Berliner Sorial-Politisches Wochenblatt. Die.Äerliner �olks-�ribiine" erscheint ieden«onnabend früh.— Abonnements-Preis für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando(frei inS HauS).— Einzelne Nummer 15 Pfg. Durch jede Poft-Anftalt des Deutschen Reiches zu beziehen.(Preis vierteljährlich 1 Mk. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für daS Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: 8.0.(26). Oranien- Straße 23. Inserate werden die 4 spaltige Petit-Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.— Bereins-Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg.— Jnseraten-Annahme in der Expedition: Oranien-Straße 23. Ausgabe für Spediteure: „Volksblatt" Zimmer-Straße 44. M 42. Sonmbcud, den 19. OKiodkr 1889. IH. Jahrgang. Die sächsischen Landtagswahlen.— Zur Frauenfrage IL— Der Londoner Dockarbeiterstreik. Von John Burns. IL— Der Kohlen streik und der Börsenschwindel.— Die Kreuzzeitungspartei, Herr Stöcker und die National- liberalen— Die Regierung und der Arbeiter- schuh.— Das Urtheil eines amerikanischen Konsuls über die deutsche Bourgeoisie und die Arbeiterbewegung. Novelle von Mackay. IL— Bor Sonnenaufgang. Ein soziales Drama.— Maschine und Arbeiter.— Produktion und Technik.— Rechtsfragen.— Die Auflösung der Münchener Zahlstelle des Tischlerverbandes. Arbeiter und Parteigenossen! Tretet eifrig für die Verbreitung der„Berliner Volks-Tribüne", besonders aber der„Berliner Ar- beiter-Bibliothek" ein. We Grgiinz««gswahlen mm Landtage in Sachsen haben stattgefunden und das unaufhaltsame Wachsen der Sozialdemokratie auf's Neue gezeigt. Der Bestand der Konservativen und Freisinnigen ist ziemlich unverändert geblieben; die Zahl der sozialistischen Vertreter vermehrte sich dagegen selbst bei dieser nur theil- weisen Wahl von 1 aus 3 und das, trotzdem das Wahl- recht in Sachsen erst hei 3 Mark Einkommensteuer, also bei einem Einkommen von 600—700 Mark beginnt, obwohl also ein großer Theil der Arbeiter überhaupt nicht wählen kann. In den 16 Kreisen, in denen die Sozialdemokratie Kandidaten aufgestellt hatte, vermehrte sich seit 1883 ihre Stimmenzahl von 10 609 auf 20 229, also auf das Doppelte! Gewählt sind Musikvireklor Stolle für Stollberg- Lugau, Liebknecht für Chemnitz II, Bäckermeister Otto für Limbach- Chemnitz. Wir akzeptiren diesen Wechsel auf die Zukunft. Bei den Reichstagswahlen werden wir ihn für Deutschland mit einer Million Stimmen einlösen. Zur Frage der Frauenarbeit. Von Klara Zetkin. II. Was den ökonomischen Grund der Forderung einer Beschränkung der Frauenarbeit anbetrifft, so hat er den Anschein einer gewissen Berechtigung für sich. Er beruht in der nickt zu leugnenden Konkurrenz, welche die Frauenarbeit der Männerarbeit macht, in dem Sinken der Löhne, das in der Regel daraus hervorgeht. Der Arbeiter will sich der ihm gemachten Lage gegenüber zur Wehr setzen, und er fordert die Gesetzgebung zu seiner Hilfe auf. Vom Standpunkte der individuellen Selbst- erhaltung aus kann ihm das niemand verdenken:„Jeder für sich" ist ja die Devise, nach welcher unsere jetzige Ge- sellschaft schaltet und waltet. Aber von demselben Standpunkte aus kann es auch niemand den Frauen verargen, wenn sie ihrerseits gegen eine derartige Forderung aus allen Kräften ankämpfen, ja der Kapitalist wird sich auf den gleichen Grund, auf die drohende Konkurrenz anderer Firmen berufen, wenn er billige Arbeitskraft nimmt, wo er sie findet, und deren Preis noch tiefer herabzudrücken sucht. Ferner, wollen die Arbeiter logisch sein, so müssen sie behufs Vermeidung der Konkurrenz nicht nur eine Be- schränkung der Frauenarbeit fordern, sondern auch z. B. Beschränkung der Konkurrenz seitens ausländischer Arbeiter, Berbot, daß sich die in einem Industriezweig durch eine Erfin- düng oder durch Geschäftsstockung überflüssig gewordenen „Hände" in Masse auf einen anderen Industriezweig werfen, in letzter Instanz überhaupt gesetzliche Festsetzung der Zahl von Arbeitern, welche in irgend einem Berufe beschäftigt werden dürfen. Mit kurzen Worten: sie thun das beste, sich den zünftigen Jnnungsmeistern in die Arme zu werfen. Der furchtbare Konkurrenzkampf hat auch hier und da dazu geführt, daß ähnliche reaktionäre und kleinbürgerliche For- derungen aufgestellt worden sind, so z. B. in Frankreich für den Ausschluß der ausländischen Arbeiter, besonders der Italiener, in Amerika gegen die Einwanderung, die Chinesen:c. Die Aufstellung derartiger Forderungen nützt jedoch den Arbeitern nichts, sie kommt nur den Kapitalisten zu gute. Der Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Bruchtheilen des Proletariats dient zum Blitzableiter, wel- cher die Aufmerksamkeit von der wahren Ursache der Kon- kurrenz ablenkt, von der Rolle, welche der den Mehrwerth schluckende Kapitalist im wirthschaftlichen Leben spielt. Der Kampf zwischen Arbeiter und Arbeiterin, zwischen einhei- mischen und ausländischem Prolctariem verdeckt den Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit. Wenn man der Lohndrückerei dadurch ein Ende zu machen glaubp,.dafi- ein.Therl. de' P..jtetariats Zwangö- gesetze gegen einen anderen Thei! desselben fordert, so er- innert dies an das Benehmen zweier armer, die gleiche Straße ziehender Teufel, welche, beide von dem nämlichen wegelagernden Strolche bis auf's Hemd ausgeraubt, über einander herfallen, anstatt mit vereinten Kräften dem Räu- ber zuzusetzen, welcher hohnlachend mit der Beute sich aus dem Staube macht. Alle auf Verbesserung der materiellen Lage der Ar- beiler hinzielenden Mittel sind für das Proletariat als Klasse ohne Werth, wenn sie auf Kosten eines Bruch- thcils des Proletariats entfallen, anstatt ausschließlich vom Löwenantheil des Kapitalisten abgezogen zu werden. * Genosse H. bestreitet, daß sich der Kapitalist für die durch Beschränkung der Frauenarbeit entzogen,« billige Ar- beitskraft durch Einführung verbesserter Maschinerie, vervollkommnetes Produktionsverfahren schadlos halten würde. Die Thatsachen sind jedoch da, welche beweisen, daß dem so ist. Im dreizehnten Kapitel vom ersten Band des „Kapital" steht zu lesen, wie die englischen Kapitalisten alle Vortheile, welche die Arbeiter durch größere Streiks jc. errungen hatten, durch Anwendung verbesserter Maschinen zu Nichte machten.„Indem das Kapital die Wissenschaft in seine Dienste presst, zwingt es stets die rebellische Hand der Industrie zum Gehorsam." Genosse H. führt zwar an, daß die Verbesserung der Maschinerie ihre Grenzen habe, und dies ist im Prinzip richtig. Allein wer und was kann dafür bürgen, daß die Maschinerie der oder jener Industriezweige bereits an der Grenze ihrer Ver- besserungsfähigkeit angelangt ist? Bis jetzt hat es noch nach jeder Neuerung geschienen, daß man das Vollendete, das Unübertreffliche geleistet, und doch war in verhältniß- mäßig kurzer Zeit das Vollkommene von noch Vollkommenerem verdrängt. Gesetzt aber auch, daß die Produktionsverfahren eines oder mehrerer Industriezweige thatsächlich an der Grenze der Vervollkommnungsfähigkeit angelangt wären, so gicbt es doch neben ihnen noch genug andere, welche Verbesserungen den weitesten und ausgiebigsten Spielraum bieten, und auf welche sich dann die Kapitalisten stürzen würde». Die Rücksichten aus den etwa dringenden Konsum würden die Fabrikanten gewiß nicht bestimmen, einen Betrieb weiter fortzusetzen, sobald dieser nicht profitbringend genug erschiene, sobald ihnen Möglichkeit geboten, durch Produk- tion anderer Artikel oder durch andere Verwendung des Kapitals größeren Vortheil zu ziehen. Die englischen Baumwollenspinner schlössen während des Sezessionskriegs bekanntlich ihre Fabriken und spekulirten mit roher Baum- wolle, weil sich das als einträglicher erwies. Die Kunst- kniffe sind zahlreich, welche dem Kapitalisten zur Nieder- zwingung der Arbeiter zur Verfügung stehen, und er wird sie alle ohne jedes Bedenken anwenden, sobald ihm nur der höchstmögliche Prosit gesichert bleibt. Genosse H. meint weiter, der„Optimismus", daß eine Verbesserung des Produktionsverfahrens gegenüber der Männerarbeit die gleiche lohndrückende Konkurrenz wie die Frauenarbeit ausüben würde; daß somit eine Forde- rung der Beschränkung letzterer ökonomisch gegenstands- los sei, liefe auf die Ansicht der Anarchisten über die Wirkungslosigkeit einer Arbeitsschutzgesetzgebung hinaus. Die Behauptung umschließt einen doppelten Jrrthum. Die Forderung einer Beschränkung der Frauenarbeit und einer Arbeitsschutzgesetzgebung sind zwei wesentlich verschie- dene, andererseits braucht man nicht im geringsten anar- chistisch angehaucht zu sein, um die Ueberzeugung zu haben, daß auch die Wirkung einer Arbeitsschutzgesetzgebung durch die Uebermacht des Kapitals, durch die von diesem aufzu- bietenden Hilfsmittel, beschränkt und innerhalb einer gewissen Zeit aufgehoben wird. Die Bekanntschaft mit dem ökono- mischen Mechanismus der bestehenden Gesellschaft läßt keinen„Optimismus" über die ewig währende, alleinseligmachende Kraft der Arbeitsschutzgesetz- gebung zu. Die kapitalistische Uebermacht, gestützt auf ihr Monopol über die Protmluon»Mlttel, wird innerhalb einer gewissen Periode stets die Schranken niedergerissen haben, welche eine Regelung der Arbeit ihrem Profitstreben zieht. Gezwungen, in einem engeren Kreise auszubeuten, beutet der Kapitalist um so intensiver aus, so daß er nach wie vor Sieger bleibt. Allein die Vernichtung der von der Arbeit errungenen Vortheile vollzieht sich nicht mit brüskem Schlage, sondern Schritt für Schritt. Das bewußte und organisirte Proletariat benutzt die Zeit einer relativ besseren, freieren Lage, um sich zu kräfttgen, fester an einanderzuschließen, besser auszurüsten und dem Kapital neue, weitergehende Schutzmaßregeln zu entreißen, wenn sich die alten infolge der weiter gediehenen ökonomischen Entwickelung als wirkungslos erweisen. Die Bewegung für eine Verkürzung der Arbeitszeit beweist dies recht deutlich. Dieselbe hat nirgends als eine „Achtstundenbewegung" debütirt. Die Arbeiter ver- schiedener Länder und Industriezweige haben nacheinander den elf-, zehn- und neunstündigen Arbeitstag erkämpft. Ter achtstündige Normalarbeitstag, wenn erreicht, wird das Proletariat auch nur für eine bestimmte Zeit gegen die schlimmste Ausnutzung der Kapitalisten schützen. Das kämpfende Proletariat wird dann den sieben- oder sechs- stündigen Normalarbeitstag fordern, und das Ringen zwischen Kapital und Arbeit wird sich weiter durch die Geschichte ziehen, bis die gründliche Umformung der be- stehenden Gesellschaft und eine Aenderung der Besitzverhält- nisse erfolgt. Von Arbeiterschutzgesetzen hoffen wir eine periodische Besserung der Lage des Proletariats, aber nicht seine end- gilt ige Bcfteiung. Weil die ökonomische Entwickelung nach längerer oder kürzerer Zeit die Arbeit stets wieder dem Kapital schonungslos ausliefert, halten wir trotz der Forderung und der Annahme reformatorischer Konzessionen an dem Endziel, der Vergesellschaftung aller Pro- duktionsmittel fest und müssen gerade kraft der ökonomischen Entwickelung daran festhalten. Unsere Erwartungen von der Wirksamkeit einer Ar- beitsschutzgesetzgebung sind also auch beschränkte, dies be- deutet jedoch nicht, daß wir das Kind mit dem Bade aus- schütten und aus solche Reformen verzichten, welche inner- halb unserer heutigen Gesellschaft, auf eine bestimmte Zeit Besserung bringen und Mittel zum Zweck sind. Nun könnte man zwar das Gesagte auch auf den Erfolg anwenden, welchen eine Beschränkung der Frauen- arbeit für Aufbesserung der Männerlöhne haben würde. Allein die Analogie in der Wirksamkeit einer Beschränkung der Frauenarbeit und einer Arbeitsschutzgesetzgebung hinkt nach der Seite hin, daß die Arbeitsschutzgesetzgebung eine Besserung der Lage des gesammten Proletariats auf Kosten des Kapitals bedeutet, während eine Beschränkung der Frauenarbeit nur eine sehr zweifelhafte Besserung der Lage eines Theils der Arbeiterschaft auf Kosten eines anderen Theiles derselben bedeuten würde. Gin Rückblick auf den großen Streik. Von John BnrnS-London. n. D er Charakter der Dockarbeiter. Es ist jetzt einige sechs Jahre her, seit John Williams, ich selbst und andere den Kreuzzug unter den Dockarbeitern be- gannen. Einen Kreuzzug in der Dämmerung möchte ich ihn nennen; denn wir hielten unsere Ansprachen unter den Leuten in den Morgenstunden, bevor ihre Arbeit und die unsrige begonnen hatte. Ich selbst verließ häufig zusammen mit meiner Frau mein Haus um drei und vier Uhr mor- gens, im Winter wie im Sommer, wanderte nach den Docks, hielt Reden an drei verschiedenen Thoren und kehrte dann zurück, um im Westend um sieben oder acht Uhr mein Tagewerk zu beginnen. Ich habe dieses Wochen und Mo- nate hintereinander gethan, und zwar in Zwischenräumen in den Jahren 1884, 1885 und 1886. Auf diese Weise lernte ich die Leute genau kennen und sie mich. Einige von ihnen waren zusammen mit mir in die Schule gegangen, andere hatten unter mir in den Docks gearbeitet— denn auch ich war dort thätig in meiner Eigenschaft als Maschinenbauer. Wir, die wir so offen agitirten und Mißvergnügen in diesem unbeachteten Winkel der Welt der Arbeit verbreiteten, lernten gründlich die ganze ökonomische und soziale Lage der verschiedenen Klaffen von Dockarbeitern kennen, sahen wie erbärmlich sie war, und machten uns ernstlich daran, die Leute zur Em- pörung gegen ihr Loos zu bringen. Daß uns das auch schließlich gelang, meine ich, spricht ebenso sehr für die Sinnesart der Leute selbst, als für die entschloffenen und beharrlichen Anstrengungen derjenigen, welche den Kreuzzug, nachdem sie ihn einmal in's Leben gerufen hatten, beständig, sicher und widerstandslos im Vorwärtsgehen hielten. Wenn das Material, mit dem wir zu arbeiten hatten, das Material gewesen wäre, aus dem man früher die Dockarbeiter zusammengesetzt glaubte, so hätten wir uns auf die Fäffer aller Docklhore nachein- ander stellen und uns die Zunge aus dem Halse heraus- reden können— es würde nicht zu einem Streik gekommen sein. Weder mir noch irgend einem anderen Apostel der Unzuftiedenheit war der Streik haupffächlich zu verdanken. Er war mehr als allem anderen der Thatsache— die jetzt der ganzen Welt bekannt ist— zu verdanken, daß der Dockarbeiter ein Mensch ist, der von der Kreatur, wie sie ehedem in der allgemeinen Einbildung lebte, von Grund aus verschieden ist.„Die verlorene Hoffnung der Armee der Arbeit" war er immer, aber weder entartet, noch ein Bummler. Nein, es waren keine Vagabunden, mit denen wir es zu thun hatten. Der Vagabund ist eines Streikes nicht fähig. Es wäre eine Narrenmission, dem Aufruhr zu predigen. Es ist die Sache der Priester Baals, das Feuer vom Himmel herab beschwören zu wollen, und Don Quixote�s, aus Sancho Panso einen fahrenden Ritter zu machen zu suchen. Die Kohlen, auf die wir bliesen, waren Arbeiter; niedergedrückte, zu Boden getretene zwar, aber immerhin Arbeiter, in denen noch der Trieb wohnte, für ihr tägliches Brot zu kämpfen und zu streiten. Meint ihr, der professionsmäßige„Bummler" wäre willens, Stunden lang unter den Dockthoren in der eisigen Finsterniß eines Dezembermorgens zusammenzuschauern für die Möglichkeit, einen Schilling für Arbeit zu ernten, Arbeit, die ebenso viel Muskel- als Willenskrast erfordert? Ich habe Dock-„Hände" sich den Zugang zu den Dockthoren erkämpfen sehen, wie Menschen, die sich in den Gängen eines brennenden Theaters drängten: einer solchen ge- waltigen physischen Energie— der moralischen Aufraffung gar nicht zu gedenken— ist der chronische Bummler, selbst wenn er sie entfalten wollte, durchaus unfähig. Ferner würde ein Streik von herumlungernden Loafers'), wäre er überhaupt denkbar, nicht in so wohl- disziplinirter und würdiger Weise geführt worden sein, wie es bei diesem geschehen ist. Hunderttausend Bummler würden nicht im Streik die Straßen durchzogen haben, ohne mit der Polizei in Konflikt zu gerathen und noch weniger zu stehlen, als selbst Garibaldi's rothe Blusen auf ihrem Marsche durch Kalabrien auf Neapel. Wenn es draußen Trubel giebt, so ist es sozusagen die Pflicht des Loafers, ihn noch schlimmer zu machen; denn in dieser Richtung liegt sein Gewinn. Der ehrliche Arbeiter weiß bei einer solchen Krisis, welche Zurückhaltung er sich zum besten seiner Klaffe auferlegen muß. Und wir wußten wohl, daß es der ehrliche Arbeiter war, mit dem wir unsere Rechnung in der Bewegung zu machen hatten. Durch die Einsicht, daß die rettungslos vom Zufall abhängige Natur ihrer Beschäftigung den Durchschnittsmaßstab ihrer Bezahlung zu einem äußerst unverhältnißmäßigen machte, wurde es uns auch klar, daß in dem organisirten Vorgehen die einzige Hoffnung auf Befferung der Löhne lag. Dies war der Punkt, auf den wir immer wieder, bei jeder Gelegenheit hinwiesen. Der Beginn des Streiks. Zu jener Zeit und früher schon war ich vollauf beschäftigt in der wachsenden Bewegung der Arbeitslosen im ganzen Ostend von London. Obwohl dreizehn Stunden pro Tag für mein eigen Brot und Käse bei Brotherhood in Westminster arbeitend, fand ich dennoch Zeit etwas für die sozialistische Propaganda zu thun und bildete— oder half bilden— einige neue Trades-Unions in verschiedenen Theilen von London. Die letzte und wichtigste derselben war die Gasfabrik- ') Sprich Lohfers; dies der ständige engl. Ausdruck. arbeiier-Trade-Union'), welche jetzt 11 OOO Mann zählt und der es innerhalb der letzten vier Monate gelungen ist, einen noch etwas befferen Lohn für einen Achtstundentag zu bekommen, als sie vorher für einen Arbeitstag von zwölf und dreizehn Stunden empfangen halten. Diese Epi- sode der neuen Gewerkschaften ist eine nothwendige Be- merkung in meiner Darlegung, denn sie führt auf den Docker-Streik. Viele der Versammlungen der Gasarbeiter-Union wurden im Eastend in der Nähe der Docks abgehalten. Die Docker kamen in Menge, und Mr. Mann, Mr. Champion und ich sprachen vor lausenden von ihnen. Sie faßten den Geist, den wir ihnen mitzutheilen suchten, und als die Gasarbeiter ihren Sieg errungen hatten, wurden die Dockarbeiter ihrerseits lebendig. Es war mit einem Worte dieser Sieg, welcher den Streik der Dockarbeiter veranlaßte. Eine alte und erfahrene Dock-„Hand" Namens Harris forderte mich auf, eine dauernde Dockarbeitcr-Union zu bilden. Ich willigte ein und hielt ein Meeting von 2000 Mann ab, bei welchem viele sich als Mitglieder ein- tragen ließen. Dies waren Leute, die sich geweigert hatten, sich der alten Dockarbeiter-Union anzuschließen, welche aus verschiedenen Gründe ausgehört hatte, ihres Namens würdig zu sein. Aber die Bildung der neuen Union trieb die alte zu einer Thätigkeit an, welche sie nie zuvor ent- faltet hatte; und von dieser ungewöhnlichen Thätigkeit war die unmittelbare Folge der Streik im Süd-Dock am 13. August Einige 300 Mann legten die Arbeit nieder, da sie nicht länger für 5 Pence(40 Pf.) die Stunde ar- beiten wollten. Am Mittwoch, den 14. August ging Mr. Mann hinunter, auf die telegraphische Aufforderung hin, eine An- spräche zu halten. Am folgenden Tage stellte ich mich selbst zur Hilfeleistung an den West-Jndia-Docks ein. Die Unzufriedenheit gährte; ich sprach zu den Leuten und fand sie eifrig und empfänglich. Das Ziel, nach dem wir gestrebt hatten, kam in Sicht. Einige der Stevedores waren unschlüssig, ob sie herauskommen sollten oder nicht und sprachen sich dahin aus. Ich trat ihnen heftig entgegen, und die wenigstens 4000 Mann starke Versammlung unter- stützte mich. Die Stevedores gaben nach: sie wollten her- auskommen, sagten sie, und sie kamen. Bon dem Augen- blick an stand die ganze Masse der Stevedores zu uns durch Dick und Dünn und bildete unsere standhaftesten Helfer. Dieses Meeting von 4000 Dockarbeitern sehe ich als den wirklichen Beginn des Streikes an. Die Idee desselben war herumgekommen; sie bildete das allgemeine Gespräch; sie hatte„gepackt"; sie hatte den Sinn der Docker in Besitz genommen. Das war etwas; denn der Docker dünkte sich bis dahin einsam und verlassen in dem Osten. Der Be- griff der Vereinigung— die in allen kommenden Tagen das Losungswort der Arbeit sein muß— war ihnen schwer beizubringen gewesen. Es ist dies eine Idee, die immer Leuten schwer einzuflößen war, die, obwohl daran gewöhnt, das Almosen des Kapitals hinzunehmen, sich dennoch scheuten, sich die Frage zu stellen, ob das alles sei, was sie zu beanspruchen hatten. Doch wir hatten sie jetzt warm gemacht, und sie wußten, daß alles von der Frage des gemeinsamen Handelns abhing. Diese lieber- zeugung war weit zu verbreiten; sie mußte allen von ihnen geläufig gemacht werden; und am Donnerstag, Frei- tag und Sonnabeud, den 15., 16. und 17. August, sprach ich 36 mal außerhalb der Werften, Docks und Speicher. Mr. Mann, Mr. Tillett und Mr. Champion thaten eben- soviel. Wir legten Feuer an jede Ecke des Gebäudes— auf den Mauern sitzend oder auf dem Rücken der Zäune stehend. Die„Saturday Review" übrigens that uns etwas Unrecht mit ihrer Anspielung auf die stereotype„Tonne". Ich würde oft eine Tonne willkommen geheißen haben, wäre eine Tonne immer zur Hand gewesen; aber nicht eine Tonne wurde den Streik hindurch gebraucht. Man rollte uns nicht einmal ein Fäßchen aus den Docks her- aus. Der Streik war von Anfang bis zu Ende voll von Ueberraschungen für mich; und er ist— soweit ich mich erinnere— die erste Erhebung ihrer Art, die stch der legendenhaften„Tribüne" des Demagogen entschlagen hat. Nach zweitägiger Dauer des Streiks nahmen es die Stevedore auf sich, die Leute zu ordnen und zn organisiren; kein leichtes Unternehmen, denn Rekruten strömten jede Stunde zu fünfzig und zu Hunderten ein. In kurzer Zeit bildeten die Stevedores und die Docker nichts weiter als Einheiten in der Masse der Streiker. Die Kohlenträger kamen heraus, die Ewerführer drängten hinterdrein; ein Gewerbe rief das andere heraus, wir hatten zu einer Zeit 100000 Mann im Streik. *** Die Versorgung der Streikenden und ihre Schwierig- leiten. Die Mühe, die damit den Führern auferlegt war, ist kam zu begreifen.� Die ökonomischen Fragen schienen in ein Nichts zu- sammenzuschrumpfen im Vergleich zu der Frage des Kriegs- vorraths. Wir hatten an jedem Tag in der Woche für 250 000 Mägen Nahrung zu finden. Wir bil- deten Komitees; und diese Komitees wie die Unterstützungs- Komitees hatten Tag und Nacht hindurch zu sitzen. Nicht eine Stunde von den vierundzwanzig gab es, wo nicht zwei oder mehr Vertreter des Zentralstreikkomitees auf ihrem Posten zu finden waren. Wenn ich auf die Straße ging, so machte der Hunger seinen stillen Appell an mich bei jeder Wendung. Es ist Vergl. Nr. 32 der„Volks-Tribune". dies das Traurige bei jedem Streik. Es giebt Augen- blicke, wo man sich fragt, ob es wirlich der Mühe werth ist— ob es nicht besser wäre, den Arbeiter sich selbst zu überlassen, um sein gewohntes Al- mosen zu empfangen und es von Tag zu Tag zu verlängern, wie er bisher zu thun pflegte. Das ist ein närrisches Gefühl, welches jedoch durch eine halbe Stunde nüchterner Ueberlegung zerstreut wird. Jeder Glaube muß seine Märtyrer haben, jeder Sieg seine Erschlagenen. Die Fähigkeit der Selbstaufopferung ist der Stein der Weisen, nach dem jeder Agitator sucht. Er ist machtlos, bevor er ihn findet; findet er ihn, so braucht er nichts weiter zu verlangen. Die Macht der Selbstopferung war das große Zeichen des Dockerstreiks. Sie war ein so gewaltiger Hebel, wie ich ihn nie zuvor in der Hand gehabt hatte, bei irgend einem Streik, an dem ich mitgeholfen. Wenn ich die Hungcrfrage hätte los werden können, so wäre es mir leichter geworden, da ich wußte, daß ich mit Menschen zu thun hatte, die gewachsen waren, das Aeußerste zu er- tragen. Aber gerade die Willigkeit der Männer und ihrer Weiber, sich nichts aus dem Nagen des Hungers zu machen(als vielleicht den endgiltigen Prüfstein ihres Opfer- muths), spornte uns an, unser Bestes zu versuchen, um sie bei täglichem Brot zu erhalten. Wir sandten unsere Auf- rufe aus, keinen zu vertrauensvoll im Anfang, aber mit immer wachsendem Vertrauen, wie die Tage kamen und gingen. Ich selbst war erstaunt über das Einströmen von öffentlichem Geld. Nie vorher zog ein Ausruf von Strei- kenden solche beständige und kräftige Hilfe nach sich. Wir suchten und fanden buchstäblich. Es schien, als ob wir nur in dürren Worten zu sagen brauchten, daß wir die Kassierer der Dockarbeiter seien, und das Geld, das wir verlangten, kam ein. Wäre es ein Aufruf des Mansion House gewesen für die Opfer irgend eines plötzlichen großen Unglücks im In- oder Auslande, er hätte nicht mit ver- schwenderischerer Großmuth beantwortet werden können. Australiens Beitrag von 25000 Pfund('/% Mill. Mark) ist bekannt. In England überschütterte eine Union nach der anderen uns mit Checks; jeder Check war begleitet von der Versicherung, daß die Beiträge nicht stocken würden, ob der Streit nun Wochen oder Monate dauerte. Die Setzer sandten uns 500 Pfund(10 000 Mark), die Maschinenbauer 700 Pfund(14 000 Mark). Als nun der Streik selbst vorwärts ging, hatten wir die schwierige Aufgabe zu bewältigen, die Unterstützungen zu verrheilen. Wir hatten für eine Volksmaffe jeden Tag Nahrung zu sinden. Auf welchem Prinzip sollte unsere Proviant- licferung errichtet werden? Wir setzten uns mir den Ladenbesitzern des Ostends ins Einvernehmen und gaben Bons aus, die ihnen vor- zuzeigen waren. Dieses Bon-System setzte allen möglichen Mißbräuchen unseres allgemeinen Unterstützungsplans ein unmittelbares Hinderniß entgegen. Indem wir uns wei- gerten, Geld auszugeben, sicherten wir die Leute gegen Trunkenheit und alle die schlimmen Folgen, die daraus entstehen; Folgen, die schon mehr als einen Streik rui- nirten. Dies ist der„ nüchternste" Streik gewesen, dessen ich mich entsinne. Von Anfang bis zu Ende hat mich kein einziger Mann um Geld für Bier gebeten. Der Miß- brauch der Unterstützungen war kaum möglich unter dem System, das wir einführten, ein System, aus dessen Auf- rechterhaltung wir vom Ersten bis zum Letzten bestanden. Daß wir im Stande waren, unsere Absichten in be, zug aus diesen besonderen Punkt auszuführen, ist etwas, das uns zur Ehre gereicht, noch viel mehr aber den Männern, die wir an der Hand hatten. Der Kohlenstreik und die AKtienKesttzer. Das Kapital, ob agrarisch-konservativ oder industriell- nationalliberal, ist in der modernen Wirlhschaftsordnung allmächtig. Aus allem, sogar aus den Angriffen gegen das Kapital, weiß es Nutzen ftir sich zu ziehen. Was haben z. B. die westfälischen Bergarbeiter, als sie sich mit Heldenmuth gegen ihre Widersacher erhoben, gewonnen? Nichts, oder so gut wie nichts. Was aber hat das Kapital dabei gewonnen? Berge von Gold. Der durch den Streik verursachte Kohlenmangel gab den Anstoß zur Erhöhung der Kohlenpreise und dieser Anstoß dauert noch immer fort. Mit den Preisen steigen natürlich die Dividenden der Aktiengesellschaften und mit diesen wieder der Aktienkurs. Seit Milte 1888 etwa ist in das schlaffe wirthschaft- liche Leben em etwas lebhafterer Zug hineingekommen. Der Absatz im Großbetriebe hat sich wesentlich gehoben, die Produktion dehnt ihre Riesenglieder wieder einmal mächtig aus, immer neue Wcrlhe schaffend, bis der Markt übersälllgt sein wird und die Absatzkrise der kurzen Herr- lichkeit ein jähes Ende bereitet. Von der Vermehrung der Nachfrage profitirten nun die Kohlen am meisten, und seit dem großen Streck haben die Preistteibereien gerade bei diesem Artikel unerhörte Dimensionen angenommen. Wie günstig aber auch der Arbeiterausstand auf den Kohlenwerth eingewirkt hat, es ist sonnenklar daß der Preis welcher heutzutage aus der Börse für Kohlenaktien gezahlt wird, em kollossal übertriebener ist; und manche Blätter machen auch schon lange darauf aufmerksam. Kein Vernunfllger zweifelt daß die Papiere, welche in wenigen Monaten 50 pCt. oder noch höher gestiegen sind, einen eben so ttesen Preissturz zu erwarten haben, einen Preis- stürz der massenhafte Bankerotte, Heulen und Zähneklappern an der Börse hervorrufen wird. Man weiß das. aber in der heutigen„ vortrefflichen" Wirthschastsordnung glaubt jeder Spekulant, er könne wohl noch den Aktienankauf heit ist der beste Theil der Tapferkeit, dieser Ansicht hul-| Ein amerikanischer Konsul über die deutsche wagen, am Tage der Abrechnung werde nicht er, sondern digte schon der selige Falstaff. Bourgeoisie und die deutschen Arbeiter. ein anderer Dummer die Zeche zu zahlen haben. Eine andere Komödie wurde in der offiziösen Presse Wir stehen dem Wehklagen, welches die Kapitalisten- aufgeführt. Damit die Nationalliberalen nach den Der in Frankfurt a. M. refidirende Generalkonsul presse jetzt über diese Ausschreitungen des Börsenspiels mit leßten Ereignissen nicht gar zu übermüthig würden, setzte der Vereinigten Staaten Jakob Müller, sucht sich als angstvoller Gebärde anstimmt, ruhig gegenüber. Die ihnen ein offenbar Inspirirter des Hamburger Kor re- aufmerksamer Beobachter ein Bild der wirthschaftlichen Börse ist nur ein Spiegel, welcher das fraßenhafte Bild spondenten" einen Dämpfer auf. Auch sie sind keine Zukunft Deutschlands zu machen. Besonders das Gründer modernen, auf freier Konkurrenz gegründeten Gesammt- besseren Menschen als die Konservativen, denn sie haben dungsfieber und die Streiks beschäftigen ihn lebhaft wirthschaft besonders treu zurückwirft. Alle Entrüstung sich vor etwa zwölf Jahren mit verschiedenen Ministern und es lohnt sich wohl, einige seiner Bemerkungen wiederüber die Häßlichkeit dieses Bildes ist hohl, so lange man verschworen, um Bismarck an die Wand zu drücken". zugeben. " an dem Driginal nichts ändern will. Und wir wissen zu- Die armen Nationalliberalen, wie mögen sie erschrocken„ Ich erlaube mir beginnt er- einen Bericht dem, daß, je wüstere Orgien der Kapitalismus feiert, um sein, als man ihnen solche finsteren Thaten, die beinahe über das gegenwärtig unter gewissen Klassen der deutschen so stärker auch die Armee seiner Feinde anschwillt. Der etwas Mannesmuth erfordert haben würden, vorwarf! Industriellen, Kapitalisten und sonstigen hohe Dividenden nächste Krach wird ein erfolgreicher Agitator für unsere Gott sei Dank, fie fühlten ihr Gewissen rein, und der suchenden Leuten herrschende Gründungsfieber zu unterSache sein, ein Agitator, dem man selbst durch die Kaut- offiziöse Artikel erwies sich als durch und durch unwahr. breiten. Ihn zu schreiben, sehe ich mich angetrieben durch schukparagraphen eines Sozialistengesetes nicht beikommen man konnte die allergröbsten Falschheiten mit Leichtigkeit den Gedanken, daß diese Mittheilungen unserem( amerifann." Denn wenn die Proletarisirung fortschreitet und darin nachweisen, sodaß man jeßt nicht recht weiß, wer kanischen). Volke dienlich sein mögen, als eine Warnung dagegen die Anhäufung alles Geld- und Grundbesitzes in durch die Sache mehr kompromittit iſt, der Angreifer vor einer nahenden industriellen und kommerziellen Krise, den Händen weniger Menschen noch größeren Umfang an- oder der Angegriffene. Sie werden sich mit dem schönen welche zweifellos binnen wenigen Jahren auf nimmt, so ist die soziale Revolution unvermeidlich und alle Spruche:" getheiltes Leid ist halbes Leid" hoffentlich recht dem europäischen Kontinent ihren Einzug halten sozialen Phrasen und partikularistischen Krähwinkeleien ver- bald trösten und mit Versöhnungsthränen einander wieder wird.„ Die sozialen und industriellen Verhältnisse sind mögen sie nicht aufzuhalten." So zu lesen nicht etwa in in die treuen Arme fallen. weit davon entfernt, ermuthigend zu sein, was auch " einem sozialistischen Organ, sondern in dem frommen Von Personenfragen abgesehen, ist die Bedeutung der immer Schriftsteller und Skribenten dagegen sagen mögen. Reichsboten", der bekanntlich die krassesten Stöcker- kaiserlichen Erklärung vor allem darin zu suchen, daß die Ich habe immer mit tiefer Betrübniß die hier( in und Kreuzzeitungsgrundsäße vertritt. Die Arbeiterbewegung, Kartellparteien sie als Parole in dem Wahlkampf ver- Deutschland) bestehenden sozialen Verhältnisse be= melche man bei uns mit dem Hausmittelchen des Sozia- wenden werden. Für oder gegen den Kaiser, das wird obachtet, und in meinen Jahresberichten es niemals listengeseßes kuriren will, wurzelt so tief in den objektiven der monotone Schlachtruf ihrer Presse bei den Wahlen unterlassen, mich darüber auszusprechen. Wie froh wäre wirthschaftlichen Verhältnissen, daß selbst ein solches Pasto- sein. Das berührt die Freiſinnigen, welche sich in Loyali- ich gewesen, wenn die Erfahrung bewiesen hätte, daß ich renblatt Zeugniß für die Grundgedanken dieser Bewegung tätsbezeugungen nie genug thun können, natürlich sehr mich mit meinen Anschauungen getäuscht habe; ich bedauere, ablegen muß. unangenehm. Unsere Partei dagegen kann mit einer daß ich keinen Grund habe, sie zu ändern. Die soziale solchen Zuspigung des Streites sehr zufrieden sein. Die Krenzzeitungspartei, Herr Stöcker und die Nationalliberalen. " 1 Das Bruderblatt des Reichsboten", die ,, Kreuzzeitung", erregte in diesen Tagen gewaltiges Aufsehen. Lage ist hier böse und voll von Gefahren, und neue Ereignisse haben davon wieder Beweis gegeben. Ich meine die gigantischen Streiks( der rheinisch- westphälischen Die deutsche Regierung und die Arbeiter- und anderer Kohlenarbeiter), durch welche Deutschland so unerwartet und plöglich heimgesucht wurde. schukkonferenz. " • ,, Keine revolutionären oder anarchistischen Tendenzen Das Organ zeichnete sich vor der übrigen Kartellpresse Die Symptome überhandnehmender nationaler Groß- lagen diesen Streiks zu Grunde; dieselben waren vielmehr seit jeher durch die naive Ehrlichkeit aus, mit welcher es mannssucht und Flunkerei in dem Lande der Denker und das Produkt einer unerträglichen Lebenslage und der die geheimsten Wünsche und Gedanken heraussagte, die un- Dichter mehren sich von Tag zu Tage. Ein Artikel der Kampf um die Existenz tausender und hunderttausender, sern verehrlichen Krautjunkern ,, durch das Labyrinth der Münchener Allgemeinen Zeitung", an welchen eine andere meist loyaler, konservativer und bescheidener Männer. Brust" wandeln. Solche Offenheiten erregten in den natio- Allgemeine, nämlich die Norddeutsche, mit wohlwollender Man bedenke, daß selbst zu Zeiten, in welchen die Bergnalliberalen Bourgeoiszeitungen natürlich von Zeit zu Zeit Anerkennung die höhere offiziöse Weihe vollzieht, ist so baugesellschaften bessere Preise für ihre Kohlen erzielt großen Lärm. Neuerdings war nun das feudale Blatt recht bezeichnend für diese Art von Größenwahn unserer haben als in den letzten Jahren, diese kämpfenden Bergwieder einmal besonders üppig, es erklärte die Autoritäts- staatserhaltenden Parteien. leute Löhne im Betrage von 125-185 Dollar per Jahr gläubigkeit und die monarchische Loyalität sogar der Kar- Bekanntlich hat Deutschland auf die Einladung der erhalten haben, daß fie um eine geringe Steigerung dertellparteien für mangelhaft. Die Nationalliberalen und Schweiz, sich an einer Konferenz der Kulturstaaten behufs selben streiken mußten, während zu gleicher Zeit Millionen Freikonservativen hieß es seien in ihrem tiefften internationaler Regelung des Arbeiterschußes überschüssigen Kapitals eifrig Anlage in Unternehmungen Herzen revolutionäre Fortschrittler. zu betheiligen, noch nicht geantwortet und damit wieder suchen, welche, wenn sie Erfolg haben, die Lage der arDiese Entdeckung wäre weiter nicht wunderbar gewesen, einmal so recht deutlich bewiesen, was von seiner Arbeiter- beitenden Klassen noch schlechter machen, wenn sie aber bei der Kreuzzeitung ist eben alles möglich; mehr Aufsehen freundlichkeit zu halten ist. Man sollte glauben, die Offi- keinen Erfolg haben, die unvorsichtigen Aktionäre ruiniren erregte es schon, als konservative Blätter, wie z. B. die ziösen, welche in ihren lyrischen Stunden das soziale und die Interessen der Gesammtheit verletzen müssen." " Halle'sche Zeitung", sich sehr energisch gegen diese blau- Königthum und die kaiserliche Botschaft mit heiligem Feuer Der amerikanische Konsul schildert sodann das„ Grün-. blütigen Phantasien wandten. zu besingen pflegten, würden sich einigermaßen durch dieses dungsfieber". Er stellt dar, wie, besonders auch unter Doch damit nicht genug, der Kaiser selbst nahm die Verhalten der Regierung verstimmt fühlen. Aber ihr dem Einflusse der im Jahre 1884 vorgenommenen AenGelegenheit wahr, um sich, wie er schon wiederholt gethan, poetischer Idealismus ist so groß, daß fie jeden Sinn für derungen des deutschen Actiengesezes, viele alte Privatfür das Kartell auszusprechen; aber die Form, welche er den Zwiespalt ihrer Dichtung und der Wirklichkeit verloren unternehmungen in Actiengesellschaften umgewandelt werden. diesmal wählte, war sogar für unsere preußische Monarchie haben. Sollte einst das allgemeine, gleiche Wahlrecht ge- In den fiebziger Jahren herrschte ein ähnliches Fieber. höchst ungewöhnlich. Er veröffentlichte im Reichsanzeiger" meuchelt werden, unsere Offiziösen würden mit eherner Doch war der durchgreifende Zug der damaligen Beweeine Notiz, in welcher er das Vorgehen der„ Kreuzzeitung" Stirne und Stimme nach wie vor das Liedlein von der gung die Schöpfung neuer, während er heute die unumwunden tadelt, weil es die Eintracht der staats- Arbeiterfreundlichkeit weiter singen. Der Artikel der Umwandlung alter, und zwar privater Unternehmungen erhaltenden" Parteien, also des Kartells gefährde. ,, Allgem. Ztg." ist eine Musterleistung solcher Art und in Actiengesellschaften ist. Dieser Unterschied läßt den " In der Presse wurde die Erklärung des Kaisers na- charakterisirt ausgezeichnet, bis zu welchem Grade diesen heutigen Zustand allerdings minder gefährlich erscheinen, türlich allseitig sehr lebhaft diskutirt. Die Kartellblätter schönen Dichterseelen die Abhärtung gegen das Wirkliche als den von 1873. Aber doch ist auch die gegenwärtige jubelten, die Kreuzzeitung" machte einen verlegenen Knir schon jetzt gelungen ist. Entwickelung sehr bedenklich. Die Umwandlung in Actienvor dem Throne und meinte trop aller Königstreue, daß Arbeiterschutzgesetzbestimmungen, wie sie die Schweiz gesellschaften ist basirt auf vorhergegangenen außerordentlich ihr beschränkter Unterthanenverstand in diesem Punkte den vorschlägt und wie sie das internationale Proletariat ver- günstigen Geschäftsjahren und nach den Ergebnissen der= noch das Richtige getroffen hätte. Sie könne nicht von langt, würden unüberwindliche Schwierigkeiten haben, heißt felben das Actienkapital in einer exorbitanten, ja oft ganz ihrer Ueberzeugung lassen. es dort. Natürlich, für die herrschenden Klassen gilt das fictiven Weise bemessen. Die Vergütung, welche dem alten Das Blatt versuchte sich dann an den Offiziösen und unangenehme stets als das Unmögliche! Indessen, fährt der Unternehmer für seine Bereitwilligkeit, seinen guten Namen ihrem großen Hintersmann zu rächen, indem es einige tiefsinnige Verfasser fort, dürfe Deutschland von der Kon- und seine Kundschaft gezahlt wird, bildet eine hervorEnthüllungen betreffs des Preßkrieges brachte, der im ferenz trotzdem nicht fernbleiben; es müsse sich an ihr be- stechende Eigenthümlichkeit aller dieser neuen Prospekte. Jahr 1887 über die bekannte Waldersee'sche Missions- theiligen, um die Konsequenzen seiner Arbeiterversicherungs- Was aus diesen Werthen im Falle des Krieges oder versammlung, an welcher auch der damalige Prinz Wilhelm gesetzgebung zu ziehen und seine Deckung in Beziehung auf schlechten Geschäftsganges werden wird, ist nicht schwer zu theilgenommen hatte, entbrannt war. Ein Artikel, in dem das Konkurrenzgleichgewicht am Weltmarkte durchzusetzen" sagen. Geschäftlich beginnen die neuen Actienunternehder Minister Buttkammer für diese Versammlung und die denn man höre und staune: die Mehrbelastung der Indu- mungen damit, ihren Wirkungskreis auf andere IndustrieBetheiligung des Prinzen an ihr eintrat, sei von dem strie durch die Arbeiterschußgesetzgebung falle kaum zweige und ein größeres Territorium auszudehnen; dies Kanzlerblatt, der„ Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", ins Gewicht gegenüber der Gesammtausgabe unserer Nation führt jedenfalls zu einer Verschärfung der Konkurrenz und rundweg abgewiesen worden. Da man zudem weiß, daß die für den schon beschloffenen Theil der Arbeiter- 3wangs- endigt in der Regel mit einem Zusammenbruch. Regierungsblätter gegen jene Versammlung auch direkt versicherung. Große Umwälzungen im industriellen Leben 11 Stellung nahmen, so liegt es klar, daß sich in den Re- Wir Deutschen, die wir so glücklich sind, Gott und sind an diese Umwandlung geknüpft. Die Zeit ist gierungs- und Hoffreifen selbst damals zwei Richtungen sonst nichts auf der Welt zu fürchten, haben offenbar auch vorbei, wo man glaubte, daß persönlicher Einfluß, perbekämpften, die eine vertreten durch Bismarck, die andere vor Blamage keine Angst. Wir reformiren unsere Armen- sönliche Mühewaltung, persönlicher Besiz zum Gedeihen durch Buttkamer, Waldersee und Stöcker. Der neueste gefeße ein wenig und decken die daraus entstandenen Kosten industrieller Unternehmungen für nothwendig zu erachten Erlaß des Kaisers stellt offenbar einen Sieg der ersten direkt oder indirekt fast ganz aus den Taschen der Arbeiter seien. Heutzutage scheint man im Gegentheile an die Richtung dar. hat man doch berechnet, daß der versicherte Arbeiter Ueberlegenheit der Actiengesellschaft gegenüber dem PrivatDie gegen die Kreuzzeitung eingeleitete Bewegung bringt pro Kopf durch die drei glorreichen Versicherungsgeseze unternehmen zu glauben. Mit ihrer mächtigen Kapitalsnun allerhand ergößliche Nachspiele hervor. Herr Stöcker jährlich höchstens-12 Mark gewinnt, alles übrige kraft sind solche Anstalten leichter für eine große Initiative erklärte in einer großen Antisemitenversammlung, daß er ist von ihm selber eingezahlt. Nach dieser heldenhaften zu haben, sie haben mehr Unternehmungsgeist, sie finden und die christlich- soziale Partei unter dem Zwang That flunkern wir dann, wir hätten von allen Nationen fich eher bereit, neue Batente zu kaufen, Filialen im Ausder heutigen inneren politschen Lage ihre öffentliche am meisten für die Arbeiter gethan! Heiliger Münch- lande zu begründen u. s. w. Ein bezeichnendes Beispiel Thätigkeit eingestellt hätten. Wie ergreifend, wie hausen! dafür findet der amerikanische Konsul in den kolossalen erhaben und groß muß dieser Augenblick edelmännlicher Es scheint dabei nicht ausgeschlossen, daß die in deutschen Brauereien; solche Anstalten wären, nach seiner Resignation gewesen sein! Das„ Bolk", die Stöcker'sche diesem Artikel ausgesprochenen Gedanken für das Ver- Ansicht, dem privaten Kapital und der Privatinitiative Zeitung weiß denn auch davon zu fingen und zu sagen, halten Deutschlands gegen die Konferenz maßgebend sein taum entsprungen. Auch können diese neuen Betriebe, daß in der Versammlung Thränen der Rührung geflossen werden. Rundweg die Betheiligung abzulehnen, das wäre meint er, besser als ihre Vorgänger für die höchste techseien!! zu gehässig. Man wird also wohl hingehen, aber man nische Vollkommenheit Gewähr leisten, weil sie mehr Geld " Ob freilich die Antisemiten auf immer zurückgetreten wird frei nach Göthe erklären: wir haben schon so viel haben. Das sieht man am besten in den verschiedenen sind, erscheint fraglich. Die Freifinnige Zeitung" sagt für sie( nämlich die Arbeiter) gethan, daß uns zu thun Zweigen der Metall-, der chemischen und der Textilindustrie. offenbar mit gutem Grunde, daß der Herr Hofprediger jeßt nichts mehr übrig bleibt. Während andere Kultur- Krupp, Siemens und andere fühlen sich so ganz persönlich mit diesem demonstrativen Rücktritt sich in den schroffsten länder meinen, wir sollen ihnen nachkommen, verlangen verbunden mit den von ihren Vätern begründeten UnterGegensatz zu der bekannten kaiserlichen Erklärung des wir umgekehrt, fie sollen es uns nachthun. Und wenn sie nehmungen, daß sie den Gedanken der Umwandlung ihres Reichsanzeigers" gebracht, und daß er so etwas nie ge- teine Zwangsversicherung haben wollen, dann gehen wir Geschäftes in eine Aktien- Gesellschaft verabscheuen;(?) aber es wagt haben würde, wenn er nicht felsenfest davon über- sporenrasselnd aus dem Konferenzsaal und danken Gott, ist noch gar nicht sicher, meint der Konsul, daß selbst zeugt wäre, daß der Wind alsobald wieder umspringen daß wir nicht sind wie jene! diese gigantischen Betriebe dem Schicksal, einer Actiengründung zur Basis zu dienen, entgehen werden. und seine Prediger- Segel wieder schwellen könnte. Klug 1 | Cottbus. Eine von weit über 1000 Personen besuchte öffent 1 Was der amerikanische Konsul bisher besprochen hat, heit sogar den seligen Bastiat übertrumpft. Dieser Tage bezieht sich auf die bedeutenden Intereffen der Industrie", hat nun Platter in der Neuen Züricher Zeitung" einen liche Versammlung des Fabritarbeiter- Vereins tagte am Sonnabend, veröffent- den 12. b. Mts. im Saale des Herrn L. Wobusa. Referent war er warnt vor dem Gründungsfieber und preist die in- Aufsatz über die gegenwärtige europäische Lage veröffent- Herr Alfons Beyer- Großenhain. Thema: Kapital und Arbeit. dustrielle Ueberlegenheit der Actiengesellschaft; aber alle licht, dessen Grundgedanken mit Mary' Anschauungen Mehrere Hundert Personen traten nach dem Vortrag dem Vereine Montag, den 14. diese Erwägungen treten zurück vor seinen Schlußreflexionen, durchaus zusammenfallen. Alle zivilisirten Mächte von bei, der jegt ungefähr 700 Mitglieder zählt. d. Mts., Abends 8 Uhr hielt der Verein für volksthümliche Wahlen welche die besprochene Entwicklung vom„ humanistischen" Europa müßten sich auf demokratischer Grundlage gegen in demselben Lokal eine ebenso imposante öffentliche Versammlung Standpunkte aus noch einmal prüfen. Der Kampf den gemeinsamen Kulturfeind Rußland verbinden; eine ab. Das Referat hatte Herr W. Werner- Berlin, übernommen. zwischen Kapital und Arbeit, meint er, wird unter dem solche Alliance allein könne unsere Welt aus der Sackgasse Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:" Die heute neuen System einen schärferen und aggressiveren des Militarismus zurückführen, wogegen im anderen Fall Montag, den 14. Oktober im Wobusa' schen Saale tagende öffent Charakter annehmen. Korporationen, Aktiengesellschaften, Europa den entsetzlichsten Verheerungen, vielleicht dem liche Volks= Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verspricht bei den kommenden Reichshaben keine Seele, und der persönliche Einfluß, wie er Rückfall in die Barbarei ausgesetzt sei. Das stimmt tagswahlen mit allen Kräften für die Wahl eines Arbeiterkandiden Inhabern privater Betriebe gegeben ist, wird hier genau mit der Haltung der Sozialisten überein, die schon daten welcher für Cottbus- Spremberg der Schlosser Herr Ernst Jn vollständig verschwinden. Der menschlich denkende In- 1871, während alles andere im nationalen Veitstanz Breil- Hagen ist, einzutreten. Auch verspricht die Versammlung dustrielle, der, nach dem Konsul, bisher ein gewisses per- wirbelte, erklärten, Elsaß- Lothringen dürfe nicht annektirt schon jest eine rege Privat- Wahl- Agitation zu gunsten des ArbeiterKandidaten zu beginnen. sönliches Interesse an dem Wohlergehen seiner Arbeiter werden, man müsse vielmehr Frankreichs Freundschaft Berliner Kaufleute. In einer am 10. Oktober stattge= genommen hat, wird ersetzt durch einen Direktionsrath, pflegen, um gegen Rußland Deckung zu erhalten. Nun, habten Versammlung ist die Gründung der Freien Vereini der sich für die Arbeiter weniger interessirt als die Diplomatie hat auf solche Stimmen nie geachtet und gung" vollzogen worden. Zweck des Vereins ist die Förderung für die Maschinen. Vom Standpunkte ihrer Tan- wird es nie thun. tièmen aus, werden die Direktoren zu oft versucht sein, die Löhne herabzuseßen. Der Aktionär kennt die Arbeiter nicht, hat keine persönliche Berührung mit ihnen und erfährt nur durch den Mund der Direktoren etwas über sie. Er kauft diejenige Attie, welche am besten rentirt, und wenn er seine Dividende empfängt, wird er wohl selten anhalten, um die Frage zu stellen, wie es wohl denjenigen geht, welche ihm dazu verholfen haben: den Arbeitern. " " der materiellen und geistigen Interessen der kaufmännischen Ange= stellten männlichen und weiblichen Geschlechts. Als Vorstand wurEin Minifterium für Arbeiterfragen in England. den die Herren Albert Auerbach, Kottbuser Damm 7; O. Profat, Lord Dunraven, der Vorsitzende des Ausschusses für das Sweating Stralauerbrücke 3; Albert Eckstein, Annenstr. 24; Albert Wilde, System, hat sich für die Einrichtung einer vollständigen Ministerial- el. Hamburgerstr. 13/14; O. Lifek, Naunynstraße 61 II, gewählt, behörde für die Arbeiterfrage, eines Board of Induſtry" ausge- und find eventuelle Beitrittserklärungen an einen dieser Herren zu prochen. Er behauptete, daß manche Aufgaben, die jetzt nur unvollkommen durch das Ministerium des Innern( Home office), das richten. Labour Bureau( das arbeitsstat. Bureau), das Local Government An Stelle der Generalversammlung der Berliner Board( die Zentralinstanz für die Selbstverwaltungskörper), das Schuhmacher( Ver. 3. Wahrung) findet Montag Abend in der Board of Trade( Handelsamt) und das Staatssekretariat für Solo- Arndt'schen Brauerei, Moabit, Stromstraße, eine öffentliche Schuhnien gelöst werden, zusammen einem neuen Ministerium zugewiesen, macherversammlung statt. Referent Baginsky: Verkürzung der Ar" 1 aus dem jezigen chaotischen Wirrwar heraustreten würden. Viele beitszeit. Parlamentsmitglieder haben sich dafür erklärt, die Regierung ist Potsdam. Montag, 21. d. M., Abends 8 Uhr, Konzerthaus, Mauerstr. 25: Große öffentliche Volksversammlung. Referent Herr aber dagegen. R.-A. Stadthagen. Thema:" An's Vaterland, an's theure, schließ Dich an." Diskussion und Verschiedenes. In dieser Aenderung der Beziehungen zwischen Arbeitgeber“ und„ Arbeitnehmer" liegt nach unserem Gewährsmann der Keim neuer sozialpolitischer Unruhen. Die Gewinne der Actiengesellschaften können die Arbeiter leicht kontroliren. So werden sie besser in der Lage sein, den richtigen Zeitpunkt für Lohnforderungen zu wählen. Demgegenüber werden sich die Unternehmungen zu Verbänden zusammenschließen, nicht blos um die Arbeiter zu bekämpfen, sondern auch, um das Angebot und die Preise der Waaren zu regeln. Das Nächste wird dann, nach dem Konsul, eine zentralisirte Vereinigung aller Arbeiter des Landes, nach Analogie der Labor League" in den Vereinigten Staaten, sein. Für die sozialdemokratische Partei find nach einer im Hamburger„ Echo" veröffentlichten Liste für 123 Reichstagswahlfreise die Kandidaten bereits ernannt. Miether Verein für Köpnick und Umgegend. Sonnabend, den 19. d. M., monatliche Versammlung im VereinsLotal( Klein's Salon), Vortrag des Herrn Th. Glocke: Die wirthMit welcher Leichtherzigkeit mitunter das Sozia- schaftlichen Krisen und die Sozialgesetzgebung. listengesek gehandhabt wird, dafür liefert die Zwickauer Fachverein der Papierarbeiterinnen u. verw. Bolizei wieder ein recht hübsches Beispiel. Der Abg. Singer sollte Berufsgenossen. Sonnabend, 19. Ott., Abends 9 Uhr in Sahm's dort in zwei Volksversammlungen über den Reichstag sprechen. Die Lokal, Annenstr. 16: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Polizeibehörde verbot dieselben auf Grund des§. 9 des Sozialisten- Herrn Jul. Dolinsky über Regelung der Arbeitszeit. 2. Diskussion. gefeges, und zwar, weil Singer den Pariser internationalen Ron- 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste, Damen und Herren haben greß besucht habe. Nun hat aber Singer zur Zeit dieses Kon- Butritt. Nach der Versammlung geselliges Beisammensein. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der gresses nicht einmal französischen Boden betreten. Die darauf folgende Phase der industriellen Ent- Von dem in Offenbach i. B. erscheinenden ,, Südwest- Metallarbeiter( E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 5. wickelung ist der permanente Rampf zwischen Unter- deutschen Volksblatt"( Offenburger Nachrichten) ist die Nr. 118 Am Sonntag, den 20. Off., Vormittags 10 Uhr, Münzstraße 11, auf Grund des Sozialistengeseßes verboten worden. bei Zemter: Versammlung. nehmern und Arbeitern. Was die Folgen davon Der bekannte vielverfolgte Buchbinder Joseph Ja sein werden," schließt der Konsul, kann Niemand vorher niszewski, welcher am 30. September cr. nach verbüßter Strafe sehen, aber ich meine, sie werden und müssen zerstörender aus dem Gefängniß Plößensee entlassen wurde und in Berlin WohNatur sein, so lange, bis einmal die gegenwärtige nung nahm, ist ausgewiesen worden. J. hat gegen die polizeiliche Produktionsmethode eine wesentliche Umgestal- Berfügung Beschwerde eingelegt. tung erfahren wird". Politisches, Gewerkschaftliches. Briefkasten. In Schleiz ist der Regierungsbaumeister Keßler aus Wiesbaden wegen unerlaubter Rückkehr in ein Bundesgebiet zu zwei Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Der frühere Abgeordnete Auer ist in München am Spalten, also gerade genug. Wollten wir das auch so handhaben, Nervenleiden schwer erkrankt. Als nichtständige Mitglieder des Reichsversicherungsamts find gewählt worden: Chirurgische Branche. Wir können auch die kürzesten Berichte nur dann bringen, wenn etwas für die Arbeitersache Be= deutsames und Neues passirt ist: wie Streikerklärung, Grünbung einer neuen Organisation u. f. w. Ueber die gewöhnliche Geschäftsabwicklung bringen die Tageblätter jeden Tag mehrere so hätten wir 12-18 Spalten Vereinsberichte allein aus Berlin und im ganzen stehen uns nur 20 Spalten zur Verfügung. Wir nüßen durch Artikel über wichtige gewerkschaftliche und politische Die Bewegung, die in der Schweiz eine Volksab- Als Arbeitervertreter der Hutmacher Karl Kaempfe zu Arbeiterverein. Warum fein Inserat? Der Antrag zu stimmung über das arbeiterfeindliche Institut des Bundes- Bamberg und der Buzer Wilhelm Buchholz zu Berlin. Es waren Fragen auch den Vereinen viel mehr wie durch lange Berichte. anwalts verlangte, ist leider gescheitert. Um so erfreu- 2370 giltige Stimmzettel von den wahlberechtigten Arbeitervertretern inseriren ist doch in Ihrem Verein gestellt und auch angenommen dieselben werden bekanntlich von den Vorstandsmitgliedern der worden. licher wirkt daneben eine andere schweizerische Kundgebung. Ortskaffen und Fabrik- Krankenkassen gewählt abgegeben. Verschiedene Vereine. Wir bitten früher zu schicken. Professor Platter, der am Züricher Polytechnikum Als Stellverter wurden gewählt Anton Zeus zu Augs- München. Ist mit Ihrer eigengeschriebenen Adresse abgesandt worNationalökonomie vorträgt, gehört zu den wenigen Ge- burg, Jakob Jena zu Forchheim, Franz Hartwig zu Oberwalden- ben, aber als unbestellbar zurückgekommen. Woran liegt das mun? Limbach. Zu spät. lehrten, die sich eines gefunden Rückgrats erfreuen. Das burg, Reinhold Overbeck zu Merseburg. Die genannten Personen fungiren auch bei den Entscheidungen Auflösungen und Verbote sowie die Kandidatenliste des zeigte er schon in seiner Polemik gegen die heut übliche des Reichsversicherungsamts in bezug auf das neue Invaliditäts- Hamburger„ Echo" in nächster Nummer. deutsche Professoren- Dekonomie, deren selbstgefällige Flach- und Altersversicherungsgesetz. Große Versammlung= des sozialdemokratischen Wahlvereins für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Dienstag, den 22. Oktober, Abends 8½ Uhr, im großen Saale der Norddeutschen Brauerei, Chauffeestraße 58. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wilhelm Schweizer: Unsere politische Lage. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Berliner Reichstagswahlkreis. Mittwoch, den 23. Oktober, Abends 812 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünftraße 28: Grosse Versammlung Tagesordnung: 1. Arbeitszeit und Arbeitsruhe. Herr E. Vogtherr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Referent: Der Vorstand. Sozialdemokratischer Leseklub Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Wallstr. 20. ( Restaurant Leonhardt.) Vorlesung und Diskussion. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Zimmerleute Berlins! Versammlung der Freien Vereinigung der Zimmerer Berlins und der Umgegend. Montag, den 21. Oktober, Abends 8½ Uhr, in Krüger's Salon, Hochstraße 32a. Tagesordnung: 1. Vortrag über das Recht auf Arbeit. 4. Fragekasten. Der Vorstand. Jeder Zimmerer ist willkommen. Der Vorstand. Fachverein der Tischier. Montag, den 21. Oktober, Abends 81/2 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünstraße 28. General- Versammlung. Tagesordnung: 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht J. A: Hugo Lehmann, Stettinerstr. 9 I. Verein der Klempner Berlins und Umgegend. 1. Rafferbericht des Nendanten. Bericht des Vorstandes, der Kommissionen und der Bevollmächtigten. Ersatzwahlen des Vorstandes. Wahl eines Werkstattkontrollund Arbeitsvermittelungs- Mitgliedes. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Sonnabend, den 16. November, in Jordan's Salon, Tanzkränzchen. NB. Die Wohnung des Vorsitzenden des Vereins, Th. Glocke, befindet sich seit dem 1. Okt. Laufiberstr. 52, b. III. Der Vorstand. Galanterie-, Kurz-, Schreib- und Zünd- Waaren von Wilhelm Kahl, Berlin SO., Nr. 17. Reichenbergerstraße Nr. 17. Größtes Lager in Cigarrenspitzen und Tabakpfeifen, Manschettenknöpfe, Kravattennadeln, Medaillons, Broches, Uhrbilder, Streichholzhülsen, mit Bildnissen von: Lassalle, Marg, Bebel, Liebknecht, Hasenclever, Kayser, Kräcker, Singer. Billigste Bezugsquelle für Händler und Hausirer. Montag, den 21. Oktober, Abends 8½ Uhr, im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee 11/13. Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über das Wesen der modernen Poesie. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, den 21. d. M., Abends 812 Uhr, in Feuersteins Salon, Alte Jakobstr. 75 ( oberer Saal) Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herr Schweizer über:„ Unsere Ziele in gewerkschaftlicher und politischer Beziehung." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorstand. Ein Jahrgang ,, Neue Zeit", Jahr 1885 zu kaufen gesucht. Offerten bef. d. Exped. d. Bl. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin 9. O., Dranienstraße 23. Beiblatt zur Berliner Volks- Tribüne. № 42. [ Nachdruck verboten.] Nur eine Kellnerin. Bon John Henry Mackay. ( Fortsetzung.) Sonnabend, den 19. Oktober 1889. III. Jahrgang. heit so seltsam mit dem modernen, nordischen Leben zu ihren Füßen kontrastiren. Hans Grüßmeyer ging geärgert nach Hause. Aber noch verdrießlicher wurde er, als Marl sowohl am folgenden Abend, an dem es ihn wieder zu ihr ge- Sie ist ein Kind, dachte mitleidig Lenchen, und dachte trieben hatte, wie auch an jedem der folgenden Abende so dann an die Nacht, in welcher sie vor Jahren hier zum vollständig über ihn hinwegsah und sich so wenig um ersten Male mit einem Herrn gesessen hatte. ihn fümmerte, daß er, obwohl ungern, sich doch endlich Sie ist ein Kind, sagte sich etwas geringschäßig der sagen mußte, seine Methode sei bei dieser kleinen Person andere, denn er liebte unerfahrene Weiber nicht, und doch wohl nicht so angebracht, wie er zuerst angenommen flüsterte dabei seiner Nachbarin eine cynische Bemerkung hatte. Er machte sich nun freilich nicht viel aus ihr, aber ins Ohr, worauf diese lachte und ihn verliebt ansah. die verletzte Eitelkeit, welche weit öfter, als man denkt, Als sie mit ihrem Kaffee fertig waren, bestellten die Anlaß und Triebfeder zur Liebe ist, ließ es nicht zu, einen Herren einen Schlummerpunsch. Aber Marl konnte es Vorsatz aufzugeben, dessen Ausführung bis jetzt so kläglich nicht über sich gewinnen, das heiße, starkduftende Getränk in die Brüche gegangen war. zu trinken. Sie schauderte zusammen, als ihre Lippen den Er versuchte es also mit jener gewinnenden Freund- Rand des Glases berührten, und wurde dafür von den lichkeit, welche ihm theils seine gute Erziehung, theils seine anderen ausgelacht. stete Berechnung im Verkehr mit den Menschen fast zur Hans war es, der zuerst zum Aufbruch mahnte. Er fand leicht die Straße und das Haus wieder; Gewohnheit gemacht hatte, und diese machte allerdings Denn er hatte einen Bekannten eintreten sehen, und liebta und zu ſeiner Ueberraschung bemerkte er, daß es eine auf Marl, welche so wenig Freundlichkeit und Liebe in es nicht, in solcher Gesellschaft erkannt oder gar angeredet Restauration war, zu welcher das Fenster gehörte. Doch ihrem Leben erfahren hatte, einen ganz anderen Eindruck. zu werden. Als Hans Grüßmeyer am folgenden Tage auf wachte und bei seinem Frühstück saß, welches er stets mit einer gewissen langsamen Sorgfalt zu sich zu nehmen pflegte, fiel ihm plößlich das Mädchengesicht wieder ein, welches er Tags vorher gesehen hatte und er nahm sich vor, doch einmal wieder in jene Straße zu gehen, um zu sehen, ob es wirklich die war, an welche er gedacht hatte. Aber er tam erst nach vier Tagen dazu, seinen Entschluß auszuführen. trat er nicht gleich ein. Er war selten in solchen kleinen Er verstand es, sich die Maske mitleidigen Interesses so Sie traten hinaus in das Wirrwarr von Menschen, Lokalitäten gewesen, und ließ sich nicht gern herab, sie zu geschickt vorzulegen, daß die ungeübten Augen der Kellnerin Wagen, von Lärm und Leben. Sie fuhren mit der Stadtbetreten. Da er aber nun einmal hier war, wollte er sie nicht von seinem wahren Gefichte zu unterschieden ver- bahn denselben Weg zurück, den sie gekommen waren. den Weg nicht umsonst gemacht haben, und so stieg er mochte. Und so kam es, daß er nach Verlauf einiger Aber dann trennten sich die beiden Paare und Hans und benn die zertretenen Steinstufen empor. Er sah, daß alle Tage, in welchen er ihr kleine liebenswürdige Artigkeiten, Marl schritten allein der Richtung ihrer Wohnung zu. Sie Tische dicht besetzt waren- es war 10 Uhr fand welche sie nicht abweisen konnte- kleine Blumen- gingen wieder Arm in Arm. Bis dahin war Marl unaber schließlich noch einen Platz in einer Ecke. sträuße 2c. erwiesen hatte, mit ihr schon auf einem befangen und heiter gewesen. Aber als sie nun in eine Als Marl den neuen Gast sah, rief sie ihm ihr ziemlich vertrauten Fuße stand, und sie sich darauf freute, der weniger belebten Straßen einbogen, verstummte sie und, gleichförmiges Helles" oder„ Dunkles" zu und stellte das wenn er kam, denn er hörte immer so geduldig und wie abfichtslos sich niederbeugend, um an ihrem Kleide Verlangte vor ihn hin. theilnehmend zu, wenn wenn sie ihm ihre kleinen Leiden etwas zu ordnen, ließ sie den Arm ihres Begleiters los Er hatte kaum Zeit gehabt, einen Blick in ihr, von und Freuden erzählte. Dazu kam, daß er so klug ge- und nahm ihn nicht wieder. So gingen fie neben einander der heute Abend besonders anstrengenden Bedienung gewesen war, ihr Mißtrauen in keiner Weise wachzurufen, her. Auch Hans Grüßmeyer suchte nach einem Wort, röthetes Gesicht zu werfen. Aber er sah doch, daß er sich sondern dasselbe zu beschwichtigen; er hatte sie nicht gebeten, ärgerte sich darüber, daß er das rechte nicht finden konnte, geirrt haben müsse, und ärgerlich darüber trank er schnell fie nach Hause begleiten zu dürfen; er hatte keine jener und schwieg ebenfalls. fangenheit wieder gewonnen. sein Glas aus und rief nach der Kellnerin, um zu be- ordinären Redensarten gebraucht, welche sie sonst gewohnt Nach einigen Minuten fragte er sie, ob sie morgen zahlen. Als Marl vor ihm stand und ihm eilig das war zu hören und welche sie so fürchtete; under hatte es war ein Sonntag und sie hatte den halben Tag frei, Geldstück wechselte, sah sie einen Augenblick in das Gesicht ihr nie grobe Schmeicheleien gesagt. So hatte sie ihm wie er wußte mit ihm zu Mittag essen wolle. des ihr fremden Gastes, und begegnete seinen Augen. gegenüber ein Gefühl ruhiger Sicherheit und ihre UnbeDieser Blick veranlaßte ihn, statt aufzustehn und fortzugehen, sich ein zweites Glas zu bestellen, und mit Interesse sah er ihrer schlanken, unentwickelten Gestalt nach, wie sie durch das Zimmer ging. Als sie wieder zurücktam, sah er sie von neuem an. Aber sie blickte mit einer so vollkommenen Gleichgiltigkeit über ihn hinweg, daß er seinen leisen Merger nicht unterdrücken konnte. Er gefiel ihr entschieden. Er mußte sicher ein guter Mensch sein Und so kam es, daß sie sich auf die Stunden zu freuen begann, in welchen sie ihn sah. Sie besann sich, und wollte schon ablehnend antworten, aber sie hatte wieder nicht den Muth, ihm die Bitte abzuschlagen. Sie verabredeten nun Stunde und Drt, wo sie sich treffen wollten. Und doch sagte ihr währenddessen ihr Gefühl, es sei besser, jetzt schon zurückzuweichen, als weiter vorwärts zu gehen. Als sie die nächste Straße einbogen, sah sie, daß sie dieselbe tannte. Und, indem sie sich schnell zu Hans. wandte und ihm die Hand hinstreckte, sagte sie:„ Diese Straße kenne ich. Nun finde ich mich schon aus. Vielen Dank, Herr Grüßmeyer". Und ehe sich Hans von seiner Verblüffung erholen konnte, hatte sie seine ihr mechanisch hingereichte Hand ergriffen, und er hörte noch, wie sie ihm zurief:" Und auch noch schönsten Dank für den herrlichen Abend!" Nach etwa einer Woche erschien Hans Grüzmeyer, welcher bis dahin immer allein gekommen war, eines Er wußte nun mit Bestimmtheit, daß es jene nicht Abends in der Begleitung eines Freundes in der Kneipe. war, an welche er gedacht hatte. Und merkwürdiger Dieser Freund schien ein ganz besonderes Interesse an der Weise konnte er auch heute abend jenen Zug in ihrem anderen Kellnerin, dem blonden Lenchen, zu nehmen, denn Gesichte nicht wiederfinden, welcher ihn an die andere er- während Hans und Marl zusammen sprachen, ging er des innert hatte. Dagegen interessirte ihn ihr Gesicht, troß- öfteren zu den Tischen hinüber, an welchen sie bediente, dem er sich selbst sagen mußte, daß es nichts weniger als und Marl sah, wie sie zusammen lachten und sprachen. schön war. Denn sein Gefühl sagte ihm, daß dieses Als es nach elf Uhr geworden war, die leßten Gäfte geMädchen noch unschuldig sein müsse. gangen waren und der müde Wirth sein Lokal schließen Dann war sie in dem Menschenstrom verschwunden. Aber dann wandte er sich Er sah sich in der Kneipe um. An der Decke lagerten wollte, sagte der andere zu Hans, wie ganz von selbst: Er wollte ihr zuerst nacheilen. dichte Rauchwolken. Es war etwas leerer geworden. Auch„ Ich trinke noch mit Fräulein Lenchen eine Tasse Kaffee kurz um und schlenderte geärgert nach Hause. die beiden Studenten, welche an seinem Tische gesessen im Bauer- Ihr geht doch natürlich auch mit?"- Hans Marl kam mit rothen Wangen an ihrer Hausthür hatten, waren gegangen. Rufen, Gläserklappern, lautes sah auf Marl, welche energisch ihren Kopf schüttelte. Gespräch und Lachen klang wirr durcheinander. Hans" Nein", sagte sie ,,, ich gehe niemals aus." Grüßmeyer kam sich in dieser stark gemischten Gesellschaft Aber warum denn nicht?" machte höchst erstaunt sehr erhaben vor. der Freund. Sie glauben wohl, wir würden Ihnen etwas thun?" Und alle drei lachten. " " an. Sie war gelaufen, wie gejagt. Nun kam es ihr vor, als sei ihr plößliches Davonlaufen doch eigentlich recht unhöflich gewesen. Aber als sie an ihr beiderseitiges, ängstliches Schweigen während ihres Alleinseins dachte, schien es ihr doch wieder, als sei es das Rechte gewesen, was sie gethan. Als er wieder nach Marl sah, interessirte ihn wieder die Art und Weise, in welcher sie mit einem anderen Nun redete Lenchen, welche schon fertig dastand, zu. Gaste, augenscheinlich einem ihr gut bekannten, sprach. Nun, heute Abend kannst du schon mitgehen, Marl, In ihre Träume hinein spielten lockend die luftigen, In diesem Augenblick beschloß er, in diesen letzten Wochen wenn ich dabei bin. Wir trinken nur eine Tasse Kaffee blendenden Bilder des verflossenen Abends, und sie sah seines Berliner Aufenthaltes als kleines Abenteuer den und gehen dann nach Hause." ihr täuschendes Licht doppelt verheißend, während die Versuch zu unternehmen, dies Mädchen zu gewinnen. Hans hatte Klugerweise geschwiegen. Als Marl seinen tiefen Schatten, welche ihr Auge in der Wirklichkeit nicht Er hatte eine Methode", solchen Frauen gegenüber freundlichen, wartenden Blick sah, konnte sie es nicht hatte erkennen können, sich ihr auch da nicht zeigten. und er hatte diese Methode einmal einem seiner Freunde übers Herz bringen, unfreundlich zu erscheinen, und meinte so auseinander gelegt:" Siehst du, mit solchen Frauen- zögernd: zimmern mußt du es auf eine ganz eigene Art und Weise" Ja, wenn Lenchen auch mitgeht, dann" anfangen, damit sie in dich verliebt werden. Das Einzige Und lachend gingen die beiden Paare durch die vollen ist, sie müssen auf dich aufmerksam werden. Das werden Straßen zum nächsten Stadtbahnhof, von wo sie nach der fie aber nie, wenn du den halben Tag in der Kneipe Friedrichstraße fuhren. ( Fortsetzung folgt.) Vor Sonnenaufgang. ,, Vor Sonnenaufgang." So betitelt sich ein neues Drama, welches sein Verfasser, Gerhart Hauptliegst und sie mit angenehmen Redensarten langweilst. Es war ein dunstig- schwüler Abend. Ein Gewitter mann, dessen Name den Lesern der„, B. V.-T." wahrscheinDenn die hören sie den ganzen Tag über auch von andern, hatte schon den ganzen Tag die dunklen Hände über dem lich noch gänzlich unbekannt sein wird, ein soziales nennt. und während sie dir mit dem stereotyp- freundlichen Lächeln brütenden Häusermeer gehalten. Aber es hatte nicht mit diesem Wörtchen ist in letter Zeit, namentlich seit zuhören, denken sie an das Trinkgeld, das du ihnen wohl fühlend niedergegriffen in diese verpestete Gluth von Rauch, dem Vorgehen Zola's, auf Titelblättern viel Unfug gegeben wirst. Wenn du aber einige Male in der Kneipe Staub, Dunst und Moder, welche die Gesichter so fahl trieben worden. Doch sagen wir es gleich heraus, daß gewesen bist und haft über sie hinweggesehen, als wären und grau, und die Herzen der Menschen so fieberhaft- das vorliegende diese Bezeichnung mit Ehren trägt! Wäre fie Luft, so kannst du sicher sein, daß sie das ärgert, und aufgeregt, oder so kränklich- müde machte. das Werk nur ein Roman, so würde das freilich nicht sie denken an dich. Und damit hast du schon das meiste Mit großen Augen und stumm hatte Marl während viel sagen. Moderne soziale Romane, und zwar vorzügerreicht-." der kurzen Fahrt und auf dem Weg die Friedrichstraße liche, zählen wir bereits nach Dutzenden. Als ihr eigentDer Freund hatte diese Lehre von dem großen hinunter in das Treiben geschaut, welches ihr so neu und lichster Typus gilt, wie Jedermann weiß, Zola's„ GerFrauentenner mit einem bewundernden Staunen entgegen- fremd war, und unwillkürlich den Arm ihres Begleiters minal". Aber wo und von wem ist bisher ein soziales genommen. ängstlich fester gefaßt, während sie im Stillen Lenchen be- Drama geschrieben morden? In Deutschland jedenfalls Diese Methode" nun beschloß Hans Grüßmeyer neidete, welche so sicher und munter mit dem andern sicher noch nicht! Gerhart Hauptmann ist der Erste; und schon an diesem ersten Abend, an welchem er Marl sah, Herrn vor ihr her schritt. es wäre nur zu wünschen, daß er nicht der Letzte bliebe.. anzuwenden, und so hütete er sich wohl mit ihr zu sprechen, Aber als sie nun im Café Bauer saßen, sicher und Die eigentliche Handlung des Stückes ist ziemlich wenn sie in seine Nähe kam, und schaute über seine gemüthlich vor dem wogenden Treiben, welches unablässig nebensächlich und läßt sich in wenigen Zeilen geben. Beitung hinweg nur dann nach ihr, wenn er bestimmt herein- und hinausströmte, da gewann sie ihre Lebhaftig- Alfred Loth, ein Mensch, dessen Umgang komprowußte, daß sie ihn nicht sehen konnte. Aber als er nach keit und Luftigkeit wieder, und war unerschöpflich an guten mittirt," der mit Ansichten in der Welt umherläuft, die Hause ging und bezahlte, fragte er sie halb spöttisch: Einfällen, an wißigen Bemerkungen über die Beobacht- heutzutage weit schlimmer und vor allem weit gefährlicher Nun, wie haben Sie denn Montag Nachmittag geschlafen?" ungen, welche ihr von allen Seiten zuflogen. find als Stehlen", der jener einzigen Partei im ReichsEr glaubte, fie würde in Verwirrung gerathen, aber Marl, Sie ist ein Kind, sagte sich Hans, als er fie sah, tage angehört, die noch Ideale befigt", hat eine Reise in welche gar nicht verstand, was er meinte, hielt ihn für wie sie mit glänzenden Augen in das Gewühl starrte, bald die schlesischen Kohlendistrikte unternommen, um hier Manicht recht bei Sinnen, lachte dann, und sagte, indem sie laut auflachend vor Freude über das bunte Leben in die terial für ein nationalökonomisches Werk zu sammeln. fich kurz zu einem anderen Gast wandte: Danke. Wahr- Hände flatschte, bald wieder mit andächtigem Erstaunen Der geeignetste Drt hierfür scheint ihm Wißdorf zu sein, scheinlich recht gut, denn ich schlafe immer gut." an den Fresken hing, die in ihrer südlich- sonnigen Schön- deffen Bauern durch die schwarzen Diamanten", die " " unter ihren Feldern gefunden werden, über Nacht steinreich| Auftreten Notiz! Wir können uns nicht versagen, es hier Freunde Loth Bier, Wein, Cognac, Kaffee, Thee- es geworden sind, und in welchem sich nun in Folge dessen in seiner ganzen Ausführlichkeit wiederzugeben. ist alles im Hause!" angeboten und von diesem eine Abdie sozialen Gegensäße am schärfsten zuspißen: die Berg- Hoffmann:( tritt an den fertig gedeckten, mit Delikatessen lehnung erhalten. Er ist darüber piquirt, präsentirt ihm leute die reinen Arbeitsthiere, unter den Bauern durch überladenen Abendtisch, reibt sich die Hände.) Na! Das sieht aber noch eine Cigarre. Aber das ist doch was für Dich gängig Suff, Völlerei, Unzucht und in Folge davon ja recht gut aus!( mit einem verschmigten Blick zu Loth hin- nicht?!... nicht?!... auch nicht?!" Loth:" Nein, danke." Degeneration auf der ganzen Linie." über:) meinst Du nicht auch?- Uebrigens, Schwägerin! Hoffmann:„ Beneidenswerthe Bedürfnislosigkeit!( er raucht wir bekommen Besuch: Kahl- Wilhelm, er war auf dem Hof. sich selbst eine Cigarre an und spricht dabei:) Die A. Helene:( macht eine ungezogene Geberde.) Asche, wollte sagen der... der Tabak... ä! Rauch Hoffmann: Aber Beste! Du thuſt fast, als ob ich natürlich... der Rauch belästigt Dich doch wohl nicht?" ihn... was kann denn ich dafür? hab' ich ihn etwa Nicht wahr? Borzüglich! Und von derartigen minutiösen gerufen?( Man hört schwere Schritte draußen im Hausflur.) Beobachtungen ist die Charaktergebung Hoffmann's geradezu durchspickt! reichen Mann herausstecken möchte. Seine Gesichtszüge sind grob, " In diesem anheimelnden Milieu trifft Loth den„ Herrn Inschinnär". Hoffmann an, seinen alten Jugendfreund und ehemaligen Gesinnungsgenossen, der aber unterdessen,„ in feiner Beziehung Unmensch", längst mit der Welt Frieden geschlossen, eine von den zweifelhaften Wißdorfer ,, Goldtöchtern" geheirathet hat und sich nun gerade in dem Ach! Das Unheil schreitet schnelle. Hause seiner Schwiegereltern befindet, um hier die Nieder-( Kahl tritt ein ohne vorher angeklopft zu haben. Er ist ein Doch gehen wir wohl schwerlich fehl, wenn wir an= kunft seiner Frau abzuwarten. Und welcher Schwieger- vierundzwanzigjähriger, plumper Bauernbursch, dem man es an- nehmen, daß sich das Interesse des größeren Publikums eltern! Der alte Bauer bringt schon seit Jahren seine sieht, daß er so weit möglich, gern den feinen, noch mehr aber den in erster Linie nicht auf ihn, sondern auf Alfred Loth, Tage buchstäblich in demselben Gastzimmer mit Schnaps- der Gesichtsausdruck vorwiegend dumm- pfiffig. Er ist bekleidet mit den Agitator in der Westentasche", um mit Hoffmann trinken" zu, und seine Frau, die er in zweiter Ehe geheirathet einem grünen Jaquet, bunter Sammtweste, dunklen Beinkleidern und zu reden, lenken wird. Worte und Ideen, wie sie uns hat, verkürzt sich ihre Nächte mit Kahl- Wilhelm, dem zu- Glanzlack- Schaftstiefeln. Als Kopfbedeckung dient ihm ein grüner aus seinem Muude entgegentönen mein Kampf ist ein fünftigen Ehegemahl ihrer Stieftochter Helene. Jägerhut mit Spielhahnfeder. Das Jaquet hat Hirschhornknöpfe, Kampf um das Glück Aller, sollte ich glücklich sein, so an der Uhrkette Hirschzähne 2c., stottert.) müßten es erst alle anderen Menschen um mich herum sein, ich müßte um mich herum weder Krankheit, noch Armuth, weder Knechtschaft noch Gemeinheit sehen, ich könnte mich sozusagen nur als Letter an die Tafel seßen" werden immer den lebhaftesten Sympathieen begegnen, und rein künstlerischen zu unterscheiden. es wird dann schwer sein, die rein menschlichen von den sehr verlegen und macht stillstehend eine ziemlich klägliche Figur.) Kahl: Gu'n Abend mi'nander!( Er erblickt Loth, wird Hoffmann:( tritt zu ihm und reicht ihm die Hand aufmunternd.) Guten Abend, Herr Kahl! Helene:( unfreundlich.) Guten Abend. Kahl:( geht mit schweren Schritten quer durch das ganze immer auf Helene zu und giebt ihr die Hand.)' n Abend och, Kahl vor, unseren Nachbarssohn. Hoffmann:( zu Loth.) Ich stelle Dir hiermit Herrn Rene. zu Kahl:( grinst und dreht den Hut. Verlegenheitsstille.) Hoffmann: Zu Tisch Kinder! fehlt noch Jemand? die Schwiegermama. Miele! bitten Sie Frau Krause Tisch. ( Miele ab durch die Mittelthür.) " Ein Kritiker" der in Kiel erscheinenden Nordostseezeitung schloß neulich seine Besprechung dieses Werkes: , Es stände traurig um den Geschmack und die fittlichen Anschauungen unseres Volkes, wenn Bücher solchen Schlages bei ihm Eingang finden könnten. Widrige Pornographie wird hoffentlich in Deutschland keine Verleger finden." Kein Wunder, wenn diese, die, in einer Herrenhuter Pension erzogen, all die Rohheit und Verkommenheit dieser Umgebung kaum mehr zu ertragen vermag, sich nun zu Loth hingezogen fühlt! Nur von ihm, dem einzigen Menschen, der sie versteht, darf sie Rettung hoffen! Ein Liebesverhältniß entspinnt sich, und es ist eine der höchsten Schönheiten dieses Dramas, wie Helene ihrem Geliebten die traurigen Zustände in ihrer Familie zu verbergen sucht, um sich seine Neigung zu erhalten. Sie hat allen Grund dazu, denn Loth selber hat es ja ausgesprochen, daß er ,, absolut fest entschlossen" ist, die ihm von seinen Vorfahren ererbte Gesundheit ganz ungeschmälert auf seine Nachkommen zu bringen" und sie ahnt nur zu wohl, daß Ach, er im gegebenen Falle nicht die praktische Natur" wie Wir schließen die unsrige etwas anders. Wir sagen: ihr Schwager Hoffmann sein würde, der aus Nüßlichkeitsunsre Literatur hat zur Zeit, was man auch von anders. rücksichten skrupellos in eine„ Potatorenfamilie" hineingegefinnter Seite dagegen einwenden mag, viele hochachtbare heirathet hat. Aber all ihre Anstrengungen sind vergeblich. Miele( draußen im Hausflur schreiend.): Frau!! Vertreter; wir haben einen Gustav Freytag, einen Gottfried Dr. Schimmelpfennig, der Ortsarzt, der gelegentlich der Frau!! Assa kumma! Se fill'n afsa fumma! Keller, einen Ludwig Anzengruber; aber wir haben Niebevorstehenden Entbindung in's Haus gerufen ist, öffnet Das ist Einiges von diesen Menschen"! Alles mand, den wir den großen Dichtern des Auslands entLoth über die grauenhaften Zustände, die in ihrer Familie kann selbstverständlich nur das Drama selbst geben. Es gegenstellen könnten. Neben einem Tolstoi, einem Ibsen, herrschen, die Augen, und dieser zieht, wie zu erwarten wäre daher nur zu wünschen, daß es möglichst bald in einem Zola erscheinen sie alle gering. Ob das aber auch stand, es vor, lieber seinem Glücke als sich selbst zu ent- möglichst billigen Ausgaben auch ins Volk verbreitet so bleiben wird? Db nicht nur unsere Gesellschaft, sonsagen. Er verläßt Helene, und diese, verzweifelnd, giebt werden könnte. dern auch unsere Literatur vor einem„ Sonnenaufgang" fich den Tod. Denn auf der Bühne wird es das Werk, wie die steht? Der Gerhart Hauptmann'sche wenigstens Das ungefähr ist die eigentliche„ Fabel" des Stückes. Dinge nun einmal hier bei uns in Deutschland liegen, läßt uns das mit Zuversicht erwarten: So zweifellos interessant sie auch ist, wir wiederholen es: wahrscheinlich so bald nicht zu sehen bekommen. Freilich Arno Holz. fie ist ziemlich Nebensache. Nicht die Handlung ist es, die wird es der erst in jüngster Zeit ins Leben getretene in diesem Drama unsere Bewunderung herausfordert, Verein" Freie Bühne" bereits am 20. d. M. im Lessingsondern die in ihm„ handelnden Menschen." Denn so Theater zur Aufführung bringen, doch wird diese gewisser: und nicht wie bisher üblich" Personen", bezeichnet der maßen ja hinter verschlossenen Thüren stattfinden und Dichter seine Geschöpfe. Und er hat recht daran gethan! darf also vorläufig wohl kaum auf Nachfolge von Seiten Es sind Menschen. Gottseidant! Zum ersten Male in anderer Bühnen rechnen. unserer Literatur! Wenigstens in unserer dramatischen! Die Maschine unterdrückt den Arbeiter. Ein neues Beispiel für den alten Saß, daß die tech nischen Fortschritte in Industrie und Verkehr den Arbeiter überflüssig machen, daß sie besonders den gelernten Arbeiter außer Brot seßen, wird durch die neuen Ozean- Schnell dampfer gegeben. Dieses ist um so bedauerlicher, als gerade mit diesem Am meisten in den Vordergrund gerückt erscheint die Werke das deutsche Drama zum ersten Male endlich in Gestalt Alfred Loth's. Auf ihn und Helene vertheilt der der Lage sein würde, energisch den Kampf mit den besten Man baut nämlich diese Dampfer jetzt mit einer be Dichter entschieden seine wärmsten Sympathieen. Doch ist betreffenden Produktionen des Auslandes aufzunehmen. deutenden Vereinfachung der Takelage, wie das bei den er himmelweit davon entfernt, dieses Paar etwa im Sinne Fast von selbst drängt sich uns unter diesem Gesichts- neuen Hamburger Schnelldampfern ,, Columbia" und„ Vikder alten Schule zu sogenannten„ Idealen" herauszu- punkt ein Vergleich zwischen Gerhart Hauptmann und toria Augusta" zu beobachten ist, wo die Raaen beinahe topfen. Im Gegentheil! Er deckt uns alle ihre kleinen Henrik Ibsen auf. Und wir zweifeln feinen Augen- oder vollständig fehlen, und man geht mit dem Plane um, Schwächen auf und läßt uns keinen Augenblick vergessen, blick den Deutschen im Prinzip dem Norweger vorzu- die neu herzustellenden Schnelldampfer gänzlich ohne Masten daß sie Menschen und als solche gewissermaßen aus genau ziehen. Ibsen begnügt sich nicht, die Menschen und Zuzu bauen. demselben Holze geschnitzt sind wie der„ Herr Inschinnär" stände als solche zu malen und dann die betreffenden Die Technik im Schiffsbau ist so weit entwickelt, daß oder Kahl- Wilhelm. Man höre nur, wie er sich ihr Konsequenzen seinem Publikum selbst zu überlassen, sondern die alte Form der Schiffe mit Masten und Segel überAeußeres denkt und ziehe daraus seine Schlüsse auf das er drängt sie diesem geradezu auf. Er hat alle seine flüssig erscheint, und man sich bei der neuen Bauart in Uebrige. „ Loth ist mittelgroß, breitschultrig, unterſetzt, in seinen Taschen voll„ Theorieen" und für diese macht er in seinen bezug auf Gang und Sicherheit des Schiffes große VorBewegungen bestimmt, doch ein wenig ungelent; er hat Stücken Propaganda. Daß seine Ideen durchgehends theile versprechen kann. Auch eine größere Schnelligkeit blondes Haar, blaue Augen und ein dünnes, lichtblondes moderne, demokratische oder wie man sie sonst nennen mag, wird mit den neuen Schiffen möglich sein. Schnuri bärtchen, sein ganzes Gesicht ist knochig und hat sind, darf wohl nur als rein zufällig betrachtet werden. Die Masten und das Takelwerk bieten der Luft, einen gleichmäßig ernſten Ausdruck. Er ist ordentlich, jedoch Er würde zweifellos mit seiner Persönlichkeit für sie ein- namentlich bei widrigen Winden, einen Widerstand, welcher nichts weniger als modern gekleidet. Sommerpaletot, Umtreten, auch wenn sie die gegentheiligen wären. Seine während der Dauer einer Oceanfahrt ganz beträchtliche hängetäschchen, Stock." Menschen haben mehr Spiritus als Fleisch. Sie sind Zeitverluste bewirkt. Ein großer Theil der Maschinenkraft mehr wandelnde Grundfäße und als solche sicher hoch geht also für die Schnelligkeit des Dampfers ungenüßt nteressant, aber wer sich rein aus ihnen ein Bild von den verloren und wird nur dazu verwendet, den Widerstand wirklichen konftruiren wollte, würde denn doch wohl sehr der Masten gegen die Luftströmung zu überwinden. So bald merken, wie entseßlich einseitig und schief dieses ge- werden die Kosten des Betriebes durch die neue Einrichtung verringert. Und nun gar erst Helene! „ Ihre große, ein wenig zu starke Gestalt, die Frisur ihres blonden, ganz ungewöhnlich reichen Haares, ihr Gefichtsausdruck, ihre moderne Kleidung, ihre Bewegungen, ihre ganze Erscheinung überhaupt, verläugnen das Bauernmädchen nicht ganz." worden ist. Nicht minder kräftig hat der Dichter seine übrigen Weiter in Betracht könnte hier vielleicht auch noch Wesentlich billiger wird aber dieser Betrieb noch durch " Menschen" umrissen. " Hoffmann ist etwa dreiunddreißig Jahre alt, schlank, Tolstoi kommen. Und in der That ist denn auch seine folgenden Umstand: Ein Schiff der alten Bauart, mit groß, hager. Er kleidet sich nach der neuesten Mode, ist„ Macht der Finsterniß" ein schöner Ansatz gewesen. Aber Masten, Raaen und Segeln, bedarf einer bedeutenden Anelegant frifirt, trägt kostbare Ringe, Brillantknöpfe im Vor- mehr auch nicht! Durch die sämmtlichen Werke seiner zahl gelernter und erfahrener Matrosen. Gelernte Mahemd und Berloques an der Uhrkette. Kopfhaar und legten Periode merkt man zu sehr des alternden Dichters trosen beanspruchen aber auch bedeutend höhere Heuer, als Schnurrbart schwarz, der letztere ſehr üppig, äußerst sorg- pädagogische Absichten durch. Tolstoi sucht seinen Bauern gewöhnliche Arbeiter. Die neue Bauart der Dampfer sett fältig gepflegt. Gesicht spiz, vogel artig, Ausdruck verschwommen, Augen schwarz, lebhaft zuweilen unruhig." gewissermaßen Moral mit der Knute beizubringen. Er an Stelle der theueren Matrosen den billigen und Das Porträt des alten Bauern Krause vollends ist will sie eben bessern um jeden Preis. Und sei's auch um abhängigeren Arbeiter. Die vervollkommnete Technik schlägt den Matrosen ein wahres Kabinettstück! Zu Anfang des zweiten Aktes den, seine Kunst zu prostituiren! Seine letzten Arbeiten todt, macht ihn überflüssig. Die Schifffahrt ist großindumalt ihn uns der Dichter, wie er um die Morgendämme- sind kaum mehr als bloße Tendenzstücke gewesen. rung wie immer als leßter Gaft das Wirthshaus verlassen Gerhart Hauptmann ist an individuellen Anschau- striell geworden. hat und seine Tochter Helene, die bereits angstvoll auf ungen, Urtheilen, Absichten 2c. wahrscheinlich nicht minder ihn gewartet hat, ihn nun ins Haus zu ziehen versucht. reich. Allein, wozu sie uns geben? Er sagt: meine Aus der Welt der Produktion und Technik.*) Bauer Krause: Chat sich aufgerichtet, versucht gerade Ansichten sind nicht mehr werth als eure. Ich habe die wäre? Die Passagiertarife der europäischen Eisenbahnen. zu stehen, bringt mit einiger Mühe und unter Zuhilfenahme beider Wahrheit eben so wenig gepachtet wie ihr. Ich gebe euch Das„ Journal des Intérêts Maritimes" giebt eine lebersicht über Hände einen ledernen, stroßenden Geldbeutel aus der Tasche seiner nicht meine Ideen über die Dinge, sondern die Dinge die Passagiertarife in den verschiedenen Ländern Europas. In Hose. In dem ein wenig helleren Morgenlichte erkennt man die sehr schäbige Bekleidung des etwa 50 jährigen Mannes, die um selbst. Da sind sie und nun mögt ihr machen, was ihr Deutschland fährt man danach durchaus nicht billig, in allen Klassen Klaſſen nichts besser ist, als die des allergeringsten Landarbeiters. Er ist wollt. Ihr könnt fie diskutiren, ihr könnt sie sogar meinet- 3. B. theurer wie in Belgien und Desterreich. Uns interessirt aber im bloßen Kopf, sein graues, spärliches Haar ungekämmt und wegen verläſtern, aber ihr könnt sie nicht leugnen! Kann besonders folgende Feſtſtellung: Die erste Klasse deckt im allge= meinen durch ihr Erträgniß nur ein Sechstel(!) ihrer Kosten, die struppig. Das schmuzige Hemd steht bis auf den Nabel herab es einen Standpunkt geben, der eines Künstlers würdiger zweite deckt nur zwei Drittel, die dritte ergiebt um 15 Berzent weit offen; an einem einzigen, gestrickten Hosenträger hängt die ehemehr als sie fostet. Wo eine vierte Klasse eristirt, ergiebt sie mals gelbe, jetzt schmutzig glänzende, an den Knöcheln zugebundene Lederhose; die nackten Füße stecken in einem Baar gestickter Schlaf- Um noch einige rein persönliche Bemerkungen an das einen Ueberschuß von 26 Perzent(!!) Die ,, noblen" Lente schuhe, deren Stickerei noch sehr neu zu sein scheint. Jacke und Werk zu knüpfen, so möchten wir wohl die Gestalt Hoff- fahren also überall auf Kosten der so hart gebetteten" Weste trägt der Bauer nicht, die Hemdärmel find nicht zugeknöpft. mann's als die gelungenste bezeichnen. Wir wüßten ihm Passagiere dritter und vierter Klasse. Nachdem er den Geldbeutel glücklich herausgebracht hat, setzt er ihn Zeitungen. Das Land Europas, welches vermöge der Zahl mit der Rechten mehrmals auf die Handfläche der linken Hand, aus der gesammten modernen Literatur momentan nur so daß das Geld darin laut flimpert und flingt, dabei figirt er eine einzige an die Seite zu stellen, nämlich den Hjalmar seiner periodischen Druckschriften an der Spize Europas steht, ist seine Tochter mit laffivem Blicke.) Dohie hä!' s Gald is mei- Eckbal Ibsens, dessen Zeichnung dem Dichter freilich be- Deutschland( 5500 periodische Publikationen, wovon 800 tägliche), neee! hä? Me'chst a poar Thoalerla?" deutend mehr technische Schwierigkeiten bereitet haben sodann kommt England( 3000, darunter 809 tägliche), Frankreich Und Kahl- Wilhelm? Braucht der etwa minder stolz mußte. Um den Herrn Inschinnär" zu„ illustriren" hier*) Wir gedenken diese Rubrik stets regelmäßig fortzuführen ,. auf sich zu sein? Man nehme nur von seinem ersten nur folgenden ganz kleinen Zug! Er hat eben seinem D. Red. d.„ B.-Tr.". * * * * * * Elektrische Zentralstationen in Amerika. Nach dem Scientific American" sind jetzt mehr als 5600 Zentralstationen für elektrisches Licht und Kraftübertragung mit 210 000 Bogenlampen und 2 600 000 Glühlampen in den Vereinigten Staaten vor Amerika im Betriebe. Im letzten März betrug die Zahl der im Gang befindlichen elektrischen Straßenbahnen 59; weitere 86 waren im Bau begriffen. Die Zunahme des in elektrischen Unternehmungen angelegten Kapitals betrug im Jahre 1888 allein 300 Millionen werden. * * * Gewerkschaftliches, Vereine. ( 2819, darunter 700 tägliche), Italien( 1400, darunter 170 tägliche),| Gesellen ein nicht genehmigtes Flugblatt einhändigte oder dasselbe Desterreich- Ungarn( 1200, worunter 150 tägliche), Spanien( 850), vor der verschlossenen Thür zur Backstube niederlegte. Der StaatsRußland( 800), Schweiz( 450). anwalt beantragte gegen Pfeiffer, der zum Streitkomitee gehörte und Die Rohrleger Berlins bereiten für kommendes Frühjahr Die Summe der in Europa gedruckten periodischen Druck- in dessen Auftrage Brachmann die öffentliche" Verbreitung vorge- einen Streit vor. schriften beträgt 20 000; in Aften 3000, wovon die meisten in Japan nommen, 4 Wochen und gegen Brachmann 14 Tage Gefängniß. Die Kommiffion d. Berliner Bildhauer weist nochmals und Britisch- Indien; 200 in Afrika. Die Vereinigten Staaten er- Der Gerichtshof folgte aber den Ausführungen des Angeklagten darauf hin, daß überall sofort die neunstündige Arbeitszeit infl. reichen die Zahl von 12 5000 Zeitungen, Canada und Australien Pfeiffer und erkannte auf Freisprechung. Die vom Hofe nach viertelstündiger Frühstücks- und Vesperpause und die Lohnarbeit ge= je 700. der Backstube hinunterführende Treppe sei lediglich für die fordert wird. Wird eine fürzere Arbeitszeit nicht bewilligt, so ist In der ganzen Welt kommt ein Journal auf 82 600 In- Gesellen und Lehrlinge bestimmt und könne daher für ein dem sofort die Arbeit niederzulegen. Wird die Lohnarbeit verweigert, dividuen.( Livre, 10. Aug.) Publikum zugängiger, also öffentlicher Ort nicht angesehen gleichviel ob Stunden- oder Wochenlohn, so ist jedoch, wo der Er= folg ein zweifelhafter, von Arbeitseinstellungen vorläufig abzurathen, bis die nächste öffentliche Bildhauer-( Gehifen) Versammlung weiEin harmloses Flugblatt, in welchem zur Gründung teres beschließt. Kollegen! Jedes Resultat, jede Arbeitseinstellung eines Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter eingeladen wurde, hatte der muß uns aber berichtet werden. Die Kommission ist jeden Abend Arbeiter August Rosenow verbreitet, der auch als Verleger des zu sprechen in Keßtner's Restaurant, Annenstraße 16. Blattes gezeichnet hatte. Die Vertheilung hatte vor dem Schlesischen Busch in der Nähe der Anilinfabrik stattgefunden. Der Inhalt des sammelten sich am Montag Abend etwa der vierte Theil der Blattes war völlig unbedenklich; er bestand in weiter nichts als in hier beschäftigten, zirka 1000 Personen mochten es sein- im einer motivirten Einladung zur Versammlung. Rosenow wurde Schweizergarten, um von dem seitens der Lohnkommission aufgestellten aber wegen öffentlicher" Verbreitung eines nicht genehmigten Flug- Lohntarif Kenntniß zu nehmen und darüber zu diskutiren. Dieser blattes angeklagt. Die Entscheidung lautete auf 30 Mt. Geldbuße, Tarif schließt eine Erhöhung des Arbeitslohnes, der jetzt niedriger im Unvermögensfalle 6 Tage Haft. Da dem Verurtheilten seine steht als 1872, von 50 Pf. bis 1 Mt. für 1000 Stück Cigarren in Verhältnisse nicht gestatten, Revision einzulegen, so will er sich bei sich, so daß nach diesem neuen Tarif der Wochenlohn eines Arder Strafe beruhigen. beiters, da er etwa drei Mille in der Woche fertigen kann, um 1,50 Mt. resp. 3 Mt. steigen, also etwa 18 Mark pro Woche betragen würde. Alle Redner, die sich über die Vorlage äußerten, sprachen die Hoffnung aus, daß diese Forderungen, da sie doch so geringe seien, anstandslos bewilligt werden möchten. Schließlich erklärte die Versammlung sich mit dem vorgelegten Tarife einverstanden und verpflichtete sich, denselben in allen hiesigen Fabriken zur Durchführung zu bringen. Mark. * * * Selbst die Zahnstocherherstellung wird im Großen betrieben. Erscheint es uns schon unglaublich, daß eine große Fabrit sich nur mit der Erzeugung von Zahnstochern beschäftigt, wie dies thatsächlich in der Fabrik von M. Hutchinson in Sherbrooke ( Canada) der Fall ist, so sind wir noch mehr von der ungeheueren Quantität überrascht, die daselbst produzirt wird. Die Zahnstocher werden nach der Ill. Gewerbe- 3tg." aus dem Holze des Vogelkirschbaumes verfertigt. Die Pflanzer der Umgegend bringen die ungefähr 1 Meter lang geschnittenen Stämme in unbearbeitetem Zustande. Der frische Holzblock wird zuerst von der Rinde befreit und hierauf glatt abgedreht, beziehungsweise ab= gerundet. Nun wird er mittelst eines zu diesem Zwecke besonders fonstruirten Werkzeuges in Bänder geschnitten, deren Breite die Länge der Zahnstocher entspricht. Diese Bänder werden über eine Walze gerollt, durch Anwendung eines zweiten Werkzeuges an den beiden Rändern so verdünnt, wie es für die Spizen der Zahnstocher erforderlich ist, und schließlich unter einen Zylinder geführt, der mit 340 Messern bewaffnet ist und sich mit solcher Schnelligkeit dreht, daß es möglich wird, in einer Minute 600 000 3 ahnstocher zu schneiden. Die Fabrik ist also im stande, Millionen dieser tooth picks", wie man sie in Amerika nennt, zu erzeugen und könnte damit die Welt überschwemmen, wäre der Zahnstocher nicht ein Gegenstand, der nach einmaliger Verwendung außer Gebrauch gesetzt wird. Die massenhafte Fabrikation ermöglicht eine staunenswerthe Billigkeit, so daß man eine Schachtel mit 2000 Zahnstochern in Amerika für wenige Cents( 1 Cent 4 Pf.) bekommt. * * * Auflösung der Zahlstelle des Tischlerverbandes zu München. gk. Die Regierung von Ober- Bayern, zu München, Abtheilung des Innern hat entschieden am 13. September d. J.: Der deutsche Tischlerverband zu Stuttgart ist ein„ politischer" Verein, weil er die allgemeine Besserstellung der materiellen wirthschaftlichen Interessen des Arbeiterstandes im Wege einer geänderten Gesetzgebung und Verwaltung in den Bereich seiner Vereinsbestrebungen gezogen hat. Die Tabakarbeiter und Arbeiterinnen Berlins ver1. Spißig, Frankfurter Allee 193, Ecke Kronprinzenstraße; 2. Müller, Frankfurter Chaussee 3( Kronprinzen- Garten); 3. Paul, Rummelsburgerstraße( Deutscher Reichsgarten); 4. Susott, Frankfurter Allee 174( 3. Friedrich d. Gr.); während im Gegentheil Herr Kamler, Rummelsburg, Hauptstr. 11, 5. Peters, Rummelsburg( Kaffee Bellevue); sein Lokal zu jeder Angelegenheit hergiebt. Auch bei Tanzausflügen möge man das berücksichtigen. Unterstützungsbund der Hausdiener Berlins. Resultat der Vorstandswahl: Oswald Grauer, 1. Vorsitzender; Hermann Biersch, 2. Vorsiz.; Matull, 1. Schriftführer; Werner, 2. Schriftführer; Mohnke, 1. Kassirer; Langewisch, 2. Stassirer; Markgraf, Henkel und Keßlinke als Beisitzer. Oswald Grauer wurde zur Verwaltung des Bundesbureaus wieder gewählt. Die neubegründete Zeitung ,, Einigkeit", Organ der Hausdiener, wurde sehrgut aufgenommen und fand viele Abonnenten. Der gesellige Abend Wir können aus dem veröffentlichten Urtheil nicht ersehen, wurde zum Dienstag, den 22. Oktober, bestimmt. ob und wie die" Thatsache", daß der Tischlerverband im Wege In einer Volksversammlung in Friedrichsberg sprach der geänderten Gesetzgebung und Verwaltung" eine allgemeine am 1. d. M. der Kandidat für Nieder- Barnim, Herr Stadthagen. Besserstellung der materiellen wirthschaftlichen Lage des Arbeiter- Unter Verschiedenes kamen die dortigen Lokalverhältnisse zur standes im allgemeinen bezweckt hat, erwiesen ist. Wäre dieses Sprache, die, wie Herr Plasse ausführte, geradezu trostlose wären, erwiesen, dann freilich, aber auch nur dann wäre der Verband da den Arbeitern nicht einmal mehr zu Kassen und gewerkschaftNachdem die Zahnstocher getrocknet sind, werden sie von hierzu wirklich ein politischer Verein nach der heut rechtsgültigen Anschau- lichen Versammlungen geschweige denn zu politischen, eine Lokalität angestellten Mädchen verpackt, und zwar zu je 2000 in Schachteln ung der höchsten Gerichtshöfe. zur Verfügung stehe. Es wurde demzufolge ein aus der Mitte der von sehr starkem Papier. Zur Herstellung der letzteren dient eine Daß die Zahlstelle München ein selbständiger Verein gewesen, Bersammlung kommender Antrag afzeptirt, eine Kommisson von Maschine, die 60 Stück in der Minute liefert. Je 100 solcher folgert die Regierung aus den Thatsachen: erstlich aus dem etwas drei Mann für Friedrichsberg und Umgegend zu wählen, welche Schachteln werden in eine Holzkiste gepackt und nach allen Rich- sonderbaren Grunde, daß die Zahlstelle nicht vom Verbande die Regelung dieser Angelegenheit energisch in die Hand zu nehmen tungen versendet. gegründet, sondern aus freiem Entschluß der Verbandsmitglieder hat. Im Anschluß hieran theilen wir hier mit, daß folgende entstanden sei. Nach der Ansicht der Regierung von Oberbayern Wirthe ihre Lokalitäten den Arbeitern zu Versammlungen nicht müßte also die Gründung einer Zahlstelle so vor sich gehen, damit zur Verfügung stellen: sie nicht von vorne herein ein selbständiger Verein ist, daß der Verbandsvorstand die Ortsverwaltung ernennt und diese ernannte Ortsverwaltung dann, ohne eine besondere Versammlung zu berufen, Die Internationalität im Wirthschaftsleben. Der Mitglieder aufnimmt. Wenn Personen zusammentreten und sagen, am 10. September von New- York nach Liverpool abgefahrene eine wir gründen hier eine Verbandszahlstelle und präsentiren dem Dampfer England" hatte 1022 Stück lebendes Rindvich Zentralvorstande von uns gewählte Ortsbeamte zur Bestätigung, im Durchschnittsgewicht von 1400 Pfund per Stück, sowie 1700 o wäre dies schon eine selbständige Vereinsthätigkeit, die die Viertel geschlachtetes Rindvich an Bord. Es soll dies die Bahlstelle zum selbständigen Vereine macht. größte jemals von New- York aus verschiffte Ladung Rindfleisch sein. Es werden gegenwärtig aus den Häfen New York, Philadelphia, dauernde Vereinigung mehrerer Personen zur Erreichung Ein Verein ist bekanntlich eine freiwillig entstandene Baltimore, Boston und Montreal wöchentlich zusammen ca. eines bestimmten Zwedes unter gemeinsamer Leitung. 16 000 Stüd lebendes Rindvieh nach Europa verschifft. Der Vereinigte Staaten- Gesandte im Haag hat dem Auswärtigen Zahlstelle kann, wie wir glauben, unmöglich die dauernde Ver= Aus dem einmaligen Zusammentritt zur Gründung einer Amte in Washington mitgetheilt, daß die holländische Regierung einigung gefolgert werden, wenn die Mitglieder der Zahlstelle nicht mit der Absicht umgehe, sich durch hohe Zölle gegen die Einfuhr ferner auch eine selbständige Vereinsthätigkeit entwickeln. Eine von Brotstoffen aus den Vereinigten Staaten zu schüßen. Als solche Fortsetzung der Vereinsthätigkeit, also die Dauer der VerGrund für diese Maßregel wird angegeben, daß die Getreide- Pro- einigung, folgert das Erkenntniß daraus, daß die Zahlstelle am duktion Hollands infolge der Einfuhr amerikanischer Brotstoffe immer 27. April d. I., ferner 14. Mai und 9. Juli d. J. Mitgliedermehr zurückginge. versammlungen abgehalten hat. Die Abhaltung solcher selbständigen Mitgliederversammlungen, die von der Ortsverwaltung der Zahlstelle berufen werden, kann aber unmöglich schon an und für sich eine besondere Vereinsthätigkeit ergeben, es fommt ohne Zweifel darauf an, was in den Versammlungen verhandelt ist. Wenn hier befindet sich der unentgeltliche Arbeitsnachweis des Fachvereins der Arbeiterverband und Versicherungsgesellschaft. Die nur die inneren Verwaltungssachen des Verbandes erledigt sind, Polizeidirektion zu Potsdam gab der Zahlstelle des dortigen deut so würden die Versammlungen eine besondere Vereinsthätigkeit nicht Albumarbeiter Berlins nicht mehr Ritterstr. 34, sondern Adalbertschen Tischler- Verbandes unter Androhung der Auflösung ergeben können, vielleicht dann, wenn Sachen verhandelt wären, die ſtraße 4, bei Herſchleb, Abends 8-9, Sonntags 10-11 Uhr. derselben durch Verfügung vom 21. Februar 1888 auf, binnen acht die Verbandsverwaltung nicht berühren. Daß dies geschehen ist, 20. Oftober, Vormittags 10% Uhr, im Kurhaus Friedenau, für Wochen ihre staatliche Genehmigung nachzusuchen und den ist im Urtheil nicht festgestellt. Nachweis hierüber zu führen. Die Zahlstelle sei als eine Versiche= Gegen die fernere Ausführung der Oberbayrischen Regierung, Friedenau, Steglitz und Umgegend. Tagesordnung: 1. 3wed rungsanstalt im Sinne des Gesezes vom 17. März 1853 anzusehen. daß der Mangel eigener Statuten die Eigenschaft als selbst- und Ziele der gewerkschaftlichen Organisation. Ref.: Kollege Wiede Der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts entschied nunmehr: ständiger Verein nicht ausschließt, läßt sich nicht gut etwas ein- mann- Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches ErWeder die Entstehungsgeschichte der die Versicherungs- wenden. Es können Vereine sehr gut ohne geschriebene Statuten scheinen wird ersucht. anstalten betreffenden Geseze, noch sonstige Momente bieten gedacht werden. Rechtsfragen.*) * * Branche beschäftigten Berufsgenoffen beschloß, im nächsten Die Freie Vereinigung aller in der chirurgischen Frühjahre den neunstündigen Arbeitstag einzuführen. Den Mitgliedern des ,, Sozialdemokratischen Wahlbesonderen Nachricht, daß zur Entgegennahme von Beiträgen folvereins im vierten Berliner Reichstagswahlkreise" zur gende Zahlstellen bestehen: O. Heindorf, Langestr. 70; im Osten bei den Herren G. Tempel, Breslauerstr. 27 und und K. Scholz, Wrangelstr. 32. im Südosten bei den Herren G. Schulz, Admiralstraße 40 In diesen Zahlstellen werden auch zu jeder Zeit neue Mitglieder aufgenommen. Albumarbeiter Berlins! Seit Mittwoch, den 16. Okt., den Fachverein der Buchbinder und verw. Berufs= einen Anhalt dafür, daß der Gesetzgeber unter Versiche= Da das Urtheil der Regierung dem Urtheile des Verwaltungs- genossen. Montag Abend 9 Uhr Versammlung, Annenstr. 16. rungsanstalten auch solche Anstalten verstanden wissen wollte, gerichtshofes von Bayern unterliegen wird, so werden diese Punkte sämmtlicher Berufsklassen.( Verwaltungsstelle 3.) MitglieKranken- und Begräbnißkasse des Vereins welche ihren Mitgliedern zwar im Falle des Eintritts ge- noch besonderer Erörterung bedürfen, deren Ausfall für das derversammlung am Sonnabend, 19. Oktober, Abends 8 Uhr, in wisser Ereignisse regelmäßige Unterstüßung gewähren, eine Vereinsleben in Bayern ungemein wichtig ist. Verpflichtung hierzu aber nicht übernehmen. Eine Anstalt ist nur dann als eine Versicherungsanstalt 3entralvorstande eine Person ernannt wird, die in München Gürtler- und Bronzeurgewerbe beschäftigten Personen Die Münchener Polizeidirektion hat es gestattet, daß vom Wolff's Restaurant, Brunnenstraße 35a. Gäste willkommen. Kranken- und Begräbnißkasse für die im Berliner anzusehen, wenn sie sich verpflichtet, ihren Mitgliedern die Verbandsbeiträge in Empfang nimmt und die Leistungen des( Eing. Hilfskaffe 60.) Sonntag, 20. Oftober, Vorm. 10 Uhr, in Leistungen zu gewähren. Verbandes auszahlt. Das war nach den mitgetheilten Ürtheils Dies ist aber bei dem hier in Rede stehenden Verbande gründen selbstverständlich. den Zentral- Festsälen, Oranienstr. 180. Außerordentliche GeneralEs ist ja ausdrücklich gesagt, daß die nicht der Fall, und somit ist für denselben die staatliche Bahlstelle vom Vorstande gebildet werden könne; die am Orte versammlung. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Genehmigung auf Grund des Gesetzes vom 17. Mai 1853 anwesenden Mitglieder dürfen aber eine besondere Vereinsthätigkeit metallarbeiter( E. H. 29. Hamburg), Filiale Berlin 2. nicht erforderlich. nicht ausüben, d. h. sie dürfen keine besonderen Mitgliederversamm Sonntag, den 20. d. M., Vormittags 10% Uhr: Versammlung bei lungen abhalten, auch den Ortsvorstand nicht selbst wählen. Die neuen Verhältnisse der Auf§ 153 der Gewerbeordnung( förperlicher Zwang, Dieser Fall zeigt wieder, wie sehr man bemüht ist, die Ver- Rautenberg, Wasserthorstraße 58b. Drohung, Ehrverlegung oder Verrufserklärung durch Streifs) grün- ſammlungs- und Vereinigungsfreiheit der Arbeiter einzuschränken. Staffe werden erörtert. Verein der Filzs chuharbeiter und Berufsgen. dete sich eine Anklage gegen den Vorsitzenden der Lohnkommission Man mißt sie dabei mit ganz anderem Maß als die Unternehmer. der Maler und Anstreicher Berlins, Joseph Hohlwegler. Im Juni Es haben z. B. die Ofenfabrikanten und Töpfer meister im Montag, 21. Oft., Abends 8½ Uhr, in Zemter's Salon, Münzd. J. wurde ein Flugblatt der erwähnten Lohnkommission verbreitet, Frühjahr dieses Jahres einen Verein gegründet, der dasselbe für straße 11: Versammlung. Vortrag des Herrn Gottfried Schulz. in welchem unter Bezugnahme auf die Streitbewegung folgender fie bezweckt, was die Fachvereine für die Arbeiter bezwecken. Dieser Quittungsmarken werden ausgegeben. Aufnahme neuer Mitglieder. Unternehmerfachverein hat in seinen Statuten ganz ausdrücklich un- macher u. verw. Berufe. Am Sonntag, den 27. Oktober findet Verein zur Wahrung der Interessen der SchuhBaffus enthalten war: „ Stollegen! Wer feige von unserer Fahne weicht, ſchädigt zweifelhaft politiſche Zwecke, u. a. Einwirkung auf die vom Reiche das 2. Stiftungsfeit des Vereins in Heydrich's Sälen, Beuthstraße unsere gerechte Sache und bringt unauslöschliche Schmach abzuschließenden Handelsverträge, aufgenommen. Er hat Filialen, Nr. 20, statt. Billets, Herren 50 Pf., Damen 25 Pf., find in den über sein eigenes Haupt." Als verantwortlicher Verleger dieses Flugblattes hatte Hohl- auch in München. Diese Ortsvereine haben eigene Statuten, eigene stensen, Kronenstr. 26, Borchardt, Waldemarstr. 16, Will, Kottwegler gezeichnet. Vor dem Schöffengericht beantragte der Staats- Leitung, halten selbständige Mitgliederversammlungen ab, erheben anwalt 6 Wochen Gefängniß. Das Gericht erkannte auf 1 Monat und verwalten eigene Beiträge. Sie stehen unter einem Zentral- buſerdamm 6, Adamczak, Auguftr. 6a, Grünberg, Grünerweg 81, Gefängniß. Berufung ist angemeldet. organe. Das alles wissen die Behörden, welchen ja doch die sowie beim Vergnügungskomiteemitglied Kunze, Ruppinerstraße 2 Statuten und die Mitgliederverzeichnisse dieser Vereine, die be- zu haben. zwecken auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken, eingereicht sein Verein zur Regelung der gewerblichen VerOeffentliche Kollekten und Streiks. In dem einfachen müssen, aber keine Polizei und keine Staatsanwaltschaft stört diese hältnisse der Töpfer. Sonnabend, den 19. Oktober 1889: Bekanntgeben von Adressen, an welche Beiträge zu richten allen Gesezen Hohn sprechende Unternehmervereinigung. 1. Stiftungsfest im Schweizer- Garten( am Friedrichshain). Billets feien, tönne eine Kollekte im Sinne des Gesezes nicht erblickt wer- In Sachsen hat man diesem politischen Verbande ein Schlupf-( ür Herren 50 Pf., Damen 25 Pf.) sind zu haben bei den Herren ben, sondern darunter sei eine Sammlung von Haus zu Haus loch eröffnet, man hat ihm dort Korporationsrechte ertheilt, obgleich Richard Schulz, Chauffeestr. 84; Holz, Angermünderstr. 11; zu verstehen so entschied kürzlich wieder das Schöffengericht in die Lebensfähigkeit des Verbandes mindestens eine sehr zweifel- raffunder( Restaurant), Ziethen- und Schwerinstr.- Ecke; Hoffmann, Berlin in Sachen Cronheim u. Gen. Wir bemerken dabei gleich, hafte ist. zweifel- Frankfurter Allee 111; Werschke, Adalbertstr. 16 und im Arbeitsdaß gegen die gleiche Entscheidung in Sachen Schippel u. Gen. die In Preußen und Bayern giebt es solche Schlupflöcher im nachweis, Dresdenerstraße 116. Amtsanwaltschaft Berufung eingelegt hat. Vereinsgefeße nicht und die sächsischen Korporationsrechte decken hier( E. H. 3. in Hamburg.) Dertliche Verwaltungsstelle Berlin A. -Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler 2c. nicht gegen die Uebertretungen der Geseze, doch fährt man fort, Die öffentliche Verbreitung von Flugblättern bedarf hier diesen ungesetzlichen Verband weiter unbehelligt zu dulden, Durch Beschluß der Mitglieder= Versammlung sind folgende Bahlim Berliner Belagerungsgebiet bekanntlich der behördlichen Geneh- während man Arbeitervereine auf das härteste mit den dehnbaren ſtellen verlegt worden: von Wrangelstraße 86 bei Aurus nach migung. Bei Ausbruch des Bäckerstreikes wurde der Bäckergeselle Bestimmungen der Vereinsgeseze beschränkt und unterdrückt. Diese Cuvryſtraße 16 bei Ziemer; von Reichenbergerstraße 71 bei 3y= Ernst Brachmann dabei betroffen, als er im Norden der Stadt eine ungleiche Handhabung der Geseze ist nicht sehr geeignet, das Rechts- linsky nach Forsterstraße 45 bei Linke; von Lausigerstraße 9 bei Bäckerei nach der anderen aufsuchte und den daselbst anwesenden gefühl im Volfe zu heben. * * * * * * *) Zum Theil wegen Raummangels verspätet. D. Red. Wäßerich nach Görligerstraße 58 bei Tolksdorf. Der Arbeits- Nachweis des Fachvereins der Schlosser befindet sich für den Süden Dresdenerstr. 116 bei Gründel, für den Norden Anklamerstr. 49 bei Nürnberg. Verein der Klempner Berlins. Arbeitsnachweis bei Stramm, Ritterstraße 123. -Der unentgeltliche Arbeitsnachweis für Klavier arbeiter befindet sich vom 20. Oftober ab Naunynstr. 78 bei Winzer. Die Adressenausgabe findet jeden Abend von 8-9/ 2 Uhr und Sonntags Vormittags von 10-11 Uhr, sowohl an Mitglieder wie an Nichtmitglieder unentgeltlich statt. Sozialdemokratischer Leseklub„ Lessing". Jeden Montag Abend 9 Uhr im Restaurant Leonhardt, Wallstraße 20, Vorlesung und Diskussion. Freireligiöse Gemeinde. Rosenthalerstr. 38, Sonntag, den 20. Oktober, Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn H. Walter, über:" Gott als Weltursache." Montag, 21. d. M., Abends beschließende Gemeinde- Versammlung. Literarische s. Ein sozialistischer Roman( Looking Backward), von E. Bellamy, von dem wir in Heft 1 der Arbeiter- Bibliothek" einen furzen Auszug gaben, ist in Amerika bisher in 112 000 Exemplaren abgesezt worder. So behauptet das Blatt„ Correspondent". Briefkasten. Alle Geldsendungen n. geschäftlichen Mittheilungen find an die Expedition, nicht an die Redaktion zu richten. Wir bitten, darauf mehr als bisher zu achten, da sonst Verzögerungen unausbleiblich sind. Löbau. Uns nicht bekannt. Besten Dank. Zimmerer. Muß übersehen worden sein. Thulmann. Wir kenren ihren Spediteur nicht, an den Sie sich wenden müssen. Wenn Sie tägliches Blatt und Wochenblatt zusammen bringen lassen, kann kaum eine Verspätung eintreten. Das Wochenblatt allein zu bringen, hält mancher Spediteur nicht für lohnend. ( 30 Centimeter hoch.) Schnikel Das größte, was dem Menschen begegnen kann, ist es wohl, * * Rante. Reichstag. Die Wahlperiode dieses Reichstags läuft zwar erst am 21. Februar 1890 ab, aber es steht durchaus nichts entgegen, zur Herbeiführung eines bequemeren Wahltermins den gegen wärtigen Reichstag vorher aufzulösen. Bisher haben Reichstags- in der eigenen Sache die allgemeine zu vertheidigen. wahlen an folgenden Terminen stattgefunden: Konstituirender Reichs= tag 12. Februar 1867, erster ordentlicher Reichstag 31. Auguſt 1867, sodann Neuwahlen am 31. März 1871, 10. Januar 1874, Ich kenne jemand, der mehr Verstand hat als Bonaparte; 10. Januar 1877, 30. Juni 1878, 27. Oftober 1881, 28. Oktober mehr Verstand als alle Weltpiloten, die waren, sind und sein wer= 1884, 21. Februar 1887. Die Termine im Jahre 1867( zur Kon- den, nämlich: die allgemeine Ueberzeugung. Talleyrand. ftituirung) und 1871( nach dem Friedensschluß) waren durch die politischen Ereignisse, die Wahltermine von 1878 und 1887 durch Nur die„ Lumpen" sind Revolutionäre! Natürlich, mit einem die vorhergegangene Auflösung bedingt. Jedes Heft der ,, Arbeiterbibliothek" ist einzeln zu beschweren Geldfack auf dem Budel kannst du keine hohen Sprünge Feuerbach. ziehen und zu bestellen und für sich abgeschlossen. Ein Abonnement auf alle Hefte ist durchaus nicht nöthig. Krammetsvögel. Die Bestimmungen der Jagdgesetze sind verschieden. Oktober u. November ist meist überall freigegeben. Achtung! Das am 9. d. M. von der im Böhmischen Brauhause stattgehabten Volksversammlung gewählte Zentral- Wahlkomitee für die Berliner Kommunalwahlen fordert alle Wähler hiermit auf, fleißig zu agitiren. machen. * * * * * Es wäre nichts leichter, als die alte Zeit wieder herzustellen, und man braucht nur die öffentliche Meinung zu unterdrücken Kindern sagt man: Schwalben wären leicht gefangen, man braucht 2. Börne. ihnen nur Salz auf den Schwanz zu streuen. * * * Gedanken zu hemmen, dies Kunststück hat noch keine irdische Politik erfunden, ihr selbst wäre es auch sehr unzuträglich. Herder. * * * Es ist immer die Politik kluger Tyrannen gewesen, ihre geListen zu freiwilligen Beiträgen sind bei allen Mitgliedern waltthätigen Handlungen unter populären Formen zu verdecken. Macaulay. zu haben. Otto Kräfer, Kassirer, Otto Klein, Vorsitzender, Wasserthorstr. 20. Ritterstr. 15. Franz Tuhaner, Johann Gnadt, Otto Heindorf, Köpenickerstr. 24. Brunnenstr. 38. Langestr. 70. Aug. Wuttig, Franz Morbach, Laufizerplatz 3. Solmsstr. 2. Gyps- Büsten * * * Pharao befahl den Vögten, als Moses den Kindern Israels Freiheit predigte: man drücke sie mit Arbeit, daß sie zu schaffen haben und fich nicht kehren an" falsche" Rede. Der Kern davon scheint sich bis heute fortgeerbt zu haben. Spinoza. * * * Alles ist Schein in dieser( politischen bürgerlichen) Welt außer ihrem Elend. Feuerbach. ( 30 Centimeter hoch.) Lassalle, Bebel und Liebknecht, sauber ausgeführt, in weiß: pro Stück 50 Pfennige. Auch sind dieselben in allen Bronze- Arten, antik und vergoldet 2c. 2c. zu haben. Verpackung 50 Pf. bei Bezug von 10 Stück wird dieselbe nicht berechnet! Dazu passende Konsole à Stück 25 Pfennige. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. 50 GENERALFONDS BERLINER MAURER Quittungsmarken für Krankenkassen, Vereine etc. Beliebt zu Verloosungen bei Festlichkeiten. Freiw D. BERLINS fertigt an die Buchdruckerei von Maurer, Werner& Co. Berlin S., Sebastianstr. 72. 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Abonnements auf die Berliner Volks- Tribüne, Sächsisches Wochenblatt, Arbeiterbibliothek, Wahren Jacob, Liebknechts Fremd= wörterbuch, Geschichte der Erde 2c. nimmt stets entgegen und empfiehlt gleichzeitig Neue Welt- und Notizkalender Fr. Leuschke, Buchhandlung, Nr. 29 Langestraße Nr. 29. Für Alt- Glienicke nimmt Bestellungen auf die ,, Berliner Volks- Tribüne" ,, Berliner Arbeiterbibliothek" entgegen und versichert pünktliche Zustellung ins Haus E. Dieck, Alt- Glienicke, Rudowerstraße. Fachverein der Tapezierer. Montag, den 21. Oktober, Abends 8 Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorsitzenden, des Kassirers, Bericht der Arbeitsnachweis- Kommission und der Bibliothek. 2. Wahl des gesammten Vorstandes und der Revisoren. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Berliner Arbeiter- Bildungs- Verein. Dienstag, 22. Oktober, Abends 81/2 Uhr, im Schweizer- Garten, am Königsthor. Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Arthur Stadthagen über Conrad Müller bas Thema:„ An's Baterland, an's theure schlies Schkeuditz- Leipzig empfiehlt sich allen Arbeitervereinen, Krankenkassen u. s. m. Ausführung sauber und schnell. Preislisten gratis und franko. dich an. 2. Diskussion. 3. Allgemeines. 4. Fragekasten. Jedermann ist willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. Der Vorstand. J. A.: Hugo Lehmann.