Berliner Volks- Tribüne Social- Politisches Wochenblatt. Einzelne Nummer 15 Pfs. Die Berliner Volks- Tribüne" erscheint jeden Sonnabend früh. Abonnements- Preis für Berlin monatlich 50 Bfg. pränumerando( frei ins Haus). Durch jede Post- Anstalt des Deutschen Reiches zu beziehen.( Preis viertelfährlich 1 Mt. 50 Pfg.; eingetragen unter Nr. 893 der Zeitungspreisliste für das Jahr 1890.) Redaktion und Expedition: 8.0.( 26). Oranien- Straße 23. № 18. Inserate werden die 4 spaltige Petit- Zeile oder deren Raum mit 20 Pfg. berechnet.- Vereins- Anzeigen: 15 Pfg. Arbeitsmarkt: 10 Bfg. Inferaten- Annahme in der Expedition: Oranien- Straße 23. Sonnabend, den 3. Mai 1890. und ein Dorfältester " Ausgabe für Spebiteure: Voltsblatt" Beuth- Straße 3. IV. Jahrgang. Der Prozeß Schippel- Chemnitz. Zum leßte Wahlsieg der Umsturzpartei in Chemnitz erfochten stimmte Thatsachen und Angaben von Beispielen Todestage Brackes. Unnüges Anmelden von worden sei, so erschien diese Prophezeihung sehr bald als hervorgehoben. Es mochte also das Urtheil des VerVersammlungen. Adam Smith und der hinfällig. Was die Belastungszeugen zwei Gensdarmen urtheilten so scharf und absprechend sein wie es wollte, er Eigennut. aussagten, ließ die Aufforderung hatte hiernach das ist unsere Meinung im guten Novelle von Mackay( Schluß). Bürger zum Ungehorsam" zu einer sehr sachlichen Oppofition gegen Glauben gehandelt und nicht wider besseres Wiffen. thum und Schulreform II.- Achtstundentag die Gesetze zusammenschreinden und auch vom„ groben Aber wir wissen ja aus zahlreichen Auslegungen des und Industrie. Frauenarbeit an Näh- Unfug" blieb nichts übrig. Als der Gerichtshof sich zu-§ 131 gerade bei den sächsischen Richtern, wie leicht es maschinen. Der alte Zopf in der Frauenfrage. rüczog, rechnete Herr Schippel unbedingt auf seine Frei- diesen fällt, bei einem politischen Gegner des herrschenden Systems nachzuweisen, daß dieser in seinen mißfälligen Das Urtheil lautete auf 9 Monate Gefängniß Urtheilen über Gefeße und staatliche Einrichtungen vom und zwar wegen ,, Verächtlichmachung" der Sozialreform bösen Willen beseelt war und wider besseres Wissen Urdurch entstellte" Thatsachen. theile abgiebt. Zur Beachtung! sprechung. Als im Jahre 1869-70 das Strafgeseßbuch im In nächster Woche tritt der Reichstag Die Verächtlichmachung" bestand im Wesentlichen wieder zusammen. Wir bringen auch diesmal darin, daß der sozialdemokratische Kandidat den Arbeiter Reichstag berathen wurde, wollte die Linke unter Führung die Uebersicht über die Verhandlungen in versicherungen keinen besonderen Werth zuerkannt hatte. Laskers den jeßigen§ 131 verworfen wissen, weil sie den Broschürenform als Extra- Beilage, um„ Entstellter" Thatsachen hatte er sich zu dieser Verächtlich- Mißbrauch desselben fürchtete. Aber der rechte Flügel der unseren Lesern neben der laufenden Bericht- machung bedient, weil er die Meinung vertreten hatte, von Nationalliberalen und die Konservativen glaubten, dieſem erstattung zugleich ein Nachschlagebuch zur Auf- einem Geschenk" an die Arbeiter sei nirgends die Rede, Mißbrauch zu begegnen, wenn sie in dem Sat die Worte bewahrung für später zu bieten. selbst die Reichszuschüsse brächten die Arbeiter durch in- aufnähmen, wissend, daß sie erdichtet oder entstellt sind." direkte Steuern auf und auch der Unternehmerbeitrag werde Die Erfahrung hat gezeigt, daß je nach den Zeitströmungen vielfach wieder auf die Arbeiter abgewälzt. Herr Schippel gar vieles aus Gesezesparagraphen gemacht wird, an das als„ Gebildeter" habe das besser wissen müssen und darum ihre Urheber nicht dachten. So erging es auch dem§ 131. träfe auf ihn der§ 131 des Str.-.- B. zu: Vetitionsbogen für den Achtstundentag sind von uns in beliebiger Zahl gratis zu beziehen. Die Expedition der Berliner Volks- Tribüne" Berlin SO, Oranienstraße 23. Der Prozeß Schippel- Chemnit dürfte selbst in Sachsen, das stets durch eine ganz besondere Art der Rechtsprechung sich auszeichnete, als etwas ganz Unerhörtes dastehen. 11 * * * ,, Wer erdichtete oder entstellte Thatsachen, wissend, daß sie erdichtet oder entstellt sind, öffentlich behauptet oder Jm Leipziger Wähler" lesen wir:„ Wir wissen, verbreitet, um dadurch Staatseinrichtungen oder Einrichtungen daß Herr Schippel zu den maßvollsten und vorsich= der Obrigkeit verächtlich zu machen, wird mit Geldstrafe bis tigsten Rednern unserer Partei gehört, und können zu 600 Mt. oder mit Gefängniß bis zu 2 Jahren bestraft." deßhalb nicht begreifen, wie das Gericht sich zur Verhängung Wenn man nicht gleich auf zwei Jahre erkenne, so einer so exorbitanten Strafe veranlaßt finden konnte. nehme man Rücksicht darauf, daß die hochgehenden Wogen Es scheint fast, als solle jest, da die Aussicht auf Verder Wahlbewegung" an der Schippel'schen Kritik manches längerung des Sozialistengesezes mehr und mehr schwindet, in milderem Lichte erscheinen ließen, als es sonst einer jene Aera des richterlichen Schreckenssystems zurüc gestrengen Obrigkeit erscheinen müsse. fehren, unter welchem vor 9 Jahren die sächsische SozialDiese„ milde" Auffassung verhalf also dem oppo- demokratie zu leiden hatte, und u. a. der jeßige Abgefitionellen Wahlkandidaten zu 9 Monaten! ordnete für Leipzig- Land( Geyer) wegen eines, nach Ansicht Es handelte sich dabei um Aeußerungen des Abg. Wir kommen auf das Urtheil noch zurück, sobald es kompetenter Juristen sehr harmlosen Wahlflugblattes ebenSchippel in einer Wahlrede. Nun hat man während im Wortlaute vorliegt. Heute können wir aber schon fest- falls zu neunmonatlicher Gefängnißstrafe verurtheilt wurde. der Wahlbewegung den Kandidaten stets etwas freieren stellen, daß, wenn in der Revisionsinstanz diese Auslegung Jene erste Aera des richterlichen Schreckenssystems mußte Spielraum gelassen und die Widerlegung einer unberech- des§ 131 des Strafgesetzbuches gebilligt wird, jede geschlossen werden, weil sich bald herausstellte, daß das tigten Kritik hat stets mehr als Sache des Gegenkandidaten Opposition und jede Kritik gegen politische Maßnahmen Gegentheil des beabsichtigten Zweckes erreicht wurde: Erwie des Staatsanwalts gegolten. Herrn Schippel ist ferner mit einigen Monaten stiller Einkehr gebüßt werden müßte. bitterung statt Einschüchterung. Die gleiche Ervon den Dußenden von Versammlungen, die er in Chemnit Dann wäre allerdings jedes Ausnahmegesetz überfahrung wird man bei einer Wiederholung des Experiund Umgegend abhielt, auch nicht eine aufgelöst worden. flüssig und nach dem Wegfall des Sozialistengefeßes würden mentes machen." Die vom Staatsanwalt inkriminirten Säße und Worte wir statt mit Ruthen mit Skorpionen gezüchtigt werden. find aber in nahezu allen Versammlungen gebraucht worden was doch gewiß für ihre Sachlichkeit spricht. " * * Dem ,, Berliner Volksblatt" schreibt man über den Trotz alledem erhob das Chemnißer Gericht Anklage Prozeß aus Sachsen: 1. wegen Aufforderung zum Ungehorsam" gegen Die harte Verurtheilung Schippel's durch das ChemGefeße(§ 110 R.-St.-G.-B., Strafe bis 2 Jahre), nizer Landgericht zu 9 Monaten Gefängniß hat großes 2. wegen groben Unfugs(§ 106), und peinliches Aufsehen erweckt. 3. wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen" durch„ entstellte" Thatsachen(§ 131, bis 2 Jahre). Im dritten Falle war besonders an die Kritik der Arbeiterversicherung gedacht. dichtet oder entstellt sind", Zum Todestage Bracke's( 27. April) schreibt das Braunschweigische Unterhaltungsblatt": Menschen, einer der tapferften und unerschrockensten Zehn Jahre sind es, da schloß einer der edelsten Männer, der uneigennüßigste, aufopferungsfähigste und reueſte Freund des Volkes die Augen zum ewigen Schlummer. Bracke starb in noch nicht vollendetem 38. Lebensjahre; obwohl in so frühem Alter verschieden, ein wie arbeitsvolles und wirkungsreiches Leben hat er vollbracht. Bereits in den ersten Jünglingsjahren nahm er mit Das Strafmaß entspricht aber den Gepflogenheiten, welche die sächsischen Landgerichte gegen angeklagte Sozial demokraten in Anwendung bringen. Charakteristisch für das Prozeßverfahren ist auch, daß die Deffentlichkeit Reihen der Lebenden, sein Gedächtniß aber lebt fort; die Wilhelm Bracke schied vor zehn Jahren aus den der Gerichtsverhandlung ausgeschlossen wurde, obgleich Beit hat es nicht verwischt, sondern führt uns sein Bild Schon die Anklageerhebung auf Grund einer Kritik, selbst vom Standpunkt des Gerichts aus die weiteste Deffent in immer hellerem Glanze vor. die alle überwachenden Beamten unbedenklich gefunden lichkeit geboten war. Denn wenn es wahr ist, daß nach hatten in Sachsen können lettere bekanntlich nicht nur§ 131 des Strafgesetzbuches ein Reichstagsabgeordneter auflösen, sondern auch nach Belieben den Obervorsitzenden erdichtete oder entstellte Thatsachen, wissend, daß sie erspielen, dem Redner Anweisungen geben u. f. f. für die sächsische Justiz charakteristisch. verbreitet, so lag es zweifellos gerade im Interesse Noch charakteristischer aber war, daß auf Antrag des der Staatsgewalt, diese Handlungsweise der weitesten warmem Herzen Theil an allen Bestrebungen, von denen Staatsanwaltes sofort die Deffentlichkeit der Verhandlungen Deffentlichkeit zugänglich zu machen. Statt dessen er einen Fortschritt der Menschheit erwartete. In dem aschloffen wurde. Das Gericht proklamirte also von griff man zu dem in politischen Prozessen in Sachsen von Hochverrathsprozesse, der 1871 gegen Bracke verhandelt vornherein als die„ Sicherheit des Staates" und die öffent- jeher sehr beliebten Mittel, die Verhandlungen hinter ver- wurde, bekundete einer seiner Lehrer, der 71 jährige Prof. liche Ordnung gefährdend, was in Dußenden von großen ſchloſſenen Thüren zu führen, und damit Freunde und Aßmann, daß Bracke auf dem Collegium Carolinum einer Feinde des Angeklagten des Mittels zu berauben, sich über seiner besten Schüler gewesen, und daß er ihn für einen Volksversammlungen ungehindert gesagt werden durfte! Die Berechtigung der Klage und der Verurtheilung ein von den Charakteren halte, die, vom Ideale erfüllt, für Es ließ nur hinter verschlossenen Thüren Aeußerungen fest- Urtheil zu bilden. ihre Ueberzeugung alles einzusetzen bereit sind. war stellen, die vor Tausenden von Menschen bereits gemacht Nach unserer Ueberzeugung ist es einfach undenk- Die Jünglingszeit Bracke's fiel in jene Jahre, in worden waren, und zwar gemacht worden waren, ohne daß bar, daß ein Mann, der sich um das höchste Ehrenamt welchen der Liberalismus einen neuen Aufschwung zu nehmen irgend ein überwachender Beamter auch nur mit einer der Nation bewirbt, wissentlich unwahre Thatsachen be- schien, und der junge Bracke war ein Führer der strebWimper gezuckt, geschweige denn den Staat in Gefahr ge- hauptet. Daß im vorliegenden Falle nach unserer Anficht samen Jugend. Er gehörte zu den Hauptgründern des sehen hätte. seitens des Verurtheilten auch nicht anders gehandelt wurde, Männerturnvereins, der ihn später ausstieß, und der TurnerDie Verhandlung selber nahm einen durchaus günstigen geht daraus hervor, daß in den Entscheidungsgründen des feuerwehr. Das liberale Feuer der Bourgeois- Jugend Verlauf. Wenn der Vorsitzende im Anfange äußerte, es Gerichts hervorgehoben wurde, Schippel habe für sein verslackerte schnell; die Freiheitsideen verflogen mit den werde ein Bild enth werden, mit welchen Mitteln. der Urtheil über die sozialreformerische Gesetzgebung be- Kanonenschlägen von Königgräß. Bracke schloß sich darum der Arbeiterbewegung an; er «ar bereits 1865 Mitglied des von Lasialle gegründeten „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins", und bald eins der hervorragendsten Glieder desselben. Als der Verein sich zeitweise in die Schlingen des Dr. Schweitzer fangen ließ, brach Bracke, damals Kassirer des„Allgemeinen deutschen Arbeitervereins", mit demselben. Er war dann 1869 Mitbegründer der„Sozialdemokratischen Arbeiter- partei" auf dem Eisenacher Kongreß. Er wurde in den Ausschuß der Partei gewählt, der seinen Sitz in Braun- schweig erhielt. Als 1870 der Krieg mit Frankreich ausbrach, kam es zu Differenzen über die Haltung der Partei gegenüber dem Kriege. Während sich Bebel und Liebknecht weder direkt noch indirekt für den Krieg erklären konnten, hatte sich auf Brackels Veranlassung eine große Volksversamm- lung in Braunschweig, wenn auch mit schwerem Herzen, für die Nothwendigkeit des Krieges mit Napoleon ausge- sprochen, zumal der von Deutschland geführte Krieg als ein reiner Vertheidigungskrieg angesehen wurde. Erst als sich nach den großen Siegen der Charakter des Krieges änderte, als man anfing, die Annexion Elsaß-Lothringens zu fordern, glaubte Bracke, daß die Freiheit und die wichtigsten Rechte der Völker gefährdet seien. Bekanntlich hatte sich diese Furcht, welche sich auf zahllose Vorgänge in der Geschichte gründete, auch solcher Personen bemächtigt, die weit ab von der sozialdemokratischen Partei standen. Bracke hielt nun den Augenblick gekommen, nicht für die sozialdemokratische Partei, sondern für das ganze Volk laut die Stimme zu erheben, nicht gegen den Krieg überhaupt, sondern nur gegen den Eroberungskrieg, nicht gegen die Vertheidigung des Baterlandes und der„natio- nalen Güter", sondern gegen eine wider den Willen der Bevölkerung zu vollziehende Annexion Elsaß-Lothringens. Von diesen Erwägungen ausgehend und in dem ange- deuteten Sinne veranlaßte er den Ausschuß, das„Moni- fest" vom 5. September 1870 zu erlassen. Dieses Manifest gab dem General Bogel von Falken- stein, dem Gouverneur der Küstenlande, für welche der Kriegszustand erklärt war, Anlaß, am Morgen des 9. Sep- tember 1870 Bracke und die anderen Mitglieder des Aus- schusses zu verhaften und unter starker militärischer Be- gleitung und mit Ketten gefesselt nach der Festung Lützen in Ostpreußen abzuführen. Das Verfahren des Generals Vogel von Falkenstein wurde später vom Braunschweigischen Obergericht, das ihn zur Entschädigung der Verhafteten verurtheilte, als widerrechtlich erkannt. Erst am 25. Oktober beantragte die Staatsanwalt- schaft in Braunschweig die Einleitung der Voruntersuchung gegen die Gefangenen wegen Hochverraths und Landes- verraths. Nachdem am 7. November das Herzogliche Kreisgericht die Untersuchungshast gegen Bracke und Ge- nossen verfüg! hatte, wurden dieselben am 14. November nach Braunschweig, und zwar mit Stricken gefesselt, da man in Lötzen und Königsberg nicht die nöthigen Ketten hatte, zurücktransportirt und hier in das Gerichtsgefängniß (Kloster) am 16. November abgeliefert. Erst am 30. März 1871 wurden die Gefangenen aus der Haft entlassen. Erst am 10. Oktober 1871 erhob der Staatsanwalt Koch die sehr breitspurige Anklage, deren Verhandlung drei volle Tage, den 23., 24. und 25. November, in Anspruch nahm. Bracke wurde zu 16 Monaten Gefängniß verurtheilt. Auf erfolgte Nichtigkeitsbeschwerde hob das Obergericht am 2. Februar 1872 das Urtheil auf und erkannte nur auf 3 Monate Gefängniß, jedoch unter An- rechnung der Untersuchungshaft wegen der Anhängigkeit zur„Sozialdemokratischen Arbeiterpartei" als einer Ver- bindung, welche gesetzwidrige Zwecke verfolge. In allen anderen Punkten erfolge Freisprechung. Das Obergericht als einfache Revisionsinstanz konnte an der durch den Wahrspruch des Kriegsgerichts, wenn auch fälschlich, zur Thatsache erhobenen Festsetzung, daß die genannte Partei gesetzwidrige Zwecke verfolge, nichts ändern. Daß die Festsetzung des Kriegsgerichts aber eine irrthümliche war, geht schon daraus hervor, daß Bracke selbst und mit ihm tausende offen zu der in Eisenach begründeten„Sozial- demokratischen Arbeiterpartei" angehörten, ihre Kongresse beschickten und ihre Beiträge zahlten, ohne daß jemals eine Anklagt versucht wurde. Noch während der Dauer des Prozesses begründete Bracke den„Braunschweiger Bolkssreund" und bald darauf eine eigene Druckerei. Das Blatt fiel dem Sozialisten- gesetz zum Opfer. Hierauf rief Bracke Jwä„Braunschweigische Unterhaltungsblatt" ins Leben, das in den ersten zwei Jahren seines Bestehens sich vollständig poli- tischer Erörterungen enthielt. Bracke brachte als Verleger ungeheure Opfer in finanzieller Hinsicht wie auch in der Anstrengung seiner Arbeitskrast. Zahlreiche Schriften sozial- politischen Inhalts erschienen in seinem Verlag. Er bildete den Mittelpunkt für weite literarische Kreise. Die von ihm selbst geschriebenen Flügblätter fanden die weiteste Verbreitung; sein„Nieder mit den Sozialdemokraten!" ist in Hunderttausenden Exemplaren nicht blos in Deutschland verbreitet, es wurde in die meisten europäischen Sprachen übersetz:. Eine kühne That Brackels war seine Kritik des Lassalle'schen Vorschlages. Der Borschlag, durch große Assoziationen mit Staatshülfe den kapitalistischen Betrieb zum genossenschaftlichen umzugestalten, war doch nur ein Versuch Lassalle's. Daß dieser Versuch ein verfehlter, ist jetzt, wo über die ungeheure Bedeutung und das gewaltige Verdienst Lassalle's selbst kein Zweifel obwaltet, allgemein anerkannt. Als jedoch die Bracke'iche Schrift erschien, erregte sie einen gewaltigen Sturm unter jenen Lassalleanern, denen jedes Wort Lassalle's unverletzlich erschien. Brackc's Austritt aus dem„Allgem. deutschen Arbeiterverein" war seiner Zeit schwer empfunden worden und der Groll gegen Bracke lebte noch fort. Der Groll der eingefleischten Lassalleaner gegen Bracke zeigte sich selbst noch auf dem Einigungskongreß zu Gotha im Sommer 1875, der wesentlich in der Aufgabe der formell gebundenen Organi- sation des„Allgem. deutschen Arbeitervereins" und in der Annahme der freieren demokratischen Entwicklung der Eisenacher Partei bestand. Die Verschmelzung der beiden Zweige wurde unmittelbar nach dem Kongreß noch dadurch gefördert, daß die thätigsten Kräfte derselben die früher feindseligen Bezirke bereisten. Gleich nach dem Kongreß hielt Bracke Versammlungen in Hannover, Hamburg, Altona, Bremen und anderen Hauptorten der Lassalleaner ab; sein Austreten gewann ihm dort alle Herzen. Seine Thätigkeit im Reichstage, wo er seit 1877 den Wahlkreis Glauchau-Meerane vertrat, brauchen wir nicht besonders noch zu erwähnen. Um seine Vaterstadt Braunschweig hat sich Bracke besondere Verdienste erworben. Doch wir gäben nur ein stümperhaftes Bild des Mannes, wollten wir auch alle Handlungen Bracke's, von denen wir hier auch nur einzelne flüchtig darstellen, an einander reihen. Die Bedeutung Bracke's lieg! in seiner ganzen Persönlichkeit, die selbst den Gegner zur Auer- kennung zwang. Wohl wenige Personen haben so viele schmähliche Anfeindungen und Beschimpfungen gemeinster Art erfahren, wie Bracke. Und noch heute strahlt kein Name im braunschweigischen Lande, in der Stadt wie in den entlegensten Dörfern, in hellerem Glänze wie der Name Bracke. Strengste Gewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit, muthvollste Ueberzeugungstreue, feste Entschiedenheit im Kampfe und damit verbunden so unendliche Menschenliebe, so viel Milde und Nachsicht, eine Reinheit und Kindlich- keit des Empfindens, lauter Tugenden, die selten so mit- einander vereinigt sind. Wie im öffentlichen Leben so im Privatleben— der Überzeugungstreueste Kämpfer war zugleich als Sohn und Gatte und Vater ein Vorbild. Man glaube nicht, daß es besonders günstige Umstände waren, welche Bracke's Thätigkeit erleichterten. Die Sorge lastete oft schwer auf ihm, sie trübte seine letzten Stunden; mühsam hatte Bracke sich alles zu erringen, nicht blos seine Positton im öffentlichen Leben. Leuchtend steht sein Bild vor uns. Wir ehren ihn nicht nur dadurch, daß wir uns zu seinen Ideen bekennen; der aufgesteckten Fahne folgen Gute und Schlechte; mit der Farbe legt man nicht auch zugleich die Gesinnung an. So Unendliches Bracke wirkte, so unermüdlich seine Schaffens- kraft war, das wahrhaft Große liegt dennoch weniger in dem, was er wirkte, als wie er wirkte. Der große Mann ist oft ein schlechter Mensch. Bracke war aber zugleich ein wahrhaft guter Mensch in des Wortes vollster Bedeutung. Bracke begreifen, heißt nicht blos ihn ver- ehren, sondern auch ihn lieben. Liebe und Nacheiferung mögen sein Andenken in uns erwecken. Ruhe sanft in Deiner Gruft; an Deinem Grabe weilen unsere Herzen! Unnützes Anmelden von Uerl'ammlungen «nd«nnntzes Genehmigen von Statuten. (Aus dem.Vereinsblatt.") Das Preußische Vereinsrecht hat den Vortheil, wenigstens in einigen Hauptsachen recht klar und bestimmt zu sein. Zu diesen klaren Punkten gehört der: Wann ist eine Versammlung der Ortspolizeibehörde anzumelden? Die Antwort lautet ganz bestimmt: Nur dann, wenn in derselben öffentliche Angelegen- heiten zu erörtern bezweckt wird. Wenn nun auch der Begriff„öffentliche Angelegen- heiten" ein ziemlich weit gespannter ist, so sagt der Ausdruck„bezweckt" doch, daß die Verhandlung über solche öffentliche Angelegenheiten vorher geplant und beabsichtigt sein muß, daß also das zufällige Berühren einer öffent- lichen Angelegenheit durch irgend einen Redner noch nicht genügt, um zu beweisen, daß die Erötterung öffentlicher Angelegenheiten in der Versammlung bezweckt war. So haben die Gerichte wiederholt gleichmäßig entschieden. Eine sogenannte„Festrede", die in allgemeinen Ausdrücken zum Zusammenhalten, zur Einigkeit, zum Beitritt zu einem Vereine auffordert, oder die Zwecke eines Vereins erläutert, ist als ein Erörtern öffentlicher An- gelegenheiten nicht zu betrachten. Hieraus folgt klar und lestimmt: Festversammlungen, selbst solche, die„poli- tische" Bereine veranstalten, in welchen nur solche Fest- reden gehalten werden sollen, in welchen man sonst mufizirt, mgt, deklamirt, mimt oder tanzt, sind keine Versammlungen, in welchen bezweckt wird, öffentliche Angelegenheiten zu erörtern und sind deßhalb der Ortspolizei nicht durch den Veranstalter anzumelden. Was der Gastwirth, bei dem das Fest abgehalten wird, nach den örtlichen Polizeivorschriften zu thun hat, das geht den Veranstalter des Festes, den Unternehmer, nichts an. Die Sache ist rollkommen klar, und darüber ist auch nach keiner Seite ein Mißverständniß möglich. Nun kommt aber die den Deutschen einmal ange- jorene und anerzogene„Polizeiseligkeit." Man sagt sich: Anzumelden brauchst du zwar nicht, aber du wirst doch anmelden, es kann ja nichts schaden und der Herr Polizei- gewaltige freut sich vielleicht über deine ungemeine Zuvor- �ommenheit. So denkt«an und— die Festversammlung wird auf Grund des§ 8 des Preußischen Vereinsgesetzes verhindert. Nun geräth der Anmelder in Zorn, und doch ganz mit Unrecht. Ihm ist geworden, was er redlich ver- dient hat. Die Ortspolizeibehörde sagt sich: Wenn der Mann die Versammlung anmeldet, so bezweckt er, in derselben öffeniliche Angelegenheiten zu erörtern, denn sonst hätte er ja keine Veranlassung, die Versammlung anzumelden. Wenn in der Versammlung aber öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, und diese Versammlung ist eine von einem„Vereine" einberufene Versammlung, dann dürfen„Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge" an der- selben nicht theilnehmen. Da nun kein Vergnügen ohne die Damen ist, so kann das Vergnügen nickt abgehalten werden, weil es gegen§ 8 des Preußischen Bereinsgesetzes verstößt. Punktum! Gegen diese Logik ist wenig einzuwenden, man hat das Verbot geradezu durch die unnütze Anmeldung heraus- gefordert. Es geschieht solch unnützes Anmelden aber nicht nur von unerfahrenen Anfängern, sondern oft auch von Personen, die sich zu Führerrollen berufen glauben, weil sie„schon lange in der Bewegung stehen", wie sie gerne sagen. Ganz auf demselben Blatte steht die Einreichung von Vereinsstatuten„zur Genehmigung" an die Poli- zeibehörde. Das Preußische Vereinsgesetz kennt keine „Genehmigung" von Statuten, sie werden der Polizei nur zur„Kenntnißnahme" eingereicht. Wird die„Ge- nehmigung" ohne Grund nachgesucht, so muß die Behörde annehmen, daß man beabsichtige, in dem Vereine etwas zu treiben, was einer Genehmigung bedarf. Man durch- sucht danach das Statut, findet vielleicht, daß darin irgend- wie von einer den Mitgliedern zu zahlenden Unterstützung die Rede ist und sagt sich: Weil der Mann unsere Ge- nehmigung nachsucht, die er nach dem Vereinsgesetze nicht nöthig hat, muß er offenbar mit dem Vereine etwas Weiteres bezwecken. Er will wahrscheinlich in demselben eine„Versicherungsanstalt" errichten und dazu ist das Statut nicht ausreickend, wir versagen also die Genehmigung. Wieder großes Erstaunen über diese Polizeiverfügung, die man doch einfach durch das unnütze Nachsuchen der „Genehmigung" hervorgerufen hat. Also, wo man sich an die Polizei nicht zu wenden braucht, da thue man es nicht. Ladet die Polizei vielleicht den Veranstalter eines Vereinsfestes vor, und sucht ihn zu Protokoll zu vernehmen, um ihn so aufs Glatteis zu führen, indem sie ihn ver- anlaßt, das Fest anzumelden, so antworte er: Das Fest ist keine Versammlung, in welcher wir öffentliche Angelegenheiten zu erörtern bezwecken, ich habe also keine Veranlassung, von derselben der Polizeibehörde irgend welche Anzeige zu machen. Etwaigen weiteren Anmaßungen der Polizeibehörde muß dann mit größter Entschiedenheit auf dem Beschwerde- wege entgegengetreten werden. Man erlangt meistens schon in der Beschwerde an den betreffenden Oberpräsidenten sein Recht, wenn auch die vorhergehenden Instanzen sich dazu nicht bequemen sollten. Der Jnstanzengang ist: für ländliche Polizei(Amts- Vorsteher) Beschwerde an den Landrath, Präsidenten, Oberpräsidenten, Minister des Innern; für städtische Polizei (Polizeiverwaltung, der Magistrat) Beschwerde an den Präsidenten u. s. w. Wir nehmen hier Gelegenheit, nochmals und wieder- holt Folgendes in Erinnerung zu bringen: Nach§ 8 des Preußischen Vereinsgesetzes sind Frauens- Personen, Schüler und Lehrlinge nur von den Versamm- jungen polittschcr Vereine ausgeschlossen. In öffentlichen Versammlungen, die mit Vereinen nichts zu thun haben. mögen die Versammlungen heißen, wie sie wollen, ob sie als Wählerversammlungen, als Versammlungen einer Gewerkschaft oder sonst wie berufen sind, dürfen Frauen, Schüler und Lehrlinge fich becheiligen, wenn der Leiter der Versammlung es erlaubt. Der überwachende Polizeibeamte hat darüber durchaus nichts zu verfügen. Er hat über den Zweck der Versammlung keine Aussicht. Nur Bewaffnete dürfen an Versammlungen nicht theilnehmen, ohne die Waffen abzu- legen. Da gerade in diesem Punkte recht häufig Uebergriffe ganz untergeordneter Polizeiorgane vorkommen, so muß in diesen Fällen jedesmal Beschwerde geführt werden, um für Belehrung der Unterbeamten zu sorgen. Man verfahre dabei so: Um die Versammlung nicht zu stören, wenn sie sonst von Wichtigkeit ist, und der Polizeibeamte vernünftigem Zureden nicht zugänglich ist, willfahre man ihm und weise die betreffenden Personen heraus, um eine, wenn auch gesetzwidrige, Auflösung der Versammlung zu verhindern. Dann fasse der Vorsitzende aber sofort folgende Beschwerde ab: Ort. Datum. In der am...ten....... 189. im Lokale des Herrn....... stattgefundenen Versammlung, die ordnungsmäßig angemeldet war, befanden sich mit meiner Zustimmung und Duldung einige Frauen(oder Schüler, oder Kinder, oder Lehrlinge.) Der überwachende Polizei- beamte forderte mich aus, diese Personen aus dem Lokale zu entfernen und drohte mit Auflösung der Versammlung, wenn ich es nicht thun würde, trotzdem ich ihn auf die Ungesetzlichkeit seines Verlangens hinwies. Ich sah mich gezwungen, um die Versammlung weiterführen zu können, de« Verlangen des Polizeibeamten nachzugeben. Da die Versammlung, wie schon aus der Anmeldung hervorgeht, keine Sitzung eines politischen Vereins war, befand sich der Polizeibeamte mit seiner Forderung i« Inrecht. Ich bitte die Wohllöbliche Polizeiverwaltung deßhalb, denselben belehren zu wollen, damit solche Ein griffe in das Versammlungsrecht nicht wieder vorkommen (Namensunterschrift.) Wenn der Bescheid nicht der Beschwerde entspricht� oder zu lange(14 Tage) ausbleibt, so ist nach den oben angeführten Instanzen die Beschwerde fortzusetzen. Eine Entschädigungsklage gegen einen Beamten, der aus Unwiffenheit oder grober Fahrläsffgkeir— was für einen Beamten die Nichtkennlniß eines Gesetzes, das er aus führen soll, ohne Zweifel ist— hat m Deutschland sehr wenig Aussicht auf Erfolg.- Wir leiden eben unter einer fast vollkommenen Unverantwortlichkeit der Gendarmen. Adam Smith und der Gigennuh. P. E. Bon Richard Zepß ist soeben ein Buch er schienen, welches die moralphilosophiscken Grundgedanken des Klassikers der bürgerlichen Nationalökonomie darlegt Für die Psychologie des Bürgerthums sind diese Dar legungcn höchst intereffant. In das Wesen der Dinge kann uns zwar das Studium der Moraltheorieen nicht einführen— denn die Moraltheorien sind ja nur die Reflexe der Dinge; weil vie Verhältnisse so und so sind. haben die Menschen solche und solche Moraltheorieen. Aber auch die Reflexe interessieren. Es ist uns wichtig, zu wiffen, wie sich in bürgerlichen Köpfen die Welt malt nachdem wir schon wissen, wie sie wirklich ist. Die Philosophie des modernen Bürgers ist fast nie mehr naiv. Sie ist Decadencephilosophie. Der bürgerlich Philosoph ahnt den Untergang seiner Klaffe; nicht klar natürlich, wie er sich ja überhaupt nicht klar ist über seine Stellung; er ist philosophierender Bürger und bildet sich ein, philosophierender„Mensch" zu sein; er denkt für eine Klaffe, und er bildet sich ein, für die„Menschheit" zu denken;„Mensch" und„Menschheit", diese Dinge, die nie existiert haben. Dunkel ahnt er den Untergang seiner Klaffe; und entweder geräth er darüber in Verzweiflung oder, um ihn aufzuhalten, schließt er Kompromisse mit den moralischen Forderungen der neuen Klaffe, oder gräbt er die Ideale längst vergangener Gesellschaften wieder aus Das Laissez faire und der Eigennutz, das sind die wahren Prinzipien der Bourgeoisie, nicht die Sozialreform und die christliche Liebe. Adam Smith ist naiv in seiner Moraltheorie. In ihm kommt das Bewußtsein des Burgerthums noch rein zum Ausdruck; und deshalb ist sein Studium viel einfacher und belehrender. Smith war ursprünglich Moralphilosoph; vor seinem nationalökonomischen Werke„der Reichthum der Völker" schrieb er ein moralphilosophisches:„Theorie der morali- schen Gefühle". Die moralphilosophischen Anschauungen von Smith stellen eine Weiterentwickelung der allgemeinen englischen Philosophie jener Zeit dar. Es wird ein außerordentlicher Gott angenommen. „ein allgütiges, allweises und allmächtiges Wesen"; dieser Gott hat die Welt geschaffen; und zwar so, daß er gleich von Anfang an in sie die Triebkräfte der Entwickelung einpflanzte. Nach dieser einen That ruht Gott; er greift nicht weiter in die Welt ein, sondern läßt sie sich ruhig entwickeln. Und vermöge der eingepflanzten Triebkräfte entwickelt sie sich auch, immer weiter und weiter; wie eine Uhr, welche einmal aufgezogen ist, so hat er alles aus das Glück der Menschen eingerichtet; je weiter die Entwicklung fortschreitet, desto glücklicher wurden sie. Und das macht sich alles ganz einfach durch das bloße Spiel der einge- pflanzten Kräfte. Gott wird hier als eine Art idealisierter Kapitalist aufgefaßt. Er gründet eine Fabrik, setzt einen Direktor ein, läßt arbeiten und hat weiter nichts zu thun, als mit untergeschlagenen Armen zuzusehen und jedes Vierteljahr seinen Profit einzustreichen. Dieser Gott ist das vergött- lichte Laissez aller.— Mit dem wissenschaftlichen Namen nennt man diese Auffassung„Deismus." Die Triebkräfte sind nicht sozialer, geschichtlicher Natur. Das Bürgerthum faßt die Geschichte nicht als einen Prozeß aus, welcher sich nach inneren Gesetzen abspielt; sondern als eine Reihe von menschlichen Thaten. Demgemäß sind die Triebkräfte moralischer Natur. Nicht der Kapitalismus entwickelt sich, sondern die einzelnen Kapitalisten schaffen. Nicht der kapitalistischen Produktionsweise wohnt die Tendenz inne, auf erweiterter Stufenleiter zu produzieren; sondern die Kapitalisten sind sparsam und entziehen einen Theil des Mehrwerths der individuellen Konsumtion, um ihn produktiv zu konsumieren. Die moralischen Triebkräfte, welche Adam Smith an- nimmt, find zwei: Eigennutz und Wohlwollen, Egoismus und Altruismus. Durch das Spiel dieser beiden Kräfte werden die Handlungen der Menschen erzeugt. Smith ist Utilitarier. Eine Handlung ist nach ihm moralisch gut, wenn sie den größtmöglichsten Nutzen für die Allgemeinheit bringt. Die Forderung seiner Moral ist die Forderung der allgemeinen Wohlfahrt. Die beiden Kräfte, Egoismus und Altruismus müssen also so zu- sammen wirken, daß das Ideal der allgemeinen Wohlfart erreicht wird. Es muß ein rechtes Verhältniß zwischen beiden vorhanden sein. Ob dieses Verhältniß vorhanden ist, dafür besitzt jeder Mensch von Natur eine Richtschnur; von Natur sympathisiert nämlich jeder Mensch mit den guten, d. h. auf das Wohl der Gesammtheit gerichteten Bestrebungen und hat umge- kehrt eine Antipathie gegen schlechtes Streben. Mit einem Wort: Smith'S Prinzip der Moral ist die allgemeine Wohlfahrt, seine Richtschnur die Sympathie. Welches ist nun das rechte Verhältniß der Trieb»? Smith glaubt nicht, wie der sogenannte ethische Materialismus, daß lediglich eine vernünftige Befolgung des Eigennutzes nöthig sei; er leugnet auch, daß sich ledig- lich die wohlwollenden Triebe bethätigen dürfen. Die Sittlichkeit ist nach ihm nicht auf einem der beiden Triebe ausschließlich gegründet. Man soll beiden nachgeben; allerdings in verschiedenem Grade. Die wohlwollenden Triebe sind sympathisch, selbst wenn sie äußerst stark geltend gemacht werden; die eigen- nützigen Triebe nicht. Die Grenze für die Ausdehnung der wohlwollenden Triebe ist sehr weit; die für die Aus- dehnung der eigennützigen sehr eng. Der Egoismus muß in gewissen Schranken gehalten werden, wenn man sittlich handeln will. Diese Schranken des Egoismus werden durch die Gerechtigkeit bestimmt; den Egoismus in den Schranken der Gerechtigkeit zu halten, ist Sache der Klug- heil. Die Gerechtigkeit selbst ist eine Form des Wohl- wollens. Wir haben also, um den bisherigen Gedankengang von Smith noch einmal zu wiederholen: als Forderung der Moral: die allgemeine Wohlfahrt, das Wohlergehen einer möglichst großen Anzahl Menschen. Als Mittel diese Forderungen zu beftiedigen, zwei Triebe, Eigennutz und Wohlwollen. Um das Ziel zu erreichen, müssen diese Triebe in ein Verhältniß zu einander gebracht werden das Wohlwollen kann man ziemlich ungehindert wirken lassen, dem Eigennutz muß eine Schranke gesetzt werden durch das Wohlwollen in der Form der Gerechtigkeit Nun sind aber alle Menschen von Natur gleich.— Die bürgerliche Fiction von der Gleichheit aller Menschen ist freilich ungemein plump; aber sie ist nothwendig für die bürgerliche Philosophie.— Sie sind von Gott mit gleichen Kräften und Anlagen ausgerüstet, denn Gott liebt den Einen genau so, wie den Andern. In wirthschaftlichen Dingen haben die Menschen Interessengemeinschaften und Jnteresscnverbindungen. Da re sich aber gleich gegenüberstehen und mit gleichen Kräften arbeiten, so lst hier das reine Gehenlassen ves Eigennutzes natürlich immer in den Schranken der Gerechtigkeit am Platze. Das Wohlwollen hätte hier ja gar keinen Zweck, denn da jeder die gleichen Kräfte hat, wie der andere, so kann er ja durch sich selbst dasselbe erringen wie der andere und hat dessen Wohlwollen gar nicht nöthig. Das Wohlwollen würde in dem Getriebe nur siören. Die Bolkswirthschaft ist also das Gebiet, wo der Eigennutz vollständig herrscht. Die französische Bourgeoisphilosophie hat sich die Sache leichter gemacht, indem sie überhaupt eigennütziges Handeln annimmt; nach ihr handelt der Mensch immer nur aus Eigennutz. Smith hat erst den Umweg über die amose Gleichheit aller Menschen nöthig, um sein Ziel zu erreichen.— Jetzt sind wir im rechten Fahrwasser. Die Volks- wirthschaft ist das Gebiet des Eigennutzes. Jetzt kann man den Nächsten das Fell über die Ohren ziehen und doch moralisch bleiben— man hat ja haarscharf bewiesen, daß im wirthschaftlichen Leben der Eigennutz herrscht! Natürlich darf man nicht annehmen, daß etwa Adam Smith so spckulirt hat, der Bourgeoisie gewissermaßen „mildernde Umstände" zu verschaffen. So handeln höchstens die gegenwärtigen Herren von der Wissenschaft. Wirklich wissenschaftliche Naturen handeln stets im guten Glauben. Und zur Zeit von Adam Smith konnte man gar nicht anders denken, wie er. Durch die kapitalistische Produktionsweise hatte ein mächtiger Aufschwung in allen Gebieten stattgefunden. Auch die Arbeiter waren in mancher Beziehung weiter gekommen. Noch machten sich die grausamen Folgen des i Kapitalismus für das Proletariat nicht geltend. Der Arbeitstag war kurz, der Lohn gut, die Lebenshaltung zes Arbeiters war hoch. Man konnte wirklich ehrlich der leberzeugung sein, wie Smith: alle Theile handelten egoistisch, aber Dank der wunderbaren Einrichtung Gottes lam zuletzt alles auf die allgemeine Wohlfahrt hinaus Man konnte wirklich glauben, beide Theile, Kapitalist und Arbeiter handeln ftei und durch das laissez faire wird alles auf das Beste geordnet, wie es Gott bei der Schöpf- ung gewollt hat. Diese schönen Tage sind jetzt vorüber, sie kommen nie wieder. Der Kapitalismus zeigte sein wahres Gesicht. Er beutete den Arbeiter in der entsetzlichsten Weise aus und häufte bei einigen Wenigen dafür übermäßige Reich- thümer an. Auch für die Kapitalistenklasse selbst gewannen die Zeiten ein anderes Aussehen. Sie wurden schlechter. Die Kapitalskonzentration trieb die Kleinen unbarmherzig n das Proletariat herab, ließ nur die Großen bestehen, und da die bürgerliche Intelligenz sich zumeist aus den mittleren Bürgerschichten rekrutiert, so sah sie unter diesen Einflüssen gar bald die Welt mit andern Augen an. Der naive Optimismus, und mit ihm der Deismus verschwanden. Dieser bürgerliche Gott, der alles so treff- ch,„allweise, allgütig und allmächtig" geordnet hatte, and keinen rechten Glauben mehr. Man sah nicht mehr rosenroth, sondern schwarz. Man wurde pessimistisch. Man betrachtete die Welt als Jammerthal und Teufels- werk. Dem bürgerlichen Rausch folgte der bürgerliche Katzenjammer. Auch die allgemeine, natürliche Gleichheit der Menschen rng man an zu bezweifeln. Man verglich Rothschild mit einem armen Teufel von Arbeiter, und man fand doch eine Menge Unterschiede, auch„natürliche". So lange reilich der Bourgeois mit dem Arbeiter noch in derselben neipe und an demselben Tisch saß, konnte man an die Gleichheit eher glauben. Das vorige Jahrhundert war demokratisch gewesen; jetzt kam die Zeit der Aristokratie. Die bürgerlichen Denker, von Carlyle bis Ibsen und Nietzsche sprachen von„Heroen" und„Adelsmenschen", mit derselben Ernsthaftigkeit, mit welcher sie früher das Evangelium der„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" verkündet hätten. Sehr bald verschwand auch das Sympathiegefühl für die Bethätigung der wohlwollenden, auf das Gesammt- wohl gerichteten Triebe; es hielt nur solange an, als die Bourgeoisie davon profitierte. Als die Triebe begannen, sich dem Proletariat zuzuwenden, begegneten sie einer sehr lebhaften Antipathie, welche mit Berhäligungen gleichfalls nicht hinterm Berge hielt.— Ein Theil der Intelligenz drückte jedoch nicht die Gefühle der Kleinen aus; er vertrat die Ideen der großen Bourgeoisie, der es immer besser geht, und die keinen Grund zum Pessimismus hat. Diesem Theile verdanken wir die sogenannte christliche Liebe, die sogenannte ethische Nationalökonomie und ähnliches. Diesen Theil bilden nämlich die Klopffechter des Bürgerthums, die Leute, welche dafür bezahlt werden, die zur Erhaltung der Großbour- geoisie nöthigen Gedanken zu produzieren. Deßhalb finden wir diese Leute als Professoren, Pfaffen, Regierungsräthe und so fort angestellt.— Die Schrift von Zeyß ist eine sehr fleißige Arbeit, allerdings sehr weitschweifig und mit allen möglichen überflüssigen Citaten ausstafsirt, wie es nun einmal das moderne Alexandrinenthum unserer Wissenschaft verlangt. Schutz gegen Maßregelungen. □ Das Zentralkomitee der Arbeiterpartei in Italien hat an die Unterabtheilungen den Plan zur Gründung einer Unterstützungskasse für verhaftete Parteigenossen ver- sandt. Die Satzungen dieser Kasse sind im Auszuge folgende: 1. Vom 1. April ab wird von der italienischen Arbeiterpartei eine Hilfskasie eingerichtet, um solche Partei- Mitglieder zu unterstützen, die sich wegen ihrer Betheiligung an Ausständen oder an der Agitation im Gefängnisse befinden. Das Zentralkomitee übernimmt die Berantwort- lichkeit. 2. Der dazu nöthige Fonds wird aufgebracht durch einen Beitrag von 30 Centimen(2,8 Pf.) monatlich, der von Anhängern der Partei ohne Unterschied gezahlt wird. 3. Das Zentralkomitee wird allen Sektionen zu diesem Zwecke gedruckte Musterlisten schicken. 4. Nur die Parteimitglieder haben auf die Hilfe dieser Kasse Anspruch. Mit dem Ende eines jeden Viertel- jahres wird das Zentralkomitee der Partei und der Nation Bericht über die Thätigkeit dieser Kasse erstattten. Politische», Gewerkschaftliche». Der Reichstag wird am Donnerstag in folgender Zusammensetzung eröffnet: Konservative........ 72 Reichspartei........ 19 Nationalliberale...... 43 Deutschfreisinnige...... 67 Volkspartei........10 Zentrum......... 107 Polen.......... 16 Welsen......... 11 Sozialdemokraten...... 35 Antisemiten........ 5 Däne.......... 1 Elsässer......... 10 Wild.......... 1 Die Gewerbeordnungsnovelle, die gegenwärtig die Bundesrathsausschüsse beschäftigt, wird natürlich auch den Schutz der gewerblich thätigen Kinder zum Gegen- stand haben. Nach den Zahlen, welche in den Berichten )er Fabrikaufsichtsbeamten und an anderen amtlichen Stellen vorliegen, waren im Deutschen Reiche(ohne Elsaß- Lothringen) 1882 14 600 Kinder beschäftigt. Die Zahl stieg 1883 auf 18 395, in 1884 auf 18 895, in 1886 auf 21 035 und in 1888 auf 22 913. Von den letzteren amen 11474 auf Sachsen, also gerade die Hälfte! Die Textilindustrie und die Industrie der Nahrungs- und Genußmittel werden diejenigen sein, die in erster Linie von einer Erweiterung des Kinderschutzes betroffen würden. In welcher Weise diese Erweiterung geplant ist, ist nicht bekannt. Sollte sie so beabsichtigt werden, wie sie der Reichstag mehrmals beschlossen hat, also so, daß die Kinder erst nach vollendetem 13. Lebensjahre und absolvirter Schulpflicht zur Fabrikarbeit zugelassen werden, so würden auch die verschiedenen Landestheile Deutschlands in verschiedener Weise von derselben berührt werden. Es ist ja bekannt, daß, während im größten Theile Norddeutschlands die Schulpflicht acht Jahre dauert und der Regel nach mit dem vollendeten 14. Lebensjahre erlischt, sie in Bayern nur sieben Jahre währt und schon mit dem 13. Jahre endet. Jedoch giebt es innerhalb einzelner Staaten, beispielsweise in Preußen auch für die verschiedenen Provinzen verschiedene Bestimmungen über die Beendigung der Schulzeit. So währt in Schleswig-Holstein >ie Schulpflicht bis zur Konfirmation, in den übrigen Provinzen bezw. Regierungsbezirken theils bis zu dem auf das 14. Lebensjahr folgenden, theils bis zu dem vollendeten 4. Lebensjahre nächstliegenden Entlassungstermin. In der Rheinprooinz können Kinder schon sechs Monate vor dem 14. Lebensjahre entlassen werden, wenn sie die Schul- reife haben und dringende häusliche Verhältnisse es er- ordern. Diesen Verhältnissen entsprechend, würde, falls >ic Erweiterung des Kinderschutzes in der vom Reichstage beschlossenen Form vorgenommen werden sollte, derselbe nr verschiedene Gegenden eine, wenn auch nicht sehr ver- schiedene Gestalt aufweisen. " 1. Bericht der Vertrauensmänner über ihre Thätigkeit. 2. Zentralisation oder lokale Vereinigung. Verband nicht bei? Ist eure Bage eine so günstige, daß ihr keine Verbesserung in Lohn- und Arbeitszeit gebraucht oder sind 12-18 Mr. die Woche noch zu viel, daß ihr ferner in stumpfer Gleichgültigkeit verharrt? Ein jeder denkende Kollege wird einsehen, daß unsere Lage eine höchst traurige ist. Deßhalb tretet unserem Verband bei, schaart euch als zielbewußte Männer um das Banner der Humanität, dann ist auch für uns die Zeit gekommen, wo wir Lohn und Arbeitszeit regeln können. Beruft an allen Orten öffentliche Versammlungen ein zur Gründung von Zahlstellen für den Verband, und wo ihr diese nicht frei bekommt, laßt Einladungen zur Gründung einer Filiale zur Unterschrift herumgehen. Kollegen! Laßt dieſen Mahnruf nicht unbeachtet; wir denken, daß es nur dieses Anstoßes bedarf, um euch für die gute Sache zu gewinnen. Sagt nicht, es lohnt nichts; dieses hieße schon, sich ergeben, ehe man den Kampf begonnen hat. Darum vorwärts, Kollegen, tretet alle Mann für 3. Wenn Zentralisation beschlossen werden sollte, Statuten- Mann dem Verband der deutschen Gold- und Silberarbeiter und berathung. Die amtliche Leipziger 3tg." wendet sich bereits in herbeizuführen, die in einer öffentlichen Erklärung Acht und einem Leitartikel gegen jede weitere Einschränkung der Bann über Herrn Thiele und seine Zeitung verhängt hatten. Kinderbeschäftigung. Jedenfalls läßt dieses Vorgehen Gerade das Oberlandesgericht war es damals, das ein darauf schließen, daß die Vertreter der sächsischen Regierung Urtheil des Leipziger Landgerichts, wodurch die 42 Bürger im Bundesrath wohl kaum für eine weitere Einschränkung zu je 20 Mark Geldstrafe verurtheilt wurden, wieder auf der Kinderarbeit zu haben sein werden. hob und später ein freisprechendes Urtheil bestätigte. Bei Erörterung der Ursachen der ,, Sachsengängerei" Einen allgemeinen Metallarbeiterkongrek hat der der oberschlesischen Arbeiter hat die unabhängige Presse mit Vertrauensmann der deutschen Metallarbeiter, Herr Segis, für Recht auf die Unzulänglichkeit der Löhne hingewiesen, welche tommende Pfingsten nach Weimar einberufen. Die Tagesorddie landwirthschaftlichen Arbeiter Oberschlesiens zwingen, nung lautet: anderwärts besseren Arbeitsverdienst zu suchen. In Niederschlesien giebt es nach der Fr. 3tg." ähnliche Verhältnisse. Auf vielen Dominien des Goldberg- Haynauer und Jauer'schen Kreises erhalten die sogenannten ,, Hofegänger", d. h. Leute, die vom Dominium beschäftigt werden, aber nicht zum Gesinde desselben gehören, im Sommer 80-90 Pf. Tagelohn, im Winter 60-70 Pf. Nicht selten werden auch Kinder beschäftigt. Diese erhalten dann für den halben Tag der andere halbe Tag gehört der Schule- 15 bis 20 Pf.! Nur dadurch, daß alle Familienmitglieder fich tüchtig regen, ist es möglich, den Unterhalt zu schaffen. Wenn aber die erwachsenen Hofegänger die heimathliche Scholle nicht verlassen, wie das die Sachsengänger" thun, so liegt das daran, daß ihnen vom„ Herrn" ein paar Furchen Acker zur Bewirthschaftung übergeben worden sind. Die Leute bleiben dann zeitlebens in Abhängigkeit vom „ Hofe" und es gehört zu den größten Seltenheiten, wenn sich einmal Einer von ihnen zur Selbstständigkeit herausarbeitet. " 4. Wahl eines Vorstandes und Kassirers. 5. Wahl des Vorortes. 6. Ernennung eines Aufsichtsrathes und dessen Siß. 7. Wenn lokale Vereinigung beschlossen werden sollte, Wahl der Vertrauensmänner, event. einer Agitationskommission. 8. Wie haben sich die Metallarbeiter zu verhalten bei Arbeitseinstellungen, Arbeitsausschlüssen und Maßregelungen? 9. Warderunterstützung. 10. Arbeitsnachweis und Herbergswesen. 11. Gesetzliche Sicherstellung, beziehungsweise Erweiterung des Koalitionsrechtes der Arbeiter. 12. Die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit und einer internationalen Arbeiterschutzgesetzgebung. 13. Beschlußfassung über Herausgabe eines Kongreßprotokolls. Nähere Auskunft ertheilt Martin Segit, Königsstraße Nr. 79 in Fürth, Bayern, sowie die Redaktion der deutschen„ Metallarbeiterzeitung", Weizenstraße 12 in Nürnberg. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Bezüglich der Anwendung des„ groben Unfug" Paragraphen auf Boy kott versuche hat nunmehr auch das Dresdener Oberlandesgericht ein Urtheil gefällt, das sich auf den Standpunkt stellt, den die Richter der Vorinstanzen An die Weber und Weberinnen Deutschlands! eingenommen haben. Aus den Gründen, mit denen das Zirka 5000 Weber und Weberinnen der Geraer Webereien sind seit Oberlandesgericht seine Entscheidung rechtfertigt, heben wir Sonnabend, den 26. d. M. aufs Pflaster geworfen, weil sie sich nach der Frankf. 3tg." Folgendes hervor:„ Die Verweigerten, eine Fabrikordnung zu unterschreiben, bei der sie der rufserklärung von Gewerbtreibenden ist zwar im All- Willkür ihrer sogenannten Herren vollständig preisgegeben würden. gemeinen ein gefeßliches Mittel, auf die Willensrichtung Haltet vornehmlich den Zuzug fern. Schnelle Hilfe ist doppelte Anderer einzuwirken, aber es giebt gefeßliche Bestimmungen, Hilfe. Alle Briefe und Sendungen richte man an Emil Vogel, die gewisse Formen der Verrufserklärung schon an sich Karlstr. 1, Gera( Neuß.) deren verwandte Berufsgenossen bei und wir sind dann in der Lage, Lohnforderungen zu stellen, um ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Mit kollegialischem Gruß W. Balk, Vorsitzender. Briefe und Anfragen sind zu richten an W. Balt, Hamburg, Grabenstr. 23, IV. Briefkasten. Wir mußten diesmal, des preußischen Bußtages ( Mittwoch) und des ,, blauen" Donnerstages wegen, das Blatt bereits Dienstag fertigstellen und bitten damit die Nichtaufnahme einiger Sendungen zu entschuldigen: das 1. Quartal noch nicht abgerechnet. Wo das nicht Verschiedene auswärtige Kolporteure haben sofort geschieht, stellen wir von nächster Nummer ab die Sendungen ein. Leser, welche nächste Woche kein Blatt erhalten, wollen sich sofort direkt an und wenden. wie uns mitgetheilt wird, nicht der ehemalige Abg. Kühn, sondern Berichtigung. In der Breslauer Volksversammlung war, der Schlosser Kühn- Breslau Referent. G. Nowawes. Sie können dazu verpflichtet werden, eine Bescheinigung giebt es gewöhnlich nicht. Musiker Sch. Das macht Ihnen gar keine Schwierigkeiten. Das Standesamt hat blos nach der Stellung zur Landeskirche zu fragen, sonst geht es die Sache nichts an. Zur Beachtung! Auf vielseitigen Wunsch haben wir zum Aufhängen an der Wand ein Plakat( bedeutend höher und breiter wie unsere Zeitungsseite, auf starkem Karton) für die „ Berliner Volks- Tribüne" und ,, Berliner Arbeiterbibliothek strafbar erscheinen lassen. Der§ 153 der Gewerbeord- Schrauben- Façondreher. Seit dem 15. d. M. liegen nung ist indessen nur auf ganz besondere Fälle anwendbar. ca. 750 Schrauben- Façondreher und Berufsgenossen Berlins im Es giebt vor Allem Formen der Verrufserklärung, die in Streit. Unterstüßt uns in jeder Hinsicht, dann ist der Sieg in furzer Zeit der unserige. Die Kommission. Sendungen sind zu das Gebiet des groben Unfugs übergehen. Dazu gehört richten an G. Rothwald, Naunynstr. 28, 4 Tr.- Sämmtliche in guter Ausstattung herstellen lassen. Wir senden dasselbe an alle das Boykotten der Geschäftsinhaber. Hierdurch wird Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. unsere Kolporteure, um es in besuchten Lokalen anzubringen, in erster Linie die öffentliche Ordnung gestört.(?) Lese- und Diskutirklub ,, Natur." Nächste Sizung am würden aber erfreut sein, wenn uns besonders in Orten, wo Ferner wird, wenn diese Verrufserklärung durch Vertheilung Dienstag, den 6. Mai, Kaiserstr. 4 bei Hoffmann, Abends 9 Uhr.„ Volks- Tribüne" und„ Arbeiterbibliothek" wenig gelesen sind von Flugblättern erfolgt, gleichzeitig das Publikum Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. die Genossen Lokale( Restaurationen, Fabriken, LeseAufruf an alle Gold: und Silberarbeiter und ver belästigt.(?) Der Thatbestand des groben Unfugs ist wandten Berufsgenossen Deutschlands. Kollegen! Wohin also(!) in solchen Fällen doppelt gegeben."-Dieſe Ihr blidt, organisiren sich die Arbeiter sämmtlicher Gewerke. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts in der Berufungsklage felben haben eingesehen, daß der Arbeiter vereint alles, einzeln eines sozialdemokratischen Arbeiters ist um so bemerkens- aber nichts erreichen kann zur Besserung seiner Lage. Auf dieses werther, als vor nicht allzulanger Zeit der freisinnige bin wurde im September vorigen Jahres der Verband der Gold- und Silberarbeiter in Hamburg gegründet. Ist das Redakteur Thiele in Wurzen sich vergeblich bemüht hat, unternehmen auch gelungen, so ist doch die Betheiligung nicht die eine Bestrafung derjenigen 42 Bürger der Stadt Wurzen erwartete. Nun fragen wir Euch, Kollegen, warum tretet Ihr dem Berliner Arbeiterbibliothek. I. Serie. Herausgegeben von Max Schippel- Berlin. Eine Sammlung allgemein verständlicher Agitationsschriften in bester Ausstattung und zu niedrigstem Preise, die wir allen Lesern der Volks- Tribüne", sowie allen Mitgliedern von Arbeitervereinen aller Art bestens empfehlen. Heft 1. Ein sozialistischer Roman. Nach dem Amerikanischen. Von Edward Bellamy. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Heft 2. Die Gewerkschaften, ihr Nutzen und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Von Mar Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Heft 3. Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart. Von Clara ZetkinParis. 40 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 4. Die französische Arbeiter bewegung seit der Pariser Kommune. Von Ossip Bettin- Paris. † 48 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 5. Charakterköpfe aus der französischen Arbeiterbewegung. Von Ossip Zetkin= Paris t. 48 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 6. Die Haus Industrie in Deutschland. Von Paul Kampffmeyer- Genf. 32 Seiten Preis 15Pfg. Heft 7. Innker und Bauer. Von Paul Kampffmeyer- Genf. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. simmer u. f. w.) angeben würden, in welchen das Plakat angeschlagen werden kann. Wirthen und Vereinen, welche das Plakat auslegen, sind wir gern bereit, eine Zeit lang die„ Bolts- Tribüne" gratis zur Einsichtnahme seitens der Gäste und Mitglieder zu liefern. Die Expedition der ,, Berliner Volks- Tribüne" Berlin, Oranienstraße 23. E. M. Witschke, Cigarren u. Tabake, Junkerstr. 1. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß mein Geschäft am Donnerstag, zur Feier des Tages geschlossen ist, ferner an allen Sonntagen von 12 Uhr ab, indem ich darauf rechne, daß ich zu dem Unternehmen auf Zuspruch von Freunden und Genossen rechnen darf. Kleider- Bazar Reichenbergerstr. 149 Manteuffelstr. an der empfiehlt Herren- Anzüge von 10-36 Mt., Sommer- Paletots von 12-30 Mt., Hosen von 3-12 Mt., Knaben- Anzüge, Drill-, Wasch- und Turntuch- Jaquets zu sehr billigen Preisen. Bestellungen nach Maß werden unter Aufsicht unseres Meisters Herrn Ignaz Weiland brillant ausgeführt. Ich habe mich niedergelassen Kottbuserstraße 12, I. Dr. M. Lewitt, praft. Arzt. Die Thüringer Tribüne Deft 8. Die wirthschaftlichen Umwälzungen unſerer Zeit und die Entwins Verein der Sattler u. Fachgen. ich zweimal. In ihrer Rubrik„ Aus Thüringen" der Sozialdemokratie. Von Mar Schippel- Berlin. 32 Seiten. Preis 15 Pfg. Heft 9. Die Marg'sche Werththeorie. Zur Einführung in das Studium von Mary. Bon Paul Fischer- London. 52 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 10. Die Sozialdemokratie und der Deutsche Reichstag. Materialien zum Gebrauch für sozialdemokratische Reichstagswähler. 36 Seiten. Preis 15 Pfg. Heft 11. Die soziale Frage auf dem Lande. Von Paul Stamffmeyer- Genf u.* 40 Seiten. Preis 20 Pfg. Heft 12. Die internationale Arbeitsschutzgesetzgebung. 32 Seiten. Preis 15 Pf. * Von Paul Ernst- Berlin. Zu beziehen durch die bekannten Kolporteure und die Expedition der ,, Berliner Volks- Tribüne", Berlin S.0., Oranienstr. 23. Jedes Heft ist einzeln käuflich. Wiederverkäufer, sowie Arbeitervereine erhalten hohen Rabatt. Grosse öffentliche Versammlung der Weber, Wirker, Färber, Spinner, Stricker, Posamentiere, Sticker, Raschmacher, Seiler, Handschuhmacher, Appreteure u. verw. Berufsgen. Donnerstag, d. 8. Mai, im Elysium, Landsberger Allee 31-33. Tages- Ordnung: 1. Die Lage der Textilarbeiter Deutschlands und ihre zukünftige Agitation. Referent Kollege Scholz. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Agitationskomitees über ganz Deutschland. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Einberufer: Rob. Wengels. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten. Am Dienstag, den 6. Mai, Abends 8½½ Uhr, in Deigmüllers Salon, Alte Jakobstr. 48a Versammlung. Tages- Ordnung: vertritt die Interessen der Arbeiter in politischer, wirthschaftlicher und gewerkschaftlicher Beziehung in entschiedenster Weise. Dieselbe erscheint wöchentbeleuchtet dieselbe speziell das Streben und Wirken des werkthätigen Volkes Thüringens. Jede Postanstalt nimmt Abonnements zum Preise von 1 Mark vierteljährlich entgegen. Im gleichen Verlage erscheint die ,, Reußische Tribüne" und das ,, Nordhäuser Volksblatt", 1. Soll der Arbeiter heirathen. Vortrag des welche int zweiten Nachtrag der Postzeitungsliste Kollegen Weiß. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Die Bibliothek ist geöffnet. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Im Verlage der Münchener Post, München, Senefelderstr. 4, ist soeben erschienen: Illustrirte Festschrift " Der 1. Mai" „ Der Mai“ Denkschrift zur Achtstundenbewegung. 8 Folio- Seiten umfassend. Preis pro Exemplar 20 Pf. Inhalt u. A.: Festgedicht, Urtheile der hervorragendſten Männer und Frauen über die Achtstundenbewegung 2c. Bestellungen erbitten sofort durch den Verlag der" Münchner Post" Senefeldstraße 4. ei Bedarf von Regen- und Sonnenschirmen, sowie Anfertigung sämmtlicher Reparaturen, halte mich den Parteigenossen bestens empfohlen. eingetragen werden und zu den gleichen Be= dingungen zu beziehen sind. Der Verleger. Erfurt. Karl Schulze. Abonnements für Nowawes- Neuendorf und Umgegend auf die Berliner Volks- Tribüne, Berliner VolksBlatt, Textil- Arbeiter, Nordwacht, Wahren Jakob, Dr. Zimmermann's Großer Deutscher Bauernkrieg, Arbeiterbibliothek u. s. w. nimmt entgegen Herm. Bathe, Nowawes, Wilhelmstr. 54. Arbeitsnachweis für Tischler. Der vom Fachverein der Tischler be= gründete Arbeitsnachweis befindet fich Wallstrasse 7-8. Die Arbeitsvermittelung geschieht für Meister und Gesellen( auch Nichtmitglieder) unentgeltlich. Die Adressenausgabe erfolgt an Wochentagen von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr mittags. Der Vorstand. Gustav Fritz, S., Fürstenstr. 11, p. bene, Sonntags von 9-11 Uhr VorBerantwortlicher Redakteur: Max Schippel, Berlin. Drud und Berlag: F. Posekel, Berlin S. O., Dranienstraße 23. IfiHiiit M Äerliiler Uolks Tribüne. M 18. Sonnabend, den 3. Mai 1890. iv. Jahrgang. Machdruck ottbotett.] Existenzen. Von John Henry Mackay. (Schluß.) Er war still und sah mich an. Mir graute. Was er eben gesagt hatte— diese Szene—„Das ist scheußlich—" konnte ich nur sagen.„Sie hat Dich geliebt— sie wurde entehrt, sie entehrte nicht sich selbst. Aber das hast Du gethan, indem Du Dein Leben so weggeworfen hast, in solchem Tagwerk." Es kochte in mir. Er war vielleicht etwas bleicher geworden. Aber mit voller Ruhe sagte er: „Du kannst Dir jede Bemerkung ersparen, brauchst weder sie zu entschuldigen, noch mich anzuklagen. Ich habe zu büßen, und Du weißt nicht, wie. Oder glaubst Du, ich wüßte das Alles nicht? ich müßte nicht an dieser Stunde tragen, an meiner unsühnbaren Schuld, bis es auch mit mir zu Ende ist? Aber Rechenschaft wäre ich nur ihr schuldig!" „Du hast sie doch wieder gesehen?" „Nein, ich habe sie nie wieder gesehen!" „Das ist schrecklich!" „Es ist mehr wie schrecklich. Es macht mich wahn- sinnig. Weiter, weiter!" Er erzählte weiter, monoton und leiser. --„Ich lag halb besinnungslos stundenlang da. Allmählich nur kam mein Denken wieder. Ich ging zu ihr— mit einem Herzen voll Liebe und Reue. Natürlich — Alles zu spät! Sie halte ihre wenigen Sachen gepackt; fast nichts gesprochen; ihrer Wirthin das Wenige bezahlt, was sie schuldig war, und war fortgefahren. Dann ging ich zu einer der Sängerinnen, von der ich wußte, daß sie gegen Hedi immer am Freundlichsten gewesen war. Sie war eben aufgestanden und lag aus ihrem Sopha. Von ihr erfuhr ich Alles. Nun höre zu! Also sie erzählte. Sie waren Alle eingeladen worden, am vergangenen Abend, von einer großen Anzahl Herren, die durch die Hinterthür gekommen waren, weßhalb ich sie nicht gesehen hatte. Neben Hedi habe sich ein alter, abgelebter, widerlicher Mensch gesetzt. Sie sei ausgeregt gewesen, habe mehr getrunken, wie sonst, und sich auf jede Weise gegen den Menschen gewehrt. Aber es sei aus der Kneiperei allmählich eine Orgie großen Styls ge- worden. Champagner— eine Batterie nach der anderen. Endlick seien sie Alle zusammen ausgebrochen. Hedi sei, wie sie Alle, ziemlich betrunken gewesen, und wie jede, mit ihrem Herrn fortgefahren. Wohin?— ja, das wisse sie nicht. Aber es sollte ihr leid thun, wenn„etwas passirt wäre." Und so sagte sie tröstlich:„An uns Anderen ist ja Nichts zu verderben. Aber Hebt— wir hätten auf sie achten sollen— aber wir halten Alle so viel getrunken— und Keiner wußte mehr, was eigentlich vorging." Dann suchte sie mich zu trösten,„Früher oder später hätte es ja doch kommen müssen— aber der Mensch sei so widerlich gewesen." Ick konnte es nicht - mehr ertragen. Ich eilte hinaus. Nichts als der schrecklichste Haß in mir! Rächen— an irgend einem Menschen! Ich ging in das Lokal und ließ den Wirth rufen. Als er kam schlug ich ihn in Gegenwart seiner Kellnerin in dem- selben Zimmer, welches noch die Spuren der Nacht aufwies, in's Gesicht, ohne ein Wort zu sagen. Dann ließ ich die schreienden Menschen hinter mir und ging nach Hause. Hätte ich den Verführer Hedi's unter meinen Händen gehabt, ich hätte ihn erwürgt wie einen Hund!—— — Große Schmerzen verleiten nie zum Selbstmord. Nur die Fülle von kleinen, oder die Aussicht aus diese. Ich lebe noch, wie Du siehst— und ganz wie früher. Schon einige Tage darnach— ich war in einen anderen Stadttheil gezogen— spielte ich in demselben Lokal, in dem ich jetzt noch bin." Und wieder schwieg er. Wie vor mich hin, flüsterte ich:„Und wo mag sie jetzt sein?" Da drang mir sein gellendes Lachen in's Ohr: „Wo sie ist, meinst Du? Ich kann es Dir sagen: auf der Straße wahrscheinlich— vielleicht auch in einem Bordell— auf einer der letzten Stufen— da ist sie jetzt!" Mir schauderte. „Du glaubst, daß sie an jenem Abend zum ersten Mal—" „Ich weiß es. Sie ist gefallen, weil sie besinnungs- los war.— Du glaubst wohl, eine solche Gemeinheit sei undenkbar?— Das kommt alle Tage vor. Und was ist denn auch daran? Eine mehr oder weniger. Einmal geht es ihnen Allen so. Aber daß es gerade diese sein mußte! Sie hat sich gewehrt, gewehrt wie eine Ver- zweifelte. Doch sie war aufgeregt gerade an diesem Abend, sie sehnte sich nach mir— sie wollte ihre Liebe betäuben—" Unglücklich wären wir doch Beide geworden. Aber wir wären dann noch einmal wenigstens Beide ganz glücklich gewesen— Und plötzlich warf er sich mit dem Oberkörper über den Tisch hinüber, daß die Gläser umfielen, barg sein Gesicht in den Händen und stöhnte auf wie ein wildes Thier. „Ich habe sie geliebt!— Ich habe sie geliebt!— Ich habe sie geliebt!" wiederholte er dreimal fast schreiend. Es klang wie wahnsinnig durch die Stille um uns. Ich konnte es nicht mit ansehen und stand auf. Ich wußte mir nicht zu helfen, und legte ihm nur leise meine Hand auf die Schulter. Da fuhr er empor und sah mich an. Ich habe diesen Blick nie vergessen. Es lag mehr wie Haß in ihm. Aber schnell veränderten sich seine Züge, wie ein Blitz. Er lachte auf, während noch immer der Schmerz um seine Lippen, um seine Augen lag. „Aber was mache ich denn", lachte er auf.„Was ist denn los?— Fülle doch eben einmal die Gläser, willst Du?"— Ich that es. Als ich an den Tisch zurückgekehrt war. hatten seine Züge den alten, müden, gleichgültigen Ausdruck angenommen. Ich sah aber doch, was in ihm vorging. Er bereute seine Offenheit. Schweigend saßen wir uns noch einige Minuten gegen- über. Dann leerten wir unsere Gläser schnell und gingen. Auf der Wanduhr wies der Zeiger die vierte Morgen- stunde. Ich suchte vergebens nach einem Wort, das ich ihm noch zuletzt sagen wollte, wie dankbar ich ihm für sein Vertrauen war. Aber ich fand es nicht. So stand ich wartend auf ihn, der die Hausthür abschloß, und schweigend drückten wir uns die Hand und schieden von einander. Aber als er mich verlassen hatte, und ich langsam den Weg nach Haus durch die toten Straßen ging, überfiel mich eine solche Müdigkeit, daß ich stehen bleiben mußte und mich anlehnen. Ich war wie zerschlagen und fühlte erst jetzt, wie mich seine Erzählung erschüttert hatte. Als schwebe über mir— dicht über meinem Haupt— ein dunkles, abwendloses Geschick, das jeden Augenblick zer- malmend auf mich niederfallen müsse— so war es mir. Vor meinen flimmernden Augen flössen alle Szenen, welche in der vergangenen Nacht vor mich hingestellt waren, ineinander— Hedi— Paul— und ich fühlte mich mit hineingezogen in die Kreise ihres verlorenen Löbens.... Noch in meine Träume reckten sie sich, düster und unabweisbar, und erst, als ich am Mittag erwachte, be- gannen sie, sich scharf von dem nüchtern- hellen Hintergrunde eines kalten Wintertages in meinem Denken abzuheben. IV. Den ganzen Tag über oachle ich nur an ihn. Er hatte mir sein Vertrauen geschenkt, und mir damit eine Pflicht auferlegt— die, auch gegen ihn wahr zu sein. Das wollte ich am Abend, wenn ich ihn wiedersah. Ich wollte versuchen, ihn einem Leben zu entreißen, welches seiner unwürdig war. Wie lächerlich ich ihm damit er- scheinen mußte, daran dachte ich nicht mehr. Und als ob er ahne, was ich vorhatte, was das Erste, was er zu mir sagte, als wir um elf Uhr— ich war erst ganz kurz vor- her gekommen— vor der Thür des Tingel-Tangels standen und ich ihn fragte, ob wir in unsere Kneipe gehen wollten: „Es thut mir leid— ich möchte heute Abend früh zu Bett. Ich bin müder als sonst." „Ich hätte gerade heute Abend so gern noch mit Dir gesprochen—" „Es ist wohl besser nicht. Was sollten wir uns denn noch sagen?" antwortete er ruhig, und fügte freundlich hinzu, indem er dann sogleich das Gespräch auf eine ent- fernt liegende Sache wendete:„Aber ich will Dich noch gern ein Stück begleiten." So gingen wir denn neben einander her. Er hatte seinen Arm leicht in meinen gelegt, und wir sprachen über gleichgültige Dinge. Als wir an der Elsässer Straße waren, stand er still. „Willst Du nicht den nächsten Omnibus benutzen?— Weiter möchte ich nicht mit Dir." Wir standen noch einige Minuten zusammen. Dann kam der schwerfällige Wagen heran. „Also auf Morgen?" fragte ich ihn schnell. Er ant- wartete nicht, trat aber noch mit mir zu den Wagen heran, der eine kurze Minute hielt. Dann reichte er mir die Hand hinauf. Der Schein der Laterne fiel auf sein Ge- ficht. Ich sah, wie todtenbleich es war. „Bist Du krank?" fragte ich erschreckt, und wollte wieder herunterspringen. Aber er drückte mich zurück und noch einmal, als schon der Wagen im Fahren war, hörte ich, wie er sagte: „Leb' wohl.— Und vergiß mich!" Und bevor ich mir über den Sinn der Worte noch klar wurde, war er in dem Gewühl der Menschen verschwunden, hatte mich der Wagen schon eine ganze Sirecke weit fortgetragen. Ich sprang sofort ab und eilte ihm nach. Aber nur einige Schritte. Dann kehrte ich um, und ging langsam die Friedrichstraße hinunter. Ich wußte es jetzt, ich hatte ihn verloren. Ich kannte ihn. Das war es, was ihn von mir trennte. Er hatte sich hinreißen lassen, mir den Abend vorher sein Vertrauen zu schenken. Heute schon empfand er es als eine Bürde. Er fühlte sich beeinträchtigt in seiner freien Unabhängigkeit. So schüttelte er mich ab, wie er so Vieles abgeschüttelt hatte. Der Gedanke schon beengte ihn, daß ich ihn kennen sollte, wie kein Anderer. Er konnte es nicht ertragen, ohne Maske mit einem Anderen zu leben. Das war es. Das war Alles. Ich wußte es, als ich einige Tage darauf wieder in dem Lokal war— er war fortgeblieben seit jenem Abend. Dann ging ich in seine Kneipe— er war nicht mehr da gewesen. Ich sagte der Alten, er würde nie mehr kommen. „Er habe Abschied von ihr genommen", sagte sie,„schon am Morgen nach der Nacht..." Seine Wohnung wußte auch sie nicht. Ich wußte, er war nicht mehr in Berlin. Und dennoch habe ich ihn in den nächsten Wochen überall ge- sucht in einer kümmerlichen Hoffnung. Ich bin in allen Cafe chantants gewesen— in der Friedrichstraße in die ersten Stockwerke hinaus-, und in den anderen Stadttheilen in die Keller hinabgestiegen; überall habe ich nach ihm gefragt— hier und da seine Spur, ihn selbst nie ge- funden. Nun, da ich begonnen hatte, ihn zu lieben, hatte ich ihn verloren. Die Einen streben immer nur hinauf zu den Höhen des Lebens, die Anderen hinunter. Aber Letztere sind es, die sich vertiefen, die ein ruheloser Trieb nicht zum Glück, aber zur Wahrheit führt. Von Paul Jordens habe ich zuerst gelernt, durch den Schleier schöner Worte hindurch die Wahrheit des Lebens zu sehen. Glücklich nur der vertrauende Mensch. Paul Jordens aber ward unglücklich, weil er nie die Kraft— oder die Schwäche?— des Vertrauens besessen hatte, weder auf seine Nebenmenschen, noch auf das Leben, und auch nicht auf sich selbst. Er war nur wahr, und wollte nur wahr sein, und sein Streben ging dahin, es auf die Weise z« werden, welche ihm von seiner Natur vorgeschrieben war. Diese Natur aber kannte nur Unerbittlichkeit und Härte, und nichts von all den tausend schönen, träumenden Lügen, in welche zu flüchten die Guten sich gewöhnt haben. So konnte er nicht gut werden. Aber ist ein reinwahrer Mensch nicht schon etwas so Seltenes, daß er um dessent- willen verdiente, geliebt zu werden?... Reichste Keime— von Anfang an verzerrt; wuchernde Ranken— nie beschnitten; eine brachgelegte Kraft.... Aber immer noch eine wirkliche Kraft der Persönlichkeit, wie ich wenigstens sie nie wieder so getroffen habe. Darin lag der Zauber seiner Natur; in diesem gänzlichen Bei- seiteschieben jedes Fremden. So steht er noch immer vor mir. Glücklich nur der vertrauende Mensch?— Es ist wohl so. Aber woher sollte sein in Allem getäuschtes Leben die Fähigkeit nehmen zu vertrauen?— Woher? Ich habe Paul Jordens bis heute nicht wiedergesehen. Er wird gänzlich untergegangen sein in dem Wirrsaal seiner trüben Tage. Ich denke mit Wehmuth an ihn zurück. Aber immer und immer wieder seit jener unvergessene» Nacht sah ich mit immer klarerem Auge um mich die ungeheuere Gemeinheit alles Lebens, der von uns Allen kein Einziger ganz entgehen kann, wenn er wirklich mensch- (ich fühlt und menschlich handelt. Die Schulreformbestrebungen des Sürgerthums. n. v.-n. Die radikale Richtung mit ihrer entschiedenen Ablehnung einer das Alterthum in den Kreis ihres Unter- richtes ziehenden Schule und mit ihrer Betonung des Nützlichkeitsprinzipes geht von dem flachen, im Produktions- prozeß der bürgerlichen Epoche großgezogenen Moralbegriff aus, welcher in dem Grundsatz ausgedrückt ist: Nur der Nutzen ist der Maßstab des Vernünftigen und Sittlichen. Und da diese mit dem Strome der kapitalistischen Epoche fröhlich schwimmenden Vertreter der bürgerlichen Intelligenz den leidigen Adam nicht ablegen können, verstehen sie natürlich unter Nutzen nur denjenigen, welcher aus direktem oder indirektem Wege sich am Ende in klingendes Metall umsetzen läßt. Die Schule muß in den Köpfen dieser „radikalen" Vertreter bürgerlichen Klassenbewußtseins na- türlich zum Abbild der herrschenden bürgerlichen Klasse selbst werden, an deren Eingangspforte das Wort: Kapital- anhäufung in goldenen Buchstaben leuchtet. Daher soll die Schule nach den Forderungen dieser Vertreter einer radikalen Reform nur dasjenige lehren, was dem späteren Mann für das Emporsteigen auf der Staffel bürgerlichen Reichthums und büreaukrattscher Hierarchie förderlich ist; alles, was darauf keinen Einfluß übt, wird als Ballast betrachtet. Die literarische Kenntniß des Alter- thums nützt dem Industriellen und Kaufmann, dem Arzt und praktischen Juristen, dem Techniker und Naturwissen- schaftler in der Ausübung ihrer Berufsthätigkeit keinen Pfifferling, folglich hinaus mit diesen Disziplinen aus der„modernen" Schule! Dagegen bedarf es im Zeitalter des internationalen Handels für fast alle Berufe in der herrschenden Klasse der Kenntniß der modernen Kultur- sprachen, daher sollen die französische und englische Sprache und Literatur als souveräne Sprachen in der reformirten Schule herrschen. Das Zeitalter der Maschine verlangt von jedem, welcher theilnimmt an dem induflriellen Wett- rennen, eingehendere Kenntnisie der Naturwissenschaften, daher muß dieser Zweig der Wissenschaften zum bedeutungs- vollsten in den Schulen des höheren Bürgerthumes ge- staltet werden. Dagegen spielt der für eine Würdigung unserer Zeit so wichtige Zweig der Geschichte bei diesen Reformbe- strebungen eine Aschenbrödelrolle. Die Geschichtskenntniß steht ja in keinem sichtbaren Zusammenhang mit dem materiellen Nutzen, wie ihn andere Wissenschaftszweige in der heutigen bürgerlichen Gesellschaft gewähren. Außerdem macht sowohl der bereits erwähnte Mangel an Geschichts- sinn als auch der durch das ganze Bürgerthum von seinen ungebildeten Thcilen bis zu den Leuchten seiner Intelligenz hindurchgehende, aus den früheren Jahrhunderten über- kommene Jrrthum, daß die Weltgeschichte von den Großen der Erde gemacht werde und in ihrem wesentlichen Inhalt Fürsten- und Kriegsgeschichte sei, das Bürgcrthum für eine klare und prinzipielle Reform auf diesem Gebiete unfähig. Die welthistorische, von Marx und Engels gefundene und begründete materialistische Geschichtsauffassung, welche allein einen für das objektive Verständniß der Vergangen- heit und Gegenwart förderlichen Wegweiser geschaffen hat, wird nie und nimmer geistiges Eigenthum der herrschenden Klasse werden; denn diese Geschichtsauffassung spricht eine Sprache, welche dem Interesse des Kapitalismus, als ewig nothwendige Gesellschaflsform betrachtet zu werden, mit der schneidenden Macht der auf dem festen Grund der Thatsachen nihenden Logik feindlich entgegentritt. Auf dem Gebiete der Geschichtswissenschaft ist also das Bürgerthum auch in seinen„aufgeklärten" Vertretern unfähig, eine die Köpfe der Jugend mit realen und wahren Kenntnissen erhellende Reform durchzuführen. Für die deutsche Sprache und Literatur wünschen zwar diese Vertreter der„radikalen" Reform einen ein- gehenderen und ausgedehnteren Unterricht, als bisher; sie haben einen aufmerksamen Blick für die von den Professoren der Universität so häufig anerkannte und bedauerte That- fache, daß die meisten Studenten, welche das Gymnasium mit dem Zeugniß der Reife verlassen haben, in nur sehr fragwürdiger Weise im Stande sind, einem Wissenschaft- lichen Gedanken präzisen Ausdruck, sei es mündlich oder schriftlich, zu leihen. Uebrigens genügt nur ein Blick in die Bücher sehr vieler Leuchten unserer Universitäten, um beurtheilcn zu können, wie bitter die Vernachlässigung der Muttersprache in den Schulen sich in der wissenschaftlichen Literatur rächt. Aber Kritik zu üben an der Art und Weise, wie die Literaturgeschichte gelehrt wird, w ie die Werke unserer Dichter gelesen werden, das ist nicht Sache dieser„radika- len" Schulresormatoren. Die bürgerliche Illusion, als werde die Geschichte von den Großen gemacht, schematisirt auch die Literaturgeschichte nur nach den Namen der großen Dichter, bleibt an den Biographien der literarischen Götter haften und verflacht so den ganzen Inhalt der literarischen Geschichte. Die bedeutungsvolle Frage nach dem ursächlichen Moment für bestimmte, in den literarischen Werken einer Epoche allgemein zum Ausdruck gelangende Ideen und neu auftretende Kunstsormen ist bis dahin in der offiziellen Literaturgeschichte der bürgerlichen Klasse noch nicht einmal aufgeworfen, geschweige denn beantwortet worden. Also auch auf dem Gebiete des Unterrichtes in der ein- heimischen Sprache und Literatur steht den bürgerlichen Vertretern der resormirten Schule die Mauer des vor- urthellsvollen Klassengedankens entgegen, die sie nicht über- springen können, ohne die Reihen ihrer Klasse geistig zu verlassen. Die in der Gegenwart so häufig ventilirte Frage, ob die Religion noch einen Theil des Schulunterrichts bilden solle, wie sie es noch gegenwärtig thut, trennt diese ra- dikalen Schulreformer wiederum in zwei Theile, von denen der eine der Religion auch in der Schule der Zukunft einen einflußreichen Platz gewährt, während der andere, bei weitem kleinere, sie aus den Hallen der höheren Lehranstalten aus- geschlossen wissen will. Der erste Theil hat doch eine leise Ahnung, daß die Schule, im Sinne des Nützlichkeitprinzipes reformirt, zwar tüchtige Berufsmenschen, aber an Idealismus und Begeisterung für das große Ganze sehr arme Menschen heranbilden würde. Er findet aber kein anderes Gegen- gewicht gegen die einseitig formelle Bildung als in der gegenwärtig bereits bedeutungslos gewordenen Religion. Eine heischende Klasse kann, als Ganzes betrachtet, weder ihre wirthschastliche Grundlage aufgeben, noch ihr geistiges Klassengewand abstreifen, ohne sich selbst als Klasse aufzugeben. Die bereits erwähnte Nützlichkeitsanschauung, von der das Bürgerthum hinsichtlich seiner Beurtheilung der naturwissenschaftlichen und Alterthumsbildung ausgeht, ist eine Klassennothwendigkeit, aber auch ein Klassenver- hängniß. Wie die Epoche des Kapitalismus auf dem Gebiete des wirthschaftlichen Lebens den ganzen Menschen in einen Th eilmenschen verwandelt, so ist diese Epoche auch nicht im Stande, in der Schule der herrschenden Klasse freie, mit offenem, vorurtheilslosem Blick für die Wirklichkeit be- gabte, für die idealen Seiten des Lebens empfängliche Menschen zu bilden. Für solche hat die herrschende Klasse keinen Raum, sie sind ein fremder Tropfen in dem Blut der Bourgeoisie und werden entweder ausgestoßen oder gehen freiwillig. Wenn die Vorschläge der verhältnißmäßig konsequen- testen bürgerlichen Schulreformer zu Grundlagen für die Schule der Zukunft gemacht würden, dann wäre das Resultat einer solchen Unterrichtserziehung, daß die höhere Schule noch mehr als jetzt— und das will viel sagen— Klassen-, Bourgeoismenschen heranbilden würde, welche, den Kopf erfüllt lediglich mit naturwissenschaftlichen und modern- sprachlichen Brocken, um so ungestöner und rücksichtsloser in der Ausübung ihrer materialistischen Thätigkeit verharren würden, als sie ohne Verständniß für die gesellschaftliche Entwickelung und ohne Idealismus für weltbewegende Ideen in der Tretmühle einer den ganzen Geist erfüllenden Duodezbeschäftigung ihre eigentliche Lebenslust finden würven. Die Schule, im Sinne der radikalen bürgerlichen Re- former umgestaltet, ist allerdings insofern modern, als sie den Charakterzug des modernen Kapitalismus am präg- nantesten wiedergiebt und allen idealen Ballast, welchen die bürgerlichen Schulen aus der Vergangenheit überkommen haben, über Bord wirft. Wie die Bourgeoisie im Zeit- alter der großen Industrie durch ihre ausschließliche Be- schästigung mit den in den Dienst ihrer Produktion gezwängten Naturkräften jeden Zusammenhang mit den geistigen Faktoren und jedes Verständniß für die gesell- schaftlichen Umwälzungen verloren hat, so hat auch die in dem erwähnten Sinne resormirte Schule für die alle gesellschaftlichen Vorgänge umfassende Gesellschafts- Wissenschaft keinen Raum. Indem die Bourgeoisie die in unserer Zeit stark em- pfuvdcne Einseitigkeit der mittelalterlichen Schule beseitigt wissen will, verfällt sie in die andere Einseitigkeit, sie lediglich ihren modernen Klassenbedürfnissen anznpassen zu einer Zeit, da bereits neue Bedürfnisse und neue Klassen um Emanzipation ringen. Der Geist der wahrhaft modernen Zeit besitzt aber noch wenig Positives, sein Werthvollstes und Bedeutungs- vollstes liegt in dem Negativen. Er ist der Herkules, der den Augiasstall der Vergangenheit reinigt. Das Positive ist erst im Werden begriffen; je mehr die ungesunde Athmosphäre der verwesten Institutionen sich reinigt, um so mehr Blüthen treibt der Boden des modernen Geistes, um so farbenreicher gestaltet sich das Bild der geistigen Saat. Aber wohin man seine Blicke über die neue Geistessaat schweifen läßt, überall grüne Nehren, nur wenige reife Früchte, überall ein Werden, nur wenig Vollendetes, Abgeschlossenes! Eine Zeit des Göhrens und Blühens ist nicht im Stande, Institutionen zu schaffen, deren wesentliche Eigen- thümlichkeit darin liegt, das Geklärte, die Früchte, das Abgeschlossene in sich zu bergen und zum geistigen Gemein- gut der herumwachsenden Generation zu machen. Was aber die bürgerlichen Reformatoren heute auf dem Ge- biete der Schule leisten können, ist nichts weiter, als den Geist und das Können ihrer eigenen Klasse, welche bereits von einer anderen Klasse mit anderen Interessen und Ideen bedrängt wird, zu drastischem Ausdruck bringen. Dieser Kampf um Reform der Schule ist ein Kampf des Alten mit dem Aelteren. Alle genialen Reformatoren auf dem Gebiete der Er- ziehung, welche über die Mauer des Klassenbewußtseins hinüberzuschauen vermochten, Rousseau, Schiller, Pestalozzi, Diesterweg stimmen in der Erkenntniß überein, daß die Schule, welche es sich zur Ausgabe macht, ganze Menschen zu bilden, das Gesellschaftlich-Nützliche mit dem Allgemein- Menschlichen, das Reale mit dem Idealen vereinigen muß. Diese Vereinigung kann aber die bürgerlich resormirte Schule nicht vollziehen. Woher soll der Idealismus, die Begeisterung für die Interessen und den Fortschritt der Menschheit erwachsen? Aus den Naturwissenschaften? Der Idealismus entzündet sich nur durch die persönliche oder geistige Beschäftigung des Menschen mit dem Menschen, er ist das Produkt gesellschaftlicher und nicht naturwissen- schaftlicher Erkenntnisse. Die Lehre des Newtonschen Gra- vitationsgesetzes, die Darwinsche Erklärung der Entstehung der Arten, die Konstruktion der Dampfmaschine und des Telegraphen ist zwar im Stande, die Köpfe der Menschen aufzuhellen über die Gesetze, denen sie als Naturwesen unterworfen sind, über die Kräfte, welche dem wirthschaftlichen Produktionsprozesse dienstbar gemacht sind, aber Be- geisterung für den Fortschritt der Humanität erzeugen sie an und für sich nicht. Sie liefern treffliche Elemente für den realen Theil des Unterrichtes in der Schule, bleiben aber stets Stückwerk. Wenn nicht die Kenntniß der Gesellschaftswissenschaft hinzutritt, diese im weitesten Sinne des Wortes genommen, bleibt der Mensch ohne Verständniß für die Bedürfnisse seiner Zeit, für die Berechtigung neuer gesellschaftlicher Thatsachen und Ideen; er versteht zwar das Leben der Pflanze, den Lebensprozeß des menschlichen Körpers, aber nicht das Leben des Menschen und der Menschheit. Wie die einseitige Beschäftigung mit der Natur selbst genialen Menschen jedes Verständniß für gesellschaftliche Vorgänge raubt, zeigt das Beispiel eines Darwin und Häckel. Diese Gesellschaftswissenschaft umfaßt das ganze Kultur- leben in seinem Ruhezustand und in seinem Flusse, das Sein und das Werden der Zivilisation. Die Entwicklung der sozial-politischen Gesellschaftsformen, des Wissenschaft- lichen und Kunstlebens, welche zum heutigen Kulturzustand geführt hat, muß in ihren Umrissen geistiges Eigenthum der Jugend werden, damit der Mann seine Zeit verstehen und tn ihr und mit ihr zu wirken im Stande sei. Wenn die radikalen Schulreformen dem literarischen Unterricht in der Alterthumskunde den Rücken kehren, so thun sie es nur mit derselben Berechtigung, mit welcher der Parvenü die Gespielen seiner Jugend verleugnet. Unser gegenwärtiger Kulturzustand mit allen seinen Er- scheinungen ist so stark durchsetzt von den geistigen Errungenschaften des Alterthums— und die Vergangenheit wird stets mit ihren werthvollsten Ausläufern in die Gegenwart der Menschheit hineinreichen— das man ohne Kenntniß des Alterthums in der Würdigung der gegen- wältigen Kulturerscheinungen einem Einäugigen gleicht. Nun giebt es ja Wohlwollende unter den radikalen Schulresormern, welche dem Geist des Griechen- und Römerthums nicht mit geballter Faust gegenüberstehen, sick aber dem naiven Glauben hingeben, die Kulturerrungen-- schaften der„klassischen" Vergangenheit könne man ja, wenn man doch nicht darauf verzichten wolle, aus den Quellen zu schöpfen, aus den besonders bei den Deutscken vorhandenen vorzüglichen Uebersetzungen der bedeutungsvolleren lite- rarischen Werke des Älterthums erfassen, so daß man mit gutem Gewissen die Zeit für das Erlernen der alten Sprachen und das mühsame Eindringen in die Original- werke der Jugend ersparen könne. Aber darauf ist zu entgegnen, daß keine Uebersctzung einer so weit zurückliegenden Kulturepoche uns das Original ersetzen kann. Man lese die Epen eines Homer in der Originalsprache und in der Voß'schen Uebersctzung, die Sophokleischen Chöre in dem grandiosen Wortbau der griechischen Sprache und in der verhältnißmäßig besten Uebersctzung eines Donner, die Geschichtswerke eines Tacitus mit ihrer männlich kurzen, antithesenreichen Sprache, in der man bereits den Donner des Zusammensturzes des römischen Weltreiches vernimmt, und in der ausgezeichneten Uebersctzung eines Stahr, und man wird finden, daß das Original von der Uebersetzung sich unterscheidet, wie die in üppiger Fülle prangende und berauschenden Duft ver- breitende Rose von der einem Naturalienkabinet einver- leibten. Es ist ein Jrrthum, wenn man glaubt, die Sprache der literarischen Erscheinungen einer Zeit sei nur etwas Individuelles, dem Schriftsteller Eigenthümliches. Nein, der Geist der Zeit spiegelt sich nicht nur in dem Inhalt der hervorragendsten Werke, sondern auch in der Sprache, in dem Styl derselben wieder. Wenn man diese Werke nicht nach der Methode unserer modernen vertrockneten, jedes Geistes baren Philologen, sondern nach der eines Winkelmann, Lessing, Böckh, Lassalle studirt, dann kann man die Sprache nicht vom Inhalt trtnnen; sie bilden beide ein untheilbares Ganze. Die bedeutungsvolleren literarischen und Kunster- scheinungen der ganzen Vergangenheit unserer Kultur- geschichte in den Dienst der materialistischen Geschichts- Wissenschaft und nicht, wie gegenwärtig, der sprachlichen und technischen Disziplinen gestellt, bieten die einzige Möglichkeit, das Bild der Kulturentwicklung zu einem ob- jektiven und eindrucksvollen in der Ideen- und Gefühls- weit der Jugend zu gestalten. Und wenn ich noch hinzufüge, daß die Naturwissen- schaften in ihren wesentlichen Zweigen ebenfalls geistiges Eigenthum der Jugend werden müssen, so wird mancher Leser ausrufen: Aber die geistige Ueberbürdung der Jugend, welche heute schon Anlaß so vieler Klagen ist, würde bei einem derartigen Lehrplan zu einer noch größeren Kalamität sich entwickeln. Allerdings ist bei der heutigen Gesellschafts- form der Vorwurf berechtigt, aber nicht für diejenige, welcher die arbeitende Klasse entgegenstrebt. Wenn der Dualismus von Schule und Familie be- seitigt und als Gegengewicht gegen diejenigen geistigen Disziplinen, die in den Schulräumen gelehrt werden müssen, die Uebung des Körpers, der Arbeitsunterricht und der bei den Griechen so herrlich entwickelte peripa- thetische Unterricht durchgeführt ist, dann ist jede Sorge unnöthig, ob das Gehirn des Durchschnittsmenschen im. Stande ist, dem skizzirten Lehrplan sich anzupassen. Eine Differenz zwischen den Kulturgütern und der menschlichen Fähigkeit, sie geistig zu fixiren, ist bei gesunden sozialen Verhältnissen nicht vorhanden. In dem Verhältniß, wie die Kultur fortschreitet, entwickelt sich auch die Aufnahme- fähigkeit des Gehirnes nach dem Gesetz der Anpassung und Vererbung.——— Die neuerdings von den reaktionären Parteien aus- gehenden Schulreformvorschläge, welche durch einen einseitig national gefälschten Geschichtsunterricht die Schule noch mehr als gegenwärtig zu einem Bollwerk. des Bestehenden machen wollen, zu kritisiren, hieße die Intelligenz des Arbeiters beleidigen. Der Achtstundentag und die Industrie.') „Das erlaubt die Konkurrenz nicht!" Das ist die ewig wiederkehrende Ausrede der Kapitalisten, die man zu hören bekommt, wenn es sich darum handelt, für die Arbeiter irgend etwas Ernstes zu thun. Wir hören diesen Einwurf also auch hier, wo es sich um eine Abkürzung der Arbeitszeit handelt. Dieser Einwurf sagt mit anderen Worten weiter nichts, als: dann werden wir Kapitalisten nicht genug Rente verdienen. Es ist auffallend, daß immer nur die Zu- Wendungen, die den Arbeitern gemacht werden sollen, so lebhafte Bedenken wegen der Konkurrenz hervorrufen. Wenn die Bergwerksbesitzer die Kohlen und das Eisen empor- treiben, wenn die Lebensmittel jeder Art vertheuert werden, dann tritt dieser Einwurf nur ganz schüchtern auf, der den Arbeitern gegenüber so laut und mit solchem Nachdruck ausgesprochen wird. Woher mag das kommen? Es ist ganz klar, daß der Kapitalist nach möglichst hoher Rente strebt, das erscheint allen Mitkapitalisten sehr natürlich, denn sie thun es ja alle. Wenn man sich auch darüber ärgert, daß ein anderer seine Rente erhöht, wo das eigene Interesse verletzt wird, so wagt man grund- sätzlich dagegen doch nichts einzuwenden. Man nimmt sich nur vor, es im gleichen Falle ebenso zu machen. Die Kapitalrente kann nie hoch genug sein. Wir haben noch nie gehört, daß ein kapitalistisches Blatt in ') Wir entnehmen diesen Artikel dem Keßlcr'schen„Vereins- blatt für Bauhandwcrker." Entrüstung ausgebrochen ist, weil die Rente eines Unter- nehmers viel über 100 pCt. betrug, sondern sogar in solchen Fällen hofft man sehnlich auf weitere Steigerung und klagt bitter, wenn in einem Jahre nicht ganz das vorjährige Ergebniß erreicht wird. Anders ist es aber, sobald es sich um eine Besser- stellung der Arbeiter handelt. Da treffen wir sofort auf den Ausspruch: unverschämte Forderung, unberechtigter An- spruch. Es hat sich nämlich die Ansicht aus der Zeit des Sklavenstaates herausgebildet, daß der Arbeiter durchaus nur einen Anspruch auf das allernothwendigste Futtcrgeld erheben darf, daß er die Unauskömmlickkeit seiner Ein- nähme beweisen muß, wenn er eine Mehrforderung stellt, während man es lächerlich finden würde, von einem Millionär zu verlangen, daß er die Berechtigung seines Anspruches auf höhere Rente beweisen sollte. Ein Fabrikbesitzer sagt, meine Arbeiter können leben, sie verhungern nicht, darum brauche ich ihnen den Lohn nicht zu erhöhen, er würde es aber sehr sonderbar finden, wenn man bei ihm denselben Maßstab anlegen und ihm sagen würde: Du brauchst also auch keine höhere Rente, als daß Du vor dem Verhungern geschützt bist. Man betrachtet den Arbeiter eben nicht als gleich- berechtigten Menschen, sondern als einen Theil der Arbeits- Maschinerie und noch dazu als solch einen Theil, dessen Be- schaffung kein Geld weiter kostet, den man also gegen zu schnelle Abnutzung nicht besonders zu schützen braucht. Das Unfallverficherungsgesetz hat die eine gute Ein- Wirkung gehabt, daß es die Unternehmer vorsichtiger ge- macht hat, da sie die verunglückten Arbeiter, wenn auch kümmerlich, ernähren müssen. Sie sind daher plötzlich rührend besorgt geworden, die Arbeiter gegen Unfall zu schützen, soweit es nicht viel kostet. So würden sie auch gegen die übertriebene, die Menschen vernichtende Aus- Nutzung der Arbeitskraft ebenso vernünftige Maßnahmen ergreifen, wie kein vernünftiger Pferdebesitzer seine Pferde todt treibt, wenn den Unternehmern die„Produktion" der Arbeitskraft der Arbeiter ebenso, wie die der Pferde Geld kostete, oder sie die invaliden Arbeiter sehr anständig unter- halten müßten. Wir können sagen, der Sklave hatte bessere BeHand- lung im Durchschnitt, als der heutige„freie" Arbeiter, dessen Arbeitskraft dem Unternehmer so billig zuwächst. Wenn der Unternehmer also heute meint, der Arbeitslohn sei„auskömmlich" und eine Mehrforderung eine„Unver- schämtheit" oder mindestens„unberechtigt", so geht er da- bei noch lange nicht mit der sorgfältigenPrüsung zu Werke, wie ein Sklavenbesitzcr, und die Erfahrung lehrt ja auch, daß die Löhne häufig genug, ja in der Regel, das zum Leben Mindeste nicht gewähren, daß die Arbeiter mit ihren Familien vielfach wirklich darben und dennoch ihnen auf ihre Lohnforderungen der Einwurf gemacht wird: das vcr- trägt die Konkurrenz nicht! Wir können da die Frage aufstellen: Ist die Mensch- heit der Kapitalrente wegen da, oder arbeiten wir um der Wohlfahrt der Menschen willen? Die heutige Gesellschaftsordnung nimmt ohne Zweifel das Erstere an. Sie macht die Kapitalrente zum Aus- gang und Endziel aller Arbeit. Sie vergeudet die Arbeits- kraft an ganz unnützen und entbehrlichen, ja geradezu schädlichen Produkten, wenn dabei„Geld zu verdienen" ist, d. h. wenn das Kapital dabei hohe Rente erhält, sie läßt die allernothwendigsten Bedürfnisse unbefriedigt, wenn da- bei eine hohe Rente nicht zu erwarten ist. Man vergiftet das Volk mit Branntwein, weil das viel Geld einbringt und sorgt nicht für gesunde Arbeiterwohnungen, weil das zu geringe Zinsen bringt. Wir halten aber das Allgemeinwohl als die oberste Richtschnur des menschlichen Handelns und finden daher, daß es Unrecht ist, den Kapitalprofit als Ausgangs- und Endpunkt des Handelns zu nehmen. Wir verlangen eine Beschränkung des Kapitalprofites zu Gunsten der Arbeiter, wir halten den Arbeiter eben für einen gleichberechtigten Bürger und sprechen ihm auch einen Antheil an den Kultur- genüssen zu, der über das zum Leben erforderliche Mindest- maß hinausgeht. Wir verlangen dies mit vollem Bewußt- sein aus Kosten des Kapitalprofits. Wir erkennen kein geheiligtes Recht des Kapitals auf einen bestimmten Zinsen- satz an; wenn die Kapitalisten von den Zinsen nicht mehr leben können, so mögen sie auch mitarbeiten und Hand anlegen, um Werthe zu schaffen. Da heute die Proletarier aller zivilisirten Länder aus dem Wege sind, die gleichen Forderungen zu stellen, so würde auch ohne besondere Abmachung sich in allen Staaten ziemlich derselbe Zustand herstellen, wenn das Streben überall mit annähernd der gleichen Stärke auftritt. Die allgemeine Abkürzung der Arbeitszeit würde jeden Einwand, der aus der Konkurrenz des Auslandes genommen werden kann, beseitigen. Daß das Kapital nicht ohne den stärksten Druck durch die Arbeiter auch nur das aller- geringste von seinem Ausbeuterrechte wird fallen lassen, ist ohne Weiteres klar. So lange man, gestützt auf Polizei und Soldaten, die Ansprüche der Arbeiter glaubt zurückweisen zu können, wird man ihnen Nichts gewähren. Erst wenn man noch mehr als heute einsehen wird, daß die Arbeiter auch trotz Polizei und Soldaten ihr Ziel erreichen können, wird man sich zu Zugeständnissen gezwungen herbei- lassen. Wenn also erst in einem, dann in dem anderen Staate der Druck der Arbeiter die Kapitalisten zu erheblichen Zugeständnissen zwingen wird, dann wird man, da diese Zu- geständnifse nicht überall in derselben Art werden erfolgen können, die Nothwendigkeit fühlen, zu internationalen Ab- wachungen zu greifen, früher sicher nicht. Wenn uns also das Kapital von der Konkurrenz des Auslandes vorerzählt und dadurch glaubt, die Arbeiter von der Verfolgung ihrer Ziele abschrecken zu können, so sagen wir sehr kühl: Es ist dieser Einwand nicht ganz un- berechtigt, es liegt aber in Eurer Hand, die Sacke durch internationale Verträge, durch eine internationale Arbeiter- schutzgesetzgebung zu ändern. Ihr habt die Klinke der Gesetzgebung in der Hand, nicht wir. Gut, so gebraucht sie! Uebt, wenn es nöthig ist, den Druck aus, den ein Staat gegen den anderen oft wegen viel geringerer Sachen ausübt. Wir können nicht anerkennen, daß der deutsche Arbeiterstand deshalb verkommen muß, weil das„Ausland" es so haben will. Ihr rühmt ja sonst Euren heutigen Staat so sehr, nun, hier ist sein Rhodus, hier mag er zeigen, ob er tanzen kann, ob er auch für die Arbeiter von Nutzen ist, oder nur den Wörmanns und Genossen Absatzgebiete für schlechten Schnaps zu erschließen fähig ist, ob von den Milliarden, die für Militärzwecke aus dem Volke herausgedrückt werden, auch eine Verbesserung der Lage der Arbeiter zu erreichen ist. Sagt Ihr, das geht nicht, dann sagen wir, was nützt uns Euer Staat, wenn er für die Arbeiter keine Ver- besserung ihrer Lage bieten kann? Die Folgerungen hier- aus mag Jeder selbst ziehen. Wir halten eine gesetzliche Regelung der Arbeit, so, daß die Gesundheit, die Sittlichkeit und die wirthschaftliche Lage der Arbeiter davon wesentliche Vortheile hat, durch- aus für geboten. Der Kapitalprofit wird sich in die ihm unangenehme Nothwendigkeit fügen müssen. Es ist an ihm Opfer zu bringen, die Arbeiter haben sie lange genug gebracht, sie können ihre Gesundheit, ihre Arbeitskraft nicht länger verwüsten lassen. Die Industrie muß sich auf diesen Zustand noth- wendig einrichten, sie muß sich den Thatsachen fügen, denn die Arbeiter wollen ihr Recht und werden es erreichen. Die Industrie muß sich auf Vertheuerung der Arbeitskraft einrichten, wie sie sich auf die Vertheuerung so mancher Rohstoffe schon hat einrichten müssen. Wenn die Kapitalrente dadurch geringer wird, wenn dadurch die Vernichtung der Kleinindustrie durch die Groß- industrie fortschreitet, um so besser, desto näher kommen wir dem Endziele, der Umformung der heutigen Wirth- schaftsweise. Diese Anschauungen leiten uns, wenn wir nach der Einführung des Achtstundentages streben. Wir geben zu, es ist möglich, daß die Kapitalrente in einzelnen Fällen darunter leiden wird, wir sehen darin aber keinen Grund, von unseren Forderungen abzustehen. Wir sind der Meinung, daß über dasjenige, was angänglich und zu- lässig ist, zwischenKapital und Arbeit inBetreff ihrerAnsprüche an den Arbeitsertrag so lange grundsätzliche Meinungs- Verschiedenheit herrschen wird, so lange der Produktions- apparat nicht ganz das Eigenthum der Arbeiter ist, sondern eigenes Renteninteresse hat. Wir halten auch einen Streit darüber, welche Ansprüche nun eigentlich berechtigt sind, der erhoben wird, um die entgegenstehenden Ansprüche auszugleichen, für vollkommen aussichtslos. Es handelt sich da um Machtfragen. Jeder Theil nimmt, was er be- haupten kann. Noch kein Anspruch der Arbeiter ist vom Kapitale aus irgend einem anderen Grunde befriedigt, als geradezu dem Zwange weichend, oder der Furcht Gehör gebend, bei Verweigerung der Forderung größeren Schaden zu haben, also zur Beruhigung der Arbeiter, als Loskauf. Wir halten es deshalb für vollständig unnütz, über die Berechtigung des Achtstundentages mit den Kapitalisten zu streiten. Seine Einführung beschränkt ihr Ausbeutungs- recht, also sind sie dessen Gegner. Wenn alle Lander außer Deutschland den Achtstundentag hätten, und die deutschen Arbeiter hätten nicht die Macht, ihn auch bei uns durchzusetzen, würde er ihnen ebenso hartnäckig verweigert werden, als ob wir ihn als die Ersten verlangten.. Es lohnt aber doch, einige der Einwendungen gegen den Achtstundentag wenigstens etwas näher zu betrachten. Es giebt eine Anzahl Betriebe, in welchen heute eine Verkürzung der Arbeitszeit ohne Zweifel eine augenblickliche Herabminderung der Leistung zur Flüge haben würde, die ganz entsprechend der Verkürzung der Arbeitszeit ist. In anderen Betrieben aber wird ein Ausgleich in höherem oder niedrigerem Maße eintreten, dadurch, daß die ftischere Ar- beitskraft eine größere Leistung giebt. Man denke einen Arbeiter, der 12 Stunden, wie es vielfach vorkommt, gearbeitet hat, also 14 Stunden in dem Fabrikraume eingesperrt gewesen ist. Selbst wenn die Arbeit keine große Körper- oder Geistesanstrengung ver- langt, so ist er abgespannt und ermattet. Er hat nun vielleicht noch eine Stunde Weg nach Hause, was garnicht selten ist, daselbst warten seiner noch allerlei Verrichtungen für die Häuslichkeit, er kann und will der Geselligkeit nicht ganz cntrathen, so bleibt ihm für die Ruhe zu wenig Zeit, um die Körperkräfte zu ersetzen und das geistige Gleich- gewicht wieder zu erlangen. Er beginnt am neuen Tage die Arbeit abgespannt, lässig und langsam. Man kennt ja den trägen, schleppenden Schritt solcher übermüdeter Arbeiter, ihre Stumpfheit, ihren Mangel an Aufmerksam- keit, Vorsicht und Umsicht. Man weiß darüber zu klagen und zu schelten und doch ist dieses nur die Folge der Er- mattung, weil der Körper und der Geist nie zur genügen- den Ruhe gelangt. Da wird eine Abkürzung der Arbeits- zeit, sobald sie erst auf den Körper der Arbeiter ihre heil' ame Wirkung ausgeübt hat, die Leistung in der Zeiteinheit erheblich steigern und ein großer Theil dessen, was an- angs an Leistung verloren schien, wird bald wieder ein- gebracht werden. Das hat ja die Erfahrung so vielfach gelehrt, ist auch so selbstverständlich, daß es kaum eines weiteren Beweises bedarf. Dazu kommt der Ausgleich durch bessere Betriebseinrichtungen, die man dem frischeren und aufmerksameren Arbeiter bei kürzerer Arbeitszeil viel leichter anvertrauen kann, die er viel besser ausnutzen wird. Die Arbeitsleistung ist ein Ergebniß, wie man wissen- schafllich sagt„eine Funktion" aus Arbeitszeit und Leistungs- sähigkeit. Die Leistungsfähigkeit wiederum vermindert sich mit der Länge der Arbeitszeit, es ist also nicht mit der längsten Arbeitszeit auch die größte Arbeitsleistung zu er- reichen. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn hierüber einmal genauere Beobachtungen angestellt würden von wissenschaftlich gebildeten und voruriheilsfreien, unparteiischen Männern. Wir glauben, man würde da zu ganz wunder- baren Ergebnissen kommen, die zeigen würden, wie sehr unvernünftig die lange Arbeitszeit ist. Die Erfahrung lehrt, daß in solchen Industrien, in welchen in England eine kürzere Arbeitszeit als bei uns üblich ist, doch unsere Industrie bei gleicher Waarengüte keinen Vortheil hat. Ganz abgesehen davon, daß ein solcher aus den Knochen der deutschen Arbeiter heraus- geschundener Vortheil ein unmoralischer wäre. Ja, da sagt man, das kommt daher, dcr englische Arbeiter ist leistungsfähiger. Ganz gut! warum ist er es? Weil er stärker und intelligenter ist. Ja nun! macht den deuischen Arbeiter dadurch, daß Ihr es ihm ermöglicht, besser zu leben, doch auch stärker und intelligenter. Sein Kopf, seine Knochen sind mindestens ebenso gut. Gebt ihm die nöthige Ruhe, gebt ihm den auskömmlichen, zum Befriedigen der dem Kulturzu stände eines intelligenten Arbeiters entsprechen- den Bedürfnisse genügenden Lohn, und der deutsche Arbeiter, selbst der aus Oberschlesien und dem sächsischen Voigt- lande, wird keinem englischen Arbeiter in Leistungsfähigkeit nachstehen. Es ist lange und viel gesündigt durch die Ausbcu- tungssuchl der Unternehmer. Ganze Provinzen sind durch Jahrhunderte lange Ausraubung der Volkskraft sehr tief hinabgesunken, sehr verelendet. Hier wird man mit um so größerem Ernst herangehen müssen, die Zustände zu verbessern, schrittweise, aber in ziemlich schneller Gangart zu besseren Verhältnissen fortschreiten müssen. Doch Staat und Gesellschaft weigern sich beharrlich, auch nur den ersten Schritt auf der Bahn zur Besserung zu machen, der An- spruch des Kapitals auf seinen Profit verhindert.jede Maß- nähme ernster Art. Man treibt rath- und haltlos immer tiefer in das Elend hinein. Man lernt nicht,'man läßt sich nicht warnen! So lange wir leben, so lange geht es noch, weshalb sollen wir auf hohe Dividenden verzichten, laßt unsere Nachkommen sorgen! Das ist der trostlose Spruch. Die Forderung der Arbeiter nach dem achtstündigen Arbeitstage ist wieder eine Mahnung an alle, die sie hören wollen. Es ist dies das Verhängniß unserer Zeit, wie es das Verhängniß früherer Zeiten gewesen ist. Man sieht die Zeichen und Wunder nicht, man glaubt den Propheten nicht, man trotzt und verstockt sich. In blinder Wuth verfolgt man und reizt man die Ar- beiter. Statt nach Abhilfe und nach Versöhnung zu streben, sucht man nach Gewaltmitteln, bedrückt und schlägt, leugnet die Noth ab, verschärft die Ausbeutung, vermehrt den Druck, freut sich der Gewaltthat. Dennoch verliert man Tag für Tag an Macht, dennoch wächst von Tag zu Tag das Machtbcwußtsein der Arbeiter. Sie erwarten nichts mehr von der Gerechtigkeit und Billigkeit, sondern nur von der Macht ihrer auf gesetzlicher Grundlage aufgebauten Vereinigung, die durch die gemeinsame Roth gegründet, von der Bedrückung zusammengeschweißt, von der Verfolgung gekräftigt wird. Mit dieser Vereiiligung werden sie den Ausbeutern zum Trotz den achtstündigen Arbeitstag auf gesetzlichem Wege und als Staatseinrichtung erreichen. Die Industrie wird sich dann damit abfinden, der Kapitalprofit wird auch dann noch erheblich genug sein. Zur Frauenarbeit au den Nähmaschinen. gk. Der französische Fabrikinspektor, Herr Laporte, sagt über die Arbeiterinnen an den Nähmaschinen: Es ist selten, daß eine solche, selbst wenn sie stark und von guter Körperbeschaffenheit ist, lange das Handwerk betreiben kann, ohne brustkrank zu werden. Eine Besitzerin einer Nähstube, die befragt wurde, sagre ebenso:„Mit Ablauf von zehn Jahren ist eine Maschinennäherin für das Hospital reif." Fast alle Maschinennäherinnen an Trittnähmaschinen, die fortwährend beschäftigt sind, klagen über Schmerzen im Unterleibe und in den Nieren und leiden fortwährend an Störungen in ihren Menstruationen. Die Arbeit ist ganz besonders chädlich für die Gesundheit der Arbeiterinnen, wenn sie noch jung sind. Der Gesundheitsrath des Departements der Seine in Frankreich hatte den Wunsch ausgedrückt, daß den Mädchen unter 16 Jahren verboten würde, an Tritt- Nähmaschinen zu arbeiten. In Folge dessen hat der französische Handelsminister die Frage dem Rathsausschuß für Kunst und Gewerbe unterbreitet und dieser hat, bevor er sich in der Sache chlüssig macht, den Wunsch geäußert, die Ansicht des Ge- undheitsrathes über folgende zwei Fragen zu hören: 1. Ist es nöthig, den Mädchen unter 16 Jahren die Arbeit an den Trittnähmaschinen ganz zu unter- sagen, oder würde es genügen, für sie die Arbeitszeit auf die Hälfte zu beschränken? 2. Würde das Verbot oder die Einschränkung der Arbeitszeit für diese Arbeit nicht die Gewohnheiten und die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verletzen? Mit diesen Fragen hat sich der Gesundheitsrath am 11. April beschäftigt. Der Berichterstatter folgerte aus 16 Jahren zu verlangen. Der alte Zopf in der Frauenfrage. den vom Fabrikinspektor angeführten Thatsachen, daß die Bergbau:„ Die Elektrizität oder eine andere Kraft, z. B.[ betrieb gefertigt und zum Betriebe reicht die Kraft eines Verkürzung der Arbeitszeit auf die Hälfte zum Preßluft, läßt sich hauptsächlich in zweierlei Weise ver- Knaben aus. So wird auch hier die Maschine die HandSchuße dieser jugendlichen Arbeiterinnen nicht ausreichen wenden: zur Förderung der gewonnenen Kohle oder Erze arbeit verdrängen und den erwachsenen durch den jugendwürde und daß es nöthig sei, das vollständige Verbot und zu eigentlichen bergbaulichen Arbeiten, d. h. zum lichen Arbeiter. der Arbeit an Trittnähmaschinen für Mädchen unter Abhauen des Gesteins oder der Kohle. Was die Anwendung mechanischer Kraft zur Fortbewegung und zum Es wird dabei zugleich ausgeführt, daß dieses Verbot Hinaufwinden der Förderungen anbelangt, so bedient man keinen erheblichen Schaden den Gewohnheiten und den sich hier längst theils des allerdings primitiven Mittels Gegenwärtig beschäftigt sich das französische ParlaInteressen der arbeitenden Bevölkerung zufügen würde. der Pferde, theils der Dampfmaschine; auch würde aus ment mit einem Gesezvorschlage, welcher den Frauen die Die eingezogenen Erkundigungen haben ergeben, daß der der Verallgemeinerung der Anwendung dieser Mittel Stimmberechtigung bei den Wahlen in das Hanbeiweitem größere Theil der an Nähmaschinen beschäftigten teine sehr erhebliche Ersparung an Arbeitskräften erwachsen. delsgericht geben will. Mädchen älter als 16 Jahre ist. Manche von ihnen Da hat die Sprague- Gesellschaft neuerdings eine kleine Die Regierung hielt es für gerathen, über diese haben freilich ihre Lehrzeit begonnen, bevor sie 16 Jahre elektrische Lokomotive gebaut, welche insofern neues bietet, Neuerung das Gutachten der Handelskammern einzuholen alt waren, aber seitdem der Schaden festgestellt ist, der als sie auch den sehr engen Stollen in Erzbergwerken an- und haben die Kammern von Marseille und Bordeaux in durch die Arbeit an der Trittnähmaschine der Gesundheit gepaßt ist. Ihre Spur beträgt nämlich nur 45 Ctm. ablehnendem Sinne geantwortet. der jungen Mädchen zugefügt wird, erlauben einsichtige bisher war man kaum unter 60 Ctm. heruntergegangen" In Anbetracht, sagt die Handelskammer von MarMütter ihren Töchtern nicht, an solchen Maschinen zu und ihre Höhe nur 75 Ctm. Troß dieser geringan feille, daß das Gesetz über die Wahlberechtigung in die arbeiten, bevor die Mädchen ihre volle Entwickelung erreicht Abmessungen leistet sie 15 Pferdestärken und schleppt Lasten Handelsgerichte nicht alle jene Hoffnungen erfüllte, welche haben. von 1800 Kg. in Gängen, wo man selbst kleine Pferde sich dessen Urheber versprachen, daß die Neueinführung des Der Gesundheitsrath beschloß also: nicht benußen kann. Zur Bedienung genügt ein Wahlrechts der Frauen nicht den Erfordernissen der Zeit(!!!) Es soll verboten werden, in Werkstellen Mann. Von dem oben eingenommenen Standpunkte( der entsprechen würde; daß das Zugestehen des Wahlrechtes Mädchen unter 16 Jahren an Trittnähmaschinen Arbeits ,, ersparung" nämlich) aus interessanter ist der an die Handelsfrauen geeignet wäre, auch deren Wählbar= zu beschäftigen". Sprague'sche Kohlenbohrer, weil er so viel leistet teit( entseßlich: wählbare Frauen!) nach sich zu ziehen; in Wir haben es für wichtig genug gehalten, diese Ver- als zehn Menschen und dabei erheblich billiger arbeitet. Anbetracht, daß solche Verfügungen mit unseren Sitten handlungen der Pariser Behörden über die Arbeit der Der Kohlenbohrer steht auf Rädern und leichten Feld- nicht vereinbar sind: beschließt die Kammer ein ablehnenMädchen an Trittnähmaschinen unsern Lesern im Auszuge bahnschienen, die sich sehr rasch verlegen lassen. Noch des Gutachten abzugeben." mitzutheilen, da ja bei uns genau dieselben Zustände rascher gelegt ist natürlich die elektrische Leitung, welche Die Handelskammer von Bordeaux begründete ihr herrschen. Auch bei uns wird ein großer Theil der den Elektromotor mit der primären Dynamomaschine an Gutachten folgendermaßen:„ Die Handelskammer von Arbeiterinnen in ihrer Gesundheit durch die Trittnäh- der Einfahrt zum Bergwerk verbindet. Dieser 10 pferdige Bordeaur erachtet, daß nach dem gegenwärtigen Stande maschinen geschädigt. Motor treibt einen Kohlenbohrer, welcher stündlich zehn unserer Sitten(!) und Gewohnheiten, eine Reform dieser Man hält es für so selbstverständlich, daß Mädchen und Tonnen auch der härtesten Kohle ausbricht. Eine sehr Art weder einem Bedürfnisse noch einem allgemeinen InFrauen an den Nähmaschinen sich in kurzer Zeit zu Tode bedeutende Leistung!" Man sieht, die Bergleute haben teresse entspricht, und daß, gerade was die Handelsgerichte arbeiten, daß es kaum jemandem eingefallen ist, darüber Recht, dem Landfrieden der Unternehmer nicht zu trauen betrifft, es gefährlich(!) schiene, dieser Institution die nachzudenken, ob hier nicht eine Aenderung eintreten könnte. und sich durch gute Organisation auf neue Kämpfe gefaßt zweifelhafte Probe einer Umwälzung aller Regeln aufzu= Das Nähen an der Trittnähmaschine ist aber ohne Zweifel zu machen. Das Kapital ist für seine Interessen uner- erlegen, die bisher bei der Berufung und Zusammenſeßung eine Arbeit, die dem weiblichen Organismus ganz be- müdlich, möge es auch die Arbeit sein! der Aemter in Frankreich beobachtet wurden." sonders schädlich ist, besonders wenn die Arbeit in zu jugendlichem Alter beginnt. Wir können daher nur den Wunsch haben, es möchte auch bei uns verboten werden, Mädchen unter 16 Jahren in Werkstellen an Trittnähmaschinen zu beschäftigen. Das ist das Wenigste, was verlangt werden kann. * * * Literarische s. Die neuesten Während Nachrichten über Streiks der industriellen Von der ,, Neuen Zeit", Stuttgart, Verlag von J. H. und gewerblichen Arbeiter alltäglich in den Zeitungen zu finden sind, hört man von Streiks landwirthschaftlicher W. Diez, ist soeben das 5. Heft des 8. Jahrgangs erschienen. Die Arbeiter nur selten. Und dennoch sind solche auch in be- auswärtige Politik des russischen Zarenthums. III. Von Friedrich Engels. Erinnerungen eines deutschen Achtundvierzigers.( Sigdeutendem Umfange vorhanden, wenn auch nicht in Europa mund Borkheim.) Bearbeitet von Reinhold Rüegg. Zur Wenn dort die Zeit der Shakespeare- Frage. Von Robert Schweichel. so doch in Australien. Produktion und Technik, Statistisches. Schafschur gekommen, sind die großen Heerdenbesißer immer Forschungen über die Lungenschwindsucht. Von Dr. Mar Bylo. Kaum werden die Arbeiter etwas unangenehm, indem einer Arbeitseinstellung oder einer Lohnerhöhung aus erscheinende Feſtnummer( zum 1. Mai) des humoristisch satyrischen Glühlichter. Wir machen unsere Leser auf die am 29. April fie höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und ähn- gesetzt". Dies deshalb, weil das Scheeren der Schafe Arbeiterblattes„ Glühlichter" besonders aufmerksam. Einzelne liches fordern, so sinnt das Kapital schon darauf, das nicht von jedem Beliebigen vorgenommen werden kann, Nummern( reich illustrirt und kolorirt, 8 Seiten stark) kosten 6 kr. ungefügige, respektlose Fleisch und Blut durch blindge- sondern hierzu besonders geschickte und eingeübte Leute sammt Zusendung. Zu beziehen durch Hans Czermat, Wien. I., horsame todte Maschinen zn ersetzen. So auch in der nothwendig sind. Durch die Erfindung einer Scha f- Am Bergel Nr. 1. Bergwerksindustrie, seitdem die Streifs die Arbeiter auf- scheermaschine wurden hier die Verhältnisse plötzlich gerüttelt haben. Interessenten- Maschinen- Fabrikanten, geändert. Während bisher die geschicktesten Scheerer es Elektrotechniker u. s. f. sind bereits rüstig am Werke, auf höchstens 140 Schafe per Tag brachten, können mittelst den Bergwerksbesitzern ihre Erfindungen zum Ersatz der dieser Maschine von jedem gewöhnlichen Arbeiter täglich Hamburg. 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