Aertiner Soeial-Politifches Wochenblatt« Der I. Mai. Gedicht von R. Seidel. ovm 1. Mai.— Stimmen zum 1. Mai.— Die Berliner Konferenz.— Die Nede Delahaye's auf der Berliner Konferenz. Zu eng. Gedicht.— Novelle von Mackay VI. Sozialistische Spaziergänge.— Eine Frauen arbeits Euquöte in den Vereinigten Staaten II. ~~ Schwarze Listen.— Zum bürgerlichen Gesetzbuch II. Jur Beachtung! Unsere auswärligen Abonnenten dringen darauf, daß du„Berliner Volks-Tribüne" bereits Donnerstag Abend redaktionell abgeschlossen werde, damit Freitag Morgens die Ablieferung zur Post beginnen könne. Wir wiffen noch nicht, ob der Berliner Verhältnisse wegen dieser Wunsch zu erfüllen sein wird, bitten aber alle Vereine und Einsender, uns möglichst bis Tonnerstag Wittag alle Annoncen, Bereinsanzeigen k. zugehen lassen zu wollen. Redaktion der„Bertiner Volks-Tridüne." a- INachdruck erlaubt. I Der neuen Aera erster Mai. Von Robert Seidel. Wir schaffen nicht! Der erste Mai Sei unser, unser Feiertag; Als höchsten nehmen wir ihn frei Und führen diesen ersten Schlag. Den gleichen Schlag in aller Welt, Wo unterm Joch die Arbeit keucht, Den gleichen Schlag, so weit das Geld, Das feile Geld den Geist verscheucht. Wir graben nicht an diesem Tag! Wir gruben lang im tiefen Schacht. Wohin kein Fünkchen dringen mag Vom Feuer, das am Himmel lacht. Wir steigen an der Sonne Licht, Wo unsere Kohle kocht den Dampf, Der eilend uns die Bahnen bricht Zur Freude, weit hinweg vom Kampf. Wir bauen nicht an diesem Tag, Da jeder Keim zur Lust erwacht; Wer knechtisch baut in dumpfer Plag. Wird von der Welt mit Recht verlacht. Wir haben lang genug gebaut Die Zwingburg gold'ner Tyrannei, Nun endlich sei auch aufgeschaut! Nun komme endlich unser Mai! Wir weben nicht an diesem Tag! Wir woben lang am Hungertuch: SS ruh' der Weberlade Schlag, ES ruhe auch des Webers Fluch. Den Webstuhl einer neuen Zeit— Den rüsten wir und bäumen auf, Und nach der Freiheit Herrlichkeit Berichtet sei der Schiffe Lauf. Wir hämmern nicht an diesem Tag! Wir schmieden nicht am ersten Mail Wir stellen aber eine Frag' An jeden, der vom Golde frei: Wer hat das Recht, zu feiern? Wer? Wer nur darf sagen: Heut sei Fest! Vielleicht der Drohnen kleines Heer And nicht der große, fleiß'ge»est? Ak8 Gott der Herr die Welt gemacht, Da sprach auch er: Nun will ich ruh'n; Und wir, die Schöpfer ird' scher Pracht, Wir dürsten nicht ein Gleiches thun? Nein, üben wir ein göttlich Recht, Wie groß der Knechte Furcht auch sei; Denn wir, der neuen Zeit Geschlecht, Wir bilden unser Loos uns frei. Wir setzen einen Feiertag, Wenn's auch des Goldes Macht verletzt, Wir setzen einen Ruhetag, Den keine Kirche uns gesetzt. Nur einen, einen einz'gen Tag Für uns, die wir die Arbeit thun! Nur einen, einen einz'gen Tag An dem wir frei uns wolle» ruh'n! Wir schaffen nicht am ersten Mai! Wir schaffen ja das ganze Jahr Und werden doch nicht sorgenfrei, Und doch bleicht Elend unser Haar! Drum soll die Arbeit einmal ruh'n Bei jedem Volk am gleichen Tag— Der Freihett gelte unser Thun, Und Knechtschaft treffe wncht'ger Schlag. Ein Losungswort, ein Feldgeschrei, So weit erschallt der Arbeit Klag: Der erste Tag im schönen Mai Sei unser, unser Feiertag! Wir nehmen und wir halten fest Und geben ihn für Gold nicht frei Den einen Tag, das hohe Fest, Der neuen Aera ersten Mai! Zum 1. Mai. Ein sehr geachteter, im Auslande weilender Partei- genösse schreibt uns— und zweifellos zeichnet er das Ziel der jetzigen Bewegung sehr zutreffend, wenn man auch streiten mag, wie weit wir jetzt gerade dem Ziele uns zu nahem vermögen: Die Feier des 1. Mai beschäftigt gegenwärtig die Arbeiterklasse beider Welten. Was soll am 1. Mai geschehen? Hier und dort sind große Demonstrationen zu Ehren dieser Feier angeregt worden. Vielleicht wird man sie verbieten. Und geschieht dies, was dann? Nun, der Dem onstration können wir entrathen! Auch ohne Kling-Klang und ohne Fahnenschwenken können wir diesen Tag feiern. Dieser offizielle Festlärm macht nicht das Erhebende an der Feier aus. Nein, die Thatsacbe, daß zu derselben Stunde die Näver aus dem weiten Erdenrunde still stehen und zwar aus Geheiß des simplen unbedeutenden Arbeits- mannes, der einmal sich selbst gehören will, diese Thal- fache erscheint uns das wahrhaft Großartige, Imposante an der Feier zu sein. Wie wird es zer Bourgeoisie vor ihrer„eigenen Gottesähnlichkeit bange" werden, wenn sie vemimmt, daß die größten Fabriketablissements am 1. Mai feiern mußten, weil die Arbeiter einmal die Arbeitslast von ihrer Schulter schütteln wollten! Außerdem werden die Arbeiter durch diese Feier be- weisen, daß hinter den Beschlüssen des intemationalen Kongresses die großen Massen des Volkes standen. Gegen- über dieser Massenbewegung wird dann das thörichte Gerede der Bourgeoisie von den armen mißleiteten Massen schweigen. Keine Macht der Erde kann den Arbeitern verbieten, an diesem Tage nicht zu arbeiten! Kann euch der Schutz- mann zur Arbeit schleppen, wenn ihr daheim das hohe, wahrhast christliche Evangelium des Tages, die frohe Botschaft eurer beginnenden Emanzipation verkündet und euer Herz an den Schriften eurer großen Denker und Kämpfer begeistert? Kraft ihrer gewaltigen Organisation hat die Arbeiter- klasse dann den alten christlichen Kalender verbessert. Sie hat ein neues Ostern eingeführt, das fröhliche Auf- erstchungsfest der Arbeiterklasse. Nicht die offizielle Festrednerei, nicht lärmende Demonstrationen, sondern still- stehende Fabriken zeigen eure ganze Stärke. Lasset die Säbel da draußen rasseln; ihr Gerassel bringt doch nicht Maschinen in Bewegung, welches nur euer starker Arm vermag. Ihr zeigt damit, daß das ganze Wirthschaftsgetriebe von euch abhängt. Und das ist die Hauptsache. Stimmen mm 1. Mai. Der Londoner„Sozialdemokrat" von vorig« Woche bespricht die Angelegenheit in sehr objektiver Weise und kann zum Schlüsse auch nicht umhin, zur Eile z« mahnen. Wir heben aus seinem Artikel Einiges hervor. Nachdem der„Sozialdem." betont hat, daß anfangs alles — Versammlungen und Presse— einig gewesen sei in der Begeisterung für den Feiertag, fährt er fort: „Meinungsverschiedenheiten erhoben sich erst, als— unseres Wissens zuerst in der Gewerkschaftspresse— die sehr berechtigte Frage erörtert wurde, wie denn nun dieser Feiertag begangen werden solle, um sich, und zwar in würdigster und emdruckvollster Weise auch äußerlich als solcher zu kennzeichnen... Es wurde die' Frage erörtert, was die vorgeschrittene Arbeiterschaft derjenigen Orte, an welchen die Bewegung nicht stark genug sei, um den Arbciterfeiertag zu erzwingen, thun solle, um auch ihrer- seits möglichst wirksam im Sinne der Pariser Resolution zu demonstriren. Schließlich glaubten eine Anzahl Berliner Genossen, die rheils in der politischen, theils in der Gewerk- schaftsbewegung eine Vertrauensstellung einnehmen, mit einem bestimmten Vorschlag heraustreten zu sollen. Sie veröffentlichten Ende der vorvorigen Woche im Berliner Volksblatt" und der„Volks-Tribüne" folgenden Auf- ruf....(Folgt dieser).... „Gegen die darin entwickelten Vorschläge läßt sich grundsätzlich nichts sagen, so viel man vom Zweckmäßigkeitsstandpunkt gegen den einen oder den andern einwenden mag. Es würde daher unseres Er- achtens die betreffenden Berliner Genossen, wenn sie, sie als solche den Arbeitern und Genossen in Deutschland unter- breitet hätten, nicht nur kein Tadel treffen können, sondern im Gegegentheil ihnen volle Anerkeuuuug gebühren. Einen Fehler haben sie dagegen damit gemacht, daß sie sofort, ohne die Genossen anderer Orte, und vor allen Dingen diejenigen Genossen zu hören, denen durch das Vertrauen der Gesammtpartei die Leitung der Partei- angelegenheiten übertragen ist— wir meinen den Fraktion«- vorstand— eine allgemeine Parole ausgaben.*) „Die Berliner Genossen weisen auf die kurze Spanne Zeit hin, die uns noch von dem 1. Mai trennt, und das entschuldigt ihr plötzliches Vorgehen; denn die Zett drängt, endgültig Stellung zu nehmen." Der„Sozialdem." kommt dann auf die Bedenken zu sprechen, daß der 1. Mai leicht zu blutigen Konflikten mit der Militärgewalt führen könne; der deutsche Korrespondent zer„Wiener Arbetterztg." habe die Konferenz der preußi- schen Generale in Berlin sogar damit in direkten Zu- sammenhang gebracht. Dann fährt das Blatt fort: „Es erhebt sich um so dringender die von den Berlinern aufgeworfene Frage: was soll am 1. Mai geschehen? „Es handelt sich nicht nur um die Stellung der deut- schen Arbeiter, sondern der Arbeiter aller Länder. Deutschland steht heute an der Spitze der modernen Ar- beiterbewegung, die Augen der vorgeschrittenen Arbeiter aller Länder sind auf die Bewegung der deutschen Brüder gerichtet. Wie der Wahlsieg derselben sie alle begeistert, ♦) Durch Nichtausgabe der PetstionSlisten wurde für diesen „Fehler"— wenn man überhaupt davon sprechen kann— sofort Remedur geschaffen, sodaß sofort jeder Grund wegfiel, den Berliner Borschlag mit formalen Kompetenzbedenken zu bekämpfen. ihnen neuen Muth eingeflößt hat, so kann auch das Verhalten der Deutschen in dieser Frage nicht ohne Rückwirkung «uf sie bleiben. Zum mindesten ist es nothwendig, daß sie rechtzeitig über die Schritte derselben aufgeklärt «erden. Zu welchem Entschluß immer die deutschen Ge- »osien kommen, sobald sie ihn rechtzeitig unter Anführung der maßgebenden Gründe bekannt machen, hat das für das Ausland nichts aus sich. Anders der gegen- wärtige Zustand der Ungewißheit. Dieser kann nur lähmend auf die andern Länder zurück- wirken. Unter diesen Umständen ist es allerdings sehr wünschenswerth, daß die Entscheidung sobald als nur irgend thunlich getroffen wird.... Wir sind überzeugt, daß alle Genoffen darin einstimmig sind, das unsaubere Spiel unserer reaktionären Widersacher nach Kräften zu verderben, sowohl indem etwaigen Provokations- gelüsten derselben nach Kräften entgegengewirkt wird, als auch indem Mittel und Wege gesucht werden, dasjenige trotzdem zu erzielen, was jene zu vereiteln bestrebt sind. Auf der Basis dieses Grundgedankens ist eine Verständigung sehr wohl möglich, und nichts sollte unterlassen werden, «as geeignet ist, eine solche, wir wiederholen, sobald als möglich herbeizuführen." Bereits vorige Woche hatte die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" geschrieben:„Der Aufruf der Berliner Genossen war einfach die kurze und präzise Formulirung dessen, was ein großer Theil der deutschen Arbeiterwelt bereits in Beschlüssen niedergelegt hatte. Darum auch der Erfolg, der sich durch Abdruck in allen Arbeiterblättern zeigte. Wir können uns deshalb denen nicht anschließen, die jetzt zurückzerrcn. Wenn die neugewählte sozialdemokratische Fraktion, die übrigens noch nickt gesprochen hat, das Losungswort„Nichtfciern" ausgeben wollte, dann mußte sie sofort nach der ersten Versammlung, die den Beschluß zu feiern faßte, Stellung nehmen und nicht erst die Be- wegung ins Unendliche wachsen laffen. So scheint es in der That, als ob„Tageblatt" und„Vaterland" in Leipzig Recht hätten, wenn sie sagen, der Fraktion werde bange vor den Folgen der Demonstration. In einem Artikel des„Wähler", den nach dem„Hamb. Echo" einer der angesehensten Reichstagsabgeordneten verfaßt hat, wird «irklich und wahrhaftig davor gewarnt, daß man den ersten Mai statt eines Tages frievlichen Triumphs nicht zn einem Tage blutiger Niederlage mache.— Das sieht ja' gerade so aus, als ob die Sozialdemokratie nur so mit Gewaltthätigkeiten um sich würfe! Wir haben eine beffere Meinung vom deutschen Arbeiter...... Die Warnung, sich nicht provoziren zu lassen, ist stets am Platze, aber die Angst davor nicht..." Einen recht befremdlichen Artikel bringt der Leipziger „Wähler". Danach hätten die Berliner Genoffen vorge- schlagen,„am 1. Mai allenthalben nicht zu arbeiten", sie hätten die„Negation der Blaumecherei"„als eine Art Lcrrath am heiligsten deklarirt"— und nun schüttet der Verfasser sein übervolles Herz aus über„allgemeines Blaumachen",„Verletzung der Gewerbeordnung", über „den Klimbim geräuschvoller öffentlicher Effekte",„die mit Zündstoff überfüllten Verhältnisse",„Hitzköpfe",„Lock- spitze!" und„Raufereien". Der Artikel schließt dann mit der eindrucksvollen Wendung:„In Reih' und Glied! Durch die Erhaltung der Disziplin, durch deren eiserne Wahrung ist es allein möglich gewesen, die Jahre seit 1878 zu überwinden und Bismarck und Puttkamer zu be- siegen. In Reih' und Glied! Das erfordert auch humanistische Rücksichtnahme auf die Verschiedenartig- keit der Verhältnisse unter den Arbeitern." Alles recht schön, vielleicht sogar zu schön. Als recht prosaische Gesellen können wir uns aber doch nicht ent- halten, dem geehrten Verfasser den guten Rath zu geben, das nächste Mal den Aufruf der Berliner Genossen erst zu lesen, ehe er wieder seine gewiß sehr gründliche Meinung darüber kundgiebt. Die internationale Konferenz. die in Berlin tagte, ist geschlossen, die Delegirten sind zurückgereist, die Kapitalisten athmen erleichtert auf. Das Kapitalisten-Parlament hat seine Schuldigkeit gelhan, es hat die„schrankenlose und willkürliche Ausbeutung der Arbeitskraft" nicht zu behindern versucht. Seine Beschlüsse sind nichtssagend, unbedeutend und ohne jede praktische Folge. Man glaubt, die Erlasse vom 4. Februar damit beseitigt und begraben. Man wird sich wieder auf den Standpunkt des ungenügenden„Arbeiter- schutzes" zurückziehen können, der sich in den Beschlüssen des Reichstages schon früher kund gegeben hat. Das Pelzwaschen, ohne ihn naß zu machen, kann vorläufig weiter fortgesetzt werden. Die„Freisinnige Zeitung" hat vollkommen recht, wenn sie meint, über die sozialpolitischen Fragen wird es im neuen Reichstage zu keinen irgendwie heftigen Auseinander- setzungen kommen. O nein! das Recht der Arbeiter, aus- gedrückt durch den Wunsch und Willen von einer Million und viermalhunderttausend Stimmen, hat dort ja nur 35 Vertreter! Was ist das?! Man läßt diese sprechen, begräbt ihre Anträge mit heuchlerischen Wohlwollensphrasen in den Kommissionen, um sie da„gründlich zu prüfen" und stimmt im kapitalistischen Interesse wie bisher weiter. Es kommt dann vielleicht ein von Ausnahmen durch- löchertes Gesetzchen zustande, daß auf dem Papiere nach etwas aussieht, etwas für die Kinder und jugendlichen Arbeiter verspricht, das aber neben den Ausnahmen wegen der mangelnden Fabrikbeaufsichtigung willkürlich verletzt und unter wohlwollender Berücksichtigung des Profit- intcresses lustig umgangen wird. Da braucht man sich nicht aufzuregen, es bleibt alles beim Alten. Die Gesellschaft bleibt auf dem Seziertische liegen tind die Kapi- talisten schneiden nach wie vor ihre Beute heraus. Da wird rührende Einheit von den Anhängern des Sozialisten- tödters Eugen Richter bis zum bauernsckindenden Junker sein. Erst wo die Interessen der Kapitalistenschichten unter einander in Zwiespalt gerathen, da wird das alte Nörgeln, der alte kleinliche Hader das hohe Haus in Aufregung setzen. Ob einige hunderttausend Mark mehr in afrikanische Abenteuer gesteckt werden, das ist ein ganz anderer Streitgegenstand, als die Regelung der Arbeit, so, daß die Gesundheit, die Sittlichkeit, die wirthschaftl iche Lage und die gesetzliche Gleichberechtigung der Arbeiter gesichert wird, wie die Erlasse vom 4. Februar es versprechen. Da kann man„freisinnige" Kalophonium- blitze gegen die„Gouvernementalen" abbrennen. Sie leuchten, aber wärmen nickt und zünden nicht. Es wird zuletzt alles bewilligt, nachdem vielleicht zwei Gesreitenknöpfe an den 72 neuen Batterien abgestrichen sind, und der Glanz des„Freisinnes" ist gerettet. Somit wäre alles für die kapitalistische Menschheil sehr gut, für die Arbeiter nach wie vor trostlos und traurig. Der alte Schlußzirkel, den Herr Dr. Ritter den schlesischen Bergarbeitern vorhielt: Ihr leistet nicht genug, darum könnt ihr nicht besser bezahlt werden, worauf die Arbeiter envidern: wir sind zu mangelhaft ernährt, zu sehr ausgemergelt d urch lange Arbeits- zeit, daher können wir nicht mehr leisten, wird seine verhängnißvollen Kreise weiter ziehen und die Volks- kraft, die Arbeitskraft, die Kultur weiter in den alles ver- schlingenden Abgrund des rücksichtslosen Kapitalprofttes hinabwirbcln. Die„Freisinnigen" werden dem Unter- gehenden, der in der Todesangst die Hände erhebt, er- widern: Wir dürfen dir nicht helfen, du bist ein freier Mann, du mußt dir selbst helfen. Die Hilfe des Staates würde deine Verantwortlichkeit, deine Freiheit aufheben. Verhungere, stirb! Es lebe die Freiheit!! Die„National- liberalen" werden sagen: Siehe, 16 Prozent Dividende, das ist nicht ausreichend, damit können wir bei unserer Nichtarbeit, der vielen freien Zeit wegen nicht standesge- mäß leben. Die Industrie, das sind wir. Die Verkürzung unserer Einnahmen ist die Schädigung unserer Industrie. Also halte still, gehe unter. Ein besseres Dasein für dich verträgt die Industrie nicht. Die Klerikalen werden sagen, indem sie sich zum fetten Mahle an den Tisch des Kapitals setzen: Warte nur, wenn die Religion erst so weit ist, daß die Kapitalisten auf Ueberverdienst verzichten, weil der Mensch nicht Schätze sammeln soll, die die Motten und der Rost fressen, dann beginnt auch für dich die gute Zeit. Bis dahin bete, daß diese Zeit bald komme. Wir predigen sie freilich schon 2000 Jahre, nun nach abermals 2000 Jahren werden wir wohl— da sein, wo wir heute sind, trotz Kirchen, Päbsten und Priestkrn, wenn der Arbeiter so lange auf euch wartet, meine Herren! Die„Konservativen" heißen ja so, weil sie das alte Unrecht, daß ein kleiner Theil der Menschen genießt und die große Mehrzahl leidet, konserviren wollen. Alles ist einig, es bleibt, wie es ist. Wir haben es nicht anders erwartet und dennoch sind für uns die Erlasse vom 4. Februar und der internationale Kongreß Merksteine, von welchen ab wir unseren weiteren Weg messen werden. Die Erlasse erkennen an, was wir fordern: Es ist die Aufgabe des Staates, die Arbeit in Bezug auf Zeit, Dauer und Art so zu regeln, daß die Gesundheit, die Sittlichkeit, die wirthschaftliche Lage und die gesetzliche Gleichberechtigung der Arbeiter gewahrt bleiben. Der feierlich berufene Kongreß hat, trotzdem er nichts geleistet hat, diesen Ausspruch geheiligt, ihn durch sein bloßes Zusammentreten anerkannt. Was uns bis dahin wüthend bestritten wurde, es ist uns zuerkannt. Auf elne hartnäckig vertheidigte Schanze haben wir unsere siegreiche Fahne aufpflanzen können. Man soll diesen Punkt uns nicht wieder nehmen dürfen. Man mag daran deuteln und nörgeln, man mag verdrehen und ableugnen, man schafft dadurch die Erlasse, die ja eigentlich nur für Deutschland von Erheblichkeit waren, und den Kongreß der diese Bedeutung für alle Länder, für alle Arbeiter be- siegelt hat, nicht aus der Welt. Wir haben eine allgemein und international gültige Anerkennung erlangt, daß ein Arbeiterschutz von Staats wegen nothwendig und zulässig ist. Daß der nur lediglich kapitalistische Interessen ver- tretende Kongreß über dasjenige, was„berechtigte Forde- rungen" der Arbeiter sind, mit uns sehr verschiedener Meinung sein würde, daß er in betreff der Grenze der Ausdehnung des Arbeiterschutzcs sich darauf beschränken würde, was sich unter der Wucht der Umstände heut durchaus nicht mehr verweigern läßt, daß er selbst da noch Abstriche im Interesse des Kapitalprofites versuchen würde, wer hätte das anders erwarten können?! Wer wäre so thöricht gewesen zu hoffen, diesen Kongreß, auf welchem die Arbeit ohne Vertretung war, würde deren Interesse gewahrt haben?! Was schadet das! Ist erst der Grundsatz zugestanden, wie es geschehen ist, dann ist es unsere Aufgabe, nur für die Weiterent- Wickelung der Sache zu sorgen. Den Schlüssel der feindlichen Stellung haben wir erobert, aus dieser Stellung werden wir unsere Angriffe mit mehr Nachdruck fortsetzen können. Neue Konserenzen werden sich als nothwendig herausstellen, in diesen wird auch die Arbeit ihre berechtigte Vertretung finden. Die Beschlüsse werden dann anders ausfallen als heute. Das Interesse der Menschheit und ihrer Zukunft, daS wir vertreten, wird dann das Interesse des Kapitalprofites besiegt haben. Muthig weiter diesem Ziele entgegen, damit bald neue Stellungen dem Feinde abgerungen werden! Kein Säumen, immer vorwärts, auch der scheinbare Mißerfolg unserer Sache, der in den Beschlüssen des internationalen Kongresses liegt, wird durch unseren Muth, unsere That- kraft, unsere Klugheit zu einem großen Erfolge werden. Frankreich auf der Arkeiterschutzkonferenz. Ii. (Vergl. Nr. 13). Als Vertreterin der kapitalistischen Interessen konnte es der französischen Regierung natürlich nicht in den Sinn kommen, den von dem sozialistischen Stadtrath Longuet erhobenen Vorschlag zu beherzigen, der Delegation mehrere Vertreter der Gewerkschaften zuzugesellen. Als republikanische Regierung fühlte sie sich jedoch der Arbeiter- klaffe gegenüber zu dem Kompliment verpflichtet, auch offiziell einen Arbeiter zur Berliner Konferenz zu ent- senden. Die Delegation eines Arbeiters ist die reine konven- tionelle Lüge der bürgerlichen Republik. Der Mann hatte ja genaue Instruktionen erhalten, nicht die Interessen seiner Klasse, sondern diejenigen von deren Ausbeutern zu vertreten. Dadurch, daß der Arbeiterdelegirte diese Instruktionen an- nahm, hatte er sich von vornherein zur Rolle eines Stroh- mannes, eines bloßen Dekorativmöbels der Republik in Berlin verurtheilt. Schon dadurch, daß die Regierung einen Arbeiter wählte, der durchaus außerhalb aller kämpfenden, sozia- listischen Organisationen steht, hatte sie der Rolle des „Arbeiterdelegirten" jede Bedeutung nehmen wollen. An- fangs hatte es geheißen, sie gedenke den Deputirten Duma?, den ehemaligen Abgeordneten BaSlp oder Benoit Malon nach Berlin zu sende». Aber weder der Possibilist Duma?, noch der Radikale Basly, noch aber der Relativist Malon waren ihr als blaß und politisch farblos genug erschienen. So gesellte sie der Delegation den politisch unver- dächtigen Maschinenbauer Viktor Delahape zu. Delahaye ist ein Mann von ca. 60 Jahren, der sich seit ungefähr 30 Jahren mit dem Studium ökonomischer Fragen beschäftigt. An der Kommune nahm er eine» rein professionellen Äntheil. Er nahm das Inventar der ver- lassenen und an die Gewerkschaffen überwiesenen Werk- stätten auf und organisirte in ihnen die genossenschaftliche Arbeit. Die Versailler Schreckensherrschaft trieb ihn nach England ins Exil. Er benutzte die Zeit, um sich mit den englischen Arbeitsverhältnissen bekannt zu machen. Nach seiner Rückkehr oerschafften ihm seine Kenntnisse, sein klares, ruhiges Urtheil ziemlichen Einfluß in seiner Gewerkschaft. Er ward 1876 zur Weltausstellung von Philadelphia und 1883 zu der von Amsterdam geschickt und machte sich ganz besonders mit den amerikanischen Arbeiterverhältnissen ver- traut. Delahaye hat den Verband der Maschinenbauer des Seincdepartcments vor verschiedenen Kommissionen aus Kongressen u. s. w. vertreten. Der nach der Reise nach Philadelphia eingereichte Rapport, sowie seine Aussagen vor der Kommission der 44 waren bemerkenswertht- Leistungen. Auch die den verschiedenen posstbilistischen Kongressen vorgelegten Berichte, in denen er ganz besonders für den achtstündigen Norm alarbcitstag eintritt und an der Hand einer Vergleichung der englischen, amerika- nischen und französischen Arbeitsverhältnisse recht klare und faßliche Argumente entwickelt, ragten über die gewöhn- lichen Durchschnittsreferate empor. Welche übrigens wohl verdiente Ironie, daß dem Mann gerade in der Frage der Mund geschlossen ist, in welcher er mit Kompetenz sprechen könnte! Soweit er sprechen durste, bringen wir seine bemerkenswerlhe Rede. Rede des Delegirten Viktor Delahaye auf der Berliner Konferenz. Herr Präsident, meine Herren Delegirten, Im Augenblick, wo die Diskussionen über einen Gegen- stand eröffnet werden, der die Arbeiter ganz besonders interessirt, ersuche ich um die Erlaubniß, so kurz als möglich las Resultat meiner Erfahrungen über die Verhältnisse und Bedürfftisse der Arbeiter darzulegen. Während der vierzehnhundert Jahre des Mittel- alters waren die Transport- und Verkehrsmittel weniK entwickelt, die Produktion war eng begrenzt, die lokalen Bedürfnisse bestimmten sie und zogen ihr Schranken. Jeder Arbeiter war Eigenthümer seines bescheidenen Werkzeugs, er erhielt den unverkürzten Werth des Produktes seiner Arbeit. Lohnarbeit kam nur ausnahmsweise und zeitweilig vor, auf jeden Arbeilsherren, Meister, gab nur einen Lohnarbeiter.(Heut ist das Verhältniß ein umgekehrtes, in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, in Frankreich kommen im Durchschnitt zwölf Lohnarbeiter auf einen Arbeitsherrn. In ganz Europa hatten diese kleinen, vom Produkt ihrer Arbeit lebenden Meister ein direktes Jnleressr man, den Arbeitstag nicht Übermäßig zu ver- längern. Um ihre Familie auferziehen, sich gegen ein' unsichere Zukunft und die Unfälle des Alters sicherstelle» zu können, hielten sie den Preis der Handarbeit und dif Jnnungs- und Zunft-Tarife in entsprechendem Verhältn'k zu den Preisen der Existenzmittel. Da nur ein Lob»' arbeiter auf zehn Meister kam, so hatte jeder Lohnarbeit die Gewißheit, seinerseits der Nachfolger eines dieser Weist zu werden. C 3. b. 9 11 7. te n 5 n 6 = = ce It r 9, 11 Эк 7. b r e b n b б 8 h 1 де B t δ D t t f 1835 121,527 1880 3,841,104 Unter solchen Berhältnissen waren Verhandlungen und Außer den ökonomischen, physischen und menschlichen| Vergleichende Tabelle der Zahl der Deponenten und der eingezahlten Berständigungen, kurz alle industriellen und sozialen Be- Erwägungen, welche die bei weitem wichtigsten find, laffen Summen der französischen Sparkassen von 1835 und von 1880. ziehungen leicht und dauerhaft; Streiks, freie Stoalitionen, mir gerade die Bedenken und Befürchtungen der industri- Bahl der deponirenden schwarze Listen", Lockouts und Boykotts waren unbekannte ellen Nationen eine gemeinsame Verständigung unter Personen. oder sich ausnahmsweise ereignende Dinge. Die Arbeit ihnen behufs Beschränkung und Regelung der Gesammtbetrag der einwar eine natürlich gemäßigte; da das Kapital und die Arbeitszeit in den industriellen Betrieben so Arbeit nur ausnahmsweise getrennt waren, so bildeten sie wünschenswerth erscheinen. feine feindlichen Gegensäße und konnten sie keine solchen bilden. Die Zukunft und Würde des Arbeiters waren sicher gestellt. Vierzehn Jahrhunderte lang war die Lage der Arbeiter, war die Auffassungsweise über die ökonomische Gleichheit eine solche. Außer der so beträchtlichen Steigerung der Produktivität und der Produktivkräfte ist auch der soziale Reichthum in entsprechendem Verhältniß gewachsen und hat fich mehr und mehr angehäuft. Zum Beweis dafür die folgende Tabelle, welche der zehnjährigen Statistik der Vereinigten Staaten Nordamerika's entlehnt ist. Zehnjährige Tabelle der industriellen Situation der Vereinigten Staaten von 1850-1880. 1850 1860 Soll das etwa sagen, daß sich die Kleinindustrie und ihre nothwendige Ergänzung, die Zünfte und Innungen wiederhergestellt sehen möchte? Gewiß nicht, ich bin im Gegentheil überzeugt, daß dies unmöglich ist. Das hieße in der ökonomischen Welt produktiv mittelmäßige und 1) Zahl der Werkstätten und unzulängliche Arbeitsmittel an die Stelle der wunderbaren Produktionskraft der modernen Großindustrie seßen. Fabriken. 2) Werth der fabrizirten Produkte → 1870 1880 gezahlten Ersparnisse 62,185,676 Fres. Durchschnittl. Ersparniß pro Person. Abnahme der Ersparniß pro Person Prozentsatz d. Abnahme pro Person 511 " 1,280,202,694 Fres. 333 " 278 " 50 p& t. Diese Tabellen zeigen auf den ersten Blick, daß für ungefähr ein Drittel der britischen Arbeiter, d. h. für einen verhältnißmäßig und zeitweilig wohlhabenden Bruchtheil, die Ersparnisse pro Person, welche 1831 noch 800 Frcs. betrugen, 1880 auf 475 Frcs. gesunken sind. Das bedeutet eine Abnahme um 325 Frcs. pro Person oder 41 pCt. Für ungefähr ein Drittel der französischen Ar123,025 140,433 252,148 253,852 beiter, d. H. für einen verhältnißmäßig und zeitweilig Mill. Min. Min. Min. gutgestellten Bruchtheil derselben, sind die Ersparnisse pro 6115 11315 21585 27922 Person von 511 Fres.( 1835) auf 333 Fres.( 1880) ge= 3) Zahl der Lohnarbeiter 958,070 1,311,2462,053,9962,732,596 fallen. Das bedeutet einen Rückgang von 278 Fres. pro Person oder 50 pt. 4) Wieviel Arbeiter kommen auf 1 Arbeitsherren. 5) Gesammtsumme des in Um das Loos der Arbeiter auf wirksame und dauerhafte Art zu beffern, um den periodischen Krisen der Meberproduktion, welche ebenso mörderisch wie die Hungers nöthe des Alterthums geworden sind, um diesen Krisen ein Ende zu machen, erachte ich, daß es einer industriellen Organisation bedarf, welche die neuen Produktionsmittel der modernen Großindustrie zur Grundlage hat. Durch eine internationale Arbeitsgesetzgebung wird dieses wichtige„ Deſide- 6) Auf 1 beſchäftigten Arratum" nach und nach verwirklicht werden. Arbeitsmitteln, Gebäuden und Rohstoffen angelegten Kapitals 7 9 8 10,7 Mill. 5551 Mill. Mill. Mill. 10411 23494 32173 Daraus kann man schließen, daß abgesehen von den Krisen der Ueberproduktion und ihren Folgen, in dem Maße, als sich die Großbetriebe für Produktion, Tausch, Transport und Verkehr entwickeln, einerseits der soziale Reichthum in wunderbarem Verhältnisse wächst und sich in den Händen einer immer kleineren und kleineren Minorität beiter kam also Kapital. 5887 8739 11,438 11,770 affumulirt. Andererseits konstatiren wir, daß es unter Diese Tabelle zeigt für jedes der betreffenden Jahre den Arbeitern ein Drittel giebt, deren Ersparnisse mehr Seit einem halben Jahrhundert ist dies der von den Arbeitern Europas und Amerikas auf allen nationalen die Zahl der Werkstätten( 1), den jährlichen Werth der und mehr abnehmen, während die große Mehrheit keine und internationalen Kongressen wiederholt ausgesprochene industriellen Produkte( 2), die Gesammtzahl der Lohn- Möglichkeit hat, einen Nothgroschen zurückzulegen und zu Wunsch. Daß auf der internationalen Konferenz zu Berlin arbeiter( 3), ferner, daß die Zunahme der Lohnarbeiter einer durchaus ungewissen Zukunft verurtheilt ist. in umgekehrtem Verhältniß zur Zahl der Werkstätten und Die französische Delegation ist mit einem bestimmten Delegirte anwesend sind, welche von fast allen europäischen in geradem Verhältniß zur Attumalation des National Mandat hierher geschickt worden, an das sie sich zu halten Nationen entfendet wurden, ist eine weitere, hochbedeutsame reichthums steht( 4), die Gesammtsumme des in der gedenkt. Es ist also nicht in meiner Eigenschaft als DeleBestätigung dafür. Industrie angelegten Kapitals( 5), das nöthige Durch- girter, sondern in meinem persönlichen Namen, daß ich schnittskapital, das auf jeden Arbeiter zur Ausübung seiner erkläre: ich bin und bleibe Anhänger einer internationalen Arbeitsgesetzgebung, welche eine Thätigkeit( an Arbeitsmitteln) kommt( 6). Besserung des Looses der Arbeiter zum Ziel hat. Berlin, den 19. März 1890. Sie wird Eine Prüfung dieser Tabelle ergiebt, daß von 1850 bis 1880 die Zahl der Arbeitsstätten sich nur verdoppelt hat. Die 2. Rubrik zeigt dagegen, daß sich der Werth Viktor Delahaye, Maschinenbauer. Delegirter der Regierung der französischen Republik. Arbeiterversammlungen zum 1. Mai. ( Aus den in den lezten Tagen eingetroffenen Arbeiterblättern.) Ohne der Uebertreibung geziehen zu werden, kann man behaupten, daß wir in diesem Augenblick dem sich in den Thatsachen und Einrichtungen vollziehenden Geburtsringen des großen zeitgenössischen Gedankens beiwohnen: der von der Wissenschaft besiegten Natur. ben Menschen zum Herrn seines Geschickes machen, sie wird seinen Gesetzen, seinen Fortschritt, seiner Regelung der der rektifizirten Produktion vervierfachte, und die 5. Rubrik Arbeit, der Produktion und der Vertheilung der Produkte weist nach, daß sich das Wachsthum des Kapitals vereine bewußte Leitung, eine gewollte Déganisation verleihen, sechsfacht hat. Diese Beobachtungen führen zu der Schlußfolgerung, welche den neuen Bedürfnissen und den gegenwärtigen daß den modernen Produktionsmitteln die Tenökonomischen Nothwendigkeiten entsprechen. Seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts, der benz innewohnt, sich mehr und mehr in einer Geburtsstunde der Großindustrie, haben sich die großen kleinen Anzahl von Händen zu konzentriren. Wenn man die Zahlen der Rubrik 3( Arbeiter) durch Transport- und Verkehrsmittel derart entwickelt, ist die Produktion derart über die Bedürfnisse des thatsächlichen die gegenüberstehenden Zahlen der Rubrik 1( Werkstätten Eine Feier des 1. Mai wurde am Mittwoch in 18 ArbeiterKonsums hinausgewachsen, daß wir die folgenden Beispiele und Fabriken) theilt, so drücken die Quotienten 7, 9, 8 und geben, damit man sich eine Vorstellung hiervon machen kann: 11 aus, daß mit der Entwicklung des Maschinismus die Versammlungen beschlossen. Zahl der Lohnarbeiter in umgekehrtem Verhältniß zur Die in Dischel's Salon tagende öffentliche Versammlung In der Baumwoll industrie funktioniren gegenwärtig Bahl der Werkstätten wächst. So kamen 1850 durch- fämmtlicher in der Gold- und Silberwaaren branche beschäf in Europa und Amerika beim Spinnen der Baumwolle schnittlich nur 7 Lohnarbeiter auf jeden industriellen Be- tigten Arbeiter nahm eine Resolution mit ollen gegen vier Clime 100 Millionen Spindeln. Heute genügen 188,000 rHeute genügen 188,000 rtrieb, 1860 dagegen 9 und 1880 gar 11. Gerade das men an, welche verpflichtete, den 1. Mai als Feiertag au betrachten und dahin zu wirken, daß das auch in allen Geschäften geschieht." beiter, um alle diese Spindeln in Bewegung zu setzen. Entgegengesetzte konstatirt man für die Rubrik 5; die Zahl Der Fachverein der Schlosser entschied sich einstimmig für Ein Jahrhundert zurüd hätte es 100 Millionen von der Lohnarbeiter wächst in geradem Verhältniß zur Zu- Feiertag, ebenso die in der Wirkerbranche beschäftigten Arbeiter Arbeitern bedurft, um das gleiche Resultat zu erhalten. nahme des Kapitals, welches für industrielle Produktions- und Arbeiterinnen. Die Sonnabend, den 29. März cr., in Bözow's Brauerei Das heißt, daß heute jede Person 530 mal mehr produtagende öffentliche Versammlung der Lohgerber und Lederzirt, als früher. zurichter, sowie der in dieser Branche beschäftigten Arbeiter beschloß, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen zu Gunster des Achtstundentages; gleichzeitig beauftragt die Versammlung das Bureau, am 1. Mai Vormittags eine Versammlung mit dementsprechender Tagesordnung einzuberufen. mittel angelegt wird, und die Ersparnisse der Arbeiter nehmen im Verhältniß ab, als sich ihnen gegenüber die Atkumulation des sozialen Neichthums vollzieht. Berlin und Umgegend. Die am 31. März in Scheffer's Salon, Inselstraße 10, tagende Schuhmacherversammlung beschloß, in allen Schuhfabriken am 1. Mai die Arbeit ruhen zu laffen. Die Schmiede Charlottenburgs erklärten sich mit den BeEine öffentliche Versammlung sämmtlicher Arbeiter der In der Landwirthschaft, wo die maschinellen Fort schritte langsamer von statten gegangen sind, verrichtet der Werfen wir einen Blick auf die„ Ersparnisse" der Dampfpflug, der pro Stunde und Pferdekraft ungefähr britischen Arbeiter. Wir halten uns für Abschäßung 5 Centimes Ausgaben verursacht, die Arbeit von hundert berselben an Robert Giffen, Chef der Statistik. Die Eralten Pflügen. sparnisse sind sorgfältig berechnet worden auf Grund der Was die Transportmittel anbetrifft, so betrug die statistischen Ausgaben der Gesellschaften für den Bau von mittlere Geschwindigkeit der Gilpost 8 Kilometer in der Arbeiterwohnungen, der Sparkassen, der Genossenschaften, schlüssen des internationalen Arbeiterkongresses solidarisch und beStunde, die der Segelschiffe 6 Kilometer; heutzutage haben der Kaffen der Trades- Unions, Gewerkschaften, Fachvereine, schloffen einstimmig, den 1. Mai als Arbeiterfeiertag zur Demondie Eisenbahnen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von der Unterstügungs- Kranken- und Alterskaffen auf Gegen- ftration für den achtstündigen Normalarbeitstag zu begehen. 80, die Dampfschiffe von 25 Kilometern. Heute gelangt feitigkeit, und sie sind auf 3 Milliarden Francs geſchäßt Königl. Eisenbahn- Hauptwerkstatt zu Tempelhof, in man in 20 Stunden von Paris nach Berlin, vor der Er- worden. Im Vergleich zu den Ersparnissen, welche sich welcher Beschlüsse über die Art und Weise der Feier am 1. Mai findung der Eisenbahnen hätte man 60-70 Tage zu dieser die Reichen Großbritanniens angeeignet haben und welche gefaßt werden sollten, war zum 2. Feiertag Vormittags nach Habels Reise gebraucht. Mit Hilfe der telegraphischen und tele- auf 212 Milliarden Francs berechnet werden, ist erstere Brauerei einberufen worden. Den Vorfiz über die Versammlung führte der Metallarbeiter Littwin. 6-700 Personen füllten den phonischen Kommunikationsmittel können die entferntesten Summe relativ gering. Saal, trotz des Verbotes der Direktion, bis auf den letzten Play. Bölker binnen weniger Minuten miteinander verkehren. Nach dem nämlichen Statistiker beträgt die Akkumu- Der Referent, der Stadtverordnete O. Klein, erklärte die unter Was das Wachsthum der Betriebskräfte anbetrifft, lation des Jahresreichthums, d. h. das disponible Netto- den Fabrikanten verbreitete Meinung von einem Zwiespalt unter so giebt es gegenwärtig 50 Millionen Pferdekräfte auf produkt der Produktion 6 Milliarden Francs. Diese den führenden Elementen der Partei für eine Fabel. Es soll unserem Planeten, das bedeutet eine Steigerung der mecha: Summe iſt doppelt so groß, wie die Gesammtersparnisse der Breſſe verbreitet worden sei. Die Arbeiterbataillone sollten an den ganzen Tag gefeiert werden, nicht einen halben, wie in nischen Kraft, welche der um eine Milliarde Arbeiter der britischen Arbeiter. diesem Tage zur Arbeiterparade antreten. Maßregelungen der gleichkommt. Aus diesen verschiedenen Beobachtungen ergiebt sich, Feiernden können höchstens einen Wechsel der Arbeiter herbeiführen, Gegenüber dieser wunderbaren Steigerung der mecha- daß ohne ein Eingreifen der Regierung der Arbeiter immer indem z. B. die bei Ludwig Loewe Gemaßregelten zu Frister und nischen Kräfte erscheint es natürlich, den Arbeitern ärmer und ärmer wird, daß er sich mehr und mehr über- Roßmann gingen und umgekehrt. Die großen Fabriten könnten wegen dringender Arbeiten nicht ausseßen. Die Arbeiter sollten am und vor allem den Kindern und jungen Leuten arbeiten und überbürden muß. Festtage Vormittags Versammlungen abhalten und Nachmittags mehr Muße zu vergönnen, um ihnen zu ermöglichen, Das ist nicht alles. In Folgendem zwei aus dem Bergnügungen veranstalten. Die Versammlung erklärte sich mit fich zu unterrichten und zu bilden, sich in Künsten und Leben gegriffenen Thatsachen, welche viel handgreiflicher dem Referenten Klein einverstanden und schloß nach mehrstündiger Debatte mit einem Hoch auf die Bewegung. Wissenschaften zu vervollkommnen und schließlich als Folge und verständlicher sind. davon ihr Wohlfein in jeder Beziehung zu fördern. Es handelt sich um die Ersparnisse selbst, welche von Dies ist jedoch nicht der Fall. den britischen Arbeitern und den französischen Arbeitern in In manchen Ländern werden die Kinder, die jungen Sparkaffen deponirt worden sind. Die beiden untenArbeiter, die Arbeiterinnen durch eine übermäßige Ber- stehenden Tabellen zeigen, daß die Ersparniffe pro Person In anderen während der letzten Periode von 45 bis 50 Jahren um hier tagende Verbandstag des Verbandes deutscher Glaserlängerung des Arbeitstages überbürdet. Ländern wiederum sind die Arbeiter jedes Alters vollständig 41 bis 50 pet. abgenommen haben. eines Ruhetages in der Woche beraubt. Einzeln genommen Vergleichende Tabelle der Zahl der Deponenten und der eingezahlten Summen der englischen Sparkassen von 1831 und von 1881. zögern alle Nationen, aus Furcht vor der Weltmarkt1831 konkurrenz, die Dauer des Arbeitstages zu beschränken, obgleich die Erfahrung mehr als zur Genüge bewiesen hat, Bahl der deponirenden Personen 429,000 daß bei dem modernen Maschinismus gerade diejenigen Gesammtbetrag der einLänder das Marimum der Produktivität erreichen, welche gezahlten Ersparnisse 342,375,252 Fres. den kürzesten Arbeitstag haben, daß gerade diese Durchschnittl. Ersparniß pro Person. Länder unter den günstigsten Bedingungen für die Billigniß pro Person keit der Waaren produziren, daß fie am meisten gedeihen, Abnahme der Ersparund daß sie auf den Märkten der ganzen Welt die gefürch- Prozentsaz d. Abnahme pro Person tetsten Ronkurrenten find. 800 17 1881 4,140,000 2,258,352,525 Fres. Dagegen lehnte am Dienstag im Lokal Königsbank eine Versammlung der in den Eisenbahnwerkstätten und ähnlichen staat lichen Betrieben beschäftigten Arbeiter den Arbeiterfeiertag ab. Sonstiges Deutschland. Halle a. S. Der in den Tagen des 6. bis 7. April 1890 gesellen hat betreffs Stellungnahme zum 1. Mai folgende Nefolution angenommen: In Erwägung, daß die Arbeiter aller Stulturländer beschlossen haben, am 1. Mai d. J. eine Kundgebung zu gunsten des achtstündigen Arbeitstages in Szene zu sezen- in fernerer Erwägung, daß nur durch einen gesetzlich garantirteit Normalarbeitstag eine Besserstellung der Lage der arbeitenden Klaffen erzielt werden kanu beschließen wir, den deutschen Glasern zu empfehlen, am genannten Tage die Arbeit ruhen zu lassen, wenn möglich Versammlungen einzuberufen mit dem Thema: Der Achtstundentag und seine Bedeutung für die Arbeiter, sowie fich an 41 pt. der Samvilung von Unterschriften zu einer Petition für den 475 " 325 " Reichstag zu betheiligen. Im weiteren strebt obengenannter Ver- soll. Ferner sollen, je nachdem wie es gelingt, die Kundgebung zu In Wien befinden fich 20 000 Manrer im Streik. band nach Abschaffung der Affordarbeit, soweit es irgend möglich einer großartigen zu machen, die einzelnen Gewerkschaften einen Eventuelle Geldsendungen ersuchen wir an die beiden Redaktionen der Arbeiterzeitung" Wien VI, Gumpendorferstr. 79 und„ Volksist, ferner beschloß er, nur die Organisationen derjenigen Städte zu gemeinsamen Festzug nach dem Festplaße in's Werk seßen. In Göppingen( Schwaben) beschloß man in öffentlicher presse" in Wien zu senden. unterstützen, welche für eine Verkürzung der Arbeitszeit eintreten. Versammlung, womöglich ganz, jedenfalls aber einen halben Tag Der Streit bei Friedrich Siemens u. 6o. dauert unMagdeburg. Bezugnehmend auf die polemischen Erörte- zu feiern. Buchbinder Dietrich- Stuttgart war Referent. verändert fort, Zuzug ist fern zu halten von Schlossern, Drehern, rungen zwischen den Berliner Genossen und einigen Mitgliedern der Die Schlosser und Maschinenbauer Münchens haben den Gießern, Formern, Kernmachern, Klempnern, Packern und säiamtlichen Hülfsarbeitern. Fraktion, betreffend die Feier des 1. Mai, erklärt die General- 1. Mai als ganzen Feiertag erklärt. In einer öffentlichen Versammlung der Bau- u. Maschinen- Achtung! Schuhmacher. Am Montag, den 14. April, Kommission der Arbeiter Magdeburgs, welche zur Zeit aus schlosse r Dresdens sprach Herr Viktor Braune über den Acht- finden drei große öffentliche Schuhmacher- Versammlungen statt, in Bertretern von 16 Gewerkschaften besteht:„ Wir sind mit dem Vor- stundentag und forderte zum Schlusse seines mit vielem Beifall welchen die Beschlüsse von der großen Versammlung am dritten gehen der Berliner Genossen vollständig einverstanden aufgenommenen Vortrags alle Anwesenden auf, den 1. Mai als Osterfeiertag, bezüglich des Streifs, ausführlich besprochen werden einen allgemeinen Feiertag zu begehen. Zum 2. Punkte sollen, ebenso das Verhalten der Kollegen vor und während de und halten an den, auch in Magdeburg in mehreren öffentlichen nahmen noch die Herren Bräuer, Siegerist und Bürger das Wort, Streifs. Die Kollegen werden ersucht recht zahlreich zu erscheinen. Volks- und Gewerkschafts- Versammlungen gefaßten Beschlüssen, den welche sämmtlich die Vortheile des Achtstundentages hervorhoben Die Versammlungen finden statt: 1. Norddeutsche Brauerei, Chauffee1. Mai als Feiertag zu betrachten, feft." Es wird beschlossen, und alle Kollegen aufforderten, einmüthig zusammenzustehen und straße 58; 2. Sanssouci, Rottbuserstr. 4a; 3. Königshof, Bülowdiese Resolution an die Redaktionen des Berliner Volksblatt" und den 1. Mai als einen Feiertag zit behandeln. Die Bersammlung straße 37. Die Lohnkommission. entschied sich einstimmig in diesem Sinne. Die Schuhmacher von Frankfurt a. M. stehen wegen. der Volkstribüne" einzuschicken. Hannover. Die hiesigen Schneider haben beschlossen, den Lohnforderung mit den Meistern in Unterhandlung. Zuzug ist 1. Mai als Feiertag zu betrachten, und zu gunsten des achtstündigen strengstens fern zu halten. Alle Arbeiterblätter werden um wiederArbeitstages öffentliche Versammlungen oder sonstige Kundgebungen holten Abdruck gebeten. zu veranstalten. In einer öffentlichen Arbeiterinnen versammlung, Versammlung aller Parquetbodenleger. Mittwoch, wo Frau Ihrer referirte, wurde ein ähnlicher Beschluß gefaßt, den 16. April, Abends 8 Uhr, in Feuerstein's Lokal, Alte Jakobdesgleichen auch in einer nachfolgenden Volksversammlung. straße 75. Wir erwarten, daß kein Kollege in dieser Versammlung fehlen wird. " Bis jetzt haben in folgenden Städten die Tischler beschlossen, den 1. Mai als Feiertag zu begehen: Altona, Berlin, Braunschweig, Bremen, Celle, Chemnitz, Dresden, Hagen i. W., Hamelm, Hamburg Hannover, Harburg, Helmstedt, Höchst a. M., Köln, Lübeck, Potsdam, Magdeburg, Mittweida, München, Stuttgart, Wandsbeck, Weimar, Wernigerode, Görlitz, Mainz, Schneeberg, Brandenburg, Flensburg, Pirmasens, Lüneburg. In Barmen beschlossen die Tischler in öffentlicher Versamm lung mit allen gegen 2 Stimmen am 1. Mai zu feiern. Die Leipziger Bauschlosser treten für den vollen Feiertag ein. Die Leipziger Bauhandwerker verpflichteten sich, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen. In Halberstadt beschloß eine überaus zahlreich besuchte Volksversammlung den 1. Mai zu feiern,( Nachmittags Versammlung, Abends volksthümliches Feſt.) Köln, 8. April. In einer von etwa 2000 Arbeitern besuchten Versammlung im Gürzenich wurde gestern mit allen gegen eine Stimme beschlossen, am 1. Mai zu feiern. Hamburg. Die Harburger Metallarbeiter machen es ,, jedem Metallarbeiter zur Pflicht, den 1. Mai als einen heiligen Feiertag zu begehen, und empfehlen, den Tag durch Versammlungen und Ausflüge zu verherrlichen." Eine Versammlung der Schlosser und Maschinenbauer Hamburgs erklärte den 1. Mai zum Feiertag. Ansland. Bolitisches. Verein der Filzschuharbeiter und Berufsgenossen. Sonnabend, den 12. April, Abends 8½½ Uhr, bei Zemter, Münz straße 11. Versammlung. Vortrag des Herrn Mar Baginski über Kapital und Arbeit. Diskussion. Der Streit in der Fabrik von Silberstein und Landsberger. Verschiedenes. Gauverein Berliner Bildhauer. Dienstag, den 15. April, Abends 82 Uhr, Restaurant Keßner, Annenstr. 16. Ordentliche Generalversammlung. Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38. Sonntag, den 13. April, Vormittags 10 Uhr, Vortrag des Herrn H. Peu über den Einfluß der ökonomischen Verhältnisse auf die Selbständigkeit der Ueberzeugung." Gäste sehr willkommen. Am Montag fard in Prag eine Arbeiterversammlung statt, die von mehr als 2000 Personen besucht war. Arbeiterdeputationen Versammlung der Freien Vereinigung der Zu aus Brür, Dur und anderen Orten Nordböhmens waren erschienen. schneider, Vorrichter und Stepper Berlins. Sonnabend, Am 1. Mai soll mit strenger Beobachtung der Fabriksordnungen den 12. April, Abends 9 Uhr, bei Reiher, Alte Jakobstraße 88. gefeiert werden. Von jedem öffentlichen Aufzug sei abzusehen. Tagesordnung: Wie halten wir unsere Errungenschaften aufrecht? Königsberg i. Pr. Nachdem die Wahlkampagne vor- Großen Anklang hat der Gedanke des 1. Mai- Feiertages in Referent: Herr Wiedemann. Diskussion. über ist, wird jezt eine lebhafte Agitation für den 1. Mat entfaltet. Spanien, insbesondere in Barcelona, gefunden. Man er Verein zur Wahrung der Interessen der SchuhSo haben in letzter Zeit alle Gewerkschaften öffentliche Ver- wartet dort, am 1. Mai zahlreiche Arbeiter aus der Provinz nach macher Berlins. Am Donnerstag, den 17. April, Abends 8% sammlungen abgehalten, in denen nochmals beschlossen wurde, am Barcelona zu ziehen. Die Arbeiterführer verkündigen, daß circa Uhr, Versammlung bei Gratweil, Kommandantenſtr. 79. 1. Mai zu feiern und zu diesem Zweck Komitees gewählt, um 70 000 Arbeiter erscheinen merden. die nöthigen Arrangements zu treffen. Am 1. April fand nun eine Versammlung sämmtlicher Komitees statt. Sämmtliche Redner sprachen sich dafür aus, daß am 1. Mai in allen Werkstätten und Geschäften die Arbeit ruhen soll, um, den herrschenden Parteien zu zeigen, daß die Arbeiter entschlossen find, den Achtstundentag durchzuführen und gelangte folgender Antrag berufen. zur einstimmigen Annahme:" Die am 1. April tagende Verfammlung der zum 1. Mai gewählten Gewerkschaftskomitees beschließt, dahin zu wirken, daß am 1. Mai Vormittags MassenVersammlungen stattfinden, ferner beschließt dieselbe, am Nachmittag des 1. Mai ein allgemeines Fest abzuhalten." Zu diesem Zwecke wurde ein Festkomitee gewählt und ist hierzu das größte Etablissement in Aussicht genommen. Die Metallarbeiter haben bereits an alle ihre Arbeitgeber Zirkulare versandt, in denen ihnen der Beschluß mitgetheilt wird, mit dem Bemerken, bis zum 8. April Antwort zu geben. Ferner sollen in nächster Zeit Massenversammlungen stattfinden, in denen auch darauf hingewirkt werden soll, daß außer in Restaurationen 2c. nirgends an dem Tage etwas gekauft werden Der Reichstag ist auf Donnerstag den 6. Mai einGewerkschaftliches, Vereine. An die Weber Deutschlands. Von Seiten der hiesigen Fabrikanten ist uns die Zumuthung gestellt worden, eine Fabrikordnung zu unterschreiben, durch welche wir der Willkür der Herren vollständig preisgegeben würden. Unsere Ehre gebietet uns, diese Gefängnißordnung abzulehnen und es kann in Folge dessen eine Fabritperre erfolgen. Wir ersuchen daher vor allem, Zuzug nach hier fern zu halten. Wir ersuchen alle Arbeiterblätter um Abdruck. Gera, den 10. März 1890. E. Vogel, Karlstr. 1, parterre. Briefkasten. Rejer. Wir empfehlen Ihnen zum Vorlesen das heutige Gedicht von Seidel zum 1. Mai. Freireligiöser. Es liegt ja in Ihrer Hand anzuregen, daß die Gemeinde inserirt, was sie bei ihrem Vermögensstand nicht nur könnte, sondern auch sollte. St. 36. Versuchen Sie es auf jeden Fall auf dem Gewerbeschiedsgericht, Köllnisches Rathhaus, Kölln. Fischmarkt. Das foftet nichts. Am besten mündlich zu Protokoll, oder schriftliche Klage in 2 Gremplaren. Lefer. Mea culpa meine Schuld. G.$. 100. Sie werden wohl anmelden müssen. Haben Sie denn feinen Kassensachverständigen zur Hand? Gr. öffentl. Volks- Versammlung Avis für Schuhmacher! für Schöneberg und Umgegend Montag, d. 14. April, Abends 8 Uhr, in der Schloßbrauerei Schöneberg. Tages- Ordnung: Der Achtstundentag und seine Bedeutung. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Einberufer. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Dienstag, den 15. April, Abends 82 Uhr, im Saale des Herrn Faustmann, Invalidenstraße 144 große Versammlung. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Herrn Alb. Auerback:„ Die neue Aera". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste sehr willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Grosse öffentliche der Vorstand. Kommunal Wähler Versammlungen. 1. Versammlung: Montag, den 14. April. Abends 81% Uhr, in Schneiders Salou, Belforterstraße 15.. 0 Tages Ordnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl im 32. Wahlbezirk. Ref.: Reichstagsabgeordneter und Stadtverordneter Arthur Stadthagen u. Carl Becker.- 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2. Versammlung: Dienstag, den 15. April cr., Abends 8 Uhr. Verkündigung des Wahlresultats. Ansprache des Kandidaten. Diskussion. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Einberufer. Allg. Metallarbeiter- Verein Berlins u. Umgegend. Ordtl. General- Versammlung Sonntag, d. 13. April, Bormittags 10% Uhr, im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72. Tages Ordnung: = 1. Rechnungslegung des Kassirers. 2. Anträge des Vorstandes. wahl der Kommissionen. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. 3. Erfaz Der wichtigen Tagesordnung wegen ist jedes Mitglied verpflichtet, zu erscheinen. Der Vorstand. Sehr gute Herren- und Damenarbeiter finden dauernde Beschäftigung. " " 1 Bezahlung für 1 Paar Herrenstußenböden Mk.5-7. 1 Damenstiefelböden 3-5. Probestußen refp. Stiefel erwünscht. Nur ganz gute Arbeiter fönnen berücksichtigt werden. Jos. Waninger, Königl. Hofschuhmacher, München. Bentral- Krankenkaffe d. Töpfer. Oertliche Verwaltung Berlin. Diejenigen Mitglieder, welche am 1. April d. J. ihre Wohnung gewechselt hoben, jedoch noch nicht angemeldet, fordere ich dringend auf, selbige bei mir zu melden, um Unregelmäßigkeiten zu ber= meiden. Ich mache speziell auf II. Nachtrag, Art. 2, Abs. I, unseres Statuts aufmerksam. Emil Wendschlag, Kassirer, Straße 7 b. Nr. 2. Achtung. Metallarbeiter! Fachverein für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 14. April, Abends 8 Uhr, in Lotale stönigstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72 General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Abrechnung vom Stiftungsfest und Abe rechnung des Kassirers. 2. Stellungnahme zu den von den Unternehmern geplanten Arbeiterräthen. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Anträge. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste willkommen. Pflicht eines jeden Mit Der Vorstand. Der Zentral Arbeitsnachweis für sämmtliche gliedes ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Branchen der Metallindustrie, leingerichtet vom Metallarbeiter- Verein, befindet sich Berlin C., Wallstr. 7-8. Derselbe ist geöffnet von Morgens 8-12 Uhr, Nachmittags von 2-6 Uhr. Die Arbeitsvermittlung ist für Arbeitnehmer, sowie Arbeitgeber unentgeltlich. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Leseklub ,, Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Markusstr. 6. ( Restaurant Spiekermann). Vorlesung und Diskussion. Berliner Arbeiterbibliothek. I. Serie. Herausgegeben von Max Schippel- Berlin. Eine Sammlung allgemein verständlicher Agitationsschriften in bester Ausstattung und zu niedrig stem Preise, die wir allen Lesern der Bolts- Tribüne", sowie allen Mitgliedern von Arbeitervereinen aller Art bestens empfehlen. Heft 1. Ein sozialistischer Roman. Nach dem Amerikanischen. Von Edward Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Die Gewerkschaften, ihr Nuzen und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Von Max Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Die Arbeiterinnen und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara ZetkinParis. 40 Seiten. Preis 20 Pfg. Seft 2. Heft 3. Heft 4. Seft 5. Charakterköpfe aus der französischen Arbeiterbewegung. Von Ossip ZettinBaris+ 48 Seiten. Preis 20 Pig. Heft 6. チ Die französische Arbeiterbewegung seit der Pariser Kommune. Von Ossip Bettin- Paris.+ 48 Seiten. Preis 20 Pfg. Die Haus: Industrie in Deutschland. Von Paul Kampffmeyer- Genf. 32 Seiten. Breis 15Pfg. Heft 7. Junker und Bauer. Von Paul Rampffmeyer- Genf. 32 Seiten. Preis 15 fg. Heft 8. Die wirthschaftlichen Umwälzungen unserer Zeit und die Entwicklung der Sozialdemokratie. Von Mar Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Seft 9. Die Marg'sche Werththeorie. Zur Einführung in das Studium von Mart. Bon Paul Fischer- London. 52 Seiten. Preis 20 Bfg. Heft 10. Die Sozialdemokratie und der Deutsche Reichstag. Materialien zum Gebrauch für sozialdemokratische Reichstagswähler. 36 Seiten. Preis 15 Bfg. Heft 11. Die soziale Frage auf dem Lande. Von Paul Kamffmeyer Genf u.* 40 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 12. Die internationale Arbeitsschuhgesetzgebung. 32 Seiten. Preis 15 Pf. * Von Paul Ernst- Berkt. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure und die Expedition der Berliner Volks- Tribüne", Berlin S.0., Oranienstr. 23. Jebes Heft ist einzeln fäuflich. Wiederverkäufer, sowie Arbeitervereine erhalten hohen Rabatt. Berantwortlicher Rebatteur: Max Schippel, Berlin.- Drud und Berlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 28. 11 ■ IfiMufi mr Kerliner Uolks Trwüne. M 15. Sonnabend, den 12. April 1890. iv. Jahrgang. Vier Treppen hoch, nach hinten hinaus: ein hundertfenstriges Vorstadthans. Die Kammer schmal und niedrig und kahl? ein rissiger Spiegel, zerschlissen ein Bette, ein Waschnapf noch, kein Stuhl, kein Tisch, und von den Wänden glänzte frisch der Armut schimmlichte Tapete. Kaum könnt' ich durch die Thür und kaum mich drinnen bewegen: so füllte den Raum ein plumper Sarg, schmucklos und roh, ein Armcnsarg. Und auf dem Stroh des Bettes saß ein magrer Mann, noch jung, allein mit jenen alten Zügen, mit denen Gram und Roth die Zett betrige«. Ich grüßte scheu. Er sah mich an und nickte stumpf und seichte dumpf und stierte brütend wieder hin aus hohlem Aug' zum offnen Sarg. in den ich gestern mit ihm barg die tote Kurbelstepperin, ihr totes Kind im schlaffen Ar«. Mich peinigte sein starrer Harm: drum nahm ich ihn fast grob am Kragen und habe derb ihn angesprochen, er solle erzählen, sein Leid mir sagen, nicht sitzen, als Hütt' er's selbst verbrochen. Bis er sich endlich zusammengerüttet und seine Seele mir ausgeschüttet: ..Herr Doktor, da ist nicht viel zu erzählen: es war ein einziges langes Quälen. Es mag wohl bald zwei Jahr her sein, da zogen wir hier Beide ein— das heißt, noch eh wir Bekanntschaft gemacht— Schlafstelle blos, in Aftermiethe, ich für den Tag, sie für die Nacht. Sie steppte damals Trauerhüte in der Fabrik bis abends Acht und kam erst gegen Neun nach Haus: Ich mußte auf den Droschkenbock für meinen Fuhrherrn Nachts hinaus. So ging es wohl zwei Monat lang: wir sahn uns kaum. Da wurde sie krank. Herbst war's. In ihrem dünnen Rock und bei dem weiten, nassen Gang— fie war schon immer zart gewesen,— da hat sie wohl was weggckrigt. Ja, Herr! da gab's kein Federlesen: L» U( H(J. Aus den Papieren eines Arztes. Geld hatten wir alle beide nicht, ihr Bischen blos im Kassenbuch, fürs Krankenhaus war sie nicht krank genug, wir konnten kein ander Gelaß uns nehmen, wir mußten uns hier zusammen bequemen, bis wieder sie konnte auf Arbeit gehn. »Ja, Herr! und da, da ist es geschehn. Wir hielten's aus nicht auf die Länge, wir Beide! man ist ein Mensch doch blos! und unsre Sehnsucht war so groß: wir wohnten zu eng zusammen, zu enge!— »Seitdem ist sie mit mir gegangen; hat's auch zur Heirath nicht gelangt, wir haben unserm Schöpfer gedankt, daß wir so eben durch uns zwangen. Wir thatcn unser Lohn in Eines und legten noch zurück ein kleines. So haben wir unfern Weg genommen, ganz gut,— bis ihre Zeit gekommen. Da kam auch die Roth. Da half uns kein Beten. Sic konnte nicht mehr die Maschine treten: was Andres hatte sie nicht gelernt, die Eltern hatten sie früh entfernt. Nun lebten wir Beide von meinem Lohn, und's war für mich zu knapp fast schon. Was half uns da nun unser Plagen, was hals uns da nun unser Sparen: wir mußten die Sachen zum Juden tragen! „Ich habe bei Tag und bei Nacht gefahren, ich Hab' mich vor keiner Mühe geschämt, ich habe mir keinen Schluck mehr bezähmt,— sie wurde doch schwächer und schwächer im Nu, sie hat sich zuschanden gedarbt und gegrämt,— und dann, dann kam das Kind dazu: ich sah sie weinen, ich hörte es wimmern, ich sah sie Beide verschmachten, verkümmern,— da Hab' ich verloren meine Ruh', da Hab' ich zum ersten Mal betrogen, den ersten Fohrgast beim Fahrgeld belogen, und noch einmal, und noch einmal,— mir schnitt zu sehr ins Herz die Qual, und Mancher thut's jahrein jahraus, um's beim Budiker zu versaufen, und ich, ich wollte Essen kaufen, und, Herr,— bei mir, bei mir kam's'raus! »Mir wurde noch von Glück gesagt, daß mich mein Herr blos fortgejagt. Ihr und dem Wurm da gab's den Rest: �Nachdruck nach Arbeit bin ich in Ost uud West seit vierzehn Tagen herumgelungert, und dabei, scheint's, sind sie verhungett." Er nickte stumpf und keuchte dumpf Und glotzte hohlen Augs mich«r mit einem Blick so müdgehetzt, so jeder andern Regung bar, daß mir's den Rücken niederrau«. Ich hatte, zu trösten, mich zu ihm gesetzt und sah, daß Trösten Hohn hier war, wo also stumm das Elend schrie. Ich drückt' ihm blos das spitze Knie, den dünnen Arm und nahm den Hut und sagte:„Kommen Sie zu mir morgen, ich werde Arbeit für Sie besorgen." Er dankte:„Herr Doktor, Sie meinen's gut. Ich will auch kommen, und ehrlich mich schinden, und werde auch wohl weiterfinden,— blos sie, sie wird davon nicht wach! Ja, Herr! blos einen kleinen Verschlag, ja hätten wir blos gehabt ein Loch, Daß wir nicht immer uns mußten sehen: es wäre Alles nicht geschehen, sie lebten alle beide noch! Wir hätten gewartet, wir hätten gespart, wir waren ja Beide von frommer Art,— wir hätten uns selbst eine Droschke geschafft, dann hatt' ich ja Verdienst die Menge,— so aber ging's uns über die Kraft: wir wohnten zu eng zusammen, zu enge!" Und nach dem Sarge stierte er wieder, da fuhr ein Zucken ihm durch die Lider: „O wenn ich doch wenigstens bei ihr wär', dadrinnen in dem engen Kasten! Jetzt braucht sie ja nicht mehr zu fasten, jetzt ist's ihr auch zu eng nicht mehr!" Er stieß ihn heiser heraus den Witz, er wollte lachen vor wühlendem Weh: da riß es ihn um— so brach's in die Höh', da schmiß es ihn nieder von seinem Sitz, und weinend warf er sich über die Leiche und küßte das Antlitz, das abgezehrt bleiche. Da bin ich stille weggegangen, mir graute vor der schmalen Kammer, und durch die Brust schlich mir ein Bange«, als sei ich auch schuld an all dem Jammer. Richard Dehmel. iRachdruck verboten. I die_ s-lbst. Cristenxen. Von John Henry Mackay. �. Wieder saßen wir schweigend einander gegenüber. •och sah in sein Gesicht. Es war vollkommen unbewegt, "ur um seinen Mund schien mir ein scharfer, bitterer Zug »u wegen, derselbe, der mir vor einigen Tagen, als ich chn zuerst gesehen hatte, aufgefallen war. ,»Wie lange sind Sie schon in dieser Beschäftigung?" klagte ich dann. ,»Fast ein Jahr. Aber ich bin natürlich nicht an demselben One geblieben. Ich will viel sehen, nnd wechsele üaher zuweilen." g..»Und lockt Sie denn nichts", fragte ich weiter,„dem wenn auch nur einen Theil Ihres Lebens widmen Mochten?" «Nur mein eigenes Glück." Aber wieder wußte ich nicht, ob es Wahrheit war, aus diesen Worten sprach, oder der Hohn auf sich Er sprach noch weiter. »Nein, mich lockt nichts. Nicht dies wahnsinnige Treiben zwischen äußeren Wünschen und tiefster Entsagung. ü* dem so viele zu Grunde gehen. Und nicht jene be- Zügliche Ruhe einer selbstgenügenden Zufriedenheit, welche üch übrigens keiner geben kann, sondern die man wiederum von seiner Natur mitbekommen haben muß. Dann ist sie allerdings vielleicht das Beste zum eigenen Glück." ,„Und wie leben Sie jetzt?" Ich war gespannt auf leme Antwort. „Gleichgültig. Ich thue, was ich will. Ich lese viel, aber nur, was mir angenehm ist. Es ist sinnlos, sich an fingen abzuquälen, welche keinen Nutzen für das eigene «lück haben." „Aber vielleicht für das Anderer..." warf ich ein. Da lachte er, schneidend ungläubig. Ich habe nje nnen Menschen gekannt, der so wie er lachen konnte— schneidend, so verachtend, so herzlos— und dann wieder so tief, so herzlich, mit einem Lachen, in das sich noch eine letzte Erinnerung an seine frohe Kindheit ge- llüchtet zu haben schien. „Für die Anderen?! Wer sind die Anderen? Oder haben Sie vielleicht schon einmal einen Menschen gesehen, der etwas für die Anderen gethan hätte, ohne daß diese ihn entweder ausgelacht, oder zu Tode gesteinigt hätten? — Das sind ja Redensarten und nichts weiter." Wieder hatte ich ihm gegenüber ein erkältendfremdes Gefühl, wie es mich zuweilen in der Gesellschaft überfällt, wenn ich sehe, wie mir Jemand eine meisterhafte Komödie vorspielt, ohne daß ich im Stande bin, ihm die Maske abzureißen. Ich schwieg verstimmt, und wäre am liebsten aufgestanden und hinausgegangen. Und doch mußte ich innerlich diesem schrankenlosen Muth eigener Meinung eine Bewunderung zollen, welche ich mir selbst nicht eingestehen wollte. Denn die Verachtung entsprang bei ihm nicht jener dummen Ueberhebung einsichtsloser Menschen— dazu war er zu scharfdenkend und klug; und auch nicht der ebenso thörichten Einbildung, welcher so leicht bedeutende Menschen versallen— dafür war er zu gleichgültig gegen sich selbst. Oder war er auch hierfür zu klug? Aber vielleicht einem großen, überwundenen Schmerze, der nichts anderes in ihm hinterlassen hatte, als diese Gleichgültig- keit. Ich wollte nicht glauben, daß allein seine Erziehung und sein Leben so alles in ihm ertödtet hatten. Wieder und wieder aber erschien er mir wie ein Räthsel, dessen Lösung ich immer ferner kam, je mehr er selbst mich ihr näher zu bringen schien. Aber ich wollte mir Wahrheil über ihn erzwingen, und so sagte ich, nachdem einige Minuten verflossen waren: „Ich kann Sie nicht verstehen; und wenn ich offen gegen Sie sein soll: ich kann auch keine Sympathie fühlen für ein Leben, wie Sie es führen." Er hatte diese Antwort auf keinen Fall erwartet. Aber kein Zug seines Gesichts veränderte sich. Mit vollkommen gleichmüthiger Stimme sagte er:„Ja. Das kann ick mir denken. Sie fühlen eben nicht groß genug, um gerecht zu sein. Uebrigens habe ich Ihre Sympathie weder erwartet noch gewünscht." „So werden Sie bereuen, mir alles dies erzählt zu haben." „Ich bereue nie etwas. Nur Schwächlinge bereuen." Er warf den Rest seiner Eigarre fort und stand nach- lässig auf. „Wollen wir gehen?— Es ist spät geworden." Wir weckten die Alte, bezahlten, und gingen, nachdem er ihr geHolsen hatte, die Lampen auszulöschen. Wir standen auf der Straße und er reichte mir die Hand. Aber ich mußte noch eine Frage stellen. „So erkennen Sie überhaupt keine Pflichten gegen Andere an?" „Nein, wozu denn? Wir haben lange genug immer nur Pflichten gegen Andere gekannt, und darüber die vor- nehmsten gegen uns selbst vernachlässigt— werden wir uns endlich einmal über diese klar." Ich wußte nun nichts mehr zu sagen, als:„Sie haben keine Liebe." Und mit mitleidloser Härte in der Stimme hörte ich ihn antworten:„Nein, ich habe keine Liebe." Und als wäre es ihm lästig, noch ein Wort zu sprechen, gab er mir noch einmal schnell die Hand und ging schnell von mir. Ich ging langsam durch die Straßen. Ueber mir lag eine undurchdringliche Nacht, und die Lichter kämpften mühsam gegen die Finsterniß an. Ein kalter Wind wehte um die Straßenecken; in der Luft lag es wie Eis und Schnee. Der Winter mußte bald be- ginnen. Mir war, als habe die Sonne nie geschienen. Ich konnte mich nicht mehr auf ihren Sckein besinnen, so trübe und dunkel war alles um mich und in mir. Ich dachte an das arme Leben, welches sich selbst doch so reich zu sein dünkte. Aber ich konnte es nicht verstehen. Als ich an dem(Mö chantant vorbeikam, in welchem er spielte, ging die Thür auf und vier Gestalten traten lärmend und lachend heraus auf die Straße— zwei Männer, und zwei von den Ehansonetten, welche bis jetzt da drinnen gezecht hatten. Sie waren ziemlich betrunken. Ich ließ sie vor mir hergehen. An den Füßen der einen saßen noch die leichten, dünnen Schuhe, welche sie auf der Bühne getragen hatte, und das Kleid flatterte in dem scharfen Wind um die hellen Trikotstrümpfe. Sie lehnte sich müde an ihren Begleiter. Als wir in die Friedrich straße einbogen, bestieg jedes der beiden Paare eine der dort haltenden Droschken. Ich hörte, was der eine dem Kutscher zurief, und sah daraus, wer es war: ein stadt- bekannter Wüstling. Ein unsägliches Erbarmen überkam mich— mit ihnen allen, mit Paul Jordens, mit mir selbst. Ich sah heute Abend alles anders, wie vorher. Aller Jammer war mir näher gerückt, aller Frohsinn in die Nacht getaucht. I Ich ging die Friedrichstraße hinunter, die ich so un- zahlige Male gegangen war— halb gleichgültig, halb interessirt. Aber nie hatten mich solche Gefühle durch- wogt, wie in dieser Nacht. Früher hatte ich über all dem Gewoge gestanden, heute war ich mitten drin in all seinem Elend. Es war vielleicht zwei. Aber noch herrschte volles Leben, wie am Tage. Zum ersten Male begann ich Berlin zu verstehen... Ich hörte, was sie zu mir sagten— die Weiber, die an mir vorüber gingen, aber zum ersten Male verstand ich ihre Worte. Ich hörte aus ihnen heraus, was in ihnen lag: die Frechheit, das Verlangen— der Jammer und die Noch— die Angst vor dem kommenden Tage— und die Furcht und die Gier— die Scham— und die zuchtloseste Gemeinheit-- Auf der Weidendammcr Brücke engte sich das Leben am stärksten zusammen. Ich bog mich über den Rand der Brücke und sah hinunter in die trübe, schwarze Fluth der Spree, welche hier schon so viel von dem Schmutze chrer Stadt aufgenommen hatte, und doch träge und ge- duldig weiterfloß. Und weiter. Der Stadtbahnhof lag ruhig. Aber unter den Linden war wieder das nächtliche Lichtmeer am Cafe Bauer. Hier kreuzten die Lebensadern sich in un- verminderter Stärke. Und doch, auch hier: immer dasielbe Spiel des Lebens, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Ein Wechsel ohne Unterschied. Hier hatte die Nacht ihre Herrschaft verloren. Aber das blendende Leben war ohne innere Kraft. Es konnte reizen, aber nicht befriedigen; es war ein Leben, das vom Tode lebte. Und weiter. Nach Hause. Und dort saß ich noch lange in dem kalten Zimmer und dachte an ihn. Ich dachte an seine reiche Jugend und an sein armes Leben; an seine bewundernswerthe Kraft, und seine verächtliche Schwäche.. Wie war es möglich, so das eigene Leben hinabzuzerren, mit Füßen zu treten und doch wieder nichts als nur dessen Werth zu kennen? So allem Schönen erschlossen zu sein, und doch ihm den Rücken zu kehren, ohne jeden Anspruch auf die allergewöhnlichste Achtung aller Anderen? Mit klarem Blicke mitten in den Schmutz hineinzutreten, und doch ihm mühelos ausweichen zu können? — Wohl konnte ich begreifen, wie er in einer Art wahn- finniger Laune, grenzenloser Verzweiflung oder kühlster Betrachtung einen solchen tollen Entschluß fasten konnte. Aber- nicht, wie er darin ohne innersten Widerwillen ver- harren konnte? Aber ich begann ihn zu verstehen, je länger ich über ihn nachdachte; zu ahnen, auf wessen Seite heute die Beschränktheit des Blickes, die Ungerechtigkeit des Urtheils, die Kleinheit des Empfindens gewesen war. Ich glaube, ich habe in dieser Nacht begonnen, gerecht zu werden. HL Als ich am folgenden Abend— lange vor der elften Stunde— in dem Cafe chantant war, und er mich sah, flog ein leichtes Lächeln über seine Züge. Ich ging in der ersten Pause auf ihn zu und begrüßte ihn. Aber er schien es nicht gern zu sehen, und wir verabredeten uns schnell, nach Schluß der Vorträge zusammen fort zu gehen. Ich sah an diesem Abend meine Umgebung mit ganz anderen Augen an, als sei ein Schleier zwischen ihr und «ir gefallen. Ich suchte zu verstehen, und fühlte, wie es mir gelang. Aber er machte mich nicht fröhlicher, und als ich nachher Paul Jordens gegenübersaß— in der kleinen Kneipe— ließ ich mir lange und viel von ihm über das Leben und Treiben dieser Menschen erzählen. Er enthüllte Schicksale vor meinen Augen, welche mir bis dahin so fremd gewesen waren, daß ich sie nicht einmal geahnt halte. Und mehr und mehr begann ich in den nächsten Wochen, in denen uns mancher Abend so bei- sammensah, auch ihn zu verstehen, und was es war, das ihn an diese Kreise band. Tiefer und tiefer sah ich in den Zwiespalt seiner merkwürdigen Natur hinein. Die Wochen sind schnell vergangen. Er selbst hat ihnen ein Ende gemacht, und ich weiß es jetzt, aus welchem Grunde. Er wollte nicht gekannt sein. Und als er mir an dem letzten dieser Abende die Geschichte seiner Liebe erzählt hatte, da kannte ich sein ganzes Leben. Bis dahin hatte er mich interessirt. Nun ich ihn zu lieben begann, habe ich ihn verloren. -- Es war mitten im Winter. Wir trafen uns zwanglos wie immer. Eines Abends war er in besonders aufgeregter Stimmung. Seine ganze Verbitterung war in ihm wach geworden, und seine Stimme klang schneidender noch, wie sonst. Er sagte mir selbst, er werde immer mehr zu Allem unfähig— die Tage verbringe er halb durchschlafend,(und das sei das Beste), und halb in dumpfem Brüten; die Nächte durchwache er trinkend meist hier in der kleinen Kneipe. Ich fand ihn verändert. Er fing an müde zu werden; wir hatten an manchem Abend fast stumm einander stunden- lang gegenüber gesessen. Am Tage wollte er Mick nicht sehen. Ich wußte nicht einmal, wo er wohnte. Er that mir leid, aber ich hätte jedem Anderen eher helfen können, wie ihm. Dennoch lag in seiner ganzen Erscheinung noch immer nicht eine Spur des Heruntergekommenen. Er war wie immer sehr einfach, aber tadellos sauber gekleidet. Aber in seiner Haltung war schon unbewußt jenes Uebermaß des Widerwillens erkennbar, welches mich das Schlimmste für ihn fürchten ließ. An diesem Abend nun war er so lebhaft, wie ich ihn seit langem nickt mehr gesehen hatte. Ihn beschäftigte offenbar ein Gedanke, zu welchem er immer wieder von unserem Gespräch absprang. — Dann schien er sich plötzlich zusammenzunehmen, wie zu einem langgehegten Entschluß. „Komm", sagte er,— wir standen schon lange aus Du miteinander—„ich will Dir noch etwas erzählen. Ich hatte es schon länger vor, aber gerade heute sollst Du es hören. Du sollst erfahren, daß ich auch einmal so etwas wie ein Herz in meiner Brust gefühlt habe, sonst glaubst Du es doch nicht." Damit stand er auf'und ging zu der Alten hinter das Büffet. „Sie können zu Bett gehen, Mutter, es kommt ja doch Niemand mehr. Wir bleiben heute lange. Unser Bier holen wir uns heute selbst, den Schlüssel bringe ich morgen früh— oder vielleichl sind wir dann auch noch da." Als die Alte mit ihrem gewohnten freundlichen Gruß aus der Stube über den Sand geknirscht war, setzte er sich wieder zu mir. Es war lautlos stumm um uns. Die Hausthür fiel in's Schloß, und ich hörte wie die Alte den Schlüssel umdrehte. Dann begann er. Und wie er- zählte er! Mitlebend— milbclebend.-- So haben mich nie wieder Worte aus einem Menschenmunde gepackr Nichts habe ich vergessen; ich möchte sagen, kein Wort. (Fortsetzung folgt.) Sozialistische Spaziergänge. B. W. Junges Gras, da bist du wieder! Kindlich zarte Knospen und Blättchen an Strauch und Baum, gelb und weiße Blüthen, und darüber trunken schwebend ein neugeborenes Bicnchen, Sonnenschein, Lerchenwirbel, Pfeifen der Amsel und allerlei Gezwitscher... alles wie früher im April, alles wie einst, als ich ein Kind war und noch ein Haupthaar trug, so seidenweich und unschuldig duftend wie dies Büschel Frühlingsgras. Wunderlich wird mir zu Much: Ist denn überhaupt eine Zeit verflossen von damals bis jetzt?— Mir scheint, Maler und Bildner verstehen sich nicht ans den Frühling, wenn sie ihn als Knaben darstellen; der Frühling ist vielmehr ein Greis— freilich einer von jenen kerngesunden Greisen, an denen die Jahre vorübergehen, ohne die heilere Rüstigkeit zu vermindern. Dieser Frühling ist derselbe, wie einst— vor zehn, vor zwanzig Jahren— genau ders elbe! Und dennoch! Nicht genau derselbe! Manches ist anders! Viel sogar! O freilich! Bin ich denn blind gewesen? Dieser Frühling ist ja durchaus verschieden von den Lenzen meiner Kindheit und Jünglingszeit. Nur die Acußerlichkeiten sind die gleichen; aber innerlich fühlt sich dieser Frühling doch ganz anders an, als der damalige so kalt, trocken, rauh, farblos!... Mein Gemüth hat sich eben verändert: der Spiegel ist angelaufen, fleckig und zersprungen; drum ist das ge spiegelte Bild nicht mehr schön. Einst war ich froher Er- Wartung voll, harmlos, sorglos und unschuldig. Heute bin ich vielfach das Gegentheil. Woran liegt das? Wer trägt die Schuld an der Veränderung? Etwa das Alter?— Ich bin ja erst drei Jahrzehnte alt! Und ich weiß, daß es einzelne Menschen giebt, die noch mit grauen Haaren ein junges Gemüth haben. Ich kenne auch genug Leute, die sehr jung an Jahren sind und doch schon die Hoffnung, Harmlosigkeit, Sorglosigkeit und Unschuld eingebüßt haben. Folglich wird das Alter, mag es auch ein wenig vertrocknend wirken, nicht wesentlich schuld an der Gemüthsverwandlung haben. „Das Leben" trägt vielmehr die Hauptschuld, d. h., das Leben in der bestehenden Wirthschaftswelt! Als ich noch Knabe war, schienen mir von jedem Punkte, wo ich stand, tausend Pfade strahlenförmig in die Welt zu gehen und zu allerlei schönen Ländern, Lebens- lagen, Berufen, Freundschaften, Erlebnissen zu führen. Vom Lichte dieser„Romantik" war mir die Welt verklärt. Heute ist das anders! Heute lebt in mir das Bewußtsein: Du bist Proletar und wirst es bleiben; das Leben ist ein- förmig; zu hoffen giebt es wenig, zu fürchten mancherlei; und so grau wie dein Tag, und oft weil trüber, ist der Himmel, der sich über deinen Brüdern ausspannt. Einst, als ich noch außerhalb des Erwerbslebens stand, war ich sorglos; daß ich leben würde, war mir selbst- verständlich und kein Gegenstand der Sorge.— Das ist nun anders geworden, seit ich hinausgeschleudcrt wurde in unser wirthschaftliches Leben. Da habe ich eingesehen, daß der bestehenden Gesellschaft das Leben des Einzelnen höchst gleichgültig ist. Er mag selber sehen, wie er sein Leben erhält! Wenn er das nicht versteht, mag er ver- hungern!„Soll ich meines Bruders Hüter sein?"— Da geht denn die Sorglosigkeit zum Teufel. Wer erfahren hat, was es heißt, auch nur einen Tag ohne Essen zu bleiben, während Stiefmutter Gesellschaft sich kalt lächelnd zu Tische setzt— in dessen Herz hat sich eine unheimliche Macht dauernd eingenistet, welche den Blick verändert, das Auge düster umflort, so daß sich fortan die Welt trübe in ihm spiegelt. Auch mein Benehmen gegen meine Mitmenschen hat sich sehr verändert. Früher war ich harmlos, vertrauensselig, freundlich gegen jedermann— wie ein junger Hund, der ja jeden Menschen anwedelt. Heute bin ich mißtrauisch, zurückhaltend, zuweilen feindselig gestimmt. Und das haben nicht die Jahre gemacht, sondern unsere wirthschastlichen Zustände mit ihrem rücksichtslosen„Kampfe ums Dasein", alias: Konkurrenz. Bei der heutigen„Ueberproduklion" an Arbeitskräften muß ja derjenige, welcher in der Lage ist, durch Arbeit zu leben, diese seine„Stelle" eifersüchtig lieben und in manchem Menschen, der sich ihm nähert, einen Nebenbuhler wittern, der ihm den Nagcknochen ent- reißen will. Aber nicht nur ist der Andere mein Konkurrent, ich bin auch sein Konkurrent; und dies Verhältniß verdirbt die Herzen, stiftet sie an zu Lüge, Betrug, Prostitution, Kriecherei, Neid, Haß, Ausbeutung und Gewaltthätigkeit; die heutigen Erwerbsverhältnisse sind Mächte, auf welche Gölhes Wort paßt: „Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn der Pein." Daß die Gesellschaft, wie sie bis dato ist, den Menschen zwingt, schuldig zu werden, ist mit Naivität in Schillers beliebtem„Lied von der Glocke" ausgesprochen, woselbst vom Manne wie etwas Selbstverständliches aus- gesagt wird: „Der Mann muß hinaus In's feindliche Leben, Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen..." So bin auch ich schuldig geworden; die Unschuld ist vernichtet, und wie eine getrübte Quelle spiegelt nunmehr meine Seele den Frühling da draußen matt wieder. Moderne Gesellschaft, du große Sünderin, so greifst du also mit deiner rohen Hand auck hierher, in den „stillen Frieden der Natur", über die knospenden Bäume hinweg in mein Herz, so daß dieses den Frühling anders empfindet, wie einst.... Der einzige Trost ist, daß die heutige Wirthschaft sich einmal abwirthschaflen muß, daß an die Stelle des Kampfes ums Dasein ein freundschaftliches Zusammen- arbeiten zum Zwecke allgemeiner Beglückung treten wird, und daß folglich die Menschen der Zukunft sich Hoffnung, Harmlosigkeit, Sorglosigkeit und Unschuld nicht wie heute, selten, sondern gewöhnlich bewahren werden, auch wenn sie nicht mehr jung sind. „Wohldem, der frei von Schuld und Fehle Bewahrt die kindlich reine Seele!"—— Daß doch ein Sozialist allenthalben, wo er spaziert, selbst zwischen Gras und Knospen, sozialistisch spazieren muß! Eine Enquete über Frauenarbeit in den großen Städten der Vereinigten Staaten. Ii. Die Enquete des statistischen Arbeitsbureaus hat statt- gesunden in Atlanta, Baltimore, Boston, Brooklyn, Buffalo, Charleston, Chicago, Chicundalo, Cleveland, Jndianopolis, Louisville, Newark, New-Orleans, Newyork, Philadelphia, Providence, Richmond, San-Francisco, San-Jose, Saint- Louis, Saint-Paul, Savannati. Das mittlere Alter der in der Industrie der Ver- einigten Staaten beschäftigten Arbeiterinnen beträgt 22 Jahre 7 Monate, in Saint-Louis beträgt es 20 Jahre 9 Monate, in Chicago 20 Jahre 8 Monate und in Char- leston 25 Jahre 1 Monat. Das Durchschnittsalter der Arbeiterinnen ist am niedrigsten in den Städten, in denen Industrien mit mechanischem Betriebe vorherrschen, es steigt in den Städten, wo die Frauen besonders in der Konfek- tions-, Mode- und Wäschebranche:c. thätig sind. 75 pCt. der vernommenen Arbeiterinnen rekrutiren sich aus dem Alter von 14— 25 Jahren. Von den 17 427 Arbeiterinnen waren nicht ganz 300 13 Jahre und darunter, 267 über 48 Jahre alt. Für Boston hat man Hinsicht- lich des Durchschnittsalters der in der Industrie verwen- beten Frauen das Resultat der vorliegenden Enquete mit dem von 1883 verglichen und gefunden, daß das Durch- schnittsalter um 4 Monate gesunken ist.(24 Jahre 9 Monate 1883, 24 Jahre 5 Monate 1888.) Je nach den verschiedenen Industriezweigen steigt und fällt das Aller, in dem die jungen Mädchen ansangen, daselbst zu arbeiten. Die verhörte weibliche Arbeiterschaft der 12 Städte ergab im Durchschnitt 15 Jahre 4 Monate als Altersgrenze. In Philadelphia beträgt dieselbe nur 14 Jahre 11 Monate, in Newyork, Providence und Ein- cinnati 14 Jahre 10 Monate, in Savannate 17 Jahre 5 Monate, in San-Jose 17 Jahre 10 Monate und in Charlcston 17 Jahre 10 Monate. 126 der Arbeiterinnen waren seit ihrem neunten Jahre in der Industrie thätig, 337 seit dem zehnten und 464 seit dem elften Jahre. 13 679 der Arbeiterinnen hatten zwischen dem dreizehnten und siebzehnten Jahre ihr industrielles Erwerbsleben begonnen. Die Zahl derer, welche über 20 Jahre alt waren, als sie Arbeit nahmen, war gering. Im Durchschnitt war bis zur Enquete jede Arbeiterin 4 Jahre 9 Monate in der Industrie thätig gewesen, im Vergleich jedoch zu ihrem jetzigen Alter und dem, i« welchem sie ihre Arbeit begann, 7 Jahre 3 Monate. Gegen 8000(7887) Arbeiterinnen hatten bereits ein oder mehrere andere Gewerbe betrieben, ehe sie in die Industrie getreten, in welcher sie im Augenblick der Enqueie thätig waren, 13 333, 77 pCt. der gesammlen vernommenen Arbeiterinnen waren weniger als 7 Jahre und 31 pCt. weniger als 2 Jahre in der betreffenden Branche be- schäftigt. 15 387 der Arbeiterinnen waren unverheiraihete Mädchen, 745 verheirathete Frauen, 1038 Wittwen, 43 geschiedene Frauen und 214 von ihren Männern getrennt| lebende Frauen. Die Mehrzahl der Arbeiterinnen, 14 918 leben in ihren Familien. 8754 führen ihren ganzen Verdienst an die Familie ab, 4267 haben die Wohnung frei und zahlen nur für Beköstigung, und nur 701 können de» i vollen Verdienst in die Tasche stecken. Die übrigen 2509 Frauen haben ihre Unterkunft entweder in möblirten Wohnungen(Zimmern, Schlafstellen 184), in Pensionen (709) oder bei Familien(1616). Besonders interessant und charakteristisch sind die Zahlen über den Gesund Heils zustand der Industrie- «rbeiterinnen. Beim Eintritt in das industrielle Erwerbsleben hatten gute Gesundheit......... 16 360 Arbeiterinnen mittelmäßige Gesundheit.... 882„ schlechte Gesundheit....... 185„ Als die Enquete stattfand, stellte steh der Gesundheits zustand wie folgt: gute Gesundheit......... 14 557 Arbeiterinnen mittelmäßige Gesundheit.... 2385„ schlechte Gesundheit....... 485„ Die Arbeiterinnen mit guter Gesundheit hatten also um 1803 oder über 11 pCt. abgenommen; die Zahl der Frauen mir mittelmäßiger Gesundheit war um 1503 oder 170 pEt., diejenige der Proletarierinnen mit schlechter Ge- sundheil um 485 oder um 262 pCt. gestiegen. Die bibelgläubigen Dankee's, welche gewiß so gut den Spruch kennen:„Wenn Menschen schweigen, werden Steine schreien", sollten sie nicht auch meinen, das; solche Ziffern zum Himmel schreien, daß sie in beredter Weise die mör- derische Quelle des maßlosen Reichthums etlicher Weniger denunziren, daß sie dringlich, ungestüm nach Abhülfe, nach Schutz verlangen? Und noch wuchtiger wird die Anklage, welche diese Zahlen erheben, wenn man bedenkt, daß die Arbeiterinnen durchschnittlich noch nicht einmal 8 Jahre industriell gearbeitet haben. Nicht 8 Jahre unter dem kapitalistischen Ausbeutungssl) stein sind genug, die Zahl der Arbeiterinnen wir schlechter Gesundheit um rund 262 pCt. steigen zu machen! Und solchen Thatsachen gegenüber— leider giebt es "och schlimmere— giebt es noch Leute, welche nichts von einer Arbeitsschutzgesetzgebung wissen wollen, welche sich beim bloßen Gedanken krümmen, daß dem kapitalistischen Geier Fänge und Klauen gestutzt werden könnten! Nicht die industrielle Arbeit an und für sich, nur die schlechten ungesunden, unmenschlichen Arbeitsbedingungen, die aus den Hundelöhnen folgenden miserablen Lebens- Zahl der Tage ohne Arbeit 87 58 47 38 31 27 24 23 19 15 edingungen— und die einen wie die andern sind die Früchte er kapitalistischen Profitwurh— tragen Schuld, daß diese werde� tausende von Leben geschädigt und geknickt v �«ch in den Vereinigten Staaten ist es schlecht um f rfa 1" 0 � 0 ber Proletarierinnen bestellt, und in diesem I) echten Lohn tritt uns eine Ursache des sich vcrschlim- rnden Gesundheitszustandes entgegen. _ L. u'F 13 822 Arbeiterinnen berechnet ergiebt der Jahres- bei'fc t e'ncn Durchschnitt von 272 Dollars 45 Cents di- f.-ir 8cn Arbeitslosigkeit. In San-Francisco werden bei 1 1|len �(jite, nämlich 359 Dollars 17 Cents gezahlt, bei yn Ja9en Arbeitslosigkeit. Nichinonb weist dagegen pno ns ohne Arbeit den niedrigsten Jahresverdienst � Tollars 52 Cents auf. Ra... Höhe ihres Jahresverdienstes nach klassifizircn ch die 13 822 Arbeiterinnen wie folgt: Jahresverdienst Zahl der Dollars Arbeiterinnen Unter 100 373 von 100—150 1212 » 150—200 2120 . 200-250 2647 „ 250-300 2377 „ 300—350 2066 » 350-400 1313 , 400-450 774 . 450—500 398 » 500 und mehr 537 .. Diesem mittleren Jahresverdienst von rund 272 Dollars l cm allerdings noch 40 Dollars als Einnahmen von enten, Erbschaften und anderen„äußeren Einnahmequellen", übrigens wohl in den meisten Fällen sehr problematisch {JNd und durch Abwesenheit glänzen) steht nun eine mittlere Mresausgabe von rund 352 Dollars gegenüber. Näm- ltch für Kost und Wohnung....... 162 Dollars Kleidung............. 79„ Familienausgaben....... 73„ Sonstige Ausgaben......• 38„ zusammen.. 352 Dollars. Ergiebt sich also im Durchschnitt pro Arbeiterin cin Defizit von 80 Dollars, das zwar durch die Tamofen„äußeren Einnahmen von Zinsen und dcrgl." auf �0 Tollars künstlich herabgeschraubt werden soll, das aber trotz des besten offiziellen Willens hier wie da Defizit bleibt. Die Arbeiterin mag nur sehen, wie sie damit fertig wird. Mag sie das Loch im Budget durch Entbehrungen, Ueberarbeir:c. zu verbinden suche», oder mag sie es mit Hilfe der Prostitution füllen, vorausgesetzt, daß sie auf die cine wie die andere Weise der kapitalistischen Gesellschaft "icht unbequem fällt, sondern für sie die melkende, mit Bulter versorgende Kuh bleibt, die Zitrone, welche sich den Saft auspressen und dann in den Kehricht werfen läßt. Darf es diesem Abstand zwischen Einnahme und Aus- gäbe gegenüber Wunder nehmen, wenn der Bericht in bezug stllf die Wohnungs- und Lebensverhältnisse der Arbeiter- innen konstatirt, daß„in den Städten, mit etlichen wenigen Ausnahmen, wie z. B. Philadelphia, die Wohnungen, besonders die der ärmsten Arbeiterinnen, fast stets in den oüstersten und schmutzigsten Vierteln gelegen sind, in engen, überfüllten Straßen, wo sich Kneipen und Spielstuben an- cinander reihen. Das Innere entspricht dem Aeußeren, ver Fußboden ist nackt und schmutzig, die Möbel unsauber, Zerbrochen und zerlumpt, die Nahrung ist dürftig, besteht aus Abfällen und schmucklosen Gerichten. Alles was man sieht, Alles was man hört und fühlt verräth das Elend und oft das Laster." Kann man es für baare Münze nehmen, wenn Carroll- Wright die Frage verneint, ob die Arbeiterinnen, auf welche sich die Enquete bezogen, die Reihen der Prostitution vergrößern? Er beantwortet dieselbe, gestützt auf die Statistik über die reglementirte Prostitution, und schon daraus erhellt, daß seine Verneinung nur einen relativen Werth hat. Jedermann weiß, daß die Zahl der sozusagen staatlich geaichten und für gut befundenen Prostituirtcn in keinem Verhältniß zu der Menge derer steht, welche ge- heim und ohne Reglementation sich verkaufen und verkaufen müssen. Nicht alle der 13 822 Arbeiterinnen fühlen Anlage und Neigung, das Defizit von 80 resp. 40 Dollars abzuhungern und abzudarben. So lange die mensch- licke Arbeitskraft eine Waare bleibt, die auf dem Markte losgeschlagen werden muß, so lange wird auch die Frau der Eventualität ausgesetzt bleiben, sich als Waare verschachern zu müssen. Die Gesellschaft, welche cin System in Kraft läßt, das allem und jedem gegenüber nur den Waaren- und Profitstandpunkt kennt, hat jedenfalls kein Recht, sie dafür mit Steinen zu bewerfen, sondern alle Ursache, demüthig mea culpa, mea maxima culpa zu rufen. Und bis sie zu der Einsicht gelangt, bis sie zu einer Entwickelung gelangt ist, welche nur die Beziehungen von Mensch zu Mensch kennt, wird eine gute und wirksame Arbeitschutzgesetzgcbung der Prostitution mehr entgegen arbeiten, als alle die Kreuzzüge, welche der Mehrzahl nach gewiß recht wohlmeinende Personen gegen„den Schand- fleck" der Gesellschaft predigen. Ueder schwarze Listen klagen auch amerikanische Arbeiterblätter. Wir lesen in verschiedenen derselben: Es sind nicht allein die Maschinen und die anderen Fortschritte in der kapitalistischen Produktionsweise unseres Jahrhunderls, welche die Armeen der Arbeitslosen täglich vermehren, sondern auch die Furcht der Kapitalisten vor der wachsenden Arbeiterbewegung. Diese Furcht und der Haß gegen die Mitglieder der Arbeiterorganisationen, welche hier und dort bei ihren Kämpfen gegen die ökonomischen Unterdrücker erfolgreich sind, veranlassen die Boye(Unternehmer), wenn immer sie es ungestraft können, aufgeklärte, für die Besserung ihrer Lage agitirende Arbeiter zu verfolgen und sie zu vernichten, indem sie ihre Namen aus die„schwarze Liste" setzen. Ein Mann, der von diesem Schicksal getroffen wird, ist bei der jetzigen umfassenden Organlsiruna der Kapitalisten so gut wie vogelfrei. Er ist, wenn er dabei verharren sollte, in seinem Gewerk zu arbeiten, unsäglichen Qualen und Leiden aus- gesetzt. Von Shop zu Shop(von Werkstätte zu Werk- statte) wandernd wird ihm, auch wenn für ihn Arbeit vorhanden ist, wie einem räudigen Hund die Thür ge- wiesen. Ueberall ist sein Name bekannt; allenthalben weiß man, daß er ein„gefährlicher Mensch" ist, der die anderen Arbeiter zum Streik aufwiegelt, den Leuten die Köpfe ver- dreht, sie zu Sozialisten, d. h. zu denkenden Wesen zu machen sucht, welche sich, wenn sie erst einmal ihre Rechte kennen gelernt haben, weigern, bei geringen Löhnen 12 bis 16 Stunden am Tage zu arbeiten. Er wandert dann von Stadt zu Stadt, aber allüberall findet er die schwarze Liste und wenn er sogar einen anderen Namen annimmt, oder seinen Bart abrasirt, resp. sich einen Vollbart stehen läßt, nichts schützt ihn auf die Dauer vor dem Erkannt werden, denn in vielen Branchen haben die Bosse„Arbeitsbücher" oder„Certifikate" eingeführt und wer nicht im Besitz eines solchen„Passes" ist, wird unnachsichtlich ab- gewiesen, weil das Fehlen jenes Leumundszeugnisses so gut wie ein Beweis ist, daß der Arbeitsuchende ein„gefähr- licher Mensch" ist. Derartige„schwarze Listen" werden hauptsächlich nach verlorenen Streiks und in Szene gesetzten Lockouts(Aus- sperrungen seitens der Unternehmer) angefertigt und noch nach Jahren hält ihre vernichtende Wirkung an. Die organisirten Brauer, Bäcker, Cigarrenmacher, Möbelarbeiter ic. ic., wissen davon ein Lied zu singen. Hunderte und tausende von Arbeitern, die einmal einen Streik oder Lockoul mitgemacht haben, sind noch jetzt nicht wieder in ihrem Gewerke plazirt, obwohl über dem Er- eigniß, welches sie auf die Straße warf, Jahre dahin- gegangen sind. Manche von ihnen sind gänzlich verschollen, Andere haben ihrem Leben durch den Strick, eine Revolver- kugel oder einen Sprung in das Wasser ein Ende gemacht, wie die Akten des Morguen-Verwalters und des Coroner- amtes schwarz auf weiß darthun; viele haben auf dem mühevollen„Tramp"(auf der Walze) durch das Land Beschäftigung bei den Eisenbahnbauten erlangt, soweit sie den Anstrengungen endloser Tagcmärsche und dem Mangel an Brod und Obdach nicht erlegen sind; wieder andere ernähren sich durch Ausgrabung von Kellern bei Häuser- bauten, durch Kohlcnschaufeln, Steintragcn und ähnliche chwere Arbeiten. Einigen ist es gelungen, von Freunden und Bekannten cine kleine Summe Geldes zu leihen, um eine Wirthschaft, einen Grünkram- oder Krämerladen, eine Zcitungsrunde oder ein Cigarrengeschäst zu beginnen, oder eine Anstellung als Versicherungsagent, als Buchverkäufer oder Hausirer mit Spielzeug,„Nooclties" ze. zu erlangen und auf diese Weise kümmerlich ihr Dasein zu fristen. Es giebt auch solche, die, nachdem ihnen alles nicht gelungen, sich von ihren Frauen und Kindern ernähren lassen müssen. Wie viele Seufzer, Thränen, Flüche, hat nicht schon die„schwarze Liste" einem großen Theil des Heeres der Arbeitslosen ausgepreßt und welch' eine Saat des Hasses ist nicht durch sie im Emporwachsen begriffen! Wenn, nach- dem die Unterstützung aus der Streikkasse versiegt und der Familienvater von der Suche nach Arbeit mit leeren Händen heimgekehrt, der hartherzige Hauspascha an die Thüre klopft, um in unerbittlichem Tone den Miethszins zu verlangen, die Frau des Ausgeschlossenen, des auf der „schwarzen Liste" Stehenden um Gnade und Nachsicht bat, empört sich nickt da jedes menschliche Gefühl in der Brust des Verfolgten? Wie groß aber die Schaar derjenigen ist, welche Ursache haben, sich nach Aenderung zu sehnen, geht schon allein aus dem Umstand hervor, daß in Newyork jedes Jahr ungefähr 30 000 Familien wegen Nichtbezahlung der Miethe auf die Straße geworfen werden und die Mehrzahl dieser Familienväter können nicht bezahlen, weil sie temporär arbeitslos geworden sind. Die Gesehgebung und das Proletariat im Klastenstaat. Ii. (Vergl. Nr. 13.) lim. Wir haben im ersten Artikel den Nachweis ge- liefert, daß nicht nur die Umstürzler, sondern auch die künftigen Juristen die Gleichheit des Rechts für alle Klassen der Gesellschaft im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt des Staates fordern. Es liegt darin nicht mehr und nicht weniger als eine völlige Verurtheilung des bestehenden Klassenstaates, nur muß man dabei die Gleichheit des Rechts nicht oberflächlich, sondern in echt wissenschaftlicher Weise erfassen. Gleichheit des Rechts ist nämlich nicht, wie man noch häufig meint, gleichbedeutend mit jener rohen schematischen Anwendung der geschriebenen Gesetze auf alle Interessen- konstikte, mögen sie nun zwisihen den Angehörigen der Bourgeoisie oder des Proletariats vorkommen. Diese Auffassung ist grundfalsch, schon deshalb, weil sie das Recht als etwas völlig Abstraktes, Immaterielles ansieht, das unbeschadet der ökonomischen Verschiedenheit der ein- zelnen Gesellschaftsklassen auf diese ohne weiteres angewandt werden kann. Das Recht ist aber etwas sehr Konkretes, außeror- deutlich Materielles: es ist der Inbegriff der vom Staat als berechtigt anerkannten, ökonomischen, sittlichen und intellektuellen Interessen seiner Mitglieder, für die er mit seiner Autorität eintritt und deren Geltendmachung er erforderlichen Falls mit seiner Zwangsgewalt vertritt. Gleichheit des Rechts ist deshalb auch wissenschaftlich genommen die gleichmäßige Anerkennung der Interessen der Bourgeoisie und des Proletariats' durch den Staat, so weit keine dieser Interessen dem Staatszwcck d. h. dem Wohle der Allgemeinheit zuwiderlausen, sodann aber auch die Zusicherung gleichen Schutzes dieser rechtmäßigen Jnter- essen durch die Staatsgewalt. Die Rechtsgleichheit in diesem Sinne aufzufassen, das wäre in der Thal zu viel von unserem Klassen staate verlangt, dessen ursprünglichste und vornehmste Bestimmung es ist, womöglich ausschließlich den Interessen einer Klasse zu dienen; das hieße für ihn, sich mit eigner Hand den Dolch ins Herz stoßen; er vermag gar nicht dazu gelangen, die Ebenbürtigkeit der Interessen einer anderen, als der herrschenden Klasse zu begreifen. Was er als „berechtigte Interessen" anerkennt, das muß ihm erst im heißen Kampf abgerungen werden. Er begnügt sich keineswegs damit, das Proletariat durch sein positives Recht zu bcnachtheiligen, sei es nun, daß er es direkt schädigt, sei es, daß er dessen unmittelbarste Jnter- essen ungenügend schützt; er geht weiter und macht es ihm schwer wie möglich, sich sein Recht selbst da zu ver- chaffen, wo es ein solches besitzt. Es ist oft darauf hingewiesen worden, sagt Professor Menger in seinem bereits erwähnten Buche(S. 12), daß das Einkommen des Armen nicht nur geringer ist, sondern daß es auch in seinen Händen einen relativ geringeren Werth besitzt, da er für seine dürstige Wohnung, Nahrung und Kleidung vergleichsweise viel mehr als der Reiche bezahlen muß. Dagegen ist noch niemals beachtet worden, daß der enge Kreis von Rechten, welche die Rechts- ordnung den Armen zuweist, eine viel geringere Bedeutung hat, als wenn dieselben Befugnisse einem Reichen zustehen würden. Man ist auf den ersten Augenblick versucht, diesen Satz für übertrieben zu halten, indessen weist sich seine Richtigkeit leicht nach. Der von den römischen Juristen zuerst aufgestellte und dann in alle unsere neueren Civilgesetzbücher übertragene Satz:„Rechtsunkenntniß und Rechtsirrlhum schützt vor Strafe nicht," stellt sich bei näherem Zusehen als ein wahrer Galgenstrick heraus, an dem das Reckt der Arbeiter ystematisch erdrosselt wird. Ist es an und für sich eine starke Zumuthung des Staates an seine Bürger, wenn er von ihnen verlangt, daß sie das von ihm verkündete Recht, das kodifizirt ganze Bibliotheken füllt und das auch der gedächtnißkräftigste Jurist nicht im Kopfe haben kann, kennen sollen, so ist es gar ein wahrer Hohn, wenn er diese Forderung an die besitzlosen Klassen stellt, die er zu Arbeitsthieren degradirt und denen er weder die Mittel noch die Möglichkeit ge- währt, sich auch nur den kleinsten Theil von Rechtskenntniß zu erwerben. Verlangt der Staat die Kenntniß seines Rechts, dann hat er auch die Pflicht, es seinen Bürgern zu lehren, dann uhre er die Rechtsbelehrung als Disziplin in die Schulen ein. Vorher aber kann und darf er die Rechtsunkenntniß nicht durch Verluste irgend welcher Art bestrafen. So dem Prinzip, daß sich Niemand mit der Unkenntniß eines würde auch der Staat entschieden gehandelt haben, wenn er Die Folge aller dieser Umstände ist dann, daß bei] So wenig Einspruch man an und für sich auch gegen durch diesen Grundsatz nicht nur die besiglosen, sondern Interessenkonflikten zwischen Reich und Arm, die Rechtsfrage die Anwendung der Analogie erheben kann denn kein auch die besitzenden Klassen geschädigt haben würde. Da meistens schon zum voraus zu Gunsten der ersteren ent- Gesetzwerk ist so vollkommen, daß es alle möglichen mensch= aber nur die ersteren Klassen von Schaden durch die Be- schieden ist und daß die Rechtsverhältnisse der Armen sich lichen Verhältnisse zu berücksichtigen vermöchte- so sehr folgung dieses Grundsatzes betroffen werden, so nahm bei ihrer Geltendmachung vor Gericht nur allzuhäufig in muß das deutsche Proletariat gegen die Bestimmung des unser moderner Klassenstaat mit freudigem Willkomm diesen jener vernachlässigten und hoffnungslosen Gestalt präsen- Entwurfs des neuen bürgerlichen Gesetzbuches protestiren, trefflichen Bundesgenossen aus der alten Römerzeit bei fich tiren, wie der Körper der Proletarier bei der Aufnahme wonach in Ermangelung spezieller Vorschriften, nach den auf. Und es gehört wirklich kein großer Scharfsinn dazu in die öffentlichen Heilanstalten( Menger VIII). sich aus dem Geist der Rechtsordnung ergebenden GrundDie nothwendige Folge Mit der Charakterisirung dieses Mißverhältnisses fäßen geurtheilt werden soll. gehörig bekannt gemachten, d. h. in irgend einem obskuren zwischen Bourgeoisie und Proletariat in Bezug auf die davon würde, wie Professor Menger treffend bemerkt, sein, Amtsblatt veröffentlichten Gesetzes entschuldigen könne, Verfolgung ihres Rechts ist die traurige Lage, in welcher daß ein großer Theil aller Rechtsstreite zwischen seinen volksfeindlichen Charakter anzusehen. Ueberlegen fich die besiglosen Klassen überhaupt dem Recht gegenüber Beſizenden und Beſizlosen, für welche sich eine wir uns einmal, welche Klasse wohl am wenigsten in der befinden, keineswegs in ihrem ganzen Umfang gekenn: findet, zum Nachtheil der letteren entschieden ausdrückliche gesetzliche Bestimmung nicht vorLage ist, sich Gesetzeskenntniß zu verschaffen und wir er zeichnet. Ebenso drückend ist für sie ein anderer Fehler findet, zum Nachtheil der letteren entschieden kennen sofort, daß sich dieser Grundsatz gegen das Prole- unseres heutigen Privatrechtes: seine Unvollständigkeit. wird. Das garantirt uns nicht nur der volksfeindliche tariat richtet. Denn diese Klasse kann ihrer ganzen sozialen ,, Geist der Rechtsordnung", sondern auch die volksverLage gemäß am schwersten dazu gelangen, sich mit dem Hervorgegangen aus dem Klassenkampf zwischen dem wüstende Geistlosigkeit" der heutigen Juristengeneration. geschriebenen Rechte vertraut zu machen. verrotteten Junkerthum und der aufstrebenden Bourgeoisie Was allein helfen könnte, das wäre eine vollkommene Die Gefeßessammlungen müssen für sie sieben mal im Anfang des 19. Jahrhunderts regelt unser modernes Reform des bürgerlichen Rechts gemäß den heutigen versiegelte Bücher bleiben, nicht nur weil ihnen die Zeit Privatrecht die Interessen dieser Klassen; die Interessen des Machtverhältnissen zwischen Bourgeoisie und Proletariat, fehlt, sie zu lesen und das Geld sie zu kaufen, sondern Proletariats dagegen, das damals erst im Entstehen be- aber zu dieser Arbeit sind, wie selbst Prof. Menger seinen weil sie auch der nöthigen Geistesbildung und Schulung griffen und dessen Einfluß im sozialen Leben sich kaum Kollegen nachsagen muß, die schneidigen Staatsanwälte und ermangelt, um sie verstehen zu können. Und um ihr das bemerkbar machte, finden in dem Privatrecht dieser Epoche Rechtslehrer von heute völlig unfähig. Die Arbeit, den letzte auf jeden Fall schwer zu machen, sucht man die begreiflicherweise noch keine Berücksichtigung. Inzwischen vermoderten Formelkram aus dem Augiasstall der bestehenGefeße nicht in einer möglichst verständlichen, sondern in aber haben sich unsere wirthschaftlichen Verhältnisse in einer den Rechtsordnung herauszuschaffen, wird dem modernen einer dem gewöhnlichen Mann recht unverständlichen Weise geändert, daß die alten Klaſſengegenfäße fast völlig Herkules, dem Proletariat, allein zufallen! Sprache zu schreiben. So ist es denn nicht weiter zu verwundern, wenn die besiglosen Klassen jeder Rechtskenntniß baar sind und sich in Rechtssachen allein von einem dunk len und oftmals recht trügerischen Rechtsgefühl leiten laffen. verschwunden und ganz neue an ihre Stelle getreten sind. Dieselben erheischen eine neue Regelung, d. h. eine Umgestaltung des Privatrechts nach den augenblicklich be= Die Rechtsentwicklung aber stehenden Machtverhältnissen. " Zur Beachtung! und ,, Berliner Arbeiterbibliothek“ Auf vielseitigen Wunsch haben wir zum Aufhängen an der ist stehen geblieben, das Recht hat Dank der unwissenschaftGanz anders steht es in dieser Beziehung um die be- lichen Ausbildung und des bureaukratischen Geistes des Wand ein Plakat( etwas höher und breiter wie unsere Zeitungssitzenden Klassen! Juristenstandes die soziale Entwicklung nicht mitgemacht, seite, auf starkem Karton) für die ,, Berliner Volks- Tribüne" Diese werden schon durch die bloße Thatsache ihres so daß heute die Bestimmungen des Privatrechts wohl Befizes von Jugend an in eine innige Berührung mit noch ein historisches Interesse besigen, dagegen jeden prakdem Recht gebracht und ihr Interesse dafür geweckt. Die tischen Werth als Geseze verloren haben und die besiglosen Bourgeois haben Zeit und Mittel, die Gesetzbücher zu Massen in vielen ihrer Interessen schädigen. in guter Ausstattung herstellen lassen. Wir senden dasselbe an alle kaufen und zu lesen, häufige Gelegenheiten Gerichtsver- Die wirthschaftlichen Verhältnisse der einzelnen im unsere Kolporteure, um es in besuchten Lokalen anzubringen, handlungen mit beizuwohnen. Der Staat selbst bringt sie Produktionsprozeß thätigen Personen, der Unternehmer zu den würden aber erfreut sein, wenn uns besonders in Orten, we sogar in direkte Verbindung mit dem Rechtsleben, indem Lohnarbeitern, der Gutsherren zu den Tagelöhnern 2c. haben„ Volks- Tribüne" und„ Arbeiterbibliothek" wenig gelesen sind er sie als Schöffen und Geschworene bei der Rechtsprechung sich mit der Umwandlung unserer Wirthschaft in die groß- die Genossen Lokale( Restaurationen, Fabriken, Lesemitwirken läßt. Da ist es denn ganz natürlich, daß das kapitalistische vollkommen geändert und es passen in Folge zimmer u. s. w.) angeben würden, in welchen das Plakat an= Maaß der Rechtskenntniß, über welches die Bourgeoisie dessen auch die geseßlichen Bestimmungen des Privatrechts geschlagen werden kann. Wirthen und Vereinen, welche das Plakat verfügt, viel größer ist, als dasjenige, über welches das auf diese neuen Zustände nicht mehr, ja stehen oft dem in auslegen, sind wir gern bereit, eine Zeit lang die„ Volks- Tribüne" Proletariat gebietet. Die Folge davon ist, daß der Be- seiner Entwicklung nicht zu hemmenden Rechtsbewußtsein gratis zur Einsichtnahme seitens der Gäste und Mitglieder zu liefern. fißende weniger oft in Konflikt mit dem Gesez geräth, als direkt gegenüber. Da aber die alten Geseze noch in Kraft Die Expedition der ,, Berliner Volks- Tribüne" der befißlose Lohnarbeiter. sind, so müssen sich auch noch die neuen Verhältnisse ge= Berlin, Oranienstraße 23. Wird aber auch der Besitzende einmal in einen Rechts- fallen lassen, nach ihnen geregelt zu werden. Fehlt nun handel verwickelt, dann ist er durch das Mittel seines aber jede Bestimmung über die Regelung eines modernen Vermögens jeder Zeit in der Lage, sich einen Rechtsbei- Rechtsverhältnisses, so sind die Richter zur Anwendung Der heutigen Auflage liegt ein Prospekt des Dies'schen stand zu nehmen, während der Proletarier in gleichem Fall der Analogie gezwungen, d. h. auf Verhältnisse, für welche Verlags bei. Wir machen unsere Leser besonders hierauf meistens hilflos und verlassen vor den Schranken des das Gesetz keine Vorschrift enthält, die für rechtsähnliche aufmerksam. Gerichts erscheint. Verhältnisse gegebenen Vorschriften anzuwenden. Umzugshalber ist in der Manteuffelstraße eine Wohnung, bestehend aus 2 Stuben, Kammer und Küche, Preis 140 Thaler, zum 1. Juli zu vermiethen. Näheres Erped. d. Bl. Berliner Arbeiter- BildungsVerein. General- Versammlung am Mittwoch, den 16. April, Abends 8½ Uhr, Schwedterstr. 23, bei Lehmann. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines ersten Vorfizenden. 3. Vortrag. 4. Disfuffion. 5. Allgemeines und Fragekasten. Der Vorstand. Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. Sonnabend, den 12. d. M., Abends 8½ Uhr, Holzmarktstr. 72, General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vierteljahresbericht des Vorstandes. 2. Ersazwahlen zum Vorftande u. d. Revisoren. 3. Vorstands- Anträge und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. Stettin. An alle Genossen, die im Jahre 1887 aus Stettin und Umgegend ausgewiesen wurden, richte ich die Bitte um Einsendung ihrer Photographie. Wir gehen hier mit den Gedanken um, ein großes Gruppenbild anfertigen zu lassen, möchten aber nicht gerne, daß uns einer der bewährten Genossen damaliger Zeit dabei fehlt. Um Einsendung der Photographien, sowie um Bescheid, wer ein solches Bild wünscht, ersucht mit sozialdemokratischem Gruß Georg Voigt, Stettin, Frauenstr. 11. Shlipse mit Monogramm in blan, roth und schwarzer Farbe für den 1. Mai 1890 ,, Hochfeine Waare" Neues Muster" versendet gegen Einsendung von 1,50 M. franko die Cravattenfabrik von Carl Wesch in Crefeld. Größere Partien billiger. Oigarren u.Tabake reichhaltiges Lager bon O. Klein. 15. Ritterstraße 15. Grosse öffentliche Kommunal Wähler Versammlung = = Montag, den 14. April, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Schwarzmüller, Kolberger Salon, Kolbergerstr. 22. Tages Ordnung: Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler be= gründete Arbeitsnachweis befindet sich I Wallstrasse 7-8. Die Arbeitsvermittelung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder) unentgelt= lich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochen1. Die Bedeutung der Kommunalwahl. Refer. Stadtverordneter Vogtherr und Restaurateur tagen von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends, Sonntags von 9-11 Uhr VorWilhelm Gründel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. mittags. Der Vorstand. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Es ist Pflicht eines jeden Wählers des 42. Kommunalwahlbezirks in dieser Versammlung zu W. Gründel's Restaurant erscheinen. N.B. Am Dienstag, den 15. April, Abends 8 Uhr, findet in Weimann's Volksgarten eine öffentliche Kommunalwähler- Versammlung statt, in welchrr das Resultat aus den 42. und 32. Bezirk bekannt gegeben wird. Filiale 1( Süd) der Vereinigung der Maler u. s. m. General- Versammlung ( früher: N. Wendt.) Dresdenerstraße 116. Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder, Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. Neichhaltiger Frühstücks, Mittags: und Abendtisch. am Dienstag, den 15. April, Ab. 82 Uhr, in Hoffmann's Festsälen, Oranienstr. 180. Borzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. Tages Ordnung: 1. Vierteljahresbericht. 2. Filialangelegenheiten. Die Mitglieder werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Durch uns zu beziehen: 3. Verschiedenes. Die Bevollmächtigten. Uebersicht über die Verhandlungen des Reichstages. VII. Legislaturperiode, letzte Session 1889/90. 110 Seiten broseh. Preis 50 Pf. mit Porto 60 Pf. Expedition der„ Berl. Volks- Trib." Berlin SO., Oranienstr. 28. Allen Freunden und Genossen empfehle meiu Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerstr. 20, pt. meinen werthen Freunden und [ 40 Genossen sowie den Lesern dieses Blattes meix Daselbst Bahlstelle der Gürtlern. Bronceure( E.H.60. Empfehle Cigarren- Geschäft. Carl Lehmann. Brunnenſtr. 83, dicht am Humboldthain Saal za 2 Billards und Kegelbahnen. Versammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amt 9a. Nr. 578. Frankfurt a. M. Allen Freunden und Parteigenossen empfehle ich die„ Berliner Volks- Tribüne" und gang besonders die„ Berliner Arbeiterbibliothek. I. Serie 12 Hefte. Preis pro Heft 15 u. 20 Bf. 1. Heft: Ein sozialistischer Roman. 2. Heft: Die Gewerkschaften, ihr Nußen und ihre Bedeutung. 3. Heft: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. 4. Heft: Der Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. 5. Heft: Charakterföpfe aus der französischen Arbeiterbe wegung. 6. Heft: Die Hausindustrie in Deutschland. 7. Heft: Junker und Bauer. 8. Heft: Die wirthschaftlichen Umwälzungen und die Entwicklung der Sozialdemokratie. 9. Heft: Die Marr'sche Werththeorie. 10. Heft: Die Sozialdemokratie und der deutsche Reichstag. 11. Die soziale Frage auf dem Lande. 12. Heft: Internationale Arbeitsschußgefeßgebung. Möchte jeder Genosse dazu beitragen, daß die Bibliothek jeder Arbeiter bekommt, denn unsere Albert Auerbach, oung muß sein: immer mehr Licht. Berlin S., Kottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Feste Preise. Franz Beyer, Prinzessinnenstrasse 15( am Moritzplatz) empfiehlt: Punsch und Rum, Originalflaschen 1.50. Roth- und Ungarwein ½ Fl. 1.50. H. Faust, Schäfergaffe 15, 4 Te. Frankfurt a. M. 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