" Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. wwww Eingeine Nummer 15 fg. Die Berliner Bolts Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando( frei ins Haus). Durch jede Poft- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Bfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. № 38. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Bfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inseraten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Schule und Sozialdemokratie. Novelle. Sonnabend, den 21. September 1889. Aus der gefeßgebenden Klasse unseres Klassenstaates. Die Postabonnenten unseres Blattes erinnern wir daran, ohne Säumen und vor Monatsschluß ihr Abonnement zu erneuern, Post- Zeitungskatalog für 1889 Nr. 867. Preis pro Quartal Mk. 1,50 " Ausgabe für Spediteure: " Merkur" Zimmer- Straße 54. III. Jahrgang. Aus beiter, fie wendet sich an ihre Vernunft und Urtheilskraft. eigener Kraft. Ein protestantischer Geistlicher diesem Grunde wollen wir uns mit den Mitteln bekannt Gelänge es nun diese in jedem Kind auf der Schule zu über die deutsche Arbeiterbewegung. Zur machen, die Nektor Grünewald zur Bekämpfung der erdrosseln, dann wäre damit die Macht der Arbeiterklasse Frauenfrage. Arbeiterversicherung und grundstürzenden Forderungen" der Sozialdemokratie und gebrochen. Aber das geschieht so wenig wie Bäume in Armenpflege. Zunahme der Armuth.-Die zur Erhaltung unseres monarchisch gesinnten und gottes- den Himmel wachsen. Einmal ist es unmöglich, alle VolksEntwickelung der Elektrizität. fürchtig angelegten deutschen Volksthums" anwenden will. schullehrer zu Zeloten zu erziehen, im Gegentheil wirken Gedicht von Wille. Ein Diese Mittel nun sind keineswegs neu. Schon 1878 die Verhältnisse dahin, daß sie recht klare, vernünftige bürgerlicher Moralist. I. Die Sucht nach hat Herr Kleist- Rezow im Reichstag bei der Berathung Köpfe werden. Selbst unser Rektor ist ja überzeugt, daß Reichthum. Streiks und Einmischung der des Sozialistengesezes ungefähr dasselbe Programm ent- ein großer Bruchtheil der Volksschullehrer sogar„ auf die Behörden. Preußische Fabrikinspektion im wickelt, und noch vor kurzem hat die Konservative schiefe Ebene" der Sozialdemokratie ,, getrieben" wird. Zum Jahre 1888. I.- Austritt aus den Zwangs- Korrespondenz" unter dem begeisterten Zuruf aller andern aber wird ein die Vernunft fesselnder Religionskassen. Zur Lokalfrage. Reptilien der Welt, verkündet, daß die Volksschule der unterricht durch die Eindrücke und Erfahrungen im tägberufene Drachentödter des sozialdemokratischen Unge- lichen Leben wieder wett gemacht. Noth und Elend und heuers sei. das nicht zu unterdrückende eigene Interesse, die SelbstDas bewährteste Mittel, das sich seiner Interessen behauptung sorgen schon dafür, daß dem Kinde die in der bewußt werdende Bolk gefügig zu machen, war und bleibt Schule eingeimpfte Demuth und Unterwürfigkeit gründlich die Religion. Was ist also natürlicher, als daß unser wieder ausgepaukt wird. Im Interessenkampfe wird der Rektor zuerst danach greift und verkündet: Das Evange- zum stillen Arbeiter, sanften Menschen und gehorsamen lium kann noch alles retten; das wirksamste Mittel gegen Unterthanen" zurechtgedrückte Proletarier wieder zum den aufgebrochenen Schaden ist die Umkehr zum lebendigen Mann, der sich auf seine eigene Ueberzeugung verläßt, der Gott. Zum Gefeß! Zum Zeugniß! Die Kirche soll ein- felsenfest und unerschütterlich auf seinem Rechte steht und greifen, ihre Diener sollen den Fabrikarbeitern zum Ver- es behauptet. ständniß bringen, daß es ,, fittlich" sei, zu, geistabstumpfender, Mit dieser wahrhaft christlichen" Erziehung zur Untereinseitiger und freudeloser Arbeit verurtheilt" zu sein, daß diese Arbeit vor Gottes Augen groß und wichtig erscheine. Prüfen wir einmal, ob der zweite Harnisch, mit dem Also Anstellung von Fabrit" geistlichen! Herr Grünewald seine Schüler gegen die verderblichen An alle Arbeiter und Parteigenossen richten wiederijolt die Ohne nun„ an ben be großer Männer kleinlich Lehren der Umfturzpartei wappnen will von stärkerem Stahl Aufforderung, unermüdlich neue Abonnenten für unser herumnörgeln zu wollen", halten wir diesen Vorschlag für ist. Er besteht in der vaterländischen Gesinnung. Blatt zu werben. Um unseren Genossen die Gewinnung neuer Abonnenten zu ziemlich verfehlt. Unseren Arbeitern braucht ein Geistlicher Diese zu pflegen, ist der Geschichtsunterricht bestimmt. erleichtern, werden wir Exemplare gratis zur Agitation versenden. nicht erst zum Verständniß zu bringen", daß ihre Arbeit Da das ohne weiteres noch nicht möglich ist, so giebt der Alle Freunde unseres Blattes, die eine bestimmte Anzahl solcher sehr groß, sehr schwer, sehr wichtig sei. Das wissen sie Rektor uns dazu die Anleitung.„ Es müssen diejenigen Gratis- Exemplare wünschen, bitten wir um umgehende Benach ebenso gut. Dagegen dürfte es auch dem mit Engel geschichtlichen Persönlichkeiten im warmen, freien Vortrag richtigung durch Postkarte. Die Vertheilung empfiehlt sich besonders zungen rebenden Rektor Grünewald sehr schwer werden, die in's Licht gestellt werden, deren Entwicklung und Handeln Arbeiter zu überzeugen, daß es fittlich" sei, fie nicht das Kind mit Begeisterung erfüllt und den Trieb der Nachallein zu„ geistabstumpfender, einseitiger und freudeloser ahmung weckt." Im folgenden wird dann ausgeführt, daß Arbeit zu verurtheilen", sondern ihnen dafür noch oben sich dazu besonders die Hohenzollern eignen. brein einen billigen Lohn vorzuenthalten und sie dadurch Unser Rektor meint auch, daß dem Volksschüler durch Krankheiten und dem Elend auszusetzen. Daß in den ein geschickt abgefaßtes Lesestück über die französische RevoWer kennt nicht den Rektor Kroll, jenen Typus Fabriken die Thatsachen nun doch eine zu deutliche und lution die Augen über den schauerlichen Abgrund" geöffnet des zelotischen Schulmeisters, den uns Ibsen in seinem nicht mißzuverstehende Sprache reden, das dämmert auch werden sollen, vor dem er demnächst vielleicht gestellt Drama Rosmersholm" gezeichnet hat und der, getrieben schließlich dem Grünewald auf. Darum aber will er werden soll". das sonst von der Post als erlosch en betrachtet wird. Erst nach dem Monatsschluß eingegangene Bestellungen sind mit unnüßen Kosten und Arbeits- und Zeitvergendungen verbunden ganz abgesehen davon, daß eine Nachlieferung der bereits erschienenen Nummern oft gar nicht mehr erfolgen kann. Der Verlag der„ Berliner Volks- Tribüne". Berlin S. O., Oranienstr. 23. außerhalb Berlins in Vereinen und Versammlungen. Die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die Volksschule. 17 " 1 thänigkeit ist es also nichts. von blindem fanatischem Haß den verderblichen, zerstören- dafür sorgen, daß die Arbeiter schon so abgestumpft in Wir wollen mit Herrn Grünewald über seine Geden und auflösenden Zeitgeist mit allen Waffen bekämpfen die Fabrik kommen, daß sie selbst die Sprache ihres eigenen schichtsfälschungspläne nicht in's Gericht gehen; er würde will, die er nur erlangen tann!" Dieser Reaktionskannibale, Elends nicht mehr verstehen. uns nur mit Kollege Kroll antworten:" Gerade, als ob der am liebsten den verhaßten Zeitgeist verschlingen möchte, Um das zu bewirken, hat er sich die Volksschule, die das nicht nothwendig wäre!" hält, zähneknirschend vor dieser Unmöglichkeit stehend, es Schule des Proletariats auserkoren. Hier muß ein- Mit seinem Fälschungsvorschlag ist aber unser Rektor nunmehr für seine erhabene Pflicht, jede selbständige gesetzt werden, um ein gottesfürchtiges, königstreues, noch nicht am Ende seiner gesellschaftlichen Bestrebungen. und freie Regung in der ihm anvertrauten genügsames und arbeitsfreudiges Geschlecht zu erziehen", Er hat das Bedürfniß, sein erziehliches Rettungswerk mit Jugend im Keime zu ersticken. Als ob das nicht ruft er begeistert aus! Zwar die Arbeit ist nicht leicht; der Proklamirung der Erziehung zum blinden Ge= nothwendig wäre", ruft er verwundert aus, steht doch in den Häusern der Arbeiter hören die Kinder despektirliche horsam zu krönen. Für den Schüler gilt einfach das dahinter der satanische Geist der Empörung und Gespräche und bekommen, seelenverderbliche Lektüre( S. 9.) Wort: Du sollst und Du sollst nicht! So gewöhnt sich des Aufruhrs, die Auflehnung gegen die Auto- in die Finger, aber da man nun einmal nicht an den das Kind ans Gehorchen und sieht den Gehorsam rität, die Sucht nach Genuß und die Scheu vor der Familienherd herankommen kann, so muß wenigstens die als ganz etwas Selbstverständliches an. Fern seien Schule„ die Jugend gegen die Gefahren der kommunisti- die süßlichen oder pietistischen Auseinanderseßungen Wie wahr Ibsen diesen Rektor Kroll gezeichnet hat, schen Propaganda schüßen und zwar soll sie durch einen und das fortwährende Anführen der Gründe, warum dafür bringt ein geistesverwandter Kollege, ein gewisser wahrhaft christlichen Religionsunterricht gegen dies und das gefordert werden müsse." Rektor Grünewald mit seiner Broschüre:„ Der sozialistische „ Der sozialistische Beeinflussungen" unempfänglich gemacht Wahrlich, das sind sonderbare Grundsäze! Während Rampf gegen die sozialistischen Ideen, beleuchtet werden." es das Ziel einer jeden vernünftigen Erziehung sein sollte, vom Standpunkte der Volksschule" einen zwar un- Das ist nun gewiß ein sehr sonderbarer Vorschlag. dem Kinde die Zweckmäßigkeit aller ihm gebotenen Handfreiwilligen aber nur um so prächtigeren Beweis. Dem Leser Man wirft unwillkürlich die Frage auf: wird denn in den lungen so viel wie irgend möglich zum Bewußtsein zu dieser Broschüre ist es unmöglich, den Geist des Rettors 10-15 Religionsstunden, welche die Kinder in der Volks- bringen, es bei seinen Entschließungen zum Gebrauch seiner Kroll zu bannen, er erscheint ihm mit derselben Noth- schule wöchentlich über sich ergehen lassen müssen, nicht Vernunft und seiner Urtheilskraft anzuleiten, wirft unser wendigkeit, wie der Erdgeist dem Faust, als dieser das das wahre Christenthum gelehrt? Nach der Meinung des erfahrener Pädagoge diese„ pietistische" Anschauung als Zauberbuch aufschlug. Rektors nicht. Und zwar liegt das am Mangel ge- altes Eisen in die Rumpelkammer. Nach seiner Meinung Arbeit." Wie groß nun auch immer die Aehnlichkeit zwischen eigneter Lehrer. Grünewald verlangt glaubenzeugende kommt das Kind in die Schule, um Gehorsam zu lernen, dem Kroll'schen Urbilde und dem Grüneberg'schen Abklatsch Persönlichkeiten",„ geistesdurchwirkte, zum Zeugniß der um später blindlings auf das Wort" zu folgen. Die sein mag, in einem Punkte übertrifft der letztere sein Wahrheit befähigte Lehrer", welche den Kindern der nothwendige Konsequenz dieser Ansicht ist die Lehre, daß Prototyp: in der Offenheit, mit welcher er uns seine Armuth das in Christo geschaffene Jdeal möglichst an- das Volk nur dazu da sei, um zu gehorchen. Da innersten Herzenswünsche offenbart. Und diese gerade schaulich, in seiner ganzen Schöne und Hoheit" vorhalten find allerdings die Sozialdemokraten und glücklicherweise find es, welche uns veranlassen, uns ein wenig mit dem können, d. h. er verlangt Fanatiker, jene geistlichen Hypno- auch noch eine große Anzahl anderer Leute entgegengesetter Herrn Grünewald zu beschäftigen. tiseure, welche durch ihr leidenschaftliches glaubenzeugendes" Ansicht. Für sie ist die Staatsgewalt keine göttliche InGanz verfehlt aber wäre es, wollte er daraus auf Predigen den Geist der Kinder umstricken, ihm sein ge- stitution, der das Volk unbedingten Gehorsam zu leisten die Bedeutung seiner Person einen Schluß ziehen. Nicht sundes, urtheilskräftiges Denken ersticken sollen. hat, sondern eine den Interessen des Volkes dienende Beseine persönlichen Ansichten und Wünsche sind es nämlich, Das allerdings wäre ein Mittel, und wir gestehen, hörde. Erkennt das Volt, daß die Staatsgewalt diese ihre welche er in seiner Broschüre niedergelegt hat, es sind die ein sehr kräftiges Mittel. Die Sozialdemokratie stüßt sich Aufgabe nicht erfüllt, sondern nur einem gewissen Theile einer großen Klasse, und zwar die der herrschenden, nicht auf ein Dogma, sondern auf das Interesse der Ar- der Gesellschaft dient, so hat sie nicht nur das Recht, son nur dern sogar die Pflicht, hier Wandel zu schaffen. Angenom-| um eine wirkliche eingreifende und dauernde Aenderung in die„ Voltstribüne" im Bunde mit den„ Historisch- politimen, Herr Grüneberg, ihre Ansicht von dem knechtischen den Zuständen herbeizuführen, deren Unhaltbarkeit von schen Blättern für das katholische Deutschland" Sichfügen des Volkes wäre richtig, warum dann überhaupt jedem nicht vollständig mit Blindheit Geschlagenen anerkannt dürften die Politiker der" Post" selber am wenigsten an noch eine Schule, warum nicht lieber das Zuchthaus wird natürlich abgesehen von denen, die wissentlich den mitgetheilten Tiefsinn glauben und es bleibt also mit der Zwangsjacke, die Galeere mit der Peitsche? Dort gegen eine Besserung sind, weil sie sich unter diesen Zu- dabei, daß sich gegen die ruhige Anerkennung eines würde das Proletarierkind noch gefügiger gemacht werden. ständen ganz wohl fühlen- kann von jener Aenderung Gegners, der aber mit einem offenen Kopfe ausgeDamit jedoch dies Resultat auch in der Volksschule er- keine Rede sein. stattet ist, das öde Toben der Schwach köpfe von der reicht werde, fügt Grünewald mit zynischer Unverfrorenheit Wir sagten ,,, das Volk in seiner Gesammtheit" müsse Kartellpresse sehr kläglich ausnimmt." hinzu: sie darf hierbei selbst vor körperlicher die Reformen in die Hand nehmen. Damit meinen wir Sollte die„ Post" aber wirklich ihre Leistung ernst Züchtigung nicht zurückschrecken!" aber nicht, daß das arbeitende Volk„ bis zum letzten nehmen, so wollen wir ihr gerne Gelegenheit geben, ihre Es ist geradezu klassisch, wie die Kapitalistenklasse durch Mann" für die Idee einer Umformung der Gesellschaft Findigkeit von neuem zu erproben und auch die„ Verden Mund des Rektors Grünewald ihr innerstes Wesen gewonnen sein muß. Dann freilich wäre das Werk ein bindungsfäden" zwischen protestantischen Kirchenlichtern offenbart. Ihr ist in der That die Volksschule keine An- zehnmal schwierigeres, als es jetzt ist, oder richtiger noch: und der„ regulären Sozialdemokratie" aufzuspüren. stalt, wo Menschen gebildet, sondern wo Arbeitsthiere überhaupt unmöglich. Denn es wird unter den günstigsten Vor einiger Zeit ging uns nämlich von unbekannter ,, weiße Sklaven" wie die Kreuzzeitung sagt für das Umständen auch von denen, die unter den heutigen gesell- Hand und aus uns unbekanntem Drte ein Vortrag" Kapital großgezogen werden sollen. Die Unterdrückung schaftlichen Zuständen leiden, ein mehr oder weniger großer zu, gehalten bei der Generalversammlung des Schlesischen des Volkes, seine Verdummung durch religiösen Fanatis: Theil übrig bleiben, der nicht zur Erkenntniß seiner Lage Provinzialvereins für Innere Mission in Liegniß, den mus, seine Unterwürfigkeit durch die Geschichtslüge, die gebracht werden kann, der durch keinerlei Aufklärungsarbeit 13. Juni 1889, von Fr. Naumann, Pastor." Auch Abstumpfung seines Rechtsgefühls durch den Prügel, seines aus seiner Lethargie gerissen werden kann. dieser evangelische Pastor schildert die Sozialdemokratie Selbstbewußtseins durch die Gewöhnung an sklavischen Gehorsam das sind die ausgesprochenen Ziele der Volksschule im Dienste des Kapitals! Fürwahr:„ hohe"," ideale"," fittliche" Aufgaben! Der alte Grillparzer kannte seine Leute, als er schrieb: Der Weg der neueren Bildung geht Von der Humanität Durch Nationalität Zur Bestialität! Aus eigener Kraft. Obwohl man in allen Städten, ja sogar in den Obwohl man in allen Städten, ja sogar in den Dörfern prachtvolle Häuser und Villen, reich ausgestattete Läden, vollgepfropfte Magazine antrifft, obwohl riesige Summen an Prachtgebäude, an Festlichkeiten aller Art Glücklicher Weise ist es auch nicht nöthig, daß mit durchaus nicht als das Scheusal, als das sie in der dem Erlösungswerk gewartet werden muß, bis diese Ele- kartellbrüderlichen Heßpresse dem armen Spießbürger zunt mente ebenfalls für die Sache gewonnen sind. Diese Leute größeren Ruhm des Ausnahmegefeßes" immer und immer nehmen die Dinge, wie sie sind, tragen also auch ihre wieder vorgeführt wird. Haut nicht zu Markte für die Befizenden. in unsere Reihen treten werden. Doch hören wir unseren Pastor von der inneren Für die Besserung der Gesellschaft genügt es demnach, Mission. Er äußerte u. a.: daß diejenigen Elemente des arbeitenden Volkes für die- ,, Wir sind Zuschauer bei einem wunderlichen Kampfe. felbe eintreten, welche nicht zufrieden mit ihrer Lage find, Auf der einen Seite steht eine altbewährte(?) Macht des die aber heute noch nicht wissen, wie eine Aende- Geistes mit allen Mitteln ausgerüstet. Das Evangelium rung zu bewerkstelligen ist und die noch allerlei Vor- hat in unserem Vaterlande etwa 14 000 angestellte urtheile hegen, die man ihnen von Jugend an beigebracht Prediger; es hat mehr als 10 000 Kirchengebäude; hat. Und es ist keine Frage, daß sie, sobald diese Vor- es beeinflußt den Unterricht fast sämmtlicher in der evanurtheile beseitigt sind und sie wissen, wie's geschehen muß, gelischen Kirche getauften Kinder. Die Arbeit in Kirche und Schule ist nach vielseitigem Zeugniß eine eifrige. WieDas können wir aber nicht mit einem Schlage er- viel Predigten werden gehalten, wieviel christliche Blätter verschwendet werden, kann doch niemand leugnen, daß sich zwingen, sondern nur nach Lage der Umstände durch die gedruckt; welche Geldmittel stehen trotz aller Klagen auch verschwendet werden, kann doch niemand leugnen, daß sich verschiedensten Mittel und auf den verschiedensten Wegen der evangelischen Kirche zu Gebote! Die öffentliche Gedie Lage des arbeitenden Volkes von Jahr zu Jahr befördern. walt tritt für die evangelische Kirche ein; an fast allen verschlechtert, daß das Elend unter demselben immer größer Unsere heutige Aufgabe ist hauptsächlich eine pro- Universitäten hat sie ihre hochbedeutenden Vertreter; die und ausgebreiteter wird, während sich auf der anderen Seite die von der Arbeit hervorgebrachten Reichthümer Pagandistische, agitatorische. Als solche müffen wir sie Bildungswelt ist ihr freundlicher als in manchen früheren auffassen, wenn wir nicht fortwährenden Enttäuschungen Epoche. ausgesezt sein wollen. ,, Und von dieser alten reichbegünstigten Geistesmacht Die Zahl derjenigen, welche für ihre Arbeitsleistung Das„ Evangelium der Neuzeit" wird sich über kurz löft sich ein Hunderttausend von Seelen nach dem andern, noch einen„ Lohn" empfangen, der ihnen eine einigermaßen oder lang" der Geister bemächtigen, ob viele Gequälten um einer neuen Macht sich zuzuwenden, welche weder auskömmliche und menschenwürdige Existenz ermöglicht, und Bedrückten" heute auch noch verstockte Heiden" zu Alter noch hohen Schuß für sich hat, welche ohne wird immer geringer, und die Unsicherheit dieses noch sein scheinen. einigermaßen befriedigenden Erwerbs immer größer. stets mehr aufhäufen. Das ist unser Trost und unsere Zuversicht! Ein protestantischer Geistlicher über die deutsche Arbeiterbewegung. besoldetes Vertreterheer und ohne irgend welche öffentliche Erleichterung ihren Gang gehen muß, gehemmt und bedrängt von der ganzen Wucht der maßgebenden Kreise.. ,, Mit allen unsern vielen Mitteln leisten wir weniger als die Sozialdemokratie mit ihren wenigen Mitteln. ,, Wir werden im nächsten Jahrzehnt ohne Zweifel noch mehr verlieren, die Sozialdemokratie wird noch mehr gewinnen. So wird es fortgehen.. Worin liegt die Kraft der Sozialdemokratie? " Noch immer kann man derartiges hören wie: Sie . Für den, der die Entwickelung der Dinge mit flarem Auge und nüchternem Verstande betrachtet, unterliegt es also keinem Zweifel, daß die heutige Gesellschaft vor einer entscheidenden Krisis und mitten in einem ganz unhaltbaren Zustand steht: je mehr das Kapital sich konzentrirt, in je weniger Händen es sich anhäuft, um so mehr breitet fich auch das Elend des Volkes aus. Wir wissen ja, Wir gaben in unserer Nr. 36 das sachlich- ruhige daß das Resultat jener Kapitalszentralisation, die Produktion Urtheil eines hervorragenden ultramontanen Publizisten in stets größerem Maßstabe, durch welche die Verminde- und Politikers über den Bariſer Arbeiterkongreß wieder ist die Busanners ffung der niederen Begierden des Das hat die kartellbrüderliche Heppreffe nicht wenig Menschen; ober: sie ist das Wert einiger ehrgeiziger stete Herabdrückung der Löhne als des bedeutend verschnupft, da ihre wesentlichste Aufgabe angesichts der Mühler und Heger; sie spekulirt auf die Dummheit ften Theiles derselben zur Folge hat. Man thut sich Erneuerung des Sozialistengeseßes darin besteht, den des Sozialistengeseẞes darin besteht, den rung der Produktionskosten bezweckt wird, auch die tende Volk war. Und die Ursache dieses Zustandes, worin liegt sie? Wir wiederholen: in der heute zum Widersinn gewordenen Einrichtung dieser Gesellschaft. Aus ihr allein ist all das Unheil entstanden, woran die Menschheit leidet. Ueberall, wo sie mit dieser Einrichtung gesegnet" ist, und so lange sie besteht, so lange wird die große Masse der Menschen eine kümmerliche und unsichere Existenz führen, oder gar mit Mangel und Elend zu kämpfen haben, während einer kleinen Minorität alle Genüsse zufallen. " " so viel zu gute auf dieses Jahrhundert der Erfindungen Pariser Kongreß als das kulturfeindliche Werk verruchter der Masse; sie lebt von jüdischem Gelde" u. s. f. und der Aufklärung, aber wenn unsere Enkel über dasselbe Verschwörer hinzustellen, und in dieſem edlen Beginnen der Sozialdemokratie ist nicht das Schlechte an ihr, son,, Nein, lassen Sie es uns offen anerkennen: Die Kraft reden werden, so müssen sie sagen, daß dieses Jahrhundert sehen sie sich durch die offene Anerkennung eines ange- dern das relativ Gute. Sie lebt nicht von Aeußer= das des Flittergoldes gewesen, und daß es, wie aufgeklärt sehenen bürgerlichen Parteiführers beeinträchtigt nnd gestört. lichkeiten, sondern durch ihre eigene Innerlichkeit, ihren man es auch nennen möge, das schlechteste für das arbei- Die" Post" macht denn auch ihrem Aerger in einem Geist. Nach diesem will sie beurtheilt und verstanden Leitartikel über die ganz besondere Spezies von Zentrums: sein, gerade wie wir verlangen, nicht nach den Mißgriffen. männern", die sozialistische Gruppe" Luft, die sich einzelner Kirchenmänner, nach unsern Unterlassungsfünden ähnlich wie die bürgerliche Demokratie von der Färbung und Halbheiten beurtheilt zu werden. Es ist höchst verder Volkszeitung" ,, vielfach mit der Sozialdemokratie hängnißvoll, einen starken Feind prahlerisch einen Krüppel berühre": zu nennen, wie um sich selbst zu trösten. ,, Auch die Preßorgane dieser Richtung geben in „ Die Sozialdemokratie ist Geistesmacht. Das Bezug auf die Verhezung der Arbeiter weder der gedachten hiesigen Zeitung, noch den sozialdemokrati- würde nicht so oft verkannt werden, wenn unsere christliche schen Zeitungen selbst in irgend einer Hinsicht etwas Bildungswelt sich etwas mehr mit der sozialdemonach.. Die Ergebnisse der amtlichen Unter- fratischen Litteratur abgeben wollte. Die intellek suchung über den( Bergarbeiter-) Streik dürften noch tuelle Höhe derselben ist wahrlich nicht so gering. ,, Schon eine Schrift wie Mar Schippel's Das momanches markante Streiflicht auf die Preßaktion der Klerikalsozialisten und ihre Einwirkung auf das berne Elend und die moderne Ueberbevölkerung"( Stuttgart, 1888) zeigt, welche Summe von Fleiß und Scharfsinn Verhältniß von Arbeitgeber und Arbeiter werfen. sich in den Dienst der Sozialdemokratie stellen kann. Ein Die Vertreter der sozialistischen Richtung innerhalb des Zentrums find ferner zumeist zugleich Blatt wie die„ Berliner Volkstribüne" steht hoch die intransigentesten Kirchenpolitiker, weit päpstlicher über dem Niveau dessen, was man gewöhnlich zu lesen ,, Selbst die Provinzialblätter der Sozialdemokratie listischen Anwandlungen im Zentrum vielfach in erheben sich, so weit meine Beobachtung reicht, oft über nahem Zusammenhang mit intransigenter Gesinnung liche Staatsbürger zufrieden ist, zufrieden sein muß. die Höhe der Lokalblätter, mit denen der christstehen, liefert neuerdings der bekannte Ultrapartifularist Herr Jörg, welcher in den" historisch- Im allgemeinen schreiben die Sozialdemokraten nicht in fularist Herr Jörg, welcher in den" historisch politischen Blättern für das katholische Deutschland" dem Tone, den man bei uns mit„ Schriften für's Volt" bezeichnet. die sozialrevolutionären Kongresse in Paris und insbesondere die Mitwirkung der deutschen Sozialdemo kraten auf denselben als eine Art von rettender That feiert. Und eine Aenderung dieses Zustandes kann nur durch das zielbewußte und einnüthige Vorgehen der= jenigen herbeigeführt werden, deren Leben durch die Jahr hunderte hin nichts anderes war und heute noch ist, als ein Leben der unwürdigen Abhängigkeit von Nebenmenschen. Herrschende und ausbeutende Klassen haben noch nie freiwillig, sondern nur unter dem Drucke von unten Reformen zugestanden. Es handelt sich also darum, diese Massen zum Bewußtsein ihrer Stellung in der Gesellschaft zu bringen, sie zu unterrichten, wodurch die traurigen Zustände der Gegenwart entstanden sind; ihnen die falschen Vorstellungen zu nehmen, die ihnen von den Trabanten der befizenden und somit herrschenden Klassen beigebracht wurden und täglich noch eingetrichtert werden: die Befreiung ber Arbeiter muß das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Das wissen wir; denn wenn die Geschichte auch meldet, daß hier und da von den herrschenden Klassen einzelne Vorrechte aufgegeben wurden, so ist aus dieser Geschichte auch herauszulesen, daß sie es nur nothgedrungen thaten, dabei aber stets ihren materiellen Vortheil in anderer Form weiter zu wahren wußten. Nie haben sie diesen geopfert, um zum Wohlergehen der Gesammtheit beizutragen. Und da es auf der anderen Seite ebenso klar ist, daß die endgiltige und vollständige Befreiung des Volkes aus jedem Abhängigkeits- Verhältniß zur Folge haben muß, daß die Existenzbedingungen für eine lediglich ausbeutende Klasse verschwinden, so ist es klar, daß die heute herrschenden Klassen nicht die Hand zu einer Aenderung bieten werden. Die Hoffnung liegt also im Volke selbst. Ehe dasselbe in seiner Gesammtheit erkannt hat, was geschehen muß, nicht: als der Papst. Einen interessanten Beweis dafür, daß die sozia" bekommt. " Ich wollte, wir hätten viele Traktate, die an Ideengehalt mit den kleinen Heften der Berliner Arbeiterbibliothek" verglichen werden könnten. Der frühere Ultralegitimist erfreut sich dafür selbstredend der vollsten Anerkennung der sozialdemo Der denkende Mann unter den Besißlosen ist es fratischen Pressc. in erster Linie, für den die Sozialdemokratie schreibt, wähZunächst sind es freilich nur noch geistige rend wir in unserer christlichen Volkslitteratur zu einem Fäden, welche zwischen dem extremsten Flügel des großen Theile für die Frauen und Kinder schreiben. In Zentrums und der regulären Sozialdemokratie sich vielen Fällen muß man auch die Unterhaltungsbeilagen hin und her ziehen. Auf der anderen Seite der sozialdemokratischen Presse als eine Sammlung wirkaber mehren sich die Verbindungsfäden seit lich interessanter Erzählungen, Plaudereien und Lebensder Wiederherstellung des staatskirchlichen Friedens bilder anerkennen. und der Schwächung der oppofitionellen Tendenz„ Auch die sittliche Haltung der sozialdemokratischen innerhalb des Zentrums sichtlich, und die Perspektive Litteratur ist im allgemeinen, besonders in bezug auf unauf die Möglichkeit eines fünftigen praktischen zuchtsfragen, keine schlechte. Man redet, wenn es der Zusammenwirkens ist somit eröffnet." Gegenstand fordert, ganz klar und rückhaltlos von geschlechtDie Perspektive entbehrt allerdings der Originalität lichen Verhältnissen, aber von 3oten, pikanten Anspie= Herr Bebel, Arm in Arm mit Herrn Dr. Jörg, lungen u. dergl. hält man sich viel freier, als es von einer ziemlichen Zahl bürgerlicher Blätter behauptet schlechter... mit sich bringen würde; denn das Resultat Edward Graves, der Präsident der Society of werden kann. Der St. Gallener Kongreß 1887 beschloß der ausgedehnten, praktischen Proben, die man in dieser Telegraph Engineers and Electricians in London gab tobenswertherweise, daß die Parteivertretung ihr Augen Richtung in England wie in Amerika gemacht hat, ist ein kürzlich darüber folgende Aufstellung: merk darauf zu richten habe, daß in der Arbeiterpresse höchst befriedigendes gewesen. Auch kann die günstige Nach seiner Ermittelung befinden sich im englischen ,, marktschreierische Anpreisung von zweifelhaften litterarischen Wirkung dieses Fortschrittes auf Staat und Gesellschaft in Telegraphendienste 42 000 Personen, welche 229000 Meilen Erzeugnissen, von Geheimmitteln u. dergl., sowie die Ver- beiden Ländern nicht abgeleugnet werden.. Telegraphendraht versorgen. Legt man dieses Verhältniß öffentlichung von Schmuß- und Schwindelannonzen" aufhöre. Durch die Uebung ihres Urtheils wird die Frau zu Grunde, dann würden auf der ganzen Erde, „ Auch ,, Auch dies darf als ein Zeichen geistiger Kraft mit der Zeit ein Entwicklungsprozeß der sich auch die Untersee kabel also nicht mitgerechnet- 180 000 Berangesehen werden, daß man Kompromisse verschmäht und beim Manne nur allmählich vollzogen hat- befähigt sonen im Dienste der Telegraphen stehen. im großen und ganzen stolz darauf ist, auf eigenen Füßen werden, mit Verständniß an allen das allgemeine Wohl In ähnlicher Weise rechnete Mr. Graves heraus, daß zu stehen.„ Der Starke ist am mächtigsten allein." Er hat betreffenden Angelegenheiten theil zu nehmen. Diese alles in allem etwa 5 Millionen Menschen ihr Brot die Zuversicht, daß seine Gedanken siegen müssen, es gehe, glückliche Wendung wird in Deutschland vielleicht noch innerhalb der elektrischen Branche erwerben!" wie es gehe. Unterdrückung und Leiden machen nicht irre, wenn der ganze Mensch gewonnen ist und sich seiner Sache gewiß glaubt. Die Sozialdemokratie würde keine Märtyrer haben, wenn sie nicht solche Gewißheit einzupflanzen verstände. H Aus der bürgerlichen Presse. " einige Zeit auf sich warten lassen, aber eintreten muß sie doch einmal. Dann wird man angesichts des zugestandenen Einflusses der Frauen in jener Zukunft nur schwer begreiflich finden, wie man je empfehlen konnte, die Von den Sozialdemokraten haben den lautesien Mund und Frauen auf einer Stufe minderer geistiger Verantwortlich sind die extremsten Elemente die jungen Leute um das zwanzigste Weil die Sozialdemokratie den Realismus der Noth feit zu belassen und ihnen das Recht auf die vollste Lebensjahr herum; von ihnen gilt das bekannte Wort: Manche besitzt, so ist sie im stande gewesen, den Arbeitern ein Entwicklung, deren sie fähig sind, vorzuenthalten, Leute sprechen davon am meisten, wovon sie am wenigsten verstehen." praktisches Programm zu bieten. Wer am meisten statt sie zur vollen Verantwortlichkeit im Leben zu berufen auch nicht zu kennen, und so verlassen sie sich auf die Urtheile anAus eigener Anschauung kennen sie das Leben nicht, vermögen es fühlt, wo der Schuh drückt, weiß auch am genauesten, wie und ihnen den Weg zur höchsten Erziehung zu erschließen. derer, die mit voreingenommener Verbissenheit die Welt durch eine er reparirt werden müßte.... Als praktisches Programm Man möge auch hier nur einfach die Regeln der Ge- Spezialbrille betrachten. stellten die Sozialdemokraten 1875 in Gotha auf: rechtigkeit anwenden. Man wird dadurch einen wahren Fortschritt der Menschheit bewirken und nicht aber, wie uns manche glauben machen möchten, ein Chaos heraufbeschwören." Die sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands fordert innerhalb der heutigen Gesellschaft: 1. Möglichste Ausdehnung der politischen Rechte und Freiheiten. 2. Eine einzige progressive Einkommensteuer für Staat und Gemeinde anstatt aller bestehenden, insbesondere der das Wird die Arbeiterversicherung die ArmenVolt belastenden indirekten Steuern. 3. Unbeschränktes Koalitionsrecht. 4. Einen den Gesellschaftsbedürfnissen entsprechenden Normalarbeitstag. Verbot der Sonntagsarbeit. 5. Verbot der Kinderarbeit und aller die Gesundheit und Sittlichkeit schädigenden Frauenarbeit. 6. Schußgefeße für Leben und Gesundheit der Arbeiter. Sanitätliche Kontrolle der Arbeiterwohnungen. Ueberwachung der Bergwerke, der Fabrik, Werkstatt und Hausindustrie = durch von den Arbeitern gewählte Beamte. Ein wirksames Haftpflichtgesetz. 7. Regelung der Gefängnißarbeit. 8. Bolle Selbstverwaltung für alle Arbeiterhilfs= und Unterstützungsfassen. Dies Programm hat sich in nicht wenigen seiner Punkte bewährt. Während es seiner Zeit durchweg revolutionär erschien, hat man sich an dasselbe mehr und mehr gewöhnt.. Er Was Wunder, wenn eine Partei, welche in kurzer Zeit auf solche wenn auch indirekt gewonnene folge zurückblicken kann, an Einfluß gewinnt?" * * * Auch diese ruhige Anerkennung eines Gegners" hebt sich sonderbar ab von dem Toben der Kartellheßpresse gegen alles, was sozialistisch ist und der Findigkeit der " Post" wird das zweifellos genügen, um auch die Ver: bindungsfäden" zwischen Sozialdemokratie und Mission aufzudecken. innerer Zur Frauenfrage schreibt Fanny Garrison- Villard( New- York) in der " Nation": pflege wesentlich entlasten? " Hierzu bemerkt die Freis. 3tg." des Herrn Eugen Richter: hebliche Verminderung der Armenlast der Gemeinden herbeiUnseres Erachtens wird das neue Gesetz durchaus keine erführen. Den Haupttheil der Armenlast macht die Unterstützung von Frauen und Kindern aus, welche ihren Ernährer verloren haben. Diese Unterstützung wird durch das neue Gesetz in keiner Weise entbehrlich. Generalanzeiger für Crefeld Nr. 216. * * In der Anerkennung eines Arbeiterstand es mit besonderen Rechten liegt für den Arbeiter die Gefahr, daß aus dem Privileg eine Unterordnung werde. Marr und Lassalle als aristokratisirende Demagogen haben dieser Standesbetonung bedurft, um sich des Arbeiters für ihre Herrschsucht zu bedienen. Bamberger in der Nation". * * * Die Arbeiter verlangen Sonntagsruhe. Diese ist aber von Gott und nicht von Lassalle und den Sozialdemokraten gegeben... Wenn heute die Regierungen sich abmühen, die Arbeiterfrage zu regeln, dann ist das die Frucht des Christenthums, nicht der Sozialdemokratie. Abg. Hize in Dortmund( ,, Germania" 11. Sept.). * * * Daß ein großer Theil der menschlichen Arbeit unnüg weggeworfen ist, und daß durch dieselbe Arbeit eine viel gröBere Menge von Produkten erzeugt werden könnte, wenn die Pro= duktion zweckmäßiger eingerichtet wäre, kann niemandem zweifelhaft sein. Ebensowenig kann es zweifelhaft sein, daß das Prinzip des laissez faire, laissez aller diese Kraftverschwendung in's Un= gemessene wachsen läßt, da die freie Konkurrenz kein regulirendes Moment in sich hat. " Post", 3. Sept. * In Berlin wurden im Jahre 1887 16 804 Personen in offener Armenpflege unterſtüßt. Darunter befanden sich 12 625 weibliche Personen und unter diesen wiederum 10 001 Wittwen. Die Wittiven machten also 59,51 pCt. der Gesammtzahl der Unterstüßten aus. Unter den 4 179 männlichen Unterſtüßten waren nur 1566 Handarbeiter. Dergestalt beträgt die Zahl der Handarbeiter, welche in offener Armenpflege unterstützt wurden, Unsere ganze sozialreformatorische Gesetzgebung geht darauf nur 9,32 pct. Unter diesen befindet sich aber wieder eine große aus, allen denen gerecht zu werden, welche im Schweiße ihres Bahl von Personen, welche unterstützungsbedürftig geworden sind Angesichts ihr Brod verdienen müssen, und niemand denkt aus anderen Gründen als Invalidität und Altersschwäche. Wir daran, die staatsbürgerlichen Rechte des Arbeiters zu erwähnen nur die drei Kategorien, bei welchen eine Unterstüßung verkümmern.. ( natürlich sehr oberflächlich betrachtet) nothwendig wurde wegen Nachdem die Ziele der Sozialrevolutionäre in ihrer Presse großer Kinderzahl, wegen Arbeitslosigkeit, wegen Trunk oder wegen und auf ihren Versammlungen, besonders auf den Kongressen zu Arbeitsschen. Paris in so erschreckender Deutlichkeit in die Erscheinung ge= Aber selbst unter den wegen Altersschwäche und Invalidität treten sind, ist es heiligste Pflicht der Behörden, den sozialUnterstützten werden alle diejenigen durch das neue Gesez nicht be- demokratischen Agitatoren mit allen zu Gebote stehenden rührt, die nicht zu den unselbständigen Arbeitern gehört Mitteln das Handwerk zu legen, und jeder ordnungsliebende haben, sondern beispielsweise als kleine Handwerker, Kaufleute, Litte- Bürger muß dafür eintreten, daß fein Sozialdemokrat in die parraten, Künstler und dergl. verarmt sind. lamentarischen Körperschaften des Staates wie des Reiches kommt Chemnizer Tageblatt, 10. Sept. Weiterhin kommt in Betracht, daß die Altersrente und Invalidenrente infolge des neuen Gefeßes so gering bemessen ist, daß sie in sehr vielen Fällen hinter dem Maximum zurückbleibt, wel= ches gegenwärtig an vielen Orten als Armenunterstüßung gezahlt wird. Die höchste Altersrente, also diejenige, welche erst nach 30 jähriger Beitragszahlung erreicht wird, beträgt für die beiden untersten Lohnklassen( Durchschnittslohn von 300 und 500 Mt. ,, Es ist bisher Gebrauch gewesen, von der Ausbildung jährlich) 106,40 mt. und 134,60 Mt. jährlich. Die höchste Indes Weibes immer nur mit Rücksicht auf die Pflichten zu validenrente in diesen beiden Klassen, welche nur in den seltenen reden, welche sie als Frau und Mutter zu erfüllen be- Fällen einer 50jährigen Beitragszahlung erreicht werden stimmt ist, ohne dabei zu berücksichtigen, daß sie doch vor fann, beläuft sich auf 157 bezw. 187,55 Mt. jährlich. Damit vergleiche man diejenigen Beträge, welche die städtischen allem, wie der Mann, ein Individuum ist, das für die Armenverwaltungen als Armenunterstüßung gewähren. Ausübung seiner natürlichen Fähigkeiten eine Elberfeld zahlt 3 Mt. wöchentlich oder 156 Mt. jährlich fittliche Verantwortung trägt. Wenn sie die Kraft in an einen Mann, der noch nebenbei etwas verdienen kann. Hat er eine Frau, so beträgt die Unterstüßungssumme 260 Mt. Bei zwei sich fühlt, sich durch die Entwickelung ihrer Anlagen im Kindern erhöht sich die Unterstüßungssumme auf 395 Mr. Leben einen größeren Wirkungskreis zu schaffen und Die Stadt Bremen zahlt an einzelnen Personen 180 Mt.. dadurch den Einfluß auf ihre Umgebung zu erweitern, an ein allein stehendes Ehepaar 300 Mt., für jedes Kind dazu wie darf irgend jemand das Recht beanspruchen, ihr Die Stadt Magdeburg zahlt an eine einzeln stehende Person Streben auf irgend einem geistigen Gebiete zu begrenzen, 156 M., an ein Ehepaar 260 Mt. 156 Mt. werden zu lassen. * * * Wer mit der Revolution kämpft, muß die Devise hochhalten: Nunquam retorsum". Wer den kleinen Finger giebt, hat gleich die ganze Hand verloren. Auch Karl X. und Louis Philippe kompromittirten" kurz vor ihrem Sturze mit der Revolution; das entflammte die Siegeszuversicht und Frechheit der Aufrührer nur noch mehr. Hätten sie nicht einen Fingerbreit nach gegeben und ihren Thron mit allen ihnen von Gott und Rechtswegen zustehenden Mitteln behauptet, so würden sie wahrscheinlich die Ka= naille besiegt haben. Kreuzztg., 17. Sept. * * * Wir wollen keine Ausbeutung der Arbeiter durch Plutofratie und Kapitalismus und haben gar keine Sympathie für das Prozenthum der liberalen Bourgeoisie mit ihrem engherzi= gen Egoismus.... Dagegen sind wir unversöhnliche Feinde der Sozialdemokratie, und bewegen uns dabei in beiden Nichtungen genau auf der von Sr. Maj. dem Kaiser gezogenen Kreuzztg., 17. Sept. Grundlinie. Politisches und Sozialpolitisches. das sie besonders anzicht und wofür sie besondere Begabung Ein nationalliberaler Großindustrieller hatte in der Reichszeigt? Würde es irgend ein Mann auch nur einen tagsfommission, wie der Abg. Rickert im Reichstag fonstatirte, ge= Augenblick dulden, daß man seine geistigen Leistungen sagt, bei solchen Tarifen wie die der Alters- und Invaliden= versicherung, würden die Arbeiter nach Zahlung der Beiträge, die auf ein gewisses Feld nur aus dem Grunde beschränkte, jenigen, die solche Säße vertreten, mit faulen Giern bewerfen. weil er eines Tages das Haupt einer Familie werden Jedenfalls unterliegt es feinem Zweifel, daß viele Armenver- Die Eröffnung des Reichstags am 22. Oktober_er= fönne? Ganz gewiß nicht!... Dem Streben der Frau waltungen in die Lage kommen werden, den Reichsrentnern flärt die ,, Kreuzzeitung" für wahrscheinlich; indeß würde aber hält man sich für berechtigt, ein viel engeres Gebiet auch noch ergänzungsweise Armenunterstützung zu Theil die Bestimmung über den Tag erst in leẞter Stunde vor der öffentlichen Verkündigung, also in etwa drei Wochen, anzuweisen. Nach unserer Schäßung wird das Armenbudjet der Gemeinden Auch ist die Besorgniß nicht recht verständlich, daß, durch das neue Gesetz nicht einmal in dem Maße entlastet werden, getroffen werden. wie so viele meinen, die Frau durch die volle Pflege ihrer wie das allgemeine Entlastungsbudjet der Gemeinden eine Erhöhung geistigen Fähigkeiten nur ein Zerrbild des Mannes" erfahren muß durch die Mehrkosten an Beamten und Bureaukosten, werde. Wer will behaupten, daß ein Mann sich ver- welche die Ausführung des neuen Gesezes mit sich bringt. weiblicht, weil er tocht, wäscht und schneidert( was er heute in den Hotels, Waschanstalten, Schneidereien doch hundert, tausendfach thut)? Und warum sollte eine Frau ihrer Weiblichkeit schaden, wenn sie sich geistig anstrengt, Das föniglich bayerische statistische Bureau veröffent um, wie der Mann, selbständig ihr Brot zu verdienen? Es ist sehr merkwürdig, daß sich die erwähnte Befürchtung licht alljährlich ausführliche Nachweisungen über die besonders in Europa geltend macht, wo Frauen der an- Armenpflege im Königreich Bayern. Die neueste, in strengendsten körperlichen Arbeit obliegen, wobei es der Zeitschrift des statistischen Bureaus" soeben erschienene aber niemandem einfällt, die Behauptung aufzustellen, Nachweisung erstreckt sich auf das Jahr 1887. daß sie ihre Weiblichkeit dadurch verlieren. Das Wesen Derselben ist zu entnehmen, daß die Armenziffer nicht der Frau... ihre eigentliche Natur wird ebenso wenig zurückgegangen ist, sondern eine nicht unbedeutende Zudadurch verloren gehen, daß sie eine geistig und moralisch nahme erfahren hat. " Zunahme der Armuth trok aller Sozialreform. Morgen Sonntag finden in Frankreich die Abgeordnetenwahlen statt. Interessant ist bei dieser Gelegenheit ein Rückblick auf die früheren Wahlen, wenn man beobachtet, wie sich die monarchischen Stimmen zu den republikanischen verhalten. Folgende Zusammenstellung möge diesen Vergleich erleichtern: Wahl am Stimmen im monarch. republik. Ganzen abgegeben Deputirte monar= repu= blikan. 20./2. 1876 3 202 233 4 028 153 7 230 386 171 355 14./10.1877 3 577 882 4367 202 7 945 084 208 328 21./8. 1881 1 789 767 5 128 442 6 918 209 90 467 2./10. 1885 3 147 129 3565 412 6 712 541| 203 381 Wie ersichtlich, hat die Zahl der ihr Wahlrecht aushöhere und edlere Stellung erwirbt, als der Charakter und Von der gemeindlichen( örtlichen) Armenpflege, in Einfluß des Mannes dadurch an Würde verliert, daß er welcher der Schwerpunkt der bayerischen Armenfürsorge übenden Bürger seit 1877 stetig abgenommen und es veralle seine Kräfte anspannt, um sich emporzuheben. liegt, wurden im Jahre 1887 im ganzen 173 193 Berhielten sich die republikanischen Stimmen zu den monarchiDa die Der Mann betrachtet es mit Recht als ein großes sonen unterstüßt gegen 167 973 Personen im Jahre 1886. fchen am 2. Oktober 1885 ungefähr wie 7: 6. Glück, wenn er selbständig auf eigenen Füßen stehen Die Mehrung der Unterstützten beträgt daher Wahlberechtigten heute zirka 10 Millionen zählen, spekuliren - in einem Jahre! die Monarchisten darauf, daß es der Rechten gelingt, alle kann. Warum soll die Frau dieses Gefühl nicht theilen 5220 Personen oder 3,1 pct. dürfen? politisch bisher Gleichgiltigen aus dem einfachen Grunde der„ Unzufriedenheit mit dem Bestehenden" auf ihre Seite Im„ Dienste der Elektrizität 11 „ Es ist durchaus eitel, wie es so viele zu thun pflegen, fich mit Vorstellungen der entseglichen Folgen" zu zichen und dadurch einen ganz bedeutenden Stimmentheiligen sich diesmal unter günstigeren Auspizien, als es für die menschliche Gesellschaft zu plagen, die eine volle befindet sich in den zivilisirten Ländern heute schon eine zuwachs zu gewinnen. Auch die Sozialdemokraten beGleichheit der Berechtigung der beiden Ge- lenorme Menschenmasse. bei irgend einer der früheren Wahlen der Fall war. Die hervorragendsten Wortführer find in Wahlkreisen aufge= stellt, in welchen sie große Aussicht aus Sieg haben. Die Ungarländische Allgemeine Arbeiterpartei wird zu Ostern nächsten Jahres einen Landeskongreß einberufen. werden." funden. Gewerkschaftliches, Vereine. - Die Kranken- und Begräbnißkasse des Vereins sämmtlicher Berufsklassen Berlin 3. Sonnabend, den 21. Gäste willkommen. = Mietherverein für Köpenick und Umgegend. " Arbeiterinnenbewegung. Vor den Damenmäntelschneidern d. M., Abends 8 Uhr, Brunnenstr. 38, Mitglieder Versammlung. und Arbeiterinnen der Bekleidungsindustrie Berlins sprach am Dienstag Frl. Jagert. Fachverein der Papierarbeiterinnen Berlins. Schottland dringt energisch auf Einführung der Braunschweig. Am 10. September wurde hier der seit Dienstag, den 24. d. M., wichtige Versammlung, Annenstraße 16, unentgeltlichen Volksschule nach amerikanischem Muster. Jahren bestehende Unterstützungsverein der Former aufgelöst, Sahm's Klubhaus. Von 230 Schulämtern haben sich 116 für freien Unterricht weil er als eine Versicherungsanstalt von der hiesigen Polizei Abends 7/2 Uhr bei Zempter, Münzftr. 11 I( Aufgang vom Hof). Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 22. September, in allen Schulen, mit Ausnahme der Hochschulen und Aka- betrachtet wurde. Alles wurde beschlagnahmt, Geld aber nicht ge- Vortrag und Diskussion über:„ Darwins Lehre von der Abstammdemien, ausgesprochen. Einige wünschen mit Recht, daß Verbote, Auflösungen.( 3. Th. Nachtrag von voriger ung des Menschen". Darauf gesellige Unterhaltung. Gäste, Herren den Kindern die Bücher und Schreibmaterialien Woche.) Aufgelöst wurde die Versammlung der Berliner Leder- und Damen, stets willkommen. umsonst geliefert werden, wie dies thatsächlich in einigen arbeiter am 9. d. M., als der Referent Werner einen Vergleich Dienstag, den 24. Sept., Abends 9 Uhr, in Steglitz, AccisenFochverein der Gärtner. Nächste Versammlung Staaten der amerikanischen Union und in manchen schweizer 30g zwischen der heutigen modernen Pflege des Arbeiterschutzes und hallen. Gäste haben Zutritt. Am 8. Oktober für Berlin, bei dem Schuße, welchen man Thieten aller Art angedeihen läßt, und Gemeinden der Fall ist. Niemand zweifelt daran, daß es zu dem Schluß kam, daß man es sich jetzt angelegen sein läßt, die Feuersteins, Alte Jakobstr. 75: Generalversammlung. nur eine Frist von Monaten ist, daß auch in England physische Strait des Viehes mehr zu schonen und zu schüßen, als Vormittags 11 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, Versammlung. Fachverein der Rohrleger. Sonntag, den 22. d. M ,, die freie Volksschule eingeführt wird, sobald sie nördlich die des Arbeiters. In Kiel durfte Herr Schweizer- Berlin bei den Verein der Einseßer Berlins( Tischler). Sonntag, Malern nicht referiren des Tweed ihren siegreichen Einzug gehalten hat. in Dresden ebensowenig Herr Reiß- den 22. d. M., Vormittags 10/2 Uhr, Neue Friedrichstraße 44: haus- Erfurt vor den Schneidern. In Chemniz wurde der Versammlung. Volksbildungsverein, in Dresden die Mitgliedschaft des SattlerSentralverbandes, in Magdeburg der sozialdemokratische Wahl- Sonnabend, den 21. Sept., Abends 82 Uhr, in Klein's Hotel, berein verboten. In Halle wurde eine Tischlerversammlung Friedrichstr., Versammlung. aufgelöst, als ein Redner über das Verhalten der konservativen Presse gegenüber den Streifs fritisirte in Braunschweig Metall arbeiter( E. H. 29. Hamburg), Filiale Berlin 5. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der durfte Frohme nicht sprechen. Eine öffentliche Versammlung in Aus einem Schreiben, welches der Geschäftsführer des Stettin, in der Herr Körften referirte, wurde während der Dis- Bersammlung am Sonntag, den 22. d. M., Vormittags 10% Uhr, Zentralverbandes deutscher Industrieller, Herr fussion aufgelöst. Die Genehmigung versagt hat der Amtsvor- bei Zempter, Münzstr. 11. Bued, am 15. August d. J. an die Mitglieder dieses Versteher von Rigdorf zu einer Versammlung des Allgemeinen Sonntag, den 22. September, Vormittags 10 Uhr, in Roll's Fachverein der Korbmacher Berlins u. Umgeg. bandes gerichtet hat, theilt die„ Germania" folgendes mit: Metallarbeitervereins von Berlin und Umgegend, die am 17. d. M. Salon, Adalbertstr. 21, Versammlung. in der„ Neuen Welt" stattfinden sollte. Polizeilicher Auflösung „ Es ist besonders hervorzuheben, daß die überaus weitVereinigung der Drechsler Deutschlands", Ber= gehenden Forderungen der Sozialdemokratie in bezug auf die verfiel eine Versammlung des Fachvereins der Tischler Berlins, lin 3. Sonntag, 22. Sept., Vormittags 10 Uhr im Lokale des Arbeiterschutzgesetzgebung von den fast einmütigen Be- welche am Montag abgehalten wurde, während des Vortrags des strebungen des Reichstags in bedenklicher Weise unterstützt Berboten wurde eine bei Renz, Naunynstraße, Berlin, geplante Sonnabend, 21. Sept. vierjähriges Stiftungsfest, in den Festsälen Herrn Wiedemann über den internationalen Sozialistenkongreß. Herrn Bolzmann, Andreasstr. 26: Versammlung. -Berein Berliner Portiers und Berufsgenossen. öffentliche Blätterinnen- Versammlung mit der Tagesordnung: Die Verein junger Kaufleute, Beuthstr. 20. Der Zentralverband deutscher Industrieller ist durch Verhältnisse der Plättbranche, besonders die Verhältnisse der Fabrik und durch Kartell. Und im Reichstag stimmt das ganze von Gebr. Besas, Kommandantenstr. 18; Referentin Frau Gubela. gegründet). Montag, 30. d. M., Abends 8 Uhr in Krüger's Freie Vereinigung Berliner Zimmerleute( neu Kartell für die Forderungen, welche es, wo es unter sich- Verboten auf grund des Sozialistengesetzes hat die sächsische gegründet). Montag, 30. d. M., Abends 8 Uhr in Krüger's Salon, Hochstr. 32a, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Staist, wie vorstehend beurtheilt. Was aber das schönste ist, Streishauptmannschaft zu Dresden den„ Berein der Metallarbeiter tutenberathung. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. aller Branchen für Dresden und Umgegend. Einer recht sonder= an- baren Auflösung verfiel die am 14. d. Mts., tagende Versammlung Schlosser befindet sich für den Süden Dresdenerstr. 116 bei Der Arbeits- Nachweis des Fachvereins der der Freien Vereinigung der Zuschneider, Stepper und Vorrichter Gründel, für den Norden Anklamerstr. 49 bei Nürnberg. Berlins. Als Kollege Hoffmann nach einer üblichen Einleitung Verein der Klempner Berlins. Arbeitsnachweis bei Das starke Anziehen der Preise für eine Reihe die Worte sprach: Ich beginne also löfte der überwachende Stramm, Ritterſtraße 123. der wichtigsten Lebensmittel, speziell der Fleischnahrung, auf! Beschwerde ist eingereicht. Ueber die Lage und Bewegung arbeiter befindet sich Waldemarstr. 61, bei Zilm. Beamte die Versammlung auf Grund des§ 9 des Sozialistengeſetzes -Der unentgeltliche Arbeitsnachweis für Klavierhat in Verbindung mit den relativ hohen Kohlenpreisen, der Rheinisch- Westfälischen Bergarbeiter wollte Herr A. Siegel aus arbeiter befindet sich Waldemarstr. 61, bei Zilm. Perspektiven für den kommenden Winter eröffnet, die den Dorstfeld bekannt als Kaiserdeputirter in zwei öffentlichen genossen. Montag Abend 9 Uhr Versammlung, Annenſtr. 16. Fachverein der Buchbinder und verw. Berufs= Anhängern unserer schutzzöllnerischen Wirthschaftspolitik an: Bergarbeiterversammlungen in Zwickau sprechen, dieselben wurden genossen. Montag Abend 9 Uhr Versammlung, Annenstr. 16. Verein zur Wahrung der Interessen der Schuhfangen unbequem zu werden. Das Schweine einfuhr- iedoch einige Stunden vorher vom Nath der Stadt Zwickau verboten. macher und verwandten Berufsgenossen Berlins. Am verbot hat in vielen Gegenden Deutschlands den Preis fabrikation Berlins ergeht ein Aufruf, dahin lautend, fich Beuthstr. 20, Versammlung. Vortrag des Herrn W. Werner über An die Arbeiter und Arbeiterinnen der Schaft: Montag, den 23. d. M., Abends 8 Uhr, in Heydrich's kl. Saal, von Schmalz und Speck rapide gesteigert, was speziell die behufs Erzielung befferer Arbeitsbedingungen der Freien Vereini- Fabritinspektion. ärmeren Klassen der Bevölkerung sehr empfindlich trifft. gung der Zuschneider, Vorrichter und Stepper" anzuschließen, sowie- Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, d. 22. September, Die Vertheidiger unserer agrarischen Wirthschaftspolitik in in den öffentlichen Versammlungen zu erscheinen. Die nächste Vormittags 10 Uhr, Rosenthalerstr. 38. Vortrag des Herrn der Presse sprechen deshalb schon die Vermuthung aus, die öffentliche Versammlung findet Montag, den 23. d. M., Abends E. Vogtherr über:" Das Herz ein Spiegel der Welt." Gäste, Opposition würde die entstandenen Zustände agitatorisch ausbeuten". Mit„ agitatorischer Ausbeutung" bezeichnen diese Herren bekanntlich das Bemühen, die Lebensmittel zölle wieder zu beseitigen, um den Haushalt der ärmeren Familien von den Steuern an die Agrarier zu befreien. Das die wahren Vertreter des Volkes keine Aussicht vorübergehen lassen werden, um der großen Masse der Bevölkerung die unerträglichkeit an künstlichen Lebensmittel vertheuerungen begreiflich zu machen, ist selbstverständlich. diese Braven beklagen sich über die Demagogie derer Leute. = 82 Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstr. 10, statt. Damen und Herren, sehr willkommen. Eine große öffentliche Generalversammlung sämmtZentralfrankenkasse der Maurer 2c.( Grundstein zur licher Schneider Berlins findet am Montag, den 23. Sept., Einigkeit). Die Hilfskaffirerftelle S. O. befindet sich von jetzt ab bends 8½ Uhr, in den Bürgerjälen, Dresdenerstr 96, statt. in der Eisenbahnstr. 11, im Restaurant Hirta. Kassirt wird: Tagesordnung: Die Angriffe auf die Koalitionsfreiheit. Referent: Montags und Sonnabends Abends, sowie Sonntags Vorm. Herr Rechtsanwalt Arthur Stadthagen. = Briefkasten. Alle Berliner Abonnenten wollen beim bevor: stehenden Umzug rechtzeitig ihre neuen Adressen- nicht an uns, sondern an einen passenden Zeitungsspediteuraufgeben. Unregelmäßigkeiten werden am besten dadurch gehoben, daß man die ,, Volkstr." von demselben Spe= Diteur bringen läßt, der nach der Abonnementsquittung auch die tägliche Zeitung( Volksbl. 2c.) bringt. Große öffentliche Versammlung fämmlicher Lackirer Berlins und Umgegend, Montag, den 23. September, Abends 8 Uhr Endgiltige Beschlußfassung bei Zemter, Münzstr. 11. Vortrag. zur Erreichung befferer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Oeffentliche Versammlung der Schloffer und Maschinenarbeiter des Norden Berlins u. Umgegend am Sonnabend, den 21. d. M., Abends 8 Uhr, im Lokale Hochstr. 32 a, Vortrag des Herrn W. Schweizer. Von sozialdemokratischer Seite ist für die nächste Deffentliche Versammlung der Nagelschmiede am Reichstagswahl im Kreise Hanau Gelnhausen Herr Sonnabend, den 21. September, Abends 8 Uhr, Lichtenbergerstr. 21 Geck( Offenburg) als Kandidat aufgestellt worden. In bei Heise, Vortrag des Herrn Otto Klein. Königsberg hat die sozialdemokratische Partei den Schlosser und Zigarrenhändler Schulte als ihren Reichstagskandi daten aufgestellt. Nach einer Rede des Zigarrenarbeiters Molkenbuhr Kellinghusen in Tondern wurde Schneider Vendrup- Flensburg einstimmig als Kandidat für den Frage. Chemniß war schon im Norddeutschen Reichstage vierten schleswig- Holsteinschen Wahlkreis aufgestellt. sozialdemokratisch vertreten. Damals waren 3 Sozialdemokraten Der in Neustadt a. d. H. von den Sozialdemokraten abgewählt; dazu famen dann Bebel und Liebknecht als sächsische Volks= gehaltene Parteitag für die Rheinpfalz stellte folgende Freie Vereinigung der Maurer Berlins. Die parteiler. Kandidaten für die nächste Reichstagswahl auf: Ehrhardt- tr. 24, fafsirt Sonnabends bei Nürnberg, Anklamerstr. 49, Montags führen, mögen Sie daraus ersehen, daß soeben Liebknecht zweimal Zahlstellen sind folgende: Norden: Carl Schulz, Fransecki- Wahlen. Daß das Dekretiren hier leichter ist wie das AusLudwigshafen für Speyer, Huber= Ludwingshafen für bei Holzbächer, Rathenowerstr. 89; Osten: Hermann Holz, Münche- für den sächsischen Landtag aufgestellt ist. Neustadt, Dr. Rüdt Wiesbaden für Kaiserslautern und bergerstr. 4, Montags bei Strauſe, Stüftrinerplatz 10, Sonnabends bei Freienwalde. Besten Dank. Es handelt sich hier übrigens Meyer: Pirmasens für Zweibrücken. Schmidt, Staliẞerstr. 61; Süden: Hermann Sprung, Arndtstr. 18, um ein Fabrikat des Berliner Preßbüreaus, das durch eine Menge Sonnabends bei Behlin, Hornstr. 1; Westen: Ernst Hense, Göben- von Zeitungen geht. straße 4, Sonnabends bei Böhland, Bülowstr. 52. = Zentral Kranken- und Begräbnißkasse für Frauen und Mädchen Deutschlands( eingeschr. Hilfskaffe, Offenbach a. M.). Als Vorsitzende fungiren gegenwärtig für Süd und Süd- Ost: 1. Herr Papte, Oranienstr. 197, Laden; für Weft und Süd- West: 2. Herr Pladeck, Wilhelmstr. 6, H. r. 3 Tr.; für Nord und Nord- West: 3. Herr Dolz, Bergstr. 80, H. 1. Quergeb. part.; für Nord und Nord- Ost: 4. Herr Wasewiß, Fruchtstr. 35, H. Anmeldungen neuer Mitglieder, sowie Krankenmeldungen sind bei den Genannten zu bewirken. Entsehlich! Irland ist man wundert sich, daß es noch Allgem. Kranken- und Sterbekasse der Metalleriftirt für einen ganzen Monat ohne Vizekönig. Der Marquis arbeiter( E. H. 29 Hamburg), Filiale Berlin 3. Laut Verof Londonderry war mit dem 1. September abgegangen, aber sein sammlungsbeschluß ist die Zahlstelle vom Heinrichsplay 196 bei Nachfolger, der Earl of Zetland, konnte seinen Posten nicht antre- Gan de, nach der Mariannenstr. 46 beim Restaurateur H. Liewald, ten, da sein Bestallungsdekret irrthümlicher Weise seinen Amtsan- nahe am Heinrichsplak, verlegt. Von Sonnabend, den 28. Sept. tritt auf den 1. Oktober cr. festsegt! Das arme Land befindet sich ab werden jeden Sonnabend die Beiträge dort, Abends von 8-10 türlich ob seiner hülflosen Verlassenheit in tausend Aengsten. entgegengenommen; ebenfalls in der Zahlstelle Eisenbahnstr. 7. Ferner werden die Mitglieder ersucht, ihr ferneres Bleiben in der Verbotene Schriften. Der Regierungspräsident von Potsdam hat das am 1. September in den Kreisen Beeskow- Staffe zu erklären, event. ihren Uebertritt in die Zentral- Krankenund Sterbekasse der Metallarbeiter anzeigen zu wollen. Storkow und Teltow verbreitete Flugblatt verboten. Der Große Schneider- Versammlung der Freien VerBerliner Polizeipräsident das Flugblatt für den 2. Reichstags- einigung der Schneider Berlins am Mittwoch, den 25. Sepwahlkreis. tember in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28. Vortrag des Herrn Böksche: Der nächste Streit. Unserm Freunde und Genossen Karl Wildberger Schneiderversammlungen. Was soll der Zettel ohne Unterschrift und irgend eine Beifügung? Annonze, redaktionell die zwei Worte ließen sich doch wohl beifügen. Abonnent. Die Bildung der Deutschfreisinnigen Partei" erfolgte im April 1884. " München. Das hat auch schon in anderen süddeutschen Blättern gestanden, die offenbar einen gemein- samen Korrespon= denten in Berlin haben. Geeignete auswärtige Adressen behufs weiterer Ver= breitung der Volks- Tribüne", besonders Adressen von auswärtigen Kolporteuren, bitten wir unsere Freunde an die Expedition, Oranienstr. 23, zu senden. Zur Verbreitung der ,, Arbeiter: Bibliothek" kann jeder Einzelne viel beitragen, indem er in Vereinen und Versammlungen auf das Unternehmen aufmerksam macht, oder einzelne Hefte unter Kreuzband( 3 Pfg. Porto) an Freunde und Kollegen nach auswärts sendet. Besonders in Süddeutschland und in den Küstengegenden( Hamburg, Bremen, Lübeck) ist die Arbeiterbibliothek" fast gar nicht bekannt. Berliner Arbeiterbibliothek. zu seinem heutigen Geburtstage Heft 1: Ein sozialistischer Roman. Nach dem Amerikanischen von Edward ein donnerndes Hoch!!! Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Für Nowawes und Neuendorf nehmen Abonnements auf die ,, Berliner Volts: tribüne", die ,, Nordwacht", den ,, Wahren Jakob" u. s. w. entgegen: Heft 2: Heft 3: Die Gewerkschaften, ihr Nuken und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Von Mar Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara Zetkin- Paris. 40 Seiten. Preis 20 Bf. Heft 4: Hermann Bathe, Wilhelmstraße Nr. 33, Julius Franke, Louisenstraße 47. Wilhelm Seidel, Lindenstr. 25. Sozialdemokratischer Leseklub ,, Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Wallstr. 20. ( Restaurant Leonhardt.) Vorlesung und Diskussion. Die französische Arbeiterbewegung seit der Pariser Kommune. Von Ossip Zetkin- Paris+. 48 Seiten. Preis 20 Pf. Heft 5: Charakterköpfe aus der französischen Arbeiterbewegung. Von Offip Zetkin- Paris t. 48 Seiten. Preis 20 Pf. Heft 6: Die Hausindustrie in Deutschland. Von Paul Kampffmeyer Genf. 32 Seiten. Preis 15 Pf. Bestellungen sind zu richten an den Verlag der Berliner Volts- Tribüne", Berlin, Oranienftr. 23, oder an die bekannten Kolporteure. Von 10 Exemplaren an hohe Eine freundl. Schlafftelle zum 1. Oktober zu Preisermäßigung. bermiethen bei Diether Waldemarstr. 3. " Fachverein der Tischler. Heute, Sonnabend, 21. Sept., Abends 8 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünftraße 28: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Börsche über: " Das Unfittliche in der Literatur." 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Bereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Der Vorstand. Manteuffelstraße, Nähe der Röpnickerstr., ist zum Eine leere Stube mit Kammer in der 1. Oftober zu vermiethen. Näheres in der Erped. dieses Blattes. Berantwortlicher Rebatteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienftraße 23. Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. № 38. Gefallen. " So und soviel Prozent, sagt man, müssen jährlich zu Grunde gehen! Wahrscheinlich gehen sie zum Teufel, damit die übrigen frisch und gesund bleiben fönnen. Prozent! Wirklich schöne Erklärungen hat man heutzutage, so beruhigende wissenschaftliche Worte! Man spricht von Prozenten und braucht sich nicht weiter zu alteriren." Umhaucht vom Silberdufte Des üppig blühenden Mondes, Erschauert leise des Parkes Glänzendes Laubgesproß Wie träumende Seelenjugend Im Kusse lichter Gedanken. Hinter den Wipfeln fernes Gewölk Flammt bisweilen von Blizen Dem Schläfer gleich Den in dumpfer Traumesruhe Heiße Leidenschaft zuckend rührt. Aus Büschen und fühlen Halmen Athmet der süße Mai; Fern in lauschiger Blättertiefe Dichtet träumend die Nachtigall; Und vom stolzen bleichen Hause An des Parkes Saum, Aus erhellten Fenstern Klingt Musik wie perlendes Glück. Dostojewsky. Im Garten aber am Eisengitter Steht ein schimmernder Blüthenbusch. Traurig über die Stäbe geneigt. Die weißen Blüthen blicken Wie bange Kinderaugen Auf ein dunkles Menschenbild, Das zu des Busches Füßen Draußen am Gittersockel Reglos tauert. Durch bebende Zweige fällt Zerrissenes Mondlicht Und huscht mit Scheu Ueber des fauernden Mannes Wüsten Rock und wirres Haar; Seufzend streift vorbei der Nachthauch; Und der weiße Blüthenbusch Sinnt in träumender Trauer: ,, Arme Menschenblüthe, Die du gefallen liegst, Das Angesicht verwüstet, Verloren für die Sonne, Auf Stein und Staub Welch liebeloser Gärtner Ließ so dich dürsten, darben, Das du verwelft, gesunken, Bertreten bist in Staub und Stein?" So sinnt in träumender Trauer Der weiße Blüthenbusch. Am Himmel aber flammt es Und rollt und grøllt, Als rüsteten sich ferne Wetter Zu heißem Zorne. Das zarte Mondlicht flüchtet Hinter finster ragende Wolken, Und die Nachtigall verstummt. Nur vom stolzen Hause Aus erhellten Fenstern Klingt Musik wie perlendes Glück. Aus dem Thor des Hauses tritt Ein Herr in feiner Tracht, Grüßt zurück„ gute Nacht" Und kommt gegangen Leise trällernd; Mit frostigem Blicke Streift er die Gestalt am Gitter Und geht, sein Liedchen pfeifend, Grade zur Laterne An der Straßenmündung. Die Flamme der Laterne slackert; Trüber Staub Wogt vorbei; Des Parkes dunkle Wipfel Schwanken schaudernd, rauschend; Der weiße Blüthenbusch Sträubt entsegt die Zweige, Ringt mühesam zu fliehen, Duckt sich ſauſend und klagt: Nun packt der Sturm mein schwankes Holz Und schüttelt mich mit grimmer Faust; Das junge Laub, den zarten Zweig Trifft zischender Hagel, derbes Eis, Und schlägt die weißen Blüthen nieder Zur gefallenen Menschenblüthe." Grell am Himmel zuckt ein Bliz Und flammt durch alle Wolken Und flammt hernieder blendend Durch des dumpfen Schläfers Geschlossene Augenlider In einen wüsten Traum. Und der Mann auf hartem Stein Hebt verstört vom wüsten Traum Sein wirres Haupt empor, Richtet seufzend schwer sich auf Und blickt mit wilden Augen Hinan zu flammenden Wolken Und sieht statt flammender Wolken Bornglühende Gesichter, Geballte Riesenfäufte, Hört es droben krachen Gleich gesprengtem Erze, Und rollen dumpf Und hört vom stolzen Hause Wie stürzende Mauern, Aus erhellten Fenstern Mufit wie perlendes Glück In das tobende Wetter Höhnisch klingen. Bruno Wille. Sonnabend, den 21. September 1889. Ein troftloses Leben. Von Holger Drachmann. Aus dem Dänischen. ( Schluß.) III. Jahrgang. Da ging die Thür zum nächsten Zimmer auf; Herr Ludwig Bisserup trat über die Schwelle, wankte, mit dem Zwicker vor den Augen, zum Sarge hin, erhob zuerst seine schwarz behandschuhte Rechte und hierauf seine schwarzbehandschuhte Linke, suchte nach Worten, hielt inne und sah sich um. Die Berwandten empfingen den Fremden ziemlich kühl; aber das würden sie auch gethan haben, wenn er Die Augen der Versammlung waren auf ihn gerichtet. nicht den Zwicker am Uhrbande und das Künstlerhaar ge- Er war elfenbeingelb im Gesichte wie die Todte vor ihm. tragen hätte. Nervosität, echte Rührung, theatralische Stellung, eine ganze Sie waren etwas im unklaren über das Verhältniß; Reihe zusammengesetter, widerstreitender Elemente waren sollten sie ihn als trauernden Wittwer betrachten oder als vereinigt in diesem armen, unglücklichen Geschöpf einer trauernden Bräutigam? Doch Ane war ja todt. Es Hauptstadt, die ihre Kinder nicht eben schonend behandelt. blieb nur übrig, sie zu begraben; und so lange konnte Man hörte ein gedämpftes Kichern von Julius. man ihn wohl als zur Familie gehörig betrachten. Hierauf begann der trauernde Liebhaber seine Rede: „ Ich wollte ja, ich wollte wenn ich könnte im Namen der Vorsehung- ich meine entschuldigen Sie! Er wandte sich um, ließ den Zwicker fallen und ge= brauchte das Taschentuch. Theure Mitchr.. Bisserup merkte es. Vangaa's Haltung schmerzte ihn, aber er beherrschte sich. Dieses jammervolle Ergebniß von Leihbibliotheksromanen, Melodramen und einem ehrlichen Gefühl wollte der Todten, theils aus Eitelkeit theils aus Liebe, Ehre erweisen. Und dazu brauchte er den Beistand der Verwandten. Julius war gutherzig. Er wies ihn an den Bruder der Mutter, Post- Johann, einen alten Junggesellen, der Fuhrmann gewesen und mit dem Poftfelleisen und Packeten gelaufen war, bis er sich ein Häuschen und einen kleinen Sparpfennig zusammengefahren und gelaufen hatte. " 1 in bezug bahingegangene liebe Freunde und Verwandte Er rückte damit dem Julius gegenüber heraus: das der Todten! Wir stehen an dieser Bahre, um dieses Wirthsgeschäft sei nur flau gegangen und die Krankheit Vergängliche zu übergeben mit - zu vertauschen hätte viele Ausgaben verursacht. Bei wem könnte er sich furz gesagt, ich habe gemeint, weil viele der hier Andie Begräbnißkosten ausborgen? Denn er wollte das Be- wesenden- einen garftigen Zweifel gehegt gräbniß selbst bestreiten; die Hochzeit geben, das hatte er auf diese meine auf diese meine sehr vieltheure nicht wollen, nicht können oder es war ihm gar nicht ein- Braut, daß es meine Pflicht sei, hier vor dem Angesichte gefallen. des Todes dieses wohlgeachtete Mädchen für rein und unbefleckt zu erklären. Ja, ich rufe die Vorsehung als Zeugin an, daß sie hier liegt im Brautbette des Todes als eine Jungfrau eine Jungfrau sage ich, eine Myrthenblume, ein Zweig, ein ach, Gott helfe mir, wie unglücklich ich bin. Amen, Amen.... Wasser!" Post- Johann erinnerte an Münchhausen's Dachshund, Er wankte, taumelte; Julius sprang hinzu, erfaßte der ursprünglich ein Windspiel war. Von den Beinen ihn und setzte ihn auf einen Stuhl. Wasser war nicht war nicht mehr viel übrig und von Fleisch an den Knochen bei der Hand, aber ein Glas Bier; und er machte einen fast gar nichts mehr. Seine kleinen, rothgeränderten Augen großen Schluck und weinte laut ein herzzerreißendes verschwanden vor Schrecken, als er hörte, um was es sich Klagen, worein sich das Schluchzen aller Frauenzimmer handelte. Eine solche Summe, um Ane zu begraben! mischte, worauf die Männer auf ein Zeichen von Julius Das war ja, als wäre sie eine Fürstin. den Sargdeckel ergriffen und ihn mit den hastigen, beAne sei auch eine Fürstenkrone werth! deklamirte stimmten Schlägen der Gewerbsmänner zunagelten. Das ist, bei Gott, ein sonderbarer Fisch!" murmelte Julius drehte sich um und steckte die Hand in den Jakob. Steht man nicht hier und fühlt sich ganz schauerBifferup. Mund. Poſt- Johann wand sich, schraubte seine abgelaufenen lich zu Muthe? Kommt, Leute!" Beine wie einen Korkzieher in den Kies; aber er mußte Und sie trugen Ane hinaus und luden sie mit allen sich ergeben. Bisserup's Beredtsamkeit war echt oder Kränzen auf den Lastwagen, und hierauf bliesen die unecht von einer Art, welche den kleinen Mann über- Musikanten und das fahrende und das gehende Gefolge wand. Post- Johann konnte selbst nicht zwei Säße anein- ordnete sich. Und Herr Bisserup saß, ohne Ueberrock, ander fügen. Der Fremde war in seinen Augen ein De- beim Kutscher auf dem Leichenwagen, beständig die Augen mosthenes. Und dann fiel ja doch der Glanz des vielen trocknend, so daß die schwarzen Handschuhe Spuren in Geldes auf die Familie. dem bleichen Gesicht hinterließen, während falte Schauer den schlanken Kellnerleib durchzuckten. Ane's Leiche kam an einem feuchten Herbstabend auf einem Lastwagen nach Vangaa hinausgefahren. Das war der erste Schritt. In einer leeren Villa, die rückwärts an das Haus der Brüder stieß, wurde sie eingestellt. Bisserup schloß sich die ganze Nacht mit dem Sarge ein. Man sah Licht, man hörte ihn klopfen und man sah ihn längs der Wände auf einer Treppenleiter herumkriechen. Es war ein trauriger Leichenzug bei einem traurigen Wetter. Und als man auf den Friedhof kam, der ein einziger großer Lehmhügel war, von dem Kreuze und Gitter wie Nadeln von einem Nähkissen emporragten, glitten Ane's Träger in dem schmierigen Moraste beständig aus, während der Himmel seine schweren Herbstthränen auf die Regenschirme, Filzhüte und Kopftücher niederDes Morgens war das leere ebenerdige Gassenzimmer schüttete, gleichsam wie auf eine Schaar Vermummter. mit Hilfe von Tannenreisig, Fahnen und Georginen zu Am Grabe oben stand bereits der Priester. Er hatte einer feierlichen Kapelle umgewandelt. Der Sarg stand gewartet und war ungeduldig. Selbst ein Priester kann offen mitten im Zimmer und im Sarge lag Ane, gelb wie es werden. Es war eine lange Rede bestellt, und das Elfenbein und in einem Leichenanzuge, der in's Blauweiße Honorar, das im voraus bezahlt worden war, stand dazu spielte und dessen ausgezackte Franzen und Zungen an im Verhältniß. Gleichwohl dachte der Pastor, es sei zum Glanzpapier erinnerten. besten seiner Pfarrkinder, schuldige Rücksicht auf das Wetter Die Hände lagen über der Brust gefaltet. Ihr Kon- zu nehmen. Er begann: firmationspsalmenbuch hatte unter dem Kinn Platz gefunden." Theure Mitchriften! Wenn wir an dieser Bahre Zwischen die todten Finger war ein ewig grünender Myr- stehen. thenzweig gesteckt. Hier trommelte der Regen auf des Pastors Parapluie. Im Laufe des Vormittags kam ein Wagen mit sechs Es war ein neuer, schöner, straff gespannter Seidenschirm. Musikanten aus der Hauptstadt. Unterwegs waren einige und der Schirm sank immer tiefer über dem Priester Regenschauer niedergegangen und es gingen noch immer nieder, und die Worte vermochten nur schwer hervor und Schauer nieder. Als sie in Vangaa einfuhren, zogen die weiter zu bringen, und auch all' die übrigen Schirme, von Herren Musizi die schwarzen, baumwollenen Ueberzüge von denen lange Wasserläufe rieselten, senkten sich immer den Klapphörnern; die Piccoloflöte wurde aus der Brust- tiefer nieder über das Gefolge, über den Friedhof, über tasche hervorgezogen und die Stücke zur Posaune wurden das Grab, über Ane, über des ehemaligen Kellners Liebe, aus dem Wagenkasten genommen und zusammengesteckt. seines Lebens einzig echtes oder doch halbechtes Gefühl, Der rothnafige, blaugefrorene Dirigent auf dem Vordersize das nun ein„ standesgemäßes" Begräbniß erhielt. nickte und ein erkälteter Trauermarsch lockte das ganze alte Julius tauchte einen Augenblick unter seinem Parapluie und junge Vangaa vor die Thüren und gleich darauf in hervor. Er sah sich um und steckte den Hornschaft das Trauerhaus. des Regenschirms in den Mund. Er fühlte, daß er den Armen hätte zehn Kronen geben können, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, nur eine Sekunde mit seinem unvermeidlichen Lachen loszubrechen. Den Sarg umftand nun die ganze Verwandtschaft, ganz Vangaa. Es roch nach Burbaum, nach Bayerisch Bier, nach nassen Kleidern. Man hatte gegessen und getrunken und man stand hier, in einer etwas fremden, halb Aber dann dachte er an Ane, an den Kellner, an gemüthlichen, halb verzagten Stimmung, nicht recht im ihren lezten Gruß. Es gab ihm einen Stich... Ane klaren, was da kommen würde. Herr Bisserup hielt vor- war todt und nun wurde sie begraben. läufig das ganze in seiner Hand. Er hatte es so ge= Und Post- Johann? Er beobachtete Herrn Ludwig wünscht, und er war ja der Wirth. Man stand zu Diensten: Bisserup. Er sah, wie dieser immer mehr erbleichte, als Die Muhmen und Basen der Verwandtschaft, die ob er selbst ein Sterbender wäre. Und Post- Johann beNachbarfrauen und Nachbarmädchen hatten bereits eine gann endlich unmerklich zu weinen. Er mischte seine fleine Viertelstunde hindurch sanft und still geweint, mit Thränen in die Thränen des Himmels. fleinen Unterbrechungen von stärkeren Klagen. Julius und Der Himmel vergoß seine Thränen vielleicht nicht Jakob wechselten ungeduldige Blicke; der letztere begann über Ane; aber gewiß ist es, daß Post- Johann über seine ganz brummig:„ Hört sollen wir fie jeßt verlorenen dreihundert Kronen weinte. nicht nehmen?" was Ei« bürgerlicher Moralist über soziale Fragen. i. Persönliches und soziales Moralisiren. B. W. Es ist eine alte Wahrheit des freien Denkens, daß die Sittlichkeit durchaus nicht irgend einen religiösen Glauben zur nolhwendigen Voraussetzung habe. Da nun der freie Gedanke heutzutage eine weit grö- ßere Macht ist als vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten, so ist es selbstverständlich, daß man sich in der Denkerwelt bemüht, zu Zwecken der Erziehung, die Moral von der Glaubensreligion loszulösen. In Frankreich und in Deutsch- land hat dies Streben Erfolge aufzuweisen; bei uns treten dieselben theilwcise in Form von„ freien Gemeinden" zu Tage. In Nord-Amerika und England bethätigt sich dies Streben in„Gesellschaften für sittliche Bildung", und zwar, wie es scheint, in weit ernsterer Weise, als in vielen unserer freien Gemeinden, allerdings vielleicht nur deshalb, weil die Regierungen der genannten Länder solchen Gesell- schasten keine oder nur wenig Schwierigkeiten bereiten. Eine hervorragende Kraft der amerikanischen Gesell- schasten ist William Mackintire Salter, hervorragend durch seine Reden und, soweit man aus denselben schließen kann, durch seinen edlen Charakter, sowie besonders durch sein reines Bemühen. Schon einmal beschäftigte sich die „Volks-Tribüne" mit diesem Manne, in dem Aufsatze: „Moralphilosophie" von P. E., welcher der Meinung ist, Salter sei ein bürgerlicher Moralist. Obwohl ich, den genannten Aufsatz betreffend, vielfach anderer Meinung bin, als P.E., muß ich sagen: Auch mir scheint Salter noch stark in bürgerlichen Anschauungen und Gefühlen be- fangen zu sein; für die Arbeiterbewegung hat er erst ein keimendes Verständniß; mit der Lage des Arbeiters ist er ungenügend vertraut und kann daher das neue Fühlen, die in die Zukunft ragende Moral des von modernen Gesellschaftsvcrhältniffen neu geschmiedeten Proletariats nicht recht verstehen. Es verlohnt sich für die Leser unseres Blattes, an dem Beispiele Salters einen wichtigen Unterschied zu erkennen zwischen bürgerlicher und proletarisch erMoral. Bon Salter liegt vor uns sein neues Werk, betitelt „Moralische Reden", in klares Deutsch übersetzt von Georg von Gizycki; und hier zeigen sich neben zahl- reichen Bemerkungen von einem sittlichen Gehalt, welcher Proletarier ergreifen wird, auch Anschauungen echt bürger- sicher Natur. Eine der letzteren, welche besonders bczeich- nend ist, greifen wir heraus; sie findet sich Seite 11 in dem Vortrage über„Persönliche Sittlichkeit" und lautet: „Wenn ich je einen Zweifel an der Möglichkeit hege, daß heut aus dem Freisinn(gemeint ist wohl die landläufige Freigeisterci) eine neue Religion(im guten Sinne) entspringen könne, so ist es darum, weil der Freisinn mehr von den Rechten des Menschen als von seinen Pflichten spricht; weil er mehr von der Reform der Gesellschaft als von der Reform unserer selbst spricht; weil sein Ideal viel mehr Philanthropie als Gerechtigkeit ist; weil er ver- gißt, daß, wie Emerson sagt,„die Gesellschaft nichts gewinnt, wenn ein nicht selber erneuerter Mensch es unternimmt, die Dinge um ihn her zu erneuern", oder, wie John C. Learned sagt, daß die,„welche Unrecht haben, Uebel nicht heilen können". Reinigen wir uns selbst, lassen wir den Maß- stab der Welt hinter uns und fragen wir, welcher Art Men- schen wir selbst sind; und wenn wir uns unheilig finden, unkeusch, leidenschaftlich, neidisch, auf den Vortheil bedacht, kleinen Geistes und eng in unserem Mitgefühl, o lassen wir dann die Uebel der Welt liegen und heilen wir zuerst uns selbst!" Ein Körnchen Wahrheit siegt in diesen Worten. Das Streben,„die Menschen zu beffern und zn bekehren", ist unlauter, wenn es nicht zusammengeht mit dem Streben nach Vervollkommnung der eigenen Person; und wenn gar, wie.das zuweilen vorkommen soll, Leute von gemeinem Eigennutz in Menschenbeglückung machen, so ist ihr Werk faul und morsch. Indessen verbindet sich mit diesem Korn Wahrheit ein großes Stück Jrrthum. Wie? Wir sollen zuerst uns und dann die Welt heilen?— Mir scheint, wenn wir es tief ernst mit unserer Heilung nehmen, gelangen wir gar nicht zum Ende derselben und dürsten also niemals an- fangen, die Welt außerhalb zu bessern. Ferner müssen wir doch bedenken, daß wir in Zu- sammenhang mit der Gesellschaft stehen, daß zahl- reiche Fehler hervorgerufen werden durch soziale Verhält- nisse, daß also diese Fehler niemals schwinden, wenn nicht jene sozialen Verhältnisse beseitigt sind. Feuchtersleben, der Verfasser der„Diätetik der Seele" sagt, wenn man einen Fehler ablegen wolle, aber merke, daß man dies durch bloßen Vorsatz schwerlich fertig bringe, so solle man durch einen plötzlichen Entschluß seine Lebens- läge so verändern, daß man in den alten Fehler gar nicht oder nur sehr schwer versallen kann. Wie wahr! Ein Trinker wird durch den bloßen Vorsatz schwerlich geheilt werden, wahrscheinlich aber durch ein Losreißen aus der verführerischen Umgebung. So bilvet die Außenwelt einen wirksamen Hebel, uns selber emporzubringe». Darum Hand an diesen Hebel gelegt! Verbessern wir die Gesellschaft, insbesondere ihre soziale Ordnung, damit wir nicht mehr zu sündigen brauchen! Ein Mensch, der sich völlig bessern will, ohne die Gesell- schast anzupacken, kommt mir fast wie Münchhausen vor, welcher sich aus der Grube, in die er gefallen, am eigenen Haar emporzieht. Gewiß sind erweckte sittliche Gefühle eine Macht. Aber jede Macht hat eine beschränkte Größe. Und die sittlichen Gefühle sind nun einmal— wer kann das leugnen?— im allgemeinen, d. h. im vorhandenen Durchschnittsmenschen, nicht die stärksten Gefühle. Der Hunger der Verzweiflung, die leidenschaftliche Geschlechtsliebe und andere Gefühle sind stärkere Triebfedern, als die bisherigen Moralisten solche zu bilden vermochten. Wenn wir alsa die Ausschreitungen des Hungers, der Liebesleidenschaft beseitigen wollen, so müssen wir durch soziale Reformen den Hunger verhüten und der Liebe ihre Befriedigung verschaffen. Darin scheint der Grundfehler des bürgerlicben Mo- ralisirens zu liegen, daß den bürgerlichen Moralisten eine tiefere Kenntniß der Triebfedern und ihrer Stärkegrade, ihrer Rangordnung abgeht. Und dieser Fehler beruht auf dem Wesen des Bürgerthums, ist eine Erzeugung seiner geschichtlichen Entwickelung. Politische, rein politische Freiheit ist infolge dieser Entwickelung sein Ideal, gleiches Recht seine Forderung, aber hierbei denkt es immer nur an politische Verhält- nisse. In der bürgerlichen Demokratie feiert nach der Meinung des Bourgeois die Gleichheit ihre Triumphe. Da kann z. B. jeder reich werden. Da kann jeder sich er- nähren, wenn er nur will. Unser Proletarier aber lächelt spöttisch über diese Meinung, wenn er nicht roth vor Zorn wird! Eine Folgerung der vermeintlichen Gleichheit in den Rechten ist die Gleichheit der Pflichten und somit der Strafen. Jeder Mann soll sich ernähren, wer also ar- beitslos ist, der ist verächtlich und gehört ins Arbeitshaus! Wer stiehlt, gehört ins Gesängniß! Geschlechtsliebe darf man nur mit der angetrauten Hälfte genießen; unehelicher Geschlechtsverkehr ist unsittlich!— Das sind Anschauungen des Bürgers, welche er von seinen Mitmenschen respektirt wissen will. Wer dagegen fehlt, wird bestraft. Wcsent- liche Entschuldigungen für die Verletzung der Bürgermoral giebt es nicht; denn alle Menschen sind„gleich"; jeder kann ein braver Bürger sein, wenn er nur will; denn er darf es sein; ihn hindert niemand. Das Bürgerthum hat kein Verständniß für das Wört- chen„sozial". Die„soziale Frage" ist ihm ein Unsinn, welches Umsturz bedeutet. Die einseitigen Schwärmer für politische Freiheit bedenken nicht, daß es eine Knechtschaft, einen Zwang innerhalb der blühendsten Bürgerdemokratie giebt, welche vielfach schlimmere Verheerungen anrichtet, als Despotie und Sklaverei. Diese Knechtschaft geht weniger von Personen aus, als von Zuständen, von„sozialen Verhältnissen", ganz unpersönlichen Dingen, wie z. B. ein schwindsüchtiger Geldbeutel ein solches ist, oder eine Maschine oder das System der freien Konkurrenz. Die bürgerliche Freiheit ist nur ein Dürfen, ein Richtver- botensein. Aber ist das auch ein Können? Wenn uns niemand verbietet, Wohlstand zu erwerben, können wir es deswegen? Leider nein! Dürfen bedeutet nicht: die Macht haben, sondern nur das politische Recht haben. Und das ist ein gewaltiger Unterschied. In der bürgerlichen Welt haben die Menschen trotz ziemlich gleicher Rechte doch eine sehr verschiedene Macht, zu erlangen, was sie wünschen, und zu thun, was man soll. Ungleiches aber darf nicht mit gleichem Maße ge- messen werden. Das wäre ungerecht. Wir dürfen z. B. an einen Geisteskranken nicht dieselben sittlichen Anforde- rungen stellen wie an einen Gesunden. Warum? Weil Strafen bei Geisteskranken so schwache Wirkungen hinter- lassen, daß sie keine sittliche Besserung erzielen, sondern bloße Leidzufügung bedeuten; mit anderen Worten: weil die durch Strafe, Tadel, Lob, Belehrung gebildeten Trieb- federn im Geisteskranken fast regelmäßig schwach und ge- brcchlich sind gegenüber den Triebfedern seiner Sinnlichkeit und Krankheit. Ferner wird kein gerechter Mensch von Leuten, deren Füße mit Ketten behindert sind, verlangen, daß sie laufen und springen sollen wie unbehinderte Leute. Der Bürger aber verlangt das. Er verlangt, daß das Weib des armen ländlichen Tagelöhners ebensowenig Feld- früchte stehlen soll, wie die wohlhabende Bürgersfrau, daß ein armes, verlassenes und vielleicht noch schlecht erzogenes Mädchen der Großstadt seine Unschuld ebensowohl bewahren soll, wie die sorgfältig gepflegte und behütete Tochter, die rasch unter die Haube kommt. Das Bürgergesetz bestraft den Armen wie den Neichen, ja man ist versucht zu sagen: den Armen noch mehr; die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen. Jeden- falls verlangt der Bürger, daß alle Leute sich Wohlstand erwerben und betrachtet den Armen, der das nicht fertig bringt, als einen Lump, den man bestrafen, mindestens verachten muß. „Ich werde die Armuth verbieten" schnauzt der protzige Bourgeois in den„Sylvesterglocken" von Dickens. Und dies Wort ist sehr bezeichnend für jene Menschenklasse, die nur politische Gesetze, aber keine sozialen Gesetze kennt. Der bürgerliche Moralist zeigt den Menschen die Sünde und sagt:„Die sollt ihr bekämpfen und zurückschlagen; wer sich aber vom Feinde unterkriegen läßt, der erhält Strafe und Schimpf." Jedoch der proletarische Moralist ruft in den Kampf hinein: Halt! Die Waffen sind ungleich. Der Wohlhabende hat eine gute Waffe gegen viele Sünden, der Arme eine schlechte; der Gebil- dete eine bessere, als der Ungebildete. Geben wir den Menschen erst gleiche Waffen. ehe wir gleiche Leistungen verlangen. Die soziale Gleichheit muß erst erworben sein, ehe eine Moral, welche sich an die Person tadelnd und ermahnend wendet, ohne einen Unterschied zu machen zwischen dieser und jener Person... ehe dies persönliche Moralisiren völlig am Platze ist. Solange das soziale Ideal noch nicht verwirklicht ist, sollte der Moralist überall da die sozialen Verhältnisse anklagen und nicht die Person, wo die sozialen Verhältnisse stärkere Triebfedern entfalten, als Moralpredigten zu geben vermögen. Salter scheint trotz seiner hohen Beanlagung und sei- nes reinen Strebens noch viel zu sehr Bürger zu sein, um diesen Gedanken voll würdigen zu können. Als Bürger ist er Individualist, schwärmt für die Unabhängigkeit des Einzelnen von den Anderen, für die individuelle Freiheit, schwärmt auch noch stark für die„Selbsthülfe". Kein Wunder, daß er auch individueller Moralist ist, und für die moralische Sclbsthülfc schwärmt. Auch schweben ihm als Bürger bei seinem Denken mehr bürgerliche als pro- letarische Verhältnisse vor Augen. Jedenfalls wendet er sich in seinen Reden vorwiegend an wohlsituirte Leute. Drum kennt er so wenig den Druck der sozialen Zustände, den Zwang, welchen gesellschaftliche Verhältnisse auf den handelnden Menschen ausüben. So hat er denn oft gut reden mit seinen Ermahnungen. Es mangelt seiner Moral an dem„Alles begreifen heißt alles entschuldigen". Er sollte mehr jener„Erbsünde" eingedenk sein, welche in den gesellschaftlichen Zuständen wurzelt. Die Sucht nach Ueichthum. Der berühmte Irrenarzt Henry Maudsley schreibt in seinem Werke„Die Physiologie und Pathologie der Seele" folgendes: „Eine weitere und gewiß nicht die geringste der nachtheiligen Folgen, welche aus gewissen, durch unsere gegenwärtige Kultur verursachten Zuständen entstehen, ist die allgemein verbreitete Furcht vor Armuth und das leidenschaftliche Jagen nach Reich- thum. „Das praktische Evangelium unserer Zeit, das überall in Wort und That verkündet wird, ist das des Geld mach ens; die Menschen werden hauptsächlich geschätzt nach dem Grade ihres Wohlstandes, und dieser bestimmt auch ihre soziale Stellung. Darum wenden sie auch alle Kräfte an, um das zu erreichen, was ihnen Achtung und Einfluß verschafft. Die nothwendige Folge davon ist, daß in den„höchsten" Kreisen von Handel und Verkehr auf die schlimmste Weise spekulirt wird, und daß viele Menschen durch den Wechsel des Geldmarkts in fortwährender Spannung und Angst gehalten werden. In den„unteren" Kreisen ist dieselbe Begierde auf kleinen Gewinn gerichtet, und die anhaltende Sorge der Seele, welche dadurch veranlaßt wird, verursacht eine Engherzigkeit und Düsterheit des Geistes— wo sie nicht zu direfter Ehr- losigkeit führt— die man nirgends ausgeprägter findet, als bei gewissen kleinen Geschäftsleuten. „Die Thäfigkcit eines Lebens, das allein zum Ziele hat. Reichthümcr zu erwerben, übt einen sehr verderblichen Ein- fluß auf das Wesen eines Individuums aus. Es sind keine An- fälle innerlicher Erregung, welche die Seele des Kaufmannes in Verwirrung bringen— obwohl dies auch zuweilen vorkommen kann—; es ist nicht ein Verlust in einer Geldkrisis, der seine Kraft lähmt und ihn irrsinnig macht— obschon auch dies zu- weilen passirt— sondern es ist der ausschließliche Charakter seines Lebenszieles und seiner Beschäftigung, der nur allzu häufig das mo- ralische oder altruistische') Element seiner Natur untergräbt, ihn zu einem Egoisten und Pedanten macht, ohne Thcilnahme für andere, und in seiner Person die menschliche Seite der Natur zu gründe ist die Folge hiervon? Wenn irgend eine Ucber- zeugung in meiner Seele durch Wahrnehmungen und Beispiele fester geworden ist, als irgend eine andere. dann ist es die von der großen UnWahrscheinlichkeit. daß ein solcher Mensch gesunde Kinder zeugen kann, im Gegenchcil ist es sehr wahrscheinlich, daß die Korrumpirung seiner Natur als eine unheilvolle Erbschaft auf seine Kinder übergehen wird. In verschiedenen Fällen, in denen ein Vater sich aus der Arumth zu großem Wohlstand emporgehoben, mit dem Zweck und in der Erwartung, eine Familie zu begründen, habe ich einen geistigen und physischen Zurückgang bei seinen Nachkömmlinge« stattfinden sehen, welcher zuweilen so weit ging, daß sie zum Aus- sterben der Familie im dritten oder vierten Geschlecht führte. „Wenn diese Zerrüttung, vielleicht durch den günsttgen Ein- fluß einer Mlttter, nicht zum Irrsinn führt, dann bemerkt man davon doch die Spuren in einer instiiiktmäßigen Schlauheit und Falschheit in solchen im hohen Grade selbstsüchtigen Naturen, welche unzugänglich für moralische Einflüsse oder Gefühle des Wohl- Möllens sind. „Wie andere, mehr erfahrene Beobachter, auch darüber denken mögen, ich muß es als meine Ueberzeugung aussprechen, daß eine übertriebene Sucht nach Reichthum, welche alle Lebenskräfte in Beschlag nimmt, den Grund für den geistigen Zurückgang der Nachkommenschaft legt— oder zur Unsittlichkeit odcrzusitt- licher und geistiger Rückständigkeit, oder endlich unter gewissen Um- ständen zum vollkommenen Wahnsinn." * Jeder, welcher die Entwickelung in den letzten Jahr- zehnten beobachtet, muß dem Irrenarzt zustimmen. Die Verschärfung der wirth schaftlichen Gegensätze durch Ginmischung der Kehörden. □ Mit ziemlicher Beschämung lesen mir in den Zeitungen, wie relativ unparleiisch sich die Polizeibehörden in London bei dem großen Streik der Dockarbeiter benommen haben. Auch dort traten die Unternehmer an die Polizeibe- Hörden heran und brachten dieselben Denunziationen gegen die Arbeiter vor, die sich im Ausstande befanden, die bei uns bei jedem Ausstande von den Unternehmern gegen die Arbeiter erhoben werden: daß die streikenden Arbeiter sich Ungesetzlichkeiten gegen die Streikbrecher erlauben. Während bei uns aber, z. B. in Magdeburg, die Polizei ein Benehmen gegen die Arbeiter anschlägt, daS mit den Gesetzen durchaus nicht in Uebereinstimmung zu bringen ist; während bei uns die Arbeiter an dem ge- setzlich ihnen zustehenden Rechte, die Streikbrecher auf daS Verwerfliche ihrer Handlungsweise aufmerksam zu machen und sie zum Niederlegen der Arbeit durch Ueberr eden zu veranlassen, durch Verhaftung und widerrechtliche Frei- heitsberaubung behindert werden; während bei uns die Polizei die von den Arbeitern ausgestellten Posten, die in gesetzlich erlaubter Art den Zuzug auf der Bahn abzufangen suchen, von den Bahnhöfen vertrieben, die Posten der Unternehmer aber daselbst lassen; während bei uns die Polizei die von den Unternehmern ein- ') Egoismus: die ausschließliche Liebe zum eigenen Ich (ego= ich); A ltruismus: die Theilnahme für den Nächsten(alter --- der andere). gefangenen Streifbrecher bewacht und geleitet, wendigkeit nicht entziehen können, auf eine Steigerung Ueber die Ausbeutung von Kindern, jugenddafür sorgt, daß sie mit anderen Arbeitern nicht zu ihres Einkommens, entsprechend diesen Steigerungen der lichen Arbeitern und Frauen werden abermals sammenkommen, was zu verhindern sie ein gesetzliches Miethen und Lebensmittelpreise, hinzuarbeiten, dabei werden ziemlich trostlose Angaben gemacht: Recht nicht hat; während bei uns die Polizei alles thut, fie die schon theilweise errungene neunstündige Arbeitszeit Daß die Verwendung jugendlicher Arbeiter in Preußen überwas sie vermag, um die Arbeiter in der Ausübung ihrer nicht aufgeben, sondern die Errungenschaften dieses Jahres schritte gemacht hat, ist hier an der Hand der neuesten Inspektorenhaupt feit weniger als einem Jahrzehnt ganz bedenkliche Fortgesetzlichen Rechte zu hindern und offen Partei nimmt zu vervollständigen streben. berichte bereits nachgewiesen worden. Die Zahl der in Betracht für die Unternehmer, sich ganz in deren Dienst stellt: Es wird die Berliner Maurerschaft deshalb wieder kommenden Fabriken vermehrte sich seit 1880 um 18 Prozent, dieantwortete die Londoner Polizeibehörde den Unternehmern, rechtzeitig und angemessen an die Unternehmer herantreten ienige der beschäftigten jugendlichen Arbeiter( bis 18 Jahre) aber die in derselben Art die Polizeihilfe beanspruchten, ganz und sie auffordern, durch beiderseitig frei gewählte Kom- um 100 Prozent! kühl und durchaus gefeßlich, die Unternehmer möchten missionen Lohn und Arbeitszeit für das nächste Jahr fest- Gewerbeaufsicht wahrscheinlich in zehnfacher Anzahl festgestellt worden Dabei wurden in vielen Fällen, die bei wirksam organisirter die von den Arbeitern begangenen Ungeseßlich sezen zu lassen, wie es der Nothwendigkeit und den Ber- wären, Kinder über 6, fugendliche Arbeiter 10 Stunden keiten näher bestimmt angeben, bevor die Polizei liner Verhältnissen entspricht. am Tage ungesetzlich zur Arbeit angehalten. einschreiten könnte-- und die Unternehmer mußten Wir hoffen sehr, daß die Unternehmer die Erfahrun- der Kinder- als der Männerbeschäftigung. Einige Bezirke zeigen eine verhältnißmäßig höhere Steigerung schweigen, sie hatten nichts anzugeben, es waren keine un- gen dieses Jahres und der vorigen Jahre beachten werden, Auch dafür, daß die industrielle Frauenarbeit auf Kosten gefeßlichen Thaten, in solchem Maßstabe begangen, daß ein daß fie sich nicht wieder durch die bekannten Jnnungs- der Arbeiterfamilienwirthschaft stetig zunimmt, bringen die neuen Einschreiten der Polizei gerechtfertigt war, vorgekommen. Agitatoren werden aufheben und bethören lassen; wir Berichte aus allen Ecken und Enden Preußens Belege. Sogar Gegen die geseßlich erlaubten Handlungen der hoffen, daß die Behörden dabei die ihnen anständige Un- Nachts wurden Frauen beschäftigt; im Bezirk Aachen- Trier Arbeiter, die diese unternahmen, um sich den Sieg zu parteilichkeit beibehalten, und nicht den Heßern der Innung Arbeiter in den Woll- und Tuchsälen der Fabriken, schliefen noch immer ganze Abtheilungen weiblicher sichern, schritt aber die Londoner Polizei nicht ein, sie einen Rückhalt bieten, dadurch, daß die Unternehmer an- in Zuckerfabriken hatten die Frauen ganz ungenügende Bekleidung nahm nicht Partei gegen die Arbeiter für die Unternehmer, nehmen dürfen, die Polizei werde wieder die Gesellen und den Gipfel des Elends schildert der Beamte für Frankfurt a. D.sondern bewahrte eine ziemliche Unparteilichkeit, wie sie hemmen und behindern. Potsdam, indem er schreibt: einer aus den Steuern aller Steuerzahler bezahlten Be" Bei den Revisionen wurden nicht selten zwei- bis dreijährige Kinder, besonders in Tuchfabriken und hörde ansteht. Spinnereien, auf staubigem Boden und neben den Krempelmaschinen hockend angetroffen. Sogar Nährkinder im Arm von Arbeiterinnen fand ich, während die Mütter die Maschinen bedienten, so daß solche Stinder stundenlang_die_staubige, wenig gesunde Luft der Arbeitsräume einathmen. Ferner wurden oft kleine Kinder als gelegentliche Hilfs= fräfte ihrer Eltern oder Geschwister, oder auch ohne Be= schäftigung in den Arbeitsräumen umherlaufend gefunden." Also Mutter und Säugling im staubigen, lärmenden Fabriksaal, statt daheim in der Familienstube, die Mutter selbstverständ= lich dem Drange der Noth, nicht dem eigenen Triebe gehorchend solchen Thatsachen hätte die Oberbehörde des berichtenden Fabrikbracht! Man sollte meinen, sofort nach Kenntnißnahme von inspektors nicht bloß Schritte zur Erwirkung des von demselben verlangten Verbotes gethan, daß Kinder unter 12 Jahren Fabriken überhaupt nicht betreten dürfen, sondern an zuständiger Stelle wären auch endliche weitere Vorbereitungen zu einer menschen= würdigen Regelung der Arbeit in Fabriken in Angriff genommen worden. Weiter! Der Lordmayor, der höchste Civilbeamte Londons, ein Kardinal, ein Bischof vereinigen sich, bilden ein Schiedsgericht und nehmen nicht blind Partei gegen die Arbeiter, sondern vermitteln mit ruhiger Unparteilich keit. So geschieht es in London, wie handelt man bei " Wenn diese Hoffnungen sich erfüllen, dann wird es vielleicht geschehen, daß die friedliebenden, anständigen und besseren Elemente unter den Unternehmern den Terrorismus der Heßer abschütteln und die ihnen von den Arbeitern gebotene Hand ehrlich zur Vereinigung ergreifen, dann wird das Berliner Bauleben und damit das Berliner gesammte Geschäftsleben im nächsten Jahre vor Störungen uns? Als im Jahre 1885 die Bauunternehmer von bewahrt werden, die sonst ohne Zweifel und ohne daß es Berlin in der allerfrivolsten Art die Maurer in den Aus- jemand hindern kann, wieder eintreten müssen. stand trieben, als die Unternehmer, aufgestachelt von einigen Möge man aus den in Berlin gemachten Erfahrungen gewiffenlosen Hezern, die eben gemachten Bewilligungen auch anderswo die Lehre ziehen, daß die Einmischung der soweit haben wir es mit aller chriftlichen Sozialreform" gefontraktbrüchig wieder zurückzogen, als da die Maurer, Polizei in die Lohnverhandlungen zu ungunsten der Arum das Erwerbsleben der Stadt Berlin nicht zu stören, beiter zwar die Kraft der Arbeiter behindern, aber unter sich an den Magistrat, an den Polizeipräsidenten, an keinen Umständen brechen kann, daß dadurch nur die Anandere höhere Behörden wandten und um Vermittelung maßung, der Dünkel, die Ungerechtigkeit der Unternehmer baten, weil sie sicher waren, daß ihre damalige ganz gestärkt wird. winzige Forderung auf Lohnerhöhung von jedem billig denkenden und nur einigermaßen unparteiischen Manne als durchaus gerechtfertigt angesehen werden mußte, da wurde ihnen diese erbetene Vermittelung kurz und kalt abgeschlagen, aber der Magistrat erleichterte den Unternehmern die Kontrakte, damit sie besser den Forderungen der Arbeiter widerstehen konnten, die Polizei behinderte und allen Blättern, außer den Arbeiterblättern, Personen mit Schluß des Rechnungsjahres zu gestatten ist, wenn nach Kräften die Arbeiter. find Die Berichte der preußischen Fabrikinspektoren für das Jahr 1888 bekanntlich vor einigen Tagen im Wortlaut erschienen sofort, noch vor der buchhändlerischen Verbreitung, zugänglich gemacht worden. Als die„ Gesellen" einen vollständigen Sieg errangen, waren sie wiederum bedacht, Einrichtungen zu treffen, Da wir uns dieses Glückes nicht erfreuten, so werden um Ausstände für die Folge zu vermeiden, sie wir erst in den nächsten Nummern ausführlich auf das Werk zurückkommen. Heute begnügen wir uns, die Urtheile verlangten wieder eine Verhandlung mit den Unternehmern, Werk zurückkommen. Heute begnügen wir uns, die Urtheile Einseßung einer aus Unternehmern und Arbeitern gebilde einiger anderer Zeitungen wiederzugeben, die sich übrigens ten Kommission, die die Fragen der Lohn- und Arbeits- meistens sehr wenig anerkennend aussprechen. bedingungen regeln sollte. * * I. * Für den etwaigen Austritt aus den Zwangskaffen. Die§§ 19 und 63 des Krankenversicherungsgeseßes bestimmen, daß der Austritt aus den Zwangskassen versicherungspflichtigen sie denselben mindestens drei Monate vorher bei dem Vorstande beantragen und vor dem Austritt nachweisen, daß sie einer dem§ 75 des Krankenversicherungsgeseßes entsprechenden freien oder eingeschriebenen Hülfskasse als Mitglied angehören. am 31. Dezember ein, folglich muß der Antrag auf Ent= Der Schluß des Rechnungsjahres tritt in den meisten Kassen lassung aus der Zwangsversicherung spätestens bis 30. September gestellt sein; widrigenfalls der Versicherte auf ein weiteres Jahr in dem Zwangsverhältniß bleiben muß. Der Nachweis, daß man einer anderen Kasse angehört, braucht nicht bei der Kündigung, sondern erst am Schlusse des Rechnungsjahres( also Ende Dezember) beigebracht zu werden. ( Fabrik-), Bau- oder Innungskaffe ausscheiden will, versäumen, Die durch den Ausstand von der Einigkeit und der Macht der Gesellen überzeugten Unternehmer gingen anfangs auch Die Frankf. 3 tg." betont vor allem die geringe Möge deßhalb kein Arbeiter, welcher aus der Orts-, Betriebs= auf Verhandlungen zur Bildung einer solchen Kommission Befähigung vieler Inspektoren für ihr Amt und die ein, als aber der Winter sich im Jahre 1886 ungewöhn- Ueberbürdung mit Geschäften. Sie schreibt darüber: vor dem 30. September seinen Austritt anzumelden! lich verlängerte und dadurch die Maurer zu langer Die Kündigung zum Austritt aus einer Orts-, BetriebsMan begreift nach der aufmerksamen Lektüre der neuen Be-( Fabrik-), Bau oder Innungskasse geschieht am besten durch einArbeitslosigkeit verurtheilt waren, benußten die Unternehmer richte überhaupt nicht, wie nur einen Augenblick noch mit der Re- geschriebenen Brief, der an den Vorsteher, aber mit Angabe von diesen ihnen günstigen Umstand, die Noth der Arbeiter, organisation der preußischen Fabrikinspektion gewartet beffen Namen gerichtet ist, nicht etwa blos an den Vorstand" der und brachen die Verhandlungen ab. Dennoch wäre werden kann. Größere Ungleichmäßigkeiten und Lücken dürften auf keinem Ortskasse, denn solche eingeschriebene Briefe ohne Namen händigt es zur Bildung einer solchen Verhandlungskommission ge- anderen Gebiete preußischer Verwaltung eristiren, als beim Fabrik- die Poſt nicht aus. Man schreibt also: kommen, weil die Berliner Maurer entschlossen waren, inspektorate. Man macht heute noch dieselben Wahrnehmungen, An den Vorstand der Ortskrankenkasse der wieder in den Streik zu gehen, um die Unternehmer zur wie vor fünf Jahren bei Erscheinen der letzten Originalberichte: Anerkennung ihrer Vertretung und zum Verhandeln zu Durchschnitts qualifikation. Der Bericht des einen zeigt eine den Fabrikaufsichts beamten fehlt jede einheitliche zwingen, wenn nun nicht, als die Maurer sich wieder gewisse sozialpolitische Vertiefung( als Beispiele hierfür seien die zum Angriff rüsteten, der bekannte Streikerlaß und die Referate des Berliner, der schlesischen und rheinischen Beamten ge= Ausweisung der Führer der Maurer erfolgt wären. nannt); andere sind von einer beispiellosen Oberflächlichkeit und Inhaltlosigkeit, wie man sich bei der Durchsicht des hessischen, des merseburg- erfurter, des magdeburgischen und des Referates über Schleswig überzeugen kann. Tüchtig sozialpolitisch gebildete Leute find doch zu haben; wie kann man also eine so unausgeglichene Fabrikaufsicht länger in Preußen bestehen lassen? Als die Unternehmer sahen, daß die Polizei in solcher Art Partei für sie ergriff, traten sie den Arbeitern mit der größesten Schroffheit entgegen und verweigerten jede Verhandlung mit der von den Gesellen gewählten Vertretung, so viel sich die Maurer auch bemühten, solche So ist der diesjährige Verhandlungen einzuleiten. Ausstand unvermeidlich gewesen. Herrn zu Ich will vom 1. Januar t. J. ab nicht mehr zur Ortstrankenkasse gehören, sondern in eine zentralisirte freie Hilfskasse eintreten. ( Ort) den ten Namensunterschrift Arbeitet bei Herrn Nummer des Kassenbuches 1889. Wer will, kann diese Kündigung auch mündlich bis Montag, Es ist ferner unmöglich, eine ernstliche Gewerbeinspektion zu den 30. September d. J., anbringen. erzielen, wenn man einzelnen Beamter beinahe unübersehbare Bezirke überweist. Man urtheile selbst: im Berliner Bezirk sind in die freie Hilfskasse in der legten Dezemberwoche spätestens ge= Ist die Kündigung rechtzeitig geschehen, so muß der Eintritt die Arbeitsverhältnisse von 133 631 Arbeitern, im Frankfurt- Pots- fchehen, damit das ausgefüllte Buch der freien Hilfskasse beim achten und zu inspiziren. Wie kann dies je ein Fabrifinspektor mit ist, sonst gilt die Kündigung nicht, und er muß noch ein Jahr der damer von 170 000, im Breslau- Liegniger von 141 399 zu beob- Antritt zur Arbeit im Jahre 1890 in den Händen des Arbeiters je einem Assistenten wirksam durchsetzen? Die Bezirke Posen mit Ortskrankenkasse angehören. 34229 Arbeitern, Oppeln mit 68 154 Arbeitern, Magdeburg mit 44 243, Merseburg- Erfurt mit 73 313 und Schleswig mit 44 276 wie man sieht, ganz ungleich abgetheilt, rein schematisch nach den politischen Landesgrenzen. übersehen, geschweige denn in ihren Arbeits- und Lebensverhält Diese Arbeitermassen lassen sich unmöglich von einer Person übersehen, geschweige denn in ihren Arbeits- und LebensverhältBur Lokalfrage in Berlin. Das Stiftungsfest der Allgemeinen Stuhlarbeitervereinigung findet bis auf weiteres nicht statt, da der Wirth des hergiebt. Sämmtliche ausgegebenen Billets sind zurückzuliefern. Böhmischen Brauhaus es sein Lokal zu Versammlungen nicht hergiebt. Wir können ruhig behaupten: wäre die Polizei im Jahre 1886 nicht für die Unternehmer und gegen die Gesellen eingetreten, hätten die Unternehmer nicht ganz ficher darauf gerechnet, daß in diesem Jahre die Polizei ganz ebenso sich auf ihre Seite stellen würde, dann wäre der diesjährige Ausstand der Maurer vermieden worden. Nun, die Maurer haben den Unternehmern gezeigt, daß die früheren Polizeimaßregelungen ihre Kraft durch aus nicht gebrochen haben, daß fie bereit und fähig sind, Im Königreich Sachsen und dem Großherzogthum Hessen Die Lokalkommission ersucht uns mitzutheilen, daß die da anzuknüpfen, wo Ende Mai 1886 die Sachen liegen kommen jetzt rund 14 000 Arbeiter auf einen Aufsichtsbeamten, und Berliner Bodbrauerei ihre Säle zu allen Versammlungen blieben. Die Unternehmer haben gesehen, daß die Polizei man wird doch nicht behaupten wollen, daß da schon die Fabrik- hergiebt. aufsicht vollkommen organisirt wäre. Die preußische Fabrikinspekdiesmal nicht so ganz unbedingt zu ihrer Verfügung ist. tion tann jebenfalls unter jenen Verhältnissen nur der schwache Das komische Klagen der Herren Maurer- und Zimmer- Schein von dem sein, was sie in einem„ sozialreformatorischen" meister auf ihrem legten Jnnungstage, daß ihnen Herr Staate sein sollte. von Buttkamer in diesem Jahre gefehlt hat, zeigt, wie nissen erschöpfend studiren. * ** * * * * gewerbe beschäftigten Arbeiterinnen Berlins wurde an In der Freien Vereinigung der im Vergoldergeregt, der Böhmischen Brauerei", welche neuerlich den Arbeitern die Bokale zur Versammlung verweigert, dadurch entgegen zu treten, daß man ihr Bier nicht mehr trinke. * * * Das Stiftungsfeft von Cuba- Nippe, welches im„ Neu* * wichtig ihnen diese Hilfe der Polizei beim Widerstand Ueber die Ortspolizeibehörden, welche bekannt gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiter ist, zeigt lich überall mit Fabrikinspektor spielen sollen, lautet das aber auch wie verhängnißvoll diese polizeiliche Einmischung Urtheil noch ungünstiger:" Dafür, daß die Ortspolizeiſtädter Volksgarten" stattfinden sollte, findet nicht statt, da der zu gunsten der Unternehmer und zum Schaden der Arbeiter behörden, namentlich auf dem flachen Lande, niemals die Wirth sein Lokal nicht mehr zu Versammlungen hergiebt. gewesen ist. Organe für eine wirksame Unteraufsicht über Fabriken Die Bauunternehmer von Berlin mögen sich aus werden können, bringen die Klagen der Beamten für Posen, Die Berliner Hausdiener( Freie Vereinigung) faßten diesen Erfahrungen eine Lehre nehmen. Minden und Münster, Hessen- Nassau, Köln- Koblenz, in ihrer lezten Versammlung folgenden Beschluß:" In Erwägung, Die fortwährenden Steigerungen der Miethen in Düsseldorf, Aachen- Trier und Sigmaringen neue Belege. daß die Säle des„ Böhmischen Brauhauses" und„ Elysiums Berlin, durch den Baustellen- und Grundstückwucher, die Dabei mag daran erinnert werden, daß im vorjährigen Bersammlung der Hausbiener, fede Schantstätte, in welcher Bier zu Arbeiterversammlungen nicht zu haben sind, beschließt die heutige durch allerlei Regierungsmaßregeln in ganz bedeutender reichsamtlichen Auszuge gerade die wichtige Aeußerung der des Böhmischen Brauhauses" ausgeschenkt wird, so lange zu meiden, Art während ganz kurzer Zeit ungeheuer emporgetriebenen württemberger Beamten nicht enthalten war, nach welcher bis die Säle zu Versammlungen wieder frei sind." Preise der Lebensmittel machen ganz unbedingt die Eignung der Ortspolizei zur Fabrikaufsicht auf dem für das Jahr 1890 eine Erhöhung der Arbeitslöhne, nicht flachen Lande wegen ihres naturgemäßen Respekts- Birth des Böhmischen Brauhaus es sich bereit erklärt hat, Die Lokalkommission theilt uns soeben mit, daß der nur der Maurer sondern der gesammten Berliner Arbeiter verhältnisses zu den Industriellen sehr in Frage seinen Saal von jest ab an den Tagen zu Versammlungen herzuschaft, erforderlich. geftellt wird. Die Berliner Maurer werden sich auch der Noth* * * geben, an denen weder Konzerte noch Festlichkeiten dort stattfinden. Gewerkschaftliches, Versammlungen. wurde die Kommission beauftragt, genau festzustellen, welche und vieviel Kollegen sich noch im Ausstand befinden. Der ,, Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer" hielt am Sonntag Vormittag in Jordan's Salon" seine Generalversammlung ab. Es wurden gewählt: Heinr. Hoffmann und Schulz als Vorsitzende, Weikert und Thiele als Saffirer, Hehre, Topp, Graff und Otto Greyer als Schriftführer, Revisoren und Bibliothekar. Literarisch e s. Die Geschichte der Erde von R. Bommeli. Reich Briefkasten. Die Streiffommission der Vergolder Berlins macht illustrirt und mit einigen Karten versehen.( Stuttgart, Dieß.) So Braunschweig. Der Tischlerstreik dauert unverändert bekannt, daß der Streit noch nicht beendet, die Sammlungen daher eben erhalten wir Heft 5-8. Das ganze Werk wird in ca. 20 fort, und ersuchen wir deshalb, den Zuzug streng fernzuhalten. noch nicht einzustellen find. Lieferungen à 20 Pf. erscheinen. Sendungen find zu richten an Weikopf, Weberstr. 10.( Tischler- noch nicht einzustellen find. herberge). Die streikenden Töpfer von Bunzlau- meistens Familienväter erlassen einen neuen Aufruf um Hilfe. Alle Briefe und Sendungen an: G. Handtke, Bunzlau, Gasthaus zum Deutschen Haus. Berliner Abonnent. Es ist manchem Spediteur zu umDie Glasmacher Nienburgs a. W. kämpfen einen bitteren Kampf um ihr Vereinigungsrecht. Alle Kollegen, welche Eine öffentliche Sattlerversammlung soll am 7. Oktober ftändlich, ganz allein die Volks- Tribüne", womöglich viele Stockdem Fachverein angehören, wurden entlassen, sodaß gegen das in Berlin stattfinden, um Stellung zur Lohnfrage zu nehmen. Wir werke hoch, auszutragen. Der Spediteur aber, der sowieso Sonn übermüthige Unternehmerthum der Streif erklärt werden mußte. machen schon jetzt darauf aufmerksam. abends früh schon eine tägliche Zeitung bringt und nun gleich Alle Sendungen sind zu richten an Ferd. Hartmann, Glasmacher Berliner Kranken- und Begräbnißkaffe für Frauen beide auf einmal abgeben fann, nimmt gern den Nebenverdienst in Nienburg a. W. beim Gastwirth Rode, Verdener Chaussee. und Mädchen.( E. H.) Die Zahlstellen der Kasse sind folgende Der Zuzug der Former nach Dresden ist fernzuhalten, und ist dort jede Auskunft zu haben: Frau Andersch, Reinickendorfer- mit, der ihm auch nicht einen Schritt Mehrlauferei macht. Man da in der Fabrik von Krüger und Roll wegen Mangel an Einrich- Straße 20 c. Hof II., Frau Marks, Zionskirchstr. 14 v. IV., Frau sichert sich also prompteste Zustellung, wenn man dem Volks= tungen zum Schutz der Gesundheit der Arbeiter und wegen Maß- Marie Schneider, Blumenstr. 29 im Laden, Frau Emma Schneider, blatt 2c. Spediteur auch die„ Volks- Tribüne" überregelungen eines Kollegen die Arbeit niedergelegt worden ist. Stalizerstr. 44, Frau Marie Greifenberg, Dieffenbachstr. 28 II., giebt. Beim Umzug läßt sich das, wo nicht alles geklappt hat, am Frau Köppen, Gitschinerstr. 109 im Laden. Außerdem beim Kassirer resten regeln. Nur mache man das gleich und nicht erst in letter Schiesst, Friedrichstr. 154. Das Streikkomitee der Bauarbeiter Berlins ersucht nochmals alle, die im Besiz von Sammelbogen sind, diese an Hrn. Carl Wallenthin, Liebenwalderstr. 51, oder beim Restaurateur Jo= hann Schmidt, ob gezeichnet oder nicht, abzuliefern. Die Bewegung unter den kaufmännischen Angestellten Berlins scheint wieder in Fluß zu kommen. Am Donnerstag voriger Woche fand eine ausgezeichnet besuchte Versammlung statt, die nach einem Referat des Herrn Albert Auerbach mit allen gegen 13 Stimmen folgende Resolution annahm: " Die heute in Deigmüller's Salon, Alte Jakobsstr. 48a, tagende öffentliche Versammlung von kaufmännischen Angestellten( männlichen und weiblichen) schließt sich den Ausführungen des Referenten voll und ganz an, und erblickt eine Aussicht auf Besserung der in ihrem Beruf herrschenden Mißstände nur in dem offenen und bedingungslosen Anschluß an die allgemeine Arbeiterbewegung. Zu diesem Zwecke empfiehlt sie die sofortige Gründung eines Fachvereins der kaufmännischen Angestellten und verspricht, demselben ausnahmslos beizutreten." Der Verband der Vereinigten Dachdecker Deutsch: lands hat für Berlin folgende Bevollmächtigte: für den Süden: Kollege Jbold, Gneisenaustr. 6a., für den Osten: Kollege Mehrlein, Falkensteinstr. 20, für den Norden: Kollege Ehlert, Streligerstr. 9, für den Westen: Kollege Müller, Schlegelstr. 9, H. I. Verein zur Wahrung der materiell. Interessen der Steinträger und verw. Berufsgenossen Berlins u. Umgegend. Sonnabend, den 21. Sept., in der Berliner Bockbrauerei, IV. Stiftungsfest, wozu freundlichst eingeladen wird. Die Filialen Berlin der Vereinigung der deutschen Maler 2c. eröffnen am 15. Oktober ihre Fachschule in der Aula der Gemeindeschule, Schlesischestr. 4. Der Unterricht besteht im Zeichnen, Dekorations-, Holz- und Marmormalen. Anmeldungen hierzu werden entgegengenommen in den Filialen: Dresdenerstr. 116, Lüßowstr. 7, Blumenstr. 38, Kastanien- Allee 52, Abends 8-9, Sonntag Vormittag 10-12 Uhr. Montag Abend 9 Uhr im Restaurant Leonhardt, Wallstraße 20, Sozialdemokratischer Leseklub„ Lessing". Jeden Vorlesung und Diskussion. In der letzten Berliner Vergolderversammlung Lese- Klub" Heine". Sonnabend, den 21. September, gelangte der Antrag zur Annahme, daß noch Sammellisten Abends 812 Uhr, im Restaurant Zechlin, Hornstr. 11: Vorlesung auszugeben seien, weil der Streif noch nicht beendet sei. Außerdem und Diskussion. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. 50 GENERAL FONDS BERLINER MAURER Quittungsmarken für Krankenkassen, Vereine etc. St. D. 1 Kopf BERLINS fertigt an die Buchdruckerei bon Maurer, Werner& Co. Berlin S., Sebastianstr. 72. Oigarren u. Tabake reichhaltiges Lager von O. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Dafelbst Zahlstelle der Gürtler u.Bronceure( E.H.60.) Wendt's Restaurant Dresdenerstraße 116. Inh. W. Gründel, Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schlosser, Buchbinder, Drechsler, Töpfer, Möbelpolirer und Sattler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags und Abendtisch. Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sol. Preise. = Vorzügliches Weiß und Bairisch- Bier. Große öffentliche Versammlung Stunde. = Alle Kolporteure und Verbreiter der„ Volkstribüne" und der Arbeiterbibliothek" bitten wir um recht baldige Abrechnung mit der Expedition. Kleine Beträge( bis 5 Mark) werden am billigften in Briefmarken übersandt. Die Kreuzbandabonnenten 1 bitten wir um das Ausschreiben der vielen Adressen zu ersparen wo es irgend angeht, vom 1. Oktober an direkt von der Post an ft alt zu beziehen. Die Bestellungen müssen hier vor Monatsschluß bewirkt werden und können bei allen Postanstalten des Reiches erfolgen( unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für 1889). Die Zeitung muß dann bei der betr. Postanstalt abgeholt werden. Gegen 15 Pfg. Aufgeld pro Quartal liefert aber der Briefträger auch frei in's Haus. Wo Kreuzband and besonderen Gründen weiter gewünscht wird, erbitten wir umgehende Nachricht; sonst nehmen wir an, daß direkte Bestellung bei der Post erfolgt ist und senden daher vom 1. Oktober ab nicht weiter. des sozialdemokratischen Wahlvereins für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Mittwoch, den 25. d. M., Abends 82 Uhr, im Wedding- Park, Müllerstraße 178. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Stadthagen:„ Ueber Ausnahmegefeße". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder.-Um rege Agitation ersucht. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis. Ausserordentliche Versammlung. Dienstag, den 24. September, Abends 8½ Uhr, Große öffentliche Versammlung der Tabak- Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Dienstag, den 24. d. M., Abends 82 Uhr, bei Scheffer, Inselstr. 10. Tagesordnung: 1. Die Beschlüsse der General- Versammlung zu Magdeburg. 2. Abrechnung der Kommission. 3. Verschiedenes. Der Einberufer: H. Gumpel, Barnimstr. 36. Verein der Klempner Berlins und Umgegend. Dienstag, den 24. d. M., Abends 8 Uhr, in Feuerstein's Salou, Alte Jakobftr. 75, General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung des Vorstandes und der Arbeitsnachweiskommission über ihre Thätigkeit. 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur im großen Saale der Bockbrauerei( Tempelhoferberg). 2. Rechnungslegung des Kaffirers über verEmpfehle meinen Verfügung. Großen, kräftigen Mittagstisch a 40 Pf. Abendtisch a 30 Pf. und bitte um geneigten Zuspruch. H. Hoffmann, Kaiserstraße 4. Auch werden dort Abonnements auf die ,, Berliner Volkstribüne" angenommen. Nürnberg. Abonnements auf die ,, Berliner Volks- Tribüne", ,, Verliner Arbeiterbibliothek", nimmt entgegen und versichert pünktliche Zustellung Konrad Herrmann, Ohmstr. 2 III. Carl Breder, Aeußere Läufergasse 5. II. Ich habe mich hier als Rechtsanwalt niedergelassen. Mein Büreau befindet sich C. Alexanderstr. 50, II. und ist geöffnet an Wochentagen von 8 Uhr früh bis 7 Uhr Abends, an Sonntagen von 9-12 Uhr Vormittags. Wolfgang Heine, Rechtsanwalt. Unterstützungsverein der Maurer Berlins. Mittwoch, 25. Sept., Abends 8½½ Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstr. 10. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. Glocke über:„ Die wirthschaftlichen Krisen und die Sozialreform. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Alle mit Beiträgen reftirenden Mitglieder werden ersucht, in dieser Bersammlung zu er= scheinen. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Tagesordnung: einnahmte und verausgabte Gelder. 3. Wahl eines definitiven Vorstandes und der 1. Deutschland unter der neuen Wirthschaftsaera. Referent: Max Schippel. Arbeitsnachweiskommission. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Beiträge werden dort erhoben. Der Vorstand. Die seit 1877 bestehende, weitbekannte Uhrenfabrik von Max Busse 157. Invaliden- Strasse 157, neben der Markthalle, verkauft jetzt sämmtliche Uhren zu bedeutend herab. gesetzten Preisen. Für jede Uhr wird reelle Garantie. geleistet. Grosse Abschlüsse mit Pforzheimer und Hanauer Fabrikanten ermöglichen derselben Firma den Verkauf von Gold-, Silber-, Granaten- u. Korallenwaaren zu fabelhaft billigen Preisen. Spezialität: Ringe. Reparaturen an Uhren und Goldsachen werden auf das Gewissenhafteste ausgeführt. Schuh- und Stiefelwaarenlager bon Klinger und Grossmann, Waldemarstraße 65a( früher Trainkaserne). An alle Wähler zum sächsischen Landtage. Anfragen, Anträge und Briefe, die bevorstehende Landtagswahl betreffend, erUm recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen suchen wir zu senden an Herrn ersucht Der Vorstand. J. A.: Fritz Behne, Heimstr. 2. Carl Riemann, Chemnitz, Sonnenstr. 58, III. 4. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. Mitgliedsbuch legitimirt. Sämmtliche Mitglieder haben die Pflicht, zu erscheinen. Der Arbeitsnachweis befindet sich Ritterstraße 123. Der Vorstand. J. A.: G. Schulz. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, 23. September, Abends 8½ Uhr in Feuersteins Salon, Alte Jakobstr. 75 Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskussion über„ Darwin's Lehre von der Abstammung des Menschen." Referent: Herr Bölsche. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorstand. Arbeiter- Bildungs- Verein ,, Berlin Nord". Dienstag, den 24. Sept., Abends 8% Uhr, in Gottschalk's Salon, Badstr. 22. Versammlung 1. Bortrag. Tagesordnung: 2. Diskussion. 3. Antrag auf Statuten- Aenderung. 4. Allgemeines. 5. Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Mitglieder werden auf genommen. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Empfehle meinen werthen Freunden und Genossen sowie den Lesern dieses Blattes mein Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann. Brunnenſtr. 83, dicht am Humboldthain. Ein gemaßregelter Weber der Provinz sucht Stellung in Berlin. Nachrichten unter S. W. an die Erp. d. Bl. Das Komitee für die Landtagswahlen in Sachsen. Verantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: T. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23.