Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 ig. pränumerando( frei ins yaus). Ginzelne Nummer 15 Bfg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Breis viertelfährlich 1 mt. 50 Bfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. № 19. Gedicht von Henckell. -Inierate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Bfg. berechnet. Bereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 11. Mai 1889. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Der internationale Arbeiterkongreß und Possibilisten in sich schloß, nichtsdestoweniger jedoch für Kongreß sich nur in der Form eines Wunsches, nicht einer die Spaltung in Frankreich.- Der schwedische eine Beschickung des von der genannten Fraktion ein- formellen Resolution über die Frage äußerte, und daß Parteitag. Segen der„ Sozialreform" für berufenen Kongresses von Seiten des deutschen Proletariats sich der deutsche, österreichische und belgische Delegirte der Arbeiter. Der Jhring- Mahlowprozeß. plädirte. Abstimmung enthielten, um den Nationen, welche sie verDie Argumente für die Ansicht, die Deutschen auf traten, und die ihrerseits die Frage eines internationalen Die Frauenfrage dem Kongreffe vertreten zu sehen, lassen sich folgendermaßen Kongresses erwogen hatten, nicht vorzeitig die Hände zu im Spiegel der Dichtung. II. Was ist zusammenfassen: binden. Von einem formellen, das Ausland verpflichtenden Ehre? Verbrechen und Geistesstörung II. 1. Die Possibilisten haben den Kongreß nicht auf Mandat kann also keine Rede sein. Nationalökonomische Irrlehren. II. Der eigene Faust einberufen, sondern kraft eines Mandats, Bleibt der Kongreß zu London, 1888. Uns erpneumatische Meißel. Der Jahresarbeits- das ihnen von Vertretern der Arbeiterorganisationen verscheint es als im höchsten Grade ungerechtfertigt, den verdienst bei der Invalidenversicherung. Zur schiedener Länder zugesprochen. ist; Beschlüssen gerade dieses Kongresses eine moralisch bindende Frauenfrage. 2. die Mandatsprüfung innerhalb der Delegirten Bedeutung zuzumessen, noch dazu Ländern gegenüber, Zur Abwehr. einer jeden vertretenen Nation macht den Konflikt in der welche nicht in London vertreten waren und offenbar nicht Kongreßfrage zwischen Marristen und Possibilisten zu einer vertreten sein sollten. Der Londoner Kongreß, trob inneren Angelegenheit der Franzosen, das Ausland mancher guter Seiten, war in der Form und im Wesen hat sich durch ein Fernbleiben von dem possibilistischen eine Vergewaltigung der ausländischen, sozialistischen Delegirten durch die antisozialistischen Herren vom ParlamenKongreffe nicht einzumischen; Der Bergarbeiterstreik. Arbeiter und Parteigenossen! Tretet eifrig für die weitere Verbreitung dieses Blattes ein. In Berlin abonnirt man am besten bei den Spediteuren, welche zugleich die Tageszeitungen bringen. 3. es ist noch nicht ausgemacht, daß die Possibilisten tarischen Komitee, welche, um jede ernstliche Opposition die Marristen vergewaltigen; geschieht es dennoch, so wird von vornherein zu ersticken, dem Arbeitertag seine ein Protest aus der Mitte des Kongresses den Possibilisten Souveränität vorenthielten, indem sie mit unerhörtem weit gefährlicher sein, als ein schmollendes Fernbleiben Autoritarismus Zulaßbestimmungen, Tages- und Geschäftsordnung allein entschieden. Jedermann weiß, wie diese Folgendes zur Widerlegung der betreffenden Ansicht Haltung der Leiter der Trades- Unions den Londoner Kongreß zu einem Rumpfpor'ument gestaltete, wie die und zur Klärung der Kongreßfrage überhaupt. deutschen Sozialisten, trop ades Entgegentominiens, trok ihres Verzichtes auf den von ihnen in St. Gallen beUnseres Erachtens haben die von internationalen schlossenen Kongreß absichtlich, und damit mit ihnen auch Kongressen herrührenden Mandate, auf welche sich das die Desterreicher und Russen vom Kongreß ferngehalten possibilistische Nationalkomitee für Organisation des bevor- wurden. Die Possibilisten bedauerten zwar auf dem itationsnummern für Vereine, Verſamm- aller Freunde der Marristen. . w. nach auswärts und in Berlin jederzeit götten wie unser Frosition Sition gu bieff Mna wie Der Verlag der Berliner Volkstribüne". Berlin S. O., Oranienstr. 23. * Berliner Arbeiterbibliothek.tehenden internationalen Arbeitertages flüßt, dem Ausland Kongreſſe die Abwesenheit der Deutſchen und gaben eine Soeben erschien Heft 4: Der Sozialismus in Frankreich feit der Pariser Kommune. Von Ossip Zetkin- Baris t. 48 Seiten Preis 20 Pfg. Unentbehrlich zum Verständniß der gerade iegt wieder in Frankreich hervortretenden Spaltungen. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure, wie durch die Expedition dieses Blattes. Der Verlag der Berliner Volks- Tribüne". Berlin S. O., Oranienftr. 23. Der internationale Arbeiterkongreh und die Streitigkeiten unter den französischen Arbeitern. durchaus teine bindende Kraft. Beide internationale Bravourarie zum Besten, jedoch erst, nachdem Kongresse waren und dazu im Wesentlichen absichtlich Anseele durch seine energische Protestation der Kaße die bloße Rumpfkongreffe, die erst in zweiter und dritter Schelle angehängt hatte. Wer überhaupt der Organisation Linie den Zweck einer internationalen Verständigung des des Londoner, wie anderer internationaler Kongresse von Proletariats verschiedener Länder verfolgten, dagegen in possibilistischer Gnade hinter die Koulissen geblickt hat, erster Linie der Absicht dienten, ihre thatsächlichen oder dem drängt sich unwillkürlich die Ueberzeugung auf, daß moralischen Urheber, die französischen Possibilisten, als die Possibilisten, die moralischen Väter des 1888 er Koneinziger in Frankreich bestehender Arbeiterpartei Anerkennung gresses, mit Siß und Stimme im hohen Nath des zu verschaffen. Diese Absicht allein erklärt, warum die parlamentarischen Komitees begnadigt, von Anfang an als„ international" betitelten Kongresse den Charakter von von ihren trades- unionistischen Bundesbrüdern durch eine Rumpfparlamenten trugen: es mußten die Vertreter von energische und entschiedene Haltung Zulaßbestimmungen Parteien ferngehalten oder majorisirt werden, welche auf erhalten konnten, die den Vertretern aller Nationen die dem Laufenden darüber waren, daß außer den Possibilisten Anwesenheit auf dem Kongresse ermöglichten, widrigenfalls in Frankreich noch eine sozialistische Fraktion bestand, aber hatten sie auf den Kongreß zu verzichten und im welche an Stärke der ersteren wohl gleich, an Klarheit Einverständniß mit den sozialistischen Parteien aller Länder und Zielbewußtheit, an korrekter Haltung dagegen über einen anderen Arbeitertag zusammen zu berufen. Aber legen war. die Führer der Possibilisten wollten weder das eine, noch Alle von den Possibilisten bis dato organisirten das andere, weil damit ihren Sonderinteressen schlecht Wir erklärten in unserer letzten Nummer, solange sogenannten internationalen Kongresse schrumpfen ihrem gedient gewesen wäre. Für wie wenig verpflichtend sogar die auf dem die Diskussion dieser Frage einstellen zu wollen, bis der Kerne nach auf Versammlungen der Possibilisten und und zwar in hervor- Kongreß von London vertretenen Organisationen die Aufruf der französischen Marristen vorläge.*) Unterdeß ging uns aus Paris von kompetentefter Seite ragender Weise des nicht sozialistischen, reaktionären Theils daselbst gefaßten Beschlüsse halten, zeigt, daß sich z. B. eine zusammenfassende Darstellung des ganzen unerquick- Wir wollen nicht erst an die erste, geradezu schmach Resolutionen einzutreten, ferner, daß es Belgier und lichen Streites der Marristen und Poffibilisten und seiner volle internationale Konferenz von 1883 erinnern, zu Solländer für keinen Widerspruch hielten, sich an der Entwickelung zu. Da diese Einsendung Anspruch darauf der außer den Trades- Unions nur noch etliche ausländische Haager Konferenz zu betheiligen und ihr zuzustimmen. erheben darf, die Anschauungen der leitenden Parteikreise Freunde der Possibiliften( Italien und Spanien) geladen Was speziell den Werth des internationalen Mandats in Paris wiederzugeben und da sie wie wir offen ein waren, von denen man keine Störung der oben angedeuteten über Organisation eines internationalen Kongresses durch räumen geeignet ist, manchen bisher dunklen Punkt Absicht zu befürchten hatte. Die Konferenz verlief bekannt- die Possibilisten betrifft, so verdient es wohl Beachtung, flarzustellen und manche Ansicht zu modifiziren, so gewähren lich so farblos, daß Herr Broadhurst, ein großer Sozialisten- daß die betreffende Resolution erst gegen Ende des Konwir ihr gern Aufnahme. fresser vor dem Herrn, den liberalen Londoner„ Daily gresses, in größter Eile herbeieskamotirt wurde. New" schreiben konnte:„ Wir haben ein gutes Werk gethan. Jetzt schwimmt Alles in unserem Fahrwasser. Nach den in der Volts- Tribüne" entwickelten AnIch habe nie Leute so schnelle Fortschritte machen sehen, sichten wäre eine Parteinahme für die französischen Marristen Die Nummer 17 der ,, Volks- Tribüne" brachte wie unsere Kollegen, die französischen Delegirten. Die erlaubt und geboten gewesen, solange die Possibilisten die einen Artikel zur Frage des internationalen Kongresses, Resolution, welche jeßt zur Abstimmung kommt, hat Herrn Bruderfraktion vollständig zu ignoriren gedachten, aber der zwar durchaus keine Billigung des Vorgehens der Brousse zum Verfasser, und wir werden sie annehmen, jeder Grund zur Einmischung des Auslandes hinwegohne ein Wort an ihr zu ändern." gefallen, sobald die Possibilisten erklärten, jede Nation * Paris, 5. Mai 1889. Trades- Unionisten zusammen derselben. das Parlamentarische Komitee weigert, für verschiedene * -* * *) Soeben bei Schluß des Blattes erhalten wir von demselben Der Kongreß von Paris, 1886, war nur eine solle bei Prüfung ihrer Mandate selbständig sein. Diese Kenntniß. Er beruft den Kongreß nach Paris für die Zeit vom zweite, etwas vergrößerte Auflage der 1883 er Konferenz. Erklärung mache den Konflikt zwischen Guesde und Brouſſe 14.- 21. Juli. Als Tagesordnung ist vorläufig festgesezt: a) Internationale Arbeitergesetzgebung. Einführung eines ge- Er war vom Auslande her dürftig und unvollständig zu einer inneren Angelegenheit der Franzosen, deren Entfeblichen Normalarbeitstages( Sonntagsarbeit, Frauen- und beschickt, kann also keineswegs als ein Ausdruck der scheidung man diesen selbst überlassen müsse. Kinderarbeit u. s. w.); Meinung und des Willens des internationalen Proletariats Wenn sonst kein Punkt, so wäre es gerade die b) lleberwachung der Werkstätten, der großen und fleinen In- betrachtet werden. Was speziell das Mandat behufs Klausel der Mandatsprüfung, welche den Widerstand, den dustrie, sowie der Hausindustrie; c) Mittel und Wege, um die diesbezüglichen Forderungen zu Organisation eines internationalen Kongresses durch die Protest des Auslandes gegen den possibilistischen Organisations= Poffibilisten anbetrifft, so muß bemerkt werden, daß der modus hervorrufen müßte. verwirklichen. " 1 Diese Klausel macht den Konflikt zwischen Marristen| 1888 eine Einladung zum Kongreß, verschoben aber jede| Fehler, aber keines Verstoßes gegen das sozialistische und Possibilisten nicht zu einer inneren Angelegenheit der weitere Aktion mit Rücksicht auf eine Einigung mit den aus- Programm schuldig gemacht. Die Thatsachen liegen vor, Franzosen, sondern sie dreht nur den Strick, mit welchem ländischen Parteien und der possibilistischen Fraktion. Um welche beweisen, daß von den Possibilisten nicht das die Freunde Brousse's die Bruderfraktion erwürgen wollen. nicht auf eigene Faust, sondern in Uebereinstimmung mit Gleiche gesagt werden kann. Um die Annahme ihres In der That verleiht der von den Possibilisten festgesetzte den Bruderparteien verschiedener Länder zu handeln, Programms Vielen möglich" zu machen, haben sie stets Modus für die Mandatsprüfung diesen die Möglichkeit, sind die französischen Marristen in Verbindung mit dem verschiedene Punkte ihres Programms gestrichen, geändert, unliebsame*) oder zu zahlreiche Delegirte der Marristen Ausland getreten, ließen sie sich auf der Haager Konferenz gedehnt, ersetzt. Sie haben stets das Anerbieten der vom Kongreß auszuschließen, beziehungsweise dieselben durch Lafargue vertreten und erklärten sie sich mit den Marriſten zu einer gemeinschaftlichen Aktion gegen den mojorisiren zu können. Dieser Hintergedanke allein erklärt Beschlüssen derselben solidarisch. Die Possibilisten dagegen gemeinsamen Feind zurückgewiesen, sie haben die Aktion die Zähigkeit, mit welcher das possibilistische National- blieben der Konferenz fern unter dem armseligen Vorwand, der Bruderfraktionen durchkreuzt, felbst wenn dies zum komitee den Beschlüssen der Haager Konferenz gegenüber daß dieselbe eine Anzweifelung ihres Mandats bedeute, Nußen der Bourgeoisie ausschlagen mußte so haben gerade an der Bestimmung über Prüfung der Mandate fie gingen bei Einberufung des Kongresses ohne vorher fie z. B. bei Wahlen den nichtpoffibilistischen Kandidaturen festgehalten hat. Bezeichnend für die Absicht ist die im gehendes Einvernehmen mit den sozialistischen Parteien regelmäßig Gegenkandidaten entgegengestellt; sie haben durch. Nationalkomitee gefallene Aeußerung, daß man bei Prüfung des Auslandes vor und setzten sich ruhig über die Beschlüsse die famose republikanische Konzentration mit den Clémenceau der Mandate von Delegirten aus Ländern, die unter der Haager Konferenz hinweg. Gerade auf Grund einer und Reinach das Terrain des Klaffenkampfes verlassen, politischen Ausnahmegefeßen stehen, die größte Toleranz Vereinbarung mit dem Auslande und einer einheitlichen sie haben sich gleichzeitig über das Anerbieten einer soziawalten lassen werde, daß man jedoch im Uebrigen fest Aktion des internationalen Proletariats zu Liebe erklärten listischen Konzentration in zynischer Weise luftig gemacht; entschlossen sei, sehr regelmäßige Mandate zu fordern. fich die Marristen bereit, in Gemäßheit der Resolution sie haben die an Boulé verübte Klassenjustiz gebilligt und Was dies zu bedeuten hat, muß Jeder wissen, welcher an des Londoner Kongresses den Possibilisten die Organisation einen Protest des französischen Proletariats durch AufDrt und Stelle seit Jahren die Entwicklung der französischen des beabsichtigten internationalen Kongresses allein zu über- ftellung einer Gegenkandidatur gegen den Gemaßregelten Parteiverhältnisse nicht nur nach ihrer offiziellen Außen- laffen, fie verzichteten darauf, bei Veranstaltung des Kon- geschwächt; sie haben der Unterdrückung, der Abweisung seite, sondern auch hinter den Koulissen verfolgt hat. greffes in gleichem Maße wie die Possibilisten betheiligt der Demonstrationen vom 10. und 24. Februar zugestimmt, Der angeführten Klausel gegenüber wird die Versicherung zu sein. Alles, was sie in Uebereinstimmung mit den auf ia deren Veranstalter und Träger noch bitter verhöhnt; der Possibilisten, daß der Kongreß allen sozialistischen der Haager Konferenz vertretenen ausländischen Delegirten sie haben die gegenwärtige Regierung zu AusnahmeSchulen, allen Arbeiterorganisationen offen stehe, zur leeren, verlangten, war für ihre eigene Partei, daß die Ein- maßregeln gegen ihre politischen Gegner aufgefordert, zur heuchlerischen Phrase. Die possibilistische Fraktion selbst berufung für den Kongreß nicht nur von den Beschränkung der Preßfreiheit, des Vereins- und Verhat Präzedenzfälle geschaffen, welche unserem Argwohn zu Possibilisten, sondern auch von Repräsentanten sammlungsrechts, zur Verhängung des Belagerungszustandes Grunde liegen. Auch für den 3. Regionalkongreß, der der marristischen Fraktion, von Repräsentanten über Paris; sie haben zu der Auflösung der Gewerkschaften im Mai 1883 zu Paris stattfand, hatten die Possibilisten des Auslandes unterzeichnet würde; für den Kongreß zu Montluçon und Commentry geschwiegen von einer erklärt, daß derselbe allen Schulen offen stehe, was im Allgemeinen verlangten sie volle Souveränität. Die im„ Prolétariat" nebenbei bewilligten Zeile über den jedoch nicht hinderte, dreißig marristische Delegirte, welche Marristen sind unserer Ansicht nach in ihrem Entgegen- Vorgang abgesehen; sie haben gerade in Sachen des interzehn Organisationen vertraten, unter dem jämmerlichen kommen bis an die äußerste Grenze gegangen, bis dahin, nationalen Kongresses unversöhnlichen Bruderhaß und grobe Vorwand auszuschließen, dieselben hätten durch Annahme wo sich jedes Mehr zu einem Selbstmord der Fraktion Verfolgung der Sonderinteressen, ein Ueberwiegen dieser des Titels, Fédération du Centre" der Union fédérative" gestalten könnte. Auf alle Fälle sind nicht fie, sondern über die Interessen der Allgemeinheit, des Prinzips gezeigt. illogale Konkurrenz gemacht. Ein ähnlicher Vorgang die Possibilisten es gewesen, welche unter kleinlichen, Wie wenig es ihnen bei einem internationalen Kon= wiederholte sich auf dem 8. Regionalfongreß 1887 zu formellen Vorwänden, unter Steifung auf das Wort greß darum zu thun ist, eine Verständigung und einheitParis. 12 marristische Delegirte waren im Vertrauen Mandat" alle Rücksichten auf das Ausland bei Seite liche Aktion des internationalen Proletariats herbeizuführen, auf die berühmte Versicherung, der Kongreß stehe allen gelassen haben. Die Marristen wollten im Bunde mit kann man aus einem Artikel ermessen, den das Prolésozialistischen Fraktionen offen, auf dem Arbeitertag er dem Auslande einen Kongreß zusammen mit den Possi- tariat" über die Internationale" laufen hat. Der schienen, wurden jedoch durch systematischen Lärm mundtodt bilisten einberufen, die letzteren bestanden darauf, einen Artikel ist nicht gezeichnet, aber wir gehen nicht fehl, wenn gemacht, konnten ihr Mandat nicht erfüllen und mußten Arbeitertag im Gegensatz zu und mit Ausschluß der wir seinen Verfasser in Brousse suchen, der gehässige Ton, fich vom Kongreß zurückziehen. Mit den angegebenen, Marristen zusammenzutrommeln. in welchem das Machwerk gehalten ist, die Unverfrorenheit, schlagenden Thatsachen deckt sich, daß die Possi- In Erwägung des Umstandes, daß die Marristen mit welcher die Thatsachen verdreht werden, läßt kaum bilisten den von ihnen in Anregung gebrachten Kongreß nichts gegen, alles nur mit den Possibilisten zusammen einen Zweifel über die Autorschaft. Der Artikel ist in zu Troyes fallen ließen, als die mit seiner Organisation organisiren wollten, erklärten auch alle an der Haager der That die treffendste Einleitung zu einem internationalen beauftragten Gewerkschaften denselben wirklich und nicht Konferenz Betheiligten, ihre Beschlüsse aufrecht zu erhalten, Kongreß, die herrlichste Illustration zu den eitel Honigseim bloß auf dem Papier allen Schulen offenstehen ließen. fich eventuell von einem durch die Possibilisten organisirten triefenden Reden der Possibilisten von ihrer tadellos interWird die Fernhaltung von einem unter den ob- Rongreß fernhalten zu wollen, wenn sich dieselben nicht nationalen Gesinnung und Aktion. Der Artikel ist von Er waltenden Umständen zu Stande kommenden Kongreß als zu einer Verständigung herbeiließen. Die Zeit, welche A bis 3 eine Philippika gegen den Marxismus. eine unbefugte Einmischung in die inneren Angelegenheiten während der Verhandlungen mit dem Nationalkomitee wärmt den ältesten, abgestandenen Klatsch der Bakunisten der Franzosen bezeichnet, so muß man genau mit dem verstrichen ist, da man es noch bis zur letzten Stunde zu gegen die Mary'sche Diktatur in der Internationale wieder gleichen Rechte eine Beschickung dieses Kongresses als einer Verständigung zu bringen hoffte, ist von den Bossi auf, gewürzt durch Thatsachen und Wert eine nicht berechtigte Cinnabung in eben diese Angelegen- biliſten zu einer regen Propaganda zu Gunsten ihres Brousse'scher Eung Das, Barze gipfe. in verwez heiten charakterisiren. Der ganze Unterschied besteht darin, internationalen Kongresses ausgenutzt worden. Sie haben hauptung, Marr und der Generalrath fälschten die Statuten daß die erstere Einmischung den Marristen zu ihrem Recht eine Sammelliste eröffnet, mit deren Ertrag Delegirte der Internationale, um ihre Diktatur weiter üben zu verhilft was der Artikel in Nr. 17 auerfennt in das Ausland gesendet werden sollen, sie haben zum können und jede Opposition zu tödten. Wir machen dem lettere dagegen die Possibilisten in ihrer Anmaßung Theil bereits Delegirte in die Provinz und über Herrn Brousse gewiß keinen Vorwurf daraus, wenn er in bestärkt, die einzige Arbeiterpartei Frankreichs zu sein, die Grenze geschickt, Paulard nach Belgien, André Gély seinen Schriften und Reden ein großes Unverständniß der resp. ihnen die Möglichkeit verleiht, die Bruderfraktionen nach Südfrankreich, Spanien und Portugal. Die Marristen Mary'schen Theorien an den Tag legt, und wenn er an die Wand zu drücken. Und daß die Possibilisten diese haben unterdeß aus Rücksicht auf das Ausland in Gemäß- dieselben durch die Doktrin der„ gemeinwirthschaftlichen Möglichkeit ausnügen werden, dafür bürgt nicht nur die heit der Haager Beschlüsse auf jede Aktion verzichtet. Die Betriebe" überflügelt zu haben glaubt. Niemand kann ja ganze Vergangenheit der Fraktion, dafür bürgt auch ihr Wirkung des beiderseitigen Vorgehens hat nicht auf sich mit seinem Verständniß über seine Kräfte hinaus, und unklarer, gemäßigter" Charakter. Gerade die warten lassen. Die Anwesenheit Paulard's auf andererseits lobt jeder Kaufmann seine Waare, auch wenn Gemäßigten gehen bekanntlich bei Verfolgung dem Kongreß der belgischen Partei zu Jolimont dieselbe belgische Nachfabrikation und Kontrebande ist. ihrer Sonderinteressen skrupel- und schonungslos hat veranlaßt, daß dieselbe von den Beschlüssen Aber vom Unverständniß bis zur Verdrehung, zur Lüge vor. Daß wir bei unseren Befürchtungen nicht zu schwarz der Haager Konferenz zurückgetreten ist, ein Resultat, ist ein weiter Schritt, und Herr Brousse hat diesen sehen, dafür ein aus der letzten Zeit datirendes Beispiel. welches allerdings nur mit einer schwachen Majorität er- moralischen salto mortale mit staunenswerther KaltblütigDas Vorgehen der Belgier zerreißt die feit gethan.*) Der„ Parti Ouvrier" hat z. B. den Artikel der reicht wurde. Bolts- Tribüne, an den wir unsere Erwiderung anknüpfen, Haager Konferenz, giebt also den franzöfifchen Marristen, Zum Schluß noch etliche Worte über die vermeint= in seiner Nummer vom 1. Mai reproduzirt, jedoch so nachdem dieselben alle Mittel zu einer Berständigung erihre Aktionsfreiheit zurück, sie können nun liche Majorität der Possibilisten innerhalb der verstümmelt und theilweise entstellt es heißt z. B. föpft darin ,, Uebelgesinnte behaupten", daß die Possibilisten den unverzüglich mit Einberujung ihres internationalen Kon- französischen Partei. Kongreß auf eigene Fauft einberufen daß sich der gresses vorgehen. Das werden sie auch thun, und die offiziellen EinArtikel zu einer einseitigen und reservelosen Billigung und Zustimmung des possibilistischen Kongresses zuspizt. Dieses ladungen zu dem von ihnen zu organisirenden Kongresse Gebahren ist jedenfalls un wollen wir uns parlamen- werden bereits in den nächsten Tagen versendet werden. tarisch ausdrücken * ungerecht, aber auch ungeschickt. †) * * * * * * * dem beregten Artikel folgende Straftſtellen:„ Der Banmarrismus *) Zur Erbauung des deutschen Publikums zitiren wir aus bildet in ber Internationale das Gegenstück, ben würdigen Bruder des Panbismarkismus der bürgerlichen Welt... Marr hat sich vor der Geschichte kompromitirt, der leidige Nuf eines Intriguanten befleckt den Namen des mächtigen Kritikers der kapitalistischen Das ausländische Proletariat befindet sich Welt... Mary war ein Stubengelehrter... das Wort Marris= Der gegen die Marristen an dieser Stelle weiter also zwei internationalen Rongressen gegenüber, mus ist synonym von Intriguant geworden... Marr war von erhobene Vorwurf, diefelben hätten sich auf den Kongressen Berhältnisse liegen, die ausländischen Parteien( lies: Kompromisse), er war ein alter Achtundvierziger, ein einund unserer Ansicht nach können sich, wie die einem altmodischen Materialismus durchtränkt, ohne wirkliches Verständniß für die modernen Ergebnisse der Experimentalpolitik zu Bordeaux und Troyes über alle Rücksichten gegen das durchaus nicht für den einen und den anderen gefleischter und ſtrupelloser Autoritär. Ausland hinweggefeßt, erscheint uns unbegründet. Wenn erklären, sie können sich nur für den einen oder Was die Marr'schen Theorien anbelangt, so begnügt sich der die betreffenden Arbeitertage die Veranstaltung eines inter- den anderen entscheiden. Verfasser bescheiden mit der Behauptung, daß wir nicht zu unternationalen Kongresses beschlossen, so geschah dies einfach suchen haben, ob seit 1847 der menschliche Geist für dieselben Vor Allem ist nöthig, daß die einzelnen Organisationen Ideen nicht eine moderne Formel gefunden, und ob man mit einer als Gegenwehr gegen die Absicht der Possibilisten, durch das Votum des Londoner Kongresses alle Nichtpoffibilisten der betreffenden Länder in Sachen der Betheiligung an füngeren Schule nicht in den services publiques" die wirkliche Frankieichs bei Seite zu schieben, anderersens aber auch, den Kongressen eine einheitliche Haltung zeigen, damit Theorie des wissenschaftlichen Kommunismus zu erblicken habe." Nachdem der Marr'sche Ehrgeiz die Internationale zu Grunde weil die Frage eines gemeinschaftlich zu organisirenden feine Zersplitterung und Gegenfäßlichkeit der Kräfte gerichtet, intriguirten die alten Knöpfe der Internationale, die internationalen Kongresses von marristischer Seite her geschaffen werden. Nichts wäre trauriger, als wenn die Marr, Engels und Lafargue, um nach dem Genter Rongreß ihre zusammen mit ausländischen Sozialisten mehrfach erörtert Stongreßfrage, welche, wie fie liegt, nur ein Ausdruck der Internationale von oben nach unten, nach ihrer eigenen Formel zu worden war. Daß gerade die Marristen alle Rücksichten französischen Parteizwiftigkeiten ist, den Anlaß geben sollte, reorganisiren," die internationalen Marristen sezten dieses Werk auf das Ausland nahmen, geht aus dem Umstande hervor, die Spaltung der Proletarierorganisationen, die Brousse zum Schaben einer wahren, modernen Internationale fort. daß dieselben trotz des doppelten Mandats alle weiteren in Frankreich zu Stande gebracht und künstlich genährt der guten und reinen anarchistischen Klatschbasen männlichen Schritte für Organisation des Kongresses unterließen, bis hat, auch auf andere Länder überzutragen. eventuell eine Verständigung mit dem Auslande und mit Für welchen der beiden Kongresse sich das ausländische den Possibilisten herbeigeführt war. Die von den Kon- sozialistische Proletariat zu entscheiden hat, darüber kann greffen zu Bordeaux und Troyes mit Organisation des unseres Erachtens nach kein Zweifel sein: für den von internationalen Kongresses Beauftragten erließen noch Ende den französischen Marristen einzuberufen den Arbeitertag. Leute wie Lafargue, Guesde, Deville auszuschließen. Allein sie sind folgende: Aber wie früher alle Marr'schen Intriguen an der Haltung Geschlechts zerschellten, so wachen jezt die braven Possibilisten, um die Ränke der internationaleu Marristen au vereiteln. Wenn eine neue antimarristische Internationale zu Stande kommt, so gebührt das Verdienst nicht in letzter Linie der Union fédérative. Wann diese von Herrn Brousse geträumte Internationale geboren wird, hängt von den mehr oder weniger Fesseln ab, welche die Päpste des Marrismus ihr anlegen wollen. Sie wäre bereits zu Stande gekommen, wenn die internationalen margistischen Koterien ihr nicht Knüppel in den Weg würfen Die marristische Intervention ist der Entwicklung überall hinderlich, sogar in Deutsch*) Natürlich würden die Possibilisten kaum so plump sein, Die Gründe, welche uns zu dieser Wahl entscheiden, würden durch eine Beschränkung der von marristischer Seite 1. Es ist nicht Schuld der Marriften, sondern lediglich land... in England und dem französischen Belgien ist sie gleichgesendeten Delegirten die Bedeutung und Stärke der nicht possi- der Possibilisten, daß kein einheitlicher internationaler falls hemmend, in Frankreich, Spanien und Italien iſt ſie geradezu bilistischen Fraktionen zu vermindern suchen. verhängnißvoll, Vergleiche darüber den besonderen Artikel. Die Red. der Kongreß zu Stande gekommen ist. „ Bolts- Tribüne". Dies die Hymne, durch welche das„ Prolétariat" den inter 2. Die Marristen haben sich wohl großer taktischer nationalen Kongreß begrüßt. Segen der„ Sozialreform" für die Arbeiter. Herr von Puttkamer verschwand von der Bühne, auf der man so oft seine wahrhaft staatsmännischen" Posen bewundert hatte. Was waren nun die Glieder ohne das Haupt?.. So fiel denn auch der Prozeß. Nur in Paris hängt die Mehrzahl der Arbeiter-| ,, Vertrauensmänner". Es wurden gewählt: Branting,| Macht zu halten suchte, traf eine kaiserliche That das Haupt organisationen, in erster Linie der Gewerkschaften, der Sterky, Palm, Engström( Stockholm), Danielson( Malmö), Union fédérative an. In der Provinz existiren so Erickson( Gothenburg) und Lundberg( Gefle). gut wie keine Possibilisten. Die zahlreichen, in der Provinz ins Leben gerufenen Gewerkschaften und Studienzirkel gehören der Majorität nach der marristischen Arbeiter partei an. Die Kräfte der Marristen in der Provinz sind mindestens ebenso stark wie die der Possibilisten in Paris. So haben sich bereits in Paris bis dato 58 Gewerkschaften für eine Vertretung auf dem possibilistischen Kongreß erklärt, dazu kommen noch vielleicht ein bis zwei Dußend Zustimmungen aus der Provinz. Der Kongreß von Troyes repräsentirte 327 Gewerkschaften und Korporativgruppen, welche sämmtlich ihre Zustimmung zu einem von marristischer Seite organisirten Kongresse gegeben haben. Die Possibilisten sprechen zwar von„ eingebildeten" Organisationen, aber die Marristen können ihnen den Vorwurf zurückgeben. Man schlage den im vorigen Jahre in der Volks- Tribüne" über die französischen Gewert schaften erschienenen Artikel nach, und man wird zu der Einsicht kommen, daß wer im Glashause fißt, nicht mit Steinen um sich werfen soll. Daß die königliche Staatsanwaltschaft, der wir gern und aus Herzensgrunde das Zeugniß ausstellen, daß sie r. Wir finden in den Zeitungen folgende Notiz: „ Gegen die Forderung der Lohnerhöhung hat sich prompt und akkurat arbeitet, einen schwebenden Strafprozeß der früher von ihr selbst als höchst dringlich der Leiter der Krupp'schen Gußstahlfabrik, Geh. Finanzrath bezeichnet wurde der Verjährung verfallen ließ, steht Jenke zu Essen, vor einiger Zeit in einem Vortrage im vielleicht ohne Beispiel da und man könnte es bezweifeln, Effener Arbeiter- und Bürgerverein ausgesprochen, indem wenn es nicht vom Gericht als aftengemäß festgestellt worden er hervorhob, daß für die Krupp'sche Gußstahlfabrik auf wäre. Da ein anhängiger Strafprozeß nur durch ein Grund des Kranken-, des Unfall- und des Alters- und Urtheil aus der Welt geschafft werden kann, hatte das Invaliden- Versicherungsgesetzes sich die Beiträge bis zum Gericht unterm 19. September 1888 bei der königlichen Jahre 1935 auf die Summe von 1 095 700 Mart steigern." Staatsanwaltschaft wegen der Akten, resp. wegen AnSo! da haben wir es klar und deutlich, wer den Beitrag beraumung eines Termins angefragt. Die Akten waren bezahlt, den das Gesetz den Betriebs- Unternehmern auflegt. Graber als„ unentbehrlich" von der Staatsanwaltschaft nicht wird einfach den Arbeitern als Bohn angerechnet und sie zu erlangen. Am 10. Januar und am 2. März fragte dürfen dieses Beitrages wegen feine Lohnerhöhung fordern. der Decernent nochmals an die Gerichtsakten blieben viel Brozent des ganzen Löhnes diese 1095 700 Mark von dem Gerichts mit dem gleichzeitigen Antrage der königlichen Der Herr Geheime Nath hat aber anzuführen vergessen, wie aus; erst Ende März gelangten sie in die Hände des ganzen in dem Krupp'schen Gußstahlwerke bis 1935 gezahlten Staatsanwalt auf Einstellung des Verfahrens, weil nunmehr Abgesehen hiervon, hat die Haltung der Parteiführer Lohne sind und wie hoch sich der Verdienst des Herrn Krupp die preßgefeßliche Verjährungsfrist abgelaufen sei. in der Frage des Boulangismus, die von diesen verfolgte bis dahin aus der Arbeit seirer Angestellten und Arbeiter stellt. Taktik eine Zerbröckelung der possibilistischen Fraktion an Nur im Vergleich mit diesen Zahlen kann man beurtheilen, ob die so selten vorkommt! Wie schade, wird mancher Angeklagte seufzen, daß das gebahnt. Verschiedene, sehr beträchtliche Organisationen angegebene Zahl bedeutend ist oder nicht. Uns scheint, als ob hier find in Folge der republikanischen Konzentration" aus das alte Taschenspielerkunststückchen geübt wird, wirthschaftlich nicht reizende Aeußerungen Ihrings: 1,, Mit dem Parlamentiren Die bereits vernommenen Zeugen bekundeten aufder Union fédérative ausgetreten. So erst in jüngster gerade sehr entwickelten Personen durch Zahlen, die einem einfachen ist es nichts, es müsse so gearbeitet werden, wie die Zeit die Organisationen des XIII. Arrondissements und Arbeiter deshalb groß erscheinen, weil er als Maßstab nur seinen Nihilisten in Rußland es thäten;"" wenn sie nichts mit obendrein noch unter einer Motivirung, welche die schärfste Wochenlohn von 12 bis 15 Mart dagegen halten kann, Nebel vor- Dynamit machen wollten, wie in Zürich und Italien, ist Kritik nicht nur der possibilistischen Taktik, sondern auch zumachen, hinter welchem man die eigenen Geldintereffen in Sicher- es nichts;" vor der Berathung des Sozialistengesetzes der Motive und Ränke der Fraktionsführer ist. Gerade heit bringt. Eine Zahl oder Größe an und für sich ist weder groß müsse noch ein Putsch veranstaltet werden" u. dergl. Die jezt hat die Union fédérative weniger Anlaß als je, sich noch flein, weder viel noch wenig. Erst wenn man sie in die von ihm ausgestoßenen Majestätsbeleidigungen lassen sich als Majorität der französischen Arbeiterschaft zu geberden. richtige Vergleichung mit den zu ihr gehörigen Zahlen oder Größen nicht wiedergeben. Zahl oder Größe für einen Werth hat. seßen kann, ist man in der Lage zu beurtheilen, was die angeführte Mehr aber, als diese Ergebnisse des Prozesses bedeutet das Schweigen der Anklagebehörde, welches die VerWir glauben, wenn man die 1095 700 Mark in dieses rechte jährung herbeiführte und welches in der That beredter ist, als alle Stimmen der Presse für oder wider IhringMahlow. Politisches und Sozialpolitisches. Der schwedische Parteitag wurde, wie bestimmt war, in Stockholm am 19. April Licht ſtellt, wird man sofort erkennen, daß es sich um eine ganz Vormittags durch den Vorsißenden des Stockholmer sozial- unbedeutende Sache handelt, daß dieserhalb die Arbeiter durchaus demokratischen Bundes", Genossen Sterky eröffnet. Er- nicht verpflichtet sind, nun bis zum Jahre 1935, also fast 50 Jahre schienen waren 50 Delegirte, 71 Vereine vertretend( 19 lang auf jede Verbesserung ihrer Lage zu verzichten. von Stockholm und 31 aus den Provinzen). Zur Leitung Wenn das der" Segen" der Sozialreform sein soll, eine der Verhandlungen wurden Sterfy und Kjellmann als Vor- Burückhaltung jedes Kulturfortschrittes für die Arbeiter denn sigende und Branting und Engström als Sekretäre gewählt. dieser drückt sich in der Steigerung der Lebensbedürfnisse aus Trot zahlreich anwesender Polizisten wurde beschlossen, dann wäre die Sache so gemeinschädlich, daß wir nur die Be- die Arbeiter, welche dem Reichsversicherungsamte andie Verhandlungen öffentlich abzuhalten. 3u Mittag feitigung all der aufgezählten Geseze dringend verlangen könnten. drohte jedoch die Polizeibehörde, die Versammlung aufzulösen, wenn die Zuhörer sich nicht entfernten. Da man nun nicht die ganze Sache gefährden wollte, so wurde bestimmt, die Versammlungen hinter geschlossenen Thüren zu führen. Es zeigt sich aber auch hier wieder, wie bei der heutigen falschen Wirthschaftsordnung selbst sogenannte" humane" oder wie man sie auch nennt praktisch christliche" Bestrebungen immer im letzten Ende zum Schaden der wirthschaftlich Schwächeren, der Arbeiter besonders ausfaller, daß ihnen nur durch eine durchgreifende soziale Umformung zu helfen ist. Die ,, Volkszeitung" benußt diesen Anlaß zu folgenWir finden in verschiedenen Zeitungen erwähnt, daß gehören, auch der Eröffnung der Unfall- Ausstellung in amtlicher Eigenschaft beigewohnt haben. Dagegen haben wir nichts zu erinnern, das ist ihr Recht wenn sie da zugelassen" werden, auch hinzugehn. Wir müssen aber ganz entschieden dagegen Einsprache erheben, daß diese Herren in den Zeitungen hingestellt werden als Arbeitervertreter, die von den Arbeitern gewählt sind." Der Kongreß begann nach dieser Unterbrechung die Diese Mitglieder des Reichsversicherungsamtes sind nicht Verhandlung über die Organisation der Partei, von den Arbeitern sondern nur von den Vorständen der welcher ein Statutenentwurf des sozialdemokratischen Der Thring- Mahlowprozek 3wangs- Krankenkassen, die dazu von den Arbeitern Bundes" in Stockholm zu Grunde lag. Die Wiener " Gleichheit" berichtet darüber: Zuerst wurde einstimmig gegen die„ Volkszeitung" ist nunmehr definitiv aufgegeben durchaus keine Vollmacht haben, auf Grund des UnfallVersicherungsgefeßes gewählt. Da diese Kassenvorstände der Name der Partei als, sozialdemokratische Arbeiter und zwar wegen Verjährung." partei Schwedens" bestimmt. Der Zweck derselben ist, ihrer ganzen Zusammensetzung nach durchaus nicht als Beauftragte der Mehrheit oder nur eines größeren Theiles die sozialdemokratischen Prinzipien, sowie solche im Programm Im Februar 1886 hatte der Abgeordnete Singer im der Arbeiter anzusehen sind, so haben die Arbeiter- Beisiger der Partei ausgesprochen sind, zu verwirklichen, und die Ein des Reichsversicherungsamtes so wenig ein Recht, sich als Partei soll bestehen aus solchen politischen, fachlichen und Reichstage die Thaten Ihring- Mahlow's enthüllt. anderen Vereinen, welche auf dem Boden des Klassen- greller Lichtstrahl fiel auf das Treiben der Spißel und Arbeitervertreter, die von den Arbeitern gewählt find", tampfes stehen. Die höchste Instanz wurde in die Hände enthüllte einen gartigen Flecken, den keine offiziöse Kunst hinzustellen, als die Theilnehmer an dem berüchtigten des Parteifongresses gelegt, welcher alle zwei Jahre statt mehr wegwischen konnte. Herr von Buttkamer erklärte Fackelzuge in Breslau Arbeitervertreter waren. statt- mehr finden solle. In der Zwischenzeit zwischen den Kongressen Singers Darstellung für einen Ueberfall; falls sie wahr sei, Richtigstellung des Thatbestandes. soll eine Parteileitung, bestehend aus sieben Vernauens- versprach er die schärfsten Disziplinarstrafen gegen solchen Unfug. männern, nebst sieben Ersaßmännern fungiren mit der Aufgabe, die Beschlüsse des Bundes durchzuführen, die Partei öffentlich zu repräsentiren und in ihrem Namen stund machungen zu erlassen, sowie mit ausländischen sozial demokratischen Arbeiterparteien Verbindung einzuleiten und zu unterhalten. " 1 " " dem Rückblick: unnüßer Ballast! Dies zur Ueber den Polizeiinspektor Wohlgemuth bringt Die Untersuchung gegen Ihring- Mahlom nahm einen das„ Zürch. Volksbl." folgende zusammenfassende Miteigenartigen Verlauf. Man verhörte nicht etwa die Zeugen theilungen: Quelle der Wahrheit, man fragte „ Schon seit einer Reihe von Jahren hat Wohlgemuth wiedersondern erschloß die lauterste den Angeschuldigten. holte Versuche gemacht, sich das Vertrauen von Arbeitern zum Dieser erklärte auf Ehre und Gewissen zu Protokoll, daß Zweck der Polizeispionage zu erwerben. Mit raffinirter Berechnung suchte er sich zu diesem Im weiteren Verlaufe der Berathungen wurde Schweden an den Bezichtigungen, er habe wie ein agent provocateur Behufe solche Personen heraus, welche mit zahlreicher Familie gehandelt, fein wahres Wort sei. Der lange Spieß der gesegnet und ökonomisch überhaupt ungünstig gestellt sind. In in drei Agitationsdistrikte eingetheilt. Nord- und Mittel- Kriminaluntersuchung wurde umgedreht; er wurde nicht einem Brief an einen Sozialdemokraten verweist er auf die Unschweden haben ihren Zentralpunkt in Stockholm und den abschlägig beschied, mit den Worten:" Sie sind ein großer Efel!" Sozialdemokraten" zum Organ; der südliche Distrikt in gegen den Beschuldigten, sondern gegen die Ankläger, dankbarkeit der Partei und apostrophirt ihn, da er seine Offerten nämlich die Gewährsmänner Singers, Berndt und In neuerer Zeit wandte er sich an den Sozialdemokraten Malmö mit Arbetet" und der westliche in Gothenburg Christensen gerichtet; das Schöffengericht erkannte gegen Schneider Lug in Basel, welcher nach der Darstellung der mit„ Folkets Röst" zum Distriktsorgan. Außerdem wurde sie auf 6 Monate Gefängniß; Singer wurde aus Arbeiterſtimme" nur scheinbar auf die Propofitionen Wohlgemuth's der Proletär" in Norrköping als Lokalorgan anerkannt. einging, mit der Absicht, denselben zu entlarven, nach einer anderen gewiesen. Alle Parteivereine im Distrikt sollen Theilhaber am DistriktVersion jedoch selbst kompromittirt erscheint und deswegen ebenfalls Aber nun nahm die Sache eine fatale Wendung. Das ausgewiesen worden ist. Klassisch ist der Briefwechsel Wohlgemuth's organ sein. Der Distrikt ordnet selbstständig seine ganze Berufungsgericht erneute die Beweisaufnahme und obwohl mit Luz. So schreibt er ihm u. A.:„ Seien Sie doch nicht so innere Organisation und Agitation. Doch wurde den Ihring- Mahlow mit den vollen Backen der Ueberzeugungs- dumm, arbeiten Sie für uns, thun Sie's nicht, so thut's ein Vertrauensmännern" auferlegt, zuzusehen, daß, wo es die treue als ein überaus pflichttreuer, wahrheitsliebender und Anderer. Ich bin ja selber für Eure Bestrebungen, von Distriktleitung für nöthig befindet, einem Distrikt Hülfe verdienter Beamter hingestellt worden war, glaubte das nehmen, was kommt. Wenn Sie brav wühlen und berichten, denselben kann man aber nicht leben und darum muß man eben geleistet wird. Gericht den zahlreichen Zeugen, die das Treiben desselben kommt es uns auf das Geld nicht an, es steht uns solches für Ferner wurde bestimmt, daß alle Vereine, welche der schilderten; das Gericht gewann die Ueberzeugung, daß die derlei Zwecke genügend zur Verfügung." Das iſt, wie man sieht, Partei angehören, einen Beitrag von 15 Dere( ca. 10 kr.) dem Abgeordneten Singer gemachten Mittheilungen wahr der Stil des agents provocateur in typischer Reinkultur. Nach dem deutschen Reichsanzeiger" erklärte der per Jahr und Mitglied zu entrichten haben, zur Deckung seien und sprach Berndt und Christensen frei. der Unkosten. Schwärmer und Phantasten hätten nun glauben können, Inspektor Wohlgemuth in Berlin folgendes zu Protokoll: Weiter wurden verschiedene prinzipielle Fragen zur anläßlich dieses Urtheils der Strafkammer werde IhringDiskussion gestellt, betreffend das allgemeine Wahlrecht, Mahlow disziplinirt und Singer wieder zurückberufen die Stellung der Partei zu anderen Parteien, Arbeiterschuß werden. Weit gefehlt! Man durfte jenen nicht fallen gesez, Nüchternheitsfrage, welche in Schweden eine große lassen, denn mit ihm wäre das ganze kunstvolle Gebäude, Rolle spielt, Minimallohn und Normalarbeitstag, die das herrliche System der politischen Polizei rettungslos Stellung der Frau zum Kampfe des Proletariat, Akkord- zusammengekracht. Da bot der Prozeß gegen die ,, Volksarbeit, Stellung der Partei zur Religion, die fachliche zeitung"( welche die Angelegenheit sehr offen besprochen Organisation, die Art und Weise der Agitation, die Stellung hatte) gerade eine erwünschte Handhabe; die Offiziösen Amtseid genommen hat, so muß man sie allerdings des Soldaten zum Proletarier, und wurden darauf bezüg- fuchten ihn zu verwerthen, um den dunklen Fleck der Thring- wohl glauben wenngleich die Ausdrucksweise des Herrn liche, ganz im sozialdemokratischen Geiste abgefaßte Reso- Mahlow- Affaire, wenn auch nicht wegzuwischen, so doch zu Wohlgemuth dabei in etwas eigenthümlichem Lichte erlutionen mit an Einstimmigkeit grenzender Majorität ange- verwischen und zu vertuschen. Eine erneute Beweisaufnahme, scheint. Auch sonst scheint Herr Wohlgemuth ein etwas ,, die von der Staatsanwaltschaft noch zu benennenden Zeugen" absonderlicher Herr zu sein. Während er bei seiner VerDer nächste Rongreß wurde in Norrköping zu Ostern sollten die Mohrenwäsche vollziehen. nehmung im deutschen auswärtigen Amt unter Berufung 1891 abzuhalten beschlossen. Da kam ein Mächtigerer über sie. Während man die auf seinen Diensteid erklärte, daß er in Rheinfelden Der letzte Punkt der Tagesordnung war die Wahl der I wankende Stüße des Gebäudes, Jhring- Mahlow, mit aller wie ein gemeiner Verbrecher behandelt wurde, hat, nommen. Es ist richtig, daß ich in dem Briefe vom 5. April d. J. die Nedensart brauchte: Halten Sie mich beständig auf dem Laufenden und wühlen Sie nur lustig darauf los." Mit dieser Redensart wollte ich den Luz durchaus nicht zu einer agitatorischen Thätigkeit auffordern; fie sollte ihn nur anfeuern, seine Informationen aus allen Ecken und Enden herauszuwühlen und mir Bericht zu erstatten." Da Herr Wohlgemuth diese Auslegung auf seinen " wie der Bund", das Organ der schweizerischen Bundes- geht daraus auf Grund amtlichen Materials hervor, daß geht, ein vortrefflicher Agitator für klerikale Wahlen. In behörde, halbamtlich berichtet, Wohlgemuth am 30. April nicht nur im Solde der öffentlichen Sicherheits- Folge dessen stellte der klerikale Senator Herr Cornez den= Dieser trat mit bei seiner Entlassung aus dem Gefängnisse in Rheinfelden behörde stehende agents provocateurs an der selben dem Minister des Innern vor. vor glaubwürdigen Zeugen sich freiwillig dahin aus- Verschwörung die Hauptbetheiligten sind, sondern Pourbair, welcher dem Syndikate der Arbeiterverbände im gesprochen, daß er mit seiner Behandlung, sowie mit der daß auch zwei Minister, der Finanzminister Herr Beernaert Centre angehörte, in nähere Verbindung und empfahl ihn Rost vollständig zufrieden sei und keine Ursache zu und der Minister des Innern Herr Devolder, zur Rettung der öffentlichen Sicherheit, die ihn unter Bewilligung anKlagen habe." der Gesellschaft" mit denselben in Verbindung gestanden ständiger Honorare für ihre Zwecke ausnußte. In seiner haben. Die Vertheidigung veröffentlicht die vollständigen Druckerei wurden die Brandaufrufe an die ArAuch in Belgien stehen augenblicklich schlimme Protokolle über die Vernehmung des ersten Beamten bei beiter, auch der berüchtigte Anschlag, welcher die Spigelenthüllungen auf der Tagesordnung. Sieben der Verwaltung der- öfientlichen Sicherheit, des Herrn Arbeiter des Centre zum Marsche gegen die 10000 Seine Arbeiter des Borinage aufreizte, gedruckt. Gleichund zwanzig Mitglieder der( sonderbündlerischen Defuisseaur- Paul Notelteirs, vor dem Untersuchungsrichter. schen) sozialistisch- republikanischen Arbeiterpartei" von denen Aussagen sind, obwohl er vorweg erklärt, er könne nur zeitig machte Pourbair im öffentlichen Interesse" dem fünf flüchtig sind, sind dort vor dem Schwurgericht zu einen Theil der seiner Verwaltung anvertrauten Geheim- Finanzminister persönlich sehr wichtige" Mittheilungen. Mons angeschuldigt, eine Verschwörung zum gewaltsamen nisse" verrathen, sehr belastend. Aus ihnen geht hervor, Schon sofort nach der Verlesung der Anklageschrift traten Umsturze des Staates angestiftet so haben. Neunzehn daß der Präsident des sozialistisch- republikanischen die Vertheidiger scharf auf. Herr Janson erklärte vorweg, Advokaten( unter ihnen die hervorragendsten Belgiens, wie Kongresses, dessen Verlauf die Grundlage der Anklage daß das Verfahren der Sicherheitsbehörden eine Schmach die Herren Janson, Robert und Picard aus Brüssel, Burlet bildet, Laloi, schon seit Mai 1887 im Dienste der für Belgien und der Prozeß ein wahrer Skandal aus Nivelles, Englebienne aus Mons, Destrée aus öffentlichen Sicherheit gestanden hat. Er forderte die für das Land ist." Alle Geldsendungen, Bestellungen, " Charleroi) haben die Verheidigung der Angeklagten über- Kongreß- Genossen zu Gewaltthaten und zur Herstellung der nommen. Noch bevor dieser Prozeß, dessen Verhandlungen Republik auf; als Sekretär der Arbeiterliga in Châtelinau sowie auf geschäftliche Angelegenheiten bezüglichen 14 Tage in Anspruch nehmen werden und für welchen bis und als einer der Anhänger des Agitators Defuisseaux in Briefe bitten wir stets an die Expedition der„ B. V." jest 151 Zeugen, darunter die höchsten Staatsbeamten, die Arbeiterverhältnisse eingeweiht, konnte er viel verrathen. zu adreffirenvorgeladen sind, seinen Anfang genommen hat, werden Für jede Mittheilung erhielt er je nach ihrer Wichtigkeit" durch die Vertheidigung amtliche Schriftstücke, welche in eine besondere Bezahlung. Noch erbaulicher ist die Rolle allen Kreisen Belgiens Aufsehen und nicht geringe Ent- des Buchdruckereibesizers Léonard Pourbair in La rüstung hervorrufen, in allen Zeitungen veröffentlicht. Es Louvière. Derselbe war, wie aus den Protokollen hervor von Cigarren, Tabak und Cigarretten Otto Kräcker, vorm. Fritz Kunert, 44. Prinzen- Strasse 44. 10 Kautschukstempel- Fabrik erein Fallenhauer von [ 46 Conrad Müller Schkeuditz- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeitervereinen, Krankenkassen u. s. w. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager bon O. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Dafelbft Zahlstelle der Gürtleru.Bronceure( E.H.60.) Cigarren u.Tabake reichhaltiges Lager, 33 empfiehlt M. Wilschke, [ 39 Junkerstr. 1, Ecke d. Markgrafenftr. Wendt's Restaurant Dresdenerstraße 116. Inh. W. Gründel. Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schlosser, Buchbinder. und Drechsler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags- und Abendtisch. Speisen à la carte zu jeder Tageszeif, sol. Preise. Vorzügliches Weiß und Bairisch Vier. 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler begründet Arbeitsnachweis befindet sich vom 1. Februar ab Dresdenerstraße 116, alles den Inhalt des Blattes Betreffende an die Redaktion" alles Persönliche an Herrn Max Schippel. Durch genaue Einhaltung dieser Adressirung werden viele Verspätungen und Irrthümer vermieden. Schuh- und Stiefelwaarenlager von Klinger und Grossmann, Waldemarstraße 65 a( früher Trainkaserne). Möbel-, Spiegel- u. Polsterwaaren- Magazin von Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. Die von Mitgliedern des Fachvereins gegründete Produktiv- und Rohstoff- Genossenschaft der Schneider zu Berlin( E. G.) 30 Zimmerstrasse 30 empfiehlt sich einem geehrten Publikum zur Anfertigung von Herren- Garderoben jeder Art. Reichliche Auswahl in- und ausländischer Stoffe. Reelle Bedienung, guten Sib, solide Preise garantirt der Vorstand. Gleichzeitig machen wir auf unser reichhaltiges Lager: Frühjahr- und Sommerpaletots, aufmerksam. Um zu räumen herabgesezte Preise! [ 48 Bebel u. Liebknecht auf einem Bilde. Preis 50 Pf. Wiederverkäufern Rabatt. Zu haben bei R. Kohlhardt, Brandenburgstr. 56. [ 47 Große General- Versammlung General- Versammlung sämmtlicher Berliner Lokal- Verbände „ Verband deutscher Zimmerleute" Sonntag, den 12. Mai cr., Vormittags 10 Uhr in Heydrich's großem Saale, Beuthstr. 20/21. Tages- Ordnung: Endgültige Beschlußfassung über: Wann tritt unsere Forderung in Kraft und in welcher Weise ist die eventuelle Arbeitseinstellung vorzunehmen und einzuhalten? Da vorstehende Versammlung nur für Mitglieder ist, so ist als Legitimation im Restaurant Wendt. Die Arbeitsvermitte das Mitgliedsbuch unbedingt vorzuzeigen. Yung geschieht für Meister und Gesellen( auch Angesichts der wichtigen Tages- Ordnung erwarten wir das Erscheinen eines Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. jeden Mitgliedes. Die Adressenausgabe erfolgt au Wochentagen von 8 bis 9½½ Uhr Abends, Sonntage von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da sich die vier Kassirer der Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, fich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Ar beitsnachweis zu benutzen. Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung der Verein zur Regelung der gewerb Maler und Anstreicher Berlins lichen Verhältnisse der Töpfer Berlins. Der Arbeitsnachweis befindet sich Dresdenerstraße 116 bei Wendt. Die Arbeitszuweisung ist unentgeltlich, auch an Nichtvereinsmitglieder und geschieht an Wochentagen von 7-9 Uhr Abends, Sonntags von 10 bis 12 Uhr Vormittags. Vereinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher und verw. Berufsgenossen. Filiale I. S. Dienstag, den 14. Mai, in Wendt's Restaurant, Versammlung Tagesordnung: 1. Die Erhaltung des menschlichen Körpers im Dienste der Arbeit. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder werden dringend ersucht, zahlreich zu erscheinen. J. A.: Die Bevollmächtigten. Freitag, den 17. Mai, Abends 8½½2 Uhr, in der Tonhalle, Friedrichstr. 112. Tagesordnung: 1. Unsere Forderungen und wie stellen sich die Arbeitgeber zu denselben? 2. Bericht der Lohnkommission. Die Herren Arbeitgeber sind zu dieser Versammlung eingeladen. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Verband deutscher Zimmerleute ( Lokalverband Berlin W.) Montag, den 13. Mai, Abends 8 Uhr, in Sange's Saal, Stegligerstr. 27, Versammlung. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn Türk. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. H. Ortland. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Die Lohnkommission. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, den 13. Mai, Abends 8 Uhr, in Feuerstein's oberem Saal, Alte Jakobstr. 75, Bersammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. Glocke über: Niedergang des Kleinhandwerks. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Ergänzungswahl der Arbeitsnachweis- Rommiffion. 4. Bericht des Vergnügungskomitees. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher in der Tabak- Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins Dienstag, den 14. Mai, Abends 8% Uhr, im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten vom TabakarbeiterKongreß. 2. Abrechnung der Kommission. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet Die Kommission. J. A.: Louis Dechand, Elsasserstr. 15. Metallarbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 13. Mai, Abends 8 Uhr, Große öffentliche Metallarbeiter Versammlung = in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a: Tages- Ordnung: 1. Wie stellen sich die Metallarbeiter zu der großen Lohnbewegung in diesem Jahre? Referent: Herr Gottfried Schulz. 2. Eventuell Wahl einer Kommission. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. Fachverein der Tapezirer Berlins. Montag, den 13. Mai, Abends 8½½ Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstraße 75, Mitglieder Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskussion über die Ent wickelung des Tapezier- Gewerbes in den letztex 40 Jahren. Ref.: Kollege Nikolas. 2. Bericht vom Arbeitsnachweise- Büreau. 3. Vereinsangelegenheiten. Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Am 15. Mai( Bußtag) findet eine große Herren- Parthie nach Friedrichshagen- Grünau statt. Treffpunkt: Schlesisches Thor. Abmarsch punkt 7 Uhr früh. Der Bibliotheks- Abend wird am 20. Mat bei Freigang, Schüßenstr. 18/19, eröffnet. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Der Arbeitsnachweis der Klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Pfister. Die Adressenausgabe findet jeden Abend von 8-9 Uhr und Sonntags Vormittags von 10-11 Uhr, sowohl an Mit statt. glieder wie auch an Nichtmitglieder unentgeltlich Arbeitsnachweis der Maler früher Ritterstr. 123 bei Sodtke, jetzt Dresdenerstr. 116( Restaurant Wendt). Jeben Abend von 8-9 Uhr( außer Sonnabend) und Sonntags Vormittag von 10-12 Uhr un entgeltliche Arbeitsvermittelung. Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 28. Die Bevollmächtigten der Filiale I, 19. Beiblatt zur Berliner Volks- Tribune". An den dritten Stand. Von Karl Henckell. Aus wirrem Schlummer fuhr ich jäh empor, Ein dumpf Gemurmel brauste an mein Ohr, Und Donnerruf ward aus dem Murmeln schnell, Hohl Trommelwirbel, Kampfsignale gell; Ein roth Panier, und drauf im Flammenschein: Wir fordern Recht, wir wollen Menschen sein! Gewalt'ge Massen wogten durch die Stadt, Das war das Elend, seines Elends satt, Das war die Noth, aus ihrer Noth geweckt, Die Knechtschaft wars, im Sturm emporgeschreckt; Das war die Armuth ohne Licht und Luft, Der Pöbel wars, der arbeitslose Schuft!" Der du den Bruder Schuft und Lump genannt, Hab acht, du alter Stand, du dritter Stand! Die Trommel schlug, die Fahne flog im Wind Hab' acht, hab' acht und sei nicht fürder blind! Es wühlt und gährt mit blutlos fahlem Mund Gerechtigkeit verlangt der Vagabund. Erlöset ihn, eh' er sich selbst befreit, Ich rufe euch, scho: ward es höchste Zeit. Mit Liebe fühnt den Haß, den ihr gefät, Seid überschwänglich milde, eh's zu spät, Daß froh es flinge durch die trog'gen Reihn: Wir haben Recht wir können Menschen sein. Die Frauenfrage im Spiegel der Dichtung. " II. „ die Sonnabend, den 11. Mai 1889. III. Jahrgang. „ Eine Heuchlerin, eine Lügnerin, ja noch Schlimme zu antworten. Ich weiß es ja nicht. Ich weiß nur, daß res eine Verbrecherin! dieſe bodenlose Häßlichkeit, die ich über so etwas eine ganz andere Ansicht habe als bu. darin liegt! Pfui!... Ich hätte voraussehen müssen, daß so etwas geschehen würde. Deines Vaters leichtsinnige Grundsäge, Ich höre ja jezt auch, daß die Geseze anders sind, als du haft fie geerbt. Keine Religion, feine Moral, fein ich glaubte; aber daß die Geseze gut sein sollten, das Pflichtgefühl... Owie bin ich dafür gestraft worden, daß will mir nicht in den Kopf. Eine Frau also sollte nicht ich mit ihm durch die Finger sah!... So jämmerlich muß ich das Recht haben, ihren Mann zu retten? So etwas sinken und zu Grunde gehen eines leichtsinnigen Weibes Helmer:„ Du sprichst wie ein Kind. wegen!... Aber ich muß zu einem Entschlusse kommen. Die glaub' ich nicht." Sache muß um jeden Preis vertuscht werden. Und was dich Du verstehst die Gesellschaft nicht, in der du lebst." und mich angeht, so muß es aussehen, als sei Alles Nora: Das thu' ich auch nicht. Aber nun will ich sie zwischen uns wie bisher. Aber natürlich nur vor den vertrauen." " " " Augen der Welt. Du bleibst also auch fernerhin hier im Hause; ennen lernen. Ich muß mich überzeugen, wer Recht Helmer:„ Du das ist selbstverständlich. Aber die Kinder zu erziehen, das hat, die Gesellschaft oder ich." erlaub' ich dir nicht; die wag' ich dir nicht anzu- liebst mich nicht mehr!"- Nora:„ Es thut mir weh, aber ich kann's nicht ändern. Ich liebe dich nicht Helmer fieht also nicht, daß Nora aus Liebe zu mehr." Helmer:„ Und kannst du mir erklären, woNora:„ Ich ihm fich vergangen hat. Die Feigheit macht ihn blind, durch ich deine Liebe verscherzt habe?" bei dem Gedanken, er könne seinen guten Namen ein- sah heute Abend, daß du nicht der Mann bist, für den büßen. Denn Feigheit ist es, was ihn bewegt, nicht etwa ich dich gehalten. Ich glaubte, du würdest vor die Welt moralische Entrüftung. Die Sache muß vor den Augen hintreten, Alles auf dich nehmen und sagen: Ich bin der der Welt vertuscht werden" ist das erste Ergebniß seiner Schuldige! Das war das Wunderbare, worauf ich Ueberlegung. gehofft hatte. Dann wollte ich meinem Leben ein Ende Helmer:„ Niemand opfert derjenigen, die Nora ist erstarrt; ihr Herz zuckt schmerzlich. So machen." also benimmt sich der Mann, den sie vergöttert! Und er liebt, seine Ehre!" Nora:„ Das haben Milfie hatte erwartet, er werde ihre große Liebe anerkennen lionen Frauen gethan!"( Sie schickt sich an, zu gehen) Nora:„ Ich und die Schuld auf sich nehmen! Nora empfindet Helmer: Nora, warte bis morgen!" plöglich die Unwürdigkeit ihrer Lage, das Sklaventhum fann mich während der Nacht nicht in der Wohnung eines des Weibes. Eine neue Weltanschauung dämmert in fremden Mannes aufhalten... Ich entbinde dich ihr auf. aller Verpflichtungen. Du sollst dich nicht durch Während Helmer noch schmäht und jammert, wird irgend etwas gefesselt fühlen, eben so wenig wie ich es will. Auf beiden Seiten muß volle Freiheit plößlich ein Brief gebracht. Der gefürchtete Günther ist B. W. Einen werthvollen Beitrag zur Jllustration moralisch ein Anderer geworden und sendet nun den ge- herrschen. Hier hast du deinen Ring zurück; gieb mir ben meinen!" Helmer: Nora, kann ich dir niemals der Frauenfrage liefert Henrik Ibsen in seinem Drama fälschten Schein zurück. mehr als ein Fremder werden?" Nora: Ach, Robert, mehr als ein Fremder werden?" Nora". Das norwegische Stück hat den Titel„ Ein Jetzt, als die Gefahr vorüber ist, hört auf einmal dann müßte das Wunderbarste geschehen." Helmer: Puppenheim" oder auch„ Ein Vogelkäfig". Helmer's Entrüstung auf. Er stößt den Freudenschrei aus: Nenne mir dies Wunderbarste!" Nora: Dann Die Puppe in diesem Heime, der Vogel in diesem Nora! Ich bin gerettet!" Nora erwidert tonlos: und müßten wir beide, du sowohl als ich, uns so verKäfig ist Nora, die Frau eines echten Bourgeois. Ihr ich?" Der Schmerz ihres Herzens kann nicht durch ein ändern, daß- ach, Robert, ich glaube nicht mehr an Vater war ein leichtfertiger Mann, ein wenig zuverlässiger äußerliches Ereigniß beseitigt werden. Helmer deutet ihre etwas Wunderbares." Helmer:„ Aber ich glaube Beamter. Nicht durch das Beispiel tüchtiger Menschen Gebrochenheit anders:" Ah, liebe, arme Nora, ich versteh' daran. Nenne es!- Uns so verändern, daß-?" wurde Nora erzogen, sondern durch allgemeines Morali- schon; du kannst noch nicht recht glauben, daß ich dir Nora:„ Daß ein Zusammenleben zwischen uns firen. Drum liebte das Kind die Gesindestube, wo man vergeben habe. Aber ich schwöre dir's: ich habe dir Alles beiden eine Ehe werden könnte! Leb wohl!" nicht streng, sondern lustig war, und lernte daselbst lügen vergeben. Ich weiß ja, du thatest es aus Liebe zu mir... und naschen. Arbeit, tiefe Lebensfreude, Sorge und Leid Du hast mich so geliebt, wie eine Frau ihren Mann traten niemals an das Mädchen heran. Von einem Ad- lieben muß. Es waren nur die Mittel, welche du nicht vokaten, späteren Bankdirektor Helmer geheirathet, lebt zu beurtheilen verstandest. Aber glaubst du, du seist mir Die Ehrlichkeit ist längst aus der Mode. Wer darnach Wo wie ein im Käfig geborener Vogel, von ihrem weniger theuer, weil du nicht auf eigene Hand zu handeln Manne, der sie wesentlich als Genußobjett betrachtet, als vermagft? Ich müßte kein Mann sein, wenn nicht strebt, sizt sehr bald auf dem Trocknen, und praktische Mensch zweiter Klasse behandelt, freilich ohne zum Be- just diese weibliche Hilflosigkeit dich doppelt Menschen, wie unsere Zeitgenossen, gehen dem sorgsam wußtsein ihrer unwürdigen Lage zu gelangen, ja vermeint- anziehend machte.... Wie kannst du denken, ich ver- aus dem Wege. Aber das Wort„ Ehre" ist noch in Gebrauch, man lich glücklich. Wird fie doch von Helmer stets mein möchte es übers Herz zu bringen, dich zu verstoßen oder Was ist Ehre? Vögelchen", mein Eichfäßchen" genannt und, so oft fie dir auch nur einen Vorwurf zu machen! O du kennst die hört es sogar sehr oft nennen. Bei unsern klassischen Schriftstellern suchend, finden schmeichelt, mit Näschereien und Geld beschenkt. Plaudern, Natur eines wahren, echten Mannes nicht. Es liegt für naschen, fingen, tanzen, Besuche empfangen, Besuche machen, den Mann etwas so unbeschreiblich Süßes und wir, daß der eine fie schildert als das Gefühl persönlicher ungeschickt haushalten und mit ihren Kinderchen spielen Beruhigendes darin, zu fühlen, daß er seiner Würde und die Begierde nach Achtung von Andren." Ein das füllt ihre Tage aus. Früher war sie die kleine Puppe Frau vergeben hat... Sie ist ja dadurch gleich zweiter sagt:„ Die Ehre besteht darin, nur gute Thaten ihres Vaters, jetzt ist sie die große ihres Mannes, und sam in doppeltem Sinne sein Eigenthum ge- zu verrichten und das Böse zu vermeiden." Ein Dritter: ihre Kinder sind wiederum ihre Puppen. Als großes worden; sie ist durch ihn gleichsam neu geboren; sie ist Ehre ist die Achtung, welche man der Tugend, dem Kind, als unfertiger Charakter hat Nora einen mangel- gewissermaßen zugleich seine Gattin und sein Kind ge- Muth, dem Talent erweist." Sodann erhält man die Unterscheidung in Sorten; man spricht von Soldatenehre, haften Sinn für Wahrhaftigkeit und Rechtlichkeit; sie lügt, worden." Beamtenehre, von Ehre der„ Firma", Mädchenehre, Ehre der Ehegenossen u. s. w. Was ist Ehre? um nicht gescholten zu werden, und fälscht einen Wechsel,„ Ich danke für deine Verzeihung!" entgegnet Nora ohne sich des schweren Ernstes dieser Handlung bewußt und macht sich bereit, Helmer zu verlassen. Dann spricht Und die Ehre ist verschieden nach Zeit und Drt, so zu sein ein Exemplar jener Bourgeoisfrauen, welche fie mit faltem, starrem Gesicht:„ Höre, was ich sage.. den Weiberfeinden Schopenhauer und Hartmann bei ihren Es ist dies eine Abrechnung, Robert... Wir sind nun daß man keinen festen Maßstab dafür hat Die Ehre des Schilderungen des weiblichen Charakters einseitig vor acht Jahre verheirathet gewesen. Fällt es dir nicht auf, Mädchens im alten Babylon brachte es z. B. mit sich, schwebten, und von deren Unchrlichkeit die Besizer großer daß wir beide, Mann und Frau, heute zum ersten sich einmal des Jahres in einem Tempel zu prostituiren. Verkaufsmagazine zu erzählen wissen. Male ernst mit einander reden? Es ist mir viel Die Ehre der Mädchen in Arabien bestand darin, daß sie Obgleich Nora durch die Schuld sozialer Verhältnisse Unrecht zugefügt worden, Robert. Erst vom Vater und ihren Körper gegen Geld preisgaben, um mit dem Ertrage also verhunzt ist, steckt in ihr doch ein edler Kern, ja eine dann von dir. Ihr habt mich nie geliebt. Es machte einen Mann zu kaufen, der sich selbst wieder ehrte, indem gewiffe Charaktergröße, die sich zur Heldenhaftigkeit ent- euch nur Vergnügen, in mich verliebt zu sein. er sich verkaufte. In unseren Tagen findet man jene Handlungsweisen wickelt, wie der Verlauf des Dramas zeigt. Er nannte mich sein Püppchen und spielte mit mir, wie Um ihrem, unter den Nachwirkungen einer Krankheit ich wieder mit meinen Puppen spielte. Dann kam ich zu nicht ehrenvoll, dagegen giebt es Dinge, die für ehrenhaft leidenden Manne die Mittel zu einer Erholungsreise zu dir ins Haus. Ich ging aus Vaters Händen in die deinen gelten, über die sich die Alten geschämt haben würden. Ein junger Mensch, der des Geldes wegen eine alte verschaffen, hat Nora ohne Wissen Helmers, von einem über. Ich lebte davon, daß ich dir Kunststücke vormachte, wucherischen Bantbeamten namens Günther eine Geldsumme Robert. Du und der Vater, ihr habt eine große Sünde Frau heirathet der sich also in ähnlicher Weise prostibleibt in unserer geliehen und dafür einen Bürgschaftsschein gegeben, auf gegen mich begangen. Ihr seid schuld, daß nichts aus tuirt wie die erwähnte Araberin dem sie die Unterschrift ihres Vaters gefälscht hat. Als mir geworden ist. Nun ist die Zeit des Spielens vor Gesellschaft ein Mann von Ehre. Jemand, es sei Mann oder Frau, der sich durch eine Helmer nun der Vorgesezte des Günther geworden ist, über, es kommt die der Erziehung. Du, Robert, bist will er den übel beleumundeten Menschen entlassen. Um nicht geeignet, mich zu einer richtigen Gattin zu erziehen. Heirath verkauft, kann doch eine ehrenhafte Person sein. bin nicht vorbereitet, die Kinder zu erziehen. Eine geachtete, anständige Familie, die auf gefeßlichem nicht entlassen zu werden, gebraucht Günther den ge- Und ich fälschten Schein als Waffe. Zunächst droht er Nora mit Zuvor muß eine andere Aufgabe gelöst werden. Ich Wege eine Tochter an einen nichtswürdigen, aber reichen Offenbarung ihres Verbrechens, damit sie ihren Mann zu muß mich selbst zu erziehen suchen. Dabei vermagst Kerl verschachert, bleibt geachtet in allen Kreisen und verseinen Gunsten umstimme. Helmer aber läßt sich von du mir nicht zu helfen. Ich muß mich allein damit liert nichts an ihrer Wohlanständigkeit. Ein Mann, der seiner Frau gegenüber den brutalsten Noras Bitten nicht beeinflussen, um nicht den Anschein befassen. Und darum verlasse ich dich jeẞt. Ich zu gewinnen, als stehe er unter dem Pantoffel. Da muß lediglich auf mich selbst angewiesen sein, will ich mir Tyrannen spielt, während er selbst das Recht zu haben glaubt, zu thun, was er will, kann in unserer Gesellschaft wird er durch Günther brieflich über die That Noras von mir und meiner Umgebung Rechenschaft geben." belehrt. Die Wirkung in seinem Gemüth ist eine ganz Helmer versteht Nora's Tiefe nicht.„ Welche Verrücktheit allgemein geachtet sein und seine Ehre darein seßen. Die Ehre eines Spielers besteht darin, daß er durch andere, als Nora erwartete. Das liebende Weib hoffte ist das!" meint er. D, es ist empörend! So kannst zuversichtlich, ihr Mann werde die Fälschung entschuldigen, du dich über deine heiligsten Pflichten hinwegseßen? Vor Nichtbezahlung seiner Schulden einen Geschäftsmann zum Nora:„ Das Bankerott treiben kann, um seine Spielschuld bezahlen zu weil dieselbe aus Liebe zu ihm verübt sei, ja er werde Allem bist du Gattin und Mutter." Noras Schuld vor der Welt auf sich nehmen. Freilich glaub' ich nicht mehr. Ich glaube, vor Allem bin ich können; wenn auch dabei eine ganze Familie ruinirt wird, wollte Nora dies Opfer nicht annehmen, sondern als die ein menschlich Wesen- eben so wie duoder so wird seine Ehre dadurch durchaus nicht alterirt. Es giebt Herrchen genug, die ihre arme alte Mutter Schuldige gelten und ins Wasser gehen; aber der Gedanke, ich will es wenigstens zu werden versuchen. Ich Helmer werde ihre Schuld auf sich nehmen, hatte für ihr weiß wohl, daß die meisten Menschen dir Recht geben, Mangel leiden lassen, während sie den Nobeln spielen; sie schwärmerisches Herz etwas Entzückendes. Doch in diesem Robert. Aber ich muß selbst über die Dinge nachdenken."- find das ihrer Ehre schuldig. Der Offizier meint, daß seine Ehre Genugthuung erPunkte kannte Nora ihren Mann schlecht. Der bürger- Helmer: Hast du bei solchen Fragen nicht einen untrügNora: hält, wenn er wegen eines beleidigenden Wortes einen liche Ehrenmann ist keineswegs geneigt, einem Weibe", lichen Führer? Hast du nicht die Religion?" auch wenn es für ihn sich opfert, seine Ehre zum Opfer Ach, Robert, ich weiß ja gar nicht, was Religion ist."- andern Menschen, vielleicht Vater einer zahlreichen Familie, zu bringen; er sicht nur die Schande, welche die„ Ver- Helmer:„ Aber moralisches Gefühl hast du doch, oder... um die Ecke bringt, oder wenigstens sein ,, Blut sieht." Die Ehre eines Wohlfituirten verlangt, daß er sich brecherin" über ihn bringen wird, und stößt aus seinem antworte mir... hast du das vielleicht auch nicht?" harten Herzen Schmähungen gegen das Weib: Nora:„ Ja, Robert, es ist wohl das Beste, darauf nicht nicht durch den Umgang mit dem gewöhnlichen Plebs er. " niedrigt; es schadet dieser Ehre aber durchaus nicht, wenn er mit einem der„Politiker" zusammen speist, welche jenen Plebs bei der Wahl bestechen, dre also eigentlich Zucht- Hauskandidaten sein müßten. Die Ehre bringt es mir sich, stolz auf seine Verwandten zu sein, wenn dieselben sich in günstigen Umständen befinden, und wenn sie ihr Vermögen auch durch die schmutzigsten Praktiken gewonnen haben; aber sich über sie zu schämen, wenn sie arm sind, ob sie auch keine Schuld daran haben oder durch ihr Ehrgefühl in die schlechte Lage gekommen sind. Aber wann sollten wir enden, wenn wir Alles ans- zählen wollten, was man an Schlechtigkeiten verüben kann, ohne in der heutigen Gesellschaft die Ehre zu verlieren! Wann wird die Ehre darin bestehen, jeden Neben- menschen als gleichberechtigt anzuerkennen, worauf allein die wahre Ehre beruht? Wann werden alle die heutigen falschen Ehrbegriffe, die auf der miserabelsten Heuchelei beruhen, beseitigt werden? Erst dann, wenn die Ausnutzung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist, auf der alle jene„konventionellen Lügen der Kulturmcnschheit", alle jene Standcsvorurtheile, alle jene argen Ausgeburten des heutigen verzweifelten Kampfes um das Dasein begründet sind. Dann erst wird man keine beschönigenden Worte mehr nöthig haben für Dinge, die in ihrem Wesen das Gegen- theil von dem sind, als was man sie bezeichnet. Dann erst wird der wahre Sinn des Wortes Ehre zur Geltung kommen. Die Ehre des Menschen ist es alsdann, Mensch zu sein!___ Zerbrechen und Geistesstörung. n. In seinen weiteren Ausführungen rügt Benedikt mit Recht, daß der Richter nach dem Wortlaut des(inzwischen Gesetz gewordenen) italienischen Entwurfes den Verbrecher nach seinem Ermessen in ein Irrenhaus überführen kann.(II giudice puo ordinäre che dio ricoverato in un rnanicornio crirninale o commune.) Das ist Kautschukarbeit! Ferner tritt er ein für Scheidung der Verbrecher in solche, welche mit moralischem Jrrsein behaftet sind— die will er dem Gcfängniß zuweisen,— und in solche, welche im Momente der That betreffs ihres Bewußt- seins klinisch-pathologisch getrübt sind— die allein seien dem Irrenhaus zu überweisen.' Scheide man nicht so, dann entstehe„die Gefahr, daß die Gesängniffe leer stehen und die Irrenhäuser überfüllt sein würden," weil die überwiegende Mehrzahl der Ver- brecher für irgend wie geistig gestört erklärt werden mußten. Eine„Gefahr" sehe ich nun in der Vermehrung der Irrenhäuser und Verminderung der Gesängniffe durchaus nicht! Dies scheint mir geradezu eine sittliche Roth- wendigkeit! Interessant sind die Einzelfälle, welche angeführt werden für Verbrechen, welche begangen wurden von Menschen, die an cykloiden(in bestimmten Pausen wieder- kehrenden) Jrrseinsformen litten. In einem südösterreichischen Gesängmß traf Benedikt einen Mann, der wiederholcntlich wegen Gotteslästerung und Majestätsbcleidigung eingesperrt worden war und endlich mit dem Anstaltsdirektor seinen ständigen Ver- bleib im Gcfängniß vereinbart hatte, um„nicht immer wieder vor Gericht gesd)leppt zu werden und die Aus- regungeh der Untersuchungshaft mitzumachen... Wäre der Unglückliche aus gutem Hause gewesen, hätte er einen guten Vertheidiger zahlen können, so wäre er viel- leicht allen Repressionen entgangen, weil man vielleicht gleich bei der ersten Anklage die pathologische Natur des Deliktes erkannt hätte." Dazu macht der Verfaffer den Urhebern des italienischen Strasgesitzbuches ein wohlverdientes Kompliment, daß sie das Delikt der Gotteslästerung„ausgeschaltet" haben, und knüpft daran die Bemerkung: „Es giebt auch keine größere Blasphemie als die Aufbietung von Polizei und Gericht zum Schutze der Ehre Gottes, der Donner und Blitz, Erdbeben, Ueberschwemmungen und Kometen zu seiner Disposition hat. Es ist wohl kein Zweifel, daß die Gotteslästerung an und für sich in jedem zivilisirtcn Lande bald aus dem Straf- kodex verschwinden wird." Wir gestalten uns einige Zweifel, daß aus unserem berühmten§ 166 der betreffende Theil(„Wer dadurch, daß er öffentlich in beschimpfenden Aeußerungen Gott lästert, ein Aergerniß giebt:c.) so bald aufgegeben werden dürste! Deutsche wie österreichische Richter sind derzeit, nach Benedikt's Ausführungen, nicht in der Lage, wie ihre italienischen Kollegen, einen solchen Verbrecher(wie den oben genannten)„nach natürlichen Verhältnisien zu behandeln". So fand Benedikt einen Beleidigungs- und Verleum- dungsfanatiker, für den sachverständige Untersuchung gerade durch seinen Ankläger herbeigeführt wurde, die er(Benedikt) selbst vornahm und einen so eklatanten Fall geistiger Störung feststellte,„der selbst dem schlichten Ver- stand eines Laien nicht entging." Er sah sich veranlaßt, „die Unvollkommenheit der Ausbildung unserer(österreichi- scheu!!) Richter zu besprechen, die das nicht erkennen und sich weigern, darüber ein fachmännisches Gutachten einzuholen." Die veranlaßte Wiederaufnahme des Verfahrens recht- fertigte Benedikts Hoffnung nicht, daß man sich„zu einer Läuterung und Klärung durch sachliche fachmännische und streng sachliche Erörterung— und Befferung des Gesetzes natürlich infolge dessen!— verstanden hätte! Gewisse Sittlichkeitsverbrechen sind ebenfalls hierher zu ziehen, die nach Benedikt oft von„hervorragenden Persönlichkeiten aus angesehenen Kreisen hervorgehen; und desha lb wissen die Annalen der Polizei viel mehr davon zu erzählen als die Annalen des Gerichts." Wir sehen also wieder, wie oben im ersten Falle: für den Armen die Strafe, für den Begüterten uno Angesehenen die Repression in weit milderer Form! Mit Recht wendet sich Benedikt auch dagegen, daß der Richter, der mit diesen medizinischen Dingen heute viel zu wenig vertraut ist— entscheidet, ob der irre Verbrecher in ein gewöhnliches Irrenhaus kommt oder in das Manicomio crirninale. Es sei gefährlich für die gewöhnlichen Irren, zu ihnen Verbrecherisch-Kranke zu stecken; das sei nur ausnahmsweise angebracht.*) Wie aber Benedikt empfiehlt, den Psychiater mehr zur Gerechtigkeitspflege heranzuziehen, so gesteht er dem Richter auch eine Curatel über die in Irrenhäusern unter- gebrachten Verbrecher zu. Auch Entlassung in die Familien unter Verantwortlichmachung des Hausarztes durch Eid, sieht Benedikt vor. Bei nöthig werdender Ueberführung eines Verbrechers aus einer Anstalt in die andere, z. B. bei einem Jrrthum des Psychiaters zurück ins Gefängniß, soll nichts administrativ geschehen, sondern auf Grund richterlicher Entscheidungen, die auf Grundlage von Fach- urthcilen gefällt werden müssen. Treffend ist die Bemerkung:„vom Künstler verlangen wir, daß er uns das psychologische Gesetz darlege, nach dem nothwendig jedes Verbrechen begangen werde, und vom Richter, daß er annehme, es gebe keine solche Gesetze!" Benedikt wendet sich aber auch gegen den Mißbrauch, d. h. die nicht genügend begründete Annahme von Irrsinn. Er sagt wörtlich:„Damit ist zunächst der Ucbclstand ge- schaffen(in Hinblick auf die lockere Erklärung der„ver- minderten Zurechnungssähigkeil" in§ 48 des italienischen Gesetzes), daß jeder reiche Verbrecher, der einen berühmten Vertheidiger zahlen kann, milder beuriheilt werden wird als ein Armer." Ebenso wie oben auf das umgekehrte Verhältniß der nämliche Satz angewendet ward.— Je mehr psychologischer Zwang den Verbrecher zur Handlung treibt, desto stärker muß die schützende Repression sein, denn desto gefährlicher ist der Mensch für die übrige Ge- sellschaft. Auch ist bei einem thatsächlich und endgiltig degenerirten Individuum ja die Erziehung zum Normalen ganz unwahrscheinlich. In einer zweiten Broschüre spricht Prof. Benedikt über diesen Punkt den Satz aus: „Es ist dies gewiß eine tröstliche Thatsache, wenn wir be- denken, daß gerade die entsetzlichsten Verbrecher nicht ge- sunkene, sondern für ihre That prädestinirte Jndivi- duen sind."**) Freilich, darf sich die Gesellschaft bei dieser erfreulichen Thatsache nicht beruhigen, sondern sie muß durch vernunftgemäße Organisation, Wohlfahrtsvorkehrungen, Maßregeln gegen Verarmung, Ausbeulung und Arbeitslosigkeit, das Elend und den Mangel, diese wirksamen Förderer physischer und geistiger Zerrüttung ernstlich und nachdrücklich bekämpfen! Benedikt hat den Großsiegelbcwahrer von Italien auf- gefordert, die nöthigen Abänderungen im Entwurfs des neuen Strafkodex vorzunehmen, wohl ohne Erfolg. Ein Mitglied des italienischen Parlaments hat ihm freilich auch eingewendet, seine Kollegen seien für eine solche ge- hobene Anschauung der Dinge nicht reif.— Wer wüßte nicht, daß von Volksvertretern der in Klassen zersplitterten Staaten der Gegenwart nicht immer — um nicht zu sagen selten— ans der Höhe deS vor- handenen Wissens stehende Gesetze geschaffen werden? Wir brauchen nur aus die zahllosen Mängel und Lücken der Gesetze bei uns hinzuweisen, welche die Arbeiter be- rühren— oder besser nicht berücksichtigen in gebührendem Maße, oder geradezu verkürzen und drücken. Daß der Arme und Arbeiter beim derzeitigen Stand der Kriminalistik zu kurz und zu schlecht wegkommt in solchen Fragen, wo die Psychiatrie mit zu Rathe zu ziehen wäre, das ist nach Benedikts Ausführungen vollkommen klar. Klar ist auch, daß die angewandte Psychologie d. h. die Psychiatrie in weit umfangreicherer Weise von der Kriminalistik zu Hilfe gerufen werden müßte. Mit Recht behauptet— gewiß auch für unsere reichsländischen Verhältnisse!— Benedikt, daß das bischen gerichtliche Medizin, welches Ankläger, Richter und Vertheidiger lernen, bei ihrer„unnatürlichen Erziehung" nichts nützt,„da es aus einer Zeit herstammt, wo noch keine Kliniken existirten." Wie der strenggläubigste Krieger wisse, daß sein Gott sich den Gesetzen der Ballistik(Lehre vom Wurf) füge, so habe auch der Jurist zu lernen, seine Arbeiten nicht naä) meta- physischen Glaubenssätzen einzurichien, sondern nach bio- logischen Erfahrungen. Die metaphysische, künstliche Moral- Philosophie habe einem natürlichen System zu weichen bei so sehr ins materielle Leben einschneidenden Handlungen, wie die der Kriminalistik es seien. Ganz begreiflich wird das alte metaphysische System dazu verführen, den Angeklagten gegenüber in den Fehler des Generalisirens zu verfallen; eine Psychologie auf materialistischer Grundlage verlangt, daß man individua- lisire, d. h. der Organisation des bestimmten Einzelnen auf die Näthe fühlt, ob sie in Ordnung oder ob etwas mangelhaft ist. Aus naheliegenden Gründen verlangt Benedikt auch *) Interessant ist es, zu erfahren, daß in Belgien der oberste Chef des Gefängnißwesens das Recht hat, jeden Irren aus dem Gefängniß in's Irrenhaus überführen zu lassen, sobald er es für angezeigt hält. **) Biologie und Kriminalstatistik nach einem Vortrage in der Wiener juristischen Gesellschaft. März 1886. von jedem Gefängnißarzt psychiatrische Bildung; der Be- obachtung im Gefängniß legt er mit Recht ganz be- deutende Wichtigkeit bei. Maufred Wittich. Uationalökouomische„Irrlehren". Ii. p. k. Ist nun die Leitung der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse einzig und allein das Werk der Intelligenz einiger Privatkapitalisten? Hängt, so fragen wir diese Herren, die Entwicklung des gesellschaftlichen Bedarfes und die wirthschaftliche Befriedigung derselben nur von der Intelligenz des Kapitalisten, von seiner geistigen Arbeit ab? Um die Bedürfnisse des Marktes festzustellen, braucht der moderne Kapitalist einen ganzen Stab von Agenten und Reisenden. Und um diesen zu unterhalten, bedarf es der Kapitalien und abermals der Kapitalien. Die Versorgung der Gesellschaft mit wirthschaftlichen Gütern wiederum ist nur eine Geldfrage. Je mehr Arbeitskräfte und Arbeits- mittel er in seine Hand zu vereinigen weiß, je mehr Aus- ficht hat er, den Markt durch billige Preise zu beherrschen. Geniale Gedanken bringen nicht die Goldströme Kaliforniens in Fluß und leiten sie in die Tasche der Kapitalisten, sondern die große Kollektivkraft der Arbeiter des Pro- duklions- und Zirkulationsprozesses. Mit den besten Gedanken kann der begabteste Unternehmer verhungern, wenn er nicht über diese große gesellschaftliche Macht gebietet. Dieser verdankt der Kapitalist seinen Kapital- gewinn, sein riesiges Einkommen. Dem Kommando über gesell- schastliche Mächte, über gesellschaftlich zusammenarbeitende Arbeitermassen und gesellschaftlich ausgebeutete Arbeits- mittel, also ihren ökonomischen Machtmitteln, nicht ihrer Intelligenz, schuldet die Kapitalistenklaffe ihre ebenso machtvolle wie vortheilhafte soziale Position. Ihre Kapitalien sind das Produkt fremder gesellschaftlicher Arbeit, nicht der eigenen. Zu diesem Resultate mußten wir schon nothwendig gelangen, wenn wir die Ergebnisse der Einkommensstatistik mit klarem, von keinem Parteistandpunkte getrübtem Blicke betrachteten. Wir ersahen daraus, daß eine übergroße Masse der gesummten Bevölkerung— 41 Prozent sämmt- [icher Zensiten— kaum die nothwendigsten Lebensbedürfnisse befriedigen kann, und daß dieselbe mit ihren 400 Mark durchschnittlichen Einkommens fast unter dem Niveau der in einem Volke gewohnheitsmäßigen Lebenshaltung steht. Hunderttausende von Hausindustriellen, Millionen von ländlichen Arbeitern, namentlich von Einliegern, vegetiren nur bei Kartoffeln, Schnaps und Schwarzbrot fort. Ja das grausige„eherne Lohngesetz" ist sogar für bestimmte Schichten der Bevölkerung ein ganz abscheulich-schönfärberischer Ausdruck für ihre wahre Klassenlage. Wir erfahre« z.rBl von der oberschlesischen Bevölkerung, daß sie noch nicht 3/4 der wünschenswerthen Eiweißstoffe und nicht die Hälfte der erforderlichen Fettstoffe zu sich führt.*) Und was sagt uns der Geheimrath Professor Schmoller von der Lage des Landproletariats im Osten Deutschlands! „Der ganze Osten der preußischen Monarchie hat zu große Güter und ein zurückgebliebenes, für die technischen Fortschritte hinderliches Proletariat, das kaum in besserer Lage ist, als seine Großeltern im Jahre 1800 waren, theilweise durch die Geld- wirthschast und die Separatio nsgesetzgebung sich sogar erheblich verschlechtert hat."**) Kann man da von einer gewohnheitsmäßigen Lebens- Haltung noch sprechen, wenn dieselbe in einer Zeit der größten gesellschaftlichen Forlschritte und der all- gemeinen Hebung ver Lebenshaltung noch auf dem Niveau von 1800 steht? Gerade diese eigenthümliche Organisation der Gesell- schuft, welche die wirklichen Produzenten des gesellschaft- lichen Reichlhums auf die nothwendigsten Lebensbedürfnisse beschränkt und denselben nicht die Fortschritte der gesteigerten Produktivität der Arbeit zu Gute kommen läßt, ist die wahre Grundlage der Kapitalgewinne. Diese heutigen ungeheuren Reichthümer müssen von der gesummten Gesellschaft erarbeitet werden, denn sie fallen nicht wie die Wachteln in der Wüste vom Himmel. Aber nur, weil eben wenige Hände sich darnach ausstrecken können, sind sie voll überall. Dieser eigenthümlichen Organisation der Gesellschaft und nicht ihrer Genialität verdanken die Kapitalisten ihre Reichthümer.— Weiler ist die heulige Produktion und Konsumtion und die Ordnung derselben gar nicht das Werk der Kapitalisten.— Liest man die romanhaften Darstellungen der bürgerlichen Nationalökonomen über diesen Gegenstand, so erhält man fast den Eindruck, als hänge die gesellschaftliche Produktion und Konsumtion einfach von der Willkür der Kapitalisten ab, als könnte sie von denselben einfach beliebig erweitert und verengt werden. Nun sind aber die Bedürfnisse der Lohnarbeiter- klaffe vermöge ihrer sozialen Klassenstellung auf das Engste an die Höhe ihrer Löhne geknüpft; die Lohnarbeiter können nur eine bestimmte Menge von Lebensmitteln und billigen Luxusartikeln in ihren Konsum übergehen lassen. Die Lebenshaltung der Kapitalisten hängt von der Größe ihrer Kapitalgewinne ab. Auch die Konsumtion dieser Klasse hat also bestimmte, allerdings nicht so eng gezogene Grenzen. Die Konsumtion der Gesellschaft ist also in einem gegebenen Augenblicke vollkommen bestimmt. Mithin auch der Absatz der Kapitalistenklasse. Es handelt sich nur darum, ob dieser oder jener Kapitalist, ob Peter oder Paul vorzugsweise für denselben zu sorgen hat. *) Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung. 5. Jahrgang. **) Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung ze. 6. Jahrg. VI Und dieses richtet sich nach der sozialen Machtstellung des in Berlin zu Hilfe zu kommen. Jeder ihrer Streifbrecher Nun kostet eine Nähmaschine vielleicht 50 Mark und Peter oder Paul, nach dem Umfang seiner Produktion. hätte sich durch die Maschine mindestens verzwanzigfacht, wird gegen wöchentliche Abzahlung geliefert. Ein pneu An ganz bestimmte gesellschaftliche Bedingungen ist sie hätten dadurch also vielleicht einen Sieg feiern können. matischer Meißel verlangt eine starke, gut unterhaltene also die Produktion und Konsumtion geknüpft, denen sich Der Herr Obermeister Otto Meping hätte also sicher Luftpumpe und eine angemessene Betriebskraft. Unter. die Kapitalisten einfach anzubequemen haben, von denen gerne seine Genehmigung zum Aufstellen eines oder mehre- fünf- bis sechstausend Mark wird eine solche Anlage kaum sie beherrscht werden. Kann man da von der Leitung rer solcher pneumatischer Meißel in seinem Atelier gegeben. herzustellen sein. derselben durch diese Gesellschaftsklasse im Ernste reden? Ist es wirklich wahr, wie behauptet wird, daß ein geübter Alle Kleinmeister im Steinmeßengewerbe, Lassen wir also die bürgerlichen Nationalökonomen ruhig Steinmeß sich in ganz kurzer Zeit mit dem neuen Instru- die das nicht haben, fallen in erster Linie aus, thre Lobreden über die vortreffliche Organisation der mente einarbeiten kann, dann wäre ihm geholfen gewesen. sie müssen den Betrieb einstellen, sie können ihn mit heutigen Wirthschaft halten, die Krisen werden eine deut- Einer oder der andere unter den Streifbrechern ist doch irgend welchem Verdienst nicht mehr betreiben, sobald ein lichere und überzeugendere Sprache reden. ohne Zweifel ein brauchbarer Steinmetz. Konkurrent fich den pneumatischen Meißel anschafft. Der pneumatische Meißel. Eine Erfindung und ihre Folgen. Eine Erfindung macht seit kurzer Zeit besonders in den Kreisen der Steinmetzen von sich reden. Es ist nämlich einem Amerikaner Mac Coy gelungen, ein Werkzeug zu konstruiren, das, getrieben durch zusammengedrückte Luft, einen Meißel in ganz erheblicher Schnelligkeit auf und nieder stößt und sich wohl geeignet darstellt, den Schlag des Steinmeßen mit dem Klopfholze gegen den Meißel so zu vervielfältigen, wie etwa die Nähmaschine die Nadelstiche des Schneiders vermehrt hat. Das Prinzip ist im Allgemeinen nicht neu. Schon lange wurden Steinbohrer, durch Luftdruck betrieben, bei Tunnelbauten und in Bergwerken verwendet, die ungefähr ähnlich arbeiteten, wie M. Coy's pneumatischer Meißel. M. Coy's Verdienst besteht darin, das Instrument kleiner, handlicher und vielleicht weiter brauchbar gemacht zu haben. Glückte der Versuch, dann hätte Herr Meßing und Die Konkurrenz wird sehr schnell den Preis der noch mancher anderer Innungsmeister, der Geld dazu be- Steinmeßenarbeit durch den pneumatischen Meißel sinken sitzt, sich sicherlich eine ganze Anzahl solcher Meißel zu machen. Wer nur mit einem oder nur mit zwei Meißeln gelegt. Die Frage nach der Brauchbarkeit wäre entschieden arbeiten kann, wird dabei nicht mehr genug verdienen, um gewesen, der Erfinder hätte in Deutschland ein Geschäft sich aufrecht zu erhalten. Der Großfabrikant, der auch gemacht, und die Steinmegen- Innung in Berlin einen heut schon im Steinmeßengewerbe einen gewaltigen VorSieg zu verzeichnen gehabt. Warum that der Vertreter sprung vor dem Kleinmeister hat, wird ihn ganz erdrücken. des Erfinders diesen sehr einfachen Schritt nicht? Nach Die Steinmezengeschäfte werden sich schnell in einige wenige vielem Drängen und langem Zögern wurde endlich eine kapitalkräftige Hände zusammenziehen. Das ist ja die Probe" versprochen, auch der Tag dazu angefeßt aber Wirkung des Eindringens der Maschinenarbeit in jedem abbestellt. Berufszweig, da ist hier nichts Neues und nichts Abweichendes zu verzeichnen. " 1 Nochmals unter fortwährenden Wirbeln der ReklameTrommel wurde endlich eine Probe festgestellt und abgehalten. Aber wie!? Auf der anderen Seite wird dieser Maschinenbetrieb durch seine Billigkeit die Verwendung von SteinmeßenDie Probe fand etwa Mitte April in Berlin statt. arbeit in gar nicht zu übersehender Art steigern und daDer„ Steinbildhauer", ein Fachblatt, technisch ohne Be- durch auf alle Baubetriebe einwirken. Neue Steinbrüche deutung aber zünstlerischen Charakters, liefert über diese werden eröffnet werden, alte werden ihre Herstellung Probe" einen Bericht, in dem es heißt: steigern. " Noch ein Weiteres kommt hinzu, das wir auch im Steinbildhauer" richtig angedeutet finden: Der Rahmen der Thätigkeit der Arbeiter verschiebt sich. " Man hatte erwartet, daß Herr Ingenieur Baumert( der Vertreter des M. Coy) uns bereits einige, mit dem Meißel ausgeführte Arbeiten sehen, resp. solche in unserer Gegenwart durch In der Hauptsache ist es folgende Einrichtung: Ein einen Steinmetz, welcher bereits mit dem Werkzeug umzugehen wisse, ausführen lassen würde; doch sahen wir weder solche Arbeiten Hammer, der sich in einem Cylinder, so groß wie etwa ausgestellt noch auch den eingeübten Steinmetz dort. Es wurden Abgesehen davon, daß auch hier die Maschine eine der Körper einer Klyftiersprize( man verzeihe den Vergleich, vielmehr die Herren aufgefordert, sich durch eigenes Arbeiten mit große Zahl von ihnen außer Arbeit seßen wird, verlangt aber die ganze Maschine erinnert in Größe und Form an dem Meißel und durch eigenes Probieren die Ueberzeugung von die Arbeit mit der Maschine erstlich keine besondere Kraft vielseitigen Verwendbarkeit des Meißels zu verschaffen, was dieses Instrument) sehr schnell auf und nieder bewegt, ber auch geschah, indem mehrere der Herren den Meißel zur Hand mehr, sondern nur einen über das heut übliche Durch= schlägt auf den Kopf eines Meißels, der wie die Spige nahmen und die verschiedensten Gesteinarten, wie Marmor, Granit schnitts Maß hinaus entwickelte Hand geschicklichkeit. Das der Klystiersprize aus dem Körper hervorragt. Der Meißel oder Sandstein, damit bearbeiteten." Billigerwerden der Arbeit wird Hand in Hand gehen mit. wird nach jedem Schlage durch eine geeignet starke Spiral- Das komische der Situation wird jedem klar werden, der gesteigerten Künstlichkeit der Ausführung. Man wird feder wieder gehoben. Der Weg des Meißels beträgt nur der erfährt, daß Geheime Kommerzienräthe, Kommerzien- reichere" Arbeit verlangen, zur Verzierung greifen, wo etwa 10 Millimeter, mehr ist auch nicht nöthig, und die räthe, Besizer großer Steinbearbeitungs- Geschäfte, die nie man sich bisher mit einfacher glatter Arbeit begnügte. Schläge erfolgen so schnell, daß man nur ein Summen, Steinmetzen gewesen sind, dann zwar gelernte Steinmetz- Der Unterschied zwischen Steinmez und Bildhauer aber feinen einzelnen Schlag hört. meister", aber in der größesten Mehrzahl solche, die schon wird sich verwischen. Wer den pneumatischen Meißel Der Meißel wurde im vorigen Jahre, wie in den früher nie viel und schon seit langen Jahren gar nicht führt, wird Künstler sein müssen in weit höherem Grade Zeitungen stand, bei der Belgischen Ausstellung in Ant- gearbeitet haben, der Probe" anwohnten. Das Bearbeiten als es heut vom Steinmeßen verlangt wird. werpen vorgeführt. Es wurde dort, wie man sagt, von eines Steines ist ein recht staubiges und schmutziges Ge- Der neue Meißel bearbeitet alle Materialien mit ziemlich einem mit dem Meißel eingeübten Bildhauer ein schäft, zu dem man nur in sehr geeigneter Kleidung gleicher Leichtigkeit, es wird also der Unterschied des MaRelief Portrait in wenigen Stunden in Marmor aus- schreiten kann. Es war diese Probe" hiernach also weiter teriales, der ,, Technik", wie der Künstler sagt, ausgeglichen. geführt. nichts, als höchstens ein Spielen mit dem Instrument, Ein Holzbildhauer wird mit geringen Vorübungen in Ganz selbstverständlich waren besonders im Stein- wobei ein Resultat für dessen Brauchbarkeit sich keineswegs Stein arbeiten können und umgekehrt. Die heutige scharfe megengewerbe alle Betheiligten sehr gespannt, nunmehr ergeben haben kann. Abgrenzung der Gewerbe geht verloren. auch in Deutschland in die Lage gesezt zu sein, aus Diese Annahme wird noch bestätigt durch die folgende eigener Anschauung und durch beweisende Proben Beschreibung der sogenannten Versuche". Sie lautet: " Schließlich tritt die Frau auch hier als Konkurrentin auf; da die Arbeit mit dem pneumatischen Meißel keine etwas gewiſſes über dieſes neue werkzeug zu erfahren." Wer nun zum erſten Mal das Werkzeug auf einige Minuten Kraft, nur Handgeschicklichkeit und künstlerische Fähigkeiten Sonderbarer Weise kam man diesem sehr natürlichen in die Hand nimmt, verspürt ein leises Vibriren desselben und eine voraussetzt, so kann die Frau ohne Zweifel den Wettbewerb Verlangen nicht mit der gewünschten Schnelligkeit und leichte Erschütterung der Hand, was aber darin seinen Grund hat, aufnehmen. daß man Anfangs unwillkürlich der Meinung ist, der pneumatische Zuvorkommenheit nach, sondern zögerte ganz auffällig Meißel müsse recht fest gehalten werden. Arbeitet man nun längere Schließlich läßt die Verbindung des pneumatischen damit, die Prüfung des pneumatischen Meißels den be- Zeit, vielleicht einige Stunden damit, so wird man bald gewahr, Meißels mit einem ,, Pantographen" wie bei der Sticktheiligten Kreisen möglich zu machen. daß, je freier man das Werkzeug hält, je leichter dasselbe geführt Damit ist Zuerst hieß es, der Erfinder wolle das Patent für wird, desto rascher und sicherer sich damit arbeiten läßt. Nach einer maschine wohl nicht lange auf sich warten. mehrstündigen praktischen Thätigkeit mit dem pneumatischen Werk die Kopirmaschine fertig, die ohne besondere HandDeutschland nur für eine sehr erhebliche Summe im Ganzen zeug gewinnt der Betreffende die feste Ueberzeugung, daß bei richtiger fertigkeit rein mechanisch nach einem Modell eine beliebige an eine Kapitalmacht verkaufen. Diese fand sich aber Führung des Instrumentes das Arbeiten mit demselben durchaus Anzahl von Kopien in jedem gewünschten Maßstabe herstellt. nicht so schnell, weil einige fast gleichzeitige Vorkommnisse nicht ermüdet, sondern im Gegentheil mit immer größerer Sicherheit Die eigentlich fabrikmäßige Herstellung von Bildhauerz. B. die berüchtigte elektrische Zuckerraffinerie, zu Vorsicht vor sich geht. Wenn man die ungewohnte Handhabung des Wert- und Steinmeßenarbeit ist damit eingeführt, stati des zeuges bei diesen ersten Versuchen in Betracht zicht, so bestätigte bei solchen Erfindungen dringend mahnten und man sich die Wirkungsweise, daß sich durch dasselbe, von geübter Hand geführt, gelernten Gesellen" arbeitet der leicht angelernte auf die Probe in Antwerpen allein nicht verlassen wollte, außerordentliche Resultate erzielen lassen." Handarbeiter, die abgerichtete Frau in der großen Steinda diese ohne gehörige Kontrolle und Beglaubigung ge= Wie und daß überhaupt irgend welche thatsächliche waarenfabrik, die dann schon lange alle Kleinmeister macht worden. Dazu kommt noch folgendes. Resultate" bei dieser Spielerei mit dem pneumatischen aufgeiogen hat. Es ist die Erlangung eines neuen Patentes für eine Meißel erzielt sind, läßt der Bericht nicht ersehen. Der= Die heutige Wirthschaftsordnung ist dann trop des schon patentirte mechanische Erfindung in Deutschland nicht selbe erscheint uns so, als ob ein der Musik Unfundiger Strampelns der Zünftler über eine große Mehrzahl von gar schwer. Man hat eigentlich nur nöthig ein kinema einige Bogenstriche über die Saiten einer Geige macht, ihnen hinweg geschritten, die alte Zeit hat einen neuen tisches Paar" durch ein gleichwerthiges anderes zu ersetzen, und sagt: Das Ding mag wohl ganz geeignet sein, außer Schritt gegen ihr nothwendiges Ende gethan, die neue oder sonst eine mechanische Abänderung zu machen. ordentliche Melodien darauf zu spielen." Zeit ist wieder näher gekommen, vorwärtsschreitend über Das Grundprinzip, die Verwendung zusammen- Wenn deshalb der„ Steinbildhauer", der dem Meißel den Untergang von Arbeitern und Kleinmeistern. Die gedrückter Luft, um einen Meißel, der stoßweise wirkt, zu eine jedenfalls nicht uninteressante Reklame schon seit längerer Herren Zünstler stehen dabei und sehen diesen Strom, aber betreiben, ist nicht neu, also nicht patentfähig. Es kann sich Zeit gemacht hat, behauptet:„ der Meißel leistet, was er sie begreifen ihn nicht. Sie erkennen nicht, woher er also nur um die mechanische Gestaltung dieses Gedankens verspricht," wie es da wörtlich heißt, so wissen wir zwar kommt, noch wohin er geht, sie warten auf sein Verrinnen handeln bei der Patentirung, und diese Gestaltung läßt nicht, was der Meißel versprochen haben mag, aber soviel noch in dem Augenblick, wenn ihnen das Wasser über den sehr viele Kombinationen zu, die ganz gleichwerthig in der ist sicher, die angegebenen Thatsachen lassen keinen Schluß Kopf zu spielen beginnt. Sie hoffen auf unmögliche Hilfe Wirkung sein können. darüber zu, daß der Meißel das leistet, was über ihn in von oben, sie suchen sich zu retten durch Unterdrückung Aus solchen Gründen war es dem Erfinder schwer, den Reklamen des„ Steinbildhauer" selbst gerühmt ist. nach unten. hier in Deutschland schnell Kapitalisten zu finden, die fich Die Frage über die praktische Verwendbarkeit des pneu- Ein Gott hat sie mit Blindheit geschlagen, sie müssen ihm zur Verfügung stellten, denn der Patentanspruch kann, matischen Meißels in der vorliegenden Form ist nach wie verderben. selbst wenn das Instrument leistet, was versprochen wird, vor eine offene. bald mit einer sehr lästigen Konkurrenz zu kämpfen haben. Wir wenden der Sache eine sehr große Aufmerksam Wirklich trat dann auch bald ein anderer Erfinder feit zu, weil der pneumatische Meißel, wenn er praktisch auf mit einem ähnlichen pneumatischen Meißel und nun hergestellt werden wird und daß dieses in furzer Zeit wurde M. Coy behandelbarer. Er ließ erst von dem ge- erfolgen wird, nachdem der Weg gezeigt ist, daran zweifeln forderten Preis und anderen Bedingungen sehr erheblich wir keinen Augenblick eine große Umwälzung im SteinDer wirkliche Verdienst und der sogenannte ab, und verstand sich dann sogar dazu, die Meißel den megengewerbe hervorrufen muß. Steinmeßen- Betrieben leih weise zugänglich machen zu Die erste Folge müßte unter allen Umständen eine ,, Jahresarbeitsverdienst bei der Invalidenwollen. weitgehende Vernichtung einer sehr großen Zahl Aber immer fehlte noch die kontrollirte und sach- von Kleinbetrieben dieses Gewerbes sein. verständig geleitete Probe mit dem Instrument, ohne die In dem Gesezentwurfe, betreffend die Alters- und Invaliditäts= Der pneumatische Meißel würde sich zur Handarbeit ein Urtheil unmöglich erschien. Der Berliner Vertreter ähnlich verhalten, wie die Nähmaschine zur Handnäherei. versicherung ist mehrfach der Ausdruck Jahresarbeitsverdienst ge= braucht und dadurch der Anschein erweckt worden, als wenn der machte eine sehr laute Reklame für dasselbe, aber dem Wenn die Nähmaschine auch die Handnäherei nicht ganz wirkliche Arbeitsverdienst eines Bersicherten irgend wie in Beziehung Andringen auf Veranstaltung einer Probe wurden allerlei verdrängen kann, so ist eine Schneiderwerkstätte der kleinsten stehe zu der Rente und den Beiträgen desselben. Ausreden und Schwierigkeiten entgegengesetzt. Wir wissen Art ohne Nähmaschine doch gar nicht mehr denkbar. Der Nach dem§ 16 werden vier Lohnklassen gebildet nach der nicht, ob das aus Ungeschicklichkeit des Vertreters oder Schneider, die Nätherin, die keine solche Maschine besitzen, Höhe des Jahresarbeitsverdienstes. Aber als Jahres arbeitsverdienst aus tieferen Gründen geschah, dieses Verfahren war aber müßten ihr Gewerbe ohne Zweifel aufgeben. Gerade so gilt der wirkliche Verdienst nur, wenn Arbeitgeber und Ver= unter allen Umständen sehr geeignet, das vorhandene Miß wird es im Steinmeßengewerbe sein, wenn der pneumatische fich erter darüber einverstanden sind; sonst sind gewisse Stenntrauen gegen die neue Erfindung sehr zu befestigen und Meißel sich einführt. Der Wettbewerb der Handarbeit ist zeichen aufgestellt, die sehr dazu geeignet sind, die Höhe des anzuzu stärken. gegen solche Maschinen unmöglich, selbst dann, wenn die rechnenden Jahreseinkommens herabzudrücken. Für die land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter gilt dann Es wäre doch so ungemein einfach gewesen, mit diesem Arbeiter fast unentgeltlich arbeiten müßten( Lehrlings- nämlich als Jahresverdienst derjenige Betrag, welchen land- und forstwirthschaftliche Arbeiter am Orte der Beschäftigung durch landInstrument den bedrängten Steinmegen- Innungsmeistern züchterei). Der pneumatische Meißel wird die Innungen der Steinmetzmeister in das Nichts stoßen, wie es manchen anderen Gewerben schon vorher durch andere Maschinen gegangen ist. versicherung. Das ist aber nicht der Fall. und forstwirthschaftliche, sowie durch anderweite Erwerbsthätigkeit| wenn wir nicht wüßten, daß einige unserer lieben Freunde und Befiß hat. Und die Brauburschen durchschnittlich erzielen. Der Betrag dieses durchschnittlichen getreuen Nachbarn" immer gleich zum Fischzug ausziehen, wenn muß nicht nur in Rußland. Jahresarbeitsverdienstes wird durch die höhere Verwaltungsbehörde an irgend einer Stelle das Wasser trübe zu werden scheint. nach Anhörung der Gemeindebehörde je besonders für männliche und weibliche, für jugendliche und erwachsene Arbeiter festgesetzt." Für Mitglieder der Krankenkassen gilt der dreihundertfache Betrag des für ihre Krankenkassenbeiträge maßgebenden durchschnittlichen Tagelohns. Es handelt sich aber hierbei nur um die Zwangskassen und bei denen wird höchstens ein Tagelohn bis zu 3 Mark in Rechnung gezogen, also jährlich höchstens 900 Mt., fodaß der Betreffende knapp in die höchste Lohnklasse tommt. Nur bei Fabrifkrankenkassen können die Tagelöhne bis 4 Mark berückfichtigt werden; aber einem Arbeiter mit 1200 Mark berechneten Jahreseinkommens werden immer nur die den Durchschnittssaß der vierten Lohnklasse bildenden 960 Mark angerechnet. Die Mitglieder der freien Kassen, und das sind vielfach noch die Bestgelohnten, find, wenn sie sich mit dem Arbeitgeber nicht verständigen über die Höhe des Lohnes, auf den 300fachen Betrag des ortsüblichen Tagelohnes als ihr rechnungsmäßiges Jahresarbeitseinkommen angewiesen. Für die der Seeunfallversicherungs- Berufsgenossenschaft angehörigen Arbeiter und für die Mitglieder der Knappschaftstassen gelten ebenfalls besondere Bestimmungen. Es liegt also fast ganz in der Hand des Arbeitgebers, zu bestimmen, in welcher Klasse für den Arbeiter Beiträge gezahlt werden sollen. " nun, der Bien Dresden. Eine in einem Gartenlokale Dresdens abzuhaltende Bolksversammlung, in welcher der Abg. Bebel über die Getreidezölle und die indirekten Steuern sprechen wollte, wurde seitens der die Wirthe herzugeben bereit sind, führte zu dem Versuch, ein Polizei nicht genehmigt. Der Mangel an größeren Lokalen, welche Gartenlokal zur Versammlung zu benußen. Geben wir einfach die Thatsachen wieder. Der ganze Artikel in unserer legten Nummer bestand in einigen rein thatsächlichen Mittheilungen, an welche sich dann die Worte anschlossen: " Dem„ Berl. Voltsblatt" hätten wir einstweilen nur zu entgegnen einmal, daß wir die„ Verhandlungen von Kabinet zu Kabinet" niemals als etwas entbehrliches oder Sozialdemokratische Reichstagskandidaturen. Halber gar tabelnswerthes angesehen haben, sondern daß wir stadt- Oschersleben- Wernigerode: Bürstenmachermftr. Rob. Dahlenes nur für nothwendig hielten, die Sache endlich aus dem Dahlen; Bunzlau- Lüben: Schneidermstr. Aug. Kühn- Langenbielau; Stadium der schwebenden Vorverhandlungen herauszubringen" Burg- Genthin: W. Liefländer- Berlin; Hanau- Gelnhausen; Wolf= und ferner, daß uns eine Kaltstellung der französischen Marristen durchaus nicht theilnahmlos lassen würde, aber Mühlheim; Lüdenscheid: B. Meist- Köln. Statistik der Geheimbundsprozesse. Von den Geheimdaß wir doch gewünscht hätten, die Marristen würden bundsprozessen, welche in der Zeit seit Erlaß des Sozialistengefeßes statt bloßer Befürchtungen" flare und schlüssige Thatsachen bis zum Freiburger Erkenntniß anhängig waren, wurde das Verborgebracht haben. Es wäre für die Guesde und Lafargue doch gewiß nichts leichter gewesen als sich sofort fahren in 10 Fällen eingestellt und erfolgte in 6 Fällen Freisprechung von ein paar marristischen Gewerkschaften oder Zirkeln als der Angeklagten und in 8 Prozessen( Frankfurt 1880, München und Delegirte wählen zu lassen und sofort auf die Beantwortung Berurtheilung. Seit dem Freiburger Erkenntniß bis Ende Januar Bofen 1882, Stettin 1883, Breslau 1884, München, Altona 1886) der Frage zu dringen, ob sie von der possibiliſtiſchen Partei- 1889 waren 55 Prozesse auf Grund der§§ 128 und 129 anhängig leitung zugelassen würden oder nicht. So ist immer nur von Wahrscheinlichkeiten und früheren Erfahrungen" die fahrens und nur 8 mit Freisprechung der Angeklagten, während in geworden. Von diesen endigten nur 10 mit Einstellung des VerRede, und diese erscheinen uns denn doch nicht hinreichend 33 Prozessen Verurtheilung ausgesprochen wurden und in 4 Fällen für ein Vorgehen, das die internationale Verbrüderung mit das Verfahren noch schwebte. Die 33 verurtheilenden Erkenntnisse Dadurch kann auch verhindert werden, daß ein Arbeiter, der einem internationalen Gezänk beginnen ließ, das weder in erstreckten sich insgesammt auf 236 Personen. sonst vielleicht nur 350 bis 550 Mark verdient, also der zweiten Paris noch in London und auf dem Kongreß zu Jolimont Lohntlasse angehört, bei guter Arbeitskonjunktur in einer höheren sehr erfreulich klang. Hoffentlich gelingt nun Lohnklasse, seinem augenblicklichen höheren Lohne entsprechend wenigstens die Verschmelzung in Paris." Zum Zimmererkongrek. Unterzeichnete Kommission giebt Beiträge zahlt, um seine Rente zu steigern. Denn die Krankenkassen Das sind im ganzen drei Säße. In dem einen betonten wir, hiermit bekannt, daß der diesjährige Kongreß voraussichtlich in der find nicht verpflichtet, nach der wirklichen Lohnhöhe Beiträge und daß wir den deutschen Vertretern keinen Vorwurf der berührten Zeit vom 31. Mai bis 2. Juni stattfinden wird. Der Ort Krankengeld zu bemessen, sie können vielmehr für die Kaffenmitglieder Art hätten machen wollen. Das war eine Höflichkeit. Im wird in nächster Zeit bekannt gegeben werden. insgesammt einen durchschnittlichen Lohnfazz feststellen, wodurch zweiten äußerten wir in zurückhaltendster Weise die Meinung, daß natürlich alle über dem Durchschnitt stehenden Arbeiter be nach die französischen Marristen gut gethan haben würden, fertige theiligt werden. Thatsachen zu schaffen, da dann sicherlich diejenigen Belgier, Engländer Kurz, aus der ganzen Vorschrift des§ 16 folgt, daß nur in u. f. w., die heute noch zu den Possibilisten stehen, weil sie die den wenigsten Fällen bei der Beitragsleistung und bei der Renten- Befürchtungen der Marristen für unbewiesen halten berechnung der wirkliche Lohn in Betracht gezogen werden wird. sich den Protestirenden angeschlossen haben würden und da ( Boss. 3tg.") hierdurch mancher Zank vermieden worden wäre. Darüber mag man verschieden urtheilen, verlegt konnte sich aber Niemand fühlen, jedenfalls hat diese Aeußerung mit dem deutschen Vorgehen gar nichts zu wenigstens die Erwartung der französischen Marristen sich erfüllen möge er war also wiederum eine Höflichkeit und hatte mit finden. hat wie vorauszusehen war bereits Kritiken und den deutschen Vertretern wiederum nichts zu schaffen. Anfechtungen erfahren. Was antwortete darauf ein Mitarbeiter nicht die Redaktion statt. des ,, Berl. Volksblatt"? Man höre: Als Tagesordnung schlagen wir vorläufig folgende Punkte vor 1. Situationsbericht und Abrechnung des Kassirers. 2. Erhebung über die Lage der Zimmerer. 3. Streifangelegenheiten. 4. Organfrage. 5. Verschiedenes. Die Wahl der Delegirten muß in öffentlichen Versammlungen Die Stellung des deutschen Tabakarbeiter- schaffen. Der britte Sak sprach die Hoffnung aus, daß nunmehr aller Zimmerer und durchaus nicht in Vereinsversammlungen statt. Kongreffes zur Frauenfrage Wir brauchen heute darauf wohl nicht näher einzugehen, da wir die Frauenfrage in letzter Zeit oft und ausführlich zur Sprache gebracht haben und außerdem auf Heft 3 der Berliner Arbeiterbibliothek( Clara Betkin, die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart) zur näheren Orientirung unserer Leser verweisen können. ,, Die Berliner Volks- Tribüne" sezt ihre Rempeleien wegen des internationalen Kongresses fort. Ein bischen mehr Objektivität, als sie dem Blatte in dieser Frage eigen ist, mup te ihm die Einsicht beigebracht haben, daß die deutscherfeits geanen Schritte und Vorschläge durchaus forreft und loyal warett.. An den Deutschen lag die Verzögerung nicht. Eine andere Darstellung der Sache kann nur auf Unkenntniß oder Böswilligkeit beruhen." Wir baten darauf um gefällige Ueberlegung, ob Ton und Es wird für die Theilnehmer des Kongresses aber Inhalt unseres Artikels irgend welchen Anlaß zu einem Mißvon Interesse sein, daß auch der zweifellos außergewöhn- flang geboten habe, oder ob daran nicht lediglich der Resonanzlich sachkundige Korrespondent„ aus Norddeutschland" der Wiener ,, Gleichheit" schreibt: „ Hoch anzuerkennen ist, daß der Kongres gegenüber der Frage der weiblichen Arbeiter, die in der Zigarrenindustrie bekanntlich eine sehr wichtige Rolle spielen, einen durchaus forretten Standpunkt einnahm.. Die deutschen 3igarren arbeiter sind die ersten, die in dieser Frage offiziell und gründlich mit den bisherigen Vorurtheilen gebrochen haben." Der Massenstreik im westfälischen Kohlenrevier. Der Kongreß findet zu Halle a. S. im Saale der Moritzburg Mit kameradschaftlichem Gruß und Handschlag Die Agitationskommission der deutschen Zimmerer. J. A.: Karl Horn, Leipzig, Kantstraße 28, IV. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck dieses Aufrufes gebeten. Gewerkschaftliches, Versammlungen. Maurer Berlins! Tretet alle der Freien Vereinigung boden" die Schuld trage, auf ben unsere Entgegnung gestoßen sei. der Maurer und Fachgenossen Berlins bei. Ohne Or Darauf erhielten wir wiederum zur Antwort, daß der Einsender recht wohl zwischen einem freundschaftlichen Nippenstoß und einem ganisation kein Erfolg. abfichtlichen Hübneraugentritt" zu unterscheiden wisse und bei der ,, Rempelei" bleibe. Darauf hatten wir allerdings nichts mehr zu erwidern und überlassen auch heute das Urtheil ganz unseren Lesern. wir in Zukunft gern auf alle Hühneraugen und sonstigen Gebrechen Wir benußen den Anlaß aber gleich zu der Versicherung, daß Anderer die weitgehendste Rücksicht nehmen werden, soweit dabei das Recht der freien Meinungsäußerung nicht vollständig hinfällig wird. Das oben Festgestellte sollte unseres Erachtens aber auch Anderen die Erwägung nahe legen, ob nicht eine kleine Operation von ihrer Seite geboten erscheint, um aller Ueberempfindlichkeit ein Ende zu machen. Hoffentlich tragen die überzähligen Augen nicht auch die Schuld daran, daß man uns gegenüber mitunter Gespenster gesehen hat und wohl auch noch sieht. Der Streit im westfälischen Kohlenrevier, welcher in den letzten Tagen der vorigen Woche zuerst bei Gelsenkirchen begonnen Bei dieser Gelegenheit werden wir übrigens erst gewahr, welch hat, nimmt immer größere Ausdehnung an. Seit dem Jahre 1872, ein Segen es ist, daß wir wenigstens auf ganz gesunden Füßen auf dem Höhepunkt der Gründerzeit, hat im dortigen Kohlenrevier stehen denn bei dem gegen uns mitunter eingeschlagenen Verein solcher Massenstreif nicht stattgefunden. Die in Essen erhalten wären wir sonst aus den Empfindlichkeiten gar nicht herausscheinende Rheinisch- Westfälische Zeitung" veröffentlichte am Mitt- gekommen. woch ein Verzeichniß von 37 Bechen, auf welchen eine Belegschaft bon circa 40 000 Arbeitern feierte. Es sind dies 40 Prozent der gesammten Arbeiterbelegschaft des Oberbergamtsbezirks DortDer Pariser„ Parti Ouvrier", Politisches und Sozialpolitisches. Die streifenden Berliner Weißgerber wenden sich in einem Aufruf um Hilfe an die Arbeiter Deutschlands. Jede weitere Auskunft ertheilt: Ernst Rau, Berlin, Prinzen- Allee 62-63. Hilfe that dringend noth. Der Steinmetzenstreik dauert unverändert fort. Der Buzug ist unbedingt fernzuhalten. Zuschriften sind zu richten an I. Jeschky, Melanchtonstr. 5, Hof 1 Tr. An sämmtliche Maler und Anftreicher Berlins! Die Streiftarten werden von jetzt ab jeden Sonntag von 10-12 Uhr Vormittags und Mittwoch von 8-9 Uhr Abends in den Vereins lokalen der Filialen ausgegeben: 1. Wendt, Dresdenerstr. 116, 2. Appel, Lüẞowstr. 11, 3. Gäddel, Andreasstr. 34, 4. Engel, Invalidenstr. 151. Sämmtliche Kollegen werden ersucht, die Karten so bald wie möglich abzuholen. Die Lohnkommission. Arbeitseinstellung. Die Gürtler von Schreiner u. Co., Annenstr. 49( Inhaber: Peatrée) haben am Freitag Vormittag wegen Maßregelung von Kollegen die Arbeit niedergelegt und bitten, allen Zuzug fernzuhalten. Verbotene Versammlung. Die für Montag, den 6. Mai, nach den Zentralfestsälen einberufene öffentliche Versammlung der Albumarbeiter und Arbeiterinnen, in welcher Frl. Joh. Jagert über die Stellung der Frau in der Industrie referiren sollte, ist durch den Polizeipräsidenten verboten worden, ebenso eine für den 13. Mai einberufene öffentliche Frauenversammlung( Referentin: Frau Baake). -Freie Vereinigung der Zuschneider, Stepper und. Vorrichter Berlins. Versammlung Sonnabend, den 11. b. M., Abends 8 Uhr, im Restaurant Reyer, Alte Jakobstr. 83. T.-D. Vortrag des Herrn C. Baake über Malthusianismus. Verband deutscher Zimmerleute. Lokalverband Berlin Die feiernden Zechen haben eine tägliche Förderung von das Tageblatt der Possibilisten, giebt unsere Aeußerungen über den 43 286 Tonnen Kohlen oder 39 Prozent der gesammten Tages- internationalen Kongreß in den denkbar sinnentstellendsten Ber förderung im Oberbergamtsbezirk Dortmund. drehungen wieder. Leider häuft sich uns in letzter Stunde der Der Ausfall in der Kohlenförderung beginnt bereits hier und Stoff derartig, daß wir uns heute mit einem einfachen Protest da im theinisch- westfälischen Industriebezirf die Hüttenwerte zur begnügen müffen." Einstellung des Betriebes zu nöthigen. So hat am Mittwoch das Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerk wegen Mangels an Kohlen den Betrieb eingestellt. Am Abend vorher ist schon im Kruppschen Etablissement in Essen in einem Theile der Werke der Große Schneider- Versammlung der Freien Vereini Betrieb eingestellt worden. Die Eisenbahnzüge zur Ausfuhr von Seit seinem Wiederzusammentritt am Dienstag be- gung der Schneider Berlins am Montag, den 13. Mai cr., Kohlen nach Belgien sind eingestellt. Es heißt, daß die öffentliche Meinung unbetheiligter Streise in schäftigt sich der deutsche Reichstag wieder mit der Alters- Abends 8½½ Uhr, in Gratweils Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tagesordnung: 1. Vortrag; 2. die Lohubewegung der Berliner den dortigen Gegenden durchweg auf Seiten der Arbeiter steht. versicherung, aber es ist noch nicht möglich gewesen, Arbeiter und wann gedenken die Schneider sich aufzuraffen? Jedenfalls ist die Behauptung in der Presse der Grubenverwaltungen eine beschlußfähige Anzahl von Abgeordneten zusammen Referent: Herr A. Täterow; 3. Vereinsangelegenheiten: 4. Frage. unwahr, daß in den letzten Jahren die Löhne fortwährend mit dem zu bringen. Am Mittwoch mußte die Berathung ab- tasten. Zahlreiches Erscheinen erwartet der Vorstand. Preise der Kohlen gestiegen seien. Nach der eigenen Statistik der Rhein. Westfäl. 3tg." hat sich allerdings der Jahresverdienst der gebrochen werden, weil sich bei einer Abstimmung herausArbeiter wie folgt gestellt: 1883: 905, 1884: 875, 1885: 864, ftellte, daß nur 176 Mitglieder des Reichstages anwesend 1886: 841, 1887: 883, 1888: 910 Mt. Aber dieser Jahres- waren. Man hatte gehofft, daß der Eindruck dieser verdienst ist die Folge gewesen einer wachsenden Ausdehnung beschämenden Thatsache so tief und eindringlich sein werde, der Arbeitszeit. Denn der Nettolohn pro Kopf und Schicht ift fogar ſeit 1883 fortwährend gesunken. Derselbe betrug nämlich um fortan die Beschlußfähigkeit des Hauses zu sichern. Gentrum. Versammlung am Dienstag, den 14. d. M., Abends 1883 2,72 m., 1884 2,68 m., 1885 2,66 Wit., 1886 2,58 Mt. Diese Hoffnung ist jedoch getäuscht worden. Wiewohl 8 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantenstr. 72 Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. 1887 2,57 Mt. Für 1888 ist die Rubrik leider nicht ausgefüllt. man Donnerstag früh im Reichstage erfahren hatte, daß Mitgliederversammlung Montag, 13. d. M., Abends 8 Uhr, in Ueber die persönlichen Ursachen der plöglichen Bewegung Fürst Bismarck, wenn auch nicht seine Theilnahme an Feuerstein's Lokal, Alte Jakobstr. 75. furfiren die entschiedensten Nachrichten, sodaß wir vorläufig von der Debatte, doch sein Erscheinen im Hause angekündigt Fachverein der Buchbinder und verwandten einer Wiedergabe absehen. Bemerken aber wollen wir, daß uns von fachkundigster Seite hatte, waren doch die Bänke des Reichstages noch spärlicher Berufsgenossen. Versammlung am Montag, den 13. d. M., die Vermuthung ausgesprochen wurde, die ganze Attion stehe in als am Mittwoch besetzt, und bei einer erneuten Ab- Abends 8 Uhr im Vereinslokal, Louisenstädtisches Klubhaus, Annenstr. 16, I. Verbindung mit einem großen Finanzkoup, durch den man ftimmung zeigte sich, daß nur noch 166 Mitglieder in der die kleinen Gruben zu ruiniren beabsichtige, um sie dann zu Schleuderpreisen seitens der großen Monopolisten aufzukaufen. Das ge- Redchalle des gesetzgebenden Körpers ausgeharrt hatten. radezu herausfordernde Benehmen der Grubenleiter spreche dafür, Der Reichstag zählt 397 Mitglieder, in der Donnerstagsdaß man mindestens die Fortsegung des Streits von dieser Seite fißung haben mithin 231 Abgeordnete gefehlt. Die wünsche. Auch die Aufhiffungen der rothen Fahnen seien auffällig, Herren scheinen das Gesetz demnach selber für sehr unda die Sozialdemokratie notorisch im Bezirke noch ganz schwach sei bedeutend zu halten eine Werthschäßung, in der fie und mit der Vorbereitung und Führung der Streiks bisher gar nichts zu thun habe. doch endlich einmal mit den Arbeitern übereinstimmen. Wir bringen diese Meinungsäußerung unter aller Reserve, da es vielleicht gut ist, die Augen auch nach dieser Seite offen zu halten. " Briefkasten. Verschiedene Berichte mußten leider wegen Raum mangels zurückbleiben. Leipzig. Es gingen uns seitens der Post 3 Hefte Arbeiterbibliothek zu, die in Leipzig ohne Adresse und Umschlag in einem Postbeutel gefunden wurden. Vielleicht ist auf diesem Wege Absender oder Adressat festzustellen. Wir bitten um Mittheilung. Frankreich. Am 5. Mai 1789 wurde in Versailles die Ver= Der Breslauer Fackelzug" soll in Berlin neu ein- sammlung der Reichsstände eröffnet, die sich bald zu einer fonstudirt von braven Bayrischen Brauburschen, die bitteres ftituirenden Generalversammlung umgestaltete. Am 20. Juni fand braunes Bier brauen, in Scene gefeßt werden. Darüber alsdann der Schwur im Ballhause statt, durch welchen sich die Die durchaus friedlichen Bemerkungen zum internationalen wird fich niemand wundern, der da weiß, daß der in Volksvertretung für unabhängig von der königlichen Autorität erklärte, Arbeiterkongreß" in unserer letzten Nummer haben wider alles Eram 14. Juli folgte der Sturm auf die Bastille, und am 5. Oktober warten Anlaß zu einem kleinen journalistischen Renkontre ge- leßter Zeit bekannt gewordene emporstrebende Herr Röſicke fand der Zug nach Versailles statt, wodurch die alte mittelalterliche geben. Wir würden es vorziehen, die ganze Sache zu ignoriren, eine Brauereidirektorstelle durch Erbschaft in unbestreitbarem Staatsverfassung endgiltig hinweggefegt wurde. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: T. Posekel, Berlin 2. O., Dranienftraße 23. Zur Abwehr.