Aerliner Soeial-Politisches Wochenblatt. Dir.Berliner Volks- Tribüne' erscheint jeden Sonnabend früh.— Abonnentents-PreiS für Berlin monatlich 50 Pfg. pränumerando(frei ins HauS).— Ewzelne Nummer 15 Pf>. Durch jede Poft-Anstalt des Deutschen Reiche? zu beziehen.(Preis vierteljährlich 1 M. 60 Pfg.; eingetragen unter Nr. 893 der ZeitungSpreiSliste für daS Jahr 1890.) Redaktion und Expedition: S.O.(26). Oranien- Straße 23. Inserate werden die 4 Ipaliigc Petit-Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins-Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Pfg.— Jnseraten-Annahme in der Expedition: Oranien-Straße 23. Ausgabe für Spediteure: .Volksblatt' Zimmer-Straße 44. H 13. Sonnabend, den 29. Märi 1890. IV. Jahrganz. u#» Zum l. Mai.— Die neue Aera.— Frank- �cr, Arbeiterschutzkonferenz I,— über englische Arbeiter f*hh lmre' U1'~ 3Mm bürgerlichen Gefetzbuch /.— Monarchischer Sozialismus. Gedicht von Schikowski.— Existenzen von � Die Pariser Kommune von ? e I'— Arbeitslosigkeit oder kürzere falsch gestellte fragen.—«r- berterfchutz rn Rußland, in der Schweiz.— Die sozialdemokratischen Abgeordneten III. Zur Beachtung! Soeben erschien: Berliner Arbeiterbibliotlstk. I. Serie. Äeft 12: Internationale Arbeitsschutzgesetzgebung. Von Paul Ernst- Berlin. 36 Seiten. Preis 15 Pf. „Verl. Volks Tribüne," Berlin S.O., Oranienstr. 23. DC Wiedcrvcrkäufer, sowie Arbeitervereine er- halten hohen Rabatt."%## m-it Zum 1. Mai. Fast alle Arbeiterblätter wenden nunmehr der Frage eine größere Aufmerksamkeit zu und bringen selbst- ständige Aufrufe. Die Fachblätter sind hier schon lange rührig gewesen. Die Grillenbergersche„Fränkische Tagespost" und die„Arbeiterchronik" schreiben— der Leipziger „Wähler" giebt den Aufruf wieder, wenn wir recht be- fürchten,„ohne daß die Fraktion vorher gesprochen hat": Auf dem im vorigen Jahr zu Paris stattgcfundeneil inter- nationalen sozialistischen Arbeilerkongrcß wurde der>. Mai 1890 als internationaler Arbcitcrfciertag proklamirt; an diesem Tage sollen die Arbeiter aller Länder zu gunsten eines wirksamen internationalen Arbeiterschlwgcsetzes, insbesondere aber zur Erringung des achtstündigen Arbeitstages eine Kundgebung veranstalten; zahl- reiche Versammlungen haben bereits in Deutschland statt- gefunden, in welchen der 1. Mai 1890 als Feiertag bestimmt wurde. Deshalb, Arbeiter, rüstet Euch zu diesem Kampf! Zeigt am 1. Mai 1890, daß wir gewillt, den Kampf mit der bei den letzten Reichstagswahlen so sehr geschlagenen Reaktion fort- zusetzen, daß wir als selbständige Arbester auch diesen Tag feiern können, welcher von den Vertretern der Proletarier aller Länder bestimmt wurde, um den herrschenden Klassen ins Gedächwiß zu rufen, daß wir mit dem jetzigen System nicht einverstanden sind, daß wir ein internationales Arbeiterschutzgesetz, einen achtstündigen Arbeitstag haben wollen. Deshalb auf zur Feier des 1. Mai 1890. Selbst dieser Ausruf passirte— wahrscheinlich weil er den entsetzlichen Namen Schippel nicht trug— ungefährdet die allerhöchste Zensur, obwohl er viel weiter geht, wie der in letzter Nummer von einer Anzahl Berliner Genossen gemachte Vorschlag. Letzterer ging von der Un- Möglichkeit aus, durchgehend in Deutschland am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen und empfahl den Genossen: 1. Volle Feier, wo es irgend geht, d. h. wo starke Arbeiterorganisationen(wie in Berlin, Ham- bürg, München u. f. f.) vorhanden sind; Vormittags öffentliche Versammlungen, Nachmittags gemeinsame Ausflüge und Feste; Wenigstens öffentliche Versammlungen, wo an einen allgemeinen Ruhetag nicht zu denken ist. Die im 1. und 2. Falle gefaßten Resolutionen sind unter Angabe der Zahl der Betheiliglen an die Reichstagsfraktion zu senden. 3. Eine Massenpetition— natürlich war diese nicht im Tone einer unterthänigften Bittschrift gedacht— schon um die Kreise herauszuziehen, denen Versammlungen(durch Verbote, Saalmangel u. f. w.) unmöglich find. Dieser Aufruf erschien denn auch im:„Berliner 'Volksblatt", Hamburger„Echo",„Norddeutschen Volksblatt", in der„Sächsischen Arbeiterzeitung", der Chemnitzer„Presse",„Burgstädtcr Zeitung", im „Braunschweiger Unterhaltungsblatt", in der„Thüringer Tribüne",„Nordhäuser Zeitung." In einer Zuschrift an das„Berliner Volksblatt" be- zeichnete ein Abgeordneter dieses Vorgehen als verfrüht und forderte auf,„erst die Fraktion sprechen" zu lasien, was„auch erst acht Tage vor dem 1. Mai" geschehen könnte, da am 1. Mai die„Agitation" überhaupt erst „beginnen" sollte. Er rieth, nichts zu lhun, bevor nicht die Fraktion gesprochen hätte. Anderer Meinung ist hinwiederum der Abg. Liebknecht, der am Montag in einem Briese an Herrn Max Schippel um sofortige Einsendung eines Entwurfes zu einer Resolution bat, die in allen Versammlungen angenommen werden könne, da es„hohe Zeit sei, daß Einheitlichkeit in die Agitation kommt." Unterdeß mehren sich zusehends die Versammlungen zum Achtstundentag in Berlin, der Provinz und den Bundesstaaten, so daß unseres Erachtens die Schaf- fung einer festen Direktive nicht länger mehr hinausgesckoben werden kann. Wir empfehlen— wenn eine allgemeine Fraktions- konserenz zu umständlich sein sollte— sofortigen Zusammentritt des Fraktionsv orsto ndes unter Hinzu- ziehung aller(eicht erreichbarem Abgeordneten. Das„Berliner Volksblatt' veröffentlicht den Aufruf der französischen Parteiführer zum 1. Mai. In München faßten die Kommissionen und Delegirten von 25 Gewerkschaften Beschlüsse im Sinne des in voriger Nummer veröffentlichten Aufrufes. Ueber die Beschlüsse anderer Versammlungen hoffen wir in nächster Nummer eine Uebersicht bringen zu können. Die neue Aera. pe. Daß an dem Umschwung" der deutschen Politik, wie er äußerlich in dem Sturz Bismarcks zum Ausdruck kommt, die Behandlung der Sozialdemokratie einen sehr großen Antheil hat, ist keine Frage. Wir sind nicht fehr gespannt aus diese Veränderung in der Behandlung. Befser wird es uns auf keinen Fall gehen, und viel schlechter kann es auch nicht werden. Man kann höchstens die Formen verändern; die Sache an sich wird schon so bleiben, wie sie ist. Mögen unsere Gegner von den neuen Formen aller- Hand erwarten— wir stehen ihnen ziemlich ruhig und gelasien gegenüber. Die Gegensätze des sozialen Lebens spitzen sich immer mehr zu; und mit ihnen die Gegensätze des politischen Lebens; die Mittelparteien verschwinden; sie mögen vielleicht ihre alten Namen behalten, in der Sache verlieren sie ihre Selbständigkeit; immer klarer tritt der Gegensatz zwischen den bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie hervor; und daß das keine Verwerfung der alten Politik gegen uns zur Folge haben kann, sondern nur eine Verschärfung, wenn sie möglich ist, ist klar. Aber viel straffer läßt sich die Sehne nicht mehr spannen. Es wird also im Wesen alles so bleiben, wie es ist. Die bis jetzt ausfälligste Veränderung ist das starke Ueberwiegen der Versuche, uns durch allerhand Kon- Zessionen zu kapern. Man meint, daß man uns zu- sriedenstellen kann, indem man einige verhältnißmäßig neben- sächliche Punkte unseres Programms erfüllt; das heißt in der Sprache dieser Herren„der berechtigte Kern." Schon früher hat man uns mit den famosen Versicherungen ab- zufinden geglaubt; jetzt kommt man mit einer krüppelhaften Arbeiterschutzgesetzgebung. Offenbar ist die Schutzgesetz- gebung etwas mehr werth, als die Versicherungen; und deßhalb werden wir sie auch annehmen; aber die Anschauung, daß wir für diesen Bettelpfennig aus unsere anderen Forderungen verzichten werden, ist denn doch zu naiv. In noch viel höherem Maße, wie früher, wird von jetzt ab die„Kreuzzeitung" für die Psychologie der Regierung wichtig sein. Es ist deßhalb sehr instruktiv, gerade auf ihre Aeußerungen in der Frage zu hören. Zunächst brachte sie die bekannte Ente von dem Interview eines sozialistischen Abgeordneten. Derselbe sollte gesagt haben, daß die Sozialdemokratie durch die Schutzgesetzgebung eventuell bestimmt werden könnte, ihre„antimonarchische" Gesinnung aufzugeben und„positiv mit zu arbeiten." Daran knüpfte sie die Hoffnung, daß man jetzt kein Sozialistengesetz mehr ge- brauchen werde. Besonders auffällig war die Bemerkung. daß nunmehr mindestens eine Spaltung der Partei statt- finden würde. Ihre Haltung gegniüber dem Sozialistengesetz hielt sie auch später noch ausrecht, als die Erdichtung ihres Interviewers nachgewiesen war— aus andern Gründen, die sie nicht mittheilen wollte. Zuletzt erschien dann noch ein Aussatz, in welchem die Bemerkung von der Spaltung in der Partei weiter ausgeführt wurde. Durch die enorme Vergrößerung der Partei seien ihr sehr viele opportunistische Elemente zugeführt, sodaß sich das Terrorisiren der radi- kalen Richtung nicht mehr länger werde fortführen lasten; die Partei werde sich spalten in eine opportunistische und eine radikale Richtung; zum Beweis wurden einige Stimmen aus unserer Preste zltirt. Natürlich würde die Kreuzzeitung die Opportunisten mit offenen Armen auf- nehmen. Gleichzeitig mit diesen süßen Tönen erschollen die Berichte der Vorgänge in Köpenick. Daß dort keine s�avzialdemokraten die Tumulte begonnen halten, das war wohl jedem Menschen klar. Wir begehen nicht solche dummen und einfältigen Streiche. Plump, wie immer, verrieth sich sofort die Spitzelmache: durch Lockspitzel wurde, in Ermangelung eines wirklichen Aufruhrs, ein Polizei- a ufruhr in Scene gesetzt. Der Zweck ist ja klar: man will den„opportunistischen Elementen" vor den„radikalen" einen Schreck einjagen; man sucht den alten Popanz mit Knüppel und Schnapsflasche wieder hervor, um die noch neuen Elemente zu erschrecken. Und sehr schlau spekulirt man: den Opportunisten werden wir um den Bart gehen und ihnen vor den Radikalen Angst ein- jagen; dann werden sie sich von den Radikalen trennen; wenn wir jetzt die Radikalen allein haben, so fallen wir mit desto größerer Kraft über sie her und werden mit ihnen fertig; und dann werden wir die Opportunisten auch schon kriegen. Wir kennen diese dummschlaue, bornirt pfiffige Politik schon lange; es ist uns nicht ungewohnt, gegen eine große soziale Bewegung die Weisheit eines Polizeiwachrmeisters augewendet zu finden; das ist ja die berühmte Realpolitik. Die herrschenden Parteien halten Haus mit ihren Ideen. Aber diese ganzen Hoffnungen sind eitel. Erstens giebt es gar keinen Unterschied zwischen Radikalen und Opportunisten. Ein Sozialdemokrat ist ein Mensch, welcher glaubt, daß die gegenwärtige privatkapitalistische Gesell- schaftsordnung im Auslösen begriffen ist und der sozia- lisiischen Platz macht. Wer also mit der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung paktirt, der ist logisch kein Sozial- demokrat. Hätte die Regierung mit ihren Erwartungen Recht, ließe sich einer von uns nur auf eine einzige der Quacksalbereien ein, mit welchen man dem morosen Gesell- schastskörper wieder auf die Beine helfen will— auf die positive Mitarbeit ims Sinne der„Krcuzztg."— in demselben Augenblicke wäre er kein Sozialdemokrat mehr, er hätte seine Sache verrathcn. Bei uns giebt es kein Handeln und Schachern. Das Handeln überlassen wir unfern Gegnern. Fürwahr, wir müßten solche Schwächlinge sein, wie die übrigen Parteien, wenn wir das verkaufen wollten, wofür so viele Märtyrer zu Grunde gegangen sind, verkaufen— für ein Linsengericht! Und wir müßten so einsichtslos und unwissenschaftlich sein, wie unsere Gegner, wenn wir glaubten, daß solche Manöver aus die wirkliche geschichtliche Entwicklung einen Einfluß hätten. Unsere Politik rechnet nicht von heute auf morgen und lebt nicht von der Hand in den Mund. Wir wissen, wir sind nur der Mund, durch den die sozialen Ereignisse sprechen, und wir haben nichts zu thun, als den Gang dieser sozialen Ereignisse zu studieren, damit wir das Richtige sagen, und die so als nothwendig erkannte Ent- Wicklung zu beschleunigen. Auf diese Entwicklung aber hat I weder der Abgang des Fürsten Bismarck Einfluß, noch die Arbeiterschutzkonferenz, noch das schmeichlerische Lüftchen, das mitunter wehen mag. Das sind Episoden; und wir haben Geschichte zu machen. Eben so entrüstet, wie wir die zugemuthete Unruhe und den zugcmutheten Verrath zurückweisen, müssen wir uns gegen den zweiten Theil des sauberen Programms erklären, über dem der Genius Puttkamers schwebt, wie über dem ersten derjenige Hintzpeters. Wir werden aus der Hut sein vor der Lockspitzelei. Sozialdemokraten werden den Herrn den Gefallen nicht thun, Revolten zu machen. Wir sind keine Kinder, welche vor Ungeduld zappeln, und die jungenhafte Anarchistenpolitik findet bei uns keine Anhänger. Durch die Köpnicker Vorgänge sind wir gewarnt; die Lockspitzel mögen auf der Hut sein; wir werden sie behandeln, wie sie es verdienen. Die Erfinder der schlauen Politik der neuen Aera aber mögen sich eins bedenken: ihre Politik ist dieselbe, wie die, an der Bismarck soeben bankerott geworden ist. Bei ihnen wird der Bankbruch nicht so lange auf sich warten lassen; die Entwickelung gleicht in ihrem Gange dem fallenden Stein, sie geht von Stunde zu Stunde schneller. Und so wird auch diese dumme und verlogene Kreuz- zeitungspolitik schneller von ihrem Ende ereilt werden, wie die frühere. Frankreich auf der Arbeiterschutzkonferenz. i. Die bürgerliche Afterrepublik der französischen Groß- bourgeoifie hätte ihrem festen Willen, dem Kapital durch Schutzmaßrcgeln zu gunsten der Arbeit kein Härchen krümmen zu lassen, keinem besseren und charakteristischeren Ausdruck verleihen können, als sie es durch die Zusammen- setzung der zur Berliner Konferenz gesendeten Delegation gethan. In der That, dieser Delegation gegenüber, deren geistiges Haupt und Mittelpunkt der sozialpolitische Tartuffe Jules Simon ist, hätte es keiner besonderen Reserven, keiner besonderen Instruktionen über die Fernhaltung der Reduktion des Arbeitstages bedurft, um die Interessen des Kapitals in wirksamer Weise vertreten zu lassen, gegen- über den schwindsüchtigen Anwandlungen, die Interessen der Arbeit zu schützen. Wenn irgend etwas, so schreibt die Wahl dieser Männer und das ihnen mitgegebene Pro- gramm für die dritte bürgerliche Republik das„Mene mene tekel upharsin." Ja, sie ist gewogen und zu leicht befunden, den dringendsten Interessen der Arbeitermasse gegenüber, gewogen und zu leicht befunden, im Berständniß der geschichtlichen Entwickelungen und Nothwendigkeiten, gewogen und zu leicht befunden, um wie früher auf dem Vorposten der historischen Entwickelung zu stehen, die Zivilisation zu weiteren Siegen zu führen, gewogen und zu leicht befunden, weil der Geldsack, das Kapital so schwer in die eine Wagschale fällt, daß die andere federleicht in die Höhe schnellt. Freilich, nicht das ganze ftanzösische Volk ist mit dem antidemokratischen Gebahren der Regierung gerichtet, sondern nur die Kaste, die politisch und ökonomisch das Szepter in Händen hält, die Bourgeoisie. Die Berliner Konferenz ist wie ein Meilenstein in der Geschichte der französischen Bourgeoisie und zeigt, wie unter dem Drucke des Klassen- kampfes ihr Weg reißend schnell abwärts und rück- wärts geht. Und doch, welche günstige Gelegenheit hatte Frank- reich, auf der Berliner Konferenz eine moralische Revanche für Sedan zu nehmen, indem es sich zum entschiedenen Vorkämpfer der Forderungen machte, welche zu absoluten Nothwendigkeiten geworden sind, indem es durch sein Ber- ständniß für die Situation wie früher den Staaten des Kontinents die Fahne des Fortschritts voran trug. Die gegenwärtige französische Regierung hat nichts von alledem begriffen, sie hatte nur Sinn und Berständniß für den Schrei des Kapitals:„Die Kasse muß gerettet werden." So sind die Emissäre der Republik nicht wie früher um das Banner geschaart, das in seinen Falten die Freiheit über Europa tragen sollte, sie drängen sich um eine Standarte, welche die Ausschrift tragen sollte:„Hier soll dem Kapital der Pelz gewaschen, aber nicht naß gemacht werden." Das Wort saßt den kurzen Sinn der langen Vertröstungen, Bedenken, Reserven und Instruktionen der Berliner Konferenz gegenüber zusammen. Und die Dele- gation verkörpert dieses Wort in charakteristischer Weise. Das ftanzösische Großkapital hätte keinen typischeren Vertreter finden können, als den Senator und Akade- miker Jules Simon. Aus bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen hervor- gegangen, katzbuckelte er sich durch seine salbungsvolle Ge- schmeidigkeit nach oben, durch sein demagogisches Kokettiren mit liberalen Ideen nach unten, schnell zu einer poliritisch bedeutenden Rolle empor. Unter dem Kaiserreich gehörte er der republikanischen Opposition an und spielte seine Rolle als„Jesuit der Demokratie" so trefflich, daß er nach dem 4. September Mitglied der provisorischen Regierung ward. Von nun an ließ er die Maske fallen und unter der Kommune, wie in den ihr folgenden Jahren bis zur Gegenwart kam unter dem Schafspelz der BolkSfreundlich- keit und einer„weisen ethischen Philosophie" über Leben und Politik der Wolf des eingefleischtesten Konservatismus, der blindesten und egoistischen Klasseninteressen zum Bor- schein. Er solidarisirte sich mit Leib und Seele mit der dem französischen Volk so verhängnißvollen Thters'schen Politik, wie sie noch jetzt den Leitstern des Opportunis- mus bildet. Die Bourgeoisie belohnte ihn für seine poli- tisch-literarischen Lakaiendienste durch mehrmalige Verleihung eines Ministerportefeuillcs. Die aus der demagogischen Periode seines Lebens stammenden Werke wie die„Gewissensfreiheit",„die Ar- beiterin", der„Arbeiter vor acht Jahren", die von rühr- seliger Empfindelei und der plattesten liberalisirenden Spieß- bürgermoral strotzen, suchte er späterhin durch Schriften, Artikel und Reden abzubüßen, in denen er in glatter, formvollendeter Sprache und echt psäffischem Ton die Theorien des politiscken Stillstandes und des ökonomischen laisser-faire predigt. Die Bourgeoisie preist ihn dafür als einen„Weisen" und einen„Philosophen." Allen wahrhaft demokratischen Reformen abhold, wittert er hinter den blassesten Versuchen, der Ausbeutung des Proletariats durch das Kapital Zügel anzulegen, den„Staalssozialismus", dessen„geschworener Feind" er ist. Ten Emanzipations- bestrebungen der Arbeiter steht er mit dem ganzen unver- söhnlichen Haß und blinden Unverstand des satten und übersatten Bourgeois gegenüber, der nicht in der Ver dauung gestört sein will und der nach der luxuriösen Mahb zeit über die Tugenden der Emhaltsamkeit und Genügsamkeit Philosophastert. Beiläufig sei bemerkt, daß sich Jules Simon zur Zeit seines Liebäugclns mit den Arbeitern vorübergehend in die Internationale verirrt hatte! Sein Kollege bei der Delegation und im Senat, der ehemalige Ziseleur Tolain gehört gleichfalls zu denen, welche der Weg über die Fleischtöpfe Egyptens zu einem sozialpolitischen Damaskus geführt hat. Auch Tolain zählte zur Zeit der Empire zu„den Rothen". Seine geweckte Intelligenz und sein bedeutende rednerisches Talent verschafften ihm unter seinen Kameraden schnell Einfluß, und er ward von ihnen 1861 als Reben- sekretär der Arbeiterkommission auf die Weltausstellung zu London gcsckickt. Er gehörte zu den Gründern der Pariser Sektion der Internationale und war in deren erste Pro- zesse verwickelt. Als die Kommune einen so grellen Blitz auf den Gegensatz der Klassen warf und das Proletariat vor der Hand als besiegt zeigte, erkannte Tolain, daß es vor der Hand vortheilhafter sei, sich aus die Seite der Herrschenden zu schlagen. Seine dcmentsprcchende Haltung in der Schmachvcrsammlung Bersailler Angedenkens ließ ihn das Vertrauen der Arbeiterklasse für immer verscherzen, dafür machte er nun aber unter der Acgide der Bourgeosie schnelle Karriere, die ihn in den Senat führte. Bei dem französischen Proletariat ist sein Name viel- fach ein Synonym für„Verrath an der Arbeitersache" ge- worden, ebenso wie er häufig als deren„Judos Jschariol" bezeichnet wird. Jedenfalls thut man dem Mann damit mehr Ehre an, als er verdient. Er halte auch vor der Kommune keine geklärten Ueberzeugungen, seine ganze prinzipielle Bagage bestand aus sentimental-kleinbürgerlichen Phrasen, mit proudhonistischen Utopismus gewürzt und gespickt. Er konnte.im'Namen der„Tradition der großen Revolution" der dritten bürgerlichen Republik in die Arme sinken, ohne viel von den Ueberzeugungen, die er nicht hatte, zu vcrrathen. In dem Senat gilt er trotzdem als der Bertheidiger der Arbeiterinteressen. Wie der Fuhr- mann stutzt, wenn er die Peitsche knallen hört, so erinnert sich nämlich Tolain seiner Herkunft und der jugendeseligen Bestrebungen von anno dazumal, wenn im Senat Arbeits- schutzgesetze erörtert werden. Er erinnert sich der alten Zeiten und tritt schüchtern und verschämt für eine Arbeits- schutzgesetzgebung ein, soweit sich dieselbe mit den„Prin- zipien der individuellen und industriellen Freiheit"(lies der schrankenlosen Ausbeutungsfreiheit) verträgt und durch rein philantropische und humanitäre Gründe vor der Bourgeoisie, entschuldigen läßt. Bei seinem„Eintreten für die Interessen der Arbeiter" vermeidet er sorgfältig alles, was den Verdacht erregen könnte, als stehe er auf dem Standpunkte des Klassenkampfes und fordere als Recht, was er als Almosen zu erbetteln sucht. In den Augen Jules Simon's gilt Tolain trotzdem als„wahrer Sozialist"- Der Abgeordnete und Professor Burdeau hat sich vielfach mit dem Studium naiionalökonomischer Fragen, besonders auch aus dem Ressort der Finanzen und Steuern beschäftigt. In welchem Geist und Sinne erhellt daraus, daß er Verehrer Jules Simon's, Freund Tolain's, Mit- arbeiter an der politischen Hauspostille der Bourgeoisie, dem„Tcmps", ist und mit dem Percy des Manchester- quarks, Dves Guyot zusammen den„Globe" redigirt. Trotz dieser anrüchigen Antecedenzien soll Burdeau nach einem Interview erklärt haben, daß er im Prinzip für einen gewissen gesetzlichen Arbeiterschutz ist. Augen- scheinlich sucht er die„Prinzipien, welche sich aus den Traditionen der Revolution ergeben", in morganatischer Ehe mit einer beschränkten und halben Arbeitsschutzgesetz- gebung zu vermählen. Der Mann muß offenbar unter die Halben, unter die Herren Einerseits und Andererseits klassifizirt worden, die in den Nebeln der Harmonieduselei herumwankcn. Der Generalinspektor der Minen Lindu soll große technische Kenntnisse besitzen, und den Forveningen einer Schutzgesetzgebung gegenüber sehr„versöhnliche An- chaungen" haben. (Schluß in nächster Nummer). Gnslische Arkeiterverhaltnifle in deutsch- kapitalistischer Keleuchtung. m. Der Bericht der von deutschen Kapitalisten nach England gesandten Untersuchungskommission giebt sich wie wir gesehen haben, redliche Mühe, die englischen Trade Unions in einem möglichst ungünstigen Lichte erscheinen zu lassen, ihr Wirken als höchst bedrohlich und unheilvoll für die Herrschaft der Kapitalistenklasse hinzustellen. Nichtsdestoweniger sieht sich die Kommission—«an wird erkennen, weßhalb— gezwungen, den Trade Unions eine gewisse Anerkennung zu zollen. Der Bericht sagt nämlich, daß sich in England die Verhandlungen zwischen den Wertbesitzern und Arbeitcrveriretern bei Streiks und sonstigen Streitigkeiten im großen und ganzen in den Formen völliger Gleichberechtigung vollziehen. Der Bericht sucht nun nach einer Erklärung für diese merkwürdige, in Deutschland noch nie gesehene Erscheinung. Er findet sie darin, daß die Haltung der Trade Unions im Allgemeinen maßvoll und ihre Forderungen vernünftig,„reasonable", seien. Ueberhaupl spiele in England weil mehr als bei| uns das Wort„reasonable" eine große Rolle,„mit andem Worten, es werde bei dem dortigen Arbeiter, bezw. seinen Führern die Nolhwendigkcit des Zusammengehens von Kapital und Arbeit klar erkannt und anerkannt." Besonders Herr Dr. Beumer lobt die„ruhigen, j sachlich-klaren und durch das Ziliren hervorragender nationalökonomischcr Schriftsteller(vermuthlich Leute, wie j Giffen und Leone Levi, d. V.) begründeten Ausführungen", welche der Kommission seitens der Arbeitersekretäre der Unions durchweg zu Theil geworden seien; und als national-' ökonomische Egeria der vereinigten rheinischen und west- fälischen Eisenindustriellen sowie des Kapitalistenblattes- „Stahl und Eisen" hat Herr Dr. Beumer hierin ein unbestreitbar authentisches Urtheil. Herr Dr. Beumer kramt daher mit Wohlbehagen die ökonomische Weisheit aus, welche er durch die fteundliche Belehrung der Trade-Unions-Sekretäre in sich ausgenommen hat. Alles was nack ihnen der Arbeiter verlangen könne,- sei a tair day's pay for a fair day's work, ein ehrlicher Tagelohn für ehrliche Tageardeit, mehr dürfe und könne nicht verlangt werden. Durch ein„destruktives" Borgehen gegen das Kapital würde ja der Arbeiter selbst den Ast absägen, aus dem er sitze; durch„übertriebene Lohnforderungen" könne sich das Kapital veranlaßt sehen, sich von der Industrie zurückzuziehen, und dann bleibe de« Arbeiter gar nichts übrig. Nur eine„auskömmliche, de» Verhältnissen entsprechende, gute, sichere" Existenz sei für den Arbeiter zu verlangen. Sei dieses Ziel erreicht, so sei gar nichts dagegen einzuwenden, wenn der Arbeitgeber großen Gewinn erziele, in Luxus lebe und Kapital anhäufe, denn dadurch werde die Arbeit wieder befruchter. j Da haben wir die wohlbekannte Harmoniesimpelei in einem Auszüge, wie er wässeriger nicht gedacht werde» kann. Kein Wunder, daß er Herrn Dr. Beumer, dcr nicht gerade ein ökonomischer Feinschmecker ist, köstlicb mundet. Die in Rede stehenden Arbeitersekretäre sind also glücklich auf dem erhabenen Standpunkt des Harmonie- apostels Bastiat angelangt, den die deutschen Arbeiter bereits vor mehr als einem Bierteljahrhundert zu verlasse» anfingen, und der hier heute eine fromme Legende ist- ES sei hier übrigens bemerkt, daß die Hormoniefaselei>» England noch verhältnißmäßig am wenigsten sinnlos ge- wesen ist, weil, so lange England das Jndustriemonopo» der ganzen Welt besaß, der englische Arbeiter, namentlich der gelernte, aus diesem Privilegium einen gewissen Vortheil zog. Mit dem englischen Jndustriemonopol ist es aber jetzt vorbei. Herr Dr. Beumer behauptet, daß ihnen die obige» Ansichten von den Trade-Unions-Sekrelären„durchweg* ausgesprochen worden seien. Da scheint ein merkwürdiger Zufall der Kommission die Leute ausgesucht zu haben, die sie interviewte. Ein Blick in das Protokoll der letzte» Trade-Union-Kongresse würde sie eines Besseren belehrt haben. Indessen soll nicht geleugnet werden, daß die Leute der Klique Broadhurst-Shipton noch immer zahlreiiö und mächtig in den Trade-Unions sind. Die jüngste» Ereignisse zeigen aber, wie sehr ihr Einfluß im Schwinde» begriffen ist. Shipton hat vor einiger Zeit daS Präsidi»'» des Londoner Tradcs Council niedergelegt, und Broadhurß � RS— er sich im Herbst parlamentarische» aus Gesundheit»' die Ansichten ve' „Führer" decke»- hat kürzlich öffentlich angekündigt, daß von seiner Stellung als Sekretär des Komitees zurückzuziehen beabstchliae— rücksichlen. Daß sich, ganz abgesehen hiervon, Arbeiter keineswegs mit denen ihrer dafür kann man ein gewichtiges Zeugn'iß herbeibringt»: Aus dem letzten Gewerkschaftskongreß(Herbst 1889) blie» nämlich die Behauptung des Präsidenten Rilchie nicht unwiderlegt, sondern unwidersprochen, daß die rank and 6� , große Masse der Tradeunionisten in ihren wirlb' schaftlichen Ansichten weit fortgeschrittener sei als ih� „Fuhrer." Nun handelt es nch aber für die Kommission bar»* aufzudecken, woher„solche gesunde Ansichten" der Arbeite� sekretare kommen. Hier bewährt sich das geniale J»#' pretatwnsvermögen des Herrn Dr. Beumer auf's Glänzendste- „Dieser gesunde Sinn eines großen Theils der englis-be» gelernten Arbeiter ist, wie es uns scheint, in erster Li»'' k- r ii?lCn«Udungsdrang zurückzuführen, � n diesen Schichten aus Schritt und Tritt gesunden Wirdum diese schone Schlußsolgerung zu bekräftigen bringt< einige Beispiele für das Bildungsbestreben der engl'I-� Arbeiter herbei. ai r�pencc Watson, einem Advokaten in N-» caflle hatten sich eines Tages acht Arbeiter eingesunde» o f xl" feien auch ein Paar Professoren � & bagewefen, welche bei einem Gespräche mii� ieffcn hätte sich eine mehrstündige Debatte darüber zwischen den Arbeitern und Herren Professoren entsponnen. Dr. Watson erzählte serner der Kommission, daß sich die Arbeiter in der Umgebung von Newcastle häufig Pro- fessoren von der doriigen Universität kommen ließen, um ihnen Vorlesungen über Geologie und dergleichen zu halten. Tr. Beumcr lhat vorüber sehr verwundert, da ihm solche Dinge in Deutschland offenbar nicht begegnet sind. Endlich wird darauf hingewiesen, daß die englische Regierung zu Fabrikinspektoren, zu Beamten im Board ot Trade u. s. w. öfter durch Intelligenz sich auszeichnende Arbeiter gewählt habe. Wie ungebildet doch die deutschen Arbener sein müssen, daß die Regierung hier nicht das Gleiche thut! Kein Mensch wird doch behaupten wollen, daß dieser Umstand etwa auf eine prinzipielle Gegnerschaft der Re- zierung gegen die Arbeiter zurückzuführen sei! Wir denken zu hoch von den sich überall dokumen- tirenden Bildungsbedürfnissen der deutschen Arbeiter, um sie einem Dr. Beumer gegenüber erst besonders in Anspruch nehmen zu müssen. Aber selbst wenn wie bona fides bei Herrn Dr. Beumcr voraussetzen wollcen, so ginge es ihm wie jener vornehmen englischen Lady aus dem Westend von London, welche in Rom durch den Anblick des auf den Brücken, Plätzen und Palaststufen kampirenden Lumpen- Proletariats die Existenz von Armulh und Elend in der Welt entdeckt. Schon ein kurzer Spaziergang von ihrem Hause nach den Vierteln von Soho, Sc. Giles x. hätte ihr ein jeder italienischen Romantik bares Elend enthüllt, das ihr das Blut in den Adern erstarren gemacht hätte. Aehnlich Herr Dr. Beumer. Er muß extra von Düsseldorf nach Newcastle reisen, um dort den Bildungs- drang der Arbeiter zu entdecken. Der englischen Arbeiter, sagt Herr Dr. Beunier, weil sie es sind, bei denen er denselben zuerst entdeckt. Sollte er einmal geruhen, sich nach> den Bildungsbedürfnissen und dem Bildungsstand unserer deutschen Arbeiter umzuschauen, so würde er manches Merkwürdige finden. Ohne den englischen Arbeitern nahe treten zu wollen, können wir getrost behaupten, daß die Durchschnittsbildung der deutschen Arbeiter unbedingt eine höhere ist; und wenn derVBildungstrieb den Maßstab sür den sogenannten„gesunden Sinn" bei den Arbeitern bildete, so hätten die deutschen zweifellos den allergesündesten. Anstatt zu schließen, daß Bildung und jener„gesunde Sinn" wohl nicht viel mit einander zu thun haben, folgert Dr. Beumcr, daß die Bildungsstufe der deutschen Arbeiter eine ziemlich tiefe sein müsse. Triumphirend glaubt er sich nun am ersehnten Ziele angelangt, indem er fortfährt: „Alle diese Thatsacken(nämlich die oben angeführten Beispiele aus England) müssen uns doch zeigen, daß die Arbcitervcrhältnisse in England vielfach ganz anders liegen als bei uns; und daß unter solchen Umständen die Möglichkeit eines Verkehrs mit deu Arbeitern auf dem Fuße völliger Gleickcherechtigung in England nicht geradezu überraschen kann, liegt aus der Hand. Ob aber auf ein Land, in welchem die Verhältnisse thatsächlich ganz anders liegen, derartige Vereinigungen(wie die Trade Unions) ohne Weiteres übertragen werden können, dürste doch sehr dem Zweifel unterworfen sein." Denn, heißt es an einer andern Stelle,„ein solches Material von Arbeitern haben wir in Deutschland zur Zeit noch nicht, im Gcgenthcil, tragen die Führer der Arbeiter zur Zeit eine so feindselige Stellung gegen das Kapital zur Schau, daß schon aus diesem Grunde ein Berkehr mit ihnen auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung unmöglich erscheint." Herr Caron endlich sagt es rund heraus, die Existenz der Sozialdemokratie unter der revolutionären deutschen Arbeiterschaft sei schuld daran, daß die deutsche Unter- nehmerklasse sich zu keinerlei Konzessiönen gegenüber den Arbeitern herbeilassen will. Die Existenz der Sozialdemokratie unter de» deutschen Arbeitern können wir angesichts der fast V/a Millionen Stimmen, welche diese Partei bei den letzten Reichstags- wählen davongetragen hat, schwerlich in Abrede stellen. Wir haben auch nicht die geringste Veranlassung dazu. Wenn aber das rothe Gespenst immer wieder und wieder den fadenscheinigen Borwand dafür liefern muß, daß selbst den dürstigsten Arbeiterforderungcn in Bezug auf Koalitions-, Versammlungsfreiheit jc. jedwede Anerkennung versagt wird, so müssen wir gegen eine solche unehrliche Argumen- tation energisch protestiren. Die Kapitalisten gebrauchen hier denselben Kniff, wie der frühere Minister von Pult- kamer, dessen feine Spürnase hinter jeder gewerkschaftlichen Vereinigung die Hydra der sozialen Revolution witterte und der demgemäß jene entweder auflöste oder ihr durch willkürliche Polizeimittel jede Bewegungsfreiheit abschnitt. Dieser so beliebt gewordene Trick besteht in der absichtlichen Verwechslung zweier total verschiedenen Dinge, nämlich einerseits der politischen Stellung der Arbeiter als Klasse gegenüber den Kapitalisten als Klasse und andererseits der «trthschaftlichen Stellung der einzelnen Arbeiter oder von Arbeitergruppen gegenüber den einzelnen Kapitalisten. Die Sozialdemokratie ist der politische Ausdruck der Stellung, welche die Arbeiterklasse als Ganzes innerhalb der heutigen Gesellschaft einnimmt; sie ist das Produkt der Erkenntniß. daß die ökonomische Entwicklung diese Gesellschaft von selbst dahin drängt, eine andere Gesellschaft mit anderer Basis und anderer Gestaltung aufzurichten. Wenn aber heute die Sozialdemokratie an die bestehende Gesellschaft mit der Forderung herantreten wollte, einer anderen Gesellschaft auf der Grundlage des Gemeineigen- thums Platz zu machen, in der Erwartung einer sofortigen Erfüllung dieser Forderung, so wäre dies ebenso lächerlich als aussichtslos, so lange die Sozialdemokratie nicht eine so große Macht einzusetzen hat, um einer solchen Forderung de« unumgänglich nölhigen Nachdruck zu verleihen. Bis jetzt besitzt sie diese Macht noch nicht, und die Erlangung derselben hängt nicht von ihrem Willen ab. Im wirthsch östlichen Kampfe gegen die übermäßige Ausbeutung seitens der Kapitaüstenklasse stehen die Arbeiter mit ihrer Forderung nach Arbeiterschutz, Normalarbeilstag, Koalilionssreiheit:c.,— gleichgültig ob sie sonst Sozialdemo- kraten sind oder nicht,— unbestreitbar vollständig auf dem Boden der bestehenden Gesellschaft. Ja, in der Erhebung jener Forderungen liegt eine formelle Anerkennung der bestehenden Gesellschaft. Wie also in solchen Forderungen sich sozialdemokratische Bestrebungen offenbaren sollen, ist unserem Verstände unerfindlich. Wir wissen freilich, daß jene heuchlerische Unterschiebung seitens der herrschenden Klasse nur geschieht, um, zum Vortheile ihres eigenen Säckels, der arbeitenden Klasse die Möglichkeit jedes Wider- standes zu nehmen. Die Kommission lobt die Forderungen der englischen Trade Unions als„reasonable", tadelt aber die der deutschen Arbeiter als maßlos und übertrieben, weil„sozial- demokratisch". Den Beweis dafür, daß die Forderungen der deutschen Arbeiter nicht„reasonable" seien, schenkt sich die Kommission kluger Weise. Dagegen dürfte uns der Beweis sehr leicht fallen, daß die deutschen Arbeiter in ihren Forderungen,'was Lohnsätze und Arbeitsdauer an- betrifft, weit mäßiger, also„vernünftiger" sind als ihre englischen Brüder. Im Auftrage des„Zentralverbandes deutscher Industrieller" und anderer mächtiger Kapitalistenvereinigungen, in welchen sich die deutschen Jndustriebarone organisirt haben, ist die Konimission nach England gegangen in der deutlich erkennbaren Absicht, den Beweis zu erbringen, daß die Einführung solcher Institutionen wie der englischen Trade Unions in Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit sei und absolut verhindert werden müsse. Eine Arbeit des Herrn Dr. von Schulze-Gävcrnitz in den Professor Schmoller'schen Jahrbüchern, welche wohl in verständiger Weise die Einführung der Trade Unions als eine Methode der leidlichen Gestaltung der Beziehungen zwischen Arbeit- geber und Arbeitnehmer vorgeschlagen hatte, scheint den Anstoß zu jener sauberen Mission gegeben zu haben. Herr Dr. von Schulze-Gävcrnitz wird daher in nicht sehr schmeichelhafter Weise von dem Kommissionsbericht mit den giftigsten Ausfällen bedacht, denn heilig, heilig, heilig ist der Profit und verdammt, wer ihn auch nur mit einem Schatten anzurühren wagt. Nach unseren Ausführungenglauben wir den von dem Kommissionsberichte beabsichtigten Beweis sür kläglich ver- unglückt ansehen zu dürfen. Die Gesehgebung und das Droletariat im Klassenstaate. (Zum Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuches f»r Deutschland.) I hm. Der Grundsatz der Rechtsgleichheit gilt allgemein als die unbedingte Voraussetzung für das Gedeihen eines Staatswesens oder einer Gesellschaft. Alte wie neue Necktsgelehrte sind sich darüber einig, daß ein Staat, ohne Gleichheit vor dem Gesetz zu gewähren, nicht aus die Dauer bestehen kann. Schon die alten römischen Juristen erkannten aus- drücklich den Grundsatz der Rechtsgleichheit als den leiten- den Gesichtspunkt, als das Organisationsprinzip der Gesellschaft(societas) an. Und heute schreibt der geistvolle Göttinger Rechtslehrer Rudolph von Jhering in seinem „Zweck im Recht"(Band I. S. 369): «Nicht dämm wollen wir im Recht die Gleichheit, weil sie an sich etwas Erstrebcnswerthes wäre... sondern darum wollen wir sie, weil sie die Bedingung des Wohles der Gesellschaft ist! Wenn die Lasten, welche die Gesellschaft ihren Mitgliedern auferlegt, ungleich vertheilt werden, so leidet nicht blos derjenige Theil, der zu schwer belastet ist, sondern die ganze G esellschaft; der Schwer- punkt ist verrückt, das Gleichgewicht zerstört und die natür- liche Folge davon ist der soziale Kampf zum Zweck der Herstellung des Gleichgewichts, unter Umständen eine höchst gefährliche Bedrohung und Erschütterung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung." Man sollte nun meinen, baß es unter solchen Um- ständen immer das Streben der Gesetzgeber gewesen wäre, diesen für die Existenz und Entwickelung des Staates so wichtigen Grundsatz zu befolgen und die Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz herzustellen. Davon aber ist in der gesammten bisherigen Rechts- geschichtc nicbts zu finde»; im Gegcntheil stoßen wir überall auf die größten Bevorzugungen Weniger und auf die völlige oder doch theilweisc Rechtlosigkeit der großen Volksmassen. In jedem Jahrhundert tritt uns das be- stehende positive Recht als eine Sammlung von Privilegien und Fällen völliger Rechtsberaubung entgegen. Dieser Umstand kann aber nicht Wunder nehmen, wenn wir uns den Ursprung und Bildungsprozeß unseres Rechts vergegenwärtigen. Es beginnt mit dem nackten Egoismus, niit der Gewalt des Stärkeren, welche dem Schwachen das Recht setzt. Es ist wie unsere ganze Geschichte das Resultat von Klassenkämpfen und keine Schöpfung der menschlichen Ein ficht und sittlichen Gesinnung. Aus diesem Grunde haftet unserem Rechte auch noch heute ein großer Theil brutalen Klassen- Unrechts an. Aber jedesmal, wenn eine neue Klasse dazu berufen ist, ihr Prinzip zum herrschenden der Gesellschaft zu machen, so verrichtet sie die sie unterdrückenden Rechlsinstilute der alten Klasse und proklamirt die Gleichheit des Rechts. Gleichheit vor dem Gesetz! das war der viel- tausendstimmige Ruf der ausstrebenden Bourgeoisie und sie ruhte nicht eher, als bis sie alle die ihr schädlichen Privilegien des feudalen Junkerthums durchlöchert hatte. Gleichheit vor dem Gesetz ist auch heule wieder das Feldgeschrei des gegen die Zwingburg des bürgerlichen Klassenstaates anstürmenden Proletariats! Zwar leugnet die Bourgeoisie, daß sie ihrem früheren Grundsatz untreu geworden sei; aber die Thatsache bleibt doch bestehen, daß sie sich, seitdem sie die herrschende Klasse geworden, eine ebenso lange, wenn nicht noch längere Reihe von Klassenvorrechten und Privilegien geschaffen hat, als sie nur zu irgend einer Zeit eine andere Kaste besessen hat. Seit der Zeit, wo sie den Grundsatz der Rechtsgleichheit proklamirte, Hai sie ihn schon tausende von Malen ver- rathen und zu ihrem Interesse durchbrochen. Das Prole- tariat hat es denn auch oft genug fühlen müssen, daß seine Interessen mit anderen Maßen, als denen gemessen werden, deren man sich bei den Interessen der Bourgeoisie bedient; es weiß aus tausendfältiger Erfahrung, daß es nicht eine dem Bürgerthum gleichgestellte sondern untergeordnete Klasse ist. Möge man es auch noch so viel und oft darauf hin- weisen, daß die Verfassungen der Staaten sowie die Ge- setzbücher den Grundsatz der Rechtsgleichheit ausdrücklich anerkennen, so kann man ihm damit doch die Ueberzeugug nicht mehr nehmen, daß es unterdrückt ist und ein anderes Recht als die herrschende Klasse besitzt. Häufig allerdings findet man, daß der Arbeiter seine rechtliche Jnforiorität in erster Linie den ausführenden Organen des Rechts, den Gerichten, Polizei- und Ver- waltungsbehörden zuschreibt, und nicht dem Gesetzbuch. Das ist ein Jrrihum, der jedoch nur zu begreif- lich ist. Gewiß, es kann ja vorkommen, daß die Behörde ein Unrecht gegen den Arbeiter begeht. Aber dieser Um- stand steht ganz und gar in zweiter Linie und ist im Grunde nur eine Folge des Uebergewichts, welches die Interessen der besitzenden Klasse in der gesummten Rechtsordnung über die der besitzlosen Klassen haben. Durch die damit nothwendig verbundene einseitige Rechlsanwendung zu gunsten des Besitzes muß es auch bei dem unparteiischen und immer gerecht sein wollenden Richter mit der Zeil dazu kommen, daß er sich als Beamter der herrschenden Klasse fühlt, deren Interessen er in erster Linie zu vertreten und zu wahren hat. Wer könnte nun in Abrede stellen, daß eine solche, vielleicht ganz unbewußte Atlffassnng seines Amtes den Richter in seinen Entschei- düngen beeinflussen muß? So haben wir auch die dem Rechtsbewußtsein des Volkes oft direkt ins Gesicht schlagenden Urtheile im all- gemeinen nicht auf den schlechten Willen, auf eine bewußt ungerechte Absicht der Richter zurückzuführen, sondern auf die Rechtsunglcichheit, die alle unsere Gesetzbücher ohne Ausnahme aufzuweisen haben. Der Kampf des Proletariats um sein Recht ist deshalb kein Kampf gegen Personen, sondern gegen Institutionen! Dieser Kampf ist entschieden schwerer zu führen, als der gegen gewisse sozial-ökonomische und politische Ein- richtungen. Letztere berühren und interessiren in Folge dessen auch alle Kreise des Proletariats gleichmäßig, während die verschiedenen Rechtssätze nur dann den Arbeiter benach- theiligcn, wenn irgend eine ihn angehende Rechtssache nach ihnen geregelt werden muß. Dann aber ist es sür den Arbeiter außerordentlich schwer zu erkennen, wo der Fehler, die Ungerechtigkeit im Gesetz liegt, da er meistens dessen genauen Wortlaut nicht vor Augen hat und selbst wenn das der Fall ist, so doch oft nicht den Sinn des Gesetzes wegen der ihm ungewohnten Juristensprache, in der die Gesetze geschrieben, klar zu erfassen vermag. Durch diese Umstände ist es überhaupt nur erklärlich, wie sich manche, die Interessen des Arbeiters schwer schädigende Bestim- mungen so lange Zeit erhalten können. Aber je schwieriger es für das Proletariat ist, sich auch auf dem Gebiete des Rechts Einfluß und Geltung zu verschaffen, jc größer muß sein Eifer sein, sich Rechts- kenntniß zu erwerben. Besonders muß es aber wissen, an welchen Punkten es durch das bestehende positive Recht beeinträchtigt wird. Denn nur unter dieser Bedingung vermag es das Recht so umzubilden, daß es seinen In- teressen den billigen Schutz gewährt, den andere Volks- schichten schon längst besessen haben. Es ist unzweifelhaft ein großes Verdienst, welches sich der Rechtslehrer der Wiener Universität, Herr Anton Men ger, erworben hat, indem er zum ersten Male zeigte, in welch' unglaublicher Weise die arbeitenden Klassen auf allen Ge- bieten des Rechts, im Familien- und Erbrecht, sowie im Sachen- und Obligationenrecht durch die einseitige Begünsti- gung der Interessen der Bourgeoisie geschädigt werden. Er that dies in seiner Schrift:„Das bürgerliche Recht nnd die besitzlosen Klassen", einer Schrift, welche in erster Linie den Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuches für das deutsche Reich kritisirt, der von einer Anzahl Juristen im Austrage der Reichsregicrung ausgearbeitet ist. Da nun dieser Entwurf eine Zusammenfassung, beziehungsweise Neü- bearbeitung des in Deutschland bestehenden Rechtes ist, so gilt die Menger'sche Kritik in den meisten Fällen auch für die augenblicklich in Kraft befindlichen Gesetze und verdient es, daß sich unsere deutschen Arbeiter ihre wichtigsten Re- sultate genau einprägen, die wir sie ihnen in den folgenden Artikeln vorführen werden. Ueberdies aber hat auch der Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuches selbst ein großes Interesse für die Arbeiterklasse. Derselbe wird im Laufe der nächsten Legis- laturperioden dem deutschen Reichstag vorgelegt werden. Da ist es denn wichtig, daß das Proletariat seine Forde- rungen auf Abänderung und Umgestaltung einer Reihe der seine Interessen verletzenden oder mangelnden Gesetzes- bestimmungen geltend macht; das wird nämlich dringend von Hannover hat sich schon im Jahre 1875 in diesem werden... Die hunderttausende unserer Arbeiter sind, nöthig sein, da Professor Menger schreibt, daß er in Sinne ausgesprochen. Der jetzige Oberpräsident von abgesehen von einigen bewußten" Führern, nicht Soalter und neuer Zeit schwerlich ein Gese geswerk Hannover hat es für unbegreiflich erklärt, wie es möglich zialdemokraten, aber sie find Sozialisten bis auf die hätte finden können, welches die besitzenden Klassen gewesen sein kann, die ganzen Jahre hindurch sämmtliche Knochen; und wer sie der Sozialdemokratie abwendig so einseitig begünstigt und diese Begünstigung so Revenüen des Fonds auszugeben, da doch eine Summe machen will, muß ihnen den Sozialismus bieten. Unfallunumwunden zu erkennen giebt wie der deutsche von mehr als einer Million Mark nach Bestreitung der Gesetz und Invaliden- Versicherung sind arbeiterfreundliche Entwurf!!" Verwaltungskosten jährlich übrig bleibt.... Ich glaube Gefeße; aber den Kernpunkt treffen sie nicht. Sie find = Dahin zu wirken, daß ein solcher Entwurf nicht an- faum, daß selbst bei der weitesten Interpretation der Be- kein Sozialismus. Sie haben weiten Kreisen große Lasten genommen und daß die Rechtsordnung in unserem Klassen- griffe von Ueberwachung und Abwehr der feindseligen auferlegt, und doch keinen Sozialdemokraten gewonnen. staat nicht noch mehr zu Ungunsten der Arbeiter verschoben Unternehmungen des Königs Georg oder überhaupt der Die beabsichtigten Arbeiterschuß- Geseze greifen schon tiefer; wird, muß das unermüdliche Streben des Proletariat sein. früher regierenden Familie, daß die Ausgaben, von denen aber den Sozialismus bringen sie auch nicht. Der SoziaEs muß in öffentlichen Volksversammlungen die ein- man hört, daß sie aus den Revenüen des Fonds gebraucht lismus aber bildet die Zähne und Krallen des Raubthiers zelnen Theile des Gesezentwurfes besprechen und seine werden, unter solche Begriffe gebracht werden können." Sozialdemokratie. Man beraube sie dieser scharfen Waffen, Wünsche auf Abänderung formuliren. Es verlasse sich Ein großer Theil der Einnahmen des Welfenfonds und sie wird vergehen, wie der Schnee in der Sonne. nicht auf den Gerechtigkeitssinn der Vertreter der Bourgeoisie hat keinem anderem Zwecke gedient, als der Beeinflussung Diejenige Partei hat die Zukunft in Deutschland, die sich im Reichstag! Derselbe ist noch stets beiseite gefeßt, wenn der öffentlichen Meinung, als der Unterhaltung jener den Sozialismus inkorporirt. Gebe Gott, daß es die kon= es den besitzenden Klassen galt, sich ein Vorrecht zu er- Presse, welche der Kriegsminister von Verdy im Reichstage fervative sei. Werde sie unter dem Arbeiter- Kaiser eine obern. Was der Bourgeoisie heute allein imponirt, ist frivol" und„ verleumderisch" genannt hat. Wirthschaftspartei der Kaisersozialisten. ein Proletariat, von dem es sieht, daß es die Verlegung Der Monarch ein Arbeiter- Kaiser; die große seiner Interessen nicht stumm und lautlos hinnimmt, sonMasse des arbeitenden Volkes die neue Wirthschaftsform zieht zur Abwechslung wieder einmal die ,, Kreuzzeitung" sozialistisch gesonnen-wer hält den Vortrag?" auf. Wir heben aus dem bezeichnenden Artikel folgende Wir würden Herrn Professor Adolf Wagner hierfür Stellen hervor, die für das politische Unverständniß und empfehlen. das Demagogenthum unserer, Junker und Mucker" recht charakteristisch sind: . 11 dern von dem es zu gewärtigen hat, daß es für sein Recht Die Fahne des monarchischen Sozialismus für sich fordernd; zahlreiche geistige Zwörer der Nation in die Schranken tritt! Ueber den Welfenfonds schreibt die„ Voss. Ztg.": Der Fonds warf nach einem unter dem 13. Januar 1869 erstatteten Kommissionsbericht des Abgeordnetenhauses 598 000 haler jährlich ab. Politisches, Gewerkschaftliches. ,, Der Sozialismus ist eine Wirthschaftsform, Den letzten äußeren Anlaß zum Rücktritt des Fürsten derzufolge der gesammte Wirthschaftsbetrieb nicht mehr in Bismard ſtellt die„ Bojj. Stg." folgendermaßen dar:„ Der Kaiser dividuell, einzeln, sondern kollektiv, von der Gesammtheit, war über die Verhandlungen des Fürsten Bismarck mit Herrn Die Kosten seiner Verwaltung, an deren Spiße der betrieben werden soll. Der Sozialdemokratismus aber Windthorst sehr erregt und fuhr nach dem Kanzlerpalaste, um den Oberpräsident von Hannover stand, beliefen sich auf un- ist eine radikale politische Parteibildung, welche in Fürsten zu fragen, was diese Unterredungen zu bedeuten haben. gefähr 180 000 Thaler. Denn es gehörten zu dem Ver- wirthschaftlicher Beziehung den Sozialismus als Programm- Fürst Bismarck, der sich eben im Bette befand, erhob sich sofort und beantwortete, nachdem er bei dem Kaiser eingetreten war, die mögen des Königs Georg Schlösser, Gärten und andere punkt aufgenommen hat. Dies können ebensogut Frage dahin, daß es sich um Privatangelegenheiten handle. Der Besißstücke, deren Unterhaltung kostspielig war. Immerhin, auch andere Parteien thun. Das heißt: man kann Staiser betonte, daß er von Verhandlungen seines Kanzlers mit so sagte der Abgeordnete Virchow im Abgeordnetenhause, ein strenger Royalist, ein Ultra- Konservativer, ein Junker einem Parteiführer wie Windthorst rechtzeitig zu erfahren, ein Recht ,, wird man rechnen müssen, daß allein aus dieser Quelle und Mucker und doch ein Sozialist sein. Wem dies habe, was Fürst Bismarck ungefähr mit dem Sage zurückwies, daß er seinen Verkehr mit Abgeordneten keiner Kontrolle unterwerfe. der Regierung ein geheimer Dispositionsfonds nicht einleuchtet, der hat das Wesen des Sozialismus Er fügte hinzu, nur in Folge eines Versprechens an Kaiser Wilvon mindestens 400 000 Thalern eröffnet werden nicht begriffen( hm!), der, wir wiederholen, lediglich eine helm I., einst seinem Enkel zu dienen, sei er in seiner Stellung würde." Dieser Ansicht hat auch später noch der Abge- Wirthschaftsform ist verblieben. Er werde aber gern bereit sein, sich in den Ruhestand ordnete von Bennigsen Ausdruck gegeben. ,, Welches Interesse hat nun die Krone zur Sache? zurückzuziehen, wenn er dem Kaiser unbequem werde. Daß nach Die Regierung erklärte der Besorgniß Virchow's Für die Krone ist die Wirthschaftsform an sich gleichgültig. diesen Vorgängen ein Berbleiben des Fürsten Bismarck im Amte unmöglich war, bedarf keines weiteren Nachweises." gegenüber, daß das einzige positive Ergebniß der Maßregel Eine starke Monarchie verträgt jede Wirthschaftsform. Eine eine ungeheuere Vermehrung des Denunziantenwesens und volksfreundliche Monarchie aber wird naturgemäß diejenige Aufforderung! Am Mittwoch, den 2. April findet für der Geheimpolizei sein werde, daß die für solche Zwecke Wirthschaftsform wählen, bei der das Volk sich am Brandenburg- Westhavelland Stichwahl zwischen Ewald und zu verwendenden Gelder wesentlich nur im Auslande zur wohlsten fühlen kann. Je größer das materielle Wohl- Sermes statt. Alle diejenigen, die gewillt find, im dem Streife Verwendung kommen würden und hauptsächlich nur der behagen der Bevölkerung ist, desto fester wurzelt die Moam Tage der Wahl zu helfen, wollen sich am Sonntag, den 30. d. M. Vormittags 10 Uhr einfinden, im Restaurant bei Gründel, DresVerfügung des Ministeriums der auswärtigen Angelegen- narchie im Herzen des Volkes... Das Königthum hat denerstraße 116, Hof. Namentlich werden diejenigen ersucht, die am heiten unterstellt werden sollten. Am 30. Januar 1869 gar kein Interesse an Millionären und erst recht nicht an 21. März geholfen haben, wieder zu erscheinen, und sich außerdem erklärte der damalige Graf Bismarck im Abgeordnetenhause, mehrfachen Millionären. Es hat im Gegentheil lediglich bei folgenden Personen zu melden. Aug. Täterow, Mauerstr. 9, III. E. Wilschke, Junkerstr. 1, Laden. C. Dimmick, Sebastianstr. 72, keineswegs wolle die Regierung so viel geheime Fonds Interesse an kleinen Vermögen, bei gegenwärtiger Geldlage of III. haben: Ich hätte keine Verwendung dafür und möchte etwa von 30-100 000 mark... Welche Wirthschafts- Sozialdemokratischer Lese- und Diskutir- Klub Vordie Verantwortung für solche Summen nicht übernehmen. form für das Volk am wohlthätigsten sei, das zu erwärts. Sonntag, den 6. April, Vormittags 10 Uhr, in Reng Es werden sich andere Verwendungen finden, die Ihre kennen ist für den Monarchen allerdings sehr schwer. Von Salon, Naunynstraße 27, Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Bölsche, über Hypnotismus und Spiritismus. nachträgliche Genehmigung und Zustimmung finden werden." 1868-1878 wurde in Preußen Deutschland eine Wirth- Diskussion. In der Kommission des Herrenhauses erklärte der Re- schaftsform gehandhabt, unter der das Land zu verarmen gierungskommissar Geheimrath Wollny wiederholt, zu anfing, das Manchesterthum, ein Kind des Liberalismus. Die Maurer Berlins warnen dringend anderweiten Verwendungen im Intereffe des Landes bleibe Es bleibt ein unvergessenes Verdienst des Reichskanzlers, die Einholung der Zustimmung des Landtages vorbehalten." daß er durch seinen Vortrag bei unserem damaligen faiserEs ist aber bis auf diesen Tag über die Verwendung lichen Herrn eine neue Wirthschaftsform in Vorschlag der Erträgnisse des Welfenfonds weder dem Landtage noch brachte, unter welcher Deutschland materiell wieder gedieh. auch nur der Oberrechnungskammer irgend welche Rechen- Jezt stehen wir vor der Thatsache, daß abermals eine schaft gelegt worden. neue Wirthschaftsform nothwendig werden wird; wer Welche Verwendung der Welfenfonds gefunden hat, hält diesen Vortrag? weiß man, auch wenn man es nicht in jedem Augenblicke Der bedingte Sozialismus, welcher die großen in aller Form Rechtens zu beweisen vermag. Herr von maschinellen Betriebe der Gesammtheit überweist, wird Bennigsen erklärte im Jahre 1882 im Namen der nach unserer Ansicht die Wirthschaftsform der Zu- Neuendorf. Das zweite ließen wir weg; wir können doch nationalliberalen Partei, daß die Gründe, welche zur Be- kunft sein. Es steht auch füglich nichts dem im Wege, nicht über jede Lohnzulage in Deutschland berichten. Weiteres später. Gruß. schlagnahme geführt haben, als fortdauernd nicht diesen Sozialismus zu verkörpern. Freilich darf dabei 2. M. Jastrow. Die Reichstagsabgeordneten erhalten mehr anzuerkennen seien." Der Provinziallandtag nicht fiskalisch, sondern es muß wirklich sozial verfahren teine Besoldung( Diäten). vor Zuzug. Briefkasten. Abonnent. Diese Art der Citirung ist bei uns immer nur ein Att der Nothwehr. Fallen die einen über uns her, so räfonniren wir nicht wieder, sondern rufen die anderen zu Zeugen für uns auf. Es ist das das Anständigste und Wirksamite zugleich. Hildesheim- Chemnių. In nächster Nummer. Artikel- Bimetallismus. In nächster Nummer. erin δας Bre Da bitt bo all gen jon erf Achtung. Schloffer! Den Kollegen zur Nachricht, daß die Mitglieder des Fachvereins d. in Buchbindereien und verwandten Betrieben Versammlung des Fachvereins für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins und Umgegend am Montag, den 31. März ausfällt, indem an diesem Tage eine öffentliche Versammlung der Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins, im Konzerthause Sanfcouci, Rottbuserstr. 4a stattfindet. Der Vorstand. Die Thüringer Tribüne bertritt die Interessen der Arbeiter in politischer, wirthschaftlicher und gewerkschaftlicher Beziehung in entschiedenster Weise. Dieselbe erscheint wöchent lich zweimal. In ihrer Rubrik" Aus Thüringen" beleuchtet dieselbe speziell das Streben und Wirken des werkthätigen Volfes Thüringens. Jede Postanstalt nimmt Abonnements zum Breise von 1 Mark vierteljährlich entgegen. Jm gleichen Verlage erscheint die ,, Reußische Tribüne" und das ,, Nordhäuser Volksblatt", welche im zweiten Nachtrag der Postzeitungsliste eingetragen werden und zu den gleichen Bedingungen zu beziehen sind. Der Verleger. Erfurt. Karl Schulze. Sozialdemokratischer Leseklub ,, Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Markusstr. 6. ( Restaurant Spiekermann). Vorlesung und Diskussion. Eine freundl. Schlafstelle ist zu vermiethen zum 1. April. Waldemarstr. 3 bei Dieter. Lohn. beschäftigten Arbeiter. Montag, den 31. März, Abends 9 Uhr, Annenstr. 16. Tages- Ordnung: Vortrag des Herrn Julius Dolinsky über Stück- und ZeitVerschiedenes und Fragekaften. Zu dieser Versammlung laden wir unsere Arbeiterinnen ganz besonders ein. Solidarität! Am Dienstag, den 1. April bei Feuersteins, Alte Jakobstr, 75 Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: Vortrag des Herrn Friz Krüger. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Fragefaften. Kollegen welche noch im Besitz von statistischen Fragebogen find, werden gebeten, selbige in dieser Bersammlung mitzubringen. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Gr. öffentl. Bersammlung St Oeffentl. Versammlung Fachverein der Tapezierer Ber lins und der Umgegend. fich gar Ich mö Me beg es ihr gin 0000000 Arbeiter Contral Gesetzlich O Nachdruck verboten. OG Marke and den deutscher geschütz Ausgegeben VOR 00000000000000000000 Hutmacher Wi mi obg gar nid Bo sta St den 2. Diskussion. Al rei der Einberufer. wi den fta Für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt. Ein Vereinszimmer zu vergeben. lei Otto Linke, Forsterstr. 45. rub wa der Arbeiter Control Commission In Berlin Jean Holze Markenfabrik Hamburg Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Sonntag, den 30. März cr., Abends 7½ Uhr im Lokale Oranieustraße 180( oberer Saal). Vortrag des Herrn Dr. Zadeck über den jezigen Stand der Schwindsuchtsfrage". Gäste, Damen und Herren willkommen. Der Vorstand. NB. Dienstag, 1. April 1890, Abends 81% Uhr, Vorstandssitzung bei Heindorf, Langestr. 70. Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Arbeiter! Nur Hüte, welche nebenstehende Marke unter dem Schweißleder, tra gen, bieten Garantie, daß ben Berfertigern gerechter Lohn wurde! Kauft nur Hüte mit dieser Marke! Leseund Diskutierklub„ Herwegh". Die Klubabende finden jeden Dienstag, Abends 8 Uhr statt. Hierzu find fämmtliche Mitglieder dringend eingeladen. Gäste, Damen und Herren, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Das Klub- Lokal befindet sich Forsterstr. 45, bei Otto Linke. Der Vorstand. Sämmtlicher Lohgerber und Lederzurichter, sowie der in dieser Branche beschäft. Arbeiter am Sonnabend, den 29. März, Abends 812 Uhr, in Bözow's Brauerei, vor dem Prenzlauer Thor Tages- Ordnung: 1. Die Bedeutung des Achtstundentages unb des 1. Mai 1880. Ref. Mar Baginsky. 3. Verschiedenes. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Allen Freunden und Genoffen empfehle meine Restauration. Drud und Verlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. KM» m iJcdincr Uolks Tribüne. M 13. Sonnabend, den 29. März 1890. iv. Jahrgang. Die UoKabonnenten unseres Blattes «rinnern wir daran, ohne Säumen und vor Monatsichlutz Abonnement zu erneuern, ihr das sonst von der Post als erloschen betrachtet wird. Post-Zeitungskatalog für 1890 Nr. 893. Preis pro Vierteljahr Mk. 1,50(bei Selbstabholung Postschalter.) Durch Briefträger fr. ins Haus Mark 1,65 pro Viertclj. am Die Kreuzbau dabonuenten bitten wir, wo-eS irgend angeht, vom 1. April direkt von der P o st a n st a l t zu beziehen. an Die Bestellungen müssen m öglichft bald, jedenfalls vor Monatsschlust bewirkt werden und können bei «llen Postanstaltcn des Reiches erfolgen. Wo Kreuzband aus besonderen Gründen weiter gewünscht wird, erbitten wir umgehende Nachricht; sonst nehmen tvir au, das? direkte Bestellung bei der Post erfolgt ist und senden daher vom 1 April ab nicht weiter. (Nachdruck verboten.> Der neuen Zeit ein neuer Sang! Nun höre auf zu klagen, Lied, Sing' jubelnd zur Frühlingsfeier: Der Lenzsturm, der die Welt durchzieht, Rauscht auch durch meine Leier. ES rauscht und es klingen die Saiten nach Und schwirren und summen und sagen: Der Frühwind weht, die Welt wird wach, Der Morgen beginnt zu tagen! Nun höre auf zu klagen, Lied, Nun sollst du Gewaltiges melden Bon der neuen Zeit, die uns erblüht, Bon Weisen, Duldern und Helden! Der neuen Zeit ein neuer Sang! Kein träges Zirpen und Summen! In der dumpfen Werkstatt ertöne der Klang, Wo die Räder surren und brummen. Wo der Kolben schwingt, wo der Riemen knackt, Dorthin soll der Sänger fliehen; Das sausende Schwungrad rausche den Takt Zu seinen Melodieen! Dort such' er die Helden, geschwärzt von Nutz, In der thranigen Arbeiterblouse; Das Dampftotz sei sein Pegasus, Die Wahrheit seine Mise! Und dem kräftigen Volk ein kräftig Lied Von der Macht, die ihm gegeben, Von den« neuen Geist, der die Welt durchzieht, Von Liebe, Licht und Leben! John Schikowski. Gristenie«. (Nachdruck vttboten.l Von John Henry Mackay. Nach zehn Minuten waren wir wieder in dem über- füllten, dunstigchcißen Raum. Am Klavier saß der frühere Student und spielte seine Begleitung herunter. Er sah sich nicht um. Wieder aber ergriff mich das Gefühl eines ganz unerklärlichen Jntereffes für den fremden Menschen. Ich hälie lesen mögen, was diese Stirn dachte; wissen mögen, was diese Augen sprachen. Wir saßen in derselben Nische, wie das letzte Mal. Mein Begleiter hatte sich schon mit seinem Frauenzimmer begrüßt. Alles war unverändert: das Publikum und was es zu hören und zu sehen bekam. Wieder war es elf Uhr. Die Sängerinnen rafften ihre Noten zusammen und verließen die Bühne. Sie gingen nach hinten, die einen, um sich umzuziehen; die andern, um dort im Weinzimmer wüste Stunden mit denen zu verleben, welche dumm genug waren, diese dem Wirth in schlechten Weinen und noch schlechterem Sekt mit theuerem Geld zu bezahlen. Ich blieb noch sitzen, obgleich mein Bekannter mit seiner Geliebten längst gegangen war. Mich hielt noch etwas zurück. Aber ich wußte es nicht, was es war. Die Tische wurden allmählich leerer. Bon den Lichtern verlöschte eins nach dem andern. Ich stand aus und griff nach meinem Hute. Da stockte ich. Statt des gewohnten Marsches, dein unvermeidlichen, mit dem alle Konzerte in Berlin geschlossen werden, spielte der Klavierspieler heilte eine einfache Weise, so einfach, so reizend, daß ich erstaunt zögerte und niich unwillkürlich wieder hinsetzte. Aber wieder packte mich der Aerger über den Spieler und mehr noch über den verlorenen Abend. Ich ging. Aber ehe ich noch die Thür erreicht hatte, stand der frühere Student neben mir und machte mir eine leichte Verbeugung. Ich sah erstaunt auf. Da hörte ich, wie er mit ruhiger Stimme sagte:„Mein Name ist Jordens. Sie waren so liebenswürdig, mich vor einigen Tagen um meine Gesellschaft zu bitten. Es sollte mir leid thun, wenn ich Sie durch meine Absage beleidigt hätte"— und da ich sehr überrasch! nicht gleich antwortete, fuhr er leise lächelnd fort:—„wenn ich Sie überhaupt beleidigen kann. Aber vielleicht würden Sie mir heute Abend, falls Sie nichts besseres vorhaben, das Vergnügen machen, mit mir ein Glas Bier zu trinken?" Ich habe ihn daraus hin gewiß sehr befremdet an- gesehen. Jedenfalls antwortete ich ihm ruhig und höflich: „Gewiß, sehr gerne. Aber weshalb, wenn ich fragen darf, nahmen Sie dann mein Anerbieten nicht an?" Wie- der überflog das leichte Lächeln von vorhin seine Züge. „Verzeihen Sie, ich werde Ihnen nachher antworten. Wenn es Ihnen recht ist, wollen wir gehen." Er öffnete die Thür und ließ mich vorangehen. Als wir auf der Straße standen, wandte er sich zu mir. „Ich setze voraus, daß, wenn Sie dies Lokal"— er wies mit der Hand nach der eben verlassenen Thür zu- rück—„besuchen, Sie vielleicht auch nichts dagegen haben, wenn ich Sie in mein Stammlokal führe. Es ist sehr klein und einfach, aber durchaus anständig. Ist es Ihnen recht?"— Ich verneigte mich höflich:„Bitte." Er wandte sich nach rechts und wir gingen schwei- gcnd die Straße hinab. Ich lachte innerlich: die Geschichte war entschieden nicht ohne Humor. Ich wollte stillschwei- gend abwarten, was kommen sollte. Aber er ging ruhig und sicher neben mir her, und machte keine Miene, ein Gespräch anzufangen. Wir gingen ziemlich schnell durch mehrere, mir ganz unbekannte Straßen in der Richtung nach Nordosten. Einen Augenblick über- legte ich, ob es nicht doch besser sei umzukehren. Aber dies Gefühl des Unheimlichen hatte andererseits wieder einen solchen Reiz für mich, daß ich den Gedanken bald wieder aufgab und stetig neben ihm weiter ging. Die Straßen wurden immer stiller und menschen- leerer; die Häuserreihen immer niedriger. Sie schienen näher an einander zu rücken. Wir waren wohl zehn Minuten gegangen ohne zu sprechen. Da that sich eine kurze Sackgasse vor uns auf, in die mein Begleiter einbog. Am Ende derselben brannte ein trübes Licht. Wir stiegen mehrere, tief ausgettetene Steinstufen empor und standen in einem kleinen, aber ziemlich hohen Dirthschastsmum.@r frischer Sandgeruch, wie von frisch gescheuerten Dielen mischte sich in die behagliche Wärme, welche uns entgegenströmte. Alles war einfach und bescheiden, aber von einer peinlichen Sauber- keil. Die drei alten, gelben Tische mit den braunen Rändern, die wenigen Stühle, das große Büffet und die kleine graue Frauengcstalt, welche hinter demselben mit fteundlichcn Abcndgruß aus uns zutrat und dem anderen die Hand gab. Als er ihrem offenbar erstaunten Blick, wen er denn da noch mitgebracht habe, nicht antwortete, brachte sie uns in alten Steinkrügen, die ich sehr liebe, frisches Bier. Wir setzten uns. Man findet wenige derartige Lokalitäten in Berlin, öfters jedoch in kleineren, süddeutschen Städten. Ich war ungeincin angemuthet. Mein Begleiter schien es freudig zu bemerken. Er erzählte mir, er verbringe jeden Abend nach der Vorstellung eine oder zwei Stunden— oft auch noch mehr— hier. Meist sei er völlig ungestört. Auch heute waren wir allein. Die Alte hatte sich bescheiden hinter ihr Büffet zurückgezogen. Mit diesem Abend haben einfache, aber tiefgehende Erinnerungen für mich begonnen. Ucber wenig kurze Wochen reichen sie hin und kein Dritter nahm an ihnen Thcil. Wo mag er jetzt sein, mit dem ich so manchen Abend in diesen Wochen so gegenübersitzend verbracht habe? Wir sprachen an diesem Abend über mancherlei. Ueber was, weiß ich kaum mehr. Es gehört auch nicht hierher. Aber nicht einmal im Laufe des Abends streifte unser lebhaftes Gespräch das Gebiet des Persönlichen, und als wir nach mehreren Stunden von einander schieden— er brachte mich durch die fremden Straßen zur Friedrich- straße zurück— wußten wir so wenig von einander, wie vorher, als wir uns auf so seltsame Weise kennen gelernt hatten... Er sprach, wenn ihn etwas interessirtc, sehr lebhast und schnell, aber immer mit einer gewissen Zurückhaltung. Als wir auseinander gingen, grüßten wir uns höflich, gaben uns aber nicht die Hand. Ein Wiedersehen wurde nickt zwischen uns verabredet. Indem ich nach Hause ging, fiel mir ein, daß er mir die Antwort aus meine Frage nach seiner überraschenden Einladung schuldig geblieben war. Da ich an diesem Abend sein Gast gewesen war- war nun die Reihe wieder an mir, und innerlich lachte ich über dies Wechselspiel. So wäre es wohl bei diesem ersten und letzten Abend eines Beisammenseins geblieben, wenn ich nicht ein paar Tage später kurz vor elf einmal wieder jenes Gesanglokal ausgesucht hätte, in dem er allabendlich spielte. Er er- widerte in der Pause meinen Gruß höflich und war sichtlich erfreut, als ich ihn um elf Uhr fragte, ob wir nicht wieder in seinem Stammlokal eine Stunde verplaudern wollten. Wir gingen sofort und waren bald in lebhaftem Gespräch. Seine Zurückhaltung verlor sich immer mehr und mehr; wir waren offener und freundlicher gegen ein- ander. Aber noch immer streifte das Gespräch an jedem Persönlichen vorüber, das ihn betreffen konnte. Dagegen nahm ich eine Gelegenheit wahr, ihm einiges aus meinem Leben mitzutheilcn, nicht ohne den geheimen Wunsch, eine gleiche Offenheit bei ihm damit zu wecken. Aber er ging darüber hinweg und ich blieb zu fest bei meinem Vorsatz, durch keine irgendwie wißbegierige Frage ihn zu einer Mittheilung zu veranlassen, welche er mir nicht ganz aus freien Stücken machen wollte. So ging auch dieser zweite Abend vorüber, ohne mich dem Räthsel dieses Lebens näher zu bringen. Es ist mir später oft interessant gewesen, mich des Urtheils zu erinnern, welches ich mir nach diesen beiden Abenden über ihn bildete, nachdem ich ihn verlassen hatte. Ich konnte mir nickt zusammenreimen, wie ein. Mensch von seiner Bildung eine solche Stellung bekleiden konnte. Mit seinen Ansichten stimmte es offenbar überein: denn ich hatte ihn schrankenlos frei in seinen Urtheilen, und durchaus selbstständig gefunden. Ein tieferes Eingehen auf irgend eine allgemeine Frage vermied er absichtlich— es lag ihm offenbar nicht das geringste daran, mich zu irgend einer seiner Anschauungen bekehren zu wollen, wenn es ihm auch ganz interessant zu sein schien, die meinen genau kennen zu lernen. Er ivollte sich offenbar ein Bild meiner Person machen. Nur so wenigstens erklärte ich mir das Hinlenken aus einige ganz allgemeine Punkte. Aber nicht etwa, daß er, so zurückhaltend er sonst war, irgend etwas in seinen Ansichten verhehlt hätte: er antwortete stets— immer unter schärfster Betonung seines Standpunktes, meist zügel- los und herb in seinen Ausdrücken. Wir stimmten oft überein. Dann war es gut. Oft auch nicht. Dann blieb es einfach bei der Verschiedenheit der Ansichten, ohne den Versuch, sie ausgleichen zu wollen. Er schien in bezug auf seine Person nur seinem eigenen Willen zu folgen. Jede Beeinflussung lehnte er ab. Er lebte völlig vereinsamt und zurückgezogen— das einzige ihn Betreffende, welches er einmal flüchtig aussprach. So dachte ich in diesen ersten Tagen über ihn. Ich suchte außergewöhnliche, seltsame Lebensschicksale bei ihm. Anders wollte ich es mir nicht erklären, daß eine so starke Natur aus solche Bahnen geschleudert werden konnie. Ich irrte mich fast in allem. Er halte sich so völlig frei entwickelt, war so nur seiner innersten Natur gefolgt, wie es heute nur wenige Menschen können und dürfen. In seinem äußeren Wesen lag eine Vornehmheit, welche ihn hoch über den Kreis hob, in welchem sich sein Leben jetzt abspielte. Von Verkommenheit konnte nicht die Rede sein; namenlos gleichgültig mochte er wohl in manchen Fragen sein, welche für viele Menschen das wichtigste iin Leben sind. II. Am liebsten hätte ich ihn schon am folgenden Abend wiedergesehen. Aber wer folgt heute noch einzig nur der Eingebung seines Gefühlxs? Wir sind vorsichtig gegen ein- ander geworden, und fragen uns zuvörderst: Was wird der andere dazu sagen?— Es vergingen also einige Tage. Da ich aber keine Lust mehr hatte, ihn bei der Ausübung seines Berufes zu sehen, und ich ihn noch so wenig kannte, daß ich glaubte, es möchte ihm auch vielleicht nicht sehr angenehm sein, wenn ich ihn oft dort im Tingel-Tangel sähe, so ging ich direkt nach unserer kleinen Kneipe. Es war noch nicht elf Uhr, und er war also noch nicht da. Das Zimmer war wieder leer. Ich wurde von der Alten schon wie ein halber Be- kannter empfangen. Sie fragte sofort nach Jordens. Sie schien ungemein an ihm zu hängen, fast mit der Liebe erner Mutter. Er käme jeden Abend— sagte sie. Dann begann sie unaufgefordert, neben dem Tische stehend, von ihm zu sprechen. Ob er nicht ein prächtiger Mensch sei? — sie kenne ihn jetzt schon ein halbes Jahr— so lange sei es her, daß er jeden Abend zu ihr komme. Er sei immer freundlich, wenn er auch oft Abende lang gar nicht mit ihr spräche. Als ich sie fragte, ob er immer allein komme, sagte sie, ich sei überhaupt der einzige, mit dem sie ihn zusammen gesehen hätte. Sie freue sich darüber, denn er hätte ihr immer leid gethan, ivenn er so einsam dasäße und sich um niemanden kümincre.— Da trat er ein. Er lachte, als er sah, wie die Alte mir so eiftig erzählte. Tann verneigte er sich vor mir, und setzte sich auf seinen gewohnten Platz, sagte aber kein Wort, daß er sich freue mich zu sehen. „Lassen Sie sich nicht zu viel von der Mutter er- zählen", sagte er dann. Ich antwortete ihm offen, daß wir von ihm gesprochen hätten. „So."— Und dann wandte er sich zu der Alten, welche ihm sein Glas brachte:„Sie hätten auch etwas besseres thun können." Sie fuhr zusammen und schwieg Da wurde er sofort wieder freundlich, und gab ihr die Hand.„Nicht traurig werden, Mutter. Ich weiß ja, Sie meinen es gut mit mir..." Dann sah er mich an, kurz und scharf. In diesem Augenblick mußte ich meinen Vorsatz vergessen. „Ist es Ihnen unangenehm, wenn ich weiß, daß Sie allein leben und mit niemand verkehren?" Er antwortete gleichmüthig.„Garnichr Es ist mir völlig gleichgültig. Ich will Ihnen gern mehr von mir erzählen, natürlich nur, wenn es Sie interessirt." Und mehr zu sich gewendet fuhr er fort:„Es ist zu seltsam, daß die wenigsten Menschen begreifen können, wie ein anderer seine eigenen Wege geht." Dann lachte er auf. „Nun ich sehe ja, Sie machen sich keine Gewisiensbisie, auch einmal mit einem Menschen unter ihrem Stande zu verkehren, wenn auch nur aus Neugierde." Es lag ein kaum merkbarer Hohn in seinen Worten. Aber ich fühlte ihn sofort heraus und sagte ziemlich scharf: „Ich verkehre mit Menschen jeden Standes, wenn sie mich interessiren. Ich dächte, Sie hätten gemerkt, daß es für mich kein Oben und Unten giebt." Er sah überrascht auf. Dann lachte er wieder. „Nun ja, ich weiß, Sie thun, was Sie wollen." Und zum ersten Male reichte er mir mit einem seltsamen Blick über den Tisch hinüber die Hand. Noch an diesem Abend erzählte er mir die Geschichte seiner Jugend. (Fortsetzung folgt.) Die Pariser Kommune. Von Jules Guesde.') I. In allen offiziellen Depeschen, welche sich vom 18. März bis 31. Mai 1871 auf allen Mauern der 36,000 Gemeinden Frankreichs breit machten, wurden die Kom muna listen von Paris systematisch als Kom- munisten bezeichnet. Was uns anbetrifft, so hat der Ausdruck„Kommunist" an und für sich nichts, was uns erschrecken könnte. Kom- munist war Plato in seiner„Republik", welche immerhin die heulige werth ist, kommunistisch waren die ersten christ- lichen Gemeinden, kommunistisch waren Campanella in seiner „Sonnenstadt", Thomas Morus in seiner.„Utopia", Babocuf und seine„Mitschuldigen" im Manifest und der Verschwörung der Gleichen, Blanqui, als er heroisch die Waffen ergriff und Cabet in seinen großmüthigen und thörichten Versuchen einer sozialen Erneuerung in den Wüsten jenseits des Ozeans. Man kann keine Gesellschaft, und sei sie noch so individualistisch, anführen, die nicht eine gewisse Summe von Kommunismus enthält, wäre es gleich nur in Gestalt der Landstraßen, öffentlichen Spaziergänge, Leuchtthürme u. s. w. Thatsächlich handelte es sich jedoch 1871 nicht um den Kommunismus, sondern um die Kommune— was nicht dasselbe ist. Die befreite und freie Kommune(Gemeinde), die Herrin ihrer Schulen, ihrer Polizei, ihres Budgets, ihrer Armee und ihrer Verwaltung geworden, stempelt ihre Ver- theidiger— mögen sie sich der Kugeln oder der Stimm- zettel bedienen— nur zu Kommunalisten. Ausdrücke wie kommunale Freiheit, kommunale Vorrechte, Kommunalver- waltung, lassen keinen Zweifel über den wissentlichen und absichtlichen lapsns caiarni, den der Akademiker Thiers in der Bezeichnung der Kämpfer vom März und Mai 1871 begangen. Ebensosehr wie das Wort Kommunismus mit Fug und Recht unsere Bourgeoisie erschreckt, welche die sozialen Vortheile monopolisirt und nur in bezug auf eine Vertheilung der sozialen Lasten den Kommunismus gelten läßt, ebensosehr erweckt das Wort Kommune bei ihr nur glückliche und große Erinnerungen, oder sollte es wenigstens dieselben erwecken. Hat sie sich nicht während des ganzen Mittelalters, wo sie nichts war, zuerst in den Kommunen gegen die adligen Grundbesitzer und Raubritter zur Geltung gebracht? Die von den Feudalabgaben befreite Kommune, welche durch Empörung oder durch königliche Freibriefe gegen die Raubzüge der adligen Herren geschützt wurde, war vom zwölften bis fünfzehnten Jahrhundert gleichzeitig die Zufluchtsstätte des dritten Standes und sein mächtigstes Aklionsmittel, um feine politische Eman- zipation vorzubereiten, welche durch die letzten, auf revolutionärem Wege in eine konstituirende Nationalver- sammlung verwandelten Generalstände vollendet, gekrönt und geheiligt werden sollte. Zwar ist zwischen die Kommunen des Mittelalters und die Kommune von 1871 eine andere Kommune ge- fallen: Die Kommune von Paris der Jahre 1791, 1792 und 1793 und mit dieser Kommune pflegt man— seitdem sie ihr Werk gethan und die Revolution gerettet hat —„die schlimmsten Erinnerungen unserer Geschichte" in Zusammenhang zu bringen. Allein wer könnte bestreiten, daß diese Erinnerungen besonders, um nicht zu sagen ausschließlich, für die privi- legirten Stände„schlimm" sind, an deren Stelle die ') Der folgende Artikel Guesde's erschien bereits 1879, in der ersten Serie der.Egalits". Er stammt also aus einer Zeit. in welcher der unermüdliche und hochbegabte Vorkämpfer des modernen Sozialismus in Frankreich erst am Anfang seiner glänzen- den EntWickelung stand. Andererseits haben auch die französischen Verhältnisse, auf welche vielfach angespielt wird, in Personen und Ereignissen sich geändert. Die Aktualität würde andere An- spielungen verlangen, manche Acndcrung und Retouchimng der Einzelheiten nöthig machen. Aber in seiner Gesammthcit, in den wesentlichen Momenten läßt der Artikel die Guesde cigenthümliche Schärfe und Klarheit der Auffassung erkennen, die sich siegreich schon zu einer Zeit geltend machte, als gerade in Bcurtheilung der Kommune in Frankreich sogar unter den Revolutionären und Sozialisten große Unklarhest herrschte. Der Artikel, welcher neuer- dings von der sozialistischen Monatsschrift„L'Idee Nouveile"(die neue Idee) abgedruckt worden, verhält sich zu Guesde's späteren Leistungen, wie die Knospe zu der entfalteten Blülhc.— Wir ge- dachten ihn ursprünglich zum 18. März zu bringen,', waren aber durch Raummangel daran verhindert. Bourgeoisie getreten ist? Die große Kommune von Paris, die Seele, die treibende Kraft, der Kessel des großen, ogar von seinen Gegnern bewunderten Konvents, ist nach Thiers' Meinung das mächtigste Werkzeug für das Heil der Revolution gewesen, die aus der Bourgeoisie die be- 'itzende und herrschende Klasse von heute gemacht hat. lud wenn man annehmen wollte, daß die Kommune des 18. März ihren Namen mehr von ihr als von den Kom- munen des zwölften, dreizehnten, vierzehnten und fünf- zehnten Jahrhunderts entlehnt hätte, so sollten gerade unsere gegenwärtig herrschenden Bourgeois die letzten sein, ihr diesen Namen als Verbrechen anzurechnen. Uebrigens ist dem durchaus nicht so. Wenn sich auch unter den Erwählten vom 28. März 1871 Neojakobiner !iesanden, die sich auf Bouchotte, Pache, Hebert und andere Kommunalisten vom Ende des vorigen Jahrhunderts be- riefen, so knüpfte doch die Mehrzahl von ihnen an die bürgerliche Kommune des alten Regime's an. Da dieselbe sich in der Geschichte als Werkzeug der politischen Be- reiung des dritten Standes darstellte, so schien es ihnen, daß sie auch das Werkzeug werden könnte und müßte für die ökonomische Befreiung des vierten Standes oder des Proletariats. Daher kam es, daß die Bataillone der Federirten am Tage nach ihrem Siege vom 18. März in regungsloser Ruhe und Unthätigkeit verharrten— was späterhin von den Besiegten als der„große Fehler des Zentralkomites" bezeichnet wurde. Dies auch der Grund der am 6. April an die Departements gerichteten Pro- klamation, in der man las:„Man täuscht euch, wenn man euch sagt, daß Paris Frankreich beherrschen und eine Diktatur ausüben will, welche eine Verneinung der nationalen Souveränetät wäre..... Paris strebt nur darnach, seine kommunalen Rechte zu erobern..... Wenn die Kommune von Paris ihre Befugnisse über- schritten hat, so ist dies zu ihrem großen Bedauern und nur geschehen, um aus den von der Versailler Regie- rung provozirten Kriegszustand zu antworten.... Das Streben von Paris ist auf Erlangung seiner Autonomie(Selbstregicrung) beschränkt, und es ist voller Achtung für die gleichen Rechte der übrigen Kom- munen Frankreichs." Tie Pariser Arbeiter sahen, daß sie von einer Nationalversammlung getäuscht und zum besten gehalten wurden, welche nickt nur außerhalb ihrer Aktion, sondern auch durch das Verbot des imperativen Mandats und durch die konstitutionelle Erfindung, daß der einmal er- nannte Vertreter nicht mehr seinen Wählern, sondern ganz Frankreich angehöre, außerhalb ihrer Kontrole gestellt war. Sic sagten sich in der Folge, daß der Sitz ihrer Ver- tretung nur in die Kommune, nur in die besondere Mitte, in der sie selbst lebten, verlegt zu werden brauche, damit dieselbe Vertretung ebenso ernst und wirksam werde, wie sie bisher lächerlich gewesen. Paris war ferner eine wesent- lich industrielle, in politischer und philosophischer Beziehung emanzipirte Stadt. Es hatte andere Bedürfnisse, andere Interessen, eine andere Auffassungsweise über viele Fragen als eine Anzahl von noch ländlichen Departements, in welchen Unwissenheit und Aberglauben übermächtig herrschten. Was die Kommunalisten wollen, was sie von ihrer selbstherrlichen Kommune erwarteten, war die Befriedigung dieser besonderen Interessen und Bedürfnisse. Daher der Name„Kommune", welcher sich einen Augenblick auf allen Lippen befand. Niemandem fiel die Mühe oder das Verdienst zu, diesen Namen zu erfinden, denn er war der unwillkürliche Ausdruck für die Forde- rungen jenes„Herrn Jedermann", welcher nach Voltaire's Ansicht mehr Geist besitzt als Voltaire selbst. Die„Aktionsmittel", welche man der Kommune als Verbrechen anrechnet, waren zweierlei Art. Als Aktionsmittel bediente sie sich zuerst der Wahlen, des Stimmzettels, der den Parisern von ihren offiziell er- nannten und anerkannten Maire's, denen sich die Vertreter von Paris in der Nationalversammlung angeschlossen hatten, in die Hand gedrückt ward. Weiterhin ließ sie die G e w a l l, die Kanone, die Bataillone der federirten Nationalgarde sprechen, mit einem Worte, sie wendete militärische Mittel an. Aber sie that dies erst, als die Nationalversammlung von Versailles, anstatt die vollendete Thatsache anzunehmen, anstatt sich vor dem Ausdruck der Souveränetät von Paris zu beugen, nicht sich mit dem abfinden wollte, was sie einen Ausstand nannte, das aber nichts anderes als eine Revolution war, und als sie an die Gewalt, an die Kanone, an„die schönste Armee, welche Frankreich je besessen hat", appellirte. Das zweite, von der Kommune als Antwort ge- brauchte Mittel,„das verbrecherische" Mittel haben die nämlichen Leute zu verschiedenen Malen angewendet, die dasselbe heute so formell verurtheilen. Sie haben es 1830 angewendet, und zwar Herr Grevy zu allererst, wenn man all seinen Biographen Glauben schenken darf. Weit davon entfernt, es damals für„verbrecherisch" zu halten, bezeichnete man es, weil man sich seiner mit Erfolg bedient hatte, als„glorreich". Sie haben es 1848 angewendet, und aus dem nämlichen Grunde wie 1830, weil es von Erfolg gekrönt war, wurde es nickt für„verbrecherisch", sondern für einen Aus- druck der rächenden und befreienden Gerechtigkeit erklärt Sie haben es wiederum 1851 angewendet oder wenigstens anzuwenden versucht und obgleich es diesma erfolglos blieb, ward es doch außerhalb Frankreichs und in dem Theil Frankreichs, welcher nicht vor dem siegreichen Staatsstreich die Waffen streckte, als heldenhaft gerühmt. Sie haben es 1870 angewendet, und da wiederum das im Auge gehabte Ziel erreicht worden, so ward es ein„Rächer der öffentlichen Moral und Wiederhersteller der französischen Freiheit" getauft. In den Augen der Orleanisten und Bonapartisten, gegen welche es mir Erfolg angewendet worden, ist dieses Mittel ein Verbrechen und ileibt ein Verbrechen. Aber jedenfalls sind die Revolutionäre des 18. März nicht die einzigen gewesen, welche sich dieses Verbrechens schuldig machten. Es sei denn, daß die Revolutionäre vom Juli 1830 wie Grevy, die Revolutionäre des 24. Februar wie Louis Blanc und die Revolutionäre des 4. September wie Jules Ferry aus diesem Mittel ein Monopol zu ihrem eigenen Nutzen, ein Vorrecht zu ihren Gunsten machen wollen, so dürfen sie es ihren Nachfolgern und Nach- ahmern nicht vorwerfen, denn diese haben nur die Flinte ergriffen, welche erstere früher selbst geschultert, sie haben nur die Barrikaden wieder aufgebaut, welche erstere früher mit eigenen Händen aufgethürmr haben. Gewiß, die Kommune hat das Feuer gegen die fran- zösische Armee wenn auch nicht eröffnet, so doch unter- halten. Aber wir erinnern aufs neue.daran, daß nicht die„glorreichen" Juliinsurgenien auf das französische Heer gezielt haben, daß es gleicherweise eine französische Armee war, welcke am 23. und 24. Februar von den Kugeln der Nationalgardc und des Volks der Faubourgs gelichtet wurde. Auch das Heer war ein französisches, gegen welches Baudin die seil Juni entwaffneten und mit Ekel erfüllten„Blousen" zu den Waffen rief. Die„Aklionsmittel" der Kommune, die gewaltsamen Mittel sind also die nämlichen gewesen, die in all unseren Revolutionen zur Anwendung gelangt sind. Nicht des- wegen, weil das Pulver zwei Monat lang das Wort führte, weil die Schlacht anstatt nach drei Tagen zu enden, sich durch acht ganze Wochen gezogen hat, kann die Revolution des 18. März mit bezug auf ihre Aktions- mittel für verbrecherischer erklärt werden, als die ihr vor- hergegangenen Revolutionen. Will man wissen, was die Kommune in betreff ihrer Aktionsmittel charakterisirt? Daß dem Schultern der Flinten die Zählung der Stimmzettel voranging, daß das Wort zuerst den Massen und später erst den Kanonen gegeben ward, daß die Schlackt anstatt die Vorrede nur die Fortsetzung von Wahlen war. Arbeitsloftgkeit oder kürzere Arbeitszeit. Eine Mittheilung aus New England(Vereinigte Staaten) besagt, die dortigen Fabrikanten von Ingram- Carpet— einer Art Teppiche— hätten ein Komitee ein» gesetzt, um Vorschläge über die Abstellung des schlechten Standes ihrer Industrie zu machen. Dieses Komitee sei zu dem Beschluß gekommen, der Assoziation zu em- pfehlen, den vierten Theil aller Webstühle vom 1. April an auf neun Monate außer Betrieb zu setzen und eS sei sehr wahrscheinlich, daß der Antrag durchgeführt werde. Es wird dann weiter gemeldet, daß auch die Philadelphier Fabrikanten sich mit der Sacke beschäftigt und ebenfalls ein Komitee eingesetzt haben; daß dieses gleichfalls sich für eine Verminderung der Produktion entschieden; aber noch nicht ganz schlüssig darüber sei, ob es eine allgemeine Verminderung der Arbeitszeit dem von New England vorgeschlagenen Versahren vorziehen soll. Daraus geht hervor— schreibt das„Philadelphia Tageblatt"— daß mehr Teppiche sabrizirt werden, als Bedarf ist. Bedarf— an dieses Wort wäre gleich an- zuknüpfen. Giebt es wirklich keine Leute, welche Jngraia Carpet brauchen könnten? Wer möchte das bestreiten wollen? Da find die. Farmer im Westen; die erhalten 15 Cents für den Bushel Korn und 50 Cents für den Bushel Weizen. Bei den Einkünften, die ihnen diese Preist bieten, sind sie kaum im Stande, Steuern und Zinsen z» bezahlen, sich Stiefel und Kleider zu kaufen. Von der Anschaffung von Teppichen ist da keine Rede. So geht eine Kundschaft von Millionen Menschen verloren. Und dabei muß der Teppichweber den Weizen und das Korn der Farmer(in Form von Mehl und Fleisch) theuer be- zahlen. Da sind die Kohlengräber, die nagen zn lausenden am Hungertuche. Es sind ihrer ohnehin„zn viel" und nun ist noch ein milder Winter hinzugekommen, der den Bedarf an Kohlen verminderte. Ihre Hütten sind düster und öde; an Teppiche ist kein Gedanke— und doch wären die Teppichweber mit Vergnügen bereit, für sie zu arbeiten. Aber die Arbeiter der verschiedenen JndustriebranckeN „können zusammen nicht kommen", wie es im Liebe heißt, können ihre Erzeugnisse nicht wechselseitig gegen einander austauschen, weil einer zwischen ihnen steht: der Kapitalist, der es verhindert. Die„Ueberproduktion" von Teppichen, Weizen und sonstigen Erzeugnissen ist ein elender Schwindel- solange es noch Leute giebt, die alle diese Sachen wohl brauchen können und geradezu Mangel an ihnen leiden- Sie sind konsumfähig, aber nicht zahlungsfähig. T* liegt der Hund begraben. Und sie sind nicht zahlungsfähig, weil ihnen der Kapitalist den größten Theil ihres Arbeitsertrages vo� enthält. Sie können daher nicht das zurückkaufen, sie erzeugt haben; der Kapitalist kann das Produkt nich° absetzen, der Gütemmlauf ist durch seine Aneignung geM und das heißt man dann„Ueberproduktion." Die Arbeiter werden nun zum Theil auf die Srra� geworfen, dem Elend überantwortet, bis man nach# leerung der Magazine sich ihrer wieder zu bedienen geruhl' Den anderen aber wird der Lohn beschnitten und' müssen es ftch gefallen lassen, weil die draußen vo� Hunger getrieben werden, sich zu noch niedrigeren Löhn� anzubieten. 1 So muß der technische Fortschritt, der die Produktion erleichtert, dazu dienen, den Preis der menschlichen Arbeitskraft schließlich unter ihre Produktionskosten zu drücken. Das sind die Konsequenzen der kapitalistischen Pro- duktionsweise. Noch läßt der größere Theil derer, die Unter ihnen leiden, sich die Misere stumpfsinnig und hoff- nungslos gefallen. Unwissenheit und Knechtsinn verbürgen ihren Bestand, so offenbar gemeinschädlich sie auch ist. Werden nun die Teppichweber � nicht wenigstens darauf dringen, daß der Vorschlag derjenigen Fabrikanten durchgeht, welche die allgemeine Verkürzung der Arbeits- Zeit der theilweisen Einstellung des Betriebes vorziehen? Aus welchem Grunde dieser gemacht wird, ist nebensächlich, wahrscheinlich, weil die Unternehmer es vorziehen, ihr ein- geschultes Personal für die erhoffte flottere Zeit zusammen- zuhalten. Unter allen Umständen ist er vom Standpunkt der Arbeiter vorzuziehen. Sie werden zwar momentan eine Einbuße an ihrem ohnehin kargen Lohn erleiden. Aber dieselbe würde ihnen wohl auch bei längerer Arbeit zu Theil, wenn ein Viertel der ganzen Mannschaft als Arbeitslose auf den Lohn drückt. Allein bei der wiederkehrenden günstigeren Konjunktur wäre es möglich, die verkürzte Arbeitszeit beizube- halten und höheren Lohn zu fordern; es wäre möglich, wenn eine tüchtige Organisation hinter ihnen stünde. Damit liegt es jetzt im argen. Dcßhalb werden die Arbeiter wieder die Zeche bezahlen müssen. Sobald der Betrieb verringert ist, erhöhen die Fabrikanten die Preise; sie find gut organisirt und verderben sich gegenseitig das Geschäft nicht. Ter Arbeiter aber, der zuviel geschafft hat, liegt nun brodlos auf der Straße. Verkürzung der Arbeitszeit oder gar keine Arbeit für viele, das ist jetzt die Frage, die nicht mehr hinauszuschieben ist. Was heute die Teppichweber, das trifft morgen eine andere Arbcitsbranche. Die Verkürzung der Arbeitszeit hat nicht Schritt gehalten mit dem technischen Fortschritt, mit der Mobilisirung der Frauen und Kinder für die Industrie. Sie wird zum Sein oder Nichtsein für Hunderttausende. Werden die Arbeiter nicht endlich ihre Bedeutung erfassen? Falsch gestellte Fragen. gk. Bei allen Untersuchungen, die durch Beantwortung von Fragen angestellt werden, kommt es besonders darauf an, die Fragen bestimmt und genau so zu stellen, daß aus der Antwort auch dasjenige zu entnehmen ist, was man aus derselben entnehmen will. Man denke sich, es werde eine Untersuchung angestellt über Abschaffung der Nachtarbeit. Wenn man da einfach jemanden fragt: Wünschest du, daß die Nacht- arbeit für dich abgeschafft wird�?— so ist ohne Zweifel die Antwort zu erwarten: Ganz gewiß wünsche ich das! Jeder Mensch wird seine Arbeitszeit lieber am Tage abmachen, und es müßte eine ganz abweichende Veran- lagung sein, wenn jemand Vorliebe für Nachtarbeit haben sollte. Eine solche Frage ist eine rollkommen unnütze und aus ihrer Beantwortung ist nicht das allergeringste zu entnehmen, woraus man irgend eine nicht schon von vorn- herein bekannte Folgerung ziehen könnte. Eine vorsichtige Person wird freilich durch die inhaltlose Allgemeinheit einer solchen Frage scheu gemacht werden und wird daher die Antwort mit Einschränkungen ver- sehen, indem sie vielleicht hinzufügt: Wenn mir aus den anderen Umständen dabei kein Schaden geschehen sollte. Ganz gewiß können aber solche Umstände eintreten, die für eine bestimmte Person die Abschaffung der Nacht- arbeit, die sie im allgemeinen wünscht, und mit Freuden begrüßen würde, als eine schwere Schädigung erscheinen lassen. Nehmen wir an, in einem Dienst, in welchem abwechselnd von einer Reihe von Personen, weil der Dienst eine Unterbrechung nicht leidet, Tag- und Nachtdienst ver- richtet werden muß, wird der Nachtdienst von allen als eine höchst unangenehme Last angesehen und ungern ver- richtet. Es wird nun aber einer Person durch den Arzt oder sonst wie verboten, weiter Nachtdienst zu thun. Wir glauben nicht, daß sie über dieses Verbot erfreut sein wird, obgleich sie vorher die Frage: wünschest du die Abschaffung der Nachtarbeit? vielleicht mit ja beantwortet hat. Das Verbot der Nachtarbeit für die einzelne Person wird bewirken, daß diese Person nun ganz aus der betreffenden Beschäftigung ausscheiden muß, weil sie eben der Anforderung, die diese stellt, nicht mehr genügen kann. Sie verliert dadurch vielleicht eine sehr schwer wieder zu ersetzende Arbeitsgelegenheit und wird dem Elend anbeim gegeben, während scheinbar doch geschah, was sie durch Beantwortung der allgemein gehaltenen Frage selbst gewünscht hat. So wie es der einzelnen Person hier gehen würde, kann es ganzen Gruppen gehen. Wenn z. B. in solcher einseiligen Art die Nachtarbeit für Frauen verboten würde, können die Frauen leicht aus einer ganzen Reihe von Beschäftigungen herausgedrängt werden, in welchen sie heut eine, wenn auch unbequeme, mühsame und knapp lohnende Beschäftigung fanden. Sie können entweder ganz ins Elend und Verderben gestoßen, oder zu anderen, wie überall heut überfüllten Beschäftigungen gedrängt werden, in welchen dann das plötzlich zuströmende Angebot die Berhältnisse noch viel mehr verschlechtern muß. Es giebt ja leider unter den Arbeitern und vielleicht sogar unter den Führern noch eine Anzahl kurzsichtiger Personen, die da glauben, man könne den Wettbewerb der Frauenarbeit in der heutigen Wirthschaftsweise beschränken. Es sind dies zünftlerisch denkende Personen, die ein Vorrecht aus Leben für einen Theil, den männlichen Theil, der Menschheit glauben beanspruchen zu dürfen, die dem anderen Theile, dem weiblichen Theile, nicht dasselbe Recht zugestehen wollen, weil es dem elfteren Theile unbequem sein würde. Diese Personen sehen dann weiter in echt zünftlerischer Beschränktheit nur au den Vortheil ihres eigenen betreffenden Gewerbes, aus welchem sie den weiblichen Wettbewerb Hinauswersen möchten, ohne Rücksicht darauf, was aus den Hinausgeworfenen wird, oder was aus denjenigen wird, zu welchen sie nun hingeschlcudert werden. O heiliger Sankt Florian! verschon' mein Haus, zünd' andre an!" — Dieses nickt gerade christliche Gebet, das den Schaden munter dem Nachbar zuwälzen möchte, kennzeichnet genau diese engherzige, kurzsichtige, durch und durch zünftlerische Ansicht, dieses Streben auf Unterdrückung der Frauenarbeit, ohne Rücksicht darauf, was aus den Frauen werden soll. Diese Engherzigkeit und Hartherzigkeit handelt dann ganz im Geiste unserer Zeit, wenn sie heuchlerisch vorgicbt, sie wolle die Gesundheit der Frauen schützen, es geschehe nur der Wunsch der Frauen selbst, wenn man sie von der Nachtarbeit oder von sogenannten gesundheits- schädlichen Beschäftigungen fern hält. Weil aber ein solches verwerfliches, auf noch tieferes Herabdrücken der Frauenarbeit gerichtetes Streben mit dem Scheine des Frauenschutzes prunkend zu Tage tritt; weil man vielfach die Beschränkung der Frauenarbeit in einem Alhem mit der Abschaffung der einige Gewerbe bedeutenden Zuchthausarbeit zu fordern sich nicht entblödet, so ist gerade da, wo die Frauen sebst zur Aeußcrung aufgefordert werden, die höchste Vor- ficht zu beobachten und es sind Fragestellungen zu ver- meiden, die nothwendig ein falsches Bild von dem geben müssen, was die Frauen selbst verlangen. Wir haben einen Fragezettel zur Frauenarbcit-Frage mitgetheilt, den die parlamentarische Kommission der französischen Kammer ausgestellt hat. In diesem Frage- zeitel finden wir nun solch eine sehr gefährliche falsche Frage, die eine Schlinge für die Frauen werden kann, in welcher sie sich selbst fangen. Die Frage 13 heißt dort: „Wünschen Sie die Abschaffung der Nachtarbeit?" Kann man leerer, kann man unbestimmter, kann man verfänglichec fragen? Gewiß, das wünscht jeder Mensch, ob Mann, ob Frau. Die Frage ist aber die: Ist die Abschaffung der Nachtarbeit für die Frauen allein er- wünscht oder was dasselbe wäre:„Wünschen Sie, daß Ihnen die Beschäftigung in dem Berufszweige, dem Sie heute angehören, genommen und verboten wird? Wir wollten einmal sehen, wie viele Frauen diese richtig gestellte Frage mit„Ja" beantworten würden, die ohne Zweifel die Frage 13 des Fragezettels mit„Ja" beantwortet haben. Was sind da all die Antworten werth, wenn solch eine Fragestellung stattfindet? Die Frage der Nachtarbeit ist für die Frauen be- sonders und ausschließlich nicht zu lösen; ohne daß die Frauen schwer geschädigt werden, und ohne daß der Schaden verstärkt ans andere Industriezweige übertragen wird. Die Fragen, die bei Regelung der Nachtarbeit zu stellen sind, müßten ungefähr so lauten:- a) Ist in diesem oder jenem Betriebe die Nacht- arbeit überhaupt nothwendig? b) Ist die Nachtarbeit, wenn sie nothwendig ist, so einzurichten, daß nur ein kleiner Theil des erforderlichen Gesammtpersonals an derselben theil- zunehmen braucht? c) Können die im Betriebe beschäftigten Frauen, ohne sie in ihrem Erwerb zu schädigen, von dem Nachtdienste ausgeschlossen werden? ck) Wünschen die Frauen unter diesen Umständen vom Nachtdienste ausgeschlossen zu werden? Wir sind dabei der Ansicht, daß die Nachtarbeit da, wo sie vermeidlich ist, wo ihr weiter kein anderer Grund unterliegt als Rücksicht auf den Kapitalprofit, wo eine größere Leistung der Anlagen unschwer durch eine Ver- größerung derselben zu erzielen ist, als dauernde Ein- richtung überhaupt nicht zu gestatten ist, weder für Männer noch für Frauen. Dann würden die Fragen wirklich den wohl überlegten Willen der Frauen ergeben. Aus der. falsch ge- stellten Frage in der in Rede stehenden Enquete läßt sich irgend welcher Schluß nicht ziehen. Arbeiter schuh in Rußland. Auch Rußland beginnt, sich mit der Arbeiter-Gesetzgebung zu beschäftigen. In dem in diesen Tagen vom Zaren bestätigten Gcsetzprojekt über die Arbeit der minderjährigen Knaben und Mädchen in den Fabriken und Etablisse- ments ist, wie die„St. Petersb. Wed" hören, die Bestimmung getroffen worden, daß Kinder, welche das Alter von 12 Jahren noch nicht erreicht haben, zur Arbeit nicht zugelassen werden dürfen. _ Minderjährige im Alter von 12—15 Jahren inkl. dürfen nicht über sechs Stunden täglich arbeiten mit Ausschluß der Mittags-, Frühstücks- und Erholungszeit. Minderjährige, welche das 15! Lebensjahr noch nicht erreicht haben, können in der Zeit zwischen 10 Uhr Abends und 5 Uhr Morgens, sowie an den Sonntagen und hohen Festtagen, zu welchen außer den 12 Tagen der großen Feste nachfolgende Tage gerechnet werden: der 26. Februar, 2. Marz, 6. Mai, 15. Mai, 22. Juni, 30. August, 14. November und 6. Dezember— zur Arbeit nicht zu- gelassen werden. Zu allen Arbeiten und Betrieben, welche ihrer Be- schaffenheit nach einen schädlichen Einfluß auf d'e Ge- sundheil ausüben, dürfen Minderjährige nicht angehalten werden. Arbeiterschuh und Fabribgesehgebung der Schmeil. in tb. Auf die von der Berner Typographia an den Schweize- rischen Bnndesrath eingereichte, auch von der„Volkstribünc" be- sprochene Petition ist endlich eine Antwort erfolgt; wie vorauszu- sehen war, eine ablehnende. Das Begehren einer Herabsetzung der Arbeitszeit aus acht Stunden und des Verbotes der Frauenarbeit in den Buchdruckereien wurde mit der Motivirnng abgelehnt, daß der Buchdruckerberuf nicht schädlicher sei als die Arbeit in vielen Groß- industrien. Der Bundesrath stützte sich in diesem Bescheid auf ein Gut- achten des Fabrikinspektors Dr. Schuler, bekannt n. a. durch seine Schrift:„Untersuchungen über die Gesundhcitsverhältnisse der Fabrik- bevölkerung in der Schweiz." Dieser Arzt führt in seinem Gut- achten aus, daß die Häufigkeit der Lungenschwindsucht bei den Buch- druckern nicht sowohl eine nothwendige Folge des Berufes sei, als in allgemeinen hygienischen Mißständen begründet liege, welchen durch geeignete sanitäre Maßregeln(gute Veutilationsvor- richtungen, Gaskontrolle, Eßlokale, rationelle Lebensweise) gesteuert werden könne. Hierbei fiel auch ein Hieb auf die Gehilfenschast Bern's ab. Man fand es sonderbar, daß die Buchdruckergehilfen um achtstündige Arbeitszeit cinkommen, während sie doch gestatten, daß nicht selten Ueberzeitbewilligungen von 2 Stunden, ja mitunter solche von 3 bis 5 Stunden täglich eingeholt werden von Druckereien, die für die Bundesverwaltung arbeite».(Ter gesetzliche Normalarbcitstag in der Schweiz hat bekanntlich 11 Stunden.) Es hätte näher gelegen, gegen diese anch in anderen Druckorten stattfindende wirklich ge- sundheitsschädliche lleberansttengung zu Felde zu ziehen. Den Entscheid betr. Unterstellung auch kleinerer Buchdruckereien unter das Fabrikgcsetz verschob der Bundesrath auf später mit Hin- weis auf eine bevorstehende Revision des Gesetzes, bei welcher so wie so dessen Geltungskreis erweitert werden müßte. Wie verlautet, hat der Züricher Kantonsrath der Regierung den Auftrag ertheilt, zu untersuchen, ob nicht zu gunstcn von Ar- bcite rinnen in solchen Gewerben, die dem eidgenössischen Fabrik- gesetz nicht unterstellt sind, schützende Bestimmungen in bezog auf Arbeitszeit, Küiidigungsftist, Lohnabzüge und Fabrikordnung er- lassen werden sollten. Man hat dabei besonders die Arbeiterinnen in Konfektions- und Modegeschäften ze. im Auge, die oft in der rücksichtslosesten Weise ausgebeutet werden; 14 bis 15 stündige Arbeitszeit und noch länger bei flottem Geschäftsgange ist keine Seltenheit. In Basel besteht ein solches Gesetz schon seit einigen Jahren, auch ist im großen Rath des Kantons Luzern vor kurzem ein Antrag in gleichem Sinne eingegangen: in demselben wird auch auf die Lage der Kellnerinnen Bezug genommen. Eine Agitation für Ausdehnung dieses Schutzgesetzes für die ganze Schweiz ist im Gange. Um auf die Buchdrnckergehilfen zurückzukommen, sei hier kurz bemerkt, daß sich der deutsch-schweizerische Typographenbund der all- gemeinen Arbeiter-Reservekasse angeschlossen hat. Dies ist sicher mit Freuden zu begrüßen, denn bisher wollten die Typographen etwas besonderes vor den andern Arbeitern voraus haben. Die Petttion der Berner Typographia scheint uns auch ein Beweis hierfür zu sein. Viel zu diesem Entscheid hat der letzte verunglückte Streik beigetragen, bei welcher Gelegenheit die Herren Prinzipale mit Hilfe deutscher Kulis siegten. „Durch Schaden wird man klug!" Dieses Sprichwort werden jetzt um so mehr die Schweizer Buchdrucker beherzigen und über die Grenzen hinaus den Arbeitern aller Gewerbe die Hand reichen zur Erkämpfung des achtstündigen Arbeitstages, sowie zur Er- ringung einer besseren Eristcnz. Kiographische Mittheilungen über die jetzt gewühlten sozialdemokratischen Adgeordneten. in. Bock, F. L. Wilhelm, Redatteur in Gotha. Geb. am 26. April 1846 in Großbreitenbach in Thüringen.(Dissident.) Lernte in Arnstadt das Schuhmacherhandwerk, ging nach 4jähriger Lehrzeit in die Fremde, arbeitete in Magdeburg und Hamburg, wo er Mitglied des Arbeiterbildungsvereins wurde und sich der Arbeiter- bewegung anschloß, verließ nach 5 jährigem Aufenthalt Hamburg, ließ sich in Gotha nieder. Dort 1877 bereits als Kandidat auf- gestellt, kam auch in engere Wahl. Besonders gewerkschaftlich thätig unter deg Schuhmachern, deren Gewerkschaften nur ein Scheindasein ührten. 1873 auch als Leiter an die Spitze. Die Organisatton hatte 1878, als sie aufgelöst wurde, ca. 6000 Mitglieder in 158 Städten. 1875 gründete er das Fachblatt„Der Wecker"; dieses verfiel 1878 mit ca. 3000 Abonnenten dem Sozialistengesetz, wie auch die von ihm gegründete Zentral-Kcanken- und Sterbekasse. 1878 der„Schuhmacher" ins Leben gerufen, 1883 der„Unter- tütznngsverein deutscher Schuhmacher." Der„Schuhmacher" 1888 verboten. Bock leitet jetzt das„Schuhmacher-Fachblatt" und ist Vorsitzender des Ausschusses des Vereins deutscher Schuhmacher, Vertrauensniann und Schiedsrichter in Streikangelegenheiten für die Schuhmacher Deutschlands. Bestraft vier mal: das 1. Mal wegen „Anreizung zum Aufruhr", 4 Monate Gefängniß; das 2. Mal wegen Beleidigung eines Polizeikommissars, 14 Tage; das 3. Mal wegen§ 153 der Gewerbeordnung, weil er in einer Versammlung es für ehrlos erklärte, wenn ein Mann sein gegebenes Wort bricht, 14 Tage; das 4. Mal wegen Verächtlichmachung von Staatsein- richtungen, weil er in einer Versammlung gesagt, daß die Volks- chule in Preußen gegenüber dem Milttäretat schlimmer denn ein Aschenbrödel behandelt werde. Vertritt im Reichstage Magdeburg, 1884 für Gotha gewählt. * Hickel, Karl, Mühlhausen im Elsaß. Geb. 1. Oktober 1348 in Bischweiler. Nachdem er bis 1865 die Schreinerei erlernt, ver- ließ er anfangs 1867 Bischweiler, um als Geselle die elsässische Heimath, dann die Schweiz und später Frankreich zu bereisen. Nachdem er zwei Jahre als Möbelschreiner in Paris gestanden, wurde er 1870 nach Straßburg zur Mobilgarde einberufen, machte die Belagerung mit und ebenso die Gefangenschaft in den Kasematten Rastatts. Stach dem Kriege zog es ihn wieder nach der Schweiz, er stand lange in Basel und Zürich in Arbeit und kam erst 1878 wieder nach Mühlhausen(wo er schon früher bald nach seiner Lehre längere Zeit gewesen war), um nunmehr eine Reihe von Jahren als Schreiner Arbeit zu nehmen, Iis er sich vor Jahren selbständig machte. Hatte vielfache Verfolgungen zu erdulden: 1881 wegen Verdachts der Verbreitung des„Sozialdemokrat" 7 Wochen in UntersuchnngShast, vom Landgericht dann freigesprochen; wegen desselben Verdachtes 1884 24 Stunden in Hast; vier mal Haussuchung fit 1881. Vertritt Mühlhauscn im Reichstage. * Stadthagen, Arthur, Rechtsanwalt in Berlin. Geb. am 23. Mai 1857 zu Berlin, seit dem 19. Mai 1884 Rechtsanwalt beim Landgericht Berlin II, bestraft im Jahre 1887 mit 1000 Mart Geldstrafe wegen vermeintlicher Beleidigung der Straffammer und der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin I. Vertreter des Niederbarnimer Kreises. * * Tuzauer, A. A. Franz. Geb. 10. März 1852 zu Berlin. Besuchte die kath. St. Hedwigsschule und erlernte in den Jahren 1866-70 die Tischlerei. 1872-77 bereifte er als Handwerksgeselle Süd- und Norddeutschland, Desterreich und die Schweiz; trat im Jahre 1871 dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein als Mitglied bei und wurde 1873 in Wien wegen Vergehen gegen den§ 20 des österreichischen Preßgefeges zu 2 Tagen Arrest verurtheilt. Im Jahre 1875 vertrat er auf dem in Gotha abgehaltenen Vereinigungskongreß der deutschen Sozialdemokraten die Parteigenossen der Stadt Düsseldorf; 1876 auf dem Vereinigungskongreß der Tischler Deutschlands, abgehalten zu Frankfurt a. M., die Tischler Düsseldorfs und wurde im September 1876 in Hamburg zum zweiten Borjißenden des 1878 auf grund des Sozialistengesetzes aufgelösten Bundes der Tischler und verwandten Berufsgenossen Deutschlands gewählt. 1877 nach Berlin zurückgekehrt, gründete er daselbst im Mai 1880 den Fachverein der Tischler, den ersten derartigen, nach Erlaß des Sozialistengesetzes neu begründeten Gewerkschaftsverein, dessen erster Vorsitzender er von 1880-88 war. 1883 im 13., 14. und 15. Kommunalwahlbezirk zum Stadtverordneten gewählt, lehrte er die Wahl im 13. und 14. Wahlbezirk ab und nahm für den 15. Bezirk an. In demselben Wahlbezirk wurde er 1889 zum zweiten Male auf die Dauer von 6 Jahren zum Stadtverordneten gewählt. Von 1885-88 war er Redakteur des Berliner Volksblatt." 1884 Produktion und Technik, Statistisches. Bolizeilich verboten wurden drei öffentliche Arbeiterinnenversammlungen( zwei allgemeine und eine Mäntelnäherinnen- Verfammlung), in denen Frau Ihrer aus Velten sprechen sollte. Als Tagesordnungen waren geplant:„ Erste Hilfe bei Unglücksfällen", Die Stellung der Frau in der Vergangenheit und in der Gegenwart" und„ Gesundheitsschädliche Gewerbe." " Herr Stabernack aus Berlin, an der Diskussion betheiligte sich besonders auch Herr Flasfig. Eine Resolution, den 1. Mai als Großbetrieb in der Viehzucht. Ungefähr 8 Meilen von Arbeiterfeiertag anzusehen, wurde einstimmig angenommen und schloß Omaha( Nordamerika) hat die Union Cattle Comp. einen Viehstall die Versammlung mit einem kräftigen Hoch auf die internationale errichtet, der, wie die" Braunschw. Landw. 3tg." schreibt, als der Arbeiterbewegung. größte der Welt zu betrachten ist. Derselbe bedeckt eine Fläche von mehr als zwei Heftar. Er ist 400 Fuß breit, 600 Fuß lang und ein Stockwerk hoch und faßt zur Zeit 3750 Stück Hornvieh, die darin gemästet werden. Jedes Stück Vieh befindet sich in einer eigenen, drei Fuß breiten Abtheilung, ohne angebunden zu sein. Es hat so viel Raum, sich lagern zu können. Die Aufstellung der AbIn den neuen Berliner Messingwerken( W. Borchardt theilungen geschieht in langen Doppelreihen mit einem Gange vorn für die Fütterung und einem andern für Auftrieb und Dung- junior) haben sämmtliche Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Zuzug Dampfmaschinen ausgeführt. Ein Gebläse treibt den Häcksel entfernung. Das Füttern und Reinigen wird mittels von Metallarbeitern aller Art ist auf das Strengste fern zu halten. Neuendorf bei Potsdam. Der Streit in der hiesigen und eine Pumpe die Schlempe in die Krippen. Der Dung wird Kammgarnspinnerei, welcher wegen Maßregelung des Spinners mittels Wasser, welches eine Druckpumpe liefert, zweimal des Tages Hermann Bothe, entstanden ist, dauert unverändert fort. Die Ent rein weggewaschen. Jedes Stück Vieh wird bei seinem Eintritt und lassung des Kollegen, welcher 8 Kinder hat, erfolgte, weil derselbe Austritt genau gewogen. Auch wird über das Gewicht des ver- am Wahltage einige Stunden für unseren Kandidaten W. Werner brauchten Heues und des Mais genau Buch geführt, so daß agitatorisch thätig war. Die Kollegen des Gemaßregelten wurden man mit großer Genauigkeit berechnen kann, wie viel Pfund Futter bei dem Direktor der Spinnerei dahin vorstellig, daß die Entlassung nothwendig waren, um ein Pfund Fleisch zu produziren. Ueberall zurückgenommen werden soll, wurden aber damit abgewiesen. im ganzen Stalle hängen Thermometer; auf eine gleichmäßige Die Gärtnergehilfen Berlins und der Umgegend werden Temperatur wird sehr gehalten und durch Deffnen und Schließen nunmehr bestimmt am 1. April in den längst angedrohten Ausstand der Dachfenster die Wärme regulirt. Wie kann das arme Bäuer- eintreten; für die Landschaftsgärtner sollte der Ausstand bereits lein, das sein Bich fast noch ebenso roh gewohnheitsmäßig wie der Donnerstag, den 27. d. M., beginnen. erste Ackerbauer aufzieht, mit dieser wissenschaftlich geleiteten Vieh- Freie Vereinigung der Zimmerer Berlins. Verfabrikation konkurriren? sammlung am Montag, den 31. d. M., Abends 82 Uhr im ViktoriaSalon, Perlebergerstr. 13. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Vogtherr. Diskussion. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Jedermann hat Zutritt. * * * " 1 Selbst Villen dreht man im Großbetrieb ob zum kandidirte er im zweiten Berliner Reichstagswahlkreise gegen Virchow Nuzen oder Schaden der Menschheit, wiffen wir freilich nicht zu Gauverein Berliner Bildhauer. Dienstag, den 1. April, und Stöcker und erhielt 9282 Stimmen; 1887 wurden für ihn in sagen, jedenfalls aber zur reichlichen Füllung des Geldbeutels der demselben Wahlkreise rund 14 700 Stimmen abgegeben. Ende August glücklichen„ Pillenfabrikanten." Wir lesen in der Zeitung Chemist Abends 8/2 Uhr, Restaurant Keßner, Annenstr. 16. Tagesordnung: 1888 schied er aus der Redaktion des„ Berliner Volksblatt" aus, and Druggiſt": Früher machte man die Pillen nur mit der Hand, 1. Geschäftliches. 2. Bibliothek- Abend. 3. Verschiedenes. etablirte sich und begründete in Berlin ein Möbelgeschäft. Bei der feit ca. 30 Jahren hat sich der Pillenverbrauch jedoch derartig ge- Freireligiöse Gemeinde. Die Jugendweihe sindet am legten Reichstagswahl( 1890) wurde er im östlichen Wahlkreise der steigert, daß das Anfertigen von Pillen jetzt zur Großindustrie ge- Sonntag, den 30. März, Vormittags 10 Uhr, im Konzerthause Stadt Breslau mit 12 766 Stimmen, gegen den bisherigen Ver- worden ist, in welcher Maschinen und Dampfbetrieb zur An- Leipzigerstr. 48, statt. Die Feftrede hält der Religionslehrer Herr treter dieses Wahlkreises, den Oberpräsidenten von Schlesien, von wendung kommen. Eine Statiſtik über den Verbrauch medizinischer Dr. Bruno Wille. Gäste, Damen und Herren sehr willkommen. Seydewiß, zum Reichstagsabgeordneten gewählt. Villen in Großbritannien ergiebt, daß im Vereinigten Königreich nicht weniger als 5 643 961 Pillen fage: über 5/2 Millionen Pillen täglich verschluckt werden. Das Blatt fügt hinzu, daß, wenn jede Pille nur 3 Grain wiege, so würde das Gewicht der * * Ulrich, Carl. Geb. 28. Januar 1853 in Braunschweig. Literarisches. Ste 8.0 M 23 über des Die hier Dr. Max Quarck. Die nächsten Aufgaben einer deutschen Besuchte die dortige Volksschule und lernte als Maschinenbauer. fährlich verbrauchten Pillen das hübsche Gewicht von 178 Tonnen Arbeiterschusreform. Frankfurt a. M. 1890 30 S. Ging im Juli 1871 in die Fremde und vereiste als Handwerks: oder 398 720 Pfund erreichen, und man würde 36 Eisenbahnwaggons zusammengefaßten Artikel der„ Franks. 3tg." find bereits vielfach bursche Deutschland, Desterreich und die Schweiz. Ließ sich 1873 gebrauchen, um dies Quantum fortzuschaffen. in Offenbach nieder und arbeitete in mehreren Fabriken als Schlosser oder Eisendreher. 1875 in die Redaktion der damals furz vorher herausgegebenen sozialdemokratischen Neuen Offenbacher Tageszeitung" berufen. Blieb in dieser Stellung bis zu dem im Juli " Gewerkschaftliches, Vereine. 1886 erfolgten Verbot des aus der„ Neuen Offenbacher Tages: Berlins fand vorige Woche statt. Infolge der Auflösung konnte Eine Versammlung der kaufmännischen Angestellten zeitung" resp. Neue Offenbacher Zeitung" entstandenen" Offen über folgende Resolutionen nicht abgestimmt werden, die sicher anbacher Tageblattes." Nach dem sozialistengesetzlich erfolgten Verbot, mußte U. sich eine neue Eristenz zu gründen suchen und etablirte genommen worden wären: eine Kolonialwarenhandlung, welche er heute noch betreibt. 1885 Die Versammelten erkennen die Nothlage der kaufmännischen als Abgeordneter für Mainz in die zweite heff. Kammer gewählt. Angestellten an und beabsichtigen, nur in den Geschäften zu Während seiner Redaktionsthätigkeit wurde U. wiederholt bestraft, kaufen, deren Inhaber sich verpflichten, ihre Geschäfte und verbüßte, einschließlich der vom Freiberger Gericht zuerkannten vom 3. Mai des Sonntags mindestens um 12 Uhr, 9 Monate Zwickau, ca. 1 Jahr 11 Monate Gefängniß. Wahl- Wochentags um 8 Uhr zu schließen. Ferner: freis: Offenbach. * * Die heute in Joels Salon tagende öffentliche Versammlung spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die Berliner Arbeiter= presse zur wirksamen Unterstützung der beschlossenen Maßnahmen Wurm, Emanuel, Chemiker und Schriftsteller. Geb. am für die Herbeiführung der Sonntagsruhe, in Zukunft feinerlei 16. September 1857 zu Breslau.( Mosaisch.) Wohnhaft in Dres- Anzeigen von solchen Geschäftsinhabern mehr aufnehmen den. Besuchte Gymnasien in Breslau und Berlin, studirte auf der wird, die sich in ihren Anerbietungen noch damit brüsten, daß sie Universität zu Breslau 1876-80 Chemie, lebte dann in Rußland ihr Geschäft den ganzen Sonntag geöffnet hätten.( Also auch ihr und Desterreich, in seinem Berufe thätig, 30g 1884 nach Dresden, Personal bis Abends spät beschäftigen.) Die Versammlung hofft, schrieb unterhaltende und belehrende Lektüre( Boltsernährung, Natur- daß dadurch die arbeitende Bevölkerung Berlins nicht fernerhin erfenntniß), redigirte den„ Boltsfreund", begründete und leitete den verleitet werden wird, solchen„ arbeiterfreundlichen" GeschäftsinKonsumverein Vorwärts" in Dresden. Wahlkreis: Reuß j. L. habern ihr Geld hinzutragen." Dem Vertreter des VI. Berliner Wahlkreises im deutschen Reichstage, Schriftsteller Herrn Wilhelm Liebknecht in Borsdorf bei Leipzig statten die Parteigenossen desselben zu seinem am 29. d. M., stattfindenden 64. Geburtstag ihre besten Glückwünsche mit dem Wunsche ab, daß er ihn noch recht oft in ungeschwächter Kraft und Gesundheit erleben möge. Im Laufe dieser Woche erscheint in meinem Verlage: Die Reichstagswahlen 1890. Finsterwalde. Am vergangenen Sonntag fand hier eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung mit der Tagesordnurg: „ Der Achtstundentag und seine Bedeutung" statt. Referent war von Arbeiterblättern in Auszügen gebracht worden und sie orientiren sehr gut über den heutigen Stand des Arbeiterschußes in Deutschland, über die schädlichen Folgen der ungenügenden Regelung sowie über die Forderungen der Hygieniker, Fabrikinspektoren, Pädagogen seine Natur und Funktion. Ein Beitrag zur Analyse und Kritik und sonstiger Betheiligter und Sachverständiger. Otto Wittelshöfer, Untersuchungen über das Kapital, der Volkswirthschaft. Tübingen, Laupp 1890 X, 262 S. Brieikaften. Abonnent. Der falschen Aussprache von Strife" fönnen die Arbeiterblätter recht gut dadurch abhelfen, daß sie„ Streit" drucken. Es wird dann bald niemand mehr„ Stricke" sagen. Leipzig F. B. Kautsky wird demnächst eine Schrift über Thomas Münzer veröffentlichen und die dürfte allerdings für Ihre 3wede besonders zu empfehlen sein. Der Diet'sche Berlag wird demnächst eine größere Schrift über den Bauernkrieg bringen. Sennfeld- Baden. Heinrich Heine starb am 17. Febr. 1856. E. 2. Berlin. Sie können zu feiner kirchlichen Steuer herangezogen werden, wenn Sie nicht einer neuen Religionsgemeinschaft beitreten. Den Eid werden Sie leisten müssen. O. 4. Wenn nun jeder Abonnent ähnliches verlangte! Sie sehen, das geht einfach nicht. Abonnent. Kommune heißt zunächst weiter nichts wie Ge meinde; daher Kommunalverwaltung gleich Gemeindeverwaltung Kommunismus gleich Gemeinwirthschaft. Berliner Arbeiterbibliothek. I. Serie. Bisher erschienen: Herausgegeben von Max Schippel- Berlin. Preis pro Heft 15 und 20 Pfennige. 1. Ein sozialistischer Roman. 2. Die Gewerkschaften, ihr Nugen und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. 3. Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. 4. Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. 5. Charakterföpfe aus der franzöfifchen Arbeiterbewegung.- 6. Die Hausindustrie in Deutschland.- 7. Junker und Bauer. – S. Die wirthschaftlichen Umwälzungen 9. Die Marg'sche Werththeorie. und die Entwicklung der Sozialdemokratie. 10. Die Sozialdemokratie und der deutsche Reichstag. 11. Die soziale Frage auf dem Lande. 12. Internationale Arbeitsschuhgesetzgebung. Die Urtheile der deutschen Arbeiterpresse werden unseren Lesern bekannt sein. Wir fügen Wiederverkäufer erhalten hohen Rabatt. folgende Aeußerungen der Presse des Auslandes hinzu: Schweizerischer Sozialdemokrat( Bern); Albin Langer, Buchhandlung, Chemnitz. Eine alphabetische Zusammenstellung nach amt= lichem Material bearbeitet von Wilhelm von Rhein- Arnstadt. Preis ordinär 25 Pf. Allen Freunden und Genossen empfehle meiu Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerstr. 20, pt. Franz Beyer, Prinzessinnenstrasse 15( am Moritzplatz) Punsch und Rum, Originalflaschen 1.50. Roth und Ungarwein/ Fl. 1.50. empfiehlt: Wir empfehlen bestens die Berliner Arbeiterbibliothek, herausgegeben von Mar Schippel.. Diese wissenschaftlich, aber gemeinverständlich gechriebenen Abhandlungen.... Arbeitervereine follten sich diese Bibliothek unbedingt nicht entgehen lassen. Die beiden neuesten Hefte schließen sich den frühern würdig an.... Wir empfehlen die Anschaffung dieser billigen Heftchen Arbeitervereinen, Volksbibliotheken und Privaten bestens. Arbeiterwochenchronik( Budapest). Diese Heftchen eignen sich ganz besonders zum Vorlesen in Arbeitervereinen, wo es die Mittel und die Umstände nicht erlauben, sich häufig genug Redner zu verschaffen. Vorwärts, Organ d. österr. Buchdrucker( Wien): Giebt den Schippel'schen Vortrag in Heft 8 wieder und bemerkt zu im Anfang: treffliche Sammlung äußerst billiger Broschüren Wir benußen die Gelegenheit, auf die vordie wir kennen, und sie haben für Jedermann Berliner Arbeiterbibliothek" von Gen. Schippel Es sind die besten Agitationsschriften, aufmerksam zu machen, welche unter dem Titel Werth, ia, Jedermann sollte sie gelesen haben, der herausgegeben werden und die politische und wirthAnspruch darauf macht, über die heutige Arbeiterschaftliche Aufklärung der Massen durch Besprechung bewegung und die Sozialdemokratie ein richtiges brennender Tagesfragen zum Zwecke haben. Cigarren u.Tabake Urtheil abgeben zu können. reichhaltiges Lager von [ 40 0. Klein. 15. Ritterstraße 15. Dafelbst Bahlstelle der Gürtler u. Bronceure(.5.60. Albert Auerbach, Berlin S., Kottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Feste Preise Reichenberger ,, Freigeist": Mar Schippel ist einer der geistreichsten Forscher auf dem Gebiete der Soziologie( Gesellschaftslehre.) Wir können die angeführten Broschüren den nach Aufklärung ringenden Arbeitern nur em= pfehlen. Deutsche Blätter( Oesterreich): Mer Schippel ist einer der gebildetſten ſchlagfertigten feber- und redegewandteſten Sozialpoli: tifer. Dies erweist er auch in den vorliegenden Werkchen, die wir allen Mitstrebenden auf das Wärmste empfehlen. Fachblatt der Drechsler( Wien: Druckt den Vortrag von Mar Schippel über die Gewerkschaften nach. Die Berliner Arbeiterbibliothek, welche es wichtige Zeitfragen aufzuklären, soll in feiner Arbeiterbibliothek fehlen." The Çomonweal( London): We call the attention of those of our readers who understand the German tongue to the Berlin Volks- Tribüne( People's Tribune), under the general title of" Berliner Arbeiter- Bibli.. The othek( Berlin Workers' Library). matter dealt with therein is all of the greatest interest to Socialists. Wir lenken die Aufmerksamkeit derjenigen unserer Leser, welche deutsch Empfehle den Genossen meine zum Minimal- John der Berliner Tabakarbeiter verfertigten Cigarren. Spa mitt Eng Gue Wa Be Heft 1 Heft 1 Be halter Tischl der 3 an de arbeit Wilh. Boerner, fymp Ritterstr. 108, d. 2. Haus v. d. Prinzenst. Orten Arbeitsnachweis für zustim Tischler. Arbeit gründete Arbeitsnachweis befindet sich Der vom Fachverein der Tischler be Wallstrasse 7-8. Die Arbeitsvermittelung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder) unentgelt lich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochen tagen von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends, Sonntags von 9-11 Uhr Vor mittags. Der Vorstand. Mühlhausen in Thüringen. Abonnements auf die ,, Berliner Volks- Tribüne", ,, Berliner Arbeiterbibliothek" nimmt entgegen 6. Aeuftergerling, Bildhauer und Händle Mühlhausen i. Th. Wahlstraße 37. auch aufge bereits wegun solche die S griffer wenig fie ü verschi Arran Arbeit gelei Erwa Sache thun W. Gründel's Restaurant amit ( früher: N. Wendt.) Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder Dresdenerstraße 116. Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. Abendtisch. verstehen, auf die Flugschriften, die unser Genosse Borzügliches Weiß- und Bairisch- Bick Mar Schippel, der Herausgeber der„ B. Bolkstr. 2 Billards und Regelbahnen. Reichhaltiger Frühstücks, Mittags- und unter dem Sammelnamen Berliner Arbeiterbibliothek" veröffentlicht. Die darin behandelten Fragen find von größtem Jntereffe für alle Sozialisten. Sozialdemokrat( London): Saal Versammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amt 9a. Nr. 578. Der unentgeltliche Central- Arbeits- Nachweis der Compfehlenie ben Lejern bieſes Blattes meis fich zur Aufgabe macht, die arbeitende Klaſſe über werthe Arbeit, bie( mit einigen Aenberungen) Maler und Auftreicher Berlin Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann. Brunnenstr. 83, dicht am Humboldthain Berantwortlicher Rebatteur: Max Schippel, Berlin. Zu Heft 4 u. 5: Allen Genossen zur weitesten Verbreitung empfohlen. Heft 7: Eine lesens= zu einer Propagandaschrift auf dem Lande eignen dürfte. Aehnlich über Heft 9. Dresdenerstr. 116( Restaurant Wendt) und ist geöffnet Vormittags von 7-9 Uhr. Drud und Berlag: T. Posekel, Berlin 8. O., Dranienftraße 23. Wahr erwäh erste neuer auf Blät eintre in Fl fehlt ihnen pofiti Hänger