Merliner W) A, Soeial-Polittsches Wochenblatt Zum Arbeiterfeiertag.— Zum 1. Mai.— Zum 1. Mai in Oesterreich.— Versammlungen zum 1. Mai.— Der„Sozialdemokrat" und der 1 Mai.— Sozialistische Spaziergänge. Novelle von Mackay VIII.— Zum bür gerlichen Gesetzbuch III.— Bericht des Ba dischen Fabrikinspektors.— Großbourgeoisie und Arbeiterschutz.—. Fette Tantiemen. Fetitionsöogen für den Achtstundentag sind von uns in be- liebiger Zahl gratis z'* beziehen. Zum Arbeiterfeiertag. Vielleicht sieht mancher unserer Leser dem 1. Mai nicht mehr mit der freudigen Erwartung entgegen, die sich anfangs an den Arbeitcrfesttag knüpfte. Eine quälende Unsicherheit, ein Gefühl des Unbefriedigtseins hat sich Manches bemächtigt, der die Arbeiterklasie bereits wie einen triumphirenden, kraflbewußten Sieger in den neuen Monat eintreten sah. Wir hoffen, daß dadurch die Feier des 1. Mai keine Einbuße an Einheitlichkeit und Begeisterung erleiden wird. Ob Ruhetag, ob Versammlungsabend— so wie die Mehrheit der Genoffen eines Gewerks oder eines Ortes entschied, so hat sich jeder nach besten Kräften und ohne Empfindlichkeit zu bctheiligen. Denn nachdem in den meisten Fällen nunmehr die Entscheidung gefallen ist, können wir uns alle wohl offen das Zugeständniß machen, daß die Meinungsverschieden- heiten viel weniger in den Neigungen und dem Willen der Einzelnen wurzelten, wie in den ungemein schwierig zu beurtheilenden, gährenden und noch zu keinerlei Gleich- gewicht gelangten öffentlichen Verhältnissen Deutschlands. Wer wollte sagen, daß sein Urlheil hierüber unbedingt zutreffend sei und wer wollte es seinem Gegner verdenken, daß er entschloffener oder bedächtiger glaubte vorgehen zu sollen? Keine Zeit hat unsere Partei jemals mit so großer Verantwortlichkeit belastet und keine Zeit hat doch andererseits jemals weniger übersichtliche Verhältniffe geboten und so sehr die Verantwortung erschwert. So mußten die Meinungen weit auseinandergehen, und ganz besonders die des ängstlichen und zögernden Alters und die der drängenden, thatenfrohen Jugend. Aber in einem sind wir alle einig gewesen und geblieben: daß sich keiner schmollend dem 1. Mai fern zu halten habe, dem es nicht nach seinem Kopfe ge- gangen ist— und daß jeder, der Anlaß zu der geringsten Störung bei der Feier giebt, ein Feind der Arbeiterklaffe ist und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unschädlich gemacht werden muß. Wer sich hiergegen vergeht, spielt das Spiel unserer Feinde und alle denkenden und ernsten Arbeiter werden mit ihm abzurechnen wiffen. So sehen wir dem 1. Mai, dem Arbeiter-Fest- und Feiertag ohne Unruhe und ohne Besorgniß entgegen. Uns alle wird an diesem Tage das Gefühl der Zusammenge- Hörigkeit von neuem durchdringen und mit unserer Stärke werden wir uns auch der hohen Aufgaben bewußt werden, die unser aller noch harren und die uns nicht klein und innerlich zerspalten finden dürfen. Und darum Glück auf! Zum ernsten Maienfest! Zur fröhlichen Maienfcier! Zum 1. Mai. Ucber die Stellung der preußischen Regierung zu der beabsichtigten Kundgebung für den 1. Mai kann nach der„Köln. Ztg." jetzt bestimmt mitgetheilt werden, daß die Regierung den geplanten Veranstaltungen, soweit Ruhe und Ordnung dadurch nicht gestört werden, freien Spiel- räum lassen, dagegen den von ihr beschäftigten Arbeitern das Fortbleiben von der Arbeit an diesem Tage als Vcr- tragsbruch anrechnen wird. Der Leipziger„Wähler" bringt einen Artikel„Zu spät?", der von der sonderbaren Voraussetzung ausgeht, erst nach dem Anfang des März(!!!) sei die Agitation für den 1. Mai„eröffnet" worden.„Was vorher ge- schehen war, beschränkte sich auf einzelne Orte und hatte verhältnißmäßig, d. h. im Verhältniß zur Größe und dem Umfang der deutschen Arbeiterbewegung— nur geringe Bedeutung." Der Artikel fährt dann fort:„Die neue Fraktion hatte durchaus keine Veranlassung, der Partei und den Arbeiten! eine Direktive zu geben, ehe die Arbeiter in ihrer Maffe sich mit der Angelegenheit be- schäftigt und dieselbe nach allen Richtungen erwogen hatten. Die deutschen Arbeiter sind keine unmündigen Kinder und die Reichstagsfraktion hat zwar- die Parteileitung, allein sie fühlt zu demokratisch, als daß sie die deutschen Arbeiter als unmündige Kinder betrachten und behandeln könnte. Sie mußte abwarten, wie die deutsche Arbeiterwelt sich zum 1. Mai stellte. Und als sich nothwcndig machte, die unumgängliche Einheitlichkeit in die Aktion zu bringen— kurz, als die Zeit gekommen war, wo die Fraktion einzugreisen hatte, da schritt die Fraktion ein. Hätte sie früher gesprochen, so wäre es zu früh gewesen. Freilich— hätte sie später gesprochen, so wäre es zu spät gewesen. Es war weder zu früh noch zu spät— die Fraktion hat zu rechter Zeit gesprochen." ** * Die„Neue Tischlerztg.", das Organ der deutschen Tischler, bemerkt zu dem Aufrufe:„In der Hauptsache deckt er sich mit den von uns schon früher gemachten Vor- schlügen, wie er sich ebenfalls im Wesentlichen mit dem neulich in Bann gethanen Berliner Aufruf deckt, denn ein generelles Feiern um jeden Preis wird in letzterem ebensowenig gefordert, wie wir es gefordert haben. Der Rüffel, den sich die Berliner Genossen mit ihrem selbst- ständigen Vorgehen geholt, würde ihnen also erspart ge- blieben sein, wenn die obige Kundgebung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion früher erfolgt wäre. Daß dies nicht geschehen, ist das Einzige, was wir daran auszusetzen haben. Durch die etwas grellen Farben, in denen hier die Bedenken vor dem Feier» am 1. Mai vorgeführt sind, dürfte es möglich sein, daß frühere Beschlüsse, den 1. Mai als Feiertag zu begehen, auch dort wieder rückgängig gemacht werden oder unaus- geführt bleiben, wo dem Feiern keine wesentlichen Schwierigkeiten im Wege stehen. Dann wäre es aber doch, wie wir schon früher eingehend dargelegt haben, auf alle Fälle besser gewesen, wenn jene Beschlüsse über- Haupt nicht gefaßt worden wären, und sie würden wahr- scheinlich meistens nicht gefaßt worden sein, wenn die Fraktion früher gesprochen hätte. Wir müssen nun den Kollegen allerorts, die zu feiern beschlossen, es über- lassen, ob sie ihre Beschlüsse aufrechterhalten wollen. Einen bezüglichen Rath können wir ihnen nicht gui geben. Wo man jene Beschlüsse kopflos gefaßt, d. h. sich die Sache nicht nach jeder Seite überlegt hatte, dürfte es gut sein, die Frage des Feierns nochmals zu erörtern. Wo dagegen mit reiflicher Ueberlegung zu Werke gegangen und man sich auch über die Möglichkeit etwaiger Folgen des Feierns vorher klar geworden ist, und wir hoffen, daß das überall geschehen, da wird man auch der F atalität, gefaßte Beschlüsse rückgängig zu machen, überhoben sein." Die Wiener„Arbeiterztg." schreibt:„Obwohl die Fraktion ausspricht: Dort wo eine Arbeitsruhe ohne Kon- flikt zu erwirken ist, möge es geschehen, so ist zweifellos, daß der obige Aufruf seine Wirkung nicht verfehlen und dahin ausüben wird, daß der 1. Mai kein allgemeiner Feiertag in ganz Deutschland sein wird. In vielen, viel- leicht den meisten Jndustrieorten wird nicht gearbeitet werden, in anderen wird das Tagewerk wie gewöhnlich vor sich gehen. Die Gefahr eines Konfliktes läßt sich ja zudem schwer voraussehen, d. h. sie ist im Grunde genommen überall vorhanden. Und da dürften selbst Gewerbe oder Vereine, welche den Ruhetag bereits be- schlössen haben, diesen Beschluß rückgängig machen." Das Vorgehen der deutschen Reichstagsfraktion erklärt das österreichische Zentralorgan folgendermaßen:„Vor allem ist nicht zu vergessen, daß das Sozialistengesetz noch in Kraft besteht, wenn es auch milde gehandhabt wird, und daß möglicherweise bei der Unsicherheit bezüglich der neuen Politik der geringste Zusammenstoß mit der Staatsgewalt willkommenen Vorwand zur Er- Neuerung desselben geben würde. Ferner ist zu bedenken, daß in Deutschland weit mehr Versammlungsfreiheit herrscht wie bei uns, daß ganz sicher aber kein Fest verboten wird. Die deutschen Genossen werden sich also in vielen Fällen auf derartige Kundgebungen beschränken. Auch der Um- stand, den schon Genosse Liebknecht hervorgehoben, daß in Preußen unmittelbar dem 1. Mai ein kirchlicher Feiertag (der preußische Bußtag) vorhergeht, dürfte bei dem Frak- tionsauftufe in Erwägung gezogen worden sein. Der Verlust von zwei Tagen Arbeitslohn trifft die meisten Arbeiter sehr hart. Es war also von vornherein auf keine allgemeine Theilnahme zu rechnen. Eine halbe Demonstration hätte aber gewiß ihren Zweck nicht erfüllt." * Herr v. Elm äußert im Sprechsaal des„Ham- burger Echo":„Die direkte Stellungnahme mehrerer Abgeordneten gegen die hiesige Feier, der Ausruf der Fraktion selbst, werden viel mit dazu beitragen, eine ein- heitliche großartige Kundgebung der Hamburger Ar- beiter am 1. Mai durch eine allgemeine Arbeitsruhe zu vereiteln. Darüber wird sich nach dem Vorhergegangenen ein Jeder klar sein. Was aber kann es nützen, wenn eine Minorität der Hamburger Arbeiter am 1. Mai feiert? Eine derartige Demonstration würde keine Feier, sondern allerdings nur ein„allgemeines Blaumachen" sein, mit welchem geschmackvollen Ausdruck einer der Abgeordneten ja von vornherein eine allgemeine Feier bezeichnet hat. Mit der Verwirklichung des Gedankens, der Bour- geoisie es, wenn auch nur für einen Tag, einmal zu recht klarem Verständniß zu bringen, daß der Herwegh'sche Vers: „Alle Räder stehen still, Wenn Dein starker Arm es will," nicht nur Phantasie des Dichters, sondern reelle Thatsache ist, ist es für dieses Mal bedauerlicherweise Nichts. Die große Idee, neben alten, uns aufgezwungenen, ge- setzlichen und kirchlichen Feiertagen auch einen von Arbeitern selbst beschlossenen, und deshalb um so freudiger gehaltenen allgemeinen Feiertag der Arbeit zu haben, leidet diesmal noch wieder Schiffbruch an„den Verhältnissen"..... Die Erklärung der Fraktion bedeutet für diejenigen Städte, in welchen die große Mehrzahl der Gewerke beschlossen hat, den Tag zu feiern, eine ganz bedeutende Stärkung des Elementes derjenigen, welche sich auch bei sonstigen Organi- sationsbeschlüssen um diese nicht kümmern..... Ein einheitliches geschlossenes Vorgehen sämmtlicher Arbeiter würde den Gegnern der Arbeitersache Respekt einflößen; eine schwache Betheiligung bei einer allgemeinen Feier würde uns nur Hohn und Spott eintragen und außerdem eine große Anzahl Maßregelungen herbeiführen, wozu den Herren bei einem allgemeinen Ruhenlassen der Arbeit seitens sämmtlicher Arbeiter jedenfalls der Muth fehle« würde.... Ich schlage deshalb vor, in der nächsten all- gemeinen Arbeiterversammlung in Erwägung zu ziehen, ob es nicht empfehlenswerth ist, anstatt der geplanten allge- meinen Arbeitsruhe, sämmtlichen Arbeitern Hamburgs und der Umgegend zu empfehlen, am 1. Mai ruhig in gewohnter Weise ihren Berufsgeschäften nachzugehen; die Feier des aber in obiger Notiz auch noch über den Besuch der Kon=| Keine Macht kann uns aber verbieten, am 1. Mai dann in der von der Fraktion empfohlenen Weise ferenz 2c. gesprochen wird, und dieses den Thatsachen entspricht, 1. Mai nicht zu arbeiten. Nicht Polizei und nicht zu veranstalten; außerdem jedoch die Arbeiter Hamburgs so fragen wir hier noch einmal:„ Wer ist der Bericht: Militär kann uns zur Arbeit schleppen. Und wenn wir zu verpflichten, zum Mindesten ein Dritttheil des am erstatter aus Fraktionskreisen für gegnerische auf Versammlungen verzichten müßten, ja, wenn man uns, 1. Mai verdienten Arbeitslohnes zur Förderung von all- Zeitungen?" Gerade der Abg. Schmidt ist es gewesen, was eigentlich ganz undenkbar ist, am Nachmittagsspaziergemeinen Arbeiterzwecken herzugeben." Natürlich ist das der gegen die Lancirung von Notizen aus den Fraktions- gange hindern sollte, wenn man vor jedes Hausthor Solauch nur ein Verlegenheits vorschlag, wie sie die jeßige kreisen in die„ Lib. Korresp.", das„ Berl. Tagebl." 2c. daten hinstellt und die Arbeiter zwingt, daheim zu bleiben, Situation noch mannigfach hervorrufen wird. protestirt hat. Da nun die gesammte Fraktion( besonders und die Gassen mit Kanonen absperrt, so ist die Thatder Vorsitzende Singer) fich diesem Protest anschloß, sehen sache, daß in ganz Desterreich zu gleicher Zeit die Die Wiener Arbeiterztg." schreibt: Wir halten wir uns veranlaßt, dies öffentlich zu rügen." Maschinen stille stehen, eine so erhebende und es für unsere Pflicht, die Arbeiter aufzufordern, mit ganzer imposante, daß wir, wenn's nicht anders geht, Kraft für den Arbeiterfeiertag trotz aller heuchlerischen Wenn die Arbeiter daran denken, einen Tag im Jahre damit zufrieden sein können. Einen besseren Beweis, " Warnungen" einzutreten, um der bürgerlichen Welt ein für sich als Feiertag in Anspruch zu nehmen, dann schäumt daß das ganze Wirthschaftsgetriebe nur von den Arbeitern imposantes Beispiel zu geben, daß ein erhabener Gedanke die ganze kapitalistische Presse voll Wuth über solches abhängt, giebt es nicht.... * " * - * keinerlei Rummel mit sich führt. Jeder Arbeiter wird Unterfangen. Der bedrohte Nationalwohlstand"( sprich Wir bleiben dabei: In Desterreich ruht am 1. Mai am 1. Mai sozusagen seinen Polizisten in der Fabrikantenprofit) wird mit bengalischer Beleuchtung ins alle nicht unbedingt nothwendige Arbeit. Die Presse Brust tragen müssen. Und wir sind davon überzeugt: Feld geführt und den Arbeitern wird mit der Macht des und die anderen Gegner werden' nun freilich über das Zielbewußtsein und die Begeisterung unserer Genossen Geldsackes gedroht, der über sie Hunger von beliebiger uns herfallen, weil wir an unserem Programm werden die beste Sicherheitsbehörde bilden und die andere Dauer verhängen könnte, wenn er nicht eben der profit- festhalten. Sie werden in diesen letzten 14 Tagen die überflüssig machen. Diese beiden Dinge werden den Ge- gierige Geldsack wäre, der jede Stunde Arbeitszeit heiß- äußersten Kraftmittel anwenden, um uns irre zu machen. nossen die Macht geben, alles zu verhindern, was auch hungrig verschlingt. Die Fabrikanten selbst ver- Unsere Losung bleibt aber nach wie vor: Wir lassen nur den Schein einer Ausschreitung auf sich laden könnte; ordnen hingegen Feiertage, wann sie wollen. uns nicht einschüchtern und nicht provoziren. fie werden auf Provokationen, von welcher Seite sie auch und Staatswerkstätten, die nach dem Ausspruche des tommen mögen, nie und nimmer eingehen, und so den deutschen Kaisers Musteranstalten sein sollten, gehen ihnen 1. Mai zu einem würdigen historischen Gedenktage formen." hierin wacker voran. So lesen wir in der Berliner ,, Volkszeitung": * * * In der letzten Versammlung der Altonaer TischlerInnung kam auch die Frage zur Sprache, wie man sich zu dem seitens der Arbeiter am 1. Mai geplanten Feiertag stellen wolle. Nach längerer Aussprache einigte man sich dahin, den Gesellen nichts in den Weg zu legen, wenn fie am 1. Mai feiern wollen. * " * * er * * In einem Erlasse des Statthalters von Nieder- Oesterreich an die Bezirkshauptmannschaften wird ausgeführt, daß es nicht in dem Belieben der Arbeiter liegen dürfe, am 1. Mai den ganzen Tag oder Nachmittag zu feiern; hierzu sei ein Uebereinkommen mit den Arbeitgebern nothwendig. Diejenigen Arbeiter, welche eigenmächtig am 1. Mai die Arbeit verlassen, werden gefeßlich be straft, eventuell sofort aus dem Arbeitsverhältnisse entlassen. Der Erlaß bemerkt jedoch weiter, die Mehrzahl der Arbeitgeber werde bereit sein, dem Ersuchen der Arbeiter zu willfähren und denselben eventuell am 1. Mai selbst freigeben. Arbeiterversammlungen zum 1. Mai. ( Aus den in den legten Tagen eingetroffenen Arbeiter= blättern, zum Theil Nachtrag aus voriger Woche.) Berlin und Umgegend. " Für etwa 5000 Fabritsarbeiter in Spandau beginnt mit dieser Woche eine Zeit der freiwilligen Muße. Es findet nämlich iegt in der Artilleriewerkstatt, der Geſchüßgießerei und dem Feuerwerkslaboratorium die fast in jedem Jahr wiederkehrende Inventur flatt, bei welcher die gesammten Bestände der Industrie bis in's Ginzelne aufgenommen werden. Die Dauer der Inventur ist für die Artilleriewerkstatt auf 3 bis 4 Wochen angenommen, in den anderen Fabriken etwa auf 14 Tage. Während der Zeit ruht der Betrieb gänzlich und die Arbeiter haben natürlich keinen Verdienst." Der Leipziger Wähler" schreibt:„ Eine Partei, „ Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe," welche von Prinzipien regiert ist, wie die unsrige, kann der Spielball persönlicher Intriguen überhaupt lautet ein dummes Sprichwort, das aber heute vollauf nicht werden. Wir sind nicht, wie die nationalliberalen berechtigt ist. Der Mächtige kann thun, was er will; der Mannesseelen", abhängig von den Launen eines Arme braucht nur sein Beispiel zu befolgen und Mannes: unsere Prinzipien zeigen uns den Wegwer wird zum mindesten beschimpft.( Wiener„ Arbeiterztg.") diesen Weg nicht geht, kennt unsere Prinzipien nicht Gräuliches Pech hat jezt andauernd der sonst so zu feiern. er gehört nicht zu uns. Uebrigens wird die Hoffnung der Leipziger Zeitung", die schärfere Tonart" portreffliche Dr. Mehring von der Berliner„ Volksztg." der Herren Schippel und Genossen möge den„ Mäßig- Nachdem er dem Fraktionsvorstand durch sein erstes Jammer- 4. d. M., beschloß zu feiern. keitstaktikern Liebknecht, Bebel und Genossen"" das Spiel geſchrei gegen den Berliner Aufruf derartige Verlegen einer von etwa 1500 Personen besuchten öffentlichen Versammlung erschweren", durch Veröffentlichung des sozialdemokratischen heiten bereitete, daß in Halle ein Vorstandsmitglied nach Manifestes zu nichte gemacht worden sein. Vielleicht setzt dem andern sich feierlichst dagegen verwahrte, irgend etwas Tantchen" uns gelegentlich einmal auseinander, worin mit der Polemik gemein haben zu wollendie Schärfe der„ schärferen Tonart der Herren Schippel Pechvogel jetzt schon wieder: und Genossen" besteht." * * * * * * schreibt der Der Aufruf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion räth den deutschen Arbeitern in dringlichster Weise ab, den ersten Mai zu einem Arbeiterfeiertage zu machen, Es liegt nicht der geringste Anlaß zu der Annahme vor, daß der Aufruf der sozialdemokratischen Fraktion von den Arbeitern nicht berücksichtigt werden wird... weil in dieser oder jener Versammlung noch ein paar verlorene Schippelianer ein wenig bramarbasiren... Zu derselben Stunde stand aber bereits im Berliner Volksblatt", dem Drgan des Fraktionsvorstandes, an hervorragender Stelle und in auffälligen Lettern: * fchloffen zu feiern. Die Arbeiter der Beermann'schen Maschinenbauanstalt be= Die Arbeiter der Ludwig Löwe'schen Fabrik beschlossen am 16. d. M. nach einem Vortrage des Herrn Gerisch einstimmig Eine Volksversammlung für Schöneberg und Umgegend am Die Berliner Hutmacher und Hutmacherinnen beschlossen in nach einem Vortrage des Stadtv. Zubeil, zu feiern. Eine öffentliche Gewerkschafts- Versammlung fand am Dienstag Abend in Keller's Feſtsälen, Andreasstraße, statt. Der Wortlaut der Tages- Ordnung war:" Wie stellen sich die Gewerkschaften zur weiteren Gründung von Fachblättern?" Es waren gegen 800 Personen erschienen; unter diesen waren alle hervorragenden Leiter der Berliner Gewerkschaftsbewegung anwesend. Das Bureau der Versammlung bildeten die Herren Wilschke, Thieme und Wiedemann. Maurer Julius Wernau referirte. An der Diskussion betheiligten sich besonders Baginsky und Wildberger. Es wurde folgender Antrag angenommen:" In Erwägung, daß der Zweck der Maidemonftration für die Kulturentwickelung ein bedeutender ist und um dem 1. Mai als Feiertag und Volksfest die volle Würde beizulegen, erklären die heutigen hier anwesenden Vertreter sämmtlicher Gewerk Feier zu sorgen, sowie die volle Verantwortung für die Ordnung schaften, für Ruhe und Ordnung am 1. Mai während der zu übernehmen." Zu dem Petitionssturm schreibt die Konservative Korresp.": In dem Aufruf der Berliner Genossen" zu Gunsten des„ Achtstundenfeiertags", der bekanntlich von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion lebhaft gemißbilligt worden ist, war dazu aufgefordert worden, am 1. Mai Maffenpetitionen, welche den achtstündigen Arbeitstag fordern, in Umlauf zu setzen. Diesem Vorschlage hat eine ansehnliche Zahl von sozialdemokratischen Falsch ist die Behauptung verschiedener Blätter, die In Rirdorf fand am Dienstag, den 15. d. M. eine öffentVereinen Folge gegeben und darum nicht um Schippel Beschlüsse einer großen Anzahl Arbeiterversammlunger, am liche Bolksversammlung statt. Herr Mar Baginsky referirte. Die eine ,, Konzession" zu machen 1. Mai nicht zu arbeiten, richteten sich gegen die Fraktion. Versammlung nahm hierauf folgende Resolution einstimmig an:. hat vermuthlich die Aber der Aufruf der Fraktion billigt ja aus- Die heutige in Niesegt's Lokal tagende öffentliche Volksversammlung, Hallesche Sozialistenkonferenz auch ihrerseits diese Anregung drücklich die Arbeitsruhe, da wo sie ohne Konflikt welche von zirka 1200 Personen besucht ist, erklärt sich mit den Ausafzeptirt. Unseres Erachtens werden die Taktiker der sozialdurchgeführt werden kann. Nur gegen die allgemeine führungen des Referenten über den achtstündigen Arbeitstag" voll. demokratischen Partei sich nur nothgedrungen und nur, um Arbeitsruhe hat die Fraktion sich erklärt, und so viel wir und ganz einverstanden und beschließt, den 1. Mai als Feiertag die in gehobener Stimmung" befindlichen Arbeitermassen wiffen, giebt es in Deutschland innerhalb der Sozialdemo- zu erklären. Die Versammelten geben das Versprechen, in Werkstatt tratie Niemanden mehr, der daran glaubte..... und Fabrik, überall, wo sich Gelegenheit bietet, für möglichst zahla nicht gänzlich vor den Kopf zu stoßen, dem Vorschlage Schippel's anbequemt haben; denn bei diesen Massenpeti- Wir wissen nicht, ob der vielgewandte Dr. Mehring reiche Betheiligung an der an diesem Tage stattfindenden Massen= fundgebung zu Gunsten der Verkürzung der Arbeitszeit einzutreten. tionen steht ein Fiasko in sicherer Aussicht..... Sache auch fingt. Dann empfehlen wir ihm als für ihn sehr Ferner verbittet sich die Versammlung die Vorschläge der„ Volks der Arbeitgeber wird es auch bei dieser Gelegenheit passend in Text und Weise Walküre, Sz. 1: Mißwende Beitung" und das Einmischen derselben in unsere sozialdemokratischen sein, ihre Arbeiter vor terroristischen Versuchen zu schüßen, naht mir, wo ich mich neige; Mißwende folgt mir, wohin Barteiangelegenheiten, da wir dieselbe nur als ein Organ zur Vertretung der Interessen des Kapitals anerkennen." Im weiteren und sobald die betreffenden Petitionsbogen im Reichstage ich fliehe.... Wehwalt muß ich mich nennen." Verlaufe der Versammlung wurde das Bureau beauftragt, am vorliegen werden, bezüglich der Unterschriften zu kon1. Mai eine Volksversammlung einzuberufen. troliren, welche Kategorien ihrer Arbeiter nunmehr für Die Berl.„ Volkszeitung" hielt sich vorige Woche die sozialdemokratischen Utopien eingetreten find." Das über die spottschlechten Verse auf, die wir zur Feier des nennt diese Sorte von Leuten dann„ freies" Petitionsrecht! 1. Mai gebracht hatten. Nun muß das Unglücksblatt den Schmerz erleben, daß die so oft gerühmte Wiener In Breslau entschied sich eine Volksversammlung nach Arbeiterzig.", das Zentralorgan der österreichischen Eine öffentliche Versammlung der Gärtner beschloß, soweit einem Referat des ehemaligen Abg. Kühn für Arbeitsruhe. Genoffen, diese elenden Berse wiedergiebt und zwar wie Verschiedene Blätter knüpfen hieran die Bemerkung, Herr und auch unsere Meinung über die Arbeitsruhe theilt das Redner waren für Feiertag. Die Stuckateure wollen eine Landparthie veranstalten. Alle eine Festhymne quer über die ganze Titelseite gedruckt! als möglich, am 1. Mai zu feiern. Schippel sei als Referent angezeigt gewesen und scheine Blatt( für Desterreich) und giebt ihr zum Theil in fast demnach in Sachen des 1. Mai auch die Provinzen zu gleichlautenden Worten Ausdruck. Wehwalt muß ich bereisen. Wir müssen dazu bemerken, daß Herr Schippel mich nennen!" alle( allerdings sehr zahlreichen) Ansuchen, über den 1. Mai zu sprechen, seit dem Beginne des Streites jederzeit zurückgewiesen hat und zwar meist mit dem auswider drücklichen Bemerken: er traue sich, weil er Willen in der Sache Partei geworden sei, nicht zu, den Genossen so objektiv zu rathen, wie man das bei einem Referenten und dessen Einfluß voraussetzen müsse. * * " * Bum 1. Mai in Oesterreich. Die Wiener ,, Arbeiterztg." schreibt: Den bei den Firmen Felix Lande, Markusstraße 12, und Benno Samter u. Co., Schillingstr. 12, beschäftigten Wirkern und Wirkerinnen ist der 1. Mai als Feiertag freigestellt worden. Der 7000 Mitglieder zählende Allgemeine Metallarbeiter Verein feiert Nachmittags in der Vereinsbrauerei Rigdorf ein großes Vergnügen. Die Wirker beschlossen: Vormittags eine Versammlung ab= zuhalten und dann ein Vergnügen stattfinden zu lassen, die Kollegen Janz, Fromm, Kirschbach, Zenner, Steinberg wurden als Komitee hierzu gewählt. Die freie Vereinigung der im Vergolder- Gewerbe beschäftigten Arbeiterinnen hielt am 14. d. M. eine Versammlung mit einem Vortrag des Frl. Baader über Arbeiterkrankheiten und Verkürzung der Arbeitszeit ab. An der Diskussion betheiligten sich die Damen Bei dem Umstande, daß unsere Genossen die öfter- Frau Leuschner, Frl. Baader, Frl. Graeber, sowie die Herren reichische Arbeiterbewegung als einen Theil der deutschen hoben die Vortheile der Berkürzung der Arbeitszeit hervor und daß Niebergal und Treuherz. Sämmtliche Rednerinnen und Redner betrachten und in theoretischer Beziehung gewiß mit in diesem Sinne der 1. Mai ein Arbeiterfeiertag sein werde; die vollstem Rechte halten wir es für nothwendig, noch- Arbeit möge an diesem Tage ruhen, um denselben festlich zu begehen. mals unser Programm für den 1. Mai, hauptsächlich aber Der Militärschneider- Verein hielt am 15. April in Jordan's Salon eine Mitgliederversammlung ab mit der Tages- Ordnung: den Arbeiterfeiertag, näher zu erörtern. Denn von vorn 1. Vortrag des Herrn Wach über die Marr'sche Werththeorie. Alle herein gesagt: An dem Ruhetag des 1. Mai halten Anwesenden verpflichteten sich, am 1. Mat die Arbeit ruhen zu wir fest wie bisher. lassen und alle an der großen öffentlichen Berliner Schneiderver Warum? fammlung, welche am 1. Mai stattfindet, theilzunehmen. Der Abg. Schmidt- Mitweida beschwert sich über die Nachrichten in der Bourgeoispresse über die Konferenz der sozialdemokratischen Fraktion. Er schreibt in der Der Stadtver ordnete Zubeil äußerte nach den Blättern ,, Burgstädter Zeitung":" In der Freis. 3tg." wird nach Der Pariser Kongreß hat, wie bekannt, erklärt, die in der letzten großen Hutmacherversammlung: Leicht war es nicht einer Notiz des„ Berl. Tagebl."" behauptet, daß in der Art der Kundgebung sei in jedem Lande dessen besonderen für uns, die wir viele Nächte und Sonntage dieser Agitation geFraktionssitung der Sozialdemokratie in Halle sich die politischen Verhältnissen anzupassen. Wir thun aber nichts opfert, die jüngste Polemik in den Blättern lesen zu müssen. Ich Abg. Schippel, Schulze und Schmidt für die allge: anderes, wenn wir am 1. Mai nicht arbeiten, als diesem kann nun von dem einmal eingeschlagenen Wege nicht mehr ab= meine Arbeitseinstellung am 1. Mai ausgesprochen Beschlusse Folge leisten. Wir haben in der legten Nummer gehen und sehe den 1. Mai 1890 für Berlin als Feiertag an ( Lebhafter Beifall.) Die Versammlung dankte dem Redner unter haben. Diese dreiste Lüge kann nicht besser illustrirt schon erwähnt, daß es unter unseren Verhältnissen absolut brausendem Beifall durch Erheben von den Sizen und beschloß einwerden, als wenn wir bekunden, daß sich die drei Ge- nicht angeht, Arbeitern eine Petition zur Unterschrift vor- stimmig, den 1. Mai zu feiern. nannten nur für den Aufruf der Berliner Genoffen er- zulegen. In Bezug auf Versammlungen und Feste find klärten und die Freis. 3tg." hat doch selbst in ihrer letzten wir die denkbar ärmsten„ Hascherln". Nummer zugegeben, daß die Beschlüsse der Halleschen Kon- dürfte die Zahl der Versammlungen, die abgehalten werden ferenz Aehnlichkeit mit dem Berliner Aufruf haben. Da können, eine verhältnißmäßig geringe sein. Die Zigarrenfabrikanten wollen ev. auch den 2. und 3. Mai nicht arbeiten lassen, wenn am 1. Mai gefeiert wird. Voraussichtlich Die Nixdorfer Tischler feiern. Eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins Teltow- Beeskow beschloß zu feiern. Die Glaçéhandschuhmacher Berlins beschlossen Feiertag. Die Arbeiter der Firma Buzke u. Comp. beschloffen Feiertag. Die Steinbildhauer beschlossen, wie frühere öffentliche Bildhauerversammlung Feiertag( früh Versammlung, dann Ausflug). Die Maler( Filiale V) beschlossen zu feiern. Die Posamentiere wollen feiern. Die Goldarbeiter feiern. Sonstiges Deutschland. einer Heerschau nicht bedarf. Wir sind uns auch sehr wohl der Menschenopfer erinnern, welche von„ barbarisch" oder Faktoren bewußt, die es heute zu einem Ding der Unmöglichkeit kannibalisch" genannten Völker bereitet werden, an die machen, daß der Arbeiterfeiertag einen so gewaltigen Umfang an Schädel- oder Kopfhaut- Sammlungen wilder Häuptlinge. nehme, wie das sozialdemokratische Votum am 20. Februar. Am Wahltag, vor der Wahlurne, ist der wahlberechtigte Arbeiter sein Alles, was uns Angehörigen der kapitalistischen Welt die eigner Herrer fann, wo nicht flagrante Verlegung der geheimen Kohle spendet, enthält Atome zermalmter Menschen Stimmabgabe geübt wird, nach seiner Ueberzeugung stimmen. Und ſelbſt wo das Wahlgeheimniß zu brechen versucht wird, ist ihm das zermalmt von der Kohlenförderung im Dienste des rückBewußtsein, daß so und so Viele genau so stimmen wie er, und sichtslosen, grausamen Kapitals. , Uebertreibung!" rufen die Freunde der bestehenden Jm ,, Schuhmacher- Fachblatt" des Abg. Bock erscheint daß Gesetz und Recht auf ihrer Seite sind, in vielen Fällen eine folgender Aufruf:„ Kollegen! Keine Branche hat ein größeres In- Anfeuerung, nun doch seiner Meinung zu folgen. Am Wahltag Produktionsweise, die Nuhmredner aus Unwissenheit oder wird jeder Arbeiter berufen, seine Stimme abzugeben; es ist die teresse an der Verkürzung der Arbeitszeit, als wir Schuhmacher, Beit der allgemeinen Agitation- der erste Mai aber ist der Tag gar aus Eigennut;" Uebertreibung! Verheßung!" Wir aber halten diesen Leugnern zum Beweise unserer deshalb haben auch die Kollegen in einer großen Anzahl Städte der besonderen Agitation, nur die Arbeiter und diejenigen, die zu beschlossen, den 1. Mai, an welchem die Arbeiter aller zivilisirten ihnen halten, und nur die Arbeiter, die ihr Klasseninteresse gegen- Behauptung eine Thatsache entgegen, und diese Thatsache Länder für den achtstündigen Arbeitstag friedlich demonstriren, sich über dem Kapital begriffen haben, erkennen ihn an hier kann heißt: Bergarbeiter lunge. das Kapital seine ökonomische Uebermacht, die es heute daran zu betheiligen und den 1. Mai als Arbeiterfeiertag zu noch besikt, mit viel mehr Nachdruck geltend machen, hier ficherlich Ueber diese Thatsache verbreitet sich das betrachten. Die Feinde der Arbeiter lauern aber auf Strawalle, fallen die fleinen, die fleinlichen Umstände ins Gewicht, die Kette nicht sozialistische- ,, Berl. Tageblatt" in einem Feuilleton, welches den harmlosen Titel„ Naturwissenschaftliche deshalb laßt Euch nicht provoziren. Ruhig, ernst und würdig muß der Abhängigkeit, die dem Geist die Flügel knickt." die Kundgebung für den achtstündigen Arbeitstag verlaufen." ,, Das wissen wir, und trotzdem nein, grade Plaudereien" führt. " Die Bergarbeiterkrankheit so sagt der Verfasser, Die Hamburger Tabatarbeiter erklärten sich am 9. d. M. deswegen freuen wir uns, daß der Gedanke des tür Feiertag. Dabei entspann sich folgende Diskussion. Spießhofer Arbeiterfeiertags nicht absolut fallen gelaffen Wolfgang Förster ist der Tod in kleinen Dosen. Die beantragte, den 1. Mai als allgemeinen Feiertag zu begehen. wurde. Wir sind vor dem Verdachte gefeit, Verächter Bergarbeiterkrankheit ist allmähliche Verjauchung, Vergiftung W. Petersen empfahl, den letzten Passus aus der Resolution zu Eine häßliche Sache! Aber streichen, über allem möge man abwarten, welche Stellung die des allgemeinen Stimmrechts zu sein, wir haben zu allen und Auflösung der Lungen. Reichstagsfraktion unserer Partei in dieser Frage annehme. In Zeiten die Bedeutung dieser Waffe für den Befreiungs- fie wird hübscher durch einen hübschen Namen. Wenigstens gleichem Sinne spricht Förster sich aus. Spießhofer erklärt, daß kampf der Arbeiter voll anerkannt und gewürdigt. Aber unverständlicher. Die Wissenschaft nennt sie Anthrakose. keiner der von den Vorrednern erhobenen Einwände ihn veranlassen wir haben uns nie Illusionen darüber hingegeben, nie Das klingt nach was, und man denkt sich nichts dabei. würde, den wesentlichen Theil seiner Resolution fallen zu lassen. Die Stellung der Reichstagsfraktion fönne für ihn in dieser Frage Illusionen darüber genährt, daß das allgemeine Vor einem kartellistischen Grubenbaron wollen wir also nicht maßgebend sein. Gegenüber der intelligenten, mächtigen Stimmrecht nicht Alles kann. Es ist eine gute Waffe immer höflichst von Anthrakose sprechen. Arbeiterschaft Hamburgs würden die Drohungen der Unternehmer im Befreiungskampf der Arbeiter, aber es ist keine all- Das Ende dieser Krankheit ist dieses, daß die Athmungsnichts verfangen. v. Elm glaubt, daß die stattgefundene Diskussion mächtige, es ist auch nicht die einzige Waffe. Der rechte wege des Patienten ungefähr so aussehen wie eine bei den organisirten Arbeitern Hamburgs jeden Befremden erregen werde. Alle Gewerkschaften hätten sich für eine Feier des 1. Mai Kämpfer aber muß in allen Waffen geübt sein. Und schlecht gereinigte Ofenröhre oder ein lange nicht erklärt; welches Recht hätten wir, eine Sonderstellung einzunehmen? darum ist es gut, daß die deutschen Arbeiter, die die eine gefegter Schornstein. Resultat: die Flamme erlischt, Weshalb auf die Reichstagsfraktion Bezug nehmen? Diese hätte Waffe so gut zu handhaben verstehen, sich nun auch einmal die Flamme des Lebens. zu müssen. Nach einer Polemik zwischen Förster und W. Petersen damit eine schon längst reden fönnen, wenn sie geglaubt hätte, Stellung nehmen in einer andern üben. Möglich, daß sie nicht gleich Man hat die Lungen in verschiedenen Altern geNach einerseits und v. Elm und Schuhmacher andererseits verwarf die das erste Mal darin Glänzendes leisten, aber das storbener Grubenarbeiter tausendfach untersucht. Versammlung die von Elm beantragte Bertagung der Abstimmung. macht nichts; sie werden mit der Zeit es auch darin zu zehnjähriger regelmäßiger Arbeit auf dem Grunde einer Hierauf wurde die Resolution Spießhofer mit erheblicher Majorität etwas Drdentlichem bringen. trockenen Mine färben sich die Lungen braun, nach zwölf angenommen. Denjenigen unter den deutschen Arbeitern nun, die Jahren dunkelblau, nach sechzehn Jahren blauschwarz Die Hamburger Vergolder, Goldleiſtenarbeiter u. s. w. be- auch diesmal schon den ersten Mai als Feiertag zu und nach zwanzig Jahren gleichen sie einem von schlossen Feiertag. Die Stettiner Metallarbeiter beschlossen in öffentlicher Ver- begehen Willens find, erwächst große Tinte vollgesogenen Schwamm. sammlung Feiertag. Aufgabe, aber wir zweifeln keinen Augenblick, daß sie Zwanzig Jahre sollte die äußerste geduldete Grenze Magdeburg, 18. April. Eine heute abgehaltene Arbeiterver- fich derselben bewußt und entschlossen sind, ihr in jeder der Grubenarbeit sein. ſammlung beschloß als Kundgebung zum 1. Mai Volksversamm- sich lungen und Volksfeste zu veranstalten. Weise gerecht zu werden. Es gilt vor Allem den Feiertag, Nach zwanzig Jahren nimmt der aufgespeicherte und Braunschweig, 19. April.( Boff. 3tg.") In einer gestern den sie sich selbst gegeben haben, sich durch nichts ent- festgesette Kohlenstaub in den Lungen fast schon abgehaltenen, nach Tausenden zählenden Volksversammlung erklärten weihen zu lassen wir wählen mit Absicht diesen Ausdruck. eben so viel Plaß ein, wie das lebende Gewebe. sich die Maler, Schneider, Schuhmacher, Stellmacher, Tischler, Nicht allein das Epithel der Bronchien und der GeZimmerer, Bauarbeiter, Tapezierer, Böttcher, Metallarbeiter, Dach Je höher ihnen der Gedanke des Feiertags der Arbeit decker, Töpfer, Hutmacher, also alle Gewerke, betreffs der Kund- steht, um so mehr müssen sie ihn als einen Weihetag fäße, sowie das Brustfell ist befallen, sondern auch die gebungen für den achtstündigen Arbeitstag solidarisch mit den Be- betrachten und hochhalten. Es wird sich nicht nur Bellsubstanz( das Parenchym) der Lungen in ihrer ganzen schlüssen des internationalen Arbeiterkongresses in Paris und be- darum handeln, etwaigen Provokationen keine Folge zu Ausdehnung und Dicke. schloffen, am 1. Mai zu feiern oder wenigstens Abends Festlich geben, sondern auch darum, den Feinden der Arbeiterfache Mir ist es begegnet, erzählt ein in Bergwerksgegenden keiten und eine Volksversammlung zu veranstalten. In Erfurt beschloß man:" Am Nachmittag ist Umzug, jedoch gar keine Gelegenheit zu Provokationen zu geben. praktizirender Arzt, daß ich so mit einem Traueranzug nur für den Fall, daß die Zahl der Theilnehmer die Ziffer 1000„ Und es wird sich ferner darum handeln, Alles zu bekleidete Lungen in Stücke geschnitten, durchgeknetet lungen bleiben." Von einem gleichfalls geplanten Ausfluge wurde vermeiden, was unsere Gegner in die Lage bringen könnte,( malayirt), stundenlang in Wasser gewaschen, in Alkohol den Arbeiterfeiertag zum Gegenstand des Spottes zu und kochendem Aether ausgelaugt habe und doch nicht die Eine Volksversammlung in Leipzig fonnte zu feinem be- machen. Wer zur Vorhut gehören will, übernimmt doppelte natürliche Farbe wieder erlangen konnte. So war das stimmten Beschlusse kommen, fie wählte eine Komitee, stellte es aber Pflichten. Ruhig und selbstbewußt, in heitrer Siegeszu- ganze Gewebe vom Kohlenstaub durchdrungen. Thut man jedem frei, fich früh, mittags oder abends an etwas zu betheiligen. verficht, mögen die zum Feiern entschlossenen Genossen den aber ein Stück solcher Lungen in ein Kohlenfeuer, so einen Antrag einstimmig angenommen, welcher in Ausführung der Tag der Arbeit" in der Weise begehen, die ihnen am brennt es wie Kohle und mit derselben Flamme. Das Lungengewebe wird mit Kohlenstoff förmlich Beschlüsse des vorjährigen internationalen Arbeiterkongresses in würdigsten erscheint: durch Ausflüge in die freie Natur, erreichen sollte. Sonst soll es bei den abendlichen Volksversammabgesehen. Der deutsche Zimmererkongreß( 7.- 9. April) in Gotha hat Die Kölner Metallarbeiter wollen feiern. " Baris den 1. Mai als Feiertag erklärt und zur Durchführung durch Besuch der Museen und Gallerten denn es wird gesättigt, und die Folgen dieser Infiltration sind: Lungendieſer Maßregel das Programm der Berliner Arbeiter den deutschen sich ja vorzugsweise um Bewohner der großen Städte katarrh, Emphysem( Lungenbläschenerweiterung), akute Zimmerern empfiehlt. handeln aber keinen Augenblick den hohen Zweck außer Anämie( Blutleere), Abzehrung, Marasmus, Blutspeien, Der deutsche Tertilarbeiter- Kongreß trat- wie wir nach Augen lassen, dem sie dieses Opfer bringen. Keine Pro Fieber, Herzstörungen, kurz, die deutlichsten Symptome holen ebenfalls für den Feiertag ein. -wenn der einer lebensgefährlichen Lungenaffektion. Die Lugau- Delsniger Kohlenwerke beschlossen auf Grund einer votation, keine Szenen des Uebermuths Die bedrohliche Wendung wird durch einen Warner neueingeführten Arbeiterordnung die am 1. Mai wegbleibenden Tag der Arbeit einen Sinn haben soll, dann muß er Arbeiter mit Geldstrafe von 1-3 Mt. zu belegen. uns höher stehen als jeder andere im Jahr. angezeigt. Sowie ein Grubenarbeiter anfängt schwarz Die Solinger Maurer stellen Feier frei. " Das gilt übrigens für alle auch für die, welche zu spucken heißt das: Halt! Mit deiner unterirdischen Die Schneider in Gera wollen den 1. Mai zum Feiertag nur den Nachmittag oder den Abend des ersten Mai zu Maulwurfsarbeit sei es vorbei! Deine Lungen haben machen und Vormittags eine öffentliche Volksversammlung, am Nach- feiern gedenken. Wir wiederholen, es wird nicht möglich schon begonnen, in Verschwärung überzugehen, jezt mußt mittage einen Ausflug veranstalten. Lübed. In einer zahlreich besuchten Versammlung von sein, der Demonstration den Umfang zu geben, den die du ohne Zögern deine Lebensweise ändern und deine Tage Schneidern, Schneiderinnen und Näherinnen wurde beschlossen, am des 20. Februar gehabt; was ihr in dieser Hinsicht noch in reiner Luft zubringen!" 1. Mai nicht zu feiern. Nach zwanzig Jahren( d. h. also, wenn die Lunge Liegnis, 20. April. Die Vorstände verschiedener Arbeiter- abgeht, muß durch die ganze Art der Feier ersetzt werden. vereine beschloffen in gemeinsamer Sigung, am 1. Mai um 4 Uhr Erfülle sich daher ein Jeder mit dem Gedanken: das ein Stück schwarze Kohle geworden ist) sou der Bergmann Wahlrecht ist den deutschen Arbeitern gegeben worden, aufhören zu arbeiten. So räth Herr Wolfgang Förster. Nachmittags die Arbeit einzustellen. Eine große Münchener Vergolderfirma ließ bei dem Personale der Wahltag wird von oben bestimmt, der erste Mai aber Dann, wenn er schwarz spuckt, soll er seine Lebensweise eine Liste umgehen zur Einzeichnung jener, die am 1. Mai feiern ist ein Festtag, den sich die Arbeiterklasse selbst giebt ändern! wollen; bei größerer Betheiligung sei die Firma einverstanden, den vorausgehenden Sonntag mit dem 1. Mai zu vertauschen. Die ein Feind der Arbeiterschaft, der die Weihe dieses Arbeiter erklärten einstimmig ihre Zustimmung und unterzeichneten Tages stört." sofort die Liste. Der 1. Mai wird dort gefeiert in größter Eintracht. Sozialistische Spaziergänge. und Der Bergmann lächelt bitter über diesen weisen Rath arbeitet weiter seine staubige Maulwurfarbeit. " Das ist die Liebe des Bergmannes zu seinem Beruf, seinen poetischen Beruf, den er in zahlreichen Liedern preist," so redet der Bürger im stolzen Bewußtsein seiner Bolkskennerschaft. In einer öffentlichen Versammlung der an der Straßeneisenbahn beschäftigten Handwerker Hamburgs am 10. d. M., entspann B. W. Auf dem schwarzen Wege, welcher zur großen fich eine lebhafte Debatte über den 1. Mai. Hierauf wurden von allen Depots die Einzelnen befragt, wie die Meinung vorherrschend Zuckerfabrik führt, liegen Stückchen Steinkohle. Sie fielen Und abermals lächelt der Bergmann bitter und sei und alle erklärten, am 1. Mai zu feiern, nur die Wandsbecker von den hochbeladenen Wagen, deren Karawane jest in spuckt schwarz. Er und seinen Beruf lieben, diese schwere, wären unter sich noch nicht einig. Die Hamburger Schneider beschlossen, am 1. Mai alle Arbeit den Hof der Fabrik einbiegt. Hier erhebt sich ein ge- harte Arbeit in Finsterniß, Staub und dumpfiger Schwüle, waltiger schwarzer Berg der Kohlenvorrath des Be- dieses lungenmodernde und augenblicklichen Tod drohende Die Wandsbecker Maurerarbeitsleute beschlossen, den ganzen triebes. Die tiefe Schwärze, die Vorstellung von der un- Wühlen für die Geldsäcke der Herren Aktionäre! Tag die Arbeit ruhen zu lassen. Einfältiger und selbstsüchtiger Bürger! Lies nicht die Die Hamburger Buchbinder erkannten den 1. Mai als Arbeiter geheuren Last, der trockene, regellos zerbröselte, zum Theil staubartige und an Erstickung gemahnende Stoff, die ge- Bergmannslieder des Romantikers Novalis, sondern steck In einer von 900 Kollegen besuchten Versammlung der schwärzten, stummen und stumpfblickenden Arbeiter, welche die Nase in Zolas„ Germinal"; da kannst du sehen, wie Schmiede, Kessel- und Schiffsschmiede u. f. w. Hamburgs sprach ihre quietschenden Karren die zum Gipfel des Berges schwarz geſpudt wird. ruhen zu lassen. feiertag an. " fich Herr Theiß energisch gegen die jeßige rückläufige Bewegung und führende Bretterbrücke hinanschieben, das Herabrieseln und Und du, Aktionär, stelle auf deinen Geldschrank vier gegen die Artikel des Werftarbeiter" und des„ Wähler" aus. Nach Schollern des Staubes und der Brocken, der Gedanke an Glasgefäße, welche in Spiritus eine braune, eine dunkelfurzer Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heute bei Wendte tagende öffentliche Versammlung der Schmiede, die kolossale Kraft, welche hier in gebundener Verfassung, blaue, eine tintenschwarze und eine verkohlte Lunge entSteffel- und Schiffsschmiede, Nieter und der auf Bau beschäftigten in Spannung, aufgespeichert wird und welche tausend halten, mit der Beischrift:" Das sind die Kulturblüthen Schmiede beschließt, zur Demonstration für den achtstündigen Ar- Pferde an Stärke übertrifft das alles hat etwas Un- des neunzehnten Jahrhunderts, die Errungenschaften der beitstag den 1. Mai als Feiertag zu begehen." heimliches. Das Gemüth ist unsicher; es weiß nicht, was kapitalistischen Produktion, des freien Spiels der privates von dem Charakter dieses schwarzen Ungethüms halten wirthschaftlichen Kräfte; das sind die Belohnungen eines soll; es schwankt zwischen Verehrung und Abscheu. derjenigen Stände, welche die Unterlage einer höher entEinerseits ist die Kohle eine Quelle des Lebens: fie wickelten Volkswirthschaft bilden!" Der„ Sozialdemokrat" und der 1. Mai. bereitet Nahrung und Kleidung, befördert Lasten, trägt Der Londoner Sozialdemokrat" behält auch jetzt uns hurtiger als das schnellste Roß, erwärmt, erleuchtet Politisches. Ausland. Bern. Sämmtliche Arbeitergewerkschaften beschlossen, am 1. Mai Nachmittag die Arbeit einzustellen. und bewerkstelligt blißschnelle Meldungen. Andererseits seine objektive Haltung bei. Nach einer kurzen Einleitung, aber ist sie eine Quelle des Todes. Dieser schwarze Die Köln. 3tg." meldet nunmehr positiv, daß die uns allerdings die Schwierigkeiten der jezigen Lage Borrath im Hofe der Fabrik kann sich vor den Augen des„ die Regierung beschlossen, von einer Einbringung des zu unterschäßen scheint, fährt er fort: „ Wir sind vollständig damit einverstanden, daß die deutsche in die Kohlenproduktion eingeweihten Arbeiterfreundes ver- Sozialistengesezes abzusehen"; demnach würde das Sozialdemokratie nach ihrem glänzenden Sieg vom 20. Februar wandeln in einen Haufen Menschenasche, kann an die Sozialistengesez unerneuert erlöschen. Genosse Fritz Herbert- Stettin verließ am Sonntag voriger Woche wieder das Gefängniß. Seine Rückkehr war ein wahrer Triumphzug. Die Stätte, wo Laffalle die Todeswunde empfing, ist durch einen einfachen Denkstein bezeichnet worden. Eine öffent liche Feier mußte auf Wunsch des Eigenthümers der Waldwiese, auf welcher das Duell stattfand, unterbleiben. Ueber die Krankenversicherung im Jahre 1888 ist soeben amtlich ein vorläufiger Bericht erschienen. Daraus dürfte das Folgende hervorzuheben sein: Pickenbach in der Weise aus, daß er dem geschäftsun- Pegau. Am 14. April legten fast sämmtliche Schuhmacher kundigen Bedrängten eine sichere Hypothek von 5000 Mt. der Pegauer Filzwaarenfabrik von Ferd. Fischer die Arbeit nieder. Die Forderungen bestehen in einer Lohnerhöhung, welche 20 Prozent für 3150 Mt. abnahm. Und dieser Mann gehört jetzt nicht übersteigt und Abkürzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden beeiner Partei an, die ins Leben getreten ist, um vor allem ziehendlich 1% stündige Mittagspause. Kollegen unterstüßt uns in unserem gerechten Kampfe. Wir den Wucher zu bekämpfen, freilich den jüdischen Wucher. Das kann Herr Pickenbach mit gleichem Recht wie ja ersuchen, Zuzug strengstens fern zu halten, besonders da Fabrikant mit gleichem Recht wie ja Fischer in Berlin schon Arbeiter gesucht haben soll. Anfragen u. s. w. auch Herr Böckel sich berufen fühlt, für christliche Sittlich- find zu richten an Richard Förster, Breitestr. 187. keit einzutreten; er hat bekanntlich ein Dienstmädchen ver- Sozialdemokratischer Lese- und Diskutir- Klub Vorführt, ließ sich auf die Alimente verklagen und betraute wärts tagt jeden Mittwoch, Abends 82 Uhr, im Lokal Pohland, Der Umfang des Personenkreises, auf den sich die dann zartfühlend mit seiner Vertheidigung die eigene junge Naunynſtr. 83. Gäſte, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. gefeßliche Organisation der Krankenversicherung erstreckte, Frau. Nimmt man noch Herrn Stöcker hinzu mit ſeinen daß der 1. Mai im„ Moabiter Schüßenhaus" in Plößensee ge= war im Jahre 1888 noch im wesentlichen derselbe wie in Eidesschwierigkeiten, so hat man ein parlamentarisches feiert wird. den Vorjahren; er bestand in der Hauptsache aus den Musterkleeblatt beisammen. Diese drei Männer mit ihrer Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstr. 38, Sonntag den ,, industriellen" Arbeitern, denn von den land- und forst- wirthschaftlichen Redlichkeit, ihrer sittlichen Reinheit und 27. April, Vorm. 10 Uhr Vortrag des Herrn Dr. Konrad Schmidt wirthschaftlichen Arbeitern war im Jahre 1888 erst ein ihrer Gewissenswahrhaftigkeit sind gewiß geeignet, im über:" Die Entstehung der Religion." Gäste sehr willkommen. Versammlung der Freien Vereinigung der Zimerer kleiner Theil zur Krankenversicherung herbeigezogen; für Namen des Antisemitismus die höchsten Güter des deutschen Berlins am Sonntag, den 27. April, Vormittags 10½ Uhr, in den größeren Theil der Arbeiter dieser Kategorie treten Volkes zu vertheidigen". So sieht bei uns der parla- Feuersteins Salon, Alte Jakobstr. 75. Tages- Ordnung: 1. Ist Und noch eines ist ein Streit der Berliner Zimmerer, bei der jetzigen Lohnbewegung erst im Jahre 1889 die Bestimmungen des betreffenden mentarische Antisemitismus aus. der Zimmerer Deutschlands erfolgreich durchzuführen? Referent Gesezes in Kraft. Somit berechnet sich die durchschnittliche charakteristisch: Herr Pickenbach mit ſeiner Vergangenheit A. Bringmann-( Magdeburg). 2. Die Stellung der Zimmerer Zahl der die Krankenversicherung unterworfenen Personen konnte nur dadurch zum Siege gelangen, daß für ihn ein Berlins zum 1. Mai. 3. Verſchiedenes. Jeder Zimmerer iſt für das Jahr 1888 auf 5398 478, und zwar ver Theil der National liberalen des Kreises die Stimme willkommen. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der am 2. und 3. Pfingstfeiertage in Halle a. d. theilten sich dieselben auf die einzelnen Kaffenarten folgen: abgab. Saale stattfindende Schmiedetag hat vorläufig folgende dermaßen: Tagesordnung: 1. Die Lage des Schmiedegewerks. 1. Gemeinde- Krankenversicherung 2. Orts- Krankenkassen. 3. Betriebs- Krankenkassen 4. Bau- Krankenkassen 5. Innungs- Krankenkassen 6. Eingeschriebene Hülfskaffen 7. Landesrechtliche Hülfskaffen. der Knappschaftskassen. +> 770 959, 2 220 731, 1434 667, 28 627, 55 428, 745 171, 142 895. " Der Redakteur dieses Blattes, Abg. Max Schippel, ist wegen Verächtlichmachung der Sozialreform zu nenn Monaten Gefängniß verurtheilt. Sofortige Haft ist abgelehnt. Gewerkschaftliches, Vereine. An alle Arbeiter Deutschlands! Genossen! Seit dem 15. d. Mts. liegen zirka 750 Schrauben- Facondreher und Berufs2. Unsere Organisationen und deren Hindernisse. 3. Welche Mittel stehen uns zur Verfügung, dieselben zu beseitigen. 4. Organfrage. An solchen Orten, wo es unmöglich ist, die Kosten Dazu kommen dann noch etwa 400 000 Mitglieder genoffen Berlins im Streik. Unſere Forderung, 9 stündige Arbeit für einen eigenen Delegirten aufzubringen, thut man am zeit und 10 pct. Zuschlag wurde nicht bewilligt. Die Prinzipale Der Gesammtaufwand den die angeführten sieben veröffentlichen in einem Flugblatt an ihre Kunden, daß alle Ver- besten, in einer öffentlichen Schmiedeversammlung den Kassenarten für Krankenpflege- ohne die Rücklagen fuche zu einer Einigung an der Hartnäckigkeit der Arbeiter gescheitert Beschluß zu fassen, sich durch einen Halleschen Kollegen feien. Wir erklären hiermit, daß seitens der Prinzipäle auf unsere vertreten zu lassen. Kollege A. Erfurt in Halle a. S., zum Reserve fonds und die Verwaltungskosten im Buschrift bis heute noch keine Antwort erfolgt ist. Nun Arbeiter! Jahre 1888 geleistet haben, betrug für 29 528 770 Strank- Erschwert uns den Kampf nicht unnöthig, haltet den Zuzug von Brunos Warte 19, wird alle derartigen Aufträge, die ihm heitstage 61 561 484 Mt., und zwar kommen durch- Schlosser, Mechaniker, Gürtler, Knopfmacher 2c. fern. Denn viele brieflich zugehen, bereitwilligst erledigen. Nothwendig ist Arbeiter der benannten Korporationen find den Verlockungen der auch, daß alle Delegirte die Anzahl der Kollegen, durch schnittlich auf 1 Versicherten: Fabrikanten gefolgt und verzögern uns den Kampf. Darum appelieren welche sie gewählt wurden, sich vermerken. Mit Gruß wir an das Solidaritätsgefühl aller Arbeiter, haltet den Zuzug E. Hilmer. Düsternstr. 4. Zur Zeit Vertrauensmann der fern, unterstüßt uns moralisch und materiell, so ist der Sieg in bei der Gemeinde- Krankenversicherung den Orts- Krankenkassen den Betriebs- Krankenkassen den Bau- Krankenkassen. den Innungs- Krankenkassen den eingeschriebenen Hülfskassen. den landesrechtlichen Hülfskassen allen Kassen zusammen. 6,8 Mr. furzer Zeit der Unferige. Die Kommission. Sendungen sind zu Schmiede Deutschlands. richten an G. Rothwald, Naunynstr. 28, v. IV. Tage Krankheits- KrankheitsKosten 4,0 • 5,3 10,5" 5,9 14,7 " 8,3 16,5 " 8,5 " 6,5 12,4 " 6,5 12,3 " 1000 Personen beiderlei Geschlechts. In beiden Versammlungen 5,5 11,4 " Langenbielau. Am Sonntag, den 30. März, sprach Frl. Chaym in einer Versammlung, welche von 500 Frauen besucht war. Dies war die erste Frauen- Versammlung in Schlesien. Abends war eine Textil- Arbeiter- und Arbeiterinnen- Versammlung von Zur Beachtung! Unsere auswärtigen Abonnenten dringen darauf, daß ernotete Rednerin ungetheilten Beifall. Niemand hatte solch eine ge- bie Berliner Bolts- Tribüne" bereits Donnerstag Abend In Gießen ist der antisemitische Kandidat Pickenbach wandte Ausführungsweise vermuthet; was den Franen bisher ungewählt worden. Diese Wahl bietet nach der Nation" möglich erschien, verstand Rednerin so zu beweisen, daß an einen redaktionell abgeschlossen werde, damit Freitag Morgens die insofern ein besonderes Interesse, weil sie die Veranlassung Widerspruch nicht zu denken war. Es wurden etliche Reſolutionen Ablieferung zur Post beginnen könne. angenommen, welche aussprechen, daß sich die Frauen und Mädchen gewesen ist, die Vergangenheit des Herrn Pickenbach schärfer in die Kampfesreihen der Männer zu stellen haben und daß der zu beleuchten. Bei dieser Untersuchung ist nun doku- 1. Mai als Feiertag zu erklären sei. Auch wurde beschlossen, den mentarisch festgestellt worden, daß der nunmehrige Reichs- geplanten Tertil- Arbeiter- und Arbeiterinnen- Verein zu gründen. tagsabgeordnete in ein Geschäft verwickelt gewesen ist, das Mit einem donnernden Hoch auf die Arbeiter- Bewegung aller Länder wurde diese imposante Versammlung geschlossen. alle Kriterien des schändlichsten Wuchers unzweideutig In Gera-( Renk) sind die Weber ausgesperrt. 4000 find aufweist. Die Nothlage eines Geldsuchers beutete Herr brodlos. Zuzug ist fern zu halten. Fachverein der Tischler. Sonnabend, den 26. April, Abends 8 Uhr, in Jordan's Salon, Neue Grünftr. 28. Beschliessende Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Anträge, Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes, Fragetaften. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Der Bevollmächtigte. Fachverein für Schlosser und Maschinenbauarbeiter Berlins und Umgegend. = Achtung, Maurer! Wir bitten darum alle Vereine und Einsender, uns möglichst bis Donnerstag Mittag alle Annoncen, Vereinsanzeigen ze. zugehen laffen zu wollen. Redaktion der Berliner Volks- Tribüne." Die Verkehrslokale, in denen die Vertrauensleute freiwillige Beiträge zum Generalfonds entgegennehmen, befinden sich bis auf Weiteres an folgenden Stellen: ( W. Kerstan, kassirt bei E. Schmidt, Skalitzerstr. 61, Keller. Rosenthal, Metzerstr. 28. 1. SO. 2. ( G. Raschke, Waldemarstr. 61, Keller. " 3. 0. ( E. Gröppler, bei Hinze, Krautstr. 42. " 4. ( K. Schulz, 97 33 Böhl, Rüdersdorferstr. 8, Keller. 5. ( H. Schigolsky," N. " 6.( K. Markowsky," Bath, Gerichtstr. 19. " 7. W. 8. ( F. Pinkowsky," ( A. Bieneck, 9. S. H. Klingenberg, " 99 Behland, Bülowstr. 52. Zechlin, Hornstr. 11. " 10. C. K. Lehmann, Grafunder, Schwerinstr. 9. Kuhlmey, Neue Friedrich- u. Rosenstr.- Ecke. 11. Moabit. Wilh. Milling. Sonnabends bei Holzbäcker, Rathnowerstr. 89 Montags bei Vieck, Birkenstr. 24. NB. Wir weisen nochmals auf den Antrag der Versammlung vom 10. April( Buggenhagen) hin, welcher besagt, dass ein jeder in Berlin arbeitende Maurer bis auf Weiteres pro Woche 50 Pf. zum Generalfonds beizusteuern hat. Es werden aber die Gelder nur in den betreffenden Lokalen entgegengenommen, nicht Geschäftsstunden sind jeden Sonnabend und Montag, Abends von 8-10 Uhr. Es wird gebeten, Obiges in den Baubuden vorzulesen. Montag, den 28. April, Abends 82 Uhr, im mehr in den Wohnungen, wie bisher. ( Lokale des Herrn Zempter, Münzstr. 11 außerordentliche General Versammlung. Tages Ordnung: = 1. Erhöhung der Beiträge. 2. Stellungnahme zur Wahl einer WerkstellenKontroll- Kommission. 3. Verschiedenes und Fragekasten. 4. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht sämmtlicher Mitglieder, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Gr.öffentl. Versammlung der Lohgerber und Zurichter, fowie alle in dieser Branche beschäftigten Arbeiter Berlins am Sonnabend, den 26. April, Abends 81/2 Uhr, bei Bözow's, Vor dem Prenzlauer Thor. Tages- Ordnung: Achtstundentag und Schade. Oeffentliche Versammlung Allen Herrn Interessenten zur gefälligen Nachricht! Da die Protokolle vom deutschen Wirkerkongreß und Textilarbeiter Delegirtentag fertiggestellt sind, empfehlen wir solche den geehrten Interessenten zur Anschaffung. Wiederverkäufern Preis 20 Pf. Rabatt. Wir ersuchen Bestellungen umgehend an Herrn Karl Haupt, Schulbergstr. 11 Apolda( Thüringen) gelangen zu lassen. Die Kongreskommission. Allen Freunden und Genossen zur Kenntniß, daß mein ZigarrenGeschäft am 1. Mai des internationalen Feiertages halber, geschlossen bleibt. d. Zimmerleute Berlins u. d. Umgegend Mufik Dienstag, den 29. April, in Gratweil's Bierhallen. Kommandantenstr. 77/79. Tages Ordnung: 1. Wie stellen sich die Zimmerleute zu d. Beschluß d. letzten Meisterversammlung. 2. Verschiedenes. Der Einberufer. Frik Voh, Moabit, Birkenstr. 59. zu allen Festlichkeiten( Konzerten Tanzvergnügungen 2c.) stellt in jeder Besetzung Georg Schonert, Musiker, Elisabethkirchstr. 7, H. p. r. b. Thier. Große öffentliche Tischlerversammlung Die Thüringer Tribüne vertritt in politischer, wirthschaftlicher und gewerkschaftlicher Beziehung am Donnerstag, den 1. Mai 1890, Vormittags 912 Uhr, im Lokale Sanssouci, in entschiedenster Weise. Dieselbe erscheint wöchent= Kottbuserstraße 4a. Tages Ordnung: = Die Bedeutung des 1. Mai und die Arbeiterbewegung. Referent Theodor Glocke. Einberufer: Albert Müller, Große Versammlung lich zweimal. In ihrer Rubrik„ Aus Thüringen" beleuchtet dieselbe speziell das Streben und Wirken des werkthätigen Voltes Thüringens. Jede Postanstalt nimmt Abonnements zum Preise von 1 Mark vierteljährlich entgegen. Im gleichen Verlage erscheint die ,, Reußische Tribüne" und das ,, Nordhäuser Volksblatt", welche im zweiten Nachtrag der Postzeitungsliste eingetragen werden und zu den gleichen Be1. Referent Herr Ghabe, die Feier am 1. Mai. des Berliner Arbeiter- Bildung- Vereins bingungen zu beziehen find. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellerfammlung statt. Erscheinen aller ist Ehrensache. Der Einberufer. A. Schwart. Eine Schlafstelle zu vermiethen, bei Frau Gngelhardt, Görligerstr. 70, 1. Hof 3 Tr. am Donnerstag, den 1. Mai, Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Lehmann, Schwedterstr. 24. Tages Ordnung: = 1. Wie stellen wir uns zu den Beschluß der Pariser Kongresses, betreffs Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht jedes Mitgliedes ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. J. A.: T. Koasch. Der Verleger. Erfurt. Karl Schulze. Sozialdemokratischer Leseklub ,, Lessing." Jeden Montag, Abends 9 Uhr, Markusstr. 6. ( Restaurant Spiekermann). Berantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin.- Druck und Verlag: F. Posekel, Berlin 8. O., Dranienstraße 2. Vorlesung und Diskussion. Ifiihit pt berliner Uolks Tril»üne. Jii 17. Sonnabend, den 26. April 1890. IV. Jahrgang. IN achdruck ncrdoten.) Eristenxen. Von John Henry Mackay. Er fuhr fort, und seine Stimme wurde wieder wärmer und tiefer. —„Ich habe sie gekannt, wie sie nie ein Anderer kannte. Ich bin— ich muß es immer wiederholen— auch der Einzige gewesen, der sie verstand, wohl weil nur ich mir die Mühe gab, sie zu verstehen. Für mich war es keine Mühe, nur Freude. Wenn wir uns geliebt hätten, wäre diese Freude zu einer bangen Qual geworden. So trat sie nie meinen Wünschen entgegen. So lhöricht waren wir Beide nicht, auch nur einmal daran zu denken, wir Beide könnten zurück. Wir mußten weitergehen— immer hinunter— immer tiefer-- „Einmal muß es ja doch kommen," sagte Hedi eines Abends zu mir, als sie auf meinem Zimmer war, und Zigaretten rauchend in meinem alten Lehnstuhl lag— „einmal ist es fertig mit unserer Kraft. Oder glaubst Du, daß wir alt werden, Paul?" Ich konnte ihr Nichts antworten. Da wurde sie böse. „Laß doch endlich Deine langweiligen Bücher in Ruhe", rief sie und stampfte mit ihrem kleinen Fuß auf.„Wir müssen doch gleich fort." Ich stand auf und stellte mich lächelnd vor sie hin. Sie war entzückend, wie sie so da saß. Aber ich war blind. Ich sah nur immer noch den guten Kameraden in ihr. „Nächstens gehe ich zu Direktor S., und bitte ihn, Dich Probe singen zu lassen. Dann kommst Du aus dem Loch heraus." „Und Du?" „Ich bleibe in meinem Loch." „Nein, dann mußt Du mit." „Vielleicht als Komiker?!" „Ach was, dann verdiene ich so viel, daß wir Beide davon leben können." „Du bist ein Phantast, Hedi." „Ja, ich bin ein Kind, Du alter Großpapa," lachte sie,„ein Kind— und das bin ich doch eigentlich nie ge- wesen..." Sie konnte zuweilen schwermülhig werden, und ich suchte sie dann um jeden Preis aufzuheitern. Aber heute wollte es mir nicht gelingen. „Doch Hedi, Du bist immer ein Kind gewesen!" Sie sah mich an mit ihrem seltsamen, forschenden Blick, in dem etwas von jenem Mißtrauen lag, welches sie gegen Jeden erfüllte. Sie hatte es sogar mir gegenüber noch nicht ganz verloren, und ich sah es oft, ganz unvermuthet, bei ihr hervorbrechen, und stets, wenn ihr etwas Neues in den Weg trat. Aber es schwand mir gegenüber auch sofort wieder. „Gieb mir noch eine Zigarette, Paul." Sie rauchte leidenschaftlich gern und viel. Dann lehnte sie sich wieder zurück und wieder lag der Schatten der Schwermuth über ihrem lieblichen, seinen Gesicht. Ich stand noch immer vor ihr. „Ja, wir führen ein jämmerliches Dasein, Paul. Und wir können nicht heraus. Wir kommen nur immer tiefer hinein. Ich habe mich so lange gewehrt, so lange — aber einmal, da ist es doch zu Ende. Und wenn ich einmal gefallen bin—", und ein heißes Zucken ging über ihr Gesicht,„dann aber auch ordentlich! dann muß es schnell zu Ende sein!" So hatte sie noch nie gesprochen. „Meine kleine Hedi, du übertreibst. Du wirst noch einmal einem Mann seine liebe Frau." „Paul, werde nicht albern!— Du lügst ja"— schrie sie auf,„Du lügst ja! Du weißt, wie elend wir Alle sind, und Du führst solche Reden!" Jede Andere hätte geweint. Aber sie konnte nicht mehr weinen. Der Jammer ihrer Kindheit hatte alle ihre Thränen aufgesogen. Sie warf ihre Zigarette fort und sprang auf. „Laß uns gehen", sagte sie hart. Als wir aber aus der Straße waren, hatte sie all ihren Leichtsinn und ihre Unverwüstlichkeit wieder,, und „immer lustig, immer munter, denn die Hedi geht mcht unter—" sang sie vor sich hin. Den Abend spielte sie, wie ich sie nie gesehen habe. Fortwährend kleidete sie sich um und ich mußte ihr ihre Lieblingsstücke spielen. Sie hatte Erfolg. Blumen aus Blumen wurden ihr zur Bühne hinausgeworfen. Sie legte sie alle lächelnd bei Seite. Ich fürchtete schon, sie würde heute Abend eingeladen. Aber es war Sommer, und da hat selten Jemand Lust in der dumpfen Hinterstube noch stundenlang zu sitzen. So gingen wir um elf Uhr wieder die Friedrichstraße zusammen hinunter._. Sie war fieberhast aufgeregt und sprach fortwahrend. Es war ein heißer, schwüler Sommerabend, wie vor einem langen, schweren Gewitter. Die Häusermassen strömten eine dumpfe Hitze aus. Ueber ihnen lag ein dicker, zu- sammengeballter Staub, den man durch die schwere Luft niedersickern fühlte. Die Menschcnmasscn schoben sich nur langsam vorwärts. Alles war abgespannt, müde, erschlafft . Nur Hedi sprach unablässig, ohne eine Spur von Ermüdung. Sie war unverwüstlich. Ich war bedrückt, wie von einer dumpfen Angst, die ich wir nicht erklären konnte. Immer wieder mußte ich an ihre Worte von vorhin denken—„wenn aber einmal, dann muß es auch schnell zu Ende sein." Wir kamen an einem großen Gebäude vorüber, dessen Thürpfosten mit breiten, rothen Zetteln beklebt, waren. Da— wir waren schon einige Schritte weiter gegangen — stand Hedi plötzlich still. „Das ist ein Tanzsalon. Höre, Paul, ich möchte heute Abend tanzen." „Bei dieser Hitze, Hedi?" „Ja, ich will heute Abend mit Dir tanzen. Wir wollen auch einmal fröhlich sein. Hast Du Geld bei Dir?" „Ein paar Mark—" „Die wollen wir vcrthun. Ich muß heute Abend etwas anstellen." Wir drehten um, und traten in den großen, über- füllten Saal. Es herrschte eine unglaubliche Temperatur. Hedi hatte meinen Arm genommen, trat zu einem der nächsten Tische, und warf ihre Jacke und ihren Strohhut hin. „Ein Walzer, Paul. Komm!" Damit zog sie mich in das Gedränge. Wir tanzten zum ersten Mal mit einander. Sie hatte es nie gelernt, tanzte aber wie eine Feder so leicht. Ich mußte einhalten, sonst hätte sie den ganzen langen Tanz in einer Tour durchgetanzt. Wir setzten uns an unfern Tisch. Ihre Wangen glühten vor Lust. Sie war fröhlich, wie ein Kind... Ich bestellte uns Bier; sie wollte keinen Wein. Da, als sie ihr Glas aufhob, und mir zunickte, sah ich eigentlich zum ersten Mal, wie reizend sie war. Ihr glühendes Gesichtchen, so voll Lebenslust— und ich war es, der zuerst wieder daran erinnerte, daß wir tanzen wollten. Sie sprang fröhlich auf. Als wir dann durch den Saal flogen, und ich ihre weiche, warme, wogende Brust an der meinen fühlte, ihre zarte Jugend in den Armen hielt— da fiel es mir wie ein Schleier von den Augen— und ich sah in ihr plötzlich das Weib, das liebedürstende, entzückende Weib.--- Eine heiße Rothe stieg in mein Gesicht, und ich wandte es ab, damit sie mich nicht sehen sollte. Aber als der Tanz zu Ende war, und alles sich wieder in dichtem Knäuel zu den Tischen hindrängte, und ick in ihr Gesicht sah, sah ich ihre Augen aus mich ge- heftet, heiß, brennend, voll L.ebe und Glück— und ich beugte mich nieder, und wir küßten uns zum ersten Mal unter all den Menschen, von denen Keiner auf uns achtete, lange, lange und leidenschaftlich.— An diesem Abend ließ ich ihre Hand nicht mehr aus der meinen, wenn wir an unserm Tische saßen— ich fühlte ihren Druck, und gab ihn zurück— und zum erstem Mal in meinem Leben war ich in diesen Stunden wahrhaft glücklich! Aber wir sagten Nichts zu einander... Es war uns Beiden zu plötzlich, zu unerwartet gekommen! Jedoch wir tanzten jeden Tanz zusammen, und preßten uns aneinander, als wollten wir uns versichern, daß wir wirklich zusammen waren. Und wir küßten uns, und lachten, und die Stunden flogen uns hin wie der Wind — im Rausch der Liebe und des Glückes!——— Erst als der letzte Tanz beendet war, gingen wir. Eine mildkühle Luft wehte uns entgegen nach den heißen Stunden. Wir gingen schweigend durch die morgenstillen Straßen nach ihrer Wohnung. Aber ihr Arm ruhte fest in meinem. Wir wurden uns Beide klar über das Ver- gangcne, und schwiegen. Sie sah zu Boden. So schritten wir schnell und stelig hin. Als ich vor ihrem Hause stand, nahm ich sie in meine Arme und küßte sie ohne Aufhören. Sic duldete es, aber ich fühlte, wie sie die Küsse nicht erwiderte. Dann flüsterte ich ihr Worte des Verlangens und der Liebe in's Ohr. Aber sie sagte, und ich fühlte, wie sie mit sich kämpfte: „Nein, Paul, nein— das nicht! Ich will nicht. Ich kann nicht!— Heute nicht— heute nicht—" bat sie fast flehend. Da glitt ihre Hand aus der meinen und ich ließ sie allein hineingehen. Aber ich sah noch, wie sie mich anblickte voll Liebe und voll Schmerz. Dann war ich allein. Ich ging langsam und im Gefühl eines unendlichen Glücks nach Hause. Tausend Gedanken über unsere Zu- kunft flogen mir durch die Stirn. Ich war in wenigen Stunden ein Anderer geworden. Es war das höchste Glück, was einem Menschen werden konnte: ich wußte, sie liebte mich! Sie würde mein werden— so ober so— ich wußte es. Ihr Sträuben heute Abend war ihr letzter Kampf gewesen... Und ich fühlte die Kraft in mir, zu bewirken, daß sie mein bleiben würde! So stand die Zukunft vor mir, lachend und rosig, wie der Morgen, welcher blendend und rein über den Dächern Berlins emporstieg. Ich habe selbst in den Stunden des neuen Tages an kein neues Leben gedacht— ich glaubte nur an ein neues, nie gefühltes Glück. Ich wußte, daß wir Beide nicht mehr zurück konnten, und auch in diesen Stunden sagte mein Verstand mir unerbittlich und klar: nur für eine Spanne ist dies Glück. Ihr seid Beide nicht darnach ge- schaffen, ein Leben lang in Liebe und Frieden zusammen- zuleben. Aber glücklich wirst du, und sie— dann ist es eines Tages zu Ende-- das Spiel ist aus! Aber glücklich wollte ich werden, glücklich sollte sie werden! Wir wollten unsere Liebe genießen bis auf den letzten Zug! Und war ich nicht der Letzte, so wollte ich doch der Erste sein, der sie besaß, und der Einzige bleiben, den sie liebte! Aber leise stahl sich an jenem Tage in meine Ent- schlüsse die leise Scham jeder ersten Liebe, und legte sich über sie wie ein leiser Staub, und als wir uns am Abend sahen, drückten wir uns zwar innig und verstehend die Hand, konnten aber Beide kein Wort der Erklärung finden. Ich glaube, wir sind beide zum ersten Mal in unserem Leben befangen gewesen. Sie sah den Abend nie zu mir hin, wenn sie wußte, daß ich vom Klavier aufblickte— aber doch fühlte ich zuweilen ihren Blick auf mir ruhen, und erhaschte ihn, wenn ich plötzlich zu ihr aufsah. Ihre Wangen waren von einer leisen Röthe bedeckt, und sie war aufgeregt, wie ich selbst. Wir sehnten uns Beide nach unserm Glück, und fürchteten es Beide. Ich sah wie ihre kleinen Hände mit dem Tuche spielten, wie sie unsicher in ihrem Auftreten war. Ihre Stimme bebte leise, wenn sie sang. Sie war heute Abend schöner wie jemals. Mir war, als sähe ich sie zum ersten Mal als hätte ich vorher immer nur eine Andere gesehen, und nicht die, welche ich liebte... Der qualvolle Abend war zu Ende. Ich saß noch auf meinem Platz und schlug einige Töne an, wartend, wartend... Da kam sie endlich— aber nicht fertig zum Gehen — schnell aus dem Weinzimmer. „Ich kann nicht fort, Paul. Es ist große Gesell- schaft da. Wir sollen Alle hier bleiben. Sie sind eben von hinten hereingekommen—" „Grade heute Abend, Hedi?—" „Paul, es geht nicht anders. Wir sind ja Sklaven." „Nein, wir sind keine Sklaven!" Da kam der Wirth herein und auf uns zu. „Weshalb kommen Sie denn nicht, Fräulein Hedwig? Die Herren warten. AUons!" Mit mir sprach der Mensch nie, außer das Aller- nothwendigst:. „Fräulein Hedwig möchte heute Abend gleich nach Hause gehen", warf ich ein. „Nein, das geht nicht. Kommen' Sie!" Dann ging er. „Was soll ich thun, Paul? Wenn ich nicht hingehe, liegen wir morgen Beide auf der Straße." „Du kannst thun, was Du willst, Hedi. Wir sind Beide frei." Da beugte sie sich zu mir nieder und küßte mich in dem dunkel und leer gewordenen großen Saal. Es lag wie ein Bangen auf ihr und mir. Es machte uns Beide unsicher. So thaten wir, was wir sonst nicht gethan hätten: wir gaben nach. Sie ging. Aber sie sagte noch zu mir:„Ich komme morgen zn Dir, Paul." Ich sah, wie sie in dem Hinteren Zimmer verschwand. Dann stand ich auf und ging auch nach Hause. Ich war müde und stumpf, und wollte schlafen. Die ungewohnte Angst war mir schrecklich. Sophismen trösteten mich einige Zeit über den Weg nach Hause hinweg. Sie war so oft in der Gesellschaft gewesen; so bekannt waren ihr diese Orgien— sie trank niemals viel— konnte da irgend etwas vorkommen? Und dazu noch heute Abend? Sie würde sich so schnell wie möglich befreien und nach Hause gehen. Ich war zu Hause. Eine feige, faule Sehnsucht nach Schlaf lag auf mir. Ich ging zu Bett. Aber ich konnte nicht schlafen. Plötzlich sprang ich auf, warf mich in meine Kleider und eilte die Straßen hinab. Ich stand vor der Thür unseres Lokals. Sie war geschlossen. Ich wollte rütteln, aber ich zog im letzten Augenblick die Hand zurück. Wozu?— War ich denn wahnsinnig geworden? Was sollte ich sagen? Ich lauschte. Gedämpft drang durch den langen Gang des Hauses aus dem hinteren Zimmer das wüste Lärmen zu mir. Ich wurde ruhiger. Langsam ging ich von der Thür fort und in das nächste Restaurant. Es war zwei Uhr. Eine Stunde etwa saß ich ruhig. Dann aber packte mich plötzlich wieder die unerklärliche, schreckliche Angst. Ich sprang auf und eilte wieder zu der Thür. Aber so viel ich lauschen mochte, diesmal drang Nichts zu mir.... Ich hielt den Athem an vor Angst. Aber Alles blieb still. Da ging ich langsam nach Hause. Aus den Straßen war es stiller geworden. Eine wunderbar-wciche Sommer- nacht, mondhell und mild... Gefühle, von denen ich bisher Nichts geahnt, die ich bisher verlacht hatte, be- drängten mich: Angst, schmerzliche Sehnsuch, ungestüme Liebe.— So kam ich nach Hause in'mein Zimmer. Ja jenen Stunden zum ersten Mal habe ich ahnen gelernt, daß es nichts Fürchterlicheres geben kann, wie einsame, schlaflose Nächte! Meine Uhr lag vor mir. Mit eherner Gleichgültigkeit rückte der Zeiger vor. Ich wollte nichts als den Morgen— Gewißheit! Es schlug fünf. Dann sechs... Mit der Klarheit des anbrechenden Tages wurde ich ruhiger. Hedi lag längst zu Bett, sorglos und träumend— sie mußte nach Hause gekommen sein, wie immer— Aber ich wollte es selbst nicht glauben. Ich wollte zu ihr. Da hörte ich, wie langsame, müde Schritte die Treppe herauf kamen. In jenen Minuten habe ich die furchtbarste Angst in meinem Leben ausgestanden... Ich stand am Fenster, wagte mich aber nicht zu rühren, und sah ihr nur entgegen. Eine Minute— aber in dieser Minute— welche Gedanken— da, als sie klopfte, wußte ich schon Alles— weshalb sollte sie sonst kommen!...-- Sie stand in der Thür, den Hut in der Hand, un- ordentlich gekleidet, und sah mich mit großen, tobten Augen an. Ich wußte Alles. Aber ich stieß doch hervor: „Wo kommst Du her?" Ich sah, sie wollte antworten. Aber sie konnte nicht. Ich wußte, bis dahin hatte sie gehofft. Als sie mich gehört hatte, nicht mehr. Da fragte ich noch einmal. Und plötzlich war ich, der ich immer gewesen war— ruhig, und die Maske legte sich vor mein Gesicht, die ich immer trug. „Nun, wo kommst Du denn her? Was ist denn, daß Du heute so früh kommst?" Sie antwortete. Mit deutlicher Ruhe kam es von ihren Lippen. „Es ist vorbei!— Es ist Alles vorbei!"— „Nein, Hedi, Du irrst Dich. Das war nur der Anfang." Und mit einer brutalen Gemeinheit— es war eine Scheußlichkeit, ich weiß es— fügte ich hinzu, nicht höhnisch, nicht bitter, nein ganz ruhig: „Nun aber gleich ordentlich, Hedi." Und mit einer Handbewegung nach meinem Bett hin:„Wollen wir viel- leicht jetzt gleich-- die Fortsetzung—" In meiner Hand ballte ich die Gardine zusammen. Ich fühlte die Schläge meines Herzens nicht mehr. Einen Augenblick hatte ihr Blick, irr, auf mir ge- haftet, war der Richtung meiner Hand gefolgt— sie verstand mich nicht— das Ungeheuerliche dieser Grausamkeit — dann schrie sie auf, nur einmal, kurz, aber furchtbar schmerzlich. Da stürzte ich auf sie zu. Aber sie wich zurück, mit großen, aufgerissenen Augen voll Entsetzen, daß ich zurücktaumelte. Und langsam wandte sie sich um und ging zur Thür. Ohne sich umzusehen, ging sie hinaus mit schleppendem, müdem Schritt zur Treppe, und hin- unter, Stufe für Stufe, ohne einzuhalten, und schwächer und schwächer hörte ich ihre Schritte werden.— Da erst begriff ich, was vorgegangen war. Ich brach zusammen."(Fortsetzung folgt.) Die Gesetzgebung unb das Proletariat im Klassenstaat. in. Man sollte meinen, daß die rechtliche Inferiorität der besitzlosen Klaffen, wie wir sie im Artikel II nachgewiesen haben, mit der Unvollständigkeit des bestehenden Privat- rechts, sowie mit der Widersinnigkeit des Postulates, daß in der Regel Jedermann die Folgen seiner Rechtsunkenntniß zu tragen habe, hinreichend in ihrem ganzen Umfange charakterisirt sei. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Prof. Menger zeigt uns, daß den bereits erwähnten Momenten, durch welche die Stellung der Arbeiterklasse vor dem Gesetz zu ihrem Nachtheil verschoben wird noch zwei andere hinzugefügt werden müssen. Das eine dieser beiden neuen Momente liegt vor- wiegend auf dem Gebiete der Strafrechtspflege, das andere aus dem Gebiete der Zivilprozeßgesetzgebung. Fassen wir zunächst das erste Moment ins Auge. Einem allgemein gültigen Grundsatze des Strafrecht zu folge hängt die Beurtheilung einer Handlung und damit das Maaß ihrer Bestrafung nicht bloß von dem äußeren That- bestände ab, sondern auch von den inneren Motiven, die der betreffenden Handlung zu Grunde liegen. Die letzteren ' sind sogar die ausschlaggebenden, von ihrer Beschaffenheit hängt es ab, ob eine Handlung einen strafbaren oder einen nicht strafbaren Charakter trägt. Liegt einer und derselben Handlung z. B. der Zer- trümmcrung einer Fensterscheibe oder der Verletzung einer Person das eine Mal eine böswillige Absicht, das andere Mal ein Jrrthum, ein Versehen oder doch kein schlechter Vorsatz zu Grunde, so wird der Thäter im ersten Falle nach den entsprechenden Paragraphen des Strafgesetzbuches verurtheilt werden, im zweiten Fall nur in ganz besonders schlimmen Fällen überhaupt zur Verantwortung gezogen, schließlich aber doch freigesprochen werden. Es ist nun klar, daß in vielen Fällen aus dem objektiven Thatbestande einer Handlung kein sicherer Schluß auf die Art und Beschaffenheit der ihr zu Grunde tiegenden Motive gezogen werden, daß der Richter daraus die straf- bare oder nicht strafbare Richtung des Willens nicht be- stimmen kann. Da ist es denn in sein freies Ermessen gestellt, ob er einer Handlung strafbare Motive unterlegt oder nicht. Prof. Menger meint nun und jeder der auf dem Gebiete der Strafrechtspflege einige Erfahrung besitzt, wird ihm beistimmen, daß selbst ein gerechter Richter sehr leicht dazu kommen wird in einen verdächtigen äußeren Thatbestand eine rechtwidrige Willensbestimmung hinein- zulegen, wenn es sich um einen Armen handelt und daß ihm ein gleicher Entschluß sehr schwer fallen wird, wenn ein Mitglied der besitzenden Klassen in Frage kommt. In der That! was haben wir speziell in Deutschland nicht schon in dieser Richtung für traurige Erfahrungen gemacht! Wie oft ist nicht schon ein harmloser Scherz, wenn ihm ein Arbeiter machte, als grober Unfug, Beleidigung und weiß der Himmel, als was sonst bestraft worden und wie häufig hat man nicht die gröbesten Ausschreitungen, Skandale und Brutalitäten straffrei gelassen, wenn sie von unseren„Gebildeten" verübt wurden! Fast alle Tage kann man von solchen Fällen in der unab- hängigen Presse lesen. Es ist deßhalb nicht übertrieben, und zu hart ge- urtheilt, wenn Prof. Menger schreibt: Ja, wenn man die Strafrechtspflcge nicht bloß nach dem dürftigen und abstrakten Umrissen beurtheilt, welche Gesetze und theo- rethische Schriften von ihr bieten, sondern danach wie sie in der Wirklichkeit lebt und sich bethätigt, so wird man zugeben müssen, daß durch jene ver- ffchiedene Beurtheilung der inneren Zustände ähn- liche Wirkungen hervorgebracht werden, als wenn für die beiden großen Kreise des Volks(die Be- sitzenden und Besitzlosen) verschiedene Straf- rechte in Wirksamkeit wären!! Wie sollte es auch anders sein, wie sollten unsere Richter auch zu einer richtigen Auffassung über die Be- dürsnisse und Interessen der Arbeiterklasse kommen, nachdem sie auf der Universität den, jede freie Urtheilsfähigkeit vernichtenden„feinen„Corpsgeist" eingesogen und alle Bestrebungen des Proletariat als Hochverrath und Revo- lution verabscheuen gelernt haben? Aber ebenso schlimm wie mit dem Strafrecht, geht es dem Besitzlosen m den Fällen, wo er sich sein Recht auf dem Wege des Zivilprozesses zu erkämpfen hat. Die ganze neuere Zivilprozeßgesetzgebung behandelt nämlich alle Staatsbürger ohne Rücksicht auf ihre persön- lichen Eigenschaften und auf ihre verschiedene soziale Lage als vollkommen gleich; und damit scheint sie denn auch dem oberflächlichen Kritiker das Menschen Möglichste gcthan zu haben, um allen billigen Anforderungen zu genügen. Thatsächlich liegt aber in dieser vollkommenen Gleichstellung des Millionärs mit dem Proletarier die schreiendste Ungerechtigkeit. Was bedeutet nämlich hier die„Gleichheit vor dem Gesetz?" Nichts anderes als die Zumuthung an den Proletarier sich mit dem gleichen Geschick wie der Millionär der komplizirten Maschinerie des Zivilprozesses bedienen zu können, eine Zumuthung, die sich auf den ersten Blick als eine unmögliche und darum auch als eine völlig un- gerechte erweist. Denn der besitzlose Lohnarbeiter ist gar nicht im Stande, sich einen Anwalt für eine langwierige Prozeßsache zu nehmen und zu bezahlen, geschweige denn die Kosten, welche Notare, Gerichtsvollzieher, Schreiber und andere bei der Zivilrcchtspflege in Frage kommende Organe verursachen, zu bestreiten. Zwar schreibt das Gesetz für die meisten Dienste der Gerichtsbeamten vor, daß die- selben für Arme unentgeltlich sein sollen, und es scheint in diesem Privilegium der Armen wirklich einmal ein Stück ausgleichender Gerechtigkeit zu liegen. Bei genauer Ueber- legung erkennt man aber, daß hiermit gleichfalls eine empfindliche Zurücksetzung der besitzlosen Volksklassen verbunden ist. Denn in einer Gesellschaft, in welcher jede Dienstleistung bezahlt wird und in der die betreffenden Funktionäre selbst die Befriedigung jedes Bedürfnisses er- kaufen müssen, läßt sich vernünftigerweise nichts anderes erwarten, als daß die unentgeltlichen Funktionen(Dienste) schlecht und widerwillig geleitet werden.(Mcnger.) Ein anderer Fehler der Zivilprozeßordnung ist die Bestimmung, daß die Gerichte zu allen wichtigen Schritten besonders veranlaßt werden müssen,„gleich einem ver- dorbenen Uhrwerk, welches fortwährend gestoßen und ge- schüttelt werden muß, um wieder auf kurze Zeit in Gang zu kommen." Der den arbeitenden Klassen daraus er- wachsende Schade ist ein ungeheurer. Oft genug in dem Glauben, daß, wenn sie Klage erhoben, dieselbe nun ohne ihr weiteres Zuthun entschieden werde, versäumen sie die Gelegenheiten in einer ihren Interessen entsprechenden Weise in den Gang der Rechtssprechung einzugreifen, und die Folge davon ist dann, daß sie selbst Prozesse, die unter den günstigsten Aussichten begonnen wurden, verlieren. Die Bourgeoisie hingegen steht sich bei dieser Lage der Dinge sehr gut. Von tüchtigen Rechtsanwälten be- rathen, versteht sie geschickt alle Chancen für sich auszu- nutzen und das Recht auf ihre Seite herüberzuziehen. In der Erkenntniß dieser Verhältnisse verzichtet denn auch meistens der Proletarier darauf, sich sein Recht zu erkämpfen, was wiederum ein Schade für die Gcsammtheit ist, indem nämlich dadurch das Rechtsbewußtsein im Volke gelähmt und abgestumpft wird. Zur Beseitigung dieser, wohl zur Genüge nachgewiesenen rechtlichen Inferiorität der besitzlosen Klassen ver- langt Prof. Menger, daß das gesammle, vom Standpunkt der Gebildeten und Besitzenden aus konstruirte Zivil- und Strafrecht sowie der Zivil- und Strafprozeß gründlich um- gestaltet werden müßten, sowie es unseren heutigen Macht- Verhältnissen entspricht. Als die erste, sofort durchzuführende Maßregel schlägt Menger vor, daß der Zivilrichter verpflichtet werden müßte, jeden Staatsbürger, besonders aber den Armen unentgelt- liche Belehrung über das geltende Recht zu ertheilen und ihm auch sonst bei der Sicherung seiner Privatrechte Hilfe zu leisten. Das wäre gewiß leicht zu bewerkstelligen, wir glauben aber, daß der Borschlag bei uns trotzdem sehr wenig Aussicht hat verwirklicht zu werden. Sofort würde die gesammte Bourgeoisie das als eine„Hineinziehung der richterlichen Autorität" in den Rechtsstreit ansehen und da- gegen ein großes Geschrei erheben. Ein anderes Mittel, um von der Arbeiterklasse die Nachtheile zu nehmen, die ihr aus ihrer Rechtsunkenntniß erwachsen, hat man in Dänemark angewandt. In Kopenhagen ist im Mai 1882 von Studenten ein Verein gestiftet, der sich die Aufgabe gestellt hat,„die Kluft, die zwischen ihnen(den Studenten) und den Arbeitern im eigentlichen Sinne, den Handarbeitern, besteht zu über- brücken." Es ist dies der sogenannte„Studentensamsund." Abgesehen von der Errichtung einer Arbeiterfortbildungs- schule und anderen die Arbeiter fördernden Institute, hat dieser Berein im Oktober 1885 ein Bureau zur Rechts- Hilfe für Unbemittelte eingeführt. Dasselbe wird von einem Ausschuß der die Rechtswissenschaften studirenden Mitglieder des Vereins geleitet und crtheilt Jedermann unentgeltliche Auskunft in Bezug aus die im täglichen Leben vorkommenden Rechtsfälle. Nach der Allg. deutsch. Universitätszeitung (Jahrg. 1888) sind die Erfolge des Bureaus ganz groß- artige. Im ersten Jahr hatten nach den Auszeichnungen 6000 Personen bei der„Rechtshilfe" Rath gesucht; 13 000 Personen wurden thalsächlich abgefertigt und zwar betrafen 700 Nummern Schuldsachen, 4—500 Mieths- verhältnisse, 3—400 Erbschastsangelegenheiten; endlich wurden nicht weniger als 500 Bittgesuche um Unterstützung abgefaßt. Damit ist der sich ihres Idealismus und ihrer Vater- landsliebe rühmenden, deutschen akademischen Jugend ein glänzendes Vorbild gegeben, wie sie in wahrhaft„Patriot- ischer" und„christlicher" Weise an der Herstellung des sozialen Friedens mitarbeiten kann. Indessen werden wir wohl darauf verzichten müssen zu sehen, wie die Herren Corpsiers ihre prunkvollen Berbindungshäuser in Bureaus zur Rechtshilfe für Unbemittelte umwandeln und wie sie es mit ihrer„Ehre" vereinbar halten eine von edler auf- opferuder Menschenliebe diktirte That zu vollbringen. Es ist wahr, ihre gewöhnlichen Obliegenheiten alsda sind Kommerse, nächtlicher Unfug und Mensuren sind ja viel zu idealer Natur, als daß der Proletarier verlangen könnte, daß ein Theil der so nützlich, im Interesse der Menschheit vergäudeten Zeit, dem Schutz seines kümmerlichen Rechts geopfert würde. Die arbeitenden Klassen thun deshalb auch gut, wenn sie auf die Hülfe der Studenten nicht warten, sondern mit allem Nachdruck fordern, daß der Zivilrichter jede ge- wünschte Auskunft in Rechtssache zu ertheilen habe. Dann aber sollten sie auch verlangen, daß der Staat ihnen den unentgeltlichen Rechtsschutz gewährte. Weit entfernt eine Ungerechtigkeit gegenüber den besitzenden Klassen zu sein, würde dadurch nur das Gleichgewicht in der Rechts- pflege hergestellt werden, welches die Bourgeoisie indem sie ihr Vermögen und ihre Rechtskenntniß mit in die eine Schaale der von der Gercchiigkeitsgöttin gehaltenen Waage warf, störte. Der Staat unterhält im Interesse und zum Schutze der Besitzenden einen ungeheuren Beamtcnapparat, bestehe er nun aus Regierungspräsidenten und Landrälhen, oder aus Nachtwächtern und Polizisten. Ist es da un- billig, wenn das Proletariat die Anstellung von Armen- advokaten verlangt, die sein Recht zu schützen haben. Das Interesse des Kapitals wird vom Staat gehegt und ge- pflegt und das Recht der Arbeit soll verderben und zer- treten werden? Sollte es, weil es weniger kräftig ist und unter dem schweren Druck des Besitzes leidet, nicht vom Staat mit verdoppelter Sorgfalt behandelt werden? Gewiß! aber geschehen wird es nicht, unser Staat müßte dann eben kein Klassenstaat sein. Bessern kann das Proletariat seine Stellung vor dem Recht nur aus eigener Kraft. In dem Maße als es an politischer Macht gewinnt und in dem Bewußtsein zunimmt daß es inbezug auf die Verfolgung seines Rechts zurück- gesetzt ist, wird es auch die Sicherheit und peinliche Wahrung seines Rechtes vergrößern und durchsetzen! Damit ist aber der Kampf ums Recht, den das Proletariat führt, nicht erschöpft; das Bestreben seine Zu- rücksetzung vor dem Gesetz aufzuheben ist nur ein unbe- deutendes Scharmitzel, das der eigentlichen Schlacht voraus geht. Der Kampf richtet sich vor allem gegen die überkommene Rechtsordnung selbst. Zu zeigen, an welchen Punkten diese angegriffen und nur durch das Mittel der Gesetzgebung durchbrochen werden muß, soll der Zweck der nächsten Aufsätze sein. Kericht des Großherxoglich Dadische« Fadrikinjpektors für das Jahr 1889. Schon vor einem Jahre haben wir den badischen Fabrikinspektor Herrn Wörrishoffer als, einen Mann kennen gelernt, der sein Amt ernst nimmt, und sich nicht scheut, die gefundene Wahrheit auszusprechen, wenn er auch sein Unterrichtelsein den Fabrikantenkreisen hauptsächlich ver- dankt und den glatten Worten dieser Herren, die mit ihren Thaten häufig genug in schreiendem Gegensätze stehen, offenbar zu viel Glauben schenkt. Auch sein diesjähriger Bericht kennzeichnet die heutige Wirthschaftsweise als das, was sie ohne Zweifel ist: eine Zuchtwahl der Schlechtigkeit, in welcher der unmoralische Menschenschinder über den menschlich denkenden Unternehmer Vortheile gewinnt, und ihn zwingt, seinen Betrieb gerade so verderblich einzurichten, die Arbeiter ebenso zu schinden, wie der erstcre es thut. Herr Wörrishoffer schreibt: Der schon in den beiden Vorjahren konstatirte Aufschwung der industriellen Thätigkeit im Grotzherzogthume hat im Berichts- jähr neue und erhebliche Fortschritte gemacht. Die günstige Lage, welche in den Vorjahren bezüglich einzelner In- dustriczweige immer noch Ausnahmen aufwies, umfaßte in diejcm Jahre alle Zweige der Fabrikation, soweit sie im Lande eine» auf 100 000 mt. von der Tantième für 1889 verzichtete, nennenswerthen Umfang haben. Man kann ohne Uebertreibung| Hälfte des Jahres an zwei Wochentagen von 6 Uhr früh bilde zusammen mit dem Gehalte von 30 000 Mt. eine fagen, daß die Steigerung der industriellen Thätigkeit bis 11 oder 12 Uhr Nachts gearbeitet wird, an den vier Revenue, wie sie kein Minister irgend eines Staates beziehe. eine größere ist, als sie zu Anfang der Siebziger Jahre Selbst Fürst Bismarck hatte für seine sämmtlichen Aemter nur ein war. Allem Anscheine nach ist diese Entwickelung noch zu keinem anderen Arbeitstagen von 6 Ühr früh bis 8 oder 9 Uhr Gehalt in Höhe von 55 000 Mt. bezogen. Winzig und mager er= Stillstande gelangt, sondern wird sich noch für das folgende Jahr Abends. Wenn nicht länger als bis 8 Uhr gearbeitet scheine gegen diese Bezüge der Direktoren der Betrag von 300 000 fortseßen. Wenigstens läßt die große Zahl in Ausführung be- wird, giebt es von 1 Uhr Mittags an keine Pause. Mark, welcher für Gratifikationen an die Beamten der Bank angriffener aber erst im nächsten Jahre in Betrieb kommender NeuDer Herr Fabrikinspektor meint, man könne diesem gefeßt sei, was bei über 400 Beamten einen Durchschnitt von anlagen und Erweiterungen, sowie die in Ausarbeitung begriffenen ca. 770 Mt. ergiebt. Auch hier träfe das Sprichwort zu: die Projekte größerer und gut fundirter Fabriken, welche auf den Dienst- Uebelstande entgegentreten, wenn man seitens der Behörden Pferde, die den Hafer verdienen, bekommen ihn nicht. So exorbi reisen zum Gegenstand von Rücksprachen gemacht wurden, darauf dieselben mit einer gewissen Deffentlichkeit erörterte, denn tante Jahresverdienste seien Wasser auf die Mühle der Sozialschließen, daß man eine weitere Ausdehnung in den für die die Befürchtung, daß man nicht gleichzeitig seine Arbeiter demokraten, welche berechneten, wie viel Arbeiterfamilien von solchem Beurtheilung dieser Fragen tonangebenden Kreisen für lohnend überanstrengen und doch in seinen Kreisen als ein an- Betrage leben könnten. Wenn jeder der Herren Direktoren hält. Es ist in der Natur der Verhältnisse begründet, daß meine Wahrnehmungen sich ganz vorzugsweise auf die äußerliche Ent- gesehener Biedermann bestehen könne", würde eine gewisse so könne die Dividende um ½½ pet. und auch der Betrag der wickelung, auf die Vermehrung der Zahl und die Vergrößerung regelnde Wirkung ausüben. Gratifikationen erhöht werden. Redner verzichtete zwar darauf, der Anlagen, auf die Ersetzung veralteter Einrichtungen durch Unserer Erfahrung nach rühmt man sich in solchen Unter- einen diesbezüglichen Antrag zu stellen, da solcher bei der Ueberzahl neuere, auf die Vermehrung der Zahl der Arbeitskräfte und den nehmerkreisen geradezu damit, daß man den berechtigten An- der Attien in den Händen der Betheiligten keine Aussicht auf AnUmfang der Produktion bezieht, daß aber die innere Prosperität nahme habe, appellirte aber an das Billigkeitsgefühl der Betreffenfich meiner Beurtheilung mehr entzieht. Allein es liegen hinreichende sprüchen der Arbeiter nicht nachgegeben, sondern sie verden, selbst die Initiative zu ergreifen. Anzeigen dafür vor, und es wird dies auch durch viele unmittel- gewaltigt hat. Wir haben erst vor einigen Tagen eine Die Direktoren schreibt das„ Berl. Tayebl." bare Aeußerungen der Betheiligten bestätigt, daß die finan- Auslaffung des bekannten Innungsführers der Berliner auf die an sie gerichtete Anregung nicht ein, indem sie sich offenziellen Ergebnisse mit der äußeren Entwickelung im Steinmeßenmeister( Hoflieferant) gelesen, worin er es als bar des großen Verdienstes bewußt waren, das sie sich mit ihrer Allgemeinen gleichen Schritt halten, und daß sie die letteren in manchen Branchen noch erheblich überholen." hohen Ruhm beansprucht, den Berliner Steinmeßen die Thätigkeit im vorigen Jahre um das Renommée der Bank erAlso wie in vorigem Jahre, für die Unternehmer Ausübung ihrer bürgerlichen Rechte verkürzt zu glänzende Geschäftslage mit gutem Verdienste, die zur Ver- haben, zu dem Zwecke um sie besser und widerstandslos größerung der Anlagen anregen. ausnußen zu können. Es haben eben nicht alle Stände An alle nichtgewerblichen Arbeiter Deutschlands. dieselbe Ehre. Wir kommen noch auf weitere Einzelheiten dieses sehr Wir berufen für den 8. Juni d. I. und folgende Tage einen interessanten Berichtes zurück. Kongreß aller nichtgewerblichen Arbeiter nach hier und setzen vor= läufig folgendende Tagesordnung fest: Wie steht es nun um die Lage der Arbeiter? Haben sie auch Theil an dem glänzenden Gewinn, der den Unternehmern zufällt? beiterbevölkerung macht sich im Berichtsjahre, abgesehen von der Beschäftigung einer größeren Anzahl Arbeiter und der immerhin ist. ausmachten." [= worben haben." Gewerkschaftliches, Vereine. 1. Situationsbericht der einzelnen Delegirten. gingen 2. Zentralisation oder Lokalorganisation. Falls erstere be= schlossen, Wahl eines provisorischen Vorstandes, eventuell Wahl einer Agitationskommission. 3. Normalarbeitstag. 4. Sonntags- und Ueberstundenarbeit. 5. Frauen- und Kinderarbeit und deren Einfluß auf die wirthschaftlichen Verhältnisse der Arbeiter. 6. Die Nothwendigkeit des Eingreifens der Gesetzgebung in das Verhältniß zwischen Unternehmer und Arbeiter. 7. Verschiedenes. Herr Wörrishoffer beantwortet diese Frage dahin: " Die Wirkung des guten Ganges der Industrie auf die Ar- Die Großbourgeoisie und der Arbeiterschutz. Ganz im Sinne der in letter Nummer angeführten sehr erfreulichen Ausgabe einer größeren Lohnsumme, vorzugsweise Nationalztg." sprach sich am 12. April in Düsseldorf darin geltend, daß gegen das Vorjahr erheblich mehr jugend- auf der 19. Hauptversammlung des Vereins zur liche Arbeiter eingestellt wurden, und daß in einer An- Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Inzahl von Industriezweigen mehr Ueberarbeit zu leisten war, als dies bei normalem Geschäftsgange ohnedem der Fall teressen in Rheinland und Westfalen auch der Allerdings floß den Arbeitern mehrerer Branchen Generalsekretär, der bekannte Dr. Beumer- Düsseldorf aus: auch hieraus ein höherer Verdienst zu. Eine durchgreifende Wir heben aus seiner Rede über das Wirthschaftsjahr Lohnerhöhung trat aber, soweit ich diesen von mir stets im 1889" Folgendes hervor: Auge behaltenen Gegenstand übersehen kann, nirgends ein, auch da nicht, wo die Bruttogewinne einen erheblichen Theil Der nüze dem Arbeiter am meisten, welcher ihm des in dem Unternehmen überhaupt angelegten Kapitales Unerfüllbares nicht verspreche, sondern ihn darauf hinweise, Der Unterzeichnete ersucht nun diejenigen Kollegen, welche daß für jeden, solange die Welt stehen werde, Arbeit und geneigt sind, zu vorstehender Tagesordnung ein Referat zu überWir denken, das ist deutlich. Hoher Kapitalgewinn folgerichtig auch Arbeitsgelegenheit die Hauptsache nehmen, dieses beim Unterzeichneten anmelden zu wollen. Gleichfür den Unternehmer, für den Arbeiter aber selbst da keine bleibe und daß ohne die letztere auch die besten sozial- falls ersuchen wir die Kollegen, welche wünschen, daß der Tages= Lohnerhöhung, wo die Gewinne im Verhältniß zu dem politischen Geseze dem Arbeiter nicht helfen könnten. Aus ordnung noch weitere Punkte zugefügt werden sollen, dieses innerhalb Betriebskapitale sehr hoch sind, dabei aber Verlängerung diesem Grunde werde sich die Industrie troß vielfachen 4 Wochen mittheilen zu wollen. Anmeldung der Delegirten bis der Arbeitszeit und mehr jugendliche Arbeiter, das ist das Schmähungen und Mißdeutungen nicht von der Ansicht spätestens 18. Mai. Mit kollegialischem Gruße! Der Vorstand der Ergebniß. abbringen lassen, daß ein zu stürmisches Vorgehen Fabrik- und sonstigen nichtgewerblichen Arbeiter Hannover- Lindens. auf fozialpolitischem Gebiet nicht allein keinen J. A.: Aug. Lohrberg, Vorsitzender, Klostergang 4, Hannover. Nußen stiften kann, sondern schwere Gefahren mit In Königsberg ist ein Bäckerstreit ausgebrochen. sich bringen muß. Die Begehrlichkeit der Massen sei Die Tischler Breslaus stehen im Lohukampf. Briefe ohnehin in den lezten Jahren in einem Grade geweckt sind zu senden an Hermann Brosig, Heinrichstraße 5 in Breslau. worden, daß man bald an Maßregeln zum Schutze Gelder an den Vorsitzenden der Streit- Kommission in Stuttgart Diese fortschreitende Vermehrung der Ausnutzung der der Unternehmer werde denken müssen. Dem Arbeiter( Heßlach) Herrn Karl Kloß, Boeblinglingerstraße 127 resp. an Kinder und jugendlichen Arbeiter, ist, wie Herr Wörrishoffer habe man so lange vorgeredet, daß er in unterdrückten m. Nother, Heinrichstr. 5 in Breslau. Zuzug ist unter allen Umselbst zugiebt,„ von bedenklichem Einfluß auf die körper- Verhältnissen lebe, bis er es selbst geglaubt; dadurch sei ständen fern zu halten. Kollegen sendet schnell. Schnelle Hilfe, lichen und gesundheitlichen Zustände großer Bevölkerungs- das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer doppelte Hilfe. Die Zahl der„ jugendlichen Arbeiter" von 14 bis 16 Jahren wuchs seit 1888 von 9010 auf 10 436, die Zahl der in Fabriken beschäftigten Kinder zwischen 12 und 14 Jahr betrug 1888 schon 1589, im Jahre 1889 aber 2215. klassen", und übt außerdem einen steigenden Druck auf natürlich nicht verbessert worden. Wenn es auch parador Die Beschlüffe des deutschen Textilarbeiter Kondie soziale und ökonomische Lage der Arbeiter" aus. Dies erscheine, Dies erscheine, so lasse sich doch nicht mit Unrecht behaupten, greffes, welcher während der Osterfeiertage in Berlin tagte, werden, will sagen, die Arbeitskraft des Volkes wird durch diese daß das Verhältniß zwischen Arbeitgeber und da jede Berichterstattung ausgeschlossen war, erst jetzt bekannt. BeWirthschaft vergeudet und verschwendet, die Löhne Arbeitnehmer ein viel besseres sein würde, züglich der Arbeitszeit trat der Kongreß mit Berücksichtigung der werden durch den Wettbewerb der Kinderarbeit herab- wenn an der Besserung" desselben nicht so allgemeinen Verhältnisse in der Textilbranche für den Neunstundengedrückt. viel herumgearbeitet würde. Der rheinisch- tag ein. An den Reichstag soll eine Petition um Abschaffung der Die Karton- Arbeiterinnen und Arbeiter Berlins be= Wie weit diese gewissenlose Ausnußung der Kinder- westfälischen Industrie geschehe entschieden Unrecht, wenn Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren und Ausdehnung arbeit von dem profitgierigen Kapital getrieben wird, geht man die gesammten Arbeiterverhältnisse nach dem Maß des Fabrikinspektorats auch auf die Hausindustrie gerichtet aus der Mittheilung des Herrn Wörrishoffer hervor, daß stabe des Erfolges bemessen wolle, den politische Hezer bei werden. Der Kongreß verlangt ferner die volle Koalitions= bei Bauten in Städten während der Schulferien Kinder dem Mai- Ausstand der Bergleute in Westfalen gehabt; freiheit auch für die Frauen und für letztere die gleichen bis zu 10 und 11 Jahren herab zum Steintragen ver- denn daß jener Ausstand im Grunde nichts anderes ge- Löhne, wie für die Männer. Sehr lebhaft traten sämmtliche Deliwendet werden. Dazu kommt noch, daß die§§ 134 bis wesen, als eine politische Heze der radikaken Parteien zu girte für die Abschaffung der Akkordarbeit und Einführung eines 139b der Reichsgewerbeordnung, die Beschäftigung von Gunsten der Wahlen, sei im Laufe der Zeit immer mehr Minimal- Stundenlohnes ein. Gegen Lehrverträge zwischen Meistern Kindern unter 12 Jahren verbieten und für andere Kinder hervorgetreten.... Unter zu weit gehenden, daher und Lehrlingen erklärte sich der Kongreß fast einstimmig. Ebenso und jugendliche Arbeiter gewisse Beschränkungen anführen, unvernünftigen gesetzlichen Bestimmungen habe in erster wie in der Hutmacherbranche wurde auch von dem Kongreß die nach§ 154 2. nur für Werkstätten gelten, in welchen eine Linie der Arbeiter selbst am meisten zu leiden, weil sie Einführung von Arbeiterkontrollmarken, für alle Wirkwaaren zu be= regelmäßige Benußung von Dampftr aft stattfindet. die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie auf dem Welt- nnten, beschlossen. Die deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen sollen Nun sind in Baden die Fabriken sehr häufig mit Wasser- markte gefährden und damit einen ungerechtfertigten Ein- aufgefordert werden, nur mit Kontrollmarken versehene Waaren zu fraft betrieben, wenn auch eine Dampfmaschine zur Aus- griff in das Erwerbsleben des Arbeiters darstellen würden. kaufen. In Berlin soll eine Agitationskommission bestellt werden, hilfe da ist. Hier find Kinder und jugendliche Arbeiter Ferner hegt Redner den Wunsch, daß Eins bei dieſen die mit den Lokalorganisationen Fühlung zu nehmen hat. Der ohne jeden Schutz. Plänen nicht übersehen werden möchte: die Nothwen- 1. Mai wurde als Feiertag zu halten beschlossen. Ob eine Zunahme der weiblichen Arbeiter statt digkeit von Zucht und Disziplin, die Wahrung der Zwischen den Berliner Pukern und Maurern scheint gefunden hat, läßt sich mangels einer ausreichenden Statistik Autorität des Arbeitgebers in den Werkstätten der In- die Einigung als sicher bevorstehend. Eine große Versammlung der nicht feststellen. Mit großer Bestimmtheit kann aber feft- dustrie. Nicht minder wie in der Armee müsse in der Puzer beschloß am 8. April in diesem Sinne. gestellt werden, daß die Nachtarbeit der Arbeiterinnen Werkstatt Unterordnung und Zucht herrschen, und finden sich im Streit. Die Lage der Arbeiterinnen ist eine schreckzugenommen hat. Auch werden die verheiratheten Frauen Eins werde der Arbeitgeber bei den großen Lasten, die liche, sie ist geradezu eine Zuchtstätte der Prostitution. Die Löhne immer mehr die volle Zeit" in den Fabriken beschäftigt, man ihm auferlege, unter allen Umständen fordern dürfen: betragen im Durchschnitt 6-8 Mt. Der Aufenthalt in den Fabriken ist ein die menschliche Gesundheit untergrabender. Wer so daß sie ihre häuslichen Arbeiten nur noch Sonntags Herr im eigenen Hause zu bleiben." verrichten können. Die Köln. 3tg." pfeift ungefähr aus demselben das nicht glauben will, braucht blos die frühzeitig abgehärmten, bleichen Gesichter vor der Arbeitsstätte zu erwarten. Proletarier, Herr Wörrishoffer sagt: Loch:„ Wer sich unbefangen im Lande umsieht, der kann glaubt, unsere Forderungen sind gerecht, umsonst legen nicht 1200 " Es ist oft als eine wahre Wohlthat zu betrachten, daß in sich nicht verhehlen, daß sich grade jener besitzenden Arbeiterinnen und 180 Arbeiter einmüthig die Arbeit nieder. Es katholischen Gegenden die wegen der Erholung des übrigen Theiles Klaffen, auf deren Mitwirkung die sozialpoli- erfordert nur eine kurze Zeit. Wir müssen die dreifach bedrängten der Bevölkerung nicht gerade nöthigen fatholischen Feiertage diesen geplagten verheiratheten Arbeiterinnen wenigstens einige Ruhe- tische Gesetzgebung rechnen muß, eine gewisse Arbeiterinnen unterſtüßen, sonst unterliegen fie. Hungern haben sie tage verschaffen. Leider geht aber an einzelnen Orten das Besorgtheit, Verstimmung, ja, Gereiztheit be- gelernt, aber wir wollen die Prüfung dieser armen Mädchen nicht auf das Aeußerste hinausdehnen. Unterstüßt uns schnell, es ist Entgegenkommen katholischer Geistlicher gegen die mächtigt hat. Wer sein Vaterland lieb hat, hat die Pflicht, unser Sieg und unser Sieg ist der Eure. Deutschland erlebt zum gänzlich verkehrt aufgefaßten Interessen der Industrie dieser Erscheinung gegenüber nicht die Vogelstraußpolitit ersten Male eine Achtstunden- Proletarierinnen- Bewegung. Laßt sie so weit, daß sie an katholischen Feierto gen die Messe schon um 4 Uhr Morgens lesen. Die Arbeiterinnen müssen zu treiben, er muß ihr muthig ins Auge sehen, er darf nicht zu Grunde gehen! Euch den Proletariergruß entbietend, die Kommission der streifenden Kartonarbeiterinnen und-Arbeiter Berlins. dann an solchen Tagen zwei Stunden früher aufstehen keinen Versuch machen, den unbequemen Thatbestand zu Sendungen und Zuschriften sind zu richten an Hermann Greifenberg, und bei drei dürftigen Mahlzeiten bis 7 oder 8 Uhr verschleiern und zu verdunkeln, er muß vielmehr auf 3. 3. Reſtaurant Bolzmann, Andreasstr. 26, Berlin. Mittel und Wege finnen, diese Stimmungen, welche gewiß An alle in der Bekleidungsindustrie, Mäntel- KonArbeiterinnen ergeht ein Aufruf, der mit den Worten schließt: fektion und Trikot- Branche beschäftigten Arbeiter und um des eigenen Vortheils willen, tretet der bestehenden Bereinigung bei und kämpft mit uns den Kampf um Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne, um ein besseres Dasein zu führen. Den Kolleginnen und Kollegen wird zugleich bekannt gemacht, daß nachstehende Arbeitsnachweise eingerichtet sind: für N. Anklamerstr. 49 bei Nürnberg, für O. St. Andreasstr. 19 bei Delze. Die Fachschule der Freien Vereinigung der Damenmäntel- Schneider und Arbeiterinnen der Bekleidungs- Industrie Berlins" befindet sich Königstr. 34-36; Lehrer Herr Schmidt. Auch unter den Blätterinnen Berlins beginnt es sich Der Antheil vor 193 119 E., welcher gegen 97 600 Mr. zu regen. Die Beschäftigung dieser Arbeiterinnen ist bekanntlich im Vorjahre auf jeden der vier Herren Direktoren entfällt, eine sehr anstrengende, während die Löhne, die in allen Beschäfti Abends weiter arbeiten." Wahrhaftig, das sind würdige Feiertage." Aber vorwiegend aus Mißverständnissen, aus der Gährung einer das Kapital will keine Stunde profitbringende Arbeit missen. Uebergangszeit, aus dem verwirrenden Preßtreiben der Der Herr Fabrikinspektor nennt ganz mit Recht, dies einen Opposition herausgewachsen sind, zu beseitigen." Rompromiß, den die Kirche mit den Unternehmern auf Kosten der Gesundheit der Arbeiter geschlossen hat. Ent weder muß der Besuch des sogenannten„ Gottesdienstes" unterbleiben, oder es muß den Arbeitern dazu die Zeit während der Arbeitszeit gegeben werden. Solche Fälle lassen die Arbeiterfreundlichkeit" der katholischen Geistlichen im richtigen Lichte erscheinen. Wie sehr die Ueberarbeit zugenommen hat ergiebt sich daraus, daß in zwei großen Anlagen während der Fette Tantièmen. Im Berliner Tageblatt" vom 2. April 1890 fann für C. Niederwallftr. 26/27 bei Sandow, für S. Dresdenerstr. 130, man folgende Mittheilung lesen: Dresdener Bank. Zum Geschäftsberichte ergriff Rentier Büchner das Wort, um auf die enorme Höhe der Tantieme hinzuweisen, welche die Verwaltungsorgane statutengemäß beziehen. in Die Görlizer Tischler auf photografische Apparate sind gungszweigen, wo Frauen thätig sind, sehr niedrig bemessen werden.| Anfragen nach Petitionsbogen find sofort nach dem BerBisher war noch keine Organisation unter den Plätterinnen zu eine Lohnbewegung getreten nnd deshalb wird gebeten, Zuzug liner Aufruf massenhaft an uns gelangt. Wir mußten sie unerschaffen. Das soll nunmehr geschehen. fern zu halten. Arbeiter Berlins! Der Streik der hiesigen Böttcher Am 15. April ist in Luckenwalde der Generalstreit unter ledigt lassen und werden nunmehr die von der Reichstagsfraktion dauert unverändert fort. Weit über 200 Stollegen, meist Familien- den Zimmerern ausgebrochen. Wir bitten daher, uns so viel ausgegebenen Listen dafür übersenden. Die Geldbeträge erfolgen väter, sind zu unterſtüßen. Zeigt noch einige Zeit Euer Solidaritäts- wie möglich zu unterstützen. Sammellisten sind zu haben bei zurück. gefühl durch materielle Hilfe und der Sieg ist unser. Die Lohn- H. Wute und Karl Andreas, Belizerstr. 34. Ebenfalls sind Gelder Leser. Vielleicht kann einer unserer Leser uns mittheilen, kommission der Böttcher Berlins. Briefe und Gelder an Friedrich und Listen dahin zu schicken. ob in Berlin ein besonderer Fachverein der Maschinenholzarbeiter Holtmann, Böttcher, hier, Cuvrystr. 62, 3 Tr. Spremberg. In der Grörich'schen Dampftischlerei ist ein besteht und uns eventuelle Statuten übersenden. Wir werden von Streit ausgebrochen. Briefe an Carl Bonat, Töpferstr. 21. Geld- Mannheim aus gefragt. sendungen an Heinrich Lehmann, Zedligstraße 3. Die Sammellisten zum Streik in der Berlin- Nenendorfer Aktienspinnerei sind zurück zu liefern an G. Petzsche, Mühlenstr. 7, Nowawes. Der Streit ist unglücklich verlaufen. Der Generalftreik der Berliner Roll- und Laftfuhr werkskutscher zur Erringung eines Wochenlohnes von 20,50 M. bei einer Arbeitszeit von früh 5 bis Abends 12 Uhr dauert noch immer fort, da die Unternehmer noch nicht bewilligen wollen. Mögen die Arbeiter den Rollkutschern in diesem gerechten Kampfe solidarisch beistehen. Alle Anfragen sind zu richten an Kollegen Brunsch im Restaurant A. Liebig, Zimmerstr. 24 und an den Kassirer Beseke, Lüneburgerstr. 5. Literarisches. " Schwerin. Mit Ihrem Urtheil über die Freim. werden Im Lohnkampf befinden fich: die Hamburger Schuhmacher, die Leipziger Gärtner, die Geraer Tertilarbeiter, die Filzschuharbeiter Sie ungefähr das Rechte getroffen haben. F. K. Ihr Gedicht„ Es liegt die Welt im Wochenbett" in Brandenburg, die Schlosser der Spandauer Gewehrfabrik, die Buch- und Steindrucker von Reinhold Kühn- Berlin, die Berliner fönnen wir nicht bringen. P. D. 33. Der Abdruck ist gestattet, der Verfasser ist Möbelpolirer, die Hagener Tischler. Student. 88. Sie sprachen von Uebersetzung eines„ Gedichts." Darunter denkt man sich eine lange Litanei. Wenn es blos ein paar Zeilen find, warum schicken Sie diese nicht sofort ein? Das Die Zeitschwingen", Monatsschrift für Volksbildung und hätte Ihnen und uns weniger Mühe gemacht, wie das Hin- und Die Schuhmacher werden dringend vor Zuzug nach Berlin Aufklärung. Herausgegeben von Josef Beranek. Reichenberg Herfragen und-antworten. gewarnt, da hier die Streikbewegung in vollstem Flusse ist. Die Freireligiöser. Es liegt ja in Ihrer Hand anzuregen, daß Schuhmacher erstreben die Durchführung des von ihnen aufgestellten handlung von Schulz, Wendenstr. 4. Vierteljährlich 75 Kreuzer. Inhalt die Gemeinde inserirt, was sie bei ihrem Bermögensstand nicht ( Böhmen), Ladegasse 23. In Berlin zu beziehen durch die CigarrenLohntarifs, Mindestlohn von 18 Mt. wöchentlich und Einführung des ersten Heftes: Die Arbeiter und die Wissenschaft" von nur könnte, sondern auch sollte. der täglichen zehnstündigen Arbeitszeit, Abschaffung der Sonntags- W. Stiesewetter.„ Volfsbildung- eine Interessenfrage" von Robert B. A. Charlottenburg. Die Regierung kann auflösen, arbeit und Lohnzahlung am Sonnabend. Diejenigen Gesellen, welche die Forderungen bewilligt erhalten, haben wöchentlich eine Seidel, Reallehrer." Ziele und Aufgaben des Freidenkerthums" so oft sie will. Verzeihen Sie die Verspätung. von Walther May." Der Normalarbeitstag" von Otto Lichtmann. Mark zum Ausstandsfonds zu zahlen. Auch in Charlottenburg," Die menschliche Gesellschaft" von A. Behr. ,, Der kranke Arbeiter" Potsdam und Spandau soll der Ausstand verkündet werden. Frankfurt a. M., 21. April. 700 Schuhmacher haben von Dr. B. Glattauer. Gedanken- Perlen. Zeichen der Zeit. heute die Arbeit niederlegt, da mit den Meistern kein Uebereinkommen Jahresbericht des Vereins der Buchdrucker und wegen Lohnerhöhung erzielt wurde. In einer heute Vormittag Schriftgieker Niederösterreichs vom 1. Januar bis 31. Destattgefundenen Massenversammlung wurde der allgemeine Ausstand zember 1889. Wien, Genossenschaftsbuchdruckerei( IX, Alſerſtr. 32.) proflamirt. Der 1. Mai. Ein Zeitbild in drei Abtheilungen von Heinrich Friedrich. Leipzig, Ed. Schulze. In Hamburg, Breslau, Hannover, Kiel haben die Maler und Anstreicher die Arbeit eingestellt. In Freiburg i. B. sowie in Altenburg sind dieselben wegen ihrer Zugehörigkeit zur Vereinigung seitens der Meister ausgesperrt worden. Sämmtliche Kollegen Deutschlands werden strengstens ersucht, den Zuzug nach diesen genannten Städten fernzustalten. Etwaige Anfrage sind zu richten an Schweizer, Dennewigstr. 26. Literatur. Cigarrenarbeiter Dresden. Sie hatten keine Adresse beigefügt, so daß wir nicht zurücksenden konnten. Unter den vor= liegenden Verhältnissen werden Sie es entschuldigt haben, daß wir den Aufruf nicht brachten, schließlich hätte es wieder geheißen, wir hätten ihn veranlaßt und Sie ſeien die von uns Genasführten. Zur Beachtung! Lichtblicke. Ein Friedensruf. Friedensgesellschaft 47, New Broad Street, London, E. C. Berlin, Löwenthal, Grünstr. 4, Auf vielseitigen Wunsch haben wir zum Aufhängen an der 1890. Die Schrift weicht in nichts von der gewöhnlichen Friedens- Wand ein Plakat( bedeutend höher und breiter wie unsere Zeitungsbujelei der bekannten Bourgeoisideologen ab; das Militär schafft feite, auf starkem Starton) für die den sozialen Nothstand und den Krieg, darum Friedenskongresse und eine internationale Kolonialpolitik! Es muß auch solche Stäuze geben. Briefkasten. Die Zimmerer Hamburgs find im Lohnkampf. Die Zimmerer Hamburgs haben immer ihre volle Pflicht und Schuldigfeit gethan, sie haben stets ihr Opfer gebracht, wenn es nöthig war, für die deutsche Arbeiter-, speziell Zimmerer- Bewegung einzutreten. Darum thut auch Ihr Eure volle Pflicht und haltet den Zuzug nach Hamburg schon jest strenge fern. Sind unsere Angelegen- Alle Inserate und redaktionellen Einsendungen heiten wieder geordnet, so ist uns jeder Arbeitsbruder lieb und will- bitten wir bis Donnerstag Mittag in unsere Hände getommen, aber vorlänfig trachte Keiner nach Hamburg. Hamburg, langen zu lassen, da sonst die Aufnahme nicht verbürgt im April 1890. Die Lohnkommission. Der Vorstand des Lokal- werden kann. verbandes der Zimmerer Hamburgs, F. Schrader, Vorsitzender, Bei unregelmäßiger Postlieferung hat man sich Breitestraße 10, II. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um stets zunächst beschwerdeführend an das Poſtamt zu wenden. Dieses Abdruck gebeten. Delitzsch. Allen Schuhmachern Deutschlands zur Nachricht, muß jede ausgebliebene Nummer sofort nachbestellen und liefern. daß wir hier wegen Werkstattordnung und Lohndifferenzen in Unter- Die Erpedition hat mit den Sendungen an die einzelnen Bostämter handlung stehen und bitten Zuzug streng fern zu halten. Der Ge- gar nichts zu thun, das besorgt alles das Zeitungspostamt in Berlin, hülfenausschuß. J. A. Ernst Jos. Laube, Quergasse 504. Gary a. Oder. Partieller Maurerstreif. Zuzug fernzu- das Woche für Woche eine bestimmte Gesammtzahl( für ganz Deutschhalten. Briefe und Sendungen an W. Zahl, Gastwirth in Garz a. D.land) ausgehändigt erhält. Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler begründete Arbeitsnachweis befindet sich Wallstrasse 7-8. Die Arbeitsvermittelung geschieht für Meister und Gefellen( auch Nichtmitglieder) unentgelt lich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 7 Uhr Morgens bis 7 1hr Abends, Sonntags von 9-11 Uhr Vormittags. Der Vorstand. Allen Freunden und Genossen empfehle mein ,, Berliner Volks- Tribüne" und ,, Berliner Arbeiterbibliothek" in guter Ausstattung herstellen lassen. Wir senden dasselbe an alle unsere Kolportenre, um es in besuchten Lokalen anzubringen, würden aber erfreut sein, wenn uns besonders in Orten, wo Volks- Tribüne" und" Arbeiterbibliothek" wenig gelesen sind die Genossen Lokale( Restaurationen, Fabriken, Lese= zimmer u. f. w.) angeben würden, in welchen das Plakat angeschlagen werden kann. Wirthen und Vereinen, welche das Plakat auslegen, find wir gern bereit, eine Zeit lang die„ Volks- Tribüne" gratis zur Einsichtnahme seitens der Gäste und Mitglieder zu liefern. Die Expedition der ,, Berliner Volks- Tribüne" Berlin, Oranienstraße 23. Berliner Arbeiterbibliothek. I. Serie. Herausgegeben von Max Schippel- Berlin. Eine Sammlung allgemein verständlicher Agitationsschriften in bester Ausstattung und zu niedrig= stem Preise, die wir allen Lesern der Volks- Tribüne", sowie allen Mitgliedern von Arbeitervereinen aller Art bestens empfehlen. Heft 1. Ein sozialistischer Roman. Nach dem Amerikanischen. Von Edward Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Heft 2. Weiß- u. Bairisch- Bier- Lokal. 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Herrmann Wuttke, Friedrichsbergerstr. 20, pt. Heft 3. Heft 4. Heft 5. Heft 6. Die Gewerkschaften, ihr Nutzen und ihre Bedeutung für die Arbeiter: bewegung. Von May Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara 3 etkin Paris. 40 Seiten. Preis 20 Pfg. Die franzöfifche Arbeiterbewegung seit der Pariser Kommune. Von Ossip Bettin- Paris.+ 48 Seiten. Preis 20 Pfg. Charakterköpfe aus der französischen Arbeiterbewegung. Von Ossip 3ettinParis t. 48 Seiten. Preis 20 Pfg. Die Haus: Industrie in Deutschland. Von Paul Kampffmeyer- Genf. 32 Seiten Preis 15Pfg. Frankfurt a. M. " Allen Freunden und Parteigenossen empfehle ich die„ Berliner Volks- Tribüne" und ganz besonders die Berliner Arbeiterbibliothek". I. Serie 12 Hefte. Preis pro Heft 15 u. 20 Pf. 1. Heft: Ein sozialistischer Roman. 2. Heft: Die Gewerkschaften, ihr Nußen und ihre Bedeutung. 3. Heft: Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der 4. Heft: Der Sozialismus in Gegenwart. Frankreich seit der Pariser Kommune. 5. Heft: Charakterföpfe aus der französischen Arbeiterbe= wegung. 6. Heft: Die Hausindustrie in Deutsch= land. 7. Heft: Junker und Bauer. 8. Heft: Die wirthschaftlichen Umwälzungen und die Entwicklung der Sozialdemokratie. 9. Heft: Die Marr'sche Werththeorie. 10. Heft: Die Sozialdemokratie und der deutsche Reichstag. 11. Die soziale Frage auf dem Lande. 12. Heft: Internationale Arbeitsschutzgesetzgebung. Möchte jeder Genosse dazu beitragen, daß die Losung muß sein: immer mehr Licht. W. Gründel's Restaurant eft 7. Junker und Bauer. Von Paul Kampffmeyer- Genf. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Bibliothek jeder Arbeiter bekommt, denn unsere ( früher: R. Wendt.) Dresdenerstraße 116. Arbeitsnachweis und Verkehr der Buchbinder, Schlosser, Drechsler, Maler, Töpfer, Stellmacher, Sattler und Gärtner. Reichhaltiger Frühstücks-, Mittags: und Abendtisch. Borzügliches Weiß- und Bairisch- Bier. 2 Billards und Kegelbahnen. Saal zu Versammlungen. Fernsprech- Anschluß. Amit 9a. Nr. 578. Albert Auerbach, Berlin S., Kottbuser Damm 7. Schuh- und Stiefel- Lager für Herren, Damen und Kinder. Reelle Bedienung. Feste Preise. Empfehle den Genossen meine zum Minimal- Sohnlarif der Berliner Tabakarbeiter verfertigten Cigarren. Wilh. Boerner, Heft 8. Die wirthschaftlichen Umwälzungen unserer Zeit und die Entwicklung der Sozialdemokratie. Von Mar Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Heft 9. Die Marg'sche Werththeorie. Zur Einführung in das Studium von Mary. Paul Fischer- London. 52 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 10. Die Sozialdemokratie und der Deutsche Reichstag. Materialien zum Gebrauch für sozialdemokratische Reichstagswähler. 36 Seiten. Preis 15 PfgHeft 11. Die soziale Frage auf dem Lande. Von Paul Kamffmeyer- Genf u.* 40 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 12. Die internationale Arbeitsschutzgesetzgebung. 32 Seiten. Preis 15 Pf. * * Von Paul Ernst- Berlin. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure und die Expedition der ,, Berliner Volks- Tribüne", Berlin S.0., Oranienstr. 23. Jedes Heft ist einzeln käuflich. Cottbus. Wiederverkäufer, sowie Arbeitervereine erhalten hohen Rabatt. Cottbus. Zur gefälligen Beachtung! Hierdurch zeige ganz ergebenst den Lesern dieses Blattes an, dass ich in Cottbus, Rossstrasse 1, ein Fest- Zeitung zum 1. Mai in eleganter Ausstattung. Den geehrten Genossen, Vereinsvorständen, sowie Kolporteuren zum Verkauf als be= Tuchrefterverfandtgeschäft sonders lohnend zu empfehlen. eröffnet habe und halte mich bei Bedarf bestens empfohlen. Achtungsvoll Hugo Heinrich. Ritterstr. 108, d. 2. Haus v. d. Prinzenstr. NB. Muster nach Auswärts franko gegen franko. Sozialdemokratischer Leseund Diskutierklub„ Herwegh" ladet alle Freunde, Gönner und Genossen zu der am 1. Mai stattfindenben Landparthie ein. Nach mittags 1/2 Uhr. Treffpunkt Bahnhof Treptow. Der Vorstand. Kleiderstoffe, Damenmäntel, KinderKleidchen, Kindermäntel, Sonnenschirme, findet man in größter Auswahl zu ftreng reellen Preisen bei W. Lehmann, Stettinerstr. 12 u. Badstr. 33. Empfehlung! von Unterzeichneter empfiehlt sich zum Verkauf der selbstverfertigten Portreide gewebt Da dieselben gut ausgeführt sind, weder vergilben noch ausbleichen, so hoffe ich auf Unterstützung bei diesem Unternehmen. Preis pro Bild 75 Pf., in Dtz. 25 pCt. Rabatt excl. Rabatt_excl. Porto gegen Nachnahme. Diese Bilder liegen in Berlin in der Expedition der Volkstribüne" zur Ansicht aus. 13 Ernstthal Ost- St. b. Chemnitz. Herm. Henker. Einzelverkaufspreis pro Exemplar 10 Pf. Hoher Rabatt. Zusendung gegen Einsendung des Betrages oder Post- Nachnahme vom Verleger Es. Wünning, Hamburg, Hanſaplaß 3. Die Karton- Arbeiterinnen und Arbeiter Berlins befinden sich in einen allgemeinen Ausstand. auswärtigen Blättern nach Arbeitskräften den Die Fabrikanten suchen durch Annonciren in Ausstand illusorisch zu machen. fich nicht zu Streitbrechern herzugeben. Die Fa Wir verlangen von dem Proletariat Deutschlands brifanten versprechen hohen Lohn und sonstige Bergünstigungen, aber sie halten ihr Wort nicht. auf die Gesuche, haltet den Zuzug fern. Also, Arbeiterinnen und Arbeiter, gebt nichts Mit Gruß Kommission d. 8- Std.- Bewegung der Kartonarbeiter und Arbeiterinnen. H. Faust, Schäfergaffe 15, 4 Tr. Frankfurt a. M. Oigarren u. Tabake reichhaltiges Lager bon O. Klein. 15. Ritterstraße 15. [ 40 Daselbst Zahlstelle der Gürtleru. Bronceure( E.H.60. Allen Freunden und Genossen empfehle meine Restauration. Für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt. Ein Vereinszimmer zu vergeben. 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Die sozialdemokratische Fraktion des Deutschen Reichs-[ öffentlichen Erholungs- oder Vergnügungs- Anstalten, sowie feine Waaren borgen oder ihren Waaren an Stelle von Ge tages hat folgenden Antrag eingebracht: bei denjenigen Gewerben, die ihrer Natur nach einen un- halt oder Lohn verabreichen oder verabreichen lassen. unterbrochenen Betrieb erforderit. Gesek, betreffend die Abänderung der Titel I, II, VII, IX, X und der Schlußbeſtimmungen der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen 2c. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags, was folgt: Artikel I. Dent Titel I der Gewerbeordnung wird Folgendes hinzugefügt: § 13 a. Jn Straf, Versorgungs- und Beschäftigungsanstalten, welche aus öffentlichen Mitteln unterhalten oder unterstützt werden, sind in erster Reihe gewerbliche Arbeiten für den eigener Bedarf, den Bedarf des Reichs, eines Staats oder eines Gemeindeverbandes auszuführen. Der Verkauf gewerblicher Erzeugnisse für eigene Nechnung, für Rechnung des Reiches, eines Staates oder eines Gemeindeverbandes darf nur zu den marktmäßigen Preisen stattfinden. Artikel II. Der§ 14 der Gewerbeordnung wird aufgehoben und durch folgende Bestimmungen ersetzt: §14. Wer den selbstständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt, muß der für den Ort, wo solches geVerkaufsstellen aller Art dürfen an Sonn- und Fest tagen höchstens fünf Stunden geöffnet und müssen spätestens Nachmittags 4 Uhr geschlossen sein. Die nähere Beitbestimmung steht der höheren Verwaltungsbehörde zu. Welche Tage als Festtage gelten, bestimmen die Landesregierungen. Dagegen können dem Hilfspersonal Wohnung, Feuerungsbedarf, Landmuchung, regelmäßige Beköstigung, Arzneien und ärztliche Hilfe, sowie Werkzeuge und Stoffe zu den ihnen übertragenen Arbeiten als Gehalt oder Lohn angerechnet werden, aber nicht höher als zu den Selbstkostenpreisen. § 116. Hilfspersonen, deren Forderungen in einer den §§ 114 und 115 zuwiderlaufenden Weise berichtigt worden Das Arbeitsamt ist befugt, die Arbeit an Sonn- und sind, können zu jeder Zeit Zahlung nach Maßgabe des§ 114 Festtagen zeitweilig und ausnahmsweise zu gestatten, wenn verlangen, ohne daß ihnen eine Einrede aus dem an Zahlungs Unglücksfälle oder Naturereignisse den regelmäßigen Betrieb statt Gegebenen entgegengesetzt werden kann. Letzteres fällt, soweit unterbrochen haben oder der Betrieb sich zur Verhütung es noch bei dem Empfänger vorhanden oder dieser daraus bes von Unglücksfällen als unumgänglich nothwendig erweist. reichert ist, derjenigen Hilfskasse zu, welcher die Hilfsperson Die Arbeit in den für Werktage vorgeschriebenen angehört, in Ermangelung einer solchen Hilfskaffe einer Schranken ist ferner gestattet, wo Märkte oder Messen in anderen zum Besten der Hilfspersonen an dem Orte beSonn- oder Festtage fallen. Das Nähere bestimmt die stehenden, von dem Arbeitsamt zu bestimmenden Kasse. höhere Verwaltungsbehörde. § 117. Verträge, welche den§§ 114 und 115 zuwiders Hilfspersonen, die bei regelmäßigem Sonn- und Fest- laufen, sind nichtig. Dasselbe gilt von Verabredungen tagsbetrieb beschäftigt sind, ist in der Woche eine ununter- zwischen den Unternehmern und den von ihnen beschäftigten brochene Ruhezeit von 36 Stunden zu gewähren. Hilfspersonen über die Entnahme der Bedürfnisse der letz§ 108. Die Nachtarbeit ist verboten. teren aus gewissen Verkaufsstellen. Das Arbeitsamt ist befugt, unter Zustimmung der Arbeitskammern dieselbe zu gestatten: a) bei dem Betrieb von Verkehrs- und Transportanstalten; b) bei solchen Gewerben, die ihrer Natur nach Nacht arbeit erfordern. Keine Hilfsperson kann zu Beiträgen für sogenannte Wohlfahrtseinrichtungen( Betriebs- Sparkassen u. dgl.) verpflichtet werden. § 118. Forderungen für Waaren, welche dem§ 115 zuwider geborgt worden sind, können von dem Gläubiger weder eingeklagt, noch durch Anrechnung oder sonst geltend ge Hilfspersonen, die eine volle Schicht bei regelmäßiger macht werden, ohne Unterschied, obzwischen den Betheiligten unNachtarbeit beschäftigt waren, dürfen in der darauf fol- mittelbar entstanden oder unmittelbar erworben sind, und fallen schieht, nach den Bundesgesetzen zuständigen Behörde An- genden Tagesschicht nicht beschäftigt werden. dergleichen Forderungen der im§ 116 bezeichneten Kasse zu. zeige davon machen. Diese Anzeige liegt auch Demjenigen Hilfspersonen, die bei regelmäßiger Nachtarbeit, aber § 119. Den Unternehmern im Sinue der§§ 114 bis ob, welcher zum Betriebe eines Gewerbes im Umherziehen nicht in voller Schicht beschäftigt waren, ist von dem Zeit- 118 sind gleich zu achter deren Familienglieder, Gehilfen, ( Titel 111) befugt ist. punkt der Beendigung der Arbeit bis zu ihrem Wieder- Beauftragte, Geschäftsführer, Aufseher und Faktore, sowie Wer für eigene Rechnung oder für Rechnung Anderer beginn eine Ruhezeit von mindestens acht Stunden zu gewähren. andere Unternehmer, bei deren Geschäft eine der hier eroder im Auftrage Anderer ein Gewerbe betreiben will, hat§108a. Für Arbeiterinnen jeglichen Alters und männ- wähnten Personen unmittelbar oder mittelbar betheiligt ist. bei Eröffnung des Gewerbebetriebs die Betriebsstätte des- liche Arbeiter unter achtzehn Jahren ist die regelmäßige Unter den in SS 114-118 bezeichneten Hilfspersonen selben, sowie jeden späteren Wechsel der Betriebsstätte Nachtarbeit verboten. Auch dürfen Arbeiterinnen jeglichen werden auch diejenigen Personen verstanden, welche für beſpätestens am Tage seines Eintritts der zuständigen Behörde seines Alters weder auf Hochbauten noch unter Tag beschäftigt werden. stimmte Unternehmer außerhalb der Betriebsstätten der Wohnorts und dem Arbeitsamt seines Bezirks( S 33) anzugeben.§ 108b. Das Arbeitsamt ist befugt, Nachtarbeit vor- letzteren mit der Anfertigung gewerblicher Erzeugnisse beAußerdem hat, wer Versicherungen für eine Mobiliar übergehend zu gestatten: schäftigt sind.( Heimarbeiter, Hausindustrielle). oder Immobiliar- Feuerversicherungs- Anstalt als Agent oder Unteragent vermitteln will, bei Üebernahme der Agentur, und Derjenige, welcher dieses Geschäft wieder aufgiebt, oder welchem die Versicherungsanstalt den Auftrag wieder entzieht, innerhalb der nächsten acht Tage der zuständigen Behörde seines Wohnorts davon Anzeige zu machen. Artikel III. a) wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Betrieb unterbrochen haben; b) wenn Nachtarbeit sich zur Verhütung von Unglücksfällen als unumgänglich nothwendig erweist. § 120. Die Unternehmer sind verpflichtet, bei der Be schäftigung von Hilfspersonen unter achtzehn Jahren die burch das Alter derselben gebotene besondere Rücksicht auf Gesundheit und Sittlichkeit zu nehmen. § 109. Wöchnerinnen dürfen vor und nach ihrer Sie müssen Denjenigen von ihnen, welche eine von der Niederkunft im Ganzen während acht Wochen nicht beschäf- Gemeindebehörde oder vom Staate als Fortbildungsschule tigt werden und darf eine Kündigung oder Entlassung der anerkannte Unterrichtsanstalt besuchen, hierzu die erforderDer Titel VII der Gewerbeordnung wird aufgehoben selben aus der Arbeit während dieser Zeit nicht stattfinden. lichenfalls von der zuständigen Behörde festzusetzende Zeit und durch folgende Bestimmungen ersetzt: § 109 a. Das Reichs- Arbeitsamt(§ 132) fann die Ver- gewähren. Wo eine landesgesetzliche Verpflichtung zum wendung von jugendlichen, sowie weiblichen Hilfspersonen Besuch einer Fortbildungsschule nicht besteht, fann dieselbe und Sittlichkeit verbunden sind, gänzlich untersagen oder von richt in die Werktage fällt, darf derselbe nicht außer der in Betrieben, welche mit besonderen Gefahren für Gesundheit durch Ortsstatut vorgeschrieben werden. Soweit der Unterbesonderen Bedingungen abhängig machen. Titel VI Verhältnisse des gewerblichen und kauf männischen Hilfspersonals, einschließlich der Lehrlinge. Dauer und Regelung ihrer Beschäftigung. § 105. Die Festsetzung der Verhältnisse zwischen den Unternehmern oder ihren Bevollmächtigten einerseits und ihrem gewerblichen Hilfspersonale andererseits ist, vorbe haltlich der durch Reichsgesetz begründeten Beschränkungen, Gegenstand freier Uebereinkunft. Das Hilfspersonal ist in der Wahl der Unternehmer unbeschränkt. § 109 b. Arbeitsmethoden, welche die Gesundheit der Arbeiter besonders schädigen, sind durch das Reichsarbeitsamt zu verbieten, sobald der Arbeitszweck auf andere Weise erreicht werden kann. $ 110. Ein Unternehmer, der mit Unterstützung von Hilfspersonen eir stehendes Gewerbe betreibt, ist zum Erlaß einer Arbeitsordnung verpflichtet. nach den§§ 106 und 106a festgesetzten Arbeitszeit stattfinden. § 120a. Die Unternehmer sind verpflichtet, alle diejenigen Einrichtungen herzustellen und zu unterhalten, welche mit Rücksicht auf die besondere Beschaffenheit des Betriebs und der Betriebsstätte zu thunlichster Sicherheit gegen Gefahr für Leben und Gesundheit nothwendig sind und durch Verfügung des Reichs- Arbeitsamts oder auf Anordnung des Arbeitsamts oder des Aufsicht übenden Beamten vorges schrieben werden. Die Arbeitsordnung ist, nachdem sie dem Hilfspersonal zur Meinungsäußerung vorgelegt und durch Vermittelung§ 121. Streitigkeiten der Unternehmer mit ihren Hilfs § 106. Unternehmungen, welche unter dies Gesetz des Arbeitsamts von der Arbeitskammer genehmigt worden personen, die auf die abgeschlossenen Verträge, den Antritt, fallen, darf die Arbeitszeit für alle über 16 Jahre alten ist, an einer dem Hilfspersonal leicht zugänglichen und in die Fortsetzung oder Aufhebung des Arbeitsverhältnisses, Hilfspersonen vom Tage des Inkrafttretens dieses Gesetzes die Augen fallenden Stelle in der Betriebsstätte auszuhängen. auf die gegenseitigen Leiſtungen aus demselben, auf die Eran täglich höchstens 10 Stunden, an Sonnabenden( Samstheilung oder den Inhalt der Zeugnisse sich beziehen, werden tagen), Vorabenden der hohen Feste höchstens 8 Stunden, gerichte(§ 137) entschieden. durch die aus den Arbeitskammern zu bildenden Schiedsausschließlich der Pausen, währen. Bom 1. Januar 1894 an wird die höchstzulässige Arbeitszeit auf täglich neun, vom 1. Januar 1898 an auf acht Stunden herabgesetzt. Bei Arbeiten unter Tag( in Bergwerken, Salinen 2c.) oder in Betrieben, in denen ununterbrochen Tag- und Nachtarbeit stattfindet, darf die tägliche Arbeitsschicht acht Stunden nicht überschreiten; bei Arbeiten unter Tage ist hierbei die Zeitdauer der Ein- und Ausfahrt in die Arbeitszeit einzurechnen. Jugendliche Hilfspersonen im Alter von vierzehn bis sechszehn Jahren dürfen täglich nicht über acht Stunden beschäftigt werden. Kürzere Arbeitsschichten sind der freien Verabredung beider vertragschließenden Theile überlassen. § 106a. In der Zeit vom 1. April bis 30. September darf die Arbeitsschicht für Betriebe nach§ 106 Abjay I nicht vor Morgens 6 Uhr, vom 1. Oktober bis 31. März nicht vor Morgens 7 Uhr beginnen und muß spätestens Abends 7 Uhr beendet sein. In der Arbeitsschicht müssen Pausen von mindestens zwei Stunden eintreten. Die Arbeitsstunden sind nach der öffentlichen Uhr zu richten und sind dem Arbeitsamt des Bezirks anzuzeigen. Das Verlassen der Arbeitsstätten während der Pausen darf dem Hilfspersonale micht untersagt werden. Das Arbeitsamt ist befugt, unter Zustimmung der Arbeitskammer(§ 134), für Betriebe, wo dies im Interesse aller Betheiligten liegt, den Beginn der Arbeitsschicht während der Sommerszeit eine Stunde früher zu gestatten, in welchem Falle die Arbeitsschicht eine Stunde früher zu endigen hat. Ferner tann das Arbeitsamt unter Zustim mung der Arbeitskammer die Verkürzung der Pausen bis auf eine Stunde gewähren, um emen entsprechend früheren Schluß der Arbeitsschicht herbeizuführen. Das Arbeitsamt ist ferner befugt, eine Verlängerung der gesetzlichen Arbeitsschicht um höchstens zwei Stunden täglich und auf höchstens drei Wochen ausnahmsweise zu gestatten, wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Betrieb unterbrochen haben. § 111. Die Arbeitsordnung muß enthalten: 1. die Bestimmungen der§§ 105-121 dieses Gesetzes; 2. Bestimmungen über Anfang und Ende a) der Arbeitsschichten, b) der Pausen; 3. über die Zeit und Art der Lohnzahlung; § 122. Die gewerbsmäßige Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren ist verboten. § 123. Ein Unternehmer, der jugendliche Hilfspersonen 4. über die Dauer der Kündigungsfristen und die Art unter sechszehn Jahren beschäftigen will, hat vor dem Be der Kündigung mit der Maßgabe, daß die Bedin- ginn der Beschäftigung dem Arbeitsamt eine schriftliche Angungen für beide Theile gleich find und daß die zeige zu machen. In der Anzeige sind der Betrieb, die Wochentage, an Kündigungsfrist in der Regel sür gewerbliche Hilfswelchen die Beschäftigung stattfinden soll, sowie die Art der personen vierzehn Tage und für kaufmännische Hilfs Beschäftigung anzugeben. Eine Aenderung hierin darf, abpersonen einen Monat beträgt; gesehen von Verschiebungen, welche durch Ersetzung behinderter 5. Die vom Reichs- Arbeitsamt in Berücksichtigung der beson- Arbeiter für einzelne Arbeitsschichten nothwendig waren, nicht deren Beschaffenheit des Gewerbebetriebs und der Be- erfolgen, bevor eine entsprechende wettere Anzeige der Betriebsstätte erlassenen Anordnungen; hörde gemacht ist. 6. die Adresse des Arbeitsamts und die bei demselben In jedem Betrieb hat der Unternehmer dafür zu sorgen, üblichen Geschäftsstunden; Geldbußen wegen Nichtbeachtung der Vorschriften der personen beschäftigt werden, an einer in die Augen fallenden daß in den Betriebsräumen, in welchen jugendliche HilfsArbeitsordnung dürfen fünf Prozent des durchschnittlichen Stelle ein Verzeichniß derselben unter Angabe ihrer ArbeitsArbeitstagsverdienstes nicht überschreiten und zum Nuzen tage, sowie des Beginns und Endes ihrer Arbeitsdes Hilfspersonals zu verwenden. Beschwerden gegen die Arbeitsordnung oder deren Hand- zeit und der Pausen ausgehängt ist. Ebenso hat er dafür zu sorgen, daß dafür zu sorgen, daß in den bezeichneten Räumen habung sind bei dem Arbeitsamte anzubringen und durch eine Tafel ausgehängt ist, welche in der vom Reichs- Arbeitsdie Arbeitskammer zu entscheiden. Von der Arbeitskammer nicht genehmigte Arbeitsord- amt zu bestimmenden Fassung und in deutlicher Schrift einen nungen haben für das Hilfspersonal keine verbindliche Kraft. Auszug aus den Bestimmungen über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter enthält. § 112. Die Hilfspersonen sind verpflichtet, den Anordmungen der Unternehmer in Beziehung auf die ihnen über tragenen Berufsarbeiten Folge zu leisten; zu häuslichen Arbeiten sind sie nicht verbunden. § 113. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Führung von Arbeitsbüchern besteht nicht. Beim Abgange können Hilfspersonen ein Zeugniß über die Art und Dauer ihrer Beschäftigung fordern, welches auf ihren Antrag vom Arbeitsamt fosten- und stempelfrei zu beglaubigen ist. Dieses Zeugniß ist auf ihr Verlangen auch auf die Führung auszudehnen. § 124. Ein Unternehmer, der Lehrlinge beschäftigen will, muß mit dem Vater oder Vormund des Lehrlings einen schriftlichen Lehrvertrag abschließen. Der Lehrvertrag ist auf Verlangen durch das zuständige Arbeitsamt stempel- und kostenfrei zu beglaubigen und muß folgende Bestimmungen enthalten: a) über die gewerblichen Verrichtungen, in welchen der Lehrling zu unterrichten ist; b) über die Dauer der Lehrzeit, sowie die etwaigen besonderen Bedingungen, unter welchen der Lehrvertrag vor Ablauf der Lehrzeit einseitig aufgehoben werden kann; Jede Kennzeichnung der Zeugnisse, welche bewirken soll, daß c) über Vereinbarung einer Probezeit, innerhalb welcher der Inhaber in seinem Fortkommen behindert werde, ist verboten. beiden Theilen der Rücktritt vom Lehrvertrage freisteht; § 114. Die Unternehmer sind verpflichtet, dem gewerb- d) über die Höhe des Lehrgeldes, beziehentlich über die unentFür Hilfspersonen, die während der Mittagspause ihre Wohnung nicht erreichen können und das Mittagessen lichen Hilfspersonal den Lohn wöchentlich, dem tauf- geltliche Unterweisung oder den Lohn des Lehrlings. Die Lehrzeit muß mindestens zwei Jahre währen und in der Betriebsstätte einzunehmen gezwungen sind, ist der männischen monatlich, ohne andere Abzüge, als auf Grund Unternehmer verpflichtet, außerhalb der Arbeitsräume und ausdrücklicher gesetzlicher Bestimmungen zulässig sind, baar darf die Dauer von drei Jahren nicht überschreiten. Die in der falten Jahreszeit geheizte Räumlichkeiten unentgeltlich in Reichswährung auszuzahlen. Als Lohnzahltag gilt für Probezeit darf höchstens sechs Wochen dauern und muß in das gewerbliche Hilfspersonal der Freitag und falls dieser die Lehrzeit voll eingerechnet werden. zur Verfügung zu stellen. § 107. An Sonn- und Festtagen ist gewerbliche Arbeit ein Festtag ist, der diesem vorhergehende Werktag. Das Inne-§ 125. Der Lehrherr ist verpflichtet, den Lehrling in verboten. Zwischen der Beendigung und dem Wiederbeginn behalten verdienten Lohnes ist verboten. Bei Akkordarbeit, den bei seinem Betriebe vorkommenden Arbeiten des Gewerbes der Arbeit muß eine Ruhepause von, 36 Stunden, und wenn welche bis zum Lohnzahltag nicht zum Abschluß gebracht wer in der durch den Zweck der Ausbildung gebotenen Reihenzwer Feiertage einander folgen, eine solche von 60 Stunden den kann, ist dem Arbeitenden eine Abschlagszahlung zu ge- folge und Ausdehnung zu unterweisen. Er muß entweder liegen. Ausgenommen hiervon ist die Beschäftigung bei Ver- währen, weiche mindestens die Höhe des für die gleiche Leistung in selbst oder durch einen geeigneten, ausdrücklich dazu bestimm= kehrs- und Transport- Anstalten, soweit sie den nothwendigen der Betriebsstätte geltenden Durchschnittswochenlohnes erreicht. ten Vertreter die Ausbildung des Lehrlings leiten. Er darf & 115. Die Unternehmer dürfen ihrem Hilfspersonal| dem Lehrlinge die zu seiner Ausbildung erforderliche Zeit Betrieb derselben betrifft, bei Gastwirthschaften aller Art, und Gelegenheit durch Verwendung zu anderen Dienst- Inöthigen Exemplare an die Mitglieder der Arbeitskammer, auch für die Verhandlungen und Entscheidungen der ArbeitsLeistungen nicht entziehen. Er hat den Lehrling zur Arbeit das Reichs- Arbeitsamt und die Landes- Zentralbehörden un- kammer. Die Urtheile der letzteren sind sofort vollstreckbar. samkeit und zu guten Sitten anzuhalten. Zu häuslichen entgeltlich zu verabfolgen sind. Der Bericht ist vor der VeröffentDienstleistungen ist der Lehrling nicht verbunden. § 126. Unternehmer, welchen die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, dürfen, so lange ihnen diese Rechte entzogen bleiben, weder mit der Ausbildung von Lehrlingen sich befassen, noch ist ihnen die Beschäftigung von jugendlichen Hilfspersonen unter sechszehn Jahren gestattet. lichung der Arbeitskammer zur Genehmigung zu unterbreiten. Das Reichs Arbeitsamt hat die bei ihm eingehenden Jahresberichte der Arbeitsämter alljährlich zu einem allgemeinen Bericht zusammenzustellen, der dem Bundesrathe und dem Reichstage vorzulegen ist. § 139. Die Mitglieder der Arbeitskammern und der Schiedsgerichte erhalten Tagegelder und Entschädigung der Reisekosten. § 140. Das Reichs- Arbeitsamt ist verpflichtet, alljährlich einmal Vertreter sämmtlicher Arbeitskammern zu einer allgemeinen Berathung über die wirthschaftlichen Interessen zu berufen. Zu dieser allgemeinen Berathung entfendet jede Arbeitskammer je einen Vertreter der Unternehmer und der Hilfspersonen. Die Wahl der Vertreter erfolgt durch jede Klasse gesondert. Die Berichte der Arbeitsämter und des Reichs- Arbeits§ 127. Der Lehrvertrag wird durch den Tod des Lehr- amts sind dem Publicum zum Selfoſtenpreis zugängig zu machen. Herrn oder Lehrlings aufgehoben. Der Lehrvertrag fann seitens§ 134. Für die Vertretung der Interessen der Unter- Der Vorstand der Versammlung wird durch Mitglieder des Unternehmers aufgehoben werden, wenn einer der in nehmer und ihrer Hilfspersonen, sowie zur Unterstützung der des Reichs- Arbeitsamt gebildet. Dieselben haben kein Stimm§ 113 vorgesehenen Fälle auf den Lehrling Anwendung Aufgaben der Arbeitsämter tritt vom 1. Oftober 1891 ab recht. Ueber ihre Geschäftsordnung und die Tagesordnung findet. Von Seiten des Lehrlings kann das Lehrverhältniß in jedem Arbeitsamtsbezirk eine Arbeitskammer in Thätig- der Sizungen beschließt die Bersammlung selbstständig; ihre gelöst werden, wenn der Lehrherr seine gesetzlichen Verpflichkeit, die je nach der Zahl der im Bezirk vertretenen ver- Sizungen sind öffentlich. tungen gegen den Lehrling in einer die Gesundheit, die Sitt- schiedenen Betriebe aus mindestens 24 und aus höchstens§ 141. Die Mitglieder des Arbeitskammertags erhalten lichkeit oder die Ausbildung des Lehrlings gefährdenden 36 Mitgliedern zu bestehen hat. Die Zahl der Mitglieder Tagegelder und Entschädigung der Reisekosten. Weise vernachlässigt oder zur Erfüllung der ihm vertrags- für die einzelnen Bezirke bestimmt das Reichs- Arbeitsamt.§ 142. Die Unterhaltungskosten für die in den§§ 131 mäßig obliegenden Verpflichtungen unfähig wird. Die Mitglieder der Arbeitskammer sind zur Hälfte bis 140 genannten Einrichtungen trägt das Reich; sie sind durch die großjährigen Unternehmer aus ihrer Mitte, zur jährlich in den Reichsetat einzustellen. § 143. Die Vorbereitungsarbeiten für die Bildung der anderen Hälfte durch die großjährigen Hilfspersonen aus deren Mitte auf Grund des gleichen, unmittelbaren und Arbeitsämter, die Anordnung und Leitung der ersten Wahlen geheimen Stimmrechts, unter Gleichberechtigung der Ge- zu den Arbeitskammern vollzieht der Bundesrath. schlechter, mit einfacher Mehrheit zu wählen. Artikel V. § 128. Wird von dem Vater oder Vormund für den Lehrling oder, sofern der letztere großjährig ist, von ihm selbst dem Lehrherrn die schriftliche Erklärung abgegeben, daß der Lehrling zu einem anderen Gewerbe oder anderen Berufe übergeben oder behufs seiner Ausbildung eine Lehranstalt besuchen werde, so gilt das Lehrverhältniß, wenn der Lehrling nicht früher entlassen wird, nach Ablauf von vier Wochen als aufgelöst. Binnen sechs Monaten nach der Auflösung des Lehrvertrags darf der Lehrling in demselben Gewerbe von einem anderen Unternehmer ohne Zustimmung des früheren Lehrherrn nicht beschäftigt werden. § 129. Bei Beendigung des Lehrverhältnisses hat der Lehrherr dem Lehrling unter Angabe des Gewerbes, in welchem der Lehrling unterwiesen worden ist, über die Dauer der Lehrzeit und die während derselben erworbenen Kennt nisse und Fertigkeiten, sowie über sein Betragen ein Zeugniß auszustellen, welches vom Arbeitsamt kosten- und stempelfrei zu beglaubigen ist. § 130. Ausgenommen von den Bestimmungen der §§ 105 bis 129 find: a) die Betriebe der Land- und Forstwirthschaft, soweit Maschinen und Motore nicht zur Anwendung kommen, b) die Dienstverhältnisse der den Gesindeordnungen unter stehenden Personen, c) der Betrieb der Seeschifffahrt, für welche besondere gesetzliche Regelung vorbehalten bleibt. Die Bestimmungen des deutschen Handelsgesetzbuches und die Verordnungen für das Apothekergewerbe sind, so weit sie dem Inhalt der§§ 105 bis 129 widersprechen, aufgehoben. Artikel IV. Der Titel IX der Gewerbeordnung ist aufgehoben und wird durch folgende Bestimmungen ersetzt: Titel IX. Jede Klasse wählt ihre Vertreter für sich. Die Dauer des Mandats der Mitglieder der Arbeits fammern währt zwei Jahre. Die Mandatdauer beginnt und schließt mit dem Kalenderjahr. Bei der Wahl der Mitglieder der Arbeitskammern sind gleichzeitig in Höhe der Hälfte derselben Ersatzpersonen zu wählen. Ersatzpersonen sind diejenigen, die nach den Gewählten die meisten Stimmen haben. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Loos. Die Festsetzung des Wahltages, der ein Sonn- oder Fest tag sein muß, steht dem Reichs- Arbeitsamt zu. Dasselbe hat auch auf dem Verordnungswege die Normen zu bestimmen, unter welchen die Wahlhandlung vorzunehmen ist. In den Wahlausschüssen müssen Unternehmer und Hilfspersonen gleich stark vertreten sein. Die für die Abstimmung bestimmte Zeit ist so festzusetzen, daß Tag- und Nachtschichter sich an der Wahl betheiligen können. Die§§ 97 Ziffer 4, 97a Biffer 6, 98a Biffer 2e, 100d, 100e sind aufgehoben. An Stelle des bisherigen§ 146 treten folgende Bestimmungen: § 146. Mit Geldstrafe bis zu 2000 Mark oder mit Gefängniß bis zu 6 Monaten werden bestraft: 1. Unternehmer, welche dem§ 108a zuwiderhandeln; 2. Unternehmer, welche dent§ 122 zuwider Kinder unter vierzehn Jahren beschäftigen; 3. Unternehmer, welche den auf Grund des§ 109a getroffenen Verfügungen zuwider weiblichen oder jugendlichen Hilfspersonen Beschäftigung geben; 4. Unternehmer, welche der Bestimmung im§ 113 ents gegen die Eintragungen mit einem Merkmale versehen, welches den Inhaber des Zeugnisses günstig oder nachtheilig zu kennzeichnen bezweckt; 5. Unternehmer, welche bei der Zahlung des Lohnes oder Gehalts oder bei dem Verkaus von Waaren an die Hilfspersonen den§§ 114 und 115 zuwiderhandeln; 6. Unternehmer, welche den nach§ 120a getroffenen Anordnungen nicht Folge leisten; 7. wer§ 56 Ziffer 6 zuwiderhandelt. § 146a. Mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark oder mit Gefängniß bis zu drei Monaten werden bestraft: § 135. Die Arbeitskammern haben zunächst den ihnen in den§§ 106a. 110 und 121 zugesprochenen Funktionen in allen das wirthschaftliche Leben ihres Bezirks berührenden Fragen mit Rath und That die Arbeitsämter zu unterstützen. Insbesondere stehen ihnen Untersuchungen zu über die Wirkung von Handels- und Schifffahrtsverträgen, Böllen, Steuern, Abgaben, über die Lohnhöhe, Lebensmittelund Miethpreise, Konkurrenzverhältnisse, Fortbildungsschulen und gewerbliche Anstalten, Modell- und Mustersammlungen, Wohnungszustände, Gesundheits- und Sterblichkeitsverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Sie haben ferner Beschwerden über Mißstände im gewerblichen Leben zur Kenntniß der der bezüglichen Behörden zu bringen, Gutachten über Maßregeln und Gesezzentwürfe abzugeben, welche das wirthschaftliche Leben ihres Bezirks berühren. Endlich sind sie Berufungsinstanz wider die Urtheile der Schiedsgerichte.(§ 137). Reich 3 Arbeitsamt, Arbeitsämter, Arbeitskammern und Schiedsgerichte. Die Ueberwachung und Ausführung der in §131. Die Ueberwachung und Ausführung der in den§ 13a und 14, und den§§ 105 bis 130 dieses Gesetzes § 136. Den Vorsiz in der Arbeitskammer führt der Argetroffenen Bestimmungen, sowie die Anordnung und Oberleitung von Maßregeln und Untersuchungen, welche das beitsrath und im Behinderungsfalle einer seiner Hilfsbeamten. Wohl der in Betrieben irgend welcher Art beschäftigten Der Vorsitzende befizt mit Ausnahme der Fälle, in welchen Hilfspersonen einschließlich der Lehrlinge erfordern, steht dem die Arbeitskammer als Berufungsinstanz wider die Urtheile Reichs- Arbeitsamt zu. Dasselbe hat seinen Siz in Berlin. der Schiedsgerichte entscheidet, kein Stimmrecht. StimmenDie Organisation des Reichs- Arbeitsamts wird durch gleichheit bei der Beschlußfassung gilt als Ablehnung. Der Vorsitzende ist verpflichtet, die Arbeitskammer moein besonderes Gesetz geregelt. § 132. Dem Steichs- Arbeitsamt unterstehen die Arbeits- natlich mindestens einmal, unter Angabe der Tagesordnung, ämter, die durch Reichsgesetz für das Gebiet des Deutschen Reiches einzuberufen; er muß dieses außerdem thun, wenn mindestens in Bezirken von nicht unter 200 000 und nicht über 400 000 Ein- ein Drittel der Mitglieder der Arbeitskammer dies beantragt. wohnern spätestens bis zum 1. Oktober 1891 einzurichten sind. Die Arbeitskammern geben sich ihre Geschäftsordnung selbst, § 133. Das Arbeitsamt wird gebildet aus einem Ar- ihre Sigungen sind öffentlich. beitsrath und mindestens zwei Hilfsbeamten; es faßt seine Beschlüsse und Entscheidungen kollegialisch. -Unternehmer, welche den§§ 106, 106 a, 107, 108, 109 oder der Aufforderung der Behörde ungeachtet den Bestimmungen des§ 120 zuwiderhandeln; Die nach§§ 146 und 146a erkannten Geldstrafen fließen in§ 116 bezeichneten Kaffe zit. Jm§ 147 wird Ziffer 4 aufgehoben. Jin§ 149 erhält Ziffer 7 folgende Fassung: 7. wer es unterläßt, den durch die§§ 110, 111, 123, 124 für ihn begründeten Verpflichtungen nachzukommen oder den§§ 126 und 128 zuwiderhandelt und zwar für jeden Fall der Verlegung des Gesetzes. Der§ 150 wird aufgehoben. An die Stelle der bisherigen§§ 152, 153, 154 treten folgende Bestimmungen:..... beschließt. § 154. Unternehmer und Hilfspersonen können zur Förderung ihrer gewerblichen Interessen in Vereinigungen zusammentreten. Vereinigungen, welche den Zweck haben: § 152. Alle Verbote und Strafbestimmungen gegen Unternehmer und Hilfspersonen wegen Verabredungen und Vereinigungen zum behufe der Erlangung günstigerer Lohnund Arbeitsbedingungen, insbesondere mittelst Einstellung der Arbeit oder Entlassung der Hilfspersonen sind aufgehoben. § 153. Wer Andern durch Anivendung körperlichen Zwanges, durch Drohung, durch Ehrverlegung oder durch § 137. Behufs Schlichtung der erstinstanzlichen Ent Berrufserklärung bestimmt oder zu bestimmen sucht, an scheidung von Streitigkeiten zwischen Unternehmern und solchen Verabredungen oder Vereinen nicht Theil zu nehmen Das Reichs- Arbeitsamt wählt den Arbeitsrath aus zwei ihrem Hilfspersonal bildet die Kammer aus ihrer Mitte oder ihnen nicht Folge zu leisten, sowie derjenige, welcher seitens der Arbeitskammer(§ 134) vorgeschlagenen Bewerbern. Schiedsgerichte, welche aus je zwei Unternehmern und zwei mit Anderen vereinbart, Arbeitern deshalb, weil sie an solchen Die dem Arbeitsrath in Ausübung seines Aufsichtsrechts Hilfspersonen bestehen; sie bestimmt, in welcher Reihenfolge Verabredungen oder Vereinigungen Theil nehmen oder Theil zur Seite stehenden Hilfsbeamten werden von der Arbeits- die Schiedsgerichte zu funktioniren haben, auch kann sie den genommen haben, die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, sie fammer und zwar zur Hälfte von den Unternehmern, zur Sitz der Schiedsgerichte auf verschiedene Orte des Arbeits- nicht in Arbeit zu nehmen oder sie aus der Arbeit zu enttammerbezirks vertheilen. laffen, wird mit Gefängnißstrafe bis zu 3 Monaten bestraft, Hälfte von den Hilfspersonen gewählt. Den Vorsitz im Schiedsgericht hat der Arbeitsrath oder sofern nach dem allgemeinen Strafgesehe nicht eine härtere In Bezirken, wo Betriebe in erheblichem Maße vorhanden sind, in denen hauptsächlich weibliche Hilfspersonen einer seiner Hilfsbeamten. Die Geschäftsordnung für die Strafe eintritt. Ist diese Vereinbarung unter Festsetzung einer Vertragsbeschäftigt werden, sind auch Frauen zu Hilfsbeamten zuernennen. Schiedsgerichte bestimmt die Arbeitskammer. Die Situngen strafe geschlossen, so haben die Vertragsschließenden außerdem stehen die Beamten der Arbeitsämter den für die übrigen leitet die Verhandlungen desselben. In Bezug auf Invalidität und Pensionirung unter der Schiedsgerichte sind öffentlich. § 137 a. Der Vorsitzende beruft das Schiedsgericht und die Vertragsstrafe als Geldbuße verwirkt. Die Beitreibung Das Schiedsgericht dieser Geldbuße erfolgt durch die Polizeibehörde auf AnReichsbeamten giltigen gesetzlichen Bestimmungen. § 133 a. Die Beamten des Reichs- Arbeitsamts und die ist befugt, Zeugen und Sachverständige auch eidlich suchen der Arbeitskammer, welche auch über die Verwendung Arbeitsräthe oder deren Hilfsbeamte haben das Recht, jeder zu vernehmen und überhaupt alle diejenigen Erhebungen zeit Besichtigungen der Betriebsstätten, gleichviel ob die zu veranstalten, die es für die zu ertheilende Entscheidung Unternehmungen von Staat, von Gemeinden oder Privat- für nöthig erachtet. Das Schiedsgericht ist nur beschlußfähig, wenn außer dem unternehmern betrieben werden, vorzunehmen und die ihnen für Leben und Gesundheit der Beschäftigten nothwendig Vorsitzenden eine gleiche Anzahl Unternehmer und Hilfsperscheinenden Anordnungen zu treffen. Denselben stehen bei sonen und zwar mindestens je einer als Beisitzer mitwirken. Die Entscheidungen des Schiedsgerichts erfolgen nach Ausübung dieser Aufsicht alle amtlichen Befugnisse der DrtsStimmenmehrheit. Die vorläufige Vollstreckung wird durch polizeibehörden zu. Soweit diese Anordnungen in den amtlichen Befugnissen die Berufung(§ 138) nicht aufgehalten. § 137b. Versäumt der Kläger ohne genügende Entder Aufsicht übenden Beamten liegen, haben die Unternehmer und ihr Hilfspersonal denselben unweigerlich Folge zu leisten. schuldigung den Verhandlungstermin, so hat er die daraus tragen, auch den Beklagten, Gegen die Verfügungen und Anordnungen einzelner erwachsenen Kosten zu tragen, Beamten des Arbeitsamts steht dem Unternehmer oder seinem wenn dieser vor dem Termin nicht mehr hat benachrichtigt Vertreter binnen einer Woche der Beschwerdeweg an das werden können, auf seinen Antrag eine Entschädigung find Arbeitsamt offen; gegen die Verfügungen und Anordnungen für Zeitversäuminiß nach Höhe der Zeugengebühren im Zivildes Letzteren der Beschwerdeweg binnen einer Woche an das prozeß zu gewähren. Bleibt der Beklagte im Termin aus und begründet Reichs- Arbeitsamt. Das Arbeitsamt ist verpflichtet, sämmtliche Betriebe Kläger seinen Anspruch in genügender Weise, so werden die seines Bezirks mindestens einmal jährlich zu besichtigen. von ihm behaupteten Thatsachen als zugestanden angenommen. Die Unternehmer müssen die amtlichen Besichtigungen zu§ 137c. Als Vertreter oder Beistände der Parteien dürfen jeder Zeit, namentlich auch in der Nacht, wo die Betriebe in der mündlichen Verhandlung nur Verwandte, Angestellte im Gange sind, gestatten. und Berufsgenossen zugelassen werden. Die Aufsicht üben den Beamten sind vorbehaltlich der Anzeige§ 137d. Nach Schluß der Verhandlung ist sofort das vou Gesezwidrigkeiten, zur Geheimhaltung der amtlich zu ihrer Urtheil zu fällen und den Parteien zu verkünden. Die Kenntniß gelangenden Geschäfts- und Betriebsverhältnisse der Wirksamkeit der Urtheilsverkündigung ist von der Anwesenheit der Parteien nicht abhängig und gilt auch derjenigen ihrer Besichtigung unterliegenden Betriebe zu verpflichten. § 133b. Die Ortspolizei- Behörden haben das Arbeits- Partei gegenüber, die den Termin versäumt hat. amt in seiner Thätigkeit zu unterstützen und den Weisungen desselben Folge zu leisten. § 133c. Das Arbeitsamt organisirt innerhalb seines Bezirks den unentgeltlichen Arbeitsnachweis und bildet für diesen eine Zentralstelle. Es ist befugt, in den ihm passend erscheinenden Orten für diesen Zweck Filialen zu errichten, welche, wenn kein gewerblicher Verband sich findet, der eine solche zu übernehmen bereit ist, die Ortspolizeibehörde zu übernehmen verpflichtet ist. a) die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, sei es auf dem Wege freier Vereinbarung oder der Gesetzgebung, zu regeln; b) Fachschulen und Bibliotheken zur Förderung der gewerblichen und geistigen Ausbildung ihrer Mitglieder ins Leben zu rufen; c) Unterstützungskassen für Arbeitslose und Invaliden oder Erwerbs- Genossenschaften zum Nutzen ihrer Mitglieder zu bilden, den landesgesetzlichen Bestimmungen über das Vereins, Versammlungs- und Versicherungswesen nicht unterworfen. Auf ihren Antrag sind solchen Vereinigungen unter den von den Landesgesehen vorgeschriebenen Bedingungen Kor porationsrechte zu ertheilen. Schlußbestimmung: Dieses Gesetz tritt mit dem 1. April 1891 in Kraft. Alle diesem Geseze entgegenstehenden Bestimmungen der Reichs- oder Landesgesetze sind aufgehoben. Urkundlich 2c. Gegeben 2c. Berlin, den 8. Mai 1890. Auer. Schule. Schumacher. Ueber die Verhandlungen, den festgestellten Thatbestand Bebel. Birk. Blos. Bock. Bruhns. und die Entscheidung des Schiedsgerichts ist ein Protokoll Diez. Dreesbach. Förster. Frohme. Geyer. Grillenberger. Harm. Heine. Hickel. Joest. aufzunehmen. § 137e. Außer den in§ 137b gedachten Fällen dürfen Kosten Runert. Liebknecht. Meister. Meyger. nur für Zeugen und Sachverständigengebühren berechnet werden. Mo Ifenbuhr. Schippel. Schmidt( Frankfurt). § 138. Gegen die Urtheile der Schiedsgerichte steht Schmidt( Mittweida). den Parteien binnen einer Woche nach erfolgter Entschei- Schwarz. Seifert. Singer. Stadthagen. dung die Berufung an die Arbeitskammer zu; dieselbe Stolle. Tuyauer. Ulrich. Vollmar. Wurm. erfolgt durch schriftliche Einreichung beim Schiedsgerichte. Die Bestimmungen der§§ 137a mit Ausnahme der § 133 d. Jedes Arbeitsamt hat alljährlich einen Bericht über seine Thätigkeit zu veröffentlichen, von dem die Worte„ mindestens je einer" in Absatz 2 bis 137d gelten Verantwortlicher Redakteur: Curt Baake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.