbeiter vom Lande in der Gegend von Njajau. Die ( nach dem Gefeße von 1874 25,50 Meter) lang ist, dortigen Hütten haben nur einen offenen Herd und keinen mindestens zwei Treppen aufweisen. Auch diese einfachsten Schornstein, der Rauch zieht durch die offene Thür ab; Sicherheitsmaßregeln werden nicht beobachtet. Der Fabrik sie sind derartig verqualmit, daß sie schlechtweg als Gegen diese Bestimmungen ist bei der Bildung des inspektor Pogogem fand in Wereist eine Tertilfabrik von Kurnaja"( die Geräucherten) bezeichnet werden. Herrenhauses gefehlt worden. Während nach dem Geseze 64 Meter Länge, in der 148 Weber arbeiteten und schliefen In den Städten sind die Arbeiter in Folge ihres der König, und nur dieser, die Kammer bilden sollte, und die einen einzigen Eingang hatte, die beiden Stock- geringen Verdienstes meist gezwungen, die Nachtherbergen schuf man durch die Verordnung vom 12. Oktober Verwerke waren durch eine Holztreppe verbunden. Des an- aufzusuchen, in denen sich Verhältnisse vorfinden, die jeder bände, auf welche die Bildung des Herrenhauses theilweise geführten Reglements wegen befand sich allerdings an der Beschreibung spotten. Die ausschweifendste Fantasie ver- übertragen wurde. Da war zunächst für jede Provinz Außenseite der Fabrik eine eiserne Leiter, welche jedoch stets mag sich nur annähernd das Bild vorzustellen, daß diese ein Verband der mit Rittergütern angesessenen Grafen. festgeschlossen war und nicht benußt werden fonnte, in Spelunken bieten. Das großartigste Institut dieser Art Jeder Grafenverband sollte ein Mitglied zum Herrenhause Anbetracht ihrer Ueberflüssigkeit", wie der Direktor sagte, befindet sich in einem dem Fürsten Wjasimsky gehörigen präsentiren". Dasselbe sollte jede Landesuniversität ,, da man ja bei Feuersgefahr sehr gut aus den Fenstern Gebäudekomplex zu St. Petersburg, der 10 000 Personen mit einem ihrer ordentlichen Professoren, jedes Domstift springen könne. Als einige Zeit darauf in der Fabrik Unterschlupf gewährt und einfach eine einzige große mit einem Mitgliede, jeder Magistrat einer Reihe eine Feuersbrunst ausbrach, verbrannte die größte Anzahl Kloake bildet. Alle größeren russischen Städte, in denen besonders auserwählter Städte mit einem seiner Angehörigen der Weber, nur ein kleiner Bruchtheil rettete fich mittels sich die Industrie entwickelt hat und die eine stärkere, oft thun. Die Inhaber der sogenannten vier großen Landesder Leiter. Bei einer Feuersbrunst in der Fabrik Gawar- fluftuirende Arbeiterbevölkerung besitzen, haben ihre Nacht- ämter in Preußen", sowie die Kronsyndici sollten ebentowsky( Moskau) verbrannten 40 Arbeiter, 6 starben an herbergen, die an Scheußlichkeit derjenigen des Fürsten falls dem Herrenhause angehören, gleichwie die Häupter Folge der Brandwunden im Spital und 26 blieben mehrere Wjasimsky nur wenig nachstehen. Monate lang frank. Die Ursache des Brandes konnte nicht festgestellt werden, wohl aber, daß der Tod der Arbeiter auf Rechnung der fehlenden Sicherheitsmaßregeln zu feßen war. Die Fabrik bestand aus einem 38 Meter Das seltsamste Gebilde aber, welches doch dem Herrenlangen, vierstöckigen Gebäude, das nur einen Eingang und eine Holztreppe hatte, außen war es allerdings noch von verrieth sich neulich im österreichischen Reichsrath recht Herren", des eigentlichen Junkerthums, des alten und hause das Gepräge giebt, ist der Verband der„ kleinen einer Holzgalerie umgeben, zu der eine hölzerne Stiege deutlich. befestigten Grundbesizes". Wie wenig man mit den führte, allein letztere hatte fast keine Sprossen mehr. Ein gewisser Bohaty, Vertreter der Reichenberger thatsächlichen Verhältnissen rechnete und wie sehr man die Brandmauern gab es nicht, Wände und Fußböden waren Handelskammer und seines Zeichens Baumeister, zeterte einseitigsten Parteizwecke verfolgte, ergiebt sich aus der aus Holz, und in jedem Stock war Wolle, flüssiger Lack zunächst über die hohen Steuern was sich für jene Hörer Thatsache, daß man bei der Vergebung des Rechtes, und andere brennbaren Stoffe aufgehäuft. Die Holztreppe im Parlament um so hübscher machte, welche wußten, er neunzig Mitglieder in das Herrenhaus zu senden, an den brach unter dem ersten Andrang der fliehenden Arbeiter werde am nächsten Tage das Wehrgesetz zum zweiten Male alten, im Sinne der Verordnung über hundert Jahre" zusammen. Die Fabrik war in dem geschilderten Zustande bewilligen! in den Händen derselben Familie befindlichen, oder be= mit Erlaubniß des Polizeipräfekten von Moskau eröffnet Hierauf erst ging er zum eigentlichen Gegenstande festigten, nämlich durch Majorate, Fideikommisse oder worden. Es giebt in Rußland nicht nur Gefeße, es giebt über und beklagte sich über die zu große Thätigkeit und Substitutionen gebundenen Besiz, nicht einmal wußte, daß auch Beamte, welche über deren Beobachtung wachen sollen, die zu ausgedehnten Machtbefugnisse der Fabrik unter den 12 543 Rittergüttern des damaligen preußischen damit ist aber auch, wie Figura zeigt, Alles zum Schuß inspektoren. Sie spielen sich angeblich als Instanzen" Staates nnr 394 alter und nur 987 befestigter Besitz der Arbeiter gethan. auf und geben gar Gefeße und welche nicderträchtigen! waren. In manchen der 90 Bezirke fehlte es an jedem Man höre, wie Herr Bohaty zetert: Wahlberechtigten, so in Lithauen, welches zwei Kandidaten ,, Vor mir liegt ein Erlaß der Prager Statthalterei vom 31." Oftober 1888, 3. 51 169, welcher über Antrag eines stellen sollte. Ein ähnliches Gebilde, wie das des befestigten Gewerbe- Inspektors Sicherheitsvorrichtungen bei Bauten und alten Grundbesizes, ist endlich noch dasjenige der zur genaueren Beachtung seitens der Baubeflissenen dekretirt. durch ausgebreiteten Familienbesiz ausgezeichneten Das„ Gesetz" hat unter einigen Untertheilungen 23 Para- Geschlechter, wobei es vorkommen kann, daß der durchgraphen, handelt von Einrüstungen, Leitern, greift in den Gang jeder Bauführung, bestimmt gewisse Vorrichtungen bei schnittliche Besiz des einzelnen Mitgliedes ein sehr geringer Bauten, es bestimmt, wo schwangere Frauen ver- oder negativer ist. wendet werden dürfen, als ob die Bauführer die Frauen Da die von den Verbänden, präsentirten" Mitglieder auch auf diesen Zustand hin zu beobachten verpflichtet wären die Mehrheit des Herrenhauses bilden, so ist dem Gesetze und von so diskreten Dingen Kenntniß haben müssen u. s. w. Wir haben in dem Vorstehenden gesehen, daß der russische Proletarier schlimmer als ein Sklave, schlimmer als ein Lastthier schafft, daß er dies in einer Umgebung und unter Verhältnissen thut, welche seine Gesundheit mehr oder weniger schnell zu Grunde richten, daß er ohne Ausficht auf Entschädigung allen Arbeitsunfällen 2c. preisgegeben ist, daß er dafür einen erbärmlichen Lohn erhält. Aber könnte man denken so windig der Lohn auch aussieht, so ist er doch bei den patriarchalischen Verhältnissen Rußlands ausreichend, dem Arbeiter außerhalb seines Dienstes ein annähernd menschliches Dasein zu sichern, er ist ausreichend, demselben durch genügende Nahrung, durch gesunde Wohnung 2c., 2c. die so ver schwenderisch überanstrengten Kräfte zu erseßen. Wenn der Lohn so niedrig steht, so sind sicher auch alle Lebens: bedürfnisse billig, und der russische Proletarier kann sich mit seinem Verdienst also doch ein- seien wir bescheiden mittelmäßiges Dasein sichern. Das Widerstreben der Besitzenden gegen jeden Arbeiterschutz " der ehemals reich sunmittelbaren und derjenigen Familien, welchen vom Könige das nach Erstgeburt und Linearerbfolge zu vererbende Recht auf Siß und Stimme beigelegt wird. Ich erkläre, daß weder der Gewerbe- Inspektor noch die zuwider den kleinen Herren", d. h. den Junkern, der Statthalterei in Prag das Recht hat, derartige Geseze" zu maßgebende Einfluß eingeräumt worden, obwohl nach der erlassen. Dem gegenüber steht die Gewerbeordnung, die Absicht des Gesetzgebers gerade diesem Uebelstande vorKonzessionirung der Bauwerker, die Bauordnung, deren gebeugt werden sollte. Handhabung und Beaufsichtigung der Gemeinde obliegt, das Strafgefeß, und zwar die§§ 384 und 435, das Unfall- Grundbesizes find Begriffe, welche dem heutigen Reichsunmittelbarkeit, Rittergüter, alter und befestigter versicherungsgesetz, der Landesausschuß, das ist summa summarum die ganze ordentliche Gesezgebung! Rechtsbewußtsein entschwinden oder aber künstlich zurecht Vor diesen haben wir unser Haupt in Demuth zu beugen, gemacht sind, ohne irgend welchen Boden im Volke. niemals bor dem Diktat eines Gewerbe= Inspektors." Heinrich v. Treitschke sagt im dritten Bande der im Jahre 1886 erschienenen fünften Auflage seiner„ historischen und politischen Aufsäße": So richtig der Schluß erscheint, so falsch erweist er Dieser diskrete" Bauführer besteht also auf seinem sich in Wirklichkeit. Es stimmt wohl, daß in Rußland Nechte, schwangere Frauen auf den Baugerüsten auf und die Lebensbedürfnisse vielfach billiger als in Westeuropa abjagen zu dürfen! Dieser Mann bekommt zum ersten sind, dennoch ist kein annähernd richtiges Verhältniß Male revolutionäre Anwandlungen, wenn man ihm dies zwischen ihnen und der Höhe der Löhne; die Arbeit erweist erste aller Menschenrechte nehmen will. Er meint, der sich auch hier als die schlechtestbezahlte aller Waaren, Paragraph reiche aus, welcher Baumeister straft, deren theils weil sie in großer Menge vorhanden, theils weil Bau oder Gerüste einstürzen und Leute tödten oder schwer der standard of life des russischen Volkes ein ungemein beschädigen Weitere Obsorge, und ger für die Arbeiter, niedriger ist. Mögen die Gebrauchsartikel des täglichen sei ein Uebergriff" des Gewerbe- Inspektors. Lebens noch so niedrig im Preise stehen, für den russischen Zur Erklärung: Auf Seite 230 des eben ausProletarier bleibt eine ganze Reihe derselben, und gerade gegebenen Berichtes der Gewerbe Inspektoren für das die nicht zum mindest wichtigen, unerschwinglicher Lurus. Jahr 1888 erzählt der Reichenberger Inspektor: Lassen wir zum Beweise das Leben des russischen Arbeiters außerhalb der Fabrik, der Werkstätte in gedrängtem Bild an uns vorüberziehen und fangen wir bei seiner Wohnung an. " In mehreren Fällen mußten( auf meine Veranlassung) Frauenspersonen das Tragen von Mörtel, Salt, Sand auf Baugerüste unterbrechen, ,, Alle Mächte der Neaktion liefen Sturm auf die Verfassung, und was ihr nach wiederholten Aenderungen noch übrig blieb, ward von der herrschenden Partei mit frivoler Mißachtung behandelt. Das Aergste, was diese Frivo= lität dem preußischen Volke zu bieten wagte, war sicherlich die Errichtung des Herrenhauses. Die Regierung war nicht gewillt, die Verfassung zu brechen; aber sie hielt nicht der Mühe werth, auch nur zu prüfen, ob ihr Plan dem Grundgeseze entspreche; so ward dann die Neubildung des einen Faktors der Gesetzgebung vollendet in rechtlich zweifelhaften Formen eine in der Geschichte des preußischen Beamtenthums beispiellose Fahrlässigkeit." Heinrich von Treitschke jezte damals seine ganze Hoffnung in die Krone: „ Sie wird, wenn die Stunde kommt, sogar im Stande sein, einen radikalen Umbau der ganz verfehlten Bildung des Herrenhauses durchzusetzen. Es gelang mir, einige Vauunternehmer davon zu überzeugen, daß sich diese Arbeit unter gewissen Verhältnissen für Arbeiterinnen als zu schwer erweise, so daß sie mir gegenüber Und in dem ersten Programm der nationalliberalen erklärten, gerne bereit zu sein, auf die Verwendung von Partei, erlassen im Juni 1867 und beglaubigt durch den Frauenspersonen überhaupt und von schwangeren Frauens Namen des Herrn von Bennigsen, findet sich der Saz: personen insbesondere zu verzichten." Der russische Proletarier bewohnt entweder eine Bauernhütte, falls sein Heim nicht zu weit von seinem Arbeitsplatz gelegen, oder er sucht in den städtischen Nachtherbergen Unterkunft, wenn er von größerer Entfernung Herr Bohaty gehört offenbar nicht zu diesen Bau- Nach wie vor verlangen wir die Ausführung der in der hergewandert ist und das Artel keine alte Holzbaracke unternehmern des Bezirkes Reichenberg, bei welchen noch Verfassung verheißenen Gefeße und die Reform des Herrenmiethen konnte, oder aber er hat in den Fabriken selbst einen Rest von Scham zu erwecken möglich ist und welche hauses als Vorbedingung aller Reformen." sein Heim aufgeschlagen.( Der lettere Fall ist sehr häufig). einer Menschenmutter wenigstens dieselbe Schonung er- Wann wird man mit der überlebten Institution end= Eine Art dieser Arbeiterwohnungen ist zwar fast genau weisen wollen, die man einer Zughündin nicht ver= so ungesund und scheußlich, jeder Reinlichkeit, jeder Bequem- sagt. Bohaty besteht auf seinem Schein! lichkeit und Annehmlichkeit mangelnd wie die andere, aber Und ein Mensch auf solcher Stufe der Rohheit und die Palme der Gräßlichkeit. gebührt jedenfalls den Nacht- Verwilderung wird zum„ Volksvertreter" gewählt, allerdings herbergen. nur von Reichenberger Fabrikanten! Das preußische Herrenhaus. lich aufräumen? ( Nach der„ Voss. 3tg.") Politisches und Sozialpolitisches. Die Herren Agrarier in Preußen haben diesmal unruhige Osterferien gehabt. Die Alters- und Invalidenversorgung für Arbeiter, deren BeDie großrussische Bauernhütte kann vielleicht von weitem sehr malerisch erscheinen, in der Nähe erweist sie sich jedoch einfach als ein schmutziges, ungesundes Loch. Sie ist aus Holz zusammengefügt, mit Stroh gedeckt und von Kothlachen und Haufen Unrath umgeben, in denen Daß das preußische Herrenhaus in seiner heutigen rathung der Reichstag dieser Tage wieder aufnimmt, hat sich Schweine und Kinder wälzen. Die Wände sind ver- Gestalt der Verfassung und dem Geseze widerspricht, ihnen wie ein Alp auf der Brust gelegen. Sie sind erst räuchert, die Fenster mit geöltem Papier verklebt, das unterliegt keinem Zweifel. Artikel 4 der Verfassung befagt: jetzt zum rechten Bewußtsein dessen gekommen, daß das " geplante Gesetz nicht wie die früheren Versicherungen ganz Konferenz zwischen Lutz und Wohlgemuth in Rheinfelden, Tagesordnung: Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Stadthagen aus zuletzt an die Landwirthschaft denkt, sondern die Land- also auf Schweizer Boden stattfinden. Aber mittlerweile Berlin. Thema:„ Gesez, Recht und Macht." Diskussion. Große öffentliche Korbmacherversammlung für Berlin arbeiter sofort mit in die Versorgung auf theilweise Kosten wurden die Behörden Rheinfeldens( Bezirksamtmann Bau- und Umgegend, am Montag, den 6. Mai, Abends 8 Uhr, in Roll's des Unternehmers einbezieht. Das geht dem verwöhnten mann) von der Ankunft des fremden Lockspißels benach- Salon, Adalbertstr. 21. Bericht der Lohnkommission. Ref. E. Fischer. Große öffentliche Versammlung der Kupferschmiede Junker denn doch über das Erlaubte. Er hat sich auf richtigt, und als der Herr eben seine Arbeit" beginnen gerafft und Ertraversammlungen seiner agrarischen Genossen wollte, haben ihn zwei kandjäger verhaftet. Am Dienstag 8 Uhr, in Feuersteins Lokal, Alte Jakobsir. 75. Tagesordnung: Berlins und Umgegend, am Sonnabend, den 4. Mai, Abends veranstaltet, die der Welt zeigen sollen, daß es noch un- ist Herr Wohlgemuth zwar freigelassen, aber aus der Die Bohnverhältnisse in unserem Gewerbe. wohl Beweis genug, abhängig denkende Leute im Osten giebt. Nach den weft: Schweiz ausgewiesen worden, preußischen haben nun die ostpreußischen Großgrundbesißer wie er sein trauriges Handwerk getrieben hat." urbi et orbi verkündet, daß die geplante Alters- und Invalidenversorgung ihrer Arbeiter der Ruin der ganzen preußischen Landwirthschaft sein würde! Wer's nicht glaubt nun, dem ist eben nicht zu helfen. Und dabei handelt es sich thatsächlich um für die Großgrundbefizer ganz lächerlich geringe Summen. Die in Nr. 15 von uns besprochene Versammlungsauflösung des Wahlvereins für den 6. Berliner Kreis ist vom Polizeipräsidenten für ungerechtfertigt erklärt worden. Für den Reichstagswahlkreis Halle, für den ursprünglich Herr Mar Schippel in Aussicht genommen war, der aber ablehnte soll nunmehr Herr Friz Kunert- Berlin als Kandidat aufgestellt worden sein. Gewerkschaftliches, Versammlungen. Maurer Berlins! Tretet alle der Freien Vereinigung der Maurer und Fachgenossen Berlins bei. Ohne Or ganisation kein Erfolg. Alle Mundt's alon, Röpniderstr. 100 Von Berliner Wirthen, welche ihre Lokale zu Arbeiterversammlungen hergeben, find bisher von der hierzu erwählten Kommission folgende Adressen bekannt gegeben worden: Artushof, Perlebergerstr. 23. Ackermann, Lothringerstr. 81. Bobert, Weinstr. 11. Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Bohne's Salon, Hasenhaide45-47. Cothmann, Brunnenstr. 34. Domack, Johannisstr. 20. Eisfeller, Chausseestraße. Feuerstein's Salon, Alte Jakobstraße 75. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77-79. Gnadt, Brunnenstr. 38. Gründer's Salon, Schwerinstr.13. Die Belastung für die Landwirthschaft in Westpreußen aus dem neuen Altersversorgungsgesetz wird z. B. für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen berechnet auf jährlich 1531986 Mark oder 2 Prozent des Lohnbetrages. Es wird dabei davon ausgegangen, daß in der ersten Lohnklasse 111 848 Personen, in der zweiten Lohnklasse 88 228 Personen in der Landwirthschaft beschäftigt sind. Graf Udo Stolberg sogar hat folgendes Erempel zuDie ausgeschlossenen Former Hamburgs bitten in gestanden: Auf einem Gut von 3000 bis 5000 Morgen einem Flugblatt abermals um Unterſtüßung. mit ca. 100 Arbeitern würde die jährlich für Alters- und Briefe sende man an H. Oftfeld, Hamburg, Rosenftr. 37, Heydrich's Säle, Beuthstr. 18-21. Invalidenversorgung zu zahlende Summe, die Beiträge bei Diehl, Gelder an L. Eskelson, Hamburg, Paulstr. 40. der Arbeiter eingerechnet, 800 Mark betragen. Die streikenden Berliner Weißgerber wenden sich Mirbach giebt aber an, daß für solch' ein Gut mindestens in einem Aufruf um Hilfe an die Arbeiter Deutschlands. 72 000 Mart Bacht gezahlt werden. Auf 72 000 Mark Jede weitere Auskunft ertheilt: Ernst Rau, Berlin, Bacht 800 Mart, schreibe achthundert Mark, für Arbeiter: Prinzen- Allee 62-63. Hilfe thut dringend noth. fürsorge das ist diesen Herren zu viel! Ein Zusatz würde die Wirkung dieser Ziffern nur abschwächen und die klare Einsicht verhindern, aus wie menschenfreundlichen Rücksichten unsere Agrarier die Altersversorgung abgelehnt wissen wollen. Graf Der Steinmeşenstreik dauert unverändert fort. Der Buzug ist unbedingt fernzuhalten. Buschriften find zu richten an J. Jeschky, Melanchtonstr. 5, Hof 1 Tr. An sämmtliche Maler und Auftreicher Berlins! Die Streitkarten werden von jezt ab jeden Sonntag von 10-12 Uhr Die Verhaftung eines deutschen Polizei- lokalen der Filialen ausgegeben: 1. Wendt, Dresdenerstr. 116, Vormittags und Mittwoch von 8-9 Uhr Abends in den Vereinsinspektors in Rheinfelden in der Schweiz hat großes 2. Appel, Lüßowstr. 11, 3. Gäddel, Andreasstr. 34, 4. Engel, Aussehen erregt. Der„ Züricher Post" wird darüber aus Invalidenstr. 151. Sämmtliche Kollegen werden ersucht, die Karten Basel geschrieben:„ Polizeiinspektor Wohlgemuth von so bald wie möglich abzuholen. Die Lohnkommission. Mühlhausen im Elsaß suchte schon während längerer Zeit Große öffentliche Arbeiterinnenversammlung. Montag, seine Amtsthätigkeit vom Mühlhauser auf Schweizer Boden den 13. Mai, Abends 81/2 Uhr, im Lotale des Herrn Domat, zu verpflanzen. So knüpfte er mit dem hier in Basel Johannisstr. 20. T.- D.: Die Frauenfrage und ihre Lösung durch niedergelassenen Schneidermeister Lug an, um denselben die wirthschaftliche Entwickelung. Nef. Helene Baate. Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen, zu Lockspißeldiensten zu gewinnen. Luz ging scheinbar besonders für Mitglieder freier Hilfskassen, Donnerstag, den 9. Mai, auf die Anerbietungen Wohlgemuths ein, und so schickte Abends 8 Uhr, im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72. T.- D.: dann Letterer an Lutz die Summe von 200 Mart als 1. Bortrag eines Arztes. 2. In welcher Weise ist es möglich, den Anzahlung für die zu erwartenden Dienste mit der( wört- Mitgliedern freier Hilfskaffen und deren Familien ein billiges lichen) Aufforderung, recht tüchtig weiter zu wühlen." Aerzte- Honorar zu beschaffen. Diskussion. Friedrichshagen. Deffentliche Versammlung am Sonntag, Am Sonntag sollte überdies zu näherer Instruirung eine den 5. Mai, Vormittags 10% Uhr, Restaurant Gesellschaftshaus. " Fachverein der Buchbinder. Ausnahmsweise findet die Vereinsversammlung am Sonnabend, den 4. d. M., Abends 82 Uhr, im Louisenstädtischen Klubhause, Annenstr. 16, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Herrn Dolinski über die Regelung der Arbeitszeit. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Fachverein der Tischler. Montag, den 6. Mai, Abends 8% Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstrasse 4a. Außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in unserem Gewerk und Antrag des Vorstandes auf Erhöhung der Beitrage. Referent: Herr Wiedemann. 2. Ernennung von Bevollmächtigten für die verschiedenen Stadttheile Berlins. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Neue Mitglieder werden in der Verfammlung aufgenommen. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Verein zur Erzielung volksthümlicher Wahlen im Osten Berlins. Mittwoch, den 8. Mai, Abends 8 Uhr, Große Bersammlung, im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Arthur Stadthagen über " Boltsrecht und Juristemunrecht". 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Verein der Saffler und Fachgenossen. Sonnabend, den 4. Mai, Abends 82 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten: straße 77-79, Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn G. Baate über" Malthu= fianismus". 2. Diskussion. EX 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht regen Besuch bittet Der Vorstand. Große öffentliche Haack, Linienstr. 96. Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28. Königshof, Bülowstraße. Königstadt- Kafino, Holzmarktstraße 73. ( gegen 15 Mark Entgeld). Orschel's Salon, Sebastianstr. 39. Baster, Neue Königstr. 7. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrt's Salon, Dennewitz= straße 13. Sanssouci, Kottbuserstr. 4 ( gegen 20 Mart Entgeld). Schnegelsberg, Hasenhaide 21. Schneider, Belforterstr. 15. Silber, Schwedterstr. 24. Schweizergarten. Süd- Ost, Waldemarstr. 75. Scheffer's Salon, Inselstr. 10. Tanger, Gartenstr. 13-14. Vittoriajaal, Perlebergerstr. 13. Wendt, Dresdenerstr. 116. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Zelt Nr. 1. Zemter, Münzstr. 11. Wirksame Agitation! Gelefene Nummern der Arbeiterblätter" wirft man nicht weg, sondern sendet dieselben unter Kreuzband mit einer 3 Pfennig- Marke versehen abwechselnd an verschiedene unserer Bewegung angehörige Personen. Briefkasten. Alle Geldsendungen, Bestellungen, sowie auf gefchäftliche Angelegenheiten bezüglichen Briefe bitten wir stets an die Expedition der ,, B. V." zu adressiren— alles den Inhalt des Blattes Betreffende an die Redaktion" alles Persönliche an Herrn Mar Schippel. Durch genaue Einhaltung dieser Adressirung werden viele Verspätungen und Irrthümer vermieden. Medizinalverband Mannheim. Alles ganz schön, aber woher glauben Sie denn, daß ein Redakteur die Zeit nehmen soll, um immer von jeder Kasse und jedem Verein ganze Jahresberichte zu studiren? Warum machten Sie als Orientirter nicht einen furzen Auszug? In nächster Nummer. Im übrigen freundlichen Gruß und besten Dank. ArbeiterBildungs- Verein , Berlin Nord" Volksversammlung effentliche Bersammlung Mittwoch, den 8. Mai, Abends 8 Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Tagesordnung: 1. Internationale Fabrikgesetzgebung. Wie stellen sich die deutschen Arbeiter zum Rundschreiben des schweizerischen Bundesraths? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Referent: Herr Max Schippel. 3nr Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Zimmerleute Berlins und der Umgebung Dienstag, den 7. Mai, Abends 8 Uhr, in Heydrich's Saal, Beuthstr. 2021. Tagesordnung: Dienstag, den 7. Mai, Abends 82 Uhr, in Faustmann's Salon, Invalidenstr. 144. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Kurt Baate. 2. Allgemeines. 3. Fragekasten. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Verband deutscher Mechaniker und verw. Berufsgenossen. ( Bahlstelle Berlin.) Dienstag, den 7. Mai, Abends 8½ Uhr, bei Jordan, Neue Grünstr. 28, Versammlung. Tagesordnung: 1. Fachwissenschaftlicher Vortrag. 2. Diskussion. 3. Das Eingesandt in Nr. 6 der deutschen Mechaniker- Zeitung. 4. Berschiedenes. 5. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Verband der Möbelpolirer Berlins und Umgegend. Unser Central- Arbeitsnachweis befindet sich Berathung über den günstigen Zeitpunkt betreffs Erreichung unserer aufgestellten seit dem 1. Mai einzig und allein im Restaurant Forderung, und welche Bedenken stehen der Sache überhaupt entgegen? Zahlreiches Erscheinen ist dringend nöthig. Der Einberufer. Sozialdemokratischer Wahlverein für den I. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Montag, den 6. Mai 1889, Abends 82 Uhr, konstituirende Versammlung in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28. Tagesordnung: 1. Statutenberathung. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Stadthagen: Zum sogenannten Umsturz der bestehenden GesellschaftsDer provisorische Vorstand. ordnung. von Gründel( früher Wendt), Dresdener Straße 116. Die drei bisher innegehabten Arbeitsnachweisebüreaus sind unsererseits aufgehoben. Adressen- Ausgabe und-Annahme erfolgt kostenlos den ganzen Tag. Der Vorstand. Central- Kranken- u. Sterbekaffe der Tischler und anderer ge= werblicher Arbeiter. Eingetragene Hifskaffe 3 in Hamburg. Sertliche Verwaltungsstelle Berlin F. Mitglieder- Versammlung am Sonntag, den 5. Mai, Vormittags 10% Uhr, Brunnenstraße 34, Cothmanns Salon. Tagesordnung: 1. Statutenberathung und Stellung von Anträgen zu der am 30. Juni d. J. in Berlin stattfindenden elften ordentlichen Generalversammlung; 2. Wahl eines Abgeordneten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Druck und Verlag: T. Posekel, Berlin 2. O., Dranienstraße 23. 18. Beiblatt zur„ Berliner Volks- Tribüne". Visir auf!*) Die Stirne frei, das Auge frei! Aus reinem Herz die Rede! Der Arglist und der Heuchelei, Der Horcherei und Kriecherei Den Schurken gilt die Fehde! Zum Teufel mit den tück'schen Kaßen, Die Jedem nach dem Maule schwaßen Und boshaft Jeden darnach kraßen. Fest im Entschluß, kühn in der That, Für's Wohl des großen Ganzen! Pfui ihm, der füßelt feigen Rath, Und der, so lang er Mark noch hat, Nicht schaffen mag und schanzen! Zum Teufel mit den feigen Hasen, Die prahlten und sich dicke fraßen, So lange sie im Rohle saßen! Nun merket auf und habet Acht! Erkennet sie im Lichten! Damit sie nicht des Baues Pracht, Der goldig uns entgegenlacht Zerwühlen und vernichten! Zum Teufel mit den Maulwurfsseelen, Die sich in schwarzes Dunkel stehlen, Statt edles freies Licht zu wählen. Wie ein ehrlicher Mensch zum Verbrecher wurde. Von Ernst Klaar. ( Schluß.) Am andern Tage trat ein Gendarm in die Hütte des Webers, um ihn in die Untersuchung abzuführen, denn so ein armer Teufel ist immer fluchtverdächtig. Als die Frau den Sachverhalt erfuhr, verfiel sie in heftige Krämpfe, denen ein ohnmachtähnlicher Zustand folgte, während der Mann sich bleich und zitternd anschickte, den schrecklichen Gang anzutreten. Der Krüppel meinte wie an dem Tage, da sein Liebling geschlachtet wurde. Es war für den Buchholzer ein fürchterlicher Abschied, als er seine Familie in solchem Zustande zurückließ, aber selbst das Schreckliche stumpft mit der Zeit ab. Er hatte einen fürchterlichen Kampf durchgemacht seit jener Nacht. Gebrochen folgte er dem Gendarmten, es berührte ihn auch nicht mehr sonderlich, als sich die Gefängnißthür hinter ihm schloß. Der Untersuchungsrichter hatte leichte Arbeit mit ihm. Der Gefangene beantwortete alle Fragen, wie sie ihm gestellt wurden, und räumte Alles zur Last gelegte ohne Umstände ein. So konnte denn die Verhandlung bald anberaumt werden. Sonnabend, den 4. Mai 1889. III. Jahrgang. die Freiheit zurück; er nahm sein Bündel unter den Arm sehen, befindet sich das Mädchen von heute in einer und ließ die wenigen Groschen, die er als Ueberschuß aus wirthschaftlich elenden Lage. Vor allem weiß die Tochter gezahlt erhielt, in die Hosentasche gleiten, dann wanderte der Bourgeoisie nicht, wovon sie leben soll, falls fie er zieklos durch die Straßen der Stadt. ledig bleibt; denn selten hat sie genug gelernt, um Lehrerin Wo er sich zeigte, blieben die Leute stehen und starrten zu werden; Verkäuferin zu sein, das schickt sich für sie ihn an, und endlich ward es ihm klar, daß sein Aussehen nicht, und Dienstmädchen oder Arbeiterin- pfui! Einen ganz dem glich, was er wirklich war- einem, der eben Mann muß sie haben, einen Mann auf alle Fälle, einen das Zuchthaus verlassen. Versorger, cinen Ernährer, einen Mann, der sie obendrein Diese Entdeckung berührte ihn unangenehm und er vor dem Schimpf des Altjungferthums bewahrt und ihr beeilte sich daher, aus der Stadt hinwegzukommen, wo man die Würde der Hausfrau verleiht; drum ihn so zudringlich neugierig betrachtete. ,, Straße, fraze, kraße, Trulle, Er lenkte feine Schritte nach der Heimath. Warum? das wußte er nicht, denn es zog ihn nichts dorthin; eine düstere Ahnung sagte ihm, daß er dort nichts mehr zu erwarten habe. Es dunkelte schon, als er anfam. Er fand die Thür feines Hauses verschlossen und wandte sich deshalb nach dem Wirthshause. Dort erfuhr er auf Befragen, was sich während seiner Abwesenheit zugetragen. Dir den ersten Besten an!" Unter Führung der treuen Mutter geht nun die höhere Tochter auf die Männerjagd und wirft alle Köder aus, womit eine sorgfältige Erziehung sie ausgerüstet hat: neueste Mode, Ballkleider, welche etwas unsagbar Reizendes ahnen laffen, vornehm klingende Redensarten, Geistreichigkeit, etwas Französisch und andere Kenntnisse, Schlittschuhlaufen, Tanzen, Singen, Klavierklimpern und Augenklappern Seine Frau hatte den Schreck nicht überlebt und war bis er dann endlich gefangen ist, der Gimpel, welcher bald nach seiner Verhaftung gestorben, sein Kind befand durch solch faulen Zauber sich bethören läßt, oder auch sich im Armenhause und seine Hütte war vom Krämer der Mann, welcher mit vollem Bewußtsein gerade solche und von der Gemeinde mit Beschlag belegt worden, um Frau suchte. Nun entspinnt sich in der Ehe der Kampf als Deckung für die Schulden und aufgelaufenen Kosten um den Pantoffel; vielfach wird der Mann zum alten zu dienen! Er war also ein Bettler! Weibe oder die Frau zur Sklavin. Vielleicht gedeiht die " Er sagte nichts, als er dies vernahm; er dankte Ehe leidlich, vielleicht auch sucht der Mann Entschädigung nur und bezahlte seine kleine Zeche, dann verließ er die für mangelndes Eheglück bei jenen Weibern, welche dem Wirthsstube. Junggesellen vertraut geworden sind, und die Ehefrau Seine Schritte lenkten sich unwillkürlich zurück zu findet gleichfalls einen Tröster. Kurz: wirthschaftliche seiner Hütte. Er umging fie noch einmal nach allen Zustände bewirken, daß die bürgerlichen Ehen gewöhnlich Seiten, und richtig da konnte er trotz der Dunkelheit nicht im Himmel geschlossen", sondern als Versorgungsdas amtliche Siegel erkennen. Ein unnennbares Web anstalten betrachtet werden. überkam ihn, ein bodenloser Abgrund that sich vor ihm Eine gelungene Illustration der geschilderten sozialen auf. Alles alles verloren! Verhältnisse liefert Zola in seinem Roman Am häusDa zuckte es unheimlich in seinem Auge auf und ein lichen Herde", welcher sich mit der Versumpftheit und schadenfrohes Lächeln umspielte seine Lippen. Ja das dem Elend der Bourgeois- Ehe beschäftigt. Bertha, die wollte er machen! Wenn die Hütte nicht mehr sein Eigen- höhere Tochter einer Beamtenfamilie, wird von ihrer sorgthum sein sollte, dann sollte sie auch Niemand haben. An samen Mutter mit allen Mittelchen verhüllter Gemeinheit feinem Jungen konnte man sich ja doch nicht rächen und auf die Männerjagd gehezt. Ein junger Lebemann ihm selbst war Alles gleich. namens August, welcher als Handelsbeslissener ein gutes Auf einem nahen Felde lag das Korn schon in Einkommen hat, wird besonders aufs Korn genommen. Garben. Er schleppte deren eine Anzahl herbei und schichtete Er interessirt sich für das junge Mädchen, denkt aber nicht fie am Hause auf, dann zündete er sie an. an Heirath, sondern bloß an Verführung. Doch gerade Hei, wie das emporioderte, wie die trockenen Balken diese Absicht führt ihn in die Schlinge, die ihn festhält, so luftig brannten! dank dem schlauen Plan, den der weibliche Theil der Dies Er setzte sich auf einen nahen Stein und betrachtete hochanständigen Beamtenfamilie ausgeheckt hat. mit innigem Behagen das gräßliche Schauspiel. wichtige Ereigniß findet statt in einer Abendgesellschaft, Nicht lange währte diese Freude. Die erschreckten während ein zart säuselndes Musikstück von einer Dame Dorfbewohner, die zur Rettung herbeieilten, fanden ihn( Clotilde) vorgetragen wird. Zola erzählt: bald und erkannten in ihm den Brandstifter. Schwer gefesselt brachten sie ihn noch in derselben Nacht auf einem Wagen zur Stadt, und derselbe Tag, der dem Unglücklichen die Freiheit gegeben, sah ihn noch vor seinem Ablauf wieder hinter den Eisengittern. Die diesmal zuerkannte Strafe war eine sehr empfindliche. Der Verbrecher aber verließ den Kerker nicht wieder, Das Verhör war kurz, denn der Angeklagte war ja wenigstens nicht lebend. Nach wenigen Wochen hatten geständig. Nachdem die Beweisaufnahme geschlossen, nahm Kerkerluft und Seelenschmerz das von der Noth begonnene der Müller mit seinen Knechten auf der Zeugenbank Play, Werk der Zerstörung vollendet. um die Nede des Staatsanwalts und die Aburtheilung des Verbrechers abzuwarten. I. Clotide fuhr wüthend über das Klavier und riß zugleich mit ihren Blicken die Herren fort. Dann wurde der Gesang jählings fanft, und wie gehaucht nur flang das „ Um Mitternacht. Alles sacht. Niemand wacht bis man schließlich nur noch das Instrument allein hörte, ganz gedämpft, immer leiser und leiser ausklingend. Urplöglich aber, mitten hinein in diese ersterbende Musit, diesen Frieden nach dem Sturm, ertönte iezt allen vernehmlich eine Stimme, die sagte: Sie thun mir weh!"- Alle Köpfe wandten sich nach dem Fenster, wo August und Bertha bisher hinter dem Vorhang versteckt standen. Madame Dambreville hatte sich nüßlich machen wollen und den Vorhang eben zurück gezogen. Und der ganze Salon sah August im Zustande völliger Konfusion und Bertha feuerroth im Der Staatsanwalt, der mit geschäftsmäßigem Intereſſe Die Frauenfrage im Spiegel der Dichtung. Gesicht, beide an's Fensterbrett eft angelehnt, der Verhandlung gefolgt war, erhob sich jetzt von seinem Plaze, um die erforderlichen Anträge zu stellen. Es war feine Aufgabe, alle belastenden Umstände in ein möglichst grelles Licht zu setzen, und er tam seiner Aufgabe mit gewohntem Scharfsinn nach. Es konnte daher gar nicht wundern, daß jene That der Verzweiflung zu einem wohl überlegten, großen Verbrechen gestempelt wurde, so daß selbst der Müller ganz verdußt dreinschaute. " " Wa3 giebt es denn, mein Herzblättchen?" fragte die Mutter Jofferand mit eindringlichem Eifer. „ Nichts, Mama Herr August hat mir bloß mit dem B. W. Als der große norwegische Dichter Henrik Fensterflügel an den Arm gestoßen ich hatte solche Hize... Jbsen auf einer Rundreise durch sein Vaterland von dem Nun ist es geschehen. Herr August hat sich und Arbeiter- Verein" zu Drontheim gefeiert wurde, hielt er Bertha kompromittirt." Seine Ehre gebietet nunmehr, eine Ansprache, in welcher folgende Worte vorkamen:„ Ich das Mädchen zu heirathen. Die Verlobung wird auch habe hier in der Heimath wieder einmal erfahren, daß die sogleich von der Mutter inscenirt. Das Glück der Eheunentbehrlichsten individuellen Rechte noch nicht so gesichert leute dauert freilich nicht lange. Bertha liebt ihren Mann Der Staatsanwalt führte aus, wie der Angeklagte find, wie ich glaubte unter der neuen Staatsleitung er- ja nicht, und dieser wird ihr vollends zum Ekel, als er ein ganz gefährliches Subjekt sei, weil er unter dem Vor- warten und hoffen zu dürfen. Eine Mehrzahl der Re- infolge seiner Junggesellenfreuden von vorzeitiger Gebrech wande, bei dem Sägemühlenbefizer Arbeit zu suchen, in gierenden räumt dem Einzelnen weder Glaubens- noch lichkeit heimgesucht wird. Bertha fängt mit einem Kommis deffen Wohnung eingedrungen sei und diesen thätlich belästigt Rebefreiheit außerhalb einer willkürlich gezogenen Grenze ein Liebesverhältniß an und läuft ihrem Manne davon, habe. Der Müller habe sich seiner Haut gewehrt und der ein. Hier ist also noch viel zu thun, ehe man von uns zu ihrer Mutter. Diese entsetzt sich, aber nicht moralisch, Angeklagte habe nun aus Rache bei dem Müller gestohlen, sagen kann, daß wir zur wirklichen Freiheit durchgedrungen sondern vom Standpunkte des gemeinsten Intereſſes aus. sogar wiederholt. Der Gerichtshof folle sich durch die find. Aber ich fürchte, daß unsere gegenwärtige Demokratie Ehebruch? Das kann die Mutter nicht fassen. Wozu Nothlage des Angeklagten nicht zu dessen Gunften beein- die Aufgaben nicht zu lösen vermag. Es muß ein adliges nüßt der Ehebruch? Ja, wenn man einen Nußen davon fluffen lassen, denn es sei doch sehr auffällig, daß er nicht Element in unser Staatsleben, in unsere Regierung, in hätte! So aber- die Tochter soll wieder zurück zu bei einem Anderen, sondern gerade bei dem Müller gestohlen unsere Volksvertretung und Presse kommen. Ich denke ihrem Manne. Bertha aber fühlt die ganze Gemeinheit habe, mit dem er in persönlicher Feindschaft geftanden. Dabei natürlich nicht an den Geburtsadel, auch nicht an der bürgerlichen Ehestiftung. Es sei also erwiesen, daß in erster Linie Rachsucht die den Geldadel, oder den Abel der Bildung, nicht einmal Borschein in den furzen Sägen, die sie abgerissen hervorstieß: Die ganze Geschichte ihrer Vermählung kam wieder zum Ursache des Verbrechens gewesen sei, und er beantrage daher an den Adel der Anlagen und der Begabung, sondern ich brei Winter der Jagd nach einem Manne, Männer jeder Sorte, in eine exemplarische Bestrafung. denke an den Adel des Charakters, des Willens und der deren Arme man sie geschmissen, erfolgloses Feilbieten ihres Leibes Der Angeklagte hatte dem Allen theilnahmlos zu- Gesinnung. Der allein kann uns frei machen. Von zwei in dem eigens dazu hergerichteten Bordell des Bourgeois- Salons; gehört; er hatte nichts zu erwidern. Die Herren Schöffen Gruppen aus wird dieser für unser Volk von mir erhoffte dann die ganze hohe Schule des Mädels ohne Geld, die von den aber nickten zustimmend und zogen sich mit dem Vorsitzenden Adel kommen: von unsern Frauen und unsern Ar- erlaubten Prostitution, das Anfaffenlaffen beim Tanz, die preisAr- üttern ins Werk geſetzt wird, der Unterricht in der feinen und in das Berathungszimmer zurück. Das Urtheil war bald beitern. Beide haben unter dem Parteijoch keinen un- gegebenen Händchen hinter einem Thürflügel, die vollkommenste gefunden; es lautete auf 6 Monate Gefängniß. verbefferlichen Schaden erlitten. Die Umformung der Schamlosigkeit, die mit der Maske der Unschuld auf den Appetit Theilnahmlos, wie er gekommen und wie er zu Gesellschaftsordnung aber, welche jetzt in Europa der Einfaltspinsel spekulirt; dann endlich der Gemahl, eines schönen gehört, ließ er sich auch wieder abführen, er war ge- vorbereitet wird, beschäftigt sich wesentlich mit der eingefangen wird, aufgegabelt hinter einem Borhang, wo er so lange Abends abgefaßt in einer Weise, wie ein Mensch von einer Schneppe brochen an Leib und Seele, nur noch eine Ruine von zukünftigen Stellung des Arbeiters und der aufgeregt worden ist, bis er im Fieber der Begierde sich in der einem Menschen. Frau." Arbeiterfrage und Frauenfrage diese zu lösen, Schlinge verfangen hat." Als sich ihm das Gefängnißthor wieder aufthat, da dahin gehen die stärksten Strömungen unseres Zeitgeistes. Denselben Geist, wie die Familie Jofferand, athmet war es Sommer. Mit stumpfer Gleichgiltigkeit trat er in Und so werden die eigentlich modernen Dichter angetrieben, so ziemlich das ganze Haus, in welchem Jofferand's dieses prächtige, vornehme Haus. stellt In seinem sozialen Drama„ Gespenster" Von den wenigen Ausnahmen reicher Weiber abge- Jbsen die unheilvollen Folgen von allerlei Sagungen *) Das Gedicht brachte 1861- die Gartenlaube! Auf auch die Frauenfrage in das Bereich ihres Gestaltens zu wohnen welchem Standpunkte stehen dagegen heute unsere„ deutschen ziehen. Familien"! " Pastor Manders: Nein, Gott Lob! Das weiß ich nicht! Schule von Athen"( eins der berühmtesten Gemälde des Oswald: Nun, so werde ich mir erlauben, es Ihnen zu großen Malers) stehen, fällt es uns nicht ein, diesen sagen: Ich habe sie getroffen, wenn einer oder der andere unserer Höhepunkt menschlicher Entwicklung als eine rein individuelle um sich dort so ein wenig auf eigene Sand umzusehen- und dann Leistung aufzufassen; es kommen uns die Fresken( Wandden Künstlern die Ehre anthat, fie in ihren bescheidenen Sneipen malereien auf nassem Stuck) Pinturicchio's und Cignorelli's, aufzusuchen. Da konnten wir etwas lernen. Die Herren wußten jene von Giotto und Gozzoli( also der Vorgänger Rafaels) uns über Dinge und Dertlichkeiten zu erzählen, von denen wir uns in den Sinn. Wir denken an die große Begabung, niemals hätten träumen lassen. Pastor Manders: Was? Wollen Sie wirklich behaupten, welche der italienischen Rasse innewohnt, und an die ganze daß Ehrenmänner von hier zu Hause da draußen--? mühsam errungene Entwicklung der Kunst bis zur EntOswald: Haben Sie denn niemals gehört, wie diese Ehren- ftehung jenes speziellen Kunstwerkes. männer bei ihrer Heimkehr sich über die zunehmende Unſittlichkeit Auslande ausgesprochen haben? im Pastor Manders: Ja, natürlich. und Anschauungen der bürgerlichen Welt dar. Was der sich amüsiren soll! Aber niemals habe ich dort ein anstößiges| fanatisch bekämpfen. Die evolutionistische Weltanschauung Dichter mit dem Ausdruck Gespenster" meint, läßt er Wort gehört. Und noch weniger war ich Zeuge von irgend etwas, muß sich jedoch in entschiedenster Weise gegen die Todesdas man unfittlich nennen könnte. Nein, wissen Sie, wann und strafe aussprechen. Wenn wir bewundernd vor Rafaels Frau Alving sagen:„ Ich glaube beinahe, wir alle find wo ich die Unſittlichkeit in Künstlerkreisen getroffen habe? Gespenster. Es ist nicht allein das, was wir von Vater und Mutter geerbt haben, das in uns umgeht. Es sind allerlei alte, todte Ansichten und aller mögliche alte Glaube und dergleichen. Es lebt nicht in uns; aber es steckt in uns, und wir können es nicht los werden. Wenn ich nur eine Zeitung in die Hand nehme, um daraus zu lesen, so ist mir schon, als sähe ich die Gespenster_zwischen den Zeilen umherschleichen. Im ganzen Lande müssen Gespenster leben. Mir ist, als müßten sie so dicht sein, wie der Sand am Meer. Und dann sind wir alle miteinander ja so gottsjämmerlich lichtscheu." Zu diesen Gespenstern rechnet Frau ,, Wenn aber der Evolutionist aus den rühmensAlving die bürgerlichen Sagungen und Anschauungen über werthen Leistungen eines Individuums die allgemeine die Ehe, deren Unheil sich an ihrer Familie offenbart. Frau Alving: Das habe auch ich gehört. Entwicklungsarbeit herausschälen muß und dahin gelangt, Als Mädchen hat Frau Alving den Lieutenant und Oswald: Ja, man kann ihnen getrost auf's Wort glauben; nur einen kleinen Kern als individuelle Leistung anzu= spätern Kammerherrn Alving nicht aus Liebe geheirather, fie find zuweilen fachkundige Leute!( Greift sich an den Stopf.) erkennen, so muß er auch bei verbrecherischen Thaten die sondern auf Zureden ihrer Verwandten, weil Alving eine daß es so besudelt werden muß! Mitschuld der angeborenen Eigenschaften, der sozialen ,, gute Partie" war. Die Eheleute finden aber in ihrer Im Hause der Frau Alving befindet sich ein junges Verhältnisse und Institutionen und die speziellen VerVerbindung keine Befriedigung; der Mann, welcher keinen Mädchen, Regine, welche vor der Welt und auch vor hältnisse, die zu dem Akt getrieben, anerkennen und sich Beruf, sondern nur ein Amt hat, sucht die Ableitung für Oswald die Tochter eines ehemaligen Dienstmädchens von sagen, auch in der verbrecherischen That sei nur ein seine starke Lebensfreudigkeit im Zechen mit Kameraden; Frau Alving und des Tischlermeisters Engstrand, in Wahr- kleiner Kern von Individualismus vorhanden. die Frau, welche infolge ihrer Erziehung kein Verständniß heit aber das uneheliche Kind des verstorbenen Herrn Die Todesstrafe aber rächt am Individuum die für Lebenslust und nur von strengen Pflichten gehört hat, Alving ist. In die hübsche Regine verliebt sich Oswald. ganze Schuld. Sie ist daher ein Aequivalent( gleichmacht sich und dem Manne die Häuslichkeit unerträglich. Dies Ereigniß, sowie des Sohnes Geständniß von seiner wiegendes Entgelt) für die That, aber nicht für den Alving wendet sich nun zu andern Weibern und erkrankt Krankheit und seine Selbstanklagen veranlassen Frau Alving, individuellen Faktor( Bestandtheil), der dabei in Betracht an der Syphilis. Die Frau verläßt das Haus und Oswald die Augen über ihre Ehe mit dem Kammerherrn kommt. Die Mitschuldigen, z. B. die sozialen flüchtet zu einem Manne, den sie liebt, zu Pastor Manders. zu öffnen. Frau Alving sieht ein, daß all das Unglück Verhältnisse, die mangelhaften Institutionen Obgleich dieser die Neigung heimlich erwiedert, treibt er ihrer Familie vom Gespenste der bürgerlichen Ehe und von tödten wir nicht mit!" doch aus Furcht vor öffentlichem ,, Aergerniß" Frau Alving allerlei falschen Moralansichten verschuldet ist. Sie sieht Man sieht, daß der geschäßte Gelehrte zu dem Erzurück in ihre Zwangehe. Frau Alving empfängt von ihrem ein, daß ihre Heirath, welche des Geldes und ähnlicher gebniß gelangt: Die richtende Autorität der Gesellschaft franken Manne einen Sohn, Oswald. Als der Knabe Interessen wegen, nicht aber aus Liebe stattfand, an Un- bestraft an Verbrecher die Mängel ihrer eigenen anfängt zu denken, wird er von der Mutter in Penſion ſittlichkeit der Prostitution gleichkommt. Sie kommt darauf Organisation mit und nennt diesen Akt dann„ Gerechtig= gegeben, um nicht die Achtung vor dem Vater zu verlieren, zu sprechen, als sie dem Pastor erzählt, daß Regine das keit" und Gerechtigkeitspflege. Die Gesellschaft, meint und darf erst nach des Vaters Tode zur Mutter zurück Kind ihres Mannes und ihres Dienstmädchens sei, und Benedikt, darf allerdings in höchsten Ausnahmefällen sich kehren. Oswald wird Maler und geht nach Paris. Hier daß der Tischler Engstrand für Geld das Dienstmädchen auch mit Verhängung der Todesstrafe schüßen nota lernt er die freie Ehe, die eigentliche Liebesehe, die den geheirathet und das Kind als das seinige bezeichnet habe. bene wenn es keinen anderen Schutz gäbe! Doch sind Zwang des Gesezes verschmäht, in den Kreisen von Pastor Manders: Das hätte ich Jak obEngstrand nicht zu ihm verläßliches, sittlich tüchtiges( und materiell leidlich Künstlern kennen, welche eben infolge ihrer großen beruf- getraut. Und dann das Unfittliche in einer solchen Verbindung. lichen Unabhängigkeit freier leben können. Oswald wird um des Geldes Willen! Wie hoch belief sich die Geldsumme, über oder gut gestelltes!) Gefängnißpersonal sowie unsere die das Mädchen verfügen konnte? vollendeten Kommunikationsmittel des Schutzes genug! ein tüchtiger Maler, fühlt aber plöglich, daß sein Gehirn Frau Alving: Es waren 300 Speziesthaler. Also! frank ist. Der Arzt behauptet, daran seien die Sünden Pastor Manders: Aber denken Sie nur für lumpige seines Vaters schuld, Oswald aber, welcher seinen Vater 300 Spezies hinzugehen und sich mit einer Gefallenen trauen zu für makellos hält, schreibt seinem eigenen Leben die Schuld laffen! Frau Alving: Was sagen Sie denn von mir, die hinging zu. Gebrochen kehrt er zur Mutter heim. Er findet die und sich mit einem gefallenen Manne trauen ließ? Mutter damit beschäftigt, zum Gedächtniß ihres Mannes Pastor Manders: Aber da soll Gott behüten! Was ein Asyl zu stiften, im Verein mit Pastor Manders. sagen Sie? Ein gefallener Mann! Dieser Mann, ein wohlmeinender Vertreter der engherzigen, unheilvollen Anschauungen des frommen Bürgerthums, giebt Anlaß zu folgendem bedeutsamen Gespräche: Pastor Manders: Das Vaterhaus ist und bleibt doch die rechte Zufluchtsstätte, der beste Aufenthalt für ein Kind. Oswald: Darin muß ich dem Pastor ganz Recht geben. Pastor Manders: Sehen Sie, Frau Alving, nur ihren eigenen Sohn an. Ja, wir können ja sehr wohl in seiner Gegenwart darüber sprechen. Welches sind die Folgen davon für ihn gewesen? Er ist sechs- bis siebenundzwanzig Jahre alt geworden und hat noch niemals Gelegenheit gehabt, ein ordentliches Heim kennen zu lernen. Oswald: Um Verzeihung, Herr Pastor- aber da irren Sie doch. Pastor Manders: So? Ich glaubte, Sie hätten ausschließlich nur in Künstlerkreisen verkehrt. Oswald: Das ist auch der Fall gewesen. Pastor Manders: Und meistens doch mit den jüngeren Künstlern. Oswald: Ja gewiß. Pastor Manders: Aber ich glaubte, daß die Mehrzahl dieser Leute nicht die Mittel befäßen, eine Familie zu gründen und 1 Vor allen Dingen handelt es sich nicht darum, durch Aufhebung der Todesstrafe eine vielleicht falsche Sentimentalität gegen die unglücklichen Verurtheilten zu bethätigen, sondern in erster Linie habe man hier eine Frage der Ethik für den Strafenden vor sich. Die Prügelstrafe verFrau Alving: Glauben Sie vielleicht, daß Alving reiner banne man aus Heer und Schule, auch weil sie die mit Engstrand trauen ließ? war, da ich mit ihm an den Altar trat, als Johanna, da sie sich Erzieher verroht. Darum werde und müsse die Aufhebung der Todesstrafe veredelnd auf die strafende Pastor Manders: Das sind doch aber himmelweit ver- Gesellschaft wirken. Wäre die Hinschlachtung der schiedene Dinge Fran Alving: Durchaus nicht so verschieden. Allerdings Verbrecher eine edle, die Menschheit reinigende That, dann war ein großer Unterschied im Preise; müßte der Henker eine hochgeachtete Persönlichkeit sein. lumpige 300 Thaker und ein ganzes Vermögen! Ich zweifle, daß die Herren Lombroso und Garofalo das Amt eines italienischen Reichshenkers annehmen würden." Und nun schildert Frau Alving, wie ihre Mutter und ihre beiden Tanten ihre Ehe zu Stande brachten. mich. es ist unglaublich, wie flar sie mir bewiesen, caßes her reine Wahnsinn wäre, einen solchen Antrag auszuschlagen. Wenn meine Mutter jegt herabsehen und wissen könnte, was aus all der Herrlichkeit geworden ist! Frau Alving: Die Drei machten das Rechenerempel für Weiter wendet sich Benedikt gegen gewisse ,, blutdurftige Positivisten", welche in den Verbrechern degenerirte Menschen ſehen und nach den Grundsäßen der Zuchtwahl diese ausschalten" d. h. durch Todesstrafe beseitigen wollen. Das würde nun zu ganz verzweifelten Konsequenzen führen; Pastor Manders: Für den Ausgang kann Niemand ver- man müßte nicht nur die Mörder, sondern alle unver antwortlich gemacht werden. So viel steht fest, daß Ihre Ehe in Uebereinstimmung mit jeder gefeßlichen Ordnung geschlossen wurde. besserlichen Verbrecher hinrichten. Ferner müßte man Frau Alving( am Fenster stehend): Ach ja, die Ordnung folgerichtig auch alle mit ansteckenden und erblichen Krantund das Gesetz! Manchmal glaube ich beinahe, daß diese beiden heiten behafteten Individuen ausschalten". Dadurch alles Unglück hier auf Erden, stiften. würde eine Blutarbeit" nöthig, zu der die Doktrinäre Diese Einsicht kommt der Frau Alving zu spät. Die europäische Menschheit nicht verführen würden. Ihr Sohn wird infolge der vom Vater ererbten Syphilis Allerdings wäre die antike, chinesische und arabische Oswald: Zweifelsohne giebt es viele unter ihnen, die nicht wahnsinnig. Die Mutter vergiftet den Sohn, weil sie( vormuhammedanische) Kinderausseßung, Tödtung und ihm versprochen hat, ihn auf diese Weise von den Leiden Lebendigbegrabung nur ein Kinderspiel gegen diese MassenOswald: Aber deshalb können sie doch ein Heim haben. zu erlösen. Regine geht, um Schneppe zu werden; denn schlächterei, zu der die Logik der Fanatiker für den Und einer oder der andere hat es sogar; und ein sehr ordentliches ein armes Mädchen muß seine Jugend ausnußen." Das von dem Vermögen des Kammerherrn, dem Sündengelde Geradezu frivol nennt Benedikt die Begründung der der Frau Alving, gestiftete Asyl wird ein Raub der Todesstrafe durch die wirthschaftliche Erwägung,„ daß die Flammen. Steuerträger nicht verhalten werden könnten, ihre Galgenkandidaten zu ernähren", welche Ersparniß im Verhältniß zu dem sittlichen Gewinn, der aus Beseitigung der Todes= strafe erfließt, nur denen wichtig erscheinen kann, die entweder nicht denken oder schlecht denken. ein Heim zu haben. Geld genug haben, um sich zu verheirathen. Pastor Manders: Nun, das ist es ja, was ich sage. und behagliches Heim obendrein. Frau Alving( horcht gespannt, nicht zuweilen, sagt aber nichts). Pastor Manders: Aber ich spreche ja nicht von Junggesellenwirthschaften. Unter einem Heim verstehe ich ein Familienheim, in welchem ein Mann mit seinem Weibe und seinen Kindern lebt. Oswald: Ja. Oder mit seinen Kindern und der Mutter seiner Kinder. Pastor Manders( stußt, schlägt dann die Hände zusammen). Aber du barmherziger Gott! Oswald: Nun? Pastor Manders: Zusammenleben mit seiner Kinder! Verbrechen und Geistesstörung. I. Galgen führt." Ein Artikel der„ Augsburger Zeitung" behandelte Benedikt tadelt, daß im italienischen Strafgesez unter vor Kurzem eine Studie des Prof. Moris Benedikt, Lehrer der Rubrik der strengsten an Stelle der Todesstrafe der Mutter der Psychiatrie( Seelenheilkunde) an der Wiener Hochschule, tretenden Repression gegen Verbrechen nicht gleich das betitelt: Der neue italienische Strafgesetz- Entwurf( 3anar- Irrenhaus für geiftestranke Verbrecher und verbrecherische Oswald: Ja! Oder wäre es besser, wenn er die Mutter belli) und die exakte Wissenschaft. Veranlaßt durch den Frre( italienisch: Manicomio Criminale) mit angeſet seiner Kinder verstieße? Pastor Manders: Sie reden also von ungefeßlichen Ver- Bericht des genannten Blattes suchte ich mir die Arbeit sei. Das sei eine Folge der falschen Eintheilung der hältnissen? Von diesen sogenannten wilden Ehen?! Benedikts zu verschaffen, endlich erhielt ich sie durch die gesellschaftlichen Schußmittel gegen das Verbrechen in Oswald: Mir ist niemals etwas besonders Wildes in dem Güte des Verfassers selbst. Da sie des Bemerkenswerthen Repressionsmittel" und" Strafen". Man möge sich entZusammenleben dieser Leute aufgefallen. Pastor Manders: Aber wie ist es nur möglich, daß ein so viel enthält, mehr als in jener Besprechung angedeutet schließen, den„ unwissenschaftlichen Ausdruck: Strafe" wegein einigermaßen wohlerzogener Mann oder ein junges Weib wurde, erlaube ich mir den Lesern dieses Blattes eine fallen zu lassen und den Paragraphen fassen: sich dazu verstehen kann, in dieser Weise zu lebenso vor den Betrachtung über den in Frage stehenden Gegenstand mit Augen aller Welt! Oswald: Aber was sollen sie thun? Ein armer junger vorzugsweiser Berücksichtigung der schönen Arbeit Professor Künstler ein armes junges Mädchen. Es kostet viel Geld, Benedikts zu unterbreiten. Der Verfasser steht auf dem Boden der EntwicklungsPastor Manders: Was sie thun sollen? Ja, Herr Alving, theorie und wendet diesen seinen Standpunkt gleich anfangs ich werde ihnen sagen, was sie thun sollen. Sie sollten sich von seiner Ausführungen auf die Todesstrafe an, deren Anfang an fern geblieben sein, das sollten sie thun. Oswald: Mit solchen Reden werden sie bei jungen, heiß- Fehlen im italienischen Strafgesetz- Entwurf er mit gerechtblütigen, verliebten Menschen nicht weit kommen. fertigter Freude begrüßt. Ueber diesen Gegenstand geben Frau Alving: Nein, damit kommen sie nicht weit. wir mit Vergnügen Benedikts eigenen Worten Raum: Pastor Manders: Und daß die Behörden dergleichen dulden! Ich sehe mich genöthigt, mich mit dieser Frage hier daß dergleichen ganz offenkundig geschehen darf.( Stellt sich vor Frau Alving.) Nun, hatte ich nicht Ursache, um Ihren Sohn zu beschäftigen, weil gerade einige Herren der modernen besorgt zu sein? In Kreisen, wo die unverhüllte Unsittlichkeit Schule, z. B. Lombroso*) und Garofalo diesen Fortschritt geduldet wird und sich gleichsam ein Recht erworben hat wenn man sich verheirathen will. Was sollen sie denn thun? Oswald: Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Pastor; ich*) Von diesem berühmten Kenner der Geisteskrankheiten erbin ein steter Sonntagsgast an einem paar solcher unregelmäßiger schien in deutscher Uebersetzung in Reclam's Universalbibliothek Familienherde gewesen. ( Nr. 2313-2316) Genie und Irrthum in ihren Beziehungen zum Gesetz, zur Kritik und Geschichte", ein Werk von ganz hervorPastor Manders: Und das noch dazu am Sonntag! Oswald: Ja gewiß! Das ist ja der Tag, an dem man ragender Bedeutung. " statt: die für Verbrechen festgeseßten Strafen find 2c. besser: die Repressionsmittel bei Verbrechen sind gewöhnliche und spezielle. A. Die gewöhnlichen Formen sind: 1-7( Buchthaus bis Geldstrafe). B. Die speziellen Formen sind: 1. Das Manicomio Criminale, 2. Das gewöhnliche Irrenhaus. Wir haben vor Kurzem bei Pfau( Die Kunst im Staate, Band 4 von Kunst und Kritik, Deutsche Verlagsanstalt 1888) gelesen: ,, Wer das Recht zu strafen sich anmaßt, übernimmt auch die Pflicht, sich nicht zu irren." Was bei Verhängung und Ausführung der Todesstrafe im Irrthumsfalle entsteht, bezeichnet das sprachlich und logisch richtig gebildete Wort: Justizmord! Bei dieser Strafe ist eine Restitutio in integrum, d. h. eine Wiederherstellung in unversehrten vorigen Zustand, ganz und gar unmöglich, darum fordert die Gerechtigkeit und Logik Beseitigung des„Tödtens von Rechtswegen"; und wenn in tausend Jahren auch nur je ?in solcher Jrrthum vorkommen sollte, er müßte genügen, gesitteten Menschen die Anwendung der Todesstrafe zu verbieten! Pfau lehnt in seinen Erörterungen den Begriff der Strafe ebenfalls ab, die niemals ein Verbrechen„auf- Wiegen" könne.„Sobald man die subjektive(des Ver- brechers) Reue in ein objektives Strafmittel verwandelt... winkt man der Sittlichkeit mit dem Holzschlägel, statt sie durch Entwicklung der Vernunft erkenntnißmäßig zu erziehen. Der freie Mensch kann daher einer nur äußerlich abgewogenen Strafe nur seine Verachtung widmen... Die Strafe ist eine physische Brutalität geistiger Impotenz; ...für den sittlichen Menschen giebt es nur eine Strafe, die nämlich, die sein eigenes Gewissen über ihn verhängt; keine Macht der Welt aber vermag den sich selbst bestimmen- den Vernunftbegabten zu strafen, den sein eigenes Bewußt- sein freispricht." Also weg mir dem nicht logisch noch moralisch degründbaren Begriff der Strafe! Die Gesellschaft wendet gegen das verbrecherische Individuum in Versolg ihres Erhaltungstriebes und auf Grund ihres kollektiven Bewußtseins Repressionsmittel an. Ihr geschriebenes Recht ist aber nichts mehr und nichts weniger als die irgendwie festgestellte Meinung der Mehrzahl— im günstigsten Falle! Wo über die Gesetze aber nur eine Vertretung des Volkes ohne Referendum an das ganze Volk bestimmt, ist nicht einmal sicher, ob die Gesetze der Ausdruck der wirklichen Volksmajorität sind. Es ist kein Wunder, daß seinerzeit in der Schweiz beim Referendum(Volksbefragung) über die Todesstrafe, ihre Beibehaltung oder Abschaffung die Bevölkerungen der strengkatholisch gesinnten und vom Klerus bearbeiteten Kantone für Beibehaltung der Todesstrafe gestimmt haben. In seinen hierher bezüglichen Auseinandersetzungen sagt Pfau:„Den Menschen strafen, heißt sein Gewissen verurtheilen. Der Begriff der Strafe ist daher rein religiöser und keineswegs juridischer Natur; er ist die Quelle aller Unterdrückung, aller Ungerechtigkeit, aller Verderbniß." Und wenn die Gesellschaft im Ganzen kollektive Strafe übt, so ist das eben eine„Rache, ausgeübt von einigen Millionen und nur um so brutaler und abscheulicher. Dieser Jrrthum, der eine Gewaltthat durch Anwendung eines rein quantitativen Mittels(Majoritätsbeschluß) in eine sittliche Handlung umzustempel» glaubt, beweist nur den rohen Zustand unseres Bewußtseins." Todesstrafe ist ihm also ein Massenmord in subjektivem Sinne, d. h. ein Mord, ausgeübt von der Masse, der Gesellschaft. Repression als Schutzmittel für die Gesellschaft darf sich decken mit dem Zustand des öffentlichen Bewußlseins; „richtet die Gesellschaft schlecht im Namen der strafenden Autorität, dann steht der schuldlos Gerichtete wider die Fehlbare auf, spricht mit allem Fug über sie das Schuldig aus und zerbricht ihr den Stab der Gerechtigkeit in den unwürdigen Händen; denn(wie oben schon zitirt) wer das Recht zu strafen sich anmaßt, übernimmt auch die Pflicht, sich nicht zu irren." Wir sehen daraus zugleich, wie Recht die katholische Kirche hat, wenn sie, die Autorität schlechthin, die höchste Autorität für sich in Anspruch nehmend, ihr Oberhaupt mit ganz logischer Konsequenz für unfehlbar erklärt. Endlich macht sich Pfau über einen schlechten Witz von Alfons Karr lustig, der unzählige Male nachgeplappert worden ist und lautet: die Herren Mörder möchten doch gefälligst den Anfang machen mir Abschaffung der Todes- strafe. Er erwiderte daraus kurz und treffend:„Das gute Beispiel ist Sache der gesitteten Leute, nicht der Hallunken." Manfred Wittich. Anmerkungen zum Vereinsrecht. Ueber das Verhallen der Mitglieder nach der behördlichen Auslösung eines Vereins. Es ist selbstverständlich, daß überall, wo polizeilich oder gerichtlich ein Verein als geschlossen oder ausgelöst erklärt ist, auch Zwangsmittel in Anwendung kommen, um die„Fortsetzung" des geschlossenen Vereins zu hindern. Die Art und Weise aber, wie dies geschieht, ist nach den verschiedenen deutschen Vereinsgesetzcn verschieden. In Bayern ist z. B. nach dem Wortlaut des Gesetzes einem obrigkeitlich geschlossenen Verein nur verwehrt, sich wieder zu versammeln. Er könnte also in anderer Art seine Thätigkeit ungestraft fortsetzen, falls er keine Versammlungen abhält. Eine von einem Vereine herausgegebene oder verbreitete Zeilschrift braucht in Bayern nicht ihr Erscheinen einzustellen, nachdem der Verein obrigkeitlich geschloffen ist, man kann weiter Beiträge erheben und verwenden, sogar neue Mitglieder aufnehmen, kurz jede Vereinsthätigkeit entfalten, die ohne„Versammlungen" zu entfalten möglich ist.(Artikel 24, Abschnitt 3 u. 4, Gesetz vom 26. 2. 50). Dies ist in den anderen deutschen Staaten nicht der Fall, es muß sonst überall ein obrigkeitlich geschlossener Verein sich thatsächlich auflösen und jede Vereinsthätigkeit einstellen. «Wer sich bei einem auch nur vorläufig geschlossenen poli- tischen Verein als Mitglied ferner bechciligt, wird mit Geldstrafe von fünfzehn bis einhundert und fünfzig Mark oder Gefängnißstrafe von acht Tagen bis zu drei Monaten bestrast"— sagt der§ 16, Abschnitt 2 des preußischen Vereinsgesetzes. Die fernere Betheiligung an einem obrigkeitlich geschlossenen Verein ist in Preußen auch bei allen denjenigen strafbar, die nicht in den Prozeß gegen den Verein ver- wickelt waren, oder die etwa in demselben freigesprochen wurden. Es sind daher auch solche Personen wegen „fernerer Betheiligung" strafbar, die früher dem Verein nicht angehört haben, wenn sie neue Mitglieder des Vereins werden. Hat aber Jemand, der einem vorläufig oder endgültig geschlossenen Verein beilrat oder sich sonst wie an demselben betheiligt, nicht gewußt, daß der Verein verboten war, so kommt ihm§ 59 des Strafgesetzes zu gut, der lautet: „Wenn Jemand bei Begehung einer strafbaren Handlung das Vorhandensein von Thatumständen nicht kannte, welche zum gesetzlichen Thatbestande gehören oder die Straf- barkeit erhöhen, so sind ihm diese Umstände nicht anzurechnen. Bei der Bestrastmg fahrlässig begangener Handlungen gilt diese Bestimmung nur insoweit, als fite Unkenntniß selbst nicht durch Fahrlässigkest verschuldet ist." Hierzu muß erläuternd bemerkt werden: Wenn Jemand das Bewußtsein hatte oder haben mußte, es wäre möglicherweise der Verein doch ein verbotener, wenn er z. B. davon gehört oder gelesen hat, daß der Verein in einen Prozeß verwickelt gewesen ist, der möglicherweise zu seiner Schließung führen konnte, so ist er verpflichtet, sich über den wirklichen Thatbestand Aufklärung zu ver- schaffen. Unterläßt er dies und betheiligt sich so an einem Verein, von dem sich später herausstellt, daß es ein verbotener Verein ist, so hat er eine Fahrlässigkeit begangen und ist strafbar. Das Fortbestehen eines geschlossenen Vereins setzt nicht voraus, daß derselbe in seiner früheren Art Sitzungen oder Versammlungen abhält, sondern es kann auch in anderen Handlungen gefunden werden. Die An- nähme oder das Bezahlen von Beiträgen, das Fortsetzen einer Zeitung, die anerkanntermaßen von einem Verein oder unter wesentlicher Mitwirkung desselben herausgegeben wurde, der Verlrieb einer solchen Zeitschrift kann als Fortsetzung der Vereinsthätigkeit angesehen werden, wie es durch eine ganze Reihe von Erkenntnissen festgestellt ist. Würde eine Lohnkommission oder eine ähnliche Kommission, die sich ihrer Aufgabe zuwider auf politisches Gebiet begeben, die Erörterung politischer Gegenstände in Versammlungen vorgenommen oder angeregt, und sonst gegen den§ 8 des preußischen Vereinsgesctzes verstoßen hat, vorläufig geschloffen oder ausgelöst, so wird es durchaus nicht, genügen, diese Kommission nun durch andere Personen zu ersetzen. Zwei Komnnssionen, welche die eine die andere ablöst mit unwesentlichen Aenderungen im Namen oder in der sonstigen Einrichtung, aber im Wesent- lichen zu demselben Zweck und mit derselben Thätigkeit, wenn sie auch aus anderen Personen bestehen, bilden ohne Zweifel eine„Forlsetzung". Das Leisten von unregelmäßigen Geldbeiträgen an eine solche Kommission macht nicht strafbar, denn die Entgegennahme von Sammellisten, die Einsendung von Geldern zur Unterjtützung von Streiks und Agitation und die Zirkulation von Petitionen bedeutet noch keinen Ein- tritt in einen Verein und kein Zusammenschließen unter einer Leitung. Wir machen hierauf ausdrücklich aufmerksam, um ängstliche Gemüther zu beruhigen. Das Einsenden der gesammelten Gelder ist unter allen Umständen straflos, selbst wenn vielleicht eine Kommission einmal als eine Fortsetzung einer früher verbotenen angesehen werden sollte. Also sobald ein„Verein" vorläufig oder endgültig geschloffen ist, hat er jede Vereinsthätigkeit einzu- jtellen und sich thatsächlich aufzulösen. Er darf nicht diese Auflösung nur zum Schein vornehmen und versuchen, die allen Bereinszmecke durch dieselbe Vereinigung vielleicht unter anderem Namen fortzusetzen. Ist ein Verein, dessen Sitz sich außerhalb Preußens befindet, von einer preußischen zuständigen Behörde geschloffen, so darf er seine Vereinsthätigkeit auf Preußen nicht erstrecken und Preußen dürfen ihm nicht weiter als Mitglieder an- gehören. In Braunschweig bestimmt§ 6 des Gesetzes vom 4. 7. 53, daß die Mitglieder eines aufgelösten Vereins innerhalb dreier Monate nach dessen Auflösung weder einen neuen, sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschästigen- den Verein bilden, noch Mitglieder eines solchen Vereins werden dürfen. In Anhalt ist diese Karenzzeit, in welcher die Mitglieder eines aufgelösten Vereins kaltgestellt sind, durch § 10 e des Gesetzes vom 26. 12. 50 auf sechs Monate bestimmt und dürfen sie während dieser Zeit auch weder an den Versammlungen anderer Vereine theilnehmen, noch viel weniger als Redner in denselben auftreten, was ihnen in Braunschweig nicht untersagt ist. In Sachsen und in einigen anderen Ländchen benutzt die Polizei ihr Recht, Vereine ohne richterlichen Spruch zu unterdrücken, der Art, daß sie Gewerkschaften, in welchen einmal, wenn auch vor längerer Zeit, ein Fach- verein verboten ist, das Vereinigungsrecht ganz nimmt, indem sie die Bildung aller Vereine ihnen ver- bietet, die irgendwie eine ganz entfernte Aehnlichkeit mit dem aufgelösten Verein haben. In Preußen unterliegt es keinem Zweifel, daß den Mitgliedern eines aufgelösten Vereines dttrch die Auflösung das Recht nicht genommen ist, beliebigen anderen politischen Vereinen anzugehören und sich an der Neubildung solcher Bereine zu betheiligen. Es kommt nur darauf an, daß der neue Berein durch Statuten und Einrichtung sich als eine Neubildung und nicht als eine Fortsetzung des alten Vereines kennzeichnet. Aeußere Merkmale dafür an- zugeben, wann ein Verein als ein neuer oder wann er als die Fortsetzung eines alten zu betrachten ist, ist nicht gut ausführbar. Es liegt das im Ermessen des Richters, dem in Preußen unter allen Umständen die Sache zur Entscheidung vorgelegt werden muß. Die Polizei kann die Neubildung eines' Vereines nicht verhindern, ja sie kann aus dem Gesetz nicht einmal ein Recht herleiten, einen Verein, den sie als eine Fortsetzung betrachtet, wieder vorläufig zu schließen, sie kann eben nur der Staatsanwaltschaft davon Anzeige machen, die das Weitere ztt veranlassen hat. Ist ein Verein aus Grund des Sozialisten- gesetzes geschlossen, so gilt überall dasselbe wie für einen auf Grund des§ 8 des preußischen Vereinsgesetzes geschlossenen Vereines. Er muß sich thatsächlich auf- lösen. Der§ 17 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 bestimmt: „Wer an einem verbotenen Verein als Mitglied sich be- theiligt oder eine Thätigkeit im Interesse eines solchen Vereines ausübt, wird mit Geldstrafe bis zu 500 Mark oder mit Gefängniß bis zu 3 Monaten bestrast." Es läßt sich aber auch hier sagen: Ein Verein, welcher gegründet wird, um einen früher bestandenen und aufgelösten zu ersetzen, wenn es sich nicht um ein bloßes Scheinmanöver handelt, stellt sich nicht schon um dieses Zweckes willen als Fortsetzung des früheren dar. Das wäre ein Widerspruch in sich selbst; denn das was ein Früheres ersetzen soll, kann das Frühere nicht selbst sein. Es müßte also aus äußeren Umständen nachgewiesen werden, daß man nicht die ernstliche Absicht gehabt hat, den Verein wirklich aufzulösen und die alten Beziehungen unter den Mitgliedern abzubrechen. Ein neuer Verein, der ganz dieselben Statuten, dieselben Mitglieder, dieselbe Leitung hätte, würde freilich als eine Fortsetzung des ver- botenen Vereines angesehen werden. Es kommt auf den wirklichen Thatbestand an... Wegen der Fortsetzung eines sozialisten- gesetzlich verbotenen Vereines ist der Richter zu- ständig. Der Verein kann deshalb nicht einfach im Ver- waltungswege unterdrückt werden, wenn nicht sonst die Thatsachen, die im§ 1 des Sozialistengesetzes genannt sind, zur Begründung des Verbotes angezogen werden können. Der Verein mttß, um dem§ 1 zum Opfer zu fallen, selbst gegen den§ 1 gehandelt haben, es genügt' dazu nicht, daß man ihn als Fortsetzung eines Vereines erklärt, der auf Grund des§ 1 verboten ist. Da trotz des mehr als zehnjährigen Bestehens des Sozialistengesetzes noch immer von den Behörden ganz arge Verstöße gegen die klarsten Bestimmungen dieses Ge- setzes gemacht werden, so kommt es auch vor, daß neu- begründete Vereine öfters Verbotsverfügungen seitens der Polizeibehörden erhalten, mit der Begründung, der Verein werde als Fortsetzung eines früher verbotenen Vereines betrachtet. Gegen solche VerbolSv erfügung ist natürlich die Beschwerde an die Reichskom- Mission laut§ 8 des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 innerhalb ein er Woche zu erheben. Die Begrün- dung dieser Beschwerde ist sehr einfach. Man sagt: Gegen die Verfügung, welche den Verein als Fortsetzung des früher verbotenen Vereines wieder verbietet(oder wie es manchmal heißt: ihm die Genehmigung nicht ertheilt), wird hierdurch Beschwerde erhoben, weil die Thatsache, daß der Verein eine Fortsetzung des früheren verbotenen Vereines sei, kein im Gesetze vom 21. Oktober 1878 vorgesehener Verbotsgrund, sondern nur ein Grund wäre, um gegen die Mitglieder und gegen Vorsteher, Ordner und Leiter Anklage zu erheben. . Die Beschwerde ist, wie bei allen Beschwerden, die an die Reichkommission gehen sollen, der Behörde ein- zureichen, die das Verbot erlassen hat. Dieses ist sehr zu beachten, um nicht Versäumniß des Termines zu erleiden, die sich nicht wieder gut machen läßt. Wenn Vorstand und Mitglieder eines Vereines, sei es auf Grund des§ 17 des Sozialistengesetzes oder des§ 16 des preußischen Vereinsgcsetzes oder irgend eines anderen Vereinsgesetzes, unter Anklage gestellt werden, so muß unter allen Umständen ein Rechtsanwalt zugezogen werden, wir brauchen da also keine weiteren Verhaltungsvorschriften zu machen. Wird dabei eine Voruntersuchung eingeleitet, so weise man schon in der ersten Vernehmung auf die Unterschiede zwischen dem alten verbotenen Vereine und dem neuen in Zweck und Mittel in den Personen der Leitung und der Mitglieder, der verschiedenen Organisa- lion des Vereines u. s. w. deutlich hin, schaffe auch für alle diese Behauptungen die Beweise rechtzeitig herbei und handele weiter mit dem Beirath eines Rechtsverständigen. Die Prozesse wegen Fortsetzung eines verbotenen Vereines sind ziemlich selten, da es nicht leicht vorkommen möchte, daß ein verbotener Verein seine Thätigkeit nicht wirklich einstellt, sondern sie heimlich oder unter nur schein- barer Aenderung seiner Form fortzusetzen sucht. Es wird dies um so weniger geschehen, als die Gründe, aus welchen ein Verein in Preußen geschlossen werden kann, nicht aus der Richtung und dem Zweck des Vereines, sondern nur aus äußeren Förmlichkeiten(Jnverbindungtreten, Aufnehmen nicht geeigneter Mitglieder) geschöpft werden, also das Wesen des Vereines, die Sache, für die er eintritt, durch das Verbot nicht getroffen wird, und in einer Form, die nicht gegen diese Förmlichkeiten verstößt, weiter zu führen sehr leicht möglich ist. Der Erfurter Kongreß der Tabakarbeiter Deutschlands nahm einen äußerst befriedigenden Verlauf. Es waren 137 Delegirte anwesend, welche 448 Orte mit 71 000 Tabatarbeitern vertreten, von welchen 16 000 einer gewerkschaftlichen Organisation angehören. H. Meister- Hannover eröffnete die Verhandlungen mit einer Ansprache, in der er die hohe Bedeutung der imposanten Versammlung betonte und der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Kongreß den an ihn geknüpften Wünschen der deutschen Tabat arbeiter voll gerecht werden und eine möglichst tiefgehende Besserung der wirthschaftlichen Lage derselben anbahnen möge. Berlin war durch die Herren Otto und Drescher vertreten. Auch eine Arbeiterin, Frau Blohm, war als Delegirte von Hamburg- Altona- Ottensen anwesend. Von den gefaßten Refolutionen glauben wir folgende besonders hervorheben zu sollen: Die Hausindustrie und deren Schäden. In Erwägung: Organisationsfrage. Die Arbeiterinnen in der Schuhmacherbranche. Der Rongreß erkennt die Zentralisation als die einzig Eine öffentliche Versammlung der in der Berliner richtige Form der Organisation an und erklärt die Vereinigung aller Schäftefabrikation beschäftigten Arbeiterinnen fand am Tabatarbeiter im Unterstüßungsverein, wie im Verein deutscher Bigarrenfortirer als das Hauptmittel zur Besserung der Lage der- Montag im Lokale Inselstraße 10 statt. felben, und verpflichtet alle Tabatarbeiter, mit aller Kraft und Von den 200 in Berlin beschäftigten Stepperinnen Entschiedenheit für die Ausbreitung dieser Organisationen einzutreten. war ungefähr der vierte Theil anwesend, immerhin ein Tabatarbeiter nachfolgende Beschlüsse zur Berücksichtigung: Der Kongreß empfiehlt dem Unterſtüßungsverein deutscher recht gutes Zeichen für die auflebende Bewegung unter Tabakarbeiter nachfolgende Beschlüsse zur Berücksichtigung: 1. Für die Agitation auch geeignete weibliche Tabak den Arbeiterinnen dieser Branche. Der übrige Theil des arbeiter zu verwenden. Saales war zumeist von Gewerksgenossen der Arbeiterinnen 2. In nächster Zeit in Süddeutschland eine lebhafte Agitation gefüllt. zu entfalten. Der Rongreß macht es den Delegirten zur Pflicht, in ihren Nach Wahl von Frau Baake, Fräulein Altenfelder Heimathsorten dahin zu wirken, daß öffentliche Versammlungen und Frau Otto ins Büreau erhielt Fräulein Johanna. der Tabatarbeiter nur gemeinsam mit den weiblichen Kollegen Jagert das Wort zum Referat über„ Die Lage der in einberufen werden. der Schäftefabrikation beschäftigten Arbeiterinnen". Der Kongreß empfiehlt den deutschen Tabatarbeitern, energisch Das Bild, das die Rednerin hierüber entrollte ist als ein recht trauriges zu bezeichnen. für Beseitigung der korrumpirend wirkenden Prämienarbeit einzutreten. Hochinteressant waren besonders die Verhandlungen Die Arbeiterin verdiene in dieser Branche 10-15 Mt., eine über die Arbeiterinnen- und Frauenfrage, welche durch ein sehr tüchtige vielleicht 18 Mt. pro Woche. Dazu komme noch eine Referat des Herrn Postelt- Dresden eingeleitet wurden. 7 bis Abends 210 Uhr! Die einzige Unterbrechung sei die unmenschlich lang ausgedehnte Arbeitszeit, eine Arbeitszeit von früh Das hervorstechendste Moment derselben lag, wie richtig Mittagspause von- einer halben, höchstens einer Stunde. Daß von einem Berliner Delegirten hervorgehoben wurde, in solche Anstrengungen kein Körper auf die Dauer aushalten könne daß die Hausarbeit in unserem Gewerbe große Schäden der Thatsache, daß, während vor wenigen Jahren noch sei flar; so sehe man denn auch die Arbeiterinnen dieses Berufes im Gefolge hat( ungeeignete Arbeitsräume, unzulässige Gemeinsam- vielfach auf solchen Arbeiterkongressen mit Erfolg die massenhaft erkranken. feit häuslicher und gewerblicher Verrichtungen, nachtheilige Einfluß Was solle man hiergegen thun? Ein Verbot der Frauenarbeit auf das Familienleben, Absonderung der Hausarbeiter von ihren Ansicht vertreten wurde, die Schäden der Frauenarbeit herbeiführen? Das wäre ebenso zwecklos und schädlich, als die Fachgenoffen, Fernbleiben derselben von den Mitteln zur Fort- fönnten nur durch Verbot oder wenigstens erheb. 3. von einigen Seiten gepriesene und vollführte Zerstörung der bildung, Regellosigkeit der Arbeitszeit, Ueberbürdung mit Arbeit, liche Einschränkung derselben beseitigt werden, auf Maschinen; das sei eine vollständige Verkennung der Verhältnisse. Herabdrückung des Arbeitslohnes). Niemandem werde dadurch geholfen; der Arbeiterin nicht, denn sie bas bie bundesräthlichen Bestimmungen durch die dem Kongreſſe deutscher Tabakarbeiter diese Ansicht als werde hierdurch wieder in die alte, vollkommene Abhängigkeit vom Hausarbeit vollständig illusorisch gemacht werden und eine reaktionäre, den wirklichen Verhältnissen durchaus Mann zurückgeschleudert, aus der sie sich mühsam etwas herausbis jetzt nur dazu geführt haben, die Einzelhausarbeit zu fördern nicht entsprechende bezeichnet wurde, und zwar von einer gearbeitet; auch für den Arbeiter habe ein Verbot der Frauendaß das Unfallversicherungs- Gesetz in Bezug auf die sehr großen, an Einstimmigkeit grenzenden Majorität. große Zahl der Hausarbeiter gänzlich wirkungslos geblieben ist, Nach langer, eine ganze Sigung ausfüllender Debatte daß auch das Verbot des Arbeitens von Kindern bei der Hausindustrie nicht zur Durchführung gelangt; in endlicher Erwägung, wurde denn auch folgende von Bruhns- Bremen eingebrachte daß alle noch anzuftrebenden Gefeße, welche zum Schuße der Resolution nahezu einstimmig akzeptirt: Arbeit dringend erforderlich find vornehmlich ein Gesez bezüglich Festsetzung einer Marimalarbeitszeit und das Verbot der Sonntagsarbeit wegen der undurchführbaren gesetzlichen Kontrolle, nie zur Geltung gelangen werden, find daß beschließt der Kongreß, 1. daß einzig und allein durch ein vollständiges gesehliches Verbot der Hausindustrie die Schäden derselben zu beseitigen 2. daß es, wenn die bundesräthlichen Bestimmungen für die Arbeiter der Tabaksindustrie von wirklichem Werth und Nußen sein follen, dringend erforderlich ist, daß dieselben ebenfalls auf die Hausindustrie, besonders auf die Einzelhausarbeit und auf diejenigen Tabatarbeiter und Tabatarbeiterinnen, welche für eigene Rechnung arbeiten, ausgedehnt werden. Die Arbeit in den Strafanstalten. 1. Den Fabrikanten, welche in den Strafanstalten arbeiten laffen, find diefelben Löhne, welche den Arbeitern außerhalb der Strafanstalt gezahlt werden zu berechnen. 2. Das Anlernen von Tabatarbeitern und Tabatarbeiterinnen in Strafanstalten ist vollständig einzustellen. Frauen und Kinderarbeit. arbeit feinen Nugen. Der selbst auf seinen Vortheil bedachte Frauenarbeit sei feine Konkurrentin der Männerarbeit, wenn erstere tapitaliſt werde bald andere billige Arbeitskräfte heranziehen. Die nur in richtige Bahnen gelenkt werde. Als ersten Schritt hierzu empfehle fich eine verfürzte, geregelte Arbeitszeit; das Endziel aber sei der sozialistische Staat. Fragen und Heulmeiereien, wer die Wirthschaft führen solle, seien sehr überflüssig und dumm. Früher seien die Kinder auch nicht in der Schule, wie jezt, sondern zu Haus unterrichtet worden, alles ändere sich mit den Verhältnissen. In in einem Jahrzehnt werde man alsdann ein greifbares Resultat diesem Sinne möge die Arbeiterin an der Bewegung sich betheiligen; sehen; dann fönne auch die Arbeiterin sich rühmen, etwas zur Be freiung der gesammten Menschheit gethan zu haben.( Stürmischer Beifall.) Der Kongreß erkennt in der immer steigenden Verwendung der Arbeit der Frauen sowohl in der Tabakindustrie wie in allen anderen Industriezweigen nur eine Wirkung der gesammten modernen Produktionsweise, und hält daher ein gesetzliches Verbot oder auch nur eine Einschränkung der Frauenarbeit( soweit nicht eine solche nöthig erscheint in Bezug auf den der verheiratheten Frau zur Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten nothwendigen Schuß, wie An der Diskussion betheiligten sich die Herren Krause, in Bezug auf diejenigen Beschäftigungen, welche der körperlichen Otto, Ebert, Bader. Schließlich wurde folgende Resolution Beschaffenheit der Frau widersprechen) nicht nur für vollständig einstimmig angenommen: unwirksam, sondern auch für eine nicht zu rechtfertigende Beeinträchtigung der auch von den Frauen zu beanspruchenden wirthschaftlichen Bewegungsfreiheit, und erklärt deshalb als einzig wirksames Mittel zur Beseitigung der im Gefolge der Frauenarbeit entstandenen Uebelstände die politische und wirthschaftliche Gleichstellung der Frau mit dem Manne. „ Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen der Referentin einverstanden und fordert da die Frau als Produzentin ins öffentliche Leben eingetreten daß derselben auch die öffent-lichen und politischen Rechte zuerkannt würden. Infolge dessen verpflichtet sich jede Anwesende, Der Kongreß fordert daher zur Erreichung dieses Zieles überall für die Gleichberechtigung beider Einführung eines Maximalarbeitstages. zunächst das unbeschränkte Koolitionsrecht auch für die Frauen und Geschlechter zu agitiren, zunächst aber für gleiche Leistung gleiche Löhne zu verlangen." In Erwägung, daß die Arbeitszeit im Tabafarbeiter- Gewerbe die Beseitigung aller dasselbe beschränkenden Gesetze und VerDas Bürcau wurde schließlich noch beauftragt, eine übermäßig lange ist, daß der längere Aufenthalt in von ordnungen, und verlangt im weiteren von allen zielbewußten männTabaksstaub und Nikotin geschwängerten Räumen die Ursache zahl- lichen Tabatarbeitern, unablässig für Aufklärung und Organi- Schritte zu weiteren Versammlungen zu thun und für reicher Erkrankungen vornehmlich der Berufskrankheit, der atton der weiblichen Kollegen, besonders aber für un- Aufklärung unter den Arbeiterinnen der Schäftebranche Schwindfucht bei den Tabatarbeitern ist, und in seinen weiteren bedingte Gleichstellung der Löhne der Frauen mit den Männern Sorge zu tragen. Folgen dahin führt, daß wie statistisch festgestellt die durchschnittliche Lebensdauer der Tabatarbeiter das zu wirken. 33. Lebensjahr nicht überschreitet, in Erwägung, daß durch Jr Erwägung, daß die Kinderarbeit die körperliche und die übermäßig ausgedehnte Arbeitszeit die Zahl der Arbeitslosen geistige Entwicklung der Kinder hindert und schädigt, beschließt der in unserem Gewerbe stetig vermehrt wird, daß die auch dadurch be- Kongreß, durch eine zu wählende Kommission eine an den Deutschen Verschiedene Berichte mußten leider wegen Raums. wirfte Herabdrückung des Lohnes für die Arbeiter die Folge hat, Reichstag zu richtende Petition ausarbeiten zu lassen, in welcher mangels zurückbleiben. daß diefelben den Sonntag, anstatt zur Ruhe und Erholung, zur um gänzliches Verbot der Arbeit von Kindern unter Bericht. Wir bringen über unsere eigenen Vorträge innerhalb Arbeit benutzen müssen, 14 Jahren in der Tabakindustrie ersucht wird. Diese Petition und außerhalb Berlins so gut wie nie sicherlich in 80-90 pct.. beschließt der Kongreß, den Bundesrath, resp. die Bundes- soll bei den gesammten deutschen Tabakarbeitern zur Unterschrift der Fälle ein Wort. Sie haben also taum Anlaß, sich zu ers regierungen aufzufordern, für die gefeßliche Einführung eines zirkuliren. eifern, wenn wir wegen Raummangels auch Ihrer Rede einmal zehnstündigen Maximalarbeitstages, wie für das gänzliche Ferner ersucht der Stongreß in einer entsprechenden Denkschrift nicht gedenken. Verbot der Sonntagsarbeit Sorge zu tragen, im Weiteren resp. Petition an Reichsregierung und Reichstag, dem Mißbrauch Abonnenten Bremerhaven. Da seit Oktober nicht ab= in Anbetracht der Wirkung, die eine Ausdehnung dieser Maßregeln und der Ausbeutung, welche seitens vieler Tabak- und Zigarren- gerechnet wurde, so mußten wir zu unserem Bedauern die Sendung auf alle Induſtrieſtaaten haben würde, in Bezug auf Regulierung fabrikanten mit den jugendlichen Arbeitern und Lehrlingen getrieben des Blattes einstellen. der durch die Konkurrenz auf dem Weltmarkte geschaffenen Ver- wird, durch strengste Anwendung der bestehenden Gesetzesvorschriften Bildhauer. Für Berlin besteht die Gemeinschaft, wenn hältnisse, auch alle auf internationale Regelung dieser Fragen resp. entsprechende Erweiterung derselben energisch entgegenzutreten. nicht besondere Abmachungen vorliegen. bezüglichen Bestrebungen anderer Staaten nach Kräften zu fördern. Schuh- und Stiefelwaarenlager Stiefelwaarenlager von Klinger und Grossmann, Waldemarstraße 68a( früher Trainkaserne). Cigarren u.Tabake reichhaltiges Lager, empfiehlt M. 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