Berliner Volks- Tribune. Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Bolts Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. = Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Einzelne Nummer 15 Pfg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Neiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. №. 21. Sonnabend, den 25. Mai 1889. Ausgabe für Spediteure: " Merkur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Zum internationalen Arbeiterkongreß. gewählt, dann hat das Bureau derselben das Mandat nun stellte sich heraus, woher das Geld zu allen diesen Die Korruption in den englischen Gewerk- auszustellen, und es muß die Zahl der anwesenden Wähler Versammlungen gekommen ist. In dem Berichte des schaften. Das Ende einer Welt von Dru- angegeben werden. Die so ausgestellten Mandate wird Executiv- Komitees hieß es, daß dem Trades Council und mont. XI. Maßregelungen der freien Hilfs- der internationale Kongreß mit Berücksichtigung der Aus- seiner Agitation es zum großen Theile zu verdanken sei, kassen. Zum Coalitionsrecht.- Der Töpfer- nahmezustände in Deutschland als giltig anerkennen. daß die Zuckerfrage jetzt ihrer Lösung nahe sei. Ein Kongreß. Die aufzuwendenden Mittel zur Beschickung des Kon- Delegirter frug an, wie denn das Geld verbucht sei, welches Novelle von May Kretzer. II. Ibsen gresses sind nicht gering. Auf eine 10-12 tägige Ab- im Zusammenhang mit dieser Agitation ausgegeben worden über die Korruption unserer Gesellschaft. wesenheit, einschließlich Reise, muß der Vertreter sicher ist. Shipton antwortete, daß das Geld nicht von dem Die Lage der russischen Industriearbeiter. V. rechnen. Außerdem ist zu beachten, daß der Unterhalt in Einkommen des Councils, des Gewerkschaftsrathes, genomArbeitgeber und Arbeitnehmer.- Der Streif Paris in Folge der Weltausstellung in diesem Sommer men sei, sondern aus einer anderen Quelle stamme. der Kohlenberglente. Aufrufe. besonders theuer ist. Dessen ungeachtet ist es sehr wün- Nach langem Drängen gab Shipton zu, daß diese schenswerth, daß gerade die deutschen Arbeiter zeigen, wie Quelle die Torypartei sei, die konservative Partei fein Hinderniß sie zurückschreckt, ihrem Solidaritätsgefühl der großen Grundbesißer und Bourgeois! und ihrem Eintreten für die gemeinsame Sache der Arbeiter Hierauf wurde beantragt, den betreffenden Passus aller Länder durch Absendung zahlreicher Vertreter nach aus dem Bericht fortzulassen, jedoch die Mitglieder des Paris Ausdruck zu geben. Trades Council billigten mit 36 gegen 11 Stimmen Arbeiter Deutschlands! Beachtet dies und handelt die Handlungsweise Shipton's und seiner Kollegen! Das danach! von Seiten dieser Herren verausgabte Geld soll sich auf Die gewählten Vertreter werden gebeten, sich an die nahezu eintausend Pfund Sterling( 20 000 Mark) belaufen. mitunterzeichneten A. Bebel, Dresden- Plauen, oder Wir haben diesen skandalösen Einzelfall herausge= W. Liebknecht, Leipzig- Borsdorf, zu wenden, um griffen, weil er typisch ist und an ihm die in den Genähere Auskunft über die muthmekliche often des Aufwerkschaften eingeriche Korruption fo recht deutlich herenthaltes in Paris, die zweüb pigjie Seiseroute 2c. zu vortritt. Alle oben angeführten Fälle sind in den Geerhalten. werkschaften wohl bekannt, aber die Mitglieder der Drganisationen thuen Nichts, um dem Treiben zu steuern... Alle Arbeiter Deutschlands werden zweifellos die nächsten Tage eifrig zu Sammlungen für die in unerhörter Weise hintergangenen rheinisch- westfälischen Berglente benußen. = Besonders am Lohntag und des Sonntags im geselligen Kreise wird man überall der arbeitenden Mitbrüder gedenken. Daß der Ertrag jedes Spiels, jedes Vergnügens ihnen zugewiesen wird, erscheint uns selbstVertreter, welche auf der Rückreise Elsaß- Lothringen verständlich. passiren, müssen sich einen Paß beschaffen, der vor AnBeiträge werden auch von uns übermittelt und in tritt der Rückreise mit einem Visum der deutschen Gesandtdiesem Blatte quittirt. schaft in Paris versehen werden muß. Die Expedition der„ Berliner Volks- Tribüne." Berlin S. O., Oranienstr. 23. Bum internationalen Arbeiterkongreh erläßt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion folgenden Aufruf: An die Arbeiter Deutschlands! Wenige Wochen nach diesem Kongreß treten auf Einladung des Schweizer Bundesraths die Vertreter der Regierungen der meisten Industriestaaten der Welt zu einer Konferenz in Bern zusammen, welche sich mit den gleichen Fragen beschäftigen wird. Die Ursache ist, daß die Gewerkschaften längst aufgehört haben, eine Kampforganisation zu sein, und vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet, nichts weiter find, als Krankenkassen- und Sterbevereine, und als solche zumeist mangelhaft und kostspielig verwaltet und Die Korruption in den englischen Gewerk- schlecht fundirt, und vom politischen Standpunkte schaften. aus Anhängsel der liberalen oder konservativen Partei, je nach Stellung der lokalen„ Führer". Ihre f. p. Die Führer" der englischen Gewerkschaften Vertreter brüsten sich gar noch damit, daß sie von dem sind unternehmende Leute, mit einem feinen Verständniß gesammten Einkommen nur ca. 5 pCt. für den ökono= für die Chancen, durch allerlei den bürgerlichen Par- mischen Kampf, d. h. Streiks, Lockouts und dergleichen Arbeiter Deutschlands! Am 14. Juli dieses Jahres teien und Kapitalistengruppen geleistete Dienste die eigenen ausgeben, während ca. 95 pet. von den Ausgaben für findet in Paris ein von den sozialdemokratischen Fraktionen Taschen zu füllen. Unterstüßung, Krankengeld u. s. w. absorbirt werden. Frankreichs berufener internationaler Arbeiterkongreß Nachdem bereits Broadhurst, dem gegenwärtigen Dies bedeutet, daß die Gewerkschaften sich allmählich von statt, welcher sich mit allen Fragen der Arbeiterschuß- Sekretär des parlamentarischen Komitees der Gewerk- Organisationen zur Erringung ökonomischer Vortheile für gesetzgebung und den Mitteln zu ihrer Verwirklichung be schaften, nachgewiesen worden ist, für einen liberalen die Arbeiterklasse umgewandelt haben in Organisatio= schäftigen soll. Kapitalisten für Bezahlung auf die Wahlagitation nen, die den Steuerzahlern einen bedeutenden gegangen zu sein, nachdem Howell, ein früherer Sekretär Theil der Last der Armen- und Krankenunterdes obengenannten Komitees, in öffentlicher Gerichtsver- stüßung abnehmen. handlung überführt worden, an einer schwindelhaften Hierzu kommt eine engherzige Abschließung von den Attiengesellschaft betheiligt zu sein, ist jetzt die Reihe an außerhalb der Gewerkschaften stehenden Arbeitern, die Shipton gekommen. etwa 15 mal so zahlreich sind, wie Gewerkschaftler, welche Shipton ist Sekretär der Anstreicher- und Haus- in ganz Großbritannien auf ca. 750 000 geschäßt werden, maler- Gewerkschaft, außerdem Sekretär des„ London Trades während die Zahl der Arbeiter in Großbritannien sich auf Council"( Gewerkschaftsrathes), zusammengesezt aus Dele: ca. 12 Millionen beläuft. girten von Londoner Gewerkschaften. Seine Thätigkeit Korruption unter den Führern, kurzsichtige und eng= Arbeiter Deutschlands! Wir fordern Euch auf, diesen für die Sache der Arbeiter kann nicht besonders brillant herzige Interessenpolitik in der Masse, wen kann es wundern, internationalen Arbeiterkongreß durch zahlreiche Ver- genannt werden. Wohl aber hat dieser Herr es ver- daß die Haltung der englischen Gewerkschaften eine so treter aus Eurer Mitte zu beschicken. standen, sich kraft seiner Stellung als Gewerkschaftsbeamter konservative, um nicht zu sagen reaktionäre ist! Ale Angesichts der in Deutschland aus den Vereins- und an allerlei Bewegungen zu betheiligen, die unzweifelhaft Versuche, die englischen Arbeiter für die internationale Versammlungsgeseßen, wie aus dem Sozialistengesetz sich zu seinem pekuniären Vortheil ausgeschlagen haben. Arbeiterbewegung zu gewinnen, sind bisher gescheitert, ge= ergebenden Schwierigkeiten, entsteht die Frage: wie sollt Wir erinnern uns, daß anfangs der 80er Jahre scheitert am bösen Willen der Führer", die ganz genau Ihr Euch vertreten lassen? Bestehende Verbindungen: Shipton mit noch einigen anderen Gewerkschaftsbrüdern wissen auf welcher Seite ihre eigenen materiellen Interessen Fach, Gewerk, politische Vereine und so weiter laufen auf Kosten einer Aktiengesellschaft, die einen unterliegen, gescheitert an der Apathie und Unwissenheit der Gefahr, auf Grund dieser Geseze aufgelöst zu werden, seeischen Tunnel zwischen England und Frankreich bauen Massen. So lange nicht eine„ Reinigung“ an Haupt und falls sie die Absendung eines Vertreters beschließen. Es wollte, eine Sprißfahrt nach Paris machte, um dort für Gliedern sich vollzieht, bleiben die organisirten Arbeiter dürfte sich also unter diesen Umständen empfehlen, die besagten Tunnel Propaganda zu machen. Bei dieser Ge- Großbritanniens trotz aller Konferenzen und Kongresse, Wahl dieser Vertreter durch öffentliche Versammlungen legenheit wurde dann auch das Freundschaftsbündniß mit praktisch allianzunfähig. von Fachgenossen oder durch allgemeine Arbeiter- den Possibilisten abgeschlossen. Es ist also doppelt wünschenswerth, daß die ArbeiterKlasse aller Länder die Forderungen, welche sie an Staat und herrschende Klassen zu stellen hat, klar formulirt und sich über dieselben einigt. Diese Reinigung" an Haupt und Gliedern aber Versammlungen vornehmen zu lassen. Werden auch Gegenwärtig ist in England eine Agitation im Gange, wird kommen einmal durch die ökonomische Entwickelung diese Versammlungen aus irgend einem Grunde unmög- die den Zweck hat, die Einfuhr von Zucker aus solchen in Großbritannien selbst und den übrigen Industrieländern, lich, dann empfehlen wir, daß eine kleinere Anzahl von Ländern, die Exporteuren( Ausfuhrhändlern) eine Ausfuhr- welche die freien" Britten allmählich zur Erkenntniß ihrer Fach- oder Gesinnungsgenossen sich über eine in weiteren prämie bewilligen, zu verhindern. Shipton und mehrere Klassenlage zwingen, und den Gewerkschaftlern den selbstArbeiterkreisen mit Vertrauen betrachtete Person verständi- seiner Kollegen haben sich energisch an dieser Agitation be- gefälligen Wahn benehmen wird, als sei es möglich, gen und durch Sammlung von Unterschriften diese zu theiligt, haben Meetings von Gewerkschaftsbeamten abge- innerhalb des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit einem Vertreter ernennen lassen. halten, die natürlich einstimmig gegen die Fortdauer der der Arbeiterklasse dauernd günstigere Lebensbedingungen Der französischen Sprache braucht der Erwählte nicht Einfuhr von prämiengefüttertem Zucker protestirten. Alle zu schaffen zum andern aber durch die sozialistische mächtig zu sein, die Reden werden auf dem Kongreß in solche Meetings wurden dann in der kapitalistischen Preffe Agitation, die nach und nach in die Kreise der organisirten die Haptipten übersetzt. Auf die Zahl der Unter- als von den Arbeiterorganisationen ausgehend behandelt, Arbeiter bringt und mit dem Wuft von bornirten Ideen schriften tommt es nicht an, aber je größer dieselbe ist, und dementsprechend Stimmung gemacht. und albernen Vorurtheilen aufräumt. um so besser. Werden die Vertreter in Versammlungen Bei der letzten Sigung des Londoner Trades Council „ Das Ende einer Welt" von Drumont.[ die noch jetzt beibehalten worden ist. Als das Rathhaus der wöchentliche Beitrag. Die Kassen werden demnach zu XI. Der Sozialismus und die Pariser Kommune. den Schluß aufsparen. brannte, deponirte ein anderer Beamter der Kommune, einer Mehrleistung gezwungen, wenn dieselben auch ferner Treilhard, Direktor der Armenpflege, den 34 440 Franks dem Geseze genügen sollen. betragenden Reservefonds seiner Kasse bei seiner Frau, Nun wäre die Sache ja an und für sich betrachtet. z Will man die Lektüre des Drumont'schen Buches derselben einschärfend, das Geld im Falle, daß er selbst gar nicht schlimm, die Mitglieder sind gezwungen, wöchent nicht unter dem Eindrucke eines fast niederschmetternden nicht zurückkehre, dem Vertreter der Versailler Regierung lich ein paar Pfennige mehr Beitrag zu zahlen, erhalten. Etels, eines tiefen Entrüstungspessimismus abschließen, auszuliefern. Treilhard ward gefangen genommen indessen aber auch im Erkrankungsfalle eine dementsprechend will man den frischen kräftigen Luftstrom spüren, und füfilirt, zwei Tage darauf überbrachte seine höhere Unterstüßung, die jedem nur willkommen sein wird - im Gegentheil, es. der auch durch die Epoche der gesellschaftlichen Zerseßung Frau, welche zum ersten Male die Trauerkleider und durchaus nicht zu hoch ist streicht, will man das neue, gesunde Leben sehen, das trug, das Geld dem Offizier, der ihren Mann müßte eigentlich die Unterstüßung mindestens ebenso hoch sein, wie der tägliche Arbeitsverdienst, dann würde den mitten aus der Fäulniß und den Ruinen des Endes einer standrechtlich erschießen ließ. Vergleicht man solche Handlungsweise mit der der Kranken auch die nöthige Pflege zu Theil werden können. Welt hervorkeimt, so muß man die in der Mitte des Opportunisten, der Tompson, Etienne, Rouvier und Vorstehenden Saß wird jeder dentfähige Arbeiter für Werkes befindlichen Kapitel über den Sozialismus für Raynal, die sonst nicht einmal ganze Stiefeln hatten und seine Person unterschreiben können und wir brauchten kein Wenn auch Drumont in Folge seiner intellektuellen heute Besizer von eleganten Häusern, Villen und Equipagen Wort mehr zu verlieren über die ganze Sache, wenn nicht Farbenblindheit nur mehr instinktiv und schwach zu ahnen find, mit der der Ferry's, die noch vor 20 Jahren Bücher etwas vorhanden wäre, wodurch eine Anzahl von Mitscheint, daß nur in der von dem Sozialismus ergriffenen scheint, daß nur in der von dem Sozialismus ergriffenen auf dem Quai feilboten und jetzt Besißthümer von gliedern der Zentralkassen durch die nothwendig werdende Arbeiterklasse die Keime einer neuen gesellschaftlichen Welt 450 000 Franks Werth kaufen, so muß man eingestehen, Erhöhung des Unterstützungssages zu einer Ertra= liegen, so ergiebt sich dies von selbst aus den Thatsachen, daß die allgemeine Moralität seit der Kommune um steuer herangezogen würde, von welcher sie auch nicht Wie mächtig auch unsere den geringsten Nußen( wenigstens zur Zeit nicht) hat. den Werthschätzungen über die einschlägigen Verhältnisse etliche Grad gesunken ist. Es sind dieses diejenigen Mitglieder der genannten und Personen, die er bei Fehlern und Irrthümern im Phantasie sein mag, kann man sich doch nicht gut einen Detail doch im Großen und Ganzen mit großer Objektivität Nouvier vorstellen, der für seine Sache stirbt, und einen Kassen, welche durch ihr Arbeitsverhältniß gezwungen sind, giebt, so daß es unbegreiflich erscheint, daß der Verfasser Claude Vignon, welche eine Geldsumme zurückbringt, die einer 3 wangskasse( Fabrik- oder Ortskasse) anzugehören, deren Statuten den sogenannten Kürzungsparagraphen selbst nicht die logischen Schlüsse aus ihnen ableitet. Die dem Staat gehört! Dem Angeführten ist noch hinzuzufügen, daß die enthalten. Diese Mitglieder aber auch nur diese den französischen Sozialisten gewidmeten Kapitel hätten in ihrer ganz andersartigen Physiognomie zu der Korruption meisten Arbeiter, welche in der Kommune eine Rolle allein würden für die Zeit, wo sie in demselben Arder herrschenden Welt den natürlichen Schluß des Werkes gespielt hatten, sehr edel und würdig in die Werkstatt beitsverhältniß bleiben, jährlich um etwa 2,50 Mt. gegebildet, und Drumont zeigt in der Anordnung seines zurückgekehrt sind und von dem Ertrage ihrer Arbeit leben, schädigt werden. Für den Fall aber, daß sie von einer Stoffes dieselbe Inkoherenz, die sich auch vielfach in während die heutigen Republikaner davon überzeugt find, längeren über 13 Wochen dauernden Krankheit betroffen seinem Denken offenbart und ihn auf Irrwege und zu lebenslängliche Renten zubilligen müsse. Die nicht wieder diese 3wangskassen fast alle nur die Unterstützung auf seinem Denken offenbart und ihn auf Irrwege und zu daß ihnen die Nation auf irgend ein Kapitel des Budgets würden, wäre der Schaden sofort wieder ersetzt, indem Trugschlüssen führt. Als die Bourgeoisie in der Revolution ihre Taschen erwählten Deputirten verlangen wie ein Recht Stellen als die Dauer von 13 Wochen zahlen, während die ZentralDie Männer, fassen mindestens 26 Wochen bis zu 1 Jahr Krankengefüllt hatte, und das Volk seinen Theil verlangte, ant- Richter, Schäßmeister, Steuereinnehmer. wortete sie demselben mit Kanonen. Sie ließ wohl noch welche Paris in den Händen hatten, griffen einfach und unterstüßung gewähren. Es wird wohl Niemand glauben, daß es überhaupt von Zeit zu Zeit politische Revolutionen zu, welche in ohne Geschrei wieder zum Werkzeug, als die Kommune in der Absicht der Gesetzgeber- wenigstens der Majorität erster Linie ihr selbst nüßten, aber sie gewährte auch nicht gefallen war. Was von den Greueln, den Plünderungen der derselben jemals gelegen hat, die freien Hilfskaffen für einen Schatten von sozialen Reformen. Dieser Umstand - es wäre ja dadurch der mußte sozialistische Bewegungen hervorrufen, deren erste Kommunemitglieder erzählt wird, ist meist die reine Ver- immer bestehen zu lassen Lebenszeichen sich schon während der großen Revolution leumbung und Erfindung, von Agenten der Versailler Zweck des Gesetzes und also ein Theil der in Szene ge= und unmittelbar nach ihr, besonders in der Verschwörung Regierung oder Anhängern der Reaktion zu dem doppelten setten Sozialreform illusorisch geworden. und unmittelbar nach ihr, besonders in der Verschwörung Zweck in die Welt gefeßt, die Mitglieder der Kommune Beamter äußerte sich vor fünf Jahren ganz offen:„ In der Gleichen unter Babeuf's Führung offenbarten. zu verunglimpfen und das eigene Verdienst für den fünf Jahren werden wir mit den freien Kassen nicht mehr " Ein hoher Der Utopismus, der in der Folge auftrat, hatte Triumpf der alten Ordnung zu erhöhen. So ist es z. B. zu rechnen haben." Nun, die freien Kaffen können sich jedoch das Prinzip des Klassenkampfes noch nicht erkannt. Die reine Legende, wenn Herr de Ploene und sein Bataillon nicht beklagen, sie sind genug drangfalirt worden; gleich Dasselbe wurde in Frankreich zuerst von Proudhon in die Bank vor einer Konfiskation durch die Kommune nach Inkrafttreten der neuen Geseze begannen die Chikanen; seinem letzten Werke Von den politischen Fähigkeiten der ,, gerettet" haben will. Wenn die Bank geschont ward, so alles Mögliche und Unmögliche wurde in Anwendung ge= Arbeiterklassen" angedeutet, in dem er auf den Antagonis- geschah dies auf den ausdrücklichen Willen der insurrek bracht, um den freien Kassen das Lebenslicht auszublasen. mus zwischen Arbeitgebern und Arbeitern hinwies. Dictionnellen Regierung hin, welche in dem betreffenden Ueberall hatten dieselben mit den größten Schwierigkeiten utopistischen Vorläufer des Sozialismus waren ideale Beschluß, sowie in der Schonung aller großen Privat- zu kämpfen, namentlich aber waren es die zentralisirten Charaktere und drückten auch ihren Lehren ein ideales banken und Finanzhäuser ihre Mäßigkeit bis zur Naive- Kaffen, gegen welche eine wahre Heße losgelassen wurde. Gepräge auf, das zum Theil stark mit religiösen Elementen tät trieb. Alle Statuten, trotzdem dieselben in der humansten Weise vermischt war. Es wäre Pflicht der Kirche gewesen, mit Die„ Grquel" der Kommune find der Mehrzahl nach von der Hamburger Aufsichtsbehörde genehmigt Ausnutzung dieses Umstandes für eine gesellschaftliche Um- das Werk der Agenten Thiers', welche die Menge zu und mit dem Vermert, daß sie dem Gesetze genügen, verformung einzutreten, allein die französische Geistlichkeit schrecklichen Handlungen anreizten. Ein Agent von Thiers sehen waren, wurden als ungenügend bezeichnet. Die zeigte sich nicht auf der Höhe der Situation, sie enttäuschte ließ z. B. 14 Nationalgardisten erschießen, um keinen scharfsinnigsten Juristen wurden herangezogen, um irgend die Hoffnungen aller, die für Gerechtigkeit und Fortschritt Verdacht gegen sein Spiel zu Gunsten Versailles auf welche Mängel an den Statuten zu entdecken, und sobald glühten. Die Geistlichkeit gehorchte den Befehlen der kommen zu lassen. Der Mann wurde später dafür mit es gelungen war, irgend einen geringfügigen Fehler zu Bourgeoisie, welche damals wie stets vor Ordnung" raste, dem Orden der Ehrenlegion belohnt. Die Männer des entdecken, so ging die Heße los. Die Mitglieder wurden und für welche die Eigenthumsverhältnisse die einzige und 4. September wollten Verbrechen haben, um eine unerbitt zu tausenden von den Ortskassen zur Zahlung herangeHauptsächlichste soziale Institution waren. liche Unterdrückung üben zu können, und sie hatten beides. zogen, Prozesse wurden angestrengt, welche, bis zu den Die erste bewußte Lebensäußerung des Proletariats Es verdient dem gegenüber in helles Licht gerückt zu höchsten Instanzen durchgeführt, mit einer Niederlage für als Klasse erfolgte in der Internationale, die von einer werden, daß sich das Proletariat thatsächlich, als es zum die zentralisirten Kassen endeten und tausende und aberneuen Generation getragen ward, welche sich selbst unter ersten Mal einen wirklichen Antheil an der Macht hatte, tausende von Mark kosteten. Es ist nicht zu bestreiten, richtet hatte, deshalb viele Fehler und Irrthümer aufwies, unendlich weniger blutdürftig zeigte, als die Bour- daß die freien Kassen durch diese Drangsalirung sehr geaber auch Schwung, Begeisterung und Selbſtverleugnung geoisie, in dem Maße, als das Volk mehr Antheil an litten haben, so daß nicht allein ein großer Theil Mitbesaß. Es hatten sich in der Arbeiterwelt Typen heraus- den Revolutionen nimmt, werden dieselben weniger grau- glieder verloren wurde, nein, es gingen auch eine ganze gebildet, deren geistige und sittliche Entwicklung nichts sam. Die Erhebungen von 1830 und 1848 erscheinen Anzahl freier Kaffen zu Grunde. Indessen, alles hat ein mehr mit dem Mittelstand gemein hatte. Gestalten wie als reine Idyllen neben der ersten, von der Bourgeoisie Ende, und so ging es auch hiermit; man hatte sich einfach Malon, der sich als Autodidakt weite Kenntnisse angeeignet geleiteten Revolution. hatte und zu einer hervorragenden Persönlichkeit der Arbeiterbewegung wurde, zeigen, daß alle, die direkt aus den Volksmassen stammen, einen Schatz von Kraft und Opferfreudigkeit in sich besißen, den man vergeblich bei den oberen Klassen sucht. verrechnet. Die Zähigkeit, mit welcher der weitaus größte Theil der Mitglieder an ihren selbsterrichteten Kassen festhielt, die große Opferwilligkeit derselben sollten den Sieg davon tragen. Zu prozessiren gab es schließlich nichts mehr und wo dennoch Prozesse von den Zwangskassen bet den Haaren herbeigezogen wurden, endeten dieselben mit einer Niederlage der Zwangskassen. An die Mitglieder der freien Hilfskaffen. ( Aus betheiligten Kreisen in Hamburg.) Die Internationale war in ihren Anfängen durchaus Der Hamburger Senat hat beschlossen, den ortslegitim und in ihren Bestrebungen großherzig, aber ihre üblichen Tagelohn für gewöhnliche Tagearbeiter in Soweit wäre ja Alles recht gut und Jeder sollte sich zahlreichen Gegner setzten eine Menge von Fabeln über Hamburg, welcher bisher auf Mt. 2,50 festgesezt war, darüber freuen, daß die so nüßlichen Institute unter fie in Umlauf. Fast alle Politiker, sogar revolutionäre vom 1. Oktober d. J. ab auf 3 Mt. zu erhöhen. - aber leider ist wie Blanqui, standen ihr feindselig gegenüber, weil sie Leitung der Arbeiter so emporblühen Es würde nun die gedachte Verfügung im großen das Gegentheil der Fall. Die Gegner der freien Kassen ihre ökonomischen Bestrebungen nicht verstanden. Ganzen für die Arbeiter in Hamburg selbst als sehr gut Die Internationale hat keineswegs, wie von ver- und zweckmäßig betrachtet werden und die außerhalb finden jetzt auf einmal heraus, daß dieselben gesetzlich schiedenen Seiten behauptet worden ist, die Kommune Hamburgs wohnenden Arbeiter würden gar kein weiteres bevorzugt" seien, daß Licht und Schatten nicht gleichmäßig von Paris gemacht, aber selbstverständlich waren ihre Interesse daran haben, ob der behördlich festgesetzte Tage- vertheilt ſei, und verlangen eine Aenderung der GesetzMitglieder geeignet, eine hervorragende Rolle in derselben lohn in Hamburg so oder so viel beträgt, wenn damit gebung: Wegfall der Altersgrenze und der ärztlichen zu spielen. Als die Kommune das Volk einen Augenblick nicht etwas anderes verknüpft wäre, was für eine große Untersuchung, die Gewährung von freiem Arzt und freier lang triumphiren ließ, zeigte es sich in seinem Siege Bahl, ja weit mehr als 100 000' außerhalb Hamburgs Arznei u. s. w. Wer weiß, wie das noch enden mag! Wir müssen also vor allen Dingen abwarten, was. menschlich, denn die meisten aus seiner Mitte hervor- wohnende Arbeiter, von Interesse wäre, nämlich für gegangenen Mitglieder der Kommune verfolgten keine alle Mitglieder der zwölf in Hamburg domizilirten uns die in Aussicht stehende Gesezesnovelle bringen wird, bevor wir überhaupt einen solch schwerwiegenden persönlichen Interessen, sondern ein unbestimmtes Ideal Zentral- Kranken- und Sterbekassen. der Gerechtigkeit. Diese Kassen, deren Mitglieder sich über ganz Deutsch- Beschluß fassen, wie den Sitz der Kassen zu verlegen. Die Uneigennüßigkeit und Ehrlichkeit der volks- land vertheilen, sind durch die Verfügung des Hamburger Sonst können wir auch im neuen Orte die schlimmsten thümlichen Elemente der Kommune war über alles Lob Senats gezwungen, die niedrigste Unterstüßungs- Erfahrungen machen und die Kassen ruinirt sehen. Wir erhaben. Als Varlin erschossen war, fand man bei ihm klasse bedeutend zu erhöhen, wenn die Kassen auch dürfen die nun schon seit 13 Jahren behauptete Position 300 Franks, den letzten Gehalt, den er als Mitglied der noch nach dem 1. Oktober d. J. als solche, welche dem nicht aufgeben, wir dürfen unsere Stellung in keiner Kommuneregierung erhalten, und den man ihm aufgezwungen Geseze, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, Weise ändern, wenigstens nicht früher, bis wir die Traghatte. Während Jourde Finanzminister war und in genügen, gelten sollen. Diese Kassen müssen bekanntlich weite der gegen uns gerichteten Geschütze kennen. So steht die Sache und bei ruhiger Ueberlegung wird Millionen wühlte, wusch seine Frau nach wie vor die( laut Gesez) mindestens 3/4 des ortsüblichen Tagelohnes Familienwäsche in einem öffentlichen Waschhause, sein als Unterstüßung an die erwerbsunfähigen Kranken auf man finden, daß es nicht halb so schlimm ist, wie es sich Kind besuchte eine unentgeltliche Volksschule, und er selbst die Dauer von 13 Wochen gewähren, oder für denselben diejenigen Mitglieder und Verwaltungsbeamten der ge= speiste in einer ganz gewöhnlichen Garküche. Theiz leitete Zeitraum die Hälfte des ortsüblichen Tagelohnes und nannten Kassen denken, welche das Heil der Kasse nur in die Postverwaltung mit ebenso unbestrittener Ehrlichkeit, freien Arzt und Arzneien. Die Hamburger Zentralfassen einer Flucht aus Hamburg erblicken, d. h. welche bean= und Camélinat übte das Amt eines Münzdirektors mit bezahlten daher bis heute als die gefeßliche Mindestleistung tragen, den Siz der Kassen von Hamburg nach soviel Geschick und Ehrenhaftigkeit aus, daß sein Verdienst ein Krankengeld von 1,88 Mt. per Tag oder 11,25 Mt. einem anderen Orte zu verlegen, wo der ortsübliche schon unmittelbar nach der Kommune anerkannt werden die Woche außer den Beiträgen. Vom 1. Oktober d. J. Tagelohn ein möglichst geringer ist, wo man also auch mußte. Er hatte seine Thätigkeit nur dazu benutt, für an würde die Mindestleistung 2,25 Mt. per Tag oder die Mindestunterstützung seitens der Kasse möglichst niedrig das Prägen der Münzen eine Verbesserung einzuführen, 13,50 mt. per Woche betragen, dazu kommt dann noch lansezen kann. 805 Nun hoffentlich wird es soweit nicht kommen. Schon die Schwierigkeiten, welche mit Verlegung des Sizes einer Kasse verbunden sind, sollten davon abhalten. Diese Schwierigkeiten sind besonders folgende: Zunächst die Erlangung eines genehmigten Statuts seitens der in Aussicht genommenen neuen Auffichtsbehörde. Speziell in diesem Falle, wo es sich darum handelt, zu einer bestimmten Zeit, nämlich vor dem 1. Oktober d. J. mit der Verlegung des Sizes der Kasse fertig zu sein, könnte der Fall sehr leicht eintreten, daß die Zeit verstreicht, ohne daß das neue Statut genehmigt ist und die Mitglieder am 1. Oktober sämmtlich zu den Zwangskassen herangezogen würden. Altona ergangene Urtheil des Reichsgerichts hingewiesen, Herr Wolff- Hamburg über die Organisation des Wanderin welchem es heißt: unterstüßungswesens und der Einrichtung von ArbeitsDer§ 152 der Gewerbe- Ordnung hat es absolut nicht nachweisen. Mit dieser Angelegenheit wird zugleich mit irgend welchen Gegenständen allgemein politischer Natur, gelegentlich eine Besprechung über die Frage der Form sondern ausschließlich mit den konkreten Arbeitsverträgen der Organisation verknüpft. Ob Zentralisation? ob lokale zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, mit den unmittelZu den weiteren Schwierigkeiten gehören demnächst die Verlegung des ganzen Verwaltungsapparates und an die hieraus entstehenden Kosten. Doch das sei nur kurz berührt! Wir kommen nun zu der Frage, ob es praktisch und besser wäre, wenn der Siz der Kasse verlegt würde. Aber auch sonst wird man sich gegen Verlegung des Sizes erklären müssen und zwar: wegen der in Aussicht. stehenden Aenderung der Krankenkassenges ege, resp. der zu erwartenden Novelle zum Krankenversicherungsgesetz und der durch diese drohenden noch größeren Drangsalirung der freien Hilfskassen. bar durch diese Verträge geregelten Lohn- und Arbeits- Organisation? wird von den Rednern mehrfach erbedingungen, mit dem Gegensatz und Kampf der sozial- örtert. Die Anhänger der Zentralisation bei unseren ökonomischen Interessen unmittelbar um diese Bedingungen rechtlichen Verhältnissen haben aber auf diesem Kongreß zu thun. Dem Altonaer Fachverein der Tischler stand es hiernach vollkommen frei, sowohl selbständig durch nur ganz vereinzelte Anhänger. Arbeitseinstellungen und sonstige erlaubte Pressions- Der Delegirte der Wiener deutschen Töpfer, Herr mittel unmittelbar auf Verbesserung der Löhne im Tischler- Kolalka aus Wien, nimmt hier Gelegenheit, die Verhältgewerbe 2c. hinzuwirken, als auch zu gleichen konkreten nisse der Wiener Töpferei eingehend zu schildern. wirthschaftlichen Zwecken sich mit anderen Vereinen zu foaliren." Es sind in Wien 237 Töpfergesellen beschäftigt, davon sind Je dringender seitens der Regierung die Mahnung 138 verheirathet, 99 ledig. Dem Berufe nach sind 127 Werkstubendie Arbeiter, sich in den Wegen des Gesetzes und in der Regel 10 stündig, doch kommen auch 9 und 9 Stunden arbeiter, 88 Sezer, der Rest Scheibentöpfer. Die Arbeitszeit ist der Ordnung zu halten, ergeht, um so peinlicher werden tägliche Arbeitszeit vor. Ueberstundenarbeit ist aber sehr üblich. sich hoffentlich in der gegenwärtigen Lohnbewegung auch Es kommt vor, daß einzelne Arbeiter nach Schluß der Arbeitszeit alle Behörden vor einer Einschränkung jener Befugnisse mit der ganzen Familie, Frau und Stinder, in die Werkstätte rücken hüten, welche das Gesetz selbst den Arbeitern eingeräumt hat. schäftigte Arbeiter sind keine gelernten Töpfer. Die Ausbildung und nun alle zusammen loswürgen. 25 im Töpfergewerbe be= der 30 vorhandenen Lehrlinge ist eine ungenügende. Der V. Kongres deutscher Töpfer zu Breslau, Wir dürfen also mit unseren Zentraltassen nicht auf der am 16., 17. und 18. Mai stattfand, war von 59 Orten Reifen gehen, um ein neues möglichst billiges Asyl auf- durch 41 Delegirte beschickt. In der Nachmittagssißung am 17. Mai wird dieser Punkt der Tagesordnung erledigt. Es werden in einer Resolution die Töpfer an den verschiedenen Ortrn ersucht, ie einen Vertrauensmann zu wählen( in öffentlichen, allgemeinen Töpferversammlungen), der dem Generalzusuchen, im Gegentheil, wir wollen unseren Platz be- Nachdem die bei Eröffnung solcher Versammlungen ausschuß über den Stand des Arbeitsmarktes im Töpferhaupten und uns auf die kommenden Kämpfe gefaßt üblichen Förmlichkeiten erfüllt und das Büreau, bestehend gewerbe am Orte fortlaufend Bericht erstattet, damit man machen und vor allem für gut gefüllte Kassen sorgen. aus den Herren Jakobey- Berlin als ersten Vorsitzenden, besonders bei Arbeitseinstellungen die abreisenden Kollegen Sollten wir dann unter dem Drucke der zu erwartenden Cavello- Magdeburg als Stellvertreter und Kolmin- Breslau mit Weisungen versehen kann. Ueber die Streitbewegung berichtet Herr FräsdorfGeseze an der Möglichkeit, unsere Kassen so, daß sie dem als Schriftführer gewählt war, verlas Herr KaulichGefeße genügen, zu erhalten, verzweifeln müssen, dann Halle a. S. im Namen des Generalausschusses den Dresden. Aus dem sehr interessanten Vortrage heben Geschäftsbericht über das verflossene Jahr. Wir ent- wir hervor, daß die Lohnbewegung der Töpfer im vermüssen wir rechtzeitig auf dem Poſten ſein und beſchließen, nehmen dieser sehr gediegenen Arbeit folgende statistische flossenen Geschäftsjahre in der Regel von Erfolg gekrönt daß die Zentraltassen in Zuschußkassen umzuwar. Es ist ein Siegesjahr gewesen. Es sind wandeln sind. Die Kassen bleiben dann als solche den Notizen: Arbeitern erhalten, indem diesen dann durch dieselben ge- von Fragebogen eine Arbeitsstatistik im Töpfergewerbe zu verEs ist vom Generalausschuß versucht worden, durch Ausgabe eigentlich nur zwei Ausstände resultatlos verlaufen. Herr Fräsdorf warnt davor, daß gleich bei Beginn der Verboten wird, was die Zwangskassen niemals allein zu anstalten, die die drei hauptsächlichsten Zweige desselben, die Ofen- handlungen um eine Lohnerhöhung mit dem Ausstande gedroht leisten vermögen. setzer, die Kachelmacher( Werkstubenarbeiter) und die Scheiben- Töpfer, wird. Man muß sich stets einen anständigen Rückzug offen halten Die Mitglieder würden dann allerdings den Zwangs- die eigentlichen Töpfer" umfaßt. und auf jeden, einigermaßen annehmbaren Vergleich eingehen, wenn kassen angehören müssen, aber es würde auch nicht lange sehr unvollständig und etwas einseitig. Es kommen Beantwortungen zu vereinbaren, daß ihr Ablauf auf die günstige Arbeitszeit fällt. Wie immer bei solchen privaten Versuchen ist das Ergebniß die Arbeitgeber ernstlich verhandeln wollen. Die Tarife sind so dauern, dann würden gerade die bisherigen Mit der Fragen in der Regel nur aus solchen Orten, in welchen die Ihre Erneuerung ist rechtzeitig zu beantragen. Herr F. empfiehlt, glieder der freien Kassen die Führung in den Arbeiter schon geistig fortgeschrittener sind, und dort sind auch die daß bei solchen Arbeitgebern, welche die Forderungen bewilligen, 3 wangskassen übernehmen und es würde ihnen ge- Verhältnisse in Bezug auf Lohn und Arbeitszeit meistens günstiger fortgearbeitet wird, man also, sowie einige Unternehmer bewilligen, lingen, dieselben so zu gestalten daß sie unseren Wünschen als in den zurückgebliebenen Orten. Die Statistik wird dadurch in partielle Streits eingeht. Die Kollegen sollen sich alle, sowie ernste Lohnverhandlungen beginnen, locker machen", damit bei entsprechen würden. Die Leitung der Zentralkassen würde zu günstig gefärbt. Die gestellten Fragen sind mehr oder weniger vollständig Eintritt eines Ausstandes nicht nur alle ledigen Kollegen, sondern durch Wort und Schrift die Ausführung dieses Vorhabens beantwortet zurückgekommen aus 78 Orten, in welchen 1365 Betriebs- auch ein Theil der verheiratheten abreisen kann. Der Generalausauf das kräftigste unterstüßen und mancher Philister, unternehmer des Töpfergewerbes vorhanden sind. In 38 dieser schuß hat dafür zu sorgen, daß die Abreisenden möglichst untergewelcher heute so sehr für die Zwangskassen eingenommen Orte find 82 Fabriken mit Dampfbetrieb vorhanden. In 58 Orten bracht werden. Redner nimmt an, daß für Berlin manches sehr ist, mancher, der sich einen fetten Posten bei denselben er- Mitgliederzahl von 4202 Personen aufweisen. haben die Töpfergesellen sich Organisationen geschaffen, die eine schwierig liegt, da hier die meistens indifferenten Arbeiter der östlichen Provinzen zuströmen, die von Organisation und worben hat, ferner viele der Herren Aerzte, welche die Im Ganzen sind in den 78 Orten gezählt worden: Kameradschaftlichkeit nichts wissen und deren Erziehung sehr schwer ist. Zwangskassen als milchgebende Kuh für sich erziehen Scheibentöpfer 1003, Werkstubenarbeiter 2118, Sezer 3859 Nach streikenden Orten muß man Waare von außerhalb einwollen, ja noch viele andere und höher stehende Herren zuführen suchen. Das wird fast immer gelingen und guten Erfolg haben. Es ist das nicht zum Vortheil unseres Gewerbes, das giebt würden nach nicht zu langer Zeit wünschen, daß sie die Nedner zu, aber da die Arbeitgeber jede moralische und menschliche freien Kassen lieber ungeschoren gelassen hätten, aber dann Rücksicht gegen uns außer Augen seßen, und uns noch nach Beenist es zu spät. Die Geister, welche sie heraufbeschworen dig ung des Ausstandes verfolgen und schädigen, so müssen haben, werden sie nicht wieder los. Die freien Arbeiter wir gegen sie jedes gefeßlich erlangbare Mittel anwenden. werden auch in den Zwangskaffen Remedur schaffen und die beste Stüße werden dieselben auch dann noch an den Zentralfrankenkassen haben und zwar für immer! Also nicht voreilig handeln, warten wir einmal ab, was uns die nächste Zukunft bringen wird. Mit dem Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter beschäftigt sich ein eben erschienener Bericht der Petitionskommission des Reichstages. Die Petitions- Kommission hat sich mit dieser Eingabe beschäftigt, deren Materialien seltsamer Weise von der Hamburger Polizei beschlagnahmt worden sind, so daß eine zu der Petition entworfene Denkschrift dem Reichstage vorenthalten blieb was wohl auch bloß in Deutschland, bezw. in Hamburg vorkommen kann. Personen, zusammen 6982, von welchen 4357 verheirathet und 2625 ledig find. Die regelmäßige tägliche Arbeitszeit beträgt im Durchschnitt, aber bei sehr weit auseinanderliegenden Grenzen der längsten und kürzesten Arbeitszeit, 10% Stunden. In 36 Städten treten außer dieser Arbeitszeit noch leberstunden" auf, die wöchentlich die Zahl von 2204 Stunden erreichen. An Sonntagen wird in 42 Städten zusammen 3037 Stunden von 990 Gefellen gearbeitet. Bei schlechtem Geschäftsgange werden in 23 Orten die Arbeitsstunden vermindert, in 47 Orten treten dann Entlassungen einzelner Arbeiter ein. Lohn 6008. In Wochen oder Tagelohn arbeiten 974 Töpfer, in AkkordDer höchste Wochenverdienst beträgt: bei Scheibentöpfern 12,31 Mart, bei Werkstubenarbeitern 20,33 Mart, bei Segern 30,94 Mart. Die Säffigen müssen zuerst beschäftigt werden. Die lange Weile ist ein großer Feind der Streiks. In der ersten Woche darf keine Unterstützung gezahlt werden, womöglich auch in der zweiten nicht. So wird mit möglichst wenig Geld ein gutes Refultat erzielt werden. Um die Zahl der gleichzeitigen Ausstände zu beschränken, soll darauf gesehen werden, daß die Tarife nicht alle zu derselben Zeit ablaufen, man soll sie möglichst auf längere Zeit, 3-5 Jahre hinaus vereinbaren. Dies Jahr wird ein hartes werden. Wenn wir aber flug vorgehen, wird es auch ein Siegesjahr sein. Der niedrigste Wochenverdienst beträgt bei Scheibentöpfern 9,25, bei Werkstubenarbeitern 11,35, bei Segern 13,47 Mark. Die Redner zu diesem Punkte sind in den Haupt330 Arbeiter, die keine gelernten Töpfer sind, verrichten in sachen alle mit dem Referenten einverstanden, nur in der 45 Orten Töpferarbeit. Lehrlinge werden in 77 Orten 1659 gehalten. Es kommt also auf etwa 4 Gesellen 1 Lehrling. Die Frage, ob Generalstreits oder partielle Streiks erfolgreicher Ausbildung der Lehrlinge kann aber nur in 12 Orten als eine sind, zeigt sich einige Meinungsverschiedenheit. Es wird genügende bezeichnet werden. eine Resolution angenommen, die besagt, daß in der Folge Frauen arbeiten im Töpfergewerbe 257 in 25 Orten. Wir haben schon oft erwähnt, wie man den Arbeitern die Koalitionsfreiheit thatsächlich genommen hat, indem man den Borständen von Lohnausschüssen verbietet, vom 1. Oftober 1887 bis 1. Oftober 1888 1549,45 Mark an bevorzugt werden sollen. Von den Gesellen eingerichtete Wanderunterstüßung wurde die Ausstände der Scheibentöpfer und Werkstubenarbeiter mit einander in Verbindung zu treten, als wären 2337 Gesellen gezahlt. Davon erhielten, 1171 Gesellen, die einer Am 3. Kongreßtage kommt die Organfrage zur sie politische" Vereine, indem indem man Versammlungen Organisation angehörten 1058,85 Mart, also etwa 90 Pf. pro Besprechung. Der Referent, Herr Heinke- Hamburg, tritt streikender Arbeiter auf Grund des- Sozialisten- Person; 1003 Gesellen, die keine Gelegenheit gehabt hatten, sich für Gründung eines eigenen Organes ein, indem er in gesezes verhindert, die Aufbringung der Geldmittel zur die Person; 163 Gesellen, die als„ Wilde" bezeichnet werden, die sehr fachlicher Art alles beibringt, was dafür spricht. Unterstüßung streikender Arbeiter als Bettelei im es verschmähen, sich der Organisation anzuschließen, 38,70 Mart Ihm widerspricht der Korreferent, Herr Fräsdorf- Dresden, Sinne des§ 361, Absatz 4 des Strafgesetzbuches und oder 30 Pf. auf die Person. der für Beibehaltung des Vereinsblattes spricht, weil sogar gewerkschaftliche Vereinigungen, welche Unterstützungen Arbeitszeit. In den Orten mit langer Arbeitszeit und Interessant ist der Vergleich der Löhne mit der Dauer der dasselbe zu berechtigten Ausstellungen keine Veranlassung gewähren, als der staatlichen Genehmigung bedürfende vielen Ueberstunden ist der Verdienst niedrig, in den gegeben, sondern die Interessen der Töpfer sehr gut Versicherungsanstalten behandelt, worüber es zu mehreren Orten mit kurzer Arbeitszeit höher. gewahrt habe. Herr Keßler, der als Vertreter der VerProzessen wegen angeblicher Uebertretung des§ 360, No. 9 In Camenz werden wöchentlich 380 Ueberstunden gemacht, die waltung des Vereinsblattes" anwesend ist, setzt die des Strafgesetzbuches gekommen ist. Gesellen verdienen im Durchschnitt 10 Mark wöchentlich. In Grundsäße auseinander, nach welchen das Blatt geleitet Breslau werden 340 wöchentliche Ueberstunden gemacht, die Gefellen verdienen als Werkstubenarbeiter 12 Mt., als Seger 18 Mt. wird. Als er zum Schluß sagt, daß, wenn die deutschen im Durchschnitt, in Bunzlau werden viele Ueberstunden gemacht, Töpfer ein neues Blatt gründen wollen, er gern bereit der Durchschnittsverdienst der Stubentöpfer dort beträgt 11 Mark. sei, dafür zu sorgen, daß die Trennung in ruhiger und Ebenso sieht es in den andern Orten mit vielen Ueberstunden aus. anständiger Form vor sich gehe, wird ihm von allen In Görlig, Coswig, Bürgel, Criniz, Pulsnit, Danzig erhebt sich der Lohn der Werkstubenarbeiter im Durchschnitt nicht viel über Seiten zugerufen:„ Wir wollen uns nicht trennen!" Die 12 Mark, der Wochenlohn der Seher nicht über 16 Mark. Gründung eines neuen Blattes wird mit 37 gegen die Die Voss. 3tg." bemerkt hierzu: Dagegen verdienen da, wo keine Ueberstunden- und keine beiden Stimmen von Heinke- Hamburg und Kübler- Hannover Die meisten Beschwerden der Petition find nicht er- Sonntagsarbeit geleistet wird: in stellinghausen die Werkstuben abgelehnt. Die erarbeiter 20 Mt., in Frankfurt a. M. 20 Mt., in Giesenbrügge bei Die Delegirten von Lübeck und Coswig örtert, aber auch nicht bestritten worden. Daß aber die 9 Stunden Arbeitszeit 15 Mr., in Uterien 21 Mt., in Leipzig die enthalten sich der Abstimmung. rechtliche Auffassung der Bittsteller in der Kommission Scheibentöpfer 18,75, die Wertstubenarbeiter 20, die Sezer 29 M., Darauf wird einstimmig das„ Vereinsblatt" als zutreffend anerkannt wurde, unterliegt keinem Zweifel. in Hamburg die Scheibentöpfer 18 Mr., die Werkstubenarbeiter wieder als Organ der deutschen Töpfer anerkannt. Danach könnten also die Ausschüsse streikender 21 r., die Setzer 20 Mr. Nach Erledigung dieses Punktes mußte der Kongreß Man ersieht hieraus, wie nicht die Größe des Ortes, sondern oder anderer Arbeiter zur Erlangung befferer Arbeits- nur die Abkürzung der Arbeitszeit, d. h. Die Intelligenz der Ar- seine Arbeiten sehr beschleunigen, da ihm wegen weiterer bedingungen überall mit einander in Verbindung beiter den Lohn erhöht. Verwendung des Lokales nur noch wenige Stunden treten, ohne durch die Vorschriften, welche für politische Der Generalausschuß hob im Bericht wiederholt Arbeitszeit blieben. Es wird ein neues Regulativ für Vereine gelten, beschränkt zu sein. Versammlungen hervor, daß die Mittel, die ihm im verflossenen Geschäfts- den Generalausschuß angenommen und ihm ein Aufder Arbeiter in der Lohnbewegung dürfen nicht jahr von den deutschen Töpfern zur Verfügung gestellt sichtsrecht über das Organ mit Zustimmung des Vertreters von vornherein auf Grund des Sozialistengeseßes worden, durchaus unzureichend gewesen sind. Es muß desselben übertragen. verhindert werden. Sammlungen für die aus- da eine gründliche Aenderung eintreten. Nach Beendigung Der Generalausschuß wird in den alten bewährten ständigen Arbeiter sind allenthalben gestattet. Ausschüsse der Vorlesung dieses mit vielem Beifall und großer An- Händen der Hallenser Kollegen gelassen und werden und Vereine zur Unterstüßung der Arbeiter bedürfen erkennung aufgenommenen Berichtes wird über denselben Raulich als Geschäftsführer und Plorin als Kassirer keiner behördlichen Genehmigung.. in eine Besprechung eingetreten, die die Sizungen des wieder gewählt. " 1 Insbesondere sei hier auf das im vorigen Jahre in ersten Tages ausfüllt. Ein Kollegium von Vertrauensmännern wird aus den dem Verfahren gegen den Fachverein der Tischler zu Am zweiten Kongreßtage, am 17. Mai, berichtet| Herren: Hanke- Bunzlau, Thieme- Berlin, Heinke= Hamburg, Fräsdorf- Dresden und Ludwig- München gebildet. An die Bauhandwerker Deutschlands. die neunstündige Arbeitszeit und die Erhöhung des In Berlin ist der große Streik der Maurer und Zimmerer Lohnes nunmehr in vollem Umfange ausgebrochen. Im Anschluß hieran fühlen wir uns verpflichtet, alle deutschen In Saalfeld a. S. hat sich ebenfalls ein Arbeiter- Wahlberein gebildet. Derselbe hält regelmäßig alle 14 Tage eine öffentNachdem nun noch einige geschäftliche Sachen erledigt gemäße Vorträge gehalten werden. Der Verein zählt schon über um liche Versammlung ab, in welcher sozialpolitische oder andere zeitfind, wird eine Resolution einstimmig angenommen, die 160 Mitglieder. fich für die Solidarität der Arbeiter aller NaDie Sozialisten haben beträchtlichen Zuwachs ertionen bei Einführung eines wirksamen Arbeiter- halten. Man schreibt der„ Voss. 3tg." aus Schwerin i. M., schuzes erklärt, der Beschickung des Pariser inter- 23. Mai:" In der heutigen Reichstagswahl erhielten: Brunnen- Bauhandwerker, sowie alle Arbeiter anderer Gewerbe aufzufordern, nationalen Arbeiter- und Sozialisten- Kongresses zustimmt Blücher( Konf.) 1820 Stimmen. Das Land giebt den Ausschlag Berlinern durch Geldunterſtüßungen, sowie Fernhalten des Zuzugs gräber( verein. Lib.) 3842, Schwarz( Soz.- Dem.) 2987, von das Solidaritätsgefühl durch die That zu beweisen und den und Herrn Regierungsbaumeister Gustav Keßler beauf- für v. Blücher. Eine Stichwahl zwischen Brunnengräber und von den ernſten Kampf, welcher für die ganze Arbeiterschaft Deutschlands tragt die deutschen Töpfer auf diesem Kongreß zu vertreten. Blücher ist unvermeidlich. Die Sozialisten haben beträchtlichen von hoher Bedeutung ist, zu erleichtern. Nach Erledigung der üblichen Förmlichkeiten und der Zuwachs erhalten." Tagesordnung schließt der Kongreß der deutschen Töpfer Sozialdemokratische Reichstagskandidaturen. Bremen: J. Bruhns in Bremen. am 18. Mai, Nachmittags 42 Uhr. Lichtenfels- Kronach: J. Scherm, Nürnberg. Hof: Carl Grillenberger.- Berlin VI.: Liebknecht. albe- Aschersleben: Aug. Heine, Halberstadt. Der Kongreß hat die klare Einsicht der Theilnehmer in die Klassenlage der Arbeiter, ihr ernstes Bestreben den Arbeitern zu nüßen und den festen kameradschaftlichen Zusammenhalt der deutschen Töpfer glänzend bewiesen. Politisches und Sozialpolitisches. Die Sozialdemokraten in Nowawes haben in der vorigen Woche, ähnlich wie in anderen Orten, einen Verein zur Erzielung volksthümlicher Wahlen ins Leben gerufen, der schon 40 Mitglieder zählt. An die Steinmetzen Deutschlands. Die Interessen unseres Berufes, sowie die feindliche Haltung der Meisterschaft gegen unsere Der Reichstag hat unter geradezu skandalöser Theil- Bestrebungen machen eine gemeinschaftliche Berathung nothwendig. nahmlosigkeit nunmehr die dritte Lesung der Alters- Dieselbe findet ſtatt zu Heilbronn am 9., 10. und 11. Juni versicherung heruntergehaspelt. Von den Sozialdemokraten d. I.( Pfingsten) im Lokale:" Zur Kettenschifffahrt" bei Restaurateur sprachen Singer und Bebel in längeren Reden, aus Herrn Beck und werden die Steinmetzen aller Orte hiermit eingedenen wir in nächster Nummer nach dem stenographischen laden, an diesem Kongreffe durch Delegirte theilzunehmen. Die Bericht einige Mittheilungen machen werden. Heute Freitag Kollegen werden hiermit aufgefordert, in den zu diesem Zwed wird die Schlußabstimmung stattfinden und das„ gigantische besonders einzuberufenden öffentlichen Versammlungen Werk" dann vollendet sein. baldigst die nöthigen Beschlüsse zu fassen über die Wahl der Delegirten, Aufbringung der nöthigen Mittel, sowie über weitere AnAuch in Oberschlesien und Sachsen( Zwickauer träge zum Kongreß. Die gewählten Delegirten haben sich baldigst bei dem Kollegen Karl Lang zu Heilbronn, Fabrikstr. 25, Revier) streiken die Bergleute. fowie dem Unterzeichneten anzumelden. Kollegen! Der Ernst unserer Mainz, 18. Mai. Heute Nachmittag fand unter überaus Lage erfordert eine allgemeine Betheiligung an den Berathungen, zahlreicher Betheiligung die Beerdigung des Schuhmachers St., eines hervorragenden Mitgliedes der Partei, statt. Auf dem Fried- laßt uns unseren süddeutschen Kollegen brüderlich die Hände reichen, hof sprachen Landtagsabgeordneter Jöst und Schuhmacher Konrad. und sowie wir auf eine allgemeine Betheiligung dieser Kollegen Als der letztere einen mit rothen Blumen geschmückten Kranz im rechnen, so seid auch Ihr auf dem Plaze und geht ungesäumt ans Namen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf den Sarg nieder- Werk, um eine Theilnahme an dem Kongreß zu ermöglichen. Legen wollte, löfte der die Beerdigung überwachende Bezirkskommissar Stollegen, welche ein Referat übernehmen wollen, haben sich bei auf Grund des§ 9 des Sozialistengesetzes die„ Versammlung" auf- Unterzeichnetem zu melden, und wird jede Auskunft bereitwilligst Die Anwesenden verließen in aller Ruhe den Friedhof. P. Rohn, Berlin, Tiedstr. 25. Wie sehr heute nicht nur Handarbeiter unter der von demselben ertheilt. Beschäftigungslosigkeit leiden, das zeigt der Jahresbericht des Vereins der Berliner Arbeiterkolonie" für 1888. Unter den KoTonisten befanden sich danach zwei Kandidaten der Theologie, Die Former Braunschweigs find jetzt bereits über sechs ein Schauspieler, drei Apotheker, zwölf Lehrer, vier Monate im Kampfe. Mit einem Schlage waren damals 168 Former, Techniker und Ingenieure, ein Musiker, zwei Buchhändler, meisters Familienväter, arbeitslos. Arbeiter, Genossen, ihr wißt, 57 Kaufleute und 1 Beamter. Unter den Handwerkern überwiegen die Tischler mit 25. Es folgen 19 Schuhmacher, 16 Bäcker, was dieses bedeutet. Ihr werdet Eure Pflicht kennen und thun. 15 Maler, 11 Schlosser und je 9 Schneider und Buchbinder. Beigt, daß die Solidarität der Arbeiter kein leerer Schall ist! die Maurer wurden nur 3, Zimmerleute nur 2 aufgenommen. 22 der Fahne, die wir aufrecht halten, ist die der gesammten Arbeiterschaft, Kolonisten waren Schreiber, 11 Kellner. Von sog. gewöhnlichen laßt sie nicht sinken! Die Adresse für Alles, was uns angeht, ist: Arbeitern suchten 67 die Stolonie auf. Der Bestand betrug 88 am H. Golfa, Braunschweig, Wendenstraße 53. 13. d. M. Welch' ein Bild im Kleinen von der großen Zer- H. Golka, Braunschweig, Wendenstraße 53. segung unserer Gesellschaft! Oeffentliche Die Kollegen derjenigen Ortschaften, in welchen streikende Maurer untergebracht werden können, wollen dieses sofort an Herrn W. Kerstan, Berlin SO., Lübbenerstr. 4 v. III., mittheilen. Auch dieser Streit wird siegreich enden, wenn jeder deutsche Arbeiter, woran wir nicht zweifeln, seine Schuldigkeit thut. Wir geben noch folgende Meldestellen und Lokale bekannt: Für die Maurer: Ackerstraße 109 bei David, Megerstraße 28 bei Harke, Norden: Nordwest( Moabit): Birkenstraße 24 bei Bick, West: Süd: Süd- Ost: Oft: Nirdorf: Bülowstraße 52 bei Behland, Hornstraße 11 bei Zechlin. Staligerstraße 61 bei Schmidt, Rüdersdorferstraße 8 bei Böhl, Berlinerstraße 36 bei Kummer. Zentral- Bureau: Dresdenerstraße 116 bei Wendt. Für die Zimmerer: Berlin- Ost bei Kamerad Jäckel, Blumenstr. 19. Arbeitsnachweis Berlin- Ost bei Stamerad Jäckel, Blumenstr. 19. Arbeitsnachweis der Zimmerer. West im Hohenzollern- Garten, Stegligerstr. 27. Moabit bei Gerlach, Stromstr. 28. " " " Nord bei Köllner, Hochstr. 32a. " Süd in den Industriehallen, Mariannenstr. 31/32. Arbeiter und Parteigenossen! Tretet eifrig für die weitere Verbreitung dieses Blattes ein. In Berlin abonnirt man am besten bei den Spediteuren, welche zugleich die Tageszeitungen bringen. Agitationsnummern für Vereine, Versamm= lungen u. f. w. nach auswärts und in Berlin jederzeit gratis durch unsere Expedition zu beziehen. Der Verlag der Berliner Volkstribüne". Berlin S. O., Oranienstr. 23. Verschiedene Berichte mußten leider wegen Raummangels zurückbleiben. Potsdam. Malthus lehrte, daß alles Elend von der zu raschen Bevölkerungsvermehrung herkomme, hinter der die Gütererzeugung beständig zurückbleibe, sodaß Hunger und Entbehrung ganz natürlich seien. Malthusianismus ist Zusammenfassung dieser Theorie. Central- Kranken- u.BegräbnissVersammlung Berliner Arbeiterbibliothek kasse der Sattler und Berufsder Töpfer Berlins und der Umgegend Dienstag, den 28. Mai, Abends 7 Uhr, in der Tonhalle, Friedrichstraße 112. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung der Delegirten vom fünften deutschen Töpfer- Kongreß. 2. Gewerkschaftliches. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Der Einberufer. Sattler. Große öffentliche Bersammlung der Sattler-, Riemer- u. Täschnergehülfen Berlins und Umgegend Uhr, Herausgegeben von Max Schippel. Heft 1: Ein sozialistischer Roman.( 2. Auflage) Nach dem Amerikanischen von Edward Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Heft 2: Die Gewerkschaften, ihr Nuken und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Von Max Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara Zetkin- Paris. 40 Seiten. Preis 20 Pf. Heft 4: Die französische Arbeiterbewegung seit der Pariser Kommune. Bon Offiip Zetkin- Paris t. 48 Seiten. Preis 20 Pf. Unentbehrlich zum Verständniß der gerade jetzt wieder hervor tretenden Spaltungen in Frankreich. Bestellungen sind zu richten an die bekannten Kolporteure und Buchhändler oder an den Verlag der Berliner Volks- Tribüne", Berlin, Oranienstr. 23. " Cigarren, Tabak und Cigarretten von Otto Kräcker. vorm. Fritz Kunert, 44. Prinzen- Strasse 44. Zonnabend, den 25. b. M. Abends 5½ l Möbel-, Spiegel- u. Volfterwaaren- Magazin Salon, Neue Grünstr. 28. Tagesordnung: 1. Bericht der Delegirten vom Kongreß. 2. Berathung und Beschlußfassung über Gründung des Allgemeinen deuschen Sattlervereins. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufer. Allgemeiner Metallarbeiter- Verein Berlins und der Umgegend. Grosse Versammlung Montag, den 27, Mai, Abends 8 Uhr, im Colberger Salon, Colbergerstr. 23. Tagesordnung: 1. Wissenschaftlicher Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Fach- Kommission. 4. Ergänzungswahl der Arbeitsnachweis- Kommission. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreichen Besuch bittet von Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. Die von Mitgliedern des Fachvereins gegründete Produktiv- und Rohstoff- Genossenschaft der Schneider zu Berlin( E. G.) 30 Zimmerstrasse 30 empfiehlt sich einem geehrten Publikum zur Anfertigung von Herren- Garderoben jeder Art. Reichliche Auswahl in- und ausländischer Stoffe. Reelle Bedienung, guten Sib, solide Preise garantirt der Vorstand. Gleichzeitig machen wir auf unser reichhaltiges Lager: Frühjahr- und Sommerpaletots, aufmerksam. Um zu räumen herabgesezte Preise! [ 48 [ 47 genossen Deutschlands " Hoffnung"( E. H. 64.) Montag, den 27. d. M., Abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20 ( unterer Saal): Außerordentliche Mitglieder Versammlung. Tagesordnung: 1. Erfazwahl des Bevollmächtigten, des Kassirers und eines Beisigers. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet Der Bevollmächtigte. J. A.: F. Matschulat. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, den 27. Mai, Abends 8½ Uhr, in Feuerstein's oberem Saal, Alte Jakobstr. 75, Bersammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über„ Die Arbeiterbewegung und die Poesie." 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Billets zur Unfallverhütungs- Ausstellung find beim Vorstande zu haben. Oeffentliche Versammlung der Nähmaschinen- und Handarbeiterinnen Berlins und der Umgegend Mittwoch, den 29. Mai, Abends 81/2 Uhr, in Heidrich's Festsälen, Beuthstr. 22, 1 Tr. Tagesordnung: 1. Haben die Arbeiterinnen ein Recht sich zu organisiren und welche Vortheile bietet ihnen die Organisation? Referent: Herr Zubeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Arbeiterinnen aus allen Berufszweigen, sowie Herren als Gäste, haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten eine Tellersammlung. Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. Die Einberuferin. Ein Volksschullehrer, der 6 Jahre in Stellung war und dieselbe infolge religiöser und politischer Mißhelligkeiten freiwillig aufgegeben hat, sucht passende Beschäftigung. Gef. Angeb. erbeten unter H. S. 1862 an die Expedition d. BL. Bebel u. Liebknecht auf einem Bilde. Preis 50 Pf. Wiederverkäufern Rabatt. Zu haben bei R. Kohlhardt, Brandenburgstr. 56. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Der Vorstand. M 21. Aeiklatt zur„Aertiner Holks-Hrißüne". Sonnabend, den 25. Mai 1889. in. Jahrgang. -----— �Nachdruck verboten.� Die öeiden Kteinen. Von Max Kretzer. (Schluß.) Am Abend dcsielben Tages gab es in jeder Wohnung der beiden Brüder eine große Berathung.„Wir uns wieder vertragen?" meinte Frau Julie, und schien dabei sogar den Respekt vor ihrer Schwiegermama verloren zu haben;„das hätte mir gerade gefehlt! Diese Person gönnt mir nicht einmal meine sauer erworbenen Kleider. — Nimmermehr! Ich sage Dir, Ferdinand, es bleibt dabei: Ich laß mich von Dir scheiden, wenn Du zuerst nachgiebst." Und als nun Frau Henriette, ganz und gar nur beflisien, dem unsinnigen Zanke ein Ende zu machen, zum dritten Male bereits den Weg eine Treppe tiefer machte, um hier ihr Heil von neuem zu versuchen, mußte sie wiederum zu der Ueberzeugung kommen, daß sie aber- mals aus dem Regen in die Traufe käme.„Ich, ich soll zuerst nachgeben?" sagte Frau Susanne mit ganz merkwürdiger Bestimmtheit;„nein, meine liebe Frau Schwiegermutter, ich habe nur die Wahrheil gesagt. Die Brücke zwischen uns beiden ist abgebrochen. Mein Mann hat es ja nicht gerade nöthig, darauf zu warten, bis gewisse Leute kommen und sich bei uns Hüte kaufen, aber es ärgert einen doch, wenn man sieht, wie man gerade aus Bosheit zu einem Konkurrenten geht, der bereits dreimal Bankerott gemacht hat." O, diese Schwiegertöchter! Weshalb hatte Frau Henriette auch solche Söhne, die sich solche Frauen nehmen mußten?! Die alte Dame stieg also wieder zum zweiten Stockwerk hinauf, um im geheimen ihre Angriffe direkt beim Herrn Buchhalter, den sie immer für höchst ver- nünftig gehalten hatte, zu beginnen. Nach fünf Minuten war sie dann wieder unten und zog den Herrn Hut- fabrikanten beiseite. Der hatte merkwürdig dasselbe Achsel- zucken gelernt, wie Herr Ferdinand.„Liebe Mama— meine Frau!— Ich kann dazu nichts machen." Madame Henriette war untröstlich.„Ihr wollt Männer sein?" sagte sie schließlich mit der größten Ent- rüstung, und gebrauchte dann einen Vergleich mit einem gewissen Küchenobjekt, das im nassen Zustand dazu dient, die Tische zu reinigen. Zu allerletzt aber führte sie das schwerste Geschütz in den Kamps:„Aber die beiden Kleinen, bedenkt doch die beiden Kleinen; sie werden die Sünden ihrer Väter vergelten." Ach so, die Kinderchen! „Hm, hm—." Der Herr Buchhalter kratzte sich hinters Ohr und dem Herrn Hutmacher ging dieser Gedanke im Kopfe herum. Die Großmutrer halte allerdings recht, darin mußte eine Wandlung geschaffen werden. Nun begann für die beiden Kleinen ein neues Leben. Sie durften jetzt jeden Nachmittag zur Großmutter, um wie früher gemeinschaftlich zu spielen und ein Herz und eine Seele zu sein. Wie sonst durften sie Hand in Hand, gar lieblich gekleidet, vor der Großmutier einherstolziren, die es sich nicht nehmen ließ, das Enkelpärchen nach ihrer Wohnung zu geleiten und sie des Abends wieder den Eltern zuzuführen. Und wenn sie nun so im Schatten der Häuser die lange abgelegene Vorstadtstraße entlang trippelten, in der auf der anderen Seite die glühende Hitze des Sommers lagerte, die lange Häuserreihe zu einer öden, dumpfen Masse machte, die gleichsam den Dunst der Millionenstadt ausathmete, dann geschah es wiederum, daß die Leute sich nach ihnen umblickten, und über die drolligen Wesen ihre besonderen Betrachtungen anstellten. Den ganzen Sommer hindurch wurden diese täglichen Gänge zur Großmutter gemacht; die Kinder fühlten sich über die Maßen glücklich, so daß jedes von ihnen schließlich traurig wurde, wenn eines Tages die alte' Frau Leineweber nicht wie gewöhnlich ins Zimmer trat, oder schlechtes Wetter es nicht gestattete, die Sehnsucht der kleinen Herzen nach den Spielwinkcln in Großmütterlcins trautem Heim zu befriedigen. Dann wurden sie merk- würdig still, suchten die Fenster zu erreichen und lange Blicke auf die Straße zu werfen, nach der Richtung hin, wo sonst immer zur bestimmten Stunde das grüne Kleid, der altftänkische Hut mit den breiten schwarzen Bändern und das großgeblümte Shawltuch sichtbar wurden. Aber die Zwietracht zwischen ihren Eltern währte noch immer — es schien fast, als habe die Zeit den Riß erweitert. Herr Ferdinand Leineweber kaufte nach wie vor seine Hüte bei dem verhaßten Konkurrenten seines Bruders; Herr Johannes Leineweber drehte wie gewöhnlich beim Anblick des Buchhalters den Rücken und warf verächtlich die Ladenthür ins Schloß; und Frau Julie schwelgte in der gesteigerten Buntheit ihrer Toiletten, während Frau Susanne sich die erdenklichste Mühe gab, bei jedesmaliger Begegnung eine Miene zu zeigen, als beneide sie ihre Schwägerin nicht darum, mache sich aber im geheimen gründlich über sie lustig. Eines Nachmittags wollte es der Zufall, daß die Frau Hutmacher die Absicht halte, gerade um dieselbe Zeit ihrer sorgsamen Schwiegermama einen Besuch zu machen, in der die Frau Buchhalter es sich vorgenommen hatte. Man mußte doch einmal sich selbst davon überzeugen, was für nützliche Dinge die Kinder bei Frau Henriette trieben. Just ein paar Augenblicke danach, als Madame Susanne die Wohnung ihrer Schwiegermutter betreten hatte und gerade dabei war, um eine lange Sehnsucht zu befriedigen, das Söhnchen ihrer Todfeindin auf das innigste zu herzen und zu küssen, klingelte es, und Madame Julie kam hereingerauscht; sie warf sofort ihrer Schwägerin einen wüthendcn Blick zu, der energisch erwidert wurde. Daß man sich auch hier gerade treffen mußte! Es fand sich ein Anknüpfungspunkt, der den Streit vom Zaune brechen ließ und feurige Kohlen auf der Großmutter ehrwürdiges Haupt häufte. „Du hast schuld an allem," rief außer sich Frau Julie ihr zu: und„Du hättest mir sagen können, daß dieses zanksüchtige, unausstehliche Weib heute bei Dir einen Besuch machen würde," schleuderte Frau Susanne ihr höchst indignirt ins Gesicht. Dann drehten sich die beiden Frauen wie aus Kommando um und verließen hinter- einander mit den Worten:„Ich betrete Deine Wohnung nicht mehr!" entrüstet die Behausung. Zum Glück ver- gaßen sie die Kinder. „O, ihr werdet wiederkommen, aber anders," sagte die Großmutter sanft, so daß sie es noch hören konnten. Dann beruhigte sie durch liebevolle Worte die Kleinen, die dicht an einander geschmiegt immer noch laut weinend auf einer Hutsche im äußersten Winkel des Zimmers hockten. Nun kam wieder eine traurige Zeit für Lottchen und Fritzchen, und mit dieser traurigen Zeit kam der Herbst mit seinen Regenschauern, naßkalten Winden und Stürmen. Seit Wochen schon blieben die Fragen der Kleinen: „Mama, kommt denn Gomama nicht?" von den hartherzigen Müttern unbeantwortet. Und während jedes der Kinder wiederum seine neugierigen Blicke hinunter auf die jetzt so häßlich und unangenehm aussehende Straße warf, dachte es an zwei herzige Augen, die rothen Lippen und kleinen weichen Händchen eine Treppe höher oder eine Treppe tiefer. „Ich weiß nicht, was dem Kinde fehlt," meinte eines Morgens plötzlich der Herr Hutmacher zu seiner Frau; und der Herr Buchhalter in der höheren Etage konnre sich nicht enthalten, am Abend desselben Tages bedenklich den Kopf zu schütteln und etwas Aehnliches zu der theuren Hälfte seiner Ehe zu sagen, nur daß er noch hinzusetzte: „Der Junge ist so merkwürdig still— das ist nicht ganz richtig." Nach Tagen befürchtete jedes der Ehepaare Leineweber wirklich das Aergste um sein Kind. Das Fragen nach der Großmutler, in dem für den Stillen Beobachter sich auch die Sorge um den unentbehrlichen Spielgenosscn barg, nahm zuletzt eine Art rührender Melancholie an, die für den Seelenarzt der Kinder von großem Bedenken gewesen wäre. Es blieb weiter nichts übrig, als daß die Männer sich auf den Weg machten, um die Mutter für die ihr von den Frauen angethane Beleidigung um Verzeihung zu bitten und sie zu bewegen versuchen, ihre Schritte zu ihren Enkeln zu lenken. Diesmal brachte der Zufall die beiden Brüder in die Situation ihrer Frauen. Der Buch- Halter hatte die Thüre vom Korridor aus gerade geschlossen, als der Hutmacher pustend die Treppe herauskam. Einen Augenblick standen sich beide lautlos gegenüber und der Blick des einen traf den des anderen. Es schien, als ahnte jeder, was den anderen hierher geführt habe. Die Nähe der Mutter, der sie so viel zu verdanken hatten, eine gewisse wohlige Atmosphäre, die sie plötzlich zurück- versetzte in jene Zeit, wo sie während Jahre hindurch in bester Eintracht hier aus- und eingegangen waren und kein Wort der Zwietracht über ihre Lippen kam, stimmten sie weich. Und in dieser einen Sekunde des stummen An- schauens hatten beide die Epfindung, als dürften sie nicht so vorübergehen, als sei jetzt der geeignete Augenblick, sich hier die Hände entgegenzustrecken und durch einen herzigen Druck derselben allem Hader ein Ende zu bereiten. Aber keiner wollte den Anfang machen, der eine wartete auf das erste Wort des anderen und als jeder seine Erwartung getäuscht sah, war die Minute der Empfindung vorüber. Herr Ferdinand Leineweber erhob trotzig den Kopf und ging kalt und kerzengerade wie ein wächsernes Licht die Treppe hinunter; und Herr Johannes Leineweber wand seinen beleibten Korpus mit ungewohnter Geschmei- digkeit um seinen hageren Herrn Bruder herum, zog mit einer Anstrengung an der Klingel, als müsse er sich durch diese Kraftprobe für die unangenehme Begegnung ent- schädigen. „Ich bin alt und schwach, meine Füße sind morsch," meinte die Großmutter;„ich kann den Weg zu Euch nicht oft mehr machen; aber schickt die Kinder her, und sie werden wieder fröhlich und guter Dinge sein. Ihr seid also wie zwei Fremde an euch vorübergegangen? O, Ihr werdet anders wiederkommen." Und wirklich, die Mutter sollte recht behalten. Als Gott den guten Engel der Kinder schuf, der sie während der Zeit ihrer Hilflosigkeit in unsichtbarer Gestalt um- schweben solle, um sie vor Gesährnisscn mancher Art zu bewahren, sie wie eine gute Mutter zu beschützen und zu beschirmen, sagte er: Nichts ist vollendet in der Welt. Das Gute würde nicht mehr gut erscheinen, wenn nicht auch das Böse vorhanden wäre. Also gebe ich euch auch einen bösen Engel mit auf den Weg eures zarten Daseins, der sich frühzeitig unter euch diejenigen aussuchen soll, die ich von Herzen lieb habe, damit sie mit den Engeln im Himmel spielen sollen. Und dieser böse Engel war der Würgeengel der Kinder, den man Diphtheritis nennt. Oft unter den besten und schönsten suchte er seine Opfer aus, und ob er auch Schluchzen und schmerzdurchwühlte Worte vernahm, ihn rührte das nicht— leise flüsterte er den Eltern zu: Ich weiß, Gott hat sie zu lieb, sie müssen scheiden. Und er wand sich weiter, unsichtbar, durch enge, schmutzige Gassen der Vorstadt bis zu den breiten, glänzenden Straßen der vornehmen Leute und berührte mit seinem giftigen Hauche zu gleicher Zeit das Kind des Armen und das des Reichen, denn Gott wollte nicht, daß er Unterschied machen sollte zwischen Glanz und Roth. Der gute Engel wich machtlos zur Seite und ließ traurig die Flügel hängen. Gerade zu dieser Zeit ging der Würgeengel wieder unversöhnlich umher und überschüttete mit seiner Ver- nichtung die Häupter rosiger, unschuldiger Wesen. Und als klein Fritzchen und Lottchen nun wieder auf dem Wege zu der lieben guten Großmutter waren, hatte sich der böse Engel gar häßliches, naßkaltes, ungesundes Wetter ausgesucht, das für des Herrn Ferdinand Leinewebers Söhnchen von üblen Folgen begleitet war. Am Abend stellte sich plötzlich Heiserkeit bei dem Knaben ein, er wurde still, so daß die Großmutter ganz besorgt wurde.„Ich lasse ihn so nicht fort, er bleibt die Nackt bei mir," sagte sie zu dem Mädchen, und als klein Lottchen nicht allein nach Hause wollte, mußte es das Nachtlager an der Seite seines kleinen Cousins theilen. Nun dachte die Großmutter, als sie ihre Lieblinge so friedlich nebeneinander schlummern sah und sie im stillen mit ihrem Segen begleitete, am anderen Morgen würde ihr kleiner Enkel wohl wieder gesund und munter sein; aber während sie mit gefalteten Händen auf ihrem großen Stuhl halb träumend eingenickt war, bemerkte sie den Würgeengel nicht, der leise bei ihr vorbeischlich und mit einem einzigen Flügelschlag den Keim des Todes in eine junge Menschenseele legte. Und nach bang durch- wachten Stunden, am frühen Morgen bereits, stand neben der weinenden Großmutter der Arzt und sprach das Wort „Diphtheritis" aus. Nun hatte klein Lottchen ungesehen den kleinen Patienten geküßt, und als es wiederum Nacht wurde und ein neuer Morgen kam, lag auch das kleine Mädchen kränk und hilflos da. Jetzt wurde das sonst so einsame Wohnzimmerchen der alten Frau nicht leer von den Menschen, die sich vor kurzem kleinlicher Dinge wegen nickt sehen und begegnen mochten. Die Kinder dürfen nicht fort, sie müssen hierbleiben, hatte der Arzt gesagt, und während er immer aufs neue Anordnungen für die kleinen Patienten traf, konnte er nicht verhehlen, wie schlimm es stände.. Wer hilflose Kinder nicht sterben sah, der kennt den Schauer des Todes nicht, und wer nicht schwach wurde beim letzten Blicke ihrer brechenden Augen, der hätte sich seiner Stärke niemals zu rühmen brauchen.... Es war still im Zimmer, denn der Engel des ewigen Friedens hatte seinen Einzug gehalten. Aufgebahrt harrten die beiden Kleinen, die im Leben nicht von einander zu lassen vermochten, des Augenblicks, wo sie nun auch unter kühlem Rasen nebeneinander gebettet werden sollten. Ja, es war still, ergreisend still. Ueber all dem vielfältigen Spielzeug, das dort hinten in einer Ecke wie verlassen übereinander thürmte, lag es wie ein schwermüthiger Hauch, der stumm zum Herzen sprach. Und nun bei dieser Stille der Anblick der vor Gram gebeugten Großmutter, die am Fenster, über das Gebetbuch geneigt, der Stunde zum letzten Gange entgegensah. Dann kam diese Stunde, und mit ihr die Eltern der kleinen entschlafenen Seelen, um zum aller- letzten Male gcrötheten Auges auf die starren Züge ihrer Lieblinge zu schauen. Und kein Schluchzen, kein letztes Berühren der Stirn mit der weichen Hand rief sie zurück zum jungen Leben. O, die Großmutter hatte recht gehabt: Anders waren sie wiedergekommen— ohne äußerlichen Unterschied, tief schwarz gekleidet, denselben Schmerz, die- selbe Trauer auf ihren Zügen. Nun brauchte sich Madame Susanna Leineweber nicht mehr über die bunte Toilette ihrer Schwägerin zu beklagen, Frau Julie mußte von selbst auf die theuren und geschmacklosen Hüte verzichten. Als sie nun alle vier gesenkten Hauptes die beiden Bahren umstanden, deren sterbliche Hüllen sie im Leben so tief beschämt hatten, sie, die vor innerem Gram kein Wort hervorzubringen im Stande waren, da trat die Großmutter leise hinzu, ergriff die Hände der beiden Brüder, dann auch die der Schwäge- rinnen, legte sie ineinander und sagte:„Es ist spät, aber noch Zeit, gebt Euch den Kuß der Versöhnung, und sie werden wiederkommen, wenn auch in anderer Gestalt." Stumm thaten sie es. Dann wurde der letzte Gang an- getreten, weit hinaus über das Weichbild der Stadt, wo auf der endlosen, düster dreinschauenden Chaussee der rauhe Herbstwind die letzten Blätter von den Bäumen trieb-------------- Zwei Jahre waren vergangen, da traf es sich, daß nun der Hutmacher Herr Johannes Leineweber durch die Geburt eins Knäbleins erfreut wurde und Frau Julie ihren Mann, den Buchhalter Herrn Ferdinand Leineweber mit einem Töchterchcn beschenkte.„Ihr werdet nicht ver- gessen, daß sie Euch ewig an eine alte Schuld ermahnen," hatte die Großmutter gemeint, und nur damit die Ge- danken der beiden Ehepaare ausgesprochen. O, wiederum hatte sie recht gehabt: Sie waren wirklich wiedergekommen die beiden Kleinen, wenn auch in anderer Gestalt; nach Verlauf weiterer zwei Jahre wurden sie in ihrem ganzen Wesen, in ihrem Aeußeren und in ihrer Drollerie das Abbild des Lottchen und Fritzchen von einst. Und nun ist es wieder Sommer geworden, nun lacht der blaue Himmel wieder, Bäume und Sträucher grünen und Hunderte von fröhlichen Kindem tummeln und ergötzen sich in den schattigen Wegen des Mariannenplatzes. Da kommen sie Hand in Hand einherstolzirt, wie vor Jahren, hinter ihnen das sorgsame, alte gebückte Großmütterchen, emsig bemüht, über jede ihrer Bewegungen zu wachen. Und als nun wieder die Leute stehen bleiben und laut sagen:„Seht doch die beiden Kleinen, wie sie einher- gehen, wie Braut und Bräutigam"— lächelt Frau Henriette überglücklich und denkt bei sich: Das kommt daher, weil Frau Julie sich jetzt sehr einfach und ge- schmachvoll kleidet, und ihr Mann nach wie vor seine Hüte bei seinem Bruder kauft. Einen Augenblick wird sie ernst und denkt an einen bösen Engel, dann verscheucht der Sonnenschein, das laute Lachen ihrer Enkel den letzten trüben Gedanken. Ibsen über die Korruption unserer Gesellschast. I. B. W. Wir leben in einer Zeit des Ueberganges. Eine neue Gesellschaftsordnung hebt sich mehr und mehr empor aus Maschinen und Menschenköpfen, während die alte Gesellschaft vermorscht und von Theil zu Theil abstirbt. Das Bewußtsein von dieser Thatsache lebt freilich nur in Geistern, welche, ausgerüstet mit Erkenntniß des sozialen Körpers und einer Gabe, in die Zukunft zu schauen, sich über die Gegenwart zu kritischer Betrachtung erheben können. Zu diesen Geistern gehört der große soziale Dichter Henrik Ibsen. Seine Poesien zeigen uns manche kranke Stelle unseres Gesellschaflskörpers, und zwar mit Vorliebe das moralisch Krankhafte. So schildert Ibsen in einem poetischen Briese an einen Freund das unbehaglich drückende Gefühl, welches uns Kinder einer Uebergangszeit so oft beschlcicht, die Schlaffheit und Muthlosigkeit, mit welcher uns das Bewußt- sein erfüllt, daß wir uns herumschleppen müssen mit viel tobten Satzungen der alten Zeit. „Sie schreiben mir und fragen mit Bekümmern, Warum mau hcutzutag so finster blickt Und kaum sein bischen Leben wagt zu zimmern, Von einer dunkeln Furcht gedrückt; Weshalb kein Glück dem trägen Geiste frommt, Und Keiner seines Leidens Grund versteht; Weshalb bei Freud und Leid man träge geht Und schlaff nur stets erwartet, was da kommt.. Auf diese Frage will der Dichter eine Antwort geben, und zwar eine Lösung des Räthscls durch ein Bild. Wer Seefahrten gemacht hat, so meint er, hat wohl schon beobachtet, daß zuweilen auf hohem Meere Mannschaften und Passagiere des Schiffes von einer drückend schwülen Stimmung befallen werden, ohne daß man weiß, weswegen. Die Leute schleichen träge dahin, handhaben die Bedienung der Maschine, die Segelverrichtungcn und das Steuer schlaff und lässig, sprechen kein Wort und beginnen sich gar zu fürchten, sei es vor der Windstille oder dem Springen eines Delphins, sei es vor einem Wölkchen oder Windstoße. Und dann raunt wohl einer dem andern scheu zu:„Wir haben eine Leiche an Bord." Denn nach altem Seemannsglauben wird solche Stimmung dadurch bewirkt, daß sich unter der Fracht des Schiffes ein Sarg befindet, oder daß unter den Leuten Jemand ist, der auf der Fahrt sterben muß.— Diesen Seemanns- glauben wendet Ibsen aus unsere Zeit an. „Nun, lieber Freund, Europas Dampfschiff geht Gerade jetzt zu neuen Küsten; Wir beide, in der Tasche das Billct, Sitzen auf Deck und ruhn von all dem Rüsten. Uns ist so froh, so leicht und frei zu Muth, Es fehlt nicht viel, so schwingen wir den Hut. Was kümmert uns im Schiffsraum die Bagage, Da Koch und Steward sorgt für die Menage. Was braucht es mehr zur sorgenfteien Fahrt? Gut die Maschine und der Kessel siedet; Die Stempelslang' geölt, alles geklärt; Die Schraube schlägt das Wasser unermüdet; Em Segel hindert, daß wir aus dem Kurs gehn, Der Steuermann beschützt vor listigen Sturzseen. Wlr haben freies Wasser; auf der Brücke Steht der Kaptän und schaut init festem Blicke, Ja durch den Gucker, ob er nichts gewahrt. Was ttörte unsre sorgenfreie Fahrt?— Und doch, weit draußen auf dem offnen Meer, Auf halbem Wege zum erwünschten Ziele, Da scheint es uns. als ging es etwas schwer, Es ist, als ob die Freude von uns fiele. Die Mannschaft. Passagiere, Männer. Frauen, Keiner von ihnen so wie sonst zu schauen; Man sitzt gebeugt und lauscht in dumpfem Brüten Im Vorlugar und in den Prachtkajütcn.— Sie tragen, theurer Freund, mich nach dem Grunde. Merken Sie nicht, daß wir an einer Wende stehen. Und daß die Zeiten, welche jeder Wunde Den Balsam reichten, rettungslos zu Ende gehn? Doch was der Grund— hier mangelt der Beweis; Nur Ihnen sag lch, was davon ich weiß. nicht lange her. da saß ich stille Auf Deck, m einer schwülen Stcrnennacht; Der Lusthauch mild, der Abendwind so sacht. Als war betchnltten seiner Flügel Fülle, Die Papagiere schlafen schon gegangen. Ein trüber Lampenschein drang durch die Ritze Von unten, mehr noch eine ekle Hitze, Dl- alle hielt im Halbschlaf wie befangen. Ich trat heran an das halboffne Skeileit*) Und schaut' hinab, mechanisch, ohne Belleid. ») Fenster in der Decke der Kajüte. Da lag ein Staatsmann mit halboffnem Mund Sein Geist gab sich demnächst im Gähnen kund. Und ein Professor rollte fast vom Lager; Mit seinem Wissen schien's ein wenig mager. Ein Theolog lag, ganz bedeckt die Stirn; Ein andrer schien in dumpfen Tr aum es w irr' n. Und oben, unten: Künstler und Skribenten, Von Lorbeerkränzen träumend und Prozenten. Doch über Allen brütete dieselbe Schlaflose Hitze, eine qualmig-gelbe.— Ich wandte mich von dieser Ruh, so bleiern, Und starrte suchend in die frische Nacht; Im Osten ward ein mattes Licht entfacht, Der Sternenglanz verhüllt mit lichtcrn Schleiern. Da traf mein Ohr von unten her ein Wort— Ich lehnte grade an dem Vordermast— Ganz deutlich hört ich's, und doch klang es fast, Wie wenn ein Mensch im schweren Traume spricht, Oder den Alp, der auf ihm lastet, bricht: „Ich glaub', wir haben eine Leich' an Bord!"— Diese Leiche ist der moderne Gesellschaftskörper Das Gespenst der Leiche geht, wie Ibsen in seinen „Gespenstern" sagt, im Lande allenthalben um, in Gestalt von allerlei überlebter Satzung; es redet aus dem Munde der Menschen und blickt zwischen den Zeilen von Büchern und Zeitungen hervor. Wie der soziale Satiriker Max Nordau, der Ver- fasser der„Lügen der modernen Kulturmenschheit", so ist auch Ibsen der Meinung, daß die bestehende Gesellschaft sich auf allerlei Lügen stützt. Als eine dieser Lügen bezeichnet der Dichter den guten Namen des Kapitalisten, auf welchem sein Kredit und somit die ganze kapitalistische Produktionsweise beruht. In dem Drama„Die Stützen der Gesell- schaft" wird uns ein solcher Kapitalist, der Konsul Bernick, vorgeführt. Als derselbe, von Reisen heim kehrend, das väterliche Handelsgeschäft in zerrüttetem Zu- stände vorfindet, weiß er den Bankerott nicht anders zu verhüten, als dadurch, daß er einem reichen Mädchen Liebe vorheuchelt und dasselbe heirathet. Heimlich aber hat er ein Liebesverhältniß mit einer Schauspielerin. Von deren betrunkenem Manne ertappt, ist er abermals in Gefahr, seinen guten Namen zu verlieren. Sein junger Freund und Schwager Tönnesen rettet ihn dadurch, daß er sich als den Helden der Skandalgeschichte ausgiebt; er glaubt sich das leisten zu können, da er im Begriffe ist, mit seiner Halbschwester Lona nach Amerika auszuwandern. Die Abreise Tönncsens rettet Bernick noch aus einer zweiten Verlegenheit. Sein Geschäft hat nämlich große Verluste, und er kann nicht zahlen. Da verbreitet sich das Gerücht, die Zahlungsunfähigkeit stamme daher, daß der durchgebrannte Tönnesen die Kasse bestohlen habe. Bernick tritt diesem falschen Gerücht nicht entgegen und rettet sein Geschäft durch solche Lüge. Nun wird er ein reicher Mann und gilt als glücklicher Familienvater, als makelloser Ehrenmann, als unerschütterliche Stütze der Gesellschaft. Als er sich im höchsten Glänze befindet und gerade vor einer großartigen Spekulation steht, kehrt Mötzlich Tönnesen nebst Lona zurück. Die Heimgekehrten erfahren, wie Bernick gegen sie gesündigt hat. Lona stellt den Konsul zur Rede. Lona: Eine Lüge also hat dich zu dem Manne gemacht, der du jetzt bist... Konsul Vernick: Wem schadete das damals? Johann hatte die Absicht, niemals zurückzukehren. Lona: Du fragst, wem es schadete? Schau in dein Inneres und sage mir, ob du keinen Schaden dabei genommen! Bernick: Prüfe das Innere jedes beliebigen Menschen— in edcm wirst du wenigstens einen dunklen Punkt finden, der verhüllt werden muß. Lona: Und ihr nennt euch die Stützen der Gesellschaft. Bernick: Sie hat keine bessern. Lona: Und was liegt daran, ob eine solche Gesellschaft gestützt wird oder nicht? Was hat denn hier Gellung? Der Schein und die Lüge, nichts anderes. Da lebst du hier, der erste Mann der Stadt in Freud' und Herrlichkeit, in Macht und Ehre — du, der einem Unschuldigen das Verbrecherzeichen auf die Stirn gedrückt hat! Bernick beschwört Tönnesen und Lona zu schweigen, weil er gerade jetzt eines makellosen Namens bedürfe, um die neue Eisenbahnlinie zu Stande zu bringen, in deren Terrain er heimlich sein ganzes Vermögen gesteckt habe, und deren Gründung ihm Millionen einbringen werde. Lona� O diese Stützen der Gesellschaft! Bernick: Und ist es nicht die Gesellschaft selbst, die uns zwingt, Schleichwege zu gehen? Was wäre geschehen, wenn ich nicht im Geheimen gehandelt hätte? Sofort hätten sich alle mit einander auf das Unternehmen gestürzt und das Ganze zerrissen, verzettelt, verhunzt und verpfuscht. Tönnesen giebt dem Konsul eine Frist, nach deren Ablauf er aufgedeckt haben müsse, daß die von ihm ver- 'chuldeten Verläumdungen Tönnesens ungerechtfertigt seien; Tönnesen will noch einmal seine amerikanischen Besitzungen aussuchen und dann wiederkommen; das ist der Termin der Frist. Tönnesen will also zunächst nach Amerika ahren und zwar mit der„Gazelle". Dies Schiff gehört dem Konsul. Es ist schadhaft und wird folglich unter- gehen. Das weiß der Konsul, aber er verschweigt es, um Tönnesen aus der Welt zu schaffen. Um die Zeit der Abfahrt der„Gazelle" naht sich dem Hause des Kon- uls ein Fackelzug. Die Eisenbahngründung ist nämlich durch Bernicks Autorität zu Stande gebracht, und nun wollen sich die Bürger der Stadt bedanken. Aber Bernick ühlt sich nicht glücklich; er gesteht:„Lona, du kannst nicht begreifen, wie unendlich verlassen ich hier stehe in dieser versumpften und verkrüppelten Gesell- chaft... Ich bin gebunden... Weißt du, was wir sind, wir, die als Stützen der Gesellschaft betrachtet werden? Die Werkzeuge der Gesellschaft sind wir, nicht mehr und nicht weniger." Lona: Warum brichst du denn nicht mit der Lüge?— Bernick: Jetzt? Jetzt ist zu spät.— Lona: Richard, sage mir, welche Be- ftiedigung gewähren dir diese Täuschung und dieser Schein?— Bernick: Gar keine gewähren sie mir. Ich mag zu Grunde gehen, wie diese ganz verpfuschte Gesellschaft. Aber nach uns wächst ein anderes Geschlecht heran; mein Sohn ist es, für den ich arbeite; ihm bereite ich eine wirkliche Lebensaufgabe. Es wird eine Zeit kommen, wo die Wahrheit in das gesellschast- liche Leben eindringt, und auf ihr wird er sich eine glück- lichere Existenz gründen, als die seines Vaters war.— Lona: Mit einer Lüge als Grundlage? Bedenke, welch ein Erbe du deinem Sohne hinterläßt! Während Lona und der Konsul so reden, wird plötz- lich die Nachricht gebracht, der Sohn des Konsuls— ein phantastischer Knabe— habe sich heimlich an Bord der „Gazelle" gestohlen, um nach Amerika zu gelangen, Tönnesen aber befinde sich an Bord eines andern Schiffes. Und die Gazelle ist dem Untergange geweiht! Bernick ist rasend vor Entsetzen. Und nun soll er eine Rede halten; denn der Fackelzug ist angelangt, und am Hause gegenüber leuchtet ein Transparent:„Hoch lebe die Stütze unserer Gesellschaft!" Bernick(weicht scheu zurück). Fort mit alledem! Ich will's nicht sehen! Löscht aus! Löscht aus!— Fort mit der höhnischen nschrift, sag' ich euch! Seht ihr nicht, daß alle diese Lichter die ungen nach uns ausstrecken! Rummel(ein verbündeter Spekulant): Nein, da muß ich gestehen... Bernick: Ha, was versteh' ich—! Aber ich, ich—! Das alles sind Lichter in einem Leichenhaus! Während der Konsul so von Verzweiflung geschüttelt wird, wird der verloren geglaubte Knabe gebracht; er ist noch glücklich abgefaßt worden, da ein Zufall die Abfahrt der„Gazelle" verzögert hat. Der Konsul ist tief er- 'chüttert, gewissermaßen beschämt von dem unverdienten Glücke. In dieser Stimmung findet er die Kraft, mit einer Lügenhaftigkeit zu brechen. Er beichtet der ver- ammelten Festgesellschast seine Sünden und verzichtet auf den Gewinn seiner Spekulation. Und nun fühlt er das Glück der sittlichen Neugeburt. Tief bewegt dankt er Lona und seiner Frau, welche viel zu seiner Besserung üeigetragen haben: Wir haben einen langen, ernsten Arbeitstag zu erwarten, namentlich ich. Aber er mag kommen; schließt euch nur fest an mich, ihr treuen, wahrhaftigen Frauen! Auch das Hab' ich in diesen Tagen gelernt: Die Frauen sind die Stützen der Gesell- chast."— Lona:„Da hast du eine schwächliche Weisheit gelernt, Schwager. Nein... Freiheit und Wahrheit— das find die Stützen der Gesellschaft." Zur Lage der russischen Industrieardeiter. VII. c.-n. Nach der Theorie vom„Entbehrungs- ohn" müßte jeder russische Arbeiter mehrfacher Millionär ein, denn er„spart" sicher das höchstmögliche nicht nur an allem, was das Leben behaglich, angenehm und schön machen kann, sondern auch an den nothwendigsten Be- dürsnissen, die erfüllt werden müssen, wenn ein Leben nur einigermaßen Anspruch auf die Bezeichnung als menschen- würdig erheben will. Gewiß, er schafft Unsummen und verbraucht fast gar nichts, aber der väterlich fürsorgende Fabrikant läßt sich angelegen sein, diesen Riesenüberschuß zu konfiszircn und unter dem Vorwand des„Unternehmerrisikos" und anderen ökonomischen Humbugs in die eigene Tasche zu stecken. Die ursprüngliche niedrige Lebenshaltung des russischen Bauers und die Habsucht der Fabrikanten arbeiten einan- der zu Gunsten des letzteren in die Hände, und es sind ür die russischen Arbeiter Verhältnisse zu Stande gekommen, welche thaffächlich nicht mehr menschlich sind. Und wie sollen sich diese Verhältnisse bessern, wenn die Löhne nicht nur überhaupt niedrig stehen, sondern noch die Tendenz zeigen, stetig tiefer zu sinken, theilweise absolut, jeilweise relativ, gegenüber dem Steigen der Lebens- fiedürsnisse. Nachgewiesenermaßen haben die wichtig- ten Gebrauchsartikel während der letzten Jahre eine be- deutende Preiserhöhung erfahren, während sich die Löhne nur sehr schwach hoben. In Wiatka sind z. B. die Löhne von 1873— 1878 um 36 pCt. gestiegen, die Konsum- artikel dagegen um 40, 80, 100 und sogar 150 pCt.! Die Lohnsätze der russischen Arbeiter sind zwar Schwankungen nach den Orten unterworfen, aber stehen im allgemeinen äußerst niedrig. Im Gouvernement Moskau B. beträgt der gute Monatsverdienst eines erwachsenen männlichen Arbeiters 8— 12 Rubel. Für diese Summe hat er sich selbst zu beköstigen, dazu seine übrigen Bedürf- nisse und— last not least— die hohen Steuern zu decken. Ein höherer Lohnsatz als der genannte ist äußerst elten, dagegen kommen niedrigere Löhne von 7, 5, ja Rubel pro Monat sehr häufig vor. Der für Frauen übliche Lohnsatz schwankt zwischen und 6 Rubel hin und her, Halbarbeiter werden von ,25 an bis zu 5 Rubel entlohnt. In den Salinen von Jarinsk wird der 16 stündige Arbeitstag mit 30 Kopeken bezahlt, die Zuckerfabriken zahlen den einheimischen, theuereren Arbeitern 15 Rubel pro Monat, wofür sich dieselben natürlich selbst zu beköstigen haben, den von aus- wärts gekommenen billigeren Leuten dagegen 4—5 Rubel und die Kost. In den Zündhölzchenfabriken ist der Lohn ungemein veränderlich, er beträgt im günstigsten Falle 60—70 Kopeken pro Tag bei Selbstbeköstigung; in den abriken von Nowgorod fällt er auf 20 Kopeken für !0 jährige Burschen, auf 10— 5 Kopeken für Kinder von Jahren. Die Zündhölzchenfabriken von Nowgorod ver- wenden außerdem noch fünfjährige Kinder, welche 3 Kopeken pro Tag verdienen. Der Arbeiter der Steinsalzminen erhält für fünfmonatliche Arbeitszeit 35— 40 Rubel und hat für seine Beköstigung zu sorgen. Die Seidenfabriken "»on Wladimir zahlen den 15—20 Jahre alten Abwickle- tinnen für eine 6—7 monatliche Arbeitszeit in guten Jahren 15—25 Rubel, in schlechten Jahren 6— 8 Rubel. Die 'Lohnsätze der Arbeiter sind je nach den Industrien vcr- schiedene, betragen aber im Durchschnitt für einen erwachse- ■nen Mann pro Monat von 6—15 Rubel, für eine Frau nur die Hälfte. Diese niedrigen Lohnsätze erklären die ungenügende, hundsmäßige Ernährung des russischen Proletariers; der- selbe kann ungefähr 10—15 Kopeken pro Tag für seine Nahrung verausgaben, allein was kann er sich dafür kaufen, wenn schon ein Hering 6 Kopeken kostet? Dazu muß noch bemerkt werden, daß die Kauffähig- keit des russischen Arbeiters noch bedeutend dadurch geschwächt wird, daß derselbe gezwungen ist, seine Einkäufe in den Läden des Fabrikanten oder in gewissen vorge- 'schriebenen Läden zu machen, die folglich eine Art Monopol besitzen und auf beliebig hohe Preise halten. Ist der Arbeiter nicht direkt durch kontraktliche Vorschrift auf den Bezug seiner Gebrauchsartikel aus gewissen Läden gezwun- gen, so wird das gleiche Resultat durch die Entfernung nnderer Einkaussquellen oder auch durch den nöthigen Kredit erzielt, denn es giebt nur alle 14 Tage oder alle Monate, häufig auch erst nach Ablauf der festgesetzten Arbeitszeit Zahltag. Das infamste Trucksystem, das dem als Produzenten bestohlenen Arbeiter noch als Konsu- rnenten das Fell über die Ohren zieht, steht so fast überall in Rußland in vollster Blüthe. Der Fabrikant oder dessen Vordermann, resp. Konzes- "sionär verkauft dem Arbeiter die Waaren nicht nur be- deutend theurer als sonst üblich, er betrügt ihn auch noch durch schlechte Qualität, durch falsches Maß und Gewicht. Der Besitzer der Tuchfabrik zu Ufa z. B. ließ seine Ar- beiter das Pfund Mehl mit 8 anstatt mit 5 Kopeken be- zahlen, außerdem wog er ihnen pro Pud anstatt 40 Pfund nur 32 Pfund zu. Ein Fabrikant von Bogorodsky ver- kaufte seinen Arbeitern 400 Pud verdorbenes Pökelfleisch zum Preise von 11 Kopeken pro Pfund. Die Arbeiter, welche dagegen protestirten, wurden entlassen, von denen, welche von dem Fleisch aßen, erkrankten 10 am Typhus, die übrigen Leute warfen das Fleisch weg, zu dessen An- kauf man sie gepreßt hatte. In den Goldminen von Jeniscisk, wo der Lohn pro Wintermonat 6— 10 Rubel, pro Sommermonat 15— 22 Rubel beträgt, müssen die Arbeiter das Mehl um 500 pCt. theurer bezahlen, als der übliche Preis ist, das Pfund Zucker kostet ihnen 50 anstatt 22 Kopeken, das Pfund Thee 1 Rubel 50 Kopeken ■anstatt 80 Kopeken, ein Packet Nadeln 50 statt 15 Kopeken tc. Die Minenarbeiter von Tomsk zahlen ein Pcrkal- Hemd, das sonst 50 Kopeken kostet, mit 3 Rubeln, ein Paar Schuhe mit 8 Rubel(Preis 1 Rubel) und ein Gläschen Branntwein mit einem Rubel. Ein weiteres sehr ausgiebiges Mittel, um den Lohn der Arbeiter zu beschneiden, haben die Fabrikanten in Gestalt der Strafgelder zur Hand, die wegen jeder und ohne alle Veranlassung verhängt werden. Sobald der Arbeiter etwas thut oder auch nicht thut, kann er auf Zahlung von Strafe gesaßt sein. In Klin verliert der- jenige Proletarier seinen geringen Tagelohn, der nicht zum Appell da ist. Einen Tag ausbleiben kostet 2 Rubel, Trunkenheit zum ersten Male 1 Rubel, zum zweiten Male 2 Rubel tc. Das Schimpfen und Lärmen in den„Schlaf- sälen" wird mit 3 Rubel Strafe geahndet, Ungehorsam, Rachlässigkeit kostet einen Tagelohn, Unordnung und Un- reinlichkeit von 50 Kopeken bis 2 Rubeln. Die mit größter Willkür verhängten Strafgelder, welche oft buchstäblich dem Arbeiter die letzten Kopeken ■abpressen, werden oft Ursache von Aufständen seitens des menschlichen Arbeitsthieres. So brachen z. B. unter den 10 852 Arbeitern der Fabrik Morosow(Wladimir) an- läßlich der Strafgelder heftige Unruhen aus, welche mit der Zerstörung der Maschinen endeten. Der Rechnungsabschluß zwischen Fabrikanten und Arbeitern erfolgt meist erst am Ende der kontraktlich fest- ■gesetzten Arbeitszeit. Sie ergiebt nur selten einen Ueber- schuß zu gunsten des Arbeiters, meist einen Ueberschuß zu gunsten des Fabrikanten, so daß der erstere nach sechs- monatlicher unmenschlicher Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen noch mit Schulden bei letzterem belastet nach -Hause zurückkehrt. Um dieselben oder wenigstens deren Zinsen abzuzahlen, muß er sich im voraus für das nächste Jahr verpflichten, kann also nicht einmal etwaige günstigere Arbeitsgelegenheit aufsuchen oder annehmen. Im günstig- sten Falle hat die sechs- oder fünsmonatliche Arbeit dazu gedient, gerade die schuldigen Steuern zu decken. Der Arbeiter erhielt nämlich für 5 Monate 30 Rubel, von denen mindestens 5 für Zeugnisse, Stcmpelpapier, Paß- und Reisekosten aufgingen. Die 25 bleibenden Rubel waren ganz oder theilweise im voraus an den Gemeinde- vorstand für rückständige Steuern gezahlt worden. Nehmen wir sogar den ausnahmsweise guten Fall an, daß deren Betrag nur 15 Rubel ausmacht, so bleiben dem Arbeiter 10 Rubel, von denen die Strafgelder� abgezogen, neue .Zeugnisse und die Kosten der Heimreise gedeckt werden müssen. Das Resultat ist also hier wie da Null, ent- weder Null und Schulden dazu, oder bloß Null. Wollen wir zum Söbluß noch einen Blick darauf werfen, was der Arbeiter zu erwarten hat, wenn er er- krankt. Daß er selbst nicht im Stande ist, sich im Krank- heitsfalle die nöthige Pflege zu schaffen, liegt auf der Hand. Der Fabrikant, der die Kraft des Arbeiters aus- nützte und durch seine unersättliche Profitgier die Krank- heit nur zu oft verursacht hat, hält es natürlich für den reinsten Ueberfluß, ernstlich für kranke„Hände" zu sorgen. -Das Gesetz bestimmt zwar, daß eine jede Fabrik, welche mehr als 100 Arbeiter beschäftigt, einen eigenen Fabriks- arzt und ein besonderes Krankenhaus haben solle, allein Gesetze zu gunsten der Arbeiter haben bekanntlich den Zweck, nicht gehalten zu werden. In Moskau z. B. be- fand sich unter 55 Fabriken mit mehr als 100 Arbeitern nur eine einzige, welche ärztliche Vorrichtungen hatte. Von 204 inspizirten Fabriken besaßen nur 28 besondere Lokali- täten als„Krankenzimmer", und dies waren noch oben- drein meist enge, ungesunde Löcher, die nur durch eine dünne Bretterwand von den Schlassälen geschieden. Von ärztlicher Pflege war in diesen„Krankenzimmern" meist nicht die Spur. Gewöhnlich ist der Kreisarzt mit der Aufsicht über den Gesundheitszustand der Arbeiter bezw. deren Pflege im Krankheitssalle betraut, aber gewöhnlich hat er eine so große Anzahl von Arbeitern zu untersuchen, oft 35 000 oder noch mehr, daß er auch nicht annähernd seine Pflicht erfüllen kann. Im allgemeinen vertritt ein alter Arbeiter oder eine alte Frau die Stelle des Arztes, in besseren Fabriken ruht die Behandlung der Kranken wohl auch ausschließlich in den Händen besonderer Krankenwärter. Die Thätigkeit der Kreisärzte in den Fabriken beschränkt sich meist darauf, periodisch zu er- scheinen und die vorgelegten Berichte zu unterschreiben. In einer Fabrik, welche 400 Arbeiter beschäftigte, war der Kreisarzt 15 Minuten geblieben und hatte 4 Kranke vor- gefunden und untersucht, während der Fabrikinspektor viele Fälle von Fieber und Diarrhoe konstatirte, die oft schon seit drei Wochen datirten. Ein kranker Arbeiter fand es sehr natürlich, daß sich der Arzt nicht um ihn und seine Leidensgefährten kümmerte, denn, sagte er,„die Aerzte sind nicht für die Arbeiter, sondern nur für die Herren." Die Arbeiter hüten sich auch meist, sich als krank zu melden, da sie wissen, daß sie fortgejagt werden nnd noch des Lohns verlustig gehen. In den Goldminen von Jeniscisk z. B. werden kranke Arbeiter in den Urwald geschickt, wo sie sich verirren und vor Hunger sterben, wenn sie nicht von Wölfen aufgefressen werden. Die Fabrik- inspektoren fanden nur in der Fabrik Flandern(Moskau) ein gut eingerichtetes Krankenhaus mit eisernen Betten, reinlicher, weißer Wäsche, Nachttischen, ja sogar mit einer Bibliothek, die populäre medizinische Werke enthielt, mit Apotheke zc. Aber— der Kreisarzt kam nur dreimal pro Jahr in die Fabrik, und in der Zwischenzeit ver- ordnete der Sohn des Besitzers die Behandlung nebst Medikamenten! Das Krankenzimmer war überhaupt ein bloßer Schmuckartikel, denn die unpäßlichen Arbeiter blieben in den Schlafsälen und Schwerkranke, sowie Syphilitiker wurden nach Hause geschickt. Es gehört keine besonders ausschweifende Phantasie dazu, um sich vorzustellen, welche Verheerungen Epidemien, ansteckenden Krankheiten, in erster Linie die moderne Pest für Rußland, die Syphilis unter den russischen Arbeitern anrichten. Was gerade die letztere Krankheit anbetrifft, so hat dieselbe unter der russischen Volksmasse, dank des Elends, Schmutzes, der Durcheinanderwürfelung der Ge- schlechter eine Entwickelung erhalten, wie in keinem zweiten Lande. Die Einwohnerschaft ganzer Dörfer ist von Säug- ling bis zum Greise von der schrecklichen Seuche vergiftet. Abgesehen von der Syphilis nimmt die allgemeine Sterblichkeit in Folge der oben geschilderten elenden Lage der Volksmasse in raschem Maße zu, und die allgemeine Sterblichkeit ist im Verhältniß zur Bevölkerungszahl höher, als in sonst einem Lande. Während dieselbe z. B. in Norwegen nur 18,4 pCt. beträgt, in England 22,8 pCt., in Preußen 25,8 pCt., steigt sie für Rußland auf 36,8 pCt._ Das ist die Frucht, welche der moderne Kapitalismus, gepfropft auf den patriarchalischen Absolutismus gezeitigt, eine Frucht, die mit Entsetzen erfüllt, das sich nur durch die Ueberzeugung mildert, daß eine derartige kapitalistische Ausbeutung sehr bald eine Reaktion in Gestalt einer starken Proletariatsbewcgung hervorrufen muß. Nochmals„Arbeitgeber«nb„Arbeitnehmer". Die„Deutsche Metallarbeiterzeitung" und nach ihr die„Arbeiterchronik" kommt auf diese Frage der Namensgebung zurück. Wir wollen darum ebenfalls nochmals kurz unseren Standpunkt darlegen und glauben dann des weiteren Eingehens aus Einzelheiten des Artikels überhoben zu sein. Zunächst wäre da festzustellen, daß es sich bei der Controverse durchaus nicht um sachliche, begriffliche Meinungsverschiedenheiten handelt. Der„Arbeitgeber" ist wohl für alle Arbeiterblätter in gleicher Weise der An- eigner fremder Mehrarbeit, also durchaus kein Mensch, der etwa gar von der eignen Arbeit noch etwas verschenkt, vergiebt. Und ebenso sehen wir im„Arbeitnehmer" alle miteinander durchaus keinen, der die Arbeit, den Ertrag der Arbeit anderer etwa an sich„nimmt". Ueber die Vorstellung, den Begriff der beiden ökonomischen Antipoden herrscht also vollständigste Klarheit und Uebereinstimmung. Kann nun der— glückliche oder unglückliche— Name irgendwie diese Klarheit und Uebereinstimmung fördern oder schädigen? Und da antworten wir recht nüchtern und kühl: Nein, auch nicht im Geringsten! Sowenig, wie man etwa über die kriegerische Natur des Königs des siebenjährigen Krieges„unbedingt zu Mißverständnissen" geführt wird, weil der Matttt Friedrich, d. h. der Friedreiche, zufällig benamset war. Hätte der moderne Besitzer der Produktionsmittel von Anbeginn an nur„Kapitalist",„Unternehmer" oder sonstwie geheißen, so wäre heute darum noch kein Arbeiter klüger über dessen wirthschaftliche Rolle; und ebensowenig ist irgend einer unklarer, weil dem Manne gleichsam das Etikett„Arbeitgeber" aufgeklebt ist. Wir wiederholen also:„Bleiben wir ruhig beim„Arbeitgeber". Wer in diesem einen„Wohlthäter" erblickt, wird ihn auch im „Unternehmer" oder„Fabrikanten" sehen. Und wer die sehr unschöne Rolle des„Fabrikanten" durchschaut hat, wird sie nicht anders beurtheilen, weil der Mann auch mit dem schönen Namen„Arbeitgeber" getauft ist. Das Wort thuts freilich nicht! Bekämpfen wir um so mehr die Sache!" Dabei von einem„Sukkurs für den Kapitalismus", von„Hilfeleistungen für die Reaktion" zu sprechen, ist ungefähr ebenso, als wollte man dem Engländer, der noch heute stets von„Baumwoll müh le(eottou inill) auch bei den allermodernsten Textilfabriken spricht, vorwerfen, er schraube die moderne, mit riesigen Betriebs-Dampf- Maschinen arbeitende Technik auf das Niveau des„Mühl- rades" und der Wasserkraft zurück und untergrabe so alle Errungenschaften der angewandten Wissenschaften! Das eine ist nicht seltsamer wie das andere. Aber wenn demnach von der Namensgebung auch gar kein Unheil zu fürchten ist, so verlohnt es sich vielleicht aus formellen Gründen noch immer, wählerisch zu sein und den„Arbeitgeber" doch lieber durch eine andere Benennung zu ersetzen? Unter uns können wir das ja halten, wie wir wollen. Dem steht aber das Bedenken gegenüber, daß unsere ganze Gesetzgebung (z. B. Gewerbeordnung, Kranken-, Unfall-, Alters- Versicherung u. s. w., u. s. w.) überall den„Arbeitgeber" und„Arbeitnehmer" schon lange hat und daß ein Aus- einandergehen des Sprachgebrauches der Arbeitergesetze und der Arbeiter zu unerträglicher Konfusion führen muß. Und das ist die Sache wahrlich nicht werth. Oder glaubt der Verfasser des Artikels gar, mit der Aus- rottung der beiden Namen in der Gewerbeordnung u. s. w. sei dem sozialen„Fortschritt" eine wesentliche„Hilfeleistung" erwiesen und dem„Kapitalismus" ein großer Abbruch gethan? Will er hier für das Proletariat Lorbeeren holen und„deutsche Mißstände" beseitigen? Wir würden das für Zeitvergeudung halten und die„sozialpolitische Reaktion in Deutschland" und die„Moniteurs des Kapitalismus" würden sich das lächelnd gefallen lassen— obwohl der Verfasser wiederholt betont,„seine Auseinandersetzungen müßten der Bourgeoispresse unangenehm sein." Warum in aller Welt? Der harte, Meister und der profitgierige Fabrikant wird sich als„Unternehmer" genau so wohl fühlen und ebensowenig oder ebensoviel zu fürchten haben wie als„Arbeitgeber". Sowenig also die Beibehaltung der Namen ein „Sukkurs" für den Kapitalismus, ist die Ausrottung ein Erfolg gegen den Kapitalismus— weder in wissenschaftlicher noch in praktischer Beziehung. Ja sogar rein wörtlich genommen, scheinen uns die Bezeichnungen noch lange nicht so unglücklich. Bei der heutigen Scheidung zwischen Produktionsmitteln und Arbeitskräften muß ja in der That, damit die Arbeitskrast überhaupt funktioniren, produziren kann, der private Kapitalist die„Arbeitsgelegenheit gewähren, geben"— das ist der„Arbeitsgeber". Und der Arbeiter hat theoretisch und juristisch die Wahl, die bestimmte„Gelegen- heit zum Arbeiten" anzunehmen oder nicht— das ist der „Arbeitnehmer". Selbst mit dem Wortlaut— wenn auf ihn überhaupt etwas ankäme— würde man also einverstanden sein können. Aus allen diesen Gründen sehen wir zum Ereifern keinen Anlaß und bleiben bei unserem zuerst vertretenen Standpunkt.„Angegriffen" haben wir die„Metallarbeiter- zeitung" niemals, wir sind nur in einer Frage der passen- den oder unpassenden Namensgebung anderer Meinung. Im westfälischen Kohlenreviere ist auch diese Woche die erwartete Ruhe nicht zurückgekehrt, aus dem einfachen Grunde, weil ein ehrlicher Friede zwar seitens der Bergleute, aber nicht seitens der Gruben- Verwaltungen geschlossen worden ist.„Wie die letzteren, schreibt die„Volksztg.", den Streik verschuldet haben durch die groben Mißbräuche, die sich auf den Gruben eingeschlichen hatten, durch die Niederhaltung der Löhne in einer Zeit steigender Kohlenpreise, durch ihre unaufhörlichen Kontraktbrüche bei Herabsetzung der Ge-- dingcsätze, durch die politische Vergewaltigung der Arbeiter bei den Wahlen und so weiter, so haben sie auch das ehrliche Friedensangebot, welches ihnen die Bergleute machten, seines eigentlichen Kernes entkleidet und dadurch den Frieden zu einem hohlen Schein gemacht, der über kurz oder lang in sich zusammenbrechen muß. Es war schon eine Anmaßung, je nachdem eine Anmaßung zum Lachen oder zum Weinen, wenn die Zechenverwaltungen, welche sich so und so oft den Arbeitern gegenüber des Kontraklbruchs schuldig gemacht hatten, sich nach Ausbruch des Streiks auf das hohe„sittliche" Pferd setzten und erst „Sühne" des von den Arbeitern begangenen Kontrakts- bruchs verlangten, ehe sie irgend welche„Zugeständnisse" machen könnten. Aber nachdem die Arbeiter in ihrer be- sonnenen Friedensliebe auch hierauf eingegangen waren, nachdem sie ihre materiellen Forderungen theils aufgegeben, theis herabgesetzt und in letzterem Falle die Erfüllung derselben der Loyalität der Zechenverwaltungen überlassen hatten, nachdem sie nur den prinzipiellen Gesichtspunkt in den Vordergrund geschoben hatten, daß künftighin eine Art Einigungsamt zwischen Unternehmern und Arbeitern eingesetzt würde, selbst nach alledem waren die Zechenver- waltungen so kurzsichtig und so selbstsüchtig, gerade diesen Punkt zu streichen, und ihre allzeit dienstwillige Presse konnte jubelnd ihren„Sieg" in die Welt hinaustrompeten. Es ist nothwendig, diese Gesichtspunkte festzustellen, um von vorn herein zu wissen, wo die wahrhaft Schuldigen für das zu suchen sind, was etwa noch in dem rheinischwestfälischen Bergbaubezirke passiren mag." Am Dienstag wurden auf einzelnen Zechen, z. B. Wiendahls Bank" die Führer der Arbeiter mit dem Abkehrschein empfangen. Letzteres würde einen gröblichen Bruch des Ausgleichs zwischen den Grubendirektoren und den Arbeitern darstellen. Ausdrücklich heißt es in Nr. 6 der Erklärung des Vorstandes des Vereins für die bergbaulichen Interessen:„ Den Bergleuten soll wegen der gegenwärtigen Arbeitseinstellung nach Wiederaufnahme der Arbeit keinerlei Nachtheil seitens der Grubenverwaltungen zugefügt werden." dürftige Berücksichtigung finden. Es ist also dafür gesorgt,| Lokale Sanssouci eine Unterstüßungskommission gewählt, bes daß die eingehenden Gaben den Absichten der Geber ent- stehend aus den Kollegen Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a, sprechend verwandt werden. Emil Jost, Mariannenstr. 21, Wilhelm Neumann, Görlizera Das Zentral- Streit- Komite: Weber- Bochum. Dieckmann- leckendorf. Bunte- Dortmund. Brodam- Gelsenkirchen. Mühlenbeck- Essen. Die täglich wachsende Noth macht es dem Bürger- straße 70, Benno Stabernack, Reichenbergerstr. 73, Mar stande im rheinisch- westfälischen Kohlenrevier unmöglich, den Lorenz, Friedenstr. 39 bei Werner, v. IV. Diese Kommission an ihn gestellten Anforderungen allein zu genügen. Wir ift beauftragt, die Interessen aller im Lohnkampfe befindlichen wenden uns daher mit um so größerem Vertrauen mit der Arbeiter wahrzunehmen und zu diesem Zwecke für die Aufbringung Bitte um Unterstüßung an alle mildthätigen Herzen im von Geldmitteln Sorge zu tragen und die gerechte Vertheilung der großen deutschen Vaterlande, als die streng gefeßliche Haltung selben nach Bedarf auszuführen. Kollegen, jeder um die Erreichung der Bergleute denselben die Sympathien aller Kreise ge- einer menschenwürdigeren Eristenz kämpfende Arbeiter ist unser wonnen hat. Freund und Bruder, ihn im Falle der Noth zu unterstüßen, ist daher unsere moralische Pflicht. Erfüllen wir diese, dann können wir, wenn wir im nächsten Jahre in einen Lohnkampf einzutreten gezwungen sein sollten, erwarten, daß das Solidaritätsgefühl der Arbeiter auch uns zum Siege verhelfen werde. Kollegen, wir haben Die deutschen Arbeiter werden bei dieser Gelegenheit nun Liſten mit dem Kopfe:" Die Metallarbeiter Berlins. Liste zur Unterstützung im Lohnkampfe befindlicher Arbeiter" drucken und hoffentlich eine glänzende Probe für ihr Solida- vertheilen lassen. Euer Aller Pflicht ist es, regelmäßig ein Scherf= Es wäre übrigens nach der Freis. 3tg." nicht das ritätsgefühl ablegen. Die Streikenden haben oft genug lein zu diesem wohlthätigen Zwecke zu spenden, wir bitten Euch erste Mal, daß im Oberbergamtsbezirk Dortmund seitens dagegen protestirt, daß sie Sozialdemokraten seien. Das diese Pflicht zu erfüllen. einer Grubenverwaltung ein schmählicher Wortbruch verlangt niemand von ihnen und sie werden es auch nichtliche Generalversammlung findet am 10. und 11. Juni im Vereinigung der deutschen Schmiede. Unsere 2. ordent verübt wird. Im Jahre 1884 konstatirte Abg. von über Nacht werden. Aber gerade die deutschen Sozialisten Lokale des Herrn Schönian, Wendenstr. 15, in Braunschweig. Schorlemer- Alft im Abgeordnetenhause unter anderem, werden ihnen beweisen, daß für sie alle Arbeiter statt. Die Versammlung fängt am 10. Juni, Vormittags präcise daß durch die Gerichtsverhandlungen aus Anlaß eines Brüder sind und daß sie für jede Noth eine offene 11 Uhr, an. Ferner werden die Deligirten ersucht, spätestens bis Streifes im Oktober 1883 festgestellt worden ist, daß Hand haben. zum 25. Mai ihren Vor- und Zunamen, sowie wann und wo diea selben geboren find, beim Vorsitzenden F. Brehmer, Holsteinischer gegen die ausdrückliche Zusage der Grubenverwaltungen Heute Sonnabend, morgen Sonntag finden sich unsere Stamp 66, 1. Etg., anzumelden. und das Versprechen des Landraths von Heyden- Rynsch Gesinnungsgenossen überall im geselligen Verkehr zu- Der Ausstand der Weber in Rigdorf ist beendet, da den Führern im Streit durch Cirkular einer Bechenver- sammen. Mögen sie alle ihrer Genossen im Leiden waltung es unmöglich gemacht wurde, im Oberbergamis- gedenken! Jeder sammle und jeder Gewinn bei harmlosem bezirk Arbeit zu finden. Der Abg. Natorp suchte dies Spiel und Vergnügen fließe den Kämpfenden zu! Auch damals damit zu entschuldigen, daß während einer aus den kleinsten Beiträgen wird sich dann eine mächtige Krankheit" des betreffenden Grubendirektors ein solches Summe ansammeln!*) Cirkular erlassen sei. Die Delegirten der Bergleute sollten gestern, Freitag, mit den Unternehmern verhandeln, dabei wird es sich entscheiden, ob der Streik in der alten Heftigkeit wieder ausbricht. Das Zentral- Streit- Komitee selbst läßt folgenden Aufruf verbreiten: Gewerkschaftliches, Versammlungen. auch diejenigen Großmeister, welche sich bisher ablehnend verhielten, me erane, sowie die Weißgerber in Berlin fiegreich gewesen.. den Lohntarif angenommen haben. Ebenso find die Weber in Lettere ersuchen, alle außenstehenden Listen einzusenden. Die Schuhmachergesellen von Bremerhafen und Ums gegend find mit ihren Meistern in Differenzen gerathen wegen Lohn erhöhung. Sie ersuchen alle Kollegen, den Zuzug streng fern zu halten. Gewerbliche Hilfsarbeiter Berlins. Am Dienstag, den 28. Mai, findet im Königstadt Kasino, Holzmarktstr. 72, eine öffent Die Rohrleger und Helfer Berlins haben zur Be- liche Versammlung statt. Das Referat hat Herr Dr. Bruno Wille gründung ihrer Forderungen ein Rundschreiben an sämmtliche übernommen. Jeder Leser möge die ihm bekannten gewerblichen Unternehmer und Ingenieure in der Gas-, Wasser- und Heizungs- Hilfsarbeiter zum Besuche der Versammlung veranlassen, damit auch branche gerichtet und um Antwort bis zum 1. Juni gebeten. Die dieser unorganisirte Beruf endlich sich lebhafter der gewerkschafte Rohrleger verlangen bekanntlich: lichen Arbeiterbewegung anschließt. An alle mildthätigen Herzen! 1. Eine Arbeitszeit von 9 Stunden, und zwar von 7 Uhr Der allgemeine Ausstand der Bergleute im rheinisch- früh bis 6 Uhr Abends mit Unterbrechung von 1/29 bis 9 Uhr westfälischen Kohlenrevier, der noch immer nicht vollständig Frühstückspause und 12 bis 1/22 Uhr Mittagspause. beendet ist, beginnt seine nachtheiligen Folgen für die 2. Einen Minimal- Lohn von 50 Pf. pro Stunde, UeberFamilien der Bergleute allmählich bemerkbar zu stunden 20 pCt. Aufschlag, Nachtarbeit 50 pCt. Aufschlag und zwar machen. Selbst wenn die Arbeit sofort und allgemein wieder von 8 Uhr Abends bis 5 Uhr früh, mit einer Pause von 12 bis aufgenommen werden sollte, werden die Bergmannsfamilien 1 Uhr. Sonntagsarbeit mit 100 pet. Aufschlag. noch einen kummer- und hungerreichen Monat durch- 3. Direkte Helfer pro Stunde mit 35 Pf. mit gleichem Prozentzumachen haben. aufschlag wie oben. Unter diesen Umständen glaubt das unterzeichnete ZentralStreif- Komitee, feine Fehlbitte zu thun, wenn es sich an die mildthätigen Herzen in allen deutschen Gauen wendet mit der eindringlichen Bitte, durch reichliche Einsendung von Geldbeiträgen dasselbe in den Stand zu setzen, den darbenden Kindern und Frauen unserer Bergleute wenigstens eine nothdürftige Unterstüßung zu leisten. Das Unterstüßungs- Komite setzt sich aus Bürgern und Arbeitern zusammen; jeder Unterstüßungs- Anspruch wird auf seine Berechtigung genau geprüft, so daß nur wirklich BeCigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von 0. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Daselbst Zahlstelle der Gürtleru.Bronceure( E.H.60.) Die Hutfabrik von P. Pohle, Bülowstraße 18( Eingang Frobenstraße), empfiehlt elegante Filz- und Seidenhüte in den neuesten Façons. Filzhüte von 3,50 M., Seidenhüte von 5,50 M. an. Cigarren u.Tabake reichhaltiges Lager, empfiehlt M. Wilschke, [ 39 Junkerstr. 1, Ecke d. Markgrafenftr. Quittungsmarken& Kautschukstempel- Fabrik RAS 10 der Verein Fallenhauer von [ 46 Conrad Müller Schkeuditz- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeitervereinen, Krankenkassen u. f. m. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. 4. An jedem Sonnabend ist eine Stunde, an jedem Tag vor den großen Festen zwei Stunden früher Feierabend zu machen, jedoch wird der Tag als voll gerechnet. 5. Jede Akkordarbeit ist ausgeschlossen. 6. Bei Arbeiten nach Außerhalb eine Montage- Zulage für den Monteur drei Mark, dessen Helfer zwei Mark pro Tag. Aufruf an sämmtliche Metallarbeiter Berlins! Am 13. Mai wurde in einer öffentlichen Metallarbeiterversammlung im *) Sammellisten in Berlin durch Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a. Maurer Charlottenburgs! Die Verhältnisse in Charlottenburg sind für die Maurer durch die Polizeibehörde recht traurige. Wenn wir eine öffentliche Maurer- Versammlung an melden, so wird stets und ständig dieselbe nicht genehmigt oder aber man sucht die Lokalwirthe zu beeinflussen. Die Einigkeit der ſtreifenden Maurer ist eine musterhafte. Die Arbeitseinstellung dauert fort, ebenso auch das Unterzeichnen der Arbeitgeber mit voller Forderung, Wir sind jezt so weit gekommen, daß wir uns eine Versammlung unter freiem Himmel erlaubten anzuzeigen. Jedoch gehen die Kollegen von ihren Forderungen nicht ab, sondern stehen einmüthig voll Vertrauen zusammen, daß der Sieg in furzer Zeit auf unserer Seite errungen ist. Durch Nacht zum Licht. Erklärung. Nach eingehender Rücksprache mit dem in voriger Nummer erwähnten Genossen habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß der= selbe im besten Glauben handelte und auf Grund der In a formationen, welche er besaß. Jedoch waren lettere unvollständig. Mar Schippel. Deutsche Allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung Berlin 1889 im Landesausstellungspark, am Lehrter Bahnhof. Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonntag, den 26. d. Mts.: Geselliges Zusammensein und Tanz in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße Nr. 77-79. Große Täglich: Grosses Doppel- Concert. Doppel- Concert. Schneider- Versammlung Geöffnet von 10 Uhr Vormittags ab. Eintrittspreis 50 Pfg. Freitags bis 6 Uhr Abends 1 Mark. An Sonn- u. Feiertagen wird die Ausstellung um 8 Uhr früh eröffnet. Die Theatervorstellungen finden um 6, 72 und 9 Uhr Abends statt und dauern ca. eine halbe Stunde. Preise: 1 Sitzplatz oder 1 Kulissenplatz 1 Mark, 1 Stehplatz 50 Pf. Brauerei im Betriebe. Täglich Tauchervorstellung, Bergwerk, Gefrierschacht. der Freien Vereinigung der Schneider Berlins. Montag, den 27. Mai, Abends 812 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandanten ftraße 77-79. Tagesordnung: 1. Der Kontraktbruch unter Berücksichtigung ausgebrochener Streiks. Referent: Herr Nechts= anwalt Arthur Stadthagen. 2. Diskussion. 3. Rechenschaftsbericht des Vorstandes. 4. Abrechnung des Rendanten. 5. Ersagwahlen und sonstige Vereinsangelegen heiten. 6. Verschiedenes und Fragekasten. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Große Der Vorstand. Wilhelm Kahl Arbeitsnachweis für Tischler. Empfehle allen Freunden und Bekannten Oeffentliche Bersammlung Galanterie-, Kurz, Schreibund Zündwaaren. Berlin SO., 17. Reichenbergerstrasse 17. Größtes Lager in Eigarrenspitzen und Tabakpfeifen. Sämmtliche Artikel zu Landparthien. Vereine Engros- Preise. Kravattennadeln und Manschettenknöpfe mit Bildnissen von Laffalle, Marg, Bebel und Liebknecht. Billigste Bezugsquelle für Händler und Haufirer. Arbeitsnachweis der Maler früher Ritterstr. 123 bei Sodtke, jetzt Dresdenerstr. 116( Restaurant Wendt). Jeden Abend von 8-9 Uhr( außer Sonnabend) und Sonntags Vormittag von 10-12 Uhr unentgeltliche Arbeitsvermittelung. Der vom Fachverein der Tischler begründet Arbeitsnachweis befindet sich vom 1. Februar ab Dresdenerstraße 116, im Restaurant Wendt. Die Arbeitsvermitte. lung geschieht für Meister und Gesellen( auc Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Abreffenausgabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 9½½2 Uhr Abends, Sonntage von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da fich bie vier Kassirer der Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, fich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Arbeitsnachweis zu benußen. Der Vorstand. Verein zur Regelung der gewerb lichen Verhältnisse der Töpfer Berlins. meine Glaserei, Spiegel- und Bildereinrahmung. Lager fertiger Rahmen in allen Größen. der Bau- Tischler und Verkauf von Bildern bewährter Volks Einsetzer Berlins männer. Bestellungen nach Auswärts brieflich. Dienstag, den 28. d. M., Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Cothmann, Brunnenstr. 34. Tages- Ordnung: Carl Scholz, Ginger. Referent: 23. Schniß. Wrangelstraße 32. Die wirthschaftliche Lage der Bau- Tischler und W. Wendt's Restaurant Dresden erstraße 116. Inh. W. Gründel. Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schlosser, Buchbinder und Drechsler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags Abendtisch. und Der Arbeitsnachweis befindet sich Dresdenerstraße 116 bei Wendt. Die Arbeitszuweisung ist unentgeltlich, auch Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sol. Preise. an Nichtvereinsmitglieder und geschieht Vorzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. an Wochentagen von 7-9 Uhr Abends, Sonntags 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. von 10 bis 12 Uhr Vormittags. Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. Es wird um zahlreiches Erscheinen besonders. der Bau- Tischler ersucht. Der Einberufer. Der Arbeitsnachweis der Klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Pfister. Die Adressenausgabe findet jeden Abend von 8-9 Uhr und Sonntage Vormittags von 10-11 Uhr, sowohl an Mits glieder wie auch an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. Die Bevollmächtigten der Filiale I. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: T. Posekel, Berlin 2. O., Dranienstraße 23. WHE