Berliner Volks- Tribüne. Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Bolts- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. " STAL Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 ẞfg. pränumerando( frei ins Haus). - Einzelne Nummer 15 fg. Durch jede Boft- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis viertel jährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. № 30. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 fg. Arbeitsmarkt: 10 Bfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 27. Juli 1889. Ausgabe für Spediteure: Merkur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Die internationalen Arbeitertage in Paris. II. Die Pariser internationale Bergarbeiterkonferenz. Die internationalen Arbeitertage in Paris. Die Bergarbeiterkonferenz in Paris. Hausindustrie. III. Die Ihm tritt mit ganzer Entschiedenheit Tressaud- Frankreich| lieren, wendet sich die Sozialdemokratie praktischen Zielen zu, statt Die entgegen, der beantragt, von jedem Vereinigungsvorschlag abzusehen. eine etwaige Zukunftsorganisation als unmittelbar erreichbar zu erEr verwahrt sich entschieden dagegen, daß der Kongreß die fran- örtern. zösischen Mitglieder dieses Kongresses zu einer Vereinigung mit Aus diesen Rücksichten folgt, daß die deutsche Sozialdemokratie den Poffibilisten zu zwingen versuche. So wenig man die deutschen Sozialdemokraten würde zwingen können, sich mit den amtlichen schon seit lange für eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebung eingePolizeisozialisten in ihrer Heimath zu vereinigen, so wenig treten ist. Sie hat es damit erreicht, daß heut kein einigermaßen fönne man von den hier vertretenen französischen Sozialisten eine Vereinigung mit den Possibilisten verlangen. Er stellt den Antrag, flarer Politiker oder Parteimann es mehr wagt, die Nothwendigkeit über jeden weiteren Vermittelungsvorschlag zur Tages- Ordnung einer Arbeiterschuß- Gesetzgebung ganz in Abrede zu stellen. Die fozialdemokratische Presse und die sozialdemokratische Organisation überzugehen. Die Debatte bewegt sich zumeist in den bisher angedeuteten haben diesen Fortschritt bewirkt. Grenzen, bis von dem holländischen Abgeordneten Niuwenhuis ein Antrag gestellt wird, der als eine Einigung„ um jeden Preis" aufgefaßt werden kann. Gedicht. Novelle von Strindberg. Sünden der Presse. I.- Das Tabaksmonopol in Frankreich. Arbeiterschuh in Belgien. Trucksystem in Holland. Kautionen und Lohnzahlung. Zunahme der Kinderarbeit in Deutschland. Die deutsche ultramontane Presse. An alle Arbeiter und Parteigenoffen richten wir wiederholt die wahlen betheiligt, so geschieht das der hohen agitatorischen Wirkung Wenn sich die deutsche Sozialdemokratie an den Reichstags= bermehren. Es wird zwar ein Schluß der Debatte angenommen, die wegen, die durch dieselben zu erzielen sind. Die Wahlen haben Aufforderung, unermüdlich neue Abonnenten für unser Debatte wird aber unter der Form, daß jeder Antragsteller über viel dazu beigetragen, die Zahl der Sozialisten in Deutschland zu seinen Antrag reden darf, wieder aufgenommen, und auch der fernere Beschluß, daß jeder Nebus nur fünf Minuten reden darf, wird vom Bureau nicht angewendet, als der holländische Abgeordnete zur Begründung seines Antrages spricht. Blatt zu werben. Die nächsten Monate werden wesentlich eine Vorbereitungszeit für die nächsten Reichstagswahlen bilden, deren ungeheure Wichtigkeit jedem Parteiangehörigen sofort klar sein muß, nachdem die Legislaturperioden im Reiche auf fünf Jahre verlängert wurden. Da gilt es mit doppeltem Eifer zu wirken, und wir rechnen darum auch auf die regste Mitarbeit und Unterstügung der weitesten Kreise der Partei. Um unseren Genossen die Gewinnung neuer Abonnenten zu erleichtern, werden wir Eremplare gratis zur Agitation versenden. Alle Freunde unseres Blattes, die eine bestimmte Anzahl solcher Gratis- Exemplare wünschen, bitten wir um umgehende Benachrichtigung durch Postkarte. Die Vertheilung empfiehlt sich besonders in Vereinen und Versammlungen. Der Verlag der Berliner Volks- Tribüne". Berlin S. O., Oranienstr. 23. Nach dieser Kennzeichnung des Standpunktes der deutschen Sozialdemokratie sfizzirt Bebel furz die Geschichte derselben: ihre Als man endlich zur Abstimmung gelangt, die nach Na- Entwickelung bis zu den Attentaten; die Ausnutzung derselben, tionalitäten vorgenommen werden soll, entsteht die Frage nach der Reihenfolge der Anträge, die so entschieden wird, daß der, ohne um schon lange geplante Maßregeln gegen die Sozialdemokratie 3weifel die Mitte einnehmende Antrag Liebknecht zuerst zur dem bis dahin noch widerstrebenden Liberalismus abzuringen; dann Abstimmung gelangt, was wohl nicht sehr zur Nachahmung zu die erste erlahmende Wirkung des Sozialistengeseßes; das Sichempfehlen sein möchte. Der Antrag wird angenommen und das wiederfinden der deutschen Sozialdemokratie und ihr zweiter AufBureau beauftragt, nun die erforderlichen Schritte zu thun, um schwung, ihr Wachsen und Erstarken; die kleinlichen und gehässigen eine Erklärung vom Possibilistenkongreß zu erhalten. Wir haben schon mitgetheilt, daß diese ganze Mühe umsonst war. Die Possibilisten wollten nicht Versöhnung sondern Unterwerfung. Sie verlangten nach wie vor das Recht, die Mandate der Abgeordneten unseres Kongresses nachprüfen zu dürfen, wodurch bezweckt werden sollte, die Franzosen unseres Kongresses zu beseitigen.*) Ueber eine nochmalige Vorstellung seitens unseres Bureaus gingen sie in schnödester Form zur Tagesordnung über. Damit haben sich die Possibilisten bestimmt und endgültig außerhalb der Reihen der Sozialdemokraten gestellt, ein Resultat, das wir nicht bedauern. Mittel, die Unterdrückungen, Austreibungen, Verbote, Versammlungsauflösungen, die ſyſtematisch organisirte Saalabtreiberei, das ausgedehnte Spionensystem, die man anwendet, und den siegreichen Triumpf der neuen Lehre über all diese Versuche, sie zu erbrücken. Nach mehr als zehnjährigem Bestehen des Sozialistengesetzes sind die Verhältnisse für die Sozialdemokratie heut besser als vor Grlaß des Gesezes. Die Polizei erlahmt bei der nuglosen Arbeit, gewachsen. Im nächsten Wahlkampf werden wir mit Massen auftreten, die vielleicht manchen von uns selber in Erstaunen setzen wir haben es gelernt, uns einzurichten. Erbitterung und Haß sind werden. Die Arbeitseinstellungen sind ein Zeichen der wachsenden Unzufriedenheit der Arbeiter, fie fördern freilich sehr erheblich die Ziele der Sozialdemokratie, wenn es auch mindestens als„ Mißverständniß" bezeichnet werden muß, zu behaupten, die Sozialdemokratie mache die Ausstände. Internationaler Kongreß der sozialistischen Arbeiter zu Paris 1889. Vierte Sizung. Dienstag, den 16. Juli. Fünfte Sizung. Mittwoch Morgens. Diese Sigung, die am Vormittag 10/4 Uhr begann Die sehr schwach besuchte Sizung wird um 104 Uhr und bis 3 Uhr Nachmittags währte, tann die Sigung eröffnet. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten Wiederholte Anträge im Reichstag aus anderen Parteien auf der verlorenen Worte" genannt werden. wird zur Berichterstattung der Delegirten der ver- einen gewissen Arbeiterschutz, die vom Reichstag fast einstimmig anNach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten schiedenen Nationalitäten und einzelner Arbeiterkorporationen genommen wurden, zeigten, daß man in allen Parlamenten wenigwurde die Frage zur Besprewoung gestellt, auf welchem übergegangen. stens sich den Anschein geben muß, die Wünsche der Arbeiter zu Wege eine Vereinigung der beiden gleichzeitig Diese Berichterstattung dehnt sich über fünf volle beachten. Der Umstand, daß dabei für die Arbeiter nichts Wesenttagenden Kongresse erreicht werden könne. Sigungen aus und bringt in den Hauptsachen nur Angaben fiches herausgekommen ist, ist der Entwickelung unseres Gedankens Die Besprechung eröffnete der Abgeordnete Volders- Belgien. hervor, die nichts Besonderes, den Lesern unseres Blattes, sehr nüßlich gewesen. Er meint, eine Vereinigung müsse um jeden Preis" hergestellt das der Entwickelung der sozialdemokratischen Bewegung Der Hauptträger dieses Widerstandes gegen die Ansprüche der werden. Die Stimmung jämmtlicher auswärtigen Abgeordneten in den nicht deutschen Ländern die gebührende und durchaus Arbeiter und der Hauptgegner derselben ist ohne Zweifel Bismarck. hält er der Vereinigung für günstig und beantragt daher Ab- nothwendige Aufmerksamkeit erzeigt hat, Unbekanntes zuj stimmung nach Nationalitäten, weil er annimmt, die Franzosen würden sonst durch ihre Zahl die Abstimmung beeinflussen. Sollte Tage gebracht hat. werden. Ausführung an. 1 In der Bourgeoisie fängt sich der hoffnungslose Zustand, die Ansicht, daß es so nicht mehr weiter geht, an, immer weiter zu verbreiten. Die Herstellung und der Wettbewerb haben Ausdehnung und Formen angenommen, die von sich selbst heraus die Ver= nichtung der Bourgeoisie herbeiführen. Daß man den Antrag des Schweizerischen Bundesrathes auf internationale Regelung des Arbeiterschutzes nicht unbedingt ablehnt wie früher, sondern ihn wenigstens in Betracht zu ziehen die sozialdemokratischen Gedankens und seiner Macht. Miene mache, ist ein Zeichen von dem siegreichen Fortschreiten des dennoch eine Vereinigung nicht zu erzielen sein, so soll in dem Jahr Wir können also, gerade gestüßt auf den Umstand, 1890 oder 1891 ein gemeinsamer Kongreß nach Belgien berufen daß wir unsere Leser mit dem, was in anderen Ländern Der Italiener Cipriani schließt sich im Allgemeinen dieser vorgeht, stets auf dem Laufenden hielten, über diesen sehr langen Theil der Kongreßverhandlungen jezt kurz hinweg-| Es folgen nun eine große Zahl Redner, die alle für die Eini- gehen. gung eintreten und den besten Willen für dieselbe befunden. Auch Den Neigen begann Bebel für Deutschland. Lafargue Frankreich vertritt die Ansicht, daß eine Vereinigung zu erreichen sei, und meint, dieser fortgeschrittene Stongreß möge zur die Ansichten der Arbeiter und Sozialisten über die Stärke der Er eröffnete die Auseinandersezung mit der Bemerkung, daß Bereinigung den ersten Schritt thun. Unter sehr lebhafter Zustimmung der französischen Abgeordneten heutigen bürgerlichen Gesellschaft sich sehr geändert haben. erklärt jedoch der französische Abgeordnete Duprès die Vereinigung Wenigstens die deutsche Sozialdemokratie ist davon abgegangen, für unmöglich, da die beiden hiesigen Parteien nicht diefelben den schnellen Zusammenbruch der heutigen Wirthschaftsweise in Grundsäße haben. Nach dieser bedeutenden Rede, die ohne Zweifel als Der deutsche Abgeordnete Liebknecht sagt, daß er einer Ver- Aussicht zu nehmen und sucht sich daher auf dem Boden der heutigen das Hervorragendste zu bezeichnen ist, was auf diesem einigung„ um jeden Preis" nicht zustimmen fönne. Sie könne nur Ordnung einzurichten. Ohne ihr Endziel aus den Augen zu ver- Kongreß vorgebracht wurde, und nachdem Bebel noch eine geschlossen werden, wenn sie in möglicher und annehmbarer Form an uns herantrete. Er theilt dann die Vorgeschichte des Kongresses*) Hier stehen die Berichte von beiden Kongressen mit einan- auf den Arbeiterschuß bezügliche Resolution gefaßt und mit, die unsern Lesern bekannt ist. Liebknecht stellt eine Resolution der in Widerspruch. Nach dem possibilistischen Protokoll verlangte erläutert hatte, schloß die Sigung. zur Besprechung, die den Wunsch nach Einigung ausspricht, und man auf der andern Seite: Prüfung der Mandate durch die einden anderen Kongreß ersucht, nun seinerseits die Anbahnung des zelnen Nationen, bei Vergewaltigung Einzelner sollte aber BeruFriedens durch Vermittelungsvorschläge zu bekunden. fung an den Gesammtkongreß offen stehen. Red. d. V.-T. Dies alles muß uns ermuthigen. Wir werden den alten Kampf mit den alten Waffen fortsetzen. urtheilt. Sechste Sißung. Mittwoch Abends. hörte zum Föderal- Rath der französischen Gruppe der internatio- vorzüglich in dem Singen von Liedern Ausdruck fand; nalen Arbeiter- Assoziation. Gleich bei Ausbruch des Kommune- auch tanzte man mit Leidenschaft. Zeitweilig auch Aus dieser Sigung sind besonders die Berichte des aufstandes im Jahre 1871 ſtand Frankel an der Spize der Be- brachten große Gruppen donnernde Hochrufe auf die Ruffen Lawroff und des Franzosen Jules Guesde wegung. Er wurde mit Vaillant u. A. in die Kommune- Regierung brachten große Gruppen donnernde Hochrufe auf die hervorzuheben. berufen und hat in hervorragender Weise an den Schlachten gegen Kommune und die soziale Revolution aus. die Versailler theilgenommen. Frgend welche Störung ist nicht vorgefallen, und der Letterer sagte u. a.: Es kann keine deutsche und keine Nachdem die Kommune niedergeworfen, gelang es Frankel, obfranzöfifche Sozialdemokratie geben, uns alle vereinigt ein wohl am Arm schwer verwundet, nach Genf zu entkommen.' In- Gemeinderath von Paris wird sich zu seinem Erfolge, den Programm. Sein Ausspruch: Keine Bourgeoisie sei so zwischen wurde er in Paris, da er den Befehl zur Inbrandseßung er sich von dieser wohlgelungenen Kundgebung versprechen elend und so ungerecht gegen die Arbeiter wie die franzöfi- des Louvre gegeben haben sollte, in contumaciam zum Tode ver- mag, im voraus beglückwünscht haben. Bemerkt sei, daß die bekannteren deutschen Delegirten, sche, giebt zu lebhaften Protestationen Veranlassung. Ein Im Jahre 1872 erschien Frankel mit mehreren anderen Kom- namentlich Bebel, Liebknecht, v. Vollmar u. a. bei ihrem großer Theil der später sprechenden Redner nimmt jeder munemitgliedern auf dem Kongreß der Internationalen Arbeiterfür sein Land den Vorzug" in Anspruch, die elendeste Assoziation im Haag, und da er die deutsche, französische, englische Erscheinen durch die Kommission des Gemeinderaths mit und gemeinste Bourgeoisie zu haben. Aus diesem Wett- und ungarische Sprache vollständig beherrschte, so wurde er zum besonderen Begrüßungsansprachen empfangen wurden; überhaupt sind die deutschen Delegirten hier ganz allgemein ftreit ergab sich zur Genüge, daß die Zustände der Arbeiter Im Jahre 1878 tauchte er in Wien als Sprachlehrer auf. mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit behandelt und ausges und die Eigenschaften der Bourgeoisie ziemlich überall die Obwohl er in einer Vorstadt Wiens, gänzlich zurückgezogen, unter fremdem Namen lebte und sich durch Ertheilung von Sprachunter- zeichnet worden. ( Voff. 3tg.) gleichen sind. Tages plöglich verhaftet. Man war in Desterreich Willens, ihn Beitung" hervor, wonach Anseele mit 16 000 Franks Arbeiterricht seinen Lebensunterhalt verschaffte, so wurde er doch eines Große Heiterfeit rief heute eine Depesche der Frankfurter an die französische Regierung auszuliefern. Allein auf Veranlassung geldern spurlos aus Brüssel verschwunden sein soll. Anseele befindet seines Vaters, der in Budapest ein vielgesuchter und geachteter fich nämlich auf dem Kongreß. Arzt und Stadtverordneter ist, intervenirte die ungarische ReGuesde giebt dann eine Schilderung der hiesigen Zustände innerhalb der Arbeiterbewegung, die unseren Lesern bekannt sind.*) Sie bente Sigung. Donnerstag Morgens. Die Sigung wird um 10 Uhr eröffnet. W. Morris- England nimmt die Gelegenheit, die Zustände der Arbeiterbewegung in seinem Vaterlande zu erläutern. Er wie alle folgenden Redner stellen fest, daß überall ein Fortschreiten der Sozialdemokratie in der bewußten Form zu verzeichnen ist. Dolmetscher ernannt. schließlich nach längerer diplomatischer Verhandlung nach Ungarn gierung. Da Frankel ungarischer Unterthan, so wurde er auch Aus einer im Sizungssaal rasch angestellten Statistik ist noch ausgeliefert. Nachdem er in Budapest noch eine Zeit lang im mitzutheilen, daß Bebel 1700 Tage, Liebknecht 2000 Tage, Gefängniß zugebracht, wurde er, ohne daß eine Anklage gegen Frohme 1534 Tage, der hessische Landtagsabgeordnete Ulrich 699 ihn erhoben worden wäre, in Freiheit gesetzt. Seit dieser Zeit Tage wegen sozialistischer Vergehen im Gefängniß zugebracht haben. lebt Frankel in Budapest als Redakteur der„ Budapester Arbeiter- Mit wenigen Ausnahmen sind alle deutsche Delegirte wegen poliWochen- Chronik". tischer Vergehen mit Gefängniß bestraft. Freitag, 19. Juli. Dr. Adler- Desterreich weist besonders auf die Vor Eintritt in die Tagesordnung bemerkte der AbSchwierigkeiten hin, mit welchen die Sozialdemokratie in geordnete Bebel: Es drängen sich an die deutschen DeleDefterreich zu kämpfen hat, wo neben einer sehr liberalen girten dunkle Gestalten" heran, um dieselben zu Gesetzgebung die ganz absolute Polizeiwillkür herrscht, die Majestätsbeleidigungen u. f. w. anzureizen. Er halte es alle gesetzlichen Freiheiten vernichtet. Der Nationalitäts- für nothwendig, dies hier öffentlich zur Sprache zu bringen hader, der die Bourgeoisie zerfleischt, ist unter den Arbei- und die Genossen aufzufordern, sich diese Burschen in getern nicht vorhanden. Volders Belgien schildert die Rolle, welche die Produktiv- Genossenschaften in Belgien spielen. Er sieht in denselben ein Mittel, die Arbeiter, die auf sehr niedriger politischer Entwickelung stehen, zusammen zu halten.(?) Achte Sißung. Donnerstag Nachmittags. Eröffnung der Sißung um 4 Uhr. Es werden die Zustände in der Schweiz erörtert, dann folgen Amerika, Rumänien, Ungarn u. s. w. 99 Unter den Delegirten der anderen Nationen sind die Strafen noch höhere. Verschiedene sind in ihrer Heimath zum Tode verurtheilt und haben sich durch Flucht oder andere glückliche Umstände dem drohenden Verhängniß entzogen. Cipriani( Italien) ist zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt, da er aber Abgeord= neter ist, so fann er nicht eingesperrt werden. Sonntag, 21. Juli. Nachträglich ist noch mitzutheilen, daß die Anarchisten be schloffen hatten, den Kongreß noch in letzter Stunde gewaltsam zu sprengen. Sie erschienen Abends etwa 100 Mann stark und stürmten eigneter Weise vom Leibe zu halten.( Lebhafter Beifall.) mit dem Rufe:" Vive l'anarchisme"( es lebe der Anarchismus!) in den Saal. Allein sie kamen gerade, als der Vorsitzende den Erwähnenswerth ist noch, daß jede Nation gewisser- Kongreß für geschlossen erklärte, die Hochrufe der Anarchisten ver= maßen eine eigene Gruppe im Saale bildet. Auf Schildern, mischten sich daher mit den Hochrufen der Kongreßmitglieder. die an den Säulen angebracht sind, ist der Name des betreffenden Landes verzeichnet. So befindet sich z. B. über Der Riesenkranz, den die deutschen Delegirten der deutschen Gruppe ein Schild mit den Worten: Parti heute auf das auf dem Friedhofe Père Lachaise befindliche ouvrier socialiste de l'Allemagne"( Sozialistische Arbeiter- Massengrab der 1871 gefallenen Communards niederpartei Deutschlands). legten, bestand aus rothen Immortellen. Der Kranz hatte Herr Lentz schilderte lebhaft die Mißstände des Pariser den Umfang eines großen Mühlrades. und wurde abKellnergewerbes. wechselnd von je 16 Mann getragen. Auf einer großen Der Holländer Delegirte schildert besonders die Statt selbst bezahlt zu werden, müßten die Kellner die Wirthe schwarzen Atlasschleife prangte in goldenen Lettern die schädlichen Wirkungen des Schwißmeister- Systems. Die noch bezahlen und sich auf die Trinkgeldalmosen der Gäste an- Inschrift: Die noch bezahlen und sich auf die Trinkgeldalmosen der Gäste an- Inschrift: Congrès international ouvrier socialiste de Arbeiter stehen noch im Banne der ,, radikalen" Bourgeoisie weisen lassen. fangen aber an, sich frei zu machen. Ihre tägliche Arbeitszeit betrage 18-19 Stunden, und sie Paris, 20. Juillet 1889."( Der Pariser internationale befänden fich den Wirthen gegenüber thatsächlich in einer Art Arbeiterkongreß, 20. Juli 1889.) In einer langen Reihe Hörigkeitsverhältniß. Dazu würden sie auf das Schamloseste von von Ansprachen von den Vertretern aller Nationen wurde den Stellenvermittlungsinstituten ausgebeutet, die bis zu 120 Franken das Andenken der für die Sache des Proletariats Ge-für eine Stelle verlangten und erhielten, welche sich hinterher als fallenen" gefeiert. miserabel erweise. Man habe sich an den Stadtrath gewandt und dort Sympathie gefunden, aber bei der großen Zahl von 80 000 Bariser Kellnern habe das unter Beihilfe von einigen Gemeinderäthen gebildete neue Sellner- Syndikat noch wenig Erfolg zu verzeichnen. Neunte Sißung. Freitag Vormittag. Es sind als hervorragende Berichte die der Delegirten Dupont und Lenz über die Lage der Matrosen und der Kellner und der Frau Zetkin über die Lage der Arbeiterinnen hervorzuheben. Redner schloß mit der Erklärung, daß seine Berufsgenossen, die ihn belegirten, sich mit dem internationalen Sozialismus solidarisch erklärt hätten. Liebknecht hatte vorher am Grabe Ludwig Börne's eine kurze Ansprache gehalten, in welcher er das Andenken dieses Märtyrers der Freiheit und des Kosmopolitismus" Frau Zetkin jagt, es sei ihr unbegreiflich, wie man für feierte. Alsdann wurde von den deutschen Delegirten ein ,, Abschaffung" der Frauenarbeit eintreten könne, das wäre in gleiche prächtiger Kranz auf das Grab Börnes niedergelegt. Reihe zu stellen mit dem Verlangen, die Maschinen zu zerstören. Nachdem die Delegirten noch das Grab Blanquis Wenn der Kleinbetrieb die Frau auf die produktive Thätigkeit in aufgesucht hatten, begaben sie sich nach dem Friedhofe. Ueber die Mißstände im Schifferberuf äußerte Montmartre. Hoffmann( Halle a./S.) legte hier im der Familie verweise, so hat die Großindustrie und die Maschinen naturnothwendig die Frau in die Fabrik geführt. Die Fabrik Dupont u. a.: Das Fortbestehen der gefeßlich abge- Namen der deutschen Sozialdemokraten einen schönen liefert die Arbeit, die die Frau früher im Hause leistete und leisten schafften Prügelstrafe auf den Schiffen, die heute immer großen Kranz auf das Grab von Heinrich Heine nieder, mußte, billiger. Die Konkurrenz zwischen der Männerarbeit und noch Strafanstalten gleichen, sei unleugbar. Er stellte Der Kranz trug auf einer weißen Atlasschleife mit golder Frauenarbeit ist nicht mehr durch Beseitigungsversuche der folgende Forderungen der Seeleute auf: 1) Lohn 3-4 denen Lettern die Inschrift:„ Au Henri Heine les soTetzteren zu entscheiden, sondern durch vollständige Gleich- Franken täglich; 2) nicht über 12 Stunden tägliche Be- cialistes allemands. Hoffmann stellung der Frau und der Frauenarbeit mit den Männern schäftigung; 3) ein freier Tag in der Woche; 4) menschen- wies auf die Verdienste hin, die sich Heine um die Sache abzustellen. Hilfe, gründliche Hilfe, kann auch hier nur der würdigere Beköſtigung und 5) thatsächliche Abschaffung des Proletariats erworben habe. sozialistische Staat bringen. Zehnte Sigung. Sonnabend früh. Es werden Berichte der Delegirten Keir HardySchottland, Kloß- Deutschland, Lefère- Amerika entgegen genommen. Dann spricht Frau Ihrer- Deutschland über die Frage der Frauenorganisation. der Prügelstrafe. Der Kongreß beschloß einmüthig, Dupont's Bericht als Flugblatt drucken und in den Häfen aller feefahrenden Nationen verbreiten zu lassen. 21. Juillet 1889." Resolutionen. In Erwägung, daß die kapitalistische Produktion in rascher Entwicklung nach und nach alle Länder der Welt erfaßt; in Erwägung, daß die kapitalistische Produktionsweise die Sonnabend, 20. Juli. steigende Ausbeutung der Arbeiterklasse bedeutet, Was den vereinigten Anstrengungen der belgischen, daß die immer intensivere Ausbeutung die soziale und holländischen, italienischen und dänischen Vertreterschaften politische Unterdrückung und Versklavung der Arbeiterklasse nicht gelungen war, das brachte, in seiner Art, der zur Folge hat, zu ihrer physischen und moralischen Degeneration führt, Pariser Gemeinderath zu Stande: er empfing und vereinigte gestern Abend in den prunkvollen Räumen des Stadthauses die Mitglieder beider Kongresse, denen er mit freigiebiger Gastfreundlichkeit in reicher Fülle seinen Ehrenwein( Vin d'honneur) fredenzte. Elfte Sißung. Sonnabend Nachmittag. Die Berichterstattung wird vollendet, um dann in die Abstimmung über die eingegangenen Resolutionen einzutreten. Es werden eine Reihe der Resolutionen über den Arbeiterschuß angenommen, die sich gegenseitig unter- Da waren sie denn alle unter einem Dache, die ftüßen und ergänzen. Sie sollen alle zusammen vom tausend possibilistischen und marristischen Abgesandten des Bureau zusammengetragen und redigirt werden. Wir internationalen Proletariats, konservative, liberale und bringen sie weiter unten im Zusammenhang. Weitere Mittheilungen vom Kongrek. Donnerstag, 18. Juli. Ueber den ungarischen Delegirten Leo Frankel- Pefth, ehemals Mitglied der Kommuneregierung, der heute über Ungarn referirte, schreibt man Berliner Blättern: sozialistische Gewerkschafter, parlamentarische und revolutionäre Sozialisten, kommunistische und individualistische Anarchisten: die englischen Gewerkvereinsführer Eveleigh ( konservativ), Fenwick( liberal) und Keir Hardie( Sozialist); die Sozialdemokraten Bebel, Liebknecht, Hyndman, John Burns, Dr. Adler, Anseele, Costa, Cipriani; die revolutionären" Sozialisten William Morris, Domela Niuwenhuis, Lawroff, Frau Guillaume- Schack, der Anarchist Frankel, ein Mann von etwa 40 Jahren, hat das Gold- Dr. Merlino; die französischen Sozialisten aller Schattirunschmiedehandwerk erlernt und hat als Goldschmiedgehilfe den größten Theil Europas durchwandert. gen: Guesde und Brousse, Lafargue und Lavy, Deville Noch in sehr jungen Jahren schloß er sich der Sozialdemo- und André Gély, Vaillant und Joffrin, ferner Longuet, tratie an, in ber er sehr bald eine hervorragende Rolle spielte. Daumas, Basly, Camélinat, Chauvière u. f. w. u. f. w. Schon im Jahre 1868/69 war er ein hervorragendes Mitglied in Und daneben die Mitglieder aller gegenwärtig in dem kommunistischen Arbeiterbildungsverein zu London, der fast ausschließlich Deutsche zu Mitgliedern zählte. As im Jahre 1869 Paris tagenden Gewerkschaftskongresse, kurz eine Gesellschaft zwischen Schweizer- Tölde und Bebel- Liebknecht jener Konflikt aus von mehreren tausend Köpfen, wie sie für den Augenblick brach, der zur Bildung der sozialdemokratischen Partei, Eisenacher als Vertretung des gesammten Proletariats" vollständiger Programms, führte, da stand Frankel auf Seiten der ersteren und nicht hätte sein können. nahm auch in einer von London datirten Korrespondenz in dem " 1 bereits in Berlin erschienenen von Schweizer, Tölcke und Hasselmann Die Festlichkeit begann um 1/2 10 Uhr und als um redigirten Sozialdemokrat" entschieden für dieselben Partei. " Mitternacht durch eine allmähliche Verminderung der Im Jahre 1870 tauchte sein Name in Paris auf. Er ge- blendenden Beleuchtung das Signal zum Aufbruch gegeben *) Man vergl. hier besonders Heft 4 der„ Berliner wurde, da war die eigenartig gemischte Gesellschaft noch Arbeiterbibliothek": Der Sozialismus in Frankreich von fast vollzählig. Ossip Bettin. t. Es herrschte eine äußerst gehobene Etimmung, welche daß es deshalb Pflicht und Aufgabe der Arbeiterklasse aller Länder ist, diese sie ruinirende und die freie Entwicklung der Menschheit bedrohende Gesellschaftsorganisation mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen, daß es sich aber in erster Linie darum handelt, der weiteren verheerenden Wirkung der herrschenden Wirthschaftsordnung entgegen zu arbeiten, beschließt der Kongreß: I. Die Schaffung einer wirthschaftlichen Arbeiterschutzgesehgebung für alle Länder mit moderner Produktion ist eine unab weisbare Nothwendigkeit. Als Grundlage derselben betrachtet der Kongreß: a. den achtstündigen Maximalarbeitstag für alle Arbeiter; b. Verbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren und Beschränkung der Arbeit aller Minderjährigen von 14 bis 18 Jahren auf 6 Stunden am Tag; c. Verbot der Nachtarbeit mit Ausnahme für jene Betriebe, welche ihrer Natur nach ununterbrochenen Betrieb erfordern; d. Ausschluß der Frauenarbeit in allen dem weiblichen Organismus besonders schädlichen Betrieben; e. Verbot der Nachtarbeit für Frauen und männliche Arbeiter unter 18 Jahren; f. eine mindestens 36 Stunden hintereinander umfassende Ruhezeit in der Woche; g. Berbot solcher Industrien und solcher Arbeitsmethoden, welche der Gesundheit der Arbeiter besonders schädlich sind; h. Aufhebung des Truck systems in allen industriellen Betrieben, einschließlich der Hausindustrie; i. umfassende Inspektion durch staatlich besoldete Inspektoren, welche mindestens von den Arbeitern zur Hälfte selbst zu wählen sind. * * II. Der Kongreß erklärt es für nothwendig, alle diese Maßregeln durch Gesek, bezw. internationale Berträge ficher zu. stellen und fordert die Arbeiterklasse aller Länder auf, in der am bon Elsaß- Lothringen. Aber mit dem Jahre 1872 begannen auch zur von neuem die Mehreinnahmen aus dem Tabaksmonopol. noch hat. Sicherung gegen Kontraktbruch einbehalten werden| Wochenschrift immer nur einen beschränkten Leserkreis hatte und soll, ungültig mache. Den ersten Anstoß zur Begründung einer mehr verbreiteten Die dort beurtheilte Frage ist inzwischen auch von ultramontanen Presse gab der Altkatholizismus. Bei den den Kasseler Gerichten- Amtsgericht und Landgericht" Köln. Blättern" neigte der begabte, aber erzentrische Redakteur entschieden, indessen im gegentheiligen Sinne, also Fridolin Hoffmann dem Altkatholizismus zu, und dasselbe war Gunsten der Gültigkeit derartiger Bestimmungen. ipäter als Redakteur eines offfziösen Blattes in Straßburg der Fall bei dem Westf. Merk.", dessen damaliger Redakteur Der Fall war kurz folgender: gestorben ist. Aus den vom Finanzministerium ausgearbeiteten Tabellen über die Entwicklung des Monopols erhellt, daß der Staat Frankreich bon 1811-1887 durch die Ausbeutung desselben eine Totaleinnahme von 12 Milliarden und 787 337 876 Frants erzielt hat, das heißt mit anderen Worten einen Reingewinn von zu 9 Milliarden und 688 392 660 Franks zu verzeichnen hat. Diese stattliche Summe vertheilt sich, wie gesagt, auf die Jahre 1811-1887; wenn wir nur die Einnahme der Periode 1877-1887 Eine Kasseler Fabrik hat eine Fabrikordnung, deren Münster gab den ersten Anstoß zur Schaffung einer„ Kaplansin Betracht ziehen, so ergiebt sich nachstehendes Resultat: Die Ein-§ 3 bestimmt, daß bei jeder Lohnzahlung den Arbeitern presse". Der Kaplan Böddinghaus kaufte den" alt"-katholisirenden nahmen betrugen 3 Milliarden 601 927 601 Franks oder einen 50 refp. 30 Pfg. bis zu einem Gesammtbetrage von eftf. Merk." an und machte Hrn. Chr. Jos. Cremer zum Chef= Reingewinn von 2 Milliarden 933 197 622 Franks, was einem 20 mt. als„ Raution" einbehalten werden und daß diese Majunke an der Spize. redakteur. In Berlin wurde die„ Germania" gegründet, mit jährlichen Benefiz von 293 Millionen gleichkommt. Die Einnahmen, welche der Staat aus dem Tabak zieht, Kaution mit Zinsen nur bei ordnungsmäßigem Ver- Der Kulturkampf kam ins Land und bald hatte jede Stadt betragen etwa den zehnten Theil des ordentlichen Budgets, welches lassen der Arbeit dem Arbeiter ausbezahlt wird, ihren Preßkaplan", welcher eine katholische" Zeitung begründete. die Regierung jährlich den Kammern vorzulegen pflegt. Der andernfalls aber zu gunsten einer näherbezeichneten Kasse Besonders thätig waren in Bosen Kantecki, in Breslau Dr. Franz, verfällt. Die Verwaltung der Regie zählt augenblicklich 869 Aufseher, Ein Arbeiter, welcher die Arbeit ohne Einhaltung der darunter 111 Frauen und 20 002 Arbeiter, unter welchen Kündigungsfrist verlassen hatte, klagte die ihm innebehaltene 18 200 Frauen und 1802 Männer sind! Tabaksverkauf ergiebt pro Kopf in Frankreich eine durchschnittliche Einnahme von 9 Franks 65 Gent. in Paderborn Domvikar Schröder und Prof. Dr. Rebbert, in Köln Prof. Scheeben, in Trier Kaplan Dasbach, in Dortmund Kaplan Oberdörffer, in Fulda Kaplan Dr. Arenhold u. a., in Düsseldorf Pfarrer Schmiß, in Aachen Kanonikus Kessel u. s. w. Je stärker der Kulturkampf ins Kraut schoß, desto mehr erhöhte Das Tabaksmonopol ist die einträglichste Steuer und wird Raution ein. Gegenüber der Geltendmachung der erwähnten fich die Zahl der Preßkapläne durch die stellenloſen. Geistlichen. der Plan in gewissen Streisen besprochen, nach dem Vorbilde dieses Bestimmung seitens des Fabrikanten behauptete er neben Wo nur irgendwo ein Blatt gegründet wurde, war gleich ein geiſt= Monopols auch eine Alkoholregie einzuführen, welche dem Fiskus anderen Einwänden deren Ungültigkeit, da sie mit der licher Redakteur da. mit Leichtigkeit 200-300 Millionen Franks abwerfen könnte. Gewerbeordnung in Widerspruch stehe. Er wurde mit Mit dem Nachlassen des Kulturkampfes verminderte sich die seinem Anspruch in beiden Instanzen aber rechtskräftig 3ahl der„ Preßkapläne". Einer nach dem andern bewarb sich um eine Stellung in der Seelsorge oder wurde vom Bischof ,, einabgewiesen. berufen". Arbeiterschutz in Belgien. = Eine eingehende Begründung enthalten die Urtheile Vor zwei Jahren bereits hat das jetzige belgische mit Rücksicht auf die§§ 115 und 117 der Gewerbeordnung Ministerium auf Grund der letzten Arbeiter- Enquete nicht. Aus der Begründung des amtsgerichtlichen Urtheils bei der Kammer ein Gesetz über die Frauen und kommt nur folgender Satz in Betracht: Kinderarbeit eingebracht. Dasselbe fand aber sowohl bei der Arbeiterpartei als auch im Lande selbst eine ungünstige Aufnahme, weil es nicht nur hinter den bescheidensten Ansprüchen zurückblieb, sondern der Regierung auch freie Hand ließ, Ausnahmen zuzubilligen. Solche Bestimmungen sind notorisch allgemein in größern Fabriken üblich; sie sind nothwendig, weil der nach allgemeinen Rechtsgrundsäzen dem Arbeitgeber im Fall des Kontrattbruchs des Arbeiters zustehende Entschädigungsanspruch, obwohl regelmäßig für den Arbeitgeber Schaden entsteht, doch schwierig thatsächlich zu begründen ist, und selbst wenn dies gelingen sollte, die regelmäßige Unpfändbarkeit des Arbeiters den erstrittenen Ersazanspruch illusorisch macht." Das Urtheil des Landgerichts erklärt die EntscheidungsJezt hat der Kammerausschuß endlich seinen Bericht" über dieses Gesetz erstattet; derselbe ist sehr salbungsvoll geschrieben, aber man kann beim besten Willen nicht sagen, daß der Ausschuß das Gesetz wesentlich verbessert hat; es ist Stückwerk und der freien Bestimmung der Regierung gründe des Amtsgerichts für nicht widerlegt. bleibt alles überlassen. Bei der großen Wichtigkeit der Frage für viele, wohl Nach dem Gesetze sollen Kinder von 12 Jahren die meisten, Fabriken erscheint es im Interesse der Betheiligten, ab in den Gruben, Werken, Fabriken 2c. beschäftigt werden auch auf dieses Erkenntniß hinzuweisen. dürfen, die Regierung„ kann" für gefährliche Industriezweige die Verwendung von Kindern unter 16 Jahren untersagen. Kinder von 12 bis 18 Jahren dürfen ,, nur" Ueber die Beschäftigung Auch Majunke blieb vom letteren Schicksal nicht verschont und grollte deshalb mit Windthorst, da er glaubte, daß dieser den Fürstbischof von Breslau auf seine vorzügliche Qualifikation für die Seelsorge aufmerksam gemacht habe. Majunke stand damals auf der Höhe seiner Macht, denn er gab eine von ihm selbst begründete Korrespondenz heraus, welche die ganze Provinzialpresse beeinflußte, bezw. dominirte, und zuweilen gegen Windthorst Front machte, denn damals war Majunke ,, ertremer" als Windthorst. Die Korrefpendenz vererbte er bei seinem Scheiden seinem Freunde Falkenberg, der nun auch zum Pfarrer( von Schroßz) ernannt ist. Den größten Einfluß auf die Haltung der ultramontanen Presse haben jest wohl die Landtagsabgeordneten Julius Bachem und Peter Hauptmann; der sogenannte ,, konserpative Flügel" des Zentrums ist, in der Presse wenigstens, völlig taltgestellt. Herr Windthorst hält sich ganz neutral, damit ihm keiner etwas vorwerfen kann. So sind sie jetzt von der Bildfläche verschwunden, die Staatspfarrer und die Breßtapläne. Sollte einmal ein Museum des Kulturkampfes gegründet werden, so würde man nicht umhin können, einen Staatspfarrer und einen Preßkaplan daselbst in Marmor zu verewigen, denn in der katholischen Kirchengeschichte haben sie sich ein ,, monumentum aere perennius"( ein Denkmal, dauernder denn Erz) gesezt, einerlei, ob man das im Bösen oder im Guten auf= Jedenfalls verlassen beide nicht ohne eine gewisse Wehmuth den Schauplatz ihrer bisherigen Thätigkeit. Die Staatspfarrer seufzen: Behüt' Dich Gott, es wär' so schön gewesen, behüt' Dich Gott, es hat nicht sollen sein", und die Preßkapläne murmeln: Wer wird künftig jezt die Kleinen lehren- Speere werfen und Das Zentrum ehren...!" Sic transit gloria mundi! So zerrinnt die Herrlichkeit dieser Welt. 12 Stunden täglich mit einer Ruhepause von mindestens von Kindern( 12-14 Jahren) und jugendlichen fassen mag. 12 Stunden beschäftigt werden, also ein Arbeitstag von Arbeitern( 14-16 Jahren) 102 Stunden! Kinder unter 15 Jahren dürfen von 9 Uhr Abends bis 5 Uhr Morgens nicht zur Arbeit giebt Herr Dr. Quard nach den Berichten der süddeutschen ( badischen, württembergischen, hessischen, bayerischen) Fabrikherangezogen werden. Die Heranziehung der Mädchen und Frauen ist inspektoren in der„ Franks. 3tg." folgende Zusammenstellung. bei allen unterirdischen Arbeiten untersagt. Vom 1. Januar Es wurden beschäftigt: 1892 ab ,, kann" der König die Dauer der Arbeitszeit der Weiber über 18 Jahre ordnen. Die Weiber dürfen erst 4 Wochen nach ihrer Entbindung wieder zur Arbeit angenommen werden; Nachtarbeit ist für sie untersagt. Endlich sollen alle Kinder und junge Leute bis 18 Jahre, wie alle Weiber nur 6 Tage in der Woche arbeiten. Es liegt auf der Hand, daß diese Bestimmungen Niemanden befriedigen. Das Trucksystem in Holland. Die niederländische Regierung hat einen Gesetzentwurf gegen das Trucksystem*) ausgearbeitet, der im Wesentlichen bestimmt: Den Arbeitern darf der Lohn nur in gutem holländischen Gelde ausbezahlt werden, und zwar wöchentlich, wenn der Lohn niedriger als 15 fl. für die Woche ist. Bayern.. Württemberg. in in findliche jugendliche Anlagen Arbeiter zusammen + 1886 1357 1888 1568 1886 763 1888 1886 1 141 1888 1252 1886 558 1 060 1574 9 354 11 480 10 395 13 044 598 7524 ? 356 8 233 8122 8589 1 603 7619 9 222 1589 9 010 10 599 Hessen. • * 1888 652 105 86 3 694 4274 3 799 4 360 1886 3 819 1888 3472 3 366 3 605 28 172 32997 31 538 36 592 Baden. = Süd- Deutschland insge= jammt. Schnikel. . 1 Ueberall ist Bevormundung, nur in der Ausbeutung und Ausplünderung des Volkes muß absolute Freiheit herrschen. So will es die Staatsweisheit... in Desterreich- Ungarn. Germania 3. Juli. * * * Die Gegenwart hört mit Entsetzen von den Greueln der Sklaverei in Afrika. Geht doch, ihr Menschenfreunde, einmal nach... Nordungarn, und ihr findet dort eine Sklaverei der chriftlichen Bevölkerung, welche schlimmer ist, als die afrikanische, und ihr findet ein Wucher... thum, welches noch viel grausamer ist, als der arabische Sklavenhändler Afrikas... Ebenso noth= wendig als der Kampf gegen die arabischen Sklavenhändler ist die Befreiung unserer einheimischen christlichen Bevölkerung aus der Stlaverei der Wucherer. Germania 10. Juli. * * Es ist also die Menge der gesammten jugendlichen Arbeiter von 12 bis 16 Jahren allein während zwei der letzten Jahre nur in Süddeutschland von 31 538 auf 36 592, also um nicht weniger als sechszehn leidet, kann es für die Gesammtheit keine Gerechtigkeit geben. Prozent gestiegen. So lange ein einziger Mensch im Staate ungerechte Verfolgung Frau v. Steel. * * * Servil. Speit ein Fürst verächtlich an die Wand, Wird sie morgen stolz benannt: Königswand!" * * E. Ziel. * Wie manches Volk ist schon mit erträumtem Kriegsruhm ausgezogen und mit Niederlagen heimgekehrt oder auf eigenem Boden nachdrücklichst gedemüthigt worden! Auch von solchen Bölkern gilt das: Quem Deus perdere vult, eum dementat Gott verderben will, verblendet er zuvor. die, welche Bulmerincq. Kleine Mittheilungen. Der Lohn darf nicht ausgezahlt werden in Gebäuden, Allerdings nahm die Beschäftigung von Kindern in welchen Schnaps verkauft oder ein Ladengeschäft( 12-14 Jahre) nur um zirka 7 Prozent zu, während betrieben wird. die der jugendlichen Arbeiter( 14-16 Jahre), deren AnKein Arbeiter kann gegen seinen Willen gezwungen wendung geringere Bedenken erregt, um 17 Prozent stieg, werden, zu irgend einem Geldbestande beizusteuern, und also hauptsächlich die Zunahme bewirkte. Ist aber eine der Arbeitgeber darf nur in einzelnen Fällen Zunahme der Ausnüßung kindlicher Arbeitskräfte um sieben einen Theil des verdienten Lohnes zurückbehalten; Prozent in zwei Jahren und in Süddeutschland allein diese Fälle sind festgestellt durch das Gesez, und keines nicht schon auffällig genug, und fordert sie nicht zum falls darf die Zurückhaltung des Lohnes mehr als ein Nachdenken darüber auf, wie wenig die bestehenden ArbeiterFünftel des ganzen Wochenlohnes betragen.( Natürlich schutzbestimmungen genügen? In Bayern speziell wurden 1880, um recht weit können diese Bestimmungen abgeändert werden, falls der Arbeiter aus freien Stücken" eine Uebereinkunft in dieser zurückzugreifen, erst 6008 jugendliche Arbeiter( 5327 im und Alter von 14-16 Jahren und 681 Kinder) in 2936 Hinsicht mit dem Arbeitgeber abgeschlossen hat die Freiheit" des Arbeiters wird es selbstverständlich oft Anlagen, im letzten Jahre dagegen schon 13 044( davon Gegen den Kriminalschuhmann Ihring, der aus seiner so weit bringen, daß der Unternehmer ſeinen, sonst un- 1574 findliche), und zwar nur in 1568 Fabriken, be- Thätigkeit gegen die sozialistische Bewegung in Berlin bekannt schäftigt. Man sieht: die Gesammtzahl hat sich in bloßen geworden ist, soll ein Ermittelungs- Verfahren wegen Falscheides Dem Entwurf des Gesetzes ist ein ausführlicher acht Jahren mehr als verdoppelt, aber auch diejenige der schweben. In dem Posener Sozialistenprozeß war Jhring als Bericht beigefügt, in welchem die Regierung erklärt, daß Kinder speziell, während die Zahl der Fabriken abnahm. Beuge vernommen worden und hatte bekundet, daß er den Mitder Entwurf beabsichtigt, den ärgerlichsten" Mißbräuchen, Im gesammten Deutschen Reiche ermittelte man angeklagten Buchbinder Janiczewski in Berlin in einem Lokal der welche besonders an der Grenze und in den Torfgräbereien 1884 erst 114 358 und 1886 bereits 155 282 jugend: Blumenstraße beobachtet habe, wie dieser sich mit dem Drechsler vorherrschen, ein Ziel zu seßen. Der Entwurf richtet sich liche Arbeiter. Nach Analogie der süddeutschen Entwicke- Tabbert in polnischer Sprache unterhalten habe. Janiczewski ist nach den Ergebnissen einer von den Vorständen der lung dürfte sich für 1887 eine Gesammizahl von wesentlich auf Grund dieser Ihring'schen eidlichen Aussage zu einer der Gouverneure der Provinzen und der Handelskammern. ergeben. Wir sind also von der Viertelmillion nicht mehr verbüßt hatte, erstattete er gegen Ihring die Anzeige wegen FalschGemeinden geführten Enquete, sowie nach dem Gutachten 172 000 jugendlichen Arbeitern im ganzen Deutschen Reiche wesentlich auf Grund dieser Ihring'schen eidlichen Aussage zu einer gefeßlichen" Willen erreicht). " Ist die Zurückbehaltung von„ Kautionen" seitens der Unternehmer zulässig oder nicht? sehr weit entfernt. Ueber die ultramontane Presse und die Preßkapläne in Deutschland schreibt die„ Kreuzztg.": Wir brachten in unserer Nr. 25( vom 22. Juni) einen ausführlichen, in fast allen Arbeiterblättern wieder gegebenen Artikel zu dieser Frage, welcher auf Grund des Vor der Begründung des deutschen Reiches gab es in Deutschland fast gar keine ultramontanen Blätter. Berichtes des hessischen Fabrikinspektors und eines In Desterreich war von jeher die große" Presse liberal, dort dort mitgetheilten Gerichtserkenntnisses die Ansicht ent- und in Baiern erschienen nur fleine katholische Blätter von unterwickelte, daß die Vorschrift des§ 115 der Gewerbeordnung geordneter Bedeutung. Münster in Westfalen erzeugt seit 70 Jahren Sen Westf. Merk.", der 1848 und 1849 in den„ tollen Jahren" ( nach welcher der vom Arbeiter verdiente Lohn demselben baar auszuzahlen sei) sämmtliche Bestimmungen der Fabrikordnungen, nach welchen ein Theil des Lohnes *) Lohnzahlung in Waaren statt in baarem Geld. längeren Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Nachdem er diese eides. Diese Anzeige sei von der Staatsanwaltschaft soweit begründet befunden worden, daß am vergangenen Montag in Moabit die Vernehmung von etwa sechs Zeugen stattgefunden hätte, die von Janiczewski zur Erhärtung der gegen Ihring erhobenen Beschuldigungen benannt waren. Die Freiburger Zahlstelle des deutschen Tischlerverbandes ist in zweiter Instanz vor der Strafkammer in Schweidniß nicht als genehmigungspflichtige Versicherungsanstalt wie es der Staatsanwalt wünschte beurtheilt worden. Alle Kosten trägt die Staatskasse. Die Zahlstelle hat durch die Prozesse einen starken Zuwachs erhalten. Das Turnen galt seinerzeit als ebenso staatsgefährlich konservativ gerichtet war, aber in der Konfliktszeit zwischen der wie heute das gemeinsame Tagen von Arbeitern. Metternich, der Partei Waldeck und den Gemäßigtkonservativen hin- und herschwankte. österreichische Staatskanzler, bezeichnete die Turnanſtalt als die In Köln erschienen die„ Köln. Blätter", die sich später zu der eigentliche Vorbereitungsschule zu dem Universitätsunfug"( der Köln. Volksztg." entwickelt haben. In Berlin gab der Geistl. damaligen freiheitsfreundlichen Burschenschaften), Genz erklärte das Nath Müller das„ Märk. Kirchenblatt" heraus, das aber als Turnen für eine Eiterbeule, die aus der Welt geschafft werden Halle, 22. Juli. Der Kongreß der deutschen Dachdecker] müffe. Am 4. Januar 1819 erging in Preußen eine Verfügung, daß die Turnanstalten unter staatlicher Aufsicht( wie heute die Arbeitervereine und-kassen) gestellt worden seien. Jahn wollte fich nicht daran fehren; er fündigte in gewohnter Weise die Wiedereröffnung des Turnens zum 31. März in den Zeitungen an; daraufhin und trotz dringender Vorstellungen Jahns erfolgte am 15. März eine öffentliche Bekanntmachung, daß die Eröffnung des Turnplages vorläufig nicht stattfinden dürfe, sondern erst nach der Zu dem Mülleraufruf in unserer letzten Nummer Neugestaltung der Verhältnisse. Somit war die Turnsperre" thatsächlich eingetreten. Bis zu den fünfziger Jahren blieben bemerken wir noch, daß für Berlin über den gegründeten Verband die deutschen Turner bekanntlich auch etwas freiheitlich angehaucht, gern Auskunft ertheilt: C. Wilke, Perlebergerstr. 22. dann sind sie allerdings rasch auf das Niveau der Kriegervereine und Rempelpatrioten neuesten Schlages herabgesunken. Ueber die Gambrinussäle Trianon" in Dresden ist durch die Garnisonverwaltung das Militärverbot verhängt worden, weil die Direktion der Gambrinusbrauerei die Lokalitäten den Arbeitern zu Versammlungen öffnete! Berliner Kranken- und Begräbnißkasse für beschloß die Gründung eines deutschen Dachdeckerverbandes. Das Frauen und Mädchen. Generalversammlung am 29. Juli bestehende Fachorgan wurde unter Aenderung des Titels als Organ d. J., Abends 8½ Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. 3ahlstelle zum Generalfonds der Steinmezen des Verbandes der vereinigten Dachdeckergesellen Deutschlands be= stätigt. Der Kongreß ist von 12 Delegirten beschickt, welche 13 ist Müllerstr. 3, 3 Tr., bei Albert Hempel. Auch findet daselbst Arbeitsvermittelung statt. Städte vertreten. Den Kistenmachern zur Nachricht, daß die zu Montag, den 22. d. M., angekündigte Generalversammlung 8 Tage später, den 29. d. M. in demselben Lokale stattfindet. Generalvers Fachverein der Tapezierer Berlins. sammlung, Montag, den 29. d. M., Abends 8 Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Vortrag des Herrn Türk. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen.. 82 Kasino, Holzmarktstr. 72. Montag, den 29. Juli, Abends 8 Uhr, Versammlung im KönigstadtAn alle Maler und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Der Generalstreik in Berlin ist aufgehoben, der partielle Streit besteht fort, bis unsere Forderungen in allen Werkstätten durchgeführt sind. Noch Hunderte sind unterzubringen; deswegen haltet den Zuzug fern und unterstüßt uns. Mit kollegialischem Gruß. Die Lohnkommission. J. A.: Joseph HohlAlle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck Haussuchungen in Berlin. Bei Herrn Reinhold, Seydel str. 9, wurde Dienstag Bormittag eine polizeiliche Haussuchung nach berbotenen Schriften vorgenommen. Gefunden wurde nichts. Am Dienstag fand ferner eine Haussuchung nach verbotenen Schriften wegler. bei dem Tischler B. Haase, Grünauerstr. 4, statt am Montag gebeten. bei Maler Grau, Wrangelstr. 129. Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wassers und Dampf- Armaturen. Versammlung am Sonnabend, den 27. Juli, Abends 8% Uhr, im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72. Vortrag des Herrn Pirch über" Internationale Fabrikgesetzgebung". Fachverein der Kernmacher und verwandter Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Sonnabend, den 27. Jnli, Abends 81/2 Uhr, im Lokale des Herrn Gnadt, Brunnenstraße 38: Versammlung. Vortrag des Herrn Türk über: Die moderne Poesie und die Arbeiterbewegung. Der sozialdemokratische Wahlverein des sechsten An die Schuhmacher Berlins! Kollegen! Die von euch - Die Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins. Berliner Reichstags- Wahlkreises hielt Dienstag Abend eine General- Versammlung ab. Am Schlusse der Versammlung sollte gewählte Lohnkommission hat Quittungskarten und Marken sämmtlicher Berufsklassen Berlin 1 hält Sonnabend, den die Frage erörtert werden:" Gereicht der Pariser Arbeiterkongreß anfertigen lassen, die von euch gekauft werden sollen, um den er- 27. d. M., Abends 8 Uhr, Blumenstraße 78, eine Versammlung ab. Sterbekasse von Arbeitern der Berliner Maschinenden Arbeitern zum Vortheil und worin besteht derselbe?" Der überwachende Polizei- Offizier erhob Einspruch gegen diesen Gegen- forderlichen Fonds anzusammeln. Auch hat sie Berlin in Bezirke bau- Aktien- Gesellschaft( vorm. L. Schwarzkopff). Sonnabend, stand der Tagesordnung. Als der Vorsitzende nicht gewillt schien, getheilt und in jedem Bezirk eine Zahlstelle errichtet. Die Bezirks- den 27. Juli, Abends 82 Uhr, im Lokale des Herrn Stümke, Invaliden- und Ackerstr. 123, Generalversammlung. auf die Beantwortung der Frage zu verzichten, erklärte der Beamte lokale find folgende: Birkenstr 24 bei Fink Kranken- und Begräbnißkasse für die im Berliner die Versammlung für aufgelöst. Kolbergerstraße bei Runge, Gürtler- und Bronzeurgewerbe beschäftigten Personen Ackerstraßen- Ecke bei Schayer Eine große öffentliche Schneiderversammlung in ( Eing. Hilfskaffe 60.) Sonntag, den 28. Juli, Vormittags 10% Berlin wurde aufgelöst, als Herr Täterow die Worte aussprach: Schuhmacherkeller Neustädtische Kirchstraße 11 bei Becker Gegenwärtig tagt in Paris ein Kongreß, wo Delegirte aller Neue Schönhauserstr. 2, Destillation Anklamerstraße 49 bei Uhr, außerordentliche Generalversammlung laut§ 29 des Statuts Kulturländer"... Auf die Frage des Vorsitzenden, auf Grund Nürnberg- Stralauerstr. 22 Kaiserstr. 4, Hofmann- Wein- in den Zentral- Festfälen, Oranienstr. 180. welches Gesetzes, wurde§ 9 des Sozialistengesetzes angegeben. straße 22 bei Haugt Grüner Weg 81, Hof part. bei Grünberg Gegen diese Auflösung wird Beschwerde erhoben. Bülowstr. 42 bei Maier Wichmannstr. 15 bei Krieg Wilhelmstr. 94-96 bei Wammick Alte Leipzigerstr. 1- Zimmerftraße 22 bei Krüger Kottbuserdamm 6 bei Wille, Schuhmacher Oranienstr. 197 bei Papke Dresdenerstr. 116 bei Wendt Bergarbeitertag. Für den am 18. August in Dorstfeld ftattfindenden Bergarbeiter Delegirtentag ist die Tagesordnung Seydelstr. 16 bei Seidel- jeden Dienstag von 9 Uhr ab. Gewerkschaftliches, Versammlungen. festgestellt und zwar wie folgt: 1. Berichterstattung des Zentralfomitees. 2. Die gegenwärtige Lage der Bergarbeiter und Abstellung von Uebelständen im Betriebs- und Knappschaftswesen durch eine Vereinigung der Bergarbeiter.( Referent Schröder). 3. Wirken Gedinge und Ueberschichten vom materiellen und fittlichen Standpunkte aus nüßlich oder schädlich?( Siegel). 4. Welches ist die zweckmäßigste Organisation, um auf dem Wege der Gesetzgebung eine Besserstellung der Bergarbeiter herbeizuführen? 5. Wann soll der erste deutsche Bergarbeiter- Delegirtentag stattfinden? 6. Anträge. " Jedenfalls wird es auf diesem Delegirtentage heiß hergehen. Wir werden darüber später berichten. Der für den 4. August geplanten Versammlung zur Gründung eines großen Bergmännischen Zentralverband es" in Dortmund wurde bereits die Genehmigung versagt. Falls die königliche Regierung zu Arnsberg das Verbot aufrecht erhält, so will man sich an das Ministerium des Innerit wenden. Altenburg, 23. Juli. Die Verlegung des Sizes der Stranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter von Hamburg weg wurde mit 23 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Für Burg und für beide Jerichower Kreise nimmt Bestellungen auf die ,, Berliner Volks- Tribüne" entgegen und versichert pünktliche Zustellung ins Haus H. Pohlmann, Burg b. Magdeburg, kl. Hof 6. Wendt's Restaurant Dresdenerstraße 116. Inh. W. Gründel. Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schlosser, Buchbinder, Drechsler, Töpfer, Möbelpolirer und Sattler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags= und Abendtisch. Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sol. Preise. Vorzügliches Weiß und Bairisch Bier. 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager bon 0. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Daselbst Zahlstelle der Gürtler u.Bronceure( E.H.60.) Rheydt und Umgegend. Bestellungen auf die ,, Berliner Volks- Tribüne" nimmt entgegen und versichert pünktliche Zustellung Joh. Wolf, Rheydt, Kreis München- Gladbach. Thiergartenstraße 25. Für Halberstadt. Den geehrten Abonnenten, Freunden und Parteigenoffen zur gefälligen Kenntnißnahme, daß ich vom 1. Juli cr. ab am hiesigen Orte das Austragen der ,, Berliner Volks- Tribüne" übernommen habe und würden mich zu großem Dank verpflichten, wenn Sie im Kreise Ihrer Braunschweig. Der Tischlerstreik dauert wegen der Hartnäckigkeit der Innung unverändert fort. Derselbe wird den Arbeitern ungemein erschwert, und richten dieselben deshalb an alle Kollegen und Freunde der Bewegung die Bitte, sie in diesem Kampf, der nun schon 7 Wochen dauert, zu unterſtügen. Sendungen sind zu richten an Weihkopf, Braunschweig, Weberstraße 10, Tischlerherberge. Die Aussperrung der Dresdener Ofensetzer dauert unverändert fort. Alle Briefe in dieser Angelegenheit richte man an Jul. Fräßdorf, Dresden, Dürerstr. 104, alle Sendungen an Paul Schimming, Dresden, Neue Gasse 27 part. Der Verband deutscher Zimmerleute( Lokalverband Berlin C) nahm folgende Wahlen vor: 1. Vorsitzender Kamerad Günther, 2. Vorsitzender Kamerad Jaeschke, Kassirer Kamerad Leh= mann, 1. Schriftführer Kamerad Kremer, 2. Schriftführer Kamerad Hoffmann, Revisoren Kameraden Schilling und Schreiber, Kontroleure Kameraden Hinze und Henke. - Gesangverein Senefelder"( Steindrucker und Lithographen). Am 17. August in" Sanssouci" großes Sommerfest. Billets zu demselben à 30 Pf. sind bei folgenden Herren zu haben: Gent, Wasserthorstr. 49 Huch, Grünerweg 63, III- Popp, Pappelallee 5 Leuschner, Ackerstr. 136- Neumann, Brunnen= ftr. 101 Obier, Brunnenstr. 88 und in den mit Plakaten be= legten Handlungen. - Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Stiftungsfest am Sonnabend, den 27. Juli, in Keller's Hotjäger, Hasenhaide. Die Landparthie der Vereinigung der deutschen Stellmacher, Mitgliedschaft Berlin 5, findet Sonntag, den 28. Juli statt. Treffpunkt: Alexanderplatz früh 6 Uhr 30 Min. Richtung Grunewald- Schildhorn. Die Vereinigung der Drechsler Deutschlands", Verwaltungen" Berlins, veranstaltet am Sonntag, den 28. d. M., einen Ausflug nach Friedrichsfelde. Treffpunkt: Mittags 2 Uhr 30 Min. Schles. Bahnhof. Gäste willkommen. Die Sammel= listen für den Delegirten zum Pariser Kongreß sind sofort ab= zugeben an: F. Rautenberg, Michaelfirchplatz 8, of II, 2. Ging. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis für Klaviers arbeiter befindet sich Waldemarstr. 61, bei Zilm. Briefkasten. Veteranenstraße. 1) Solange wie er will, selbst die Polizeistunde des Wirthes trifft ihn nicht. Das Getränkeverabreichen wird im lezten Fall allerdings wohl aufhören müssen. 2) SpinnDelsnių. Die Auflösung des Reichstages kann immer und Herr Papke, Oranienstraße 197. zum Stassirer Herr Emil Brödel, Offenbacher Frauenkaffe. Zum Bevollmächtigten wurde und Webindustrie. Reichenbergerstr. 61, Hof I, zum Kontroleur Herr Arnold Karge, immer wieder erfolgen. Ein nicht verbotenes Flugblatt können. Neue Jakobstraße 26, gewählt. 3u Beisigerinnen wurden gewählt Sie beliebig verbreiten, nur unter dem Belagerungszustand kann Frau Berndt, Fr. Unrauh, Fr. Laufer, Fr. Meyer, Frl. Krüger ein( wenn auch nicht verbotenes) Flugblatt noch der Genehmiund Frl. Biedert. Bei den obengenannten drei Herren werden die gung" zur„ öffentlichen" Verbreitung bedürfen. So ist es in Berlin.. Beiträge von den Mitgliedern entgegengenommen. Die franken Arbeiterverein. Warum kein Inserat? Der Antrag zu Mitglieder müssen sich bei dem Bevollmächtigten Herrn Papke melden. inseriren ist doch in Ihrem Verein gestellt und auch angenommen ** * * worden. Die seit 1877 bestehende, weitbekannte Uhrenfabrik von Max Busse 157. Invaliden- Strasse 157, neben der Markthalle, verkauft jetzt sämmtliche Uhren zu bedeutend herab. gesetzten Preisen. Für jede Uhr wird reelle Garantie geleistet. Grosse Abschlüsse mit Pforzheimer und Hanauer Fabrikanten ermöglichen derselben Firma den Verkauf von Gold-, Silber-, Granaten- u. Korallenwaaren zu fabelhaft billigen Preisen. Spezialität: Ringe. Reparaturen an Uhren und Goldsachen werden auf das Gewissenhafteste ausgeführt. Geschäftseröffnung! " Sozialdemokratischer Leseklub ,, Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Wallstr. 20. ( Restaurant Leonhardt.) Vorlesung und Diskussion. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt Deutscher Sozialdemokratischer Leseklub Paris, Ecke der rue Montmartre 33 und rue Etienne Marcel 36. Jeden Sonnabend Abend um 9 Uhr: Versammlung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstagswahlkreis Mittwoch, den 31. Juli, Abends 8 Uhr, im Vittoria- Restaurant, Münzstraße 11, ( Unterer Saal) Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Julius Türk über: ,, Die wirthschaftlichen Umwälzungen der franzöfi Meinen werthen Freunden, Kollegen und Genossen hierdurch zur Anzeige, daß ich infolge meiner Maßregelung ein Galanterie-, Posamentier-, Kurz-, Schnitt- und Wollwaaren-, Hut- und Müzengeschäft, Buch- und Papierhandlung eröffnet habe. Auch nehme ich Bestellungen der Volks- schen Revolution." Tribüne"," Arbeiterchronik"," Nord- Wacht"," Wahren Jakob", sowie sämmtliche in der Arbeiterliteratur erscheinenden Werke entgegen. Um geneigten Zuspruch bittet achtungsvoll H. Günther, Velten i. M., Viktoriastraße 21. Große öffentliche Versammlung der. Tischler, Bildhauer, Stellmacher, Böttcher am Montag, den 29. Juli, Abends 8, Uhr, in den Bürgerfälen, Dresdenerstr. 96. Tages- Ordnung: Berichterstattung vom internationalen Arbeiter- Kongreh Freunde, Verwandten und Bekannten für die in Paris. Referent Th. Glocke. weiteste Verbreitung der Berliner Volks: Tribüne" mit beitragen würden. Andreas Brümmer, Cigarrenarbeiter, Burchardistraße 13d. Um zahlreichen Besuch bittet 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Central- Kranken- u. Sterbefasse der Tischler und anderer ge= werblicher Arbeiter. Eingetragene Hilfskaffe 3 in Hamburg. Verwaltung Berlin G. Gr. Mitglieder- Versammlung Sonntag, den 28. Juli, Vormittags 10/2 Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72, Tagesordnung: Wahl der gesammten Ortsverwaltung, Beis tragssammler 2c. Um möglichste Verbreitung und zahlreiches Ers scheinen ersucht die vom Vorstand gewählte Kommission. J. A.: H. Noeske. NB. Mitglieder aus anderen Verwaltungsstellen haben zu dieser Versammlung keinen Zutritt. Der Einberufer: A. Apel, Stegligerstraße 91. Verantwortlicher Rebatteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: T. Posekel, Berlin 2. O., Dranienstraße 23. Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. № 30. Straße. An düster ragenden Häuserwällen Durch flammenbesäte steinerne Schlucht Branden die rasselnden Wagen, die Menschen Wie Wellen in flippiger Meeresbucht.. Der rothe Vollmond taucht empor. Die Menge wühlt und drängt und stößt; Jedweden kümmert nur seine Noth Wie auf dem Deck des lecken Schiffes, Das in den Tod zu sinken droht.. Der rothe Mond schaut düster drein. Auf glattem Bürgersteige kauert Gleich wie am Felsenriff das Wrack Ein Mann mit vorgefunknem Kopfe, Zur Seite einen Lumpenſack Der Vollmond blickt mit düftrer Glut. Die Leute auf dem Bürgersteige Treiben vorbei und blicken kalt; Die Pferdebahn beglozt im Rollen Mit grünem Auge die Gestalt.. Der Vollmond blickt mit düstrer Glut. Dort drüben lockt die blut'ge Flamme Dem Schnapswirth manchen Gast ins Haus; Und öffnet sich die dunst'ge Schenke, Dringt Schelten und Gejohl heraus.. Der Vollmond blickt mit düstrer Glut. Des Handelshauses Fenſterreihe Ist noch vom Gaslicht grell erhellt; Papier und Pult und blaffe Schreiber; Der Chef durchzählt des Tages Geld Der Vollmond blickt mit düstrer Glut. Nun heult vom Hofe die Maschine Zur Vesper; da entläßt das Thor Biel arbeitsmatte Blusenmänner; Nur der Fabrikschlot stößt empor Zum rothen Monde schwarzen Rauch. Ein würd'ger Bürger kommt geschritten, Den Lump am Steige trifft sein Blick; Entrüstet mit dem Kopfe schüttelnd Geht er zu Bier und Politik. Und zornroth glüht der volle Mond. Bruno Wille. [ Nachdruck verboten.] Der Sohn der Tugend. Von Auguft Strindberg. Deutsch von Gustav Lichtenstein. ( Fortsetzung.) Die Konfirmation war für ihn ein Schauspiel, wie es die Schule gewesen. Ein junger Pastorsadjunkt, der Leser) war, sollte ihn in vier Monaten Luthers Katechismus lehren, ihn, der Theologie, Exegetik, Dogmatif, das neue Testament auf Griechisch gelesen hatte, und so weiter. Aber der strenge Pietismus mit seiner Forderung der Wahrheit im Leben und Lebensmandel mußte auf ihn seinen Eindruck machen. Sonnabend, den 27. Juli 1889. III. Jahrgang. waren sie es! Und er fühlte, wie er sich besonders an sie das Gnadenbrot des Sünders erhalten, wenn der ihrer Häßlichkeit stieß! Aber waren sie deshalb schlechter, Vater zum ersten Mal bestraft war. Hu! Solche Sünder! weil sie häßlich waren? Herr Theodor war tief erschüttert von all' diesen Er hatte ein Florett bei sich, denn er sollte des öffentlichen Beschimpfungen, die hier ausgetheilt wurden. Mittags in die Fechtstunde. Er stellte es in die Ecke, Er wollte die Augen schließen, aber er konnte es nicht. damit es keine unangenehme Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Als endlich die Reihe mit seinem Geburtsscheine an ihn Aber man hatte es schon bemerkt. Niemand wußte eigent- tam, und der Adjunkt las: Ein Sohn Theodor, geboren lich was es für ein Ding sei, aber sie begriffen, daß es an dem und dem Tage des und des Jahres von den eine Waffe vorstellte. Einige der Kühnsten machten sich Eltern: Professor und Ritter. in der Ecke etwas zu schaffen, um es zu untersuchen. Sie Sonnenschein über das Antliß des Adjunkten, und er nickte da ging ein schwacher stocherten in der Umwickelung des Gefäßes, fragten mit freundlich, als er fragte: Wie geht es dem Herrn Papa? den Nägeln an der Parirplatte, bogen die Klinge und und dann legte sich ein Schleier der Wehmuth über sein betasteten den kleinen Ball von Handschuhleder. Es war, weißgelbes Gesicht, als er sah, daß die Mutter todt war, als ob man Hasen an einer Büchse herumschnüffeln sähe, was er schon vorher wußte, und ein liebenswürdiges, die sie im Walde gefunden hatten. Sie wußten nicht, weinerliches:" Sie war ein Kind Gottes!" gleichsam zu wozu fie gebraucht würde, aber sie fühlten, daß es etwas sich selbst gesprochen, entfiel ihm wie ein Vorwurf gegen feindliches sei, das einen verborgenen Zweck hatte. Endlich den Herrn Papa," der nur Professor und Ritter war. trat ein Gärtnerlehrling, dessen Bruder ein Leibgardist Darauf durfte Herr Theodor gehen! war, an die Neugierigen heran und entschied die Frage Als er ins Freie kam, glaubte er, Zeuge von etwas sogleich: könnt ihr nicht sehen, daß das ein Säbel ist, ihr gewesen zu sein, an dessen Vorhandensein er niemals geRognasen! Und damit warf er einen Blick voller Respekt glaubt hatte. Waren diese Jünglinge so tief gesunken, auf Herrn Theodor, einen Blick auch des heimlichen Ein- weil sie sich Flüche und grober Worte bedienten, wie alle verständnisses, als ob er gesagt hätte: wir verstehen das! seine Kameraden, sein Vater, sein Dheim und die ganze Aber das sah ein Seilerjunge, der einmal bei der Gesellschaft sie unter sich gebrauchten! Worin bestand die Artillerie gewesen war, um Trompeter zu werden, und da Sittenverderbniß, von der hier die Rede war? Sie waren er sich bei der Urtheilsverkündigung übergangen sah, konnte wilder, als andere verwöhnte Kinder, weil sie stärker er den Mund nicht halten, sondern erklärte, sie sollten waren. Daß ihre Geburtsscheine so mangelhaft waren, ihn in den Rücken beißen, wenn das nicht ein Degen sei! war das die Schuld der Kinder? Sein Vater hatte nieDie Folge hiervon war eine Schlägerei, die den ganzen mals gestohlen, aber braucht man zu stehlen, wenn man Kirchensaal in einen einzigen großen Hundezwinger ver- sechstausend Kronen Gehalt hat und präzis so viel wandelte, der mit Staub und Heulen angefüllt war. braucht, wie man will. Es wäre ja eine Lächerlichkeit Da wird die Thür geöffnet und der Pastorsadjunkt oder eine Abnormität gewesen, wenn er gestohlen hätte. erscheint in derselben. Ein junger, bleicher, magerer Mann Und so ging Herr Theodor wieder zur Schule und mit Ausschlägen im Gesicht und ausgewaschenen blauen dort empfand er, was es heißen will, Erziehung genossen Augen. Er stieß zunächst einen Schrei aus. Die wilden zu haben; hier wurde niemand wegen eines kleinen Fehlers Thiere hörten auf, sich zu schlagen. Darauf gab er einen chikanirt; hier ließ man seine und die Schwächen der Eltern Erguß von Jesu theurem Blute und der Macht des Bösen ziemlich in Frieden; hier war man unter seines Gleichen über das Herz zum besten. Endlich brachte er die hundert und alle verstanden einander. Knaben dahin, sich auf die Bänke und Stühle zu setzen. Und darauf ,, nimmt man die Parade ab" und schleicht Aber er war jetzt ganz athemlos und das Zimmer voll sich in ein Café, um einen Likör zu trinken, und dann von aufgewirbeltem Staub. Er warf einen Blick nach dem gehts in den Fechtsaal. Und wenn er hier von dem Fensterventil und sagte mit matter Stimme: öffnet die Lieutenant„ Herr" titulirt wird, wenn er alle diese JüngKlappe. Aber damit hatte er den Sturm von neuem be- linge mit geschmeidigen Gliedern, freien Bewegungen und schworen. Fünfundzwanzig Jungen sprangen auf und frohen Mienen sieht, alle in dem Bewußtsein, daß zu Hause drängten sich in einem Haufen an das Fenster, um die ein gutes Mittagsmahl ihrer wartet, da fühlt er, daß es Schnur zum Ventil zu erfassen. zwei Welten giebt, eine Ober- und eine Unterwelt und da Seßt euch!" schrie der Priester und sprang auf nach regt es sich in ihm wie ein böses Gewissen, wenn er an dem Stocke. Wiederum Ruhe für einen Augenblick. Der Priester öffnen zu lassen. erfann eine praktischere Art, um das Ventil ohne Kampf Jungen, gehe und öffne die Klappe!" ,, Du," sagte er und zeigte auf einen kleinen erschreckten " den düsteren Kirchsaal und die traurigen Menschenkinder denkt, deren Wunden und heimliche Fehler so unbarmherzig unter dem Vergrößerungsglas untersucht werden, damit sie der wahren Unterwürfigkeit theilhaftig werden, ohne welche die Oberklasse ihre frohen Schwächen nicht in Frieden erhalten würde. Und damit war etwas Unharmonisches in sein Leben gekommen. Der Kleine ging an das Fenster und suchte die verwickelte Schnur aufzuknüpfen. Unter athemlosem Schweigen wartete die Versammlung das Resultat ab, als ein großer Wie auch Herr Theodor zwischen seiner natürlichen Jüngling in Seemanskleidern, der erst neulich mit der Sehnsucht nach den halbgekannten Lockungen des Lebens An einem Novembermorgen wurden sie in den Kirch Brigg Carl Johann" aus Spanien in die Heimath ge- und seiner neuerworbenen Neigung, dem ganzen Leben saal gerufen, um aufgeschrieben zu werden. Herr Theodor kommen war, die Geduld verlor: den Rücken zu wenden und seinen Sinn auf den Himmel befand sich ganz unerwartet als Mitglied eines ganz ein Keri wie ich fann," sagte er, und im Nu war er in die Mutter wurde er niemals untreu. " Jezt sollt ihr verdammten Teufel mal sehen, was zu richten, umhergeworfen wurde, seinem Versprechen gegen anderen Kreises, als der, den er in der Schule täglich um Die wiederholten sich hatte. Als er in das Versammlungszimmer trat, be Hemdärmeln, hatte das Fensterbrett erstiegen, sein Messer Zusammenfünfte in der Kirche mit den Unterrichtskameraden und dem Priester verfehlten nicht, ihren Eindruck auf ihn gegneten ihm die Blicke von wohl hundert Paar Augen, gezogen und die Schnur abgeschnitten. die ihn sämmtlich wie einen Feind betrachteten. Es waren Nur kapern!" vermochte er noch zu sagen, ehe der zu machen. Er war bisweilen düster und grüblerisch und Tabaksbinder von von Ljunglöf**), Schornsteinfegerjungen, Priester Zeit fand einen neuen Angstschrei auszustoßen, fühlte, daß das Leben nicht war, wie es sein müßte. Ihm Lehrburschen aus allen Handwerken. Sie schienen sogar wie ein hysterisches Weib, und der den Seemann dadurch war, als ob einst ein unerhörtes Verbrechen begangen auch unter einander Feinde zu sein, denn sie überhäuften buchstäblich auf die Erde scheuchte, wobei er immer noch worden wäre, das jest in einer Unmasse von Betrügereien fich mit Spottnamen, aber diese Feindschaft zwischen den betheuerte, daß das Fallreep nicht klar", und nichts an- enthüllt werden sollte; er fühlte fich wie die Fliege in das Professionen war mehr zufällig; und wie sie sich auch deres zu thun sei, als„ zu kapern." Nez der Spinne eingerollt; jeder Versuch, ein Loch hineinzaukten, sie hingen doch miteinander zusammen. Der Pastor war ganz außer sich. Er, der vom fried- zureißen, wurde von einem neuen Einrollen mit neuen Er fühlte eine sonderbar erstickende Luft sich entgegenlichen Lande kam, hatte nicht glauben mögen, daß eine Erstickungsanfällen begleitet. schlagen, und in dem Haß, mit dem er sich begrüßt fühlte, Jugend so tief verderbt, so in Unfittlichkeit und Sünde Eines Abends, denn der Priester bediente sich aller lag auch eine Verachtung, die Rückseite eines gewissen gesunken, so weit auf dem Wege der Verdammniß vor- Effekte, um den jungen, harten Gemüthern zu imponiren, Respektes oder Neides. Er sah sich vergebens nach einem geschritten sein könne, wie diese. Und darauf eine lange hatten fie Unterricht in dem Chor der Kirche gehabt. Zwei Kameraden, einem Gleichgesinnten, Gleichgekleideten um. Geschichte von Jesu theurem Blute. Gasflammen beleuchteten matt das Chor und zeigten die Es gab keinen. Die Gemeinde war arm, und die Reichen Keiner verstand, was er sagte, denn sie hatten keinen Marmorfiguren des Altares in entfeßlich verrenkten Prosandten ihre Kinder in die deutsche Kirche, die damals an Begriff vom„ Sinken", da sie eigentlich niemals oben ge- portionen. Die weite Kirche mit ihren zwei einander der Mode war. Hier waren die Kinder des Volkes; es wesen waren. Die Versammlung zeigte deshalb eine treuzenden Tonnengewölben lag im Halbdunkel. Im Fond war die Unterklasse, mit der er vor dem Altare des Herrn große, gleichgiltige Kälte. Der Priester fuhr fort, von sah man die blanken Zinnpfeifen der Orgel schwache Reflere als ihres gleichen zusammentreffen sollte. Er fragte sich Jesu theuren Wunden zu sprechen, aber niemand bezog es von den Gasflammen aus dem Chor werfen; und die selbst, welcher Abgrund ihn eigentlich von jenen trennte. auf sich, denn niemand war sich bewußt, Jesus verwundet Engel darüber bliesen zum Gerichte in ihre Posaunen, erWaren sie nicht törperlich ebenso begabt wie er? Ja beffer 34 haben. Er versuchte es nun mit dem Teufel, aber der schienen aber jetzt nur als dunkele, drohende übernatürlich vielleicht, denn sie verdienten sämmtlich schon ihr Brot, war so in ihre Umgangssprache als eine Redensart ein große Menschenfiguren. Die Kreuzgänge endigten in vollund ein Theil konnte fogar alten Eltern helfen! Waren gedrungen, daß auch er feinen Eindruck machte. Endlich ständigem Dunkel, fie von Verstandeswegen schlechter ausgerüstet? Das verfiel er auf das Richtige! Er sprach von der im Früh- Der Priester hatte eine Auslegung des sechsten Gekonnte er nicht behaupten, denn er hörte sie, in Form von jahr bevorstehenden Konfirmation. Er erinnerte fie an botes gegeben. Er sprach von der Hurerei in und außer Stichelworten, mit den schärfsten Beobachtungen um sich die Eltern, die darauf warteten, ihre Kinder in's Leben der Ehe. Wie zwischen Ehegatten Hurerei betrieben wird, werfen, sie hatten die wißigsten Einfälle, die mit einem hinauszuführen; aber als die Rede auf die Lehrherren konnte er nicht erklären, troßdem er selbst verheirathet war, Lachen zu belohnen ihn nur sein Hochmuth hinderte. Und tam, die keine Anstellung geben wollen, wenn die Lehr- aber außer der Ehe, damit war er bekannt. Dann kam wenn er an all die Dummriane dachte, die in der Schule linge nicht konfirmirt wären, da war er unwiderstehlich, er zu dem Kapitel der Selbstbefleckung. Als er dies seine Kameraden waren, so vermochte er zwischen sich und und es gab nicht einen, der nicht die tiefe Bedeutung der Wort aussprach, ging es wie ein Sausen durch die Jüngjenen keine bestimmte Grenze zu entdecken. Aber sie war Konfirmation verstand. Jest war er wahr und jetzt be- lingsschaar, und mit weißen Wangen und hohläugig doch vorhanden! Waren es die häßlichen Kleider, die griffen ihn auch die jungen Gemüther. Selbst die Wilde- starrten sie ihn an, als hätten sie ein Gespenst gesehen. häßlichen Gesichter, die groben Hände? Ja, theilweise sten wurden zahm. So lange er von der Strafe der Hölle sprach, waren sie *) Anhänger einer religiösen Sette in Schweden. **) Gigarrenfabrik in Stockholm. Und nun begann die Aufzeichnung! Hu! wie viele ziemlich ruhig, aber als er aus einem Buche Erzählungen mangelhafte Geburtsscheine. Wie sollten sie zu Jesus vorzulesen begann, wie fünfundzwanzigjährige Jünglinge kommen, wenn ihre Eltern nicht getraut waren; wie sollten mit zerrüttetem Rückenmark als Gottesfinder gestorben seien, da sanken sie auf den Bänken nieder und fühlten| Berufsfehler, d. h. Eigenschaften des Berufes bilden[ berichtigt oder gar widerlegt werden kann, und dem es den Boden unter sich schwanken! den Fehler aus. Inwiefern treibt nun der Journalisten- nicht darauf ankommt, seine Meinung den Leuten einEndlich gab er eine Geschichte von einem Knaben zum beruf zur Leichtfertigkeit? Offenbar infofern, als er den zuschwaßen, sondern darauf, die Leute zu überzeugen. Besten, der mit zwölf Jahren ins Irrenhaus kam; und Journalisten zwingt, eine bestimmte Zeit lang die Feder Spricht in dieser Form die Presse ihre Urtheile aus? mit vierzehn im Glauben an seinen Erlöser starb. Da zu führen. Die Groschen zum Leben wollen eben verdient, Sehr selten! Lesen wir die Leitartikel, die Feuilletons, glaubte man hundert verwaschene an Stangen schlotternde die entsprechenden Zeilen also geschrieben sein. Der Stoff" die Kritiken der gewöhnlichen Zeitungen, so finden wir Leinen zu sehen. Das Heilmittel gegen dieses Böse sei aber ist die Vorbedingung des Zeilenschreibens. Solange massenhaft Behauptungen, welche gänzlich ohne Beweis nur eines, Jefu theure Wunden. Eine detaillirte Angabe, der Journalist noch keinen Gegenstand gefunden hat, über und in einem Tone vorgetragen sind, als thue die absolute wie jene gegen zu zeitige Mannbarkeit anzuwenden seien, den sich schreiben läßt, kann er nur an seiner Feder herum- Wahrheit ihren Mund auf, als könne es gar nicht anders machte er nicht. Man solle sich jedoch enthalten, zu tanzen, tauen. Man verseße sich nun in die Lage eines Preß sein, und als sei jeder Andersgläubige ein Esel, wenn ins Theater zu gehen, Abendkränzchen zu besuchen und, proletariers, welcher längere Zeit in dieser Weise todt- nicht ein Schuft. Anstatt zum selbständigen Denken anvor allem sich der Frauen enthalten; das heißt, das gerade geschlagen hat und nun plößlich einen Stoff findet: daß zuregen, fördert also die Presse Gedankenlosigkeit und Gegentheil von dem, was man thatsächlich thun müsse. er den Stoff hastig und ohne strenge Prüfung aufgreift, Autoritätengläubigkeit. Die Ursache dieser übeln EigenOb das Lafter ein tödtender Widerspruch gegen die Proklama- ist allzu verständlich. Oft genug wird der Berichterstatter schaft liegt offenbar in folgenden Umständen: Die Zeitungstion der gesellschaftlichen Gesetze sei, daß der Mann erst mit auch geradezu gezwungen, ohne Prüfung zu schreiben, fabrikanten wollen möglichst viel Abonnenten haben und einundzwanzig Jahren mannbar ist, das mannbar ist, das wurde mit nämlich durch die Konkurrenz seiner Kollegen, die ihm richten daher den Ton ihrer Blätter so ein, wie er der Schweigen übergangen. Ob es verhindert werden könne zuvorzukommen drohen, sowie durch die Redakteure der Masse der Leser am angenehmsten ist. Was ist das nun durch zeitigere Heirath, dadurch, daß man das nothdürftige Zeitungen, welche einen firen Bericht verlangen. für ein Ton? Eine Masse der Zeitungsleser besteht Brot für alle schaffte, anstatt der Schmausereien für einige, Eine zweite, bei weitem bösartigere Quelle der Preß- aus politischen Kannegießern. Der Kannegießer politisirt das ließ man dahingestellt sein. Das Resultat war, daß Verlogenheit liegt in der Tendenz der Zeitung. Die nicht aus Pflichtgefühl oder aus Rechtsgefühl, nicht einmal man sich in Jesu Arme werfen, das heißt in die Kirchen Blätter pflegen im Dienste einer Partei, einer Gruppe von aus selbstsüchtigem Interesse, sondern um eine Unterhaltung, laufen, sich von allem Zusammenhang mit der Welt fern- Interessenten zu stehen. Um nun diesen Interessenten einen Stoff zum Schwaßen zu haben. Denken ist nicht halten und diese den oberen Klassen überlassen sollte. Seinen Vortheil zu verschaffen, bemüht sich der Verleger seine Sache; dazu ist er allzu bequem und auch unfähig. Genug, am Schlusse bat der Priester die fünf ersten der eines Blattes und, durch diesen getrieben, die Redaktion So verlangt er denn von der Zeitung, daß sie ihm hübsch ersten Bank zu bleiben. Er wollte mit ihnen einzeln und Mitarbeiterschaft, Nachrichten zu fälschen, todtzuschweigen das Allerneueste mittheile und fertige Meinungen aufsprechen. Das wollte er mit allen unter der Hand thun. oder zu erfinden. Diese Art Lüge tommt alle Tage vor tische, damit er sein Urtheil nicht erst selbst zu bilden Die fünf ersten sahen wie zum Tode verurtheilt aus. Sie und spielt sich oft mit empörender Frechheit vor den braucht. Er will erfahren, ob Krieg in Aussicht steht, fielen infolge mangelnden Athemholens im Rücken ein, und Augen einer ganzen Welt ab. Denken wir an die Agitation wie es Boulanger geht, was die verdammten Sozialwenn jemand nachgesehen hätte, hätte man bemerken für die Kornzölle. Denten wir an den Kriegslärm, demokraten wieder einmal ausgefressen haben, wie das können, wie ihr Haar an den Wurzeln ein paar Centi- welchen vor den letzten Reichstagswahlen die Kartellpresse Theater gestern gewesen ist, was sich über die Sängerin meter zu Berge stand und wie es feucht auf ihrer leichen- schlug, um möglichst viel Kartellbrüder durchzubringen. und über das neueste Buch sagen läßt. Was der Kannehaften Haut lag. Alles Blut war aus den Augen ge- Denten wir an die Berichte, welche die Bourgeoisblätter gießer nun beim Kaffee seinem Leibblatt entnommen hat, flossen, und wie zwei runde Glaskugeln in Handschuhleder aller Nationen über den Anarchismus in Chikago mit das ist ihm unfehlbare Offenbarung, und das verkündet eingenäht, erschienen die Augäpfel, unbeweglich, im Zweifel, stillem Einverständniß einmüthig brachten. Ging nicht er Abends beim Bier den anderen Spießbürgern, welche ob sie in ein Bekenntniß hinausquellen oder sich mit einer aus diesen Berichten deutlich hervor, daß die Anarchisten ihrerseits wteder die frischgebackenen Urtheile ihrer Leibtecken Lüge verbergen sollen. des Mordes überführt seien? Thatsächlich aber wurden blätter austramen, den Finger tiefsinnig an die Nase ( Fortsetzung folgt.) jene Männer von Chikago nicht wegen erwiesenen Mordes, gelegt oder auch mit der Faust auf den Tisch schlagend. sondern wegen ihrer politischen Ueberzeugung gehenkt; und thatsächlich enthält der Spruch ihrer Richter eine empörende Rechtsverlegung. Die Sünden der Presse. I. Die geistige Unselbständigkeit der Zeitungsleser ist durch politische und soziale Zustände bedingt. Wenn das Volk mehr Zeit zu geistiger Beschäftigung hätte, wenn es durch Eine dritte Quelle der Preß- Verlogenheit heißt die privatwirthschaftliche Produktion nicht so sehr zersplittert B. W. Die Preffe gehört zu den geistigen Groß- Bestechlichkeit. Da eine Zeitung von Tausenden gelesen wäre und mehr Aussicht hätte, durch Betheiligung an der mächten der Gegenwart. Neben der Schule wirkt sie wohl wird und für Tausende eine Autorität bildet, so ist sie Politik wirklich etwas zu erreichen, dann würde es die am bedeutendsten auf Denken und Fühlen des Volkes ein. ein vorzügliches Mittel, um Reklame zu machen. Von Politik sicherlich ernster nehmen und selbständiger denken; Segen und Fluch hat diese Großmacht in Händen, je dieser Einsicht geleitet, drängen sich zahlreiche Kapitalisten dann würde es jene oberflächlichen, schwazhaften und nachdem sie im Dienste des Geistes und der Sittlichkeit an die Männer der Presse heran, um deren redaktionellen geistig brutalen Blätter dahin thun, wohin fie gehören. Die Verlogenheit, Geistlosigkeit, Oberflächlichkeit und oder der entgegengesetzten Kräfte steht. Hunderttausend Theil für ihre Zwecke zu gewinnen. So manche Börsenweiße Blätter, bedruckt mit Regimentern von Zeilen, gehen spekulation wird in Szene gesezt unter Mithülfe erkaufter Unverschämtheit des gewöhnlichen Journalismus wird in täglich aus den Druckereien der Hauptstadt hervor; eine Redakteure, besonders solcher, welche den Handelstheil wißig- boshafter Weise von dem russischen Dichter Turgenjeff Million solcher Blätter flattert täglich über das Land einer Zeitung leiten. So manches Berliner Vergnügungs- gegeißelt, welcher in seinen„ Gedichten in Prosa" eine dahin. In jede Schenke, in das entlegenste Dörfchen Etablissement, etwa in der Hasenhaide, am Gesundbrunnen sinnige Anekdote ungefähr folgendermaßen erzählt: Ich dringt das Druckpapier; es umhüllt Waaren, die wir oder in Weißensee, verdankt sein zahlloses Publikum einer saß mit Freunden auf meinem Zimmer in geistigen gekauft haben; es wirbelt im Winde durch die Straßen empfehlenden Notiz, welche ein Berichterstatter, Redakteur Gesprächen. Plößlich erhob sich drunten auf der Straße und treibt sich in besuchten Landschaften herum. Und all oder auch Verleger in geschickter Weise im lokalen Theil ein Geschrei und Lärmen. Wir eilten an's Fenster und Selbstverständlich wird sahen, wie ein Mann von einem Menschenhaufen geprügelt das Gedruckte dringt fast gewaltsam wie Staub in die feines Blattes angebracht hat. Augen und setzt sich fest im Innern des Lesers oder diese Empfehlung bezahlt, sei es mit klingender Münze, wurde. Ihm zu Hülfe, dem Armen!" rief einer meiner ,, Halt! rief ein anderer; hinterläßt, wenn es auch hinausgejagt wird, wenigstens sei es durch Weinspenden und dergleichen Gastronomisches, Freunde und lief zur Thür. eine Spur. Wehe dem Volke, dessen Presse vergiftet ist, sei es auch nur dadurch, daß der Besizer des Etablissements es ist vielleicht ein Dieb oder ein Raufbold oder ein „ Auch dann müssen wir ihn schüßen vor wehe unserm Volke, wehe allen modernen Völkern! Die dem günstigen Blatte umfangreiche Annoncen zu verdienen Mörder!" Bleibt! rief Millionen bedruckter Blätter, welche fich täglich erheben, giebt. In hohem Grade herrscht die Bestechlichkeit in der der wüthenden Menge; also zu Hülfe!" um über ihre Leser herzufallen, gleichen einem Schwarm Kritik, welche die Zeitschriften den neuen künstlerischen ich, der ich den Geprügelten kannte; es ist nur ein BerichtWas? schrien da meine Freunde mit EntSo mancher unserer berühmten erstatter!" Heuschrecken, welcher sich auf die Volksseele senkt, das Erscheinungen widmen. Grün fressend und verwüstend. Und doch tönnten diese Kritiker bezieht seine großen Einnahmen unter anderm rüstung; ein Berichterstatter? Hinunter zu ihm! Wir weißen Blätter Thautropfen sein, welche Geist und Gemüth dadurch, daß er für gewisse Kunsthandlungen lobende wollen ihn zerdreschen helfen." Nicht minder traurig, als mit der Wahrheitsliebe der der Nationen erfrischen und zur üppigen Entfaltung anregen. Kritiken schreibt und außer seinem schriftstellerischen Honorar " Wer eine Krankheit heilen will, hat dieselbe zunächst noch von Seiten des Kunsthändlers ein„ anständiges" Presse, ist es mit ihrem Schönheitssinne bestellt. Durch in all ihren Aeußerungen zu beobachten, um ein möglichst Trinkgeld für seine„ Bemühungen" erhält. Berichte über ihre ungeheure Verbreitung sind die Zeitungen berufen, vollständiges Bild zu gewinnen. Dann handelt es sich künstlerische oder industrielle Ausstellungen sind vielfach die Sprache in ihrer Schönheit zu wahren und zu entdarum, die Ursachen der einzelnen krankhaften Erscheinungen unlauter beeinflußt. Auch Beurtheilungen von neuen wickeln. Anstatt diesen Beruf zu erfüllen, ist die Presse zu erforschen. Diese Ursachen werden auf eine gemeinsame Büchern zeigen zuweilen deutlich, daß sie von Bestechung ein Boden, auf welchem gerade die häßlichen und unklaren Quelle, den Siß der Krankheit hinleiten. Und hier hat mehr oder minder diktirt sind, mag diese auch nur in Bildungen der Sprache wuchern. Die Zeitungsschreiber schließlich die praktische Heilkunst sich zu bethätigen. Gelingt einer kritischen Gegenleistung bestehen, wie sie unter streuen solche Häßlichkeiten und Unklarheiten mit vollen es ihr, die innerste Quelle des Uebels zu verschütten, so literarischen Kliquen üblich ist. Das Kapitel von der Händen aus, weil sie eben flüchtig schreiben. Dies aber schwinden selbstverständlich alle krankhaften Erscheinungen. Bestechlichkeit der Presse würde eine Lücke haben, wenn es thun sie, wie schon gesagt, weil sie sich vom Schreiben Bemühen wir uns also, um den Preß- Bacillus zu nicht auch jene Gerüchte erwähnte, nach denen einige nähren. Unschön wie die Form ist auch der Inhalt Die Dichtungen, finden, die einzelnen Aeußerungen der Preßseuche feft- Beitungen, die sogenannten Reptilien, für gewisse Agitationen der gewöhnlichen Preßerzeugnisse. zustellen. Prüfen wir eine Zeitung, wie sie den Leuten und Stimmungsmacherei aus dunklen Fonds" bezahlt welche unter dem Striche" der Zeitungen stehen, pflegen an dem schon erwähnten Fehler zu kranken, daß sie dem von heute in die Hände zu gerathen pflegt, Glied für werden. Glied und vergleichen wir diese Glieder mit jenem Jdeal Woher nun die Bestechlichkeit der Presse? Gewöhn- rohen Geschmacke der Lesermasse schmeicheln, anstatt denFade Liebesgeschichten von der von Gesundheit, wie es unsere von Zukunftsgedanken lich wird dieses Laster der allgemein menschlichen felben zu veredeln. moralisirte Vernunft geschaffen hat. Natur oder der gesteigerten Unfittlichkeit unseres Zeitalters Baronesse und dem Grafen Y, spannende Vorgänge Die Zeitung enthält Urtheile. Sie bringt Gedanken zugeschrieben. Wir aber find der wohlbegründeten Weinung, einer versumpften Bourgeoiswelt, deren Versumpfung aber vor über äußere Politit, Volkswirthschaft, Kunst u. f. w., daß die unfittlichen Tendenzen im Menschen vorwiegend vom Romanschreiber nicht erkannt wird, unfittliche SchönMittheilungen von Ereignissen u. s. w. Wie soll nun durch gesellschaftliche Verhältnisse hervorgerufen werden. färbereien im Kolportagestil bilden gewöhnlich das Feuilleton, ein Urtheil beschaffen sein? Die Antwort liegt auf der Wenn wir nun in Bezug auf den vorliegenden Fall unsere und zwar nicht nur bei bürgerlichen Zeitungen, sondern Hand: Wahr soll es sein! Welche Beschaffenheit aber sozialen Zustände betrachten, so stellt sich uns als eigent- leider oft genug auch bei Arbeiterblättern. Noch sehr hat der Inhalt der herrschenden Presse thatsächlich? liche Quelle der Preß- Bestechlichkeit der Umstand dar, daß mangelhaft ist die Einsicht im Proletariat verbreitet, daß allein die realistische Dichtung seiner würdig ist, jene Derselbe wird ziemlich treffend gekennzeichnet durch die die Zeitungen gewöhnlich keine idealen Unternehmungen, Boesie, welche ein lebendiges und getreues Bild der Redensart:„ Gelogen wie gedruckt. sondern Geschäfte sind mit der wesentlichen Bestimmung, Eine Quelle der Preß- Verlogenheit ist zunächst die Geld zu machen, und daß die Zeitungsschreiberei ein Wirklichkeit giebt. Doch nicht bloß Urtheilslosigkeit und Leichtfertigkeit der Schreiber und Zusammensteller. Brodberuf ist. Wer aber den Gelderwerb als wesent- Geschmacksroheit verschulden die schlechten Dichtungen der Anstatt, wie es die Gewissenhaftigkeit thut, vor Mittheilung liches Ziel seiner Thätigkeit ansieht, wie dies wohl die Presse; auch das Verlegerthum trägt einen großen Theil der Schuld! Der allein auf Kapitalgewinn bedachte einer Nachricht die Quelle zu prüfen, aus welcher die meisten Männer der Preſſe thun und durch die sozialen Berleger wählt nämlich mit Vorliebe billige Romane Nachricht stammt, pflegen die Männer der Presse, froh, Verhältnisse zu thun vielfach gezwungen werden, der wird Verleger wählt nämlich mit Vorliebe billige Romane einen Stoff" oder gar etwas" Sensationelles" gefunden leicht zu unmoralischen Mitteln greifen, besonders wenn zur Veröffentlichung aus; am billigsten aber sind gewöhnlich zu haben, die Veröffentlichung ohne Aufschub und Kritik die Handhabe solcher Mittel nicht gerichtlich belangt wird. Die hingeschmierten Schundromane. " 11 zu betreiben. Wie Cäsar von sich rühmte:„ Ich kam, sah, In dieser Weise wird die Wahrheit durch die Presse siegte", so kann der Berichterstatter meistens sagen:" Ich geschädigt. Aber Lügenhaftigkeit und Irrthümlichkeit sind hörte, schrieb, ließ drucken." Woher stammt nun diese nicht die einzigen Fehler jener Urtheile, welche die Ueber das Tabaksmonopol in Frankreich Leichtfertigkeit? Liegt sie, wie die Phrase lautet, in der herrschende Presse ihren Lesern auftischt. Nicht bloß wahr schreibt man der„ Germania": allgemein menschlichen Natur begründet? Nein! Denn, soll ein Urtheil sein, sondern auch in einer Form aus- Es ist bekannt, daß das Tabaksmonopol eine der Hauptwenn wir z. B. den Mann der Wissenschaft mit dem der gesprochen, wie sie einem vernünftigen Geiste geziemt. einnahmequellen für den Staat Frankreich ist. Seit 1811 hat der Breffe vergleichen, so finden wir einen bedeutenden Unter- Der vernünftige Mensch nun wird sein Urtheil stets Staat die direkte Leitung dieses Monopols übernommen, dessen schied der Gewissenhaftigkeit zwischen beiden Theilen. begründen und mit der Vorsicht und Bescheidenheit Eine Ausnahme bilden nur die beiden Kriegsjahre 1870/71, wegen Folglich ist die Leichtfertigkeit der Zeitungsschreiber ein eines Denkers vortragen, der wohl weiß, daß er irren, des in Frankreich geführten Feldzuges und wegen des Verlustes geeignetsten erscheinenden Weise für die Verwirklichung dieser| Berichte, die sie auf den Tisch des Hauses niederlegen, um keine Forderungen einzutreten und ihre Durchführung zu überwachen. Zeit zu verlieren. * * * Elfte Sigung, Sonnabend Abend. Vorfiz: Frau Annie Besant- London und Lavy- Frankreich. Es steht nunmehr auf der Tagesordnung Auf dem Grabe der Kommunekämpfer sollen Pflanzen vom die internationale Fabrikgesetzgebung. III. Der Kongreß erklärt es für die Sache der Arbeiter aller Die Debatte darüber zeigte eine vollständige Uebereinstimmung in werden. Grabe der Chikagoer Hingerichteten morgen Sonntag angebracht Länder, die schweizerische Republik in ihren Schritten für der Forderung einer Beschränkung der Arbeitszeit, der Nacht-, Es handelt sich nunmehr nur noch um die Bestim= eine Konferenz der Regierungen behufs Vereinbarung Kinder- und Sonntagsarbeit. Sonst aber herrschte noch eine arge mung über den nächsten Kongreß. internationaler Verträge über den Arbeiterschuß nachdrücklich zu Konfuſion. Der amerikanische Delegirte, der einen wichtigen Zweig der Die Belgier möchten ihn 1891 in Brüssel abge= unterstüßen. Ritter der Arbeit vertrat, zeterte z. B. gegen die Einwanderung in halten sehen. Der Antrag wird angenommen, aber die Vereinigten Staaten, welche die Löhne drücke und verlangte wiederum mit der alten verhängnißvollen Klausel, von den europäischen Arbeitern, sie sollten die Auswanderungs- daß eine Prüfung der Mandate durch die einzelnen Naagenten bekämpfen, dann würden sie von den besser gelohnten Amerikanern auch besser unterstützt werden können!! Andere Delegirte tionen, allerdings unter Zulassung der Berufung, an dea rühmten den hohen Beruf des Weibes als Hausfrau und wollten Gesammtkongreß stattfinden soll. Es heißt ganz überfie wiederum ganz aus der Erwerbsthätigkeit hinausgedrängt sehen! flüssiger Weise noch wörtlich zum Schlusse der angenomWieder andere verlangen nicht nur eine Alters- und Invaliden-, menen Resolution: sondern auch eine Streifversicherung! Nachtarbeit solle höher bezahlt werden. * * * IV. Außerdem erklärt der Kongreß: Es ist Pflicht aller Arbeiter, die Arbeiterinnen als gleichberechtigte Mitkämpferinnen anzusehen und dem Grundsatz gleichen Lohn für gleiche Leistung" auch in Bezug auf die Arbeiterinnen zur Geltung zu verhelfen. Für ein wesentliches, zum Ziele führendes Mittel hierfür, wie für die Verwirklichung der Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterklasse überhaupt hält der Kongreß die Organisation der Arbeiterklasse in jeder möglichen Weise und fordert dieser= halb volle Koalitions- und Vereinigungsfreiheit. * * * Ferner tamen noch folgende Anträge zur Annahme: Die stehenden Heere, eine Gefahr des Friedens, eine Quelle der Noth des Volkes, sind durch Volksbewaffnung zu erfezen. * * Der Kongreß beschließt: An einem bestimmten Tage wird in allen Nationen aller Orten eine großartige Kundgebung des Proletariats für das Arbeiterschuß- Recht veranstaltet. Der Tag für die ganze Welt ist der 1. Mai 1890. An dem genannten Tage sollen die Arbeiter aller Länder durch öffentliche Rundgebungen die gefeßliche Festsetzung eines achtstündigen Marimal- Arbeitstages, sowie die Durchführung aller übrigen Beschlüsse des Kongresses, unter Anpassung an die Verhältnisse ihrer Länder fordern. * * Unter dem Titel: le Journal de huit heures"(„ die Acht= Stunden- Zeitung") soll ein Wochenblatt für die Sammlung und Verkündigung aller auf die Achtstundenbewegung bezüglichen Nachrichten gegründet werden. Der Possibilistenkongreh. Vierte Sizung. Mittwoch 17. Juli, Vormittags. Wir tragen heute, zur Ergänzung des letzten Berichtes noch folgendes nach: Georgy- Amerika und Burns- England hatten gebeten, die Berichte über die Lage in den einzelnen Ländern nicht vorzutragen, um Zeit für die eigentliche Diskussion zu gewinnen. Gegen die Stimmen von England, Amerika und Holland beschließen aber Frankreich, Belgien, Spanien, Dänemark und Polen, daß jede Nation einen Bericht erstatte Italien und Desterreich enthalten sich der Abstimmung. Sechste und siebente Sigung. Donnerstag, 18. Juli, früh und Abends. Vorsiz: Jensen- Dänemark und Berthaud- Frankreich. Dumay Frankreich und Folgueroso- Spanien. Die Debatten bieten weiter nichts Bemerkenswerthes. Auch hier zeigt sich die Rückständigkeit vieler Delegirten. Merlino- Italien spricht in anarchistischem Sinne überhaupt gegen eine internationale Gesetzgebung; ein anderer will von allen einheimischen Arbeiten die Ausländer ausgeschlossen haben! Die angenommene Resolution geben wir am Schlusse unseres Berichtes wieder. ,, Mit einem Worte, es soll dieselbe Richtschnur bei der Einberufung eingehalten werden, wie vom französischen National- Komite bei dem diesmaligen Kongreß"( la marche suivie par le comité national organisateur du Congrès international ouvrier de Paris serait observée). Blancvallée dankt für das den Belgiern erwiesene Vertrauen und schließt mit den Worten: Es lebe Frankreich! Es lebe die revolutionäre Kommune!" Ein wahrer Beifallssturm antwortet darauf. 11 " Belgien soll auch der Sitz des mit der internationalen Korrespondenz beauftragten Komites sein, obwohl wie Allemane betonte ,, auch dort, wie in Frankreich, Achte Sizung. Freitag, 19. Juli, früh. Marristen gegenwärtig sind, welche das Proletariat der Vorfiz: Limanowsky- Polen und Dubois- Frankreich. Welt einer autoritären Leitung unterwerfen möchten." Die Debatte wendet sich sehr bald dem zweiten Punkt der Tagesordnung des Kongresses zu: Ein Dankschreiben an Gompers, den Leiter der die anzuwendenden praktischesten Mittel, um dauernde Federation of Labor in Amerika wird noch allseitig geBeziehungen zwischen den Arbeiterorganisationen wünscht, eine Erklärung zu Gunsten des allgemeinen der verschiedenen Länder zu schaffen, ohne deren Stimmrechtes und aller politisch Unterdrückten angenommen, Selbständigkeit zu gefährden. Die am meisten beachtete Rede hielt hierzu Hyndman- und dann der Kongreß mit den Worten geschlossen:„ Es London, der Führer der englischen Sozialdemokratischen Födera- lebe die Kommune! Es lebe die Internationale! Es lebe tion." Hyndman betonte zunächst die Bedeutung einer internatio- die soziale Revolution!" nalen Verständigung, zu der gar kein permanenter und autoritärer Generalrath nöthig sei; ein Komite in jedem Lande genüge, um Mittheilungen aus einem Lande nach dem anderen zu befördern; eine derartige Verbindung gefährde auch die Autonomie( Selbstständigkeit) der einzelnen Länder nicht. Gewerkschaften und Sozia= listen müßten sich in England, Amerika, Frankreich, Holland und überall verständigen, erst innerhalb ihrer Nationalität, daun international durch die zu bildenden Komites. Normalarbeitstag, Lohnverbesserung u. s. w. seien freilich nicht das Ziel, das nur in der genossenschaftlichen Produktion, in der Ueberführung der Produktionsmittel, des Bodens, der Maschinen, der Werkstätten in den Besitz und die Leitung des ganzen Volkes bestehen könne. Aber sie hätten ihre Wichtigkeit und seien daher zunächst zu erstreben. Cooper von den Londoner Trades Unions" ist von Hynd= man's Versöhnlichkeit sehr erfreut. Er hofft, daß daraus später eine günstige Wirkung auf die englischen Gewerkschaften hervorgehen werde, deren parlamentarisches Stomite er wegen dessen ablehnender Stellungnahme zum Pariser Kongreß heftig angreift. " Greenwood( von den englischen Glasarbeitern) wünscht, daß jede Nation periodisch eine Statistik über Lohnverhältnisse 2c. veröffentliche; ein Zentralfomite solle für deren Uebersetzung und internationale Verbreitung sorgen. Lavy ist gegen Gründung eines internationalen Zentraltomites, die vielleicht gefährlich sei. Nationale Komites, die mit einander korrespondiren und verkehren, genügten. Der Bericht des belgischen Delegirten Defnet schildert für Belgien alle arbeiterfeindlichen Maßnahmen, die Ausschließung der Arbeiter vom Parlament durch den 42 Franks- Zensus. Die belgische Arbeiterpartei verlange allgemeines Wahlrecht, Arbeiterschutzgesetze, dem Lebensbedarf entsprechende Minimallöhne, mit einem Worte Verbesserung der Arbeiterlage. Die industrielle Krisis wüthe in Belgien, dem Eldorado der Kapitalisten, schlimmer als anderswo. Die Löhne seien stetig gesunken und alle Streiks hätten nichts zu bessern vermocht. Die Arbeitszeit währe meistens 13-14 Stunden des Tages; der Durchschnittslohn betrage etwa 1 Frank( 80 Pfennige) täglich. Ein Drittel des Proletariates Fenwick, den bekannten Gewerkvereinler und Vertreter der sei auf Almosen angewiesen. Eine Haftpflicht eristire nicht für die Northumberlander Bergleute, ist die" Sozialdemokratische Föderation" Unternehmer; man habe zwar Einigungskammern und Schieds- zu radikal, er will ein mehr schrittweises Vorgehen. Hauptsächlich gerichte zu schaffen gesucht, aber in solcher Zusammensetzung, daß sei noch Aufklärung unter den Arbeitern nöthig. Er will nur ein Die Arbeiter deren Entscheidungen nicht anzuerkennen vermöchten. internationales statistisches Bureau, Hyndman geht ihm auch hier Die belgische Arbeiterpartei wachse von Tag zu Tag, sie wünsche zu weit. eine internationale Verständigung und die Wiederherstellung der Sonst betheiligt sich noch kurz: Baldomero Oler= alten Internationale, um die Befreiung der Arbeiterklasse möglichst Spanien. rasch zu erreichen. Resolutionen. Die Arbeiterschutzgesetzgebung betreffend, forderte der Kongreß: 1. Achtstündige Arbeitszeit als Marimum, durch internationale Gesetzgebung zu regeln. 2. Einen freien Tag jede Woche und keine Arbeit an Feiertagen. 3. Abschaffung der Nachtarbeit für Männer nach Möglichkeit für Frauen und Kinder vollständig. 4. Untersagung aller Arbeit für Kinder unter 14 Jahren. Schuß der Arbeit bei Kindern unter 18 Jahren. 5. Allgemeine technische und gewerbliche Erziehung. 6. Doppelte Bezahlung aller Extraarbeit und Beschränkung derselben auf vier Stunden innerhalb 24 Stunden. 7. Haftbarkeit( auch kriminelle) der Arbeitgeber bei Unglücksfällen. 8. Einsetzung von Arbeitsinspektoren, die von den Arbeitern gewählt und vom Staate oder der Gemeinde besoldet würden. 9. Arbeiterwerkstätten mit staatlicher oder Gemeindeunterſtügung. 10. Regelung der Armenhaus- und Gefangenenarbeit und Ausnüßung derselben für den Bedarf des Staats. 11. Kein ausländischer Arbeiter darf Stellung annehmen und fein Unternehmer Stellung geben unter dem durch die Gewerkschaften festgesetzten Minimallohn. 12. Festseßung eines Mindestlohnes durch Gewerbekammern auf Grund der Eristenzbedingungen des Landes. 13. Abschaffung aller die internationale Organisation der Arbeiter beschränkenden Geseze. 14. Für die Frauen bei gleicher Arbeit auch gleichen Lohn. * * Zur internationalen Verbindung lautet die Resolution: Der Kongreß beschließt: Der Däne Jensen giebt ein Bild der Geschichte der Neunte Sigung, Freitag Nachmittag. Arbeiterbewegung in Dänemark. Diese sei eigentlich erst 1871, Vorsiz: Blancvallée- Belgien und Philippe- Frankreich. nach der blutigen Unterdrückung der Kommune, entstanden. Mit 1. Zwischen den sozialistischen Organisationen der verschiedenen Lavy theilt mit, daß durch hinzugekommene Delegirte jegt gänder find dauernde Beziehungen herzustellen, doch dürfen diese allen Mitteln habe die reaktionäre Regierung den Sozialismus zu beseitigen versucht. Trotzdem hingen ihm heute etwa 45 000 Arbeiter 521 fra. zösische und 91 fremde Delegirte da seien, also 612 De- Beziehungen in keinem Falle und unter keinem Vorwande die in Gewerkschaften u. s. w. an, ferner etwa 50 000 in politischen legirte, die 369 Vereine 2c. vertreten. Autonomie der nationalen Gruppen gefährden, da lettere die im Nach kurzer Debatte kommt die untenstehende Resolution über eigenen Lande zu befolgende Taktit am besten beurtheilen können. Vereinen, Bildungsvereinen u. ähnl. Es giebt in Kopenhagen fieben Arbeiterblätter mit einer Auflage von 25000 Exemplaren, die internationale Verbindung" zur Annahme. 2. An alle Gewerkschaften und Berufsverbände soll eine AufDurch diesen Beschluß hat der Kongreß die neue Internationale forderung ergehen, sich national und international zu vereinigen. sechs Arbeiterblätter in der Provinz und ein illustrirtes Wigblatt. ruft Smith- England begeistert aus und die Ver= Die Arbeitszeit betrage im Durchschnitt etwa 12 Stunden, der gegründet!" 3. Die Schaffung eines internationalen Blattes, das in mehDurchschnittslohn etwa 1000 Frants( 800 Mart) jährlich. Ein fammlung applaudirt. reren Sprachen erscheint, soll für die sozialistischen Parteien der Dieselbe nimmt dann folgenden von Amerika angeregten An- verschiedenen Länder in Aussicht genommen werden. Arbeiterabgeordneter size im Parlament. trag an: der Kongreß verurtheile die Auswanderung, billige 4. Alle Organisationen sollen für ihre wandernden Mitglieder das amerikanische Gesetz, welches die Einwanderung von Ar- Karten ausgeben, um sie für ihre Arbeitsbrüder in allen Ländern beitern unter Kontrakt verbiete, und verlange Bestrafung fenntlich zu machen. aller derjenigen, die durch falsche Vorspiegelungen zur Auswanderung verleiten.(!!) Der spanische Delegirte führt die dortige Arbeiterbewegung auf das Jahr 1848 zurück, die katalonischen Weber gaben den Anstoß dazu. Die Bewegung wuchs zusehends, besonders nach der Bertreibung der Bourbonen( 1869). Bald wird es zwischen Frankreich und Spanien keine trennenden Pyrenäen mehr geben. In Spanien gebe es 7 Arbeiterblätter. Trotz aller Verfolgungen könne man sich doch frei vereinigen, frei reden und schreiben. Die Arbeitszeit dauere 11 bis 13 Stunden. Die Löhne sind ganz un die genügend. Die zahlreichen Streits haben die Kassen des Proletariates start geleert. Zu gunsten des Normalarbeitstages und Minimallohnes sei gerade jest wieder eine lebhafte Bewegung im Gange, die wohl auch auf die Cortes einwirken werde. Fünfte Sizung. Mittwoch, 17. Juli, Abends. Vorfizz: Caumeau- Frankreich, Frituyn- Holland. Folgende Antwort vom Marristenkongreß kommt zur Verlesung: An den internationalen Arbeiterkongreß, 10 rue de Lancry. Bürger Im Namen des Sozialistischen Arbeiterkongresses, der in der Rue Rochechouart 42 auf grund der Beschlüsse der Kongreffe von Bordeaux und Troyes und der Haager Konferenz tagt, theilen wir Ihnen auf Ihr Schreiben die Beschlüsse mit, welche das beauftragte permanente Büreau gefaßt hat. Nach der gestern fundgegebenen Meinung kann unser Kongreß nur einer Vereinigung ohne Bedingungen und Weiterungen zustimmen. Da er feinerlei Einschränkung gemacht hat und macht, keine Bedingungen gestellt hat und stellt, so tann er sich auch von der Gegenseite keine vorschreiben lassen. Die italienischen Delegirten sind mit der Uebermittelung dieses Bescheides beauftragt. W. Liebknecht, Borsigender. Es beginnt dann die Diskussion über die Unternehmerkartelle, aber abgebrochen und vertagt wird. Zehnte Sigung, Sonnabend, den 20. Juli, früh. Vorfiz: Baldomero Oler- Spanien und Bataille- Frankreich. Werrycken Belgien: Ueberall verbänden sich in Belgien die Unternehmer um die Preise zu steigern und die Löhne zu drücken. Die Streits der Arbeiter seien meist fruchtlos gewesen und solange das Privateigenthum an Produktionsmitteln bestehe, werde es kaum anders werden. Streifende Arbeiter seien dauernd durch geheime Zeichen in den Arbeitsbüchern u. s. w. geächtet. Darum einigen und verbinden auch wir uns, unterstüßen auch wir uns gegenseitig. Nic- Paris will an Stelle des Privatunternehmers den Staat, das Departement und die Gemeinde gesetzt sehen(!). Deau( von den Londoner Tischlern und Zimmerern) will mur solche Unternehmer behördlich zu öffentlichen Arbeiten u. 1. w. zugelaſſen ſehen, welche die Löhne und Arbeitszeiten der Gewerkschaftstarife einhalten. In London zahle aber der Staat oft noch weniger wie das Privatkapital. Racine( Pariser Bildhauer) betont die Wichtigkeit der Arbeiterkoalitionen, um die Macht der Unternehmer zu brechen. Borrows- Amerika schildert die Trusts der Vereinigten Staaten. Die fleinen Unternehmer und selbständigen Eristenzen verschwänden dadurch und der Arbeiter stehe nur dem einen Riesenmonopol gegenüber. Hülfe biete nur: die Besizergreifung der Produktionsmittel durch die organisirten Arbeiter. 5. Für jedes Land sollen Nationalkommissionen errichtet werden, soweit sie nicht schon bestehen; diese haben dann sowohl auf gewerkschaftlichem wie auf politischem Gebiet die internationalen Beziehungen zu unterhalten. Die Kommissionen haben die Pflicht, alle Mittheilungen in Empfang zu nehmen, zu überseßen und an die interessirten Kreise zu übermitteln, welche an sie über die soziale und wirthschaftliche Lage der Arbeiter gelangen. Eine Abschrift dieser Resolution ist an den Sekretär des Parlamentarischen Komites der englischen Gewerkschaften zu senden mit Trades Unions vorzulegen. der Bitte, sie dem im September stattfindenden Jahreskongreß der beschloß man: * * Ueber die Unternehmerverbände In Erwägung, daß die Beseitigung der nationalen und internationalen Unternehmerverbände und Finanzmonopole erst an dem Tage erfolgen kann, wo das Proletariat der Welt so stark organifirt sein wird, daß es die Leitung der Produktion übernimmt in Erwägung ardererseits, daß diese Organisation noch lange Beit erfordern wird, beschließt der Kongreß: daß die Arbeiterorganisationen jedes Landes die Regierungen bestimmen sollen, auf grund der bestehenden und zu schaffenden Geseze allen Koalitionen und Ringen entgegenzutreten(!), welche den Zweck haben, ein Monopol der Rohstoffe, der Lebensmittel zu gründen oder die Arbeit zu vergewaltigen. Dazu wurde dann noch der Antrag Borrows angenommen, daß die Arbeiter ihre eigenen Koalitionen denen der Unternehmer entgegenstellen sollten. Clement- Frankreich behandelt die Frage in fleinbürgerlichster Für das Büreau: N. Lavigne, Schriftführer Weise: bei Streits sollen die Unternehmer durch Gesetz gehindert werden, ausländische Arbeiter heranzuziehen(!), die Departements Nach einigen Bemerkungen von Joffrin, Cofta- Italien und sollen Streifende mit öffentlichen Geldern unterstützen(!!), die beGroce- Italien wird über das Schreiben zur Tagesordnung über- waffnete Macht soll nicht gegen Ausständige einschreiten dürfen(). Eine internationale Bergarbeiterkonferenz alle Monopolisten, welche die Preise steigern, sollen bestraft werden(!). wurde am 18. und 19. Juli in der Pariser Arbeitsbörse Die portugiesischen, holländischen, amerikanischen Resolution s. am Schluß. und englischen Delegirten verzichten auf die Verlesung ihrer abgehalten. gegangen. Es waren anwesend: Fabrikant vorschreibt, finden, wenn dieser nur zu ihnen An den Unternehmer liefert nun, wie wir gesehen für Frankreich u. a.: der Kammerabg. Basly, Antoine fagen würde: Meister, Ihr könnt keine bessere Bezahlung haben, der Hausindustrielle die fertige Waare zurück. Er Lacombe aus Decazeville, Sabatier( Bouches du Rhône), erhalten". Für dieses freundliche Wort( nämlich Meister) kann, wie der selbständige Fabrikant, nicht seine Produkte ferner noch sechs Delegirte, so sagte er, würden wir alles ertragen". Ein sehr cha- an den Konsumenten direkt verkaufen. Ihm sind die aus England: das Parlamentsmitglied Fenwick- rakteristischer Ausspruch! Absatzverhältnisse, welche sich weit über den Rahmen des Northumberland und Keir Hardie- Schottland, Die Hausindustriellen sind nun mit ihrem geringen lokalen Marktes erstrecken, vollkommen fremd. Daher aus Belgien zwei Delegirte aus dem Centrum und Besißthum, ihren Arbeitsmitteln, ihrem Stück Land, fast hängt er ganz von der Willkür des Unternehmers vollkommen verwachsen. Dieses hängt ihnen wie ein ab. Derselbe kann ihm ganz willkürlich den Lohn zumessen. aus Deutschland: Ferdinand Dickmann- Bochum, Bleigewicht an den Füßen fest und hindert sie auf Schlechte Lebensmittel, unnüße Gebrauchsartikel muß er Daniel Eckhart- Essen, Karl Wesch- Crefeld, Stolle- Sachsen, Schritt und Tritt. Der Fabrikarbeiter kann sich wenigstens als Bezahlung mit in den Kauf nehmen. Strunz- Zwickau. aus Lüttich, frei bewegen, er kann dahin gehen, wo sich ihm bessere Die Ausbeutung des Hausindustriellen durch das Man sprach sich hauptsächlich über die erbärmliche Arbeitsbedingungen darbieten. Der an sein kleines Befiz- Truck system ist die nothwendige Folge dieses AbhängigLage der Bergarbeiter der einzelnen Länder aus und nahm thum gefesselte Hausarbeiter muß sich jedoch, da er nur keitsverhältnisses. Das Truckſyſtem blühte früher in folgende, von den Belgiern vorgeschlagene Resolution an: von ein und denselben Unternehmern abhängt, diesem auf sämmtlichen Zweigen der Hausinduſtrie. 1. In allen Ländern ist mit allen verfügbaren Gnade und Ungnade ergeben. Besonders charakteristisch waren die Solinger Zustände. Agitationsmitteln die Organisation der Bergarbeiter zu Hier hatten von 68 Fabrikanten 42 einen Laden mit Dieses Abhängigkeitsverhältniß wird um so unervervollkommnen. Um 50 pбt. theurer träglicher, weil dem Hausindustriellen vollkommen die Waaren, 8 eine Schankstube.**) 2. Ueberall find nationale Verbände der Bergarbeiter Kampfmittel fehlen, welche die Fabrikarbeiter in ihren mußten die Hausindustriellen theilweise die zum Lohn ge= leben häufig( namentlich die Weber) über ein großes Hausarbeiter in den Schnapshöhlen der Fabrikanten auf Organisationen gegen die Unternehmer besigen. Sie schlagenen Waaren bezahlen. Stundenlang ließ man den Terrain verstreut. Kein straffes Band der Organisation seinen Lohn warten, bis er den größten Theil desselben in Schnaps vertrunken hatte. Einem Scheerenschleifer kann daher die vereinzelten Hausindustriellen zusammenund ihre völlige, dadurch bedingte Ohnmacht im Kampfe In einigen Gegenden stand es jedoch bis auf unsere Tage halten. Diese Zusammenhangslosigkeit der Hausarbeiter drängte man einmal für 83 Thaler Waaren auf. Dieses Trucksystem ist in Solingen vollkommen beseitigt worden. mit dem Kapital läßt selbst einen Mann wie Alphons mit dem Kapital läßt selbst einen Mann wie Alphons in voller Blüthe. Thun den Wunsch äußern, die Regierung müsse sich hier organisationen zu gründen. 3. Es iſt die Zeit für eine internationale Konferenz festzusetzen und ein Zentrum zur Erleichterung von Mittheilungen zu schaffen. zu verhindern sind, ist allen Bergarbeiterorganisationen 5. Partielle Streiks sind zu vermeiden. Wo sie nicht der verschiedenen Länder Mittheilung zu machen, damit die Grubenverwaltungen sich nicht anderswoher decken können. Die Bergarbeiter aller Länder sind solidarisch. 6. Alle Sektionen und Föderationen haben über drohende Ereignisse auf dem Gebiete des Lohnes oder der Produktion Bericht zu erstatten. Die deutsche Hausindustrie. Ihre Entwicklung, ihre Zustände und ihre Reform. Von P. Kampffmeyer. IV. des Kapitals begegnen zu können. In der Aachener Tuchindustrie vernahm man noch zu Gunsten der Hausarbeiter, der Hausweber in's Mittel 1878 zahlreiche Klage über die Truckwirthschaft einiger legen und alle Meister zwingen, einem Gewerbeverein beizutreten," um durch Lohnregulirungen der Uebermacht Werkmeister, welche den Arbeiter veranlaßten, aus ihren Schankwirthschaften Lebensmittel zu beziehen. In Oberfranken und Thüringen wuchert dieses Diese isolirte Stellung der Hausindustriellen bewirkt menschenmörderische System noch träftig fort. Im Koferner ihre gänzliche Unwissenheit in bezug auf die burgischen Gebiet theilte eine der größten Firmen den technischen Fortschritte ihrer Gewerbe. Sie werden voll- Korbmachern, ohne sie weiter zu fragen, 3/5 Pfund Kaffee, tommen Sklaven der Tradition und kultiviren die un: 1 Pfund Zucker, 2 blaue Bäckchen Cichorien zu, wofür praktischsten, veraltetsten Arbeitsmethoden. So erzählt ihnen 1 Mt. 45 Pf. abgerechnet wurden.*) In Oberuns Emanuel Sor, daß in der Sonneberger Spielwaaren- franken mußten die Arbeiter Mehl, Zucker, Kaffee, ja selbst industrie die Technik des Ausformens und Drückens der Blechwaaren, welche sie gar nicht verwenden konnten, als Diese Zweige der jüngeren Hausindustrie haben die- Figuren noch dieselbe sei wie vor 60 Jahren. Alphons Bezahlung hinnehmen. Mädchen erhielten einmal jogar selben Charaktermerkmale wie die vorher angeführten der Thun klagt verschiedentlich über die totale Unwissenheit Bigarren. Der Humane Fabrikant wollte jedenfalls sein der Hausindustriellen und Kleinmeister auf technologischem Scherflein zur Frauenemanzipation beitragen. Um jeden älteren Hausindustrie. Die eigentlichen Produzenten derselben sind bloße Unterschied in der Kleidung zu verwischen, traten die Stücklohnarbeiter, obwohl sie meist noch im Besize ihrer Die ständige Fesselung ganzer Generationen an ein- Fabrikanten sogar die Hüte ihrer Frauen an die ArbeiteProduktionsmittel sind. Von großen Geschäftsinhabern und dieselbe Hausarbeit raubt ihnen häufig vollkommen rinnen ab. Allerdings waren diese schon etwas abgetragen; erhalten sie Arbeit angewiesen. Diese schießen ihnen meist die Fähigkeit, eine neue Arbeitsmethode oder gar ein aber wer wird sich auch an einer solchen Kleinigkeit stoßen! den erforderlichen Rohstoff zur Verarbeitung vor und neues Handwerk zu erlernen. Die vielseitige Individua- In Neustadt am Rennsteig gedeiht ebenfalls noch bis nehmen dann die fertigen Waaren in Empfang. Die lität des Hausindustriellen verkrüppelt vollkommen zu auf unsere Tage das abscheuliche Trucksystem. Leitung der Produktion und der Vertrieb der Waaren gunsten einer sehr einseitigen Berufsarbeit. Diese Ver- Jm Schwarzwald und an einigen anderen Orten liegt in ihren Händen. Die Hausindustriellen befinden hältnisse entwickeln sich nothwendig aus der isolirten ebenfalls.+) fich daher in vollkommener Abhängigkeit von den Unter- Stellung des Hausarbeiters. Sie verleiht dem Abhängignehmern. keitsverhältniß zwischen Unternehmer und Hausindustriellen Gebiete. **) Thun: Die Industrie am Niederrhein II, 3, 72-73. *) E. Say: Hausindustrie. t) Stieda: Die deutsche Hausindustrie. Verschiedene Vereinsberichte mußten wegen Raummangels zurückbleiben. Aus diesem eigenthümlichen Abhängigkeitsverhältniß einen ganz brutalen Charakter. entspringt nun jene ganze Reihe von sozialen Uebeln, Doch noch sind nicht alle Schäden und Uebel hier welche die Lage des Hausindustriellen zu einer wahren entwickelt worden, welche sich aus diesem eigenthümlichen Hölle auf Erden gemacht haben. Wir müssen uns daher Abhängigkeitsverhältniß herschreiben. dieses genau vergegenwärtigen. Ist es doch gerade das Der Unternehmer liefert dem Hausindustriellen häufig Verhängnißvollste an diesem Verhältniß, daß es selbst für das Rohmaterial zur Arbeit. Daraus entspringt die die unter demselben Leidenden nicht so leicht zu durch schamloſeſte Uebervortheilung der Hausarbeiter durch Berliner Arbeiterbibliothek. schauen ist. übermäßig hohe Berechnung des Materials von Seiten Da der Hausindustrielle meist noch mit eigenen des Unternehmers. Es kommen mitunter Preisaufschläge Arbeitsmitteln und in eigenen Arbeitsräumen produzirt, so von 10-30 pCt. vor. Emanuel Sax belehrt uns, daß kann er sich leicht über seine wirkliche Klassenlage täuschen. Der Gewinn eines Korbverlegers an Rohstoffen allein Er hält sich für selbständig und sieht den Lohnarbeiter nahezu 100 Mark über den ortsüblichen Handelsgewinn über die Achsel an, er ist ja Meister". Ein gewisser betrug. Ja Betrug auf alle Fälle! In Schlesien preßten Dünkel haftet ihm an, der ein direkter Hemmschuh seiner schon seit altersher die Garnhändler den Webern durch Befreiung wird. wucherisch hohe Preisaufschläge den leßten Blutstropfen ab. Die vielen Weberrevolten geben darüber Aufschluß.*) Alfons Thun hat schon in seiner Geschichte der In dustrie am Niederrhein" geschildert, mit welchem Stolz dieser sogenannte Meister auf diejenigen herabfieht, welche *) In der Crefelder, Gladbacher und Elberfelder Industrie in die Fabrik,„ in den Frohnhof" wandern; troßdem diese spielten früher die sogenannten Faktoren diese Ausbeuterrolle. häufig besser gestellt sind als dieser Herr Meister. Das Dieser Zwischenpersonen bedienten sich nämlich die Firmen, um in Wort„ Meister" hat für sie noch einen bezaubernden Verbindung mit den überall hin verstreuten Webern zu treten. Sie Klang. Ein Weber erzählte einst dem Verfasser der„ Ge- übermittelten den Hausindustriellen die Arbeit und hatten sie das durch fast vollkommen in ihrer Hand. Dieses„ Faktorenunwesen" schichte der Industrie am Niederrhein", die Weber würden kommt noch heute vor.- Stieda: Die deutsche Hausindustrie. sich gern in die Arbeitsbedingungen, welche ihnen der pag. 86. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis Montag, den 30. Juli, Abends 81/2 Uhr, in Huth's( Gottschalf's) Salon, Badstr. 22. Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk: Die moderne Poesie und die Arbeiterbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Mülheim am Rhein. Abonnements sowie Einzelnummern der ,, Berliner Volks- Tribüne" ,, Verliner Arbeiter bibliothek", sowie Kölner Arbeiterzeitung, Neue Zeit, Geschichte der Erde, Französische Revolution, Notiz- und Neue Welt- Kalender, Wahrer Jakob, sowie alle wissenschaftlichen Bücher und Schriften vermittelt pünktlich und regelmäßig Joh. Manns, " Soeben erschien: Heft 5: Offip Zetkin Paris: Charakterköpfe aus der französischen Arbeiterbewegung.( 48 S.Pr. 20 Pf.) ( Jules Guesde.- Paul Lafargue. Gabriel Deville. Vaillant. Louise Michel.) erschienenen Heft 4: Dieses Heft bildet zugleich eine Ergänzung von dem bereits Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Von Ossip Zetkin- Paris t. 48 Seiten Preis 20 Pfg. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure, sowie durch die Expedition dieses Blattes. " Wirksame Agitation! Agitation! Gelesene Nummern der Arbeiterblätter" wirft man nicht weg, sondern sendet dieselben unter Kreuzband, mit einer 3 Pfennig- Marke versehen, abwechselnd an verschiedene unserer Bewegung angehörige Personen. Berliner Arbeiterbibliothek Herausgegeben von Max Schippel. Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Nach dem Amerikanischen von Edward Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Heft 2: Die Gewerkschaften, ihr Nutzen und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Von Max Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Heft 3: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara Zetkin- Paris. 40 Seiten. Preis 20 Pf. Heft 4: Die franzöfifche Arbeiterbewegung seit der Pariser Kommune. Bon Offip Zetkin- Paris †. 48 Seiten. Preis 20 Pf. Heft 5: Charakterköpfe aus der französischen Arbeiterbewegung. Deville. Vaillant. Offip Zetkin- Paris †( Guesde.- Lafargue. Louise Michel.) 48 Seiten. Preis 20 Pf. Bestellungen sind zu richten an die bekannten Kolporteure und Buchhändler oder an den Verlag der Berliner Volks- Tribüne", Berlin, Oranienstr. 23. Von 10 Eremplaren an hohe Preisermäßigung. Ein Gesangkasten mit Zubehör ist zu ver= kaufen bei Schoenfisch, Mauerstr. 27. Sattler! Der unentgeltliche Arbeitsnachweis des Vereins der Sattler und Fachgenossen beMülheim, Taubengasse 16. Anft. Schlafftelle 3. verm. Andreasstr. 71 v. I. r. findet sich Dresdenerstr. 116, Wendt's Restaurant. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonnabend, den 27. Juli, Abends 8½ Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a, Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Aßmann über Normal= 2. Diskussion. arbeitstag 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen erfucht Der Vorstand. Freie Vereinigung der Vergolder und Fachgenossen. Montag, den 29. Juli, Abends 8½ Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstr. 10. Große außerordentliche Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht der Tariffommission. 2. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. Meinen werthen Freunden und Genossent empfehle ich mein Druckt und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Cigarrengeschäft. Carl Lehmann Brunnenſtr. 83, dicht am Humboldthain.