Nr. 235. Erscheint täglich außer Montags. Abonnements= Prets pränum.: Bierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg., Sonntags Nummer mit illuftrirter Sonntags- Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mr. pro Quartal. Unter Kreuzband für Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen in der Poft Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. Vorwärts 13. Jahrg. Inferttons Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tft an Wochentagen bts 7 Uhr abends, an Sonn- und Fest tagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: Amt I, Mr. 1508. Telegramm Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Wirthschaftliche Reaktion in Sachsen. Dresden, 5. Oktober. Nein, Mittwoch, den 7. Oktober 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. ent= preiswertheren Bezug ihrer Lebensmittel unmöglich zu vereinen besondere Steuern aufzuerlegen. machen? Des Mittelalters Raubritter und Schnapphähne Da aber der Weg der Gesetzgebung wegen der waren ja Waifentnaben gegen jene moraltriefenden Kreise, gegenstehenden Reichsrechtbestimmungen nicht recht gangbar welche sich von ihrem Hero3" in der Kunst der Volks- erschien, so wählte man später den in Sachsen viel beliebten ausplünderung durch indirekte Steuern, Zölle und Prämien so Hintertreppensteig, an dem, auf Empfehlung des RegierungsWir haben fürzlich an den Versammlungsverboten des lernbegierig unterrichten ließen, warum sollten die eifrigsten Organs, Leipziger Zeitung", der Wegweiser steht mit dem ge Bürgermeisters von Meerane ein Beispiel erbracht, wie sächsische Jünger des Sachsenwald Mannes, die sächsischen Ordnungs- flügelt gewordenen Worte als Inschrift: Nicht zu ehrlich. Behörden mit den politischen Rechten der Staatsbürger umzu belden, die Künste des Meifters nicht noch zu übertrumpfen ver- Offenbar im sicheren Verlaß auf die Zustimmung hoher Stellen springen fich gestatten. Doch wäre es verfehlt anzunehmen, daß mögen? und unterstützt durch Petitionen der Kaufleute, hat man plötzlich die sächsischen Regierenden ihrem staatsretterischen Gewissen durch Die Fehde gegen die Konsumvereine nahm ihren Aus im Verlaufe der letzten Monate in zahlreichen Gederartige Versammlungs- Unterdrückungen, durch Organisations- gang von den natürlichen Gegnern derselben, den Zwischen- meinden beschlossen, eine Extrastener von den Konsum Zerstörungen und Wahlrechts- Verschlechterungen genüge ge- händlern. Diese, anstatt sich selbst den Anforderungen des vereinen einzufordern. Und man hält sich nicht bei Kleinigkeiten than zu haben glauben tönnten. der Sozialisten neuzeitlichen Waarenverkehrs so weit als möglich anzupassen, ver- auf. Man besteuert nicht den Gewinn der Vereine, sondern haß dieser Eifervollen stellt sich Tag um Tag neue fäumten den Anschluß, verspotteten aber nichtsdestoweniger Jahre den gesammten Umsaß, und zwar meist in der Aufgaben. Neuerdings ift Die sächsische Bourgeoisie lang in hämischster Art die Versuche der Arbeiter, als Kaufleute Höhe von drei Prozent! Es bedarf kaum am Wert, ihre klägliche Geschichte- die Geschichte einer nun aufzutreten, bis sie schließlich erkennen mußten, daß die dummen der besonderen Erwähnung, daß diese famose Umsatzabsterbenden, doch nicht sterben wollenden und in ihrer Wuth Arbeiter ihnen an wirthschaftlichen Organisations- und Ver- steuer nicht etwa die einzige Steuerlaft der Konsumvereine wild um sich schlagenden Klaffe um ein frisches, bedeutsames waltungs- Talenten weit über waren und daß ihnen eine un- fein soll, sondern daß sie zu allen übrigen Steuern, welche die Kapitel zu vermehren. Hiervon wollen wir heut kurz sprechen, angenehme Konkurrenz erstanden war. Nunmehr eröffneten Konsumvereine gleich allen übrigen Gewerbetreibenden zahlen, da diese Vorkommnisse in Sachsen- dem Lande der stärksten sie eine wilde Hezze gegen den neuen Nebenbuhler, als Ertravergünstigung hinzukommt. Als draftisches Kuriosum Sozialdemokratie und der blödesten Bourgeoisie wohl ver- der infolge feiner trefflichen Einrichtungen und so sei aber noch mitgetheilt, daß einige Gemeinden daran denken, dienen, allenthalben im Reiche gekannt und beachtet zu werden. lidefter Geschäftsgebahrung sich fast allenthalben die Sym- ihre Mehreinkünfte durch die Umsatzsteuer zur Herabseßung Der Arbeiterklasse ist, abgesehen von ihrer politischen pathie der unteren Volksklassen gewann, Der unteren der Grundsteuer der wohlhäbigen Grundbesizer zu benutzen! und gewerkschaftlichen Bethätigung, auch im wirthschaftlichen Voltsklassen, deren Groschen zu vereinnahmen die Herren KaufLeben im Kleinen die Möglichkeit gegeben, ihre Lebenshaltung zu verbeffern, sich auf eigene Füße zu stellen, sich mehr und mehr von allerlei schmarozenden Wucherungen des Kapitalismus zu befreien. Eine solche Möglichkeit bietet den Arbeitern natürlich nur bis zu einem gewissen Grade innerhalb des Kapitalismus der Zusammenschluß in der Genossenschaft zum gemeinschaftlichen Bezuge von Lebensbedürfnissen, im Konsumverein. Ohne die Bedeutung der Konsumvereine zu überschäßen oder gar nach Art gewiffer überschlauer Sozialreformer" und Anarchistlein dieselben als Hebel zur völligen Befreiung des Proletariats anzupreisen, haben die fächsischen Arbeiter das Konsumvereinswesen au reicher Blüthe entwickelt. Sachsen befaß im vorigen Jahre- Offiziers- und Beamtenvereine find nicht eingerechnet 148 Ronfum- und Probuklenvertheilungs- Vereine. Die Mitgliederzahl belief sich auf ca. 110 000, der Waarenumfaß auf faft 30 Millionen Mart, die den Mitgliedern beim Jahresabschluß zurückgezahlte Dividende 3 Millionen Mart. In den größten Städten Sachsens befinden sich Konsumvereine mit mehr als 10 000 Mitgliedern und 8 Millionen Mark Waarenumsay. Das sind also wirthschaftliche Gebilde voll Kraft und Saft. Der Kampf um diese Umsatzsteuer ist in diesen Tagen lebhaft. leute bisher als ihr ureigenstes Privilegium betrachtet hatten. entbrannt. Die sächsischen Kosumvereine haben am legten Sonn Doch das Gezeter der Kaufleute fonnte an sich nicht viel tag einen Delegirtentag in Dresden abgehalten, der sehr zahl bedeuten. Denn diese Kaufleute machen schließlich nur einen reich besucht war und einen bedeutenden agitatorischen Eindruck sehr geringen Kreis von Personen aus, denen eine recht stattliche gemacht hat. Dieser Eindruck wurde auch gefördert durch das Zahl von Angestellten in den Konsumvereinen mit der gleichen Berhalten des Ministeriums, welches die ihm zugesandte EinExistenz- und Erwerbsberechtigung gegenübersteht, deren Sonder- ladung zur Theilnahme am Delegirtentag ohne Angabe irgend intereffen durch das Wirthschaftsintereffe von über 100 000 Staats- welcher Gründe schlankerhand mit den Worten, die das Volts. angehörigen vielfach aufgewogen wird. Unter folchen Umständen gedächtniß nicht so schnell vergessen wird, abgelehnt hat: Wir mußte eine denkende Regierung, die das Wohl der Gesammtheit haben keine Veranlassung dazu! Auch die Höflinge im Auge hat, es den Kaufleuten überlassen, wie sie sich aus ihrer Ludwigs des Sechszehnten glaubten feine Beranlassung zu haben, wirthschaftlichen Rückständigkeit emporraffen mochten. Im väter die Stimme des Voltes anzuhören. lichen Herzen der Minister jedoch, die das Dreiklassen Wahlsystem ausgebrütet hatten, fand das Geflenne des Mittelstandes" lebhaften Widerhall. Und das hat seine guten Gründe. Nicht wirthschaftliche Erwägungen, sondern in erster Linie politische Abneigung ist es, was das sächsische Bürgerthum und die Staatsgewalt gegen die Arbeitergenossenschaften treibt. Es steht zu hoffen, daß die sächsischen Konsumvereine auch ferner alle Mittel der Propaganda benutzen werden, um der Regierung gehörig einzuheizen und zu verhindern, daß jene ungerechte Steuerauflage wirklich Rechtstraft erlangt. Die sozial demokratische Reichstagsfraktion beabsichtigt, wie verlautet, die Sache der Konsumvereine durch eine Juterpellation im Reichstag zu unterstüßen. Da wird der Herr v. Meßsch wohl doch Vers ge- anlaffung haben" zuzuhören und Rede zu stehen! Die Zwischenbändler zählen sich zum Mittelstand", find, tönigs treu" und hurrahbereit zu jeder Stunde, folglich müssen sie rettet" werden. Die Konsumvereine sind Arbeiterorganisationen, Ob es der Arbeiterschaft und den anständig denkenden Leuten In gleichem Maße aber, wie sich die Arbeiter- Konsumvereine welche bald mehr bewußt, bald mehr instinktiv die Bourgeois der anderen Klassen solche sind in Sachsen sehr rar ge entfalteten, schwoll auch an der Groll der Bourgeoisie und der ausbeutung ablehnen, folglich müffen fie zerschlagen werden. worden- gelingen wird, den geplanten Streich abzuwehren, Krämerfippe gegen derartige Emanzipationsversuche der Arbeiter Zwar ist es trotz aller gehässigen Beschuldigungen noch nicht ein ist fraglich. Wenn es nicht gelingt, so werden die Konsumauf wirthschaftlichem Felde. Doch wie soll man denselben ent- einziges Mal gelungen, den Leitungen der Konsumvereine die vereinigungen darauf denken müssen, auf andere Weise den gegentreten? Sind sie doch organische Bildungen des modernen Verfolgung von Nebenzwecken politischer oder etwa sozialdemo: Schaden, den ihnen die toloffale Sondersteuer zufügt, auszuweßen. Verkehrsprozesses, sind sie doch so legitime Sprößlinge der bürger- fratischer Art nachzuweisen, doch vielfach haben Sozialdemokraten Am nächsten liegt ihnen da der Plan, ihren Geschäften auch lichen Wirthschaftsweise selbst, daß vor noch nicht viel Zeit das die Stellungen als Leiter dieser Genossenschaften inne, folglich Produktionsbetriebe, besonders Fleischereien und Bäckereien, an Bürgerthum sie den Arbeitern heiß empfohlen und für die Ar- müssen sie mit allen Mitteln chifanirt und geschädigt werden. zugliedern, um so billige Waaren herstellen zu können; auf solche beiter gegründet und geleitet hat, welcher Stand der Dinge in Mit allen Mitteln! Das Schankverbot, welches in Sachsen Weise dürfte schließlich die liebenswürdige Mittelstandsretterei einigen deutschen Großstädten man dente z. B. an Breslau- schon seit längeren Jahren für die Konsumvereine eingeführt ist, der Regierenden ins Gegentheil umschlagen. bis heut noch fortdauert. Da ist guter Rath wohl theuer. Doch das neue Reichsgefeß, das bei Strafe den Verkauf an Nicht- Immerhin ist es zur Zeit noch nicht ausgeschlossen, daß die wozu wären wir Sachsen helle"? Eine Bourgeoisie, die mitglieder verbietet und allerlei ähnliche Konzessionen an die Umfaßftener verhindert wird. Ihre Einführung widerstreitet mehr es verstanden hat, in frevelhaftem Trenbruch des engherzige Krämerselbstfucht alles nicht genug. In der fachen reichs- und landesgefeßlichen Bestimmungen. Da das Genossen. Volkes Wahlrecht zu faffiren, warum soll sie nicht vorigen Tagung des fächsischen Landtages tam von schaftsgesetz das Recht der Genossenschaftsbildung gewährt, so auch Mittel und Wege finden, um den Arbeitern den konservativer Seite der Borschlag, den Konsum tann es nicht angehen, daß ein Einzelstaat auf Un90] Rienzt. Der letzte der römischen Volkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer. Er liebt mich, er liebt mich noch," sagte das Mädchen, ,, und ich bin wieder glücklich!" Mit jenem Briefe auf ihrem Herzen gewann fie ihre Kräfte wieder, und ihre Gesundheit tehrte bald zurück. Sie begrüßte ihren Bruder mit einem Lächeln, und umarmte Nina zärtlich. ,, Cola" " Du warst in meinem Glück meine Zierde und meine treueste Freundin. Jetzt steht Deine Gegenwart den Maßregeln, die ich nehmen muß, im Wege. Und " ,, D Cola, was ist vorgefallen? Sei nicht so talt, blicke nicht so düster, wende Dich nicht von mir ab! Bin ich Dir nicht noch mehr als die Theilnehmerin Deiner glücklichen Stunden, bin ich nicht Dein Weib, Cola?" Bu innig, zu innig lieb ich Dich," flüsterte der Tribun, bleibst Du bei mir, so werde ich nur ein halber Römer sein. Nina, die niedrigen Sklaven, die ich selbst schlägen fortgesetzten Kampfes geneigtes Gehör. Andere, Ja, Nina, ich habe Deine Begleitung schon bestellt, unter denen Pandulfo, ängstlich, aber es wohl mit dem Du hast Berwandte, ich habe Freunde in Florenz. Du Staate meinend, erklärten, indem sie glaubten, daß der mußt nach Florenz." Schmerz und der Schrecken troh ihres Triumphs unter dem Volte eine Rückwirkung hervorgebracht habe, daß sie es nicht wagen möchten, eine neue Abgabe in Borschlag zu bringen. Eine dritte Partei, an deren Spize Baroncelli stand, ein Demagoge, deffen Ehrgeiz ohne Grundsätze war, der aber, indem er den gefährlichsten Leidenschaften des Volks durch eine gewiffe rohe Gemeinheit seines Wesens schmeichelte, mit welcher es sympathisirte, und durch eine Affektion, vorIn Rom folgte auf den ersten Siegesjubel bald Trauer wärts zu schreiten, die wir jetzt Fortschritt nennen, und und Wehtlagen. So groß war der Verlust der Römer ge- die oft dem wildesten Thoren einen Vortheil über den einwesen, daß der öffentliche Triumph durch das Unglück so fichtigsten Staatsmann gewährt und dadurch großen Einfluß vieler Familien getrübt wurde und manche der Leid- unter den niederen Volksklassen erlangt hatte, leistete einen frei machte, verlassen mich, jetzt, in der Stunde, da ich für tragenden machten selbst ihren Befreiern bittere Vorwürfe. tühneren Widerstand. Diese Partei wagte es sogar, den immer alle Hindernisse beseitigen könnte, die der WiederRoma fu terribilmente vedovata." Dieser allgemeine Tribunen wegen der äußeren Pracht zu tadeln, die sie herstellung Roms entgegentreten, jeßt, da ein Sieg den vollSchmerz that dem Tribunen sehr wehe, und sein Haß gegen zuerst ihm empfohlen hatte und schien selbst verrätherische kommenſten Erfolg fichert, verläßt mich mein Glück plöŋdie Barone nahm im Verhältniß mit der Theilnahme Motive in seiner Freisprechung der Barone von der lich mitten in den Stürmen. Es steht uns jetzt größere zu, die er für den Schmerz seiner Mitbürger fühlte. Der Anklage Rudolphs vorauszusehen, welche sie anzudeuten Gefahr bevor, als die Wuth der Barone, sie sind geflüchtet, Meineid war für ihn die niedrigste Schändlichkeit, und die sich nicht entblödete. In demselben Barlament, das aber das Volk ist es, das zum Verräther an Rom und an erschlagenen Barone waren zweimal meineidig gewesen. ber Tribun für die Unterstützung der Freiheit wieder mir wird." In der ersten Hige seines Borns untersagte er einige Tage belebt und neu gebildet hatte, wurde ihm nicht Und willst Du, daß auch ich trenlos werden soll? ihren Familien, ihre Leichen feierlich zu bestatten und er- mehr, wie früher, freudig zugestimmt. Seine feurige Nein, Cola, selbst im Tode wird Nina Dich nicht verlassen. laubte nur, daß sie im Stillen in den Grabgewölben ihrer Beredtsamkeit wurde mit düsterem Stillschweigen auf Das Leben und die Ehre sind mir nur ein Wiederglanz Ahnen beigesetzt werden durften. Ungeduldig zu beendigen, genommen, und endlich war die Mehrzahl der Stimmen Deines Wesens und der Schlag, der das Wesen vernichtet, was er begonnen hatte, und entschlossen, sofort gegen gegen seine Vorschläge für die neue Auflage und den wird auch den Schatten verschwinden lassen. Ich will mich Marino vorzurücken, wo die Insurgenten ihre auseinander Marsch nach Marino. Als Rienzi den Saal verließ, wurde nicht von Dir trennen!" gesprengten Schaaren wieder sammelten, berief er seinen ihm ein Brief eingehändigt; er las ihn und war einige Nina!" sagte der Tribun, mit der heftigsten inueren Rath und suchte ihn von der Gewißheit des Sieges und Augenblicke wie vom Donner gerührt, darauf berief er die Bewegung fämpfend, es kann buchstäblich der Tod sein, von dessen Erfolgen für die vollkommene Wiederherstellung Hauptleute seiner Wachen und befahl, daß sie fünfzig be- von dem Du sprichst!" Geh, verlasse mich, da ich Dich und des Friedens zu überzeugen. Aber die Söldner mußten noch waffnete Reiter für seine Befehle bereit halten sollten. Als Rom nicht länger beschützen kann." bezahlt werden, sie wurden schon unzufrieden; der Schaß er in Nina's Bimmer trat, fand er sie allein und heftete war leer, es war nothwendig, durch die Erhebung einer einige Augenblicke so starre Blicke auf sie, daß sie vor neuen Abgabe ihn wieder zu füllen. Schrecken teine Worte finden konnte. Endlich sagte er: Unter den Räthen waren einige, deren Familien in der Schlacht sehr gelitten hatten, diese schenkten den Bor " Wir müssen uns trennen." ,, uns trennen?" " " Nie- nie." " Du bist entschlossen?" Ich bin es." So sei es denn!" sagte der Tribun mit dem Tone tiefer Schwermuth. Mache Dich auf das Schlimmste gefaßt." weg«», hier durch ungeheuere Steusrauflagen, die Beseitigung der Möglichkeit, praktischen Gebrauch von jenem Recht zu machen, aiistrebl. Dazu kommt, daß nach Landrecht wohl einzelnen Gruppen von Gewerbetreibenden Sondersteuern auferlegt werden dürfen, doch nimmermehr so, daß innerhalb einer Gruppe, hier der Nahrungsmittelverkaufer, die einen schwer belastet werden. die anderen ganz frei ausgehen. Endlich dürsten für die Verwaltungen der großen Städte erhebliche Schwierigkeiten erwachsen, wie sie sich zu den Offiziers- und Beamten-Einkaufsvereinen verhalten sollen, wenn sie die Arbeiter- Einkaufsvereine besteuern. Man kann begierig sein, wie dieser Kampf ausgehen wird. Sicher ist jedenfalls soviel, daß auch ein Gelingen dieses reaktionären Wirthschastsmanövers seinen Urhebern nicht gut bekommen wird. Nichts kann aufreizender wirken auf die indifferente» Leute, als wenn sie von Staats wegen gewaltsam verhindert werden, ihre Wirthschaftsbedürfnisse möglichst gut und möglichst billig einzukaufen. Zahlreiche Tausende würden daraus erkennen, nicht nur daß wir in einer Gesellschaft leben, in welcher der Reiche den Armen frißt, sondern auch daß diese Gesellschaft völlig unfähig geworden ist, die Entwickelung höherer wirth- schaftlicher Betriebs- und Verkehrsformen zu ertragen, geschweige, wie es ihre Aufgabe wäre, sie zu fördern. Die Sozialvemokratie will man treffen mit einem solche» Steuerexperimcnt. Aber die politische» Ausnahmegesetze haben der Bourgeoisie keinen Segen gebracht. Die wirthschaft- lichen Ausnahmegesetze werden ihr noch iveit unangenehmere Folgen eintragen! politische Iteberficht. Berlin, 6. Oktober. Die Heffischen Landtags- Wahlen(siehe auch unter „Parteinachrichten") haben uns bedeutende Erfolge gebracht. Wir hatten drei Wahlkreise zu behaupten— die zwei Mainzer Stadtbezirke und Offenbach-Land. Und in zweien dieser Bezirke mußte ein Kandidatenwechsel vorgenommen werden, und noch dazu unter sehr ungünstigen Umständen. Unsere Genossen gingen aber begeisterungsvoll in den Kampf, und nicht blos das Alte behaupten, sondern auch Neues erobern war die Losung. Und der Sieg hat die Anstrengungen gekrönt. Wir gewannen wieder, was wir vorher besessen, und wir nahmen den Gegnern die Stadt Offenbach ab, obgleich hier Nationalliberale und Zentrum, ihre Todtfeindschaft ver- gessend, sich gegen uns zusammengethan hatten. Und überall ist die Zahl unserer Stimmen eine weit größere als bei der letzten Wahl. Das Beispiel der Gothaer hat auf die Hessen anfeuernd gewirkt. Das Siegen steckt an. Die Bedeutung der hessischen Wahlen wird dadurch er- höht, daß in Hessen demnächst auch eine Reichstags- wähl— Mainz— bevorsteht. Zur Ergänzung unserer telegraphische» Meldungen in der . letzten Nummer theilen wir eine Reihe übriger Wahlresultate nach der«Franks. Ztg." mit: Im neunten rheinhessischen Landtags-Wahlbezirk(Mom- bach, Gonsenheim, Finthen, Ingelheim. Sauerschwabenheim) siegte bei der Heuligen Wahlmännerwahl der deutsch- srersinnig- ultra niontane Konipromißzettel. trotz erheblichen Stimmen- Zuwachses der Sozialdemokraten. In Mainz-Land wurde der Rechtsanwalt Dr. Frenay (ultramontan) gewählt. Die endgiltige Feststellung der Wahlresultate in Darm- st a d t ergab: die Nationalliberalen Wolfßkehl und Schmeel siegten mit knapper Majorität. Bei der Wahlmännerwahl in Friedberg stimmten die Wahlmänner für die Wiederwahl des seitherigen Abgeordneten Justizralh Jöckel(nationalliberal). Eine Gegenliste war nicht aufgestellt. In Gießen wurden 404 freisinnige. 451 national- liberale und S ungiltige Stimmen abgegeben. Die frei- sinnigen Wahlmänner sind mit 5 Stimmen absoluter Mehrheit durchgegangen. Die von dem Komitee der vereinigten Parteien aufgestellte Wahlmäunerliste für B i n g e n ging unter schwacher Betheiligung durch. Die Wiederwahl des seitherigen Landtags- Abgeordneten Redakteur Pennrich ist sicher.— Ein neues Mittel zur Lösung der sozialen Frage hat ein Junker in der„Kreuz-Zeitung" entdeckt. Es heißt: De- porlation! Erst schafft man die Verbrecher nach Afrika, diese haben Bahn zu machen für die überschüssige Landbevölkerung, die dann statt in die Städte zu wandern und sozialistisches Gist einzusaugen, nach— Afrika geht, wo sie in frommer Unter- thäntgkeit allmälig ein zweites deutsches Reich gründet. Sehr schön. Aber warum gehen die Junker nicht mit gutem Beispiel voran? In unseren Kolonien wären sie gut aufgehoben. Und wenn ihnen in Afrika wohl wäre, uns wäre in Deutschland noch wöhler.— „So lange ich bei Dir bin, Cola, giebt es kein Schlimmste s." „Komm in meine Arme, treues Weib, Deine Worte geben mir neue Kraft. Aber Irene! Wenn ich untergehe, so wirst D u mich nicht überleben. Deine Schönheit wird eine Beute für das Herz des Lüstlings und für die Hand des Mächtigen. Wir werden dasselbe Grab auf den Ruinen der Freiheit Roms finden. Aber meine Schwester ist ein schwächeres Wesen, das arme Kind, ich habe sie ihres Geliebten beraubt, und jetzt—" „Du hast recht, Irene darf nicht bei uns bleiben. Auch müssen wir ihr die wirkliche Ursache ihrer Abreise verbergen. Für ihren Gram wird die Veränderung des Aufenthalts wohlthätig, sowie gegen das Geschwätz der Neuigkeitsträger das geeignetste Gegenmittel sein. Ich werde zu ihr gehen und sie vorbereiten." «Thu' es. Auch möchte ich gern einen Augenblick mit meinen eigenen Gedanken allein sein. Aber erinnere Dich, daß sie heut noch abreisen muß, die Ereignisse gebieten Eile!" Als Nina das Zimmer verlassen hatte, las der Tribun noch einmal aufmerksam den Brief. „Also der Legat des Papstes verließ Siena, forderte jene Republik auf, ihre Hilsstruppen von Rom zurückzu- ziehen, erklärte mich für einen Rebellen und für einen Ketzer, begab sich darauf nach Marino, wo er sich jetzt mit den Baronen bespricht. Wie, haben meine Träume mich denn belogen? waren sie so falsch wie die Dinge, die bei Tage uns schmeicheln und betrügen? Wird das Volk in solcher Gefahr mich und sich selbst verlassen? Ihr Heiligen und Märtyrer, ihr Geister der Helden und Patrioten, habt ihr für immer eure alte Heimarh aufgegeben? Nein, nein— ich wurde nicht erhoben, um so unterzugehen; ich will die einde des Vaterlandes noch besiegen und meinen Namen om als ein Erbtheil, dem Unterdrücker als eine Warnung, den Freien als ein Vorbild hinterlassen!" (Fortsetzung folgt.) Der französische Ruffenrummel hat auch vielen Deutschen den Kopf vollständig verdreht. Tante Voß meint alles Ernstes, wenn Nikolaus der Kleine die Fran- zosen zu einem Krieg gegen Deutschland haben wolle, brauche er nur seine„Bedingungen zu diktiren", das Schwert Frankreichs flöge sofort aus der Scheide. Das ist dummes Zeug. Das Straßengeschrei ist nicht die Stimme Frankreichs, und zwischen Krieg und chauvi- nistischer Prahlhanserei liegt eine sehr breite Kluft. Wesentlich dasselbe Publikum— nicht in der P e r s o n, aber in der Zusammensetzung dasselbe— das morgen dem Zaren in Paris zujubeln wird, jubelte vor 81 Jahren schon einem Zaren zu— dem Urgroßvater des jetzigen. Und wer will sagen, daß es 1815 Frankreich war, das sich den Russen an den Hals warf? Damals wie heute war es der Schmutz der Gesellschaft, der Mob in Glaceehandschuhen und in der Ballonmütze; alles was reaktionär, gedankenlos und ge- sinnungslos ist, und der große Haufen der Neugierigen. Von diesem Volk hängen doch zum Glück die Geschicke Frankreichs nicht ab. Die Männer, die heute an der Spitze des Landes stehen, sind zwar herzlich unbedeutende Leute, allein so dumm sind sie doch nicht, daß sie Frankreich und Ruß- land vereinigt für stark genug halten, Deutschland, Oester- reich, Italien und England(das dann unbedingt auf unsere Seite sich stellen müßte) mit Erfolg zu bekriegen. Wir haben im Gegentheil guten Grund zu glauben, daß man in den maßgebenden Kreisen Frankreichs von der russischen Kriegsmacht eine recht mäßige Meinung hat. Also die Angst- Gespenster der„Vossischen Zeitung" können nur unsere Lachmuskeln in Bewegung setzen. Die unendlich beschämende Thatsache aber bleibt, daß dieses russische Halbbarbarenreich heute, am Ende des 19. Jahr- Hunderts, in Europa die erste Rolle spielt. Und für uns Deutsche ist diese Thatsache doppelt beschämend, weil sie die Folge der kurzsichtig chauvinistischen Politik deutscher Staatsmänner ist. Im Dezember des Jahres 1870 sagte einer der Vertreter unserer Partei im Reichstag: „Durch die Annexion von Elsaß-Lothringen wird der Schwerpunkt Enropa's nicht nach Berlin, sondern nach Petersburg gelegt." Es ist eingetroffen.— Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. Wegen angeblicher Majestätsbeleidigung wurden in M a g d e- b n r g die Nummern 229 und 230 der„V o l k s st i m»> e" be- schlagnahint. Das Vergehen soll durch Artikel begangen sein, die die„Volksstimme" über die Begnadigung des Fabrikanten Beckmann in Bocholt und über die Jagd in Setzlingen und in der Kolbitzcr Haide gebracht hat. Wegen Majeftätsbeleidigung wurde in B r e m e n ein Arbeiter in Haft genommen, der von feiner eigenen Ehefrau denunzirt wurde, nach deren Aussage er in ihrer alleinigen Gegenwart sich der That schuldig gemacht hat.— »* Deutsches Reich. — Ueber den nationalliberalen Parteitag äußert sich die„National-Zeitnng" recht betrübt, sie gesteht die Niederlage der anti-agrarischen Richtung auf dem Parteitage rückhaltlos zu, erklärt sich aber gegen einen Austritt aus der Partei. Die„National- Zeituilg" selbst war Gegenstand heftiger Angriffe auf dem Partei- tage. Nach dem„Hann. Cour." entwickelte sich folgende interessante Debatte: „Abg. v. Eynern erklärt, daß hinter den Angriffen der „Nalional-Zeitung" gegen die Partei kein nationalliberaler Ab- geordneter stehe. Abg. Dr. Paaschs behandelt das letztere Thema ebenfalls sehr energisch und in einem Schlußwort die einzelnen Abänderungs- antrage. Chefredakteur Dr. Köbner behauptet, der AufsichtSrath der „National-Zeitung" sei mit der Haltung de? Blattes ein- verstanden. Dr. Friedberg als Mitbesitzer erklärt, daß Dr. Hammacher, der Vorsitzende des Auisichtsraths, nicht mit der Haltung ein- verstanden sei. Dr. Köbner habe das ihm gegebene Privilegium nicht in der geeigneten Weise gebraucht. Abgg. v. Eynern und Dr. Paaschs erklären ebenfalls, daß Dr. ammacher und die Aufsichtsrälhe mit der Haltung der„Nat.- eitung" nicht einverstanden sind. Dr. Köbner hält seine Behauptungen seinerseits auf» recht."— -- Einen Chefredakteur mit passendem Namen soll die„Nordd. Allg. Ztg." erhalten. Die„Magdeb. Zeitung" theilt nämlich mit, daß der württembergische Hosrath Dr. Wilhelm Laus er, früher Chefredakteur der Zeitschriften „Allgemeine Kunst-Chronik" und„Ueber Land und Meer", ferner Redakteur des liberalen„Neuen Wiener Tageblattes", seit kurzem Wiener Korrespondent der Münchener„Allgemeinen Zeitung", als Chefredakteur der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" nach Berlin übersiedelt. Herr Lauser ist auch Verfasser eines der ver- logensten Bücher über die Pariser Kommune.— — Bei der Beschlagnahme der beiden anarchistischen Wochenblätter Berlins,„Sozialist" und„Armer Konrad", sind, wie die„Post" hört, auch die Geschäftsbücher des Verlegers beschlagnahmt worden. Ueber die Gründe verlautet noch nichts. Uns ist auch unerfindlich, auf welche Gesetzesbestimmungen sich diese Beschlagnahmungen stützen könnten.— — Prügelnde„Schutzleute" scheinen zu einer be- sonderen Spezialität Hannovers werden zu sollen. So hatte sich nämlich wieder ein solcher vor der Strafkammer 1» des Land- gerichts zu verantworte». Der Angeklagte, Schutzmann Daniel Haupt, war der Mißhandlung im Amte, der Freiheitsberaubung und Beleidigung angeklagt. Er ist schon einmal wegen Körper- Verletzung im Amte mit 6 Monaten vorbestraft. Im vorstehenden Falle war er beschuldigt, am 29. März d. I. den Studirenden Kichler von der Technischen Hochschule, den er wegen Unfugs auf der Straße arretiren wollte, mit dem Fuße getreten, ihm den Hut vom Kopfe geschlagen, dann mit zur Polizeiwache in der Blumeustraße genommen»nd ihn in der Arrestzelle gehörig verhauen zu haben. Auch die Studirenden Thonis und Wolf, die den Angeklagten nach seinem Namen gefragt, haben Fußtritte und Faustschläge erhalten. Der Staats- anwalt sprach nach der Beweisaufnahme sein Bedauern dar- über aus, gegen einen Sicherheitsbeamten Strafantrag wegen Vergehens gegen die öffentliche Sicherheit stellen zu müssen, er könne aber nicht umhin, da der Angeklagte als völlig überführt zu erachten sei. Dem Antrage de? Staats- amvalts zufolge lautet das Urlheil auf neun Monate Gefängniß. Gleichzeitig sprach das Gericht dem Angeklagten die Befähigung ab, innerhalb zwei Jahren wieder ein öffentliches Amt bekleiden zu können. — In Breslau sind im November die Wahlen zur Stadtverordneten- Versammlung vorzunehmen. Die „Volksmacht" schreibt hierüber: Für die Arbeiter haben nur die Wahlen der dritten Abtheiluug ein gewisses Interesse, da es nach der nunmehr erfolgten Aendernng der Bestimmungen über das Wahlrecht in der dritten Abtheilnng möglich sein wird, daß in dem einen oder anderen Bezirk auch ein wirNicher Vertreter der Arbeiter gewählt werden kann. Freilich sind jene Bestimmungen von»userer sogenannten„freisinnigen" Stadtverordneten-Versamm- lung Breslaus immer noch so vorsichtig und verklausulirt gehalten worden, daß nur ein verhältnißmäßig kleiner Thetl derjenigen Arbeiter, welche nach der Städte-Ordnung eventuell das Wahl- recht ausüben könnten, in Breslau wirklich in die Wählerlisten eingetragen werden konnten und es wird der ganzen Kraft unserer Partei bedürfen, um unter den so ungünstigen Verhält- nissen gewiffe Bortheile zu erringen. Zu wählen sind in der dritten Abtheilung 12 Vertreter in 10 Bezirken, doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß infolge des Rücktritts von Vertretern, deren Wahlperiode noch nicht ab- gelaufen ist, noch in anderen Wahlbezirken Neuwahlen vor- zunehmen sein werden. Nach<5 16 der Städte-Ordnung muß die Hälfte der von jeder einzelnen Abtheilung zu wählenden Stadtverordneten aus Hausbesitzern(Eigenthümern, Nießbrauchern und solchen, die ein erbliches Besitzrecht haben) bestehen. Von den 34 Stadt- verordneten der III. Abtheilung sind nun zur Zeit 26 Haus- besitzer, unter den ausscheidenden 12 Stadtverordneten der III. Abtheilung befinden sich 19 Hausbesitzer, es verbleibt sonach ein Bestand von 16 Hausbesitzern und muß sich, um die Zahl von Hausbesitzern wieder auf die Hälfte zu ergänzen, unter den im November d. I. zu wählenden 12 Ergänzungs-Sladtverordneten der III. Abtheilung daher ein Hausbesitzer befinden. Zu der Wahl nahmen uusere Breslauer Genossen am Sonn- tag in einer Versammlung Stellung, wo Genosse M e tz n e r aus Berlin und Genosse B r u h n s aus Breslau referirten. Es wurde beschlossen, als Kandidaten die GenossenB erg ma n n.Bru hnS, Geis er, Gerhardt, Giesmann, Hoffmänn, Neukirch, Schütz, Gustav Titzegsund Zahn aufzustellen und in die Wahlbewegung mit folgendemjProgramm einzutreten: Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts in der Gemeinde, zunächst aber möglichste Erweiterung des Wahlrechts im Rahmen der Städte-Ordnung: Verlegung der Wahlen auf den Sonntag; Abschaffung der städtischen Ein- kommensteuer für Einkommen unter 909 M.; Abschaffung der Schlachtsteuer; Unentgeltlichkeit der Lehrmittel; unentgeltliche Speisung armer Volksschüler; Einsetzung von Schulärzten; Durchführung deS Achtklassen-Systems in den Volksschulen; Ver- besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der städtischen Arbeiter; Besserstellung des städtischen Beamten-Proletariats durch Erhöhung der Gehälter, durch feste Anstellung der bis- herigen zahlreichen Hilfsarbeiter und durch Ausdehnung der Pensionsberechtigung auf alle Unterbeamten; bei Vergebung der städtischen Arbeiten an Privatunternehmer sollen diese ge- zwungen werden, ihre Arbeiter nicht unter einem bestimmten Minimallohn zu bezahlen und sie nicht über eine be- stimmte tägliche Maximalarbeitszeit hinaus zu beschäftigen. Weiter wird gefordert: Errichtung eines städtischen Arbeitsamtes und eines unentgeltlichen kommunalen Arbeitsnachweises unter Mitkontrolle der Gewerkschaften; Errichtung eines mit weil- gehenden Befugnissen ausgestatteten städtischen Gesundheitsamtes. die sanitäre Kontrolle der Wohnungen und Arbeitsstätten, die Errichtung unentgeltlicher öffentlicher Bade-Anstalten und mög- lichste Vermehrung der öffentlichen Kinder-Spielplätze: Errichtung von städtischen Lokalen zur Abhaltung von Versammlungen, Vorträge» rc. Zur Bestreitung der Mehrkosten, die die Ver» wirklichung dieser Forderungen mit sich bringen würde, wird u. a. die Uebernahme der elektrischen und der Pferdebahn in städtischen Betrieb vorgeschlagen. Königsberg i. Pr., 6. Oktober. RegierungSaffessor v. Volkmann wurde heute von der Strafkammer I des hiesigen Landgerichts wegen Ueberbringung einer Pistolenforderung im Austrage des Negierungsafsessors Umpsenbach an den AmtS« gerichtZrath Alexander in Sachen der bekannten Börsengarten- Affäre zu einer Festungshaft von drei Tagen ver- urtheilt.— Flensburg, 4. Oktober. Warum werden in den von Ihnen abgehaltenen politischen Versammlungen stets zwei bestimmte dänische Gesänge gesungen? Ueber dies« Frage sollte der Reichstags- Abgeordnete Johanusen dem AmtsgerichtSrath Ay« Auskunft geben. Johannsen berief sich auf seine Immunität als Reichstags-Abgeordneter, nach welcher während der Dauer des Reichstages, und derselbe ist nicht geschlossen, sondern nur ver- tagt, gegen ein Mitglied des Reichstages ohne Einwilligung des letzteren nicht strafrechtlich vorgegangen werden darf. Damit war das Verhör beendet.— --Postalisches. In einer Verfügung der Ober» Postdirektton in Karlsruhe war angeordnet worden, daß am Geburtstage des Großherzogs alle badischen Post- anstalten deS Bezirks Sonntags dienst abzuhalten hätten. Anscheinend, um festzustellen, inwieweit diese Verfügung zur Durchführung gekommen, wurde von unbekannter Seite an Beamte des Bezirks eine Anfrage gerichtet, ob wirklich am 9. September voller Sonntagsdienst abgehalten sei; die Antwort war unter Chiffre erbeten. Schon am 12. September erschien folgende Verfügung des Oberpostdireltors: „Von einem Beamten meines Bezirks ist mir da? in Ab- fchrift hier beiliegende Schreiben zur Verfügung gestellt worden, m welchem um Auskunft über die Gestaltung des Dienstes der Beamten und Unterbeamtin am 9. September, dem Geburts- tage Sr. königliche» Hoheit des Grobherzogs von Baden, ersucht wird. Da das Schreiben hektographirt ist. so darf an- genommen werden, daß dasselbe auch anderen Beamten zugegangen sein wird. Die Ausdrücke in diesem Zirkular und die drei Nummern als Unterschriften deuten darauf hin, daß dasselbe aus jenem Kreise stammt, welcher Unbotmäßigkeit und Ucberhebung. freche Verhöhnung der Vorgesetzten und buben hafte Kritik der Verwaltungs- maßregeln für berechtigte Vertretung seiner Interessen hält und alle diejenigen, welche sich aus Ehr- und Pflichtgefühl als treue Beamte fernhalte», verfolgt und boykottirt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Zirkular Stoff zu einer neuen Gemeinheit sammeln soll.... Der Kaiserliche Oberpostdirektor: Geh. Oberpoftrath H e ß." Man nimmt an, daß mit dieser Schimpferei der Ver- band deutscher Post- und Telegraphenassistenten getroffen iverden sollte, dessen Verfolgung sich der Oberpostdirektor Heß besonders angelegen sein läßt. Dieser Verband hat aber mit der erwähnten anonymen Anfrage gar nichts zu thun, billigt sie auch nicht.>vie der Gewährsmann der„Deutschen Postzeitung", die die Ver- sügung publizirt, von der Karlsruher Verbandsleitung auf seine — wohlgemerkt, vor dem Erscheinen der Heß'schen Epistel vom 9. September— eingezogene Anfrage zum Bescheide erhielt. — Der württembergische Landtag soll, wi« mehrere Blätter„dem Vernehmen nach" mitlheilen, aus Ende November zu einer kurzen Berathung zusammenberufen werden.— — Die Tagesordnung des Kolonialraths um- faßt die folgenden Punkte: 1. Die Durchberathung des ElatS unserer Kolonien. 2. Der Entwurf, betreffend die Abschaffung der Haussklaverei und Schuldknechtschaft. 3. Die Vorlage, de- treffend die Ableistung der Wehrpflicht in der südwestafrikanischen Kolonie. 4. Die Frage der Ausbildung unserer Kolonial- beamten. 5. Regelung des Strasrechts und des Strafverfahrens gegen Eingeborene.— — Dr. Schroeder-Poggilow.der Bruder des Ehren- Schroeder, ist, wie es in der amtlichen Sprache der höheren Amtsstellen höflich heißt, von der Mitgliedschaft znm Kolonial- rathe entbunden worden&ett Schroeder-Poggelow halte von diesem Desaveu rechtzeitig Kenntniß erhalten und gleichzeitig dem Reichskanzler seinen Austritt mitgetheilt.— — Die Ostafrikanische Pl a n ta g en- G e se l l- schaft hat. dem„Hamb. Korr." znfolge. die Absicht, die straf- rechtliche und zivilrechtliche Klage gegen Dr. Echr oeder einzuleiten, da die Gesellschaft durch die Ver- keimlichung der ihm über seinen Bruder zugegangenen Mit- theilungen nach allen Richtungen, auch materiell ge- schädigt worden ist.— — Die Abtheilung Berlin der Deutschen Kolonial- Gesellschaft, unterzeichnet„Der Vorstand v. Poser und Groß-Nädlitz, Generalmajor z. D., Vorsitzender, Georg Eschmann, Schriftführer", besitzt die Stirn, an Herrn Dr. Peters folgendes Schreiben, dem lulturgeschichtliche Be- deutung nicht abgesprochen werden kann, abzusenden: „Sehr geehrter Herr Dr. Peters! Der uns in Ihrem geehrten Schreiben vom IS. d. M. mit- getheilte Entschluß, den Vorsitz in unserer Abtheilung endgiltig niederzulegen und aus dem Vorstande desselben auszulreten, hat uns mit tiefstem Bedauern erfüllt. Bei Ihrem Scheiden aus unserer Milte gestatten Sie uns, Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Peters, unseren herzlichste» und wärmste» Dank auszusprechen, nicht nur für alles das, was Sie für unseren engeren Abtheilungs- und Gesellschafts- kreis gcthan haben, sondern auch für die großen Dienste, welche Sie durch Wort und Schrift im Jnlande und im Auslande und nicht zum wenigsten durch Einsetzen Ihrer ganzen Per- s ö n l i ch k e i t, aller Gefahren und Schwierigkeilen nn- geachtet, trotz der gehässigsten Angriffe von allen Seiten, dem Vaterlande und dem Deutschthum aus deraanzen Welt geleistet haben. Lassen Sie uns Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Peters, die frohe Hoffnung ausdrücken. Sie recht bald wieder in alter Frische und Unermüdlichkeit für die B e t h ä t i g u n g deutschnationaler Bestrebungen wirken und kämpfen zu sehen. Unbekümmert um die gegen Sie geschleuderten Anklagen und Verdächtigungen, werden wir auch ferner unbeirrt und ohne Zweifel fest zu Ihnen stehen, wo es auch immer unseres Vaterlandes und Volkes Ehre und Ruhm gilt. In diesem Sinne senden wir Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Peters, unsere besten Grüße und Wünsche." Schweiz. Zürich, 5. Oktober.(Eig. Ber.) Der gestrige Abstimmungs- tag hat de» Freunden des Eisenbahn-Rechnungs- ge setz es, welche nach den von allen Seiten gekommenen Nach- richten über die Stimmung des Volkes die Annahme des Gesetzes erwarteten, recht gegeben. Noch fehlen aus einer kleinen Anzahl bernischer und graubündnerischer Gemeinden die Resultate, die indeß am Gesammtergebniß nichts ändern, wonach das Gesetz mit rund 220 000 gegen 170 000, also mit einer Mehrheit von 50 000 Stimmen angenommen ist. Von de» 2S Kantonen haben 13 eine annehmende Mehrheit geliefert, jedoch bei Gesetzen kommen die Standesstimmen nicht in betracht, sondern nur die Mehrheit der abgegebenen� Urnenstimmen. Von den katholischen Kantonen der Jnnerschweiz hat einzig Luzern das Gesetz angenommen, was wohl ausschließlich der Wirksamkeit des aus diesem Kanton stammenden Bundesrathes Zemp zuzuschreiben ist. Alle übrigen katholischen wie auch welschen Kantone haben es verworfen. Mit der Annahme des Rechnungsgesetzes darf man auch die Frage der Eisenbahn-Verstaatlichung als entschieden ansehen und auf ein günstiges Ergebniß der wohl anfangs 1887 erfolgenden Volksabstimmung über das Bundes- Bankgesetz schließen. Mit einer erdrückende» Mehrheit von 303171 gegen 73 346 Stimmen wurde das Disziplinar-Strafgesetz verworfen, daß in keinem Kanton die Mehrheit erhielt. Auf «in Jahrzehnt hinaus wird kein wie immer geartetes militärisches Gesetz mehr vom Volke angenommen werden. Das Vieh- Handels-Gesetz wurde von 11 Kantonen angenommen und hat mit seinen 172 864 Ja gegen 200 773 Nein eine schöne Stimmenzahl erhalten. Frankreich. — Der sozialistische Bürgermeister von D i j 0 n hat der Presse einen Brief an den Minister des Innern in Abschrift zur Veröffentlichung übergeben, der die Anrede: „Citoyen ministxe!"(Bürger Minister) enthält und worin der- selb« erklärt, daß ihm seine Prinzipien die Annahme der Ein- ladung zur Grundsteinlegung der Weltausstellungsbrücke ver- bieten. Die Stadt Dijon wird daher bei den Russenfesten in Paris nicht vertreten sein.— Spanien. — Aus Kuba sind Hiobsposten eingetroffen. Seit Ende September bis in die ersten Tage des Oktober hat eine Reihe von Gefechten stattgefunden, in denen die Spanier den Kürzeren gezogen und schwere Verluste erlitten haben. Man spricht von 1000 Mann todt, was jedoch wohl übertrieben ist. Wie es scheint, haben die beiden Rebellenarmeen ihre Vereinigung be- weristelligt, die zu verhindern seit Monaten das Hauptziel des spanischen Generalissimus war. Jedenfalls wird die Demorali- sation und Auslösung der spanischen Truppen durch diese Nieder- läge noch wesentlich beschleunigt.— Ostafien. Peking, 4. Oktober. Der Weiterbau der sibirischen Eisenbahn durch die Nord-Mandschurei ist von China, mit der Bedingung des Vorkaufsrechts nach 30 Jahren, bewilligt worden. Die Erlaubniß zum Bau einer Zweigbahn durch die Süd-Mandschurei ist verweigert worden.— VerhenNtzaftsbevrcszk eines deutschen Reichstags- Abgeordneten. AnS Kehl i. B. wird uns unterm 4. Oktober geschrieben: Die Strastburger Parteigenossen hatten bei dem Bezirksamt Kehl eine Volksversammlung angemeldet, die in Neuniühl in der Gartenwirthschaft„Zur Sonne" unter freiem Himmel abgehalten werden sollte. Genosse Bebel sollte dort seinen Wählern den Bericht über seine Thätigkeit im Reichstage geben. Bekanntlich steht den Straßburger Sozialdemokraten kein Lokal zur Ver- sügung. Das Bezirksanit Kehl, das zum Musterstaat Baden ge- hört, hat jetzt die Versammlung verboten. Das Verbot wurde wie folgt begründet: Großherzogl. badisches Bezirksamt Kehl. Den 2. Oktober 1896. Die Abhaltung einer sozialdemokratischen Volksversammlung unter freiem Himmel betreffend: Dem H. St. W. in Dorf Kehl wird auf die Anzeige vom 1. d. M., laut welcher am Sonntag, den 4. d. M., nachmittags 8 Uhr zu Neumühl eine öffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel stattfinden soll, eröffnet: Es ist zu erwarten, daß die für Sonntag, 4. Oktober d. I. zu Neumühl von der sozialdemokratischen Partei in Straßburg und Umgebung geplante und angezeigte Volksversammlung von Tausenden— vornehmlich aus Straßburg— besucht werden wird. Angesichts einer derart unabsehbaren Ausdehnung der Volks- Versammlung unter freiem Himmel ist die Bezirks- Polizeibehörde nicht in der Lage, Störungen der öffentlichen Ordnung, wie sie bei einem solch unbegrenzten Zu- fammenflusse von Menschenmassen in einer politischen Parteiversammlung zu besorge» sind� wirksam vorzu- beugen, und damit die Ausrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, ans welche die Allgemeinheit unbedingt Anspruch hat, zu gewährleisten, und Vollzug des Vereinsgesetzes gegebenfalls zu erzwingen. In Erwägung dieser Sachlage und aus grund der §§11 und 4 des badischen Gesetzes vom 21. November 1867, das Vereins« und Versammlungsrecht betr., wird die angekündigte Volksversammlung hiermit zum voraus verboten. Einem etwaigen Rekurse gegen diese Entschließung wird gemäß tz 38 der Verfahrens- Ordnung in Verwaltungssachen die aufschiebende Wirkung versagt. T e u b n e r." Da das Bezirksamt Kehl zuerst die Anmeldung der Ver- sammlung bestätigte, so wurden von uns Inserate in die Blätter gegeben. Das„Kehler Wochenblatt" erscheint Sonnabends nicht, das Bezirksamt ließ deshalb durch Extrablatt folgendes in Kehl und in den umliegenden Ortschaften verbreiten: „Bekanntmachung. Die Abhaltung einer sozialdemokratischen Volksversammlung unter freiem Himmel in Neumühl betr. Nr. 19 191. Die öffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel am Sonntag, 4. d. Mts. in Neumühl, welche von der sozialdemokratischen Partei angekündigt ist, haben wir auf grund der§§ 11 und 4 des badischen Gesetzes vom 21. November 1867 „Das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend" verboten. Kehl, den 2. Oktober 1896. Großherzogl. Bezirksamt. Teubner." Die Sozialdemokraten sind jedoch nicht'so leicht unterzu» kriegen. Die Straßburger Genoffen machten in den Lokalblättern bekannt, daß an stelle der Volksversammlung ein großes Volksfest stattfinde, bei dem Genosse Bebel eine Festrede halte. Darauf erließ das Bezirksamt wieder folgende Verfügung: „Großherzogl. badisches Bezirksamt Kehl. Die Abhaltung einer sozialdemokratischen Volksversammlung unter freiem Himmel in Neumühl betr. Es wird uns mitgetheilt, daß die sozialdemokratische Partei beabsichtige— trotz des ausgesprochenen Versammlungsverbots— am Sonntag, den 4. d. M., nachmittags im Garten der Wirth- schaft„Zur Sonne" in Neumühl ein Volksfest zu veranstalte». Wir mache» darauf aufmerksam, daß wir jede Ansammlung im Garten der„Sonne" oder sonst wo in Neumühl als dem er« gangenen Verbote zuwiderlaufend ansehen und derselben ge« gebenenfalls auf grund des Vereinsgesetzes entgegentreten werden. Teubner." Gleichzeitig erhielt der Wirth„Zur Sonne" in Neumühl durch den Bürgermeister folgende Eröffnung: Laut Befehl vom Be- zirksamt dürfe sich keine Anzahl von Leuten in seinem Lokal wie im Garten zusammenrotten. Dem Vertrauensmann von Straßburg, Genossen Bühle, wurde durch einen Wachtmeister folgendes mitgetheilt: Die Polizeidirektion läßt Ihnen im Austrage des Bezirksamts Kehl mittheilen, daß das angezeigte Volksfest nicht abgehalten werden darf. Es wird als eine Umgehung des Vcrsammlungsverbots betrachtet, das Bezirksamt wird nöthigenfalls einschreiten. Von uns möchte dafür Sorge getragen werden, daß nicht so viel Personen von Straß- bürg herüberkommen. Die Straßburger Polizei konnte trotzdem nicht verhindern, daß hunderte von Straßburger Genossen bei herrlichstem Oktober- weiter nach Neumühl wanderten. Auch hatten sich ungefähr 20 Gendarmen sowie eine Menge Geheimschutzleute und ein Ver- treter des Bezirksamts eingesunden. Auch eine Anzahl Sol- daten waren vertreten. Um>/-4 Uhr hatten sich schon nahezu 1000 Personen eingefunden, und immer noch sah man die Land- straße ganz bevölkert. Da nahte jedoch das Verhängniß. Der Vertreter des Bezirksamts und die Gendarmen bildeten einen t albkreis um den Tisch, wo Genosse Bebel und sonst bekannte ozialdemokraten saßen. Der Vertreter des Bezirksamts fragte Genossen Böhle, od ihm Herr Wnrtz ans Kehl, der Ein- berufer der Versammlung, mitgetheilt hätte, daß das Volks- fest auch nicht stattfinden dürfe, da es als eine Umgehung des Versammlungsverbots angesehen werde. Die Zusammenkunft hätte jetzt den Charakter eines Volks- festes angenommen; er sehe sich veranlaßt, dagegen einzuschreiten und müsse den Platz säubern lassen; ob Böhle die Leute auffordern wolle, auseinander zu gehen. Böhle er- widerte. das Verbot des Festes wurde ihm mitgetheilt, wie Sie sehen, halten wir lein Fest ab, auch wird nichts öffentlich gesprochen. Ich bestreite ganz entschieden. daß diese Zusammenkunst den Charakter eines Festes trägt, wir sind Spaziergänger und trinken ganz gemüth« lich hier Bier, ich habe keine Veranlassung, die Leute aus- zuforhern, auseinander zu gehen. Sie können lhun, was Ihnen beliebt. Der Gendarmerie- Wachtmeister ließ sich hierauf mit mächtiger Stimme wie folgt vernehmen:„Leute, ich fordere Sie auf, ruhig de» Platz zu verlassen, bei Anwendung von Waffengewalt. Ich verweise Sie aus die Strafe wegen Aufruhrs und Widerstands gegen h'e Staatsgewalt." Als. zum dritten Mal die Aufforderung erging, verließen die Leute so ruhig, wie sie kamen, den Platz und pilgerten wieder nach Kehl zurück in eine» Biersalon. Der Arbeiter- Gesangverein„Hoffnung" aus Straßburg sang einige in Straß- bürg verbotene Lieder, bis die Dunkelheit hereinbrach. Auch da wollte der Vertreter des Bezirks einschreiten; er telegraphirte jedoch, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfuhren, nach Karls- ruhe, von dort kam die Weisung auf demselben Wege zurück, man möge den Gesang ruhig dulden, sollte jedoch öffentlich gesprochen werden, so sollte erngefchritten werden. Bei dem ganzen Vorgang war die Menschenmenge in heiterster Stinimung, auch nicht das geringste kam vor. Als ReichStags-Kandidat für den 2. badischen Wahlkreis Villingen wurve von einer Parteikonferenz zu Donau- eschingen der Genosse Kräuter aus Freiburg aufgestellt. Die Sozialdemokratie in der Orts-Krankenkasse. Unter diesem Titel veröffentlicht der Antisemit G l ö ß in D r e s d e n in der„Deutschen Wacht" einen Artikel, worin er mittheilt, daß er sein Amt im Vorstande der dortigen Orts-Krankenkasse nieder- gelegt. Als Grund dafür führt er eine Reihe von Vorgängen in der Kassenvcrwaltung an, wonach die die Mehrheit bildenden Vertreter der Versicherten die Kafsenverwaltung angeblich theils ungesetzlich, theils unehrenhaft, theils im persönlichen Interesse und theils im Interesse einiger ihrer Parteigenossen führen. Er verlangt deshalb, daß die Arbeiter von der„direkten" Beitrags- zahlung zu de» Kassen und von den Verwaltungsämtern aus- geschlossen werden, da sie nach seiner Meinung dazu in keiner Weise ausreichend befähigt sind. Die„Sächs. Arb.-Zlg." entgegnet darauf: Sollte Herr Glöß nicht in der Lage sein, seine Behauptungen zu erweisen, so wird ihm wohl der Strafrichter die geeignete Quittung ausstelle». Angenommen, aber nicht zugegeben, die Behauptungen über die Verwallung der hiesigen Orts-Krankenkasse wären wahr, so würden sie doch nur beweisen, daß einige Arbeiter sich zur Verwaltung öffentlicher Aemter unfähig erwiesen haben, denn wäre die Schlußfolgerung des Herrn Glöß richtig, dann müßte man mit demselben Rechte auch folgern können, daß die Unternehmer dazu unfähig sind: denn daß täglich eine Anzahl Fälle zu melden find, wo Unternehmer und über- Haupt Angehörige der bürgerlichen Klasse ein von ihnen ver- walletes Amt für persönliche Interessen mißbrauchen, das wird Herr Glöß hoffentlich nicht bestreiten wollen. AnS Mainz wird uns über den Ausfall dcr Landtags-Wahl geschrieben: So haben wir also gesieg:, glänzend gesiegt. Seit der letzten Landtags-Wahl hat die Zahl unserer Wähler in der Stadt sich um 400 vermehrt. Nie sind bei früheren Landtags- wählen solaie Stimmenzahlen vorgekommen. Der Sieg ist uns freilich nicht vom Himmel gefallen. Er hat Arbeit gekostet, und nie ist vor einer Landtags-Wahl so gearbeitet worden wie diesmal. Jeder sagte sich: jetzt wird auch die Reichstags-Wahl entschieden, die in elwa vier Wochen sein wird. Die O r g a n i- sation ist in der Stadt und in den ländlichen Orten auss sorgfältigste eingerichtet worden; die Vertheilung der Flugblätter und Stimmzettel vollzog sich glatt, überhaupt klappte alles. Am letzten Tage vor der Wahl, am Sonntag, hatten wir noch eine Riesenversammlung in der Stadthalle, in der die beiden Kandi- daten Haas und Dr. David, und nach ihnen Liebknecht unter stürmischer Begeisterung sprachen; mittags war eine Konferenz des Landkreises, der auch Liebknecht beiwohnte, und in der alles für den Wahltag festgesetzt wurde. Und nachmittags war eine Wäblerversammlung in Gonsenheim, in der David und Liebknecht als Redner auftraten. So groß die Freude über den Sieg ist, wir„ruhen auf unseren Lorbeeren" doch nicht aus— Lorbeeren sind das ge- fährlichste Schlummerkissen.— Die Reichstagswahl muß uns einen so durchschlagenden Sieg bringen, daß die Kraft der Gegner auf immer gebrochen ist, und wir unsere Hauptkrast der Eroberung neuer Wahlkreise zuwenden können. Die Nürnberger Parteigenossen beschlossen, sich an der Gemeinderaths-Wahl mit einer durchaus selbständigen Liste zu betheiligen. Aus Mülhausen i. E. berichtete der ultramontane„Frei- burger Bote" unterm 1. Oktober:„Der ehemalige sozialdemo« kralische Reichstags-Kandidat D a p p l e r, den die hiesigen Ge- nosscn im Jahre 1393 zum Präsidenten der Orts-Krankenkasse ernannt halten, hat das Vertrauen seiner Wähler schändlich mißbraucht. Wegen Betrugs und Urkundensälschung wurde er gestern zu 7 Monaten Gefängniß verurtheilt. Ein netter Genosse, was? Und solch einen Volksbeglücker schlagen die Obergenossen zum Reichstags-Abgeordneten vor?" Zu dieser Notiz bemerkt der Offenburger„Volksfreund": Aus dem letzten Satz spricht eine der berühmten Eseleien, deren nur nichtsdenkende Schreiberseele» fähig sind. Jedenfalls wußten die Mülhauser Arbeiter, als sie für den Mann im Jahre 1393 stimmte», noch nicht, daß er im Jahre 1896 in die Kasse greifen wird. Ebenso eselhaft dumm wäre es, wen» ein nichtultramon- tanes Blatt an die Nachricht von der Nothzucht, die neulich ein katholischer Pfaffe an einer Schülerin verübte, die Bemerkung geknüpft hätte: Und«in solches Schwein hat der Bischof zum Priester geweiht! Aus der Schweiz. Genosse Wullschleger, Redakteur des Basler„Vorwärts", ist zum Sekretär deS Grütli- Vereins gewählt worden. Auch auf der Insel Bornholm entfalte» unsere dänischen Parteigenossen eine rege Thätigkeit. Kürzlich wurde dort eines der in Dänemark beliebten Agitationsfeste abgehalten, dem die stattliche Zahl von etwa 600 Personen beiwohnte. Die Agitationsreden unserer Genossen fanden großen Beifall. Der vierte Jahreökongreß der„Föderation der sozialistischen Ge», einderäthe Frankreich? und der Kolonien" ,vird in C 0>» m e n t r y tagen und am 1. November eröffnet werden. Die Föderation umfaßt alle Richtunge» des französischen Sozialismus ohne Ausnahme. Mit der Organisation des Kongresses ist der sozialistisch« Gemeinde- rath von Commentry gemeinschaftlich mit dem Sekretariat der Föderation betraut. Todtenliste der Partei. In Königsberg i. Pr. ist die frühere Vertrauensperson unserer dortigen Anhängerinnen, Frau Agnes Schilling, aus dem Leben geschieden. Die „Königsberger Volkstribüne" widmet der Entschlafenen einen ehrenden Nachruf,. worin es heißt: Sie brachte vor einigen Jahren die proletarische Frauenbewegung in Königsberg in Fluß und leitete sie mit außerordentlichem Geschick längere Zeit. Wer ihre wirthschaftlichen Verhältnisse kannte, wer da weiß, in welch fürsorglicher, musterhafter Weise sie ihre Kinder erzog, wie sie ihre Wirthschaft zusammenhielt und außerdem noch ihrem Manne am Arbeitstische, in der Schneiderei überaus lhätig zur Seite stand, der kann erst wahrhaft ermessen, welch ein feuriger Enthusiasmus für die sozialistische Idee diese edle Frauenseele durchlohte und ihr die Kraft verlieh, mit der ihr eigenen Opfer- freudigkeit in der ersten Reihe des kämpfenden Proletariats thätig zu fein. Polizeiliches, Gerichtliches re. — Ein interessanter Prozeß fand dieser Tage vor dem Reichsgericht seine Erledigung. Der verantwortliche Redakteur der„Thüringer Tribüne". Genosse Wiertelaz i» Erfurt, ivar am 28. Januar wegen Be- leidigung z» 100 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Er zahlte nicht und ließ sich erfolglos auspfänden. Um nun nicht die als Ersatz ausgeworfene Gefängnißstrafe verbüßen zu müssen, bat er den Geschäftsführer der„Thüringer Tribüne", Genossen Stegmann, jene Summe aus der Geschäftskasse zu entnehmen und für ihn auszulegen. Sleamann, der hierzu befugt ivar, ließ die Strafsumme dem Gerichte überbringen. Hierdurch sollte er sich»ach der Ansicht der Staatsanwaltschaft ver B e g ü n st i g»„ a schuldig gemacht haben, da er den verurtheilten Redakteur der Bestrasung entzogen habe. Das Erfurter Landgericht sprach am 28. Juni Steg« mann von dieserzAnklage frei, da die Bezahlung der Strafe aus der Geschäftskasse auch für Wiertelaz einen materiellen Nachtheil gehabt habe(er ist am Reingewinn des Geschäfts betheiligt) und Stegmann weder die Absicht noch das Bewußlsein gehabt habe, Wiertelaz der Bestrafung zu entziehen.— Die von der Staats- anwaltschaft gegen dieses Urtheil eingelegte Revision wurde von der Ober- Reichsanwaltschaft nicht vertreten und vom 3. Strafsenate des Reichsgerichts heute als unbegründet ver« w 0 r f e n. — Genosse Steiner ans Oesterreich, der seinerzeit aus Betreiben deS Norddeutschen Lloyd durch die Bremer Polizei ans Bremerhaven ausgewiesen wurde, weil er sich der Seeleute und insbesondere der Feuerleule auf den Seedampfern an- genommen hatte, hat nunmehr auch in Antwerpen einen Aus- weisungsbefehl erhalte», auf grund dessen er binnen acht Tagen das belgische Staatsgebiet zu verlassen hat. Er wird nach Amerika übersiedeln. — Genosse Neukirch, verantwortlicher Redakteur der Breslauer„Volkswacht", wird heute Mittwoch die Strafanstalt in Wohlan verlassen, wo er zirka 7 Monate zugebracht hat. Er ist dort in Sträslingskleidung gesteckt und mit dem Flechten von Rohrstuhlsitzen beschäftigt worden. — Mit einer Haussuchung»ach Manuskripten, die den Boykott der Böllberger Mühle betreffen, machten sich in H a l l e a. S. in der Redaktion und Druckerei des„Volksdlatt" sowie in der Wohnung des Redakteurs Thiele zirka ein Dutzend Kriminalbeamte vergebliche Mühe. Die Suche war ganz und gar ohne Erfolg. — Der Stadtrath in Waldheim i. S. ist mit seinem Verbot der Lassalle«Feier von der Leipziger Kreis- hauptmannschaft desavouirt worden. Diese Oberbehörde hat das Verbot mit der Begründung als nicht gerechtfertigt erklärt, daß „die Veranstaltung einer Feier seitens der sozialdemokratischen Partei nicht blos»»> der von letzterer verfolgten Ziele willen zu beanstanden, im vorliegenden Falle aber ein ausreichender Anlaß zu der Annahme, daß die fragliche Feier gerade eine der in§ 3 des angezogenen Gesetzes näher bezeichneten Handlungen bezweckt habe, nicht gegeben ist. Die Leser werden sich noch erinnern, daß der Sladtrath in Waldheim durch Herr» Dr. Hübschmann ein„wissenschaftlich" begründetes Verbot der Lasfalleseier erließ, worin Herr Dr. Hübschmann mit seiner Kenntniß der Schriften Lassalles und der Ziele der Sozial- demokratie brilliirte, und lediglich darauf die Annahme ausbaute. daß das geplante Fest gegen die Gesetze und guten Sitten ver- stoßen werde. — Genosse Stücklen, der Redakteur der„Oberfränkischen Volkszeitung" in Hof, hat am 3. Oktober das Gefängniß in Am- berg nach mehr als achtmonatiger Gefangenschaft verlassen. Sei» Verbreche» bestand darin, daß er in dem von ihm geleiteten Statt zwei Artikel der fränkischen TageSpost" abgedruckt hat. von denen der eine in Nürnberg überhaupt nicht ver- folgt wurde, während der gegen den anderen Artikel dort an- gestrengte Prozeß mit Freisprechung endete. Wegen derselben beiden Artikel wurde aber Stücklen vom Geschworenengericht in Bayreuth für„schuldig" befunden. Achtung» Ardeiter Berlins! Wir bitten, die für die ausgesperrten städtischen Gasarbeiter bewilligten resp. gesammelten Gelder sofort an das Gewerkschaftsbureau lAdresse: R. Millarg, Annenstr. 16) abführen zu wollen. Das Streikkomitee. An die Bilderrahmenmacher Berlins! Wir machen nochmals auf die in der öffentlichen Versammlung vom 4. Oktober gefaßten Beschlüsse aufmerksam, wonach in den Werkstätten, wo nicht wenigstens die neunstündige Arbeitszeit und der Minimal- lohn von 25.S0 M. bewilligt ist. die Arbeit von Montag, den S.Oktober ab zu ruhen hat. Gleichfalls wurde beschlossen, daß der Zuzug von folgenden Werkstätten, wo unsere so minimalen Forderungen nicht bewilligt stnd, fernzuhalten ist: Rosenow, Schmidstraße; Mannlich, Greifswalderstraße; Königs- berger, Gr. Frankfurterstraße; Wahl u. Sohn, Bebrenstraße; Kristan, Kottbuser Ufer, und Schneider. Blumenstraße. Die Firma W e h n e r hat nachträglich die Akkordarbeit abgeschafft und die Lohnforderung sowie die verlangte Arbeitszeit bewilligt. Ferner machen wir die Kollegen, welche zu den neuen Bedingungen arbeiten, nochmals auf den Beschluß der Versammlung aufmerk- sam, wonach sie wöchentlich 1 M. an den Streikfonds abzuliefern habe». Diese Beiträge werden von der Streikkommifsion täglich abends von 6 Uhr an bei Stramm, Nitterstr. 123, entgegen- Senommen. Nachträgliche Bewilligungen sowie Zurückziehungen nd unverzüglich der Streikkommission zu melden. Die Streikkommission der Bilderrahmenmacher Berlins. Achtung, Gürtler und Drücker! Die Firma S ch r a m a r in Rixdorf, Richardstr. 116, hat ihr Versprechen betreffs der Sstündigen Arbeitszeit zurückgenommen, nachdem die dort be- schäftigten Kollegen es ablehnten, zu Akkordpreisen zu arbeiten. die nach dem eben beendeten Kampfe mehr eine Beleidigung als ein Zngeständniß waren. Zuzug ist fernzuhalten. Die Berliner Ortsverwaltfung des deutschen Metall- arbeiter-Berbandes. Polizei, Militär und Arbeiterbewegung. Ans Kassel theilt das„Volksblatt für Hessen" mit: Unsere hiesige Polizei scheint es sich noch immer zur Pflicht zu machen, den hiesigen Gewerk- s ch a f t e n das Abhalten von Versammlungen zu erschweren. Am Sonnabend und Sonntag sollte bei Gastwirth Wagner, Oberste Gasse, Metallarbeiter-Versammlung stattfinden. Inserate in unserer Donnerstags- Nummer gaben die Tagesordnung be- kannt, durch diese Inserate ist dann die Polizei jedenfalls auf die Versammlungen aufmerksam gemacht worden, denn am Donnerstag wurde der Herr Wagner auf die Polizei beordert, wo ihm in längerer Rede auseinandergesetzt wurde, wie roth die hiesigen Sozialdemokraten wären. Zum Schluß der Rede wurde Herrn Wagner bekannt gegeben, wenn er den Metallarbeitern sein Lokal weiter zur Verfügung stelle, würde er am Montag den Militär-Boykott bekommen. Diese Bekanntgabe hat denn auch bei dem Wirthe die richtige Wirkung nicht verfehlt, denn die Metallarbeiter konnten am Sonnabend sowie am Sonntag ihre Versammlungen nicht abhalten. Polizei und Militär sind doch dazu da, die Aufrecht- erhaltung der Gesetze zu unterstützen. Das Gesetz, und zwar die Gewerbe-Ordnung, spricht aber den Arbeitern das Recht der Koalition zu und sagt ausdrücklich, daß alle diesem entgegenstehenden Verbote und Strasbestimmungen aufgehoben sind. Daß damit das Verhalten der Polizei- und der Militär- behSrde nicht vereinbar ist, scheint uns wenigstens nicht zweisel- hast zu sein. Zur Boykottfrage haben die Gewerkschaftskartelle von Ha ni bürg, Altona und Wandsbek folgende Verein- barung getroffen:„Die Kartellkommissionen von Hamburg, Altona und Wandsbek verpflichten sich, Boykotts in den Kartell- Versammlungen nur dann in Vorschlag zu bringen, wenn die in Frage kommende KarteUkommission in gemeinschaftlicher Sitzung ihre Zustimmung ertheilt." Bon den Buchbindern Hamburgs arbeiten bis jetzt rund 3S0 zu den neuen Bedingungen; dabei sind jedoch die Geschäfte eingerechnet, die die geforderten Slrbeitsbedingungen oder noch bessere schon früher eingeführt hatten, wie z. B. die Verlags- austalt und Buchdruckerei von Auer u. Komp., wo die Arbeits- zeit 8 Stunden beträgt. Die Innung hat sich über die Forde- rungen der Gehilfen noch nicht schlüssig gemacht. Bei einem etwaigen Streik kommen zirka 1606 Arbeiter und Arbeiterinnen in betracht. Zum Gpinnerstreik in Köln berichtet die„Rheinische Zeitung" u. a.: Die Verhandlungen des E i n i g u n g s a m l s waren für die Streikenden von keinem wesentlichen Erfolg. Der Direktor der Kölnischen Spinnerei erklärte sich zur Aenderuug der Akkordtarife nicht bereit, den Ansetzern will er 65 pCt., anstatt 60 pCt. früher, geben, außerdem den ihnen zustehenden Lohn, das Wiegeverhältniß soll geändert, namentlich deutsches Gewicht eingeführt werden, außerdem die Kontrolle der Arbeiter gestattet sein. Die Familie Kaulhausen gedenkt der Direktor nicht wieder einzustellen. Die Arbeitervertreter erklärten, nur mit Einstellung der Familie Kaulhausen die Arbeit aufnehmen zu wollen. Das Einigungsamt faßte den Beschluß, den beiden Parteien eine Einigung auf der Basis anzuempfehlen, daß Frühstücks- und Vesperpausen von je»/« Stunde eingeführt werden, bei sonst 11 stündiger Arbeitszeit, daß weiter der ältere Kaulhausen wieder einzustellen ist. Am Sonntag beschloß eine von 606 Personen besuchte Spinner-Versammlung, die in Sülz tagte, auf der Grundlage der Beschlüsse des Einigungsamtes mit der Direktion einen Aus- gleich zu versuchen, bis zum Eintreffen der Antwort aber im Streik auszuhalten. In München ist der Streik in der O p p a ch e r' s ch e n Kunst an st alt als gescheitert zu betrachten. Die Stein- d rucker haben schon am Donnerstag die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen, worauf auch einige Buchbinder die Flinte inS Korn warfen und die Fortführung des Lohnkampfes un- möglich machten. Maßregelungen stehen bevor. Die Küfer Stuttgarts haben den Meistern folgende Forderungen unterbreiter: reine lOstündige Arbeitszeit resp. 12 Stunden mit Pause, Beseitigung der Ueberzeitarbeit eventuell 33>/» pCt. Lohnaufschlag, für Sonntagsarbeit 56 pCt.. 20 M. Mindestlohn, wöchentliche Lohnauszahlung und zwar Freitags, sowie freies Koalitionsrecht. Ans Wie» wird unterm 6. Oktober telegraphirt: Die Maß- regel der Entlassung derjenigen streikenden Arbeiter der Staats- bahn-Gesellschaft. die heute die Arbeit nicht aufgenommen haben, hat keine Entscheidung im Streik herbeigeführt. Der Streik dauert ungeschwächt fort und gewinnt größere Aus- dehnung. Das Lohnkomitee der Streikenden in Wien und Prag hat auf die gestern im„Vorwärts" mitgetheilte Bekanntmachung des Werkstättenchefs eine Erwiderung veröffentlicht, worin die Punkte 1 bis 3 und 5 der Bekanntmachung mit Befriedigung akzeptirt iverden. Betreffs des 4. Punktes wird nähere Präzisirung ge- wünscht in der Weise, daß die Direktion erklären solle, sie werde eventuell durch einen Beauftragten im Einvernehmen mit dem zu wählenden Fabrikausschuß innerhalb dreier Monate die Regelung der Akkordpreise durchführen. Bezüglich der Tag- löhne wird die Direktion ersucht, dahin zu entscheiden, daß Tag- löhne von weniger als 1 fl. 60 kr. um IS pCt., Taglöhne von mehr als 1 fl. 60 kr. um 10 pCt. erhöht werden. Sollte die Direktion diese Propositionen genehmigen, so werde die sofortige Aufnahme der Arbeit sowohl in Wien als auch in Prag-Äubna erfolgen. Das Lohnkomilee vertraut, daß die mündlich gegebene Zusage, aus Anlaß des Streiks werde keine Maßregelung ein- zelner erfolgen, loyal erfüllt werde. Zum Schluß der Erwide- rung heißt es: Da die Differenzen nur mehr wenige Punkte betreffen und angesichts der gewiß bescheidenen Fassung der Wünsche der Arbeiter giebt sich daS gefertigte Lohnkomitee der sicheren Erwartung hin, ein Entgegenkommen zu finden, um den Konflikt zu beenden. Im Bergrevier Brüx- Dux ist die Einfahrt auf den Schächten größlentheils wieder normal. Der Kohlengräber-AuSstand von Sainte-Florine ist als gescheitert zu betrachten. Die Grubenverwaltung hat ihre Drohung ausgeführt und die widerspenstigen Arbeiter ent- lassen. Die übrigen haben die Arbeit wieder aufgenommen. AuS Brüssel wird telegraphirt: Der Gemeinderath lehnte mit großer Mehrheit den Antrag eines sozialdemokratischen Mit- gliedes ab, den streikenden Tischlern einen Kredit von S000 Fr. zu bewilligen. Der Streik der Delegraphenbeamten der Kanadischen Pacific-Eisenbahn ist zu Ende. Die Streikenden nehmen auf der ganzen Strecke die Arbeit wieder auf. Ueber das Resultat des Streiks schweigt sich der Telegraph aus. Soziales. AuS dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Recht wackere Helfer in der Knechtung der Bergleute hat das Kapital auch an der ultramontanen Presse und Partei, denn un- ausgesetzt wird von dieser Seite die Zwietracht unter den Arbeitern geschürt. Seit 1878 schon bemüht sich die ultramontane Presse und Partei des Ruhrgebiets, das Theilen der Knappen in„Christen" und„Unchristen" zu besorgen, damit das Kapital desto besser herrsche» kann. Sobald 1839 und 1390 sich die Bergleute einig waren, kamen die Fusangel und Konsorte» hinzu und wollten die„christlichen" Schafe von den sozial- demokratischen Böcken sondern. Drei Gegenverbände wurden errichtet, alle gingen sie zu Grunde. Die letzte Gründung der Frommen im Lande, der„christliche Gewerkverein", existirt zwar heute noch, steht aber schon seit seiner Geburt auf dem Aussterbe- Etat. Aber genug hat er geleistet im Interesse des K a p i t a l s. Die immerwährende religiöse und politische Verhetzung der Berg- leute läßt die Organisation derselben gar nicht zur Ausbildung kommen. Heute wieder, anläßlich der bevorstehenden Wahlen zu den Berggewerbegerichten, ist die ultramontane Partei durch ihre Presse und den Strohmann B r u st aus Altcuessen wacker daran, die religiöse Hetze zu betreiben. Nur das Kapital kann davon Nutzen haben, darum hat auch das Gruben organ, die„R h.- W. Zeitung" den„christlichen Gewerkverein", be- sonders aber den„besonnenen Bergmann Brust" ganz in ihr Herz geschlossen! Viel Erfolg wird in diesem Falle die Hetze der frommen Klique freilich nicht haben, schon der jämmerlich schwache Besuch der von Klerus und Kapital protegirten Ver- sammlungen des„christlichen Gewerkvereins" zeigt, daß die Be- drückung der Arbeit durch das Unternehmerthum den Boden für„christliche Bestrebungen" nicht gut düngt. Und bei den nächsten ReichstagSwahlen wird den ultra- montanen Kapitalsfreunden die Quittupg»och derber ausgestellt werden. Sonderbar: Im R u h r g e b i e t, wo die Bergleute selbständig genug sind, um ohneHilfe des Klerus ihre Rechte zu wahren, da wirft sich der Pastor und Vikar zum„Arbeiterführer" auf. In Oberschlesien da- gegen, wo die Verhältnisse der Bergleute weit jämmerlicher sind als an der Ruhr, da findet sich kein Ober- dörffer, kein Hitze, kein Weber, der die Arbeiter zum Kamps« gegen das Kapital organ isirt. Aber wo denken wir hin! In Oberfchlesien ist ja auch das Kapital recht fromm katholisch, und die Klerisei wird doch nicht gegen die„besten Söhne der Kirche" wüthen. Das geht nicht.— Dieweil verkommt das oberschlesische Volk in Elend und Jammer! Kapital und Arbeit. Die Flensburger Schiffs- bau-Gesellschaft hielt am Mittwoch ihre 23. ordentliche Generalversammlung ab. Während man den Arbeitern die geringfügige Lohnerhöhung verweigert, konnten die Herren Aktionäre für ihre mühevolle Arbeit des Kouponabschneidens 10 pCt. Dividende in die Tasche stecken. In dem Geschäfts- bericht wird zugestanden, daß der Ausstand nicht ohne nach- theilige Folgen für das nächste Geschäftsjahr bleiben wird. Das Kaiserliche Postamt> in Leipzig theilte der„Leipz. Volkszeitung" auf die in derselben veröffentlicht gewesene, von uns in Nr. 228 wiedergegebene Notiz mit, daß die Entfernung des Gaskochapparates aus der P a ck k a m m e r des genannten Postamts lediglich wegen der Feuergesähclichkeit erfolgt ist und daß der Apparat durch anderweile geeignete Einrichtungen ersetzt wird. Die Angabe der„Leipziger Volkszeitung", von den in der Nacht dienstthuenden Beamten sei immer einer 15 Stunden hintereinander an die Dienststelle ge- banden, wird dagegen vom Postamt l mit Stillschweigen übergangen. Uud doch wäre eine Aufklärung hierüber viel nöthiger gewesen als hinsichtlich des Gaskochapparates! Das badische Ministerium deS Innern hat, wie die �Franks. Ztg." mittheilt, die Bezirksämter angewiesen, den Mißständen im Kellnerinnen gewerbe mit aller Strenge des Gesetzes entgegenzutreten. Vor allem soll darauf gesehen werde», daß die Kellnerinnen nicht selbst für ihre Wohnungen aufzukommen haben, wobei zu erwägen sei, ob nicht gegen Wirthe, die den Kellnerinneu keine Wohnung gewähren, sofern hierdurch einem unzüchtigen Verkehr Vorschub geleistet werde, je nach Umständen das Versahren aus Konzessions- entziehung wegen Förderung der Unzucht eingeleitet werden solle, sobald sie den ihnen zur Abstellung der Mißstände zu machenden Auflagen keine Folge leisten. Dann verlangt die Regierung für das Hilfspersonal ausreichende Schlafräume, die den im Interesse der Sittlichkeit und der öffentlichen Gesundheit zu stellenden polizeilichen Anforderungen entsprechen müffen. Weiter sollen sich die Bezirksämter darüber vergewissern, ob die als Kellnerinnen beschäftigten minderjährigen Per- sonen sich im Besitz des vorgeschriebenen Arbeitsbuches be- finden; dadurch soll verhindert werde», daß solche Mädchen gegen den Willen ihrer Eltern oder Fürsorger sich diesem Berufe zuwenden. Endlich sollen die Stellenvermittlungs-Geschäfte sorgfältig überwacht werden. Gegen Gebührenüberforderungcn foll unnachsichtlich strafend eingeschritten und wo der That- bestand des Betrugs oder Kuppelei vorliegt, das Einschreiten der Staatsanwaltschaft veranlaßt werden. Auch können nach der ministeriellen Verfügung je nach Bedürfniß ortspolizeiliche Vor- schristen erlassen werden, die es dem Bezirksamte ermög- lichen, über die von den Stellenvermittlern beherbergten Personen eine Kontrolle zu führen und die im Interesse der öffentlichen Gesundheit und Sittlichkeit erforderlichen Anordnungen zu treffen. Das wichtigste, nämlich vorzusorgen, daß die Kellnerinnen eine ausreichende Vergütung'für ihre Arbeitsleistung vom Wirth bekommen, vermissen wir in dieser Zusammenstellung der Anforderungen, die die Regierung an die Wirthe stellt. Auch in Baden wird es Kellnerinnen geben, die vom Wirth so schlecht oder gar nicht bezahlt werden, daß sie aus den bekannten unsoliden Nebenerwerb angewiesen sind. Für die Arbeiten der Pariser Wekt-AuSstel» lu n g hat der französische Handelsmini st er im Interesse der beschäftigten Arbeiter eine Reihe von Maß- nahmen getroffen. Die Submissionsunternehmer dürfen ohne Bewilligung der Administratoren ihrerseits keine Arbeiten in Submission vergeben. Die Zwischenmeisterschaft ist verboten. Den Arbeitern ist ein wöchentlicher Ruhetag gesichert. Im Falle der unregelmäßigen Lohnauszahlung kann die Administra- tion von sich aus die Arbeiter zu Lasten der Unter- nehmer bezahlen. Die Unternehmer sind verpflichtet, alle nothwendigen Sicherheits- und Gesundheits- Vorkehrungen zu treffen. Die Administration übernimmt die Organisation der ärztlichen Pflege für die verunglückten Arbeiter, denen zugleich Krankengelder ausgezahlt werden. Die Kosten werden gedeckt durch einen Abzug von 1 pCt. des Betrages der Arbeiten und der Materialien. Falls dieser Fonds nicht genügen sollte, hat der Staat für das Defizit aufzukommen. Die Haft- Pflicht der Unternehmer für die Unfälle bleibt jedoch dadurch unberührt. Außerdem sollen bei der Vergebung der Arbeiten Arbeitergenossenschaften bevorzugt werden. Für Arbeiten im Betrage von nicht über 20 000 Fr. werden sie ohne Konkurrenzausschrciben zugelassen. Sonst erhalten sie bei gleichen Submissionsbedingungen den Vorzug vor den Unter- nehmern und brauchen keine Kaution zu stellen, falls der Werth der Arbeiten nicht V0 000 Fr. übersteigt. Von einem Maximalarbeitstag und einem Minimallohn ist in den Schutzbestimmungen leider keine Rede. Auch diese Zu« geständnisse sind übrigens auf die noch unter dem Ministerium Bourgeois verhandelte sozialistische Interpellation zurückzuführen. Unsere Genossen hatten damals den Achtstundentag und den Lohntarif der Stadt Paris für die Wellausstellungs- Arbeiten verlangt. Schließlich sei hervorgehoben, daß die Regierung sich vor- behält, das Maximum der zu beschäftigenden aus- ländischen Arbeiter festzusetzen. Ein Grund mehr s ü r die deutschen Arbeiter, sich nicht in der Hoff- nung auf die Weltausstellung nach Paris an- locken zu lassen. Ueber den Stand des Pariser Arbeitsmarktes bringt das Septemberheft des Bulletins des französischen Arbeitsamtes folgende Angaben: Die Bau brau che ist mit Ende des Sommers im allgemeinen in einen Stillstand eingetreten. Eine lebhaftere Thätigkeit als in der gleichen Periode des vorigen Jahres wird nur bei den Bodenparquetlegern beobachtet. Die öffentlichen Arbeiten, an denen ein Arbeitspersonal von 80000 Mann interessirt ist, weisen gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres eine geringere Thätigkeit auf. Die Zahl der Unternehmer hat abgenommen auch infolge der Verminderung der Zahl der privaten Neubauten. Das Angebot von Arbeit übersteigt demgemäß die Nachfrage. Die Arbeiten der Pariser Weltausstellung haben ja noch nicht begonnen. Auch im benachbarten Departement Seine et Oife erfährt die Baubranche einen Stillstand und macht sich die Arbeitslosigkeit geltend. In der H o l z b r a n ch e wird eine Besserung nur für die Wagenmaler konstatirt. in der M e t a l l b r a n ch e— die im allgemeinen in ganz Frankreich sich in aufsteigender Konjunktur befindet— für die Berfertiger von Präzisionswerkzeugen und die Bronze- Arbeiter, dagegen eine Verschlechterung für die Metallofen- uud Waagenmacher. In der Bäckerei herrscht, wie immer, Ueber- fluß an Arbeitern. Die Leder-Handschuhmacheret machte den ganzen Sommer hindurch sehr schlechte Geschäfte infolge der in Mode gekommenen Zwirn-Handschuhe, so daß mehrere firmen die Hälfte ihres Personals entlassen haben. Die Buch-, leider- und Hutbranchen befinden sich am Ende der tobten Saison. Angesichts der gewaltigen Anziehungskraft, die Paris auf die Arbeitslosen von ganz Frankreich ausübt, muß auch der Stand des Arbeitsmarkles im ganzen Lande gekennzeichnet werden. Schon für den Monat Juli wurde die Geschäftslage als ungünstig ausgegeben, seitdem konstatirt das Arbeits- amt eine weitere Verlangsamung deS Geschäftsganges. Aus grund der bis zum 15. August eingelaufenen Mittheilungen seitens 430 Arbeiter- und Angestellten- Gewerkschaften mit einer Mitgliederzahl von 115 000 Mann ergiebt sich eine durchschnittliche Arbeitslosen zahl von über 6 pCt., darunter 1 pCt. bei den Zimmerlenten, 7 pCt. bei den Tischlern, 7 pCt. bei den Wagnern. 3 pCt. bei den Steinmetzen, l3pCl. bei den Malern und Gypsern, 2 0 pCt. bei den Maurern, 8pCt. bei den Eisen- und Kupfergießern, SpCt. bei den Metallarbeitern. 3 pCt. bei den Konstruktious- Mechanikern u. f. f. Daß die Arbeitslosigkeit in der Baubranche seit August zugenommen haben muß, ist selbstverständlich. Ein weiteres Zeichen der gedrückte» Geschäftslage in Frank- reich ist der außerordentlich geringe Umfang der Streik- beweg» ng im August. An den 24 Streiks dieses Monats betheiligten sich blos 1700—1800 Arbeiter. Die für 21 Streiks genau bekannte Zahl der Theilnehmer beträgt 1633, während man im August der Jahre 1893, 1894 und 1895— 4526, 3510, 2325 Streikende zählte. In Paris brach während des Monats August kein einziger Streik aus. Depefäzen und letzte Machvrchken. Frankfurt a. M., 6. Oktober.(H. B.) Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Paris telegraphirt: Als das Zarenpaar um 2 Uhr sich»ach der russischen Kirche begab, wiederholten sich die enthusiastischen Szenen von Morgens. In den Straßen um die Kirche durchbrach die Menge das Polizeispalier, wobei einige Schutzleute verwundet wurdm. Frankfurt a. M., 6. Oktober.(B. H.) Au? Stuttgart meldet die„Franks. Ztg.": Das Schwurgericht in Tübingen ver- urtheilte den Bahnwärter Peachim aus Oberthalheim, der seiner Mutter den Hals abgeschnitten hatte, wegen Mordes zum Tode. Thor«, 6. Oktober.(W. T. B.) Das hiesige Schwurgericht verhandelte gestern und heule zum dritten Male in der Dlugi- moster Mordangelegenheit gegen den Stellmacher Kopistecki. Die Schuldfrage wurde verneint uud Kopistecki frei- gesprochen. Derselbe war im Jahre 1893 zu lebenslänglichem Zuchthause verurtheilt worden, da er gemeinsam mit dem 1894 Hingerichteten Käthner Malinowski der 1892 erfolgten Er- mordung des Baron Goltz und des Hilfsjägers Kath schuldig de» funden worden war. Nachdem Malinowski vor der Hinrichtung Kopistecki als unschuldig bezeichnet hatle, war 1896 im Wieder- ausnahmeverfahren gegen letzteren verhandelt worden; die Ge- schworenen hatten nun abermals das Schuldig ausgesprochen, der Gerichtshof aber einen Rechisirrthum zu Ungunsten des An- geklagten angenommen und die Angelegenheit an das jetzige Schwurgericht verwiesen. Wien, 6. Oktober.(B. H.) Infolge Explosion eines Petroleumgefäßes ist auf dem Bahnhofe zu Smichow die Maschine eines Rangirzngcs in Brand gerathen. Der Maschinist und der Heizer stürzten von der Maschine herab; der Zug fuhr führerlos davon. Ein unabsetzbares Unglück wurde durch die Geistesgegenwart des Maschinisten verhütet, indem derselbe unter eigener Lebensgefahr wieder auf die Maschine sprang, das Ventil schloß und so den Zug zum Stehen brachte. Trieft, 0. Oktober.(B. H.) Sämmtliche Triester Blätter sind wegen ihrer Haltung in der makedonifchen Frage in der Türkei verboten worden. London, 6. Oktober.(B. H.) Die Gerüchte von dem Attentat auf den Eisenbahnzug des Zaren sind völlig unbegründet. Die ganze Meldung ist lediglich daraus zurückzuführen, daß durch einen ungeheuren Sturm eine Distanzstange umgeworfen wurde. welche auf die Schienen fiel. verantwortlicher Redakteur: Angnst Jarobcy in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiua in Berlin. Hierzu S 1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Hr. 235. Unterm neueffen Kurs. September. 1. Gera. Der Maurer Jahn aus Ruba wegen Beleidigung und Verstoßes gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung 10 Tage Gefängniß. 8. Berlin. In der Revisionsinftanz die Genoffen Trautsch. Scheller und Schulze wegen unerlaubten Kollektirens je 5 M. Geldstrafe. Erfurt. Genoffe Coors wegen Berübung groben Unfugs " 50 M. Geldstrafe. 4. Nürnberg. Wegen Beleidigung eines Tischlermeisters Genosse Gärtner 3 Monate Gefängniß. Mainz. Ein Genosse aus Weisenau wegen Verübung " groben Unfugs 12 M. Geldstrafe. 5. Gotha. Gleichfalls wegen Verübung groben Unfugs zwei Genossen 30 bezw. 20 M. Geldstrafe. bandes. Mittwoch, den 7. Oktober 1896. 13. Jahrg. ftändig zu werden und sich in einem Orte des Kreises ansässig"„ Schwestern" sollen bei all ihrer Frömmigkeit die Eigenschaften, au machen, bewahre! Das Bestreben der Kreissparkasse geht die man gemeinhin unter christlicher Demuth versteht, zum theil vielmehr dahin, das Gesinde zu veraulassen, dauernd im Dienste in wenig angenehmer Weise bethätigen. Allgemein fällt es fast bei den Dienstherrschaften zu bleiben, die letzteren somit vor all- jedem, der dies Krankenhaus aufsuchen muß, auf, daß der Kranke zuhäufigem Wechsel des Gesindes zu bewahren. Daß es erst vielfach bei seinem Namen, ohne das ihm doch sonst im bürgerfünftlicher Mittel bedarf, um das Gesinde zu veranlaffen, im lichen Leben überall gewidmete Prädikat Herr" angeredet wird. Dienste auszuhalten, spricht gerade nicht für die Vortrefflichkeit Bezeichnend ist, wie uns ein früherer Patient meldet, die Erklärung, der Dienstboten- Verhältnisse im Teltower Kreise. Und ob nun die ein Arzt an dem genannten Krankenhause für diesen von den gar das von der Kreissparkasse in Anwendung gebrachte Mittel Schwestern" geübten Brauch zu geben suchte. Als der Krante zum Zwecke besonders Erfolg versprechend ist, kann ohne dem Mediziner eines Tages sagte, daß man sich doch betreten weiteres start bezweifelt werden. Das Mittel besteht nämlich fühlen müsse, wenn man von einer Dame einfach Müller" und darin, daß daß Sparprämien ausgesetzt sind. Drei Prozent nicht Herr Müller" angeredet werde, entgegnete der Arzt:„ Ja, des jährlichen Reingewinnes der Sparkasse werden für sehen Sie, die Schwestern sind doch auch alle bessere Mädchen." besagte Prämien verwendet und den Sparern je nach Auf den Einwand des Kranken, daß man doch gerade von der Höhe der Spareinlagen zu diesen zugeschrieben. Die besseren Mädchen" etwas mehr Schliff erwarten tönnte, hatte Sparer müssen natürlich Angehörige des Gesindestandes sein. der Arzt keine Antwort. " Ob solche aber überhaupt in der Lage find, von ihrem Gesinde- Die Subkommiffion, welche über die Erhaltung einiger 7. Leipzig. Wegen Gotteslästerung der Steinmetz Dehner lohne etwas zu sparen, das ist eine Voraussetzung, welche erst Banten im Treptower Ausstellungspark berathen foll, hielt Mon aus Pirna 3 Monate Gefängniß. noch der Bestätigung bedarf. Sollten aber wirklich derartige tag Nachmittag unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Belle eine 8. Halle. Genoffe Mannigel wegen Berübung groben Fälle vorkommen, so dürften sich die Spareinlagen doch nur in längere Sigung ab. Nach eingehender Durchberathung der zahl Unfugs 6 Wochen Haft. sehr bescheidenen Grenzen halten und infolge deffen auch die reich eingegangenen Anträge wurde beschloffen: unter gewissen " Leipzig. Einen Monat Gefängniß Genosse Gasch Sparprämien sehr dürftig ausfallen. Und die verlockende Aus- Bedingungen dem Magistrat die Erhaltung des Hauptrestaurants wegen Beleidigung des Vorsitzenden des Buchdrucker- Ber- ficht auf eine solche kleine Sparprämie soll die Sparer ver- mit dem Wasserthurm und dem Neuen See zu empfehlen, alle anlaffen, jahrelang bei einer Dienstherrschaft auszuhalten! Denn übrigen Anträge dagegen abzulehnen. Nur bis zum Juni 11. Berlin. In der Berufungsinstanz die Genossen Werner nur solche Gesindesparer haben überhaupt Anspruch auf Spar- nächsten Jahres werden diejenigen Gebäude auf dem Terrain und Rising je 50 M. und die Genossen Ewald, prämien, welche fünf Jahre ununterbrochen bei der gegenwärtigen lints der Chauffee und zwar vom Chemie Gebäude bis zum Gruschte, knüpfer, Jakob, Silberschmidt Dienstherrschaft im Dienst stehen! Zum Nachweise dessen bedarf Alpenpanorama erhalten bleiben, welche dem Verein für und Kleinert je 30 M. Geldstrafe wegen Abhaltens es zum Ueberflusse noch einer amtlichen Bescheinigung! Der Gartenbau zu Zwecken der in den Tagen vom 28. April bis einer nicht angemeldeten Versammlung. Kreisausschuß fordert jetzt die berechtigten Bewerber zur Geltend- 9. Mai t. J. im Treptower Park geplanten Gartenbau- Ausmachung ihrer Ansprüche auf. Ob sich wohl viele melden werden? stellung zur Verfügung gestellt worden sind. Welche Baulichkeiten und mit solchen Mitteln glaubt man, das Gesinde seßhaft" der Gartenbau- Verein hier benutzen wird, steht noch nicht feft; machen zu können! jedenfalls würden von größeren Gebäuden der Pavillon der 12. Breslau. Wegen Vergehens gegen§ 153 der GewerbeOrdnung Genoffe Gehrhardt 2 Wochen und Genoffe Bömelburg Hamburg 4 Wochen Gefängniß. Adorf. Genosse Haselbauer 50 M. Geld- und der Arbeiter Ha a se 6 Wochen Gefängnißstrafe wegen Be" " leidigung des Bürgermeisters. sächsischen Ministeriums. = 14. Stettin. 70 M. Geloftrafe Genosse Henning wegen Hamburg. Wegen Beleidigung des Grafen Waldersee Genosse Stenzel 300 M. Geldstrafe. 15. Halle. Genosse Man nigel 3 Monate Gefängniß. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Wittrisch aus Dresden 3 Monate Gefängniß wegen Beleidigung des 16. Deffau. Wegen Beleidigung des Gewerbe Inspektors und der anhaltinischen Regierung Genoffe Gehre 14 Tage und der anhaltinischen Regierung Genosse Gehre 14 Tage Gefängniß. 17. Breslau. 20 Mark Geldstrafe Genosse Gehrhardt wegen Beleidigung eines Offiziers. Der Antrag lautete auf 600 Mart. 19. Erfurt. Genoffe Coors wegen Berübung groben Unfugs 50 Mart Geldstrafe. Breslau. In der Berufungsinstanz wegen des gleichen Bergehens wie vorstehend, Genosse Gehrhardt 50 m. Geldstrafe. Halle. Wegen Beleidigung der Staatsanwaltschaft, Genoffe Mannigel 20 M. Geldstrafe. 21. Halle. In der Berufungsinstanz Genoffe Lehmann und Zischlermeister Gröber je einen Monat Gefängniß wegen Beleidigung eines Rechtsanwalts. Breslau. In gleicher Instanz Genosse Rühnel wegen unerlaubten Rollettirens 20 M. Geldstrafe. . " 22. Leipzig. Der Schmied Rusche aus Striegau und der Reisende Bämmann aus Seifersdorf je 15 M. Geldstrafe wegen Verübung groben Unfugs. 23. Leipzig. In der Revisionsinstanz die Genossen Voigt Nottrodt aus Arnstadt wegen Vergebens gegen§ 112 des Str.-G.-B. vier bezw. sechs Monate Gefängniß. 24. Halle. Wegen Verübung groben Unfugs Genoffe Mannigel fechs Wochen Haft. Caffel. Genoffe Taube wegen Beleidigung des Direktors der Großalmero der Thonwerte 40. M. Geldstrafe. Ludwigshafen. 50 M. Geldstrafe Genosse 3ielowsti wegen Beleidigung eines Fabrikanten. " " 29 " Rudolstadt. In der Berufungsinstanz Genoffe Blumen stein aus Pößneck wegen Verübung groben Unfugs 10 M. Geldstrafe. Zieleuzig. Wegen Beleidigung eines Schuhmachermeisters Genoffe Schöpflin in Frankfurt a. D. 10 M. Geldstrafe. Saalfeld. Genoffe Türte wegen Beleidigung eines Fabrikanten 10 M., und Genosse Wagemann wegen Beleidigung eines Bürgermeisters 40 M. Geldstrafe. Letterer noch wegen Majestätsbeleidigung zwei Monate Gefängniß. 25. Berlin. Wegen Richterbeleidigung Genoffe Piechoti sechs Wochen Gefängniß. Leipzig. In der Revisionsinftans wegen des gleichen Bergehens wie vorstehend Genosse Künzel in Falkenstein 1 Monat Gefängniß. 26. Leipzig. In gleicher Jnstanz die Genossen Thiel und Raufmann je 500 m., und Genoffe Weniger, sämmtlich aus Harburg, 100 M. Geldstrafe wegen Berrufs erklärung und Beleidigung eines Wirths. 28. Hamburg. Wegen Uebertretung des Hamburger Breßgefeges ein Metallschleifer und ein Gelbgießer je 1 Zag Gefängniß. " - Dor fingen die Berliner Brauereidirektoren im einstimmigen Chorus. stehen bleiben. Ferner hat die Subkommission auch dem Antrage Das Jahr war gut, braun Bier war gerathen," Stadt Berlin, das Chemiegebäude und das Alpen- Panorama Wenn man die Veröffentlichungen der Brauereien nachliest, so des hiesigen Vereins für Feuerbestattung stattgegeben, welcher muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß das Geschäfts- fein Ausstellungsgebäude als Urnenhalle erhalten zu haben jahr 1895/96 ein recht durftiges Jahr war und daß das Brauer- wünschte. Mit Rücksicht darauf, daß die Urnenhalle des Vereins handwerk doch noch wenigstens für die Aktienbefizer feinen auf dem Gemeindefriedhofe zu Friedrichsfelde nahezu besetzt ist, goldenen Boden hat. Der König der Bierkönige ist natürlich hat die Kommission gestattet, daß das Kolumbarium wieder Rösicke Schultheiß, welcher mit ca. 50 000 Hektoliter behaltlich des jederzeitigen Widerrufs erhalten bleiben darf. Mehrabsah aufwarten kann. Das klingt freilich anders, als im Boykottjahre 1894/95, woselbst 3901 hektoliter Minderabsatz zu„ Staatsbürger- Zeitung", indem sie das Verhalten des Magistrats Ueber die städtische Sozialpolitik" moquirt sich die verzeichnen waren. 15 pet. Tantieme sind sicher! Herr Rösicke der gegenüber den Bediensteten der Markthallen einer Kritik feinen Posten als Generaldirektor der Schultheiß- Brauerei aufgegeben unterzieht. Diese Angestellten haben dem antisemitischen Blatt bat, bleibt immerhin dem Bierreiche erhalten, denn er behält den zufolge dieser Tage ein Schriftstück unterzeichnen müssen, in dem Direktorposten der Waldschlößchen- Brauerei in Dessau, deren der Arbeiter sich u. a. zu verpflichten hatte, alle diejenigen Auch das Böhmische Brauhaus hat Geschäfte zu übernehmen, welche ihm zur Aushilfe oder aus anderen Hauptaktionär er ist! günftig gearbeitet"; es verkaufte im ersten Semester( bis Gründen von dem Markthallen Inspektor oder dessen Vertreter dürfen sich auf 12 pet. Dividende gefaßt machen. Die halte er feine andere Entschädigung irgend einer Art; auch be 30. Juni) 17 500 hektoliter mehr. Die Herren Aktionäre übertragen würden. Außer einer festgesetzten Remuneration er Schloßbrauerei Schöneberg hat sich ebenfalls tüchtig raus- size oder erwerbe er kein Anrecht auf lebensläng= Anstellung oder Pension. Der Markts gerappelt und in 10 Monaten einen Mehrabsah von 23 708 Hetto- liche litern erzielt. Die Brauerei Königsstadt hatte über 12 000 Hekto hallen- Direktion bleibe e3 vorbehalten, ihn jeder. liter Mehrabsah, die Brauerei Moabit 5-6000 Hektoliter und so eit nach Ablauf einer monatlichen Kündigungsfrist ohne geht es fort; ulle Brauereien haben gute Geschäfte gemacht. Von Angabe Don Gründen zu entlassen. Auch dem Goldregen werden aber die Brauereiarbeiter kaum etwas habe er, wenn er aus dem Dienste austreten wolle, einen Monat zu sehen bekommen. Deren Löhne werden eher gekürzt als erhöht, vorher zu kündigen. Die Kündigung könne in beiden Fällen zu damit die Dividenden noch mehr steigen. Hopfen und Malz jeder Zeit, also auch mitten in einem Monat, erfolgen. Indeß wer bezahlt's? foll der Arbeiter im Falle der Trunkenheit im Dienst, der Untreue, Bei den jüngsten Gewerbegerichts- Wahlen find bekannter des Ungehorsams, des ungehörigen Benehmens gegen seine Bor maßen auch die Herren Konfektionsschneidermeister unter Führung gefeßten, der groben Vernachlässigung seiner Dienstpflichten, des des sattsam bekannten antisemitischen Schneidermeister Boltunentschuldigten Ausbleibens aus dem Dienst und der Bestechlichmann( welcher übrigens die Schneiderei an den Nagel gehängt feit sofort und ohne Kündigung entlassen werden können. Die hat und Kneipwirth geworden ist) und des nicht minder anti- Bahlung der Remuneration erfolge stets nur bis zum Tage der femitischen Redakteur Ullrich gewaltig ins Beug" gegangen. Entlassung, mag sie nun sofort oder im Wege der Kündigung Sie wiegten sich in dem rosigen Traume, drei bis vier Schneider- stattfinden. " meister durchzubringen". Der Siegesrausch hat angesichts der Derartige Arbeitskontrakte, in denen der Angestellte sich aller Thatsache, daß es mit Mühe und Noth geglückt ist, einen der und jeder Rechte zu gunsten feines kommunalen Ausbeuters beihrigen durchzubringen, einem kläglichen Katzenjammer Platz ge- giebt, find bekanntlich überall an der Tagesordnung, und wenn macht. Sie zehren von dem mageren Troste, daß es wenigstens der Berliner Magistrat sich nicht schämt, den Markthallen einer" geworden ist und suchen fich über ihr blamables Fiasto Bediensteten zum willenlosen Arbeitssflaven zu machen, so handelt nach besten Kräften dadurch hinwegzuhelfen, daß fie die Schuld an er nur nach den Grundsäßen, die man allgemein im Reiche der ihrem Reinfall anderen in die Schuhe zu schieben sich bemühen. Sozialreform den Arbeitern gegenüber in Anwendung zu bringen Ganz besonders scheint ihnen die Wahl im 35. Bezirk im Magen zu versucht. Das antisemitische Blatt, das den Arbeitskontrakt festliegen, wo, wie sie behaupten, der Fabrikant Weigert gegen den nagelt, würde von der Geschichte auch gar kein Aufhebens Antisemiten Reichhelm mit Hilfe der Sozialdemokraten" machen, wenn es sich hier nicht zufällig um den freiwieder durchgekommen ist. Ja, sie geben sogar zu verstehen, daß finnigen Berliner Magistrat handelte. Aus diesem und ähndie Sozialdemokraten mit Herrn Weigert unter einer Decke stecken, lichem Verhalten ihrer kommunalen Arbeitgeber erwächst den indem sie diesem nachsagen, daß er durch seine Scheinheßereien städtischen Angestellten und Arbeitern aber immer dringlicher gegen die Sozialdemokratie" schuld daran sei, daß die Gewerbe- die Pflicht, sich in straffer gewerkschaftlicher Organisation gegen gerichts- Wahl diesmal in ein politisches Fahrwaffer gelenkt die Uebergriffe ihrer Ausbeuter zu vertheidigen! worden sei! Die armen Schneidermeister! Sie hatten so gute Vom kirchlichen Beerdigungswesen. Uns wird berichtet: Absichten! Ihre Aufgabe sei es, wie sie selber bekunden, ge- Der Aufklärung bedarf die Frage, warum in der Dantes. wesen, nur demjenigen ihre Stimme zu geben, der es ehrlich mit Gemeinde am Wedding den Gemeindemitgliedern vordem Handwerk meint, gleichviel, welcher Parteirichtung der be- kommendenfalls 30 Pf. für Leichenbestellscheine abgefordert werden, treffende Randidat angehörte, ob Jude, wie Herr Weigert", trotzdem die Kirchenbehörde diese Scheine jezt durch die Reichs oder Chrift! Sie wollten den Augiasstall des Gewerbegerichts, post zu dem üblichen Portotarif von 10 Pf. spediren läßt. Früher in welchem Fabrikanten, Kaufleute 2c. fich breit machen" und holten Kirchhofsarbeiter fich die Scheine ab und theilten die für die ehrlichen Handwerfer immer mehr verdrängen, säubern und das Abholen empfangenen 30 Pf. jedesmal unter einander. an deren Stelle deutsche Handwerksmeister seßen, für welche ihrer Vielleicht sind die Arbeiter, die so schon baare sechs Thaler in Meinung nach die Gewerbegerichte doch eigentlich da feien. den sieben Arbeitstagen der Woche verdienen, durch das kleine Aber es wäre zu schön gewesen, es hat nicht sollen fein! Extra- Einkommen übermüthig geworden, so daß es angebracht Jezt tönnen sie bei Herrn Voltmann ihren Aerger verfneipen. war, ihnen den Brotkorb höher zu hängen. Bielleicht söhnt das die antisemitischen Helden mit ihrem traurigen Eine andere Angelegenheit verdient ebenfalls aufgeklärt zu Schicksal aus. werden. Bei jeder Leiche, die von Almosenempfängern ausgenommen, 30. Halle. Zwei Monate Gefängniß Genoffe Weißmann werden für Benutzung der Leichenhalle 3 M. erhoben. Die Halle Die Kindersterblichkeit war in diesem Jahre in den ist seinerzeit für 28 000 M. vom Magistrat erbaut und der Gewegen Beleidigung des Bergwertbesizers Leuschner. Insgesammt wurden erkannt auf 2297 M. Gelb- und drei Sommermonaten Juni, Juli, Auguft erheblich gemeinde mit der Bestimmung übergeben worden, daß nur für Jahre, einen Monat, drei Wochen und fünf Tage Gefängnißringer als in demselben Zeitraum der letzten Borjahre; im Abnutzung Kleine Gebühren zu erheben seien. Es ist wohl nicht Jahre, einen Monat, drei Wochen und fünf Tage Gefängniß- wesentlichen infolge der geringen Sterblichkeit an akuten Darm- gut anzunehmen, daß eine jede Leiche die Halle um 3 M. abfrankheiten, denen vorwiegend Kinder unter einem Jahr erliegen. nuzt. Wäre es nicht christlich, wenn man die Gebühren mehr Hamburg- Eimsbüttel, den 6. Ottober 1896. In Berlin starben( nach den Wochenberichten des Berliner mit den Verhältnissen der armen Wittwen und Waisen in EinStatistischen Amts") in den 13 Sommerwochen vom 31. Mai bis 29. Auguft 1896: 213, 252, 309, 224, 210, 241, 287, 381, lang zu bringen suchte. Die Hinterbliebenen der Proletarier 443, 410, 393, 316, 246, aufammen 3875 Kinder unter einem haben das Geld doch wahrlich nöthiger, als die KirchenJahr, während im Juni, Juli, August 1895: 4908, 1894: 4293, gemeinde. 4758, 1892: 4153, 1891: 3968 starben. Die Der Bevölkerungsaustausch zwischen Berlin und den Für die Winter Ausgabe des Arbeiter Verkehrs: 1893: war bei 3248 der im Sommer Vororten ist ziemlich bedeutend. Seit April 1896 werden unter Almanachs werden wiederum die Vorstände aller Gewerkschaften, Ernährungsweise gestorbenen Kinder angegeben. Davon wurden den Berliner Zu- und Fortzügen diejenigen von und nach den politischen und sonstigen Vereine, sowie die Rassen von Berlin 1896 und Umgegend aufgefordert, Angaben über Namen, 3wed und ernährt: mit Muttermilch 269, Ammenmilch 7, also mit Vororten vom Berliner Statist. Amt" besonders gezählt. Nach Mitgliederzahl des Vereins, sowie die genauen Adreffen der Vor- Bruſtmilch im ganzen 276; dagegen mit Thiermilch 2576, den jetzt bis Ende Juni veröffentlichten definitiven Feststellungen fizenden, Kassirer, Arbeitsnachweise und Versammlungslokale 2c. Milch surrogat 88, gemischter Nahrung 298, sonstiger Nahrung 15, beliefen sich im April, Mai, Juni 1896 die gemeldeten Zuzüge ( vergl. Inserat vom 27. v. Mts.) umgehend an den Heraus- also mit Thiermilch zc. im ganzen 2972. Unter den gestorbenen nach Berlin auf 59 657 Personen, darunter 10 159(= 17 pet.) geber Hans Baate, Berlin S., City Passage, einzusenden. Kindern kamen auf je 10 Brustfinder rund 108 mit Thiermilch zc. aus Vororten, die gemeldeten Fortzüge auf 43 563 Personen, Bei der großen Verbreitung des Buches und der Wichtigkeit ernährte. Oder, anders ausgedrückt: mit Thiermilch 2c. ernährte darunter 11 948(= 271/ 2 pet.) nach Bororten. Schon diese aus solcher umfassenden Zusammenstellung aller Berliner Organi- Kinder starben im Sommer 1896 fast elf mal soviel als Brust erst 3 Monaten gewonnenen Zahlen lassen erkennen, daß Berlin fationen ist eine recht genaue und schnelle Mittheilung der be- tinder, obwohl( nach Ermittelungen bei den Volkszählungen) die mehr an die Vororte abgiebt, als es von ihnen empfängt. Zahl der Brustkinder in Berlin noch etwas größer als die der treffenden Notizen sehr wünschenswerth. Packetbestellung. Die Ober- Poftdirektion Berlin macht im mit Thiermilch 2c. ernährten ist. In Charlottenburg, Reichs- Anzeiger" folgendes bekannt: Zur bequemen Einlieferung Die Buchhandlung Hans Baake ersucht uns, mitzutheilen, Schöneberg, Rigdorf war die Kindersterblichkeit in von Packeten ist in Berlin, abgesehen von den zahlreichen Stadtdaß der Gründer der Zeitschrift Neuland" nicht Theilhaber ihres diesem Sommer ebenfalls verhältnismäßig gering; sie blieb Bostanstalten, auch durch die Packet- Bestell- Einrichtungen und Geschäftes war, sondern lediglich an der Herausgabe des speziell hinter der des vorigen Sommers sogar in der absoluten Backetwagen der Post Gelegenheit geboten. Sämmtliche im " Sozialistischen Akademikers" geschäftlich intereffirt war. Bahl zurück. Dienst befindliche Packetbesteller sind zur Entgegennahme gewöhn Ueber die Behandlung der Kranken im Krankenhause licher Packete behufs Weiterbesorgung zur Post verpflichtet. Sie Zur Sekhaftmachung des Gefindes ihr Scherflein beizutragen hat sich die Teltower Kreisspartaffe zur Aufgabe ge- am Urban find uns wiederholt Mittheilungen gemacht worden, nehmen die Packete entweder innerhalb der Häuser selbst, welche macht. Unter dieser Seßhaftmachung" ist nicht etwa zu ver- welche zeigen, daß in diesem Institut der Umgang mit Menschen sie zum Zweck der Bestellung oder Abholung betreten, oder an stehen, daß die Sparkasse dem Gesinde behilflich sein will, selb- entschieden mehr auf der Höhe stehen könnte. Namentlich die dem Poftwagen entgegen. Auf schriftliche Bestellung strafe. Der geschäftsführende Ausschuß. Lokales. . 07 mittels BestellschreibenZ oder Bestellkarte an das kaiserliche Packet-Post. amt in Berlin N.(Oranienbnrgerstr. 70)— findet die Abholung von Packeten auch aus den i» den Verlangschreiben bezeichneten Wohnungen statt. Die Bestellschreiben und Bestellkarten werden unentgeltlich befördert; für die von den Packetbestellern auf ihren Bestellfahrteu eingesainmelteu Packete kommt außer dem Porto allgemein eine Gebühr von 10 Pf. zur Erhebung. Ncbcr die königliche Bibliothek schreibt man der„Vosst- schen Zeitung": Der vorzeitige Schluß des großen Lesesaales der königlichen Bibliothek ist ein vorübergehendes Uebel. ein dauernder aber ist der Mangel an Bibliotheksdienern geworden. Die Besucher des Lesesaales leiden darunter schwer. Durch diesen Mangel wird eine der dankenswerthesten und praktischsten Be- ftimmungen der Bibliotheksordnuug zu nichte gemacht, die über die schleunige Besorgung von Büchern für den Lesesaal. Auch das Einstellen der Bücher in die Fächer nach der Rückgabe wird dadurch sehr verzögert. Roth thut die Vermehrung des Personals, damit die jetzigen Diener etwas entlastet werden und die Bücher- bestellung wieder in Ordnung kommt. Mit 9000 bis 10 000 M. jährlich wäre Wandel zu schaffe». Jeder Sachkenner wird zu- geben, daß die aufzuwendende Summe gering ist im Verhältniß zu dem Nutzen, den sie stiftet. Herr Rösicke will doch General-Direktor der Schultheiß Brauerei bleiben. In der am Sonnabend abgehaltenen Auffichts- rathssitzung war der Vorsitzende„in der angenehmen Lage", der Versammlung die Mittheiluug zu machen, daß es gelungen ist, Herrn Kornmerzienrath Richard Rösicke der Gesellschaft als Generaldirektor zu erhalten. Zugleich wurde in Aussicht genommen, eine Vereinigung der Brauerei zum Waldschlößchen Aktiengesellschaft in Dessau, welche gleichfalls unter der Ober- leituug des Herrn Koinmerzienraths Rösicke steht, mit der Schultheiß' Bräuerei Aktiengesellschaft herbeizusühren und werden demnächst die Generalversammlungen dieser beiden�Gesellschafien zur Beschlußfassung hierüber einberufen werden.' Vor einiger Zeit wollte Herr Rösicke bekanntlich partout sein Reichstags- mandat niederlegen, doch gelang es auch damals, ihn seinen schier verzagten Wählern zu erhalten. Elendsstatistik. Im Berliner Asylverein für Obdachlose nächtigten während des Monats September 9199 Männer und 910 Frauen. Arbeitsnachweis erbittet der Verein für Männer Büschingstr. 4, für Frauen Füsilierstr. S. Im Mestpalast in der Alexandrinenstraße will man vorn I. bis 31. Dezember eine Weihnachtsausstellung, die mit einem Weihnachtsmarkt verbunden sein soll, abhalten. So scheint der unzeitgemäß gewordene Berliner Weihnachtsmarkt, dessen letzte klägliche Reste noch alljährlich auf dem Belleallianceplatz ein kümmerliches Dasein fristen, in großkapitalistischer Verwandlung wieder auserstehen zu sollen. Bo»„Kicstliug's Berliner Verkehr", dem bekannten rothcn Westentaschen- Kursbuch sämmtlicher Berliner Verkehrs- mittel, ist soeben die erweiterte Winter- Ausgabe(30 Pf.) er- schienen. Gleichzeitig mit diesem Büchlein ist Kießliug's Taschen plan von Berlin(20 Pf.) in neuer, übersichtlicher Ausführung herausgegeben worden. Die 42 Tahomeh-Tainen, welche sich am 18. d. M. in Hamburg nach ihrer Heimath einschiffen sollte», werden, wie die Direktion des Passage-Panoptiknms mittheilt, ihren Aufenthalt um 10 Tage verlängern und erst am 20. Oktober Berlin verlassen. Die Massendiebstähle von künstlichen Zähnen haben die hiesige Kriminalpolizei zu weiteren Recherchen im Reiche veran- laßt. Wie telegraphisch aus Hamburg berichtet wird, swd gestern bei dem Deutaldepot Bernhard Stern 332 künstliche Zähne be- schlagnahnit worden, die von einem derartigen Diebstahl her- rühren müssen. Die gestohlenen Zähne trugen sämmtlich den Stempel des hiesigen Dentaldepots von Esch u. Sohn, bei welcher Firma bekanntlich in den letzten Monaten enorme Posten Zähne entwendet wurden. Wenn man von„Fortschritten" an der Weidendammer Briitke schreibt, soll man vorsichtig sein. Am Freitag Abend fehlten zur Verbindung des Steinpflasters mit den, Brückenbelag nur noch einige Steinreihen, und auch die Ausbesserung des Holzpflasters>var schon um 4Ve Uhr bis auf einige Dutzend Holzklötze fertig. Jedermann glaubte, daß noch am selben Abend oder spätestens am Sonnabend Morgen der Fahrverkehr un- mittelbar durch die Friedrichstraße über die Brücke geleitet werden würde. Aber weit gefehlt. Man ist nicht nur nicht am Freitag, sondern auch am Sonnabend noch nicht fertig geworden, vielmehr erst Montag Abend. Seitdem fahren nun endlich die Wagen den geraden Weg. Durch den Zusammcnstost zweier Straßenbahnwagen ereignete sich vorgestern Mittag aus der Treptower Chaussee vor dein Verwaltungsgebäude der Ausstellung ein schwerer Unglücks- fall. An der Endstation der elektrischen Straßenbahn wollte der Führer eines Motorwagens nach der Umschaltungsweiche fahren. Infolge eines Versehens gab er vollen Strom, so daß der Wagen mit großer Geschwindigkeit durch die Weiche nach dem anderen Geleise fuhr, auf welchem ein Anhängewagen stand. In diesem Augenblick wollte der Arbeiter Müller an letzterem Wagen vorbei- gehen. Er gerieth zwischen die Puffer der beiden Wagen, wobei ihm der rechte Fuß zermalmt wurde und er außerdem eine Ver- letzung des Schlüsselbeins erlitt. Durch den Zusammenstoß wurde die vordere Plattform des Anhängewagens zertrümmert, die des Motorwagens stark beschädigt. Jäh vom Tode ereilt wurde gestern in der Sprechstunde der Poliklinik des Augusta-Hospitals die 40 Jahre alte Frau Mathilde des Steueraussehers Franke aus der Fennstraße. Die Frau war mit einem kleineu Kmde zur Behandlung in die Poli- klinik gekommen, brach plötzlich zusammen und starb, nachdem man sie kaum auf ein Krankenzimmer getragen hatte. Wahr- scheinlich hat ein Herzschlag sie getödtet. Die Frau dcS Posamentierwaaren- Händlers König, welche an, 23. Septbr. bei einer Benzinexplosion schwere Brandwunden erlitten, ist gestern an den Verletzimgen gestorben. Mit zertrümmertem Schädel wurde gestern Morgen gegen 0 Uhr in der Prenzlauerstraße, Ecke der Linienstraße, der obdach- und beschäftigungslose Arbeiter Naumann aufgefunden und mittels Lück'schen Krankenwagens nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht. N. hat sich die Verletzungen durch einen Fall in der Trunkenheit zugezogen. Einen unglücklichen Ausgang hat ein Unfall genommen. der einem jetzt hier weilenden Geschäftsreisenden vor kurzem in Breslau zugestoßen war. Der Reisende Friedrich Hölzl, dessen Familie in Frankfurt a. M. wohnt, hatte sich am 22. v. M. bei einer Dampferfahrt mit dem Kopfe an der niedrigen Lesstng- Brücke gestoßen. Die Verletzung schien unbedeutend zu sein und hinderte Hölzl nicht, seinen Geschäften nachzugehen. Bon Breslau kam er nach Berlin. Hier verursachte ihm gestern Nachmittag die schon fast vergessene Wunde plötzlich solche Schmerzen, daß er ein Krankenhaus aufsuchte. Kaum war er dort aufgenommen, als sich Wundstarrkrampf einstellte, der nach kurzer Zeit dem Leben des 39jährigen Mannes ein Ziel setzte. Wegen gewerbsmäßiger Kuppelei ist gestern eine in Moabit, Stephanstraße, wohnende Wittwe Sch., die unter der Maske einer Gesindevermietherin vor den Miethskornptoiren in der Friedrichstadt flanirte und dort außer Stellung befindliche Dienstmädchen an sich zog, um sie der Prostitution zuzuführen, in Untersuchungshaft genommen worden. Die„Geschäftsbücher" der Sch. wurden beschlagnahmt und die luxuriös eingerichtete Wohnung gerichtlich unter Siegel gelegt. Ans dem Polizcibericht vom 6. Oktober. An der Ecke der Köpnjckerstraße und des Mariannen-Ufers warf vormittags durch die Schuld des zu schnell fahrenden Kutschers ein schwer beladen er Kohlenwagen der,.Firma H. Nikolai um, so daß die außer dem Kutscher auf dem Wagen sitzenden drei Arbeiter auf den Damm geschleudert und zwei von ihnen am Kopfe und an der Hand verletzt wurden. Der Kutscher und der dritte Arbeiter blieben unversehrt.— In der Mittagsstunde lief der angetrunkene Tapezirer Wilhelm Sobeck an der Ecke der König- und Neuen Friedrich- straße gegen eine vorüberfahrende Droschke, erfaßte, um sich zu halle», den einen Scheerbaum und wurde von dem infolge dessen durchgehenden Pferde eine Strecke weit mitgeschleift. Er ließ darauf los und gerieth unter die Räder der Droschke, ohne jedoch irgend welchen Schaden zu nehmen.— Auf dem Dombauplatze erlitt nachmittags der 44 jährige Maurer August Leps dadurch einen Bruch des rechten Ober- armes, daß beim Aufwinde» eines schweren Sandsteinblocks die von Leps benutzte Brechstange abglitt und ihm gegen den Arm schlug.— In dem Betriebe der elektrischen Straßenbahn der Linie Dönhoffplah— Reichenbergerstraße entstand Nachmittags da> durch eine längere Störung, daß in der Ritterstraße ein Straßen- bahnwagen durch die Schuld des Führers gegen einen die Alexandrinenstraße entlang kommenden Müllwagen fuhr. Hier- durch zerbrach das rechte Hinterrad des Müllwagens und der Wagen fiel auf das Geleise.— Abends wurde vor dem Hause Orauienburgerstr. 51 die 50 Jahre alte Wittwe Amanda Paul, geb. Berlin durch einen Geschäftswagen überfahren und erlitt anscheinend innere Verletzungen. Nach Angabe der Zeugen trifft den Führer des Wagens die Schuld an dem Unfälle. Aus de» Nachbarorten. Steglitz. Umstände halber findet die für Donnerstag ge- plante Volksversammlung erst am Freitag statt. Zahlreicher Besuch wird von den Einberufern erwartet. Eigenartige postalische Verhältnisse herrschen in dem Grenzpostbezirke Berliu-Rixdorf. Für diesen Bezirk ist das Berliner Postamt 59 zuständig. Dasselbe bestellt in einem großen Reviere, das örtlich zu Rixdorf gehört, und zwar vom Kottbuser Damm bis hinauf zur Kaiser Friedrich- und Hobrechtstraße. Viele Postsendungen, welche innerhalb dieses Bezirks bestellbar sind, enthalten in ihrer Adresse den Vermerk: Nixdorf, dort und dort, indem die Aufgeber der Postsendungen nicht wissen, daß das betreffende Rixdorfer Gebiet zum Postbezirk Berlin gehörig ist. In solchen Fällen wird von den zuständigen Postbeamten die Ortsbezeichnung„Rixdors" einfach durchstrichen und durch den Vermerk„59" ersetzt. So gehen die Postsendungen ohne iveiteres an das Postamt 59 und werden von dort aus bestellt. Anders ist es aber, wenn es in der Adresse heißt:„Rixdorf, Schinkestraße." Obgleich die Schinkestraße auch innerhalb des Grenzbestellbezirls Berlin und zwar unweit der Kottbuser Brücke liegt, gehen derartige Sendungen doch zumeist nicht an das Berliner Postaint 59, sondern an das Postamt Rixdorf. Da dieses aber in der Schinkestraße nicht bestellt, so wandern die fraglichen Postsendungen von dem Postamt Rixdorf erst nach dem Berliner Postaint 59 und werden nun von hier ausgetragen. Natürlicherweise wird durch dieses umständliche Verfahren eine sehr erhebliche Verspätuiig der Bestellung bedingt, die unter Um- ständen für die Interessenten die»nangenehmsten Folgen nach sich ziehen kann. Um solchen vorzubeugen, wäre es angebracht, daß einmal die zuständigen Postbeamten sich klar darüber würden, daß auch die Schinkestraße zum Berliner Poftbezirk gehört; zum anderen aber auch, daß das Publiktlm selber sich mit den ein- schlägigen postalischen Verhältnissen der Vororte mehr vertraut machte, was mit leichter Mühe durch einen Blick in den neuen Adreßkalender zu erreichen ist. Auf recht traurige Art ist der Kanonier Barsch vom Garde- Fnßartillerie- Regiment kurz vor seiner Entlassung aus dem Militärverhältniß ums Leben gekommen. Er war noch am Sonutag vor acht Tagen nach einem kleinen Ort an der Ober- spree bei Berlin zum Besuch von Verwandten beurlaubt worden und sollte abends wieder nach seinem Garnisonort Spandau zurückkehren. Um hierzu noch rechtzeitig den von Köpnick ab- fahrende» Zug zu erreichen, nahm er in Grünau ein Boot, mit dem er nach Köpnick übersetzen wollte. Unterwegs ist er nun in der Dunkelheit verunglückt und ertrunken; am Sonnabend wurde seine Leiche aus der Spree gezogen.. Durch einen schweren Sturz mit dem Pferde hat vor- gestern auf dem Tempelhofer Felde der Sekondelieutenant Kühl vom Eisenbahn-Regiment Nr. 3 einen doppelten Bruch des Unter schenkels und eine starke Gehirnerschütterung erlitten. Einen Messerstich ins Auge hat der 32 Jahre alte An- streicher Paul Kellner für ein versagtes Almosen erhalten. Kellner, der in Spandan am Stresowplatz 13 wohnt und bei einem Malermeister in Westend arbeitet, ging am Sonnabend Abend gegen 9 Uhr von dort nach Haufe. Bei Ruhleben begegneten ihm zwei Männer, die ohne weiteres 50 Pf. von ihm verlangten. Als er sich weigerte, dem Verlangen zu entsprechen, erhielt er von einem der Strolche sofort einen Messerstich in daS linke Auge. Dann liefen beide Männer davon und entkamen. Kellner wurde auf Veranlassung der Spandauer Polizei zunächst dort in ein Krankenhaus gebracht. Die Verletzung erwies sich aber nachträglich als so schwer, daß man es gestern für angezeigt hielt, den Gestochenen in eine Berliner Anstalt zu bringen. Die rohen Patrone sind bis jetzt noch nicht ermittelt worden. Kellner glaubt, daß er sie bei einer Gegenüberstellung bestimmt wieder- erkennen würde. Mmtft und UViWenptzafk. Das Schauspielhaus bereitet folgende Novitäten vor „Königsidyll" von Rudolf Lothar(mit MatkowSky und Vollmar und den Danien Poppe und Conrad). Ferner„Der lange Preuße"(Schauspiel von Rud. Stratz) und„Eine"(Schwank von Max Dreyer). AuS dem Aufstchtsrath des Theaters deS Westens ist dem„Volk" zufolge der Handelsrichter Julius Kaufmann aus- getreten. Das genannte Blatt meint, daß dieser Rücktritt mit der bekannten Broschüre des Herrn Blumenreich zusammen- hänge, in welcher Herr Kaufmann ganz besonders scharf an- gegriffen wird. „Müde Liebe", das dreiaktige Lustspiel von Friedrich Fuchs und Felix Dörmann, welches jetzt am Lessing-Theater vorbereitet wird, ist nun auch vom Raimuiid-Theater in Wien zur Aus- übrung angenommen worden, wo es mit Tewele in der Haupt- rolle noch vor Weihnachten in Szene gehen soll. „Die sittliche Forderung" ist der Titel eines einaktige» Sittenbildes von Otto Erich Hartleben, das im Neuen Theater zugleich mit der nächsten Novität, dem Schwank„Bocksprünge" von Kraatz und Hirschberger, in Szene gehen wird. In die Schillerpreis-Kommission soll der Kaiser an stelle des verstorbenen Treilschke den Direktor der Staatsarchive. Pro- essor Reinhold Koser, berufen habe». Der Kommission sind be- kanntlich vor drei Jahren manche Beileidsbezeugungen zu theil >eworde„, als ihr Vorschlag, Fnlda's„Talisman" zu prämiiren, ieine Bestätigung fand. S0tt vtttt Teufel. Graben- Hoffniann's weltbekannt ge- wordenes Lied„500 000 Teufel" kann in diesem Jahre das ünfzigjährige Jubiläum seiner Entstehung feiern. Auf An- regung des Lehrers Steffen in Kurnik(Posen) will man dem 77 jährigen Komponisten noch bei Lebzeiten eine Gedenktafel an 'einen, Geburtshaus« in Bnin stiften. Gerichts-�eikung. Der sensationelle FleischlieserunaS- Prozeß des Groß- schlächtermeisters Jhde gegen die Abraham'sche Bolksernährung in der Gewerbe-Ausstellung fand gestern vor der sechsten Handels- lammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsraths Krokisius sein vorläufiges Ende, und zwar war gestern Beweis- termin über die Identität des von Jhde gelieferten mit dem in der Volksernährung beschlagnahmten Fleisches. Jhde hatte zu drei verschiedenen Malen an die Volks- ernährung Fleisch geliefert und jeder Lieferung ein thierärztliches Attest über die Gesundheit des Fleisches beigefügt. Die letzte Lieferung, vom 19. Mai d. I.. soll nun nach der Behauptung Abraham's total verdorben und deshalb behördlich beschlagnahmt sein. Da Abraham über den Zeilpunkt der Beschlagnahme verschiedene von einander abweichende An- gaben gemacht hatte, so glaubte Jhde bestreiten zu müssen, daß das von ihm gelieferte Fleisch mit dem beschlagnahmten identisch sei. Durch die erfolgte Beweisaufnahme erachtete der Gerichtshof den Identitätsnachweis jedoch für erbracht und wies den Kläger Jhde init seiner eingeklagten Forderung für die koufiszirte Sendung kostenpflichtig ab. Eine nene Art von Bauernfang haben zwei vielfach vorbestrafte Personen, der Metallschleifer Achill W e n z l a f f und der Ziseleur Max G e» s i ck e. welche gestern der IX. Straf- kammer des Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurden, erfunden und in mindestens zehn Fälle» mit Erfolg zur Ausführung gebracht. Die Angeklagten pflegten ihre Rollen in der Weise zu vertheilen, daß Wenzlaff sich als Angestellter des Gensicke ausgab. Wenzlaff suchte die Opfer vor den Mieths- bureaus und den Bahnhöfen. Mit kundigem Blick wußte er solche Personen herauszufinden, welche eben erst aus der Provinz eingetroffen waren, um sich hier Stellung zu suchen. Wenn er auf Befragen diese Aniiahnie bestätigt fand, bot er dem Fremdling eine Stellung als Hausdiener in demselben Zigarren- Engros- geschäst an, in welchem er angestellt sei. Da die Bedingungen sehr günstig waren, so wurde das Anerbieten mit Freuden an- genommen. Sie machten sich aus den Weg nach dem Geschäft. Kaum hatten sie einige Straßen zurückgelegt, so rief Wenzlaff .da kommt der Chef!" Es war ein würdiger Herr mit goldenem Kneifer, der sich ihnen näherte und von Wenzlaff mit gebührender Achtung begrüßt wurde. Chef und Angestellter wechselten einige geschäftliche Worte, dann verwies der letztere auf den mit abgezogener Kopfbedeckiing daneben stehenden Fremden und entfernte sich dann, um den ihm ertheilten Auftrag,„schleunigst mit Friedrich nach dein Stettiner Bahnhos zu fahre», um Waare zu holen" auszuführen. Nun konnte sich der„Chef" mit dem Stelleu- suchenden beschäftige». Der letztere war hoch erfreut, als er nach wenigen Minuten angenommen war, und den Auftrag er- hielt, sich am folgenden Morgen im Geschäfte zu melden. Schon wandte der Chef sich zum Gehen, als er plötzlich wieder um- drehte.„Hören Sie mal, Sie können gleich einen Gang für mich besorgen. Ich merke soeben. daß ich mein Portemonnaie vergesse» habe. Gehen Sie mal hin nach meinem Geschäft. Kommandantenstraße 17, Zigarrengeschäft von Schulz. Gleich zur Rechten im Laden sitzt eine junge Dame an der Kasse, sagen Sie den, Fräulein Lieschen, sie möchte mir mein Portemonnaie schicken, welches in meinem unverschlossene» Pult liegt. Es sind 45 M. drin, Fräulein Lieschen möchte mir noch 5 M. aus der Kasse hinzufügen. Das Portemonnaie bringen Sie mir hier nach dein Restaurant drüben." Der neue Hausdiener wollte davon- eilen, um den Auftrag auszuführen. Sein Ches rief ihn wieder zurück.„Ja, wissen Sie, das ist doch so eine Sache. Ich kenne Sie ja gar nicht und hier in Berlin ist es nicht an- gebracht, jedem zu vertrauen. Wer birgt mir dafür, daß Sie mit dem Portemonnaie wiederkommen? Lassen Sie mir Ihr Portemonnaie und Ihre Uhr zum Pfände." Bereit- willigst händigte ihm der Provinziale die Gegenstände aus. Dan» eilte er nach der Kommandantenstraße. Er fand in dem ihm bezeichneten Hause weder ein Zigarrengeschäft von Schulz noch die Kassirerin Frl. Lieschen. Trüber Ahnungen voll begab er sich nach dem Restaurant, wo er sich melden sollte; sein angeblicher Chef war nicht dort. Jetzt wurde dem Aermsten klar, daß er Bauernsängern in die Hände gefallen war, ohne einen Pfennig befand er sich auf der Straße, denn sein Porte- monnaie hatte feine gesammten Ersparnisse, 39,50 M. enthalten.- I» dieser Weise, die in den einzelnen Fällen nur kleine Abänderungen erfuhr, sollen zehn Personen betrogen worden sein. Die Angeklagten bestritten überhaupt jede Schuld, sodaß eine umfangreiche Beweisausnahme nöthig wurde. Die Schwierigkeit, Personen mit Bestimmtheit wieder zu erkennen, zeigte sich auch im gestrigen Termine. Während ein Theil der Geschädigten die Persönlichkeiten der Angeklagten im Verbrecheralbum herausgefunden und vor dem Untersuchungs- richter behauptet hatte», daß dieselben die Betrüger feien, wurden sie bedenklich, als sie diese Behauptung aus ihren Eid nehmen sollten. In einigen Fällen wurde sogar mit bezug auf Gensicke entschieden bestritten, daß er der Mitthäter des Weuzlaff gewesen sei, so daß nur die Annahm« übrig blieb, daß noch eine andere Person bisweilen die Rolle des„Chefs" gespielt hat. Staatsanwalt Hagen schied einige Fälle als nicht genügend aufgeklärt aus; für diejenigen, die er als erwiesen ansah, beantragte er gegen Wenzlaff vier, gegen Gensicke drei Jahre Gesängniß und entsprechenden Ehrverlust. Der Gerichts- Hof hielt den Angeklagten Wenzlaff nur in fünf und Gensicke nur in zwei Fällen für hinreichend überführt und verurlheilte den elfteren zu zwei Jahren sechs Monaten Ge- fängniß und vier Jahren Ehrverlust, den letzleren zu einen, Jahre Gefängniß und zweijährigem Ehrverlust. Die Ver- urtheilten erklärten, sich bei dem UrtheU nicht beruhigen zu wollen, da sie völlig unschuldig seien. Wegen Störung des Gottesdienstes in der Dreifaltigkeits- Kirche stand gestern der aus Polen gebürtige Arbeiter Gregor P a r d r i e r s k y vor der IV. Strafkammer des Landgerichts I. Wie aus der Urtheils-Verkündigung der unter Ausschluß der Oeffevtlichkeit geführten Verhandlung hervorging, hat der Au- geklagte den Gottesdienst in benannter Kirche am 7. Juni er. durch eine laute lästernde Bemerkung gestört. Der Staats- anwalt beantragte wegen der Aeußerung 1 Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte auf 0 Monate Gefängniß. Unter der Anklage der KindeS-Anssetzung stand gestern die Arbeiterin Anna G r a s s e vor der II. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Die Angeklagte gab am 13. Juni er. in der Charitce einem unehelichen Kinde das Leben. Ais sie nach zehn Tagen entlassen wurde, befand sie sich in bitterster Roth und wußte nicht, wovon sie sich und ihr Kind ernähren sollte. Um wenigstens der Sorge für das kleine Wesen ledig zu sein, setzte sie dieses auf den Parterre- Korridor eines Hauses in der Rathenowerstraße aus und überließ es dort feinem Schicksal. Schon nach kurzer Zeit wurde das 10 Tage alte Kind von einer Hausbewohnerin gefunden und man kam durch die der Charitee entstammenden Kleidungsstücke auf die Spur der Thäleriu. Letztere trat im gestrigen Termine mit der Behauptung hervor, daß sie aus einem Versteck ihr Kind beobachtet und so lange gewartet habe, bis es gefunden wurde. Da der Gerichts- hos keine Veranlassung sah, dieser Behauptung keinen Glauben beizumessen, der Beweis des Gegentheils auch nicht zu erbringen war. so erkannte er auf Freisprechung, indem er an- nahm, daß sich das Kind in keiner hilflosen Lage befunden habe. Die Gastwirthe Berlins sind noch immer im Zweifel darüber, ob nach der bekannten Polizeiverordnung vom 11. März dieses Jahres, betreffend die Firmenschilder für offene Geschäfts- lokale auch sie verpflichtet sind, ihren Vornamen auf den Schildern ganz auszuschreiben. Die Gastwirthe sind allgemein der Ansicht, daß dies nicht der Fall sei, und stützen sich dabei auf eine Auskunft, die dem hiesigen Schankwirth Bandekow auf eine bezügliche Anfrage polizeilicherseits geworden ifi. Diese ging dahin, daß ebenso wie die in das Firmenregister eingetragenen Kaufleute die Gastwirlhe nicht jener Polizeiverordnung unterworfen seien, da za über die persönlichen Verhältnisse ihrer Geschäfte die Konzesstons- Urkunden die für die Behörden genügenden Daten enthalten. Trotz dieser Auskunft hören die Strafverfügungen gegen Gast- »virthe nicht auf. Der Weinhäudler Pape hatte gegen eine solche Widerspruch erhoben und ließ denselben durch den Rechtsanwalt Leopold Meyer vor dem hiesigen Schöffengerichte begründen. Dieser wies darauf hin, daß die ratio IsaIs doch nur dahin gehen könne, der Behörde jede Unklarheit über die Besitz- Verhältnisse der betreffenden Geschäfte zu nehmen und dieser Zweck werde bei den Gastwirthen zweifellos durch die erforderliche Konzession erreicht. Im übrigen müsse das Polizeipräsidium doch als berufenster Interpret feiner eigenen Verordnungen angesehen werden und nach der Herrn Bandelow ertheilten Auskunft könne von einer Anwendung der Polizei-Verordnuug auf die Gast- wirthe und verwandte Geschäslszweige nicht die Rede sein. Das Schöffengericht war anderer Meinung; es ging von der Ansicht aus, daß die genannte Polizeiverordnung nach ihrem vorliegende» Wortlaute zu beurtheilen sei und»ahm deshalb den Angeklagten, der gegen sie gefehlt, in eine Geldstrafe von 6 M. Die Treptower Lustbarkeits-Steuer beschäftigte gestern in mehrstündiger Sitzung den Krcisausschuß des Treptower Kreises unter Vorsitz des Landraths Stubenrauch. Es lagen nicht weniger als vier Klagen gegen den Gemeiudevorstand, ver- treten durch den Amtsvorsteher H o f m a u n, zur Entscheidung vor. So klagte der Arbeits-Ausschuß der Gewerbe- Ausstellung, vertreten durch Rechtsanwalt Hugo Sachs, auf Aufhebung der Verpflichtung zur Zahlung einer Lustbarkeits- Steuer für die beiden ain Neuen See stationirten Musikkapellen. Der Gemeindevorstand von Treptow halte jedes Orchester als ein besonderes„Konzert" behandelt und demgemäß nach der Treptower Lustbarkeits-Sleuer-Ordnung eine Sleuersumme ven 1008 M. verlangt und diese ist auch vom Arbeits-Ausschuß bezahlt worden. Der Kreisausschuß entschied zu gunste» des Arbeitsausschusses, indem er annahm, daß bei den fraglichen musikalischen Gaben ein„höheres künstlerisches Interesse" obwalte und sie deshalb von der Lustbarkeitssteuer auszuschließen seien.— Auch die Unter- uehmer der Ausstellung„Kairo", vertreten durch Rechtsamvalt Mosson. hatten mit ihrer Klage gegen den Gemeindevorstand von Treptow zum größten Theile Erfolg.„Kairo" sollte für die von dem Unternehmen selbst ressortireuden„Lustbarkeiten", nämlich den„Khalifen- Gräbern", welche als Panorama angesehen wurden, den Vorstellungen in der Arena, dem Orientalischen Theater und der Kapelle des Khedive sowie dem Hausorchester— die wiederum als zwei Konzerte behandelt wurden— täglich 29 M. an Lustbarkeitssteuer zahlen.— Der Kreisausschuß entschied auch hier überwiegend im Sinne der Kläger, indem er nur die qu. Konzerte als steuer. pflichtig erachtete, dieselben aber nur als ein Konzert ansah.— Sehr eigenartig ist es Herrn Schippanowski ergangen, der feine Klage durch R.-A. H e n s ch e l vertreten ließ. Er hatte durch Vereinbarung mit dem Gemeindevorstand am 16. Mar ein Abkommen dahin getroffen, daß er für seine„Welt-Musik" täglich 6 M. an Vergnügungssteuer zu zahlen hatte, und er hat auch 1008 M. gezahlt. Der Treptower Tarif für die Lustbarkeits� steuer verzeichnet zwar„für sogenannten Tingel-Taugel" täglich nur 5 M.. Herr Schippanowski verstand sich aber zu den 6 M., weil ihm»ahegelegt wurde, daß er sonst„für Konzert" auch noch täglich 3 M. bezahlen müßte. Zur Zeit dieser Abmachung war in der Singspielhalle die sogen,„russische Abtheilung" noch nicht im Betriebe, weil die elektrische Beleuchtung noch versagte. Als diese Abtheilung später dem Publikum gegen ein Eintrittsgeld von 30 Ps. zugänglich gemacht wurde, kam plötzlich der Gemeinde- vorstand von Treptow und verlangte für diese Abtheilung eine besondere Lustbarkeits-Steuer, die fast die Höhe der gesammten übrigen Steuer erreichte. Gegen dieses Verfahren wandte sich der Vertreter des Klägers aufs nachdrücklichste und der Kreis ausschnß beschloß. Beweis darüber zu erheben, in welchem bau- lichen Znstande sich die Singspielhalle zur Zeil der Abmachung mit dem Gemeindevorstande befunden und welcher Art die letzteren gewesen sind. Wegen Aufreizung verschiedener Klasse» der Be- völkerung zu Gewallthätigkeiten gegen einander wurde am 3. Oktober gegen unseren Genossen, den Tischlermeister Julius Apelt aus Berlin vor der Strafkammer zu Neu-Ruppin unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Apelt war bei der Ersatzwahl sozial- demokratischer Reichstagskandidat im Kreise Ruppin-Templin. Am 3. Mai 1896 hielt er im Glück'sche» Lokale zu Lindow eine Wahlrede. Dabei soll er gesagt haben, die bürgerlichen Parteien vertreten im Reichstag nicht das Interesse der Arbeiter, sondern der Großkapitalisten und dementsprechend würden Gefetze gemacht. Das stehende Heer müsse abgeschafft werden. Das Achtmillimeter-Gewehr sei nicht dazu da, den äußeren Feind zu bekämpfen, sondern nur dazu, auf die eigenen Brüder zu schießen. Der arbeitenden Klasse könne nur dadurch Schutz ge- währt werden, daß die Arbeiter alles, waS der Großkapitalist unter sich habe, Fabriken, Maschinen, Eisenbahnen, Chausseen, demoliren. Dadurch würde der Arbeiterstand wieder gehoben werden. Apelt erklärte sich nichtschuldig. Was ihm bezüglich der Demolirung von Maschinen«. in den Mund gelegt werde, widerspreche ebenso seiner eigenen Ueberzeugung. wie dem Programm der sozialdemokratischen Partei, das er in jener Rede auseinandergesetzt habe. Wenn er das gesagt hätte, könne er nicht sozialdemokratischer Kaudidat sein. Die Aeußerung wegen des Achtmillimeter-Gewehrs sei in der Verbindung gefallen, daß er vielleicht gesagt habe, wenn die Arbeiter Gewalt anwenden wollten, so würde daS Achtmillimeter-Gewehr gegen sie gerichtet werden und deshalb sei Gewalt unter allen Uniständen zu ver- meiden. Im übrigen habe er gerade den Völkerfrieden als Ziel der Sozialdemokratie gepriesen und auseinandergesetzt, daß der- selbe nur durch den Stimmzettel, durch Eroberung der politi- schen Macht durch die Sozialdemokratie erreicht werden könne. Von den vernommenen Zeugen bestätigte der Gendarm Thießen eidlich, der Angeklagte habe gesagt, dem Arbeiterstand könne nur geholfen werden, wenn die Arbeiter Maschinen, Eisenbahnen, Chausseen, kurz alles demoliren. Ferner, die Acht-Millimeter- Gewehre seien nicht dazu da. auf den äußeren Feind, sondern auf die eigenen Brüder zu schießen. Der Kaufmann Fölsch jr. beeidigte, er habe nicht scharf zugehört, aber die Worte „Maschinen. Eisenbahnen und Chausseen demoliren" habe er gehört. Was vorausgegangen und was gefolgt, wisse er nicht. Auch habe er die Worte gehört: Die Achtmillimeter-Gewehre seien nur dazu da, auf die Arbeiter zu schießen. In welchem Zusammenhang dieselben gefallen seien, wisse er nicht. Fünf weitere Zeugen bekundeten, der Angeklagte sei auf die antisemitische Bewegung zu reden gekommen und habe gesagt, die Antisemiten versprächen, dem Handwerk den goldenen Boden wieder zu erlangen. Das sei aber nur möglich, wenn sie die Maschinen und Eisenbahnen zerstörten. In den 40er Jahren noch hätten die Arbeiter in England und in Deutschland Maschinen und Fabriken demolirt. Jetzt sei man überzeugt, daß die Maschine der Freund der Arbeiter sei, jetzt begrüße man jede Vervollkommnung derselben als eine neue Möglichkeit zur Verkürzung der Arbeitszeit und als einen Schritt nach der Sozialisirung der Gesellschaft hin. Die Aeußerung bezüglich der Achtmillimeter-Gewehre hat keiner der Zeugen gehört. Der Angeklagte habe gesagt, daß bei Streiks von Militär auf Arbeiter geschossen worden sei. Der Staatsanwalt hielt nach dieser Beweisaufnahme die Bekundung des Gendarmen über die Demolirung der Maschinen und so weiter als widerlegt, dagegen seine Bekundung über die Achtmillimeter-Gewehre für erwiesen. Daß durch diese Aeuße- rung zu Gewaltthätigkeiten gegen die Großkapitalisten angeregt wurde, b e d ü r f e k e i n e r A u s f ü h r u n g. Er beantrage bei der Gemeingefährlichkeit derselben 9 Monate Gefängniß. Der Vertheidiger Rechtsanwalt H e r z s e l d- Berlin beantragte Freisprechung. Er führte ans, daß das Zeugniß des Gendarmen, dessen eidliche Bekundung der Staatsanwalt selbst in der Hanplsache als widerlegt ansieht, gewiß nicht zur Grundlage eines Urlheils gemacht werden könne. Der Zeuge Fölsch habe auch nur Worte ohne Kenntniß von deren Zusammenhang gehört. Die übrigen Zeugen, welche genauen Ausschluß über den betr. Theil der Rede des Angeklagten gegeben, ließen diese Zeugen voll- Nändig im Stich. Dazu sei es unerfindlich, wie in der Miltheilung. daß die 8 Millimeter zur Beschießung der Arbeiter bestimmt seien, eine Aufreizung zu Gewaltthäiigkeiten gegen die Großkapitalisten enthalten sein solle. Das beantragte Strafmaß sei un- erklärlich. Wenn dergleichen Strafen gegen Reichstags- Kandidaten, denen in der Hitze des Wahlkampfes vielleicht die Zunge ausgeglitten sei, festgesetzt würden, so heiße das den Wahlkampf überhaupt unmöglich machen. Das Gericht verkündete, daß Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten nicht vorliege und deshalb Freisprechung erfolgen müsse, aber vielleicht öffentliche Behauptung wissentlich unwahrer Thatsachen, umStaatseinrichtungeu verächtlich zu machen. Der Vertheidiger beantragte hieraus Vertagung, um weitere Zeugen zu benennen, daß die Aeußerung bezüglich der Acht- Millimeter- Gewehre nicht gefallen sei. Der Autrag wurde ver- warfen und Apelt wegen Verächtlichmachung der Armee durch Behauptung der Thatsache, daß dieselbe nur dazu da sei, auf die Arbeiter zu schießen, zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. DaS königliche„Dresdener Journal" wegen Be- leidigung verurtheilt. Bor kurzem wurde von dem bekannten Amtsrichter Dr. Becker in Dresden ein Freispruch gegen den verantwortlichen Redakteur vom„Dresdener Journal", Dr. Junck, gefällt, gegen den der Kläger, Militärschrislsteller v. Lindenau, Berufung einlegte. Der Sachverhalt ist dieser: v. Lindenau hielt im Verein für die Geschichte der Mark Branden- bürg in Berlin einen Vortrag, über den General v. Thielmann, der in einer Biographie von Petersdorf mit Rücksicht auf sein Verhalten bei seiner„Dieiistiiiederlegung" in der Festung Torgan (1813) als Deserteur, Meineidiger und Vaterlandsverräther be- zeichnet ist. v. Lindenau suchte das Verhalten Thielmann's zu rechtfertigen. Vor allen Dingen gab er zu verstehe», daß man bei Beurtheilung dieses Mannes die damaligen Verhältnisse berück- sichtigen müsse. Das Resümee seines Vortrages vervielfältigte er und sendete einen Abzug anonym au einen ausgesprochene» Gegner seiner Ansicht und Gegner Thielmann's, an den General- major z. D. Ernst Freiherr v. Friesen, den er als leidenschast- lichen Epigonen bezeichnet hatte. Freiherr v. Friesen veröffentlichte nun im„Dresdener Journal" in der Nummer vom 29. Februar d. I. dies Resümee und fügte dann eine geharnischte Erklärung bei. Diese Erklärung bezw. Kritik enthielt u. a. unter Beziehung aus v. Lindenau die Worte, die Anlaß zur Klage gaben: „Aufs tiefste muß man aber bedauern, daß gereifte Männer, von denen man nach Namen, Geburt und Lebensstellung gern annehmen möchte, daß sie nicht ans dem Standpunkte der Sozial- demokrntie stehe», sich in diesem Falle zu Vertheidiger» des poli« tischen Meineids aufspielen, und die Frage liegt sehr nahe, ob wohl in der Stunde der Gefahr, die jeden Tag eintreten kann, der König aus solche Männer wird rechnen können, oder ob nicht auch sie in solchen Zeiten ihre Stellen aus Opportunitätsgründen „niederlegen" und zum Feinde übergehen werden. I» den zitirten Aeußerungen dlaubte v. Lindenau eine gegen sich gerichtete persönliche Spitze suchen zu müssen. Seine Anklage richtete sich aber nicht gegen Frhrn. v. Friesen(der als Zeuge fungirt), sondern gegen Dr. Junck. Das Urtheil des Landgerichts lautete gegen Dr. Junck auf SO M. Geldstrafe und Publikation im„Dresdener Journal". Wieder ein krähender Hahn vor Gericht. Aus Dresden wird berichtet: Der vormalige Rechtsanwalt Dr. zur. Knnath fühlte sich i» schwülen Juliuächten durch das Krähen eines Hahnes arg belästigt. Der gefiederte Störenfried war Eigenthum der Frau Klotzow, die von Dr. Knnath wegen Er- regung nächtlicher Ruhestörung angezeigt wurde. Die Polizei- strafe von S M. wurde durch Einspruch vor dem Schöffengericht angefochten, vor dem auch kostenlose Freisprechung erzielt wurde, trotzdem Dr. Knnath statistisch nachgewiesen hatte, daß der Hahn in Pausen von 8—10 Sekunden den Schnabel austhat und in einer Stunde etwa 2S0Mal die Stille der Nacht mit seinem„heiseren un- ausstehlichen" Laut unterbrach. Demgegenüber führte Herr Kapellmeister Schaum, der Vertreter der erkrankte» Angeklagten, einen vernichtenden Gegenbeweis durch eine Art„Kunstschein" über die musikalische Befähigung des„rnhestörenden" Hahnes. Das originelle Schriftstück lautete etwa folgendermaßen:„Wir bestätigen, daß der Hahn und die Hühner unsere nächtliche Ruhe nicht im mindesten stören, daß wir vielmehr an de» Thieren unsere Freude haben." Dies Zeugniß war von IS Damen und Herren aus der Nachbarschaft, unter denen sich auch ein Staats- anwalt befand, unterschrieben. Demgegenüber konnte von einer Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht die Rede sein. Nun kann der Hahn den Herrn Rechtsanwalt weiter ärgern und die übrige Nachbarschaft weiter erfreuen! Der Redakteur des Budapcstcr antisemitische» Wochen- blattes, namens Biro, ist wegen Beleidigung der jüdischen Re- ligio» zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Vevmifchkess SächfischeS. Der Gemeindevorstand in Schedewitz bei Zwickau hat am 28. September folgenden Ukas erlassen:„Das Aufsteigenlassen von Drachen in hiesiger Ortsflur wird hiermit verboten. Es ergeht deshalb an alle Eltern und Erzieher von Kindern das Ersuchen, ihren Pflegebefohlene» das Aufsteigenlassen der Drachen zu untersagen. Die Nicht- befolgung dieser Anordnung wird auf gruno§ 360 n des Reichs-Strafgesetzbuches an den Eltern und Erziehern mit Geld- strafe bis zu 30 M. bestraft." Sollte die Ortsflur von Schedewitz nicht einen Fetzen Stoppel- oder Brachland aufweisen, wo die Kinder das un- schuldige Vergnügen des Drachensteigeus treiben können? Wes- halb dehnt man das Verbot gleich auf die ganze Ortsflur aus? Sorge man wenigstens für einen geeigneten Spielplatz, der Grund und Boden hierfür wird in Schedewitz wohl nicht allzu theucr sein. Eisenbahnunglück. Aus Waldbröl wird vom 6. Oktober berichtet: In Rossenbach stieß ein abgekoppelter rollender Güter- wagen mit einem von Hennef kommenden Personenzug zu- sammelt. Ein Mann wurde getödtet, das Zugpersonal leicht verletzt. Ans Paris wird berichtet: Die hiesige Polizei wurde seit einiger Zeit davon verständigt, daß zahlreiche Vergiftungsfälle in mehreren Vierteln des linken Seine-llsers konstatirt wurden, die auf den Genuß verdorbenen Fleisches zurückzuführen waren. Sofort wurden eingehende Erhebungen angestellt, die zu der Feststellung führten, daß das in den großen Hallen als gesund- heitsschädlich konsiszirte Fleisch, das den Vorschriften gemäß mit Petroleum begossen und dadurch ungenießbar gemacht werden sollte, von den mit dem Transport betrauten Fuhrleuten an Restauratenre sünsten Ranges des linken Ufers verkaust wurde.(!!) Die heikle Frage, wie diese gewissenlosen Restaurateure es anstellten, den Petroleumgeruch zu entfernen. ist noch nicht aufgeklärt und wird mit der größlen Strenge geprüft, da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß die mit dem Ungenießbarmache» des kon- fiszirten Fleisches betrauten Beamten es mit ihrer Aufgabe nicht sehr ernst genommen haben. Ein Vertuschen des Skandals, wie dies anläßlich der Verarbeitung der im Jardin d'Acclimation krepirten Vögel zu Pastelen geschah, ist diesmal kaum möglich, da alle Inhaber wohlfeiler Restaurants des linken Ufers und namentlich des Quartiers Latin unter dem ans allen lastenden Verdachte schwer zu leiden haben. Kein Havannatabak mehr. Aus Kuba wird berichtet: Es giebl dieses Jahr fast keine Tabak-Ernte auf der Insel. Die Pflanzer schicken die aufgehobenen Reste früherer Ernten, die sie bisher nicht gut genug zum Verkaufe fanden, nach Europa. Es giebt noch Zigarren von der Ernte des Jahres 1894. Aber der Vorrath ist gering. Ist er zu Ende, so werden die Raucher ein oder zwei Jahre Borueo- oder indische Zigarren rauchen müssen. Die Nankees find wieder einmal schlau gewesen. Die Bostoner Tabakhändler haben sich einen Borrath von Tabak angelegt, der auf zwei Jahre ausreicht. Kuba produzirt in normalen Jahren ungefähr 200 000 Ballen. Dieses Jahr beträgt die Ernte nur 20 000 Ballen, die längst verkauft sind. Die Auf- ständischen befinden sich im Besitz der Distrikte, welche den besten Tabak liesern. Briefkasten der Redaktion. Die suristische Sprechstnude findet am Montag. Dien st ag. Freitag und Sonnabend von 8'/2 Uhr abends statt. K. L. Die Polizeiverordnung schreibt die polizeiliche Ge- »ehmignug zum Aushängen von Anklliidigungsmitteln des Gewerbebetriebes vor. Die Bedingungen der Genehmigung sind dem Ermessen der Polizei übertragen. Beschweren Sie sich event. beim Polizeipräsidium. Rixdorf. Anonyme Einsendungen können wir nicht berück- sichtigen. Die iAdresse der„Gazeta Robotnicza" ist: Druckerei von Faniszewski u. Quitt, 8. Dresdenerstr. 32. H. St. Uns unbekannt. 5 Wettende. Er wäre froh, wenn er das besäße, was dazu fehlt. C. K. 3Z. 1. Nein. 2. Nein. Sie können nur Ihre Forde- rung einklagen und dann das Pfand auf grund des Urtheils verkaufen lassen. 3. Strafbarkeit liegt nicht vor.— H. E. Der Erfolg einer Berufung an das Schiedsgericht u. f. w. läßt sich nicht voraussehen. Kosten verursacht die Berufung u. s. w. nicht. Der Wittwe steht die Rente zu, wenn ihr der Nachweis gelingt, daß ihr Mann infolge des Unfalls— wenn auch nicht sofort— gestorben ist.— F. C. 1. und 2.: Ja.— Leicht. Briefliche Antwort erlheilen wir nicht. 1. Nein, Sie haben ganz recht gehandelt. 2. Nein. 3. Sie müssen geladen werden. 4. I bewahre! ö. Eine Woche. 6. M. H. 100. 1. Nein. 2. Ja.- A. T.». Falls Sie„d auf die Erbschaft verzichten(innerhalb 6 Wochen nach es« Todesfall), ist die Tochter an den Miethsvertrag gebi>er« Sie kann ihn nur, falls der Miethsvertrag etwa länger d' zum Ablauf des auf den Tod folgenden Halbjahres küntzz« - so Witternngöiibersicht vom 6. Oktober 1800. be« »der »em «ns §•&(» Stationen. Swiuemünde Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. München. Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Aberdee».. Paris... £ Ig. 2: SB«™ B s£ L c«" e 2 o i-1 K« Lx Cft n a e so tt Ol 10 G_ KZ Wetter 759 767 762 764 768 768 748 749 738 763 SSW Still SSW SW wolkig bedeckt heiter wolkig heiter wolkig Regen Regen halb bedeckt heiter 3 8 3 7 7 10 10 9 « 9 Wetter-Prognose für Mittwoch, den 7. Oktober 1800. Zunächst zienilich heiter, am Tage etwas wärmer bei mäßigen bis frischen südwestlichen Windenz nachher Trübung und etwas Regen. Berliner Wetterbureau. Her Stolz der Hausfrau ist eine blendend weisse Wäsche. Diese wird am sichersten erzielt durch die Verwendung des echten Dr. Thompson's Seifenpulvers zum Waschen und Bleichen, wobei die Stoffe mehr geschont werden, als bei jeder anderen Waschmethode, auch viel Mütze, Zeit und Geld erspart wird. Man achte auf die Schutzmarke„Schwan".. In haben in den meisten Droguen-, Seifen» und Kolonial» waaren-Kandlnugen. Kinderwagen- Kazar Ms» Bpinnep, Jerusalemerstr.42 am Dönhoffplatz und Brunnenftratze 0. Großartig. 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Parteiversammlung. Zages Ordnung: 1. Berichterstattung von der Konferenz der Provinz Brandenburg. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Agitationskommissions- Mitgliedes für die Provinz Brandenburg. 4. Wahl von Revisoren für die Vertrauensperson. 210/1 Die Vertrauensperson. Achtung! Buchbinder. Achtung Achtung! Maurer. Achtung! Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, finden Vier gr. öffentliche Versammlungen der Maurer Berlins und Umgegend statt. Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr: Für Westen, Süden und Schöneberg im Königshof, Bülowtraße 37. Große öffentliche Versammlung sir Moabit and Wedding in Ahrens' Brauerei, Moabit, Stromstraße 11-16. Buchbindereien, Kontobug, Album-, Karton- u. Luruspapier- ür Norden in Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemündertr. 35. Für Süd- Osten und Osten in Keller's Festsälen, Reppenstraße 29. sämmtlicher in fabriken beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen in Keller's großem Saal, Koppenstr. 29. Zages Drdnung: 1. Was lehrt uns unsere Lohnbewegung. Referent: Rollege Schmidt. 2. Wahl einer Ueberwachungskommission. 3. Verschiedenes. Kollegen u. Kolleginnen! Wir richten an Euch die dringende Aufforderung, vollzählig in dieser überaus wichtigen Versammlung zu erscheinen. Da Wichtiges auf der Tagesordnung steht, ist das Erscheinen sämmtlicher Kollegen und Kolleginnen obengenannter Branchen nothwendig. Mit kollegialem Gruß 23/2 Die Lohnkommission. Verband aller in der Metall- Industrie beschäftigten Arbeiter Berlins u. Umgeg. Donnerstag, den 8. Oktober 1896, abends 8 Uhr: Große Versammlung der Gürtler, Drücker u. verw. Berufsgen. in Henke's Salon", Naunynstr. 27. Tages Ordnung: = 1. Der Stand unserer Bewegung und unsere weiteren Maßnahmen. 2. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Tages- Ordnung in allen 4 Versammlungen: 1. Wie stellen sich die Manrer Berlins zu dem Bestreben der Unternehmer, die Arbeit vor 7 Uhr zu beginnen? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Laut Beschluß der öffentlichen Versammlung vom 1. Oktober, welcher die Kommission bes auftragt, Flugblätter zu obigen Versammlungen herauszugeben, theilen wir mit, daß selbige heute Abend in den bekannten Stellen verausgabt werden; sorge jeder dafür, daß dieselben die nöthige Verbreitung finden. Erscheint alle Mann für Mann in den Versammlungen. Die Lohnkommission der Maurer Berlins und Umgegend. Agtung, Klavierarbeiter! Kollegen, welche gewillt sind, dem neu zu gründenden Gesangverein beizu131/14 Deutscher Holzarbeiter- Verband ( Zahlstelle Berlin.) treten, werden ersucht, Mittwoch, den Am Mittwoch, den 7. Oktober ds. Js., abends 8 Uhr: 7. Oktober, abds. 9 Uhr, bei Becker, Naunynstr. 78, zu erscheinen. 822b Tenöre und 2. Bässe erwünscht. 66. Resterhandlung. billig Reste zu Knaben- Anzügen von Vertrauensmänner- Versammlungen: 66. Wedding und Gesundbrunnen: In Raabe's Salon, Kolbergerstr. 23. hauser Allee 28. 1 M. Große Anzüge von 7 M. an, Schönhauser- und Rosenthaler- Vorstadt: Bei Mörschel, Schönzu Ginſegnungs- Anzügen. Große Aus- Süd- Osten: Bei Rautenberg, Oranienstraße 180. bis zum feinsten Kamingarn, auch pass. wahl in Paletotstoff., sowie zu Mänteln, Jaquets, Plüsch, Atlas, Seide.[ 58232* bezüglichen Mittheilungen, Anfragen u. 1. w. sind an das Verbandsburgan, angefertigt. Fertige Anaben- Anzüge 66. Karle, Waldemarstrasse 66. Berlin S., Annenstr. 39, zu richten. Im Ausstand befinden sich die Kollegen der Firmen: Paul Stabernack, Lindenstr. 70; Richard Mielke, Fürstenstr. 8; Schäffer& Ochlmann, Teleph. Amt IV. 1597. Chauffeestraße; Manettim. an Zu dieser Versammlung sind die Tischler und Drechsler der Firma Chr. Mester besonders eingeladen. Süd- Westen: Bei zubeil, Lindenstraße 106, abends pünktlich 8 Uhr. Moabit: Thurmstraße 84. Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr: Bad entraße: Frißter( Gugel& Hegewald). Lindenſtr. 28; Schlüter, Theilzahlung. liefert elegante Ostell: Bei Thiel, Fruchtstraße 36a( oberer Saal). Brandenburgstr. 19; G. Heinze, Wasserthorstr. 8; Thielecke, Wasserthor straße 62; Heinze, Brandenburgstr. 75; Nürnberg, Prinzenstr. 25; Kraak, Gitschinerstraße 81; Kramme, Gitschinerstraße; Stabenow, Gräfestraße 9; Christ, Wrangelstr. 111; Kube, Elisabeth- Ufer 30; Ritter, Oranienstr. 9; Krone& Co., Stallschreiberstr. 18; Krüger, Sebastianstr. 74; Krüger, Stalizerstr. 182); Räbiger, Stalizerstr. 125; Speck, Dresdenerstr. 36; Haberland, Stallschreiberstr. 9; Eitner, Sebastianfir. 61; Falbe, Manteuffelstr. 72. Der Vorstand. Anzüge nach Maah Tomporowski, Schneidermeifter. Berlin C., Jüdenstr. 37, 1 Zr. Alte Jakobstr. 35; Lehmann, Adalbertſtr. 72; Sauer, Hitterstr. 8( früher Möbel, Spiegel, 110/10 Metallarbeiter. Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, in der ,, Kronen- Brauerei", Alt- Moabit 47-49: Große öffentliche Versammlung. Tages Ordnung: : Die gegenwärtige Lage der Metallindustrie, die Lohnbewegungen der Metallarbeiter und die Verhältnisse in der Fabrik von Ludwig Löwe& Comp. Referent: Otto Näther. 116/8 Zu dieser Versammlung sind die Arbeiter der nachfolgenden Firmen ganz benders eingeladen: Ludwig Löwe& Comp., Siemens& Halske, Aktien- Gesellschaft vorm. Freund, Gebauer,' Lämmerhirt, Krause, Jasowstraße, Krause, Thurmstraße, Lenz, Birkenstraße, Pehold& Comp. Der Vertrauensmann. M. Becker, Stephanstr. 23. Broße öffentliche Versammlung amtlicher Schmiede und Berufsgenossen Berlins und Umgegend am Donnerstag, den 8. Oktober 1896, abends 8½ Uhr, bei Hoffmann, Alexanderstr. 27o. Zages Ordnung: 176/1 1. Die Arbeiterschuß- Gesetzgebung. Referent: Paul Jahn. 2. Neuwahl der Lohntommission. 3. Wahl der Revisoren zum Maifonds. 4. Ver chiebenes. Der Vertrauensmann. Freie Vereinigung der Kaufleute in Berlin. Der heutige Vortragsabend findet nicht bei Busching,( Englischer Hof), sondern in den 8416 Arminhallen, Kommandantenstr. 20, statt. Beginn 9 Uhr. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Um zahl reiches Erscheinen ersucht Der Vorstand Achtung! Nadler, Siebmacher, Drahtweber und Berufsgen. Oeffentliche Versammlung am Sonnabend, den 10. Oktober 1896, abends 8½ Uhr, bei Buske, Grenadierstraße Nr. 33. Zagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen P. Litfin über:" Der Werth der Verkürzung der Arbeitszeit." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes." Die Kollegen werden dringend ersucht, in anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Vertrauensmann der Drahtarbeiter. 830b Freie Vereinigung der Händler u. Händlerinnen Berlins n. Umg. General Versammlung am Donnerstag, den 8. Oktober 1896, abends 81/2 Uhr, bei Buske, Grenadierstraße 33. Mitgliedstarte legitimirt. 264/1 Polsterwaaren ON Reelle Waare. Franz Tutzauer Tischlermeister, Blücherstr. 14. Ganze WohnungsEinrichtungen in Nussbaum u. Mahagoni NO zu soliden Preisen. Fruchtweine Johannisbeerwein, weiß und roth, Stachel beerwein, Heidelbeerwein à fl.( 4 Ltr.) 75 Pf. à Liter 1 Mark exkl. pro Glas. DEUTSCHES REICH 10 PFENNIG 1896 1/10 Liter. Rosthalle der Berliner Groß- Destillateure Berliner Gewerbe- Ausstellung Elektr. Eisenbahn- Haltestelle, Marineschauspiele. 77/17 Tages Ordnung: Werkstatt und Arbeitsverhältnisse, sowie Verbandsangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, aus jeder Werkstatt einen Vertrauensmann Die Ortsverwaltung. zu entsenden. Holzarbeiter! Große öffentliche Versammlung Sonntag, 11. Oktober, vormittags pünktlich 10 Uhr, im ,, Feen- Palast", Burg- und Wolfgangstraßen Ede. Der Saal fakt 5000 Personen. Zagesordnung: = 1. Die Regierungsvorlage, die Organisation des Handwerks betreffend unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse der Holzindustrie. Referent Theodor Glocke. 2. Diskussion. Die Tischler-, Drechsler- und Bürsten- und PinselmacherMeister sind zu dieser Versammlung eingeladen. Die wichtige Tagesordnung macht es jedem Kollegen aur Bflicht, diese Der Vertrauensmann. Eugen Neumann& Co. Bersammlung zu besuchen. Detail- Verkaufsläden: Belle- Alliancepl. 6a, N. Friedrichstr. 81, Oraniens ftraße 190. Genthinerftr. 29. Potsdam: Bäckerstraße 7. Charlottenburg: Kaiser Friedrichstraße 48. Halt! Am Donnerstag Abend ist wieder das erste große Riesen GänseAusspielen auf dem Billard bei Gustav Schultz, Wasserthorstr. 55. Klempnerei Oeffentliche Versammlung der Arbeiter- Radfahrer Berlins in mit Gas u. Wasser, sowie für Schloffer 8276 passend, in bester Lage, 86 Jahre be stehend, zu verkaufen durch Hensel, Raylerstr. 18. 835b am Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8, Uhr, Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75( Gartenſaal). Tages Drdnung: 1. Die Bandagitation der Radfahrer im Jahre 1896. 2. Verschiedenes. Bur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Der Vertrauensmann. Barquetbodenleger Berlins. Eine gut gehende Gürtler- Werk- Sonnabend, den 10. Oktober, in Brochnow's Salon, 829b statt ist wegen Todesfalls zu vert. Krüger, Reichenbergerstr. 142. Reines Roggenbrot empfiehlt Pfeifer, Brunnenstr. 161 H. i. Backhaus. Ein Zweirad Mod. 96., erstklass. Fabrikat u. wenig Suffitenstr. 7, 2 Tr. r. Sebastianstraße 39: Feier des 50jährigen Gesellenjubiläums des Parquetbodenlegers A. Kurth verbunden mit Gesangsvorträgen und Tanz. 77/16 gebr. frankheitshalber billig zu vert: Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. 8265 Muschelmöbel verkauft spottbillig Chemigraphen- Mitgliederversammlung Rosenthalerstr. 4, 8 Tr. I. Bildheuer. am Donnerstag, den 8. Oktober 1896, abends 82 Uhr, bei Zubeil, Arbeitsmarkt. Simismacher, Lindenstraße Nr. 106. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereins- Angelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet Die Verwaltung. 96/3 -O Heute, Mittwoch, abends 8, Uhr: girka 50 Mann, werben bel Weltenes Vertrauensmänner- Konferenz d. Gürtler Lohntarif fofort verlangt und finden dauernde Beschäftigung auf Mücke's Werke, Lindow i. d. Mark, Bahnftation. Fahrpreis hin u. zurück 2,20 m. 115/9 im Lokale von Metzner, Dranienstr. 184. Jede Werkstatt muk vertreten sein. E Der Vertrauensmann. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Voltsblatt. Hr. 235. den Gasanstalten sehr eingehend dar, wobei sich Mittwoch, den 7. Oktober 1896. feine Anwendung. 13. Jahrg. gegen einander und gegen die Provinzgeschäfte, sondern auch gegen das Ausland, namentlich gegen Berlin, Frankfurt, Karlsruhe und Wien. Wie sehr die billiger vers taufenden ausländischen Konfektionäre der französischen Konfektion zusetzen, erhellt aus folgenden Zahlen: 1877 bezifferte fich die Einfuhr von fertigen Herren- und Damenkleidern auf 981 500 Fr., 1890 betrug die Einfuhr von Herrenkonfektion allein 3 549 150 Fr., 1891( nach der Erhöhung des Zolltarifs) 2242296 Frants, 1892 2917 150, 1898 2 220 750 Fr. Dagegen ist die Ausfuhr von Herrenkonfektion aus Frankreich im Zeitraume 1877-1894 von 88 804 378 auf 12 388 082 Fr. gefunken. 3. Damen Maßbranche. beginnende und am Montag morgens um 6 Uhr endende Der Gasarbeiter- Streik 18 stündige Schicht geleistet wird: vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts. verpflichtet sich der Magistrat, bei der zuständigen höheren BerVor dem Einigungsamt wurde am Dienstag über den Aus- waltungsbehörde ohne Verzug Anträge auf Gestattung von Ausnahmen von den gesetzlichen Bestimmungen auf grund der stand der Gasarbeiter verhandelt. Den Vorsiz führte Assessor SS 105c unde der Gewerbe- Ordnung zu stellen, durch welche es v. Schulz. Als Arbeiterbeifizer fungirten Millarg und Hagen, während von Arbeitgeberbeifizern die Fabrikanten ermöglicht wird, daß bei dem am Sonntag eintretenden Wechsel der Tages- und Nachtschicht die am Sonnabend, nachmittags Dr. Gerschel und Weigert anwesend waren. Die Arbeiter 6 Uhr, beginnende Schicht bis Sonntag 9 Uhr morgens, dagegen find vertreten durch Benad, Jänsch und Pridat, eine am Sonntag, nachmittags 8 Uhr, beginnende Schicht bis die Verwaltung der Gaswerke durch Stadtrath Nam 31 au, Montag, morgens 6 Uhr, arbeitet. Für jede 15stündige Schicht Verwaltungsdirektor Streichert und Betriebsdirektor Reißner. ist ein und eine halbe Ueberstunde zu bezahlen. Nachdem die Vertreter der Arbeiter ihre bekannten 2. Bis zur Regelung der Sonntagsruhe durch die höhere Forderungen vorgetragen und begründet hatten, erhäft Direktor Berwaltungsbehörde verpflichten sich die Arbeiter, die 18stündige der" grands tailleurs" zählt Geschäfte, die vielfach einen Jahres Lage der Unternehmer. Die kapitalfräftigste Gruppe Reißner das Wort. Er stellt die Betriebsverhältnisse und Echicht von Sonntag 12 Uhr mittags bis Montag vormittags umfaß von über einer Million aufweisen. 21/2 Millionen Umsatz die Obliegenheiten der verschiedenen Arbeiterkategorien in 6 Uhr zu leisten. 3. Der Magistrat gesteht den festangestellten Arbeitern eine sind nichts ungewöhnliches. Die drei ersten Firmen haben einen Widerspruch zwischen seinen Angaben und denen der Arbeiter einwöchige Kündigungsfrist zu, welche für beide Umsatz von ca. 5 Millionen. Allerdings befizen die Geschäfte herausstellt. Auf die Forderung der Beseitigung der achtzehn Theile verbindlich ist. Auf für vorübergehende Dienstleistungen fowie für Damenhüte. Der Reingewinn schwankt zwischen diefer Gruppe auch Abtheilungen für Weiß- und Pelzwaaren, ftündigen Sonntagsschicht eingehend, meint nämlich Direktor Reißner, dieselbe sei eigentlich nur eine 17stündige, denn die und zur Probe angenommene Arbeiter findet diese Bestimmung 7-10 pCt., und d. 3 zwar nach Abzug des Gehalts des Unterum 6 Uhr morgens zur Arbeit antretende Kolonne sei bereits um 5 Uhr nachmittags fertig und könne man die be= 4. Der Magistrat verpflichtet sich, in die Arbeitsordnung nehmers und sämmtlicher Glieder seiner Familie, der Zinsen treffenden um 1/46 Uhr auf dem Nachhausewege sehen. eine Bestimmung über die Bildung von Arbeitsausschüssen für für das Anlagekapital und die Außenstände, welch' lettere in Es sei unzutreffend, jede Anstalt aufzunehmen. Die näheren Bestimmungen über die einer großen Firma nicht weniger als 21/2 Millionen betragen. wenn voll seiten der Arbeiter behauptet werde, die auf Wahl der Arbeiterausschüsse und ihre Befugnisse werden durch In den größeren Geschäften beläuft sich das Gehalt der Anjede Arbeitsstunde folgende 9-10 pCt. In der Gruppe der sogen.„ mittleren Damen einstündige Ruhepause werde durch Nebenarbeiten zum theil die Arbeitsordnung festgefeßt, welche den gefeßlichen Bestimmungen gestellten auf 10-12 pt. des Umfaßes, der Arbeitslohn auf in Anspruch genommen. Nebenarbeiten würden von den Betriebs- gemäß nach Anhörung der Arbeiter zu erlassen ist. arbeitern nicht verlangt, ja dieselben könnten bei einiger Uebung zeitigen Streit fein Grund sein soll, die Wiedereinstellung von Der Reingewinn scheint prozentual höher zu sein als in der 5. Der Magiftrat erklärt, daß die Betheiligung an dem der schneiderei"( diese Geschäfte werden von einer Frau geleitet) schwankt der Jahresumsatz zwischen 30 000 und 200 000 Fr. mit dem auf eine Stunde angesezten Arbeitspensum Füllen Arbeitern, welche die Arbeit niedergelegt haben, beziv. entlassen und Entleeren der Retorten werden. Demgegenüber behauptet der Bertreter der Ausständigen einzustellenden Arbeiter aus der Zahl der jezt Ausständigen zuerst Gruppe leidet immer stärker unter der Konkurrenz der„ grands in 50, ja in 45 Minuten fertig worden sind, zu verweigern. Soweit angängig, sollen die neu ersten Gruppe, jedoch nur deshalb, weil hier zum Reingewinn auch das Gehalt der Besizerin und ihrer Familie gerechnet wird. Diese Jäusch, daß durch Nebenarbeiten, wie Wagenschmieren, Roblen entnommen werden. vor den Ofen bringen und namentlich durch Reinigen des von den Retorten ausgehenden Steigerohres oft die Hälfte der Ruhe- bis zur endgiltigen Regelung an der 12ftündigen Sonntagsschicht einen Umsatz von 12 000 Fr. Hier wird nicht nur der Lohn der Nach kurzem Sträuben der Arbeitervertreter, welche namentlich tailleurs" und der von den großen Magazinen beherrschten Anzahl fleiner Geschäfte.-Diese überschreiten selten zeit in Anspruch genommen werde. Er selber habe nicht selten festhalten wollten, erklärten diefelben sich unter Zustimmung der 11/2 Stunden, ja in einem Falle 6 Stunden ohne Pause hinter- zahlreich als Zuhörer anwesenden Streikenden mit diesen Vor- Meisterin zum Gewinn gerechnet, sondern auch die Geschäfts einander arbeiten müssen. Dazu bemerkt Direktor Reißner, schlägen einverstanden, worauf dieselben von beiden Theilen Sehr häufig schlägt die Befizerin blos einen Lohn heraus, der die bier angeführten Nebenarbeiten würden gleichfalls innerhalb einem Nebenverdienst"-Lohne gleichkommt. eines Zeitraumes von 50 Minuten erledigt, das Reinigen des unterzeichnet wurden. Rohres tomme nur selten vor. Eine andere Regelung der Arbeitszeit laffe sich aus betriebstechnischen Gründen nicht durch Soweit das Ergebniß der Verhandlungen vor dem Einigungsführen. Als die Arbeiter im März wegen Beseitigung der amt. Es bleibt nun allerdings zu wünschen übrig, daß den 18stündigen Sonntagsschicht vorstellig wurden, habe man sich getroffenen Vereinbarungen nach jeder Richtung hin Geltung verentschlossen, während des Sommers versuchsweise die 12stündige schafft wird. Namentlich Punkt 5 hatte Sonntagsschicht einzuführen. Daß diese Einrichtung für alle wefenden Arbeitern die Meinung hervorgerufen, daß es erfahrenen Künstlerinnen, werden 260-300 Tage im Jahre bes Zeit bestehen bleiben solle, sei den Arbeitern nicht versprochen mit der Entnahme von Arbeitskräften aus den Reihen der schäftigt; 2. die mittlere Schicht, die bei der ersten Wieder worden. Die Wiedereinführung der 18ftündigen Schicht habe die Streifenden wohl nicht weit her sein wird. Zugestanden muß belebung des Geschäfts wieder eingestellt wird, arbeitet 200-280 Berwaltung 14 Tage vorher angezeigt, und erst, als die Arbeiter ja werden, daß trotz der Annahme des Punkt 5 Maß- Tage; 3. die zeitweiligen Hilfsarbeiterinnen finden Beschäftigung an der 12stündigen Schicht fefthielten, sei ihnen erklärt worden, regelungen seitens der Verwaltung nicht verhindert werden können. nur während der eigentlichen Saison, die 160 Tage dauert. daß die, welche fich weigern, 18 Stunden zu arbeiten, entlassen Die Verwaltung der städtischen Gasanstalten wird deshalb gut Arbeitszeit. Da kommt in betracht das Kinder= 2. November 1892, werden. Für diesen Fall hatte die Betriebsleitung sich Ersatz- thun, nach jeder Richtung hin den Schein zu meiden, daß irgend und Frauenschuß- Gesez vom fräfte gesichert, die nachher die Stelle der Ausständigen ein- jemand annehmen tönnte, die Verfolgung derjenigen Arbeiter, welche welches den Arbeitstag der Minderjährigen( unter 16 Jahren) genommen haben. Die Nachtheile, welche der Betrieb durch angeblich Terrorismus auf ihre Kameraden ausgeübt haben sollen, auf 10 Stunden festseßt, denjenigen der zwischen 16 und Einführung ber 12 stündigen Sonntagsschicht erleiden müsse, be werde fortgesetzt. Die Ausführungen des Betriebsdirektors 18 Jahren stehenden auf 11 Stunden, wobei die Maximalzahl stehen darin, daß durch den 12 stündigen Stillstand der Defen am Reißner sowie einige Bemerkungen des Arbeitgeber- Beifizers der Wochenstunden 60 Stunden nicht überschreiten darf, und Sonntag die Gasproduktion am Montag eine qualitativ mangel- Herrn Weigert haben jedenfalls einen wohlthuenden Eindruck denjenigen der erwachsenen Mädchen und der Frauen auf hafte fei. Die gegenwärtig bestehende 6ftündige Sonntags- auf die anwesenden Arbeiter nicht hinterlassen, deshalb hole man 11 Stunden mit einer Maximalzahl von 66 Wochenstunden. ruhe sei das äußerste, was sich im Interesse einer geregelten Be- das Versäumte nach. Das letztere dürfte nicht schwer fallen, da Wird aber das Gefeß auch durchgeführt? Die Enquete spricht triebsweise durchführen lasse. Die Einsegung eines Arbeiter die Zugeständnisse seitens der Verwaltung doch ganz minimaler sich hierüber eher pessimistisch aus. Nach dem Geständniß ausschusses empfehle fich nicht. Bei vorkommenden Streifällen Natur sind. der Werkstättenleiter selber giebt es in dringenden" Fällen zwischen Arbeitern und Borgesezten habe man stets den Arbeitern 12 Stunden Nachtarbeit wöchentlich, was, falls der gerathen, durch eine Deputation bei der Direktion vorstellig gefeßliche Rubetag beobachtet wird, das für diese Ausnahmefälle zu werden; in solchen Fällen würden die Arbeiter stetš festgesezte Maximum von 72 Wochenstunden ausmachen würde. gehört und ihnen ihr Recht, falls es verlegt, gegeben Aber freilich fann der Ruhetag, fraft des Detrets vom werden. Die Arbeiter wollten aber immer alle mitreden, also 15. Juli 1898, von der Inspektion aufgehoben werden. Dazu würde ihnen ein Ausschuß auch nichts nügen. Die 14 tägige 2. Herren und Knabentonfettion. kommt, daß die Nachtarbeit vielfach ohne behördliche Erlaubniß Kündigung könne die Verwaltung nicht anerkennen. Der Ver- Lage der Unternehmer. Keine Einzelangaben über auferlegt wird, wobei natürlich auch das gesetzliche Maximum brauch an Gas sei ein derart schwankender, daß er sich auf den Gewinn. Der Jahresumsat sämmtlicher Großgeschäfte wird nicht eingehalten wird. Die schlappe Aufsicht und die uns 14 Tage im Voraus garnicht schäßen lasse. Es müsse also häufig auf 85 Millionen geschätzt. Die Größe des Umsatzes der ein- genügende Bahl des Inspektionspersonals laffen der Profite offen. eine Einschränkung des Betriebes und infolge davon eine Ent- zelnen Unternehmungen ist sehr verschieden: 100-400 000 Fr. in sucht Thür und Thor Die Unternehmer besigen das Gesetz in aller laffung von Arbeitern eintreten. Auch sei es doch nicht angängig, den kleineren, drei, vier und mehr Millionen in den fapital- übrigens ein probates Mittel, daß die Verwaltung gezwungen werde, Arbeiter, die sich etwa als träftigsten Unternehmungen. Der wahrscheinliche Reingewinn Gemüthsruhe zu umgehen: nach Ende der legalen Arbeitszeit in unbrauchbar erwiesen haben, noch vierzehn Tage lang zu be- wird auf 7-10 pet. angefeßt, also bedeutend niedriger als in den Wrtitätten geben sie den Arbeiterinnen Arbeit mit nach schäftigen. der Maßbranche, was aber durch den größeren Umfat wett Hause. Dagegen kann feine Inspektion helfen, denn die Privatgemacht wird. wohnung ist unverleglich". Immerhin konstatirt man in einigen großen Geschäften als Folgen des Gesetzes: 1. Ber" " Lage der Arbeiterinnen. Die Abwechselung zwischen guter und todter Saison, verbunden mit der in dieser Branche vorherrschenden Unternehmer Werkstättenarbeit, bewirkt einen Wechsel in der Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen. Das bei den an- Personal zerfällt in drei Schichten: 1. Der ständige Kern", die Die Pariser Kleiderindustrie. ( Schluß.) " -G 6 Beisiger Dr. Gerschel wendet ein, daß doch jeder Unternehmer sich unter Umständen drehen und wenden müsse, um über Lage der Arbeiter. In der Konfektion ist der Geschäftsbie Unregelmäßigkeiten des Betriebsganges hinwegzukommen. gang viel weniger sprunghaft als in der Maßbranche. Die mehrung des Psonals und entsprechende Vermehrung der Ent Von der städtischen Verwaltung solle man doch er- Buschneider müssen aussehen" blos 15-30 Tage im Laufe lohnungen während der Abnahme der Bestellungen, und warten, daß fte nicht so fleinlich fei und jeden des Jahres. Für die Heimarbeiter dauert die todte Saison 2. Weigerung, Mädchen unter 18 Jahren anzustellen, weil diese momentan überschüssigen Arbeiter sofort entlasse. Es dürfe doch ungefähr zwei Monate( Mitte Juni bis Mitte Juli und Mitte Kategorie am häufigsten die Einmischung der Inspektion hers bei einem unter städtischer Verwaltung stehenden Betriebe nicht Dezember bis Mitte Januar). Die Pompiers sind hier vorruft.*) darauf ankommen, wenn einmal 10 oder auch 100 Arbeiter für natürlich wenig zahlreich. Man braucht sie nur für die sog. Lohn. Das gesammte Personal steht in Zaglohn. Da furze Zeit bezahlt würden, ohne daß sie ausreichende Beschäfti- tleine Maßarbeit"( petite mesure), welche darin besteht, daß aber die Arbeitszeit zwischen 10 und 11 Stunden schwankt, so gung haben. Stadtrath Namsiau erklärt sich insofern ein Kunde, der keinen passenden Anzug in den fertigen Kleider kann der gleiche Taglohn eine höhere oder niedere Lobuftufe befür eine Kündigungsfrist, als auch die Verwaltung von derselben vorräthen findet, sich einen auf Waß bestellt, ohne jedoch deuten. Auch die Ueberstunden werden je nachdem als 1/10 oder Nußen habe, indem dann plöglichen Arbeitseinstellungen vor- dieselben Anforderungen wie an einen eigentlichen Maßanzug 1/11 des Taglohnes berechnet, und nur vereinzelt nach einem gebeugt werde und Zeit bleibe, an stelle der rohen Gewalt eine Ver- zu stellen. Nur der Chef der Pompiers ist fest angefiellt, etwas höheren Tarif. Der gewöhnliche Taglohn beträgt 3 bis ständigung treten zu lassen. Wie die Verhältnisse in Berlin liegen, könne die Hilfs- Pompiers beiderlei Geschlechts nur während 4 Fr. Nur die Premières", die ein Gehalt beziehen, verden Arbeitern die 14 tägige Kündigung doch nichts zur Erlangung der guten Saison. dienen 6-62 Fr. pro Tag. Jahres verdienst: für den einer neuen Arbeitsgelegenheit nuzen. Man wolle es vielmehr Arbeitszeit: 3uschneider 10-11 Stunden durch ständigen Kern" 780-1120, für die mittlere Schicht 600-920, fo balten, wie es bisher gehandhabt wurde, nämlich den zur schnittlich. Für die selbständigen Heimarbeiter läßt sich für das Hilfspersonal 480-640 F. Es ist aber auch hier für die Masse Entlassung bestimmten Arbeitern diefelbe einige Tage vorher teine regelmäßige Arbeitszeit angeben. Sie suchen den im Ver- der Arbeiterinnen ein„ Neben verdienst" Lohn. Die Arbeiterinnen anzeigen. Eine Verkürzung der 18stündigen Sonntagsschicht hältniß zur Maßarbeit niedrigeren Lohn durch Ueberarbeit, haben nur Scheeren und Nadeln mitzubringen, Zwirn, Seide 2c. wolle die Verwaltung bewilligen, wenn ihr Mittel und Nacht- und Sonntagsarbeit auszugleichen. Arbeitergruppen von wird vom Geschäft geliefert. 2. Damen- und Mädchentonfettion. Wege gezeigt würden, wie eine solche durchzuführen sei. 8-10 und mehr Personen, die vom Zwischenmeister beschäftigt Diese Brauche befindet sich in einem blühenden Zustand. Die Verordnung des Bundesraths, welche vorschreibt, daß den werden, wehren fich gegen die Ueberarbeit. Ihr durchschnittlicher Von 1878 bis 1893 ist die Ausfuhr von 10 auf 74 Millionen geArbeitern an jedem zweiten Sonntag eine 24 stündige Ruhezeit Arbeitstag beträgt 11-12 Stunden. zu gewähren sei, stehe einer anderen Regelung der Arbeitszeit Der Lohn ist niedriger als in der Maßschneiderei, was stiegen**), macht ein Mehr von 740 pCt. in 25 Jahren. Die entgegen. Die Forderung des Arbeiterausschusses lasse sich erst, manchmal" durch die regelmäßigere Beschäftigung wett ausländische Rundschaft, die nach 1870-71 sich Berlin zugewandt dann diskutiren, wenn gleichzeitig gefagt werde, welche gemacht wird. hat wegen der dortigen billigeren Waare, hat seitdem auch für Befugniffe und Rechte demselben eingeräumt werden Die Zuschneider arbeiten in Stunden- und in Stück- diese Artikel den Weg nach Paris wiedergefunden. Die ges Unter gewissen Voraussetzungen sei die Verwaltung lohn. Ein Jahresverdienft von 2700-3000 Fr. ist als normal fährlichsten Konkurrenten von Paris sind Berlin, London und nur in den ordinären Artikeln. In den bereit, den Ausschuß zu akzeptiren. Ueber die Einstellung zu betrachten. Doch giebt es zahlreiche Zuschneider, die blos New- York, aber der Arbeiter lasse sich die Verwaltung im Prinzip nichts vor 5 Fr. täglich verdienen. Die Futter- Zuschneider verdienen 4 bis Luxus- und Halbluxuskleidern hat Paris tine Konkurrenten schreiben, jedoch solle die Betheiligung am Ausstand fein Grund 5 und 5/2 Fr., die Futter- Zuschneiderinnen 22-3 Fr. Die auf dem Weltmarkt. Im Innern Frankreichs dehnt sich der sein, um Arbeiter, wenn sie brauchbar seien und im Betriebe Pompiers beziehen durchschnittlich einen Stundenlohn von Abfaz aus hauptsächlich dank der großen Magazine. benöthigt werden, wieder einzustellen Von den Ausständigen der 70 Sts., fie werden aber vielfach durch Frauen ersetzt, die blos Troß dieses blühenden Zustandes ist die Lage der Ar. Danzigerstraße feien schon wie Direktor Reiß ner bemerkt einen Tagelohn von 3 Fr. bekommen. beiterinnen und der Arbeiter( in der Oberkleider15 Mann wieder eingestellt worden. Abgelehnt müsse die Für die Heimarbeiter findet man eine fallende Lohn- schneiderei tritt die Männerarbeit in Konkurrenz mit der Frauens Wiedereinstellung derjenigen werden, welche ihre Kollegen stala, auf deren höchfter Staffel die selbständigen Großarbeiter, arbeit) nicht besser als in der Herren- Konfektion. Die Ursachen terrorisirt und zur Arbeitsniederlegung gezwungen haben. auf deren niedrigster Staffel das Personal der Schwihmeister steht. dieser auf den ersten Blick befremdlichen Erscheinung sind hier Um 1/21 Uhr wird eine Pause gemacht, um den Parteien Gelegen- Es mag die Bemerkung genügen, daß die letztere Schicht, namentlich wie dort so ziemlich die gleichen. Die Konkurrenz zwischen den heit zur Besprechung von Vergleichsvorschlägen zu geben. Nach die darin überwiegenden Frauen wahre Hungerlöhne bekommen. großen Magazinen und den Konfektionsfabriken en gros ist hier Wiedereröffnung der Sizung um 1/23 Uhr schlagen die Vertreter Man trifft da ein Jahresverdienst von 450, 400, 375, 345 bis noch stärker ausgeprägt als in der Herren Konjektion. Die der städtischen Gaswerke folgenden Vergleich vorbehaltlich der herab zu 280 Fr. übermächtigen Magazine stellen die Fabriken vor die Wahl, gesetzlich vorgeschriebenen Bestätigung durch die städtischen Beentweder zu ruinirenden Preisen zu liefern oder ihre Kundhörden vor: schaft zu verlieren, d. h. die Fabrikation von ihnen selber über sollen. 1. In Erwägung, daß es technisch zur Zeit nicht möglich ift, den Betrieb der Gasanstalten länger als 6 Stunden voll. ständig ruhen zu lassen, Die Ursachen der niedrigen Konfektionslöhne sind vielfacher Natur: Konkurrenz zwischen den Arbeiterinnen, Konkurrenz der Provinzarbeit( wie bereits bemerkt, sind die niederen Zweige der Konfektion gänzlich nach der Provinz aus gewandert), vor allem*) Was die vorgesehlichen Zustände betrifft, so hat die aber die Ronkurrenz der Frauen, die in der Konfektion einen Untersuchungskommission über Frauenarbeit seinerzeit sogar daß zur Zeit mit Rücksicht auf die gefeßlichen Bestimmungen Nebenverdienst suchen, und schließlich in geringem Maße fittive Nachtarbeit als teflamemittel angetroffen. über die Sonntagsruhe es ni ht angängig ist, den Arbeitern die die Konkurrenz der Kloster- und Gefängnißarbeit. Die Arbeiterinnen wurden gezwungen, ohne Arbeit in der Werkgefeßlich vorgeschriebene, um 6 Uhr morgens beginnende Sonn. Es existiren Lohnerhebungen aus dem Jahre 1856. Seitdem ftätte zu machen, um dem gegenüberliegenden Geschäft Respekt tagsruhe von 24 Stunden an jedem zweiten Sonntage zu ge- find nun die Atfordpreise, troß der vertheuerten Lebenshaltung, und Angst einzuflößen. Arbeit wenn nicht die der Nachtschicht vom nicht gestiegen, ja für ordinäre Artikel währen, sogar bedeutend**) Diese Zahl umfaßt neben der eigentlichen Ronfektion PelzSonnabend zum Sonntag um 6 Uhr morgens beendet und von gesunken. Die Lohnberabfegung ist eine der wichtigsten waaren, Kleidermodelle und die bei den großen Magazinen auf ber darauffolgenden Schicht eine am Sonntag um 12 Uhr mittags Waffen der Pariser Unternehmer im Ronkurrenstampfe nicht nur Maß bestellten Kleider. " Versammlungen. In einer öffentlichen Zimmerer Versammlung, die am Sonntag im Keller'schen Saale stattfand, berichtete if cher nommen zu sehen. Der Druck ist um so unwiderstehlicher, als Beitung der harmoniebuseligen Organisation das Ueber- sofort thelephonisch mit, wann und aus welchen Gründen ein die Magazine andererseits die Detailhändler, d. h. die Kund- gewicht gesichert habe. fchaft der Fabriken, immer mehr ruiniren. Als schließliches fchaften giebt es nicht. Reine Arbeiterinnen Gewert Arbeiter entlassen worden sei; es tönne dann jeder Besitzer be 1874 war der erste und legte urtheilen, ob er einen solchen Arbeiter zur Arbeit zulassen wolle Ergebniß erscheint die Herabfeßung des Lohnes durch die Verfuch gemacht worden, eine Nadelarbeiterinnen- Gewerkschaft" oder nicht. Herr H. Erdélyi wünscht die Schaffung einer Zentrale, Fabriken. ins Leben zu rufen. Sie brachte es auf ungefähr 100 Mitglieder um allen Ziegeleibefizern, nicht blos denen eines fleinen Bezirkes, In bezug auf die Zahl der wirklichen Arbeitstage im Jahre, und fiel nach ein paar Jahren auseinander, ohne etwas erreicht Mittheilung über genannte Entlassungsurfachen zukommen zu die Arbeitszeit und die Durchführung des Frauenschutz zu haben. lassen. Gefches verhält sich alles noch schlimmer als in der Damen- Bei alledem flehen die Ausgebeuteten zu den Aus: Der Antrag wurde schließlich abgelehnt; aber wie aus dem Maßbranche. Die nicht behörblich gestattete a cht arbeit ist beutern selbstverständlich auf feindlichem Fuße. Die Enquete Bericht ersichtlich, nicht etwa aus prinzipieller Gegnerschaft, hier häufiger und so gut wie straflos: die im Hinterhof gesitirt diesbezüglich aus einer Monographie aus dem Jahre 1856 fondern weil dem darin geäußerten Verlangen der Unternehmer legenen Echwigwerkstätten sind vor indiskreten Augen sicher. die Worte:" Der Arbeiter zeigt dem Unternehmer gegenüber hente fchon entsprochen wird. Daneben wird, wie in der Damen- Maßbranche, Nachtarbeit zu weder Vertrauen, noch Anhänglichkeit, noch Achtung" und Man muß die Lage der Ziegeleiarbeiter tennen, um die Hause auferlegt. Die selbständigen Heimarbeiterinnen erfreuen fügt hinzu:„ Unnüß wieder einmal zu wiederholen, daß sich das ganze Brutalität jener Unternehmerfippe ermessen zu können. sich vollends einer ungefchmälerten Arbeitsfreiheit", Tros foziale Uebel in dieser Beziehung verfchlimmert hat." Nun, in allebem find merkwürdigerweise die Klagen der Unternehmer dieser Verschlimmerung des sozialen llebets" liegt einatg bie gegen das Schutzgesetz noch nicht verstummt. Aussicht auf eine Besserung der trostlosen Zustände. Der im Lohn. Zuschneider und Zuschneiderinnen werden ähnlich flillen fochende Groll der einzelnen Arbeiter muß schließlich, wie bezahlt wie in der Herrenkonfektion bezw. wie die Arbeiterinnen wir das in Berlin gefehen haben, in einem gemeinsamen zweiten Ranges in den Damen Maßgeschäften der" grands Rampfe mit elementarer Gewalt zum Ausbruch kommen. über die Thätigkeit der Lohukommission während der Streit tailleurs". Die 3 wischenmeister, die eigene Wertstätten s bewegung. Nach den Ausführungen des Redners hat der eine besigen, zahlen den Arbeitern 1/ 2-3/ 4 des vom Fabrikanten fichtigere Theil der Unternehmer die Forderungen der Zimmerer gezahlten Preises. Von ihrem Antheil haben sie die Uutosten, bewilligt und hält auch jetzt noch dieselben inne. Gin anderer fowie den Lohn der Bügler und Stepperinnen zu bestreiten. Dann Der Gemeinderath von Burgstädt i. S. hat den Wunsch Theil der Arbeitgeber, vornehmlich die Innungsmitglieder, geben bleibt ihnen noch immer ein Verdienst( Gewinn und Lohn), der der Arbeiter um Schaffung eines Gewerbegericht aber immer noch darauf aus, die 10 stündige Arbeitszeit einzuführen 80 pt. bes Umfates erreichen kann. Die Enquete führt Zwischen mals abgelehnt, troydem Burgstädt bedeutenden Fabrik bezw. aufrecht zu erhalten, Reytere haben eine Anzahl Arbeiter meister- Gewinne von 3000-12 000 Fr. an. Die Arbeiter der betrieb hat. Der Stadtrath, fagt unser dortiges Parteiorgan, die gefunden, etwa 280, die sich den Bedingungen der Unternehmer Zwischenmeister Werkstätten verdienen meistens 4 Fr. täglich. Boltsstimme", ist vielleicht der festen Ueberzeugung, daß fein unterwarfen, und hat sich infolge dessen eine scharfe Trennung Da aber die große Mehrzahl blos 160 Tage im Jahre beschäftigt Bedürfniß für ein Gewerbegericht vorhanden ist. Wir möchten zwischen den Zimmerern, welche 10 Stunden, und denen, welche ift, so bedeutet das einen Jahresverdienst von 640 Fr. Die deshalb wünschen, daß er nur einmal vier Wochen in unserer Stunden arbeiten, vollzogen. Im Verlauf der Bewegung fanden Arbeiterinnen verdienen noch weniger: Wochenverdienft 15, 16, Saut ftäte und die vielen Beschwerden, Anfragen, Klagen 2c. an 18 öffentliche und 6 Bladeputirten Bersammlungen statt, ferner 17. 18 und 20 Fr., Jahresverdienst( 26 Wochen) 390, 416, 442, bören müßte. Er würde bald anderer Meinung sein. Doch was wandte sich die Kommiffion in 7Aufrufen und 14 Bekanntmachungen an 468, 494 und 520 Fr. Die Minderheit, die während 220 bis nicht ist, kann noch werden. Vorläufig werden wir auf grund die Kameraden Berlins und Deutschlands. Für Porto wurden 280 Tage beschäftigt wird, verdient entsprechend mehr. Am des uns zustehenden Rechtes die weiteren Schritte thun, um 42,75 W. ausgegeben. Auf grund eines Versammlungsbeschluſſes schlimmsten sind die Heimarbeiterinnen dran, die schließlich doch noch ein Gewerbegericht errichtet zu sehen. vom 7. Mai, den infolge der Plaßsperre Gemaßregelten eine Kameraden für 1084 Lage 1959,75 M. Unterstützungsgelder, wöchentliche Unterflüßung von 12 W. zu zahlen, erhielten 146 TOTWEAR Soziales. T " Arbeit vertheilenden Zwischenunternehmer abhängen. Zur Lage der Textilarbeiter Gera's schreibt die Reuß. Tagesverdienst 11 bis 2 Fr., Wochenverbienft 8, 10 und Tribune": Lohnreduktionen find gegenwärtig in den hiesigen während an 77 Kameraden 336,60 m. Reisegeld gezahlt wurden. 12 Fr., Jahresverdienst 208, 260 und 312 Fr." Nur den M. geschicktesten und den thatkräftigsten" Arbeiterinnen gelingt es, ebereien an der Tagesordnung und mehr denn je kommen uns Die Abgereisten vertheilten sich in 32 Städte.6 andere Arbeit in den verwandten Brauchen( Weißnäherei, Korfets- und die Löhne auch bei gutem Geschäftsgang äußerst niedrig find wovon die Maurer ihren Antheil zurückgezahlt haben. Der Streif Modengeschäft) zu vervollständigen. In der Damenkonfektion und die Praktiken gekennzeichnet, bie zur Schmalerung zeitigte Antlagen gegen verschiedene Kameraden, bei denen die macht sich der mehrfach hervorgehobene lohnbrückende Ginfluß des faner verdienten Arbeitslohnes angewendet werden. So$ S 158 Der Gewerbe- Ordnung und 186 und 187 des Stragesetz ber nicht berufsmäßigen Arbeiterinnen, denen es um einen Neben ist es eine bekannte Thatsache, daß bei schlechtem Geschäfts- buches herangezogen wurden. In 10 Fällen erfolgte Verurtheilung. verdienst zu thun ist, besonders stark geltend. Die Zwischen sang fchlechtes Material zur Verarbeitung gelangt, wodurch in einem Falle Freisprechung. Die Kommission habe- wie aus unternehmer etabliren sich vorzugsweise in den Vorstädten, in der bie Weber einige Tage länger an den Stüden arbeiten dieser Darstellung hervorgehe ihre Schuldigkeit gethan. Im Nähe von großen Fabriken und Güterbahnhöfen, wo sie ein müssen. Dann aber ist es auch unmöglich, mit schlechten Garnen allgemeinen tönne man auch mit dem Erfolg der zahlreiches Personal folcher Arbeiterinnen, Frauen und Töchter fehlerfreie Waare zu weben, es wird der Weber dafür in Strafe Lohnbewegung zufrieden sein, und feinesjektdie beffergestellter Arbeiter und Angestellten, vorfinden. genommen. In letterer Beziehung sind die Waarenschauer viel wichtigste Aufgabe der Zimmerer, durch Anschluß an die fach gefügige Werkzeuge in den Händen ihrer Arbeitgeber. Troy Organisation die Errungenschaften zu erhalten. Die gedruckt vors IV. Organisation. dem so ein Mann aus praktischer Erfahrung wiffen müßte, liegende ausführliche Abrechnung über den Agitations und Wenn irgendwo, so wäre in der Kleiderindustrie die Organi daß für Fehler der Weber oft unmöglich hafibar gemacht unterstützungsfonds schließt ab mit einer Einnahme von sation der Arbeiter und Arbeiterinnen nothwendig, um den zabl werden kann, gehen sie nach der ihnen vorgeschriebenen Parole: 19 978,86 m. und einer Ausgabe von 12 183,07 W., und ergiebt lofen Mißständen, der doppelten Ausbeutung, der Ueberarbeit, Die Weber müssen tadellose Waare verfertigen, der kleinste einen Bestand von 7845,79. der Lohndrückerei, der Unsicherheit der Existenz zu steuern. Doch Fehler wird bestraft. Die Strafen stehen oft in gar keinem Ber befindet sich ein Bosten von 503,15. für Prozeßfosten. Unter den Ausgaben dieselben Verhältnisse, welche das Glend der Kleiberarbeiter verhältniß zu der Arbeit, die Fehler auszubeffern. Und was ist das 9 i dert hält diese Summe für etwas hoch. zweifelt, ob urfachen, legen zugleich der Organisation die schwersten Hindernisse anders als eine indirekte Lohnreduktion! Bei schlechtem Ge- biefelbe nur für Anwaltskosten ausgegeben worden ist, und wünscht in den Weg. Die Zerstreuung, die Isolirung der Arbeiterschaft schäftsgang nimmt man aber die Gelegenheit wahr, die ohnehin nähere Aufklärung über diesen Bunkt, sowie Namensnennung der in den fleinen Schwizwerkstätten und gar erst in den einzelnen erbärmlichen Löhne noch mehr zu fürzen. Einen Lohntarif, in die betreffenden Prozesse verwickelten Kameraben. Nachdem der Dachstuben, die schier unübersehbare Abstufung in der Lage wonach sich der Arbeiter den Lohn selbst berechnen taun, giebt Borsigende knüpfer erklärt, daß die fragliche Summe aus der Arbeiterschaft, welche in jeder der vorhandenen Hauptbranchen es nicht. Da wird vielfach die Bezeichnung für die Qualität schließlich für Anwaltskosten ausgegeben wurde, beschließt die in verschiedene Lohufchichten zerfällt, die ihrerseits wieder ver- geändert und mit dieser Aenderung beliebig der Lohn Versammlung, von einer Namensnennung im Interesse ber schiedene Unterschichten aufweisen, die scharfe ökonomische und herabgesetzt. Wem das nicht paßt, der kann gehen. So hat Betreffenden abzusehen. räumliche Scheidung zwischen dem privilegirten Personal der man in verschiedenen Betrieben jetzt den Lohn für einzelne Abrechnung über die Marken. Von einer Seite wurde gewünscht, So hat Betreffenden abzusehen. Eine längere Debatte ergab die Unternehmerwerkstätte( Buschneider und Pompiers) einerseits und Stüde um mehr als 20 pet. gekürzt; ob der Arbeiter mit feiner daß auch die Anzahl der überhaupt gedruckten Marken auf den Schwitz- und Heimarbeitern andererseits, die Konkurrenz Familie von dem färglichen Lohn leben kann, das kümmert das geführt werden müsse, während man von anderer Seite ein zwischen der Frauen und Männerarbeit, die Lohndrückerei der Unternehmerthum nicht, die Hauptsache bei diesem ist die Gr solches Verfahren als unausführbar bezeichnete. nicht berufsmäßigen Arbeiterinnen, die unmöglich für eine Organi zielung eines möglichst hohen Profits. Dabei tönnen viele fammlung ertheilte der Lohntommiffion gegen eine Stimme Die Ver fation gewonnen werden können, furz, die bunte Verschieden Arbeiter leider noch nicht einsehen, daß sie, um bessere Arbeits- Decharge und nahm dann folgende Resolution an: heit und vielfach der Gegensatz der Interessen der einzelnen Ar- bedingungen zu erlangen, sich in erster Linie organisiren müssen. beiterschichten haben sich bisher als ein unüberwindliches Hinderniß der Organisation erwiesen. Als ein weiterer ungünstiger wesens in der Richtung einer obligatorischen öffent Gegen die Entwickelung des reichsländischen ArmenFaktor tommt, wenn auch in zweiter Linie, in betracht die Hofflichen Armenpflege, wie sie dieser Tage der deutsche nung der geschichtesten und thatkräftigsten Elemente, die ja joust Verband für Armenpflege und Wohlthätigkeit zu Straßburg i. E. die Urheber der Organisation zu fein pflegen, sich selbständig, sei in einer Resolution für wünschenswerth erachtete, wendet sich es als Zwischenmeister oder als Ileine Unternehmer, etabliren das ultramontane Blatt, Der Elfäffer", wobei es auszu können. Die Natur des Gewerbes, die geringen Einrichtungs- führt: Aus Elfaß- Lothringen ziehen 10 Einwohner nach Deutsch kosten lassen die Hoffnung, selbst eine Unternehmerstellung zu er- land und aus Altdeutschland tommen 100 Altdeutsche nach langen, troß der fortschreitenden Aufsaugung der Kleinen Geschäfte durch die großen, noch immer nicht ganz aussichtslos cr Scheinen.") 1. Sämmtliche Kameraden, welche vor dem 1. August Marken und Listen entnommen haben, müssen sofort abrechnen. Ausgeschlossen sind hiervon die Bezirkskassirer. 2. Die Bezirkskassirer haben diese Personen unverzüglich der Lohnkommission zu melden. 3. Wer bis zum 15. Oktober seine Kontos nicht beglichen bat, wird auf einer Biste den Berliner Zimmerern bekannt gegeben. Daffelbe gilt von denjenigen Personen, welche aus dem Jahre 1895 noch nicht alles beglichen haben. 4. Die Revisoren find verpflichtet, die Besirtstaffirer viertele jährlich mindestens einmal zu revidiren. trauensmannes und der Lohnkommission wurde, ba ber bisherige Die auf der Tagesordnung stehende Neuwahl des Ver sonst keiner der Vorgeschlagenen zur Annahme des Amtes bereit Bertrauensmann Fischer eine Wiederwahl ablehnte und sich auch finden wollte, bis zur nächsten Versammlung vertagt, ebenso ber Bunkt: Unsere Zaktit für die Zukunft. Auf Antrag Fischer's wurden den ausständigen Gasanstalts- Arbeitern 200 Wart be Elsaß- Lothringen und bleiben da figßen. Am meisten Solcher schickt uns der Kreis Offenburg in Baden über den Rhein herüber; von einigen Dörfchen Württembergs heißt es: Sie sind faft alle Hinsichtlich der Herren Maßschneider konstatirt die nach Straßburg gezogen. Nehmen wir nun an, daß diese alle Enquete, auf grund der Angaben der erfahrenen Praktiker dieser den Wohnsiy da haben und, wenn arm was oft vorkommt Branche, den individualistischen Geist der Arbeiter: Jeder sieht das Recht auf Unterstützung der Gemeinde erlangen, was stellt nur darauf, den Kollegen auszustechen oder zu verdrängen". fich heraus? Die über dem Siheine müssen 10 Elfaß Lothringer Die Heimarbeiter, die Gehilfen beschäftigen, suchen systematisch, unterstützen und wir 100 Altdeutsche." ebenso wie die Zwischenmeister, die Männerarbeit durch die billigere Frauenarbeit zu ersehen. Für die Ausbeutung, feine obligatorische Armenpflege; es gilt noch, bie französische willigt. In Elsaß Lothringen giebt es jetzt in der Hauptsache gar deren Opfer sie sind, suchen Sie die Gehilfen büßen zu Gesetzgebung mit dem Grundgedanken der freiwilligen ArmenLaffen. Die zwei großen Streits der Maßschneider in den pflege und( wie die Soziale Praxis" ausführt) mit allen Mängeln bandes der Maurer tagte am 4. d. m. bei Cohn, Beuthstr. 22. Eine Mitgliederversammlung der Filiale II des Ver Jahren 1867 und 1885 find gescheitert infolge des Mangels an einer rein auf Zufälligkeiten geftellten Verwaltung. Rechtsanwalt Bum 1. Puult der Tagesordnung referirte Dr. Friedeberg Pompiers von 150 Luxusgeschäften legten die Arbeit wieder mit fiände unter dieser Art Armenpflege als unhaltbar nad). Unter statistiken. Nach einer recht regen Diskussion wurde unter Ge Solidarität. Besonders lehrreich ist der Streit von 1885. Die Ruland in Colmer im Elsaß weist in einer Schrift die Bu- 3um Der Forderung eines Stundenlohues von 90 Cts. Die Groß dem Eyfteme der Freiwilligkeit müssen die Armenverwaltungen wertschaftlichem zunächst beschlossen, zur nächsten Bersammlung in intereffanter Beise über: Nußen und Werth der Berufsarbeiter schloffen sich ihnen an, in der Hoffnung, ihrerseits eine alle erdenklichen Mittel ausbieten, um sich Einnahmequellen zu vers als 1. Punkt auf die Tagesordnung zu sehen: Unsere gewert Erhöhung des Stücklohnes um 2-3 Fr. zu erlangen. Darauf schaffen. Armenlotterien, öffentliche Bergnügungen, kurzum die antwortelen die Unternehmer der 150 Geschäfte mit einer all- ganze wohlbekannte Bettelet, wie sie bei uns die sogenannte Schaftliche Lage, Ferner beschloß man, die Versammlungen gemeinen Aussperrung, die 8-9000 Arbeiter traf. Und was geschah Wohlthätigkeit ausübt, verbunden mit der Wohlthätigkeits. pünktlich zu eröffnen. Sodann wurde darauf hingewiesen, daß nun? Die Pompiers, die Urheber des Streifs, schlossen mit den reklame, betreibt in den Reichslanden die öffentliche, aber frei am Mittwoch, den 7. d. M., auf den Bauten ein Flugblatt zur Unternehmern eine Sonderabmachung ab, während ein Theil willige" Armenpflege. Natürlich ist das, was auf diese Weise Empfang genommen werden. Am Donnerstag, den 8. d., sind Vertheilung gelangt. Dasselbe tann in allen Verkehrslokalen in der Großarbeiter die ursprüngliche Forderung fallen ließ und einkommt, vollständig unzulänglich. die Ausarbeitung eines Tarifs, dem ein Stundenlohn von 80 Cts. au grunde gelegt werden würde, verlangte... Nach 40 Tagen die Echwächen des jetzigen Systems nicht wohl bekannt wären. taunt, daß diejenigen, bie länger als brei Monate mit ihren Es ist kaum anzunehmen, daß dem ultramontanen Blatte vier Agitationsversammlungen geplant, für deren Besuch man recht fleißig wirken möge. Bum Schluß gab der Kassirer beDer Hauptgrund feiner Abneigung wird wohl darin bestehen, Die Organisation der Maßschneider ist bis auf den heutigen daß der katholischen Partei, die die Ausübung der Wohl Beiträgen im Rückstande find, den„ Grundstein" nicht mehr erTag in rudimentärem Zustand. Während die Unternehmer in thätigkeit" als Mittel benutzt, um die ärmeren Bolistlassen an halten, falls sie nicht ihre rückständigen Beiträge begleichen. zwei starten Syndikaten vereinigt sind( von 320 bezw. 289 Mit- fich zu ketten und dadurch ihre Macht zu erhalten, durch die gliedern), befizzen die Arbeiter nur schwache, einflußlose, von ein Einführung der obligatorischen öffentlichen Armenpflege ein durch die bekannte Lokalabtreiberei hinausgeschobene General Adlershof. Am 80. September fand die ordentliche, aber ander abgesonderte Gewerkschaften. Die Gewerkschaft Progressive" Agitationsmittel wenigstens zum größeren Theil entzogen würde versammlung des fozialdemokratischen Arbeiter Bildungsvereins umfaßt 52 Zuschneider von Luxusgeschäften. Es ist übrigens Zeine Rampforganisation, die privilegirten Mitglieder leben in In Bern hatten die Stadtverordneten den Magistrats- für Adlershof und Umgegend statt. In dem Bericht des Vorgutem Einvernehmen mit den Unternehmern, weshalb der Arbeits- antrag auf Anfauf respektive Selbstbetrieb des Stadt. Standes wurde besonders gewünscht, daß der Versammlungsbefuch flatbed trade besonders guide. den Bericht besuch nachweis der Gewerkschaft von den Unternehmern benutzt wird. anzeigers" in eigener Druckerei abgelehnt. Nun haben sich im künftigen Halbjahr beffer gestalten möge wie bisher und Außerdem bestehen vier Schneidergewerkschaften, deren eine unfere Genoffen ein bezügliches Initiativbegehren aufgestellt und die Mitglieder ersucht, den Vorstand in dem Bestreben " Solidaritat der Echneiderarbeiter", 80 Mitglieder, Schneider in wenigen Tagen hierfür die nöthigen Unterschriften aufgebracht. su unterstützen, bie nicht organisirten Parteigenoffen und Pompiers, zählt. Die Mitgliederzahl der übrigen ist nicht So wird vielleicht die Gemeindebruderei erreicht. Anschluß an den Verein AN veranlaffen. Die angegeben. Cine einzige Gewerkschaft, die" Couture"( Schneiderei), Die staatlichen Bauarbeiter im Kanton Baselstadt er. 1. Vorsitzender, Dindecke, 2. Vorfigender, Thiele, Schrift. Borstandswahl ergab folgendes Resultat: Wadepuhl, fteht auf sozialistischem Boden. halten fünftighin ebenso wie die Beamten jährlich einen drei führer, Neumann, Kassirer, Büttner, Beisitzer, Arndt In der Herren- und Knabentonfettion find die wöchigen Urlaub unter Fortzahlung des Arbeitslohnes. Unternehmer in einem Syndikat vereinigt, das von den und Tempel, Revisoren. Die beantragte Statutenänderung zirka 40 Firmen der Branche 30 umfaßt. Die Arbeiter sind Unternehmer- Praktiken. Zu diesem Kapitel liefert einseitigte eine rege Debatte, die jedoch, um der Polizeibehörde nicht dagegen womöglich noch mehr gespalten als in der Maßbrauche. Bericht über den Kongreß der Ziegel- und Thou waaren. Gelegenheit zu geben, Herrn Wöllſtein in einer Woche ein zweites Bon Arbeiter Organisationen teine Spur. In der Enquete heißt Industriellen in Budapest, dem wir dem Unternehmer- Strafmandat von 15 Mark wegen Polizeiftunden- Uebertretung es darüber:„ Der soziale Kampf ist aus dieser Branche verbannt. organ Deutsche Töpfer- und Ziegler- Beitung" entnehmen, einen zukommen zu lassen, bis zur nächsten Bersammlung vertagt Streits haben nicht einmal eine Gelegenheit zum Ausbruch." interessanten Beitrag. Es heißt da: perlief der Streit im Sande. wurde. = mann, Basewalterfir. 3. Alle Renderungen im Bereinskalender find zu richten Arbeiter- Sängerbund Berlins und hingegend. Borsigender Ad. Neu an Friedrich Kortum, Manteuffelitr. 49, v. 2 Tr. Arbeiter Raucherbund Berlins und Umgegend. Aenderungen im Bereinstalender find zu richten an Karl Stiller, Kleine Frankfurter fraße Nr. 7, 1 r. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Ale Buschriften, den Bund betreffend, find zu richten an Hermann Jahn, Schönhauser Allee 177 c. In der Damenkleider Branche besitzen die Unter= Sierauf schritt man zur Verhandlung der Anträge des Herrn nehmer wiederum eine fräftige Organisation( 180 Mitglieder). H. Erdélyi, welche Herr Krauß zunächst in deutscher Sprache Außerdem existirt eine gemischte Gewerkschaft, zu wiederholte. Das wesentliche dieser Anträge besteht darin, sammengesetzt aus Unternehmerinnen, Frauenangestellten und daß ein schwarzes Buch eingeführt wird, in welches die Arbeiterinnen. Es ist das 1892 gegründete Syndicat de Namen derjenigen Ziegeleiarbeiter eingetragen werden, welche l'Aiguille"( Gewerkschaft der Nadel), welche auch Zugehörige der ihren Vorgesetzten gegenüber völlig renitent und widerspenstig verwandten Berufe aufnimmt. Diese Organisation zählte 1893 feien; durch eine Zentralstelle solle dann allen Arbeitgebern der 1200 Mitglieder( Ende 1894 1247), tarunter 150 Unter- Inhalt dieses Buches mitgetheilt werden, um den Arbeitgebern efchloffen. Wiedereröffnung Mitte Ottober. Arbeiter Bildungsschule. Südost Schule, Waldemarstraße 14, nehmerinnen, 350 Frauenangestellte und 700 Arbeiterinnen. zu ermöglichen, solche Arbeiter nicht in ihren Betrieben zu be- wüllerfir. 179 a: gefchloffen. Wiedereröffnung: Anjang Ottober Nord Schule, Unnüß zu sagen, daß die Unternehmerschaft sich in der schäftigen. Herr Direktor Balint bemerkt zu diesen Anträgen, daß Brunnenstraße 25, erster of lints, 1 Tr. Bei allen Unterrichtsfächern man dies den Fabrikbefizern überlassen müsse, unter sich derartige werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. *) Namentlich wird das stetige Anwachsen der kleinen Damen- Vereinigungen zu gründen, um sich gegenseitig über unbrauch Landsmannfdjaft der Schleswig- Holsteiner. Heute, abends 8 Uhr, Maßgeschäfte fonstatirt, deren Inhaberinnen freilich zugleich für bare Arbeiter zu verständigen. In Budapest bätten sich die in den Armin- Sallen", Kommandantenstraße 20: Generalversammlung. die großen Magazine arbeiten müssen. Biegeleibesitzer zusammengethan und theilten dieselben einanders uhr, im Vorstädt'schen Kasino, Ackerstr. 144: Gigung. Theater- und Vergnügungs- Verein„ Helgoland". Seute, abends Für den Juhalt der Inserate über. nimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 7. Ottober. Opernhaus. Die Hochzeit des Figaro. Nenes Opern Theater.( Kroll.) Geschlossen. Schauspielhaus. Goldfische. Deutsches Theater. Julius Cäsar. Berliner Theater. König Heinrich. Leffing- Theater. Romtesse Guckerl. W.Noack's Theater] Passage- Panopticum. 00000000002 tenkog fudb 4 uur unfere liebe Brunnenstr. 16. Täglich: Konzert, TheaterVorstellung. Auftr. von Spezialitäten. Künler 1. Ranges. Karlchens Tante. Schwant in 1 Aft von Schmasow. Neu! Neu! Neu! Berliner Konfektionensen. Burleske mit Gesang und Tanz, in 1 Aft von Gericke. Mufit v. Schmidt. Jeden Sonntag, Dienstag Theater des Westens. Tausend u. Donnerstag nach b. Vorstellung und eine Nacht. Senes Theater. Die Familie Pontbiquet. Thalia- Theater. Gebildete Menschen. Residenz- Theater. Der Stellvertreter. Vorher: Ninette im Schnee. Theater Unter den Linden. Die Lachtaube. Schiller- Theater. Der Sohn der Wildniß. Zentral- Theater. Eine wilde Sache. Oftend- Theater. Der deutsche Michel. Belle Alliance- Theater.' n tolles Mädel. Volks Theater. Ein vorsichtiger Mann. Pladderadauh. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Das Käthchen von Heilbronn. Alexanderplatz- Theater. Ohne sitt lichen Halt. Baufmann's Variété. Spezialitäten Vorstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Bor ftellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Sohn der Wildnik Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Sohn der Wildnik. Friedrich Wilhelmstädt. Theater Chausseestr. 25/26. Dir. Max Samst. Das Käthchen von Heilbronn Ober: Das heimliche Gericht. Romantisches Ritterschauspiel in 5 Akten von H. v. Kleift. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Maria Stuart. Frau Marg. Pix a. G. Sonntag, den 11. 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