Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. " Einzelne Nummer 15 Pfg. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Naum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. №o. 23. Zur Frage der Doppelkandidaturen. wir doch gerecht. Sonnabend, den 8. Juni 1889. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Zur hieße es die Wahlbewegung geradezu schädigen, wenn man Maße in Anspruch genommen, und müsse auf die Dauer auch Frauenfrage, aus München.- Ibsen über die um der Doppelkandidatur willen auf den leistungsfähigeren auf dem Gebiete der Frauenarbeit eintreten. Bis dahin Korruption unserer Gesellschaft. II.- Seien Genossen verzichten wollte. 11. Ein konservativer Flegel. Das klerikale belgische Ministerium. Politische Nachrichten. liches.- Vereine und Versammlungen. Beilage: Das neue Reichsgeset betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung. I. Gewerkschaft Die Beilage des heutigen Blattes Alters- und Invalidenversicherungsgesetzes, sowie den Wortlaut der wichtigsten Paragraphen. Es ist daher gar kein Zufall, daß fast alle unsere bekanntesten Genossen in mehr als einem Kreise aufgestellt sind, und wer darin eine Verlegung eines „ Prinzips" sehen wollte, müßte gerade den namhaftesten Barteifreunden die größten Vorwürfe machen. Zur Frauenfrage. aber bleibe der industriellen Thätigkeit um so mehr Spielraum, als sich in den sozialen Reformbestrebungen bisher weit weniger Kräfte für die Sache der weiblichen Arbeiter bethätigt hatten. Hier sei daher für einsichtige und hochherzige Frauen aller Lebensstellungen ein reiches Feld nüßlicher und nothwendiger Arbeit, einer wahrhaft sozialen Hilfe, und ergeht an sie die Aufforderung, sich zusammenthun zur Verbesserung der Lage ihrer in leiblichem und geistigem Elende lebenden Geschlechtsgenossinnen." Eine solche Sprache und Auffassung ist zwar dem Sozialisten nicht neu, von Seiten Angehöriger der bevorrechteten Klassen, insbesondere aber deutscher Hausfrauen“ " Für selbstverständlich halten wir es natürlich, daß jeder in einem sicheren Kreise Neuaufgestellte es den Wählern seines alten Kreises nochmals anheimgiebt, wie sie bei den veränderten Verhältnissen sich entscheiden wollen und ob sie nicht einen Anderen finden, der, weil er ausschließlich für den einen Kreis thätig ist, enthält in Broschürenform eine zusammenfassende Dar vielleicht die Sache der Arbeiter mehr zu fördern vermag. jedenfalls etwas ungewöhnliches. Der Aufruf und die stellung des Also unbedingt keine Doppelwahlen. Und Doppel- ganze Sache konnten daher nicht verfehlen, öffentliches Ersaßmann zu beschaffen ist. kandidaturen nur, wo für den Kandidaten kein besserer Aufsehen zu erregen, um so mehr, als es sich hier um die erste Frauenversammlung Münchens handelt. Die Gefeßgebung, bezw. Rechtssprechung Bayerns versagen nämlich den Frauen nicht nur die Theilnahme Ein Nachtrag für die nächste Nummer wird dann an politischen Vereinen, sondern selbst eine solche an Vernoch die Uebergangsbestimmungen und die Rechte Am Sonntag voriger Woche hat in München eine sammlungen von irgendwelchem öffentlichen Interesse. der Arbeiter( im Ausschuß, Schiedsgericht, als Ver: Frauenversammlung stattgefunden, welche nach mehr als Vor einigen Jahren wurde einmal von Seiten einiger trauensmänner), sowie die Stellung der freien Hilfs- einer Richtung ein hervorragendes Interesse bietet. Arbeiterinnen ein Versuch, zur Veranftung einer öffentkassen erörtern. Eine Anzahl von Frauen aus den bevorrechteten lichen Besprechung gemacht; er eit the the tolliommen. Ständen eine hochbetagte Gräfin, eine Staatsraths- und auch diese jeßige, erste Münchener Frau sammlung wittwe, Beamten-, Anwalts-, Künstlers Gattinnen, würde ohne jeden Zweifel niemals zu Stande gekommen hatten zu einer öffentlichen Besprechung der Lage der wären, anstatt Gräfinnen und Beamtenfrauen, denen man weiblichen Arbeiter, insbesondere der Näherinnen, Sticke- minder Schlimmes zutraut, auf alle Fälle aber mehr Rückrinnen, Ladnerinnen und Kellnerinnen eingeladen. Nun sichten zu erweisen sich genöthigt sieht. Uebrigens fühlte Das nächste Heft gelangt am 28. d. M. zur Aus- sind ja zeitenweise philantropische" Anwandlungen der sich das böse Gewissen der herrschenden Macht doch auch gabe und wird enthalten:. höheren Kreise nichts Unerhörtes. Während sich dieselben durch die gesellschaftliche Stellung der voranstehenden Frauen Offip Zetkin= Paris †. Charakterköpfe ans aber regelmäßig die Herstellung von Volksküchen, Kinder- nicht gänzlich beruhigt. Das Polizeipräsidium ließ eine der französischen Arbeiterbewegung. Jules frippen und ähnlicher Wohlthätigkeits- Scheidemünze als der Frauen noch vor der Versammlung zu sich laden, Guesde. Paul Lafargue. Gabriel Deville. Malon. Vaillant. Der Pariser Gemeinderath. höchste Ziele zu stecken pflegen, bot der in den Zeitungen um sich über die Gedanken und Bestrebungen der Bewe Louise Michel.) aller Farben veröffentlichte Aufruf der Einberuferinnen gung genau zu unterrichten, vermuthlich dürfte dabei, in Dieses Heft bildet zugleich eine Ergänzung von dem bereits ein wesentlich anderes Bild. In frischer und bestimmter Anlehnung an berühmte Muster, auch vom Sozialismus erschienenen Heft 4: Sprache behandelt derselbe die Frage von dem höheren die Rede gewesen sein. gesellschaftlichen Gesichtspunkte aus. Anknüpfend an die Die Versammlung selbst war, wenn man den bekannte Untersuchung des Reichsamtes vor kurzem( über Mangel von Plakaten, sowie die sonstigen Umstände, welche die Lohn- und Lebensverhältnisse der Wäsche und Kon- in der Hauptsache nur den Besuch von Nichtarbeiterinnen fektionsarbeiterinnen, welche geradezu schreckliche Zustände erwarten ließen, in Betracht zieht, gut besucht. Es hatten des Darbens, der Noth, des Hungers, der Prostitution, fich nahe an dreihundert Frauen eingefunden, zum weitaus kurz des leiblichen und geistigen Elends von Tausenden größten Theil dem Bürger- und Beamtenstande angehörig; und Abertausenden deutscher Frauen" ergeben habe, er- doch waren auch eine Anzahl Arbeiterinnen, Näherinnen scheine es als„ festgestellt, daß ein großer Theil der ge- und Stickerinnen anwesend. Männer waren, mit Ausnahme werblichen Arbeiterinnen, nicht minder aber auch die der Vertreter der Presse, ausgeschlossen. Berliner Arbeiterbibliothek. zusammen mit einem Geheimrath und Generalstabsarzt, sein, wenn die Einberuferinnen Arbeiterinnen geweſen Vorläufige Anzeige. Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Von Offip Zetkin- Paris t. 48 Seiten Preis 20 Pfg. zu beziehen durch die bekannten Kolporteure, sowie durch die Expedition dieses Blattes. Der Verlag der Berliner Volfstribüne". Berlin S. O., Oranienstr. 23. Die Frage der Dopp lkandidaturen ist neuerdings in Parteikreisen so oft zur Sprache gekommen Ladnerinnen, Kellnerinnen und ähnlicher Bediensteter, in Hauptrednerin war Frau Dr. Naue( Gattin des Ge= und so verschieden beurtheilt worden, daß wir kurz die jedem Betracht unzureichende Löhne beziehen und sich in schichtsmalers). Dieselbe äußerte sich in gewandter Rede unseres Erachtens einzig richtige Stellung begründen einer Lage befinden) welche jedem, nicht durch besondere im Sinne des Aufrufs und wies hierbei insbesondere wollen. Umstände oder außergewöhnliche Festigkeit geschüßten Cha- nach, daß die Verhältnisse der weiblichen Arbeiter gerade Unbedingt verwerflich erscheint uns die Aufstellung rakter leicht auf den Weg des Verderbens zu drängen auch in München überaus traurige feien. Thue man eines und desselben Kandidaten in zwei Kreisen, die bei de geeignet ist. Diese traurige Thatsache findet ihre Bestäti- Umfrage bei den Ladnerinnen, Wäscherinnen, Stickerinnen, zu gewinnen sind. Hier würde bei einem Doppelsiege gung durch eine Reihe von Untersuchungen, welche im bei den Mädchen in der Konfektionsbranche u. s. w., so eine Nachwahl in einem Kreise eintreten müssen, die Laufe der letzten Jahre theils in eigenen Werken, theils erhalte man Kenntniß von Dingen, welche tief erschüttern. stets mit neuen großen Opfern verknüpft ist und vielleicht in Spezialzeitschriften über die Frauenarbeit angestellt Außer dem Mangel an den nöthigsten Lebensmitteln fehle gar die im ersten Wahlgange geschlagenen Gegner zu worden sind. Auch die Durchficht der Tagespresse führt es sehr häufig an der gesunden Luft in den Arbeitsräumen. solcher Anspannung ihrer Kräfte herausfordert, daß der zu demselben Ergebnisse, obgleich es hierzu eines aufmerk- Das Mittagsmahl bestehe zumeist aus Kaffee, etwas Wurst, Kreis für uns schließlich verloren geht. sameren Lesens bedarf, als es gewöhnlich ist. Denn die Käse und Brod, höchstens noch Bier, oft Nahrungsmitteln, Anders steht es mit Kandidaturen in Kreisen, die Noth der arbeitenden Frauen wird nur selten in Leit die den Hunger mehr täuschen als nachhaltig stillen. So vorläufig gar nicht zu nehmen sind. Hier kann sehr artikeln oder hervorragenden Noten behandelt; man muß fommen die Mädchen halbhungrig in die dumpfen Arbeitsoft ein Mann auch wenn er bereits anderswo auf die Thatsachen vielmehr da und dort zerstreut, vergraben räume zurück, wo sie viele Stunden rastlos arbeiten müssen gestellt ist der empfehlenswerthefte Kandidat sein, weil zwischen Sensations- und Vergnügungsnachrichten oder im um färglichen Lohn. Die natürlichen Folgen sind Bleicher sich der größten Sympathien erfreut und agitatorisch Gerichtssaale suchen." Nachdem der Aufruf sodann einige sucht, Magen-, Unterleibs- und Lungenleiden u. s. w. am meisten zu leisten verspricht. Hier hat es also gar besonders arge Fälle von Arbeiterinnen- Ausbeutung hervor Sucht das Mädchen nach zwölfftündiger Arbeit Ruhe, wo keinen Sinn, einfach zu fragen: ist der Mann schon irgend- gehoben, wirft er die Frage auf:„ Soll man soziale findet sie dieselbe? Die Meisten sind nicht im Stande, sich wo nominirt sondern maßgebend kann hier nur die Zustände, wie die erwähnten, gleichgültig oder achselzuckend ein Zimmer zu miethen, sondern sind auf schlechte SchlafFrage sein: würde ein anderer, der nur für den einen als etwas Unabänderliches hinnehmen, um das man sich stellen angewiesen. Der Lebensweg der Meisten läuft Kreis ernannt ist, die Wahlarbeit, die rednerische und am Besten nicht kümmert, um sich den eigenen Lebens- anerkanntermaßen in einer der drei Richtungen aus: Ueberschriftstellerische Agitation besser und gründlicher be- genuß nicht zu verbittern? Oder sollte nicht vielmehr das anstrengung, Mangel an Nahrung, Krankheit, Tod; oder Sorgen? Bestreben jedes Denkenden darauf gerichtet sein, eine solche Sünde, Schande, Berbrechen, Gefängniß; oder Verzweiflung Findet man einen solchen Anderen, dann liegt Ausbeutung und Verderbung von Tausenden fleißiger und und Tod." Hier müsse geholfen werden und zwar rasch natürlich gar kein Grund zu einer Doppel kandidatur vor nüßlicher Menschen sobald als möglich und durch jedes und gründlich"; denn die Frauen der bevorzugten Klaffen und sie ist zu beseitigen. geeignete Mittel zu beseitigen?" Die Hilfe des Staates hätten bisher eine unverantwortliche Gleichgiltigkeit an den für soziale Gebrechen werde heute in stetig steigendem Tag gelegt. Ferne müsse liegen, die Rolle von„ WohlIst ein solcher Anderer aber nicht vorhanden, dann thäterinnen" spielen zu wollen. Nur die allgemeine| Um den Kranken und zugleich seiner norwegischen Vater- müsse, da die Aktionäre kein Geld herzugeben entschlossen Kenntniß der Verhältnisse könne Hilfe bringen; die Frauen stadt zu helfen, hat er seinem Bruder, dem Bürgermeister, seien, und daß die Stadt mit dem Bade stehe und falle ,. sollen als Schwestern den Bedrängten die Hand reichen den Plan unterbreitet, eine Bade- Anstalt in seiner Vater da werden die Freunde Stockmanns zu erbitterten Feinden.. und ihnen zu ihrem Rechte verhelfen." stadt anzulegen. Der geld- und ehrgeizige Bürgermeister Doch der Idealist verliert nicht Muth und Energie.. " 1 * * * Leider wußte die Rednerin nach all diesen gesunden hat sich an die Spitze dieses Projektes gestellt und eine„ Ich will das Recht behalten, meinen Jungen in die Gedanken keinen befferen Weg der Hilfe vorzuschlagen, als Aktiengesellschaft gegründet, welche natürlich so billig Augen zu sehen, wenn sie einmal freie Männer find", die Gründung eines Arbeiterinnenheimes", in welchem wie möglich die Bade- Anstalt einrichtet. Durch reich- meint er und entschließt sich, eine Volksversammlung einalleinstehende Arbeiterinnen billiges und gutes Unterkommen lichen Zuzug von Badegästen wird das Vermögen der zuberufen, um der Wahrheit Gehör zu verschaffen. Zunächst erhalten sollen; freilich will sie auch arbeitslose aufge- Aktionäre, der Werth der Häuser und Grundstücke des werden ihm alle Lokale verweigert. Endlich räumt ihm nommen und beschäftigt wissen. Diese Unkenntniß über Städtchens sowie der Wohlstand mancher kleinkapitalistischer ein Freund seinen Wohnungssaal ein. Die Versammlung ist stark besucht. Stockmann will eine Schrift über die das Wie der Hilfe, bildet überhaupt den wunden Punkt Handwerker gesteigert. der bisherigen Bestrebungen dieser wohlgesinnten Frauen, Da macht der Arzt Stockmann, angeregt durch die Vergiftung des Bades verlesen. Doch die Versammlung deren Verdienst wesentlich darin zu suchen ist, daß sie Beobachtung zahlreicher typhöser und gastrischer Fieber drängt ihm einen gegnerischen Vorsitzenden auf und sucht überhaupt das Bestehen eines großen gesellschaftlichen Noth- unter den Badegästen, die Entdeckung, daß das Badewasser ihn zu verwirren, zu stören, zu überschreien. Da wird standes und die Pflicht zur Abhilfe erkennen und irgend- vergiftet wird durch eine Gerberei, das Befißthum seines Stockmann von heiligem Zorn erfüllt; sein Gesichtskreis. wie helfen wollen! Schwiegervaters Worse. Er ist über diese Entdeckung erweitert sich von der Versammlung, von seiner Vaterstadt Einen besseren Vorschlag machte Frau Thieme, welche ganz entzückt, indem er sich sagt, er habe damit der über das ganze Land, die ganze moderne Kulturwelt; vornach dem Vorgange Wiens, eine Produktivgenossenschaft Menschheit einen Dienst erwiesen; in seiner Kindlichkeit sein Auge tritt das ganze Volk und mit ihm die Lüge, für Frauenarbeit vorschlug. Von verschiedenen Seiten, bedenkt er nicht, daß die Interessen der Menschheit nicht welche ihre Wohnstatt gerade da aufgeschlagen hat, wo insbesondere von einer früheren Verkäuferin, Frau Zott- zusammenfallen mit den selbstsüchtigen Interessen es hell und wahr sein sollte, nämlich bei Menschen, mann wurde beantragt, einen Arbeitsnachweis einzu- einer Clique von Besißenden, daß in unserer auf welche das Wort Freiheit auf ihre Fahne schreiben und richten, welcher die Käuferinnen und Auftraggeberinnen der Privatwirthschaft und der freien Konkurrenz beruhenden doch von dem Wesen derselben keine Ahnung haben. Mit unmittelbar mit den Arbeiterinnen in Verbindung bringen Gesellschaft der Vortheil des Einen der Nachtheil des gehobener Stimme kündet er eine Entdeckung an, welche eine weit größere Bedeutung habe, als seine chemische und letzteren durch Wegfall des Gewinnes der Geschäfte Anderen zu sein pflegt. einen höheren Arbeitsertrag sichern soll; man will zu Als die Entdeckung des Arztes einem engeren Kreise Entdeckung, und spricht: „ Ich " Ich sagte, ich will von der großen Entdeckung diesem Zwecke für jeden Arbeitszweig eine besondere Ver- bekannt wird, da scheint es anfangs, als werde des Enttrauensfrau aufstellen. Auf besondere Aufforderung nahmen deckers Vorschlag, das Gift durch technische Anlagen von sprechen, die ich in den letzten Tagen gemacht habe auch zwei Arbeitererinnen das Wort und gaben einige der Bade- Anstalt fernzuhalten, Billigung und Ehre finden. von der Entdeckung, daß unsere sämmtlichen geistigen Aufschlüsse über die Lage der Näherinnen und Stickerinnen Die Redaktion eines oppofitionellen Blättchens ,, Der Volks- Lebensquellen vergiftet sind und unsere ganze in München. Sie klagten vor allem darüber, daß besonders bote" freut sich, der Obrigkeit eins auswischen zu fönnen bürgerliche Gesellschaft auf dem pestschwangeren im Stickereifache ihnen Mädchen aus besseren Familien, und dadurch an Einfluß sowie an Abonnentenzahl zu Grunde der Lüge ruht. welche zu ihrem Vergnügen arbeiten, große Konkurrenz gewinnen. Und die Kleinbürgerschaft hofft, die Entdeckung machen. Ferner arbeiten verheirathete Frauen, welche des Arztes Stockmann werde den" Ring", d. h. die Wenn Jemand aus dem, was ich soeben gesagt, etwas zum Haushalte beitragen wollen und mit 2-3 Herrschaft der reichen Großbürger brechen. Somit treten schließen sollte, ich wollte den Herrn dort oben hier heut Mark in der Woche zufrieden sind. Die Stickerinnen, der Volksbote" und die Kleinbürger anfangs auf Stock- Abend zu Leibe, so irrt er sich irrt er gewaltig; denn welche mit ihrer Arbeit ihr Brod verdienen wollen, müssen mann's Seite. ich hege den wohlthuendsten Trost, daß diese Nachzügler, sehr fleißig sein, um nur das Allernöthigste zu erwerben. Aber heftig macht sich die Stockmann feindliche diese Ruinen aus einer absterbenden Gedankenwelt fich Tagesverdienste von 60-70 Pfennigen seien keine Selten- Partei geltend. Sie wird geführt von Stockmann's selbst ganz vorzüglich die letzte Ehre erweisen; es bedarf heit. Die Folgen liegen auf der Hand. Viele Stickerinnen eigenem Bruder, dem Bürgermeister. Derselbe befürchtet, keiner ärztlichen Nachhilfe, um ihren tödtlichen Abgang zu begnügen fich freiwillig mit einem noch geringerem Lohn, an Ansehen zu verlieren, wenn sich herausstellt, daß seine beschleunigen. Und im übrigen bildet auch diese Gattung wenn sie Abends frei haben! Vorzügliche Lohndrücker Aktiengesellschaft eine gemeinschädliche Pfuscherei zu Stande durchaus nicht die größte Gefahr für die Gesellschaft. seien auch die Frauenklöfter. Es wurde auch berechnet, gebracht hat, und weiß ferner, daß die Aktionäre mehrere Sie ist es nicht, welche in der wirksamsten Weise unsere daß eine bescheidene Arbeiterin 438 Mark im Jahre nöthig hunderttausend Mark zur Verbesserung der Anstalt auf- geistigen Lebensquellen vergiftet und den Boden unter uns habe, sehr häufig aber kaum 364 Mark verdiene. Viele bringen müßten, und daß das Bad infolge der langwierigen verpestet: diefe Leute sind noch keineswegs die gefährlichsten hunderte Arbeiterinnen haben monatlich kaum 25-30 technischen Arbeiten und des öffentlichen Mißtrauens in Feinde der Wahrheit und der Freiheit. So Mark Einkommen. Eine Beamtenwittwe dahier sei that- schrecklicher Weise an Besuchern einbüßen würde. Rufe von allen Seiten: Wer denn sonst? Namen! Stockmann: Ja, ihr könnt fest darauf rechnen, daß sächlich den Hungertod gestorben; dieselbe mußte Hemden will er denn von der Schädlichkeit des Wassers nichts mit 19 Knopflöchern um 25 Pfennige, und Filzröcke um wissen, will mindestens des Arztes Auffassung als eine ich Namen nenne! Denn darin besteht ja eben die große 10 Pfennige nähen! übertriebene Befürchtung erachtet sehen und verlangt nicht Entdeckung, die ich gestern gemacht habe.( Mit gehobener Nachdem noch zwei Frauen aufgetreten, welche die bloß, Stockmann solle feinen Gedanken unterdrücken, Stimme.) Der gefährlichste Feind der Wahrheit und der - das ist die kompakte Majorität, ja diese verganze Sache mißverstanden hatten und von denen die eine, sondern sogar denselben widerrufen, um das Vertrauen in Freiheit - das ist unser ärgster eine überladen gekleidete Bankdirektorin Friedemann, über Bad und Obrigkeit wiederherzustellen. Bezeichnend find fluchte kompakte liberale Majorität die schlechten Dien boten loszog, wurde die Versammlung die Worte des verknöcherten Beamten, welcher ängstlich Feind! So, nun wißt ihr's!( Großer Lärm. Die meisten mit der Aufforde.ng an Einzeichnen in die Listen des bestrebt ist, sich nichts zu vergeben und von seinen Unter- schreien, stampfen, zischen und pfeifen.) neuen Vereines geschloffen. Ungefähr 50 entsprachen dieser gebenen allge heine Unterwürfigftit verlangt, ohne zu ahnen, daß die Moral der Bureaukratie sich zur menschheitlichen Ich gedente Krieg zu führen gegen die Lüge, daß Einladung. Was weiter aus der Sache wird, ist noch nicht ab- Moral verhält wie leuchtendes faules Holz zur strahlenden die Mehrheit im Besitz der Wahrheit sei. Was sind denn zusehen. Jedenfalls herrscht über die zu ergreifenden Sonne. Und treffend sind die Worte, welche der Idealist das für Wahrheiten, um welche die Majorität sich zu Mittel und Wege unter den an der Spize stehende Frauen Stockmann der selbstsüchtigen Beschränktheit des Bürger- schaaren pflegt? Es sind die Wahrheiten, die so hoch zu Jahren gekommen, daß sie sich bereits abgelebt haben. noch eine große Unklarheit, was bei der gesellschaftlichen meisters entgegenschleudert. Stockmann. Ja, aber ist es denn nicht jedes Staats- it jedoch eine Wahrheit so alt geworden, so ist sie auf Stellung der Betheiligten und ihrer bisherigen Unerfahren- bürgers Pflicht, sich dem Publikum mitzutheilen, wenn dem besten Wege, eine Lüge zu werden.( Gelächter und heit in öffentlichen und Arbeiter: Angelegenheiten nur be- er einen neuen Gedanken hat? greiflich ist. Indessen fehlt es auch nicht an treibenden Höhnisches Zurufen.) Ja, ja, ihr möget mir glauben Elementen, und ist z. B. auch schon der Vorschlag auf oder nicht, aber die Wahrheiten sind nicht so zählebige Methusalems, wie die Menschen sich einbilden. Eine norgetaucht, Aufstellungen über die Löhne in den verschiedenen mal gebaute Wahrheit lebt nun sagen wir: in der Geschäften zu veranstalten und die maßlosesten Ausbeuter Regel fünfzehn, sechszehn, höchstens zwanzig Jahre, selten dadurch zu einiger Besserung der Lage ihrer Arbeiterinnen länger. Aber solche bejahrte Wahrheiten sind stets entzu zwingen, daß man ihre Namen veröffentlicht, gegebenenfalls auch sich verbindet, nicht mehr bei ihnen zu kaufen. seßlich dürr und mager. Und dennoch macht sich erst dann die Mehrheit mit ihnen zu schaffen und empfiehlt sie der Am legten wird man den guten Willen der Frauen aus Menschheit als gesunde geistige Nahrung. Aber ich kann dem Antheil erkennen, welchen sie den Arbeiterinnen euch versichern: es ist nicht viel Nahrungsstoff in einer an der ganzen Bewegung zugestehen. beamter hast du nicht das Recht, eine Ueberzeugung auszusprechen, solchen Kost, und darauf muß ich mich als Arzt verstehen. Alle diese Majoritätswahrheiten gleichen dem überjährigen welche mit der deiner Vorgesezten im Widerspruch steht. hätt ich nicht das Recht-! Stockmann. Das geht zu weit! Als Arzt, als Gelehrter ranzigen Speck, fie sind wie verdorbener, grün angelaufener Bürgermeister. Die Sache, um die es sich hier handelt, ist Schinken; und daher kommt all der moralische Storbut, nicht eine rein wissenschaftliche; es ist vielmehr eine kombinirte, der rings um uns her in der Gesellschaft grassirt. Bürgermeister. Ach, wozu braucht das Publikum neue Gedanken? Mit den guten alten anerkannten Gedanken, die es bereits hat, ist ihm vollkommen gedient. Stockmann. Und das sagst du so ganz offen! * * * Stockmann. Es ist meine feste, vollste Ueberzeugung, Hans-! Bürgermeister. Als Beamter hast du nicht das Recht, eine Separatüberzeugung zu hegen. Stockmann( tugt). Ich habe nicht das Recht, eine-? Bürgermeister. Als Beamter, sag' ich. Als Privatperson Gott, das ist etwas anderes. Aber als untergeordneter BadeWie sich die Bewegung auch weiter entwickle, so ist es jedenfalls ein interessantes Zeichen der Zeit, daß sich Frauen aus den besißenden Klassen ernstlich mit der fozialen Lage beschäftigen und an Stelle der gesetzlich mundtod gemachten Arbeiterinnen die Frage vor die Deffentlichkeit bringen. Es ist dankenswerth, daß die eine technisch- ökonomische Angelegenheit Sache auf solche Weise angeregt worden ist; der Anstoß wird sich fortpflanzen. Ibsen über die Korruption unserer Gesellschaft. II. Stockmann. Ach zum Teufel, das ist mir höchst gleichgiltig! * * * * R * Ich beanspruche für mich die Freiheit, mich über alle möglichen daß die Kultur demoralisire. Nein, Verdummung, , Glücklicherweise ist es nur eine alte ererbte Volkslüge, Angelegenheiten der Welt aussprechen zu dürfen! Bürgermeister. Bitte. Aber nicht über die des Bades das verbiet' ich dir. Stockmann( fast schreiend). Ihr verbietet mir! Ihr! Leute, die! * * * Armuth und Elend, kurz der ganze Jammer des Lebens das sind die Ursachen der Verderbtheit! In einem Hause, wo der Fußboden nicht täglich gefegt Bürgermeister. Ich verbiet' es dir- ich, dein höchster Vor- wird meine Frau behauptet sogar, er müsse auch gegefeßzter; und wenn ich dir etwas verbiete, so hast du zu gehorchen. scheuert werden; aber darüber läßt sich wohl noch streiten Stockmann( sich bezwingend). Hans- wahrlich, wärst du in einem solchen Hause, sag' ich, verliert der Mensch nicht mein Bruder-! B. W. ,, Rein größerer Schmerz für einen Dichter, in zwei, drei Jahren die Fähigkeit, moralisch zu denken als die Lüge, welche die Welt beherrscht; nicht jene und zu handeln. Der Mangel an Sauerstoff schwächt Stockmann. Ich, ich allein will das wahre Wohl der Stadt! naive Lüge des phantasievollen Menschen oder des Kindes Ich will die Mängel aufdecken, die früher oder später doch an den das Gewissen. Ja und mit dem Sauerstoff scheint es und des Uebertreters, die nach einer Ausrede suchen; Tag fommen müssen. O es wird sich schon zeigen, wer von uns sehr bedenklich auszusehn in vielen, vielen Häusern unsererfondern die allgemeine, konventionelle, hochgeachtete beiden seine Vaterstadt wahrhaft liebt. Stadt, da die ganze kompakte Majorität so gewissenlos Bürgermeister. Du, der in blindem Troß der Stadt die sein kann, das Emporblühen der Stadt auf einem MoorLüge, welche sich in Gesellschaft, Politik, Staat und wichtigste Nahrungsquelle verschließen will Kirche breit macht, mit der Anmaßung der Allein- Stockmann. Aber Mensch, diese Quelle ist ja vergiftet! Bist grund von Lüge und Betrug aufbauen zu wollen. berechtigung auftritt und die Wahrheit verfolgt. Diese du denn von Sinnen! Wir handeln hier mit Schmus!- das ist Lüge in jeder Form aufzudecken und an den Pranger zu stellen, ist seit Menander und Aristophanes die Aufgabe jedes Dichters gewesen, der sich nicht in eine ideale Welt flüchtet, sondern seinen Blick auf die Gegenwart richtet." Diese Worte Passarges gelten in erster Linie von Ibsens Stockmann, welcher glaubt, den Volksboten" und Solche Ausführungen bringen natürlich die VersammDrama„ Ein Volksfeind", welches die Korruption das Kleinbürgerthum, also die„ kompakte Majorität" hinter lung in unmäßige Wuth. Eine Resolution wird eingeunserer Gesellschaft zum Gegenstande hat. sich zu haben, macht die Rechnung ohne den Wirth. bracht, welche den Arzt Stockmann als einen Volksfeind * * unsre Erwerbsquelle! Unser ganzes aufblühendes Gesell- ,, Die Menge ist blos der Rohstoff, aus dem wir, die schaftsleben zieht seine Nahrung aus einer Lüge. ichaftsleben zieht seine Nahrung aus einer Lüge Bürgermeister. Einbildung oder noch etwas schlimmeres. Beſſeren, ein Volk erst bilden sollen.( Murren, Lachen Wer so beschimpfende Insinuationen wider seine eigne Baterstadt und Unruhe.) schleudert, muß ein Feind der Gesellschaft sein. " 1 * * * Der Arzt Stockmann ist ein Mann, welcher mit Denn sobald der Bürgermeister dem Herausgeber und den bezeichnet. Diese Resolution wird einstimmig mit tüchtigem Fachwissen allgemeingeistige Begabung verbindet, Redakteuren des Blattes- das ja vom Publikum ab- Ausnahme der Stimme eines Besoffenen angenommen. die Begeisterung und Ehrlichkeit eines Kindes, aber auch hängt- klar gemacht hat, daß zur Abstellung der Stockmann's Haus wird gesteinigt. Er verliert seine findliche Vertrauensseligkeit und Unbesonnenheit besigt. Mängel des Bades eine städtische Anleihe gemacht werden Stelle als Badearzt, seine Tochter die ihrige als Lehrerin, sein Freund, welcher den Saal zur Versammlung herge- geben, seine Stelle als Kapitän. Stockmann will aus- wandern nach dem Westen. Bald aber siegt sein Kampfes- mutb über den Kleinmuth. Hier aus der Stätte des Kanipscs will er bleiben und den Kampf fortsetzen. Seine Kinder will er zu freien Menschen erziehen und aus schmutzigen Lümmeln von der Straße durch Erziehung neue Menschen machen. Seine Vereinsamung ficht ihn nicht an, sondern stärkt ihn sogar, denn er sagt sich nunmehr, nachdem er die„kompakte Majorität" als eine elende und gefährliche Stütze kennen gelernt:„Der stärkste Mann der Welt ist derjenige, welcher allein steht." Selten ist der„liberalen Mehrheit", deren„veraltete Wahrheit" das alternde Europa beherrscht, unserer ganzen „Gesellschaftsordnung" ein so vernichtendes Urlheil ge- sprachen worden, wie hier von Ibsen, dem in mancher Beziehung revolutionärsten Dichter, welcher den Muth hat, in seinen Gedichten zuzugestehen, daß er„mit Lust den Torpedo unter die Arche lege." Seien wir doch gerecht! Die Gewaltthätigkeiten, welche während der französischen Revolulion verübt wutden, werden von deren Gegnern— welche man selbst unter Verlretern der heutigen Bourgeoisie findet, die durch jene Revolution doch erst zur Geltung gegen Fürsten, Adel und Geistlichkeit gelangte— stets dazu benutzt, um dem Volke eins zu versetzen, wenn dasielbe die, Männer und Bestrebungen der damaligen Epoche verherrlicht. Den„Greueln" der französischen Revolution gegen- über treten bei ihnen eine ganze Reihe viel entsetzlichere— weil kalten Blutes verübte— in den Hintergrund. Die unendlich größere Zahl Schlachtopfcr der sogenannten „ruhigen" Regierungen— unter denen Kirchhofsruhe herrschte— wird kaum in Erwägung gezogen. So sehr man sich über die Greuel der französischen Revolulion entrüstet, so wenig verspürt man von dieser Entrüstung über die unzählbaren Opfer z. B. eines Napoleon. Die katholische Kirche hat— wie früher protestantische Aufklärer stets mit Befriedigung hervorhoben— ungefähr zehn Millionen Menschen direkt vernichtet; die Anzahl der indirekt durch sie getödteten Opfer ist nicht zu zählen, obwohl sie vorgab, die einzig rechtmäßige Vertreterin der „Religion der Liebe" zu sein. Und bei Beurthesiung der Grausamkeit der Revolu- tionsmänner vergesse man nicht, daß diese Männer unter scheußlichen Zuständen ausgewachsen waren, daß eine wahn- sinnige Unterdrückung glühenden, unauslöschlichen Haß in ihre Seele geprägt hatte. Marat forderte 1792 nicht weniger als 100 000 Aristokratenköpfe. Fürchterlich, nicht wahr? Aber der geheime Unterhändler des Grafen von Provence(des späteren Ludwig XVIII) sagte 1795:„Ich will der Marat der Gegenrevolution sein," und verlangte— 400 000 Köpfe. Und die Köniasgesinnten zögerten nickt, das Wort zur That zu machen, als sie wieder ans Ruder kamen. Sie hatten ebenfalls ihre Schreckensherrschast, bekannt unter dem Namen: terreur blanche, der weiße Schrecken. Das Volk jener Zeit verdiente Bewunderung, statt Begeiferung. Wohl war es rücksichtslos, wo es sich um die Niederwerfung der noch rücksichtsloseren Unterdrücker handelte. Aber dieses Volk in Lumpen, das nicht lesen und schreiben konnte, stand nichtsdestoweniger aus einer seltenen Höhe; es opferte auf den Schlachtfeldern sein Blut für die Befreiung nicht nur seiner selbst, sondern der ganzen Menschheit. Auch bei ihm offenbarte sich von neuem die alte Wahrheit, daß große Zeiten nicht nur große Männer gebären, sondern einen allgemeinen Aufschwung in den Geistern bewirken. Einen konservativen Ftegel feiert der bekannte Hofrath L. Schneider in seinen „Denkwürdigkeiten", welche die„Kreuzzlg." veröffentlicht. Wir lesen: „Da ist in Potsdam der Hofschlächtermeister Rabe, welcher durch seine großen Vieh-Einkäuse in der ganzen Mark Brandenburg bekannt und von den Demo- kraten wie das brennende Feuer gefürchtet ist. Mit einer enormen Körperstärke begabt, geht er keinem Konflikte aus dem Wege und hält bei keiner Gelegenheit mit seiner Gesinnung hinter dem Berge. Ick lernte den Mann, von dem ich schon immer hatte erzählen hören, vor kurzem kennen und war Zeuge, wie er einem Handwerks- burschen die dreifarbige deutsche Kokarde�vom Hute herunter komplimeniirte, daß jenem Hören und Sehen dabei verging! Seiner Zeil Mitglied der Bürgerwehr seligen Andenkens in Potsdam, erschien er nie bei Aufläusen mit einem Gewehr, sondern mit einem ungeheuren Kantschuh, mit welchem er mehr auf die von Freiheitsdrang beseelten Bummler wirkte, als eine ganze Kompagnie Bürgerivehr mit ihren unschuldigen Schießinstrumenten. Gewöhnlich ging er auch ganz allein auf einen solchen Gesindelhausen los und forderte ihn aus, auseinander zu gehen. Natürlich lautete die Antwort: „das brauchen wir nicht, denn wir sind freie Bürger." Tarauf erfolgte dann jedesmal: Klatsch! ein Hieb, und was für einer!—„Mein Herr, was unterstehen Sie sich, Prügel sind abgeschafft, und Sie wollen einen Staatsbürger schlagen?"— Klatsch!—„Pfui, wie 'gemein!"— Klatsch!—„Empörend!"— Klatsch!— Länger dauerte die Unterhaltung selten!— Natürlich kam er bei den Demokralen in gewaltigen Mißkredit und er bekam eine Katzenmusik nach der anderen. Ein paar ließ er sich gefallen, als aber bei einer solchen Gelegenheit einmal an der Thür gerüttelt wurde, ging diese plötzlich auf und Meister Rabe mit der Schlächterschürze, aufgekrämpten H emdärmeln und dem ungeheuren Schlächterbeil stand in der Thüre, hinter ihm seine Gesellen, ebenfalls mit Beilen bewaffnet. Bei diesem Anblick war die Straße sofort leer und der Lärm vorüber." Diese Rohheiten gegen Leute, die sich nichts zu schulden kommen ließen und die nur in unschuldigen Abzeichen ihre Gesinnung zu erkennen gaben, fanden also den vollsten Beifall des Herrn Hoftathes. Wie spucken und schimpfen aber derartige Leute, wenn einmal einer von ihresgleichen etwas unsanft behandelt wird! Und welche Entrüstung würde herrschen, wenn gar Arbeiter mit dem„Kantschuh" ihren politischen Gegnern dienen wollten! Man sieht: Heuchelei und Klaffenmoral überall! Das klerikale belgische Ministerium hat, wie nunmehr gerichtlich festgestellt ist, 1887 seine Hand bei den Dynanntdrohungen und-versuchen im Spiele gehabt. Ob es auch 1886 geschah, ist gerichtlich noch nicht beglaubigt. Zu jener Zeit brannte bekanntlich die Glas- Hütte des Herrn Beaudoux nieder und ein Gesinnungs- genoffe des Herrn Beernaert, Herr v. Hertling aus dem deutschen Zentrum, beschönigte damals sein Eintreten für das Sozialistengesetz mit folgenden Worten: �„Ein seltsam strafendes Gericht ist es, das so jählings bei Charleroi über den großen Glashüttenbesitzer Beaudoux, in dessen Etablissement die ersten Greuelszenen am Freitag ausgeführt wurden, hereingebrochen ist: der Fabrikherr gehörte zu den wildesten Fanatikern des Radikalis- mus, in seinem Geschäfte war kein Beamter und kein Arbeiter geduldet, der sich katholisch genannt hätte, im Gegentheil, Beaudoux verlangte von all' seinem Personal gleich wütheuden Haß gegen alle Religion, wie er selbst ihn hegte." Heute erscheint es vielleicht auch anderen„seltsam", daß gerade das Etabliffement eines Gegners des belgischen „Spitzelministeriums" wegbrannte. Herr v. Puttkamer war damals noch Minister und benutzte den Zwischenfall natürlich auch in seiner Weise. Er äußerte— schade, daß man die dazu gehörige Pose nicht auch wiedergeben kann, man photographirte damals »och nickt im Reichstage, sonst gäbe es zweifellos ein eigenes Album von„Putikammerposituren": Die belgische Regierung steht in diesem Augenblick in einem Kampf für die öffentliche Ordnung Europas..... Wir hoffen von ihrer Energie und Weisheit, daß es ihr bald— denn Eile thut ja allerdings noch— gelingen wird, diese Rotte von Verbrechern zn Boden zu werfen, die, von revolutionärem Fanatismus angestachelt, in dem unglücklichen Landestheile unerhörte Greuel verübt." (Sehr richtig! recht».) Wie interessant diese Reminiszenz heute doch ist! Und auch sonst seien ans der Reichstags-' Sitzung vom 30. Marz noch einige Aeußerungen hervorgehoben. So meinte der Abg. Bebel: „Ich habe sogar die belgische Bourgeoisie und ich glaube mit vollem Recht, in den Verdacht, daß sie mit Absicht und Vorbedacht von Zeit zu Zeit ein derartiges Blutbad veranlaßt.(Widerspruch rechts.).....Alle 2 oder 3 Jahre haben wir in Belgien ein solches Ereigniß. Und wie wird die Sache provozirt von Seiten der herrschenden Klassen, von Seiten der Staatsgewalt: Herr v. Puttkamer insbesondere ist es...(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Freiherr von und zu Franckenstein: Ich muß den Herrn Redner unterbrechen. Der Herr Redner hat gesagt, daß diese Revolte in Belgien von der Staatsgewalt ver- anlaßt sei. Diese Aeußerung ist unzuläßlich. Ich ruie ihn deshalb zur Ordnung.(Bewegung.)...... Herr v. Puttkamer: Das ist die fixe Idee mit der Pro- vokatiou zu Verbrechen. Wenn man Hier, wo wir noch alle unter dem Eindruck dieser erschütternden und furchtbaren Dinge in Belgien stehen, uns ganz unverblümt sagt: ja, ich habe den starken Verdacht, daß die Bourgeoisie das angestiftet hat— dann mutz ich sagen: ich verzweifle an der polittschen Zurechnungsfähigkeik derer, die daran glauben....... Heute möchten viele damals Gutgläubige wohl eher an erwas Anderem verzweifeln. Schnitze!. Die Langsamkeit, das Unzusammenhängende im Gang der geschichtlichen Intelligenz reizt und bedrückt uns, ist uns unerträglich, und deshalb überstürzen viele die Sache, begehen einen Verrath an ihrer eigenen vernünftigen Einsicht und bringen die Andern dazu, sich zu überstürzen. Ist das gut? Herzen an Bakunin. * Es giebt keine patriotische(d. h. national abge- schloffene) Kunst und keine patriotische Wiffenschafl. Beide gehören, wie alles hohe Gute, der ganzen Welt an und können nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller zugleich Lebenden.... gefördert werden. Göthe, Sprüche. ** Es ist für die Partei des Volkes ein unberechenbar günstiger Umstand, daß der Feind den sie bekämpft, bei aller seiner Macht doch keinen sittlichen Stützpunkt besitzt. Die gegenwärtige Gesellschaft vertheidigt sich nur aus purer Nothwendigkeit, ohne Glauben an ihr Recht, ja ohne Achtung vor sich selbst. Heine. ** Ich habe nie daran gezweifelt, daß sie alle mit Waffer kochen, aber eine solche nüchterne, einfältige Wassersuppe, in der auch nicht ein einziges Fettauge zu spüren ist, überrascht mich.... Kein Mensch, selbst der böswilligste Zweifler von Demokral, glaubt es, was für Charlatanerie und Wichtigthuerei in dieser Diplomatie steckt. Fürst Bismarck. Mai 1851. Politisches und Sonalpolitijches. Der Bundesrath ertheilte am Mittwoch den Beschlüssen des Reichstags zu dem Gesetzentwurf, betreffend die In- validitäts- und Altersversicherung die Zustimmung. Eine konservative Versammlung, welche vorigen Freitag unter dem Vorsitze des bekannten Majors Blume und auf Einladung der Herren Engelke, Krug von Nidda u. A. m. in Berlin abgehalten worden ist um den Bergarbeiter-Ausstand lind„die Aufgaben der reichser- haltenden Parteien" zu besprechen, hat der Tagespreffe zu einer ganzen Reihe von Leitartikeln Anlaß gegeben. Die„Freis. Ztg." wählte dazu die Ueberschrift„Konser- vative Laffalleaner" und die fteikonservative„Post" sah die„Saat der Herren von Hammerstein, Stöcker und Genossen" aufgehen. Wir erblicken in der Versammlung nichts als einen hoffnungslosen Versuch des rechten konser- vativen Flügels, sich bei den Massen wieder etwas' Kredit zu verschaffen und zugleich den staatsomnipotenzlichen Gelüsten zu schmeicheln, die man an einer Stelle zu ver- muthen scheint, die höher ist, als die eines Reichskanzlers, der nach dem Geschmacke dieser Leute zu sehr aus ein mittelparteiliches Regiment Hinarbeitet. Wir erwähnen daher die Reden und Beschlüsse nur der Curiosilät wegen. Herr Dr. Stein, der von allen„sogenannten politischen Freiheiten" sehr gering denkt, wünschte unter der Fahne des„praktischen Christenthums", daß eine aus den Ver- tretern der Unternehmer und der Arbeiter bestehende,„mit der Autorität des Staates, der hinter ihnen stehen muß, bekleidete Kommission in jedem Jahre den Lohnsatz für das nächste Jahr feststelle". Das ist ihm ein„segens- reicher Zwang", um den sozialen Frieden herzustellen. Herr Dr. Stolp empfahl dann Verwandhing der Aktien- Gesellschaften in Genossenschaftsbetriebe. Herr Oberwinder österreichischen Angedenkens konnte nicht genug gegen das Privatkapiial und für den Staatsbetrieb sein.„Kartell- brüder" wurden die Redner der Minderheit genannt, und es ist staunenswerth, daß sie nicht sogar zu„Juden" ge- stempelt wurden. Demgemäß erklärte sich denn auch die Mehrheit dahin,„daß die Entwickelung des herrschenden wirthschaftlichen Systems an einem Punkte angelangt sei, wo dasselbe im allgemeinen Staatsinteresse als eine öffentliche Gefahr gekennzeichnet werden muß". Verlangt wurde alsdann eine„zeitgemäße Neuordnung der Erwerbs- Verhältnisse auf Grund des unter der Leitung und Mit- Wirkung der Staatsgewalt zu organisirenden, zunächst die bedeutendsten Produktionszweige umfassenden genossenschaftlichen Betriebes".— Bei den Besitzenden werden die konservativen Herren mit diesen Vorschlägen augenblicklich wenig Glück haben, und bei den Arbeitern noch weniger, da diese die Segnungen des Betriebs des heutigen Staates zur Genüge kennen gelernt haben. Außer der Frage der internationalen Arbeitergesetz- gebung wird den Pariser Arbeiterkongreß auch die Frage der Entwaffnung oder richtiger der Abschaffung der stehenden Heere und Einführung der„allgemeinen Volksbewaffnung zur Vertheidigung der Rechte des Volks und des Vaterlands" beschäftigen. Die dänische Sozialdemokratie will dem Pariser Arbeitertag fernbleiben, wenn es nicht gelingt, die beiden Kongresse der Possibilisten und Marxisten zu verschmelzen. Ter aus der Affaire Wohlgemuth bekannte Schneider Lutz, welcher aus der Schweiz ausgewiesen worden ist, hat am 1. d. M. Abends das schweizerische Bundesgebiet bei Delle verlassen. Derselbe hat gleichzeitig die Erklärung abgegeben, daß er nach London zu gehen gedenke. Der Arbeiterwahlverein für Offen bürg und Um- gebung ist auf Grund des Sozialistengesetzes verboten worden. Sozialistengesetzliches. In Hamburg ist gegen Ahlhorn und Würfel Anklage wegen des vor einigen Wochen verbreiteten Flugblattes erhoben worden. Würfel befindet sich noch in Unter- suchungshaft, Ahlhorn wurde nach vierzehn Tagen freigelassen.— Der sächsische Landtagsabg. Gelier durfte am 3. Juni in Leipzig nicht sprechen.— Am 1. Jnni wurde in Berlin bei dem Zigarren- macher Bräu er gehaussucht und nichts gesimden.— Aus Leipzig wurde der Schriftsetzer Wich. Dummert ausgewiesen. Eine zum». Feiertag, nach der Tvichalle einberufene öffentliche Tchnhmachcr-Bersammlung Berlins, hat die poli- zeiliche Genehmigung nicht erhalten. sozialdemokratische Rcichötagskandidatnrcn: 17. hannöverscher Kreis(Harburg) Schuhmachermeister Gärer aus Linden bei Hannover. Obcrbaruim: Otto Thierbach in Berlin.— Krefeld: Karl Grillenberger.— Wanzleben: Julius Brenner- Magdeburg.— Riederbarnim: Rechtsanwalt Stadthagen.— Chemnitz: Max Schippel-Berlin. In seiner Dieustagsnummer bringt das Stöcker'scke „Volk" vorn einen schönen Leitartikel darüber, daß hohe Unternehmergewinne vom Uebel seien und daß von einer gewissen Höhe der Akticnverzinsung ab die Arbeiter zu bedenken sind. Zur Entschädigung dafür finden die Leser die ganze vierte Seite mit einem„Prospekt" ausge- füllt, welcher eine Aktiengesellschaft darum über den grünen Klee herausstreicht, weil hier— neben fetten Tantiemen an Vorstandsmitglieder, Beamte und Aufsichtsrath— auf drei Jahre mindestens 10 Prozent Dividende garantirt sind. Armes„Volk"! „Wir kennen fast jedes Telegramm, welches die aus- ländischen Regierungen aussenden",— so soll der Wirkl. Geh. Obcrregicrungsrath und vortragende Rath der Reichskanzlei, Dr. v. Rottenburg zu Herrn Stcinkopff, dem Besitzer der„St. James Gazette" geäußert haben. Die Sftche_ kam kürzlich in einem englischen journalistischen Skandalprozeß zur Sprache und ist zweifellos für die internationale Diplomatenzunft sehr bezeichnend. " Quittung. Transport Mt. 132,63 Dreizehn Maler, A. S. 10, Berlin 10, 3,00 H. B. Görlit 27,50 „ Ethischer Klub" 8,76 Klaar, Dresden 5, P. in Berlin 17,40 5,35 50, 5. " " " Gegen die Berliner Volkszeitung" ist eine neue| für Ueberzeitarbeit, 15 pCt. Aufschlag für Affordarbeit und für Anklage erhoben worden und zwar weil die ganz farblosen solche Arbeiter, die schon 18 Mt. pro Woche verdienen, und AbMr. Blätter Arbeitsmarkt" und" Zukunft" die Fortsetzung des damals schaffung der Entlassungsscheine. Hilfe thut Noth! Vor allem haltet Rest vom 1. Juni 23,18 noch verbotenen, ursprünglichen Blattes gewesen seien! Beide wurden den Zuzug fern. Sendungen sind zu richten an Weihkopf, Weber- V. F. Görliz. damals ja auch unterdrückt und wie man sich erinnern wird, erklärte| straße 10( Tischlerherberge). Buchdrucker P. Die Metallarbeiter Berlins fordern zu Sammlugen Fabrik, Eisenbahnstr. 5 4,10 der Kriminalkommissar v. Tausch, daß die Druckerei der VolksZeitung" Tag und Nacht von Schuhleuten besetzt gehalten werden für ihre Vertretung zum internationalen Kongreß in Pianofabrik Jaschinsky. 13, würde, sobald noch ein dritter Versuch erfolge, eine„ politische" Paris auf. Zur Entgegennahme von freiwilligen Bei- G. Hopp, Charlottenburg 24, Zeitung dort herzustellen. Auf die Frage, was er unter einem trägen sind bereit die Commissionsmitglieder: Tischler und Schlosserpolitischen Organ verstände, erklärte, wie jetzt die Volkszeitung Werkstelle, Moabit, erzählt, Herr v. Tausch:" Was nicht Inserat ist, ist Politik". Dreysestr. 3. Eine derartige Anschauungsweise mag für die Polizei genügen, das Buchbinder Hannovers Gericht wird hoffentlich etwas anspruchsvoller sein. Nowawes. Am Freitag, den 7. Juni fand in Nowawes die konstituirende Versammlung zum Arbeiterwahlverein statt. Die Zahl der vorläufig eingezeichneten Mitglieder beträgt 60. Summa Mt. 201,29 Richard Wendler, Reinickendorferstr. 29, Reinicke, Grünthalerstr. 66, Abgeliefert 3. Juni Mt. 77, Fahrenwald, Dieffenbachstr. 72. 100, Denaturirter Spiritus. Die Berliner Kommission, welche Summa Mt. 132,63 Rest Mt. 24,29 in dieser Angelegenheit eine Petition an den Reichstag ausarbeiten Weitere Sendungen find wegen der herrschenden Noth dringend soll, hat beschlossen, sämmtliche interessirenden Orts- resp. Hilfs= tassen zu ersuchen: Erhebungen in ihren Kassen veranlassen zu nöthig und zu richten an die„ Expedition", Berlin SO., OranienStettin, den 3. Juni. Zwei gut besuchte sozialdemokratische wollen, inwieweit diese durch das jezige Denaturirungsverfahren straße 23. Wählerversammlungen fanden am 25. v. M. in Stettin und am des Spiritus in Mitleidenschaft gezogen werden." Ferner ersuchen 26. in Greifenhagen statt. In der ersteren wurde ein Wahlverein gegründet und ein provisorischer Vorstand gewählt. Zu NeichstagsKandidaten wurden einstimmig gewählt: für Stettin Fris Herbert, für Randow- Greifenhagen Stargard der Former A. Körsten Berlin. Am Sonntag, den 26. war eine große Anzahl Stettiner Genossen per Dampfschiff nach Greifenhagen gefahren, um den ausgewiesenen Freund Herbert wieder einmal zu begrüßen. Cottbus. Im Verein zur Erzielung volksthümlicher Wahlen sprach Sonntag, den 2. Juni, Herr Th. Glocke aus Berlin über " Die Wahlen und die Arbeiterbewegung". Nach dem Referat wurde der bei Verhängung des Belagerungszustandes über Spremberg seinerzeit ausgewiesene Schlosser Ernst Breil, jest in Hagen in Westfalen wohnhaft, zum Kandidaten der Sozialdemokraten für den Kreis Cottbus- Spremberg nominirt. Gewerkschaftliches, Versammlungen. Briefkasten. Arbeiterbibliothek. Wir bitten immer wir den geehrten Vorstand, uns mittheilen zu wollen, in welchem Maßstabe die Krankheiten, wie z. B. Hautausschläge, Magenbeschwerden und vorzüglich Augenkrankheiten gegen früher( vor der Denaturirung) sich gestaltet haben. Im Interesse der guten Sache hoffen wir, daß alle Betheiligten gerne unseren Wunsch erfüllen genau anzugeben, wieviel Hefte und von welcher Nummer. Mit einer Bestellung: ,, ich bitte um 9 Hefte" werden. J. A.: Emil Schade, Gubenstr. 61. Die Streiffommission der Steinmetzen bittet jeden oder ,, ich bitte nm Heft 4", ist natürlich gar nichts anInhaber von Sammellisten, dieselben umgehend nach der Scharn- zufangen. Wir bitten, bei allen Geldsendungen genau anzuhorst- und Boyenstraßen- Ecke bei Herrn Schade einsenden zu woller. y Mark Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner geben: x Mark für Volkstribüne, Monat. Reichstagswahlkreises. Am 2. Pfingstfeiertag findet eine für Arbeiterbibliothek Heft.... Landparthie mit Familie nach Waidmannsluft statt.- Abfahrt vom Stettiner Bahnhof Morgens 6 Uhr 5 Min. und 7 Uhr 23 Min. mit Arbeiterbillets vom Gesundbrunnen und Stettiner Bahnhof. Von 12 Uhr an mit gewöhnlichen Billets. Um recht rege Betheiligung wird ersucht. Verein zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter 2c. Versammlung am Sonnabend, den 8. Juni, Abends Braunschweig, den 3. Juni. Hier legten 296 Tischler die 82 Uhr, in den Gratweil'schen Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Arbeit nieder( davon sind 153 verheirathet mit 223 Kinder und Landparthie der Schuhmacher, am 2. Feiertag, nach 143 ledig) wegen Ablehnung ihrer Forderungen. Hauptforderungen: Waidmannslust. Abfahrt Stettiner Bahnhof früh 7 Uhr 23 Min. 91/2 stündige Arbeitszeit, 32 Pf. Minimallohn, 25 pCt. Aufschlag Arbeiterbillets bis 12 Uhr. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher Zimmerleute Berlins und der Umgegend Dienstag( 3. Feiertag), den 11. Juni, Vormittags 10 Uhr, in der Tonhalle, Friedrichstraße 112. Tagesordnung: Die Lage des Streiks und weitere Stellung zu demselben. Die Beauftragten. Postabonnent. Wir liefern die gesammte Postauflage Freitag Nachmittag gleichzeitig zur Zeitungspost in Berlin. Bei jeder Verzögerung in der Bestellung hat man sich sofort bei der Postanstalt des betr. Ortes zu beschweren. Ehe hier ein Bescheid erfolgt ist, können wir nichts thun. In den meisten Städten Deutschlands muß die„ Bolfstribüne" bereits Sonnabend morgens eingetroffen sein. Steinmetz. Der Berliner Steinmetzenstreit ist beendet, der Fachverein aber aufrecht erhalten. Hoffentlich gelingt der deutsche Kongreß in bester Weise. München. Bei den Hilfskassen kann das ruhig geschehen. Große öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung Mittwoch, den 12. Juni, Abends 8½ Uhr, im Grand Hotel Alexanderplatz( Eingang: Neue Königstraße). Tagesordnung: 1. Sollen die Arbeiterinnen auf dem internationalen Arbeiterkongreß zu Paris unvertreten bleiben? 2. Diskussion. 3. Wahl einer Delegirten. Männer als Gäste haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Möbel, Spiegel- u. Volfterwaaren- Magazin von Julius Apelt, Sebastianstraße 27-28. Reelle Waare. Prompte Bedienung. [ 47 Cigarren-, Tabak und Cigarretten Schuh- und Stiefelwaarenlager von G. Freiwaldt, vorm. W. Liefländer, 9. Wienerstrasse 9. Arbeitsnachweis der Maler früher Ritterstr. 123 bei Sodtke, jezt Dresdenerstr. 116( Restaurant Wendt). Jeden Abend von 8-9 Uhr( außer Sonnabend) und Sonntags Vormittag von 10-12 Uhr un= entgeltliche Arbeitsvermittelung. Die Bevollmächtigten der Filiale I, Der Arbeitsnachweis der klavierarbeiter befindet sich nach wie vor Waldemarstr. 61 im Restaurant Zilm, vorm. Pfister. Die Adressen= ausaabe finder jeden Abend von 8-91/ 2 Uhr und Sonntage Vormittags von 10-11 Uhr unentgeltlic ſtatt. Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler begründete Arbeitsnachweis befindet sich vom 1. Februar ab Dresdenerstraße 116, im Restaurant Wendt. Die Arbeitsvermitte lung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder des Vereins) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 8 bis 9/2 Uhr Abends, Sonntage von 9 bis 11 Uhr Vormittags. Da sich die vier Kassirer der Ortskrankenkasse der Tischler und Pianofortearbeiter Berlins" verpflichtet haben, fich ihrerseits jeder Adressenausgabe zu enthalten, ersuchen wir, nur den obengenannten Ar beitsnachweis zu benußen. Der Vorstand. Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer Berlins. Der Arbeitsnachweis befindet sich Dresdenerstraße 116 bei Wendt. Die Arbeitszuweisung ist unentgeltlich, auch Nichtvereinsmitglieder und geschieht an Wochentagen von 7-9 Uhr Abends, Sonntags von 10 bis 12 Uhr Vormittags. an Quittungsmarken& RASTE Kautschukstempel- Fabrik der EUER Fallenhauer von [ 46 Conrad Müller Schkeuditz- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeitervereinen, Krankenkassen u. f. w. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. bon Klinger und Grossmann, Waldemarstraße 68a( früher Trainkaserne). Deutsche Allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung Berlin 1889 im Landesausstellungspark, am Lehrter Bahnhof. Täglich: Grosses Doppel- Concert. Geöffnet von 10 Uhr Vormittags ab. Eintrittspreis 50 Pfg. Freitags bis 6 Uhr Abends 1 Mark. An Sonn- u. Feiertagen wird die Ausstellung um 8 Uhr früh eröffnet. Die Theatervorstellungen finden um 6, 7% und 9 Uhr Abends statt und dauern ca. eine halbe Stunde. Preise: 1 Sitzplatz oder 1 Kulissenplatz 1 Mark, 1 Stehplatz 50 Pf. Brauerei im Betriebe. Täglich Tauchervorstellung, Bergwerk, Gefrierschacht. Die von Mitgliedern des Fachvereins gegründete Produktiv- und Rohstoff- Genossenschaft der Schneider zu Berlin( E. G.) 30 Zimmerstrasse 30 empfiehlt sich einem geehrten Publikum zur Anfertigung von Herren- Garderoben jeder Art. Reichliche Auswahl in- und ausländischer Stoffe. Reelle Bedienung, guten Sib, solide Preise garantirt der Vorstand. Gleichzeitig machen wir auf unser reichhaltiges Lager: Frühjahr- und Sommerpaletots, aufmerksam. Um zu räumen herabgesetzte Preise! [ 48 Bebel u. Liebknecht auf einem Bilde. Preis 50 Pf. Wiederverkäufern Rabatt. Zu haben bei R. Kohlhardt, Brandenburgstr. 56. Cigarren u.Tabake reichhaltiges Lager, empfiehlt M. Wilschke, [ 39 Junkerstr. 1, Ecke d. Markgrafenstr. Wendt's Restaurant Dresdenerstraße 116. Inh. W. Gründel. Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schlosser, Buchbinder, Drechsler, Töpfer, Möbelpolirer und Sattler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags- und Abendtisch. Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sol. Preise. Borzügliches Weiß- und Bairisch Bier. 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager bon O. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Daselbst Zahlstelle der Gürtler u.Bronceure( E.H.60.) Empfehle allen Freunden und Bekannten meine Glaserei, Spiegel- und Bildereinrahmung. Lager fertiger Rahmen in allen Größen. 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