Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Die„ Berliner Bolts- ribune" erscheint jeden Sonnabens früh. abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Bfg. pränumerando( frei ins Haus).- Ginzeine Summer 15 fg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Bfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreislifte für das Jahr 1889.) Redaktion und& rpedition: S.O.( 26). Oranien- Straße 23. № 36. Inserate werden die 4 ipaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Bfg.- Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 7. September 1889. Ausgabe für Spediteure: Mertur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Die Krifis in der englischen Gewerkschaftsbewegung. I. Ein Altramontaner über den Pariser Kongreß.- Preußen und die Volksschule. III. Die Aufhebung des Sozialistengesetzes. III. Der brittische Gewerkschaftskongreß. I. Irreführende Streifstatistiken. Dr. Jörg über den Pariser Kongreß. Preußen und die Volksschule. III. Novelle. Benoit Malon. II.- Die Sünden der Presse. III. Die Entwickelung der deutschen Agrarverhältnisse. II.- Die amerikanische Produktionstechnik. 1 Darstellungen eine in den Gesezen mit Strafe bedrohte genannten kleinen Belagerungszustandes verzichten. Handlung anpreist, verherrlicht oder als etwas Rühmliches Man hat besonders mit der Ausweisungsbefugniß keine darstellt, wird mit Gefängniß nicht unter drei Monaten bestraft. Die Bestimmung des§ 4, Absatz 2 Biffer 2 des guten Erfahrungen gemacht. Doch hält es Fuld für eine Strafgesetzbuches findet auf diesen Fall Anwendung. ,, offene Frage" ob nicht dennoch auf Beschränkung des Die Vorschrift in§ 10 des Gesetzes vom 9. Juni 1884 Aufenthaltes als Nebenstrafe zu erkennen sein möchte. wird hierdurch nicht berührt." Dies würde, nachdem das Strafgeset so verbessert ist, daß nach den Strafgefeßen des deutschen Reichs bestraft werden gehen kann, das Sozialistengeset reichlich ersetzen. Der angezogene§ 4 Absatz 2 3iffer 2 sagt, daß ihm niemand, der öffentlich schreibt oder spricht, mehr enttann: ein Deutscher, welcher im Auslande eine landes- gehen kann, das Sozialistengeset reichlich erſeßen. verrätherische Handlung gegen das deutsche Reich oder Fuld dem deutschen Volke zu bieten wagt. Das sind die Grundzüge dessen, was Herr Dr. Ludwig einen Bundesstaat, oder eine Beleidigung gegen einen Wir würden auch an die Annahme dieser oder ähn= An alle Arbeiter und Parteigenoffen richten wir wiederholt die herrlichung" einer solchen That durch einen Deutschen im Sicherheit geboten werden könnte, daß diese Geseze nur Bundesfürsten begangen hat. Es soll also auch die Ver- licher Vorschläge sehr leicht glauben, wenn irgendwie eine Aufforderung, unermüdlich neue Abonnenten für unser Auslande bestraft werden. Blatt zu werben. So Freund! nun gehe hin und berichte über irgend ihrer Lage, durch sozials ormen fowohl als durch gegen die Arbeiter und ihre Bestrebungen auf Verbesserung Die nächsten Monate werden wesentlich eine Vorbereitungszeit eine Thatsache des öffentlichen ns, wenn du mit den Koalitionsrecht, angewendet würden. So muß jede P für die nächsten Reichstagswahlen binderen ungeheure Gefängnissen unabweislich Bekanntschaft machen willst. fürchten, daß sie selbst über kurz oder lang diese Wichtigkeit jedem Parteiangehörigen sofort klar sein muß, nachdem Kannst du die Thatsache, die du berichtet hast, nicht in thaten" des verbesserten Strafgesetzes am eigenen Leibe die Legislaturperioden im Reiche auf fünf Jahre verlängert wurden. allen ihren Einzelheiten als durchaus wahr erweisen, hat foften bekommen fann. Da gilt es mit doppeltem Eifer zu wirken, und wir rechnen darum sie sich auch nur in Nebensachen etwas anders zugetragen, auch auf die regste Mitarbeit und Unterstützung der weitesten als du sie erzähltest, so bist du verloren. Das ist die einzige Hoffnung, die wir haber, Kreise der Partei. Du schreibst: der Magistrat hat das Asphaltpflaster daß man es nicht ganz so schlimm machen wird, als die so mit Wasser besprengen lassen, daß heut an einer Ecke Herren von der nationalliberal- freikonservativen Gesinnung drei Droschkenpferde stürzten und eine Deichsel zerbrochen des Herrn Dr. Ludwig Fuld es gerne möchten. wurde. Es stellt sich aber heraus, daß du nur von Nicht Gerechtigkeitsfinn sondern Furcht hält davon zwei Pferden den Sturz beweisen konntest, so hast du ohne zurück, die Arbeiter zum äußersten des Rechtes zu be Zweifel eine entstellte" Thatsache behauptet. Es ist eine rauben. Anordnung des Magistrates, das Wasserbesprengen des Asphaltes, herabgewürdigt", weil behauptet ist, es habe Um unseren Genossen die Gewinnung neuer Abonnenten zu erleichtern, werden wir Exemplare gratis zur Agitation versenden. Alle Freunde unseres Blattes, die eine bestimmte Anzahl solcher Gratis- Exemplare wünschen, bitten wir um umgehende Benach richtigung durch Postkarte. Die Vertheilung empfiehlt sich besonders in Vereinen und Versammlungen. " W Der Verlag der„ Berliner Volks- Tribüne". verursacht, daß Pferde gestürzt sind. Alle Kriterien des Bum Kongreß der englischen Gewerkschaften Berlin S. O., Oranienstr. 23. Die Aufhebung des Sozialistengesetzes und die Aenderung des Strafgesetzbuches. III. gk. Derselbe rückschrittliche Geist kennzeichnet die weiteren Vorschläge des Herrn Fuld. Er kommt jetzt zur Verbesserung" des§ 131 des St. G. B., der heute lautet: Wer erdichtete oder entstellte Thatsachen, wissend, daß sie erdichtet oder entstellt sind, öffentlich behauptet oder verbreitet, um dadurch Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Obrigkeit verächtlich zu machen, wird mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft." § 130 find erfüllt und die Strafe kann eintreten. Nein, nein! man lasse uns unser liebes mildes Sozialistengeset! und 129 des St. G. B. ist Dr. Fuld, nachdem dieselben Mit den Geheimbund.sparagraphen, den§§ 128 durch das Reichsgericht entsprechend ausgelegt" sind, einverstanden. Er hält es nicht für nöthig, da noch weitere Verschärfungen eintreten zu lassen. Wir wüßten auch wirt lich nicht, wie sich hier noch eine Verschärfung anbringen ließe. werden: zu Dundee. ( Vom 2. bis 6. September 1889.) I. pfr. London, 3. September. Der Guerillakrieg, der bisher in England weithin vernehmbar und mit immer steigenderer Heftigkeit zwischen Rapitalisten und dem Proletariat der Industrie mit wechselvollem Glücke tobte, ist in eine neue Phase eingetreten. Er ist augenscheinlich aus dem Stadium des planlosen ökonomischen Kleinkrieges in das des bewußten Klaffenkampfes übergegangen. Dagegen sollen die Vereinsgesetze erweitert ,, Vereine, welche die Förderung der in§ 130 und 131 In der Geschichte wie in der Naturwissenschaft gilt bezeichneten Handlungen zum Zweck haben, oder in welchen das Gesetz der Verwandlung der Energie. Die latente diese Handlungen verübt werden, find von der zu- Energie, welche in hunderttausenden von hungrigen Mägen ständigen Polizeibehörde aufzulösen u. s. w." Herr 2. Fuld ist so gütig, diese Befugniß der Polizei aufgespeichert liegt, schlägt in dem Augenblick in eine sich Es wird also hier die bewußte und absichtliche Lüge, mit Rechtsgarantien" nach Muster des§ 16 des preußi- wirkungsvoll bethätigende geſellſchaftliche Macht um, wo fie angewendet zur Verächtlich machung von Staatseinrichtungen schen Vereinsgefeßes zu umgeben. Was die bedeuten, sich zum Bewußtsein ihrer selbst entwickelt. Das auf die äußerste Spiße getriebene gesellschaftliche Elend, das sich wissen wir aus der Erfahrung. Der Fachverein der u. s. w., unter Strafe gestellt und zwar nur dann, wenn Berliner Maurer ist z. B. seit mehr als drei Jahren von negativ als solches selbst erkennt, konstituirt sich positiv als die Absicht, der Polizei„ vorläufig" geschlossen. Trotz aller Rechts- gesellschaftliche Macht und stellt die Forderung seiner eigenen wann Aufhebung. Auf diesen Standpunkt des bewußten Wie will nun aber Herr Fuld diesen Paragraphen nun endlich ein richterlicher Entscheid getroffen werden Klassengegensaßes beginnt die englische Arbeiterklasse sich zu ersichtlich ist. umgestalten? Man höre: stellen: die ständig wachsende sozialistische Bewegung stellt seine theoretische, die großen ökonomischen Arbeiterkämpfe der letzten Jahre stellen seine praktische Seite dar. wird. Das Rechtsverfahren hat dem Vereine nichts ge= " Wer erdichtete oder entſtellte Thatsachen, welche ge- nußt, aber sehr erhebliche Prozeßkosten verursacht. Die Signet find, Staatseinrichtungen oder Anordnungen der Rechtssicherheit, die durch den Richterspruch gewährleistet Obrigkeit verächtlich zu machen oder in der öffentlichen werden soll, ist also ziemlich werthlos. Meinung her abzuwürdigen, wissentlich verbreitet, Higher wages and shorter hours of labour, höhere Nachdem das Strafgeseßbuch in dieser Art zuhandelt, so tritt Geldstrafe bis zu 150 Marf oder Gefäng- geschnitten ist, kann das Presgesetz unverändert bleiben. oder selbst Achtstundentag sind nicht länger die endgiltig ( 0 lbftrafe u. 1.1. Hat der Täter fahrlässig geLöhne und kürzere Arbeitszeit, gewerkschaftliche Organiſation niß bis zu 6 Monaten ein. Wie wenig es die Presse gegen ungerechtfertigte Beschlag= entſtellte Thatsachen, welche geeignet sind, den Staat mit derselben Strafe wird belegt, wer erdichtete oder nahmen schüßt, ist ja bekannt, und das Recht, Zeitungen ausgegebenen Losungsworte; die in den Streiks errungenen beer die beſtehende Geſellſchaftsordnung oder Theile derfelben zu unterdrücken hat sich bei Handhabung des Sozialisten- Siege enden nicht mehr in Friedensschlüſſen, ſondern nur in Waffenstillständen, in dem vorläufigen Verschnaufen verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herab- geſetzes als werthlos erwiesen, weil es kein Mittel giebt, auf der gewonnenen Position, von welcher aus die nächſte zuwürdigen, wissentlich öffentlich behauptet oder verbreitet. das Erscheinen neuer Zeitungen zu verhindern. Herr Fuld preche Bestimmung über die fahrlässige Berübung findet tröstet sich damit, daß die von ihm verbesserten"§§ 130 zu nehmende in näheren Augenschein genommen wird. In „ Wer " Ber öffentlich vor einer Menschermenge oder wer durch und 131 ausreichen werden, um die" Presse gehörig nieder- ben leßten großen Streiks haben die Arbeiter offen erklärt ,!) Verbreitung oder öffentliche Auslegung von Schriften oder zuhalten. Wir glauben auch, daß er damit Recht hat. anderen Darstellungen, oder wer in Schriften oder anderen' Ebenso will Herr Fuld auf die Befugnisse des so1) So z. B. türzlich die Gasarbeiter. Vergl. Nr. 32 der „ Volks- Tribüne". daß die der Kapitalistenklasse abgeforderten resp. abgerun-| jeßt, daß bei der Abstimmung, welche auf Beschluß des Arbeit" hat einem rückhaltlosen Zuruf des Beifalls und genen Zugeständnisse durchaus nicht als lezte Ziele, sondern leßten Kongresses über die Frage des Achtstundentages nachhaltiger finanzieller Unterstüßung gegenüber den neuen als Durchgangspuntie 3 neuen Forderungen betrachtet in der Zwischenzeit in sämmtlichen Trades Unions vor- Kameraden Plaz gemacht. würden. Der Klassenkampf ist also in Permanenz erklärt. vorgenommen worden ist, sich die erdrückende Majori- Tagtäglich sehen die Unionisten ihre Bestrebungen Damit hat sich in dem alten Gegensatz, wie er zwischen tät zu gunsten desselben entschieden hat. scheitern, wo sie nicht die thatsächliche Macht hinter Kapitalistenklasse und gewerkschaftlich organisirter Arbeiter- Damit ist indessen die Sache nicht erledigt. Es fragt sich haben. Es beginnt die Einsicht zu tagen, daß die schaft bestand, eine ganz wesentliche Aenderung vollzogen, sich noch, ob er als unbedingte Maßregel gefordert und Erlangung der politischen Macht nur durch Zusammenwelche nicht nur eine neue Stellung der beiden gesellschaft auf welchem Wege er erlangt werden soll. Einige Ge- schluß der ganzen Klasse sei es nun zu einer selbständigen lichen Klassen unter sich bedeutet, sondern auch einen be- werkschaften, so in ihrem Jahresbericht die große und reiche Partei oder zu einem festen Ring von Arbeiterorganisareits in vollem Gange befindlichen Umwandlungs pro- der Vereinigten Maschinenbauer, erklären den Achtstundentag tionen mit politischem Programm zu erreichen ist. Sie zeß innerhalb der Reihen der Trades Unions selbst an und für sich für wünschenswerth, wollen ihn aber ver- fangen an zu begreifen, daß ihre eigene Emanzipation nur gezeitigt hat; dieser lettere ist nur das getreue Spiegelbild, flausuliren, indem sie sich auf die gefährdete Freiheit in der Emanzipation ihrer Klasse besteht. Auf dem Kondas nothwendige Resultat eben jener Frontveränderung der Arbeit" berufen. Men must be free, die Menschen greß zu Dundee wird sich das zeigen. Der Streit des hungernden Ostends von London, auf müssen frei sein", erklärt der Sekretär Austin feierlich. den gegenwärtig die ganze Welt mit Spannung blickt in Nun, dem guten Mann ist nicht zu helfen. folge seiner in's Ungeheure gewachsenen Ausdehnung und Ueber die Frage der Taktik haben sich auch die " " Irreführende Streikstatistiken. der eigenartigen, ja großartigen Begleiterscheinungen, ist Meinungen der Führer" gespalten. Broadhurst, Crawford, Wenn die Unternehmer einen Streit nicht verhindern daher prinzipiell von viel geringerem Interesse als der Pickard, Fenwick und andere behaupten, daß die Trades konnten, so schlagen sie doch hinterher immer noch einen Kongreß der vereinigten Trades Unions, der in dieser Unions selbst stark genug seien, um ohne jede Staats- Heidenlärm, um die Arbeiter als unüberlegte Thoren zu Woche zu Dundee in Echottland abgehalten wird. Der intervention den Achtstundentag von den Arbeitgebern zu schildern und um ihnen dadurch vor einem etwaigen späoben angedeutete Zwiespalt ist bereits vor zwei Jahren auf erzwingen, während der Abgeordnete Abraham das be- teren Lohnkampf graulich zu machen". Man sucht das dem Gewerkschaftskongreß zu Swansea in Wales in hellen streitet und erklärt, er sei nur durch Parlaments be- gefunde Urtheil der Arbeiter und vielleicht auch das der Flammen hervorgebrochen, aber noch nicht zum Austrag schluß zu erhalten. gekommen, obwohl schon dort die starren Schranken der bisherigen tradesunionistischen Tradition durch einige weit über dieselbe hinausgehende Resolutionen durchbrochen wor= öffentlichen Meinung zu trüben, um in der Zukunft im Trüben besser fischen zu können. Dieser Streit um das Entweder= oder ist indessen herzlich belanglos und kleinlich. Die Hauptsache ist, daß Ein Mittel zu diesem Ziele sind die, in der That die Forderung des Achtſtundentages von den organisirten viele verblüffende Streikstatistiken, welche die Kapitalistenden sind. Arbeitern auf ihre Fahne geschrieben worden ist, und daß organe regelmäßig nach jedem größeren Ausstand verWir wollen heute die feindlichen Stellungen vor dem es sich nun darum handelt, mit Aufbietung aller zu öffentlichen. Kongreß in's Auge fassen und uns den Schlachtbericht selbst Gebote stehenden Mittel dieselbe zu verwirklichen. Da wird uns jedesmal im einem wahren Jammerfür später aufsparen. Die Frage der Betheiligung an den Barlaments tone zu Herzen geführt, daß der Streit nicht nur dem Das konservative Element der englischen Gewerk- wahlen hingegen hat sich so sehr zu einer Personenfrage Kapital Unsummen Geldes gekostet habe das würde schaften, das in ökonomischer Beziehung noch auf dem zugespißt, daß eine prinzipielle Entscheidung über am Ende die Arbeiter weniger rühren sondern daß auch bornirtesten manchesterlichen Standpunkt steht, hat seine Spiße diesen Punkt kaum zu erwarten steht. Die ultra- die Arbeiter in den unfreiwilligen Feierwochen wegen des in dem parlamentarischen Komitee, einem reichlich reaktionären Gewerkschaftler haben sich glücklich zu dem entgangenen Lohnes hunderttausende, ja bei den Bergmit Geldmitteln unterstützten Ausschuß der vereinigten Ge erhabenen Standpunkt hindurchgearbeitet, daß die Politik leuten z. B. Millionen eingebüßt hätten und daß sie diese werkschaften, der ihre„ parlamentarischen Geschäfte" zu be die Wurzel alles Uebels ist, und wollen daher überhaupt Verluste selbst bei einem Siege in vielen Jahren noch jorgen hat. re nichts mit ihr zu thun haben. Die Radikalen find mit nicht wieder hereinbringen könnten. Die bisher fast unbestrittene Stellung dieses Komitees ihren Freunden vom Komitee unzufrieden, weil die letzteren ist nun aber bedenklich in's Wanken gerathen, da es nicht sich mit anderen Parteien eingelassen, und die Sozialisten nur seine völlige Unfähigkeit, sondern sogar seinen schlechten in den Unions endlich fordern die Bildung einer selbstänWillen klar an den Tag gelegt hat. Seine sogenannte digen Arbeiterpartei. Es bedarf nur weniger Worte, um all diese Ausführungen als beabsichtigte Täuschungen zu entlarven. rungen als beabsichtigte Täuschungen zu entlarven. Einmal lassen sich Fortschritte oder Rückschritte der Arbeiterbewegung doch gar nicht nach parlamentarische Thätigkeit ist gleich Null. Zur Initiative Die Sozialisten find zweifellos das Ferment, welches Groschen und Pfennigen abschäßen. Mancher Streit irgend eines Reformvorschlags konnten sich die Broudhurst die Gährung im Schooße der organisirten Arbeiterschaft ist von diesem Gesichtspunkte aus verloren gegangen und und Konsorten nicht aufschwingen, während ihre kleinlauren verursacht hat und weiter treibt. 3 ahlreiche Unions doch hat er zum ersten Male tausende von indifferenten Armensuppenvorschläge nur Lachen und Unwillen erregten. sind bereits ausgesprochen sozialistisch, so die Kollegen aufgerüttelt, ihnen ihre erbärmliche Lage zum Welche erbärmliche Rolle spielen sie gegenüber dem uner- starke Gewerkschaft der Gasfabrikarbeiter, die Glasbläser, ersten Male zum Bewußtsein gebracht, er hat sie auf die müdlichen Schotten Cuninghame Graham, dem einzigen die Londoner Hausdekorateure und Maler, die Arbeiter Solidarität mit ihren Berufsgenossen und auf den GegenAbgeordneten des Unterhauses, der sich offen auf den Boden der chemischen und Seifenfabriken, eine ganze Anzahl von faz zum Kapital hingewiesen, er hat die ersten Keime zu des modernen wissenschaftlichen Sozialismus gestellt hat. Unions im Newcastle- on- Tyne Distrikt, ferner namentlich einer richtigen Auffassung der wirthschaftlichen und poli Ihre Lauheit und ihr Indifferentismus bei wichtigen noch in Bristol und in Schottland. Endlich ist hier die tischen Verhältnisse in ihre Brust gelegt und das wirkt Fragen, so erst fürzlich bei der Beschickung des Pariser General Labourer's Union zu erwähnen, eine Gewerkschaft dann in Zukunft weiter und weiter, das schafft festen ZuKongresses, haben so viel böses Blut erregt, daß sich ein ohne Gewerk, d. h. eine Vereinigung von unskilled( un: jammenhalt, wo früher der Indifferentismus herrschte, das Protesttomitee aus verschinen Gewerkschaften gegen gelernten) Arbeitern, die jüngste aber eine sich mächtig ent- schafft zielbewußte Arbeiter, die nicht mehr wie früher im zebildet hat. Obwohl fie, durch das Votum des inter- faltende Union. tonalen Gewerkschaftskongresses zu London im November Dieses Resultat ist nicht zu verwundern, da jeder Lager der Feinige stehen, das schafft die nöthigen Vorbe88, zur Unterstüßung des internationalen Pariser Ar- sozialistische Arbeiter moralisch verpflichtet ist, einer Gewerk- dingungen zu späteren Erfolgen. Dagegen sollten die allenfalls verloren gegangenen terkongresses offiziell verpflichtet waren, weigerten sie sich schaft beizutreten und das sozialistische Programm zu pro- paar Groschen so schwer in's Gewicht fallen, daß man auf Jennoch, demselben Folge zu leisten. Der energischen Thä- pagiren. Was das besagen will, wird klar werden, wenn diesen ganzen Aufschwung der Arbeiterbewegung, womöglich tigkeit jenes aus Sozialisten bestehenden Protestkomitees ge- wir auf den Stand der sozialistischen Bewegung in auf jeden Streik verzichten müßte? Würde uns eine Agilang es indessen zu erreichen, daß zahlreiche Gewerkschaften England einen Blick werfen. Wir wollen nur einige tation durch Schrift und Rede nicht mindestens dieselben Delegirte nach Paris sandten, ja daß der in seiner Majo- fichere Daten aus dem neunten Jahresbericht der Sozial- Koften bereiten, wenn sie die Massen in gleicher Weise rität reaktionäre Londoner, Trades Council( Verband der democratic Federation anführen. aufrütteln soll? Londoner Gewerkschaften) sogar dort vertreten war. Bei den Wahlen zum Londoner School Board wurden Und dann kann auch von diesem beschränkten KräDazu kommt aber endlich, daß die Herren vom par- im Jahre 1885 in vier Bezirken, wo Kandidaten aufge- merstandpunkt aus- mancher scheinbare Verlust noch immer lamentarischen Komitee sich nicht entblödet haben, für Geld stellt waren, 8532 Stimmen abgegeben; diese Zahl stieg ein Gewinn für die Arbeiter sein. Wenn die Arbeiter und gute Worte und für die Beschenkung mit fetten 1888 auf 49 830 Stimmen in 7 Bezirken. Annie Besant niemals die Zähne zeigten, wenn sie vor jeder ArbeitseinAktien im Interesse notorischer Bourgeois kandidaten für und Stewart Headlam wurden gewählt. Außerdem Snow stellung die Heidenangst hätten, die man ihnen von tapidas Parlament unter den Arbeitern schamlos zu agitiren. in Tottenham. Burns, der Held vom Trafalgar Square, talistischer Seite fünstlich einzuflößen sucht- was für So ging Henry Broadhurst, der Sekretär des parlamen- the man with the red flag( ber Mann mit der rothen Lohnherabseßungen und für Arbeitsverlängerungen hätten tarischen Komitees, für einen erklärten Gegner der Trades Fahne), wurde mit großer Majorität in den County sie dann schon erdulden müssen! Was würden die UnUnions, ein anderes Mal für einen im höchsten Grade Council zu Battersea( London S.) gewählt. In Bristol ternehmer sich alles herausgenommen haben, was verhaßten blutsaugerischen Ausbeuter auf den Stimmenfang, fiegte ein sozialistischer Kandidat mit über 14 000 Stim fo aus Furcht vor dem sich erhebenden Widerstand der Beein Vorgehen, das ihm viele seiner radikalen Freunde ab- men, in Newcastle drei Kandidaten mit je über 13 000 troffenen unterblieben ist! Wenn man diesen verhüteten wendig gemacht hat. Andere wieder haben sich ,, aus guten Stimmen. In Birmingham waren bedeutende Minori- Schaden auch in Geld umrechnen könnte, so würden wir Gründen" bereit finden lassen, der neuen Zuckersteuerpolitik täten zu verzeichnen. Auch die Socialist League hat schon ein ganz anderes Bild bekommen. ihre Zustimmung zu geben. Kandidaten durchgebracht. Aber selbst mit den Zahlen über die Kosten eines Das alles hat einen solchen Sturm heraufbeschworen, Im Ausland wird die Bedeutung der englischen fünstlichen Produktionsstillstandes", über die Einbußen an daß man sich von seiten vieler Gewerkschaften veranlaßt sozialistischen Bewegung zweifellos unterschäßt. Da sie Kapital und Lohn bleibe man uns hübsch vom Halse! gesehen hat, demonstrativ gegen das Komitee vorzugehen. über eine außerordentliche Zahl von gewandten Rednern Glaubt man vielleicht, es werden hunderte von Häusern Verschiedene Trades Unions haben indignirt ihre Beiträge verfügt, so ist es kein Wunder, daß sie unter den Unions weniger gebaut, bemalt, tapezirt und mit allem Nöthigen an das parlamentarische Komitee herabgefeßt, beständig Anhänger wirbt. Auf dem poffibilistischen Kon- ausgerüstet, wenn die Maurer, die Zimmerer, die Maler, z. B. die Londoner Schriftsetzer auf Antrag des Sozialisten greß zu Paris gelang es sogar den als Gewerkschafts- die Tapezirer, Tischler u. s. w. einmal ein paar Wochen Batemann von 400 auf 100 Mark, andere, wie die Mau- delegirten entsandten Sozialisten, die übrigen englischen streiken? Glaubt man, es werden hunderte von Maschinen rergewerkschaft, haben sie ganz eingestellt. George Delegirten zur Annahme der sozialistischen Resolution des später fehlen, weil die Arbeiter dieser Branche in den LohnShipton, der Vorfißende des parlamentarischen Komitees, Amerikaners Wandby mit fortzureißen, und von sozialisti tampf treten? Gewiß nicht, es wird später alles nachder den Titel eines arch- betrayers( Erzverräthers) ruhig scher Seite wird man es auf dem Kongreß nicht uuter geschafft, was anfangs unterblieb. Der Arbeiterstand auf sich sißen lassen muß, ist in diesem Jahre, statt wie lassen, sie hierauf festzunageln. erhält also später um so viel mehr Lohn, als er im Augenbisher einstimmig zum Sekretär des Verbandes der Lon- Endlich wird es den Sozialisten ein leichtes sein, blicke einbüßt ja er gewinnt direkt dabei, wenn er durch doner Trades Unions, gegen 15 Stimmen, die auf den nachzuweisen, wie unzureichend troß der pomphaften einen Streiksieg unterdeß eine Lohnerhöhung erkämpft hat. Kandidaten Powell fielen, wiedergewählt worden; die Ge- Berichte der Sekretäre die Gewerkschaften an sich sind. Die hunderttausende von Millionen von scheinbar verwerkschaft der Hausdekorateure und Maler in London, Selbst in den bestgehenden Arbeitszweigen sind eine lorenem Lohn erhält die Arbeiterschaft also später, wo der deren Sekretär er gleichfalls war, hat ihn fürzlich mit große Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder arbeits- vorübergehende Produktionsausfall wieder gedeckt werden Schimpf und Schande davongejagt. Gegen andere wiederum los. Der Prozentsaz beträgt oft 5-10 pCt. und mehr. muß, zurück und das noch dazu oft mit einem Aufschlag hat sich in ihren Wahlkreisen eine solche Opposition fund So ist derfelbe in dem gegenwärtig blühenden Zweige zu ihren Gunsten; der Unternehmer muß später mehr argegeben, daß sie ihren Sitz im Parlament schwerlich wieder der Maschinenbauer 5 pCt., trogdem das Unterhaus erit beiten lassen; und wenn dazu vielleicht auch ehemals Arbeitserlangen werden. Gegen diese Klique nun wird es auf wieder 440 Millionen Mark für neue Kriegsschiffe be- lose, die gar keine Stellung hatten, herangezogen werden, dem Kongreß zu Dundee zum offenen Aufstand kommen. bewilligt hat! Ferner ist es kaum nöthig, die Aufmerk wenn die eigentlichen Streikenden also nicht alles selber Von den neun Punkten der Tagesordnung samkeit darauf zu lenken, welchen minimalen Bruch- wieder nachholen, so büßt die gesammte Kollegenschaft dieses Kongresses werden namentlich zwei zu weiteren ertheil die organisirten Arbeiter gegenüber ihrer doch nichts ein, sie holt nur später nach, was sie früher bitterten Kontroversen Anlaß geben, nämlich erstens die ganzen Klasse darstellen. Die unskilled labourers, einbüßte. Oder glaubt man etwa, die Bevölkerung braucht Frage des achtstündigen Normalarbeitstages und die Arbeiter der rohen Faust" bilden den bei weitem wegen eines Schuhmacherstreits weniger Stiefel, wegen eines zweitens die Vertretung der Arbeiter im Parla- größten Theil, und gerade in diese ist jetzt die sozialistische Schneiderstreiks weniger Kleidung, wegen eines Bauhandment in prinzipieller Hinsicht, also losgelöst von jeder Propaganda wie ein Zündfeuer hineingeschlagen; und werkerausstandes weniger Wohnungen? Personenfrage. Sozialisten sind es, die sie in Unions organisiren. Die Von wenigen Ausnahmen( wie bei den Bäckern u. s. m.) Was den ersten Punkt anbetrifft, so weiß man schon frühere Erklusivität der hochnafigen„ Aristokraten der abgesehen, muß also aller Bedarf nachträglich gedeckt wer= SHE ben, er wird es auch thatsächlich und so zerrinnen alle her- eine magna charta ber Menschheit ist ihnen eine feind-| bald dort in vulkanischen Ausbrüchen kundgegeben. Mit ausgerechneten scheinbaren Lohnverluste in nichts und liche Idee. jeder Aufstellung einer neuen Maschine wird das Uebel be= wieder nichts. Jede Nation ist Feind einer anderen gewor= drohlicher. Auch im deutschen Reich ist seinerzeit die AbUnd dann stimmen wir den Ausführungen einer kürz- den, und sieht sich gezwungen, zu ihrer Sicherung jeden wehr gegen unverschuldete Arbeitslosigkeit als eine Hauptlich erschienenen Broschüre zu, welche den Vorwurf, die Augenblick bis an die Zähne gerüstet zu sein. Der auf's aufgabe der Sozialreform betrachtet, sogar das„ Recht Arbeiter legten der Produktion unnüße Stockungen auf, höchfte gesteigerte Militarismus aber verträgt sich von Natur auf Arbeit" als landrechtlich in Preußen verkündet worden Unternehmern in folgender Weise zurückgiebt( Ber- aus nicht mit dem Gedanken einer sozialen Gemeinsam- den. Der dort betretene Weg führt aber nicht über diesen liner Arbeiterbibliothek Heft 2): keit der Völker. Der nationale Parlamentarismus selber Berg; er könnte nur mit Hilfe internationalen Vorspanns " Ist denn der Produktionsstillstand, wie er durch Streits siccht überall dahin in dem engen und vertrockneten Wir bestiegen werden, also ist man lieber vor ihm stillgestanden. bewirft werden soll, in unserem Wirthschaftssystem etwas so kungskreis, den ihm die nationale Politik mit ihrem Mili- Dafür ist ein internationaler Gedanke anderer Art laut Unerhörtes, oder tauchen nicht vielmehr fortwährend Stockungen auf- Stockungen von unvergleichlich größerem Um- tarismus bis auf weiteres einräumt; und ihm gegen geworden " fange und von viel längerer Dauer Stockungen, für über und gegenüber der interessirten Klasse, die" So hat gegen Ende vorigen Jahres die preußische welche einzig das Privatkapital verantwortlich zu ihn noch trägt, erscheint nun das freie Welt- Ar- Chinesenfrage" plößlich alle Welt überrascht. Die machen ist, dasselbe Kapital, von welchem die Arbeit denunzirt beiterparlament in Paris als die beginnende Er- Agrarier in Westpreußen, Posen und Schlesien haben den wird, wenn sie einmal dasselbe, aber in winzigstem Maßstabe thut? Das Kapital, indem es in fieberhafter Regsamkeit die hebung der Deklassirten in der Menschheit, ein Gedanken ernstlich erwogen, aber auch in Holstein, SchlesProduktion ins Ungemessene steigert, während es die arbeitende kosmopolitisches Parlament mit Diäten aus den Sammel- wig und Hamburg hat man insbesondere für die BemannMasse mit Hungerlöhnen abspeist und somit künstlich den groschen seiner Wähler. ung der Seeschiffe nach Chinesen und Negern ausgeschaut. Konsum hemmt gerade das Kapital ist es, welches Ein tückischer Zufall hat zudem für ein Gegenstück In Flensburg haben sogar schon Unterhandlungen mit das Mißverhältniß zwischen Gütererzeugung und Güterabfas fortwährend steigert und damit Strifen von immer schlim- gesorgt, wie es schneidender nicht erdacht werden kann. Es drei aus England herübergereisten Chinesen stattgefunden. merem Wüthen und immer endloserer Dauer hervorruft. war dieß der Antrag der Schweiz auf eine internationale Daneben die Hunderttausende, die vergeblich nach Betrachten wir doch einmal unbefangen die letzten zwanzig Sozialfonferenz In der That ließen sich die Aus- Arbeit suchen, das beleuchtet erst recht die Un= Jahre unserer Wirthschaftsentwicklung und ſehen wir zu, fichten für die vorgeschlagene Sozialfonferenz diesmal gün- natur der modernen Zustände. Wenn die schwindelwelch einen Stillstand der Produktion wir da der unum= schränkten Herrschaft des Privatkapitals und auf der anderen stiger wie 1881 an. Abgesehen von Rußland, stimmten haft in die Höhe getriebene deutsche Industrie heute oder Seite dem organifirten Widerstande des Proletariates gegen alle Mächte zu, nur Deutschland hielt sich hartnäckig zu- morgen ihren unausbleiblichen Krach erlebt, dann wird die die Folgen dieser Herrschaft verdanken! Wir haben da eine rück, so daß die Konferenz wenigstens vertagt werden mußte. Eigenart der deutschen ,, Sozialreform" an der ArbeitslosigZeit voller Beschäftigung nur in den Jahren 1871, 1872 Der Grund für die stillschweigende Ablehnung in Berlin keit der Massen ihre verdoppelte Schwierigkeit haben; denn und zum Theil 1873. Hier steht die zweite Hälfte bereits unter den Folgen des großen Zusammenbruches, mit dem wird derselbe gewesen sein wie im Jahre 1881: die frag- gegen sie ist gefeßlich gar nichts vorgekehrt. der kurze Aufschwung endete und wie lange hat die Zeit liche Materie sei wegen der besonderen Verhältnisse und Auf dem Pariser Arbeiterkongreß haben vollständiger Arbeitstockung oder nur theilweiser Beschäfti- abweichenden Interessen der verschiedenen Staaten zur inter ohne Frage die deutschen Sozialdemokraten die gung in allen Industriezweigen Deutschlands angehalten? nationalen Regelung nicht geeignet. Auf den ersten Blick 1874 ist ein Jahr unerhört schlechten Geschäftsganges, aber ebenso steht es mit 1875, 1876, 1877, 1878. Grit 1879 mag es verwunderlich erscheinen: wenn der Reichstag erste Rolle gespielt; sie vertraten dort diejenige wird der Pulsschlag des Verkehrs wieder ein lebhafterer, je- faft einstimmig gefeßliche Feststellung der Sonntagsfeier mit soziale Gemeinsamkeit aller Völker, welche deren doch bereits im Anfange unseres Jahrzehnts stockt der Absas den anderen unerläßlichen Bedingungen des Arbeiterschußes Machthabern und vor allen ihrem Vaterlande verund damit die Induſtrie von neuem, und diese Stockung ist beantragt, so wendet der deutsche Kanzler ein: unmöglich, Loren gegangen ist. Die neue Welt der dämoniſchen bis 1888 gewachsen, sodaß im vorigen Jahre selbst Thronreden die Kalamität offen anerkannten. Nun lege man sich die denn diese Verhältnisse könnten nur international ge- Loren gegangen ist. Die neue Welt der dämonischen Frage vor: wieviel Monate, nein, wieviel Jahre des Still- regelt werden. Wenn aber, wie die Schweiz zweimal ge- Naturkräfte hat nirgends rascher als in Deutschland die standes schulden wir in allen Établissements aller Erwerbszweige than, zu dem Zwecke eine internationale Konferenz in Geister in den unteren Schichten geweckt und zur sozialen in ganz Deutschland dieser Entwickelung? Und wieviel Monate. Vorschlag kommt, entgegnet der Kanzler: die Verhältnisse Bewegung herangezogen. In den letzten sechziger Jahren nein höchſtens Woden des Stillstandes haben allenfalls die in den einzelnen Industriestaaten seien zu verschieden und noch klein, machtlos, verspottet, verfügt die sozialdemo= Arbeiter durch ihre Lohnfämpfe hervorgerufen? verringern die Arbeiter nicht sogar den allgemeinen Pro- zur internationalen Regelung nicht geeignet. Sicht kratische Partei jezt über eine Million Stimmen bei den duktionsstillstand, wenn sie sich eine bessere, menschenwürdigere man jedoch der Sache auf den Grund, so erkennt man die Reichstagswahlen. Damals zum größeren Theile noch in Lebenserhaltung erkämpfen: weil der Absatz der Waaren dann Folgerichtigkeit in der internationalen Jiolirung der nationalen" Richtung befangen, giebt sie jetzt den eine Vermehrung, die Striſis also eine Milderung erfährt? Preußens bezüglich der sozialen Frage. Vor Jahren Engländern und Franzosen den internationalen Ton an... Auch diese Anklage ist also ganz haltlos." Faffen wir das Gesagte nochmals zusammen, so finden hat einmal verlautet, daß Fürst Bismarck selbst in Wien wir demnach: Ja Streiferfolge können überhaupt nicht nach den Groschen und Pfennigen der„ Kriegskosten" abgeschätzt werden: ge rade die agitatorischen Fortschritte würden dabei gar nicht in Ansatz kommen und diese sind oft von viel höherem Werth als eine vielleicht nur vorübergehende Lohn erhöhung. Auch Streiks ohne schließliche Lohnerhöhung oder Arbeitszeitverkürzung können den Arbeitern von eminentem Nußen sein, weil sie die Unternehmer verhindern, sonst geplante Lohnverkürzungen, Verlängerungen der Arbeiszeit vorzunehmen. " 11 * * * " eine internationale Regelung angeregt habe; seitdem aber Wie kläglich nimmt sich gegen diese ruhige Anerkenn= das System der Arbeiterversicherung, mit Verwendung von ung seitens eines Gegners, der aber mit einem offenen Mitteln der Gesammtheit" den Sieg davon trug, mußten Kopfe ausgestattet ist, das öde Toben der beschränkten sich die Wege zur Lösung der socialen Frage zwischen Schwachköpfe von der Kartellpresse aus! Preußen und allen anderen Staatswesen trennen Das gewählte System fordert seine folgerichtige Entwick lung, und so werden die Wege der preußischen Sozialreform sich immer weiter von dem Vorgehen der anderen Bölker entfernen Preußen und die Volksschule. III. ,, Aber ringsum steigt die trübe Fluth des Proletariats Der standalöse Mangel an Schulen, wie wir immer höher an, die baare Vernichtung jeder sozialen ihn am Schlusse des vorigen Artikels nachgewiesen haben, Existenz. Bei der Berathung der Handwerkerfrage im der Umstand, daß beispielsweise 5580 Ortschaften nur 558 Reichstag vor vier Jahren hat der Abg. Hiße gesagt: Schulen befißen, bringt es mit sich, daß für die große Fällt der Mittelstand, dann stürzt auch die bloß auf zwei Mehrzahl der Kinder überhaupt kein regelmäßiger Klassen, Proletarier und Vermögende, reduzirte Gesellschaft Unterricht eristirt. zufammen." " Was die Arbeiter während des Lohnkampfes als Ar beitslohn einbüßen, ist durchaus kein reiner Verlust, es wird nur später erworben, allerdings oft von anderen Der sozialdemokratische Redner erwiderte: Was nüßt es, wenn die Kinder in den SommerKollegen, die vielleicht sonst ganz arbeitslos fein würden. Für die Gesammtarbeiterschaft gleicht sich das wieder aus. Ja, aber ihm ist nicht mehr zu helfen; die erste Maschine monaten einige Mal in die Schule kommen: kann doch der. Schließlich sollte das Kapital, wenn es den Arbeitern hat ihm das Grab gegraben." Auch die andere soziale Unterricht nur dann nußbringend sein, wenn er in ununternachrechnet, was de en„ Produktionsstockungen" fosten, Nothwendigkeit", unt mit Herrn Hiße zu reden, die Land- brochener Weise ertheilt wird. Was will es denn heißen, wenn 7011 Gemeinden lieber einmal erwägen, was es selber an Stodungen und wirthschaft, versinkt mehr und mehr in die Verschuldung. Krisen hervorruft. Vielleicht kommt es dann selber zu der Weber der gesteigerte Brodbedarf der stark vermehrten Be- eine eigene Ortsschule besigen, wenn dagegen die Kinder Einsicht, daß es gar keine Ursache hat, anderen Vorwürfe völkerung, noch der Segen einer reichen Ernte kommt aus ca. 29 400 Gemeinden in fremde, weit entfernte ihr mehr zu gute. Preußen hatte eine vortreffliche Ernte im Jahre 1887, troßdem betrug die Neuverschuldung der ländlichen Bezirke in dem Jahre 133 Millionen. zu machen. Jedenfalls mag es die Arbeiter mit seinen Irreführungen fünftig verschonen, da es sich damit doch nur blamiren kann. " . Schulen laufen müssen. Nach 17 019 Schulorten kommen Kinder von auswärts, und oft genug aus einer Entfernung, die zurückzulegen ein Kind 2-3 Stunden braucht! Zum Beweise sehe man sich nur einmal die folgende amtliche Tabelle') an. Darnach kommen Kinder auf eine Das ist der Gährungsstoff, der sich in allen civili firten Ländern niedergeschlagen hat, gerade in denen am Ein ultramontanes Blatt über den Pariser meisten, die noch in der letzten Zeit äußerlich als die glücklichsten, reichsten und zufriedensten erschienen; und in dem Entfernung Maße, als es geschah, strömt die sozialistische Bewegung In den Historisch-politischen Blättern für das wie ein Feuerstrom unaufhaltsam durch die Gesellschaft. katholische Deutschland", welche der ehemalige Reichstags- Es ist eine neue Welt, die sich seit der franzö= abgeordnete und Zentrumsführer Edmund Jörg zu sischen Revolution. Arbeiterkongreß. " bis 1 km nach 2525 Orten 2 6113 " " " 3 4502 " " " " 4 2539 " " " " aufgethan hat. Ihrem Geiste und das geht so weiter fort bis zu jenen 235 Drten, gleich einer der tüchtigsten Kenner und Schilderer der älteren fonnte noch gewehrt werden, und ist je nach den Verhält zu deren Schulen die Kinder einen Marsch von 7 und deutschen Arbeiterbewegung herausgiebt, finden wir nissen der einzelnen Länder Jahrzehnte lang gewehrt wor- mehr Kilometern zurückzulegen haben. 2) folgende unumwundene Anerkennung der Bedeutung des den(?). Als aber die dämonischen Naturkräfte hinzutraten Man beachte bei dieser Tabelle, daß nur die Anzahl Pariser Kongresses und des Einflusses der deut- und der alten Gesellschaft ihre Welt unter den Füßen hin- der Schulorte angegeben ist und nicht die Anzahl der Geschen Sozialdemokratie: wegzogen, da war alles Sträuben der einzelnen Na- meinden, deren Kinder die betreffenden Strecken bis zur " " Der Kongreß war eine glänzende Machtprobe tionen ohnmächtig. Seit einem Jahrzehnt sind in allen Schule zurückzulegen haben. Wir glauben unserem offider deutschen Sozialdemokratie insbesondere. Aus den un- großen Zentren diesseits und jenseits des Ozeans soziale ziellen Statiiiter gerne, daß er Ursache hatte, uns diese teren Schichten" ist ein freies Arbeiterparlament hervor: Explosionen erfolgt, nirgends konnte ihre Wiederkehr abge- Daten zu verschweigen. Daß sich dabei ein Resultat ergegangen, das für die Gegenwart meteorgleich verschwindet, schnitten werden. Als vor fünf Jahren in Frankreich die geben würde, wonach mehr als 60 pet. der ländlichen aber feinen Schatten auf die Zukunft geworfen hat, gleich- wirthschaftliche Krise ausbrach, und in Paris allein an Schuljugend einen Weg von 4 km und mehr zu gültig, was zunächst aus der Internationalen" werden wird. Hunderttausend Arbeiter ihren Hunger anmeldeten, da fuhr ihrer Schule hätten, dürfte noch zu niedrig gegriffen sein. Man kann sich nun vorstellen, wie oft die Kinder im Die Thatsache läßt sich nicht mehr übersehen, daß das republikanische Regiment erschreckt in die Höhe. Der nur noch in jenen unteren Schichten" das Zeug berühmte Redner Graf Albert de Mun schildert den Her Winter und bei regnerischem Wetter in die Schule kommen vorhanden wäre zur Wiederherstellung der Gegang:" Zehn Tage hindurch folgten Reden auf Reden, weiden, in welchem Zustand sie sich befinden, nachdem sie vorhanden wäre zur Wiederherstellung der Ge- ohne daß ein praktischer Entschluß zur Beseitigung der einen stundenlangen Marsch auf holpriger Landstraße zu= meinsamkeit zwischen den Völkern. man fann Uebel der Gegenwart, noch ein Plan, den zukünftigen vor rückgelegt haben, wie groß ihre Lernbegierde in der dumpfen, leider(?) nicht mehr sagen: in der ganzen Christenheit, zubeugen, zu Stande gekommen wäre. Die Mißstände überfüllten Schulstube sein muß, die, wie E. Sack³) beaber in der ganzen civilisirten Welt welche zur klagten zu laut, als daß man sie hätte leugnen können; hauptet, gewöhnlich eine schauderhafte Spelunke ist, schlechter gefeßlichen Umgestaltung der verrotteten Gesellschaft unbe- man konnte die Augen nicht mehr verschließen vor der er als jeder Pferdestall auf den preußischen Domänen. dingt erforderlich gewesen wäre. Was von jenem schöpften Industrie, der zerstörten Landwirthschaft, den auf's Es ist klar, daß kein Schulunterricht tausendmal besser gottgewollten(?) Solidaritätsgefühl in der Tiefste beunruhigten produktiven Klassen, die von Haß ist als der unter solchen Verhältnissen ertheilte, und ein Menschheit noch übrig geblieben, hat sich in die durchwühlt, von der Spekulation ausgefogen find. Als wie großer Hohn auch in dieser Bemerkung liegen mag, so Tiefen der Menschheit hinabgesenkt.... Der man aber einen Schluß aus diesen Thatsachen ziehen entspricht sie doch den Thatsachen. Ist es denn nicht besser, Begriff einer allgemeinen Humanität erscheint den wollte, da wußte man nichts besseres, als sich gegenseitig das Kind bleibt zu Hause, als daß man es den Anstrenglegitimen Gewalten in ihrer nationalen Beschränkt der Schuld am allgemeinen Bankerott anzuflagen." " 1) Denkschrift über den Zustand der preußischen Volksschule heit und Verbissenheit schon als eine hochverrätherische Die Arbeitslosigkeit" der Massen ist stets als das im Jahre 1882. S. 18. Berlin 1883. Zumuthung. Sie haben über ihre Grenzen hinaus nur ein gefährlichste Uebel betrachtet worden, und hat sich seit mehAuge für neu ausgezirkelte und auszuzirkelnde Landkarten; reren Jahren, namentlich zur Winterszeit, bald da und 2) 7/2 Kilometer= 1 Meile; 4 Klm. also mehr als 1 Stunde. 3) Sack, Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit". S. 112. Besser als in Schlesien steht es in der Provinz ungen eines stundenlangen Marsches, dem ungesunden Auf-| malen Frequenzverhältnissen" so gut wie nuglos ist, wird enthalt in überfüllten, kalten Räumen ausseßt, und es selbst von offizieller Seite zugegeben. Sachsen, wenn auch noch nicht gut." Der Reg.- Bez. der schließlich, ermüdet und abgespannt, den Launen eines prü- In dem verhältnißmäßig noch günstigen Jahre 1882 Magdeburg hat 60, der Reg.- Bez. Merseburg 180, gelsüchtigen Schulmeisters ausliefert? betrug die Zahl der überfüllten Schulen in Preußen 15 523, Reg.- Bez. Erfurt 66 stark überfüllte Schulen. In So haarsträubend diese Zustände auch sind, so haben die der überfüllten Klassen 22 707; die Anzahl der ge- Schleswig- Holstein sind die Frequenzverhältnisse am fie doch das Gute, daß die Kinder höchst selten zur Schule jammten Schulen betrug dagegen 33 040, die der Klassen günstigsten in der ganzen Monarchie, troßdem die Provinz tommen und dadurch nicht allein dem Lehrer seine Arbeits- 65 968. Demnach mar also der Unterricht in 47 pCt. 336 Schulen mit 593 überfüllten Klassen hat. Schlechter last erleichtern, sondern auch die Ueberfüllung der Schulen der sämmtlichen Volksschulen nahezu werthlos. fieht es dagegen wieder in der Provinz Hannover, Westfalen und Hessen- Nassau aus. Jm Reg.- Bez. Düsund Klassen in dankenswerther Weise mildern. Es wird Und heute ist es noch schlimmer. dadurch bewirkt, daß doch die wenigen regelmäßig zur Aber damit nicht genug! Die Schulverwaltung sah seldorf( Rheinprovinz) wurden allein von 37 Schulen Schule kommenden Kinder etwas lernen können, daß der sich infolge der grauenhaften Ueberfüllung der Hälfte ihrer 1014 Rinder zurückgewiesen und blieben ohne jeglichen Lehrer nicht von seiner Aufgabe erdrückt wird. Damit Anstalten gezwungen und das kennzeichnet am besten Unterricht. wollen wir diese Zustände, welche zu ändern unsere weise die preußischen Volksschulzustände- schulpflichtige Kinpreußische Regierung sich absolut nicht entschließen kann, in der zurückzuweisen, also ihr eigenes Gesetz, welches keiner Weise beschönigen. Im Gegentheil, zumal diese den obligatorischen Schulunterricht bestimmt, mit Füßen zu jeder Beschreibung spottenden Uebelstände sehr leicht durch treten! So konnten wegen anormaler Frequenzverhält Anstellung neuer Lehrkräfte beseitigt werden könnten. niffe" am 1. Oktober 1881 bezw. am 1. April desselben Jahres 9432 Kinder feine Aufnahme finden! Zum wenigften hätte man erwarten dürfen, daß die geringe Anzahl der bestehenden Landschulen in einem halbwegs erträglichen Zustande erhalten werde. Aber auch das ist nicht der Fall: haben doch 19 627 Landschulen, das find 66 pCt. ihrer gesammten Anzahl nur einen einzigen Lehrer und eine einzige Klasse. Daß diese Schulen nun in keiner Beziehung selbst den übermäßig bescheidenen Anforderungen genügen, welche die preußische Schulverwaltung an dieselben stellt, wollen wir im folgenden beweisen. " Also nicht nur erfüllt die preußische Regierung ihre Aufgabe, ihre Pflichten gegen das Volk in einer durchaus mangelhaften Weise, sie ist sogar außer Stande, fie völlig zu bewältigen, ihren Unterthanen das zu gewähren, worauf diese ein gefeßliches Recht haben! Und zu derselben Zeit, wo dies geschieht, erheben die Drgane ein lautes Geschrei über den Ueberfluß an Gebildeten"! Fabrikinspektion in Preußen. Die Jahresberichte der königlich preußischen Gewerberäthe nebst den Berichten der Bergbehörden über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter auf den Bergwerfen, Salinen und Aufbereitungsanstalten Preußens während des Jahres 1888" sind im Druck vollständig hergestellt und werden in allernächster Zeit im Buchhandel erscheinen. Wie schon gemeldet wurde, sind gemäß den oft ausgesprochenen Wünschen diesmal die Berichte wieder, nach den einzelnen Auffichtsbezirken geordnet, im Wortlaut mitgetheilt. Insbesondere sind auf Grund des§ 139b der Gewerbeordnung für das Reich in Preußen während des Jahres 1888 in 18 Aufsichtsbezirken 27 Beamte thätig gewesen. Eine Offenheit. Der Londoner Korrespondent der freikonservativen Post" plaudert in seinen Betrachtungen über den Dock= arbeiterstreit etwas unvorsichtig aus der kapitalistischen Schule. Nach ihm wäre ein„ rasches Draufschlagen, etwa der Polizei" leicht möglich und die Vertreter des Großkapitals erwiesen sich um so hartnäckiger, ,, als für sie nur in dem Unterliegen der Arbeiter oder einer gewaltsamen Niederschlagung sozialen Aufruhrs die Möglichkeit liegt, für die Zukunft die Herrschaft des Kapitals über die Arbeit aufs nene zu fichern."( Post 4. September.) Den Berichten der Gewerberäthe schließen sich, wie der Titel des Werkes bereits angiebt, Mittheilungen über die Beschäftigung Wollte der preußische Staat seinen Unterthanen das ingendlicher Arbeiter auf den Bergwerken, Salinen und Aufbereitungsanstalten während des Jahres 1888 nach den OberbergWährend man in ,, wilden Ländern", wie die Schweiz Maaß der Bildung und Erziehung wirklich zutheil werden amtsbezirken geordnet an. Den Schluß des Werkes bilden statistische Uebersichten über und Frankreich als Maximum 40-50 Kinder festgesezt lassen, daß er ihnen zu geben verpflichtet ist, so würde er hat, welche noch von einem Lehrer und in einer Klasse nicht über einen Ueberfluß an Lehrkräften, sondern über die Zahl der Fabriken, welche jugendliche Arbeiter beschäftigen, über die Anzahl der in Fabriken beschäftigten jungen Leute von 14-16 unterrichtet werden dürfen, übt das zivilifirte Preußen eine einen Mangel klagen können. Aus der Thatsache, daß Jahren, der Kinder von 12-14 Jahren und der in Fabriken bewahrhaft christliche Bescheidenheit, indem es durch seinen die 33 040 Volksschulen mit ihren 65 968 Klassen, die schäftigten jugendlichen Arbeiter im Alter von 12-16 Jahren zuUnterrichtsminister vorschreiben läßt, daß in der Regel 1882 bestanden, nur 59 917 Lehrkräfte hatten, geht her- sammen. Die Zahlen für das Jahr 1888 sind dabei in Parallele nicht mehr als 80 Kinder auf einen Lehrer und nicht mehr vor, daß die Zahl der Lehrkräfte hinter derjenigen mit denen des Jahres 1886 gestellt. als 70 auf eine Klasse kommen sollen.") Wer nun aber der Klassen um 6051 zurückgeblieben ist. glauben wollte, daß damit die preußische Bescheidenheit ihre Und dieser Mangel an Lehrern ist noch fortwährend Grenze erreicht hätte, wäre im großen Irrtum. Eine spä- gewachsen. Fehlten doch nach der kürzlich erschienenen amttere Verfügung erklärt, daß auch zweiklassige Schulen mit lichen Statistik') im Jahre 1886 nicht weniger als 10 347 einem Lehrer und dreiklassige Schulen mit zwei Lehrern Lehrer. Dieser Lehrermangel ist seit 1886 wahrscheinlich noch als„, normale Lehranstalten" angesehen werden müßten, noch größer geworden, da infolge des neuen Pensionsdas heißt mit anderen Worten: ein Lehrer vermag in geseßes viele Lehrer in den Ruhestand getreten sind, da vollkommen ausreichendem Maaße 140 Kinder bei aber die Zahl der Schulamtskandidaten zurückgegangen täglich zu unterrichten! ist. An Stelle der 9400 Seminaristen, die sich 1873 auf Hat man nun den Begriff der normalen Volksschule den Lehrerberuf vorbereiteten, waren im Oftober 1888 nur auf eine so schwindelerregende Höhe" gehoben, so sollte 8507 vorhanden. Man kann ohne Uebertreibung beman glauben, daß nach dieser Definition im ganzen Preußen haupten, daß für jede Schule heute schon ein Lehrer fehlt. Werfen wir nach diesen allgemeinen Angaben, einen feine einzige anormale" Volksschule aufzufinden wäre. Weit gefehlt! Gerade hier stellen die Leistungen unseres Blick auf die Schulzustände in den einzelnen Provinzen. Herzigkeit den deutschen Arbeitern verborgen bliebe und Intelligenzstaates alles bisher Dagewesene in tiefen Schatten. In der Provinz Ostpreußen hat der Reg.- Bez. Königs- wir wollen sie ihnen darum nicht vorenthalten. 1882 erhielten von den 4340 000 voltsschulpflichti- berg allein 65 stark überfüllte Schulen, der Reg.- Bez. gen Kindern nur 2275 616, das sind 52,4 pCt. Un- Gumbinnen desgleichen 42, darunter 4 mit je 2 Lehrern. terricht in de rart, normal" eingerichteten Schulen. Von diesen zweiklassigen Schulen hatte diejenige der Kolonie 1886 dagegen erhielten von den 4 838 247 Kindern so- Bismard 280 Schüler; von den 38 einklassigen Schulen gar 2 604 874, das sind 53,8 pCt.„ normalen" Unterricht. mit mehr als 120 Kindern haben die zu Rogahlen 151, die zu Tawelmigken 188 Schüler. In 24 Schulen des Schade, daß wir diese Freude über jenen großen Fort- Reg.- Bez. Gumbinnen war es nicht möglich, alle schulschritt etwas herabmindern müssen. Wir, die wir nicht pflichtigen Kinder aufzunehmen, 429 mußten zurückgewiesen jene preußische Bescheidenheit üben, betrachten die zwei- werden; in 2 Schulen, Bismarck- Kolonie und Szillen, wurklassigen Schulen mit einem, die dreiklassigen Schulen mit den 60 Kinder zurückgewiesen. zwei Lehrern nicht mehr als" normale" Unterrichtsanstalten. In der Provinz Westpreußen sieht es nicht besser aus, Rechnen wir also die in solchen Schulen unterrichteten Rin- auch hier giebt es mehr als 200 start überfüllte Schulen", der von den Normalen" ab, so ergiebt sich, daß 1882 die hunderte von Kindern nicht aufnehmen konnten. 41 pCt. der volksschulpflichtigen Jugend, 1886 aber nur Fast noch schlimmer stehen die Schulverhältnisse in 39 pet." normal" unterrichtet wurden. In Wahrheit also ein Rückschritt von 2 pCt. Ganzes 1 pCt. mehr! Zu einem solchen„ Erfolg" kann man in unserer fortschrittlichen Zeit dem Herrn Unterrichtsminister von Goßler in der That gratuliren. einzelnen Regierungsbezirken der Provinz Brandenburg! Im Reg.- Bez. Potsdam sind 41, im Reg.- Bez. Frank furt a/ D. 246 stark überfüllte Schulen von denen einige 180 bis 200 Kinder haben; ,, ebenda entbehren 22700 In Posen Schüler eines geordneten Unterrichts".2) Bedenkt man nun noch, daß die große Mehrzahl haben wir dasselbe Bild: 435 Schulen mit mehr als 120 dieser 39 pCt. normal unterrichteter Kinder sich in den Kindern in jeder Klasse." Wir sehen hier 55 Schulen, in Städten befindet, wo die Kommunen selbst für die Schulen denen 85 Lehrer ihre Kraft an kaum lösbaren Aufgaben forgen und erinnert man sich dann jenes reformatorischen erschöpfen und unter deren Zuständen 13 994 Kinder leiPlanes der„ Konserv. Korrespondenz", dem zufolge den ben.")- Schlesien überbietet an Grauenhaftigkeit seiner Kommunen die Verwaltung der städtischen Volksschulen Schulverhältnisse noch die vorhergehenden Provinzen. Zur näheren Charakteristik mögen einige Beispiele aus entzogen werden sollte, so kann man sich unmöglich der Ueberzeugung verschließen, daß es dem Herrn Unterrichts- dem Kreise Waldenburg, Reg.- Bez. Breslau, genügen. minister mit der Zeit noch gelingen wird, weitere Lorbeeren Dieser hatte nach der Volkszählung von 1880 eine Einwohnerzahl von 112 358 Seelen. Darunter befanden sich zu erringen. 5785 voltsschulpflichtige Kinder, die in 12 Schulen Von welcher Art aber diese sein werden, wollen wir von 43 Lehrern unterrichtet wurden. Ein Lehrer unseren Lesern durch Vorführung der" anormalen Fre- soll also durchschnittlich 134 Kinder unterrichten! Noch quenzverhältnisse" denn auf ihre Verbreitung richtet sich ungünstiger als der Breslauer steht der Reg.- Bez. Liegniß. ja das Streben flar machen. Stände er diesem gleich, so würde er bei seinen 2020 Leh" Anormales Frequenzverhältniß"? Das ist ein Zurerſtellen etwa 240 überfüllte Schulen haben, so hat er stand der schauderhaftesten Ueberfüllung der Volts- aber deren 282." 4) schule; darunter litten 1882 2064 113 Schüler, 1886 2323 373, also 169 260 Schüler mehr als 1882! Es wäre schade, wenn diese charakteristische Offen= Gewerkschaftliches, Vereine. Streiks in den Vereinigten Staaten. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres fanden in den Vereinigten Staaten 349 Arbeitseinstellungen statt, bei denen 93 258 Arbeiter betheiligt waren. In der ersten Hälfte von 1888 betrugen die Bahlen 436 und 170 432, im selben Zeitabschnitt 1887 554 und 222 023. Allem Anschein nach wird die zweite Hälfte des laufenden Jahres mit größeren Zahlen aufwarten, da dieselbe gleich mit dem großen Streif der Eisenarbeiter in Pittsburg begann, dem jetzt der ebenso umfangreiche Streit der Cokesarbeiter in Pennsylvanien folgte, und es zudem aussieht, als ob ein frischer Geist unter dem arbeitenden Volfe zu feimen beginnt, der sich zunächst in Beſtre bungen zur Erringung besserer Arbeitsbedingungen bethätigen wird. Es wird jetzt alles aufgelöst und verboten. In Sachsen ist dem Dresdener Wahlverein munmehr der Leipziger ( für den 12. und 13. fächs. Wahlkreis) gefolgt. In Leipzig wird ferner den Maurern und Tischlern jede Versammlung verhindert, in Wurzen durfte Liebknecht nicht sprechen. In Berlin wurde eine Bersammlung der Kartonarbeiter auf grund des§ 5 des Vereinsgefeßes aufgelöst, weil ein Gast, der nicht Kartonarbeiter war Herr Feldmann), in der Diskussion sprechen sollte, eine öffentliche Volksversammlung, in der Werner über Genossenschaftsbäckereien referiren wollte, wurde verboten. Das gleiche Schicksal traf endlich auch die bayerische Landesversammlung in Nürnberg. Der Berliner Feilenhauer und Feilenschleiferstreik dauert fort. Bureau bei Jakob, Lindowerstraße 26. Die Berliner Vergolder( Versilberbranche) treten nächsten Montag definitiv in den Streit ein. Adresse: W. Behrendt, Adalbertstr. 31. Achtung! Möbelpolirer! Sonntag, den 8. September, Vormittags 10 Uhr große öffentliche Versammlung sämmtlicher Möbelpolirer Berlins und der Umgegend. Alles Nähere an den Säulen. Briefkasten. London. Brief Mittwoch früh kurz vor 10 Uhr erhalten. Vitalis. Leider ist uns Ihre Adresse nicht bekannt und an die Veröffentlichung mochten wir nicht gehen, weil wir die eine Bebingung( Aufnahme in die„ Arbeiterbibliothek") nicht erfüllen können. Manuskript Donnerstag früh 9 Uhr. 1) Das gesammte Volksschulwesen im preußischen Staate im lesen? Denken Sie doch an die armen Seger. Gruß! Daß aber der Unterricht für die Schüler bei„ anor- Jahre 1886. Berlin 1889. 1) Regulativ vom 3. Oktober 1854. Fachverein der Tapezirer. Montag, den 9. Sept., Abends 8 Uhr, in Feuersteins Salon, Alte Jakobstr. 75 Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskussion über ,, Darwin's Lehre von der Abstammung des Menschen." Referent: Herr Bölsche. 2. Gewerkschaftliches. 3. Abrechnung vom Sommerfest. 4. Vereinsangelegenheiten. " Denkschrift" S. 41. 3)" Denkschrift" S. 42. 4) Denkschrift" S. 45. " Abonnent. Beiträge, die nicht über 5 Mark hinausgehen, sind uns stets auch in Briefmarken willkommen. Freund in Halle. Wer soll diese Art von Hektographie Tischlerkasse. Annonze erst Freitag Mittag erhalten. Zu spät. Sprechstunde der Redaktion: täglich früh von 8-9 Uhr, sowie Donnerstag Nachmittag von 6-8 Uhr und Freitag von 12-2 Uhr. Verein zur Erzielung volksthümlicher Wahlen im Osten Berlins. Donnerstag, den 12. September, Abends 8 Uhr, im Restaurant ,, Königsbank", Große Frankfurterstr. 117. Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie stellen wir uns zu den nächsten Stadtverordnetenwahlen? Referent: F. Tuhauer, Korreferent: W. Werner. 2. Diskussion. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Um zahlreichen Besuch bittet Verein zur Wahrung der Interessen d. Schuhmacher und verw. Berufsgenossen. Montag, den 9. Sept., Abends 81/2 Uhr, in Sahm's Klubhaus, Annenstr. 16. " Versammlung. Tagesordnung: Die wirthschaftlichen Umwälzungen der franzöft1. Vortrag des Herrn Julius Türk über: schen Revolution." 2. Verschiedenes und Fragekasten. Von der Neise zurückgekehrt Der Vorstand. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.-Druck und Berlag: I. Posekel, Berlin 9. O., Dranienstraße 23. Der Vorstand. Dr. Arendt, Potsdamerstr. 65. Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. № 36. Aus dem Leben. Er besaß keinen Cent. Und sie ebenso wenig. Aber er war ein geschickter Arbeiter, hatte eine„ feste Stellung" gefunden und verdiente nun täglich zwei Dollars. Das ist heute ein ,, ganz schöner" Lohn, auch für einen geschickten Arbeiter. Es giebt qualifizirte geistige Arbeiter, die mit weniger fürlieb nehmen müssen. Mit zwei Dollars täglich, so dachte er, können wir wohl auskommen, und so drang er also auf Trauung. Sie aber zögerte. Heirathen? Ja, das ist ganz schön; aber einen Haufen Kinder zu haben und mit diesen Mangel zu leiden, wenn einmal eine Unterbrechung im Erwerb eintreten würde der Gedanke machte sie zittern. Sie hatte in der eigenen Familie genug Erfahrung darin gemacht. Sie sagte das ihrem Geliebten, dem sie herzlich zugethan war, nicht, da sie ihm nicht wehe thun wollte. Aber sie stellte ihm alle sonstigen Gründe vor, welche eine Verschiebung der Hochzeit rechtfertigen sollten. Sie würde in bisheriger Weise mit ihm verkehren, das Heirathen sei gut für reiche Leute, die stets Brod im Schranke haben; wenn der Hunger zur Thüre hereinkäme, flöge die Liebe zum Fenster hinaus. Sie war ein anständiges Mädchen. Er aber drang weiter in sie. Er würde fleißig arbeiten, nicht in's Wirthshaus gehen. Er versprach es ihr bei allem, was hoch und heilig ist. Sie gab tem ficten Trängen ihres Geliebten und ihres eigenen Herzens schließlich nach; sie wußte, daß er ein braver Bursche war, daß, soweit es von ihnen und nicht von übermächtigen Verhältnissen abhing, ihre Ghe eine glückliche sein werde. So kam es, daß die beiden heiratheten. Alles ward einfach, aber sauber eingerichtet; fie legten es verständig an, um sich nicht in Schulden zu stürzen. Ihre Einnahme reichte zum Leben hin, an das sie keine große Ansprüche machten; sie konnten sogar noch etwas zu rücklegen für Doktor und Apotheker im Falle der Krankheit. Er hatte nicht gelogen; er hielt viel von seiner Frau und zeigte das durch seine Thaten. Nie spielte er und brachte seinen Lohn stets unverkürzt nach Hause. Sie begann zu glauben, daß die Ehe auch nicht schlimm für die Armen sei. Sie war glücklich und zufrieden und zeigte sich als eine thätige und sparsame Hausfrau. So vergingen drei Jahre. Eines Tages stand sie an der Wäsche. Ihre Kinder spielten um sie herum; sie beluftigten sich damit, Seifenblasen fliegen zu lassen und jauchzten, wenn eine hoch empor stieg und zum Fenster hinaus schwebte. Da kamen einige Männer an, welche eine Tragbahre trugen, die mit einem schwarzen Laken überdeckt war. Sie errieth, was geschehen war. Mit einem Schrei stürzte sie zur Erde. Ihre Kinder weinten im Chor und starrten auf die fremden Männer. Das Jüngste, neugierig wie Kinder sind, hob das Laken auf, um zu sehen, was darunter sei. Die Mutter hatte sich nicht getäuscht: es war ihr Mann, den man da gebracht, mit zerschmettertem Gehirn. Der Treibriemen einer Maschine, an der er während des Laufens eine Reparatur vornehmen mußte, hatte ihn gepackt und gegen die Decke geschleudert, den augenblicklichen Tod herbeiführend. So war auf grausame Weise ihrem ganzen Glück ein Ende gemacht. Sonnabend, den 7. September 1889. * * III. Jahrgang. man, wie die Arbeitgeber sich um das Wohl ihrer Arbeiter die Gründung von Kooperativen( Genossenschaften) und bekümmern; diese praktische Nächstenliebe ist doch ganz an- trat mit voller Kraft für dieselben ein. In Puteaur, ders, als die Aufheßereien der professionellen Unruhestifter Juresnes, Combevoi, Clichy, Roubair trieb er eifrige Proglauben machen wollen." paganda unter dem Fabrikproletariat, suchte es zu organisiren, zur Gründung von Genossenschaften heranzuziehen Ueber ein Jahr war vergangen. Die Wittwe hatte und für die Internationale zu gewinnen. In Puteaux mit dem Gelde sorgsam gewirthschaftet, auch durch gelegent- gründete er den Arbeiterkonsumverein la Revendication" liche Arbeiten soweit sie durch die Sorge für die Kinder nicht( die Forderung), welche 1800 Mitglieder zählt und noch behelligt wurde etwas verdient. Aber diese Gelegen- heut zu den blühendsten Anstalten dieser Art von ganz heiten waren selten, auch war sie kränklich geworden, so Frankreich gehört. Die Gründung von Kooperationen daß, als das erhaltene Geld verbraucht war, der Mangel ging meist mit der revolutionären Propapanda Hand in sehr bald an die Thüre klopfte. Aus dem kleinen Raum, Hand und Malon rekrutirte aus der Mitgliedschaft ersterer den sie nach dem Tode ihres Mannes bezogen, verschwand neue Anhänger für die Internationale, die er in Sektionen ein Werthstück" nach dem anderen, um zum Trödler zu organisirte, wie außer in den genannten Orten in Lille, wandern. Schließlich war nichts mehr übrig als ein paar Amboise, Vattrelos, Poutoir, St. Duen l'Aumône, SaintMatraßen und einige armselige Haushaltungsstücke, wofür Etienne, Battignolles 2c. niemand etwas gegeben hätte. Nach dem Mangel stellte das Elend sich ein. Es war so falt in der elenden Kammer. Natürlich blieben ihm bei einer solchen Thätigkeit von seiten der Arbeitsherren weder Scheerereien aller Art noch. Entlassung erspart, er war gezwungen, öfters den Eng aneinander geschmiegt lagen die Kinder unter der Namen zu wechseln und blieb nur soviel Zeit an einem alten, durchlöcherten Decke. Die Mutter stand verzweif- Drt, als zur Gründung einer neuen Gruppe nöthig war. lungsvoll an ihrem traurigen Lager. Sollte eine Mutter Neben und außer Varlin war Malon vielleicht daihre Kinder leiden lassen? Könnte sie es ertragen, wie mals einer der thätigsten französischen Apostel für die fie langfam vor Mangel verkommen? Jm bitteren Schmerz ,, internationale Assoziation der Arbeiter", deren ersten preßte sie die gefalteten Hände gegen die kalte, feuchte Songreß er als Delegirter beiwohnte. Mauer. Die Polizei hatte selbstredend schon lange ihr Auge Und es kam ihr der Gedanke fann man es Ge- auf ihn und infolge einer Denunziation ward er in den danke nennen? dem ein Ende zu machen, die Kleinen zweiten Prozeß der Internationale verwickelt. Er redigirte vor diesem elenden Dasein durch den Tod zu retten und die Kollektivvertheidigung der Angeklagten und ward mit dann sich selbst auf dem Stufenpflaster zu zerschmettern. der gesammten Kommission zusammen zu drei Monaten War doch keine Hoffnung auf Rettung vorhanden! Gefängniß verurtheilt. Unter dem starren Blick der Mutter erwachten die Kinder, schmiegten sich an die zu ihnen auf's Lager Sinfende und liebkosten sie. Da brach sich ein Thränenstrom Bahn sie konnte die schreckliche That nicht ausführen! Sie ließ die Kinder sich wieder hinlegen, warf ihr altes Tuch um und ging fort. Nach einer Viertelstunde war fie wieder da. Sie trug ein großes Brod, nicht unter dem Arm, sondern mit beiden Händen gegen die Brust gedrückt, als wäre es ein werthvoller Gegenstand. Sie vertheilte dasselbe mit fieberhafter Eile unter die hungrigen Kinder. Sie selbst ißt nichts, sie hat keinen Hunger, sie wird später schon etwas essen. Sie sieht nur zu, wie es den Kindern schmeckt. Wie ist sie froh! Aber die Freude dauert nicht lange. Ein Mann tritt in's Zimmer, der sich als Geheimpolizist zu erkennen giebt. Als sie den Bäckerladen verlassen, ohne das entnom mene Brod zu bezahlen, hatte ihr der Bäcker den Burschen nachgeschickt und dieser an der nächsten Ecke den dort sta tionirten Beamten verständigt. Dieser war ihr gefolgt und bedeutete fie, daß sie ihm zum Revierhause zu folgen habe. Die Kinder würden wohl schon am nächsten Tage in einer Anstalt untergebracht werden, tröstete er. Die Zeit seiner Haft nußte er zu weiteren Studien aus und ging, sobald die Strafe verbüßt, mit verdoppeltem Eifer an das Werk der Propaganda, überall, wohin er tam, neue Sektionen der Internationale organisirend. Mit den Blanquisten hielt er Fühlung und betheiligte sich an den meisten republikanischen und revolutionären Kundgebungen, welche diese in den letzten Jahren des Empire's in Szene seßten. Hand in Hand mit den Organisationsbestrebungen und der mündlichen Propaganda ging eine fleißige Mitarbeiterschaft an der damaligen Arbeiter- und revolutio= nären Presse. In der Mutualité" von Vincard, der Coopération" von Devaud, dem„ Courrier français" von Vermorel, der„ Egalité" der Genfer Sozialisten, welche damals von Bakunin geleitet wurden, in der Internationale" von Caesar de Paepe vertrat Malon revolutionäre und sozialistische Anschauungen, welche allerdings noch vielfach verworren und ungeklärt waren. Seine Thätigkeit hatte während all dieser Jahre ver= schiedene Pausen in Folge von Verurtheilungen zu Gefängniß erfahren. 1869 trat er in die Redaktion der von Rochefort und Molière geleiteten„ Marseillaise" ein und war der Berichterstatter des Blattes im Creuzot, als daselbst im Januar Die arme Frau läßt den Kopf auf die Brust sinken. 1870 der große Streik ausbrach. Malon hatte diesen Dann bittet fie, ihr zu gestatten, sich ein warmes Tuch Ausstand, sowie den darauf folgenden zu Fourchambault umzuhängen. Der Beamte hat nichts dagegen und sie nicht verursacht, allein als dieselben ausgebrochen waren, entfernt sich durch eine am anderen Ende des Zimmers gehörte er zu ihren vorzüglichsten Organisatoren. befindliche Thür. Aber diese führt nicht in ein anderes nußte die Zeit zu einer trefflich geführten und erfolgreichen Gemach, sondern auf den Gang, von dem eine Thür zur Agitationskampagne aus und gründete in Châlon, Autun, Feuerleiter geht. Dijon 2c. 2c. fast unter den Augen der Polizei und fortwährend von Spähern gehezt mehr als 20 neue Sektionen der Internationale. Als dem Beamten die Rückkehr etwas lange währte, ging er der Frau nach. Das arme Weib lag zerschmettert im Hofe. Die vier Kinder kamen richtig in eine Anstalt. * * Er Kaum war er im April 1870 nach Paris zurückgeNach dem Begräbniß kam ein Herr zu der Wittwe, fehrt, so ward er auch schon verhaftet, nach Mazas ge= der ihr Trost zusprach: ihr Mann sei nicht der erste ge= worfen und im strengsten Gewahrsam gehalten, um in den wesen, dem so etwas passirt sei, solche Dinge passirten Am selben Abend fand eine Versammlung statt, in der vierten Prozeß der Internationale verwickelt zu werden. häufig und man müsse sich in das„ Unvermeidliche" fügen. einige weise Männer dem anwesenden wohlanständigen Im Juli zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt, wurde er Der Fabrikant habe ihren Mann sehr geschäßt, wolle auch Publikum darlegten, daß die Schilderungen gewissenloser mit gegen sechzig politischen Verbrechern"( Anhängern der die Begräbnißkosten bezahlen, ja, seiner Wittwe außerdem Demagogen über die bestehende Armuth aus der Luft ge- Internationale und Blanquisten) in das Zuchthaus von hundert Dollars schenken. Er zog ein Papier aus der griffen seien. Wenn es Leute gäbe, die Mangel litten, so Beauvais übergeführt, aus dem er mit seinen SchicksalsBrusttasche und erklärte, daß er ihr das Geld auszahlen sei dies ihre eigene Schuld. Sie sollten arbeiten, wie gefährten am 5. September durch den Sturz des Kaiserwürde, daß sie den Empfang aber unter der Schrift quit- sie auch. reichs befreit ward. tiren müsse. Und die Versammelten gingen in sehr befriedigter Sie war dankbar für all diese Güte und unterzeichnete; Stimmung nach Hause. sie würde in diesem Augenblick alles unterzeichnet haben, und wenn es ihr Todesurtheil gewesen wäre. Was hatte sie unterschrieben? Sie wußte es nicht. Was sie aber wußte, das war, daß sie nun in der Lage war, vor der Hand für die Kinder in alter Weise sorgen zu können. Das weitere würde sich ja finden. Benoit Malon.*) Aus dem Leben eines Proletarierführers. II. c- n. Seine Kenntnisse, seine Charakterfestigkeit verDer Herr steckte das Papier wieder ein und verabschafften Malon bald einen großen Einfluß über seine schiedete sich mit dem freundlichsten Grinsen, dessen ein Kameraden, und als 1865 ein großer Streik ausbrach, Agent- ein solcher war es fähig ist. Er dachte, das ward er zum Führer desselben ernannt. hätte dem Fabrikanten ein theurer Prozeß werden können, Er erledigte sich seiner Aufgabe so gut, daß er bereits wenn die Frau eine Schadenersaßklage eingereicht hätte. im folgenden Jahre abermals mit der Leitung eines neuen Unter 5000 Dollars wäre er nicht weggekommen. Nun Streits betraut ward. war alles in Ordnung. Die Frau war zufrieden, der Bald darauf machte er die ersten journalistischen was nicht theuer ist und die Hälfte für die Bemühungen Mutualité" und den Courrier français". Versuche in Gestalt von„ Arbeiterforrespondenzen" an die des Agenten zu zahlen, und somit war alles in Ordnung. Zur selben Zeit auch trat er mit der Internationale Als der Fall in den Zeitungen bekannt gemacht und in Beziehung und ward durch Tolain, den späteren Fahnenhinzugefügt wurde, wie nobel sich der Fabrikant der Wittwe flüchtigen, in die Pariser Sektion aufgenommen. gegenüber benommen, da war man über letteren des Lobes voll. Da konnte man Abends in den anständigen" Kneipen, in denen die Wohlfituirten verkehrten, hören:„ Da sieht Fabrikant hatte nur hundert Dollars für einen Todten " Malon legte damals noch übergroßes Gewicht auf *) Sprich: bönoa malong. Kaum hatten sich für Malon die Kerkerthore geöffnet, so eilte er nach Paris zurück und trat in das 91. Bataillon der Nationalgarde ein, welches ihn sofort zu seinem Vertreter erwählte. Ronnten sich schon bloße aufrichtig demokratische Republikaner nicht mit den Männern des 4. September und ihrer blauen Republik einverstanden erklären, so noch weit weniger ein Mann vom Schlage und der Gesinnung Malon's. Der Zäsar war gestürzt, aber der Despotismus einer Klaffe war geblieben und forderte zur Opposition heraus, die auch nicht auf sich warten ließ. Malon gehörte zu denen, welche der provisorischen Regierung, der sogenannten Nationalvertheidigung, von Anfang an Mißtrauen und entschiedenen Widerstand entgegenbrachten, welche durch ihre agitatorische Thätigkeit eine revolutionäre Kommune vorbereiteten, in der internationale und sozialistische Momente enthalten waren. Sein unermüdliches Wirken, seine Erfahrung und Begabung in Sachen der Agitation und Organisation, das Ansehen, welches er unter den Arbeitermassen der Faubourgs erlangt hatte, ließen ihn durch Akklamation zum Mitglied des Zentralkomitee's der zwanzig Arrondissements ernennen. An dem Aufstande des 31. Oktober, welcher die Rapitulation von Paris( die anläßlich der Nachricht der Uebergabe von Mctz befürchtet ward) verhindern und die revolutionäre Kommune anbahnen sollte, nahm Malon nebst seinem Bataillon lhätigen Anthcil und zeichnete sich durch seine Energie auä. Bald darauf ward er zum Beisitzer des Maire vom 17. Arrondissement erwählt, und organisirte in dieser Eigenschaft die Armenpflege und das Unterstützungswescn des Bezirks in geradezu mustergültiger Weise, was unter den herrschenden Umständen schwierig genug war. Malon bethciligte sich auch an dem zweiten verzweisel- ten Versuch der Faubourgs, die Kommune zu gründen, vom 22. Januar 1871. Die Folge davon war, daß die Regierung einen Haftbefehl gegen ihn erließ und die Zahl der Späher und Häscher, welche sich an die Fersen des jungen Agitators und Insurgenten hefteten, verdoppelte. Die Wahlen zur Nationalversammlung von Bordeaux geboten jedoch bald weiteren öffentlichen Verfolgungen halt, denn Malon ward am 8. Februar mit mehr als 118 000 Stimmen, als fünfzehnter aus dreiundvierzig zum Vertreter von Paris erwählt. Nickt ganz einen Monat später(3. März) gab er seine Entlaffung, um gegen die Abtretung von Elsaß-Lothringen und die reaktionären Be- strebungen der Regierung zu protestiren, welche immer nackter zu Tage traten. Am Morgen des ercignißschweren 18. März nach Paris zurückgekehrt, ward er von beiden Regierungen— der sogenannten ausständischen der Kommune und der Versailler— zum Maire von Balignolles ernannt. Er er- klärte sich in den ersten Tagen noch nicht rückhaltslos für die Kommune, sondern suchte eine vermittelnde Rolle zwischen ihr und der Regierung zu spielen, nicht etwa aus Rücksicht auf letztere, sondern nur aus Gewiffenhaftigkeit der erstere» gegenüber. Ihm schien eine Niederlage infolge der Rückständigkeit der Provinzialbevölkerung unvermeidlich, und mit Recht fürchtete er, daß unter solchen Umständen auf jede Aktion eine noch stärkere Reaktion folgen würde. Als jedoch Jules Favre am 21. Februar seine berüchtigte Rede gehalten, kannte Malon kein Zögern mehr und schloß sich ganz und offen an die Kommune an, um so mehr, da immer deutlicher zu erkennen war, daß dieselbe mit dem Fortbestand und der Erhaltung der Republik gleichbedeutend sei. Er lehnte zwar alle weiteren Aemter ab, da er sich ausschließlich seinen Pflichten als Maire von Batignolles widmen wollte, ward aber trotzdem am 26 März zum Mit- glied der Kommune erwählt. Hier wie da seine Aufgabe voll und ganz erfüllend, entwickelte er gleichzeitig in Kommissionen, Komitee's, Klubs und Versammlungen eine fieberhaft rege Thätigkeit und machte sich durch seine energische und klug besonnene Haltung bemerklich. Dieselbe brachte ihn verschiedene Male in Gegensatz zu den in der Kommune vertretenen jakobinistischen Elementen, denen gegenüber er, wenn auch noch verschwommen und unklar, das moderne zielbewußte Proletarierthum vertrat. Als die Kommune ihrem unvermeidlichen Geschick er- lag, kämpfte Malon bis zu den letzten Minuten auf der Barrikade und verließ seinen Posten erst, als jeder weitere Versuch, denselben zu halten, unmöglich geworden. Körper- lich bis zum äußersten ermattet, seelisch bis zum Tode be- trübt, da, wo alles verloren schien, gleichgiltig gegen das eigene Ick, irrte Malon ohne Rücksicht auf die persönliche Sicherheit mitten durch die pulvergeschwärzten, niassakri- renden Versailler Truppen, die seilten Freund, den edlen Varlin, gemordet hatten. Wahrscheinlich verdankt er es gerade dieser absoluten Gleichgiltigkeit, die ihm ein kalt- blütiges sicheres Auftreten verlieh, daß er nicht erkannt und, wie besohlen, füsilirt ward. Von der Mutter eines Waffcngefährten für die Nacht aufgenommen, ward er aus Furcht vor einer etwaigen Denunziation und Haussuchung bereits am nächsten Tage so gut wie auf die Straße geworfen. Der Tod schien ihn nicht zu wollen, denn abermals entging er der mordenden Soldateska und fand nach allerhand Kreuz- und Qucrmärschcn durch die im Blute schwimmende Stadt im Hause eines alternden be- rühmten Bildhauers Ausnahme, welcher ihn mit folgenden Worten empfing:„Wer Sie auch sind, Sie sind hier willkommen, denn Sie sind ein Opfer des Ungeheuers, das heute auf den Ruinen von Paris triumphirt, und das die Menschheit schändet." Sechs Wochen lang hielt sich der Geächtete in dem stillen Asyle auf, gelangte dann mit Hilfe des Paffes und — des Geldbeutels des Sohnes seiner Gastfrcunde über die Grenze, und„grüßte und betrat endlich einen freien Boden." Er ließ sich zunächst in Genf nieder und erwarb seinen Lebensunterhalt als Korbflechter, Typograph und Lastträger. Wie nach seiner Ankunft in Paris so widmete er auch jetzt wieder den größten Theil seiner Nächte einem eiftigeu Studium, das er während der großen Kämpfe der letzten Zeil gezwungener Weise vernachlässigt hatte. Die Zeit seines Exils stellt Malon's wahre Studienzeit dar, und sie war es besonders, welche ihn in den Stand setzte, für die Ideen, welche er mit der Flinte vertheidigt hatte, auch mit der Feder erfolgreich einzutreten. In den Studien, welche er damals betrieb, nahmen die ökonomischen Werke und die Schriften der Utopisten und Sozialisten einen breiten Raum ein. Adam Smith, Mc Culloch, Malthus, Ricardo, Bastiat, Garnier, Saint-Simon, Fourier, Louis Blanc, Proudhon, Cabet, Pecqueur, Vidal, Owen, Mill, Laffalle, Karl Marx wurden eiftig durchstudirt. Hand in Hand mit der Aneignung einer tieferen Aus- bildung ging eine energische Propaganda in Wort und Schrift; Malon arbeitete an verschiedenen sozialistischen Zeitungen in französischer und italienischer Sprache mit— er war von der Schweiz nach Italien übergesiedelt— so an der„Solidarite" von Neuchatel, an der„Plebe" von Lobi, der„Röpublique Republicaine" von Lyon, dem „Mirabeau" von Verviers, dem„Povero" von Palermo:c. Daneben veröffentlichte er eine Reihe von Studien zur Geschichte der sozialistischen Bewegung, die sehr schätzens- werthes Material für eine spätere sichtende und kritisirende Geschichtsforschung bilden, wie„die dritte Niederlage des französischen Proletariats", ferner eine„Darlegung der französischen sozialistischen Schulen" und„die Jnternalio- nale, ihre Geschichte und Prinzipien", ferner Agitalions- broschüren wie„Spartacus",„der Sozialismus, die Reli- gion, die Familie und das Eigenihum", eine„kritische Geschichte der Nationalökonomie",„Geschichte des Sozialis- mus", Uebersetzungen von Lassalle's„Kapital und Arbeil", von Sckaeffle's„Quintessenz des Sozialismus" rc. Mit Caesar de Paepe zusammen rief er zur gleichen Zeit die Revue„der progressive Sozialismus" ins Leben, und mit Höchberg zusammen gründete er die„Sozialistische Revue", welche nack einem Jahre wieder einging. Die Aufzählung seiner Schriften, die Nennung der Zeitungen allein, an denen Malon mitarbeitete, geben einen Begriff von der unermüdlichen Thätigkeit, der Arbeitsfähigkeit des Mannes. Die Sünden der Dresse. .III. B. W. Dasjenige Ziel, welches alle öffentlichen Be- strcbungen leiten sollte, ist das Gemeinwohl, Auf die allgemeine Wohlfahrt sollten also auch die Tendenzen der Presse gerichtet sein. Möchten die Mittel, welche von den verschiedenen Zeitungen empfohlen werden, immerhin ver- schieden sein, gemäß der verschiedenen Einsicht und Erfahrung der Menschen; wenn nur die Parteien ehrlich bestrebt wären, der Allgemeinheit zu dienen! Wie verhält sich nun dieser sittlichen Forderung gegen- über die herrschende Presse?— Sie ist im allgemeinen so weit entfernt, im Dienste der Moral zu stehen, daß sie sogar dem gemeinsten Eigennutze fröhnt. Wer aller- dings die salbungsvollen Redensarten und klangvollen Schlagworte ihrer Leitartikel für den Ausdruck der Ehrlichkeit hält, glaubt nicht nur die Geistvollste», sondern auch die Edelsten der Nation zu hören. Schlimm genug! Besser wär's, der Egoismus der Zeitungsleiter und ihrer Parteien träte unverhüllt zu Tage. Das würde den Kampf der entgegenstehenden Interessen anfeuern und somit die Entwickelung der Gesellschaft beschleunigen. Daß die politischen Bestrebungen der Zeitungen nicht gemeinnützig, sondern partikularistisch zu sein pflegen, gehl daraus hervor, daß die politischen Färbungen der Presse zusammenfallen mit den Färbungen im Parlamente. Die parlamentarischen Parteien aber sind Jnteressenparteien. Das beweisen die Berathungen und Abstimmungen über wichtige Gesetze. Mit seltener Einmüthigkeit stimmen da die einzelnen Parteien so, wie es das Interesse ihrer Wähler oder richtiger der Wahlmacher verlangt. Als es sich z. B. darum handelte, durch Kornzölle die Einnahmen der Regierung und zugleich der Großgrundbesitzer zu erhöhen, da agitirten die Konservativen mit Energie für den Zoll, weil eben der Großgrundbesitz die Hauptmacht der konservativen Partei ist. Und als über die Einschränkung der Frauen- und Kinderarbeit berathen wurde, da zeterte der„Deutschfreisinn" gegen einen derartigen Arbeiterschutz; natürlich! denn die ausschlaggebende Macht dieser Partei sind die Großhändler und Großindustriellen, welche gegen alles zetern, was die manchestcrliche, d. h. rücksichtslose Freiheit der Arbeiterausbentung einschränkt. Wenn die Nationalliberalen über den fraglichen Gegenstand gcthcilter Meinung waren, so geschah dies eben, weil die Interessen der nationalliberalen Fabrikanten gelheilt waren. So trat auch der Elberfelder Abg. Schmidt für Einschränkung der Kinderarbeit ein, weil, wie er selbst gestand, in seinem Wahlkreis die Kinderarbeit ziemlich gering ist, während die bösen Konkurrenten der Elberfelder Fabrikanten in Sachsen stark mit billiger Kinderarbeit wirthschasten. Unsere Behauptung, sämmtlicke politischen Parteien seien Vertreter von Standes- und Klasseninteressen, gilt in gewisser Beziehung auch von der sozialdemokratischen Partei. Diese Partei wendet sich gegen die Kapitalistenklasse und die mit derselben verbündeten Volksschichten und tritt für die Wohlfahrt des Proletariats ein. Während aber die bürgerlichen Parteien bei Verfolgung ihrer Interessen gegen die Volksmehrheit der Gegenwart und der Zukunft sündigen, fallen die sozialdemokratischen Bestrebungen mit den Ten- denzen der wissenschaftlichen Moral(wie dies der sogenannte Utilitarismus d. h. die Moral der allgemeinen Wohlfahrt ist) zusammen. Die Sozialdemokratie wendet sich eben nur gegen unberechtigte Klasseninteressen, z. B. gegen die Ausbeutung der Arbeit, und tritt ein für die berechtigten Interessen des Proletariats, deren Befriedigung eine Ver- besserung und Beglückung der Menschheit bedeutet. Daß die Zeitungen im allgemeinen Jnteressenpolitik treiben, ergiebt sich aus ihrem Endzwecke. Die Zeitungen werden gegründet, um Geld zu machen. Recht viel Abonnenten und besonders Inserenten! Das ist die Losung der Verleger und Redakteure. Durch Vorberechnung oder tastende Versuche finden die Männer der Presse eine Bevölkerungsschicht, deren Interessen ihr Blatt vertreten kann. Ist der Abonnenten- und Jnserentenstamm gefunden, so wird das Blatt durch diesen geleitet. Mit Recht läßt Ibsen in seinem Drama„Ein Volksfeind" einen Redakteur sagen: Die eigentlichen Leiter eines Blattes sind die Abonnenten. Zu den schwersten Sünden der Presse gehören die Sünden wider die Uebcrzeugung: Bestechlichkeit und feige Nachgiebigkeit. Der Journalismus hat eine starke Verwandtschaft mit der Prostitution. Wie nämlich die prostituirten Weiber ihre Liebe für Geld verkaufen, so verkaufen zahlreiche Männer der Presse ihre Ueberzeugung, d. h. schreiben mit dem erheuchelten Ton der Ueberzeugung für eine Sacke, der sie innerlich nicht angehören. Die Federhelden dieser Sorte gleichen auch den mittelalterlichen Landsknechten, welche für denjenigen Herrn kämpften, der sie besoldete, ohne viel zu fragen, ob dessen Sache gerecht sei. Welches ist nun die Ursache der journalistischen Prostitution? Die gleiche, wie die der erotischen: Roth. Die Ueberfüllung der sogenannten geistigen Berufe hat ein Proletariat geschaffen, dessen Angehörige großentheils froh sind, wenn sie als Redakteure oder Schriftsteller bei irgend einem Blatte, gleichviel von welcher politischen Färbung, ihr Brod finde», und welche alsdann den Grund- satz befolgen:„Wes' Brod ich ess', des' Lied ich sing'". Nicht minder, als die Journalisten, vielfach sogar gröber, sündigen die Verleger wider die Ueberzeugung. Ihre Geldgier versührt sie oft dazu, die Tendenz ihrer Zeitungen zu verkaufen. Es ist geschichtlich, daß ein großer Theil der französischen Zeitungen sowie auch ein kleiner Theil deutscher Blätter im Jahre 1870 im Solde Napoleons III. stand. Und genug Anzeichen sind dafür vorhanden, daß die Presse der Gegenwart die der Ver- gangenheil an diesbezüglicher Korruption noch übertrifft. In Zeiten, wo die Demokratie unfähig ist, die Freiheit der Presse zu behaupten, wuchert die Bestechlichkeit aus Furcht vor Unterdrückung des Blattes. Ein klägliches Beispiel dieses journalistischen Servilismus, der von Geld- liebe gezeugten Verlegerseigheit, ist von Lassalle der Geschichte übergeben worden: In Preußen war unter dem Regiment Hinkeldey die Angst vor polizeilicher Unterdrückung der Zeitungen so groß, daß von einzelnen Verlegern Spitzel gehalten wurden, um zu erforschen, ob von„Oben" der Wind mehr oder weniger schneidig wehe, und wie weit die Demokratie in Leitartikeln gehen dürfe. Nicht bloß die geistige Haltung der Presse dem Publi- kum gegenüber, sondern auch die geschäft lich e Haltung den Preß arbeitern gegenüber verdient unsere Kritik. Daß die Handproletarier von dem Preßkapital ebenso ausgebeutet werden, wie überhaupt von dem Kapital, ist eine unseren Lesern selbstverständliche Thatsache. Minder bekannt ist es aber, daß die Lage der Journalisten großentheils fast ebenso elend ist, wie die jener Arbeiter. Die Ueberfüllung ihres Standes sorgt dafür, daß die Journalisten ausge- beutet und behandelt werden wie alle andern Proletarier. Oft müssen sie bei Verlegern und Redakteuren geradezu um Beschäftigung betteln, und diese Herren fühlen sich dann so recht als Arbeitgeber, als Brodherren. Vielfach erhalten die Schriftsteller ihren Lohn erst nach langem Drängen und Bitten, zuweilen gar nicht. Das Verleger- kapital aber mästet sich durch solche Drangsalirungen armer Proletarier von der Feder. Die Entwickelung der Agrarverhältnisse in Deutschland. Eine sozialpolitische Studie. II. Während in den zwei vorher gehenden Jahrhunderten der Expropriationsprozeß mit einer gewissen lauten Auf- fälligkeit vor sich ging, schritt er im 19. fein sachte einher. Nur die Einführung bestimmter Paragraphen genügte, um ganze Klassen des Bauernstandes dem nimmersatten Junker- thum aufzuopfern. Die schöne Legende von der Rettung und Wiedergeburt des Bauernstandes durch die Stein-Hardenberg' sche Gesetzgebung zerfließt vor unseren Augen in ein Nichts, wenn wir uns die Hauptzüge derselben an der Hand des Knapp- schcn Werkes über die„Bauernbefreiung" vor Augen führen.") Wir wollen hier nicht trübsinnig den Kopf über die> systematische Abschlachtung der Bauern zur Erde senken, wir wollen auch nicht in den bekannten politischen Wasch- weiberton versallen, indem wir für die betrübenden Re- sultate der preußischen Agrargesetzgebung diese oder jene Männer verantwortlich machen, nein wir bemühen uns nur, die Nothwendigkeit für einen solchen wenig erheben- den Erfolg der Gesetzgebung nachzuweisen. Wir haben gesehen, daß selbst der Adel den Bauern- schutzedikten Friedrichs II. Trotz bot. Es ließ sich eben nicht erfolgreich gegen eine so starke, ökonomisch wohl or- ganisirte Macht wie die des preußischen Adels ankämpfen. Viel weniger wie Friedrich II. vermochten seine Nachfolger den Kampf gegen das Junkerthum zu führen. Gewiß, sie waren unumschränkte absolute Machthaber. Aber ge- rade der absolute Monarch ist wenig Herr der ausgedehn- ten, schwerfälligen, bureaukratisch-gegliederten Staatsmaschine. Der Monarch ist unumschränkt, aber er hat leider nur fünf Sinne wie der gewöhnliche Sterbliche, er hat nur einen Kopf. Der Unumschränkte kennt also viele Schran- ken. Seine Kenntniß von den staatlichen Verhältnissen hängt von vielen Ober- und Unterbeamten ab. Und diese sind natürlich in einem Staate, dessen Stärke noch aus einem halb-feudalen Grundbesitze ruht, die Herrn vom Adel und ihre ergebenen bürgerlichen Diener. Klar führt uns das Verhältniß zwischen absolutem Monarchen und seinen adligen Beamten die Regierung Friedrich Wilhelms II. vor Augen. Durch gewissenlose Minister und Beamte wurde der preußische Staat durch ') G. Fr. Knapp, Professor in Straßburg:„Die Bauernbe- freiung und der Ursprung der Landarbeiter je." 1887. Verschleuderung der südpreußischen adligen und geistlichen Güter um„wahrhaft ungeheure Summen" betrogen.') Der Gras Hoym beispielsweise ließ sich ein Gut, dessen Werth er aus 40 000 Franken(also noch nicht 11 000 Thaler) angab, schenken. Die offizielle Schätzung desselben betrug 69 500 Thaler. Jedoch auch diese war noch falsch, beim bald verkausre er dies Gut für 200000 Thaler. Der Minister v. Bischofswerder ließ sich ebenfalls ein Gut zusprechen, dessen angeblicher Werth nur 18 000 Thaler betrug, das er jedoch bald für 115 000 Thaler verkaufte. Welche Unterschleife bei diesen Gütervcrschleuderungen ge- macht wurden, sieht man schon aus diesen Daten. Der Patriot Hans von Held, dem Varnhagen ein schönes Denkmal in seinen Biographien gesetzt hat, bringt in seinem sogenannien schwarzen Buche genaue Daten darüber herbei. Ueber zwanzig Millionen Thaler wurden nun diese Güter geschätzt, die für ein Butterbrod an Günstlinge der Mätressen und der Minister sinnlos verschleudert Wurden.') Man lernt hieraus die Schranken des unumschränkten Monarchen kennen. Der Adel war in Preußen eben noch übermächtig; keineswegs hatte sich dort eine regierungsfähige Bourgeoisie entwickelt. Die talentvollen Vertreter derselben waren meist nur gehorsame Schreibsüchse der königlichen Bureaus. Nirgends äußerte sich in Deutschland damals das Bürgerthum als Klasse, verlangte es als Besitzerin dieser oder jener ökonomischen Machtmittel An- theil an der Staatsgewalt. Und dies wird jedem begreiflich sein, der den durch- aus noch kleingewerblichen Charakter der damaligen bürgerlichen Wirihschaftsweise kennt. Diese Bürger waren noch die echten Kleinstädter, wie sie Kotzebue so anschaulich in seinem gleichlautenden Lustspiel beschrieben hat. Sehr klar hat ein deutscher Zeitgenosse der großen stanzösischcn Revolution, Brandes, diese Verhältnisse durch- schaut. Er schreibt:„In den deutschen Fürstenthümern giebt es noch keinen genügend-zahlreichen, bemittelten dritten Stand, der als Repräsentant des Städters lind Landmanns die Rolle eines brittischcn Unterhauses mit Würde spielen könnte. Eine gewisse Jndependenz(Unab- hängigkeit) von seile» der Glücksgüter ist dazu noihwendig erforderlich." Die gebildeten Männer des dritten Standes leben nach ihm meist„von einer landesherrlichen Besoldung." So war nun der Adel die einzig herrschende weil noch ökonomisch stärkste Klasse der damaligen Gefells chast. Wir haben diese Klassenverhältnisse hier berühren müssen, um den Gang der preußischen Agrargesetzgebung zu verstehen. Nur dadurch können wir das starke preußische Königthum vor seinen eigenen unbesonnenen sich über- stürzenden Freunden schützen und ihm ungerechte Demüthi- gungen von anderer Seite ersparen, wenn wir die Grenzen seiner Macht hier genau bestimmen. Welche ungerechten Angriffe könnte man gegen das preußische„soziale" König- thum schleudern, wenn man es für die Agrargesetzgebung verantwortlich machen würde! *** Infolge der brutalen Gewaltthaten des Adels befand sich am Ansang des 19. Jahrhunderts ein großer Theil des Bauernstandes in einer wenig beneidenswerthen Lage. Viele Bauern waren um ihren Besitz gebracht worden, vielen bestritt man das Recht an demselben. Man be- mühte sich, sie als bloße Pächter der Güter hinzustellen. Sie waren aber keineswegs bloße Zeitpächler. Der Fortbestand der bäuerlichen Dienste, die vielen feudalen Rechte und Pflichten, die sich noch an die bäuerliche Scholle knüpften, bewiesen deutlich, daß sie dies nicht waren. Die Pflicht des Gutsherrn, auf dieser oder jener Scholle eine bäuerliche Nahrung zu erhallen, zeugte deutlich genug gegen die freie Verfügungsgewalt desselben über den bäuerlichen Besitz. Auf diese eigenthümlichen Eigemhumsformen koniite man nicht einfach die römisch-rechtlichen Definitionen vom Eigenthum anwenden, man konnte dem Ritter nicht das Recht der freien Verfügung über den bäuerlichen Besitz einräumen. Diese Bauernklasse mit mehr oder weniger angefochtenen Besitzrechten brauchte nun der Adel, dem sie zu Spann- und Handdiensten verpflichtet war, dringend für die Bewirthschaftung seiner Güter. So lange nicht eine massenhafte freie ländliche Arbeiterklasse vorhanden war, konnte er die Bauern nicht für seine Wirthschast entbehren. Waren nun große Massen dieser mitunter sehr leistungs- fähigen Bauern selbständig gemacht, konnten sie sich aus ihrem eigenen Wirthschastsgebiet allein ernähren und brauchten sie daher nicht auf dem adlichen Gute zu schanzen, ja dann verlor der Adel seine unentbehrlichsten Arbeitskräfte. Hier handelte es sich also im Interesse des herrschen- den Adelsstandes um einen möglichst großen Ausschluß leistungsfähiger Bauern von der staatlichen Ab- lösungs- und Regulirungsgesetzgebung und um die Ausstattung des Adels mit dem freien Ver- fügungsrechte über die Hufen der Bauern, welche man von der Erhebung zu freien Eigenthümern und von der Ablösung der feudalen Lasten ausgeschlossen hatte. Wenn dann der Besitz dieser Bauern durch alle möglichen erlaubten und nicht erlaubten Kunstgriffe beträchtlich vermindert war, so daß der Bauer sich nicht mehr mit und aus demselben ernähren konnte, dann durfte man ihn ja fteigeöen, dann ersetzte der eherne Zwang des Hungers den Dienst- zwang. ') Philippson:„Geschichte des preuß- Staatswesens". II, 286. -) Siehe Uber die südpreußischen Verhältnisse die„Vertrauten Briefe" und„Neue Feuerbrände des Kriegsrath von Köln"— Varnhagen von Ense:„Hans von Held"—„Annale» der leiden- ten Menschheit" 1801, IX. Heft. Wir werden nun sehen, daß die Gesetzgebung die Bahnen wirklich einschlug, welche wir voiher als durch die wirthschaftlichen und politischen Machtverhältnisse noth- wendig bedingt nachzuweisen suchten. * ** Nach der Niederlage von Jena und Anerstädt begriff alle Welt die Nothwendigkeit ländlicher Reformen. Die wirthschastliche Arbeil in ver Form unfreier Zwangs- arbeit erwies sich als wenig leistungsfähig, sie mußte durch die sogenannte„freie" Arbeit ersetzt werden. Das königliche Edikt vom 9. Oktober 1807 verfügte infolgedessen, daß die Erbuntcrthänigkeit(eine Art Leib- eigenschast) bis zum 10. Martinitage 1810 überall aufgehoben sein sollte.') In bezug aus die Ordnung der ländlichen Eigenthums- Verhältnisse gab man am 14. Februar 1808 für Preußen, am 27. März 1809 sür Schlesien und am 9. Januar 1810 für Pommern und die Marken genauere Instruktionen her- auS.2) In diesen opferte die Regierung alle diejenigen Bauernstellen neueren Bestandes auf, welche meist erst die Bauernschutzgcsetzgebung in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschaffen hatte2)— in Ostpreußen z. B. die nach 1752, in Westpreußen die nach 1774 entstandenen Stellen. Der Adel konnte diese Bauernhöfe einziehen, wenn er die Besitzer„für das etwa bestehende Besitzrecht" entschädigte. Wie mag nun der Wolf das Schaf entschädigen, der wirthschaftlich Stärkere den wirthschastlich Schwächeren! Und dann, wie schwer mag in jener Zeit wohl der Nach- weis eines„amtlich feststehenden" Besitzrechtes gewesen sein! Außerdem durfte der Adel die älteren Bauernhusen zu 4— 8 Hufen großen bäuerlichen Besitzungen zusammen- schlagen.�) Ferner erlaubte man ihm, Bauernland in adliges Vorwerksland umzuschaffen, wenn er aus einer gleich großen Fläche erbliche Bauerngüter bildete und für diese Abnehmer»achwies. Welche erheblichen Zugeständnisse an den Adel! Die Gesetzgebung»ahm gar keine Rücksicht auf die allen bäuerlichen Besitzer. Sie fragle nicht darnach, gehl dieser oder jener Bauer beim Zusammenschlagen der vielen kleinen Be- sitzungen zu wenigen großen zu Grunde?„Sie sollen, wie Knapp ausführt, nicht etwa im Besitze geschützt; sie sollen nur im Falle der Vertreibung entschädigt; sie sollen nicht zu Eigenthümern gemacht werden, sondern sie sollen künftig eintretenden Erwerbern weichen."(I, 141.) Diese Instruktionen hießen für ganze Klassen des Bauernstandes einfach Enteignung— Expropriation! Einige wesentliche Bestimmungen konnte nun der Adel durch Kniffe und Ränke vollkommen illusorisch machen, z. B. die Bestimmung, daß er für jedes neugeschaffene Bauerngut einen bäuerlichen Besitzer nachwies. Diese Besitzer konnten bloße Strohmänner sein, welche für Geld und gute Worte die Rolle der neuen Besitzer aus kurze Zeit spielten und dann freiwillig aus den Besitz verzichteten.2) Viele Stimmen erhoben sich gegen die Instruktionen von 1808 und 1809. In einem amtlichen Berichte von 1816 klagte der Kriegsrath Schaniweber, daß ein großer Theil des Bauerslandes„verschwunden wäre, und daß viele Bauern hätten Tagelöhner werden müssen.2) Nach dem Ausspruche eines unbekannten Schriftstellers vom Jahre 1812„würden sich die größeren Güter schnell zu unförmlichen Massen angehäuft und die achtbare Klasse der kleinen Ackerbauer schon verschlungen haben," wenn die Besitzer dieser Güter damals genug Kapital gehabt hätten, um auf allem Bauernland die nölhigcn Umgestaltungen vorzunehmen. Also nur der Kapitalmangel vieler Jun- ker rettete viele Bauern vor dem Untergange. ** * Am 14. September 1811 kam ein neuer Gesetzen t- wurf über die Regulirung der bäuerlichen Besitzverhältnisse heraus. In diesem wurde eine Klasse der Bauern, die so- genannten Laßbauern, welche ihrer ganzen Vergangenheit nach durchaus nicht mit den Zeitpächtern auf eine Stufe zu stellen waren, mit diesen einfach zusammen geworfen. Sie wurden� dadurch in eine sehr ungünstige Stellung gerückt. Diesen unerblichen Laßbauern und Zeitpächtcrn stellte man die erblichen Laßbauern gegenüber. Die erblichen Laßbauern sollten dann vollkommen freie Eigen- thümer ihrer Stellen werden, wenn sie an den Adel ein Drittel ihres Bodens abtraten, die unerblichen Bauern und Zeitpächter, wenn die Hälfte. Dieser Verzicht der Bauern auf ein Drittel oder die Hälfte ihres Besitzes bedeutete für sie häufig ihren Untergang als selbständige Landwirte. Selbst die kurmärkische Regierung gab um dieselbe Zeit zu, daß der Bauer häufig nicht mit drei Vierteln der Grundfläche bestehen könnte und daher in Gefahr stände,„Tagelöhner" zu werden.') Nun ') Knapp I, 136. s) Alle diese Instruktionen stimmen„fast ganz" übercin. Knapp I, 139. 3) Knapp. Die Bauernbefreiung u. s. w. I, HO. *) Knapp„Bauernbefreiung" l, 141, 4 Hufen in der Riede- rnng. 8 Hufen in der Höhe. ') Hier mag das Beispiel am Platze sein, das der Agrar- Historiker Hering mittheilt. Ein pommerscher Gutsbesitzer reichte der Regierung einen Plan ein, dem zufolge er sämmtliche Käthnerstellen einziehen und eine bestimmte Anzahl größerer Bauernstellen errichten wollte. Die Käthner müssen nun Haus und Hof(verlassen und den Wanderstab ergreifen, obwohl sie stets ihre Kriegslasten und ihre Verpflichtungen gegen den Gutsherrn erfüllt hatten. Diejenigen nun, welche die errichteten Stellen in Empfang nahmen und den hierzu erforderlichen gerichtlichen Akt eingingen, waren nur vorge- spiegelte Besitzer; sie verzichteten nachher freiwillig auf die Stellen, und der Gutsbesitzer war Herr der Feldmark.(Archiv der polit. Oekonomie k. v. Rau, IT. Band. Aus der Kritik des Hering'schen Werkes von Georg Hansien.) °) Knapp I, 144. Knapp I, 170. aber sollte er gar nur mit zwei Dritteln oder der Hälfte seines Bodens fortwirthschasten! ** Trotzdem diese Gesetzgebung ein so willfähriges Ohr den Wünschen des Adels geliehen hatte, gab sich der letztere dennoch nicht zusrieven. Wollte doch die Gesetzgebung wirklich Ernst mit der Ablösung der Bauern machen, indem sie nach einer zwei- jährigen für gütliche Vereinigung gestellten Frist selbst euer- gisch die Regulirung der bäuerlichen Besitzverhältnisse in die Hand nehmen wollte. Ferner beabsichtigte nicht die Gesetzgebung die freie Verfügung des Adels über die Bauern- äcker einzuschränken. Die Junker suchten daher die Wirksamkeit der Gesetz- gebung an allen Ecken und Enden zu lähmen. Die Gutsbesitzer Ostpreußens, die Stände der Kreise Lauenburg, Belgrad, Neustettin, Dirschau, Rastenburg:c. bestürmten die Regierung mit Bitten, diese oder jene Be- stimmung der Gesetzgebung umzugestalten. In jener Zeit „fremdländischer Knechtschaft" hatte der patriotische Adel nichts besseres zu thun, als gegen die Pläne der Regierung zu intriguiren, um dem Bauer noch lange Zeit die Wohl- lhaten einer inländischen Knechtschaft zu erhalten. Die Gutsbesitzer des Stolpe'schen Kreises jammerten gottserbärm- lich darüber, daß sie nach den Regulirungen bei jedem „Schritt und Tritt aus fremdes Eigenthum treten würden." „Unsere Güter werden uns zur Hölle werden, wenn unabhängige bäuerliche Eigenthümer unsere Nachbarn sind." Das glauben wir den Herrn, unab- hängige Eigenthümer anstatt besitzloser halbversklavter Bau- ern! Ja, eine Eingabe ostpreußischer Gutsbesitzer bezeich- nete ein Regierungsbcamter selbst als„Frechheit". Der Rath Bülow im StaatSkanzleramt schlug sogar vor, die „ausgemittelten Subjekte sowie den Grafen Eulenburg und einen Herrn Kist auf wenigstens acht Wochen der Festung Pillau oder Friedrichsburg zu wohlverdienter Strafe" anzuvertrauen.') Und tianr.m hatte der Adel Erfolg mit seinen Be- mühnngen. Man iimiguirte allseits gegen die Regulirungs- gesetzgebung, man gab dem König zu verstehen, daß sie „unter dem giftigen Hauche der französischen Gesetzgebung" entstanden seien. Schließlich gebot der König eine nochmalige Prüfung der Regierungsedifte. Einer sogenannten Nationalrepräsen- tation, einer wahren Junkerkammer, wurde das Gesetz vor- gelegt. Diese begann nun ihre„parteilose" Arbeit. Da nun das fertige Machwerk derselben jedenfalls noch einmal von einer Prüfungskommission der Regierung durchgesehen wurde, so mußte man aus dieser zu berufenden Prüfungskommision im voraus etwaige Bauernfrcunde auszuschließen suchen. Und wirklich, dies gelang! Der tüchtige Kenner der preu- ßischen Agrarverhältnisse von Sharnweber erhielt keinen Ruf in diese Prüsungskammer. Paul Kampffmeyer. Ueber die amerikanische Uroduktionstechnik finden wir in der österreichischen„Freien Schuhmacherzeitung" einige recht interesiante Bemerkungen. Der Verfasser— ein intelligenter Arbeiter— schreibt: Die Verbreitung des Maschinensystems ist eine weit größere, ihre Anwendung eine weit allgemeinere wie bei uns in der alten Welt, und es existiren Maschinen, die wir mitunter noch gar nicht kennen. Beispielsweise ist die Darnpsdreschmaschine allgemein verbreitet, kein Dreschflegel, ja nicht einmal eine Pferde-Dresch- Maschine ist zu sehen. Während also anderwärts die Drescher den ganzen Winter über zu thun haben, ist drüben der Spaß in einer Spanne Zeit abgethan. Ebenso besitzt die Mähmaschine mit Selbstbinder eine ziemlich allgemeine Anwendung und es bleibt dem Arbeiter nichts anderes zu thun übrig, wie die Garben in„Man- del" aufzuhäufen, während anderwärts Männer und Frauen theils mit dem Schneiden, theils mit dem Binden vollauf zu thun haben. Ebenso bedarf man keiner Last- oder Sackträger zum Verladen der Mahlprodukte; zwei große eiserne Schuhe senken sich hinein, klappen zusammen, erheben sich, drehen sich zu dem Orte, wo die Ladung hingelangen soll, öffnen sich und lassen den Inhalt fallen; die ganze Arbeit macht ein Pferd, dessen Hafer und Heu billiger zu stehen kommen, als der Arbeitslohn von einem Dutzend oder mehr Männern. Aehnlich verhält es sich mit der Erdarbeit. Während in an- deren Ländern Krampe, Schaufel und Schiebtruhe und somit viele Hände die Arbeit leisten, zieht man mit großen, starken, stählernen Pflügen Furchen so tief wie nur möglich; ist dies geschehen, so lassen die aufgelockerte Erde eiserne Schuhe(serivsrs), die von Pfer- den gezogen werden, bringen sie an den gewünschten Ort und werden dann von einem Manne umgekippt. Die Leistung ist eine unglaub- liehe, aber die Pferde stehlen unter der heute herrschenden Wirth- schaftsordnung den Menschen das Brot. Rücksichtlich der Bekleidungs- und insbesondere Schuhwaarenindustrie wäre besonders Folgendes hervorzuheben: Bestellarbeit existirt— New-Uork abgerechnet, das halb europäisch, halb amerikanisch ist und nicht in Betracht gezogen wer- den kann— so wenig, daß es kaum der Rede Werth ist, und mit den Reparaturen verhält es sich fast eben so schlecht. Die Riesenfabriken im Staate Masiachusets allein leisten Unglaubliches in der Massenerzeugung, und es sind solche Maaren- vorräthe aufgehäuft, daß man sich nicht mehr Rachs weiß. Der kleinste Town, selbst wenn er nur aus einem halben Dutzend Häusern besteht, hat seine Kaufläden, wo nicht nur Spe- zerei-, Schnittwaaren, landwirthschaftliche Geräche und Maschinen, sondern auch Kleider und Schuhwaaren feilgeboten werden. Alles kauft sich die Sachen fertig und wirft einen Gegenstand weg, wenn er zerrissen ist. Schuhreparaturen hätten auch keinen rechten Sinn, da der Preis der neuen Maare so gering ist, daß sich eine Ausbesserung als Verschwendung heraus- stellen würde. Ein Beleg möge dies veranschaulichen: Ein Paar Schuhe oder Stiefletten kosten gegenwärtig 1 bis l'/2 Dollars, ein Doppler käme auf 70 Cents ungefähr, also um 30 Cents weniger. Wer wird sich also seine Beschuhung doppeln lassen, da vielleicht in 14 Tagen dann das Oberleder reißt, und er schließlich doch neue kaufen müßte. In größeren Städten findet man hie und da die pompöse Tafel: band rnade work(Handarbeit), allein dies ist g e- wöhnlich ein Humbug. Auch existtren Schuhmacher, welche ') Knapp II, 282. Gewerkschaftliches, Bersammlungen. - Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 8. September, Vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstr. 38. Vortrag des Herrn E. Vogtherr über:„ Die eigene Ueberzeugung als fittliche Noth wendigkeit". Nachmittags Ausflug der Gemeinde mit den Religionsschülern nach Pankow- Schönhausen. Treffpunkt 22 Uhr Kaffee Thiele, Bismarckstraße. Literarisches. Gerhart Hauptmann, Vor Sonnenaufgang. Soziales Drama. Berlin 1889. C. F. Conrads Buchhandlung. Fachverein der Buchbinder und verw. Berufs= Bestell( Friem-) Arbeit übernehmen, jedoch fie verfahren ge=| wöhnlich dabei so: fie nehmen dem Kunden das Maaß, lassen sie genossen. Heute Abend 9 Uhr Versammlung, Annenstr. 16. einige Tage warten, wählen von dem gekauften SchuhvorBerliner Kranken- und Begräbnißkasse für rath die Nummer, welche dem Maaße entspricht, und Frauen und Mädchen. Generalversammlung am 9. Sept. bringen dann die Fabriksschuhe, welche nun vom Schuhmacher d. J., Abends 81/2 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. in der Taufe den Namen Handarbeit erhalten haben, zum Kunden, 3entral- Kranten- und Sterbekasse der Tischler 2c. der fie im frommen Glauben dreimal so theuer bezahlt. Man sieht,( Dertliche Verwaltungsstelle Berlin B.) Den Mitgliedern zur daß die Schuhmacher zumeist keine eigentlichen Schuhmacher, sondern Nachricht, daß folgende Zahlstellen verlegt sind: 1. Von der vielmehr Schuhhändler find. Köpnickerstr. 129 nach der Köpnickerstr. 121 a bei Müller. 2. Von der Oranienſtr. 89 nach der Alten Jakobstr. 48 bei Zaber. 3. Die Zahlstelle in der Jüdenstr. 33 ist aufgehoben. Stranfmeldungen vom 7. Juli ab bei H. Große- Kreul, Reichenbergerstr. 182, Hof. - Versammlung der freien Vereinigung der LohDer Zeitgeist. Monatsheft für das soziale Leben der gerber und Lederzurichter Berlins am Sonntag, den Gegenwart. Redaktion H. Müllerstein, Hamburg. 1889. 1. Heft. 8. September, Vormittags 10 Uhr, Weinstraße 11 bei Bobert. Der unentgeltliche Arbeitsnachweis für Klavier- Preis 50 Pfg. Verlag von E. Jensen& Co., Hamburg, 87 Naboisen. Volksbibliothek des gesammten menschl. Wissens, arbeiter befindet sich Waldemarstr. 61, bei Zilm. Tischlerverein. Großes Sommerfest am Sonntag, den herausgegeben von Wilhelm Liebknecht. Kommissionsverlag von R. 8. d. Mts., im Konzerthaus, Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. ichmiede Berlins und Umgegend am Sonnabend, den 7. d. Mts., Diek, ist soeben das 9. Heft des 7. Jahrganges erschienen. - Große öffentliche Versammlung der Kupfer- Schnabel in Dresden( 3wingerstraße 8). Vorliegend bis Heft 98. Von der ,, Neuen Zeit", Stuttgart, Verlag von J. H. W. Abends 9 Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstraße 10, 2 Tr. Verein der Sattler und Fachgenossen Berlins. Sonnabend, den 7. September: Familienkränzchen in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstraße 48 a.( S. Inserat.) Der Streik der Berliner Kiftenmacher dauert fort. Zuzug ist fern zu halten. Etwaige Sendungen sind zu richten an H. Friese, Sorauerstraße 7, oder Dresdenerstr. 116 im Restaurant. Für Töpfer. Streikbrecher nach Hamburg werden gesucht Berlin, Rosenstraße 30, Restaurant Kühlweg. 7. September nicht statt. Achtung! Auf Beschluß des Vorstandes des Vereins der Alavierarbeiter findet das Stiftungsfest am Sonnabend, den Oeffentliche Versammlung der Plätterinnenbranche, Dienstag, den 10. d. Mts., in Renz's Salon, Naunynstr. 27. Re ferentin Frau Gubela. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 8. September, Abends 8 Uhr, im Konzerthaus, Sanssouçi, Kottbuserstraße 4a. Vortrag und Diskussion. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, den 9. September, Abends 81/2 Uhr, Versammlung in Hendrich's Salon, Beuthstraße 20. Durch die vielen Neuempfehlungen und Geschäftsverlegung gezwungen, empfehle meine seit 142 Jahren in demselben Hause Ritterstraße 108, das zweite Haus von der Prinzenstraße befindliche Cigarren und Tabakshandlung eigener Fabrik. Wilh. Boerner. BERALE FONDO Quittungsmarken CE BERLINER MAURER für Krankenkassen, Vereine etc. St. D. BERLINS fertigt an die Buchdruckerei von Maurer, Werner& Co. Berlin S., Sebastianstr. 72. Cigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von O. Klein. 15. Ritterstraße 15. Verein der freien Vereinigung aller in der chi rurgischen Branche beschäftigten Berufsgenossen. Herren parthie nach Rüdersdorf am Sonntag, den 8. September. Treff punkte: Stadtbahnhof Alexanderplatz 6 Uhr 45 Min. und Schles. Bahnhof 7 Uhr Morgens. GP5252 Inhalt: Das Gesez über die Invaliditäts- und Altersversicherung im Deutschen Reiche. Von A. Bebel. Zur preußischen Spartassenstatistik. Von Dr. Bruno Schoenlank. Die Bergarbeiter und der Bauernkrieg, vornehmlich in Thüringen. Von Karl Kautsky. ( Fortsetzung.)" Cunita." Besprochen von Robert Schweichel. Lujo Brentano als Wirthschaftshistoriker. Von Dr. Fr. Müller. Notizen. Die seit 1877 bestehende, weitbekannte Uhrenfabrik von Max Busse 157. Invaliden- Strasse 157, neben der Markthalle, verkauft jetzt sämmtliche Uhren zu bedeutend herab. gesetzten Preisen. Für jede Uhr wird reelle Garantie geleistet. Grosse Abschlüsse mit Pforzheimer und Hanauer Fabrikanten ermöglichen derselben Firma den Verkauf von Gold-, Silber-, Granaten- u. Korallenwaaren zu fabelhaft billigen Preisen. Spezialität: Ringe. Reparaturen an Uhren und Goldsachen werden auf das Gewissenhafteste [ 40 ausgeführt. Dafelbft Zahlstelle der Gürtleru.Bronceure( E.H.60.) Wendt's Restaurant Dresdenerstraße 116. Inh. W. Gründel, Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schlosser, Buchbinder, Drechsler, Töpfer, Möbelpolirer und Sattler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags- und Abendtisch. Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sol. Preise. Borzügliches Weiß und Bairisch- Bier. 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Empfehle allen Freunden und Genossen meine Glaserei, Spiegel- und Bilder einrahmung. Bilderverkauf von Lassalle, Hasenclever als Präsident des Allgem. deutschen Arbeiter- Vereins. Bebel und Liebknecht, Lassalle und Marg, Kräcker, Hasenclever in Cabinet und Visites. Bestellungen nach Auswärts werden prompt besorgt. Carl Scholz, Berlin, Wrangelstraße 32. Verein der Sattler und Fachgenossen. Sonnabend, den 7. September, in Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48 a. Familienkränzchen. Anfang 9 Uhr. Billets à 50 Pf. find bei der Arbeitsvermittlung während der Bureaustunden im Restaurant Dresdenerstr. 116 zu haben. Der Vorstand Für Dortmund nimmt Bestellungen auf die ,, Berliner Volks- Tribüne" Berliner Arbeiterbibliothek" entgegen und versichert pünktliche Zustellung ins Haus C. Schröder, Alsenstr 60. Achtung! Töpfer! Wir geben hiermit bekannt, daß durch den Obermeister der Töpfer- Innung, Herrn Grotthausen, Töpfergesellen nach Hamburg verlangt werden. Die dortigen Kollegen befinden sich aber im Ausstand. Wir warnen deshalb, dort hinzureisen. Bu gleicher Zeit werden die Kollegen ersucht, den Zuzug nach Dresden, Magdeburg, Gera, Chemnik, Cölln bei Meißen fern zu halten. J. A.: C. Thieme. Großes Sommernachtsfest veranstaltet von der Freien Vereinigung der Maurer Berlins. Sonnabend, den 14. September 1889 im Etablissement Schweizergarten. Grosses Konzert und Theatervorstellung. Eröffnung 3 Uhr. Anfang 5 Uhr. A. Ganschow, Billets incl. Tanz à 50 Pf. hierzu sind bei folgenden Herren zu haben Schönhauser Allee 158c, 3 Tr.; K. Däumichen, Schönhauser Allee 4, Hof part.; J. Ruchniwih, Weinstr. 31, Seitenfl. 4 Tr.; K. Tasch, Gr. Frankfurterstr. 78-79; J. Wagner, Ritterstr. 122, born 5 Tr.; H. Legeler, Kreuzbergstr. 77, Hof i. Keller; A. Käppel, Arndtstr. 19, 2 Tr.; W. Kurz, Kulmſtr. 25. 1 Tr.; K. Lehmann, Gormannstr. 5, v. 2 Tr. b. Seidel. Nur Mitglieder haben Eintritt. Gäste( nicht Maurer) können durch Mitglieder eingeführt Das Vergnügungskomitee. werden. Achtung! Maler! Ich ersuche alle Diejenigen, welche noch Listen von unserer Lohnbewegung in Händen haben, dieselben so schnell wie möglich( Sonntag Vormittag von 10-12 Uhr und Montag Abend von 9-10 Uhr Dresdenerstr. 116) abzuliefern. Gleichzeitig fordere ich alle Kollegen, sowie Delegirte, welche noch nicht abgerechnet haben, auf, dieses unverzüglich in Richtigkeit zu bringen, widrigenfalls wir die Namen veröffentlichen. Die Lohnkommission der Maler und Anstreicher Berlins. J. A.: H. Wentker, Memelerstr. 61. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Dienstag, den 10. September, Abend's 8½ Uhr im Deutschen Volkstheater, Schönhauser Allee 156. Große Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Max Schippel: Die politischen Parteien in Deutschland. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Um rege Agitation bittet Der Vorstand. An alle Wähler zum sächsischen Landtage. Anfragen, Anträge und Briefe, die bevorstehende Landtagswahl betreffend, ersuchen wir zu senden an Herrn Carl Riemann, Chemnitz, Sonnenstr. 58, III. Das Komitee für die Landtagswahlen in Sachsen. Für Nowawes und Neuendorf nehmen Abonnements auf die ,, Berliner Volkstribüne", die ,, Nordwacht", den ,, Wahren Jakob" u. s. w. entgegen: Hermann Bathe, Wilhelmstraße Nr. 33, Julius Franke, Louisenstraße 47. Wilhelm Seidel, Lindenstr. 25. Eine freundl. Schlafstelle ist zu vermiethen Fürstenbergerstr. 11 bei F. Staafch. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Nürnberg. Abonnements auf die ,, Berliner Volks- Tribüne", ,, Verliner Arbeiterbibliothet", nimmt entgegen und versichert pünktliche Zustellung Konrad Herrmann, Ohmstr. 2 III. Carl Breder, Aeußere Läufergaffe 5. II. Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann. Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain. Geschäftseröffnung! Döbeln in Sachsen. Allen Freunden und Genossen hierdurch zur Anzeige, daß ich am hiesigen Orte einen Cigarren- u. Buchhandel eröffnet habe. Auch nehme ich Bestellungen anf die ,, Berliner Volkstribüne"," Mitteldeutsche Arbeiterzeitung"," Wahren Jakob", sowie sämmtliche in der Arbeiterliteratur erscheinenden Werke entgegen. Um geneigten Zuspruch bittet C. Geilert, Hainicherstr. 9, III. Zeulenroda. Bestellungen auf die ,, Berliner Volks- Tribüne", ,, Berliner Arbeiterbibliothet" nimmt entgegen und versichert pünktliche Zustellung Hermann Liebold, Schießhausreihe 520. Arbeiter- Bildungs- Verein ,, Berlin Nord". Dienstag, den 10. Sept., Abends 812 Uhr, in Silber's Salon, Schwedterstr. 23. Versammlung Tagesordnung: 1. Die Stellung der Sozialdemokratie zur Frei religiösen Gemeinde. Referent: Friz Kunert. 2. Diskussion. 3. Allgemeines. 3. Fragekasten. Die Versammlung ist genehmigt. Gäste haben Zutritt. Mitglieder werden aufgenommen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein 5. für den Berliner Reichstagswahlkreis Montag, den 9. d. M., Abends 8½ Uhr, im Vittoria- Restaurant, Münzstraße 11, ( Oberer Saal) Versammlung. Tagesordnung: 1. Der Börsenschwindel. Ref. Gurt Baake. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten Neue Mitglieder werden vor Beginn der Vera sammlung aufgenommen. Der Vorstand. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, 9. September, Abends 81/2 Uhr, in Heydrich's Saal, Beuthstr. 20. Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Gerisch über: Soldatenhandel des Mittelalters. Diskussion. 2. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 3. Wahl eines Vergnügungs- Komitees. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorstand. Freie Vereinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher 2c. ( Filiale Berlin 1, Süd). Monatsversammlung Dienstag, den 10. d. M., Abends 81/2 Uhr, in Klein's Festsälen, Oranienstr. 180. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der im Januar in Bremen stattfindenden Generalversammlung. 2. Filialangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Vera sammlung zu erscheinen. Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23 Der Vorstand.