Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Die Berliner Bolts- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Bfg. pränumerando( frei ins Haus). Einzelne Nummer 15 Pfg. Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis vierteljährlich 1 Mt. 50 Bfg.; eingetragen unter Nr. 867 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1889.) Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg. Inferaten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Ausgabe für Spediteure: Voltsblatt" Zimmer- Straße 44. № 50. Politische Rundschau. = Sonnabend, den 14. Dezember 1889. III. Jahrgang. Kolonialpolitik Ueberzeugung hereinhämmert, daß in seinem Kampfe gegen verhalten sich begreiflicher Weise noch sehr mißtrauisch zu und Geschichte. Zur Naturgeschichte des das feindliche Kapital der gegenwärtige Staat auf die diesem Beschlusse, besonders da er die Wiederanstellung der Antisemitismus VII.- Zur Frage der Frauen Seite des Feindes tritt. Sobald dann noch die Einsicht in folge des Streits gemaßregelten Bergleute mit keiner arbeit VIII.- Der Prozeß Guesde Protot. hinzukommt, daß der Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital Silbe erwähnt. Inzwischen ist die Nachricht eingetroffen, Die Berliner Stadtverordnetenwahlen. genau so wie in den Kohlengruben sich auch überall sonst daß der im Juni entlassene bekannte Streifführer Schröder Novelle von Mackay. Wahlstatistisches in Industrie und Landwirthschaft wiederholt, ist der Boden wiederum zur Arbeit in seiner alten Zeche zugelassen über die Sozialdemokratie. Sozialistische für die sozialistische Propaganda geebnet. Die Einsicht in wurde. Auch die übrigen Gruben scheinen alle diesem Spaziergänge. Gelogen wie gedruckt. jenen großen, allgemeinen Klassenkampf und die Erkenntniß Beispiele folgen zu wollen. Vor allem wird man nun Arbeiterpresse in Oesterreich.- Internationaler des Staates als eines Produktes der herrschenden Klassen, darauf zu achten haben, ob sich die Wiedereinstellung der Feiertag II. Aufruf der Fraktion. gehandhabt zum Schuße ihrer Interessen, müssen die früher Entlassenen nicht als ein bloßes Manöver entpuppt, Arbeiter bei dem heutigen Stande der Entwicklung unver- das man, sobald nur die augenblickliche Streifgefahr be= meidlich in die Arme der internationalen Sozialdemokratie seitigt ist, wieder rückgängig macht, indem man dann die treiben. Wie weit dieser Prozeß in den Kohlenbecken schon mißliebigen Leute unter irgend welchem Vorwande entläßt. vorgeschritten, werden die nächsten Reichstagswahlen zeigen. Die Bergarbeiter müssen, wenn sie ihren Willen durchDie ökonomischen Gegensäge, welche die herrschenden seßen wollen, immer gerüstet dastehen, um jeden Schlag Klassen durch möglichstes Entgegenkommen klüglich ver- der Besizer durch einen kräftigeren Gegenhieb zu pariren. Die Bestellungen müssen hier vor Monatsschluß tuschen sollten, werden durch thörichte Brutalität, die den Ihr Rechtsschutzverein bietet ihnen die dazu erforderliche bewirkt werden und können bei allen Postanstalten Arbeiter wie einen Knecht behandelt, noch künstlich verschärft. Organisation. des Reiches erfolgen( unter Nr. 867 der Zeitungs: Nach tapferer Gegenwehr, die von hochherzigem Solidaripreisliste für 1889). Die Besißenden selbst aber tragen die Schuld, wenn Die Kreuzbandabonnenten bitten wir wo es irgend angeht, vom 1. Januar an direkt von der Postanstalt zu beziehen. ab ein Zur Beachtung! Wir bitten nun alle, die vom nächsten Jahreswechsel vollständiges Exemplar reservirt Gebundene Eremplare die vielfach gewünscht wurden find wir nicht in der Lage zu liefern. Zahlreichen Bestellungen entgegensehend Der Verlag der Berliner Volks- Tribüne". Kolonialpolitik und Geschichte. Die Zeitung muß dann bei der betr. Postanstalt tätsgefühle, dieser ersten Tugend des modernen Proletariats der ökonomisch nothwendige Klassenkampf einst mit blinder, abgeholt werden. Gegen 15 Pfg. Aufgeld pro Quarta! glänzendes Zeugniß ablegte, mußten die Bergleute schließlich alles zerstörender Wuth geführt werden sollte. Welcher liefert aber der Briefträger auch frei in's Haus. doch den Nacken beugen und die färglichen Zugeständnisse, Haß zittert schon jetzt in den Reden jener armen Bergleute, Wo Kreuzband aus besonderen Gründen weiter gewünscht wird, erbitten wir umgehende Nachricht; zu denen sich die Herren Grubenbesizer nothgedrungen die so wenig verlangen und troßdem so lang als möglich sonst nehmen wir an, daß direkte Bestellung bei der Post herbeiließen, mit Demuth annehmen. Damals schrieb die überall mit Hohn zurückgewiesen werden. Und wie wird erfolgt ist und senden daher vom 1. Jannar ab nicht Nationalzeitung, die Arbeiter sollten doch um Gotteswillen es erst in der Seele der Gemaßregelten aussehen, die von weiter. sich nicht um die vielerlei Klauseln ängstigen, welche die der Uebermacht des Kapitals aus ihrer alten Heimath in Kohlenbarone in ihren Friedensbedingungen angebracht die Welt geftoßen werden? Wird nicht ein jeder von hätten, mit Vertrauen könne man zu ihnen aufblicken, die ihnen fühlen und denken, wie Stephan in Germinal dem öffentliche Meinung von ganz Deutschland werde eifer- gewaltigen Arbeiterromane Zolas? Als dieser, der die Es ist neuerdings mehrfach von Vereinen, Lesezirkeln süchtig darüber wachen, daß jene Herren mit ihrer neuer- streikenden Kohlenleute des Voreux führte, besiegt, ge= u. s. w. beschlossen worden, die bisher erschienenen Jahrgänge der langten Macht keinen Mißbrauch trieben. Nun, die schlagen aus dem Bergwerk schied, da, hörte er, über die „ Volkstribüne" ihrer Bibliothek einzuverleiben. Zu Arbeiter, welche ihre Patrone besser kannten, werden wahr Halde schreitend, tief unter seinen Füßen lange noch die unserem Bedauern mußten wir alle diese Bestellungen unerfüllt scheinlich des Glaubens und Vertrauens gleich im Anfange fleißigen Hauen klopfen. Alle Kameraden waren dort, belaffen, weil die Mehrzahl der früheren Nummern vollständig ver- sehr ermangelt haben, und mit Recht. Daß in diesen gleiteten seine Schritte mit grüßend mahnendem Tone. griffen war. Tagen die Gefahr eines neuen, allgemeinen Kohlenstreiks Unter dem Kornfeld, unter den Hecken pochte es leis. auftauchte, hatte seinen Grund einzig und allein in der und immer und immer pochten die Kameraden, deutlicher, grenzenlosen Rücksichtslosigkeit, mit welcher die siegreichen näher dem Boden. Unter dem flammenden Licht der wünschen, uns dies umgehend mitzutheilen. Wir werden Grubenbesitzer ihre Gewalt ausbeuteten. Trotz aller gegen- Sonne, an diesem jugendfrischen Morgen des Keimmonats dann bei jeder Nummer sofort die entsprechende Zahl von Grem- theiligen Versicherungen wurden die Führer des Streiks quoll es dämmernd empor. Männer wuchsen dort unten, plaren zurücklegen. Nur Bestellungen, die vor dem 1. Januar gemaßregelt, man kündigte ihnen, und keine Grube nahm ein schwarzes Racheheer keimte unter den Fluren für die eingehen, fönnen sichere Erledigung erwarten. Wir berechnen das sie wieder auf. Die Sperre ging aber noch weiter. Da Ernte des nächsten Jahrhunderts; bald wird es aufbrechend Halbjahr mit Mt. 2,50. sich die Kohlennachfrage seit dem großen Streik dauernd den Boden zerbersten." gehoben hat, derartig, daß die Bergwerksaktien an der Börse mit unglaublicher Schnelligkeit stiegen, hätten auch die kümmerlichen Löhne, bei völliger Freizügigkeit der Arbeiter, leicht gehoben werden können. Doch die Kohlen- × Wenn die herrschende Macht mit den wahren Injunker wollten den ganzen Gewinn für sich allein, fie tereffen der Gesammtheit im Widerspruche steht, muß sie schlossen einen Bund, daß niemand von ihnen Arbeiter, darauf ausgehen, die Augen des Volkes zu blenden und die auf einer Zeche gekündigt hätten, in Dienst nehmen seinen Geist ron jeder nüchternen Ueberlegung der eigenen sollten. Dadurch war die Freizügigkeit zu Ehren des Lage abzuziehen. Sie muß, wie ein geistvoller Psychologe × In der Rheinisch- Westfälischen Kohlenindustrie Profits im rheinisch- westfälischen Kohlenbezirk beseitigt. in der Nation" bemerkt, die Gedankenwelt ihres Volkes will es noch, immer nicht ruhig werden. Man kann dort Eine Grube mochte noch so niedrige Löhne zahlen, der mit den Lebensschicksalen der Nationalhelden, mit den wieder einmal recht deutlich sehen, wie es die Verhältnisse Arbeiter konnte nicht fündigen, weil er troß der günstigen mythischen und halbmythischen Heldenthaten und Anekdoten selbst sind, welche die Massen in die sozial- polieische Be- Marktkonjunktur, die überall auf eine Betriebsvermehrung von Fürsten und Heerführern überschwemmen, fie muß das wegung hereinziehen und sie schließlich in das große in den Gruben hindrängte, nirgends mehr Anstellung ge- Ohr mit Orgelton und Glockenklang oder mit TrompetenSammelbassin der sozialdemokratischen Arbeiterpartei treiben. funden hätte. geschmetter und Trommelwirbel oder mit dem Donner der Gegenwärtig wird von keiner Seite mehr ernsthaft be= Wie elend auch die Lage und wie zweifelhaft die Kanonen betäuben, sie muß das Auge mit goldprunkenden zweifelt, daß der kolossale Kohlenstreik des Frühjahrs Aussicht auf eine erfolgreiche Streikbewegung in dieser Krucifiren und Kirchenbannern und der Pracht der Katheohne jede politische, von Außen hereingetragene Agitation ungünstigen Jahreszeit war, die Bergleute wollten sich dralen oder mit dem Gepränge vielfarbiger Uniformen durch den bloßen Druck der wirthschaftlichen Lage entstand. dieses Maß der Vergewaltigung doch nicht gefallen lassen. und Livreen, mit goldstroßenden Galakutschen und patrioWäre von vornherein so etwas wie sozialdemokratischer Sie drohten, falls nicht die Sperre aufgehoben würde, tischen Illuminationen bezaubern." Nur von diesem allGeist in der verzweifelnden Bergwerksbevölkerung gewesen, ihre Arbeit von neuem niederzulegen. Die Drohung gemeinen Standpunkt aus, läßt sich auch die heutige Koloman hätte doch nimmermehr die bekannte Deputation au wirkte, denn die Börse beantwortete sie mit einem höchst nialpolitik verstehen; auch sie ist nur ein Glied in der den Kaiser geschickt. Der ganze Verlauf des Streiks muß energischen Preisfall der Kohlenpapiere, welcher auf die Kette, mit welcher man die Massen an den Triumpfaber mit Nothwendigkeit das noch fehlende allgemeine Herren Grubenbesizer sehr ernüchternd wirken mußte. Die wagen der Reaktion fesseln will. Mag noch so oft nachArbeiterklassenbewußtsein unter den Kohlenleuten angefacht kolossalen Verluste, die ein Massenausstand gerade jetzt gewiesen werden, daß die Landstrecken, welche wir in Afrika, haben. Die Soldatenpatrouillen im Dienste der Unter- verursacht hätte, stiegen alsbald drohend vor ihrer in Neuguinea, auf Samoa 2c. besigen, werthloser Plunder nehmer und die Salven, welche ohne Sühne auf eine Phantasie auf und dämpften den Uebermuth. Die berg- find, der, ohne etwas einzubringen, uns viele Millionen wehrlose Bevölkerung abgegeben werden konnten, müssen baulichen Vereine von Essen und Dortmund beschlossen tosten kann, alles das wird an der einmal gewählten die Leute rascher über das soziale Königthum" aufgeklärt noch in letzter Stunde, daß die Sperre, soweit darunter Bolitik nichts ändern. Man will gewisse Kreise des Großhaben, als es die allerbeste sozialdemokratische Nebe vermocht eine Beschränkung von einer Grube abkehrender Bergleute kapitals durch eine solche Politik an sich fesseln, man hätte. Was etwa noch fehlte, das haben die gerichtlichen in der freien Wahl, sich Arbeit auf andern Gruben zu wünscht Beschäftigung für die Marine und rechnet darauf, Verfolgungen der Braven, die am Streik einen besonders suchen, verstanden werde, nicht mehr geboten sei." Sämmt durch erotische Großthaten den Chauvinismus der Massen thätigen Antheil genommen, nachgeholt. Nicht irgend liche in dem Bezirk liegenden Bechen sollen zur Aufhebung zu entflammen. Das erhebende Gefühl, nicht nur in welche logische Beweisführung, die Wucht der Ereignisse aller Vereinbarungen aufgefordert werden, die auf eine Europa mit Gewehr und Säbel zu exerciren, sondern auch selbst ist es, welche in den harten Bergmannsschädel die solche Beschränkung der Freizügigkeit abzielen. Die Arbeiter in allerhand abenteuerlichen Weltstrichen die deutschen Politische Uebersicht. Waffen herumzutragen, soll für eine wahrhaft volksfreund-| gekommen, so hätte diese nimmermehr mit solcher Ge-| Schäden. Gegenüber der mittelalterlichen Feudalverfassung. liche Sozialreform Ersatz bieten. schwindigkeit sich zu entfalten vermocht. Das Königthum stellt sie aber ebenso gewiß eine höhere Stufe der EntWenn aber heutzutage unsere Kolonialpolitik keine erkannte jedoch seinen sozialen Beruf", mit allen Mitteln wicklung dar. Die Beherrschung der Natur, der friedliche größere Beachtung als etwa die Reptilienpresse verdient, versuchte es die Fabrikanten- und Kaufmannsklasse groß Handelsverkehr des Weltmarktes und die Aufklärung der welche ja auch für denselben Hauptzweck arbeitet, so gab zu ziehen, Millionäre zu züchten, erschien ihm( nicht nur breiten Volksschichten konnten erst unter dem Kapitalismus es doch Zeiten, in denen die Kolonisation eine wirklich damals) als seine göttliche Mission. eintreten, sie werden, so hoffen wir, auch weiterhin den historische Bedeutung besaß. Nicht etwa, daß die Die Maßregeln, welche die Fürsten beim Uebergange Fortschritt der Menschheit ermöglichen. Als Hebel dieser Gründe, aus denen die Europäer in früheren Jahrhun in die neue Zeit und später anzuwenden pflegten, um den großen sozialen Bewegung gewirkt zu haben, derten den Wilden ihr Land fortnahmen und sie selbst Nationalreichthum", soll heißen den Reichthum ihrer das bildet die historische Bedeutung der ursprüngniederknallten, irgend einen idealen" Anstrich gehabt Kapitalisten, zu vermehren, faßt man unter dem Namen lichen Kolonialpolitik. Was sich heute in Deutschland hätten! Die schönen Redensarten von Ausbreitung des das Merkantilsystem zusammen. Der Staat untersagte so nennt, ist freilich nur klingende leere Schelle, ein nichChristenthums und der Zivilisation waren dazumal ganz alle Arbeiterverbindungen, er bestimmte, daß die Löhne tiger Ausputz der herrschenden„ reichsfreundlichen" Frak daffelbe wie heutzutage Sand in die Augen. eine gewisse niedrige Stufe nicht überschreiten durften und tionen. Aber der kolonisatorische Drang jener Zeit stand mit verhinderte die Auswanderung geschickter Gesellen, er wender damaligen wirthschaftlichen Entwickelung im innigsten dete den großen Manufakturen direkt Geldmittel zu, oder Zusammenhange, er war ein Erzeugniß der großen, da er suchte die Ausfuhr ihrer Produkte durch Prämien mals sich befreienden sozialen Kräfte, wie er andererseits kohnender, ihren Absah im Lande durch das Verbot fremder auch wieder als Mittel wirkte, um die Befreiung dieser Waareneinfuhr umfangreicher zu machen. Mittelchen, die Kräfte rascher zu vollziehen, den Fortschritt aus den ver auch im neuen deutschen Reiche, dem gelobten Lande der rotteten Feudalzuständen der Vergangenheit in die bürger- Sozialreform", zum Theil nicht gänzlich unbekannt sein liche Gesellschaftsordnung zu beschleunigen. Das darf man sollen. Bur Naturgeschichte der antisemitischen Bewegung. VII. v- n. Die geschilderten wirthschaftlichen Faktoren, welche der antisemitischen Bewegung eine geneigte Menschenmasse geschaffen haben, werden noch ergänzt durch eine den Natio= über den unsäglichen Infamien, von denen die Besitz- Die Kolonialpolitik war ein Hauptglied dieses Mer- starke reaktionär- geistige Strömung ergreifung der neuentdeckten Länder überall begleitet war, tantilsystems. Spanien und Portugal, Holland und Eng- nalitätsgedanken, wie er heute in Deutschland bereits nicht vergessen. Die nichtswürdige Vergewaltigung der land, all' die Regierungen der vorgeschrittensten Staaten, in seine Karrikatur umgeschlagen ist. Eingeborenen haftet als unauslöschlicher Schandfleck auf suchten möglichst weite Gebiete der neuentdeckten Länder Ausgehend von der Bourgeoisie aller Kulturländer, der europäischen Geschichte, aber der verkennt die damalige zusammenzuraffen, in der Meinung, daß sie durch Aus- ganz besonders aber Deutschlands, hat die nationale Strö Bewegung vollkommen, welcher wähnt, mit diesem morali- pressung und Versklavung der Eingeborenen oder durch mung auch einen großen Theil derjenigen in ihren wilden schen Urtheil ihre historische Bedeutung erschöpft zu haben. Ausnußung der Goldminen dort die herrlichsten Reichthü- Strudel hineingezogen, welche sich in einem allerdings unDas feudale Mittelalter zeichnet sich im Gegensate mer gewinnen könnten, Reichthümer natürlich nur für die bewußten wirthschaftlichen Gegensatz zur Bourgeoisie be= zu der modernen Gesellschaft, durch eine starke wirthschaft- Kasse der Regierungen und ihrer Kapitalisten. An die finden. Die Bourgeoisie bedarf für ihre Interessen auf liche Seßhaftigkeit aus, die nicht in der besonderen Ge- Völker dachte fein Mensch. Adam Smith berechnet noch wirthschaftlichem Gebiete des Internationalismus, auf pomüthsbeschaffenheit der damaligen Menschenwelt, sondern kurz vor Abfall der Vereinigten Staaten, daß die Aus- litischem die Nationalität. Die Ursachen für diese sich legten Grundes in den ökonomischen, materiellen Verhält- gaben, welche England im Interesse dieser so hoch blühen- scheinbar widersprechenden Thatsachen hier anzuführen, nissen begründet war. Die weitaus überwiegende Masse den Kolonie zu tragen habe, die Einnahmen aus ihr weit würde uns zu weit von unserem Thema abbringen. Wer der Bevölkerung lebte eben auf dem Lande, und was sie überſtiegen, und noch heute zahlt Holland z. B. für ein Augen hat zu sehen, wird die Thatsache selbst zugeben durch Anbau ihres Bodens an Nahrung gewann, ver- so fruchtbares Land wie Java Zuschüsse aus der Staats- müssen. Dieser Widerspruch darf nicht Wunder nehmen, zehrte sie unmittelbar selbst. Der Austausch der Waaren, tasse. Dafür blühte aber der Weizen der Großkapitalisten wenn man erwägt, daß der ganze Leib der bürgerlichen welcher heute einen allseitigen Verkehr nothwendig macht, um so üppiger, die Kolonien wurden großentheils an Gesellschaft von Widersprüchen und Gegensägen erfüllt ist. war damals wegen des Ueberwiegens bäuerlicher Produk taufmännische Gesellschaften verpachtet, die nun in scham Der nationale Gedanke war, wie jeder neue Gedanke in tion erst ganz schwach entwickelt. Der Art der Produktion loser Weise das Land ausbeuten konnten. So wurden in seiner Ursprünglichkeit einem revolutionären, den neuen entsprachen, wie immer, so auch hier die sozialen Macht- wenigen Jahren die größten Vermögen zusammengescharrt, wirthschaftlichen Interessen angepaßten Prinzip entflossen verhältnisse. Dieselbe leitende Stellung, welche gegen die dann nach Europa wandern und dort in Manufaktu- und hat früher in seinem mit dem Gedanken der Freiheit wärtig das Großkapital einnimmt, fiel damals dem länd- ren angelegt werden konnten; alles zu höheren Ehren des durchwebten Gewande einen wesentlichen Einfluß auf die lichen Adel zu. Der moderne freie und befißlose Arbeiter, Nationalreichthums"! neue Gestaltung der Dinge gehabt. Er hat Italien zu welcher seine Kraft von Tag zu Tage auf dem Markte Weitere Vorspanndienste leistete die Kolonialpolitik einem Einheitsstaate umgewandelt, er wurde von Napoleon feilbieten muß, und in den Fabriken die Massenprodukte dem jungen Kapitalismus dadurch, daß sie dem Kauf dem Dritten sogar als Feigenblatt für seine intriguante zum Verkaufe auf dem Weltmarkt herstellt, er, der heute mannsstande des Mutterlandes das Handelsmonopol für Politik benußt, er hat das moderne Deutschland geschaffen alle Reichthümer schafft, hatte in der feudalen, für den die Kolonien sicherte. So mußte z. B. das englische und wesentlich beigetragen zu der Ausdehnungspolitik Selbstbedarf produzirenden Gesellschaft natürlich keinen Nordamerika, bevor es die Selbständigkeit erkämpft hatte, Rußlands. Allmählich entwickelten sich im Schooße dieser feudalen Gesellschaft aber die Kräfte, welche sie vernichten und die neue bürgerliche Gesellschaft herstellen sollten. Raum. Er wurde durch den Bauern vertreten, der freilich alle seine Waaren in England abseßen und durfte euro- Aber in dem Zeitalter des Dampfes und der Elektrinicht besiglos war, aber dafür Frohnden und Abgaben päische Produkte ebenfalls nur auf dem Wege über Eng- zität bedurfte dieser die Menschheit aufrüttelnde Gedanke von seinem Gütchen an die herrschende Klasse, den adligen land beziehen. Es liegt auf der Hand, daß eine solche nur einiger Jahrzehnte, um in seinem Antlig die Züge der Grundbesizerstand, zu entrichten hatte. Die Verschieben- Handelspolitik die Anhäufung großen privaten Reichthums Greisenhaftigkeit zu zeigen und zu einem Zerrbild seiner heit zwischen dem Abhängigkeitsverhältniß des Bauern und damit die Ausbreitung der kapitalistischen Produktion frischen Jugend zu werden. und des modernen Arbeiters spiegelt die Verschiedenheit äußerst beschleunigen mußte. Die Ausbeute der über- So lange der Nationalitätsgedanke in der Studirstube der mittelalterlichen und der modernen Produktionsbedin- seeischen Goldminen, welche den Werth des Geldes im des Gelehrten und dem Herzen des Philantropen als theo gungen wieder. Verhältniß zu den übrigen Waaren herabdrückte, trug retischer Wunsch und Gedanke verblieb, hatte es den Angleichfalls viel zum schnellen Siege der neuen Gesellschafts- schein, als ob er in seinem Schooße eine neue, glücklichere ordnung bei. Welt trage. Sobald er aber in der rauhen Luft der Und noch aus anderen Gründen entsprach das Kolo- Wirklichkeit in Aftion trat, zeigte er, wie bei den erwähnten Die Städte, emporwachsend aus den Niederlassungen nialsystem den Bedürfnissen der tiefgreifenden wirthschaft- Umgestaltungen, seine schwächliche, auf Kompromisse ange= entlaufener leibeigener Bauern, blühten immer mächtiger lichen Revolution. Das Kapital braucht Raum zu seiner wiesene Unnatur. empor und mit ihnen ein wohlhabender, tüchtiger Hand- Entfaltung. Der Handwerker des Mittelalters, der mit In allen Kulturstaaten ist der nationale Gedanke, werkerstand, der sich in festen Zünften organifirte. Der wenigen Gesellen arbeitete, konnte in einer zünstlerischen welcher dem Haupte der Demokratie entsprungen ist, zu Handel mit dem Orient nahm gewaltig zu, als die Kreuz- Organisation gedeihen, welche das Absatzgebiet der Waaren einem Hemmungsmittel der demokratischen Entzüge die Bahn gebrochen hatten, und einzelne der großen auf einen engen Umkreis einschränkte. Sobald aber der wickelung geworden; er hat die rothe Jakobinermüße ab= ftädtischen Kaufmannsgeschlechter gewannen enorme Geld- Großbetrieb in Manufakturen und später in Fabriken aufgeworfen und die Pickelhaube auf sein Haupt gefeßt. Aber summen durch ihn. Besonders rasch entfaltete sich die tam, da mußten diese Schranken durchbrochen werden. gerade in Deutschland, wo der nationale Gedanke während Geldmacht in den norditalienischen Städten, deren lang- Ueber die Grenze der Provinzen, ja über die der Staaten eines halben Jahrhunderts in den Gefängnissen geknebelt dauernder Kampf gegen die eroberungssüchtigen Hohen- und Erdtheile hinaus mußten Fabrikanı und Kaufmann lag, wo das Bürgerthum infolge der Kleinftaaterei an kaufen Zeugniß von ihrer Stärke ablegt. Es folgten vordringen, um Käufer für die gewaltige Masse ihrer Selbstgefühl und Mannesfinn viel eingebüßt hatte, hat sich die großen Entdeckungen: der Seeweg nach Ostindien ward Waaren zu suchen. Fortdauernde Erweiterung des Ver- der nationale Gedanke zur denkbar größten Bornirtheit gefunden, Kolumbus landete in Amerika. Das Schieß- fehrs und immer engere Verknüpfung aller Länder durch entwickelt. pulver beseitigte endlich auch die den alten Produktions- Handelswege, ist darum eine der nothwendigen Tendenzen Wie der Katholizismus des Mittelalters, als er auf bedingungen entsproffene Art der Striegführung, vor der der modernen Produktion. Während die kolonisatorischen der Höhe seiner Zeit stand, den Glaubenshochmuth, die Donnerbüchse der verbündeten Fürsten- und Bürgermacht Staaten allein sich selbst und ihre nationale Kaufmannschaft religiöse Intoleranz und die Pfaffenbornirtheit zu Tage sanken die Ritterburgen in Trümmer. zu bereichern dachten, haben sie durch ihre überseeischen förderte, so schlug auch der nattonale Gedanke, seitdem er Die neue Gesellschaftsordnung, die während der letzten Gründungen im Sinne des kosmopolitischen Kapitalismus auf der Höhe der Aktion sich befindet, in der berauschten Bourgeoisie zu nationalem Hochmuth und beschränkter Jahrhunderte überall in Europa fiegreich durchdrang, ist den Weltmarkt hergestellt. bekanntlich charakterisirt durch die kapitalistische Art der Ferner zog die Kolonisationspolitik viele Kriege der Denkweise um. Dem nationalen Gedanken hat die deutsche Bourgeoisie Produktion. Diese seßt aber einen beißlosen, freizügigen konkurrirenden Mächte mit einander und mit den aufArbeiterstand voraus, der unter dem Druck der Kon- rührerischen Kolonien nach sich. Im Interesse des sou- ihren Liberalismus in Religion und Politik geopfert, der kurrenz seine Kraft dem Fabrikanten verkauft. Ein solcher veränen Geldsackes wurde der Erdball von den vorge- nationale Gedanke hat den großen Sinn für die MenschStand wurde durch die Vertreibung der Bauern aus ihrem schrittensten Völkern mit Krieg überzogen. Es galt vor heit, wie er sich zur Zeit eines Lessing und Kant, eines Eigenthum geschaffen. Die adligen Herren fanden allmäh- allem vortheilhafte" Handelsverträge zu erobern, d. h Göthe und Schiller, eines Schlegel und Tied in dem gelich, daß sie mehr profitiren könnten, wenn sie das Land Berträge, welche die unterliegende Nation zwangen, ihre bildeten deutschen Bürgerthum lebendig geregt hat, zerstört, ihrer Hintersassen einzögen, es auf eigene Rechnung be nothwendigen Manufakturwaaren von dem Sieger zu be- der nationale Gedanke in seiner Ueberschwänglichkeit hat ftellten und die Ernte versilberten. Das römische Recht, ziehen. Und wie der Friedensschluß, so arbeitete auch der das deutsche Bürgerthum unfähig gemacht, über andere welches damals ausgegraben und von gefälligen Juristen Krieg an sich für die kapitalistische Entwickelung. Massen- Nationen objektiv zu urtheilen. Alles ist gut, was der im Sinn des Adels ausgelegt wurde, erleichterte den Raub lieferungen für die Armeen bereichern immer einige Wenige, Deutsche befißt, alles ist schlecht, was andere Nationen ihr beträchtlich. Die Reformation wirkte gleichfalls in der und zudem mußten die Fürsten das Geld zur Kriegführung eigen nennen, das ist der deutsch nationalen Weisheit. selben Richtung, dadurch daß sie den Fürsten die An- vom Kaufmanns- und Fabrikantenstande leihen. Der legter Schluß. Der Beginn dieser Krankheit der politischen Dents eignung der Kirchengüter unter evangelischer Maste er- amerikanische Unabhängigkeitskampf, eine unmittelbare möglichte. Die armen Bauern hatten auch hier die Zeche Folge der englischen Kolonialpolitik schnellte die Staats- organe fällt in die Zeit, da der nationalliberale Philister zu bezahlen. schuld des Mutterlandes allein um 2 Milliarden Mark in Kulturkampf" spielte und vom Miteffen aus der RegieAber mit der Herstellung der besiẞlosen freien" Ar- die Höhe. So wurde durch das System der öffentlichen rungsschüssel träumte. Seit dieser Zeit rutschte das deutsche beiterschaft ward erst eine der Existenzbedingungen kapita- Schulden die Gesammtheit der Steuerzahler dem Groß- Bürgerthum auf der schiefen Ebene nationalen Hochmuths listischer Wirthschaft erfüllt. Es kam vor allen Dingen fapital dauernd tributär gemacht. Jahr für Jahr hatte mit entseßlicher Schnelligkeit herab, und alle Zeichen sprechen. darauf an, daß sich nun auch das Kapital vorfand, um das arbeitende Volk der hohen Finanz die Zinsen ihrer dafür, daß es bereits unten angelangt ist. große Manufakturen anzulegen und dort jene von Haus riesigen Vorschüsse zu entrichten. Es liegt in dem Wesen eines so beschränkt ange= Die Rothschild und und Hof vertriebenen Massen zu beschäftigen. Und das Bleichröder find nothwendige Produkte einer kriegerischen wandten Nationalitätsgedankens- den übrigens die jüdischen Rapital war vorhanden, der in den Städten von Hand- Regierung. Rapitalisten bis in dieselben undefinirbaren Lächerlichkeiten wertern und Kaufleuten gesammelte Reichthum drängte be- Die moderne Gesellschaft, an deren Etablirung also theilen daß er exclusiv und intolerant macht. Die ganze gierig zu der neuen Erwerbsgelegenheit. Wäre aber die die Kolonialpolitik des 16., 17. und 18. Jahrhunderts politische Blindheit, die wir so oft zu unserem Erstaunen ftaatliche Gewalt der neuen Kapitalmacht nicht zur Hilfe mächtig mitgewirkt hat, fiecht unzweifelhaft unter argen an dem deutschen Bürgerthum wahrnehmen, steht in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Ausartung des nationalen Gedanken� Wir haben von den die Intelligenz des„nationalen" Bürgerthums vertretenden TageszeUungen, Wochen- und Monatsschriften gehört, daß die Franzosen und Schweizer „wilde Völker" seien, weil sie sich noch einen gewissen Liberalismus und ein bestimmtes Rechtsgefühl in der Po- litik bewahrt haben, wir haben gesehen, d>ß der Engländer, nicht minder„wild" wegen seines Liberalismus, im Namen des„nationalen" Gedankens allen möglichen Verhetzungen und Beleidigungen von Seiten der launisch lärmenden Presse ausgesetzt war, warum sollte der nationale Dünkel Hall machen vor dem Judenthum? Der wirthschaft- liehe Konkurrenzneid, die soziale Noth des Kleinbürgerthums, die reaktionären Reminiszenzen aus mittelalterlicher Ber- gangcnheit sind durch den Kitt nationalen Dünkels zu einer einheitlichen Antipathie gegen die Juden vereinigt. Das Säuseln der Blätter in den urdeutschen Wäldern des Tacitus klingt dem Ohre des deutschen Philisters in der Gegenwart nicht minder lieblich als früher das Sturmes- gebrause der Freiheit. Dieser Zusammenhang zwischen Nationalitätsüber- schwänglichkeit und Antisemitismus ist ein so logischer, daß er von vorurtheilsfreicn Männern bereits vorausgesetzt wurde zu einer Zeit, da der Antisemitismus noch als Embryo im Schooße des Nationalitätsgedankens ruhte. Im Jahre 1874 schrieb der Demokrat Guido Weiß in seiner Zeitschrist„Die Wage":„Ihre(des Nationalibera- lismus) rüstigsten Wortführer jüdischen Stammes, welche einst, tief belehrt von der eigenen Väter Leid, heißen Her- zens die Thorheit und die Gefahr des beschränkten Ratio- nalitätsgcistes zu schildern wußten, sind jetzt grimme Ger- manen geworden und sehen in hochmüthiger Risches(Ex- clusivität) auf den verhaßten Franzmann herab, der ihnen einst doch so gutmüthig das Brod des Exils zu reichen hatte. O und dereinst wird er es ihnen viclleickt noch einmal zu reickcu haben, wenn erst die Saat, die sie jetzt so eifrig ausstreuen, in die Halme geschossen ist, wenn eest in deutschen Gauen das neucrstanvene Volk, aus seine Etammesreinheit stolz und eifersüchtig, jenes gewaltige Verdikt wieder anstimmen wird, dessen Kehrreim endet mit: Hep! Hep!" Den im Nationalitätsgedanken steckenden reaktionären Kern erkannten die„Staatsmänner" des neuen deutschen Reiches zu gut, als daß sie nicht mit Freuden ihre alte Rüstung des Partikularismus ablegten und im Schmucke des neuen Nationalitätsrockes einhcrschritten. Sie haben diese neue Staatsaussassung zwar nicht erdacht, aber sie zeigen sich als Meister in der Anwendung derselben für ihre politischen Bestrebungen, wie sie auch, obzwar sie nicht das Pulver erfunden haben, sich doch vorzüglich daraus verstehen, es ihren Zwecken dienstbar zu machen. Bis in die erste Hälfte der siebziger Jahre hatte das deutsche Bürgerthum, obzwar stets politisch unfähig und schwach, doch einen Theil der liberalen Staatsaussassung sich erhalten. Dieser Liberalismus zielte aus Einschränkung des absolutisch-konstitutionellen Cäsarismus und Beseitigung der militärischen Allgewalt des Staates hin, Bestrebungen, welche in Verbindungen mit dem Nationalitälsgedanken auftraten und der sich entwickelnden Omnipotenz des Staates im Wege standen. Den Feind mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, gilt bekanntlich für des Siegers höchsten Triumph. Wir wissen ja, wie oft das Won Bismarcks vom Tödtcn des Parlamentarismus durch den Parlamentarismus interprelirt und von„realen" Politikern bewundert worden ist. Wa- rum also nicht die liberale Anschauung, welche im Gewände des nationalen Gedankens auftrat, durch die nationale Phrase selbst tödten? Konnte es etwas leichteres für die Staatsgewalt geben, als das Bürgerthum, welches dem mit modernem Stuck verzierten Absolutismus ablehnend gegenüberstand, durch den Antisemitismus, den auf die Spitze getriebenen Nationalitätsgedanken gegen den Libera- lismus einzunehmen? Denn die Fortschrittspartei mußte, sollte sie sich selbst nicht aufgeben, an der Ausfassung von der Gleichheit Aller vor dem Gesetz festhalten. So war in dem Antisemitismus ein Keil gesunden, der in das Bürgerthum hineingeschlagen, den Liberalismus auseinander- reißen mußte. Das„Theile und Herrsche" zeigte auch hier wiederum seine folgenschwere Bedeutung. Damit wurde der Antisemitismus regierungsfähig und ein hervor- ragendes Mittel, die reaktionäre Staatsaussassung in das Bürgerthum einzuschmuggeln. Daher durfte der Antisemitismus nicht unabhängig und frei von allem Beiwerk in die politische Arena trete», er mußte als Bundesgenosse an der Seite der reaktionären Parteien kämpfen, und so wurde in der That ein großer Theil des Bürgerthums allmählich und unbewußt in die Sphäre der Reaktion hineingezogen. Zur Frage der Frauenardeit. Bon Klara Zetkin. VIII. Erst seit Entwickelung der Großproduktion taucht die Krauenfrage als Theil der sozialen Frage auf. Welche prinzipielle Bedeutung die industrielle Frauenarbeit hat, daß sie allein die Grundlage ist, auf welcher die Gleichberechtigung und Freiheit deS weiblichen Geschlechts errungen werden wird, erhellt aus dem Umstände, daß es schon früher—• z. B. besonders zur Zeit der Renaissance in Italien, im 17. und 18. Jahrhundert in Frankreich— Frauen gab, welche ihrer geistigen Entwickelung nach durchaus auf der Höhe ihrer Zeit standen, ohne daß die Frage der Frauen- „emanzipation" erhoben worden. Dieselbe ward erst ge- schaffen, als die Masse der Frauen durch die wirthschaft- liehen Verhältnisse nicht mehr ökonomisch an das Zusammen- wirken mit dem Mann gebunden war, als das Weib nicht mehr als bloßes Rädchen in dem Mechanismus der Fa- milie erschien, sondern in den Stand gesetzt wurde, außer- halb der Familie, ohne Zusammenhang mit dem Manne ihre Existenz zu sichern. Die Lage der Frau, ihre größere Freiheit oder Un- freiheit steht in den innigsten Beziehungen zu den auf der Produktionsweise fußenden wirthschaftlichen Ver- hältnissen. Sie wechselt und ändert sich mit diesen und infolge dieser. Eine endgiltige Regelung der Stellung der Frau in der Gesellschaft durch ihre volle Emanzipation kann nur zusammen mit lder Regelung der wirthschaftlichen Verhältnisse durch die Emanzipation der Arbeit erfolgen. Die sozialen Zustände sind nicht von den ökonomischen zu trennen. Deshalb auch ist die Bewegung der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen so ohnmächtig, der Sache der Frauen- emanzipation zum Siege zu verhelfen. Dieselben können Bücher auf Bücher füllen über die intellektuelle(geistige) Bcanlagung, die gleiche Entwickelungsfähigkeit des weib- lichen Geschlechts, über die Nothwendigkeit, die Frau vor dem Gesetzbuch und in der Politik dem Manne ebenbürtig zu stellen, ihre Bewegung wird stets nur eine beschränkte agitatorische, ja sogar auch eine beschränkte prinzipielle Be- deutung haben. Für die Begründung der Forderung einer vollen Gleichstellung der Frau mit dem Manne braucht nicht einmal darauf verwiesen zu werden, daß dieselbe in künstlerischer und wissenschaftlicher Beziehung lSleiches mit diesem leisten kann. Die Forderung ist voll und ganz berechtigt, sowie die Masse der Frauen unab- hängig vom Manne das Dnrchschnittsquantum der gesellschaftlich nützlichen und nöthigen Arbeit leistet. Den Beweis für diese Möglichkeit haben die hundert- tausende von Fabrikarbeiterinnen erbracht, und mit ihrer Thätigkeit steht und fällt die Frage der weiblichen Gleichberechtigung. Praktisch und prinzipiell ist die in- dustrielle Frauenarbeit das wesentliche und ausschlaggebende Moment der Frage, das Thor, durch welches di: Emanzi- pation ihren Einzug hält. . Hätte die Form der Arbeit nichts mit der Frage der Gleichheit und Freiheit zu thun, so gäbe es auch keine Arbeitersrage im modernen Sinne des Wortes. Die Er- klärung der allgemeinen Bürgerrechte, der Gleichheit vor dem Gesetz, die Gewährung des allgemeinen freien Stimm rechts:c. hätten dieselbe als Kulturfrage gelöst. Nun giebt es allerdings Käuze genug, welche meinen, daß die Frau ihre Abhängigkeit vom Manne nicht als Fessel, als Demüthigung empfindet, weil ihr dieser dieselbe nicht fühlen läßt, dabei theilweise von der Liebe, theilweise auch von der Erkenntniß geleitet, daß das Wirken der Frau im Hause unentbehrlich und ebenso nütz- lich und werlhvoll ist, wie seine eigene Thätigkeit. In der Wirklichkeit stellt sich diese Voraussetzung in 99 auf 100 Fällen als nicht richtig heraus. Der Mann, welcher dem Gesetze und dem Vorurtheil nach ökonomisch und moralisch für die Frau verantwortlich, ihr natürlicher Vormund ist, wird auch die Herrschaft über dieselbe aueüben oder wenigstens auszuüben suchen. Bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten über Dinge und Vorgänge des Familienlebens, dessen Gestaltung, Beziehung der einzelnen Glieder des Haushaltes zu einander und zur Außenwelt, Erziehung der Kinder, Lebensgewohnheiten rc. werden es meist Neigungen und Ansichten des Mannes sein, welche den Ausschlag geben, ausgenommen wenn— wie dies oft der Fall ist— es die Frau verstanden hat, durch List und auf krummen Wegen zu erreichen, was ihr auf geradem Pfade nicht zugänglich war. Der Mann ist der Herr, weil er die Macht hat, d. h. weil die Frau ökono- misch von ihm abhängig ist. In tausend kleinen und großen Beziehungen fühlt die Frau die schweren Ketten ganz deutlich, welche ihr durch die ökonomische Abhängig- keil vom Manne angelegt werden. Sie erkennt, daß sie zeitlebens unter seiner Botmäßigkeit marschirt, und daß er, wenn er auch im guten Falle noch so tolerant, liebevoll und einsichtig ist, so doch ihr Herr bleibt, der eventuell ihr Wollen und Thun durch sein Veto lähmen kann. Die Mehrzahl der Frauen ist sich ihrer Abhängigkeit wohl bewußt, aber leider nehmen sie dieselbe als ein nicht abzuänderndes, unvermeidliches Uebel hin. Es geht ihnen in dieser Beziehung genau wie mit der Masse der noch nicht zum Klassenbewußtsein erwachten Arbeiter, welche auch ihre Lohnsklaverei, ihre materiell und sozial miserable Lage für ein nothwendiges Uebel halten, welche naiv genug sind, in dem Arbeitgeber,„der ihnen Brot ver- chaffl", ein Stück Vorsehung zu erblicken. Frauen wie Arbeiter haben allerdings einen mageren Trost für ihre Unterwürfigkeit: gelegentlich ihre Abhängig- keit poetisch verklärt und idyllisirt zu sehen. Eine ganze Reihe von Poeten, Schriftstellern, Malern rc. schwärmt von dem Glücke, welches die Armuth allein dem braven, genüg- samen Arbcitsmann giebr, von den patriarchalischen Be- Ziehungen, welche ihn mit seinem Brotherrn verbinden, sie beklagt den„armen reichen Mann", welcher unter der Last seiner Millionen seufzt. Tie Frau wieder wird um so mehr verherrlicht,„je länger ihr Haar und je kürzer ihr Verstand ist", je weniger Charakter und um so mehr Nachgiebigkeit sie zeigt, je unwissender sie über die Verhältnisse in sich und außer sich ist, aber um so vortrefflicher re die geschichtliche Mission des Strümpfestopfens erfüllt. In dem einen wie in dem anderen Falle läuft das Eia» popeia auf das Gleiche hinaus: durch schönklingende Phrasen die Geknechteten zu betäuben, daß sie sich um so geduldiger und bequemer versklaven lassen. In dem Maaße, als die Frau als selbständige Erwerber in auftritt, gewinnt sie dem Manne gegenüber auch an Unabhängigkeit. Jede Frau, welche durch ihren Verdienst zu den Kosten des Hausstandes beiträgt, weiß dies aus Erfahrung sehr gut. Sie ist nicht mehr eventuell für jeden verausgabten Pfennig, für jeden ohne Wissen und Billigung des Mannes gethanen Schritt ver- antwortlich. Ihre eigene Individualität gelang mehr zur Geltung, sie fühlt sich weniger vor dem Manne und mehr vor sich selbst verantwortlich, denn sie fühlt, daß sie auf eignen Füßen steht. Ihr Selbstvertrauen gewinnt da- durch bedeutend und in einer Menge von Beziehungen wird sie sich gewisse Freiheiten gestatten. Die Mehrzahl der Arbeiterinnen würden sich deshalb bei der Wahl, entweder ausschließlich im Hause oder für den Erwerb zu arbeiten, für das letztere entscheiden, wenn nicht die Frage über Pflege von Kindern eventuell anderen Bescheid veranlaßte. Ist diese Frage gelöst durch Organisation von guten Kinderbewahranstalten u.s.w., so werden sich die meisten Frauen zu gunsten der Berufs- arbeit erklären und zwar stets mit derselben Begründung: wir sind viel freier und unabhängiger, wir brauchen uns nicht in so vielem nach dem Manne zu richten. Zunächst bedeutet die erworbene Freiheit allerdings noch nicht, daß die Frau nur den möglichst geringen Theil ihrer Zeit und Kraft auf die Arbeil und den möglichst großen Theil davon für ihre Entwickelung, Erholung, Ver- gnügen, verausgaben kann. Die Botmäßigkeit unter das Joch des Kapitalisten, in welche sie geräth, hintertreibt dies. Dennoch ist unbestritten, daß sich ihre Stellung dem Manne gegenüber gehoben hat. Sie ist nicht mehr auf ihn angewiesen, sondern sie befindet sich in der gleichen Lage wie dieser, sie steht ihm nicht mehr als untergeordnet, sondern als gleichgeordnet gegenüber. Der Erwerb ver- leiht ihr eine bedeutend größere Bewegungsfreiheit, ein größeres Bestimmungsrecht nicht nur in bezug auf ihre eigne Person, sondern auch eventuell auf die ihrer Kinder. Die Frau des Proletariers, welche in der Regel für den Verdienst arbeitet, ist in der Folge meist unabhängiger vom Mann, nimmt ihm gegenüber eine ebenbürtigere Stellung ein, als die Frau des Kleinbürgerthums, welche für ihren Lebensunterhalt ausschließlich auf ihren Beruf als„Hausfrau und Mutter" angewiesen ist. Auch die Frauen des Geburls- und Geldadels besitzen in der Regel dem Manne gegenüber eine größere Bewegungsfreiheit als ihre Schwestern des Mittelstandes: ererbtes und durch Verträge gesichertes Vermögen, stipulirte Nadelgelder, ver- leihen ihnen ökonomisch die Unabhängigkeit vom Gatten, welche die Proletarierfrau durch ihre Arbeit in der Fabrik erwirbt. Der Prozeß Guesde-Protot. Marseille, Sonntag, den 1. Dezember. Gesten» spielte sich vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichle der Prozeß Guesde-Protot ab. Wie bekannt, hatte Protot, der unter sozialistischer Fahne gegen unfern Genosse Guesde im 2. Wahlkreise zu Marseille kandidirte, diesen auf die gemeinste Weise wäh- rend der Wahlkampagne verleumdet, und durch diese Ver- leumdungen sowohl als überhaupt durch seine Gegenkandi- datur als Sozialist unsere Genossen um einen Sitz in der Kammer gebracht und verhindert, daß der energischste, feu- rigste und befähigteste Vorkämpfer des französischen Sozia- lismus, Jules Guesde, von der Tribüne aus die Idee der internationlen Arbeiterbewegung verficht. Nur der Umstand, daß Protot einst Mitglied der Pariser Kommune war, konnte seinen Lügen Geltung ver- schaffen, in einer Stadt, in der weder er als Schuft, noch Guesde als makelloser Parteimann hinlänglich bekannt waren. Nie wieder wird sich Protot— von dem schon Blanqui sagte, überall wo er sei, sei auch Korruption— mit den erborgten und erschlichenen Federn der Kommune schmücken und Arbeiter belhören können. Der gestrige Prozeß hat ihn bei allen anständigen Leuten unmöglich ge- macht, zumal man auch in Erfahrung gebracht, daß er ziemlich intime Beziehungen zu dem Ministerium unter- hielt. Die Verleumdungen, die er gegen Guesde in die Welt setzte, sind fast unglaublich, so albern sind sie: Guesde, der nun schon seit 20 Jahren für den Sozialismus leidet, 'tehe im Dienste der Polizei, er sei preußischer Spitzel, werde von Bismarck besoldet, habe von„dem deutschen Lockspitzel Karl Höchberg"— der bekanntlich einer unserer edelsten Mitkämpfer war— Gelder zur Gründung der „Egalite" erhalten, sowie andere Gelder aus dem Rep- tilienfond u. s. w. Und wie ein echter Ehrloser betrug sich Protot auch vor Gericht: nachdem er eine Stunde lang vergebens versucht hatte, durch allerlei Kniffe und Winkelzüge(er ist !>ekanntlich Avvokat) das Gericht für inkompetent zu er- klären, verschwand er auf Nimmerwiedersehn aus dem Ge- richtösaale, und würbe nach einer langen, von allen Juristen bewunderten und durch ein umfangreiches Thalsachen- Material gestützten Rede des Pariser Deputirten und Ge- nassen Millerand, des Vertheidigers Guesde's, zu 100 Fr. Geldstrafe, 300 Fr. Schadenersatz, sowie zur Insertion des Irtheils in 5 Zeitungen verurtheilt, nachdem das ge- ammte Auditorium ihn schon bei seinem Rückzug ge- richtet hatte. Als wir ihm heute in einer Brasserie begegneten, zeigte er uns das cynischste Lächeln von der Welt. Seine Rolle ist ausgespielt. Bei den Stadtverordneten- Stichwahlen verschafften die Berliner Arbeiter folgenden Kandidaten den Sieg: 11. Wahlkreis Frik Zubeil, Tischler. 27. 35. " " Otto Heindorf, Restaurateur. Robert Herzfeldt, Ervedient. Es fizen nunmehr 11 von den Arbeitern Gewählte ,, Rothen" Hause. Gewerkschaftliches. Potsdam. Die zweite öffentliche Frauenversammlung fand| Anregung der Referentin traten auch die Franen für die Achtstunhierselbst am 2. d. Mts. statt und war wie die erfte außerordentlich denbewegung ein und wurden entsprechende Resolutionen angegut besucht, besonders von Frauen. Frau Ihrer referirte über die nommen. Frauenfrage und schlossen sich in der Diskussion sämmtliche Red- Bildhauer, Achtung! Kollegen! Die am 9. Dezember nerinnen dem Vortrag an. Am Schluß forderte die Referentin, gewählte Fünferkommission unterbreitet euch folgendes: Unser Kampf daß auch die Frauen den 1. Mai als Feiertag betrachten und bauert fort, die Rampfes weise ist nur geändert. Unterstützungen im gleich den Männern Kundgebungen für die Achtſtundenbewegung dauern fort, die Kontrolle ist von jetzt ab bei Sollege Wächter, veranstalten sollen. Da ein Wirth zu dieser öffentlichen Frauen: Schinkestr. 11, b. III, wohin auch alle Mittheilungen zu richten versammlung sein Lokal verweigert hatte mit der famosen Begrün- sind. Wo keine Werkstattlisten eingetroffen sind, bitten wir die Koldung, daß unter den die Versammlung besuchenden Arbeiterinnen legen, die Beiträge( 25 und 50 Pf.) bei uns abzuliefern, Dienstag welche sein könnten, deren Moral" eine solche sei, daß sein Lokal und Sonnabend Abend Annenstraße 16. Wir nehmen jedoch in Zukunft darunter leiden müsse, traten darauf hin auch die Pots- nur Beiträge von bewilligten Werkstätten. Sperren werdamer Arbeiter der Lokalfrage näher, indem ein Komitee gewählt den ferner veroffentlicht. Kollegen! Wir zählen bei unseren Maßwurde, daß sich mit den Wirthen in Verbindung zu setzen hat. nahmen auf euch, thut eure Schuldigkeit! Die Kommission: Plage, Berlin. Eine öffentliche Versammlung der Damenmäntel- Reichenbergerstr. 140, Hof III; Schleupner, Mariannenstr. 34, schneider und Weißnäherinnen, in der Frl. Chaym über die Er- v. 4; Seidel, Fürbringerstr. 10, Hof 3; Wächter, Schinkestr. 11, werbsthätigkeit der Frau und das daraus sich entspringende Recht" v. 3; Weber, Dresdenerstr. 121, b. 3. referirte, fand am 2. d. M. in der Schönhauser Allee statt. Auf Luckenwalde. Der Streit der Hutarbeiter dauert fort, die Disziplin ist eine musterhafte, von den Abgefallenen sind wieder 20 zu den Streifenden getreten. Hilfe thut Noth, da alle Woche nahe an 5000 Mark Unterstüßungen ausgezahlt werden. Zuzug ist ftrengstens fernzuhalten. Alle Sendungen an W. Tinius und H. Baaz( Schwarzer Adler) Luckenwalde. Die Lohnkommission. Franz Beyer, Prinzessinnenstr. 15( am Moritzplatz) empfiehlt: Guten Thee- Rum: Fl. 2,00, 12 F. 1,00. Fein Rum 1/1 1,50, 1/2 0,80. Fein Ingwer, fein Luft 2c. pro Liter 1,00. Nordhäuser Getreide- Kümmel Märkischen Dopp. Korn Roth- und Portwein Ungarwein " " " " " " 0,70. " " 0,65. · " " 0,60. Fl. 1,50. Große öffentliche Volksversammlung des 3. Berliner Reichstagswahlkreises. am Dienstag, den 17. Dezember, Abends 8 Uhr, im Lokal Buggenhagen( Moritzplatz). Tagesordnung: Fachverein für Schlosser und Berufsgenossen. Montag, den 16. Dezember, Abends 82 Uhr, in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Tages- Ordnung: 1. Vorlesung: Das Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter im Lichte der Thatsachen. 2. Diskussion. 1. Die bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokratie. Ref.: Karl Wildberger. der Beiträge. 1/1 1/2 1,75. " 1,00. 2. Diskussion. " 1/4 0,50. 3. Verschiedenes. " Als schönstes Weihnachtsgeschenk passend empfehle ich allen Genossen und Freunden in sauber ausgeführter Einrahmung folgende Bilder: Laffalle u. Marg, Bebel und Liebknecht, P. Singer, Laffalle und Hasenclever als Präsident des Allgem. deutschen Arbeiter- Vereins. Besonders empfehlenswerth: Bronze- Büfte Laffalle in naturgetreuer Ausführung, ca. 40 Centimeter hoch. Ferner: Medaillons, Nadeln, Medaillen, Streichholzhülfen u. s. w. Neu: Sinnsprüche, sauber in Kannewa gestickt, find bei mir zu haben. Zahlreichen Bestellungen entgegenfehend Carl Scholz, Berlin, Wrangelstraße 32. Bestellungen nach auswärts brieflich. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Allen Männern der Arbeit emfehle mein Weiss- u. Bairisch- Bier- Lokal. Achtungsvoll W. Haugk, Weinstr. 22. Sumatra- Decke à Pfd. 2 Mark 2 Pfd. Deck: kraft, ebenso Rohtabak alle übrigen Sorten Rohtabake zu besonders billigen Preisen empfiehlt W. Lindenstädt, Landsbergerstr. 72, Brunnenstr. 134. Schönstes Weihnachtsgeschenk! Lassalle- Bierseidel pr. St. 4 Mt. Gravieren 30 Pf. versendet J. Seestaller, Zinngießerei, Hamburg, Poolstr. 7. Musikinstrumente. Allen Freunden und Genossen empfehle mein reichhaltiges Lager von Violinen, Flöten, Guitarren, Zithern, Harmonikas, Trom meln, Signalhörnern, u. s. m. C. Eibich, Instrumentenmacher. Koppenstr. 37. + Hafenclever's Vermächtniß! Verlag von E Thiele in Leipzig. Illustrirter Deutscher Jugendschak. Schönstes Weihnachts- Geschenk für deutsche Knaben und Mädchen, Jünglinge M und Jungfrauen. Pracht Ausgabe Mt. 2, billigere Ausgabe ebenfalls eleg. geb. Mk. 1,50. Der Einberufer. Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für den zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 17. Dezember, Abends 8 Uhr, in Kliem's Volksgarten, Hafenhaide 14-15. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Welche Vortheile bietet der jegige Reichstag für die Sozialdemokratie" von Albert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen, auch Beiträge dort entgegengenommen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Fachverein der Tischier. Montag, den 16. Dezember, Abends 8½ Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Ausserordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung 4. Verschiedenes und Fragekasten. Der Vorstand. Freie Vereinigung der Vergolder u. Fachgenossen. Montag, den 16. Dezember, Abends 8½ Uh in Scheffers Salon, Inselstr. 10, Mitglieder Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Gewerkschaftliches. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Fachverein der Tischler ( für den Often). Gr. Versammlung. Sonnabend, d. 14. d. M., Abends 8½Uhr, im Böhmischen Brauhause großer Saal, Landsberger Allee 11/13. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr., Wille über: der Kampf um's Dasein in der Volkswirthschaft. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste willkommen. Die Kollegen der WerkFröhlich, Rüdersdorferstr. 11, sind ganz be= sonders eingeladen. Der Bevollmächtigte. 1. Wie stellen sich die Mitglieder zur Errichtung eines Arbeitsnachweisebureaus, in welchem stellen von Schubert, Elbingerstraße 7 und von einem Vereinsbeamten den ganzen Tag Arbeitsadressen vermittelt werden. 2. Beantwortung des statistischen Fragebogens der Gewerbebeputation. 3. Reorganisation der Werkstattkontrollkommission. Verschiedenes, Fragekasten. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Quittungsbuch legitimirt. Der Vorstand. Am 1. Weihnachtsfeiertag Morgens 11 Uhr, in Sanssouci: Grosse Matinée. Am 2. Weihnachtsfeiertag: Grosses Weihnachtsfest in beiden Sälen der Berliner Bockbrauerei( Kreuzberg). Unter Mitwirkung des Gesangvereins Ludwig'scher Männerchor." Theater- Aufführungen. Konzert. Kinderbescheerung. Ball. Billets hierzu sind auf allen Zahlstellen des Vereins, sowie bei folgenden Herren zu haben: Witte, Invalidenstr. 21; Millarg, Lehrterstr. 22, 2 Tr.; Markmann, Barnimstr. 46, 4 Tr.; Hoyer, Grüner Weg 70; Winter, Manteuffelstr. 6, 3 Tr.; Glocke, Laufiberstr. 52, 3 Tr.; Wiedemann, Wendenstr. 2, 4 Tr.; Haberland, Reichenbergerstr. 161, 3 Tr.; Schulz, Brizerstraße 42, 4 Tr.; Monien, Kreuzbergstr. 9, Quergeb. 4 Tr.; Witte, Möckernstr. 95, 3 Tr.; Elfaffer, Nostizstr. 40; Apelt, Sebastianstr. 27/28( Möbelhandlung); H. Schmidt, ElisabethUfer 20, H. 2 Tr. bei Orlowski; Ferd. Mieke, Adalbertstr. 9, 4 Tr.; Roggemann, Dresdenerstraße 77, 1 Tr.; Hemp, Pallisadenstr. 63, 4 Tr. Der Vorstand. Soeben erschien: Berliner Arbeiterbibliothek Heft 9: Die Marx'sche Werththeorie. Zur Einführung in das Studium von Marx. Von Paul Fischer- London. Von 10 Erempl. an 15 Pf. 52 Seiten. Preis 20 Pfennige. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure u. Expeditionen. Zahlreichen Bestellungen entgegensehend Der Verlag der Berliner Volkstribüne. Berlin SO., Oranienstr. 23. Clara verw. Wilhelm Hasenclever. 1. Geschäft Chauffeeftr. 49/50. 2. Geschäft Brunnenstr. 122( Ecke Anklamerstr.) Empfehlenswerthe 5 Pf.- Cigarren: Nr. 54 Wanda, mittel und Nr. 56 Merito, kräftig. Den Parteigenossen bei Bedarf bestens empfohlen. Verein der in der Schäfte fabrikation beschäftigten Arbeiterinnen. Montag, den 16. d. M., Abends 9 Uhr, bei Reyer, Alte Jakobstr. 83. Vortrag des Herrn Türk über„ Die moderne Boefie und die Arbeiterbewegung." Gäste, Damen und Herren find willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Berliner Arbeiter- BildungsVerein. Montag, den 16. d. M., Abends 8 Uhr, in Bözow's Brauerei, Prenzlauer Allee und Saarbrückerstr.- Ecke. Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag. Thema und Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Allgemeines und Fragekasten. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Fachverein der Gärtner Berlins und der Umgegend. Die zum 18. Dezember nach Pankow einberufene Versammlung muß unterbleiben. Dafür findet dieselbe am 19. Dezember im Restaurant Königshof, Bülowstraße 38, statt. Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele der Arbeiterorganisation. Referent: Albert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragetasten. Der Vorstand. J. A.: E. Büchner. Vercin zur Wahrung der Interessen der Schuhmacher. Versammlung Montag, den 16. Dezember, Abends 82 Uhr in Klein's Festsälen, Oranienstr. 180( Tunnel). Tagesordnung: 1. Soziale Reformen und welche Vortheile bieten uns dieselben? Ref. Mar Baginski. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht. Der Vorstand. Das Weihnachtsvergnügen des Vereins findet am 1. Feiertag den 25. De= zember in Heidrichs Festsälen, Beuthstr. 18-21, 7 Uhr, nach 12 Uhr Ball. | Schröder's Restaurant, tatt. Stonzert und Vorträge. Anfang Abends Bahnhofstr. 2, Vraunschweig. Empfiehlt feine Lokalitäten, ff. hiesige und fremde Biere, sowie kräftigen Mittagstisch. Wilh. Weyland, Materialien, Cigarren u. Flaschenbierhandlung. Reichenstraße 22. Braunschweig. Billets á 30 Pf. find zu haben bei: Gabbert, Louisenstr. 21, H. l. I. Adamczak, Auguststr. 6a, I. Rechtalski, Havelbergerstr. 36 p. Runze, Ruppinerstr. 2. Rich. Baginsti, Dresdenerstraße 52-53, City Passage. Grünberg, Grüner Weg 89. Klinger u. Großmann, Waldemarstr. 65a. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Berlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. firiiiiiitt in KerUner N»llrs Tribüne. 50. Sonnabend, den 14. Dezember 1889. III. Jahrgang. ■ fl? achdruck Dtrbotfn.] Aur eine Kessnerin. Bon Johu He»ry Malta»,. (Fortsetzung.) Maxl stand am Fenster und hatte Grützmeyer halb den Rücken zugekehrt. Während er wieder im Zimmer auf- und abging, und wieder an zu sprechen begann, dachte sie wieder an ganz anderes. Sie sah nun ganz klar. Und aus einmal verstand sie afles. Sie wußte jetzt, daß sie «it diesem Manne mit den schönen, weichen Händen und den weißen Manschetten, mit dem offenen Gesicht nnd dem gewinnenden Wesen, der da vor ihr im Zimmer auf- und abschritt und so viel sprach, nichts, aber auch gar nichts gemeinsam hatte. Daß er ihr fremd gewesen war, wie nur ein Mensch dem anderen fremd sein kann; daß sie nie eiu Gefühl, einen Gedanken, ja auch nur das geringste Empfinden mit ihm gemeinsam gehabt hatte, und nie einen haben konnte. Es hatte immer daffelbe Unüberstcigliche, Aühle, Fremde zwischen ihnen gelegen, damals und heute! Sie kannten sich gegenseitig nicht, und sie würden sich auch nie und nimmer verstehen, und wenn sie ein ganzes Men- schenleben zusammen lebten. Sie waren verschieden im Sprechen, im Handeln, im Denken, in allem und jedem! Es wurde ihr alles klar, immer klarer! Sie dachte nicht mehr an ihre Krankheit und an ihre Lage, nickt mehr an gestern und an heute; sie empfand nur eine Art Scham, daß sie diesem Menschen ihr Innerstes gezeigt hatte. Ihr war plötzlich wieder alles gleichgültig geworden. Es war kein Schmerz mehr in ihr, denn sie fühlte, daß Hans Grützmeyer gar nicht im Stande war, ihr Schmerz zu bereiten. Selbst dazu war er ihr zu fremd. Aber was sie hatte erschaudern lassen, daß war dieser Ausdruck gewesen, den sie nun schon zum ziveiten Male so blendend-deutlich in dem Gesichte eines Menschen gesehen hatte, jenen Ausdruck der eisigen Kälte, des ungeheuren, schrankenlosen Egoismus, dem alles fremde Freuen und Leiden das Herz um keinen Schlag schneller oder langsamer schlagen läßt, wenn es nur ihn direkt nicht berührt und stört, jene erbarmungslose Unempfindlichkeit, welche nichts, nicht anderes kennt, als das eigene Wohl! Und Maxl glaubte diesen Ausdruck jetzt in allen Gesichtern sehen zu können, wenn sie sich nur Mühe gäbe. Sie blickte in den Hof hinaus, während alles dies sie durchschauerte. Sie hörte nicht, was er sagte, und doch wußte sie, was eS war. Sie sah jetzt wieder mit den Augen der anderen, und sie verstand nun alles; jede Miene, jede Absicht, jeden Wunsch. Es war ihr nun klar, weshalb es ihm unangenehm war, daß sie hierher gekommen war: denn er schämte sich ihrer; sie wußte nun, weshalb er sie gerne forthaben wollte: denn sie konnte ihn in ein unangenehmes Licht setzen; sie fühlte nun, weshalb sie ihm gleichgültig geworden war: denn sie war krank und häßlich geworden; und zuletzt ward ihr auch klar, weshalb er in Berlin so oft zu ihr gekom- men war. Und weshalb alles so gekommen war, auch das fühlte sie jetzt; weil sie ein Herz voll Freundlichkeit und Ver- trauen gehabt hatte, und er keines; und auch das fühlte sie, daß sie besser war, als dieser Mann. Eine unbez, vingliche Lust überkam sie, vor ihn hinzu- treten und ihm die Maske abzunehmen. Aber eben weil sie besser war, unterließ sie es; und dann lag auch noch immer auf ihr ein Gefühl der Dankbarkeit gegen ihn, welches ihr Herz zu schwach war, von sich abzuschütteln, obgleich sie ahnte, daß auch dies Gefühl sie belogen hatte und belog, wie sie bisher von jeder anderen Regung ihres Herzens belogen war. Wie nun, da sie klar sah, ihr plötzlich alles ver- ständlich wurde! Jeder kleine Zug, jedes bisher Mißver- standene, jedes bis dahin oft ihr seltsam uno befremdend Erscheinende!... Aber wie gleichgültig ihr auch alles auf einmal wurde!... Hans Grützmeyer hatte unterdessen viel und eingehend gesprochen. Dies Mädchen war ihm unbegreiflich. Zuerst lag sie vor ihm auf den Knieen, wie eine, die nicht recht bei Verstände war— er haßte exaltirte Menschen— und nun stand sie da, so nihig und sicher, und achtete gar nicht auf ihn. Er blieb stehen, und fragte endlich, indem er nach seiner Uhr sah, als ob er erschrocken sei über die späte Stunde: „Was soll denn nun werden. Maxl? Ich habe nicht mehr länger Zeit, und Du mußt mir endlich sagen, was Du eigentlich von mir willst. Hier kannst Du doch nicht bleiben, das wirst Du doch selbst einschen. Ich wüßte Dir keinen besseren Rath zu geben, als nach Berlin zurück oder zu Deinen Eltern zu gehen. Wenn Du kein Geld mehr hast, bin ich gern bereit, Dir zu geben, soviel ich entbehren kann." Er wartete auf ihre Antwort. Er hatte nur den einen Wunsch, sie möge einwilligen; es wurde ihm immer unbehaglicher zu Muthe, wenn er daran dachte, was sich alles ereignen könnte, wenn sie hier bliebe und ihn noch länger belästige. Aber zu seinem größten Erstaunen hörte er wie Maxl ruhig sagte:„Ich will zurück." Er war so freudig überrascht, daß er zuerst gar nicht antworten konnte. „Der nächste Zug geht in einer Stunde", sagte er dann. Er sah nicht den Blick ihrer Augen. Sie hatte sich ihm voll zugewandt und sah ihn fest und fast prüfend an, wie er am Tische stand, und einige Geldstücke aus seiner Börse nahm, und fortfuhr: „Hier im Hotel brauchst Du nichts zu bezahlen. Das will ich schon abmachen. Ick möchte Dich gern zum Zug bringen, aber ich kann wirklich nicht." Er sah etwas verlegen noch einmal nach seiner Uhr. Dann trat er halb unentschlossen auf sie zu. „Nun, so leb' denn wohl, mein Kind! Ich wünsche Dir alles Gute.— Du hast mir ordentlich einen Schreck eingejagt," sagte er, und wollte lächeln, aber es war nur ein Ausathmen.„Und wenn Du mehr brauchen solltest, als das," er zeigte auf den Tisch zurück,„so schreib mir nur wieder. Du weißt ja, daß Du immer auf mich rech- nen kannst. Aber ich hoffe, Du erholst Dich bald und bekommst eine gute Stelle." Sie schwieg und sah ihn fest an. Er konnte ihren Blick nicht ertragen. So standen sie einen Augenblick Sie suhlte, wie sie ihm noch etwas entgegnen wollte. Sie wußte auch, was es sein sollte; und doch ließ sie es. Die Morgensonne war halb in das Zimmer gedrun- gen, und lag auf der grünen Tapete mit dem geschmack- losen Muster. Maxl stand fast voll in dem grellen Schein. Hans Grützmeyer hörte, wie sie unruhig athmete, aber sie war äußerlich fast unnatürlich ruhig. Er fühlte, wie es immer unnatürlicher wurde. Er hätte der Sache so gern einen hübschen, glatten Abschluß gegeben; aber es lag so etwas in ihrem Auge, was er noch nie gesehen hatte. Und dann kam sie ihm so eigen- thümlich verändert und fremd vor. „Also vergiß nicht, in einer halben Stunde geht der Zug— der Kellner wird Dir bei allem helfen. Ich werde mit ihm sprechen." Er sah sich um, als suche er etwas. Dann reichte er ihr die Hand und sagte schnell: „Adieu, Maxl." Er mußte sie ansehen. „Adien," sagte sie, langsam und ruhig, und ließ ihren Blick nicht von ihm, indem sie ihm ebenso langsam und ruhig die Hand gab. Er kehrte sich ab, und nahm seinen Hut und seinen Stock. Sie blieb unbeweglich stehen. Als er die Thür öffnete, wandte er sich noch einmal um, und nickte ihr zu. Aber er sagte nichts mehr, sondern beeilte sich, hinaus- zutreten. Das lvar ja geradezu eine Folter gewesen! Doch als er auf der Treppe war und die Stufen niederstieg, durchdrang ihn das angenehme, erleichternde Gefühl der Freude, daß die Sache so gut abgelaufen war. Besser, weit besser, wie er gedacht hatte. Ohne jede Unannehm- lichkeit für ihn— es hätte gar nicht besser gehen können Er sprach mit dem Kellner, der eilfertig herbeige- sprungen kam. „Nehmen Sie sich etwas der Dame an. Sie reist mit dem nächsten Zuge nach Berlin— in einer Viertelstunde.— Hier, nehmen Sie das zur Begleichung der Rechnung und behalten Sie den Nest für sich— Und hören Sie"— und er trat etwas näher an ihn heran, „machen Sie nicht viel Redens von der Sache. Die Dame—" „Verstehe schon, verstehe schon, Herr Referendar, die Dame ist etwas—", und der Mensch machte eine bezeichnende Bewegung mit der Hand nach seiner Stirn, indem er verständnißvoll lächelte. Hans Grützmeyer lachte leise auf. Er fühlte sich ja so leicht. Dann trat er vor die Thür und ging schnell die Straße hinunter. Niemand hatte ihn gesehen. Er halte scharf ausgepaßt. Als er so dahin ging, gerieth er bei dem Gedanken, wie gut diese ganze unangenehme Geschichte abgelaufen war, in eine so menschenfreundliche Stimmung, daß er bei- nahe so etwas wie Mitleid mit Maxl zu fühlen begann, und sich vornahm, wenn sie wieder an ihn schreiben sollte — aber lieber wäre es ihm, wenn das nicht geschehe— ihr noch einmal zu helfen. Aber er glaubte es nicht, daß sie es thun würde, denn es schien ja fast, als sei sie beleidigt gewesen, als sie so dagestanden und ihn angesehen hatte... Wie sie so dagestanden hatte, so ärmlich und unscheinbar— und doch so— und dann diese Augen! Es war ihm doch immer noch nicht so recht behaglich. Das kam von diesen plötzlichen, unverhofften Geschehnissen — da hatte man nie rechte Zeit vorher zu überlegen, wie man handeln sollte, da mußte man sich so schnell ent- schließen und wie leicht konnte da das Gefühl nicht fehl- greisen—— Aber er hatte doch wohl richtig gehandelt? Was hätte er anders thun sollen?— Nein, er hatte sogar gut gehandelt, er hatte an ihr gehandelt, wie ein anderer wohl schwerlich gehandelt hätte, in anbetracht dessen, daß er nichts von ihr gehabt hatte.— Er hatte ihr geholfen, nicht einmal, söndern dreimal, mit ziemlichen Summen.— Nun, er würde nicht darüber sprechen, denn gute Thaten sollen verschwiegen werden, wie die bösen. Und doch, und doch war er noch nicht ganz zuftieden. Wenn sie doch nur erst wieder fort wäre! Er nahm den Hut ab und trocknete sich mit seinem seidenen Tuche langsam das ftuchte, dichte Haar. Aber nun wollte er nicht mehr daran denken. Diese ganze dumme Geschichte hatte ihm schon Kopfzerbrechen ge- nug gemacht. Und, kurz und gut, sie war jedenfalls abgemacht, und würde ihm schwerlich noch weitere Verdrießlichkeiten be- reiten. Und Hans Grützmeyer sah nach seiner Uhr, und merkte mit Befriedigung, daß es allenfalls spät genug war, um anständigerweise zum Frühschoppen gehen zu können. Sie hatte ihm noch etwas sagen wollen. Aber al< sie sein Gebahren sah, wie er von ihr Abschied genomme» und das ganze gequälte Wesen, mit dem er sich in der Thür noch einmal umgewandt hatte, da fühlte sie, daß eS besser sei zu schweigen. Und während er die Treppe hin- unterging und mit dem Kellner über sie lachte, stand sie, und wurde mit ihm fertig. Ohne Schmerz, ohne Bitter- feit, ohne Zorn geschah es, und als sie nach einigen Mi- nuten in das Innere des Zimmers trat, hatte sie es über- wunden. Sie stand am Tisch und sah nieder aus die durcheinander liegenden Geldstücke. Da dachte sie zum ersten Male daran, was nun wer- den sollte. Sie zitterte; wie hilflos sah sie sich im Zimmer um, als müsse sie irgend etwas dort finden. Aber dana ließ sie sich wieder auf den Stuhl fallen. So saß sie einige Minuten. In diesen Minuten aber glitt alles an ihr vorüber, was noch ihr war, und sie suchte unter diesen wenigen Menschen nach dem, zu welchen sie sich nun flüchten könne. Sie fand keinen. Sie hatte es vorher gewußt. Da stand sie wieder auf; und wie wenn plötzlich eine große Angst sie ergriffe, so nahm sie schnell das Geld vom Tische, setzte ihren Hut auf und griff nach dem Bündel, welches noch immer unberührt auf dem Bette lag; und ohne noch einen Blick zurückzuwerfen, ging sie schnell hin- aus und die Treppe hinunter, von keinem anderen Wunsche bestimmt, als nur von hier fortzukommen. Der Kellner sah, wie sie schnell an der Gaststubenthür vorbeiging, vor die Hausthür trat und nach kurzem Um- herschauen dem Innern der Stadt zuschritt. Er hatte eS sich so gut ausgedacht, und zu diesem Zwecke die Rechnung geschrieben: denn sollte sie nach derselben fragen, so konnte er sicher sein, daß Haus Grützmeyer ihr nicht gesagt hatte, dieselbe sei schon von ihm bezahlt. Nun aber ging sie fort, und fragte nicht darnach, und er sah sich in seiner unschuldigen Hoffnung getäuscht. Nnn, mochte sie gehen. Wenigstens brauchte er sich nun nicht mehr um sie zu kümmern. Aber er sah ihr doch neugierig von der Thür aus nach, wie sie langsam und halb zögernd dahinging, das Bündel in der linken, müde herabfallenden Hand und mit dem schleppenden, matten Schritt. Er wunderte sich, daß sie i» die Stadt, statt zum Bahnhof ging. Aber er hatte gar keine Veranlassung, sich darum zu sorgen. ... Maxl ging langsam fort. Sie hatte nur aus jenem Hause herausgewollt. So ging sie, ohne zu wissen wohin und weshalb, aus dem ersten Wege weiter, der sie von dort wegführte. Nun sie draußen im Freien war, bemächtigte sich eine dumpfe Gleichgültigkeit ihrer und sie sah nicht auf, sondern ging gedankenlos weiter. Eine breite und lange Straße that sich vor ihr auf. Es war die Hauptstraße der Stadt. Das Pflaster war schmutzig und die Häuser waren sehr verschieden an Alter: einige waren ganz neu, und aufdringlich- massiv, andere wieder standen etwas zurück und sahen traurig und alt aus. Es herrschte wohl Leben in der Straße. Aber es war doch ganz anders wie in Berlin, alles war so gewöhnlich und uninteressant. Mehr sah Maxl, die stillgestanden war und einen kurzen, unschlüssigen Blick die Straße hinunter geworfen hatte, nicht. Denn ihr fiel plötzlich ein, daß ihr jeden Augenblick Hans Grützmeyer begegnen könne, und zusam- mensckaudernd drehte sie sich um. und ging schnell den Weg zum Bahnhof, den sie eben gekommen war, zurück. Sie ging so schnell, wie es ihr nur irgend möglich war. Denn sie glaubte jetzt, jeden Augenblick müsse er aus einem der Häuser treten; und dann war ihr wieder eingefallen, daß sie mit dem Zuge fortfahren wollte, und sie eilte sich, um ihn noch zu erreichen, trotzdem es längst über die bestimmte Zeit war. Aber ihre Gedanken waren alle so seltsam ver- wirrt, daß sie alles vergessen zu haben schien. Sie mußte an so vieles denken, und doch war es ihr, als könne sie das, woran sie denken wollte, nicht finden. Und während dessen fielen ihr dann wieder eine Menge Dinge ein, an welche sie nicht denken wollte. Als sie keuchend am Bahnhof angelangt war, trat sie an das Schalter, welches ganz leer war. Als sie sagte „ein Billet nach Berlin", erhielt sie zur Antwort: der Zug sei vor einer halben Stunde schon abgefahren. Sie erschrak, aber als sie wieder zurückgetreten war, dachte sie I iaran, daß sie ja im Sinne gehabt hatte, nicht nach Berlin zurückzugehen. Wie wirr ihre Gedanken waren! Einmal wollte sie das, und in der nächsten Minute das; und ver- gaß dann das eine über das andere. Sie wußte nicht, was sie nun ansangen sollte. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn jemand gekommen wäre und ihr gesagt hätte, was sie thun sollte.— Da sah sie, als sie mit ihren müden, umschlcierten Augen in dem öden Räume umherschaute, eine Bank, und sie setzte sich nieder. Ihr Bündel legte sie neben sich. Und so saß sie lange; niemand von den wenigen Personen, die vor- beigingen, kümmerte sich um sie. Fast eine Stunde saß sie so da. In dieser Stunde beschloß sie zu sterben. (Schluß folgt.) Die Reichstagswahlen und die Sozialdemokratie unter dem Ausnahmegesetz. Wach einer Statistik in Heft 10 der„Berliner Arbeiterbibliothek").') Seit dem Bestehen des Ausnahmegesetzes ist die so- zialdcmokratische Arbeiterpartei dreimal zu allgemeinen Wahlen an die Urne gerufen worden. Gestützt ans daö amtliche Material, welches über die Ergebnisse dieser Wahlen dem Reichstage zugänglich ge- macht ist, sind die im Nachstehenden gegebenen Ueber- sichten angefertigt. Sie gewähren von zwei Gesichts- punkten aus Vergleiche zwischen diesen drei Abstimmungen und bieten eine sichere, aus zuverlässige» Zahlen beruhende Grundlage, um die Frage zu beantworten, ob und wie sich die Sozialdemokratie trotz des Ausnahmegesetzes ausgebreitet hat. Die amtliche Wahlstatistik giebt die bei den Haupt- wählen in jedem Wahlkreise abgegebenen Stimmen nach den Kandidaten gesondert an. Demgemäß können die sämmilichen Wahlkreise ermittelt werden, in denen über- Haupt sozialdemokratische Stimmzettel bei den Wahlen der Jahre 1887, 1884 und 1881 abgegeben wurden. Dies ist geschehen und sind dabei die Wahlkreise in verschiedene Gruppen zusammengefaßt, indem zur I. Gruppe alle Wahlkreise mit mehr als 15 000 sozialdemokratischen Stimmen genommen wurden; zur II. Gruppe gehören alle diejenigen Wahlkreise, in denen zwischen 15 000 und 10 000 sozialdemokratische Stimmen gezählt wurden; zur III. Gruppe alle Wahlkreise mit zwischen 10 000 und 7500 sozialdemokratischen Stimmen u. s. w. herab, wie «s die Uebcrschrift jeder Gruppe angiebt. Hierbei sind in jeder Gruppe die Wahlkreise nach der Reihenfolge der größten sozialdemokratischen Stimmenzahl geordnet, so daß jede Gruppe mit der ihr zugehörigen größten Stimmenzahl beginnt und mit der geringsten abschließt. Diejenigen Wahlkreise, in denen der sozialdemokratische Kandidat in der Haupt wähl gewählt wurde, sind durch eine' und die entsprechenden in der Stichwahl durch eine 2 hervorgehoben worden. I. Ueber 15 000 sozialdem»kratische Stimmen sind abgegeben: 1881 II. Zwischen 15 000 und 10 000 sozialdemokratische Stimmen sind abgegeben: 1887 1884 1881 9. 10. 11. 12, 13. 14. 15. 16. 17. Nürnberg' Berlin II Hamburg I' Zwickau Hannover' Magdeburg München II Braunschweig Leipzig, Stadt Chemnitz' Berlin IV Hamburg II' Berlin VI Elbcrseld-Barmen' Leipzig Land Nürnberg' Chemnitz' Hamburg I' Zwickau' Hamburg IH Altona' m. Zwischen 10 000 und 750* sozialdemokratische Stimmen sind abgegeben: ') Heft 10 der Berliner Arbciterbibliothek: Die Sozialdemokratie und der deutsche Reichstag. Materi- «lien zum Gebrauche für sozialdemokratische Wähler Preis 15 Pf. erscheint nächsten Sonnabend und enthält: Daten zur Ent- slehung des Sozialistengesetzes.— Die Erneuerungen des Sozialisten- gesetzeS und die Parteien.— Die Stimmenzahlen und die Zahl der Abgeordneten der einzelnen Parteien fest 1871.— Das Wachsthum der Sozialdemokratie.— Die bisherigen sozialdemo- IV. Zwischen 7500 und 5000 sozialdemokratische Stimmen find abgegeben: V. Zwischen 5000 und 2500 sozialdemokratische Stimmen sind abgegeben: 1887 1884 1881 Reichenbach i. Schl. Berlin II Segebcrg-Pinnberg Reichenbach i.Sch. Sorau München II Halle a. d. Saale Speyer Naumburg Reust j. L. Sonnebg.-Saalfeld Meißen 49. Plauen Darmstadt Breslau-West' 50. Köln, Stadt Bremen Freibg.-Oederau' 51. Aschcrsleben Mannheim Hanau 52. Sonnebg.-Saalfeld Speyer Kiel 53. München I Charlottenburg Frankfurt a. M. 54. Stuttgart Königsberg i. Pr. Stollbg-Schnecb 55. Brandenburg Kassel Bremen 56. Stettin, Stadt Köln, Stadt Mittweida 57. Lübeck Auerbach' Stuttgart 58. Reust ält. L. Halberstadt Tharandt 59. Altenburg Reust ält.£.'____ Halberstadt 60. Speier 61. Darmstadt 62. Sprcmbcrg 63. Ober-Taunus. 64. Würzen- Grimma 65. Sorau 66. Randow München I Erlangen 67. Erfurt Erfurt Berlin III 68. Kronach Stuttgart Mannheim 69. Hameln Brandenburg 70. Waldenburg Ober-Taunus 71. Görlitz Zschopau 72. Borna-Pegau Karlsruhe 73. Döbeln Mühlhausc« 74. Harburg Nieder-Barnim 75. Halberstadt Köln, Land 76. Düsseldorf Spremberg 77. f Köln. Land Bielefeld 78. Ditmarschen Wurzen-Grimm« 79. Augsburg 80. Hildesheim 81. Zschopau-Marienberg 82. Iüterbogk 83. Karlsruhe 84. Flensburg 85. Bielefeld 86. Hage» 87. Erlangen 88. Schwerin i. M. Aus diesen 5 Tabellen salgt, daß es bei den Haupt- wählen des Jahres 1881: 42; 1884: 67; 1887: 88 Wahlkreise gab, in denen mehr als 2500 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden und daß unter den 88 Wahlkreisen nur ein einziger von den 67 des Jahres 1884, nämlich Mühlhausen im Elsaß, fehlt, in welchem also 1887 weniger Stimmen abgegeben sind als 1884. Hieraus ergiebt sich das zähe Festhalten und das stelige Anwachsen des Einflusies der sozialdemokratischen Bewegung aus die großen Wählermasien derjenigen Kreise, in denen die Sozialdemokratie einmal Boden gewonnen bat. Letzteres gehl auf das deutlichste aus der nachfolgenden Zusammenstellung der abgegebenen Stimmen hervor: Sozialdemokratische Stimmen sind abgegeben: zusammen in d. Wabtlr. mit mehr als 2500 sozdcm. Stimmen. 647 528 456 905 242 059 in allen übrigen Wahlkr. 115600 93 085 69 902 zusammen im Deutschen Reich.... 763128 549 990 311961 Diese Zusammenstellung der abgegebenen Stimmen lehrt, daß die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen in den sogenannten„großen" Wahlkreisen, d. h. i» denen, wo die Sozialdemokratie bereits die Majorität oder doch ichr ansehnliche Minoritäten besitzt, bisher eine weit beschleu- nigtcre war als in den„mittleren"».„kleineren" Wahlkreisen. Während i» allen den Wahlkreisen, in denen mehr als 2500 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, die Zunahme der Stimmenzahl von einer Hauptwahl zur anderen rund 200 000 Stimmen betrug, belief sie sich bei kratischen Abgeordnete» und die von ihnen vertretenen Wahlkreise — Die Sozialdemokratie und die Großstädte.— Die Eozialdcmo- tratie auf dem Lande und in katholischen Distrikten.— Recht zahlreichen Bestellungen sehen wir schon jetzt entgegen. (Zur Vermeidung von Jrrthümern möchten wir darauf auf- merksam machen, daß die von uns in Nr. 47 vom 23. November wiedcrgegebene, spätcrlin viele Arbeiterblätter übergegangene Statistik der„Germania" viele Unrichtigkeiten enthält.) den Wahlkreisen mit weniger als 2500 sozialistischen Stimmen jedesmal auf rund 20 000 Stimmen. Ein gleich günstiges Bild des stetigen WachsthumS der sozialdemokratischen Bewegung bietet die nachstehende Zusammenstellung sozialdemokratischer Wahl- kreise. Es wurden sozialdemokrat. Sttmmen abgegeben über 15 000..... zwischen 15 000 und 10 000 10 000. 7500 7500„ 5000 5000.. 2500 über 2500...... zwischen 2500 und 1000 1000„_ 1_ über 1 Stimme.... in Wahlkreisen bei den Hauptwahlen 1887 8 9 16 15 40 88 46 125 259 1884 3 8 8 18 30 67 32 122 221 1881 0 4 6 13 20 42 23 108 173 In den vorstehenden stanstischen Ueberfichten ist das absolute Anwachsen der Sozialdemokratie ersichtlich, d. h. die Ausbreitung dieser Partei für sich allein betrachtet. Und niemand, der einen Blick ckn die mitgeiheilten Tabellen geworfen hat, wird sich gegen den Eindruck verschließen können, daß diese Ausbreitung eine ebenso intensive wie immer neue Gegenden des deutschen Reiches umfasiende ist. Das amtliche Material über die Reichstagswahle» ermöglicht jedoch nicht nur einen Vergleich der sozialdemokr. Wahlen unter einander, sondern auch die Antwort auf die Frage: wie hat sich die sozialdemokratische Partei im Vcrhältniß zu den übrigen politischen Par- teicn in den einzelnen Wahlkreisen ausgebreitet? Die amtliche Wahlstaiistik giebt nämlich an, wie viel Pro- zent der in jedem Wahlkreis abgegebenen Stimmen aus die Kandidaten der einzelnen Parteien gefallen sind. Es sind nun in folgendem alle diejenigen Wahlkreise zusammengestellt, in denen bei der Hauptwahl 1887 mehr als 10 Prozent sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden. Auch hier sind 5 Gruppen, ähnlich wie im Bor- hergehenden, gebildet, deren Bedeutung sofort aus den Ueber- schrislen ersichtlich ist. Jedem Wahlkreise ist die entsprechende Prozcntzahl sozialdemokratischer Stimmen aus den Haupt- wählen von 1884 und 1881 beigesetzt worden und ist es auch hier durch Hinzufügen von Ziffern('/) bemerkt worden, in welchen Kreisen der Sozialdemokrat in der Haupt- wähl, und in welchen er in der Stichwahl siegle. Von 100 Wählern stimmten sozialdemokratisch: Bei den Hauptwahlen 1887 1884 1881 1. 2. 3. 4. 6. 6. B. Hamburg II..... Berlin IV...... Altona....... Hamburg 1...... Nürnberg...... Berlin VI...... Von 100 Wahlern stimmten sozialdemokratisch: 62,2' 57,0' 53,4' 62,5' 51,9' 51,5' 60,3' 50,9' 51,7' 53,9' 49,8' 47.5- 48.4- 32,6 39,1 40,1' 44,8' 27,5 Bei den Hauptwahle» 1887 1884 1881 7. Leipzig Land.. 8. Zwickau.... 9. Elberfeld... 10. Chemnitz... 11. Hamburg III.. 12, Solingen... 13. Glauchau-Meerane 14. Reuß ältere Linie. 15. Braunschwcig. 16. Magdeburg... 49,0 46,9 46,5- 45,7 45,4 43,7' 42,1 41,1 40,7 40,1 55,1' 58,2' 47.6- 59,4' 42,1 40,2' 52,6' 56,6' 37,1' 41,0» 48,3 49.»- 30,8 47,4' 29,4 36,5- 47,5 37.4- 30,5 30,9 C. Von 100 Wählern stimmten sozialdemokrattsch: Bei den Hauptwahle» 1887 1884 1881 17. Gotha........ 38,5 45,0' 18. Hannover...... 36,7- 37,3' 19. Königsberg i. Pr..... 36,6 27,5 20. München II...... 36,5 25,7- 21. Breslau West..... 36,2' 34,8' 22. Breslau Ost..... 36,1 35,3' 23. Offenbach....... 34,8 43,8' 24. Reuß j. L....... 34.7 43,3' 25. Frankfurt a. M..... 34,1- 36,3' Dresden-Landkreis... 34,1 39,7 Berlin III...... 33,6 27,7 Lübeck........ 33,4 22,6 Stollberg-Schneeberg... 33,1 44,0 Kiel........ 33,0 33,5 Mittweida...... 32,6 48,4 Leipzig-Stadt..... 32,5 39,6 Kassel........ 32,3 28.» Auerbach....... 32,2 30,3' Dresden links d. Elbe.. 30,7 34,6 Reichenbach...... 30,7 26,4 ß Von 100 Wählern stimmten sozialdemokratisch: 1887 1884 37. Frcibcrg....... 29,4 37,6 38. Berlin II...... 29,0 23,9 39. Sonneberg...... 28,4 26,7 40. Segederg-Pinneberg... 28,3 23,8 41. Bremen....... 27,8 23,3 42. Lennep-Mettmann.... 26,9 23,0 43. Mainz....... 26,7 41,8 44. Dresden rechts der Elbe. 26,6 34,4 45. Stctttn....... 26,5 9,8 46. Plauen....... 26,4 19,4 47. Brandenburg, Westhivelland 26,2 23,9 48. München I...... 26,0 21,3 49. Meißen....... 25,9 32,8 50. Halle a S....... 25,8 20,1 51. Hanau....... 24,5 35,4 52. Cottbus-Sprcmberg... 23,2 18,1 63. Mannheim...... 22,8 29,1 54. Niedcrbarnim..... 22,4 16,3 55. Kronach....... 22,3 11,1 56. Grimma-Wurzcn.... 22,3 26,5 57. Berlin V...... 91,9 13,6 58. Darmstadt...... 21,1 30,7 59. Weißenfels-Naumburg.. 20,9 20,0 60. Charlottenburg....- 20,6 14,9 61. Sorau....... 20,4 25,1 62. Köln Stadt..... 20,3 22,0 11,2 24,6 1,6 15,4 29.0- 31,2» 37,4» 24,9 27,8 29,3 12,0 11,5 35,1 24,5 34,5' 29,6 HZ 20,7 39,0 22,5 Bei den Hauplwahlcn 1881 40,1 9,5 0,4 8,6 23,3 12,6 37,3' 39,4 9,5 0,0 10,8 15,5 25,9 8,1 31,2 8,1 18,4 6,1 2,4 10,2 1,2 12,3 8,4 4,6 19,5 14,1 1,7 Von 100 Wählern Bei den Hauptwahlen E. stimmten sozialdemokratisch: 1887 1884 1881 63. Borna. 18,6 15,8 10,1 64. Flensburg 17,6 7,4 3,2 65. Döbeln 17,5 18,7 2,9 66. Ober- Taunus 17,4 17,4 4,3 67. Wanzleben 17,1 18,1 7,5 68. Speyer 17,0 25,1 22,4 69. Aschersleben 16,8 11,7 70. Erfurt. 16,4 22,5 7,8 71. Stuttgart 16,2 20,3 22,3 72. Hameln 16,1 15,0 7,3 73. Waldenburg 16,1 7,2 10,5 74. Random 15,5 4,2 0,9 75. Marienberg- Bichopau 15,1 24,5 24,8 76 Harburg 14,9 15,7 6,7 . 77. Altenburg 14,4 9,8 5,0 78. Köln- Land 14,1 • 21,0 16,7 79. Erlangen 13,5 9,5 20,4 80. Schwerin i. M. 13,5 7,2 3,4 81. Ditmarschen 13,4 7,9 82. Danzig Stadt 13,3 4,0 83. Bamberg. 12,9 0,0 84. Bielefeld 85. Jüterbogk 12,9 17,2 8,8 12,8 6,9 86. Karlsruhe 12,8 19,7 9,8 87. Halberstadt 12,7 26,6 23,6 88. Berlin I 12,7 5,1 0,2 89. Hildesheim 12,6 3,2 1,3 90. Stade 12,6 7,5 0,0 91. Augsburg 12,4 7,9 3,2 92. Hagen 11,7 5,7 1,8 93. Wiesbaden 11,3 13,1 3,7 94. Rostock 11,3 6,7 2,8 95. Elbing 11,2 0,7 1,5 96. Pforzheim 11,1 11,2 4,0 97. Görliz 10,9 9,6 5,7 98. Schmalkalden 10,8 0,4 0,0 99. Würzburg 10,7 0,9 0,0 100. Eßlingen. 10,6 19,6 7,4 101. Frankfurt a. D. 10,6 8,1 4,4 102. Düsseldorf 10,5 6,4 2,1 103. Dessau 10,2 4,5 2,6 • 10,0 19,5 16,4 104. Annaberg 3,4 planvollen Agitation diejenigen Wahlkreise zu bezeichnen, und natürlich machten sie Gebrauch von ihrer Macht. denen eine hervorragende Bedeutung zukommt. Das Be- Das pflegt heutzutage der Kapitalist überhaupt zu thun. kanntwerden dieser vergleichenden Ziffern wird in den be- Der Fabrikant, welcher in seiner Fabrik Kinder für einen treffenden Wahlkreisen selbst nur anfeuernd auf die Partei- Stundenlohn von wenigen Pfennigen arbeiten läßt, macht genossen wirken können. Wo dieselben einen stetigen Fort- einfach von seiner wirthschaftlichen Macht Gebrauch. Je schritt nachweisen, da werden sie das Bestreben erwecken, hülfloser die Opfer des Kapitalismus sind, desto diesen bei den bevorstehenden Wahlen auf's neue zu be brutaler pflegt die Ausbeutung zu sein. Der funden. Und wo ein Vergleich mit der relativen Stim- Menschenhandel von Galizien ist einfach eine Anwendung menzahl zwischen den Hauptwahlen von 1887 und 1884 dieses Sages. Die armen Auswanderer waren in hohem einen Rückgang aufdeckt, dort wird, je allgemeiner diese Grade hülflos, theils von Hause aus, theils infolge jener Thatsache bekannt wird, auch um so allgemeiner der Wille Machinationen, welche Beamte von Wichtigkeit auf die zum thatkräftigen Handeln erwachen, diese Einbuße durch Seite der Ausbeuter brachten. doppelt lebhaftes Eintreten für die Interessen der Partei wieder auszugleichen. Sozialistische Spaziergänge. ( Fortsetzung aus voriger Nummer). -0B. W. Die in voriger Nummer gebrachte Schilderung ungefähr liefert die gerichtliche Anklageschrift gegen die Auswanderungsagenturen" und ihre Helfershelfer. Natürlich wird der anständige" Kapitalist mit Entrüftung die Anklage zurückweisen, welche wir gegen den ganzen Kapitalismus erheben. Es giebt aber viele schmußige Seelen, die nur auf reine Wäsche halten; und der Kaufmann besonders hat reine Kragen und Manschetten zur ,, Repräsentation" nöthig. Schließen wir uns daher, um nicht die Entrüstung der Herren mit reinen Kragen auf uns zu laden, folgenden Ausführungen der österreichischen Arbeiter- Zeitung an: Vor Allem steht es natürlich in den Augen eines jeden„ anAuch wir Sozialisten erheben eine Anklage. ftändigen" Menschen fest, daß die betreffenden Schiffsgesellschaften Aber diese richtet sich nicht bloß gegen jene 65 Bluthunde, von den Praktiken ihrer Agenten Nichts gewußt haben. Natürlich sondern gegen die ganze bürgerliche Gesellschaft. haben die Herren Direktoren der zwei Linien, die in 14 Monaten Der eigenartige Kern der bürgerlichen Gesellschaft, allein 622 774 fl. für Karten baar einstrichen, wobei die„ Spesen", aus dem sich alle anderen Kennzeichen dieser Gesellschaft treiber nicht inbegriffen sind, gemeint, daß Alles mit rechten Dingen Provisionen, Bestechungsgelder, kurz der Judaslohn für die Zuentwickeln, besteht in der Privateigenthümlichkeit der zugehe. Sie glaubten natürlich, ihre Agenten" seien wohlwollende Produktionsmittel. Um Güter zu erzeugen, sind nicht Menschen, die den hilflosen Bauern den Weg zeigen, nicht etwa bloß geistige und körperliche Fähigkeiten nöthig, sondern Bluthunde, die das Wild in ihr Netz treiben. Sie wußten überdies, auch Produktionsmittel. Die Produktionsmittel nun sind fein Verbrechen ungefühnt bleibt, daß Polizei genug da ist auch daß Desterreich ein Rechtsstaat sei, der so viel Polizei habe, daß das Eigenthum einer einzelnen, und zwar an Zahl geringen, in Galizien, daß, wenn die Bäcker in Lemberg streifen, oder wenn Bevölkerungsklasse. Dieser Umstand giebt der befißenden Klaffe die Macht, die Kosten der Gütererzeugung möglichst herabzudrücken. Die Differenz zwischen geringer Aus gabe und hoher Einnahme ist der Mehrwerth" oder Kapitalprofit. Nur um diesen Mehrwerth einzustreichen, Aus diesen 5 Tabellen A, B, C, D und E ergiebt läßt der Kapitalist produziren. Produkte, welche diesem fich die folgende Zusammenstellung: Bei den Hauptwahlen in Wahlkreisen 1887 1884 22522 1881 0 1899 Von 100 Wählern stimmten sozialdemokratisch: mehr als 50 9 50 bis 40 10 12 40 bis 30 20 15 15 30 bis 20 26 26 20 bis 10 42 mehr als 10 104 87 60 0,1 big 10 155 134 113 221 foz. Stimmen wurden abgegeben 259 173. Bei den Hauptwahlen 1887 fielen also in 104 Wahl treisen mehr als 10 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sozialdemokratische Kandidaten. Bergleicht man das relative Stimmenverhältniß der Sozialdemokratie in diesen 104 Wahlkreisen mit demjenigen der Wahlen von 1884 und 1881, so erhält man folgendes Ergebniß: hat sich in Wahlkreisen Die relative Stimmenbon 1881 bis zu 1884 bon 1884 bis zu 1887 von 1881 bis zu 1887 95 7 2 55 48 1 85 18 1 Zwecke dienen, welche also Mehrwerth in die Tasche des Kapitalisten bringen, heißen Waaren." Der Kapitalismus hat die Tendenz, alle Gebrauchswerthe zu Waaren zu machen. einige Studenten daselbst sich versammeln, fie Alle miteinander und ieder Ginzelne unter Polizeiaufsicht gestellt werden können. Sie wußten, daß nicht der kleinste und harmloseste Geheimbund, nicht die heiterste Tischgesellschaft im schlechtesten Wirthshause der fernsten Vorstadt, des entlegensten Dorfes der polizeilichen Aufsicht entgeht, sie wußten mit einem Worte, daß überall in Desterreich das Auge des Gesezes wacht, daß Oesterreich nicht die Türkei sei oder Zentralafrika, wo dieselben Herren Schiffsrheder vielleicht gerade dabei be= theiligt sind, den Sklavenhandel abzuschaffen. Mit einem Worte, die Aktionäre und Direktoren der Gesellschaften sind Ehrenmänner und sie hielten natürlich die Herren Jakob Klausner, Simon Herz, Aaron Landau und tutti quanti auch für Ehrenmänner, das ist so noblen" Gesellschaft, wie der Norddeutsche Lloyd" ist, anders für jeden anständigen" Menschen sicher. Wer kann auch von einer benken, auf deren Schiffen die gepreßten Heizer bei einer Tempe= ratur und in Räumen arbeiten müssen, daß ab und zu einer in Verzweiflung oder im Wahnsinn in's Meer springt und sich ersäuft. unserer gepriesenen Zivilisation aufgezeigt. Der Prozeß von Wodowice hat eine der graufigsten Seiten Empfindlich treffen muß das Bild Diejenigen, die, wenn sie ehrlich sind, fich sagen müssen: wir halten die Zustände, die das ermöglichen, mit Gewalt aufrecht, wir konserviren sie, weil sie uns nüßen. Aber auch wir Andern fühlen, daß wir diese Zustände so lange geduldig ertragen? Müssen müssen wir uns nicht schuldig diese Bilder uns nicht den Schrei der Entrüstung und Selbstanklage abpressen: Wie lange noch?!" Gelogen wie gedruckt. Da nämlich der Kapitalist nicht gewillt und oft auch nicht fähig ist, seinen ganzen Kapitalgewinn zu konsumiren, vielmehr den begreiflichen Wunsch hat, einen Theil dieses Gewinnes abermals werbend anzulegen, um sich eine neue Quelle von Profit zu eröffnen, so ist er emsig bemüht, eine Gelegenheit zur guten Kapitalanlage zu er= spähen. Sobald sich ein bisher unbeachtetes Massenbedürfniß zeigt, stürzt sich der beutegierige Kapitalist auf die Mittel, welche jenes Bedürfniß befriedigen können, eignet sich diese Mittel an und produzirt nun drauf los. Alle Massengebrauchswerthe werden auf diese Weise in Waaren verwandelt, selbst solche, deren Verwandlung das Gefühl Ja, es muß sich ändern! Denn gleichwie einer Masse für Menschenwürde mißhandelt und die Masse des Volkes negativer Elektrizität gegenüber sich eine entsprechende elend macht. So ist beispielsweise das Wissen zur Waare Masse positiver Elektrizität entwickelt, führt gerade das zahl der Sozialdemokr. verbessert verschlechtert nicht verändert geworden, welche wie jede andere Waare verschachert wird. Wachsthum der Ausbeutung, die internationale Verbindung Oder steht nicht vor jedem Borne des Wissens heutzutage der Ausbeuter, zur internationalen Solidarität der der Geldfack und sperrt den Nachen auf, damit der Ausgebeuteten. Aus den beiden letzten Zusammenstellungen folgt, daß fraft des Menschen ist durch den Kapitalismus zur Wissensdurstige Geld hineinwerfe? Auch die Arbeitsfich das relative Stimmenverhältniß der sozialdemokra: Waare gemacht, die möglichst billig eingekauft und mög- Ueber die Tumulte" bei dem Streik in Limbach in tischen Partei zu den übrigen Parteien nicht in gleich lichst hoch verwerthet wird. Und da die Arbeitskraft un- Sachfen konnte" die kapitalistische Presse bekanntlich nicht stetiger Weise zu gunsten der ersteren verbessert hat, wie zertrennlich von dem Menschen ist, so haben sich wirth genug zetern. Die Feuerwehr, die zuerst dort anrückte, das Wachsthum der absoluten sozialdemokratischen Stim- schaftliche Zustände entwickelt, welche uns die Berechtigung habe die aufrührerischen Elemente nicht zurückhalten menzahl. geben, zu sagen: Sogar der Mensch ist zur Waare fönnen, darum sei das Militär in Anspruch genommen Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Sie wur: geworden. Es giebt einen Schacher mit Menschenfleisch, worden. zeln sämmtlich in den mit jedem Jahre heftiger auftreten welcher die Menschenwürde erbroffelt und wie jene 65 den Versuchen der besißenden Klassen, unter Aufbietung Bluthunde Nach einer neueren Darstellung haben wir es hier in den Menschen nichts anderes sieht, als wiederum mit einem jener Schwindelmanöver zu thun, ihres ganzen Einflusses den erwachenden Riesen Proletariat Waaren" Ballen", Kisten". Und dieser Schacher welche die Streikenden diskreditiren sollen. Auf der Hauptin sein bisheriges machtloses Traumleben zurückzuverfenten. hat sich zu einer selbständigen Erwerbs Spezialität heran- mannsversammlung des Chemnitzer Kreisfeuerwehrverbandes Die politischen und ökonomischen Machtmittel, über welche gebildet. Es giebt besondere kaufmännische Geschäfte mit äußerte nämlich am 24. v. M. der Hauptbetheiligte, Herr diese Parteien verfügen, geben ihnen Sie Möglichkeit, bei einem umfangreichen Apparat von Agenten und Spediteuren, Hauptmann Wunderwald- Limbach„ in längerer Rede" den Wahlen mehr und mehr alle von ihnen abhängigen welche Knechte verhandeln oder Ammen, oder Prostituirte, das„ Chemn. Tageblatt", das dortige Amtsblatt bringt Personen bis auf den letzten Mann an die Wahlurne zu oder Streitbrecher,„ Sachsengänger" u. dergl. Warum selber den Bericht: führen. Und daher ist es gekommen, daß gerade in den also nicht auch Auswanderer? Für den Kenner unserer Wahlkreisen, in welchen die Sozialdemokratie 1884 relativ Volkswirthschaft ist der Handel mit Auswanderern gar am stärksten war, diese bei den Wahlen von 1887 eine nichts Ueberraschendes. So etwas sieht ja dem Kapitalisrelative Einbuße erlitt. Denn selbstverständlich waren mus ähnlich! die in den Kartellparteien organisirten Vertreter der be= Auch die Art, wie diese Spezialität von fizenden Klassen in denjenigen Wahlkreifen am thätigsten, Menschenhandel betrieben wird, ist nichts Ueberwelche von der Sozialdemokratie am meisten bedroht waren. raschendes, nichts Ungewöhnliches. Die hochgradige Ar" Aus diesem Thatbestand folgt für die Sozialdemokratie, beitstheilung der modernen Produktion, die tausendfache daß sie vor allen Dingen bei den bevorstehenden Bersplitterung unserer Wirthschaft in ProduktionsspezialiReichstagswahlen bestrebt sein muß, schon im ersten täten hat den Vermittlern zwischen Produktion und ProWahlgange möglichst alle Parteianhänger zur buttion, sowie zwischen Produktion und Konsumtion eine Abstimmung zu veranlassen. Denn der Berseßungs- große Bedeutung in der Volkswirthschaft gegeben. prozeß aller gegnerischen Parteien zu einer einzigen, zu der Der Zwischenhändler, der Kaufmann beeinflußt dem= Partei der„ reaktionären Masse", hat in den letzten Jahren zufolge in hohem Grade die öffentliche Meinung. Da nun zusehends weitere Fortschritte gemacht und ist daher die die Thätigkeit des Kaufmann's deswegen, weil er auf Aussicht auf etwaige zahlreiche Stichwaylfiege zur Zeit Uebervortheilung ausgeht, eine unfittliche ist, so hat der ficher nicht begründeter als 1887. Kaufmannsstand die öffentliche Meinung korrumpirt und „ daß sie bereitwillig einen Tag den Wünschen ent sprechend sich zur Verfügung gestellt hatten, daß sie es aber nicht länger hätten aushalten können, um so mehr, da eine eigentliche Gefahr ihrer Ansicht nach gar nicht be= standen hätte, im Gegentheil gerade erst durch das Erscheinen der Feuerwehr unnöthige Erbitterung hervorgerufen worden wäre und daß fie dann im Interesse der Feuerwehr selbst eine weitere Betheiligung am Sicherheitsdienst abgelehnt hätten. Von Chemnitz ist hierauf Militär nach Limbach abgerückt, doch sind weitere Mißhelligkeiten gar nicht vorgekommen." Keine Gefahr- Erregung erst durch die von den Unternehmern herbeigerufene Feuerwehr provozirt trop Militär Mißhelligkeiten gar nicht vorgekommen"! Wer hat nun seinerzeit die Lügen gegen die Arbeiter in die Welt gesezt? Arbeiterpresse in Oesterreich. „ Die Volkspresse", so betietelt sich ein neues Arbeiterblatt, Spricht doch die Thatsache der letzten Woche, wo sich natürlich wiederum von Seiten der öffentlichen Meinung welches seit voriger Woche in Wien am 2. und 4. Montag in Kiel bei den städtischen Wahlen die Nationalliberalen Korruption empfangen. Jegt umfaßt infolgedessen dieser eines jeden Monats erscheinen wird, herausgegeben von Gen. A. und Freisinnigen und zwar wie ausdrüalich bemerkt sei, Stand abgesehen von den kaufmännischen Proleta- Heimann, redigirt von Gen. N. Hanser. Die einzelne Nummer kostet nur drei Kreuzer und die Absicht eine Klasse von Leuten, welche allerlei eigene dieses Blattes ist, die Aufklärung in die indifferenten Maffen zu auf Antrag der letteren auf eine gemeinsame Kandidaten- riern liste vereinigten, eine nicht mißzuverstehende Sprache; fie Handlungsweisen ja eine eigene Moral, eine Aus: tragen und dieselben dem Programme der Sozialdemokratie zu ge= giebt einen deutlichen Fingerzeig dafür, wohin die deutsch- nahme- Moral, haben. Der oberste Saß derselben lautet: winnen. Wenn es dem Unternehmen gelingen wird, dazu beizutragen, freifinnigen Mannesseelen sich neigen werden, wenn ihnen Thu alles, was dir Verdienst schafft; nur hüte dich, so wird es sich ein wesentliches Verdienst um die Sache des arbeieine endgültige politische Entscheidung durch die Macht der mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt zu gerathen; sei schlau Daß die erste Nummer ausdrücklich hervorhebt, unter dem Verhältnisse aufgedrungen wird. und laß dich nicht fassen. tenden Volkes erworben haben. ,, Banner der Einigkeit auf den Bahnen des Hainfelder Pro= Noch nach einer zweiten Richtung hin vermögen die Diesem Grundsaße gemäß sind die Menschenfleisch- grammes" zu kämpfen, versteht sich von einem sozialdemokratischen vorstehenden statistischen Zusammenstellungen der Arbeiter- händler von Galizien verfahren. Um mit dem Straf- Blatte von selbst. Wir begrüßen das neue Bruberorgan auf das bewegung für die nahen Reichstagswahlen nüßliche Dienste gesetzbuch nicht in Konflikt zu kommen, haben sie Re- wärmste und wünschen ihm beftes Gelingen. Die Administration befindet sich Wien, Neulerchenfeld, Herbstzu leisten. Die Zusammenstellungen der relativen Stimmen- gierungsbeamte mit in ihr Intereffe gezogen. Hierdurch straße 3, 3. Stock 28. zahlen sind nämlich ganz besonders dazu geeignet, um einer erlangten fie eine ganz besondere Macht über ihre Opfer, Internationaler Feiertag am 1. Mai 1890. II. Wie nicht anders zu erwarten, nimmt die Agitation zu gunsten des Arbeiterfeiertages einen gewaltigen Aufschwung. Nachstehende weitere Gewerkschaften und Versammlungen in Berlin faßten Refolutionen, die sich in ihrem Wortlaut mit denen in voriger Nummer unter dieser Rubrik mitgetheilten fast decken, so daß wir wohl auf Wiedergabe verzichten können. Ferner werden alle dortigen Genossen dringend ersucht, um- Endlich empfehlen wir allen unsern Genossen, im Wahlkampf gehend an das Komitee ein genaues Verzeichniß derjenigen Lokal= ftrengste Sachlichkeit obwalten zu lassen. Angriffe auf PerInhaber einzusenden, deren Säle der sozialdemokratischen Partei fonen find nur in so weit am Blaze, als der betreffende Gegner nicht zur Verfügung stehen zu Versammlungen. Auch ist es noth- im Parteikampf persönliche Gehäffigteit bewiesen oder im bürgerwendig, anzugeben, ob den Parteigenoffen der betreffenden Orte lichen Leben sich solcher Handlungen schuldig gemacht hat, die zu überhaupt ein Saal zur Verfügung steht. Es wird gebeten, bei fritifiren bas öffentliche Intereffe gebietet. Unsere Sache steht jedem Inhaber erst nochmal nachzufragen! Gewissenhafte Aus- zu hoch und ist zu fest begründet, als daß wir nöthig hätten, durc führung ist im Interesse der bevorstehende Reichstagswahl dringend ungerechtfertigte Angriffe auf Personen ihr zu dienen. Die Thaten nothwendig. der gegnerischen Parteien sind die wirksamsten Waffen für uns. Berlin, Dezember 1889. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags. Parteigenossen! Es wird zum großen Theil an Euch liegen, ob uns zur nächsten Reichstagswahl Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen, also schnell und gewissenhaft an's Wert! Zur Beachtung für alle unsere Leser. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages erläßt folgenden Aufruf: Es erklärten den 1. Mai 1890 als Feiertag: Die Bildhauer, Referent Dupont;- Tischler, Referent Th. Glocke; Töpfer, Referent David;- Tabatarbeiter und Arbeiterinnen in Rigdorf, Referent Herrmann;- Stepper und Stepperinnen, Referent A. Schmidt; der soz. Wahlverein des 5. Berl. Wahlkreises, Referent C. Wildberger; desgl. im 2. Wahlkreise, Referent W. Werner; die Posamentiere und Berufsgenoffen, Referent Pfeiffer; Korbmacher, Referent Carl; Weber, Tuch- und Raschmachergesellen, Refe= An unsere Partei- Genoffen! renten A. Schuster und Paul Wagner; Maler, Ladirer Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß unmittelbar nach und Anstreicher, Referent Schweizer; Mäntelnäherinnen Weihnachten der Wahlkampf voll entbrennen wird. und Arbeiterinnen der Herren und Wäscheschneiderei, Referentin Wir sehen voraus, daß unsere Genossen überall die VorFrl. Chaym; Gewerblichen Hilfsarbeiter, Referent Alb. bereitungen getroffen haben, um jeden Augenblick mit aller Kraft Schmidt; Fei in den Wahlkampf eintreten zu können. Wirkergesellen, Referent Bruno Wille; lenhauer, Referent Carl Becker; Steinträger, Referent Wie bei früheren Wahlen, so haben wir auch diesmal ein Frz. Berndt; Drechsler, Referent Hildebrandt; Militär- Zentral- Wahl- Komitee niedergesezt, das die Leitung der Wahlen schneider, Referent Krüger und die Schriftgießer. in die Hand nehmen soll. Demfelben gehören von uns an: Bebel, Auch außerhalb Berlins beginnt die Agitation. So erklärte Dresden- Plauen; Grillenberger, Nürnberg; Liebknecht, fich eine öffentliche Volksversammlung in Breslau nach einem Leipzig- Borsdorf; Meister, Hannover; Singer, Berlin bez. Referat des Schuhmachermftr. Megner- Berlin für den Feiertag, Dresden- Plauen, und sind Anfragen in Wahlangelegen ebenso eine Versammlung aller Gewerkschaften in Königsberg, heiten an einen der Genannten zu richten. ferner eine Frauenversammlung in Potsdam. Nur immer munter vorwärts! Dem zu erwartenden glänzen den Siege der Arbeiterpartei bei den kommenden Reichstagswahlen wird ein solcher am 1. Mai 1890 folgen. Da werden die Bauten ruhen, da wird kein Schornstein rauchen, keine Maschine freischen, öde und still wird es im Arbeitssaale sein, denn wenn der Arbeiter will, stehen alle Räder still. Es wird ein Ruhetag, ein Feiertag, ein Siegestag sein! Für die Parteigenossen der Provinz Sachsen, Thüringens und Anhalts. V Das am 24. November auf der Landes- Versammlung der fozialdemokratischen Partei zu Halle a. S. gewählte 3entralWahl Agitations Komitee der obengenannten Landestheile hat fich konstituirt, und zwar aus folgenden Personen: Adolf Hoffmann, Vergolder, Gr. Klausstraße 35, Vorsitzender; Adolph Albrecht, Schneider, Gr. Brauhausgasse 16 1. Etage, Kassirer; Wilhelm Sengpiel, Schneider, Gr. Sandberg 6, Schriftführer; August Groß, Kortschneider, Ober- Glaucha 36, und Wilhelm Biehl, Schuhmacher, Wörmlizerstr. 34, Ersaßmänner; sämmtlich zu Halle a. S. Es ist dieses Komitee für alle Genossen der obengenannten Landestheile zu jeder Auskunft 2c. bereit. Dazu gehört aber besonders zur Deckung der Kosten der zu führenden Korrespondenzen u. s. tv. Geld; es wird deshalb ersucht, alle Geldsendungen an den Kassirer Albrecht, alle Korrespondenzen an den Schriftführer Sengpiel zu richten. Wendt's Restaurant Dresdenerstraße 116. Inh. W. Gründel, Literarisches. ,, Lichtstrahlen der Poefie", Gedichtsammlung, ausgewählt von Max Kegel, illustrirt von Otto Lau, ist ein Buch betitelt, welches eine Fülle von gediegenen Dichtungen unserer besten deutschen und anderer Dichter enthält. Als eine Weihnachtsgabe, welche ein forterbendes Familienstück zu werden geeignet ist, sind die„ Lichtstrahlen der Poesie" sehr geeignet, zumal auch die äußere Ausstattung dem gediegenen Inhalt angepaßt ist. Verlag von Diet, Stuttgart. Preis, prächtig gebunden M. 3,50 Sibirien von Georg Kennan. Deutsch von F. Kirchner. Preis 3 M., eleg. geb. M. 4. Durch jede Buchhandlung zu beziehen. ,, Zur politischen Farbenlehre". Ein Schauspiel in drei Aften, herausgegeben von W. Liebknecht. Preis 10 Pf. Verlag von Karl Pinkau, Borsdorf. Die Schrift giebt die drei sächsischen Gerichtserkenntnisse in der bekannten Affäre wieder. Das in Stuttgart erscheinende Arbeiterorgan, das Schwäbische Wochenblatt", erscheint vom 1. Jan. ab wöchentlic dreimal, anstatt wie bisher wöchentlich einmal. か Diejenigen Wahlkreise, welche durch besondere Umstände nicht in der Lage find, die Kosten des Wahlkampfes aus Henry George's Fortschritt und Armuth sollte nach einer eigenen Mitteln aufbringen zu können, wollen durch ihre WahlKomitees spätestens bis 1. Januar an Bebel oder Singer die Darstellung des Twentieth Century nichts als eine Um- und Mittheilung gelangen lassen, wie hoch sich die Summe beläuft, die Ueberarbeitung eines alten Werkes von Patrick Edward Dove sein. wie es scheint, Henry George bestreitet diese Anschuldigung fie glauben aus dem allgemeinen Wahlfonds beanspruchen zu müssen. Wir sehen dabei voraus, daß wie früher so auch diesmal es die mit Recht. Erst 1882, also drei Jahre nach dem Erscheinen von Genossen in jedem Wahlkreis als Ehrensache ansehen, die Wahl- Fortschritt und Armuth" und 11 Jahre nach Unser Land und toften so weit als möglich, selbst aufzubringen, und gut fituirte unsere Landpolitik" habe er von Dove gehört. G. drudt in seinem Wahlkreise den schwächer gestellten Nachbar- Wahlkreisen mit Geld Standard" den Anklageartikel aus dem Twentieth Century" vollständig ab, was allein schon beweist, wie sehr er sich in seinem Rechte fühlt. unb agitatorischen Kräften zu Hilfe kommen. Auf die Beschaffung wie die Bezahlung von Drucksachen läßt sich das Zentral- WahlKomitee nicht ein. In bezug auf die Agitation empfehlen wir allen Genossen Folgendes dringend zur Beachtung: Insofern von gegnerischen Parteien allgemeine Wähler versammlungen einberufen werden, müssen selbstverständlich alle Parteigenoffen in denselben erscheinen, um dieselben für unsere Parteizwecke auszunüßen. Werden aber von Gegnern Wahlversammlungen für die Anhänger bestimmter Parteien mit Ausschluß unserer Partei- Anhänger einberufen, so ist es Pflicht unserer Genossen, einer solchen Versammlung fernzubleiben. Wir haben kein Recht, unsere Gegner zu Auseinandersetzungen mit uns in ihren Versammlungen zu zwingen. Weichen sie uns aus, so mögen die Wähler darüber ihr Urtheil fällen. Werden von Gegnern Versammlungen in Form öffentlicher Vereins- Versammlungen mit freiem Zutritt für Gäste abgehalten, so hat der einberufende Verein auch das Recht, das Bureau der Versammlung in der Hand zu haben. Wir rathen unsern Genossen dringend ab, in einem solchen Falle die Wahl eines Bureaus zu verlangen und schlagen vielmehr vor, daß wenn in solchen Versammlungen eine freie Diskussion nicht zu gelassen wird, selche gar nicht zu besuchen oder sie zu verlassen. Robert Seidels Schriften. In H. Carly's Verlag ( Debit Nestler und Melle) Hamburg erschien: Sozial- pädago= gische Streiflichter über Frankreich und Deutschland. Preis Preis Fr. 2,70. In der H. Laupp'schen Buchhandlung, Tübingen, erschien: Der Arbeitsunterricht. Preis Fr. 2,70. Bei A. Bichlers Wittwe u. Sohn, Wien und Leipzig erschien: Friedrich der Große und die Volksschule. Preis Fr. 2. Briefkasten. In allen Briefen bitten wir die Adresse des Absenders zu wiederholen, falls er nicht in regelmäßigem Verkehr mit uns steht. Wir sind sonst oft nicht in der Lage, Briefe zu beantworten oder Sendungen zu erledigen, da wir alle alten Adressen nicht registriren und aufbewahren können. Gedicht. Nicht zu bringen. Bremen. Vergleichen Sie Literarisches". Die Berliner Vereinskaffirer bitten wir, möglichst rasch 3. Quartal abzurechnen, oder doch Adresse und Zeit, wann fassirt werden kann, mitzutheilen. das Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer Berlins. Arbeitsnachweis für Maler, Tischler, Schloffer, Sonntag, den 22. Dezember, Vormittags 10% Uhr, in Jordan's Buchbinder, Drechsler, Töpfer, Möbelpolirer und Sattler. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags: und Abendtisch. Speisen à la carte zu jeder Tageszeit, sol. Preise. Borzügliches Weiß- und Bairisch Bier. 2 franz. Billards und 2 Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Als passendes Weihnachtsgeschenk empfehle den Genossen Damen- und Herrenschirme von 2 Mr. an. Fran Clara David, Lübbenerstr. 25. Cigarren. 25 Stück ff. 5 Pf. Cigarren 1, Mark. ff. 6 f. 25 1,25 Große Auswahl in Weihnachts- Präfent- Sigarren 25 pt. billiger als im Laden. Die besten 5 Pf. Cigarren für Restaurateure 35 Mart pro Mille. Probezehntel franko, empfiehlt die Cigarrenfabrik Herm. Laske, Friedenstr. 78, part. Bekanntmachung. Dem geehrten Publikum zur gefl. Nachricht, daß ich Gypsbüsten nicht mehr wie bisher, im Detail, zu 50 Pf. ablassen kann. A. Hoffmann, Halle a. S. Gr. Klausstr. 35. 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